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 Chaos lives in everything

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Chaos lives in everything   So Sep 22, 2013 11:26 pm

Dass alles wieder so war wie beim Alten machte Law einfach glücklicher, als es legal erschien. In der Zeit, die sie im falschen Geschlecht verbracht hatten, hatte er sich so sehr zusammengerissen -hauptsächlich Gary zuliebe- dass es ihm gar nicht aufgefallen war, wie sehr ihm sein richtiger Körper eigentlich gefehlt hatte, doch jetzt, da sie wieder guten Sex hatten, fiel es ihm umso mehr wieder auf. Und es war ja nicht nur der Sex, er fühlte sich einfach wieder wie er selbst, und dass sie einen Tag später endlich wieder mit ihrem Wohnwagen aufbrachen brachte dem Cyborg die nötige Sicherheit, dass sie so schnell nicht wieder in ein solches Dilemma schlittern würden. Wie oft rannte man schon Frauen über den Weg, die einen in ein Weibsbild verwandeln konnten? Selbst in diesen merkwürdigen Zeiten war das mehr als nur ungewöhnlich. Zwar hatte die Nähe zu den Mauern der Stadt auch für ein gewisses Maß an Sicherheit gesorgt, aber irgendwie war es auch nicht das Leben gewesen, dass die beiden Außenseiter liebten, und sie wussten ja mittlerweile, wie man sich zurechtfand, wenn man nicht nur an einem Ort lebte. Die Einöde war ihr Zuhause, allerdings sollte sich das bald ändern. Der Sommer war irgendwie unspektakulär ausgeklungen, für ein paar wenige Wochen waren die Temperaturen wirklich sehr angenehm gewesen. Keine brüllende Hitze, aber auch kein klirrend kalter Winter. Es hatte sogar etwas mehr geregnet, sodass die beiden ihre Wasservorräte hatten auffüllen können und für ein paar Tage darauf auch die Märkte voll gewesen waren, weshalb sie für die kommenden harten Monate schon mal ganz gut gerüstet waren. Dass der Winter vor der Tür stand war überall zu merken und bald schon platzte Garys Wohnwagen aus allen Nähten mit Vorräten und Winterkleidung, mit der sie sich reichlich eingedeckt hatten. Die Enge in ihrem treuen Gefährt war nicht der einzige Grund, weshalb Lawrence immer mehr darauf drängte, für die kalten Wintermonate eine feste Bleibe zu finden. Er kannte die Winter hier, sie waren lang und erbarmungslos, und wenn man sich nicht vernünftig vorbereitete, dann konnte man wirklich Pech haben und einfach erfrieren oder verhungern. Und so gern er ihren Wohnwagen auch hatte, er hatte dünne Wände und nicht genug Platz, und eine feste Bleibe wäre wirklich besser. Gary davon zu überzeugen war jedoch eine sehr viel schwierigere Aktion. Er hatte wohl die vergangenen Winter auch immer mit Newton in seinem Wohnwagen verbracht und hielt es nicht für nötig, es dieses Jahr anders zu halten. Es kostete den Cyborg unglaublich viel Nerven, ihn zu überreden, und ein klein wenig Sex war auch im Spiel, aber ungefähr drei Wochen, bevor der erste Schnee fiel, machten sie sich auf die Suche. Es gab in dieser Welt so viele leerstehende Häuser und so wenig Menschen, dass es eigentlich nicht schwer war, etwas zu finden. Da sie nicht wissen konnten, was der Winter so bringen würde, hatte Law vorgeschlagen, wieder in der Nähe einer Stadt zu bleiben, und sie hatten tatsächlich einen alten Hof gefunden, der nicht einmal eine halbe Stunde von einer größeren Siedlung entfernt war. Es war gut, dass sie ihn früh genug gefunden hatten, denn es gab noch genug zu tun, um das Gebäude bewohnbar zu machen. Den Wohnwagen konnten sie in dem geräumigen Stall lassen, im Innenhof stand ein Brunnen, sodass sie sich das nervige Wasserschleppen würden sparen können, und im Stall war eine relativ große erdene Fläche, wo sie eventuell noch Gemüse ziehen konnten, wenn sie schnell genug einsähten. Sie hatten einen großen Kamin, aber Law war eigentlich zuversichtlich, dass sie den Boiler im Kellerraum zum Laufen bringen könnten und somit Wärme in allen Räumen hatten. Strom mussten sie von einem Generator ziehen, denn Stromleitungen gab es schon lange nicht mehr, aber alles in allem war dieser Ort perfekt. Sogar die Einrichtung hatte er mit Gary gemeinsam auf Vordermann gebracht, bevor die ersten Schneeflocken fielen und die Einöde um sie herum in eine weiße Wüste verwandelten. Newton musste bei den Temperaturen sicher leiden, aber sie hatten eine Wärmelampe gefunden, unter der die Echse sich aufwärmen und sein Grünzeug fleißg wachsen konnte. Anscheinend kamen viele Leute in den kalten Monaten in diese Gegend, denn der Markt im Ort war immer gut gefüllt, aber das hieß auch, dass sie sich eigentlich nie Sorgen um das Essen machen mussten. Zwar war der Weg bis zur Stadt im hohen Schnee hin und wieder sehr beschwerlich, aber sie mussten ja auch nur alle paar Tage diesen Trip auf sich nehmen. Schnell waren die Temperaturen von erträglichen 0° auf weit darunter gefallen. Immerhin bedeutete das, dass Lawrence eine sehr gute Begründung hatte, um sich noch enger als sonst an Gary anzukuscheln und viel Zeit mit ihm im Bett zu verbringen. Sie hatten mittlerweile schon so viel Zeit miteinander verbracht, waren so weit zusammen gereist, dass Law ein Leben ohne den Rotschopf immer unerträglicher fand, aber zum Glück musste er sich darüber gar keine Gedanken machen, denn Gary würde bei ihm bleiben, warum sollte er auch nicht? Immerhin waren sie nach wie vor alles was sie hatten, und auch, wenn sie sich hin und wieder in die Wolle bekamen, schliefen sie doch am Ende des Tages immer wieder nebeneinander und eng umschlungen ein.
Obwohl sie sich mittlerweile immer in mehrere Schichten Kleidung packten, um der eisigen Kälte zu entgehen, hatte Law es wohl doch geschafft, sich irgendetwas einzufangen, denn er merkte, dass er immer mehr zu husten begann und seit gestern bahnte sich auch dieses unangenehme Fiebergefühl an, sodass Law schon mal zur Sicherheit ein wenig an Medikamenten ins Haus geholt hatte. Er war niemand, der sich groß beschwerte, wenn er krank wurde, und jedes Mal, wenn Gary ihn besorgt auf sein Husten ansprach, dann winkte er nur kopfschüttelnd ab. Es war nicht der Rede wert und würde sicherlich bald wieder verschwinden. Das hatte der Cyborg sich zwar immer wieder eingeredet, aber als er heute in die Stadt gefahren war, um etwas Fleisch zu besorgen, waren die Kopfschmerzen immer schlimmer geworden und seine Temperatur musste auch angestiegen sein, denn Lawrence war ganz schummrig geworden, während er der Frau an der Kasse ihr Geld bezahlte. Er sollte schnell wieder nach Hause und sich so wenig wie möglich in der Kälte aufhalten, Gary wartete sicher schon auf ihn, er hatte schon mal mit dem Essen anfangen sollen. Nur sehr mühsam kämpfte er sich durch den beinahe hüfthohen Schnee, sie hatten schon einigermaßen eine Schneise geschlagen, aber es schneite immer wieder neu, sodass der Weg nie so wirklich erhalten blieb. Gerade hatte der Cyborg immerhin etwas Glück, letzte Nacht hatte es nicht geschneit und er musste sich nicht allzu sehr durch den Schnee kämpfen. Bubbles hatte ihn begleitet und piepste unruhig vor sich hin als ahnte die Drohne, dass es ihrem Besitzer nicht so gut ging. Wie er ins Haus gekommen war, wusste der Cyborg irgendwie nicht einmal mehr so wirklich. Ihm war so heiß, dass er den dicken Schal und die Kapuze vom Kopf gezogen hatte und sie mit zittrigen Fingern beiseite warf, sich krümmend, als ein erneuter Husten ihn schüttelte. Er konnte Gary im oberen Stockwerk werkeln hören und hob den Kopf, der auf einmal unglaublich schwer zu sein schien.
"Gary, ich glaub du musst mir tragen helfen!", rief er ihm entgegen, bevor ihm tatsächlich schwarz vor Augen wurde und mit einem erstickten Laut auf dem Boden landete. Was verdammt war denn nur los mit ihm? War das doch etwas argeres als eine simple Erkältung? Er war nur kurz weggetreten, und als er mit zuckenden Lidern die Augen wieder öffnete, sah er schon Gary und Bubbles, die sich besorgt über ihn lehnten. Orientierungslos blickte der Dunkelhaarige sich um, er hockte noch immer in der Diele und spürte, wie sein Puls raste und sein Blut kochte. Nein, so fühlte sich keine Grippe an. Hustend beigte der Cyborg sich vornüber und tastete dabei nach seine Stirn.
"I-Ich glaube ich bin....irgendwie krank", murmelte der Cyborg schwach und hätte beinahe erneut das Bewusstsein verloren.
"Vielleicht sollte ich besser ins Bett gehen", fügte er schwach hinzu, aber an Aufstehen war gar nicht zu denken. Er schaffte es nicht einmal halb auf die Beine, bevor er wieder in sich zusammenklappte. Vom Husten tat ihm mittlerweile schon der Brustkorb weh.
"Bubbles, scann mich mal bitte", murmelte er, während die kleine Drohne ihn eifrig überprüfte.Es würde etwas dauern, bis ein Ergebnis vorlag, aber in diesen unsicheren Zeiten war die Drohne tausendmal wertvoller als ein Arzt, der gar nicht immer erreichbar war.

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Chaos lives in everything   Di Sep 24, 2013 12:24 am

Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte der Winter ihnen fernbleiben können, er mochte ohnehin die, wenn auch kurze, Zeit, die zwischen den radikalen Jahreszeiten stand, eine Zeit, in welcher man sogar die Sonne genießen konnte, wenn sie sich nicht gerade hinter dicken Wolken versteckte und selbst diese waren angenehm, brachten den Regen, auf den man hier in der Einöde sonst immer vergeblich wartete. Irgendwo da draußen regnete es öfter, irgendwo da draußen gab es auch keinen Winter, Gary wusste es…naja, eigentlich hatte er nur davon gehört und seither gehofft, dass sie eines Tages diesen Ort erreichen könnten, vielleicht würden sie dort bleiben und irgendwie ein anderes Leben beginnen, auch wenn es ihm wahrscheinlich schwerfallen würde, jemals diese Art von Existenz aufgeben zu können- der Rotschopf liebte seine Rostkiste, die mit jedem Mal immer unbrauchbarer zu werden schien, liebte das Reisen, das rastlose Leben, das er und sein Freund führten, es war einfach ihr Leben und dieser Kasten auf vier Rädern war nun einmal ihr Zuhause! Und wenigstens waren sie jetzt weit entfernt von seltsamen und wunderlichen Dingen, von Frauen, die irgendwelchen Hexenmist betrieben und ihnen das raubte, was sie am liebsten an sich hatten. Der Jüngere konnte gar nicht oft genug jedem Tag danken, dass sie endlich wieder Kerle waren, denn obwohl es eigentlich eine Selbstverständlichkeit war konnte er dennoch nicht mehr allzu sehr darauf vertrauen- mittlerweile misstraute er jeder Frau auf dieser Welt, jeder Kellnerin, die ihnen in irgendwelchen abgelegenen Bars ihr Bier brachte, dieser Erfahrung hatte ihm wohl kaum mehr Respekt vor diesen Wesen eingeflößt, er hatte mehr Mitleid mit ihnen und irgendwo auch genügend Wut um zu wissen, dass dieses Geschlecht sich niemals mit ihm anfreunden könnte. Dafür wuchs das Vertrauen seinem Freund gegenüber von Tag zu Tag immer stärker, langsam wusste er gar nicht mehr, wie sein Leben ohne ihn ausgesehen hatte und wollte gar nicht erst wissen, wie sein Leben ohne ihn verlaufen würde und wahrscheinlich müsste er das auch niemals erfahren, denn wieso sollte Law ihn auf einmal verlassen? Zumindest wusste der Größere nicht, was ihm auf einmal den Beweggrund geben sollte, sie waren so stark zusammengeschweißt und aufeinander angepasst, dass man glauben könnte, sie kannten sich seit Ewigkeiten, vielleicht sogar länger. Zum ersten Mal konnte Gary auf seinen waghalsigen Plan stolz sein, denn ohne dieser dämlichen Idee würde er immer noch alleine weiterreisen, sich in der Einsamkeit baden und nicht wissen, wie es war, wenn man jemanden irgendwie liebte und das auch noch so sehr, wie er es noch nie gefühlt hatte und wie sollte er auch jemals dieses Gefühl gekannt haben?! Er hatte keine Familie, keine Freunde und keine Geliebten, zumindest keine, mit denen er wirklich auf ewig zusammen sein wollte. Ob es dem Dunkelhaarigen ähnlich erging? Wenigstens hatte er Eltern gehabt, auch wenn sein Vater zumindest ein Vorzeigebeispiel dafür war, warum man manchmal besser dran, wenn man keinen Erzeuger um sich heurmschwirren hatte.
Doch um den brauchten sie sich erst einmal keine Sorgen zu machen, es war schier unmöglich dass sie ihn in diesen Gegenden auffinden würden, hier herrschten andere Tyrannen, vielleicht sogar mächtigere, Gary wusste es selbst nicht so genau, aber mit denen im Rücken waren sie zumindest in Sicherheit, ganz davon abzusehen, dass sei sehr viele Meilen bereits hinter sich gelegt hatten, so viele, dass es selbst für einen wütenden Warlord wahrscheinlich zu anstrengend gewesen wäre, ihnen zu folgen, ganz gleich wie wertvoll sein Sohn auch gewesen sein mochte- jetzt gehörte er dem armen Streuner, dem Taugenichts, der eigentlich so viel Glück kaum verdient hatte, Glück, das das Paar auch in weiteren Bereichen zu verfolgen schien- nicht nur, dass sie ihren Wasservorrat perfekt auffüllen konnten und beim Vorbeifahren so viele Dinge für den Winter horten konnten, auch schienen sie genügend provisorische Tankstellen auf dem Weg finden zu können, sodass sie nicht plötzlich beim Wintereinbruch mitten im Nirgendwo stehen müssten. Der Tätowierte fragte sich, wie lange diese Glückssträhne noch halten würde, doch für ihn war es bereits ein ungutes Zeichen, als der Cyborg auf einmal mit dem Einfall kam, dass sie sich irgendeine feste Bleibe suchten um die klirrende Jahreszeit überstehen zu müssen. Natürlich sträubte sich alles im Inneren des Größeren davor, diesen Vorschlag anzunehmen. Wieso auch? Er hatte in all den Jahren es wunderbar hinbekommen in seinem Wohnwagen zu überleben, die klirrende Kälte des erbarmungslosen Winters zu überstehen, er hatte selbst für Newton extra einen riesigen Heizkörper auf Vordermann bringen können, der in dieser Zeit regelrecht in Kältestarre verfiel. Es war nicht seine Zeit und er litt besonders darunter, doch der Kurzhaarige wollte nicht wissen, wie es ihm ergangen wäre, hätte er ihn damals nicht gefunden. Wahrscheinlich wäre seine arme Echse bereits beim ersten Schneefall einem furchtbaren Tod erlitten. Aber hier war bis jetzt alles in Ordnung gewesen und jetzt hatten sie sogar noch einen Körper mehr neben sich, spendeten sich gegenseitig weitere Wärme, in der sie auch in der kalten Blechkiste ausharren könnten. Lawrence konnte die Starrköpfigkeit des Tätowierten nicht verstehen, wahrscheinlich, weil ihm nicht bewusst war, wie viel ihm an seinem Zuhause lag und dass er es ungerne auch nur für einen Tag verließ, doch wahrscheinlich auch weil Garret einfach nicht auf die ganzen Tatsachen hörte, von denen er selbst wusste, dass sein Freund Recht damit behielt. Sie konnten in dem überfüllten Wohnwagen sich nicht frei bewegen und jede Nacht würde wahrscheinlich mehr zu einer Tortur werden. Gary selbst wusste ganz genau wie oft er die Nächte auch wach gelegen hatte, weil ihm die Zähne klapperten und er Angst hatte seine Glieder verlieren zu können, wenn er regungslos in seinem Bett lag, manchmal hatte er sich einfach Newton und seine Heizung und die zahlreichen Felle und Decken, die nur für ihn bestimmt waren, z u sich ins Bett geholt, spendete ihm zusätzliche Körperwärme, während er sich an den starren, leidenden Körper schmieg, das Leder streichelnd. Im Endeffekt tat sein Freund ihm irgendwie Leid, dass sie sich so oft wegen solch einer Sache gestritten hatten und dass es viel Überredung und Verführung gekostet hatte, bis man den Jüngeren weichkochen konnte und er grummelnd dem Cyborg zustimmte, zum Schluss hin sogar ein wenig reumütig war, dass er es seinem Geliebten irgendwie so schwer gemacht hatte, denn kaum hatten sie eine Bleibe gefunden, mussten sie viel Arbeit in die verlassene Bude investieren, beinahe mehr als Gary in seinen Wagen investiert hatte, dass er sich fragte, ob sie vielleicht nicht einfach für immer hier blieben, doch sein Herz würde es ihm nicht erlauben, er konnte so etwas nicht, er wollte es auch gar nicht.
Der erste Schnee hatte bereits die Wüste um sie herum bedeckt, den Ort weiß und unschuldig gefärbt, dass man schnell die Heimtücke des Winters unterschätzte und schneller in den Tod stürzte als nötig, doch ihnen würde so etwas nicht so schnell passieren, sie waren tatsächlich vorbereitet, hatten es geschafft das Haus bewohnbar zu machen, hatten sogar Strom und eine angenehme Wärme im Inneren dieser Wände, die sie nun ihr Zuhause schimpften, während der Wohnwagen nicht weit einsam herumstand und darauf wartete, wieder gefahren zu werden. Oft erwischte Gary sich dabei, wie er sehnsüchtig aus dem eingeschneiten Fenster starrte, während er sich in einen dicken Wollpullover eingepackt hatte, denn mittlerweile war es gefährlich auch nur ein bisschen freie Haut zu präsentieren, leichtfertig mit dem Winter umzugehen, immerhin war er auch nicht leichtfertig bei ihnen gewesen, sondern bedacht, wütend und voller zerstörerischer Kraft, die man sich am liebsten gar nicht ausmalen wollte. Zumindest seiner Echse ging es zu diesen schweren Zeiten gut, er hatte es sich gemütlich gemacht und konnte zum ersten Mal richtig abtauen, bewegte sich jedoch kaum von seiner Wärmelampe weg, denn alles drumherum war immer noch zu furchtbar und solange seine Sonne nicht zurückgekehrt war, würde er wohl den ganzen Winter dort bleiben, sich mit Schlafen und Essen beschäftigen und keiner konnte es dem Reptil übel nehmen, für seinen Besitzer war es ohnehin viel wichtiger, dass er gut durch die Zeit durchkam, dass er sich keine Krankheit holte oder gar erfror, das wäre das Letzte, was er wollte! Er selbst konnte noch die Schneestürme und die Kälte um sie herum einigermaßen ertragen, selbst dann, wenn sie den Weg zur nahegelegenen Stadt hinter sich bringen mussten, um weitere Vorräte kaufen zu können. Es war wohl ein weiteres Mal pures Glück, dass sie es so gut hatten, dass es ihnen wahrscheinlich wirklich an nichts mangeln würde und das gute an dieser Jahreszeit war wohl das enge Anschmiegen an seinen Freund, den er die ganze Nacht über kein einziges Mal losließ, immerhin konnten sie jede Wärme gebrauchen, die sie umgab und er spendete gerne seine Körperwärme dem Anderen, wenn es ihn so vorm erfrieren abhielt, abgesehen davon, dass er seine Nähe einfach so sehr liebte, dass er ohne gar nicht mehr einschlafen konnte und mit Sex konnte man sich ja zusätzlich warm halten, auch wenn dieser meist unter vielen Schichten warmer Decken abstatten ging und sie nachher sich schnell dick einpackten um bloß nicht krank zu werden. Die letzten Tage waren sie jedoch kaum dazu gekommen, die Temperaturen waren so stark gesunken, dass sie sich fürchteten sich selbst dann auszuziehen, wenn sie sich waschen mussten, krank zu werden war immerhin das Letzte, was beide jetzt gebrauchen konnten und umso unzufriedener war Gary mit der Tatsache, dass der Cyborg noch einmal beschloss bei dem Wetter das Haus zu verlassen um einige wichtige Besorgungen zu machen, anscheinend hatten sie bei ihren Gängen zur Stadt noch etwas vergessen, doch er hätte lieber auf alles andere verzichtet, als dass einer von ihnen wieder da rausgehen musste, egal wie dick sie sich auch einpackten, zusätzlich machte ihm der Husten seines Freundes unglaublich zu schaffen und es würde wohl nicht besser werden, wenn er jetzt auch in den Schnee ging. „Mach schnell, ja?“, seine Stirn hatte sich in Falten gelegt, während er Law einen letzten, besorgten und unzufriedenen Blick schenkte, als er die Türe hinter sich schloss und er in der Zwischenzeit sich wenigstens nützlich machte und begann für sie zu Kochen. Die Stromquelle war wirklich das Beste von allem, abgesehen von der Wärme, die sie umgab, immerhin mussten sie nicht wie Barbaren am offenen Feuer kochen und alles ging irgendwie besser. Und dennoch konnte er sich kaum auf das Kochen konzentrieren, immer wieder starrte er aus dem Fenster, wurde von Minute zur Minute ungeduldiger und auch panischer, weil der Dunkelhaarige immer noch nicht zurück war und wenn es so weiterging, würde er gleich selbst seine Klamotten nehmen und nach ihm suchen, wer wusste schon, was unterwegs vielleicht passiert war, vielleicht war ihm etwas zugestoßen, immerhin sollte er nicht trödeln! Das Zuknallen der Haustür erschien ihm beinahe wie das erlösendste Geräusch, was der Jüngere jemals gehört hatte, war bereits vor den Worten des Kleineren die Treppen hinuntergeeilt, nur um einen erschrockenen, panischen Laut auszustoßen, als der schlanke Körper seines Freundes plötzlich zu Boden fiel, die Einkäufe verstreut auf dem Boden plumsten. Beinahe hätte der Rotschopf sich selbst langgelegt, stolperte die letzten Treppen hinunter, die Drohne genervt beiseite schiebend, als er sich über den bewusstlosen Körper beugte, ihn mit beiden Armen anhob und behutsam auf die Couch legte, seine Jacke mit einer herumliegenden Wolldecke austauschte. „Law, du Dummkopf, jetzt wach wieder auf.“, flehte seine Stimme leise dem Älteren entgegen, während seine Lippen sich behutsam auf seine Stirn pressten und regelrecht bei der Hitze, die den Leib seines Freundes umgab, verbrannte. Heilige Scheiße, was hatte er sich nur eingefangen? Für einen Moment wusste Gary gar nicht was er tun sollte, er fühlte sich so furchtbar hilflos und das wilde Rumschwirren und Piepsen, das Bubbles von sich gab, machte das alles nicht besser. „Wie wäre es wenn du mir was Nützliches ausspuckst, als zu meckern, meine Güte! Bubbles, jetzt halt den Mund!“, fuhr der Rotschopf die Drohne an, die jetzt nur noch lauter zu Piepsen begann, wahrscheinlich war sie wütend auf ihn und er konnte es verstehen. Genau so etwas sollte doch gar nicht erst passieren! Was, wenn Lawrence gar nicht mehr erwachen würde? Auch wenn der Ältere nur kurz das Bewusstsein verloren hatte, hatte er das Gefühl gehabt, er wartete schon Stunden darauf, dass er wieder seine Augen aufschlug und der Cyborg würde niemals wissen, wie unglaublich erleichtert er war, als ihn das bekannte Braun anblickte, auch wenn seine Stimme alles andere als zufriedenstellend klang. Der Rotschopf verzog sein Gesicht, starrte den Kleineren vorwurfsvoll an. „Natürlich bist du krank! Und natürlich musst du ins Bett!“, stieß der Tätowierte aus, die Augenbrauen besorgt zusammenziehend. Er ließ die kleine Drohne seinen Freund scannen, wenn auch ungeduldig, ehe er seine Arme um den schmalen Körper schlang und ihn mit einem Ruck anhob. Es war nicht der Rede wert, Gary hatte genügend Muskeln in seinen Armen, sodass er ihn ohne weitere Probleme die Treppen hinauftragen konnte. „Ich kann dich bei deinem Zustand wohl kaum die Treppen hinauflaufen lassen.“, murmelte seine Stimme leise vor sich hin, während er Law in ihr Schlafzimmer stemmte, ihm wenigstens noch die Schuhe ausziehend, ehe er ihn mit einem Satz an Decken bis unters Kinn zudeckte. „Was tust du auch für Sachen, Law? Du darfst doch nicht einfach so krank werden, ich bin mies, wenn es darum geht, irgendwas am Leben zu erhalten.“, stöhnte der Jüngere mit einem Hauch an Verzweiflung. Er konnte die Angst in seinen Augen nicht verdecken, er hatte eine Scheißangst, dass Law ihm in diesem Winter wegsterben würde, dass er ihn nicht gesundpflegen könnte, immerhin war er nie krank und er musste sich nie um kranke Menschen kümmern. Was, wenn er es falsch anging?! Er wollte nicht, dass der Cyborg starb, er wollte es einfach nicht! Ihm war nach weinen, während er den Kleineren anblickte, darauf wartend, dass Bubbles ein Ergebnis rausspuckte. „Gut, dass ich Suppe gemacht habe. Ich wusste, dass dein Husten noch was Böses mit sich bringt!“, mit diesen Worten huschte der Größere, wenn auch langsam und irgendwie widerwillig in die Küche, hatte vorher noch die ganzen Einkäufe aufgesammelt, starrte prüfend die Medizin an, die sein Freund mitgebracht hatte. Anscheinend war ihm bereits in der Stadt klar gewesen, dass es nicht besser werden würde. Gary verschwendete keine Zeit mit unnötige Dingen, hatte noch Tee in ihren Regalen gefunden und eilig das Wasser angesetzt, bis er endlich mit einem vollen Tablett wieder zurückkehrte, behutsam das Zeug am Nachtisch abstellend. Mittlerweile schien auch die Drohne schlauer zu sein und Law hatte ihm berichtet, um was es sich hier genau handelte. Abermals ließ der Jüngere seine Augen zur Medizin schweifen. „Dann reicht dein Zeug nicht aus und der Rest ist ziemlich sinnlos. Aber dann werde ich morgen früh Medizin beschaffen! Und jetzt isst du was, Suppe ist gut.“, Gary half seinem Freund dabei, das Zeug zu Essen, er war auf einmal so bleich und schwach, dass er glaubte, jede Bewegung, die er machte, schwächte ihn noch mehr ab. Hin und wieder wischte er den kalten Schweiß seines Gegenübers von der Stirn. Es war furchtbar wie schnell sich das Wohlergehen binnen weniger Stunden ändern konnte. „Law, du stirbst bitte nicht weg, ja?“, er wollte ihn am liebsten küssen, presste jedoch stattdessen abermals seine Lippen auf die glühende Stirn, fuhr behutsam über das dunkle Haar. Selbst Newton hatte sich etwas den beiden genähert, als ob er roch, dass etwas nicht stimmte und dass das Wohlergehen des Älteren ihm mittlerweile auch zu Herzen ging, wunderte den Tätowierten gar nicht, sie waren schon lange zusammengereist. „Möchtest du…möchtest du noch etwas, egal was? Ich bin die ganze Zeit für dich da.“, noch nie kam Gary sich so hilflos vor, so unfähig, während sein Freund vor Fieber fast umkam. Er durfte jetzt nicht in seiner Verzweiflung baden, er hatte in all den Jahren eine glückliche Echse aufgezogen und er würde ganz sicherlich nicht Lawrence hängen lassen, er würde alles tun um ihn wieder gesundzupflegen, ganz gleich wie oft er auch sich dem Wetter aussetzen musste, solange der Ältere schnell gesund wurde, war alles andere Nebensache.

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Chaos lives in everything   Mi Sep 25, 2013 11:13 pm

Law wusste nicht, was er falsch gemacht hatte, dass es ihm auf einmal so dreckig erging, klar, im Winter musste man aufpassen, aber so krass? Er musste sich selbst nichts vormachen um zu wissen, dass das mit einer normalen Erkältung nichts mehr zu tun hatte. Sein ganzer Körper fühlte sich furchtbar heiß an, aber auf der anderen Seite war ihm auch so kalt, dass seine Zähne unkontrollierbar aufeinander schlugen. Schnell verkrampfte er sich, versteifte sich so sehr, dass es in seinen Muskeln schmerzte. Dieser verdammte Schmerz überall, es war so schwer ihn auszublenden, auch das ständige Husten machte das nicht besser, und der Cyborg versuchte wenigstens sich auf Gary zu konzentrieren und sich abzulenken. Wie verzweifelt er ihn anschaute erschien ihm wirklich wie ein verdammt schlechtes Omen, sah er denn wirklich so schlimm aus? Er wollte Gary doch kein Kopfzerbrechen bereiten, verdammt! Es war ganz sicher nie seine Absicht gewesen, einfach die ganze Verantwortung auf Gary abzuladen, aber er hatte immer mehr das Gefühl, dass ihm gar nichts anderes übrig blieb. Als der Rotschopf ihn plötzlich anhob, stieß er ein protestetierendes, schwaches Geräusch aus, aber sein Widerstand ging irgendwie in ein paar laschen Bewegungen unter.
"Du musst mich nicht tragen, ich...ich kann laufen", stieß er heiser aus, machte aber dann doch keine weiteren Bemühungen, sich gegen das Tragen zu widersetzen und lehnte müde seinen Kopf an Garys Brust. Manchmal vergaß er, wie stark der andere eigentlich war und wie viel Kraft in dem tätowierten Körper steckte. Law hätte ihn vermutlich nicht so mühelos umhertragen können. Aber vielleicht ging es Gary gar nicht anders und er verbarg es nur gut? Seine Augen brannten, als er sie kurz nebenbei schloss, er war auf einmal so unglaublich müde. Wie konnte sein gesundheitlicher Zustand bloß innerhalb von so kurzer Zeit so sehr abnehmen? Er war noch nie in seinem Leben so richtig krank gewesen, klar, er hatte all seine Operationen gehabt, aber die waren eigentlich immer so weit gut verlaufen, und sonst war er mit ein oder zwei Erkältungen davon gekommen. Nichts außergewöhnliches jedenfalls. Law wollte sich gar nicht vorstellen, in was für einer miesen Lage sie stecken würden, wenn sie jetzt nicht diese feste Unterkunft hätten. Vermutlich wäre der Wohnwagen auch nicht annähernd so leicht warm zu halten. Aber jetzt war nicht der Zeitpunkt, um Gary ein "Ich habs dir doch gesagt" unter die Nase zu reiben. Es war gut, dass er endlich ein richtiges Bett hatte, auch, wenn er sich beinahe vorkam wie ein kleines Kind, als Gary ihn von den schweren Stiefeln befreite. Mit einem erneuten Hustenanfall rollte er sich fest in die wärmende Decke ein. Er hatte Angst, anders konnte er es wirklich nicht beschreiben, aber das musster er seinem Freund wirklich nicht noch unter die Nase reiben, er sah auch so schon aufgelöst genug aus und seine Worte bestätigten das nur.
"Tut mir leid, ich werd einfach ganz schnell wieder gesund", entgegnete er ihm mit einem schwachen aber gut gemeinten Lächeln. Er hatte eigentlich keinen wirklich großen Hunger, aber er hielt Gary dennoch nicht auf, als er in die Küche ging um etwas Suppe zu holen. Gerade jetzt jedoch schwebte Bubbles auf Augenhöhe zu ihm heran und projezierte blinkende blaue Werte vor seiner Nase, und als Law ihn verständnislos anstarrte -immerhin war er Mechaniker, kein Doktor- schrieb er die widerliche Diagnose sogar für den Dunkelhaarigen aus. Mit einem Stöhnen ließ er sich in die Kissen sinken und schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen.
Lungenentzündung.
Lawrence wusste, dass damit nicht zu spaßen war. Klar konnte man das Ganze mit Antibiotika ganz gut behandeln, sodass er in einer Woche wieder fit sein könnte, aber man konnte nur hoffen, dass die Apotheke im Ort auch so ein Breitbandantibiotikum zur Verfügung hatte. Was er in den vergangenen Tagen an Medikamenten mitgebracht hatte, war nur bedingt hilfreich, sicher konnte es den Schmerz und den Husten lindern, aber es war kein Heilmittel. Er hob müde den Kopf, als Gary mit einer dampfenden Schale zurückkam, ihm mit einem dicken Kloß im Hals von der Diagnose berichtend.
"Lungenentzündung sagt Bubbles", murmelte er und ihm rutschte dabei das Herz doch ein wenig in die Hose.
"Ich brauch Antibiotika, Bubbles....kann dir sicherlich eine Liste machen."
Selbst das Sprechen strengte ihn unglaublich an und er ließ sich in die Kissen zurücksinken, jedoch nur so weit, dass er auch noch etwas von der Suppe essen konnte. Jetzt musste Gary ihn sogar schon füttern, wo waren nur seine Kräfte hin, warum fühlte er sich nur so? Er wusste, dass eine Lungenentzündung vor allem mit hohem Fieber einherging, und das bekam er gerade unerbittlich zu spüren. Worte konnten nicht beschreiben wie unglaublich leid es ihm tat, dass er Gary nun mit sich runterzog, dass er ihm das antat und ihn so bangen ließ.
"Hey, sag sowas doch nicht. Ich bin doch stark, unterschätz mich nicht!", erwiderte der Cyborg trotzig und hielt seinen Husten mit aller Macht zurück, aber dagegen kam er nicht an. Er wusste gar nicht, wie ansteckend so eine Lungenentzündung war, aber zum Glück war der Jüngere auch so klug genug, ihn nicht direkt auf den Mund zu küssen. Abermals schloss Lawrence die Augen, seine Lider waren so unglaublich schwer, schwer wie Blei, und er konnte sie kaum geöffnet halten.
"Mir.....Mir ist so schrecklich heiß, es fühlt sich an, als ob ich verbrenne", keuchte er und krümmte sich nah bei Gary zusammen, nach seiner Hand suchend. Obwohl ihm so warm war konnte er die Nähe des Größeren einfach nicht brechen, er wollte, dass er bei ihm blieb und ihm das Gefühl gab, dass alles gut werden würde. Auf seine Worte hin hatte Bubbles eilig einige weitere Behandlungsmöglichkeiten ausgespuckt, und Lawrence konnte einfach nicht anders, als bei den Wadenwickeln zornig das Gesicht zu verziehen.
"Willst du mich verarschen?", fauchte er frustriert und drückte die Drohne beiseite, an seine mechanischen Beine denkend, die er so viel er wollte in kalte Tücher wickeln konnte, es würde ihm nie eine kühle Erlösung verschaffen. Zum Glück holte Gary ihm stattdessen einen kalten Lappen, den er sich auf die Stirn legen konnte. Das Fieber war wirklich das Schlimmste, es erschwerte selbst das Schlafen, dabei war das das einzige, was ihm übrig blieb. So ungern er auch allein schlief, ihm war so furchtbar heiß, dass er nicht einmal Gary in der Nacht neben sich ertragen konnte. Stattdessen versuchte er einfach so oft wie möglich den Kopf auf seinen Schoß zu legen wenn er schlief oder suchte nach seiner Hand, wenn es ihm denn möglich war. Generell bekam der Cyborg wenig von dem mit, was um ihn herum passierte. Das Fieber benebelte seine Sinne und es fiel ihm oft genug schwer den Unterschied zwischen Traum und Realität zu entziffern. Selbst mit den starken Antibiotika, die Gary am ersten Tag besorgt hatte war es erst einmal kaum besser gewesen, und die Tabletten hatten auch nur für zwei Tage gereicht, dann musste der Rotschopf ein zweites Mal los, um eine größere Lieferung abzuholen. Law war nicht wohl bei der Sache, nein, ganz und gar nicht, er fühlte sich grauenvoll, dass er Gary dazu zwang so viel auf sich zu nehmen, dass er ihm Sorgen bereitete und ihn in die eisige Kälte hinausschickte, während er oft genug nicht einmal richtig Schlaf bekam. Die erste Nacht lang hatte er an seinem Bett gehockt, weil sie nicht zusammen in einem schlafen konnten, aber Law hatte es ihm verboten, es war unnötig, dass er sich auch noch nachts stresste, wenn es dazu keinen Grund gab. Schließlich hatten sie ein zweites Bett in dieses Zimmer hinüber geholt, sodass Gary bei ihm bleiben konnte ohne auf seinen eigenen Schlaf verzichten zu müssen. Wobei Lawrence vermutlich trotzdem noch nervig gewesen war, denn oft wälzte er sich im Schlaf herum oder murmelte vor sich hin, oder aber er wachte tatsächlich mit einem lauten Schrei auf. Es waren keine guten Tage, der Cyborg magerte zusehends ab, denn obwohl er sich von Gary immer wieder zwingen ließ etwas runterzuschlucken, forderte die Krankheit doch viel mehr von ihm und wollte irgendwie nicht so wirklich besser werden. Sein Brustkorb fühlte sich mittlerweile wie ein einziger großer blauer Fleck an, und seine Stimme war heiser und kaum noch zu hören. Er konnte partout nicht auf seine Medizin verzichten, einmal waren sie beide so erschöpft gewesen, dass sie nicht daran gedacht hatten, und in der Nacht hatte Lawrence vor Schmerzen geschrien, bis Gary ihm die Medizin gegeben hatte.
Selbst heute blieb ihnen kaum etwas übrig, obwohl ein Schneesturm draußen tobte. Law hatte den Rotschopf angefleht hier zu bleiben, er hatte dabei beinahe Tränen in den Augen gehabt, aber er ließ sich nicht überreden und Law war zu schwach, um ihn von irgendetwas abzuhalten. Die Schwäche hatte ihn schnell wieder ans Bett gefesselt und schließlich war er wieder eingeschlafen. Er tat in letzter Zeit sowieso nicht viel mehr als zu schlafen und wenigstens ein bisschen zu Kräften zu kommen. So sehr hatte er Gary angefleht, und trotzdem war er gegangen, hatte ihm Tee und heiße Suppe dagelassen, Newton, der auf dem Bettgestell hockte und alles überwachte wie ein treuer Wachhund. Gary hatte sich einfach rausgeschlichen, als der Cyborg eingeschlafen war, und er hatte so fest geschlafen, dass er nicht einmal mitbekommen hatte, dass der Größere wiedergekommen war. Er hatte ihn geweckt, weil es anscheinend Zeit für seine Medikamente war.
"Also hast du sie bekommen? Was ist mit....mit dem Schneesturm da draußen?", fragte er hustend. Irgendwie wirkte Gary anders, so komisch verschlossen und schmerzverzerrt, aber vielleicht war das auch nur seine Einbildung, ein weiterer seiner Fieberträume.
"D-Du bist so schön kalt, k-kannst du deine Hand auf meine Stirn legen? Nur kurz", bat er den Jüngeren flehentlich und griff nach seiner Hand, die er allerdings eilig zur Seite zog, ihm stattdessen die andere reichend. Law klammerte sich fest um die kalten Finger, schüttelte nur unverstehend den Kopf.
"Was hast du bloß schon wieder angestellt?", murmelte er, schon wieder halb im Schlaf.

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Chaos lives in everything   Do Sep 26, 2013 10:26 pm

Auch wenn er sich noch so hilflos und auch ein klein wenig überfordert fühlte, so wollte der Rotschopf nicht, dass sein Freund seinetwegen sich noch schlecht fühlte, er wollte ihm kein schlechtes Gewissen bereiten deswegen, niemand von ihnen konnte etwas dafür, der einzige Schuldtragende war der Winter, der erbarmungslose Winter, den man einfach nur hassen musste. Und so riss Gary sich zusammen und versuchte alles Mögliche zu tun, damit es dem Älteren nicht noch schlechter ging. Es war ungewohnt ihn so zu sehen, noch ungewohnter war es, auf einmal die Nacht nicht mehr an seiner Seite verbringen zu können und eigentlich wollte er ihn auch gar nicht verlassen, konnte ohnehin die Nächte kaum schlafen, auch ohne den Fieberträumen des Cyborgs, die unruhiger denn je waren, er machte sich einfach Sorgen, der Jüngere hatte in seinem Leben vieles gesehen, auch wusste er, wie schnell Menschen an Krankheiten gestorben waren, bei seiner Ziehmutter, der grauenvollen Hexe, waren oft kleine Kinder einfach gestorben, weil sie nicht die richtige Medizin finden konnten oder weil man sich nicht gut genug um sie kümmerte, doch das würde ihnen nicht passieren, nein, Gary würde sich jede Sekunde um den Dunkelhaarigen kümmern, er würde ihm jede Medizin der Welt beschaffen, selbst wenn es hieß, dass er noch weitere hunderte von Meilen durch den Schnee kriechen müsste- Law würde ihm nicht wegsterben, nicht hier und besonders nicht so. Sie hatten noch so viele Jahre vor sich und eine dämliche Lungenentzündung würde ihnen schon keinen Strich durch die Rechnung ziehen.
Und dennoch war es nicht leicht einen klaren oder gar guten Gedanken zu fassen, oft hatte der Größere wachgelegen, seinen Freund dabei beobachtet, wie er in seinem Schlaf litt, sich dabei fragend, ob es etwas gab, was er tun könnte, damit er endlich besser schlafen konnte, damit er nicht mehr solche Schmerzen hatte, doch anscheinend waren selbst seine Kräfte in diesem Falle nutzlos, er konnte ihn nur zum Essen ermuntern, manchmal sogar erzwingen, mit Tee versorgen und ihm die restliche Medizin einflößen, die noch übrig war und viel hatten sie wirklich nicht mehr, sodass sie bald gar nicht mehr darüber hinwegkommen konnten, dass der Tätowierte sich zur Stadt aufmachte, um neue Antibiotika zu besorgen, die wichtiger denn je waren. Warum musste es auch ausgerechnet sowas schwieriges sein? Eine Erkältung hätten sie sicherlich schnell beseitigen können, doch diesmal könnte es tatsächlich länger dauern als es den beiden vielleicht sogar lieb war.
Gary spürte die Müdigkeit in seinen Knochen, er hatte sich länger nicht mehr im Spiegel betrachtet, doch etwas sagte ihm, dass er furchtbar aussehen müsste, mit den blauen Schatten unter seinen Augen, er glaubte sogar, seine Haut wäre noch blasser geworden, so lange, wie sie keine Sonne mehr zu Gesicht bekamen, doch irgendwie war ihm nicht danach, diesen Gedanken mit eigenen Augen irgendwie zu bestätigen, er würde noch oft genug die Zeit finden, sich im Spiegel zu betrachten und sich zu wundern, was aus ihm geworden war, vor allem jetzt ging es wohl kaum um ihn und sein Aussehen! Wahrscheinlich würde er sich zu einem blauen Eiszapfen verwandeln, sobald er die Tür ihres Zuhauses hinter sich zugeschlagen hatte, doch sie hatten keine andere Wahl, er wusste es, Law wusste es und auch wenn er versuchen wollte ihn abzuhalten, konnte er kaum von ihm verlangen, den Cyborg hier sterben liegen zu lassen, nichts zu tun, nur weil es draußen ein bisschen stürmte. Nun gut, ein bisschen war vielleicht untertrieben, draußen tobte ein Schneesturm der ganz besonderen Art, seit Tagen hatte es nicht aufgehört, sie zuzuwehen und Gary bekam es langsam mit der Angst zu tun, er könnte vielleicht die Tür gar nicht aufbekommen, weil sie eingeeist und zugeschneit war, besser war es also, wenn er schneller seine Beine in die Hände nahm und die Strecke hinter sich brachte, ehe es endgültig zu spät war. Anstatt sich mit dem Älteren darüber zu streiten, hatte der Rotschopf sich extra in der Küche zurückgezogen, machte seinem Freund schnell eine Suppe und einen heißen Tee, schnappte sich die letzte Medizin, welche gut gelagert in der Schublade herumlag, schwer aufseufzend. „Versuch ein bisschen zu essen, okay.“, murmelte er dem Kleineren zu, sich zu einem leichten Lächeln zwingend, während die langen Finger über das dunkle Haar fuhren. Hin und wieder war es durchtränkt von Schweiß, manchmal nicht. Der Jüngere half seinem Gegenüber dabei sich etwas aufzurichten, wenigstens konnte er seine Tabletten mittlerweile alleine ganz gut hinunterschlucken und dennoch blieb er lang da, falls er doch Hilfe gebrauchen könnte, jedoch war er wenige Momente später bereits wieder eingeschlafen, ohne auch nur die Suppe oder gar den Tee angerührt zu haben, doch wenigstens hatte er sein Zeug genommen und vielleicht würde er jetzt schmerzloser und besser schlafen können. Prüfend musterten die Augen des Streuners den Kleineren aufmerksam, deckte ihn noch etwas mehr zu, ehe er sich vom kleinen Stuhl erhob, kurz über die schuppige Haut seiner Echse fahrend, die es sich am Bettrand gemütlich gemacht hatte- hier war es auch warm und er wollte wohl auch ungerne den Cyborg einfach alleine seinem Schicksal überlassen. „Pass auf ihn auf, okay?“, wisperte er Newton leise entgegen, lächelte ihn sanft an, ehe er das Schlafzimmer mit leisen Schritten verließ, die Tür hinter sich schließend. Sie waren einem Streit ausgewichen und das war gut so, er wollte nicht, dass sie sich unnötig mit Stress versorgten, besonders Lawrence durfte sich nicht überanstrengen, doch jetzt schlief er, hoffentlich lange genug, sodass er ihn noch schlummernd bei seiner Rückkehr wiederfinden würde.
Garret hatte sich vor Einkehr des Winters neben seiner winterlichen Garderobe noch mehr warmen Stoff, gut gefüttert, hin und wieder aus echtem Fell eines toten Tieres, das man in diesen Kreisen noch selten zu Gesicht bekam, gekauft, damit sie auch den härtesten Temperatursturz überstehen konnten. Schnell zog der Jüngere sich die vielen schichten an warmer Bekleidung über, bis die vielen Schichten Stoff schwer auf seinem Rücken lagen und er sich gleich viel breiter fühlte, doch dafür würde er auf seinem Weg nicht erfrieren. Zum Schutz hatte der Rothaarige sein halbes Gesicht vermummt und seine alte Schweißerbrille über die Augen gezogen. Das Glas war zum Glück noch nicht milchig und trüb geworden, sodass er wenigstens hindurchschauen konnte. Jetzt würde ihm der Sturm wenigstens nicht mehr viel antun können, was?! Zumindest hoffte der Streuner, dass es so war. Etwas mulmig war dem Tätowierten doch zumute, als die in warmen Handschuh gepackte Hand die Türklinke umfasste, sie mit einem Ruck aufriss. Natürlich kamen ihm eisige Massen an Schnee entgegen und ein ohrenbetäubender Wind, der durch seine Kleidung pfiff und er ihn selbst bis zum Knochenmark spüren konnte. Hastig zog der Tür hinter sich zu, stampfte geduckt voran, der Dunkelheit entgegen.
Der Sturm raubte ihm die Sicht, dass er für einen Moment glaubte in die falsche Richtung zu laufen, es war so unglaublich dunkel, und das obwohl er mitten am Tag hinausgeeilt war und diese Kälte, die Kälte war unerträglich. Gary hätte wohl noch tausende weitere Felle und gefütterte Mäntel anziehen können, der Wind hätte immer noch einen Weg hindurchfinden können, er war unbarmherzig und fügte ihm stechende Schmerzen hinzu. Der Größere hatte in seinem ganzen Leben noch nie solch einen grässlichen Winter erlebt, in all den Jahren, die er bereits hinter sich hatte, war das Frieren sicherlich ein Teil dieses Wetters, doch wusste er bis heute noch nicht, was genau frieren war, alles, was er vorher erlebt hatte war Frühling im Gegensatz zu diesem tobenden Sturm, den Schneemassen, in denen seine Beine immer wieder einsackten. Manchmal bekam er es mit der Angst zu tun, dass der Schnee an einigen Stellen vielleicht noch tiefer hinunterging und er einfach so in ein endloses weißes Loch stürzten könnte und was würde dann geschehen? Niemand würde ihn hier rausholen können, Law würde im Bett liegen und auf ihn warten und er würde nicht kommen können und beide würden sterben auf einer grauenvollen und unwürdigen Art und Weise. Schnell schüttelte er diesen Gedanken weg, es war schon schlimm genug, dass er sich dem Sturm aussetzen musste, dass sein Freund krank im Haus auf ihn wartete, da brauchte er sich keine Schauermärchen auszudenken und immerhin kamen keine tiefen Graben an seinem Weg vor, was die Strecke sicherlich nicht weniger anstrengend und kräftezerrend machte. Gary glaubte, es hätte Stunden gedauert, als er endlich die schützenden Stadtmauern erkannte, seine Schritte noch ein wenig mehr beschleunigte und sich bald im Schutze der Mauern befand. Hier wenigstens war der Wind ruhiger, doch pfiff und zog es dennoch aus allen Ecken und Gassen, die menschenleer war. Welcher Idiot würde auch bei solch einem Wetter freiwillig einen Fuß hinauswagen?
Zitternd und mit den Zähnen klappernd suchte der Kurzhaarige nach der Apotheke, stürmte regelrecht in das kleine Lokal, wo das Licht noch zu brennen schien. Drinnen war es warm, ein Feuer brannte irgendwo, er konnte es riechen und hören, auch Musik war irgendwo. Die warme Luft umgab ihn wie ein feiner Schleier und er taute kurz auf. Ein leises Räuspern entwich seiner Kehle und der in sich gekehrte Apotheker blickte über sein Buch hinweg, sprang regelrecht von seinem Hocker auf, als er die vermummte Gestalt in seinem Laden sah. „Du liebe Zeit!“; stieg er atemlos aus, starrte Gary mit großen Augen, der seine Brille langsam von den Augen schob, sich von seinem warmen Mundschutz befreiend. „Tschuldigung aber ich habs etwas eilig, könnt ihr…einen Moment!“, der Rotschopf zog mit seinen Zähnen am rechten Handschuh, betrachtete seine Hand argwöhnisch, kurz mit den Fingern wackelnd. Zwei Finger waren etwas blau angelaufen, doch noch bewegten sie sich, auch wenn ein stechender Schmerz von ihnen ausging, doch er machte sich nichts daraus, kramte in den Innentaschen seines dicken Mantels, ehe er eine Liste hervorholte, sie auf den Tresen legend, seinen Handschuh daneben. Der Apotheker, ein älterer, kahlköpfiger Mann, setzte seine um den Hals hängende Brille auf, ehe seine schmalen Finger die Liste schnappten, sie einen Moment lang prüfend anschauend. „Oh, da hat es wohl jemanden ganz schön hart diesen Winter erwischt was? Ich muss sagen, ich bekomme oft Besuch von Leuten außerhalb in letzter Zeit, dieser Winter ist wirklich der gemeinste aber junger Herr…die Sachen sind nicht allzu billig.“, warf er schwermütig ein, dabei prüfend den Rothaarigen betrachtend, der bei diesen Worten erneut im Inneren seines Mantels herumkramte, einen Batzen an Geld herausholend, ihn ebenfalls auf dem Tresen legend. Seine Augen starrten den Alten ernst an. Er wusste, dass es sogar zu viel war, er sah es in den Augen des Mannes, doch das war ihm egal. „Behalten Sie den Rest und geben Sie mir bitte das Zeug.“, erwiderte er knapp und mit diesen Worten machte der Apotheker sich auf, kramte im Hinterzimmer herum, ein vielsagender Laut erfüllte das kleine Lokal und schon war der Mann wieder an Garrets Seite, ihm die Medikamente präsentierend. „Dreimal am Tag und das täglich, selbst dann, wenn es der Person besser geht, bis die ganz weg sind, das gleiche gilt auch für die Sachen gegen Husten, wir wollen doch, dass die kranke Seele heil den Winter übersteht!“, seine Lippen formten ein aufmunterndes Lächeln, das Gary jedoch kaum erwidern konnte, sich lediglich bei ihm bedankte, als er die Antibiotika und den Rest ihm entgegen reichte und er es sicher in seinen Innentaschen verstaute, sich anschließend verabschiedend. Es war wirklich angenehmer in der Stadt als in der freien Welt da draußen, er brauchte nicht einmal seinen Mundschutz, konnte den kleinen Wölkchen seines gefrorenen Atems zuschauen, während er erleichtert aufseufzte. Sie hatten Glück, dass die Apotheke alles hatte, was sie brauchten, dass alles besser verlaufen war, als zu Anfang befürchtet und alleine diese Realisation entlockte ihm ein leichtes Lächeln, das die schmalen Lippen zierte, während die Schritte knirschend den Trampelpfad hinunterliefen. An sich war Schnee nicht so hässlich, er glänzte schön, doch sobald er anstieg, wurde dieses Glänzende tödlich und genau deswegen mochte der Rotschopf die Winter nicht, zumindest nicht solche. Kurz vor dem Ausgang hatte der Tätowierte sich schnell wieder die Brille aufgesetzt, sein restliches Gesicht vor dem Wind und dem Schnee geschützt, bei den Gedanken war er jedoch bereits wieder zu Hause als auf dem mühseligen Weg, den er ein weiteres Mal zurücklegen musste, wovor sich sein ganzer Körper erneut zu sträuben begann und ein viel schrecklicherer Schmerz seine Glieder durchfuhr als auf dem Weg in die Stadt. Er glaubte seine Hand würde abfallen, langsam zog er sie aus der Jackentasche hinaus nur um laute Flüche von sich zu geben, die sein Mundschutz und der Wind dämpften! Der Handschuh! Er hatte ihn auf dem Tresen liegen lassen, diesen gottverdammten Handschuh. Der Streuner konnte spüren wie die Kälte langsam die nackte Haut überzog und jede Bewegung noch unerträglicher wurde, dass er seine Zähne zusammenbeißen musste. Es war egal, er hatte keine Zeit zurückzugehen, er konnte Law nicht noch länger warten lassen. Schnell schob er die nackte Hand wieder in seine Tasche hinein, in der Hoffnung, es würde genügen, doch das tat es ganz sicherlich nicht, denn alleine die restlichen Stellen seines muskulösen Leibes, die dick in Kleidung eingepackt waren, durchschüttelte die Eiseskälte bis aufs Äußerste und er wusste, dass es seiner Hand dabei ganz schlimmer ergehen würde, doch er versuchte dieses Pochen, dieses Stechen, diesen undefinierbaren Schmerz, der seinen gesamten rechten Arm hinaufkroch, auszublenden, konzentrierte sich ganz auf den beschwerlichen Weg, der vor ihm lag, konzentrierte sich auf seinen Freund, auf alles, nur nicht auf seine Hand, die regungslos in der Manteltasche ruhte, er sich nicht traute auch nur einen kleinen Finger zu bewegen, was er vielleicht lieber hätte tun sollen, doch das Gefühl, er könnte den Schmerz damit verschlimmern, war viel zu stark. Irgendwann hatte Gary dieses Unglück sogar gänzlich vergessen, irgendwann glaubte er seinen ganzen Körper nicht mehr spüren zu können, sodass es bald gar keine Rolle mehr spielte. Angetrieben von seinen Gedanken und dem kleinen Licht ihrer Behausung aus der Ferne stampften seine Schritte immer schneller durch den hohen Schnee, auch wenn mit jedem Schritt er immer mehr von seiner Kraft einbüßen musste. Der Kurzhaarige glaubte es gar nicht mehr schaffen zu können, glaubte vor der Schwelle der Haustür erschöpft zusammensacken zu müssen, doch er hatte es geschafft, Gary hatte es geschafft wieder das Haus zu betreten, die Tür hinter sich zuzuknallen und sich an diese anzulehnen, schnaufend, keuchend, jedoch erleichtert. Für einen Moment schloss der Größere seine Augen, konnte es kaum glauben, dass er es bei diesem Wetter heil überstanden hatte, dass er noch lebte! Beflügelt von diesem Gefühl wollte er sich nur noch die Kleider vom Leib reißen, schnell hinauf zum Cyborg stürmen, doch etwas anderes ließ ihn einen Moment lang innehalten. Gary verzog das Gesicht als er die rechte, nackte Hand hervorholte- sie war so blau, als hätte sie jemand mit Farbe bemalt. Vorsichtig, voller Angst begann er seine Finger zu bewegen, Schritt für Schritt erst den Daumen, dann den Zeigefinger und zu guter Letzt den Mittelfinger, doch bei den zwei letzten hörte die Bewegung schlagartig auf. Alleine der Versuch trieb ihm Schmerzenstränen in die Augen und wenn er nichts tat, so wusste, er dass es seiner ganzen Hand bald nicht anders ergehen würde. „Scheiße…“, presste der Streuner atemlos hervor, Panik machte sich in seinem grünen Auge breit, während das andere es prüfend betrachtete, nur das bestätigte, was er sich bereits gedacht hatte- sie waren tot, unbrauchbar geworden, die Kälte hatte sie zu eingefrorenen nutzlosen Dingern gemacht, die ihm wehtaten, besonders, als er versuchte sich vorsichtig auszuziehen. Immer wieder musste er die Zähne aufeinanderbeißen um keine Laute zu machen, die Lawrence irgendwie wecken oder erschrecken könnten. Generell sollte Lawrence so wenig wie möglich von all dem hier erfahren. Gary hatte gewusst, was man in solchen Situationen tat, die Söldner hatten es ihm gezeigt- wenn etwas unbrauchbar wurde, dann musste man es amputieren oder man starb und das war das Letzte, was man wollte. In diesem Falle wäre es sogar ein lächerlicher Tod und der Rotschopf bedachte, dass es sich hierbei sogar nur um sinnlose zwei Finger handelte, die er wahrscheinlich bald nicht einmal mehr vermissen würde. Entschlossen, wenn auch mit einem sehr mulmigen Gefühl im Magen schlenderten seine Schritte schnell zur Küche, seine Augen suchten wie wild nach eine Handtuch, dass er sich um die Handfläche band, mit den Zähnen fester am Knoten ziehend, sodass es die Blutzufuhr für einen Moment etwas minderte. Hektisch wandte Gary sich der Schublade zu, wo sie ihre Messer lagerten. Der Jüngere hielt einen Moment lang inne, starrte die herumliegenden Messer an, wusste, was gleich auf ihn zukommen würde und es gefiel ihm nicht, ganz und gar nicht, doch er konnte jetzt keinen Rückzieher machen, er konnte froh sein, dass es nur Finger waren, nicht die ganze Hand und das, nun ja, das war nicht allzu abwegig gewesen. „Jetzt sei kein Penner, Gary, Herrgott!“; zischte er zu sich selbst, schüttelte dabei jeden verdammten Gedanken, der durch seinen Kopf schoss, jede Angst, die ihn davon abhielt den Griff des Schlachtmessers zu umfassen. Er war stark, stark genug, der Gedanke an Law und sein Wohlergehen trieben ihn an, er musste schnell sein, musste ihm seine Antibiotika bringen, musste schlimmere Dinge an seiner Hand vermeiden, es blieb also keine Zeit sich vor irgendwas zu drücken. Behutsam legte seine linke Hand das große Messer neben sich auf dem Tisch, platzierte seine betroffenen Finger am Rand der Küchenzeile, nebenbei einen abgefallenen Holzgriff aus der Schublade herausholend, ihn zwischen seine Zähne klemmend, damit er sich nicht die Zunge abbiss oder laut losschrie. Ein letztes Mal betrachteten die zwei verschiedenen Augen seine kalten, blauen Finger, er hatte sich kaum aufgewärmt, spürte, wie Eisklumpen durch sein Blut flossen, zumindest kam es ihm so vor. Gary atmete ein letztes Mal tief ein, platzierte sein Messer an die Stelle, wo er einschneiden wollte. Er wollte sie ganz los werden, ohne Stummel, er hasste Stummel und er wusste in welchem Winkel er treffen musste, weswegen er nicht einmal die Augen schließen durfte, er durfte nicht wegschauen.
Und im nächsten Moment ging alles auf einmal furchtbar schnell, Gary konnte sich nicht einmal daran erinnern, als er mit voller Kraft, die in seinen Muskeln stecke, ausholte, das Messer mit einem Male durch sein Fleisch schnitt, die Knochen zerbrach und ein grauenvolles Geräusch den kleinen Raum erklang. Schweiß rann durch seine Stirn, kalter Schweiß, während ein gedämpfter Schrei seine Lippen nicht verlassen konnte. Er spürte Tränen auf seinem Gesicht, sah die abgetrennten Finger, das fließende Blut an den Stellen, wo einst die Hand komplett war. Er glaubte den Verstand zu verlieren, ihm wurde schwindelig, schlecht zugleich, sein ganzer Körper bebte, während er das Messer achtlos zur Seite warf, schützend die Hand mit der anderen umfasste, während das Blut das Handtuch rot tränkte. Gary hatte viele Schmerzen über sich ergehen lassen, viele Narben zierten seinen muskulösen Körper, doch nichts von alldem war so grauenvoll wie dieser Moment. Nur für einen kurzen Moment wurde dem Streuner schwarz vor Augen, doch er riss sich zusammen, sagte dem Verlangen, in einer Ecke zu kauern und zu wimmern nicht zu, desinfizierte stattdessen die Wunde mit einer herumstehenden Flasche Hochprozentigem, das im nächsten Moment seine Kehle hinunterfloss. Der Tätowierte konnte nicht aufhören zu beben und zu zittern und dennoch nahm er seine letzte Kraft zusammen um die offenen Wunden an der heißen Herdplatte vor dem Verbluten zu bewahren, auch wenn er diesmal den Schmerzenslaut kaum unterdrücken konnte. Gary wusste nicht einmal, wann er es geschafft hatte, den Herd einzuschalten, wann es ihm in den Sinn gekommen war.
Nachdem das Blut an seinen Händen abgewaschen und die Wunde verbunden worden war, nahm der Rotschopf einen weiteren Schluck des Alkohols, wusch sich die Reste von den Mundwinkeln, auch den Schweiß, der seine Stirn hinunterperlte und immer noch waren seine Finger so eiskalt. Verflucht sie der Winter, mit seiner Kälte, die ihn nicht mehr zu verlassen schien. Doch er würde an einem anderen Tag über das Wetter und seine Umstände klagen müssen. Noch hatte er sich nicht getraut seine abgetrennten Finger anzufassen und zu entsorgen, doch er würde es später tun, dann würde er auch die Sauerei entfernen. Ein Glück, dass Law nicht aufstehen konnte.
Law- der Gedanke an seinen Freund ließ ihn den pochenden Schmerz für eine Sekunde lang vergessen. Schnell eilte er wieder aus der Küche hinaus, schnappte sich im vorbeigehen die Tabletten aus der Tasche seines Mantels, die Treppen hinaufeilend. Es stimmte den Steuner zufrieden, dass der Cyborg nichts von alldem mitbekommen zu haben schien, tatsächlich schien er noch zu schlafen, Gary mochte es, wenn er Schlaf tanken konnte und wenn er so ruhig dalag, ohne schmerzverzerrtem Gesicht oder einem Anfall von Husten, doch diesmal musste er ihn wecken, musste ihm die Medizin geben, die er brauchte.
Langsam schritt er zum Bett heran, beuge sich über den schmalen, bleichen Körper des Älteren, ihn sanft weckend. „Law…du musst deine Antibiotika nehmen, danach kannst du wieder weiterschlafen.“; murmelte er ihm leise entgegen, spürte, wie unglaublich unruhig und schrecklich seine Stimme war. So schnell würde er wohl nicht heute die Fassung wiedergewinnen, doch er versuchte es, für seinen Freund. Als die braunen Augen aufschlugen, zierte sich ein leichtes Lächeln auf den blassen Lippen, die jetzt beinahe so farblos waren wie das Gesicht des Sommersprossigen. Bei den Worten des Älteren biss Gary sich die Zähne zusammen, alleine das Wort Schneesturm bereitete ihm so viel Schmerz, dass es brannte, dennoch zwang er sich ebendiesen einfach abzuwinken. „Ach, nicht der Rede wert, wirklich nicht. Und ja, die Sachen habe ich bekommen, zum Glück.“; erwiderte seine Stimme so locker wie nur möglich. Er wollte ihm gerade die Sachen geben, ihn wieder in Ruhe lassen, hielt jedoch inne, versteifte sich regelrecht, als die Hand des Anderen seine umfasste. Warum ausgerechnet die?! Der Jüngere biss sich heftig auf die Zunge um keinen Laut über die Lippen zu bringen, Lawrence konnte ja nicht wissen wie schrecklich es wehtat, als sich die Finger des Kleineren um seine Hand schlossen, abgesehen davon, dass er nichts davon erfahren sollte, noch nicht zumindest. Schnell zog er sie zurück, so weit wie möglich, damit er sie nicht mehr berühren oder gar anschauen konnte, legte ihm jedoch die andere zum Ausgleich auf die Stirn. Es musste das Paradies für den Cyborg sein, diese Kälte, die ihm einen Moment lang diese Hitze im Körper nahmen und ihm ein gutes Gefühl gaben, immerhin waren die angefrorenen Gliedmaßen doch zu etwas gut gewesen. „Schlaf mir noch nicht weg, deine Medizin.“, beharrte der Größere mit sanfter Stimme, zog nach einer Weile seine Hand wieder zurück, stattdessen seinem Freund die Tabletten reichend, die er mit einem Schluck Wasser hinunterspülte. Wenn er ihn so ansah, dann hätte er wahrscheinlich jeden seiner Finger und die Zähnen gleich dazu abgeschnitten, wenn es hätte sein müssen, er hätte alles getan, damit es dem Dunkelhaarigen wieder gut ging und das machte man doch auch, wenn man jemanden liebte oder etwa nicht? Und wenn nicht, dann liebte man die Geliebten nicht gut genug, vielleicht brauchte man sie dann auch nicht so sehr wie er seinen Lawrence gebraucht hatte, dass es beinahe noch mehr schmerzte als eine amputierte Stellen. Und wenigstens schien es dem Cyborg nach und nach wieder besser zu gehen, bald konnte er wieder normal die Nächte durchschlafen, das Fieber hatte den kritischsten Punkt überwunden und es war nicht mehr auf gefährliche Temperaturen angestiegen, wo man sich bereits um das Leben des Älteren sorgen musste, außerdem konnte er endlich wieder besser und etwas mehr essen und all dies machte den Tätowierten glücklicher denn je. Sich jedoch wieder zu ihm ins Bett zu gesellen, so sehr Gary es auch wollte, tat er noch nicht, er hatte immer noch Angst, dass Lawrence so seine fehlenden Finger bemerken würde, die mittlerweile irgendwo draußen von wilden Tieren sicherlich gefressen worden sind, und noch war die Zeit nicht gekommen, noch war er nicht ganz bei Kräften und er sollte sich so viel Zeit lassen wie nur möglich, immerhin hetzte sie keiner.
Doch etwas sagte dem Rotschopf, dass das kleine Versteckspiel allmählich entdeckt worden war, denn seit der Kleinere nicht mehr vom Fieber so schrecklich eingenommen war, schien er mehr mit seinen braunen Augen zu sehen als er sollte und es wurde immer schwieriger ihm was vorzumachen. Der Rotschopf erwischte sich jedoch selbst manchmal, wie er unachtsamer geworden war- langsam hatte er sich an die drei Finger an seiner rechten Hand gewöhnt, hatte gelernt damit umzugehen und manchmal vergaß er es auch. Erst glaubte er, sie wären noch da, manchmal spürte er sie sogar noch, wie kleine Phantomfinger, doch sobald er hinsah, war dieses Gefühl wieder weg und es blieb nichts als die Leere, doch die Arbeit im Haus konnte er auch ohne sie erledigen, er konnte immer noch kochen, beachtete das Schlachtmesser jedoch nicht mehr und hatte es an einem Tag irgendwann ganz entsorgt, sie würden es ohnehin nie wieder brauchen. Manchmal fragte er sich, woher er diesen widerlichen Mut genommen hatte, wenn er jetzt so darüber nachdachte, könnte er es vielleicht nie wieder tun, es war keine gute Erfahrung, nichts, was er je wiederholen werden würde, ob bei sich oder bei anderen Menschen, es musste einfach nicht sein. Ebenso wenig wollte er allerdings, dass sein Freund etwas bemerkte und langsam bekam er es mit der Angst zu tun auch nur das Tablett auf dem Nachttisch abzustellen, das hastige zurückziehen seiner Hände war ihm aufgefallen und zu allem Überfluss begann der Ältere nun Fragen zu stellen, die mit jedem Male schwieriger zu beantworten waren und diesmal war es wieder dazu gekommen. Gary überspielte seine Angst und Panik mit Zorn, es war immer besser zornig zu sein. „Herrgott, Law, jetzt lass mich doch, ich ziehe sie gar nicht zurück jetzt iss dein Zeug und nimm die Tabletten!“, mit zusammengezogenen Augenbrauen starrte er den Kleineren verärgert an, sich auf dem Stuhl niederlassend. „Außerdem, warum denkst du überhaupt über meine Hände nach, konzentrier dich lieber aufs gesundwerden, das ist ja wohl wichtiger, Mann!“

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BeitragThema: Re: Chaos lives in everything   So Sep 29, 2013 10:29 pm

Er konnte einfach spüren, dass irgendetwas nicht stimmte, irgendetwas verheimlichte Gary vor ihm, aber er war zu schwach und fiebrig, um näher darauf einzugehen. Vielleicht bildete er es sich wirklich nur ein, vielleicht entsprang es alles seinem Wahn, er wollte den Jüngeren nicht in Frage stellen, nicht jetzt, wo er gerade für ihn sein Leben riskiert hatte. Lawrence konnte kaum in Worte fassen wie dankbar er ihm war, er hätte nie gedacht, dass es mal jemanden geben könnte, der so viel für ihn tat, und das aus purer Liebe. Und außerdem hätte er niemals gedacht, dass er selbst jemanden so innig lieben könnte. Es war schon merkwürdig, wie das Schicksal sie zusammengeführt hatte. Wenn es anders gelaufen wäre, wäre er vielleicht mittlerweile schon längst tot, oder zu mindestens totunglücklich. Der Cyborg stieß ein erleichtertes Seufzen aus, als sich die kalte Hand auf seine Stirn legte und schloss müde die Augen. Die Kälte, die der Rotschopf mit hinein gebracht hatte, war Abkühlung pur für seine erhitzten Glieder, und Gary im Gegenzug konnte seine Hände wieder ein bisschen aufwärmen. Es wunderte ihn zwar, dass er seine andere Hand einfach weggezogen hatte, aber er hatte jetzt nicht den Kopf, um darüber länger nachzudenken. Es war einfach so angenehm die Augen wieder zu schließen, dass er tatsächlich beinahe wegedämmert wäre, hätte sein Freund ihn nicht ermahnt die teuer erkämpfte Medizin zu nehmen. Er wusste selbst, dass Antibiotika regelmäßig genommen werden mussten, damit sie auch wirklich wirkten, und so war er Gary nicht böse darum, dass er ihn noch eine Weile wach hielt.
"Du bist einfach der Beste.....Ich liebe dich so sehr", murmelte er müde, aber dennoch mit einem sachten Lächeln, bevor er den Kopf wieder zur Seite neigte und einnickte. Viel mehr als Schlafen tat er sowieso nicht, er war die meisten Zeit zu schwach, um sich aus dem Bett zu bewegen, und er musste es auch nicht, Gary sorgte gut für ihn, und das zeigte sich auch so langsam. Obwohl eine Lungenentzündung sicherlich keine angenehme Krankheit war, sie war nicht unheilbar, und gegen die starken Antibiotika, die Gary besorgt hatte, war sie nicht gewachsen. Nur sehr langsam wurde es besser, mittlerweile war es schon die zweite Woche, die Lawrence diesen Mist mit sich herumschleppte, aber es wurde besser, und das war das einzige was zählte. Mittlerweile war er wieder länger am Stück wach, er hatte mehr Freude am Essen, sodass er auch wieder ein wenig zunehmen konnte. Er war abgemagert, und gerade im harten Winter war das kein Zustand, den man lange halten sollte. Die Nächte waren wieder etwas ruhiger und nicht mehr so heißt, sodass Lawrence sich beinahe gewünscht hätte, dass Gary wieder zu ihm unter die Decke kam, aber vielleicht hatte der Rotschopf ja noch ein wenig Angst, dass er sich anstecken könnte, oder es war ihm einfach zu heiß bei ihm, jedenfalls schlief er weiterhin alleine in dem anderen Bett.
Generell hatte Lawrence das ungute Gefühl, dass sein Freund sich irgendwie von ihm entfernte, oder dass er ihm zu mindestens etwas verheimlichte. Es dauerte ein Weile, bist dem Dunkelhaarigen wirklich beuwsst wurde, inwiefern sich Gary komisch benahm, aber schließlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: es war die Hand, die er immerzu versteckte, die er nie zu sehen bekommen durfte, und wenn er so darüber nachdachte, dann war es seit dem ag so gewesen, an dem er in diesem Schneesturm draußen gewesen war. Lawrence wollte partout nicht, dass sein grauenvoller Verdacht wahr war, aber was sollte schon sonst vorgefallen sein? Es war einfach zu offensichtlich, er konnte ja eins und eins zusammenzählen. Law hatte schon genug Winter erlebt, lange, harte Winter, in denen die Männer seines Vaters, die zur Wache draußen eingeteilt waren, immer mal wieder Finger oder Zehen verloren. Im Winter passierte so etwas ständig, aber der Cyborg konnte den Gedanken nicht ertragen, welche Schmerzen sein Freund deswegen hatte erleiden müssen, wegen ihm und seiner dummen Krankheit, als wäre sein Wohlergehen wichtiger als Garys. Und wieso war der Rotschopf nicht ehrlich zu ihm, wieso spielte er verstecken und wich seinen Fragen aus? Alles deutete so eindeutig auf seine schlimmste Befürchtung hin, dass es Lawrence weh tat, körperlich weh tat -weshalb sich sein Zustand auch mal für einen Tag wieder etwas verschlechtert hatte. Er musste Gary einfach zur Rede stellen, er musste Klarheit haben, dass er sich nicht nur etwas zusammen fantasierte, weil er schon zu lange nicht mehr an der frischen Luft gewesen war. Er hatte ihn zwar schon mehrmals darauf aufmerksam gemacht, aber Gary war seinen Fragen immer wieder ausgewichen, hatte sich mit Absicht dumm gestellt und ihn nie seine Hand ansehen lassen. Auch heute benahm er sich wieder so komisch, zog die Hand eilig weg, aber dieses Mal war er nicht schnell genug gewesen. Lawrence hatte es gesehen, er hatte es ganz genau gesehen, den Verband um seine Hand und das, was offensichtlich darunter fehlte. Sein Magen hatte sich umgedreht und er blickte starr auf die Bettdecke. Also hatte er wirklich zwei Finger verloren, zwei Finger, nur, weil er selbst nicht einen Tag auf Antibiotika verzichten könnte? Vielleicht wäre es danach besser geworden mit dem Wetter, vielleicht hätte Gary dann nicht leiden müssen.
„Warum ziehst du deine Hand immer so weg?“, hakte er mit zittriger Stimme nach. Er wollte Gary noch eine Chance geben, vielleicht sprach er ja mit ihm, aber stattdessen wurde er eher noch zornig. Natürlich, er fühlte sich ertappt, suchte Ausflüchte. Die unechten Hände des Cyborgs krallten sich in die Bettdecke und er hielt den Kopf gesenkt.
„Nein, ist es nicht“, murmelte er heiser und hob plötzlich und ruckartig den Kopf, Gary aus zornigen Augen anstarrend.
„Hältst du mich für blöd? Dachtest du, du kannst das für immer vor mir geheim halten? Wolltest du mich nie wieder anfassen, nie wieder mit mir in einem Bett schlafen oder was?“
Er war selbst erschrocken darüber, wie wütend er war, aber die Erkenntnis hatte ihn hart getroffen. Seine Hand schloss sich so fest um das rechte Handgelenk des Jüngeren, dass er es nicht mehr beiseite ziehen und verstecken konnte, zog die Hand in sein Sichtfeld.
„Das ist passiert, als du die Medizin geholt hast, richtig? Ich.....Nicht nur, dass du mir nichts gesagt hast, du...du hast zwei Finger verloren, verdammt! Denkst du ich wollte das, meine Gesundheit gegen deine eintauschen?!“
Law merkte selbst, wie seine Stimme immer lauter und schriller wurde, sich beinahe überschlug, wie seine dunklen Augen den Anblick des Jüngeren einfach nicht mehr ertragen konnte und er verletzt zur Seite blickte. Er konnte es einfach nicht, er wollte es nicht verstehen, wieso Gary so etwas einfach getan hatte, weshalb er selbst solche Schmerzen auf sich genommen hatte, um ihm zu helfen. Waren so etwas Entscheidungen, die er alleine treffen durfte? Es ging doch sie beide etwas an, warum hatte er damals bloß zugelassen, dass er einfach ging? Er hätte ihn aufhalten müssen, dann hätte er jetzt noch alle zehn Finger.
„Sowas kannst du doch nicht machen, das ist einfach nicht okay“, stieß der Ältere mit immer stärker brechender Stimme aus, bevor sie endgültig brach und Tränen über seine Wangen liefen. Vielleicht lag es daran, dass er sowieso im Moment völlig durch den Wind war, aber Law bezweifelte es. Außerdem gab es niemanden, der ihm verbieten würde um seinen Freund zu weinen. Erst war es nur ein leichtes Zucken seiner Schultern, aber es steigerte sich schnell zu einem ausgewachsenen Schluchzen. Bevor Gary auch noch irgendetwas anderes hervorbringen konnte, hatte der Cyborg sich schon zu ihm herumgedreht , die Arme hilflos um seine Taille schlingend, bevor er sich weinend an ihn drückte.
„Es tut mir so schrecklich leid, ich wollte das doch gar nicht“, schluchzte er. Der Gedanke daran, wie sich sein Freund die blau gefrorenen Finger sogar selbst abtrennen musste fraß sich wie Gift in seinen Hinterkopf, ließ ihn einfach nicht mehr los, so sehr er es auch versuchte, und es löste so unglaublich schreckliche Schuldgefühle in ihm aus. Und auf der anderen Seite war er immer noch zornig auf Gary, zornig, dass er so töricht und dumm gewesen war, dabei wusste er selbst doch ganz genau, dass er genau das Gleiche für seinen Freund getan hätte, dass er genau so dumm gewesen wäre, auch, wenn er keine Finger oder Zehen mehr hatte, die ihm einfrieren konnten.
„Ich werd dir neue bauen, ich verspreche es“, weinte Lawrence gegen die Brust des anderen. Er hatte noch nie selbst Prothesen gebaut, aber er wusste einfach, dass er das konnte, er musste es einfach können, für Gary. Zwar würde es nicht wieder rückgängig machen, was seinem Freund geschehen war, aber er konnte wenigstens versuchen, sich irgendwie erkenntlich zu zeigen, ihm irgendwie zu beweisen, dass er keine Bürde und keine Last war, für die man sorgen musste. Und doch war er gerade in diesem Augenblick leider wirklich nichts anderes.
„Mach sowas nie wieder“, presste er gegen seine Kleidung hervor und grub seine Finger noch etwas fester in den Stoff seines Oberteils. Vielleicht würde er jetzt wenigstens wieder bei ihm liegen wollen, vielleicht konnten sie endlich damit aufhören, Geheimnisse voreinander zu haben. Lawrence hatte selten in seinem Leben geweint, jedenfalls in den letzten Jahren nicht, und umso merkwürdiger fühlte es sich jetzt auf einmal an. Dabei würden seine Tränen die Finger des Rotschopfes nicht zurückbringen. Vielleicht weinte er auch ein wenig, weil er in den vergangenen Tagen furchtbare Angst gehabt hatte zu sterben, er konnte es einfach nicht verleumden, aber er hatte es sich nie anmerken lassen, weil dann hätte er Garys Bemühungen in den Schmutz getreten und vielleicht auch ein bisschen seine Hoffnung, dass alles gut werden würde.
„Ich wollte dich niemals meinetwegen leiden sehen.“

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BeitragThema: Re: Chaos lives in everything   Mo Sep 30, 2013 11:58 pm

Eigentlich war die ganze Sache für den Rotschopf bereits gelaufen gewesen, er war wütend, merklich wütend und wollte sich nicht länger über seine Hand unterhalten oder den Kleineren unnötig damit aufwühlen, hatte er doch selbst genug zu tun gehabt damit, wieder auf die Beine zu kommen und gesund zu werden. Wieso konnte er es nur verdammt noch mal nicht gedulden? Es war nicht so, dass er es auf ewig geheimhalten wollte, er wollte doch nur warten, bis sein Zustand stabil genug war, das man ihn mit solchen Dingen belasten konnte, aber nein, Law war viel zu penetrant. „Für dich ist momentan kein Thema interessanter als das, kann es sein? Jetzt lass es endlich ruhen, verdammt!“, Gary hatte sich erhoben, seine Hände zu Fäusten geballt, während die verschiedenen Augen ihn verärgert anblickten. „Ich werde doch bei dir wieder schlafen, sobald du mich nicht mehr- heeey!“, protestierend wollte er seinen Arm wegziehen, doch der Dunkelhaarige kam ihm zuvor, hatte mit seinen langen Fingern das rechte Handgelenk gepackt und damit seine Hand offen präsentiert, die Hand, die er so oft vor ihm versteckt hielt. Er konnte spüren, wie sich sein Magen zusammenzog als er den Blick des Kleineren sah, schaute so schnell er nur konnte weg von ihm, stumm zur Seite blickend.
Verdammt sollte er sein, er und seine Zweifel und seine dämliche Neugier! Alles wäre so viel einfacher gewesen, wenn es ihn nicht so zornig machen würde, doch anscheinend hatte der Jüngere mit seinen Stummeln den gesamten Zorn, der in Lawrence‘ Brust ruhte, auf sich gezogen. Dabei wollte er einen Streit vermeiden. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, hätte er das Schlafzimmer vorher verlassen, nur zur Sicherheit, damit so etwas nicht passierte, doch nun war alles zu spät, die Katze war aus dem Sack und der Größere konnte nur hoffen, dass sein Freund es irgendwie verstand.
Doch genau dies schien er eben nicht, dass er zornig auf ihn war, war ihm von vornherein klar, doch diese Hysterie in seiner Stimme, Gary kannte so etwas vom Älteren nicht, sodass er eine Weile lang gar nicht anders konnte, als ihn mit großen, verwunderten Augen anzustarren, so lange, bis seine eigene Wut so langsam zu brodeln begann. Glaubte er etwa allen Ernstes, dass es so einfach war?! „Was denn, hätte ich dich etwa hier einfach so sterben lassen, ja? Denkst, dass mir diese Drecksfinger irgendwas bedeuten?“; presste der Kurzhaarige laut und voller Wut hervor, dabei den Blick von seinem Freund nicht abwendend. Wie konnte er es ihm vorwerfen? Wie konnte er nur glauben, dass Gary lieber zu Haus im Warmen geblieben wäre, während die einzig wichtige Person in seinem Leben am Sterben war?! Glaubte er wirklich, dass er so herzlos war, dass der Cyborg ihn so wenig interessierte? Dabei sollte ihm mittlerweile bewusst sein, dass zwei Finger fast schon ein viel zu geringerer Tribut war, dafür, dass er Law an seiner Seite hatte, dass er das Glück hatte, dass er lebendig war, dass er bei ihm war und seinem Leben einen viel größeren Sinn gab als alles andere auf dieser Welt.
„Glaub mir, ich hätte den ganzen verdammten Arm für dich abgetrennt, sag mir nicht, dass das nicht r-“, Gary erschreckte, als er die Tränen auf den Wangen seines Gegenübers sah. Warum weinte er jetzt? Weinte er etwa, weil er den Streuner für so dämlich hielt, weil er es nicht mochte, dass er ihm nicht zustimmte? Er konnte doch nicht wegen zwei Finger weinen, das war doch verrückt und vor allem war es doch schon länger her, der Rotschopf spürte kaum noch Schmerzen, die Wunden waren beinahe alle verheilt und es blutete nicht mehr und dennoch vergoss er gerade Tränen für seine Finger….für ihn?! So ganz konnte er es nicht fassen, er wusste nicht einmal, was er sagen sollte, spürte nur, wie ein miserables Gefühl sich in seinem Inneren breit machte, als Law auch noch zu schluchzen begann. Er kannte so etwas nicht und er wusste auch nicht, wie man damit umgehen sollte, vor allem gefiel es ihm nicht, dass er sich ebenfalls so schrecklich fühlte und das, obwohl er bis gerade eben das Gefühl hatte, er wäre im Recht, dass all seine Handlungen und Worte Sinn ergaben und dass er das Richtige getan hatte. „Law, ich…“, er stockte, erschrocken blickte er hinunter zur weinenden und schluchzenden Gestalt, dessen Arme sich im nächsten Moment um seine Taille geschlossen hatten. Vorsichtig strich der Jüngere über sein Haar, tätschelte liebevoll seinen hübschen Kopf, in der Hoffnung, er würde sich bald wieder irgendwie beruhigen können. Noch nie in seinem ganzen Leben war er jemanden so wichtig gewesen, dass jemand auch nur eine Träne für ihn vergossen hatte- seine Ziehmutter hatte ihn zufrieden angelächelt, als sie ihn an die Söldner verkauft hatte, glücklich über das Geld, das sie für den fähigen und kräftigen Jungen bezahlt hatten, die anderen Kinder hatten es noch nicht verstanden und so konnten sie doch gar nicht um ihn weinen, glaubten, er würde bald wieder zurückkehren und diese Söldner- sie hatten ihn einfach auf die Straße geworfen, als er sein Auge verloren hatte, hatten ihn als unbrauchbar eingestuft und der erbarmungslosen Wüste überlassen- nie in seinem Leben schien es jemanden also zu interessieren, ob er wohlauf war, ob seine Hände noch fünf Finger zählen konnten, ob seine Augen nicht erblindet worden war, er selbst hatte sich nicht groß um sich gekümmert, hatte nur kurze Schmerzenstränen vergossen, jedoch nie sich selbst betrauert, seinen Fingern hinterhergeweint, als wären sie das Letzte, was er in seinem Leben noch hatte. Umso tiefer traf es ihn, dass der Cyborg wirklich solche Gefühle für ihn hatte, es traf ihn so sehr, dass er selbst einige Tränen hinunterschlucken musste, heftig den Kopf schüttelnd, auch wenn dies eher den Worten seines Freundes galt. „Sei kein Dummkopf, du kannst nichts dafür, keiner kann das!“, erwiderte er protestierend, dabei immer wieder durch sein dunkles Haar fahrend. Nein, ihn trug nun wirklich keine Schuld- er konnte ebenso wenig dafür wie Gary es tat, es war der Winter, der verantwortlich für ihre Lage war und alleine diesen konnten sie verfluchen und dafür hassen, doch nicht sich selbst, ganz sicherlich nicht. Es war also nicht nötig gewesen, sich bei ihm zu entschuldigen, zu versuchen, etwas bei ihm wiedergutzumachen, Law musste nicht einmal seine Versprechung einlösen und ihm neue Finger bauen, auch wenn der Gedanke ein kleines Lächeln auf den Lippen des Größeren zauberte, die verschiedenen Augen hinunter zum Kleineren schielten. „Das wäre schön, nur kann das noch warten. Werde vorher gesund, bevor du anfängst zu basteln.“, seine Stimme hatte einen ernsten Unterton und das Lächeln schwand für einen Moment. Er wollte wirklich nicht, dass er jetzt ganz seine Gesundheit vergaß und begann etwas für ihn zu tun, Gary konnte warten, nichts würde wegrennen und noch konnte er ganz gut ohne der zwei Finger leben, immerhin waren sie nicht die wichtigsten, weswegen irgendwelche Prothesen noch auf sich warten ließen, immerhin musste er auch einige Monate einäugig leben, ehe er sich eines dieser teuren Teile leisten konnte und das war eine viel größere Tortur gewesen, sich an dieses Leben zu gewöhnen, mit diesem Handicap zu klauen, so viel, dass es für einen Ersatz langte. Hier jedoch war die Umstellung am einfachsten gewesen.
Bei den nächsten Worten blieb Gary einen Moment lang stumm, er konnte ihm nicht versprechen, dass er so etwas nie wieder tun würde, die Wahrheit war, dass er so etwas wahrscheinlich jederzeit wieder tun würde, auch wenn er diese Art von Schmerz sicherlich so selten wie es ihm nur möglich war durch seine Glieder zucken spüren wollte, so war der Wille, alles zu tun, damit es Lawrence gut ging, viel ausgeprägter als die Angst vor dem Schmerz.
„Law, ich habe deinetwegen doch gar nicht gelitten!“, der Rothaarige löste sich sanft aus dem Klammergriff des Cyborgs, sich zu ihm bückend, dabei in die hellbraunen Augen blickend. „Du bist ein Idiot zu glauben, dass ich wegen dir irgendwann mal leiden würde. Naja, vielleicht, weil du so dämlich bist und dich nicht auf deine Gesundheit konzentrierst, dann leide ich.“, er konnte ein belustigtes, wenn auch kurzes Lächeln für einen Moment lang nicht verkneifen, blickte den Anderen jedoch schnell wieder ernst an, zaghaft seine Hand anhebend. „Das ist nichts im Vergleich zu dem Leid, was ich spüren würde, wenn du gestorben wärst. Was würde mich noch am Leben erhalten? Newton, vielleicht, doch es wäre nicht mehr dasselbe ohne dich…ich will nicht einmal daran denken, was wäre, wenn du nicht mehr da wärst, verstehst du? Verstehst du warum ich nicht einmal eine Sekunde gezweifelt habe, warum mir ab dem Moment bewusst war, dass ich die Teile irgendwie loswerden würde, weil sonst niemand dagewesen wäre, der für dich sorgen könnte?“, er starrte den Kleineren leidend an, ehe er sich wieder erhob, um das Bett herumging, um sich neben ihn im Schneidersitz zu setzen, einen Augenblick lang seine Beine anstarrend, ehe er sich wieder Lawrence zuwandte. „Ich wollte dir das erzählen wenn du wieder gesund bist aber du wolltest ja nicht warten.“, er stieß ein schweres Seufzen aus, sich auf das Bett niederlassend, dabei Law zu sich an die Brust ziehend. Er brauchte seine Nähe, er hatte viel zu lange auf ihn verzichten müssen und das wurde ihm in diesem Moment wieder klar. „Eigentlich bin ich selbst daran irgendwie schuld- ich habe den dämlichen Handschuh beim Apotheker vergessen und in der Stadt ist es viel angenehmer, weiß du, deswegen ist mir das viel zu spät aufgefallen, doch ich konnte nicht mehr zurück, hätte ich noch länger getrödelt, wäre dein Fieber vielleicht noch schlimmer angestiegen und..und es wären schlimme Dinge passiert.“, er biss sich auf die Zunge, der bloße Gedanke an einen toten Law bereitete ihm viel zu große Schmerzen. „Du weißt, dass ich dich liebe und dass du der einzige Mensch bist, der mich irgendwie wichtig findet, oder? Und deswegen hatte ich Angst, ich hatte Angst, dass jede Sekunde eine Sekunde zu spät sein könnte, dass ich nach Hause komme und du nicht mehr aufwachst, selbst als ich diese…diese blöden Finger loswerden musste, hatte ich Angst, ich würde zu viel Zeit damit verschwenden.“, abermals verzog sich sein Gesicht vor Schmerz und Unmut, die sein Inneres durchströmte. Er konnte spüren, wie sein Körper unkontrolliert zu beben begann, wie sich Zorn und Angst und all die Panik, die er an diesen Tagen verspürt hatte, zu einem Klumpen vereint hatte, ihm die Tränen in die Augen trieb, die er rasch wegwischte, den Blick zu Lawrence schweifen lassend. Seine Arme drückten ihn noch enger an sich, während seine Lippen sich sanft auf seine Stirn pressten, lange.
„So etwas wird nie wieder passieren.“, gab er fest entschlossen von sich, unwissend, ob es an seinen Freund oder an sich selbst gerichtet war, doch das spielte auch keine Rolle, er würde dafür sorgen, dass ihnen das nie wieder passieren würde, nie wieder würde einer schwerkrank werden und nie wieder würde sich jemand irgendwelche Glieder abhacken. „Die Nächte alleine im Bett waren übrigens unglaublich beschissen und…du musst wieder schnell gesund werden, damit ich, naja, dich wieder küssen kann.“, Gary spürte, wie ein leichter Rotschimmer sein Gesicht befiel, dass er schnell in Lawrence‘ Halsbeuge vergrub. Er wollte gar nicht zugeben, wie sehr er einfach nur die Nähe des Älteren vermisste, nicht einmal der Sex hatte ihm so sehr gefehlt wie die sanften, weichen Lippen, wie die Arme, die sich um seinen Körper schlangen, der schmale Leib, wie er sich eng an seinen schmieg, auf all dies mussten sie so lange verzichten. „Aber hey, jetzt wirst du dich hier nicht mehr breitmachen können, damit dir das schonmal klar bist, ich bleib jetzt wieder hier im Bett!“

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BeitragThema: Re: Chaos lives in everything   Di Okt 01, 2013 11:48 pm

So hatte sich der Cyborg selbst noch nie erlebt, so aufgelöst und völlig durch den Wind, so sehr um eine andere Person besorgt, aber wann hatte er auch schon mal jemanden wie Gary gehabt, der ihm so wichtig war? Auf der einen Seite war er immer noch furchtbar wütend auf den Rotschopf, dass er sich so in Gefahr begeben hatte, aber es war ganz sicher keine Wut, die nun Ewigkeiten andauern würde. Irgendwo war er ja auch wirklich gerührt, man konnte es nicht anders sagen. Niemand, nicht einmal sein eigener Vater, hätte je so viel auf sich genommen, um ihn zu retten, da war er sich sicher. Es kostete ihn eine Menge Überwindung, sein Schluchzen wieder einigermaßen einzudämmen, aber an Gary klammerte er sich trotzdem weiter fest. Sie hatten so viel aufeinander verzichten müssen in den letzten Tagen, es war ihm gar nicht so sehr bewusst gewesen bis jetzt, aber dank des Fiebers war beinahe jede Berührung unerträglich gewesen, zu heiß war der eigene Körper gewesen, und weshalb Gary sich geziert hatte wusste er ja jetzt. Er würde ihm die besten Prothesen machen, er wusste einfach, dass er das tun konnte. Er war geschickt, kannte sich aus, und er hatte ja Bubbles für die ganzen Berechnungen. Er würde sowieso nicht viel raus können wegen der Kälte und dem Schnee, es war die ideale Beschäftigung und das Mindeste, was er für seinen Freund tun konnte. So sehr er es auch immer wieder betonte, ganz sicher war es schon irgendwie schwieriger mit zwei Fingern weniger, er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass es keinen Unterschied machte.
„Keine Sorge, ich will ja, dass es perfekt wird“, nickte er mit Bedacht. Er wollte nicht, dass die vergangenen zwei Wochen und Garys Opfer umsonst wurden, wenn er sich jetzt schon zu früh wieder zu viel vornahm. Das Fieber war noch gar nicht ganz heruntergegangen, auch, wenn es sich nach den enorm hohen Temperaturen in den letzten Tagen schon beinahe so anfühlte. Law hatte so viel Zeit im Bett verbracht, dass ihn ein paar weitere Tage schon nicht umbringen würden. Er spürte, wie die Tränen langsam wieder weniger wurden und eine irgendwie angenehme Erschöpfung zurückließen. Wortlos lehnte der Dunkelhaarige sich etwas stärker an Gary an, lauschte auf seinen Herzschlag, der ihm irgendwie lauter erschien als sonst. Aber was wusste er schon.
„Tu doch nicht so, ich weiß, wie schmerzhaft es ist ein Körperteil zu verlieren“, grollte er dunkel und blickte zu Boden. Keine Erinnerungen, die er gerne wach rief. Es mochte sehr umsichtig von Gary sein, dass er ihm keine Schuld dafür zuwies, aber im Endeffekt wäre all das nicht passiert, wäre er nicht krank gewesen, das war ein Fakt und er konnte das nicht einfach ausblenden und so tun als wäre das alles niemals passiert. Vermutlich würde er sich dafür immer ein wenig schuldig fühlen, egal was Gary auch sagte. Wäre er nicht gewesen wäre der Rotschopf noch ganz. Aber er schwieg, er wusste, dass es Gary nur aufregen würde, wenn er darauf beharrte, dass es ihn zornig machen würde und dass es zu endlosen Diskussionen führen würde, also ließ er es bleiben und biss sich stattdessen auf die Unterlippe.
„Ich wäre schon nicht gestorben....“, brachte der Cyborg mit gedrückter Stimme hervor. Er wusste, dass es wohlmöglich – nein, mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit – eine Lüge war. Aber er wollte es sich selbst nicht eingestehen, dass ihn möglicherweise nur ein paar Stunden und der eiserne Wille seines Freundes vom sicheren Tod bewahrt hatten. Law wollte es einfach nicht, niemand dachte gerne über den eigenen Tod nach. Er war beinahe ein wenig panisch, als Gary sich kurz von ihm löste, befürchtete schon, dass er ihn verärgert hatte und er ihn jetzt verließ, um alleine zu sein, aber zum Glück suchte er sich nur eine Sitzposition, in der er noch näher bei ihm sein konnte. Lawrence war es nicht peinlich, dass er seine Arme schnell wieder um den Oberkörper des anderen schlang. Warum denn auch, er musste sich ja vor niemandem rechtfertigen. Gary war sein ein und alles, sie beide wussten das, wussten, dass es auch umgekehrt so war, und sie hatten einander so lange nicht nahe sein können, dass jede Minute, die sie unnötig voneinander getrennt waren, eine Minute zu viel war. Gegen Abend hin wurde das Fieber des Älteren immer wieder etwas schlimmer, so war es nun mal immer, wenn man krank war, und er lehnte sich erschöpft gegen den Rotschopf. Er hätte nie gedacht, dass ihn dank seiner Krankheit selbst ein einfaches Gespräch so fertig machen könnte, aber wenn er jetzt die Augen geschlossen hätte, hätte er sicherlich wieder wegnicken können. Aber es gab viel wichtigere Dinge, er wollte hören, was der Jüngere ihm zu erzählen hatte, wie der Winter ihn hatte überraschen können. Mit starrer Miene lauschte er den Worten des anderen, während sein Gesicht sich immer mehr verdunkelte und seine Finger sich tiefer in den Stoff von Garys Oberteil gruben.
„Wieso bist du so ein Dummkopf manchmal?“, presste er hervor, erneut mit Tränen in den Augen.
„Warum hast du Bubbles nicht mitgenommen, Bubbles hätte dich an den blöden Handschuh erinnern können.“
Obwohl er innerlich beinahe kochte – so wütend war er über diesen unnötigen doofen Anfängerfehler – blieb er nach außen hin ruhig. Es brachte nichts, Gary deswegen auch noch anzuschnauzen, es war passiert und ganz sicher würde so etwas nicht noch mal passieren, dessen war sich der Cyborg vollkommen sicher. Außerdem....Wie konnte er bei seinen Worten noch weiter böse auf ihn sein, wie konnte er ihn in Frage stellen, wenn er das alles nur seinetwegen getan hatte? Nicht, dass er es verdient hätte.
„Gib....Gib das nächste Mal einfach besser auf dich acht, okay?“, verlangte er ihm ein Versprechen ab. Wenn er nur seinen blöden Handschuh nicht vergessen hätte, wäre das alles nicht passiert. Wieso hatte es nur niemand gemerkt, warum hatte ihm niemand Bescheid gesagt? Hatte es wirklich keiner gemerkt? Oder waren sie nur zu egoistisch und schadenfroh gewesen? Nein, so durfte er gar nicht erst anfangen über seine Mitmenschen zu denken, auch, wenn Lawrence wusste, dass viel Wahres daran war. In diesen Zeiten war kein Platz für Nächstenliebe. Dass sich jemand so für einen anderen aufopferte, nun, da waren sie wohl eine kleine Rarität geworden.
Mit einem leichten Schmunzeln lauschte er Garys Worten, drückte sich schließlich zufrieden näher an ihn.
„Du darfst mich doch trotzdem küssen“, murmelte er und drückte die etwas spröden, aufgesprungenen Lippen auf sein Schlüsselbein. Er musste schnellstens wieder gesund werden, damit seine Lippenberührungen auch etwas angenehmes für seinen Freund blieben.
„Ich mach auch schon extra Platz für dich, keine Sorge!“, grinste der Cyborg und rutschte demonstrativ ein Stück beiseite, Gary dabei mit sich ziehend. In der Tat war es eigentlich besser, eine zweite Person neben sich liegen zu haben, man konnte sich gegenseitig wärmen und versuchen, diesem elendigen Winter irgendwie zu entkommen, wenigstens über Nacht. Law konnte die Augen kaum noch offen halten und war schließlich in den Armen seines Freundes eingeschlafen, den Kopf in seinen Schoß gebettet und zur Abwechslung mal selig schlummernd. Zum Glück wurde fester Schlaf in letzter Zeit wieder häufiger, und das lag sicher auch daran, dass er endlich wieder jemanden hatte, an den er sich nachts heranschmiegen konnte. Fast, als hätte er genau das noch als letzte Medizin gebraucht. Sein Zustand verbesserte sich mittlerweile von Tag zu Tag immer mehr, bald war es schon kein Problem mehr, wenn er das Bett verließ und sich ein wenig die Beine vertrat. Gut, dass er keine Beinmuskulatur hatte, die sich abgebaut hatte, so fühlte er sich wenigstens nicht als hätte er Pudding in den Knien. Nichtsdestotrotz, die letzten Nebeneffekte seiner Krankheit begleiteten ihn noch eine Weile, die Schmerzen in seinem Brustkorb und die Schwäche von zu wenig Nahrung, die er zu sich genommen hatte. Sie hatten zum Glück Unmengen an Vorräten im Keller eingelagert, sodass keiner von ihnen sich weiter hinauswagen musste als bis zur Zisterne. Law wusste, dass auch Gary der Kälte draußen nicht mehr traute.
„Da wünscht man sich doch glatt die sengende Sommerhitze zurück“, seufzte der Cyborg, während er am Fenster über Garys neuen Fingern grübelte. Finger waren verdammt schwer, viel komplexer und filigraner als zum Beispiel ein Bein, aber er hatte sich vorgenommen, das für seinen Freund zu bauen und er würde es tun. Metall in so geringen Mengen war recht schnell aufzutreiben gewesen, vieles an Werkzeug gab sein Arm her. Law war immer noch ein wenig nutzlos, konnte immer noch nur bedingt im Haushalt helfen, aber wenigstens musste sein Freund sich nicht ständig um ihn kümmern. Er konnte wieder gut für sich selbst sorgen, auch, wenn er sich hin und wieder etwas übernahm und bis spät in die Nacht an Garys Prothesen hockte. Jetzt war es zum Glück noch heller Nachmittag. Der Cyborg mochte es nicht, wenn man ihm bei der Arbeit über die Schulter schaute, weshalb Gary sich zwar trotzdem im selben Raum aufhalten durfte, aber sich irgendwie anderweitig beschäftigen musste.
„Ich weiß immer noch nicht, wie ich sie vernünftig anbringen soll“, murmelte der Dunkelhaarige verärgert und stützte seinen Kopf ratlos auf einer Hand ab.
„Ich....ich kann vielleicht Finger bauen, aber ich kann doch niemanden operieren“, brachte er ratlos hervor. Er selbst hatte umfangreiche Ansatzmechanismen einoperiert bekommen, aber das war doch Sache eines Arztes, nicht eines unerfahrenen Laiens. Also hatte er mit einem halben Lederhandschuh experimentiert. Es war nicht optimal, aber besser als nichts.
„Kannst du mal anprobieren?“
Es war eine höllische Arbeit, die Elektronen zu kalibrieren, damit der Rotschopf die Finger auch bewegen konnte, und Gary musste seine Prothesen ständig antesten, sonst machte Lawrence wohlmöglich noch völligen Quatsch. Eine Weile lang konzentrierte er sich nur auf seine Arbeit, dann blickte er mit einem weicheren Ausdruck in die unterschiedlichen Augen.
„Was hältst du eigentlich davon Weihnachten zu feiern? Ich weiß....es gibt nicht wirklich viel und es ist bestimmt nicht das gleiche, was es damals mal war, aber ich finde wir haben uns sowas verdient. Beweg mal die Finger.“
Die Bewegung war ruckelig und erstarrte schließlich ganz, worauf Lawrence einen scharfen Fluch ausstieß.
„Es sollte längst funktionieren, es tut mir so leid“, presste er enttäuscht hervor, während er die behelfsmäßige Prothese mit einem winzigen Schraubenzieher bearbeitete.
„Ich wollte dich nicht enttäuschen“, murmelte er schuldbewusst.

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BeitragThema: Re: Chaos lives in everything   Fr Okt 04, 2013 7:18 pm

Je besser es seinem Freund ging, desto besser fühlte sich auch der Rotschopf, konnte endlich wieder in den Nächten Schlaf finden, ohne besorgt immer wieder zu ihm hinüber schielen zu müssen, auch wenn er seine Krankheit sicherlich nicht auf einmal auf die leichte Schulter nahm- er erinnerte sich nur zu oft an die Worte des Apothekers und daran, was geschah, wenn man auch nur einmal vergaß, die Medizin zu nehmen, sodass er penibel darauf achtete, dass der Cyborg es auch nicht vergaß. Doch das akkurate Einhalten der kleinen Regeln, was Gary sonst nicht gerne oder gar oft tat, zahlte sich bald aus und sein Freund konnte sogar das Bett verlassen, hier und da im Haus helfen, auch wenn er immer darauf achtete, das meiste selbst zu tun, solange Law immer noch schwach war, außerdem ließ er ihn gerne lieber an irgendwelchen Prothesen werkeln, immerhin arbeitete sein Kopf viel besser als der des Jüngeren jemals arbeiten würden und auch wenn es nicht nötig war, dass er sich solch eine Mühe machte nur für zwei dämliche Finger, so war die Neugier dennoch riesig zu wissen, wie sie später aussehen würden, ob er sie je bewegen oder sich sogar daran gewöhnen könnte, außerdem wäre dies das allererste künstliche Teil an seinem Körper, abgesehen vom Auge und vielleicht wären sie sogar besser, vielleicht könnte er damit schneller arbeiten, auch wenn es nutzlose Finger gewesen waren und man von Tag zu Tag sich tatsächlich gut daran gewöhnt hatte, ohne sie zu leben, nur an den Anblick musste Gary sich immer noch ein wenig gewöhnen.
Gedankenverloren schielten die verschiedenen Augen kurz zu Lawrence hinüber- er durfte ihn nicht bei seiner Arbeit stören, eigentlich wollte er sich ein wenig umsehen, ob es Newton gut ging, der tatsächlich die restlichen Tage in eine Art Winterschlaf verfallen war, nur aufwachte, um kurz Grünzeug in sich hineinzuschaufeln, doch ansonsten schien die Wärmelampe wieder sein neuer Freund geworden war, seit er aus dem abermals verbannt worden war, jetzt, wo sein Besitzer wieder dort schlief, doch schien es den Leguan nicht allzu sehr zu stören. Außerdem interessierte den Streuner, was mit seinem Wohnwagen war. Der Schneesturm hatte endlich nachgelassen, es schien sogar tatsächlich wieder, nun ja, besser zu werden, was auch immer das im Winter heißen mochte, doch der Tätowierte musste zugeben, dass ihm diese Jahreszeit nie wieder so geheuer war- Angst vor der klirrenden Kälte hatte sich in seinem Inneren breit gemacht, die ihn so eingenommen zu haben schien, dass er nicht einmal mehr hinaus aus dem Fenster blickte, dass er fast schon widerwillig den ganzen Müll wegschmiss oder Wasser holte, doch war all dies vor seiner Tür, er musste nicht zu weit laufen, sodass eigentlich nicht viel passieren konnte. Gary erwischte sich wieder, wie er ganz vertieft in seine Augen war, bei den Worten des Älteren kurz aufschreckend, fragend sein Gesicht betrachtend. „Muss man da irgendwas Besonderes beachten? Sonst schneid mich einfach an und mach die Dinger dran.“, er formte ein amüsiertes Grinsen, sich langsam von seinem Stuhl erhebend, langsam zum Dunkelhaarigen trottend, sein Werk betrachtend. Der Größere mochte was von handwerklichen Dingen verstehen, doch wenn es um so etwas ging versagte nicht nur sein Können, sondern auch sein Verstand, er konnte einfach nicht so weit denken und er leugnete es auch nicht, sodass es ihn immer noch erstaunte, dass der Cyborg die Fähigkeit besaß, so etwas zu können.
„Ansonsten holen wir uns jemanden aus der Stadt oder so? Einen Chirurgen werden wir schon finden…oder du übst an meiner anderen Hand.“, Gary war es eigentlich egal, wie sie die Finger anbringen sollten, die Hauptsache war, dass die Mühe des Kleineren nicht umsonst war und dass sie funktionierten, sodass er neugierig den Handschuh überzog, fasziniert auf die künstlichen Finger anblickend, während seine Ohren den Worten des Anderen lauschten. Bei dem Wort Weihnachten weitete sich sein grünes Auge, der Streuner ließ seinen Blick zum Dunkelhaarigen schweifen, lächelnd, auch wenn ihm danach war so breit wie möglich zu grinsen- er wollte sich nicht zum Idioten vor seinem Freund machen, weil so etwas nun wirklich nichts war, worüber man sich heutzutage übermäßig freute, doch er hatte oft mitbekommen, wie Menschen darüber sprachen als ob irgendwas Magisches an diesem Tag geschah, außerdem bekam man Geschenke und irgendwie hatte es für Gary bis heute seinen Zauber nicht verloren, die Erzählungen, der Gedanke, dass er eines Tages so etwas selbst erleben würde. Vielleicht war es anders, vielleicht hatte man ihm Lügen erzählt und irgendwann hatte er einfach vergessen, dass dieser Feiertag noch existierte, sodass ihm vielleicht falsche Tatsachen in Erinnerung kamen, doch das interessierte ihn nicht. Er nickte dem Kleineren langsam zu. „Also ich finde die Idee gut…mein erstes Weihnachten…ah, Entschuldige!“, er war erneut versunken in seinen Träumereien, dass er dem Befehl des Anderen erst etwas später folgte und begann seine Finger zu bewegen. Auch wenn die Bewegungen versetzt und wenig später ganz aussetzten, konnte es ihm seine Faszination dennoch nicht rauben, Law hingegen schien es alles andere zu erfreuen. Er schenkte seinem Freund ein aufmunterndes Lächeln, schaute hin und wieder zu seinen Fingern, die flink versuchten etwas zu beheben. „Law, du brauchst dich nicht zu entschuldigen, du hast alle Zeit der Welt also geh es langsam an, ehe du dich noch selbst verrückt machst.“, entgegnete seine Stimme, in sein hübsches Gesicht blickend. Er brauchte sich wirklich nicht zu überarbeiten und je schneller er es fertig haben wollte, desto hektischer und frustrierter würde er bei Misserfolgen werden und dann waren Fehler schon vorprogrammiert. Und wenigstens hatte Lawrence sich den Rat etwas zu Herzen genommen und versuchte nicht binnen weniger Tage eine völlig intakte Prothese für den Tätowierten herzustellen, sodass sogar Teilerfolge im Verlauf des Monats zu sehen waren. Für Gary konnte der Monat gar nicht schnell genug verfliegen, er freute sich auf Weihnachten, was er jedoch nicht zugeben wollte, außerdem hatte er im Keller noch einiges an alter Weihnachtsbeleuchtung von den Leuten gefunden, die hier damals gelebt hatten, wahrscheinlich eine Familie, immerhin hatte er fünf Strümpfe gefunden, die ordentlich an den Kamin gehangen worden waren. An einigen Stellen hatte er die Teile flicken müssen, waren sie im Laufe der vielen Jahre mottenzerfressen gewesen, doch erfüllten sie immer noch ihren Zweck und irgendwann konnte er wohl sein Engagement gegenüber diesen Feiertags nicht mehr unterdrücken. Spätestens als er nachdenklich an der bunten Lichterkette werkelte und versuchte sie wieder zum Leuchten zu bringen, war es aus mit seiner äußerlichen Gleichgültigkeit und wer konnte es ihm denn auch übelnehmen? Immerhin war dies wirklich sein allererstes Weihnachtsfest mit seiner allerersten Familie und mehr brauchte der Rotschopf auch gar nicht! Sicher mussten sie auf einige Dinge verzichten, weil sie einfach nicht existierte in dieser Gegend, wie ein Weihnachtsbaum, außerdem konnte Gary absolut nicht backen, dafür fehlten ihm zusätzliche Gewürze und vor allem ein intakter Ofen, auch wenn dies wahrscheinlich das geringste Übel war. Ob Lawrence bei sich im alten Zuhause jedes Jahr Weihnachten gefeiert hatte? Nur, weil man eine Familie hatte, hieß es nicht, dass sich jeder diesen Luxus erlauben konnte und eine Glaubensgemeinschaft war nun wirklich so gut wie ausgestorben- der Feiertag hatte absolut nichts mehr mit dem Glauben zu tun, irgendwie war er nur da, um sich an irgendwas zu erfreuen, zumindest erschien es dem Tätowierten so.
Doch umso schneller die Tage vergingen, desto deutlicher wurde Gary, dass er sich nicht mehr lange Zeit lassen konnte mit Lawrence‘ Geschenk! Oft hatte er in den Nächten wachgelegen und sich gefragt, was er dem Kleineren schenken könnte, was ihm irgendwie Freude bereiten konnte, immerhin wollte er ihn glücklich sehen, er wollte ihm etwas schenken, was er benötigen könnte und was er irgendwie auch toll fand, doch es fiel ihm partout nichts ein, selbst diesmal wieder nicht als er die letzte, entstaubte Lichterkette im mittlerweile viel geräumigeren Wohnzimmer befestigte, dabei hin und wieder zum werkelnden Cyborg schielend, als es ihm wie Schuppen von den Augen fiel- natürlich, es war die ganze Zeit vor ihm und er hatte es nicht gepeilt! Wenn er dem Älteren neues und besseres und vielleicht sogar umfangreicheres Werkzeug schenken würde, vielleicht würde er alles schneller hinbekommen, vielleicht sogar mehr, immerhin hatte er so viele Dinge, die er für die beiden erschaffen hatte, er hatte Bubbles, seine Prothesen und sicherlich würde auch irgendwann Garys Auge an irgendwas kaputt gehen, sodass es nicht einmal eine sinnlose Investition wäre! Vielleicht würde es ihm auch gefallen…vielleicht. Unschlüssig blickte er auf die vielen Schraubendreher und was er noch so alles auf dem Tisch liegen hatte, starrte jedoch schnell wieder auf seine Lichterkette, als er Angst bekam, der Dunkelhaarige könnte merken, dass er von ihm beobachtet wurde, einige Schritte zur Seite tretend um sein Werk zu betrachten, während er gedanklich immer noch am grübeln war, darüber, ob die Idee gut war. Doch ein anderes Problem tat sich nebenbei noch auf- er müsste das Haus verlassen, die verfluchte Strecke zurück zur Stadt wagen und allein dies bereitete ihm einen unangenehmen Schmerz, den der Größere kaum beschreiben konnte. Er hatte sonst nie irgendwelche Probleme mit irgendetwas gehabt, stürzte sich jedes Abenteuer hinein und lebte waghalsiger als es gesund war, doch die Angst vor dem Winter konnte er nicht leugnen, er konnte nicht verbergen, dass ihm die Schneemassen und die Stürme da draußen unzufrieden stimmten und selbst wenn die Stürme sich anscheinend gelegt zu haben schienen, war es immer noch eiskalt, sie waren immer noch eingeschneit und der Weg würde immer noch nicht einfach werden. Mit einem leisen Seufzer ließ er sich auf die Couch nieder. „Law, brauchen wir irgendwas noch? Ich überlege in die Stadt zu gehen, bevor es wieder stürmt und wir hier gar nicht mehr rauskommen, also…für Weihnachten und an Vorräten.“, murmelte der Jüngere leise vor sich hin, kurz zum Cyborg schielend. Tatsächlich schienen sie einiges zu brauchen, der Rotschopf könnte ihren Fleischvorrat auffüllen und vielleicht blieb noch genug Geld in den Taschen um sich noch irgendeine Flasche Wein zu holen, irgendeinen, der nicht zu teuer war vielleicht. Natürlich blieb das ungute Gefühl in seinem Inneren, als er sich am nächsten Tag wieder auf den Weg hinaus machte, seinem Freund versprach, dass er am Stück wieder ankommen würde, mit einer Schultertasche im Schlepptau hinaus in die dicken Schneemassen tauchte, die noch höher geworden waren. Die ersten Minuten waren durchzogen von einer beißenden Angst und Panik, von Phantomschmerz, der durch seine Glieder zuckte, doch bald merkte der Tätowierte, dass die Kälte erträglicher war, ohne den Wind kam er sogar viel schneller voran, auch wenn der Schnee ihn an einigen Stellen furchtbar blendete. Es war hell, weiße Wolken, die ihren Schnee auf sie herabrieseln ließ, weißer Schnee, alles um ihn herum schien sich zu vermischen, blendete ihn regelrecht, bis er endlich die grauen Mauern der Stadt erkannte, stabil dafür, dass sie nicht wirkte, als hätten große Könner diese Mauer um die aufgebauten Ruinen hochgezogen. Gary hätte nicht gedacht, dass er sich hier wiederfinden würde, hatte eigentlich geglaubt, dass sie den restlichen Winter gut eingemummelt in ihrem Haus verbringen würde und dennoch stand er hier, schlängelte sich an Menschenmassen vorbei, die wohl Gleiches vor gehabt hatten wie der Tätowierte, kauften überall nach Vorräten, verhandelten an allen Ecken. Im Ganzen Tumult hatte Gary es geschafft seinen alten Gaunereien nachzukommen, hatte einiges gestohlen, jedoch auch aus schlechtem Gewissen heraus vielerlei eingekauft, so viel, bis seine Tasche kaum noch zu tragen war, dafür jedoch wieder genügend Vorräte ihren Keller füllen sollte. Das restliche Geld ging tatsächlich für Lawrence‘ Geschenk drauf- der große Werkzeugkasten hatte mehr Utensilien und wirkten sie alle neu und hochwertig, dass er wirklich hoffte, etwas Gutes gefunden zu haben. Vollbepackt war der Streuner wieder nach Hause zurückgekehrt, zwar eingeschneit, zufrieden seinen Freund angrinsend. „Ich habe einen künstlichen Baum.“, er kramte einen winzigen, grünen Baum aus, stellte ihn auf den Tisch ab. „Nur weil es keine echten gibt, sollten wir nicht ganz darauf verzichten, nicht wahr? Ich glaube, im Wohnwagen würde er sich auch gut tun.“, mit diesen Worten schlenderte der Jüngere weiter, verstaute all die Sachen im Keller, sodass sie tatsächlich bis Weihnachten sich um nichts Sorgen zu machen brauchten. Gary hätten die Tage gar nicht schnell genug vorbeigehen können, er wusste, dass eigentlich nicht viel Interessantes geschehen würde und dennoch erwartete er irgendwas Magisches und konnte sich innerlich kaum noch halten vor Vorfreude, besonders wollte er wissen, was Lawrence zu seinem Geschenk sagen würde, ob es ihm gefallen würde oder nicht! In der Zwischenzeit überlegte er sich, was sie kochen könnten, hatte keine Ahnung, ob es irgendwelche besonderen Dinge gab, die man an solchen Tagen vorbereiten sollte, doch er wollte irgendwas Tolles, fragte immer wieder seinen Freund nach, ob nicht dieser vielleicht eine Idee hätte, bis sie sich auf irgendwas einigen konnten, auch wenn es nicht einmal eine große Rolle spielte.
Doch Gary brauchte sich gar nicht lange zu gedulden, schnell waren die Tage verstrichen und noch schneller die Nächte und die Tatsache, dass sein Freund gesund genug war, dass man sich endlich gegenseitig ablenken konnte, oder er zumindest den Rotschopf ablenken konnte, machte die Warteiere zuckersüßer als erwartet und dennoch hatte der Größere seine Augen weit aufgerissen, als ihm am Morgen bewusst war, welcher Tag es war, ohne auch Bubbles vorher nachfragen zu müssen. Sein Gesicht drehte sich rasch zum schlafenden Cyborg an seiner Brust herum. An jedem anderen Tag hätte er den Kleinen heimlich dabei beobachtet, wie er selig schlief, hätte seine Finger im dunklen Haar vergraben und sich gefragt, warum er so viel Glück zu haben schien, dass er bei ihm war, doch heute war nicht so ein Tag, sodass er sich mit einem Sprung auf den Älteren draufschmiss, ihn im nächsten Moment herumwirbelnd, sodass er auf seiner Hüfte saß, ihn breit grinsend anblickend, als die braunen Augen ihn endlich erblickten. „Es ist Weihnachten, das verschläft man nicht!“, säuselte er seinem Freund leise entgegen, ihm einen langen, innigen Kuss auf die Lippen drückend, während seine Finger sich um sein Gesicht legten, ihn noch enger an sich ziehend. Vielleicht war es ja nur die Illusion oder die Lügen, die ihm andere aufgetischt hatte, doch Garret spürte ein wenig von diesem angeblichen Zauber, von der Besonderheit, die diese Tage mit sich brachten und es gefiel ihm, ganz gleich, ob er es sich nur einbildete oder nicht.

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Chaos lives in everything   So Okt 06, 2013 11:24 pm

Irgendwie konnte nichts das Herz des Cyborgs so sehr erwärmen wie Garys Vorfreude auf Weihnachten. Lawrence hatte eigentlich ein klein wenig befürchtet, dass solche albernen Rituale gar nichts für den Rotschopf waren, er wusste ja, dass er keine besonders tolle Kindheit gehabt hatte und ganz sicher war Weihnachten bei ihm niemals gefeiert worden. Vielleicht hielt er ja absolut nichts von solchen Dingen, fand sie albern und in harten Zeiten wie diesen einfach überflüssig. Aber stattdessen schien Gary ganz angetan von diesem Vorschlag zu sein, sodass Law ihn erleichtert anlächelte. Er selbst hatte Weihnachten nach dem Tod seiner Mutter auch nicht mehr gefeiert, aber das Fest war ihm immer sehr positiv in Erinnerung geblieben. Natürlich hatte sein Vater für so etwas nichts übrig gehabt, seit er so verbittert geworden war, aber der Cyborg hatte jetzt eine neue Familie, mit der er feiern konnte. Die Freude über den bevorstehenden Feiertag vertrieb sogar ein wenig seine schlechte Laune wegen der nichts funktionierenden Finger, und so hielt es auch in den kommenden Tagen an. Er war endlich wieder so fit, dass er sich innerhalb der Mauern ihrer kleinen Behausung ganz frei bewegen konnte, auch, wenn er die meiste Zeit dann doch damit zubrachte, über Garys neuen Fingern zu brüten. Es ging voran, wenn auch nur langsam, aber Law musste sich nun mal eingestehen, dass –auch, wenn er eigentlich ein gutes Verständnis von Technik hatte- er das hier zum ersten Mal machte und er ergo verdammt viele Anfängerfehler machte. Er konnte nur von Glück reden, dass er auch wirklich so frühzeitig angefangen war zu bauen, denn ansonsten hätte er an dem großen Tag mit leeren Händen dagestanden. Bei den eisigen Temperaturen draußen und den allerletzten Nachwirkungen seiner Lungenentzündung wagte er es nicht, den Weg ins Dorf auf sich zu nehmen, und auch Gary schien jeglichen Kontakt mit dem Winterwetter draußen vermeiden zu wollen. Verständlicherweise, und es versetzte dem Dunkelhaarigen einen wahren Stich im Herzen, wenn er bedachte, dass er dem Rotschopf wohlmöglich für den Rest seines Lebens mit einer neuen Furcht belegt hatte. Zum Glück war nach einem letzten Großeinkauf für ein paar Wochen gesorgt, sodass keiner von ihnen mehr als unbedingt nötig in die Kälte hinaus musste. Viel lieber hatte Law es sowieso, wenn Gary in seiner Nähe war und er ihn dabei beobachten konnte, wie er sich in seine Weihnachtsvorfreude hineinsteigerte. Er wirkte beinahe wie ein kleines Kind, so aufgeregt war er, aber der Cyborg verzichtete auf jeglichen trietzenden Kommentar, es war einfach zu niedlich, und nach all dem Mist, den sie und vor allem der Jüngere durchgemacht hatten, hatte er sich jeden Funken Glück nur allzu redlich verdient. Dass sie tatsächlich noch alte Weihnachtsdekoration gefunden hatten im Keller der alten Bewohner erschien Lawrence tatsächlich wie ein kleiner Wink des Schicksals, und es gefiel ihm, dass das kleine Haus so viel wohnlicher wurde. In einer Kiste hatte er massig Kerzen gefunden, und um ihr Stromaggregat ein wenig zu schonen hatte der Dunkelhaarige abends gerne immer einen ganzen Schwung Kerzen angezündet und ihr Schlafzimmer mit dem Geruch und dem warmen Licht des Feuers gefüllt. Es war einfach unmöglich, sich von der guten Laune seines Freundes nicht anstecken zu lassen, es machte einfach alles angenehmer und leichter, selbst die Arbeit an der Prothese, sodass Law kurz vor Weihnachten wirklich guten Gewissens sagen konnte, dass er für seinen Freund etwas Nützliches, Gutes geschaffen hatte.
Den kleinen Plastikbaum, den Gary von seiner Einkaufstoru mitgebracht hatte, bedachte der Cyborg mit einem großen Schmunzeln und zum Glück waren bei der Weihnachtsdeko auch kleine rote Kugeln dabei gewesen. Viele waren zersprungen oder sonst wie kaputt, die Aufhängung fehlte oder das dünne Glas war stumpf geworden, aber im Endeffekt machte das kleine Ding doch einiges her. Von der religiösen Bedeutung hinter Weihnachten hatte Lawrence kaum Ahnung, Religion spielte hier kaum noch eine Rolle, jeder hatte nach einem Beinahe-Weltuntergang den Glauben an eine höhere Macht verloren. Hier und da tummelten sich kleine Kulte mit den verschiedensten Glaubensfundamenten, aber der Cyborg scherte sich nicht darum, er brauchte keine falschen Idole, um nachts besser schlafen zu können. Er brauchte einzig und allein Gary an seiner Seite. Seit der Rotschopf wieder mit ihm in einem Bett schlief waren die Nächte wieder etwas Erstrebenswertes geworden, und auch, wenn morgen endlich der große Tag war, schlief der Cyborg seelenruhig und fest, träumte irgendwie niedliche Dinge von Geschenken und Essen und Lichterketten.
Wenn es nach ihm gegangen wäre hätte er sicher noch ein wenig weiterschlafen können, klar, er war aufgeregt, wie Weihnachten so verlaufen würde, aber auf der anderen Seite konnte das auch warten, bis er aufgewacht war. Gary schien es da ein wenig eiliger zu haben. Für einen überaus verwirrten, erschrockenen Moment dachte Law, man hätte sie irgendwie überfallen, im Schlaf überrascht und wollte sie nun ihrer Vorräte, ihres Geldes und vielleicht sogar ihres Lebens berauben! Erschrocken strampelte er wild um sich, bis er merkte, dass es nur Gary war, der da auf ihm hockte, und mit einem lauten Seufzen entspannte sich sein Körper wieder. Träge blinzelte er in das sommersprossige Gesicht, ein langgezogenes Gähnen verließ die schmalen Lippen.
„Bist du verrückt geworden? Ich hätte dich fast geschlagen!“, beschwerte er sich, allerdings nicht lange, denn wie konnte man seinem Freund schon lange böse sein, wenn er einen so anstrahlte? Law genoss die Wärme, wie nah ihm der andere Körper war, so aufzuwachen war dann schon fast wieder erträglich. Seine Hände legten sich schnell um Garys Hüfte, als dieser sich zu ihm hinunterbeugte, und er erwiderte seinen Kuss leidenschaftlich. Weihnachten war ohne Zweifel das Fest der Liebe, so hatte seine Mutter es jedenfalls früher immer genannt, und Law wurde einfach jeden Tag daran erinnert, dass er Gary so sehr liebte wie kein anderes Lebewesen auf dieser Welt.
„Ist es denn schon Zeit für die Geschenke?“, fragte er neugierig und mit einem breiten Grinsen, während seine Hände unter das Oberteil des Älteren wanderten und über seine warme Haut strichen. Er war wirklich gespannt, was Gary ihm besorgt hatte, immerhin war die Auswahl in diesen Zeiten nicht allzu riesig. Es ärgerte den Älteren ein wenig, dass sein Geschenk keine Überraschung hatte sein können, aber er war auch viel zu eingenommen von den Prothesen gewesen, als dass er sich noch um eine weitere unbekannte Kleinigkeit hätte kümmern können. Lawrence musste einfach hoffen, dass die Prothesen auch so gut genug waren, auch ohne den Überraschungseffekt.
Mit langsamen Bewegungen ließ der Dunkelhaarige seine Hände weiter nach oben gleiten und schob Gary das Shirt dabei über den Kopf. Seit er selbst wieder einigermaßen gesund geworden war hatten sie nicht mehr miteinander geschlafen, weil Law Angst gehabt hatte, dass er Gary enttäuschen oder ihn schlimmstenfalls sogar noch mit irgendwas anstecken könnte, aber mittlerweile war mehr als genug Zeit vergangen, und der Cyborg sehnte sich einfach danach wieder Sex zu haben, und welcher Tag konnte perfekter sein als Weihnachten, um sich gegenseitig zu beschenken?
Seine Finger wanderten vorsichtig über den Oberkörper des anderen, besonders mit seiner unechten Hand war er immer noch vorsichtig aus Angst, die metallischen Finger könnten kalt und unangenehm sein. Mit der verbliebenen echten Hand griff er in Garys Boxershorts, sein Glied umfassend und es langsam massierend. Law hatte sich ein wenig aufgesetzt, sodass er mit Gary ungefähr auf Augenhöhe war, und seine freie Hand vergrub sich in den kurzen, hellen Strähnen und zog ihn zu einem weiteren Kuss an sich heran.
„Frohe Weihnachten“, schmunzelte er zwischen zwei Küssen, während das Glied des Jüngeren in seiner Hand steif wurde. Er spürte ein angenehmes Kribbeln in seiner Bauchgegen, als er Garys Shorts ein Stück hinunterschob und ihm etwas Zeit gab, um sich und den Cyborg selbst von nervigen Klamotten zu befreien. Gary kramte das Gleitgel aus der Kommode hervor, während der Dunkelhaarige sich leicht auf dem Bett räkelte und jede seiner Bewegungen genauestens beobachtete.
„Glaub aber nicht, dass das jetzt immer so läuft, wenn du mich am frühen Morgen weckst!“, gluckste er verschmitzt und spreizte die Beine provokativ ein wenig für seinen Freund. Eigentlich war ihr kleines Leben perfekt so wie es war, nichts hatte den Cyborg je glücklicher gemacht als etwas verstaubte Weihnachtsdeko, ein Plastikbaum und sein Freund, der sich leicht über ihn gebeugt hatte. Sofort schlangen sich seine Arme um den breiten Rücken. Law konnte die Berührung der verletzten Hand spüren, die fehlenden Finger, aber er würde lügen, wenn er sagen würde, dass es ihn störte. Gary musste mit sehr viel mehr klarkommen als mit zwei fehlenden Fingern, und außerdem würde Gary ja schon bald auf keinen Finger mehr vermissen müssen. Lawrence genoss es, auf die Matratze gedrückt zu werden, auch, wenn es nach so langer unfreiwilliger Abstinenz sicher etwas schmerzhafter als gewohnt werden würde. Der Ältere spürte die warmen Hände auf seinen Oberschenkeln, und kurz holte er Luft, hielt in seinen Bewegungen und Berührungen inne.
„So viele Bescherungen heute“, seufzte er und lächelte dem Rotschopf verschmitzt entgegen. Draußen tobte erneut ein Schneesturm, aber die Kälte konnte sie hier drinnen nicht erreichen, nicht jetzt. Er war voll und ganz auf Gary konzentriert, fixierte die ungleichen Augen, als er in ihn eindrang, was wie zu erwarten nicht allzu einfach war. Sofort krallte sich der Dunkelhaarige an den Rücken des anderen, die Augen zusammenpressend. Es dauerte ein wenig, bis das Ziehen und der Schmerz langsam nachließen, aber jetzt schmiegte er sich umso lieber an den Leib des Rotschopfes und suchte seine Lippen in jeder freien Sekunde, die kein dunkles Keuchen seine Lippen verließ.

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BeitragThema: Re: Chaos lives in everything   Mo Okt 07, 2013 10:45 pm

Er hatte gar nicht bedacht, dass er den Älteren mit seiner Überschwänglichkeit erschrecken könnte, es war ihm schlichtweg nicht in den Sinn gekommen, immerhin war sein ganzer Verstand so eingenommen von Weihnachten, dass alle anderen Gedanken und Sorgen einfach ausgeblendet worden waren und er selbst bei den Worten des Anderen nicht aufhören konnte, ihn breit anzugrinsen, während er über ihn gebeugt saß. Gary hoffte, dass er nicht zu schwer für seinen Freund war, immerhin hatte er immer noch mehr Muskelmasse aufzuweisen, sodass es allmählich vielleicht ein wenig ungemütlich wurde, unter ihm zu liegen, doch bis jetzt schien Law sich nicht darüber beschweren zu wollen und so würde er einen Teufel tun und jetzt wieder von ihm absteigen oder generell von ihm ablassen, es wäre viel zu schade gewesen. „Oh, ich glaube ich hätte es dir nicht übelgenommen, hättest du mich wirklich geschlagen.“, summte seine Stimme belustigt, die leuchtend braunen Augen fixierend. Bei seinen nächsten Worten nickte der Rotschopf heftig, wäre beinahe aufgesprungen um sein Geschenk zu holen, doch die wohlige Wärme im Bett, die Nähe zum Dunkelhaarigen ließ ihn davon ab, sie hatten ja noch Zeit, außerdem stand etwas ganz anderes gerade an, zumindest konnte er es spüren und er wäre ein Idiot, wenn er sich jetzt aus dem Staub machen würde.
Erneut beugte er sich über den Kleineren, seine Lippen mit zarten Küssen benetzend, dabei jede noch so kleine Berührung genießend. Es war schon so lange her, seit sie das letzte Mal miteinander geschlafen hatten, doch es wäre unverantwortlich gewesen, hätte der Jüngere seinen Freund bereits zu Sex gezwungen, als er krank war, immerhin war er schwach und solch eine Überanstrengung hätte ihn noch stärker geschwächt und wer wusste, was danach mit ihm passiert worden wäre, außerdem wollte Law ihn nicht anstecken, selbst dann nicht, als das meiste verklungen zu sein schien. Vielleicht war dies auch gut so, immerhin konnten sie sich nicht einen zweiten solchen Fall erlauben, es wäre zu gefährlich gewesen. Eine Zeit lang hatte der Tätowierte so viel zu tun gehabt, dass er sich nicht einmal mehr darum gekümmert hatte, ihm hatte es ausgereicht seine Arme um den Körper des Cyborgs zu legen und binnen weniger Sekunden tief und fest einzuschlafen, an einigen Tagen kam jedoch der innige Wunsch zurück, mehr zu tun, Law einfach zu packen und seine Kleider vom Leib zu reißen und ihn auf der Stelle zu vögeln, doch bis jetzt hatte der Kurzhaarige sich ganz gut zurückgenommen, zu seinem eigenen Erstaunen, sodass es ihm jetzt gar nicht mehr schneller gehen konnte. Es hatte ihm einfach furchtbar gefehlt und besonders an Weihnachten war es wohl nicht allzu abwegig, dass man ganz besondere Sachen miteinander anstellte. Seine Lippen wanderten weiter hinunter, biss spielerisch in das weiche Fleisch hinein, gefolgt von einem leisen lachen, ehe sich der muskulöse Leib aufrichtete, das Shirt des Älteren mit seiner Hilfe über den Kopf zog, es achtlos zu Boden werfend, wo auch irgendwo seins herumliegen müsste. Es war so gut zu wissen, dass sie hier noch so oft nackt herumlaufen konnten, ohne Angst zu haben, sie würden erfrieren, die Wärme hatte das ganze Haus umgeben, besonders das Schlafzimmer war immer angenehm, sodass der tobende Sturm sie nicht einmal ansatzweise zu kümmern brauchte. Zum Glück. So ein Glück hätten sie in seinem alten Wohnwagen wahrscheinlich nicht mehr gehabt und wieder einmal war Gary bewusst, dass er froh sein konnte, dass der Cyborg bei ihm war, dass er das Denken übernahm und seinen jahrelangen starrsinnigen Gedanken irgendwie auflösen konnte, so weit, dass er sich oft die Frage stellte, ob es generell nicht vielleicht besser für die beiden wäre, würden sie hier bleiben, einfach das Haus bis zum Ende ihrer Tage besetzen und hier leben, immerhin hatten sie alles so mühselig eingerichtet, so viel auf Vordermann gebracht, dass es wahrscheinlich sogar bewohnbarer war als an den Tagen, wo hier wirklich Menschen gelebt hatten. Aber vielleicht sprach da auch nur die Winterstimmung in ihm, vielleicht schreckten ihn die Schneemassen so sehr ab, einen klaren Gedanken zu fassen, darüber nachzudenken, was sie danach machen sollten, wo sie hinfahren sollten und ob es überhaupt an einem anderen Ort besser als hier wäre. Doch eigentlich war jeder Ort perfekt für sie, solange Lawrence bei ihm war, könnte er sich ein Lager unter der Erde schaffen, es wäre ihm ganz gleich.
Gary stieß ein lustvolles Keuchen aus, als die Hand des Kleineren begann sein Glied zu massieren, sich auf die Unterlippe beißend, ehe diese an Laws Mund klebte, seine Küsse erwidernd, während er die Arme um den schmalen Körper schlang, sich noch enger gegen ihn pressend. Breit grinsend blickten ihn die verschiedenen Augen an, als seine Stimme erklang, den Raum für einen Moment lag füllte. „Es ist ein besseres Weihnachten, als ich es mir je vorgestellt habe.“, säuselte die Stimme nahe an seinem Ohr, vorsichtig ins Ohrläppchen beißend. Er spürte, wie sein Glied immer härter wurde von den Bewegungen, die der Ältere ausübte, wie die Lust immer stärker in seinem Inneren anstieg, sodass er froh war, als die Finger langsam von ihm abließen, der Rothaarige sich seiner lästigen Boxershorts entledigen konnte und sein Freund mit der restlichen Bekleidung das gleiche tat, sodass kein störender Stoff sie noch von irgendetwas abhalten konnte. Der Jüngere schenkte Law ein vielsagendes Grinsen, als er sich zur Schublade ihres Nachtschränkchens streckte, die gut verstaute Tube Gleitgel herausholend. Bei den Worten des Dunkelhaarigen schnalzte der Streuner mit seiner Zunge, blickte das hübsche Gesicht gespielt enttäuscht an, dabei seinen Kopf ein wenig schieflegend. „Wie schade, dabei könnte ich mich an solche Morgen gewöhnen.“, lachte der Kurzhaarige, sich beiläufig vor dem Dunkelhaarigen platzierend, während seine Hände großzügig das Gleitmittel auf seiner Erektion verreibend, damit es für den Cyborg so angenehm wie möglich wurde, immerhin war das letzte Mal schon sehr lange her und sie würden wohl nicht darüber hinwegkommen können, dass es jetzt, zumindest am Anfang unangenehm und auch schmerzhaft werden würde, auch wenn Gary sich Mühe geben würde, besonders an Weihnachten sollte man sich nicht allzu grob behandeln, nicht, dass er seinen Freund generell grob behandelte oder gar auf die Idee kam.
Sanft massierten seine Finger die Oberschenkel des Kleineren, in der Hoffnung, dass es sich für ihn nicht seltsam anfühlte, dass auf der anderen Seite zwei Finger zu wenig waren, die ihn berühren konnten. Es war irgendwo schade, dass er ihn weniger berühren konnte, selbst wenn es nur so eine Kleinigkeit war, immerhin wollte er jeden Zentimeter ertasten, jede Stelle an Laws Körper mit seinen Fingern erforschen und berühren, jede noch so bekannte Stelle, als ob er ihn noch nie angefasst hatte, als ob es Neuland wäre. Und irgendwie war es auch immer wieder ein neues Abenteuer, zumindest wurde es nie langweilig, manchmal glaubte der Tätowierte sogar, dass es immer besser wurde, mit jedem Mal, wo sie miteinander schliefen. „Und diese Bescherungen haben wir uns verdient, Law.“, hauchte der Größere ihm leise entgegen, abermals nach seinen Lippen suchend, während sein Körper über ihn gebeugt war und er langsam, vorsichtig in seinen Freund eindrang. Es war wie zu erwarten nicht allzu einfach und Gary brauchte einige langsame Bewegungen, bis er sich ohne weitere Probleme bewegen konnte, dabei aufpassend, dass der Cyborg nicht allzu viele Schmerzen verspürte, doch mit jeder langsamen Bewegungen schien sich zumindest der Schmerz in Lawrence‘ Augen langsam zu verschwinden, sodass der Rotschopf sich wagte, tiefer in ihn einzudringen, dabei ein leises Stöhnen die Kehle entweichen lassend. Er konnte gar nicht verstehen, wie sie so lange darauf verzichten konnte, allein das Gefühl in Law sein zu können, ihm diese Laute entlocken zu können- es war so gut, dass er sich schwor, dass sie nie wieder so lange darauf verzichten würden, immerhin taten sie sich selbst absolut gar keinen Gefallen damit!
Sein muskulöser Leib presste sich noch enger gegen den des Älteren, während der Unterleib etwas schneller zustieß, sich immer stärker gegen das andere Becken pressend. Das leise Stöhnen wurde bald lauter, dunkler und vor allem öfter brachte er diese Laute über seine Lippen, wenn sie nicht gerade an denen des Anderen klebten, seine Haut mit Küssen benetzen, dabei das Salz schmeckend. Gary konnte gar nicht genug vom Dunkelhaarigen bekommen, seine Lust schwoll immer stärker in der Brust an und nicht allzu selten brachte er stöhnend den Namen des Kleineren über seinen Mund, dass es ihm fast wie ein Gebet erschien, das er immer wieder der Welt hinausstöhnte, während sein Körper sich kaum noch selbst beherrschen konnte, er seine Hüften immer schneller und heftiger bewegte, den schmalen Leib unter ihm regelrecht durchschüttelte. Langsam glitt seine linke Hand hinunter, umfasste die Erregung des Braunhaarigen, es ihm Rhythmus seiner Stöße massierend. Gott, war der Tätowierte dankbar dafür, dass seine linke Hand genauso gut zu gebrauchen und geschickt war wie die Rechte, denn innerlich hatte er immer noch Sorgen, es könnte sich seltsam anfühlen, wenn zwei Finger zu wenig den Kleineren beglückten, sodass er mit dieser lieber über das dunkle Haar fuhr, sie in seinem Nacken vergrub oder sich einfach an der Matratze abstützte.
Wenn es nach dem Streuner gegangen wäre, hätte er gar nicht mehr aufhören wollen- jeder Laut, der der Kehle seines Freundes entwich, sich mit seinem eigenen Stöhnen vermischte, heizte ihn nur noch stärker auf, machte ihn regelrecht verrückt, wie auch die Ekstase, die sein Blut zum Kochen brachte, die ihn innerlich zu drohte, doch er wusste, dass er nicht verbrennen würde und selbst wenn, dann waren es gute Flammen, Flammen, die sich viel zu gut anfühlten. Gary kam es ohnehin so vor, als ob es sich heute ganz anders anfühlte, als ob der Sex wirklich viel besser war, wenn dies überhaupt noch möglich war, doch vielleicht war es einfach nur ihr Verzicht, den sie hatten ausharren müssen, sodass er es nun so anders empfand oder vielleicht lag es ja wirklich an diesem kleinen Zauber, der sie umgab, an dem Feiertag, der eigentlich kaum noch beachtet oder gar gewürdigt worden war, doch Gary redete sich gerne ein, dass dieser Zauber existierte, nur sahen die anderen Menschen ihn nicht.
„Oh Gott, Law…ich werde noch verrückt…“, presste er zwischen seinem Stöhnen hervor, presste seine Lippen stürmisch auf den Mund des Älteren, noch heftiger zustoßend, spürte, wie er seinen Höhepunkt nicht weiter hinauszögern konnte, wie es ihn aufzufressen drohte, wenn er nicht gleich den erlösenden Orgasmus erreichte, in der Hoffnung, dass es dem Anderen nicht anders erging, doch die ansteigenden Laute und sein Gesichtsausdruck verrieten dem Tätowierten, dass es dem Cyborg ähnlich erging, sodass er seine letzte Kraft zusammennahm, seinen Leib noch stärker durchschüttelte, so lange, bis sie gleichzeitig ihren Höhepunkt erreichten, Gary ein letztes, dunkles und langgezogenes Stöhnen ausstieß, seine Muskeln sich für einen Moment verkrampften und er anschließend laut keuchend und erschöpft auf dem Dunkelhaarigen zusammensank, den Kopf auf seine Brust legend. Eine Weile lang verharrte der Jüngere in seiner Position, lauschte dem heftigen Pochen des anderen Herzend, während er gedankenverloren und überwältigt vom Sex seine Finger im dunklen Haar seines Freundes vergrub. Am liebsten wäre er gar nicht mehr aufgestanden, er genoss die Wärme, er genoss den Herzschlag und Lawrence‘ Keuchen, das immer leiser wurde, doch wollte er ihn auch nicht erdrücken, sodass er sich widerwillig aus ihm zurückzog, neben ihm auf das Bett rollend.
Seine Augen starrten den Kleinerne zufrieden an, ihn verträumt anlächelnd. „Weihnachtssex ist guter Sex.“, stellte der Jüngere fest, näher zum schmalen Leib heranrückend. „Jetzt kann der Rest ja nur perfekt werden!“

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Chaos lives in everything   Di Okt 08, 2013 11:28 pm

Es war wohl schwer zu übersehen, dass Gary ebenfalls nur ungern auf den Sex verzichtet hatte, sicher ging ihre Beziehung über mehr hinaus als das rein körperliche, aber es war trotzdem ein wichtiger Bestandteil gewesen, auf den sie hatten verzichten müssen. Lawrence war es dabei gar nicht mal so richtig aufgefallen, er war froh über jedes bisschen Körperkontakt zu Gary gewesen, und wenn es nur das nebeneinander einschlafen gewesen war. Sie hatten sich immer gerne ausgeredet, wie schlimm seine Krankheit wirklich gewesen war, sodass sie wohl für jedes bisschen Zeit, das sie zusammen verbringen konnten unglaublich dankbar sein sollten. Und das war Lawrence auch, keine Frage, es wurde ihm immer wieder bewusst, wenn er in die strahlend grünen Augen des anderen starrte, wenn er ihn so über sich sah und sich ganz sicher war, dass er bis ans Ende seiner Zeit bei ihm bleiben wollte. Er war sonst nie so kitschig und romantisch, aber wenn es um Gary ging, dann brach er diese Norm gerne einmal. Niemand konnte ihm verbieten seinen Freund so zu leben, also sprach auch absolut nichts dagegen, wenn er sich weniger von seiner rauen Seite zeigte. Bei seinem Vater hatte er das gemusst, aber nicht bei dem Rotschopf, hier konnte er verletzlich sein, auch mal das Gesicht verziehen, wenn der Schmerz sein Becken durchzuckte. Aber der Schmerz war es wert, und sie würden einfach keine so lange Pause mehr einlegen, dann war alles gut. Schnell stieg dem Cyborg die Hitze in die Knochen, was bei dem eisigen Wetter draußen wohl auch nicht verkehrt war. Jeder Schneesturm da draußen verlor sehr schnell seine beängstigende Wirkung, wenn man wohl behütet im Warmen hockte und rumvögelte. Beinahe schon schmerzhaft tief krallte er sich an dem Rücken des Jüngeren fest und bog ihm seine Kehle entgegen, ihn nur weiter provozierend ihn zu Küssen, denn er wollte die weichen Lippen einfach überall auf sich spüren. Nicht, dass Gary noch eine extra Aufforderung gebraucht hätte, er überhäufte ihn auch so mit warmen Küssen, die Law nur zu gerne erwiderte. Gierig schob er seine Zunge an den Lippen des anderen vorbei, bat mit einem Stupsen um Einlass und wand sich mit der Zunge des anderen. Es fühlte sich so gut an, wenn das der Zauber von Weihnachten war, dann durfte gerne jeden Tag Weihnachten sein. Hoffentlich blieben die nächsten Tage so unangenehm und kalt, dass man keinen Grund hatte nach draußen zu gehen. Sie waren verpflegt für quasi mehrere Wochen, und wieso sich rauswagen, wenn man viel besser drinnen im Bett bleiben konnte? Der Cyborg war sich sicher, dass sein Freund das kaum anders sehen konnte. Je mehr er sich in ihm bewegte, desto einfacher und erregender wurde es auch endlich für ihn selbst, sodass er sich gar nicht zurückhalten konnte oder gar wollte und den kleinen Raum mit lautem Stöhnen erfüllte, sich so fest an den Jüngeren klammerte wie er nur konnte und kleine verräterische Blutergüsse auf seiner Haut hinterließ. Gary hätte ihn auch ohne weiteres so zum Orgasmus treiben können, aber als sich seine Finger um sein Glied legten, wurde der Sex nur noch besser und Law konnte kaum anders, als seine Zähne fest in Garys Schulter zu vergraben, so fest, dass es ihm wirklich etwas leid tat. Entschuldigend blinzelte er zu dem Größeren hinauf und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen.
„Keine Sorge, ich auch“, keuchte er lachend, bevor er wieder in ein langgezogenes Stöhnen verfiel. Es war wirklich zum Verrücktwerden, wie sehr er an dem Rotschopf hing, was er ihm für Laute und Gefühle entlocken konnte, sodass Lawrence sich nicht einmal wünschte, er hätte jemals mit jemand anderem Sex gehabt. Das eine Mal mit dieser verlogenen Schlange hatte ihm gereicht, und er wollte solche Erfahrungen auch niemals wiederholen. Gary war der einzige, mit dem er schlafen wollte, und er war auch der einzige, mit dem es sich so intensiv anfühlte.
Die heftigen Stöße wurden langsam immer schneller, sodass der Cyborg beinahe Angst hatte, dass sein Kopf platzen würde vor lauter Lust und Erregung, und er konnte Gary ansehen, dass es ihm ebenfalls so erging. Es war eigentlich ein kleines Wunder, dass sie es jedes Mal schafften, ihren Orgasmus so gut zu timen, dass sie ihn beide gleichzeitig bekamen, aber vermutlich war das nur ein Zeichen dafür, wie gut sie sich verstanden und wie gut sie aufeinander abgestimmt waren. Mit einem tiefen Keuchen streckte er seinen Körper noch einmal Gary entgegen, bevor er atemlos zum Höhepunkt kam. Schwer atmend sackte er zurück auf die Matratze, ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Gott, waren sie schon immer so gut gewesen oder kam ihm das jetzt nur so vor, weil sie so lange abstinent gewesen waren? Das Gewicht des anderen drückte angenehm auf seine Brust, er konnte seine Hitze und den erschöpften Atem auf seiner Haut spüren und legte die Arme locker um ihn. Es störte ihn nicht, dass er eine Weile lang sowohl auf als auch in ihm blieb, er genoss es sogar und blickte den Rotschopf beinahe etwas wehleidig an, als er sich neben ihm aufs Bett legte. Er hatte gemerkt, dass Gary etwas zögerlich mit seiner verletzten Hand umgegangen war, vermutlich aus Angst, es könnte sich für ihn merkwürdig anfühlen, dabei war dem Cyborg doch nichts gleichgültiger. Immerhin musste Gary im Gegenzug mit einem Haufen Metall zurechtkommen. Außerdem würde er ja schon sehr bald seine Prothese haben, und dann konnte er das Gefühl der fehlenden Finger ganz schnell vergessen.
„Jeder Sex mit dir ist guter Sex“, gluckste der Ältere verschmitzt und rutschte etwas näher an seinen Freund heran. Aber er wusste, was der andere meinte, irgendwie war es heute ganz besonders toll gewesen. Mochte es nun an der langen Abstinenz liegen oder aber tatsächlich an Weihnachten selbst, aber heute war ein ganz besonderer Tag, das spürte Lawrence einfach. Und Gary hatte recht, es konnte nur noch besser werden, heute war einer dieser Tage an dem alles harmonisch und toll verlief. Für ein üppiges Weihnachtsessen war er noch zu früh, aber die Bescherung könnte so langsam anstehen. Wenn es doch nur nicht so schwer wäre sich von dem Rotschopf zu lösen! Eine ganze Weile noch blieb er so liegen und vergrub seine Hände in den kurzen roten Strähnen, ließ sie zwischen seinen Fingern hergleiten und gab dem Jüngeren sanfte Küsse auf die Lippen. Manchmal war es einfach das Beste, sich nach dem Sex nur miteinander zu beschäftigen, auf so sachte und liebevolle Art wie nur möglich. Aber nach einer Weile richtete der Dunkelhaarige sich schließlich doch auf und blickte seinen Gegenüber vielversprechend an.
„Ich finde jetzt ist Zeit für die zweite Bescherung“, entgegnete er ihm und hob kurz die Augenbrauen an. Für einen kurzen Moment kam Geschäftigkeit in die Wohnung, während beide aufgeregt ihr Geschenk zusammensuchten. Nicht nur an seinen Freund hatte er gedacht, auch ihre beiden anderen Mitbewohner hatten irgendwie was verdient, auch, wenn sie nicht menschlich waren. Immerhin war Weihnachten, und Newton und Bubbles gehörten genauso zu ihrer kleinen Familie. Richtiges Geschenkpapier hatten sie freilich nicht gehabt, sodass uralte Zeitungen hatten herhalten müssen, aber Lawrence hatte noch buntes Band gefunden, mit dem er sein Geschenk wenigstens etwas verschönern konnte.
„Erst mal Bubbles und Newton, dann bleibt es auch spannend“, grinste er neckend. Sein Geschenk war sowieso keine Überraschung und da konnte Gary wohl auch noch ein klein wenig warten. Erst einmal hatte Lawrence noch ein großes Büschel exotisches Grünzeug für Newton, über das sich die Echse direkt freudig hermachte. Immerhin würden seine Besitzer später auch leckeres Weihnachtsessen bekommen, und da sollte der Leguan keine Ausnahme sein. Für Bubbles etwas zu kaufen war natürlich irgendwie merkwürdig, immerhin hatte die Drohne nicht wirklich eine eigene Persönlichkeit, aber das hieß ja nicht, dass man ihr nichts Gutes tun könnte, weshalb Lawrence der kleinen fliegenden Kugel eine neue Lackierung versprochen hatte, sobald er wieder ins Dorf konnte. Das Piepsen der kleinen Kugel wirkte sogar ein wenig freudiger, zu mindestens bildete Lawrence sich das ein. Endlich war Gary an der Reihe, eigentlich war er auch der einzige, der so wirklich zählte.
„Frohe Weihnachten, Gary.“
Obwohl sie doch beide wussten, was in seinem Geschenk war überreichte er Gary das Päckchen nervös und beinahe andächtig und beobachtete genauestens wie er es auspackte, ihm schließlich dabei helfend das Gebilde anzulegen. Wenn sie auf ihrer Reise noch einem fähigen Arzt begegnen sollten konnten sie ihn eventuell bitten, eine richtige Operation durchzuführen, aber für jetzt reicht es erst einmal.
„Es müsste jetzt alles funktionieren, ich hoffe es jedenfalls so sehr“, drückte der Ältere hervor und ließ erst von Garys Hand ab, als alles genau so eingestellt war wie er es haben wollte. Mit wachsender Spannung beobachtete er Gary, wie er die Finger leicht bewegte, sie krümmte und streckte, und dieses Mal erschien es tatsächlich so, als wenn die Prothesen ein normaler, sich bewegender Teil von ihm wäre. Kein Geruckel und kein plötzliches Stocken, sodass er den Rotschopf freudig anstrahlte.
„Ich hab doch gesagt es funktioniert!“, verkündete er stolz und drückte den Jüngeren kurz an sich. Jetzt war er gar nicht mehr eingeschränkt, alles funktionierte perfekt so wie es sollte, sodass Gary sich nicht mehr unwohl fühlen musste. So glücklich er auch über sein eigenes gelungenes Geschenk war, umso neugieriger machte ihn das des Rotschopfes. Er war irgendwie so groß und schwer, dass Lawrence es kaum noch erwarten konnte.
„Jetzt bin ich aber dran! Das sieht so groß und schwer aus, was zur Hölle hast du gekauft?“, fragte er der Ältere verdutzt und machte sich eilig ans Auspacken. Was darunter zum Vorschein kam verschlug ihm fast du Sprache. Eilig öffnete er den etwas gebraucht aussehenden Werkzeugkasten, der Unmengen an nagelneuem Werkzeug enthielt und bekam den Mund fast gar nicht wieder zu vor Staunen.
„W-Wo hast du das alles her, das war doch bestimmt teuer!“, presste Lawrence hervor und war irgendwie unglaublich gerührt, dass Gary ihn mittlerweile gut genug kannte, um ihm eine Freude zu bereiten.
„Wenn ich das alles vorher gehabt hätte, dann wären deine Finger ein Kinderspiel gewesen!“, lachte er mit gespieltem Vorwurf und wühlte sich weiter ganz neugierig und aufgeregt durch die Utensilien.

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Chaos lives in everything   Mi Okt 09, 2013 10:47 pm

Die Wärme zum anderen Körper und die Zärtlichkeiten, die beide austauschten, war so einlullend, so schön, das er sich fast wieder hätte schlafen legen können, generell wollte er so ungerne das Bett verlassen, das so kuschelig warm und schön war, dass alles andere um sie herum fast unwichtig wurde. Doch so schön auch dieser ruhige, eng umschlungene Moment gewesen war, hatte Gary nicht vergessen, dass noch Weihnachten war und dass einige Dinge anstanden, Dinge wie die Geschenke, auf die sein Inneres binnen weniger Sekunden hinfieberte, selbst wenn er wusste, was sein Freund ihm schenken würde, doch seit einiger Zeit hatte er die Prothesen nicht mehr gesehen und auch nicht anprobiert, sodass es dennoch eine Überraschung war, eine unglaublich große noch dazu, immerhin wusste er, wie viel Zeit der Ältere in die kleinen Teile investiert hatte und dass sie einfach funktionieren mussten! Es war ohnehin bereits jetzt das beste Geschenk auf Erden, was man ihm je gemacht hatte, immerhin war es auch das allererste und der Rotschopf würde alles tun, damit seine neuen Finger nicht kaputtgehen würden, doch um dieses Versprechen einhalten zu können, brauchte er erst die Teile!
Die Worte des Kleineren bestätigten nur die Tatsache, dass es so langsam an der Zeit war, ihre eingepackten Sachen zu holen. Er musste ehrlich zugeben, dass er nicht gewusst hatte, was er einer kleinen Drohne oder seiner Echse schenken sollte, doch diese hatte er bereits gestern Abend mit neuen, viel weicheren Decken auf seinem kleinen warmen Platz überhäuft, die ihm noch mehr warme Temperaturen spendeten, immerhin vergaß er sein liebstes Wesen nicht so schnell und kümmerte sich tagtäglich oft genug um Newt, damit er genug Wärme um sich herum hatte bis der nächste Sommer kam. Immerhin war er aus seinem starren Verhalten bereits hinaus und bewegte sich sogar manchmal im Schlafzimmer herum, selbst jetzt hatte er sich langsam, fragend zu den beiden bewegt, als ob das Tier wusste, dass hier etwas los war, was sonst nicht geschah, streckte den Kopf entgegen, sodass Gary nicht anders konnte als vorher sein Haustier anzuheben, ihn mit sich zu schleppen um das Geschenk für den Cyborg zu holen. Irgendwie wurde er langsam unglaublich nervös, immerhin könnte es immer noch der Fall sein, dass der Dunkelhaarige unzufrieden war und es nicht das war, was er brauche oder er einfach etwas anderes erwartet hatte! Gary verschenkte doch eigentlich gar nichts, wie sollte man denn da wissen, ob es richtig oder gar dem Feiertag entsprechend war?! Doch auf der anderen Seite konnte er sich nicht vorstellen danebengegriffen zu haben, schließlich glaubte er seinen Freund mittlerweile gut genug zu kennen und hierbei ging es doch nur darum, dass man seine Zuneigung zeigte, offenbarte, dass man den anderen irgendwie kannte und wusste, womit man ihn glücklich machen konnte und das hatten sie heute Morgen doch schonmal gut hinbekommen, also würde es jetzt nicht anders sein. Mit einem breiten Grinsen ließ der nackte Leib sich wieder auf das Bett fallen, Newton neben sich auf die Matratze legend, der bereits gewittert hatte, dass Lawrence ihm einen ganz besonderen Leckerbissen geholt hatte. Das Reptil hatte sich wohl ebenso wie die beiden etwas Gutes verdient und für einen Moment hatte der Jüngere ein schlechtes Gewissen, dass er seinem langjährigen Freund doch tatsächlich nichts in der Stadt gekauft hatte, doch er würde es nachholen, es gab immer etwas, womit man ihm eine Freude bereiten konnte! Ein wenig ungeduldig machte es den Größeren jedoch trotzdem, dass er auf sein eigenes Geschenk so lange warten musste, unruhig wippte sein Köper im Bett herum, mit den Fingern am Oberschenken herumtrommelnd. Law sollte sich beeilen!
Mit großen Augen betrachtete das Päckchen, breit grinsend, als der Kleinere es ihm endlich überreichte und er sich über das Papier hermachen konnte, was im nächsten Moment zerfleddert überall herumflog, Gary staunend die beiden Prothesen betrachtend. „Woa, sie sehen so gut aus.“, presste er erstaunt hervor, konnte es kaum erwarten die beiden auszuprobieren, sodass er kaum ruhig halten konnte, damit der Cyborg ihm die beiden anbrachte und er sie tatsächlich bewegen konnte! Vorsichtig bewegte er die Finger, erstaunt darüber, dass sie wirklich seine alten ersetzten, er gar nicht anders konnte, als die beiden anzustarren, sie immer wieder zu bewegen. Er hätte fast geweint vor Freude, wirklich, immerhin schoben sie die Erinnerung beiseite vom pulsierenden Schmerz, der vorher seinen ganzen Körper eingenommen hatte und er ihn immer noch gespürt hatte, wenn sein Kopf sich auch nur eine Sekunde daran erinnerte. Es nahm dem Rothaarigen die Phantomfinger, das Gefühl, dass sie da waren, sodass es ihn immer wieder aufs neue erschrak, wenn die verschiedenen Augen sie nicht zu sehen bekamen. „Das ist das Beste, was ich je bekommen habe…du bist das Beste, was ich je bekommen habe!“, mit einem strahlenden Grinsen schlang der Jüngere hastig seine Arme um den Körper des Kleineren, ihm einen sanften Kuss auf die Lippen drückend. Er konnte ihm gar nicht genug danken für das, was er für ihn getan hatte, wie viel Mühe in diesen zwei kleinen Finger steckte und das alles wirklich nur für ihn! Da wirkte sein eigenes Geschenk fast schon unsinnig und dennoch schob er es dem Älteren entgegen, nervös an seiner Unterlippe kauend, während sein Freund begann auszupacken. „Also es sind keine Steine, falls du dich das fragst!“, erwiderte er lachend. Er erwischte sich dabei, wie die Augen immer wieder zu seinen neuen Fingern huschten, die er gar nicht mehr stillhalten konnte, immer wieder irgendwas anfasste oder sie einfach nur bewegte, doch wollte Gary sich nicht allzu lange ablenken, ließ den Blick schnell wieder zu Lawrence schweifen, dabei jede Regung seines Gesichts betrachtend, gespannt auf seine Reaktion wartend. Irgendwie hatte der Tätowierte gehofft, dass der Cyborg so reagierte und seine Angst war mit einem Schlag davongewischt worden- Law mag es und das war großartig! Offenbar kannte und liebte er ihn doch genug um zu wissen, wie man ihm eine Freude bereiten konnte! Und allein dieses Wissen reichte dem Streuner vollkommen aus, um den restlichen Tag über glücklicher denn je zu sein. Bei den Worten des Dunkelhaarigen winkte er lediglich ab, den Kopf leicht schüttelnd. „Ist doch egal, wo ich das herhab und wie teuer das war. Sagen wir, ich habe in den vielen Jahren eine Ahnung von Läden und ihren verborgenen Schätzen.“, abermals grinste er den Älteren breit an, ihn dabei beobachtend, wie er all die Werkzeuge einzeln betrachtete, leise glucksend. „Du kannst ja gerne ganz viele Finger machen, in allen Farben der Welt.“, scherzte der Rotschopf, wohl wissend, dass er keine neuen Finger mehr zu bauen brauchte, immerhin würde er mit diesen schon nichts tun, er würde sie behutsam und liebevoll behandeln, sie pflegen und nichts auseinandersetzen, was ihnen übel zusetzen könnte. Gary liebte sein Geschenk einfach viel zu sehr.
Dieses Weihnachten war wirklich das Tollste und Beste, was der Tätowierte in seinem Leben erlebt hatte- es musste einfach der Zauber gewesen sein, der alles so viel schöner machte, der die Beleuchtung und den alten Baum, den er mitgebracht hatte, so leuchtender und großartiger aussehen ließ, dass er sich ungemein wohl in diesem Haus fühlte. Auch das Essen war nicht ohne- er hatte extra den Ofen wieder auf Vordermann gebracht, damit sie etwas Neues ausprobieren konnte und es war ihnen sogar gelungen! Alles war so perfekt, dass der Größere sich gewünscht hatte, der Tag würde nie ein Ende nehmen, er genoss das alte Gefühl wieder alle Finger haben zu können, dass er am liebsten einfach alles selbst übernahm anstatt Lawrence etwas abzugeben, auch wenn es nicht immer möglich war, immerhin konnte er nicht an allen Orten gleichzeitig sein. In der Nacht fühlte er sich so müde von all den Dingen, die sie hinter sich gehabt hatte, jedoch glücklich müde, so glücklich müde, dass er sogar doch noch genügend Kraft besaß um den Tag genauso abzuschließen, wie sie ihn begonnen hatten, immerhin musste das Paar ohnehin ein wenig Sex nachholen.
Und den Sex hatten sie den restlichen Winter über en Masse nachgeholt! Selten wagte der Tätowierte sich hinaus und wenn starke Stürme vor der Haustür tobten, hatten sie meist gar keine andere Wahl, als daheim zu bleiben, manchmal kamen sie erst am frühen Nachmittag aus dem Bett raus, Gary beschäftigte sich neben seinem Freund gerne für die einen oder anderen Stunden mit Newton, schleppte ihn manchmal sogar einfach überall hin mit oder verbrachte die Zeit damit, zu lernen, immerhin hatten sie nach all dem Wirbel und Trubel ganz vergessen ihm weiter das Lesen und Schreiben beizubringen und der Jüngere wollte auch nicht auf einmal aufgeben und nicht mehr weitermachen. Es wurde einfacher, es wurde sogar angenehmer und er fand so viel Gefallen an alten Büchern, dass er sich fragte, warum er es nicht vorher irgendwann gelernt hatte.
Selten verließen sie den restlichen Winter über das Haus, die Vorräte reichten natürlich nicht für immer aus, trotz ihres kleinen Gewächshauses konnten sie immer noch kein Fleisch heranzüchten, es sei denn sie wollten sich Hühner kaufen und das wollte Gary nun wirklich nicht, doch waren sie die meiste Zeit über verschanzt in den dicken Wänden des stabil gebauten Hauses. Der Rotschopf fragte sich wirklich, wieso die Familie damals diese Behausung verlassen hatte, es lebte sich hier viel zu tun aber vielleicht wollten sie auch einfach den Schutz einer Stadt mit großen Mauern und einer einigermaßen stabileren Lebenssituation genießen. Was auch immer es war, er dankte ihnen dafür, denn sonst wäre das Paar wohl schnell erfroren und hätte nicht einmal das neue Jahr erlebt, hätten nicht die Chance gehabt, sich schamlos zu betrinken und sich wenig um die Welt um sie herum zu kümmern und hätten wohl selten wenn sogar gar nicht in die Kiste springen können und schon gar nicht nackt.
Ach, das Einleiten des neuen Jahres- Gary hatte immer noch den Geschmack des viel zu starken Weines auf den Lippen und das angenehme Kribbeln im Bauch, als seine fahrigen Finger die Kleidung seines Freundes vom Leib gerissen hatten. Auch dies war das erste Mal, dass er etwas so sehr genoss, was er nicht mehr in einer Decke mit seiner frierenden Echse erleben musste. Und so langsam brauchten sie sich auch weniger um die beißende Kälte zu kümmern, denn sobald weitere Wintermonate verflogen waren, schienen auch die Stürme endlich ein Ende genommen zu haben, auch wenn der Schnee trotzdem einige Zeit blieb, so lange, bis die Temperaturen begannen leicht zu steigen. Es war immer noch kalt, keine Frage, doch wurde es wechselhaft, selten erreichten sie einen kritischen oder gar tödlichen Punkt, wo rausgehen das Todesurteil schlechthin war. Oft schmolz der Schnee so stark, dass nur noch der erste, untere geblieben war, welcher binnen weniger Nächte auf einmal gefror oder ein wenig anstieg, doch sie konnten wieder rausgehen und Gary konnte sich auch wieder mit seinem Wohnwagen beschäftigen oder Lawrence einfach einen Batzen an Schnee ins Gesicht schmeißen, auch wenn er hierbei vorsichtiger war, aus Angst, sein Freund könnte sich erkälten. Das Leben war gut, besser als der Tätowierte es sich jemals vorgestellt hatte, es war so gut, dass ihm langsam bewusst war, dass sie vielleicht nie wieder abzuhauen brauchten, dass dies vielleicht so etwas wie ihr neues Zuhause sein konnte, immerhin schien sie niemand mehr zu jagen, Gary brauchte sich nicht mehr in die Flucht zu schlagen, seit er mit dem Dunkelhaarigen zusammen unterwegs war, hatte er sich nicht mehr mit irgendwelchen großen Leuten angelegt und abgesehen von diesem Mistweib hatten sie auch keine größeren Schwierigkeiten mit anderen gehabt, abgesehen von einigen Prügeleien vielleicht. Lawrence‘ Vater konnte erst recht nicht so weit von seinem Ort rumgeistern, etwas sagte dem Größeren, dass sie sich nicht einmal mehr Gedanken um diesen alten Sack zu machen brauchten, dass sie endgültig frei und unbeschwert weiterleben konnten. Zumindest fühlte es sich so an, es fühlte sich lange so an, bis Gary eines Morgens lautes Brummen von großen Autos hörte. Bildete er sich das etwa ein? Schlaftrunken und gähnend schälte sich der muskulöse Leib langsam, aus dem Bett, sich kurz streckend, ehe die nackten Beine tapsig zum Fenster trotteten, die Finger die alte Gardine beiseiteschoben, sodass er schlaftrunken hinausblicken konnte…und mit einem Schlag wach wurde. Für einen Moment glaubte der Streuner, dass er vielleicht noch träumte oder es einfach irgendwelche Halluzinationen seines verschlafenen Gehirns waren, doch je öfter er hinausblickte, desto bewusster wurde ihm, dass dies kein Traum und auch keine Einbildung war. Diese bewaffneten Männer waren Realität und genau dies beunruhigte ihn aufs Äußerte. Gary schluckte, es schmerzte in seiner Kehle, wo sich bereits ein dicker Kloß gebildet hatte, er spürte kalten Schweiß auf seiner Stirn, auf seinen Fingern und wischte ihn schnell an seiner Boxershorts ab, sich nur langsam zu Law herumdrehend. „Law, wach auf, wir haben Probleme.“, seine Stimme erschien ihm für einen Moment so fremd, der Kurzhaarige wusste nicht, ob er Angst haben sollte oder nicht, er wusste nicht einmal genau, wer diese Männer waren, sahen die Söldner doch alle gleich aus, sodass es jedermann hätte gewesen sein können, der sie anführte oder zumindest dafür bezahlte, dass sie sich hatten anführen lassen. Ihm gingen tausende Namen durch den Kopf, Namen von Warlords und anderen Typen mit Macht und Geld, die ihm vielleicht an die Kehle wollten, doch dann fiel ihm etwas entscheidendes ein- er war kein wichtiger Mensch, er war ein Niemand, jemand, der sich ein wenig gestohlen und abgehauen war, er war ein Feigling in seinen Augen und sie waren unehrenhafte Männer, die niemals aus Prinzip einen ehemaligen Söldner bis ans Ende der Welt verfolgten, dabei riskierten Männer und Geld zu verlieren und beides war wichtig für sie. Nein, wenn es hier um jemanden ging dann war es- es fiel dem Jüngeren wie Schuppen von den Augen, schnell sprang er wieder zurück ins Bett, seinen Freund, der ihn mit müden Augen betrachtete, bei den Schultern packend, ihm dabei helfend, sich aufzurichten, während seine Augen ihn ernst und panisch zugleich anstarrten. „Es ist dein Vater, wie zur Hölle konnte dein Vater uns hier finden? Scheiße, wir müssen irgendwie hier weg ehe er dich einfach mitnimmt!“, der bloße Gedanke, dass der Cyborg ihm von jetzt auf gleich genommen werden konnte war kaum zu ertragen und er wollte gar nicht einmal darüber nachdenken, doch es würde passieren, es würde passieren, wenn sie nicht so schnell es nur ging verschwanden. Doch wie? Angsterfüllt blickte der Tätowierte sich um, ließ den Blick wieder zum Dunkelhaarigen schweifen. „Du…du gehst nicht mit, oder? Du würdest mich nicht verlassen, ich meine, es ist sicherlich einfacher und niemand würde sterben..aber ich möchte nicht, dass du gehst!“

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BeitragThema: Re: Chaos lives in everything   Fr Okt 11, 2013 11:02 pm

Der Winter war wirklich auf so eine nahezu magische Art und Weise herum gegangen, dass es Lawrence wie ein paar wenige Tage vorgekommen war –wenn man natürlich die Tage seiner Krankheit außen vor ließ, die hingegen hatten sich angefühlt wie Monate, die nicht verstreichen wollten. Mit dem neuen Werkzeug, dass er zu Weihnachten bekommen hatte, hatte er sich gleich an allen Ecken und Enden ihrer kleinen Behausung ausgetobt, hatte den Ofen wieder richtig in Schuss gebracht, eine stockende Wasserleitung repariert und sowohl an seinen als auch an Garys Prothesen kleine Makel ausgebessert, für die sein altes Werkzeug zu grob gewesen war. Weihnachten war ein Tag, den der Cyborg in Zukunft jedes Jahr feiern wollte, er war so magisch und wunderschön gewesen, dass es ihm wirklich vorgekommen war wie in den kitschigen Geschichten, die er überall gehört hatte. Auch, wenn sich ihr kleiner Plastikbaum und ihre angestaubten Lichterketten vielleicht nicht mit dem Glanz vergangener Zeiten messen konnten, für ihre Verhältnisse war es das beste Weihnachten gewesen, das sie hatten bekommen können. Im Endeffekt hätten sie auch einfach einen Tannenzweig in einen Blumentopf stecken können und die vereisten Fenster mit Glühbirnen beleuchten können, für ihn hätte es ausgereicht. Der Winter dieses Jahr war hart, sodass es gut war, dass sie ausreichend Vorräte gehortet hatten, denn oftmals konnten sie für längere Zeit das Haus nicht verlassen. Nicht, dass sie sich nicht irgendwie anders hatten beschäftigen können. Manchmal verbrachten sie wirklich stundenlang im Bett, ob nun mit Gekuschel, Schlafen oder hartem Rumgevögel, es war immer so angenehm, dass Law im Endeffekt nicht mal ein schlechtes Gewissen gehabt hatte, dass sie nicht produktiver gewesen waren. Wer trieb sie denn schon auch an? Es gab sowieso nicht mehr allzu viele Menschen, und die Leute aus dem kleinen Dorf kamen sie nicht besuchen, warum denn auch? Sie kauften hin und wieder bei ihnen ein, und das reichte ihnen an Kontakt mit ihnen. Sie konnten wohl wirklich von Glück sprechen, dass sie dieses Haus hier gefunden hatten, wenn der Wind wieder mal besonders eisig gegen die dicken Mauern knallte, wollte der Dunkelhaarige sich gar nicht vorstellen, wie es ihnen in ihrem Wohnwagen ergangen wäre. Viel zu lange durfte man darüber wirklich nicht nachdenken, denn vermutlich wären sie dann längst verreckt. Mit seiner Krankheit sowieso. Und wer wusste, wie es dem armen Newton ergangen wäre, der für diese Kälte sowieso absolut nicht geschaffen war? Die meiste Zeit verbrachte das Tier unter seiner Wärmelampe, wo es genüsslich vor sich hin futterte oder schlummerte, aber in den Abendstunden, wenn das Haus wieder genügend aufgeheizt war, krabbelte er auch durch die Wohnung als wollte er sich auch bemerkbar machen. Und so viel Liebe Gary und Lawrence auch füreinander hatten, so waren ihre Haustiere dennoch nicht zweitrangig und ebenso ein Teil der Familie, der sich Liebe verdient hatte.
Langsam aber sicher waren die Temperaturen wieder in einen erträglichen Bereich gesunken. Es war zwar immer noch kalt und voller Schnee, aber man konnte rausgehen ohne Angst haben zu müssen, dass man erfror, und selbst Gary schien an dem weißen Zeugs wieder Freude zu haben und sie konnten sich gegenseitig mit Schneebällen bewerfen und sich abends völlig k.o. und mit roten Nasen aneinander kuscheln. Für eine Weile lang war es, als hätte es nie eine Apokalypse gegeben, als wenn die Welt völlig in Ordnung wäre, sie hatten sogar darüber nachgedacht, ob sie nicht eventuell hier bleiben wollten – und dann kam er.
Gestern Abend war der Cyborg zur Abwechslung mal länger wach geblieben und hatte im Schein einer Schreibtischlampe noch an ein paar technischen Spielereien gebastelt, weshalb er heute Morgen kaum aus dem Bett zu kriegen war. Aber irgendetwas hatte ihm trotz seiner Müdigkeit durch einen absurden Traum hindurch ein mulmiges Gefühl bereitet, und als die Stimme des Rotschopfes ihn auf einmal aus seinen Träumereien riss wusste er, dass etwas nicht stimmte. Verschlafen richtete er sich auf, auch, wenn er bei der beinahe panischen Stimme seines Freundes sehr schnell wach wurde. Was war denn bloß los, hatte das Wetter etwa wieder verrückt gespielt? Aber das konnte doch nicht der Grund sein, wieso Gary ihn so eilig mit sich ans Fenster zog, nicht wegen ein paar Schneeflocken.
„Was zum Teufel ist denn los?“, murmelte er und rieb sich die Augen, um den Schlafsand endlich aus seinem Augenwinkel zu entfernen. Aber als sein Freund ihm offenbarte, was das eigentliche Problem war, war er sofort hellwach. Die braunen Augen rissen panisch auf und er stürmte zum Fenster, um sich selbst zu überzeugen, dass Garys Worte kein Produkt eines Alptraums waren. Nein, dieser Alptraum war nur zu wirklich, die schweren Trucks vor ihrem kleinen Häuschen waren echt, und die bewaffneten Söldner waren es auch. Für einen kurzen Moment meinte Lawrence, seinen Vater erhaschen zu können, aber die Personen dort unten wuselten viel zu sehr herum. Hastig wandte der Ältere sich vom Fenster ab, vergrub hilflos die Hände in seinen dunklen Haarsträhnen.
„Scheiße, verdammter Mist, wie konnte das passieren?!“
Es war ihm wirklich schleierhaft, hatte sein Vater einen Techniker zur Rate gezogen, der den Blockierungsmechanismus seines Arms geknackt hatte? Oder hatte jemand im Dorf sie erkannt und verpfiffen? Law wusste, dass sein Vater nicht hier war, um sie zu töten, dann hätte er sie auch einfach ziehen lassen können, nein, er wollte ihn zurück, seinen einzigen Erben. Aber….Was war mit Gary, würde er den Gauner einfach erschießen dafür, dass er mit ihm abgehauen war? In seinem Magen zog sich alles so fest zusammen, dass ihm für einen kurzen Moment einfach nur noch schwindelig und schlecht war. Es war doch bis jetzt alles gut gegangen, wieso musste er jetzt wieder auftauchen? Sie hatten nicht viel Zeit, durften hier nicht stehen wie angewurzelt, in ein paar Minuten platzten wohlmöglich schon die ersten Söldner durch die Tür hinein. Law hatte bereits damit begonnen sich anzuziehen, hielt aber bei den Worten des anderen inne und starrte ihn mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Schmerz an.
Dich verlassen? Gott, Gary, nein, wo denkst du denn hin, nein, ich….“
Wie konnte der Rotschopf auch nur denken, er würde ihn zurücklassen? Es würde ihm das Herz zerreißen, da konnte er sich auch gleich erschießen. Die Angst, die in der Stimme des anderen war schier unerträglich, sodass er gar nicht anders konnte als ihn in die Arme zu schließen und ihn fest an sich zu drücken, Zeitdruck hin oder her.
„Wir stehen das hier zusammen durch, versprochen“, murmelte er gegen seinen Nacken und drückte sich noch einmal fester an ihn. Er hatte so wahnsinnige Angst, was passieren würde, aber sie hatten es gerade einmal geschafft, Bubbles und Newton einzusammeln, als man sie auf der Treppe stellte. Ein Dutzend Gewehrhälse richtete sich bedrohend auf sie, und ihnen blieb nichts anderes übrig als sich mit erhobenen Händen zu ergeben. Irgendwie drangen die Gesichter der Söldner gar nicht wirklich zu ihm durch, das einzige Gesicht, das ihn –neben der eisigen Kälte draußen vor dem Haus- wie ein Faustschlag ins Gesicht traf, war das seines Vaters. Er war eigentlich unverändert, aber dennoch hatte Law nicht damit gerechnet ihn je wiederzusehen. Wieso war er nur so zwanghaft hinter ihm her, konnte er sich nicht einen anderen Nachfolgen suchen?
„So sieht man sich wieder, was?“
Hatte die Stimme seines Vaters schon immer so schnarrend kalt geklungen? Mit einem Ächzen gingen beide auf die Knie, als ihnen die Söldner den Gewehrkolben in den Rücken rammten.
„Warum kannst du uns nicht in Ruhe lassen?“, keuchte der Cyborg und stemmte sich wieder etwas nach oben.
„Denkst du, ich hab so viel Zeit und Geld an dich verschwendet, damit du einfach mit so einem versoffenen Nichtsnutz durchbrennen kannst?“, zischte sein Vater zornig und trat nah zu ihm heran. Law konnte sehen, wie sein Atem Wolken in der kalten Luft bildete. Er selbst fror ohne Jacke erbärmlich, aber er presste die Zähne nur fest aufeinander, er wollte nicht auch noch vor seinem Vater mit den Zähnen klappern.
„Ich hab keine Lust auf deine dämlichen Machtspiele, such dir doch wen anders“, knurrte der Dunkelhaarige bitter und bereute seine Worte im nächsten Moment bitter, als sein Vater seinen Stiefel in seiner Magengrube versenkte. Als Gary sich lautstark bemerkbar machte, wurde er nur brutal von mehreren Söldnern niedergerungen.
„Und was dich betrifft….“
Die Aufmerksamkeit des Warlords wandte sich nun ganz seinem Freund zu. Oh Gott, wenn sein Vater wüsste, wie die Beziehung zwischen ihnen wirklich aussah, dann gäbe es für Gary keine Chance mehr. Eine Schwuchtel als Sohn? Unakzeptabel.
„Was hält mich davon ab, dich einfach einen Kopf kürzer zu machen, hm? Du hast mich schon mal bestohlen, du dreckiger Dieb.“
Seine Finger gruben sich in die kurzen roten Strähnen und er beäugte das sommersprossige Gesicht für eine ganze Weile, bevor er sich mit einem verächtlichen Geräusch abwandte.
„Erschießt ihn“, befahl er mit einem einfachen Abwinken, doch bevor auch nur einer der Söldner überhaupt seine Waffe gehoben hatte, ließ Lawrence ein scharfes „Nein!“ hören.
„Wenn du ihm auch nur ein Haar krümmst, dann schwöre ich dir, dass ich mir selbst eine Kugel durch den Schädel jage und dann kannst du dir einen neuen Erben suchen!“, stieß Lawrence eiskalt aus. Es tat gut, die Überraschung in den Augen seines Vaters zu sehen, mit so etwas hatte er wohl nicht gerechnet. Die Überraschung währte allerdings nur kurz, dann machte sie rasendem Zorn Platz.
„Was bildest du dir eigentlich ein wer du bist?! Ich schwöre dir, ich prügel dich windelweich!“
Der Cyborg zuckte nur mit den Schultern und schenkte Gary einen kurzen Blick. Nur zu gerne hätte er ihn in die Arme geschlossen oder wenigstens seine Hand genommen, aber das konnte er hier vor seinem Vater nicht.
„Tu das, solange du Gary in Ruhe lässt ist es mir egal. Wenn du mich wieder mitschleppen willst, dann musst du ihn auch mitnehmen, und tu nicht so, als wenn es so ein Drama wäre, du hast zuhause sowieso mehr als genug Söldner herumlaufen“, schnaubte der Cyborg und starrte seinen Vater aus unerbittlichen Augen an. Wenn er jetzt nachgab, dann war alles umsonst.
„Gut, packt sie in den Wagen. Aber Lawrence….deine Operation holen wir nach.“
Die Worte ließen es dem Cyborg eiskalt den Rücken runterrinnen. Was, wenn sein Vater seine Worte wahrmachte, bevor sie fliehen konnten? Er war das letzte Mal schon vor dieser OP geflohen. Aus dem Augenwinkel konnte er sehen, wie zwei der Männer seines Vaters Bubbles und den in Decken eingehüllten Newton in einem Käfig zum Wagen schleppten, während man sie beide zu einer der Trucks schubste. Einer mit einer breiten Narbe im Gesicht hatte dem Rotschopf gerade wiederholt den Gewehrlauf in den Rücken gebohrt und ihm in die Kniekehlen getreten, sodass Lawrence zornig herumfuhr.
„Hört auf damit ihr Penner, er läuft doch schon!“, keifte er, bevor man sie endgültig in das aufgewärmte Innere eines Wagens auf die Rückbank drückte, links und rechts von ihnen vermummte Söldner. Durch die Enge hatte er wenigstens ein bisschen Körperkontakt zu Gary ohne sich gleich zu verraten.

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Chaos lives in everything   So Okt 13, 2013 12:44 am

Niemand hätte je erwartet, dass dieser Mann so rastlos sein würde, jeder normale Mensch, jeder noch so skrupellose Warlord hätte spätestens bei der Umstellung des Wetters kehrt gemacht, hätte sich nicht in die Gefahren begeben für irgendeinen Menschen, ganz gleich ob eigen Fleisch und Blut oder nicht, Gary war sich sowieso ziemlich sicher, dass er auch einen anderen Erben hätte finden können, irgendwen aus seinen eigenen Reihen oder vielleicht sogar einen anderen Verwandten, wenn es denn solche gab. Doch nein, sie hatten diesen alten Typen unterschätzt und nun hatte er ihr Zuhause umzingelt und würde sie gleich mitnehmen, vielleicht sogar umbringen oder zumindest, naja, ihn.
Der Rotschopf hatte die Ernsthaftigkeit der Sache für einen Moment vergessen, aus Sorge vielleicht Law zum letzten Mal in seinem Leben zu sehen, erhob sich jedoch ebenfalls hastig vom Bett um seine Kleidung anzuziehen, immerhin war jede Sekunde, die er mit Nichtstun verbrachte, eine Sekunde zu viel und es wäre ihr Ende. Die verschiedenen Augen fixierten seinen Freund mit einer Mischung aus Angst und Sorge, unwissend, was sie gleich erwarten würde…wobei. Gary konnte sich bereits ausmalen wie viel Wut und Hass im Inneren des Warlods stecken musste und welche Konsequenzen beide zu tragen haben würde. Ganz gleich was man ihnen antun würde, würde es nichts Gutes mit sich bringen, sodass er sich dieser Sache gar nicht erst stellen wollte! Erst die Worte des Älteren rissen ihn aus dem Gedankenstrom aus Panik und irgendwelchen unmöglichen Fluchtversuchen, mit großen Augen blickte er in das hübsche Gesicht, lauschte dabei seinen Worten, erleichtert dreinblickend. Er wusste, dass sein Vater ihm nichts Gutes tun würde, schien er sich doch kaum um den Cyborg als Person zu interessieren, nur seine Funktion war ihm wichtig gewesen und das alleine konnte man an all diesen sinnlosen Prothesen sehen, die diesen schönen Körper zierten. Wenn er wieder zu ihm zurückkehren würde, würde er ihm auch noch alles andere stehlen, man brauchte kein Hellseher zu sein um das zu sehen.
Hastig schlang der Jüngere seine Arme um den schmalen Körper, drückten ihn so fest wie es ihm nur möglich war, einfach nur aus Angst heraus, dass dies vielleicht sogar ihre letzte Umarmung sein könnte. Doch an so etwas wollte er gar nicht mehr weiterdenken, es war zu schmerzvoll und grauenvoll, als dass es passieren durfte, nicht hier und besonders nicht jetzt. Am liebsten hätte der Kurzhaarige gar nicht mehr abgelassen, doch sie durften nicht noch mehr Zeit verlieren, sodass sich die tätowierten Arme widerwillig wieder von ihm lösten.
„Das werden wir.“, erwiderte der Größere mit fester Stimme, warf sich seinen Schal über die Schultern, ehe die Finger Newton packten und beide eilig versuchten das Haus zu verlassen.
Eigentlich war es kein Wunder, dass ausgerechnet in diesem Moment die Söldner die Tür aufgebrochen hatten, mit schweren Waffen auf die beiden Gestalten auf der Treppe zielten, jederzeit bereit ihre Körper zu durchbohren mit genügend Kugeln, die in den Magazinen steckte. Schützend drückte Garret seine Echse noch enger an sich, würde einen Scheiß tun und das arme Tier jetzt loslassen, nur damit er seine Hände in die Höhe halten konnte wie der letzte Idiot. Verflucht, wieso hatten sie auch keine Waffen dabei gehabt? Warum hatte er sie einfach im Wohnwagen liegen gelassen, ohne darüber nachzudenken, dass sie sie gebrauchen könnten? Wahrscheinlich hätten sie bei dem Ansturm an bewaffneten Männern nicht viel anstellen können und dennoch fühlte er sich ohne sie viel ausgelieferter, ja beinahe schon nackt. Seine Augen schielten kurz zur Seite, blickten den Dunkelhaarigen eine Weile lang an, ehe der Blick zum Warlord persönlich meinte, Gary sein Gesicht verzog. Nein, er wollte ihn wirklich nicht sehen, besonders nicht hier, eigentlich wollte er ihn generell nirgendwo wiedersehen, sie waren keine Freunde und wahrscheinlich auch keine großartigen Feinde, immerhin war es lächerlich sich mit einem Kleingauner abzugeben, der er nun einmal war. Viele vergaßen ihn, doch viele verloren auch nicht ihre einzigen Söhne an ihn. Und das war auch gut so, nicht nur, dass keiner so war wie Law und er die ohnehin nicht haben wollte, wäre er sonst auch wahrscheinlich schon viel eher umgekommen, woran würde wohl niemand wissen.
Man hatte dem Tätowierten seine Echse entrissen, während er starr, ohne ein Wort zu sagen, den alten Kerl in der Tür betrachtete, fuhr jedoch empört herum, den Söldner zornig anstarrend. „Ich rate dir das Tier in Ruhe zu lassen sonst schneide ich dir die Eier ab, sobald sich nur eine Chance bietet.“, zischte seine Stimme bedrohlich, jedoch erntete er nichts als Hohn und Spott und ein dreckiges Lachen, ehe man ihn samt seinem Freund in die Knie zwang, ihm noch zusätzlich das Ende eines Gewehrs ins Gesicht rammte. Der Geschmack des Blutes war der allzu bekannte Geschmack der alten Zeiten, der Zeiten, wo man ihm oft irgendwas ins Gesicht geschlagen hatte, während man ihn versuchte zu einem guten Söldner auszubilden. Es war eine unangenehme Zeit und oft konnte er verstehen, warum die Typen dann zu sowas wurden, was sie jetzt waren- wilde Hunde, hungrig auf frisches Fleisch, durstig nach frischem Blut. Sie lechzten nach Qual und Tod und ein ordentliches Sümmchen, was ihre Taten gerechtfertigte. Ehrenlose Männer, doch das war zur Abwechslung sogar eine ganz gute Sache!
Immer wieder starrten die verschiedenen Augen zu Newton, der sichtlich überfordert von der ganzen Sache und vor allem am frieren war, sodass er sich nicht einmal in den Armen des Fremden versuchte zu wehren, dabei hätte ein einziger Peitschenschlag seines Hinterteils ausgereicht um dem miesen Dreckssack ordentliche Schmerzen zuzufügen, doch seine Aufmerksamkeit kalt nicht mehr lange der Echse, die wenigstens nicht allzu sehr in Gefahr gebracht wurde. Die Worte des Älteren ließen Gary hellhörig werden, aufmerksam lauschte und verfolgte er das Wortgefecht zwischen Vater und Sohn. Bissige Bemerkungen brannten auf seiner Zunge, die Gary jedoch schnell herunterschluckte, er wollte die Situation nicht noch weiter eskalieren lassen, auch wenn es schwierig war, sich selbst zu beherrschen und im Endeffekt verlor er den Kampf, als Laws Alter sich erdreistete und seinem Freund wehtat. Zornig sprang der Rotschopf auf, ballte seine Hände zu Fäusten, bereit diesem Penner eine reinzuhauen. „Du Arsch, wage es nicht ihm nochmal wehzutun!“, dröhnte seine Stimme wutentbrannt, wollte ihn beleidigen, ihn verprügeln und ihm den Hals umdrehen, kam jedoch nicht einmal dazu einen Schritt auf den Warlord zuzubewegen, als sich lauter Söldner ihm in den Weg stellten, ihn regelrecht rumrannten, und ihn an allen Enden festhielten, während andere auf seinen Körper einschlugen, erst aufhörten, als der Warlord selbst an ihn herangetreten war. Giftig starrte er den alten Mann an, seine Stimme klang so unangenehm in den Ohren, dass er ihm gar nicht zuhören wollte! Es war ihm egal, für was er ihn hielt und wie wenig er ihn wertschätzte, seine Wertschätzung war weniger Wert als alte eingefrorene Scheiße, die irgendwo in der Wüste lag, weniger Wert als ein schmutziger Lappen. Der Streuner verzog das Gesicht bei den fremden Fingern, die sich in seinem Haar vergraben hatten, er mochte diese Art von Berührung nicht und noch weniger mochte er die darauf folgenden Worte. Wütend spuckte er ihm das Blut, das sich in seinem Mund angesammelt hatte, vor die Füße, noch bevor der Tyrann sich abwandte. Davor zu sterben fürchtete er sich nicht, er würde jederzeit für Law sterben und man hatte ihm früh beigebracht, dass erschossen zu werden schon gar nichts Schlimmes war, dass es irgendwo sogar zu seinem Leben stets gehören würde. Sein Blick schwang schnell zu Lawrence, starrte kurz in seine Augen, als er den Lauf einer Pistole an seinem Kopf spürte, kniff hastig seine Augen zusammen, wissend, dass es gleich einen lauten Knall geben würde.
Doch der Knall kam nicht, stattdessen drang nur die Stimme des Cyborgs zu ihm und Gary traute sich kurz mit einem Auge wieder aufzuschauen, zu realisieren, dass die Söldner innegehalten hatten und dass sein Freund sich gerade für ihn einsetzte. Der Rotschopf war gerührt und etwas zornig zugleich, immerhin brachte Law sich gerade unnötig in Schwierigkeiten und das nur für ihn?! Mit aufgerissenen Augen und einem aufgerissenen Mund blickte er den Kleineren an, konnte nicht glauben, was er alles auf sich nahm, nur damit der Rothaarige nicht starb. War ihm sein Leben wirklich so viel wert? Gary war so paralysiert von dem, was sein Freund gerade für ihn getan hatte, dass ihm gar nicht aufgefallen war, wie sie bereits hinausbefördert wurde, wie man sein Haustier achtlos in einen Käfig gesperrt hatte und ihm immer noch penetrant ein Gewehr in den Rücken bohrte, ihn immer wieder auffordernd schneller zu laufen. Das Schubsen und Treten hatte ihn beinahe zum stolpern gebracht und er war dankbar dafür, dass der Dunkelhaarige sie davon abhalten konnten, damit weiterzumachen. Irgendetwas hatte dem Jüngeren in diesem Augenblick die Sprache verschlagen, er konnte nicht einmal einen bissigen Kommentar von sich geben, erst die Wärme des Truckinneren wärmte auch seine Zunge ein wenig auf, sodass er sich langsam zu seinem Freund herumdrehte, ihm ihn ein unglückliches Lächeln schenkte. „Wir sitzen echt tief in der Scheiße, was?!“, presste er leise hervor, das Gesicht des Älteren einen Moment lang forschend musternd. Für Law musste es grauenvoll sein, er hatte mitbekommen, dass sein Vater ihn wieder dazu zwingen wollte auch den letzten Teil seiner Gliedmaßen gegen ein Mechanisches auszutauschen, doch ab da hatte der Rotschopf sich vorgenommen genau das zu verhindern, ganz gleich wie, er würde es tun. Es war schon schlimm genug, dass sie jetzt Gefangene waren, dass sie ihr Hab und Gut einfach so stehenlassen mussten und nun wohlmöglich zurück dorthin gebracht werden würden, woher sie doch eigentlich geflohen waren! Es war nicht fair, dass man ihrer schönen Zeit solch ein mieses Ende setzte, es war generell nicht fair, dass der Warlord sie gefunden hatte. Sie wurden eindeutig verraten, anders konnte Garret sich nicht erklären, wie sie die beiden so gut hätten finden können, sie konnten doch nicht einfach aus heiterem Himmel ein Haus einnehmen, weil sie ein Gefühl hatten, sie wären hier! Abgesehen davon hatten sie kaum Spuren hinterlassen und wenn man es ganz genau nahm, hatten sie sogar eine Zeit lang ihre Spuren verwischt, als sie unfreiwillig als Frauen hausen mussten und allein das sollte doch Irritation genug gewesen sein. Verflucht, jetzt hätte er sich den Trank doch ganz gerne wiedergewünscht, zumindest mit Gegenmittel natürlich. „Ich frage mich wie viele eurer Leute draufgegangen sind bei dieser kleinen Schnitzeljagd.“, seine Augen fixierten einen der Söldner, der nicht größer als er selbst und auch nicht einmal allzu muskulöser war, jedoch starrte er grimmiger dran und war alles andere als ansehnlich. Der hässliche Kerl gab nur ein Schnauben von sich, schlug hart gegen Garys Hinterkopf. „Halt’s Maul und stell keine dummen Fragen.“, erwiderte er schroff und schlug einfach noch einmal zu, auch wenn diesmal der Rotschopf sich rechtzeitig ducken konnte. Eigentlich brauchten sie auch keinen Schätzwert oder sonst irgendwas zu hören, der Größere konnte sich bereits selbst ausmalen wie viele Leichen solch ein Winter gefordert haben sollte. Gary glaubte kaum an die Gastfreundlichkeit diverserer Städte anderer Tyrannen gegenüber, tatsächlich würden sie ihre Tore für diesen Mann sogar verschließen, sodass sie jedes Mal auf andere Ruinen ausweichen müssten und die armen Männer, die sich für stark und gut genug hielten, die Winter überstehen zu können, hatten wohl einen schnellen Tod in der Eiswüste gefunden. Lawrence‘ Vater musste wirklich blind sein, wenn er so viele Truppen in den sicheren Tod geführt hatte. Und was für eine Unordnung es erst in seinem Herrschaftsgebiet geben müsste…zum Glück war es nicht ihr Problem.
Die Fahrt war lang, beschwerlich und man hatte ihnen Redeverbot ausgeteilt, weil Gary ihnen offenbar zu viele Fragen stellte, zu viele bissige Kommentare von sich gab und grundsätzlich kaum auf die Männer hören wollte, doch nach einigen Schlägen ins Gesicht war es selbst dem Tätowierten zu dämlich, sodass er die restliche Fahrt über tatsächlich seine Lippen verschlossen hielt, wenigstens die Nähe zu seinem Freund genoss und oft genug die Blicke mit ihm austauschte, so lange bis ihr Wagen endlich hielt. Es war bereits dunkel und es hatte wieder begonnen zu schneien. Man hatte die beiden unsanft aus dem Wagen bugsiert, der Streuner durfte wieder Bekanntschaft mit Gewehren machen, als man sie in der Kälte durch den Schnee voranschreiten ließ. Einige waren wohl hiergeblieben, wo sie sich jetzt aufhielten, Gary erkannte hier und da Licht in alten zerfallenen Gebäuden, offenbar war dies einer der kleinen Rastplätze, wo sie wahrscheinlich einige Tage bleiben würden, ehe sie weitereskortiert werden würden. Für einen Moment glaubte Gary, dass man sie wenigstens irgendwo an einen warmen Ort schicken würde, doch dann wurde ihm bewusst, wer sie gefangengenommen hatte und dass besonders ihm wohl kaum etwas zustehen würde, wenn er Glück hatte, würden sie ihn in einen Keller sperren und nicht irgendwo draußen festbinden, immerhin würden sie ihm so nichts antun und er wäre eines Todes gestorben, den sie nicht hervorgerufen hätten, zumindest nicht direkt. Gary wusste, dass die Söldner nur darauf warteten, dass sie die Chance bekamen, ihn zu ermorden, es war sicherlich Teil der Abmachung. Doch einen Keller hatte man nicht für ihn vorgesehen, tatsächlich schmiss man ihn einfach nur in eines der oberen Zimmer eines Hauses hinein, ein kleines Zimmer mit altem muffigen Bett und zugigen Wänden. Wenigstens hatten sie Licht. Selbst Lawrence hatten sie zu ihm gepackt, beide einen Moment lang angestarrt. „Ihr macht keinen Scheiß und ihr bekommt essen, habt ihr das verstanden. Morgen wird sich der Boss persönlich um sein entlaufenes Küken kümmern und wir werden uns ein bisschen um dich kümmern…“, die Lippen des Söldners formten ein breites Lächeln, als seine Finger sich um die Kehle des Rothaarigen legten, ihm zum Vorgeschmack ein Knie in die Magengrube rammten, während die Finger sich noch stärker um den Hals schlossen, ihn anschließend zu Boden werfend, anschließend die Tür hinter sich zuknallend. Gary schnappte schnell nach Luft, wusste nicht, was genau schmerzvoller war, doch der Anblick seines Freundes ließ ihn wenigstens einen Moment lang alles vergessen. Langsam stemmte sich sein Körper vom Boden, nahe an seinen Freund herantretend, anschließend wortlos seine Arme um den Körper schlingend. „Ich hab das vermisst.“, murmelte seine Stimme leise an der Schulter des Cyborgs, ihn noch enger an sich drückend. „Dein Vater wird einen Scheiß tun und die OP durchsetzen, lieber sterbe ich, als dass ich zusehe, dass er dir das antut.“, wenn der Warlord doch nur wüsste, dass beide wohl weitaus mehr als irgendwelche Freunde geworden waren, wenn ihm bewusst gewesen wäre, dass Gary ohne auch nur kurz zu überlegen sein Leben für seinen Freund aufs Spiel setzen würde, alles unberechenbare tun würde, was ihm auch nur in den Sinn käme, hätte er sie vielleicht anders behandelt, wäre er das Risiko nicht eingegangen, den Jüngeren mitzunehmen. „Wenn es sein muss, werde ich diesen Penner mit meinen eigenen Händen umbringen, ihm seine Lunge rausreißen und sie an irgendwelche Tiere verfüttern! Wenn er dir auch nur ein Haar krümmt, werde ich jeden einzelnen von ihnen umbringen!“, seine Fingernägel vergruben sich im Stoff des Oberteils, Gary hatte Angst um Lawrence, um Newton, selbst um Bubbles hatte er Angst, die beide nicht bei ihnen waren. Es sollte nicht zu sowas kommen, sie hatten es nicht verdient, sie hätten wieder daheim sein sollen, im Bett, gut gelaunt und glücklich über ihre Existenz und ihr Leben, stattdessen hockten sie in einem kleinen, schwach beleuchteten und kalten Raum, warteten auf den nächsten Tag, der nichts Gutes mit sich bringen würde. „Wir müssen irgendwie hier weg, es muss einen Weg geben..“

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BeitragThema: Re: Chaos lives in everything   Mo Okt 14, 2013 10:19 pm

Dieses eine Mal hätte Law sich ernsthaft gewünscht Gary könnte einfach den Mund halten und sich nicht weiter in Schwierigkeiten bringen. Er hasste es zu sehen wie die Söldner ihm wehtaten, ihm Fäuste oder Gewehrkolben ins Gesicht rammten. Am liebsten hätte er auf der Stelle das Blut weggewischt, den Rotschopf geküsst und ihm irgendwie die Schmerzen genommen. Er fühlte sich wie ein Feigling, dass er nichts dagegen unternehmen konnte. Das war alles seine Schuld, wenn er nicht gewesen wäre, dann sähe Gary jetzt nicht so aus, dann würde man ihm nicht wehtun und ihn von hier fortschleppen. Was, wenn jemand in der Zwischenzeit ihre ganzen Vorräte fand, ihren Wohnwagen? Hatten sie sich das denn alles nur aufgebaut, damit sein Vater es ihnen wieder wegnahm? Selbst wenn sie fliehen könnten, konnten sie nicht hierher zurückkehren, jedenfalls nicht dauerhaft. Sein Vater wüsste doch sofort, wo er suchen sollte. Irgendwo tief in sich drin spürte der Cyborg, wie er langsam verzweifelte. Er musste es unterdrücken, wenigstens Gary zuliebe. Er konnte jetzt nicht einfach aufgeben, es musste einen Weg geben, um seinem Vater zu entkommen. Sie hatten es einmal geschafft und sie würden es wieder tun. Die Wagenkolonne war nicht allzu lange unterwegs und hielt bei einem Haufen verfallener Ruinen. Sicher waren die meisten der halbwegs erhaltenen Häuser kaum zu beheizen, hatten keinen Strom, kein Wasser. Sein Vater war verrückt eine Horde von Söldnern in diesem Winter loszuführen, ohne einen wirklichen Plan zu haben. Gary hatte recht, ganz sicher hatte es einige Leben gekostet. Lawrence verknotete sich der Magen bei dem Gedanken, dass so viele Menschen indirekt auch für ihn draufgegangen waren. Ob Söldner hin oder her, niemand hatte so einen eisigen Tod verdient. Eigentlich hätten ihm diese Männer beinahe sogar leid tun können, sie hatten sicherlich Freunde und Kameraden in der Kälte verloren, aber jedes Mal, wenn einer von ihnen die Hand gegen seinen Freund erhob, schob er diese Gedanken des Mitleids nur noch weiter fort. Alle von ihnen hatten einen eiskalten Tod verdient, ein jeder von ihnen. Gegen den Cyborg erhoben sie die Hand nicht, egal, wie grob sie auch sonst mit ihm umgingen, sie schlugen ihn nicht. Das durfte nur sein Vater. Was erhoffte er sich bloß, was dachte er würde er mit seinem ach so kostbaren Besitz anstellen? Was hatte er davon, wenn jemand seinen Platz einnahm, der ihn bis aufs Blut hasste? Er wollte kein Warlord sein, er wollte die Macht nicht und den Terror, er wollte doch einfach nur mit Gary, Newton und Bubbles in ihrem Häuschen oder auch dem Wohnwagen leben und das Leben genießen so gut es nur irgendwie ging. Wieso konnte sein Vater sich nicht irgendjemand anderen suchen? War es so wichtig, dass sein eigen Fleisch und Blut diesen Platz einnahm?
Lawrence war unglaublich kalt, und es wurde auch nicht besser, als man sie gemeinsam in ein Zimmer steckte. Die Möbel hatten der Zeit nicht stand gehalten und die Wände schienen dünn wie Papier zu sein. Einzig vor dem Wind waren sie hier einigermaßen geschützt, aber kalt war es dennoch, kalt und nass. Aber bevor der Ältere noch Zeit hatte, sich länger mit ihrer Einrichtung auseinander zu setzen taten die Söldner Gary erneut weh, und allein die Tatsache, dass sie morgen planten ihm noch mehr anzutun trieb die Wut in ihm neu an. Er wollte dem Kerl einen Faustschlag ins Gesicht verpassen, der Gary einfach das Knie in die Magengrube gerammt hatte, aber man hielt ihn zurück, zerrte ihn an den Schultern zurück. So ungern er es auch zugab, er war kein durchtrainierter Söldner, er war vielleicht kein Schwächling, aber gegen solche Leute hatte er nichts auszusetzen.
„Krümmt ihm nur ein Haar und ich erschieß euch allesamt!“, schrie er ihnen zornig hinterher, mit Wucht gegen die Tür tretend, die seinem Stiefel allerdings nicht nachgeben wollte. Kurz fuhr er sich resignierend durch die dunklen Haarsträhnen, dann fuhr er sofort zu Gary herum, der sich gerade langsam aufraffte. Ein leidender Ausdruck trat auf das blasse Gesicht, er wollte etwas sagen, sich entschuldigen, aber da spürte er schon wie Gary ihn in seine Arme schloss, und er erwiderte die Umarmung nur zu gerne. Seine Arme schlangen sich fest um den Leib des Rotschopfes, auch wenn er Angst hatte ihm wehzutun, immerhin hatten die Söldner ihn oft geschlagen, oft und an zahlreichen Stellen.
„Ich auch“, murmelte er leise und konnte eine gewisse schmerzhafte Wehmut nicht aus seiner Stimme vertreiben. Bei der puren Erwähnung der Operation drehte sich ihm der Magen um und er versteifte sich ein wenig. Dieses Mal würde sein Vater wohlmöglich nicht zögern, er meinte seinen Leibarzt zwischen all den Söldnern gesehen zu haben. Was, wenn er schon morgen zur Tat schritt? Nichts würde ihn davon abhalten können, am allerwenigsten Gary, und er würde nicht zulassen, dass sich der Rotschopf für ihn in Schwierigkeiten brachte, weshalb er nur zögerlich den Kopf schüttelte.
„Und lieber geb ich meinen Arm her als dich sterben zu lassen“, protestierte er heiser und vergrub seine Finger in dem Stoff seines Oberteils. Vermutlich würde er sich das Wohlergehen seines Freundes teuer erkaufen müssen, aber das war es ihm wert. Er konnte es einfach nicht ertragen wie die Söldner ihn schlugen und ihn verletzten, und das alles, ohne einen wirklichen Grund zu haben. Gary hatte ihnen nichts getan, abgesehen davon vielleicht, dass er eine große Klappe hatte, und sein Vater wusste das auch. Er ließ den Söldnern einzig und allein freies Spiel, weil er genau wusste, dass er seinen Sohn damit verletzte.
Die hasserfüllten Worte des Jüngeren waren irgendwie beängstigend, Lawrence hatte wirklich Sorge, dass er etwas Dummes anstellte, dass er sich in Gefahr brachte, und zwar ernsthafte. Er sollte sich nicht in Gefahr bringen, was war sein eigenes Leben denn noch schon wert, wenn sein Freund fort war? In Freiheit zu sein brachte ihm überhaupt nichts, wenn er alleine war.
„Bitte mach einfach nur nichts Dummes, ja? Ich…Ich hab nichts davon, wenn ich meinen Vater los bin und du nicht mehr da bist.“
Der Gedanke tat ihm so weh, dass er schnell sein Gesicht in Garys Halsbeuge vergrub und für einen Moment lang seinen Körpergeruch tief einatmete. Es war wirklich ekelhaft kalt hier, das würde eine harte Nacht werden.
„Lass uns morgen abwarten, jetzt unüberlegt abzuhauen würde uns nur in Schwierigkeiten bringen. Wir wissen ja nicht mal wo sie Newton und Bubbles versteckt haben.“
Ohne sie würde der Cyborg bestimmt nicht von hier abhauen, so herzlos war er nicht. Ganz sicher würden die Söldner den armen Leguan braten und seine Drohne verschrotten, wenn sie sie hier zurückließen. Immerhin hatten sie für diese Kriminellen absolut keinen anderen Wert. Lawrence spürte, wie die Müdigkeit sich in seinen Knochen breitmachte, aber vielleicht war es auch nur die Kälte.
„Lass uns für heute einfach schlafen gehen, ich fühl mich wie gerädert“, seufzte der Dunkelhaarige und rieb sich die Schläfen, während er sich ein wenig von Gary löste. Sie hatten nur ein Bett hier, was eigentlich sogar ganz gut war, denn dann konnte niemand misstrauisch werden, wenn sie beieinander schliefen. Außerdem war es kalt, da war die zusätzliche Körperwärme ein weiteres Argument. Wirklich ausziehen konnte der Cyborg sich gar nicht, es war viel zu eisig, und seine Prothesen waren so sehr erkaltet, dass er Gary gar nicht wirklich damit berühren mochte, als er sich neben ihn legte. Sie sollten am besten nicht ganz so innig miteinander kuscheln, nur für den Fall, dass man morgen früh einfach so bei ihnen hereinplatzte. Nicht, dass der Ältere generell viel Schlaf bekommen hätte. Stattdessen lag er mit Bauchschmerzen wach und wollte nicht an den nächsten Tag denken, malte sich Horrorszenarien vom Feinsten aus. Wenigstens schien der Rotschopf einigermaßen Schlaf gefunden zu haben, wie auch immer bei dieser Kälte und seinen noch kälteren Prothesen. Am nächsten Morgen brauchten sie quasi nur aus dem Bett zu steigen, als man sie unsanft weckte. Bei dem Anblick ihres Atems, der vor ihren Mündern kleine Wolken bildete wagte es wohl niemand sich darüber zu beschweren, wie eng sie beieinander gelegen hatten. Vermutlich hatten die meisten Söldner ähnlich die Nacht verbracht. Und dennoch sah sie der eine Kerl so skeptisch an, dass ihm ganz flau ihm Magen wurde. Ahnte er etwas? Law war müde und unkonzentriert, genau so wie sein Vater ihn haben wollte, und es fiel ihm schwer über so etwas nachzudenken.
„Jetzt gibt es für euch beide erst mal ne Privataudienz“, grinste der gleiche hässliche Kerl von gestern, während sie sie wieder mit ihren Gewehren von A nach B schoben. Während Gary in dem gleichen Haus blieb, ein Stockwerk tiefer, wo eine Horde Söldner auf ihn wartete, brachte man den Cyborg in ein Nebengebäude, wo bereits sein Vater auf ihn wartete. Gary bekam tatsächlich, was man ihm gestern versprochen hatte, und vermutlich war es gut, dass Law nicht in Hörweite war. Die Söldner wussten, was sie zu tun hatten, wie sie möglichst unsichtbar zuschlagen mussten.
„Glaub nicht, dass wir nicht Bescheid wüssten, Schwuchtel“, zischte ein hünenhafter Kerl mit dunkler Haut mit verächtlichem Grinsen, bevor er dem Rotschopf seine Faust in den Magen rammte, wieder und wieder. Zwei andere hielten ihn fest, denn nach den heftigen Schlägen konnte er nicht mehr aufrecht stehen. Es war wohl das einzige, was den grobschlächtigen Kerlen irgendwie an Unterhaltung geblieben war. Sie zerrten an seinen Haaren, hätten ihm fast die Nase gebrochen und seine Wangenknochen blutig aufgeschürft.
Nicht, dass es Lawrence besser ergangen wäre. Kurz nachdem man ihn in einen Raum mit seinem Vater gesteckt hatte, hatte ihm einer der Söldner berichtet, dass sie sie in einem Bett erwischt hatten und dass eine ihrer Wachen sie belauscht hatte am vorherigen Abend. Sein Vater war so dunkelrot im Gesicht geworden, dass Law beinahe schon gehofft hatte, dass sein Kopf platzen würde. Aber bevor das passieren konnte, stand er schon rasend vor ihm und schlug ihm so heftig ins Gesicht, dass er zurücktaumelte und zu Boden ging.
„Du gottverdammter Penner, was ist bei dir falsch gelaufen? Denkst du, du kannst einfach so mit einem Kerl rummachen?!“
Dem Cyborg blieb nichts anderes übrig, als sich schützend zusammen zu kauern, um sich vor den Tritten und Schlägen zu schützen. Einer war so heftig, dass er das Gefühl hatte sein Arm wäre gebrochen.
„Du bist nicht einmal die Teile wert, die an dir dranhängen!“, brüllte sein Vater wutentbrannt, aber Lawrence bekam eigentlich nur noch seine Tritte mit, die ihn bald wehrlos am Boden zurückließen. Der Dunkelhaarige atmete schwer, Blut verklebte sein Gesicht. Er wollte einfach nur hier am Boden liegen bleiben, das Gesicht zum Boden, sodass er so wenig wie möglich von all dem hier sehen musste. Er bekam sowieso kaum etwas mit, so benebelt war er vor Schmerz. Irgendwelche Geräusche ließen ihn aufmerken, war das Gary, hatten sie ihn hergebracht? Aber als er aufsehen und nachschauen wollte, drückte sein Vater seinen Kopf nur wieder mit einem schweren Stiefel zurück auf den Boden. Der Cyborg konnte sich nicht erinnern, dass sein Vater ihn schon einmal so sehr verprügelt hatte. Aber viel wichtiger war der Rotschopf, wo war er, erging es ihm ebenso? Die Angst machte ihn beinahe rasend.

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BeitragThema: Re: Chaos lives in everything   Di Okt 15, 2013 11:37 pm

Wahrscheinlich hatte Lawrence recht gehabt, jetzt etwas Unüberlegtes zu tun und sich irgendwie sinnlos in den Tod zu stürzen wäre wohl für beide eine alles andere als gute Option gewesen, er wollte nicht, dass jemand von ihnen starb, wobei sein eigenes Leben ihm in diesem Moment weniger wert erschien und irgendwie wertvoll genug um das des Anderen zu schützen. Gary stieß ein leises Seufzen aus, in seinem Kopf überschlugen sich nur die Gedanken, dass es schmerzte und die nächsten Worte nahm der Jüngere nur dankend an, Schlaf war eine gute Idee, auch wenn er nicht genau wusste, wie das funktionieren sollte, immerhin war dies nicht ihr schönes, beheiztes Zuhause mit dem schönen, großen Bett und den neuen Bettdecken und Laken, hier war alles muffig, modrig und feucht, dass er es fast vorgezogen hätte auf dem Boden zu schlafen, doch er wollte sich nicht beschweren, früher war er weniger Luxus gewöhnt, als Teenager durfte er sich ja freuen, wenn er einen Schlafsack ergaunern konnte, bis jemand anderes ihm das Teil wegnahm. Mit dem Cyborg in seiner Nähe konnte der Rotschopf ohnehin überall und jederzeit schlafen, sodass es ihm nichts ausmachte, dass die Prothesen kalt waren, seine eigenen waren ja nicht wärmer und sein Auge hatte ebenfalls angefangen sich unwohl zu fühlen, zumindest die äußere Hülle.
Gary wusste nicht, ob es die Schmerzen waren oder einfach nur die schreckliche Müdigkeit in seinen Knochen, die ihn trotz des Bibberns schnell einschlafen ließ, auch wenn er stets geplagt von schrecklichen und unangenehmen Träumen worden war, sodass er selbst diesen Schlaf kaum als erholsam betrachten konnte, doch wenigstens die Nähe zu seinem Freund beruhigte ihn hin und wieder und ermöglichte es erst, dass er besser oder zumindest generell schlafen konnte, auch wenn das Wecken noch um einiges unangenehmer wurde, als die Tür einfach so aufsprang und der gestrige Söldner hereinspazierte, als wäre dies sein eigenes Zimmer. Der Tätowierte wollte erst gar nicht realisieren, was eigentlich los war, für einen klitzekleinen Augenblick hatte er ganz vergessen wo sie waren und dass sie sich vielleicht etwas hätten einbilden können, dass die beiden so eng aneinander geschlungen waren, obwohl die Kälte um sie herum Argument genug gewesen war, dass man den Kontakt zu einem anderen warmen Wesen suchte und dies auch noch verzweifelt. Söldner hatten meist selbst gar keine andere Wahl und Gary wollte nur zu ungerne erzählen, was noch alles geschah, wenn sie irgendwo ihre Lager ausbreiteten. Dass die meisten Männer hier wohl eher den Hintern eines anderen Kerls bevorzugten als Geld für irgendeine Hure auszugeben, wusste man, nur sprach niemand darüber oder zumindest die wenigsten, oft tat man sogar so, als wäre das nie passieren. Die Welt eines Söldners war eine Münze mit zwei Seiten, eine Münze, die sich hoffentlich schnell vervielfältigen konnte, denn sonst passierte es schnell, dass ein Auftraggeber zum Ziel wurde.
Müde beäugten die verschiedenen Augen die mehreren Gestalten, während sein Körper sich langsam aus dem Bett erhob und er sich am liebsten wieder hineingelegt hätte- jeder Muskel, jede Stelle, auf die gestern eingeschlagen worden war, schmerzte so widerlich, dass er sich am liebsten nie wieder bewegt hätte. Gestern noch schien es nicht so schrecklich gewesen zu sein wie in diesem Augenblick, doch was wäre er für ein Typ, würde er vor diesen Idioten Schwäche zeigen, sie warteten doch nur darauf, dass er irgendwie nachgab, dann würde es ihm noch mieser ergehen und er wusste, dass die Zeit, die er mit seinen neuen besten Freunden verbringen müsste, sich noch schmerzvoller gestalten würde und das war wohl das Letzte, was der Kurzhaarige wollte. Er wollte hier weg, er wollte einfach nur abhauen, er wollte sie alle niederschießen und zusehen, dass sie Law nichts antaten und irgendetwas sagte ihm, dass sie kaum Zeit zu verlieren hatten, wenn sie wirklich lebend und heile aus der Sache rauskommen wollten, wenn sie wieder nach Hause wollten und Gary wollte sehr gerne nach Hause, er wollte Newton und Bubbles und Lawrence und sein Zuhause, seinen Wohnwagen und auf all dies würde er wohl spätestens morgen wieder verzichten müssen, das wusste er einfach. Also biss er die Zähne fest aufeinander, drückte seinen Rücken durch um aufrecht stehen zu können, wenn man aufrecht seinem Schicksal gegenübertrat, zeigte man wenigstens, dass man mehr Courage und irgendwo auch Stolz besaß, als diese stinkenden Söldner. Immer wieder schielten seine Augen zum Dunkelhaarigen, ihn prüfend musternd, während sich die Sorge in seinem Inneren breitmachte. Der Größere wollte gar nicht darüber nachdenken, was sein Vater mit ihm vorhatte und vor allem wollte er es gar nicht erst zulassen! Was hätte er nicht alles dafür gegeben um bei seinem Freund sein zu können, um ihn vor allem zu beschützen, was vielleicht gleich auf ihn zukommen würde. Umso wehleidiger starrten seine Augen in das hübsche Gesicht, als die weniger hübschen Männer sie voneinander trennten, man Gary in eine ganz andere Richtung lotste, wo bereits eine nette Anzahl an Männern standen, die ihn mit offenen Armen empfingen, sie rochen wohl jetzt schon das fließende Blut, der Tätowierte wusste, dass sie ihn wohl kaum ermorden würden, sie hatten nicht die Befugnis dazu gehabt, ihn sterben zu lassen, doch hatten sie die Befugnis ihm seine lebendige Zeit zu einer leibhaftigen Hölle zu gestalten, so lange, bis er irgendwann von selbst beschloss zu sterben. Doch heute würde er nicht sterben du ganz sicher nicht von diesen Typen. Der Kurzhaarige wollte einen bissigen Kommentar äußern, die Stimmung ein wenig lockern, ehe sie die Scheiße aus ihm rausprügeln würden, doch stattdessen blieb ihm jedes Wort in der Kehle stecken, als die Stimme eines Typen erklang. Sie wusste Bescheid! Und wenn sie Bescheid wussten dann…. „Law…!“, presste der Jüngere erschrocken hervor, wandte sich von den Männern ab um seinem Freund hinterherzurennen, doch hatte er ganz vergessen, dass sie ihn wohl nicht einfach so gehenlassen würden, stattdessen hielten sie ihn mit all ihrer Kraft fest und begangen aus Spaß am Leid und Schmerz anderer auf ihn einzuschlagen, als wäre er ein lebendiger Boxsack, eine Übungspuppe, die man so stark auseinandernehmen konnte, wie man nur wollte. Gary blieb wohl nichts anderes übrig, als die Schläge über seinen Körper ergehen zu lassen, hin und wieder atemringend nach Luft schnappend, während er glaubte, die Männer hätten seine Eingeweide mittlerweile zerstört, so stark, dass er sie jeden Moment auskotzen könnte. Ein Glück, dass sie seit vorgestern nichts mehr zu sich genommen hätte, denn andernfalls wäre wahrscheinlich wirklich alles unverdaute einfach wieder ausgespuckt worden, so hart wie sie gegen seinen Bauch einschlugen, hin und wieder gegen seine tretend, sodass er irgendwann den Halt verlor und einfach zu Boden ging, was ihm jedoch einige Schläge ins Gesicht einbrockte. Doch Gary war kein Idiot, auch wenn sein gesamter Körper sich anfühlte wie ein Punchingball, so konnte er viel einstecken, mehr als ihm eigentlich lieb war und genau das nutzte der Sommersprossige auch aus, ließ sich immer wieder zu Boden fallen, so oft, bis seine Hand eine locker hängende Pistole eines Söldners an sich reißen konnte, sie schnell in die Tasche seiner Weste verstauend. Es war wohl ein Segen, dass alle sich so sehr auf die Schläge und seine Schmerzenslaute konzentriert hatten, dass ihnen kaum auffiel, als er nebenbei noch anstellen konnte, bis sie ihn dann wieder auf die Beine rissen und ihn festhielten. Mittlerweile hatte sich das Blut in seinem Mundraum gesammelt und er schluckte es fleißig hinunter, so lange, bis ihm unglaublich übel wurde, bis alle aus dieser kleinen Gruppierung die Chance bekommen hatten, wenigstens einmal zuzuschlagen. „Hah, diese Schwuchtel weiß nicht einmal wie man kämpft.“, spottete eine Stimme und rammte ihm zugleich ein Knie zwischen seine Beine. Wimmernd krümmte sich der muskulöse Leib vor den Männern, die nichts als Gelächter für ihn übrig hatten, der Arsch, der ihm das zugefügt hatte, sich leicht über ihn beugte, offenbar um ihn an den Haaren zu zerren, damit er sich wieder aufrichtete, doch Gary hatte genug, spuckte ihm das Blut ins Gesicht, im nächsten Augenblick die gestohlene Pistole, so schnell wie es ihm nur möglich war, herausziehend. Der Streuner hatte keine Sekunde darüber nachgedacht, nicht gezögert, als der Lauf die Schläfe des fremden Kopfes berührte und mit einem lauten Knall und unangenehmen Rückstoß, der seinen gesamtem Arm einnahm, die Kugel direkt im Gehirn landete und der einst grinsende Kerl einfach zu Boden fiel. Er wollte sich deswegen nicht ins Hemd machen, es war nicht das erste Mal, dass der Rotschopf jemanden das Leben nahm und er würde jeden einzelnen von ihnen niederschießen, wenn er so dem Älteren helfen konnte.
Eigentlich war es dämlich, wagemutig und lebensmüde zugleich, Gary ahnte, dass er es vielleicht nicht einmal am Stück oder gar lebendig bis zum Warlord schaffen könnte, aber hier tatenlos zu stehen und sich verprügeln zu lassen war wohl das Letzte, was er tun würde- sie hatten ohnehin kaum eine Wahl gehabt und wenn er nichts tat, würde ihr Leben kein Leben mehr sein, es wäre nur ein erleiden und erdulden, ein ewiger Wunsch einfach nur zu sterben, weil ihnen so vieles genommen wurde und wenn er zwischen diesem Leben und einem jetzigen Tod für den einzigen Menschen, den er liebte, entscheiden musste, fühlte sich der frühzeitige Tod nicht einmal allzu schlecht an. Doch es blieb keine Zeit darüber nachzudenken, seine Ohren vernahmen lautes Fluchen, doch sie hatten viel zu spät ihre Waffen gezückt, hatten den Fehler begangen, ihre schweren Gewehre liegen zu lassen, um den Tätowieren besser eine reinhauen zu können, sodass zwei weitere Männer schnell zu Boden fielen, Gary jede Kraft zusammennahm, seine Schmerzen hinunterschluckte wie das Blut, Blut, das sein Gesicht befleckte, sowohl fremdes, als auch sein eigenes, das ruhig aus den Wunden floss. Seine Lippen formten ein schiefes Lächeln als die restlichen panisch die Waffen auf ihn gerichtet hatten. „Noch ein Schritt und es bleibt nichts mehr von dir übrig!“, brüllte einer der Söldner, auf die mittlerweile vier Leichen auf den Boden blickend. Vier Tote war nichts, er hatte mit mehr gerechnet, er hatte mit seinem Körper gerechnet, der hier im Dreck und in der Kälte verharrte. Doch etwas schienen sie alle vergessen zu haben. „Mit den Waffen schafft ihr es nicht einmal mich zu durchlöchern, abgesehen davon, dass ihr mich nicht umbringen dürft.“, abermals spuckte er das Blut aus seinem, Mund aus, in den Schnee unter ihnen, ehe die verschiedenen Augen die Söldner betrachteten, sie verächtlich musterten. Sie waren alle gleich, das war wahrscheinlich auch gut so, noch besser war es, dass er ihre kleinen Tricks und ihre Mentalität hatte, er war immerhin einer von ihnen…zumindest gewesen.
„Und wenn ich tot bin, werdet ihr wohl eure Kohle nie bekommen und ist es euch das wirklich wert? Ich meine, dieser Penner hat euch durch den Schnee laufen lassen und es sind sicherlich ein Dutzend von euren Männern erfroren, vielleicht Freunde? Wenn ihr mich einfach gehen lässt, dann..“, er hörte ein lautes Lachen, verengte seine Augen zu einem Schlitzen, den Verantwortlichen bedrohlich anstarrend. „Dann was, huh? Willst du den Winter verschwinden lassen? Du hast nichts, du bist eine jämmerliche Schwuchtel und gleich wirst du eine ohne Eier sein dafür, dass du unsere Leute einfach so gekillt hast!“, der Söldner trat einige Schritte auf Gary zu, der hastig seine Waffe erhob, sie auf den Fremden richtete. „Ihr könntet sein Land bekommen! Kein Scheiß- ich gehe hin und jage ihm eine Kugel zwischen seine widerlichen Augen und dann hauen ich und Law ab und das Land ist euers, die Waffen, die Menschen!“, der Rotschopf wusste gar nicht, was er von sich gab, doch die Worte ergaben Sinn und es wirkte sogar gar nicht allzu unlogisch, immerhin wollte der Cyborg das Geschäft nicht und einen anderen Erben gab es nicht, das Land wäre mit dem Tod des Tyrannen frei und etwas sagte ihm, dass eine Herrschaft wertvoller als etwas Geld war, das man ihnen für diese Strapazen bezahlen würde. „Ihr solltet lieber dankbar dafür sein, dass ich das für euch tue, ich biete euch alles an! Wir nehmen uns nur etwas Geld, nicht alles und dann seht ihr uns nie wieder, ich gebe mein Wort, ich schwöre auf..auf meine Eier.“, seine Augen starrten ernst die Männer an. Sie alle zögerten, er konnte sehen, wie sie darüber nachdachten und wenn er sie zum Nachdenken anregen konnte, hatte er schon gewonnen. Dennoch, er konnte sich kaum auf den Beinen halten, das Atmen fiel ihm mit jeder Sekunde schwerer, dass er glaubte mehrere Rippen gebrochen zu haben und wenn sie nicht gleich etwas sagten und ihn gehen ließen, ihm vielleicht sogar halfen, würde er hier vor ihnen zusammenbrechen und verrecken. Vielleicht konnte der Tätowierte doch nicht so viel einstecken wie zu Anfang geglaubt, vielleicht war es keine gute Sache, dass er immer noch Blut auf den eingeschneiten Boden spucken konnte, dass seine Wunden im Gesicht immer noch so brannten, als würden die Männer immer noch mit Fäusten auf ihn schlagen, als würden ihre schweren Stiefel immer noch gegen seine Beine treten, gegen seinen Bauch. Er wollte schon einfach beginnen jeden einzelnen von ihnen zu erschießen und dabei selbst in Schusslinie zu gelangen, sich einfach umbringen lassen, als die Söldner endlich zustimmten und sich ein zufriedenes Lächeln auf den schmalen, blutigen Lippen bildete. Er war der Meistbietende geworden und hatte sie in der Hand. „Okay..ich weiß, dass einige Männer seine Leibgarde sind und nicht so wie ihr bezahlt werdet…ich kann sie nicht gebrauchen, sie stehen mir im Weg, also…“, die Männer nickten und verteilten sich und auf einmal waren die Leichen so egal geworden. Nicht einmal der Rotschopf selbst hatte sie eines weiteren Blickes gewürdigt, als seine Beine so schnell wie möglich den erschöpften Körper dahin trugen, wo Lawrence befördert worden war. Zwei Männer hatten die Tür des Gebäudes bewacht und er musste sich an die beiden irgendwie anders anschleichen, hatte den einen erschossen um ihn als Schild vor den Schüssen des Anderen zu benutzen, nur um diesen ebenfalls leblos zu Boden fallen zu sehen. Zwei Schuss waren noch übrig geblieben, er konnte nur auf Glück hoffen, dass sich höchstens nur einer von den Leibwächtern im Inneren befand, wenn überhaupt, ansonsten musste er schnell genug den Warlord beseitigen, irgendwie. Seine Beine waren wackelig geworden, er konnte sich kaum noch aufrecht halten, nicht nur aufgrund seiner Verletzungen und dem stechenden Schmerzen, der sein ganzes Leib eingenommen hatte, sondern auch aufgrund der Nervosität und der schrecklichen Angst, die sich in seinem Inneren breit gemacht hatte. Das alles war nur Glückssache, er spielte hier mit dem Feuer und das war Garret mehr als nur bewusst. Doch für den Cyborg hätte er alles getan, egal wie riskant und tödlich es auch sein mochte! Zögerlich legten sich die zittrigen Finger um die Türklinke, nicht einmal die Kälte schien ihn irgendwie erreichen zu können, das Adrenalin hatte ihn aufgeladen, er hatte so viele andere Gefühle, solch ein Wirrwarr im Inneren, dass es ihm ganz egal war, ob er gerade erfror oder nicht.
Der Jüngere riss die Tür mit einem Schlag auf, richtete die Pistole blind ins Nichts, während die verschiedenen Augen panisch den gesamten Raum durchschauten, den Geräuschen lauschte, die ihn direkt zu Lawrence führte, der am Boden lag, neben ihn sein Vater, der auf den Kleineren eintrat. Zorn stieg im Tätowierten auf, blinder Hass und blinde Gewaltbereitschaft, die er nicht einmal ansatzweise zügeln konnte, sodass er wortlos auf den alten Mann zuging, ihm, noch bevor er reagieren konnte, eine Kugel in den Kopf verpasste, gefolgt von der zweiten, letzten. Er beobachtete, wie der Leib zu Boden fiel, das Blut sich unter ihm langsam ausbreitete, näher auf die Leiche zutrat, ihm seine Waffe entnehmend, nur um das restliche Magazin am leblosen Körper zu verbrauchen. Er konnte spüren, wie seine Augen brannten, konnte Tränen spüren, die sich auf sein Gesicht gelegt hatten, sich mit Blut verwischte und in den Wunden schmerzhaft brannten. Er wollte keine Tränen vergießen, doch konnte er seinen Zorn nicht zügeln, er glaubte einfach den Verstand zu verlieren. Wie konnte ein Vater seinem Sohn so schreckliche Dinge antun? Er wollte sich gar nicht ausmalen, was geschehen wäre, wenn er zu spät gekommen wäre. Hätte er dann Law vielleicht sogar umgebracht? Allein der Gedanke trieb noch weitere Tränen ins Gesicht, als er auch die letzte Waffe zu Boden fallen ließ, schnell zum Dunkelhaarigen herantrat, mit seinen wackeligen Beinen zu Boden ging, dabei die Arme um den verletzten Körper legend, all seine letzte Kraft zusammennehmend um ihn zu sich zu ziehen, ihn an sein Körper zu schmiegen. Er konnte nicht einmal etwas sagen, seine Zunge fühlte sich so bleiern an, seine Kehle so trocken, seine Stimmbänder so unbenutzt, dass er glaubte, er würde nie wieder einen Ton hervorbringen können. Der Jüngere schluckte, betrachtete seinen Freund besorgt und reumütig zugleich. Es tat ihm so leid, dass er sich so viel Zeit gelassen hatte, dass er nicht früher dagewesen war um dieses Übel vorzubeugen. „Was…warum hat er…“, eigentlich wusste Gary die Antwort schon und es tat weh zu wissen, dass es irgendwo auch seinetwegen war, dass dies geschehen war, sodass er schnell sein Gesicht in der Kleidung des Anderen verbarg, während sich die Finger in seiner Kleidung vergruben. „Er wird dir nie wieder wehtun, niemand wird dir je wieder wehtun!“, murmelte er ihm leise entgegen, strich über das dunkle Haar seines Freundes. Er hatte Angst, dass der Warlord ihn übler verletzt hatte, als es ausgesehen hatte, hatte Angst, dass Law es ihm vielleicht übelnehmen würde, dass er seinen eigenen Vater ermordet hatte, ohne Vorwarnung, doch auf der anderen Seite…was hätte er tun sollen? Er hätte ihn wohl hier nicht sterben lassen können! „Wir sind jetzt frei, Law, du bist frei!“

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Chaos lives in everything   Do Okt 17, 2013 11:49 pm

Lawrence hätte nur zu gerne gewusst was vor sich ging, aber seine Augenlider waren schwer wie Blei. Außerdem sah er eh alles durch einen roten Schleier wegen des Bluts, das über sein Gesicht rann. Die Tritte waren irgendwie in einen permanent anwesenden Schmerz zerlaufen, sodass es ihn beinahe erschreckte, als die Tritte so plötzlich in einem lauten Knall abrissen. Der Körper zuckte zusammen, er musste einfach wissen, was passiert war, stemmte sich leicht nach oben, nur, um erschrocken zurückzuweichen. Die toten, leeren Augen seines Vaters starrten ihn an, während aus einem Loch in seinem Schädel das dunkle Blut rann. Panisch schnappte der Cyborg nach Luft und versuchte so viel Abstand wie möglich zwischen sich und die Leiche zu bringen. Es kostete ihn einiges an Kraft und Konzentration, um zu realisieren, wer seinen Vater erschossen hatte, Gary sah furchtbar aus, vermutlich mindestens genauso furchtbar wie er selbst. Er hatte viel Blut im Gesicht, und seine Augen waren gerötet von Tränen. Wieso weinte er? Waren es die Schmerzen? Alles wirkte so verwirrend und war so schwer zu fassen, als läge der Cyborg in einem Meer aus Nebel, oder viel mehr….dicker Watte, die seine Gedanken furchtbar langsam machte und verhinderte, dass er vernünftig nachdachte. Er weinte wohl kaum um seinen Vater, immerhin hatte er ihn gerade erschossen. Er hatte ihn sogar mehrmals erschossen, öfter als nötig, und für einen merkwürdigen Moment stieg ein Gefühl von Wut auf Gary in ihm auf. Nicht, weil er den Warlord getötet hatte, nein, es war viel mehr so, dass Law es gerne selbst übernommen hätte, aber der Zorn verflog sehr schnell. Dem Rotschopf war vielleicht nicht einmal vollkommen selbst bewusst, von was für einer Bürde er ihn befreit hatte, oder er wusste es schon, aber er würde die Erleichterung nie vollkommen nachfühlen können. Es war wie eine Welle, die für einen Moment alles fortwusch, was die Tritte dieses Mannes ihm für Qualen bereitet hatten. Vielleicht sollte er traurig sein, immerhin war dieser Mann nicht immer ein schlechter Vater gewesen, aber allein, was er in diesen letzten beiden Tagen angerichtet hatte reichte aus, um sich vollkommen sicher zu sein, dass er um diesen Mann nicht mehr zu trauern brauchte.
Der Cyborg wusste nicht, ob ihm sein Vater etwas gebrochen hatte mit seinen heftigen Tritten, jedenfalls fühlte es sich so an, als Gary ihn vorsichtig aufraffte. Vermutlich eine Rippe, die ihm in die Seite drückte. Er stieß ein dunkles Stöhnen aus und presste die Zähne aufeinander. Er wollte sich lieber an Gary festklammern, Schmerz hin oder her. Die Söldner schienen ihn ebenfalls nicht geschont zu haben, dass er es tatsächlich geschafft hatte sich so lange auf den Beinen zu halten kam dem Älteren wirklich wie ein Wunder vor. Wie konnte er selbst so in den Seilen hängen, während Gary es geschafft hatte ihn zu retten und allen voran auch noch sich selbst zu befreien? Wie hatte er es überhaupt geschafft den Söldner zu entkommen? Es waren so viele gewesen, sie waren durchtrainiert und ebenfalls im Besitz von Waffen. Und noch viel wichtiger war ja: was würden die Gesetzlosen jetzt tun, da ihr Geldgeber verstorben war? Würden sie ihren Zorn auf die beiden verlorenen richten? Law würde es ganz sicher noch früh genug erfahren. Jetzt wollte er sich erst mal nur auf den Jüngeren konzentrieren, der bei ihm war und ihm irgendwie die Tränen aufs Gesicht gezauberte hatte. Naja, wenigstens heulten sie jetzt beide wie die Schlosshunde.
„Du hättest….d-das nicht für mich tun müssen“, presste er gegen die Kleidung des anderen hervor und drückte sein Gesicht so tief in den Stoff, wie es ihm nur möglich war. Er hätte nie von Gary erwarten können, dass er jemanden für ihn tötete, und doch hatte er es getan und ihn von seinem permanenten Übel befreit. Keine Angst mehr verfolgt zu werden, keine düstere Bedrohung, die noch mehr seiner Körperteile einforderte, sie waren beide endlich frei, da hatte der Rotschopf nur recht. Lawrence wagte es kaum zu der Leiche seines Vaters hinüberzublicken, weil es ihm alles so unrealistisch vorkam. Der Warlord war so lange seine Schreckensgespenst gewesen. Was, wenn er gleich doch einfach aufsprang, wenn er nicht tot, sondern nur zornig war, dass man ihn angeschossen hatte? Aber der Cyborg musste einfach auf Nummer sicher gehen. Langsam und wie in Zeitlupe hob er den Kopf und starrte an seinem Freund vorbei auf den leblosen Leichnam. Die Wut durchzuckte ihn beim Anblick des toten Körpers so heftig, dass er für einen Moment lang jegliche Zurückhaltung verlor und die Wut sogar die Schmerzen verdrängte. Taumelnd erhob er sich, hielt sich mit einer Hand die schmerzende Seite, während er mit Verachtung auf seinen Vater hinunterstarrte. Plötzlich war der Zorn so stark, dass er sich für eine kurze Zeit selbst vergaß und gar nicht wirklich mitbekam, wie er mit voller Wucht auf den Leichnam eintrat.
„Du mieses Arsch, wag es ja nicht wieder zu kommen. Bleib tot!“
Die Stimme des Jüngeren überschlug sich beinahe und war so schrill und unbekannt, dass sie in seinen Ohren klingelte. Es hatte kaum eine wirkliche Genugtuung, auf einen leblosen Körper einzutreten, viel lieber hätte Lawrence auch nur einmal in seinem Leben die Schmerzensschreie seines Vaters gehört, damit er endlich wusste, wie es sich anfühlte. Der Dunkelhaarige wusste nicht mehr, wie lange er seine Wut an seinem Vater abgelassen hatte, vermutlich mindestens genau so lange wie er ihn getreten hatte, aber schließlich verharrte er schwer atmend an Ort und Stelle. Er fühlte sich schwach und ausgelaugt und zitterte am ganzen Leib, aber irgendwie war es eine wohltuende Schwäche. Mit einem leisen Schniefen wischte er sich die Tränen von den Wangen und drehte sich zu Gary herum, der an ihn herangetreten war.
„Lass uns zurück nach Hause“, murmelte er leise, während er sich zu dem Jüngeren herumdrehte und die Arme um seinen Leib schloss. Er hatte Angst, dass mit ihrem kleinen Heim etwas passiert war, während sie fort gewesen waren, dass man sie ausgeraubt hatte, und er wollte einfach schnellstmöglich fort von hier und sein angenehmes Leben mit Gary fortführen. Sie mussten fort von hier, einfach Newton und Bubbles einpacken und weg. Sie sollten sich einen der Jeeps mitnehmen, solche ein Geländewagen war in dieser Welt absolut nicht verkehrt und ihr alter Wohnwagen konnte damit kaum mithalten. Aber erst einmal blieb die Frage, wie sie heil von hier weg kamen.
„Was ist mit den Söldnern, lassen sie uns einfach so gehen?“, fragte er seinen Freund etwas unsicher, und wie aufs Stichwort trat einer der Männer in den Türrahmen, mit einem dunklen Grunzen auf den Leichnam starrend. Hastig hob Law die Waffe, die neben seinem Vater auf den Boden gefallen war. Er wusste, dass sie leer war, aber der Söldner wusste das nicht, und ein Bluff war besser als gar nichts in der Hand zu haben. Es fiel dem Cyborg schwer, sich darauf zu konzentrieren die Waffe gerade zu halten, seine Arme waren schwer wie Blei und sein Brustkorb schmerzte immer noch. Wie konnte Gary sich bloß noch auf den Beinen halten? Er wollte, dass der Rotschopf sich hinlegte, dass er anständig behandelte wurde und seine Wunden ihn nicht mehr plagten, er wollte einfach gehen.
„Keine Sorge, Kleiner, dein Freund hat doch längst alles geregelt“, schnaufte der Söldner, und hob skeptisch eine Augenbraue. Erleichtert ließ Law die Waffe sinken, bis sie schließlich mit einem Klappern zu Boden fiel. Fragend blickte er zu dem Jüngeren hinüber und ließ sich von ihm erklären, gegen was er ihr Leben eingetauscht hatte. Er konnte gut damit leben, das Land seines Vaters konnte ihm gestohlen bleiben, er würde nie dorthin zurückkehren.
„30.000 und ein Jeep“, wandte er sich mit kalter Stimme dem Söldner zu. Er wusste, dass ihnen das Geld nicht wehtun würde, ein ganzes Herrschaftsgebiet war viel mehr wert als das. Für die Söldner war es Kleingeld, für ihn und Gary würde es das Überleben für wahrhaft lange Zeit sichern. Dennoch sah der Cyborg, dass der Mann widersprechen wollte, und seine Augen zogen sich zu schmalen Schlitzen zusammen.
„Wag es nicht zu verhandeln, oder mein Vater ist nicht der einzige, der heute noch erschossen wurde“, zischte der Cyborg dunkel, und anscheinend war dem Kriminellen nicht danach sich noch weiter zu widersetzen. Er zuckte nur mit den Schultern und nickte, nachdem er Lawrence und den Rotschopf eine ganze Weile prüfend angestarrt hatte.
„Und die Drohne und den Leguan versteht sich.“
Lawrence wusste selbst nicht, wie er den herrischen Ton zustande brachte, wie er mit schweren Schritten hinter dem Mann herstapfen konnte, wie er sich die ganze Zeit auf den Beinen hielt und so kalt und unnahbar wirkte wie er nur konnte. Der arme Newton war halb erfroren, aber im Auto konnten sie ihn auf die Heizung setzen, das würde ihn sicher wieder auftauen, und Bubbles blinkte nur glücklich vor sich hin, als Law die Arme um die kleine Kugel schlang. Das Geld, was man ihnen gab, war abgegriffen, aber es waren drei so riesige Bündel, dass sie sie zu zweit verstauen mussten. Law wollte so schnell wie möglich von hier weg, er hatte immer noch Angst, dass die Söldner sie nur übers Ohr hauen würden, aber die Gruppe brach sogar noch vor ihnen auf. Anscheinend wollten sie schnell zu ihrem neu gewonnenen Land, und das war auch gut so, so konnten sie sich sicher sein, dass sie ihnen nicht folgten. So stark sich der Cyborg auch in der letzten Stunde gegeben hatte, als die Söldner fort waren und sie beim Auto wäre er beinahe noch zusammengebrochen, bevor er sich überhaupt ins Auto hatte fallen lassen können. Schwer atmend hielt er sich die Seite und legte mit geschlossenen Augen den Kopf in den Nacken.
„Wir sollten erst zum Dorf und einen Arzt finden“, keuchte er und merkte, dass er nicht gut atmen konnte.
„Sicher, dass du fahren kannst?“, fragte er mit schmerzverzerrtem Gesicht, aber eigentlich sollte er sich freuen. Noch war all das gar nicht wirklich zu ihm durchgedrungen, dass sie frei waren, sein Vater tot und dass sie Geld für mehrere Jahre hatten.

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BeitragThema: Re: Chaos lives in everything   Fr Okt 18, 2013 9:10 pm

Binnen weniger Sekunden war die Sorge und Angst, Lawrence könnte ihm das Ermorden seines Vaters übelnehmen, verflogen, wie konnte man auch solch einem Mann hinterher trauern, der sein eigenes Fleisch und Blut so übel zurichtete, das war ganz sicher keine liebevolle Fürsorge, nicht einmal in diesen harten Zeiten. Die Worte des Kleineren ließen ihn erschrocken zu ihm hinunterblicken. „Ich hätte dich niemals hier einfach deinem Schicksal überlassen!“, presste er leise hervor. Es war ihm egal, wie viele Menschenleben er hätte nehmen müssen, wenn er sich dabei sicher sein konnte, dass es seinem Freund gut ging, dass er ihn vor irgendwelchem Übel befreite und er wusste, dass der Andere in dieser Situation wohl kaum etwas anderes getan hätte, sie brauchten einander einfach viel zu sehr, als dass solche Dinge Barrieren schufen, die sie nicht brauchten, also stimmte es wohl nicht ganz, was der Dunkelhaarige gesagt hatte- Gary musste es tun, eigentlich wäre er gar nicht über diese Maßnahme hinweggekommen, ob es nun heute oder am nächsten Tag oder in den nächsten Wochen geschehen, er hätte dieses Monster von einem Vater umbringen müssen, alleine schon, damit all die Söldner sie in Frieden ließen, damit sie wieder friedlich leben konnten. Und das konnten sie jetzt, sie konnten nach Hause, ohne Angst verfolgt zu werden, ohne diesem Schatten, der immer auf sie lauerte, selbst dann, wenn sie glaubten, sie könnten sich in Sicherheit wiegen.
Der Rotschopf konnte es immer noch nicht fassen, dass sie hier gefunden worden waren, so weit weg von Laws ehemaligem Zuhause! Doch der Warlord war zu blind gewesen, hatte sich nur auf eine Sache konzentriert und das wurde ihm zum Glück nun zu Verhängnis.
Die Hände des Jüngeren wollten gar nicht vom Cyborg ablassen, als sich dieser wagte zu erheben, er blickte ihn fragend an, als er sich erhob und zu seinem Vater bewegte, stumm seinen Worten lauschend. Es war ihm nicht zu verübeln, dass er auf den Leichnam eintrat, Gary wollte selbst nicht wissen, was er getan hätte, wenn es sein Vater gewesen wäre, wahrscheinlich hätten keine Maschinenpistolen der Welt genügend Kugeln für diesen Körper gehabt, selbst jetzt spürte er den innigen Wunsch weiter auf den Tyrannen einzuschießen, für jeden Tag, den er seinem Freund zur Hölle gemacht hat, für jede Minute des Schmerzes, den er unnötiger weise verspüren musste. Doch nutzte es nichts, er hatte seine persönliche Rache an ihm genommen und je schneller sie diesen Drecksort verließen, desto eher konnten sie vielleicht diesen Tag aus ihrem Leben streichen, die ganzen Schmerzen, die durch ihre Glieder zuckten. Der Tätowierte wusste nicht einmal wie er es geschafft hatte, sich vom kalten Boden zu erheben, mit langsamen Schritten auf den schmalen Körper seines Freundes zutretend, behutsam eine Hand auf seine Schulter platzierend, ehe er seine Arme ebenfalls um seinen Leib schlang, als sich dieser zu ihm herumdrehte, vorsichtig seine Lippen auf das dunkle Haar pressend. „Nach Hause klingt gut.“, erwiderte er leise, bei dem Gedanken an ihr kleines Zuhause lächelnd, auch wenn er seine Sorge um Newton und Bubbles nicht verstecken konnte, auch der Angst, dass sie während ihrer Abwesenheit von irgendwelchen Streunern ausgeraubt worden waren. Sie durften wohl keine unnötige Zeit verlieren, solange noch etwas Kraft in seinen Gliedern steckte, angetrieben vom restlichen Adrenalin, das durch seine Venen pumpte, würden beide noch heute den Weg zurück finden können, doch dafür müssten sie sich erst wegbewegen, ihren Anteil nehmen und den Söldnern auf nimmer wiedersehen sagen! Fragend schielten die verschiedenen Augen zu Lawrence, als er diese erwähnte, öffnete leicht seinen Mund, um ihn zu erklären, was er mit ihnen verhandelt hatte, immerhin hatte er vergessen, dass der Ältere gar nichts von all dem wusste, dass er ganz wo anders war, als Gary versuchte seine Haut mit irgendwelchen Deals zu retten und als ob sie bemerkt hatten, dass der Gedanke ganz ihnen galt, betraten einige Söldner den Raum, er konnte sehen wie einer von ihnen mit der Spitze seiner schweren Stiefel die Leiche zur Seite schob, die draußen im Schnee lag, irgendeinen Scherz darüber machte. Es war fast gar nicht anders zu erwarten, dass der Kleinere reflexartig die Waffe schnappen würde, auch wenn sie leer war, doch war dies sinnlos gewesen, immerhin würden sie die beiden nicht erschießen und wenn doch, dann half auch diese kleine, leere Pistole absolut nicht. Diese Männer waren immer noch die ehrlosen Schweine, wie die, die sie zu dem herangezogen hatten, an sich hätten sie wirklich die beiden erschießen können, sie waren immerhin geschwächt und selbst Gary glaubte langsam, dass er nicht noch mehr tun konnte, dass er sich nicht den anderen irgendwie stellen könnte, ohne dabei zu sterben, doch sie hielten ihr Wort, sie waren nicht hier gewesen um auch sie um die Ecke zu bringen, doch offenbar hätten sie nicht erwartet, dass der Kurzhaarige wirklich das geschafft hatte, was er ihnen vorgegaukelt hatte, doch nun färbte das Blut ihres ehemaligen Bosses den Boden unter ihnen dunkelrot und würde wohl nicht so schnell irgendwelche Befehle von sich geben, oder besser gesagt nie wieder. „Lawrence, ist schon okay, sie sind irgendwie…auf unserer Seite.“, bei diesen Worten verzog der Größere leicht das Gesicht. Man konnte von Söldnern nie behaupten, dass sie auf irgendwessen Seite standen, doch sie waren zumindest nicht mehr erpicht darauf gewesen, ihnen wehzutun. „Sie hätten mich wahrscheinlich durchlöchert, wenn ich ihnen nicht das Land und die ganzen Waffen versprochen hätte, die deinem Vater gehört hatten. Dafür bekommen wir einen Großteil des Geldes.“, erklärte er seinem Freund mit ruhiger, wenn auch müder Stimme. Das Atmen fiel ihm wirklich schwer, sie hatten ihm wohl tatsächlich einige Rippen gebrochen, doch solange keines der Teile seine Lunge durchbohrte, würde er es schon irgendwie durchstehen. Und immerhin schien der Cyborg mit dem, was den bewaffneten Männern versprochen wurde, zufrieden zu sein, zumindest hatte er keine Einwände, abgesehen von der Sache mit dem Wagen und einen konnten sie wohl tatsächlich entbehren. Gary war froh, dass Law noch genügend Kraft in seinen Beinen zu haben schien, um es bis zu ihrem versprochenen Jeep zu schaffen, ihm hatten sie nebenbei seine Echse in die Hände gedrückt, unsanft, dass es ihm noch mehr Schmerzen zufügte, doch wenigstens schien das Tier unversehrt zu sein, auch wenn es sich in eine Kältestarre versetzt hatte. Behutsam strichen seine Finger über seinen Kamm, ihn enger an sich schmiegend. „Keine Sorge, Newt, bald sind wir zu Haus.“, murmelte er leise seinem Haustier entgegen, ihn auf den Rücksitz des großen Geländewagens verfrachtend. Später gaben sie ihnen den versprochenen Batzen von Geld, so viel mehr als das, was er damals erpresst hatte, als seine Augen je gesehen hatten, dass ihm beinahe schwindelig wurde. Der Jüngere konnte sich noch eine Pistole abstauben, wenn auch eher ergaunern, doch er konnte hier niemanden trauen und mit einer Waffe waren beide wohl immer noch viel sicherer dran als mit leeren Händen, doch die Männer hauten schnell ab, ließen alles stehen und liegen wie es hier war und wollten ihr neu gewonnenes Land und ihre Macht wohl so schnell wie möglich ausnutzen. Gary konnte es ihnen kaum verübeln, außerdem fühlte er sich viel erleichterter, als die ganzen Kerle weg waren, immerhin hatten sie keinen guten Eindruck bei ihm hinterlassen und waren Personen, denen man absolut nicht trauen konnte, nicht einmal eine Sekunde lang. Nur mühselig und mit langsamen Schritten stampfte er zurück zu Wagen, blickte dabei seinen Freund besorgt an, die wohl noch größere Schwierigkeit hatte, sich irgendwie auf den Beinen zu halten. „Warte, ich helfe dir.“, der Rotschopf beschleunigte seine Schritte ein wenig, riss die Beifahrertür auf, um dem Cyborg hineinzuhelfen, sich selbst kurz an der Tür abstützend. „Hatte dein Vater nicht irgendwie einen Doktor dabei gehabt? Haben die Söldner ihn mitgenommen?“, nachdenklich blickte er in das hübsche jedoch schmerzverzerrte Gesicht des Älteren, bei seinen nächsten Worten lediglich abwinkend, den Kopf schüttelnd. „Mach dir wegen mir keine Sorgen, ich hab’s geschafft einige Kerle um die Ecke zu bringen, da wird autofahren wohl ein Klacks gegen sein!“, seine Lippen formten ein schiefes Lächeln, als er die Worte gesprochen hatte, wohl wissend, dass es alles andere als ein Klacks werden würde, er hatte ja jetzt kaum noch Kraft aufrecht zu stehen oder gar zu atmen, sein Bauch fühlte sich immer noch schrecklich an, wie auch das Gesicht, das wohl morgen unglaublich geschwollen sein würde, doch er wollte jetzt nicht schlapp machen, nicht vor Lawrence. „Hör zu, bleib im Wagen, okay? Ich komm sofort wieder.“, er blickte Lawrence ernst an, hoffte, dass er einfach hier sitzen bleiben und auf ihn warten würde, immerhin hatte er nicht so ganz unrecht gehabt mit seiner Annahme, der Warlord hatte einen Arzt dabei, vielleicht sogar einen Chirurgen, wer wusste das schon, doch wo war dieser Kerl nur abgeblieben? Er hatte niemanden abhauen gesehen, er hatte keine Doktorenleiche gesehen und auch war er nicht bei den Söldnern gewesen, als diese abgezogen waren. Er musste also irgendwo hier sein, wo auch immer. Mit eiligen, oder zumindest so eilig wie es ihm nur möglich war, Schritten lief der Tätowierte zurück zu dem Gebäude, wo der Warlord gehaust hatte, blickte die Leichen vor der Tür abschätzig an, während er der im Inneren liegende nicht einmal eines Blickes würdigte, stattdessen seine Pistole zückte und mit schleichenden Schritten die Treppe hinaufschlich. Immer wieder musste sein Körper innehalten, kalter Schweiß lief seine Stirn hinunter, während alles um ihn herum plötzlich verschwamm, doch wenigstens war auf sein künstliches Auge verlass, das nicht auf einmal verschwommene Umrisse sah und sich sogar ganz zurechtfand. Die Stille war erdrückend und für einen Moment bekam Gary ein ungutes Gefühl, so, als ob die ganzen Leichen hinter ihm waren, ihn anstarrten aus ihren leeren, leblosen Augen, doch vielleicht war es einfach nur die Erschöpfung und der Schmerz, der ihm solche Schreckgespenster in seinen Kopf trieb. Nein, jetzt hieß es Arschbacken zusammenkneifen und jemanden finden, der wenigstens Lawrence‘ Wunden heilen konnte und tatsächlich konnte der Jüngere ein Geräusch vernehmen, ein leises Wimmern, das aus einem der Zimmer kam. Langsam tapsten seine Beine auf das Zimmer zu, langsam, ganz vorsichtig die Türklinge umfassend, nur um die Tür so schnell wie es ihm nur möglich war aufzureißen, die Pistole auf die Gestalt richtend, die seine Augen erkannten. Es war ein Mann, der in der Ecke des Zimmers kauerte, schützend die Arme vor sein Gesicht schob, ihn anflehte nicht zu schießen. Zornig starrte er den Doktor an, trat einige Schritte auf ihn zu, mit seinem Stiefel gegen ihn tretend, wenn auch nicht stark. „Steh auf, du kommst mit uns.“, befahl er dem Mann, ungeduldig auf seinen Körper blickend. „Ich habe keine Zeit für sowas, entweder du stehst jetzt auf und nimmst deinen widerlichen Medizinkoffer mit und kommst mit oder ich jage dir eine Kugel durch den Schädel, wie du willst!“, knurrte die Stimme des Rotschopfs zornig, noch einmal gegen den Fremden tretend. Er war müde, er hatte schmerzen und er glaubte jeden Augenblick einfach nur zusammenbrechen zu müssen, sie hatten also keine Zeit sich weiter damit zu befassen, wie gut dieser Mann flehen, betteln und weinen konnte, er sollte sich gefälligst bewegen. Der Doktor starrte ihn angsterfüllt an, musterte ihn prüfend, während er sich erhob und seinen Koffer schnappte. Gary ließ ihn den Vortritt, platzierte jedoch wenige Sekunden später den Lauf der Pistole gegen seinen Rücken, ihn vor sich herschiebend, bis sie endlich den Jeep erreicht hatten, wo Lawrence zum Glück auf die beiden wartete. „Du kannst fahren oder?“, fragte er den Mann und vertraute auf sein heftiges, panisches Nicken, öffnete die Fahrertür für ihn, sich selbst samt des Medizinerkoffers auf dem Rücksitz verfrachtend, wortlos seine Waffe zwischen Kopflehne und Sitz schiebend, sodass sie ihm direkt im Nacken saß. „Fahr, ich gebe dir Anweisungen.“, sein Blick schweifte zu seinem Freund, ihn kurz anlächelnd. „Es ist billiger, als zu einem Arzt in der Stadt zu gehen und so wird er wenigstens von keinen wilden Tieren gefressen.“, und er konnte für ihn fahren und sie nicht in einen sicheren Tod stürzen, nur weil er zu schwach war, um einen Wagen zu steuern oder gar die Augen offen zu halten. Es war gut, dass er diesen Kerl nicht vergessen hätte, sonst wären schlimmere Dinge passiert, vielleicht wären sie wirklich unterwegs gestorben. Jetzt zumindest glaubte der Jüngere auch so sterben zu müssen. Er wollte nicht mehr atmen, es tat weh, es war grauenvoll, fühlte sich so an, als ob sein gesamter Brustkorb mit einem Male zerbrechen würde. Er wusste gar nicht, an welcher Stelle es nicht schmerzte, selbst der Tritt seiner ersten Leiche war immer noch spürbar, sodass er hin und wieder es nicht zurückhalten konnte und sein Gesicht verzog, die Augen zusammenpressend, nur um sie wieder weit aufzuschlagen. Wenigstens schien nichts mehr zu bluten, aber klebten immer noch verschiedene Blutreste auf seinem Gesicht, auf seinen Haaren, auf der Kleidung, dass er froh war, sie bald wechseln zu können.
Es war eine lange Fahrt und durch den immer noch anwesenden Winter wurde es auch viel schneller dunkel, sodass sie bald durch die tiefste Nacht fuhren, doch Gary hatte sich den Weg zurück gemerkt und lotste den Arzt in die richtige Richtung, bis sie im Scheinwerfer des Jeeps endlich die Umrisse ihres Hauses erkannten. Der Cyborg war oft genug auf der langen und beschwerlichen Fahrt eingenickt, Newton hatte es ihm nachgemacht und nicht selten waren auch die Augen des Größeren zugefallen, doch raffte er sich immer schnell auf, umfasste die Waffe noch fester, so fest, dass sich mittlerweile seine Finger um den Griff verkrampft hatten und furchtbar schmerzten, sodass er sie gar nicht mehr bewegen wollte. Der Wagen hielt und Garys andere Hand legte sich vorsichtig auf die Schulter seines Freundes, ein wenig rüttelnd. „Law, wir sind da.“, hauchte er ihm leise entgegen, froh darüber seine müden, braunen Augen zu sehen, als er sich langsam zu ihm herumgedreht hatte, starrte jedoch schnell wieder ernst ihre Geisel an, ihm befehlend das Auto zu verlassen, ihm draußen den Koffer in die Hände schmeißend, anschließend hineinbefördernd. „Du bleibst hier und stellst keine Scheiße an, verstanden? Hier sind keine Waffen im Haus und mit den lächerlichen Messern kommst du nicht weit.“, an sich waren seine Worte sinnlos, der Mann war so eingeschüchtert und schockiert über all das, was heute geschehen war, dass er sich still hingesetzt hatte, seinen Koffer fest an sich klammerte und wartete bis die Geiselnehmer im Hause waren.
„Leg deinen Arm um mich, okay?“, entgegnete seine Stimme kurz nachdem er die Wagentür geöffnet hatte, dem Cyborg aus dem Jeep hinaus und anschließend hinein ins Haus helfend, wo er hin behutsam auf der Couch absetzte. „Du wirst ihn jetzt verarzten, hast du das verstanden? Mach irgendwas, damit es ihm besser geht und seine Verletzungen nicht mehr schmerzen.“, Gary wartete noch, bis der Arzt endlich sich ans Werk machte und er wenigstens seinen Leguan und Bubbles rausholen konnte, wie auch das Geld. Der Rotschopf musste viel laufen und mit der Zeit wurden seine Schritte immer langsamer, bis auch das letzte Geld endlich im Hause verstaut war, er die Heizung aufgedreht hatte, Newton seinen Platz warm gemacht hatte und anschließend fast in sich zusammenfiel, als er die Treppen langsam hinuntertorkelte und sich an jedem Gegensand festhielt, der in seiner Nähe war, bis sein Körper sich endlich auf den Sessel fallen ließ, die Waffe neben sich legend, müde seine Augen schließend. „Du kannst danach gehen, nicht weit von hier ist eine Stadt, sie nehmen dich sicherlich gerne auf.“, seine Stimme war leise, langsam und erschöpft, Gary wollte schlafen, er wollte seine Augen einfach nur geschlossen halten, doch er hatte Angst sie danach nie wieder öffnen zu können, hatte Angst, dass dieser Typ etwas Lawrence antat, während er unachtsam war, sodass er sich dazu zwang, ihn bei seinem Tun zu beobachten, nur selten seine Augen zu schließen. Nichts war ihm wichtiger als Law, seine Gesundheit und seine Sicherheit, denn auch wenn sie vielleicht das Schlimmste endlich hinter sich gebracht hatten, mussten sie immer noch auf die Beine kommen.

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Chaos lives in everything   Fr Okt 18, 2013 11:08 pm

Es kam ganz sicher selten vor, dass Gary derjenige war, der seinen Kopf mehr einsetzte als der Cyborg, aber dieses Mal war er wirklich froh, dass er es getan hatte, denn er selbst konnte kaum noch einen klaren Gedanken fassen. Den Dorfbewohnern konnte man vielleicht wirklich nicht so sehr trauen, immerhin war es möglich, dass einer von ihnen sie schon mal verraten hatte, und dieser Mistkerl musste hier doch noch irgendwo sein. Oder hatten die Söldner ihn mitgenommen? Lawrence konnte sich nicht erinnern, so genau hatte er ihnen bei der Abfahrt nicht zugesehen. Es wäre jedenfalls gut, wenn der Leibarzt seines Vaters noch hier war, er verstand sein Handwerk, egal wie sehr der Dunkelhaarige ihn auch hasste. Er wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, bis Gary zurückkehrte, sein Bewusstsein hatte ihn immer wieder verlassen, sodass es Minuten aber auch Stunden hätten sein können, bis der Rotschopf das bekannte Gesicht mit seiner Waffe im Rücken auf den Fahrersitz schob. Der Mann war nicht so ein Arschloch wie der Warlord es gewesen war, er hatte so gesehen eigentlich nur seinen Job gemacht und das nicht schlecht, aber Law konnte es ihm niemals verzeihen, dass er ihm seine Gliedmaßen genommen hatte. Er hätte doch hinterfragen müssen, ob ein Achtjähriger wirklich ein künstliches Bein brauchte, weshalb es in Ordnung war, ihn die Hälfte seiner Kindheit an den Rollstuhl zu fesseln. Er hatte es nie getan, vermutlich hatte er selbst ebenfalls zu viel Angst vor Laws Vater gehabt. Aber das war keine Ausrede. Umso angenehmer war es, jetzt die pure Angst in seinen Augen zu sehen. Vermutlich dachte er man würde ihn ohne Kompromisse umbringen, dass sie ihn später erschießen würden, wie sie es mit seinem Boss und einigen Söldnern gemacht hatten, aber eigentlich hatten sie dazu ja gar keinen Grund. Keiner von ihnen war ein erbarmungsloser Killer, und in dem Sinne hatte der Doktor ihnen kein Leid zugefügt. So dumm es auch klang, er hatte wohl mehr Angst vor ihnen als umgekehrt. Dennoch konnte Law nicht sagen, dass der alte Mann ihm leid tat. So ganz trauen konnte er ihm nicht, und es wäre ihm lieber gewesen, wenn er bei Gary hätte sitzen können, aber nun saß er auf der Rückbank und wies ihrem Fahrer den Weg. Law konnte nur mutmaßen, dass er ebenfalls nicht wollte, dass er seine Wunden sah, wie sehr er ebenfalls Schmerzen hatte. Er war nicht dumm, er wusste das, und dennoch war er kaum noch stark genug, um die Augen aufzuhalten, geschweige denn, um mit Gary zu diskutieren. Obwohl es draußen noch taghell war, umso heller noch von dem weiß reflektierenden Schnee überall um sie herum, schaffte er es immer wieder einzunicken, nur, um dann unsanft von einer Unebenheit auf der Fahrbahn geweckt zu werden, die ihren Jeep durchschüttelte. Sie sollten über dieses Schätzchen wahrlich dankbar sein, generell sollten sie dankbar sein, das Geld, was sie kassiert hatten, war immens viel, so unglaublich viel, dass es über den Horizont des Älteren hinausging, was sie damit anstellen sollten. Ob sie es gewinnbringend einsetzen konnten? Natürlich konnten sie Nahrung und so weiter davon kaufen, und das ganz sicher über Jahre hinweg, aber vielleicht ließ sich ja auch noch etwas anderes damit anfangen. In irgendetwas konnte man doch sicher investieren, vielleicht einen neuen Wohnwagen? Aber das hing davon ab, ob sie ihr trautes Heim überhaupt noch wieder verlassen wollten. Law gefiel es dort, aber wenn Gary lieber weiterziehen wollte, dann würde er sich fügen. Er wollte einfach nur dort sein wo der Jüngere war. Mit ihren Verletzungen und mitten im Winter würden sie dort fürs erste sowieso noch bleiben.
Lawrence konnte nicht sagen wie lange es gedauert hatte, bis sie Zuhause angekommen waren, zu mindestens war die Sonne um einiges tiefer gesunken und es dämmerte fast. Wenn Gary ihn nicht geweckt hätte, hätte er einfach im Jeep geschlafen, aber das hätte wohl keinem seiner Körperteile gut getan. Müde öffnete er die Augen und gab ein leises Murmeln von sich.
„Sind wir Zuhause?“, fragte er und richtete sich etwas im Sitz auf. Da waren sie wieder, die Schmerzen, der Schlaf hatte sie nicht verschwinden lassen, ganz davon abgesehen, dass es kein besonders erholsamer Schlaf gewesen war. Lawrence fühlte sich beinahe noch etwas schlapper als zuvor. Jede seiner Bewegungen schien Ewigkeiten in Anspruch zu nehmen, sodass er es gerade mal geschafft hatte den Sicherheitsgurt zu lösen, während Gary ihre Geisel ins Haus gebracht hatte. Eigentlich brauchte der Kerl sich gar nicht so in die Hose zu machen, sie wollten ihm ja nichts tun, er sollte nur einmal kostenfrei seine Arbeit erledigen, und das wars auch schon.
„I-Ich kann schon laufen, du tust dir nur w-weh“, keuchte der Cyborg, als Gary ihn stütze. Er sollte doch aufhören so zu tun, als wenn alles in Ordnung wäre. Er hatte ebenso Schmerzen, vielleicht sogar schlimmere, und Lawrence wollte nicht bevorzugt behandelt werden. Bubbles schwebte die ganze Zeit besorgt neben ihm, die Drohne hatte bereits Scans durchgeführt und Röntgenaufnahmen von beiden gemacht, nur hatte sie sich bis jetzt noch keiner angesehen. Jeder Schritt fühlte sich an als wenn er Ewigkeiten brauchte, und er hängte sich viel zu sehr auf die Schulter des Rotschopfes, das war ihm bewusst. Und dennoch gehorchte sein Körper ihm einfach nicht. Mit einem schmerzerfüllten Keuchen fiel er auf die Couch, er hatte das Gefühl, dass sich eine Rippe in seine Seite bohrte und mit schwindelndem Kopf legte er sich hin, während der Arzt sich über ihn beugte.
„Bubbles hat schon einige Daten gesammelt“, murmelte er leise und erlaubte sich für einen Moment die Augen zu schließen. Wenn er mitbekommen hätte, dass Gary immer noch zwischen dem neuen Auto und der Wohnung hin- und herwuselte hätte er sicher versucht ihn davon abzuhalten, das alles konnte eigentlich noch bis morgen warten, wieso tat er bloß so als ginge es ihm gut?! Der Arzt waltete schnell seines Amtes, zum Glück beruhigte er sich relativ schnell und verfiel in eine gewohnte Routine, denn ansonsten wäre er wohl kaum zu etwas zu gebrauchen gewesen. Zwei Rippen schienen gebrochen und einer seiner Unterarmknochen war angeknackst, sodass alles mit einer Schiene fixiert wurde, und außerdem bekam er ein starkes Schmerzmittel, dass zwar tatsächlich die Qual aus seinen Knochen vertrieb, ihn aber auch furchtbar schläfrig machte. Gary wollte den Doktor gehen lassen, er wollte ihn einfach mit einer Drohung ins nächste Dorf schicken und das war absolut nicht in Ordnung. Es kostete Law alle Kraft sich aufzurichten, gegen den Schlaf anzukämpfen und er schüttelte immer wieder den Kopf.
„Nein, nein, du kannst nicht gehen, bleib hier, BLEIB HIER hab ich gesagt!“
Er musste seine Stimme anheben, schreien, damit dieser Feigling nicht einfach so tat als hätte er sie nicht gehört und zur Tür heraushuschte. Mit seinem unverletzten Arm drückte er sich nach oben, manchmal waren die unechten Gliedmaßen doch ganz hilfreich.
„Bleib hier und hilf ihm auch, du hast die Röntgenbilder gesehen! Und du hörst auf so zu tun als wäre alles in Ordnung!“, presste der Ältere zornig hervor und ließ sich erst zurück auf die Couch sinken, als der Doktor zu Gary zurückgekehrt war und ihm in etwa die gleiche Behandlung verpasste wie dem Cyborg.
„Ich hoffe du bist dir vollkommen im Klaren darüber, d-dass meine Drohne dich mit einem Schuss ausknipst, wenn du irgendein krummes Ding versuchst, ist das klar, Cane?“
Es war natürlich geblufft, Bubbles verfügte über keine Waffen, aber das wusste der Arzt ja nicht. Allerdings hatte der Cyborg in den letzten Wochen Selbstschussanlagen installiert, die sie jetzt garantiert aktivieren mussten, da sie beide außer Gefecht gesetzt waren. Und solange dieser Quacksalber nicht über alle Berge war fühlte Law sich nicht sicher, auch, wenn er viel zu ängstlich war, um ihnen etwas anzutun. Aus lauter Sorge um den Jüngeren heraus schaffte Law es tatsächlich, sie mit einem dicken Beutel Eis für ihre angeschwollenen Gesichter irgendwie in ihr Bett zu bekommen, und es fühlte sich einfach himmlisch an, im eigenen Bett in Sicherheit zu sein. Newton saß unter seiner Wärmelampe und gewann wieder an Leben zurück, und dieser verdammte Arzt war endlich verschwunden und hatte sich überschwänglich bei ihnen dafür bedankt, dass sie ihn nicht getötet hatten, Law hatte ihm sogar noch hundert Dollar in die Hand gedrückt, nur um sicherzugehen, dass er nicht aus Rachsucht noch einmal hierher zurück kam. Müde setzte er sich ein wenig auf, betrachtete Gary, der wohl auch endgültig besiegt schien und den Kopf an seine Brust gelehnt hatte. Ruhig fuhren die Finger seiner unechten Hand durch die kurzen Haarsträhnen, die Ruhe genießend. Während die Schmerzen nachließen, wurde sein Kopf langsam etwas klarer und er nickte nicht mehr die ganze Zeit weg.
„Du bist ein Idiot, weißt du das? Hör auf mich immer vorzuschieben“, murmelte er und tastete vorsichtig über seine Wangen. Wären das seine echten Finger hätte er wohl spüren können, wie heiß die Haut des Jüngeren war.
„Was soll ich denn ohne dich, hm? Ich will dich nicht leiden sehen.“
Ohne den Jüngeren hatte sein ganzes Leben in der Tat wenig Sinn. Auf dem Nachttisch lag in einer kleinen Tasche das ganze Geld, das sie am besten so gut versteckten wie es ihnen nur irgendwie möglich war. Solcher Reichtum rief schnell Neider und noch Schlimmeres hervor. Es durfte einfach niemand erfahren, dass sie jetzt quasi reich waren. Der Cyborg ließ es endlich zu, dass ihm bewusst wurde, wie viel besser ihr Leben heute geworden war. In seinem Gesicht klebte quer über seiner lädierten Nase ein dämliches Pflaster, aber selbst das konnte die Tränen nicht abhalten, die nun über sein Gesicht liefen.
„Wir müssen keine Angst mehr haben, vor niemandem. Weißt du, wie viel Geld das ist? Wir…Wir haben für Jahre ausgesorgt!“
Er wischte die Freudentränen beiseite und schlang seinen freien Arm um den Oberkörper seines Freundes. Sein verletzter Arm war sicher in einer Schlinge und kaum beweglich, aber er würde dieses störende Ding sicher nicht lange dran lassen, er war diesen Winter schon lange genug eine Bürde gewesen.
„Danke für alles, Gary“, flüsterte er nah an seinem Ohr.
„Nicht nur für heute, einfach für jeden Tag seit du mich entführt hast“, schmunzelte er. Es war irgendwie immer noch ulkig, dass sie sich so kennen gelernt hatten. Der Cyborg beugte sich ein Stück hinunter und gab Gary kopfüber einen Kuss, so lang, wie er ihn nur halten konnte.

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