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 Living on a guitar´s strings

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Sep 16, 2013 12:06 am

Blake hatte natürlich recht, er hätte schon viel eher von diesem blöden Freier erzählen sollen, aber was hätte das schon gebracht? Er brauchte das Geld, und wohlmöglich hätte er sich nur in noch größere Schwierigkeiten gebracht, wenn er geredet hätte. Aber jetzt hatte er deswegen trotzdem ein schlechtes Gewissen. Er wollte nicht, dass Blake eine niedrige Meinung von ihm hatte, aber er hatte einfach schon mit so vielen miesen Freiern zu tun gehabt, dass er in dieser Hinsicht einfach abgestumpft war. Er war es gewohnt, dass man grob mit ihm umsprang, und bestimmt war Blake das doch auch, oder? Oder taten ihm seine Kunden so etwas niemals an? Eigentlich konnte Julian sich das nicht vorstellen. Betreten blickte er auf seine Füße und den Asphalt unter ihnen, während er neben Blake her ging.
"T-tut mir leid, ich bin einfach nicht so stark", murmelte er beschämt und presste die Augen zusammen in der Angst, Blake könnte jetzt sauer auf ihn sein. Aber zum Glück war er das nicht, machte ihn nicht weiter verantwortlich, sodass der Lockenkopf durchatmen konnte.
"Du weißt doch, dass Michael seine Pflichten nicht so besonders ernst nimmt und, naja, ich hatte gehofft, dass der Kerl schon bald das Interesse verliert, tun sie doch alles irgendwann."
Julian zuckte mit den Schultern und drückte sich etwas enger an den Körper des anderen. Seine Wärme beruhigte ihn etwas, denn wenn er so darüber nachdachte, dann hatte ihn das Ganze doch mehr aufgewühlt als er zugeben wollte. Man wurde immerhin nicht tagtäglich von jemandem attackiert. Dass Blake ihn wirklich beschützen wollte war herzerwärmend, sodass der Lockenkopf nicht anders konnte als glücklich zu lächeln. Es war einfach so schön zu wissen, dass der andere sich so sehr um ihn kümmerte, bis jetzt war Grayce die einzige, die so über ihn dachte, und es war wohl mehr als klar, dass die Beziehung zwischen ihm und Blake auf einer ganz anderen Ebene stand.
"Wenn du auf mich acht gibst passiert das sicher auch nie wieder", entgegnete er Blake mit einem warmen Lächeln und schlang seinen Arm ebenfalls um seine Taille. Klar, der andere Stricher war auch nicht wesentlich stärker oder furchteinflößender als er selbst, aber allein das Wissen, dass er ihn auf seiner Seite hatte, reichte schon aus, um sich sicherer zu fühlen als je zuvor.
"Ich werd mich so oft bei dir bedanken, wie ich nur kann!", erwiderte Julian trotzig und streckte sich nach Blake, um ihm einen Kuss zu geben. Eigentlich müsste er seinem blöden Freier schon fast dafür danken, dass er die Vertrautheit zwischen ihnen noch ein wenig verstärkt hatte. Der Norweger hatte schon länger das Gefühl, dass die Sache zwischen ihnen etwas Ernstes werden konnte, ihnen fehlte nur der letzte Schubs, einer, der sich traute aus dieser Angelegenheit etwas Festes wurde, und Julian ärgerte sich wirklich über sich selbst, dass er so feige war und vermutlich nicht diese Jemand sein konnte. Er hatte einfach Angst, dass er Blake über kurz oder lang zu sehr auf die Nerven gehen würde und dass er ihn dann doch lieber stehen ließ, als sich mit einem Schwächling wie ihm zu beschäftigen.
"Ach, als würde es mir Umstände bereiten", winkte er ab.
"Alles ist besser, als für Michael an der Straße zu stehen."
Der Blondschopf war sonst ganz sicher niemand, der seine Arbeit schwänzte, dafür hatte er zu große Angst vor seinem Zuhälter, aber wenn sie beide heute Abend erzählten, dass sie einen mauen Tag hatten, konnte dieser Fettsack wohl nicht viel dagegen tun. Er hatte Recht gehabt, dass sie nicht weit von Blakes Wohnung entfernt gewesen waren, denn schon hatten sie das Gebäude erreicht, welches der Lockenkopf mittlerweile so gut kannte wie sein eigenes Zuhause. Er hatte hier immerhin auch sehr viel seiner Freizeit verbracht. Warum auch nicht, neben Blake waren hier ja noch andere ihrer "Arbeitskollegen" untergebracht, und wenn er nicht damit beschäftigt war an Blake zu kleben, konnte er sich auch mit denen beschäftigen. Jetzt aber waren sie wieder mal alleine, und das war wohl auch nicht verkehrt, denn so stellte wenigstens keiner blöde Fragen, weshalb der Dunkelhaarige so mitgenommen aussah. Ein richtiges Kühlakku hatte Blake wohl nicht da, aber die teifgekühlten Erbsen waren auch kalt genug, sodass sie auch ihren Zweck erfüllen würden.
"Ja, moment, ich hol schon was für uns, ich weiß doch wo alles- Ah!"
Julian brach mitten im Satz ab, als sich die eisigen Finger des anderen plötzlich in seinen Nacken legten und wäre fast aufgesprungen. Japsend schnappte er nach Luft und blickte Blake vorwurfsvoll an.
"Das war kalt!", schmollte er, die Unterlippe ein wenig nach vorn schiebend, aber wie konnte er dem Größeren schon lange böse sein, wenn er im nächsten Moment schon seine weichen Lippen spürte? Zufrieden schloss Julian die Augen, klar, in den letzten Tagen hatten sie sich immer wieder geküsst, aber es war trotzdem immer noch irgendwie magisch für den Norweger und sowieso auch etwas ganz Besonderes. Er würde sich wohl niemals daran gewöhnen können, seinem Schwarm so nahe zu sein. Dass er sogar der einzige war, der sowas mit ihm machen durfte! Naja, abgesehen von Freiern vielleicht, aber die zählten nicht.
"Ich hatte auch gar nicht vor noch zurückzugehen", murmelte er verschmitzt und drückte Blake einen Kuss auf die Nase auf, automatisch rot werdend. Es war ihm ja nicht einmal peinlich oder so, die Nähe zu Blake war nur einfach viel zu schön, um nicht dabei zu erröten. Bereitwillig ließ er sich von dem anderen mit ins Schlafzimmer ziehen, streifte schnell die nervigen Schuhe ab, sodass er es sich auf dem Bett richtig bequem machen konnte. Glücklich rutschte er etwas näher zu Blake heran, nach seinen Händen greifend und mit seinen Fingern herumspielend. Bei den Worten des anderen hielt er jedoch mit großen Augen inne, die immer größer wurden, bei jedem Wort, das über die Lippen des Größeren kamen. Er spürte, wie er immer unruhiger wurde, konnte Blake etwa Gedanken lesen? Hatte er mitbekommen, dass Julian sich nur danach sehnte, dass er den entscheidenen Schritt tat?Er konnte es gar nicht abwarten auf seine Frage tausendmal Ja zu antworten, aber er ließ ihn erst einmal richtig ausreden, bevor er sich auf ihn stürzte, die Arme um seinen Hals schlang und ihm einen langen, innigen Kuss gab.
"Natürlich will ich dein Freund sein, ich....ich hatte schon gehofft, dass du mich das fragst", gestand er mit einem erleichterten Lachen.
"Mein erster richtiger Freund", hauchte er glücklich und ein leichter Schauer ging über seinen Rücken, als Blake durch seine Haare strich. Er liebte es, wenn er das tat, er war wie eine Katze und hätte am liebsten laut zu schnurren angefangen, sodass sein Freund nie wieder damit aufhörte. Es fühlte sich so natürlich und richtig an, Blake sofort als seinen Freund zu bezeichnen, als wenn das Wort nur darauf gewartet hätte endlich benutzt zu werden. Die Röte in Julians Gesicht stieg erneut an, als Blakes Hände unter sein Shirt fuhren. Es war ja nicht so, dass er solche Berührungen nicht gewohnt wäre, aber wenn er sonst so angefasst worden war, war das rein geschäftlich gewesen. Dieses Mal waren wirklich echte Gefühle im Spiel, dieses Mal wollte Julian es, aus tiefstem Herzen. Auch, wenn er im ersten Moment ein wenig zögerte, der Größere würde all die Narben und kleinen Wunden zu sehen bekommen, die man ihm in den letzten Jahren zugefügt hatte, ob ihm das gefallen würde? Aber dennoch, es war kein Grund ihn abzuweisen, und er nickte bedacht mit dem Kopf, half ihm sogar dabei das lästige Kleidungsstück loszuwerden. Klar, er hatte schon oft darüber phantasiert, mit Blake intimer zu werden, aber jetzt, da es wirklich so weit war, packte ihn doch die Aufregung. Und das, obwohl er so viel Berufserfahrung hatte.
"Mehr als nur okay.....Darauf warte ich doch schon die ganze Zeit", wisperte der Blondschopf und blickte Blake aus treuen Augen an. Seine Hände wanderten ebenfalls vorsichtig unter das Oberteil des Dunkelhaarigen, tasteten über die angenehm warme Haut. Er ließ Blake gerne die Oberhand, ließ sich von ihm auf die Matratze drücken und mit Küssen übersäen, auch wenn er im ersten Moment Angst hatte, die frischen Brandwunden könnten Blake stören. Aber stattdessen küsste er sie sogar. Bei so viel Verständnis wurden seine Augen tatsächlich ganz feucht.
"Das bedeutet mir sehr viel, aber, Blake, du weißt, dass ich genauso über dich denke, oder? Ich wollte immer nur dich und jetzt kann ich dich haben, das.....ist einfach unglaublich toll. Geh nie wieder weg, ja?"
Fest klammerten sich seine Arme um den schmalen Körper des anderen. Er hatte sie gespürt, die kleinen und größeren Narben, die Blakes Tattoos gut vor neugierigen Blicken bewahrten. Er war genauso kaputt, und trotzdem war er so hübsch und toll, dass Julie verrückt werden könnte. Er half Blake aus seinem Oberteil, warf es achtlos beiseite, bevor er sich ganz dem nackten Oberkörper widmete, vorsichtig mit seinen Lippen hinüber fahrend. Er hoffte, dass seine Locken ihn nicht kitzelten, während er umsichtig jeden Zentimeter Haut schmeckte, die Wärme und die Nähe genoss. Mit lautem Herzklopfen ließ er seine Finger zu Blakes Hosenbund wandern und öffnete den Knopf sowie Reißverschluss. Der Größere protestierte wirklich nicht, das alles war also kein Traum und keine Einbildung, sodass Julian mit etwas gestärktem Selbstvertrauen die Jeans von Blakes Hüften schob. Immer wieder suchte er die warmen Lippen, sie gaben ihm ein gutes Gefühl, gaben ihm Selbstvertrauen, was er niemals für möglich gehalten hätte, aber es war da, sodass er sich wirklich traute, seine Hand unter Blakes Boxershorts zu schieben, sein Glied langsam hinausziehend und es leicht massierend. Er kannte die Handgriffe und Tricks zwar alle, aber bei dem Dunkelhaarigen war es dennoch etwas anderes, es war wichtiger denn je, dass er alles richtig machte und so angenehm wie nur möglich für seinen Freund.
"Es ist okay, wenn ich ein bisschen nervös bin, oder?" wisperte er nah an Blakes Ohr und blickte ihn entschuldigend an. Er war sich nicht sicher, wie Blake es gerne haben wollte, er konnte nur sagen, was ihm gefallen würde und hoffen, dass es mit den Wünschen des anderen übereinstimmte.
"Ist es okay für dich, wenn du toppst?", fragte er freiheraus und in die blauen, unschuldigen Augen trat kurz ein Ausdruck von Lust, dass es fast verboten erschien. Nur, weil er sonst auch immer den passiven Part übernahm hieß das nicht, dass er diese Position nicht auch wirklich genoss! Er war erleichtert, als er Blakes Zustimmung bekam, drückte ihn ein wenig nach oben, sodass sie die Plätze wechselten. Julian hielt sich nicht lange mit der schlanken Brust des anderen auf, ließ seine Lippen hinunter wandern und legte sie um das bereits leicht erregte Glied. Er konnte einfach nur hoffen, dass seine Bewegungen Blake gefielen, seine Laute sprachen jedenfalls dafür. Seine Zunge fuhr fordernd über den Schaft, saugten leicht daran, während er merkte, wie Blakes Glied immer härter wurde und er selbst immer aufgeregter und nervöser. Vorsichtig ließ er von dem anderen ab, immerhin wollte er nicht, dass er jetzt schon zum Erguss kam und blickte Blake fragend an.
"Kondome?"
Ganz sicher hatten sie beide immer eins dabei, aber Blake hatte seines schneller in seiner Jeanstasche gefunden und der Lockenkopf schnappte schnell danach, stülpte es geübt über die Erektion seines Freundes.
"Du weißt, dass ich dir absolut vertraue und dass ich irgendwie von diesem Moment träume seit ich dich das erste Mal gesehen habe, ja? Ich hab beschlossen, dass du mein erstes richtiges Mal bist", schloss er und richtete einen festen Blick auf seinen Freund. Immerhin war der Rest nur irgendwelche Freier gewesen. Fordernd legte er sich zurück auf die Matratze, zog Blake ein wenig zu sich herunter, die Hände in seinem Nacken verschränkt, während er ihn innigst küsste.
"Du bist das Beste, was mir je passiert ist", hauchte er nah an seinem Ohr und lächelte zufrieden, bevor er seine Beine ein wenig für seinen Freund spreizte, das laute Pochen seines Herzens ignorierend. Es klang so laut, dass selbst Blake es sicher hören musste.

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Di Sep 17, 2013 12:58 am

Er hatte also doch nicht mit seiner Vermutung falsch gelegen, dass Julian es vielleicht anders sah als er selbst und dass sie vielleicht gar nicht irgendwie dazu bestimmt waren ein Paar zu sein, denn das war ohnehin purer Blödsinn, immerhin konnten sie gar nicht besser zueinander passen und wenn nicht sie bestimmt waren zusammen zu sein, dann war es wohl keiner.
Blake konnte gar nicht mehr aufhören breit zu grinsen, zwar war der Kleinere nicht sein erster Freund gewesen und dennoch fühlte es sich so an, als ob er der erste richtige Freund war, jemand, mit dem man sich vorstellen konnte lange zusammen sein zu können, vielleicht sogar für eine viel längere Zeit als den beiden in diesem Moment bewusst war. Aber vielleicht sprach auch nur sein Verliebtsein aus ihm, er wusste es nicht so genau und eigentlich war es doch auch egal, nur dieser Moment spielte eine Rolle. Der Dunkelhaarige fragte sich wirklich wie sie es so lange geschafft hatten, nicht übereinander herzufallen- klar, wenn man jeden Tag mit Sex zu tun hatte und damit auch sein Geld verdiente, konnte man schnell das Interesse an solchen Dingen verlieren oder gar den Spaß, doch das hier war anders, es war kein Job, hier ging es nicht um ein paar dreckige Scheine, die man bekam, weil man den Schwanz eines fremden, alten Kerls in den Mund nahm, oh nein, das hier war freiwillig, gewollt und basierte eindeutig auf Gegenseitigkeit, es war einfach anders und kein anderer Mensch auf dieser Welt würde den Unterschied jemals verstehen können, wenn er nicht gerade selbst davon betroffen war. Nicht selten versuchte der Tätowierte anderen Menschen klarzumachen, dass sein Stricherdasein ganz und gar nichts mit dem privaten Leben außerhalb zu tun hatte und nur, weil er so häufig mit seinen Kunden vögelte, hieß dies auch nicht, dass er sich jedem anbot und man jederzeit mit ihm überall Sex haben konnte oder gar, dass er es jedes Mal unglaublich geil fand. Aber das waren Probleme, mit denen sich jeder Stricher wohl beschäftigen müsste, die Klischees und die Abwertung zu einem willigen Stück Fleisch, das man für jeden Preis bekommen konnte. Doch jetzt war kein guter Zeitpunkt um sich über all dies Gedanken zu machen, viel lieber widmete der Ältere sich seinem Freund und es fühlte sich so großartig auch nur eine Sekunde daran zu denken, dass er sein Freund war, dieses Wort sich immer wieder durch den Kopf gehen zu lassen. Ja, Julie war sein Freund und daran würde sich eine ganze Weile lang nichts ändern.
Die Worte des kleineren entlockten ein weiteres, sanftes Lächeln, das sich auf seine schmalen Lippen stahl, während er den Jungen betrachtete, langsam nickend. „Ich werde nie weggehen, versprochen.“, hauchte er dem Lockenkopf entgegen, im nächsten Moment seine zarten Lippen kostend. Wo sollte er auch hin und vor allem- wieso sollte er die einzige Person, die ihm nach so vielen Jahren des Misstrauens und des Alleinseins sehr wichtig geworden war, einfach so verlassen?! Oh nein, er würde bei ihm bleiben, so lange, bis es er ihm auf die Nerven ging und der Jüngere gar keine Lust mehr auf den Stricher hatte, doch bis dahin genoss er jede Sekunde, die sich ihnen offenbarte, jeden noch so klitzekleinen Kuss oder jedes verträumte Blinzeln, das nur ihm galt. Er genoss die sanften Berührungen des anderen auf seiner Haut, half ihm dabei sein Shirt endgültig vom Körper zu reißen, sodass beide zumindest gleich nackt waren. Sie waren wohl beide nicht sonderlich vom Schicksal begünstigt gewesen, trugen genügend Narben und Wunden am Körper, die auf ein alles andere als glückliches Leben hinwiesen, doch das machte es ihnen nicht schwieriger für die beiden, sodass sie plötzlich anders miteinander umgehen würden, oh nein, ganz im Gegenteil glaubte Blake fest daran, dass es sie vielleicht sogar noch enger zusammenschweißen würden, dass sie sich noch näher stehen würden als ohnehin schon. Außerdem dachte er lieber anders über all die Male auf seiner Haut, anstatt sich an die Augenblicke zurückerinnern zu müssen, weswegen sie erst entstanden waren. Sein Bruder hatte wenigstens einen guten Job gemacht und sie gut mit bunter Tinte verdeckt.
Der Ältere konnte kaum von den Lippen seines Freundes ablassen, ertastete dabei jeden einzelnen Zentimeter seiner Haut, ganz beiläufig die Finger zum Bund seiner Hose gleiten ließ, mit geschickten Griffen den Jüngeren seiner Jeans entledigend, ehe dieser das Gleiche bei ihm machte, Blake sich auf die Matratze niederließ, sich ein wenig zurücklehnend. Eigentlich wollte er weitermachen, immerhin wusste er wie es mit Julian und seiner Schüchternheit stand und dass, wenn es nicht gerade ein Kunde war, eine ganz andere Sache war solche Dinge bei Menschen zu tun, die man wirklich gern hatte, doch der Blondschopf schien für eine Überraschung gut zu sein, hatte anscheinend genügend Selbstvertrauen in den Knochen, dass er seine Hand unter die Boxershorts des Tätowierten schob. Der Dunkelhaarige stieß ein lustvolles Seufzen aus, als sich die Finger des Anderen um sein Glied legten, anschließend begannen, es zu massieren. Es fühlte sich so gut an, dass er für einen Moment alles um sich herum vergaß, sich ganz von den Berührungen einnehmen ließ, die sich so viel besser anfühlten als irgendwelche Runterholaktionen von seinen Freiern, er hatte nicht einmal die Nervosität des Jüngeren bemerkt, sodass er einen kurzen Moment lang mit hochgezogenen Augenbrauen anblickte, anschließend schmunzelnd. „Mehr als okay…ich bin auch irgendwie, naja, nervös.“, gestand der Kurzhaarige mit leiser Stimme, fuhr mit den Fingern sanft über die blonde Lockenpracht. Es war nicht einmal gelogen- das Herz schlug heftig gegen sein Herz und der Puls schien sich um das Dreifache beschleunigt zu haben, dabei war dies doch nur Sex, etwas, was sie bereits wie Profis beherrschen müssten! Aber Blake wusste nicht, was sein Gegenüber wirklich mochte, wie er ihn zufriedenstellen würde und ob er überhaupt Spaß mit ihm haben könnte- all diese Fragen kreisten in seinem Kopf und brachten ihn noch ganz um den Verstand, abgesehen von der ansteigenden Lust im Inneren, sodass sein ganzer Körper heftig kribbelte. Julians nächste Worte ließen den Größeren im Inneren erleichtert aufatmen, nicht, weil er unglaublich gerne und ausschließlich nur die aktive Rolle übernahm, sondern, weil ihm so wenigstens klar wurde, was der Andere am liebsten von ihm gewollt hatte, sodass er sich keine große Zeit ließ und auf die Frage nickend einwilligte, seinen lustaufgeladenen Blick erwidernd, ehe er hastig seine Lippen suchte, vorsichtig seine Zunge in den Mundinnenraum hineinschob, erst von Julie abließ, als ihnen die Luft knapp wurde. Seine Augen weiteten sich, als der Norweger seinen Weg weiter hinunter anbahnte. Er konnte die Zunge, die warmen Lippen, die sich um sein Glied legten, spüren, konnte dabei nicht anders als ein dunkles Stöhnen nach dem Anderen über seine Lippen gleiten lassen, während er genüsslich den Kopf in den Nacken legte, sich mit einer Hand in den blonden Strähnen des Lockenkopfs vergrub, wenn auch vorsichtig, immerhin wollte er ihm nicht so schnell wehtun. Es war zum verrückt werden, wie schnell sich die Ekstase in seinem Körper ausbreitete, die Lust immer schneller und stärker in seiner Brust anschwoll, dass er glaubte, frühzeitig seinen Orgasmus erleiden zu müssen, doch Julian ließ rechtzeitig von ihm ab und Blake zog ihn näher zu sich heran um ihn stürmisch und lang zu küssen, bis er keuchend nach Atemluft rang, den Kleineren wieder loslassend. „Ah, Moment!“, erwiderte die Stimme des Strichers, schnell seine noch auf dem Bett herumliegende Jeans zu sich ziehend, hastig ein verpacktes Kondom aus den Taschen fischend, ehe das Kleidungsstück ganz auf den Fußboden fiel, er es mit einer geschickten Handbewegung den Norweger zuwarf. Blake wollte gar keine Zeit mehr verlieren, er wollte Julian, er wollte ihn jetzt und er hatte absolut keine Zweifel daran, dass es vielleicht zu früh für die beiden war!
Die Stimme des Blondschopfes erfüllte schnell wieder das kleine Schlafzimmer und erwärmte regelrecht das Herz des Älteren- er hätte nie gedacht, dass jemand so viel Vertrauen in ihn legte und dass er wirklich jemanden so viel bedeuten könnte, besonders, dass Julian tatsächlich bereits seit Längerem von diesem Mal träumte. „Ich wollte es auch schon seit so langer Zeit…ich werde dafür sorgen, dass dieses erste richtige Mal auch das Beste für dich wird, da gebe ich dir mein Wort.“, entgegnete der Dunkelhaarige mit leiser Stimme nah an Julians Ohr, ihn ernst anblickend. Wenn der Lockenkopf ihm vertraute, dann würde der Größere das Selbe tun und wieso denn auch nicht, wahrscheinlich würde er sogar seine Hand ins Feuer legen oder sich ganz in die brennenden Flammen schmeißen, wenn es um den Kleineren ging, immerhin war er alles, was er noch irgendwie hatte, auf wen er wirklich zählen konnte. Blake erwiderte den Kuss des Anderen, fuhr mit seinen Händen um den schmalen Oberkörper. Seine Worte bereiteten ihm Gänsehaut, jedoch angenehme, die man so selten zu spüren bekam. Meinte Julian das wirklich ernst? Der Ältere konnte seine Worte kaum glauben, er hätte nie gedacht, dass jemand so über ihn denken könnte, dass er so einen wichtigen Teil im Leben eines Individuums einnehmen konnte, sodass er den Kleineren einen Moment lang sprachlos in die tiefblauen Augen blickte, im nächsten Moment jedoch erneut seinen Mund auf die Lippen seines Gegenübers pressend. „Und du bist alles, was ich mir je gewünscht habe…und noch so viel mehr.“, erwiderte er sanft, den Kleineren liebevoll anlächelnd, ehe seine Finger sanft die Oberschenkel des Blondschopfs massierten, seine Beine noch ein wenig weiter auseinanderdrückten. Er warf ihm einen letzten fragenden Blick zu, ihm signalisierend, dass er bereit war, anschließend langsam und vorsichtig in Julian eindringend.
Es fiel ihm nicht schwer, immerhin war es nicht so, dass sie lange keinen Sex mehr gehabt hatten, und dennoch bewegte sich sein Unterleib nur langsam, vorsichtig, dabei die Regungen im Gesicht des Norwegers genau beobachtend, auch wenn ihm oft selbst die Züge entglitten, lustvolles Stöhnen seiner Kehle entwich. Schnell beugte sein Körper sich um den schmalen des Jüngeren, ertastete mit den Lippen jede Stelle seines Halses, jedoch nur dort verräterische Male hinterlassend, wo Michael sie nicht sehen konnte, es sei denn er zog dem Kleineren sein Shirt aus, während er noch ein wenig tiefer in ihn eindrang. Es war verrückt, Worte konnten nicht beschreiben wie gut es sich in diesem Augenblick anfühlte, es war so anders, so viel besser als der zahlreiche Sex mit fremden Männern, denn so schön und gut bestückt sie auch sein mochten, sie kamen immer noch nicht gegen diese Erfahrung an, gegen den Moment, wenn man mit einem Menschen schlief, der einem auch wirklich viel bedeutete, wenn einfach mehr im Spiel war als eine schnelle Nummer, ein bisschen Spaß für eine halbe Stunde, hier ging es ihnen nicht dabei, die Zeit schnell herumzukriegen, niemand musste seinen Stress und den Druck im Inneren ablassen, seine Perversionen und Fetische auslassen, die man sonst nur unterdrücken musste- sie waren frei, ganz frei und das machte es so viel besser, dass Blake etwas schneller zustieß, sich noch enger gegen den schmalen Leib seines neuen Freundes presste, während seine Hand langsam zum Schritt des Norwegers wanderte, vorsichtig sein Glied ertastend und es im Rhythmus seiner Stöße massierend. „Oh Gott, Julie…“, presste der Größere zwischen seinem Stöhnen keuchend hervor, ehe er ihm einen wilden Kuss auf die Lippen drückte, bei einer weiteren Welle der Lust jedoch schneller von ihm ablassend. Es hatte nicht lange gedauert, bis der ganze Raum erfüllt von lustvollen Lauten war, die sich ineinander vermischten, ein Glück, dass niemand zu Hause war, doch selbst wenn jemand hier gewesen wäre, hätte Blake sich wahrscheinlich nicht gezügelt- jeder sollte erfahren wie großartig Julian war, wie viel besser jede Sekunde, jede Bewegung war und wie sehr beide es genossen.

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Fr Sep 20, 2013 6:21 pm

Julian zweifelte eigentlich absolut nicht daran, dass Blake dieses Mal zu etwas Besonderem machen würde, etwas, woran er sich auch wirklich gerne erinnerte. Schließlich war der Maßstab bei Julian auch nicht besonders hoch gesetzt, bis jetzt hatte er Sex noch nie genossen. Noch dazu war es wohl das erste Mal, dass Julian mit jemandem Sex hatte, der auch annähernd in seinem Alter war. Er war noch so jung, und irgendwie hatte ihm seine Erfahrung gezeigt, dass Kerle in seinem Alter kein Geld für einen Stricher ausgaben. Also hatte Blake ehrlich gesagt nicht einmal hohen Erwartungen gegenüberzutreten. Der Lockenkopf glaubte sowieso nicht, dass der andere ihn enttäuschen könnte. Es war immerhin Blake! Blake, von dem er immer fantasiert hatte, er würde ihn beachten, von dem er kleine, schmutzige Vorstellungen gehabt hatte, die er ihm niemals offenbaren wollte, weil es einfach viel zu peinlich gewesen wäre. Blake, der sein Herz einfach höher schlagen ließ. Wie könnte der Sex mit ihm nicht gut sein? Wenn sie andersherum miteinander geschlafen hätten, hätte die Sache sicherlich anders ausgesehen, immerhin war Julian ein hoffnungsloser Anfänger wenn es darum ging selbst jemanden zu vögeln, und vermutlich hätte er sich in seiner Nervosität furchtbar blöde angestellt, aber zum Glück war das eine Baustelle für ein anderes Mal, denn der Norweger hatte ja schon mitbekommen, dass der Dunkelhaarige anscheinend einer der Stricher war, die ihre Freier auch mal selbst vögeln durften, also würde er wohl Erfahrung haben und wissen, wie es ging. Generell fiel es Julian schwer sich vorzustellen, dass es etwas geben könnte, bei dem Blake sich irgendwie blöd oder peinlich anstellte. Vermutlich war das nur seine blöde Art und Weise, andere Personen zu glorifizieren, aber Blake war für ihn einfach makellos. Es war verrückt, wie Julian sich auf der einen Seite bei ihm so sicher fühlen konnte und auf der anderen Seite so nervös war, weil seine große Liebe gleich Dinge mit ihm anstellen würde, die er sonst nur als unangenehme Arbeit empfunden hatte. Es machte ihn regelrecht nervös, sodass er auf einmal ganz fahrig wurde und ein wenig seiner Selbstsicherheit wieder verlor. Gut, dass Blake da war, um ihn ein wenig zu beruhigen. Die warmen Hände und Lippen, die über seinen Oberkörper wanderten ließen seine Atemzüge wieder gleichmäßig werden und er schloss genießend die Augen, ließ die Worte des anderen Strichers auf sich einwirken. Nun begann sein Herz aber wieder ordentlich zu pochen! Er hätte nie damit gerechnet, dass jemand so tiefe Gefühle für ihn empfinden könnte. Zuneigung ja, Freundschaft sicher auch, aber dass ihn jemand für so wichtig erachtete? Es war zumindestens genau das, was Julians angekratztes Selbstvertrauen jetzt gebraucht hatte. Er strahlte den anderen breit an und war für einen Moment so abgelenkt von seiner Freude, dass ihn nicht mal mehr der bevorstehende Sex nervös machte, sondern er nur bekräftigend nickte, als er Blakes fragenden Blick bemerkte. Er spürte, wie man seine Beine noch ein wenig weiter auseinander drückte, dann merkte er auch schon, wie sein Freund in ihn eindrang. Wirklich schmerzhaft war es nicht, dafür war er in letzter Zeit zu oft mit Freiern beschäftigt gewesen, aber es war trotzdem so ein anderes Gefühl, so viel besser und schöner. Der Körper, der sich über ihm aufbäumte und langsam seine Wärme an ihn weitergab war kein Fremder, kein alter Kerl, dessen Namen Julian nach fünf Minuten schon wieder vergessen hatte. Es war jemand, an den er sich nur allzu gerne klammerte. Seine Beine schlangen sich um die Hüfte des Größeren und sofort fuhren seine Hände haltsuchend zu seinem Rücken. Obwohl Blake vorsichtig vorging spürte der Lockenkopf schnell die Lust in jeder Pore seines Körpers, biss sich nur für die ersten paar Augenblicke auf die Unterlippe, aber sobald er auch von dem Älteren tiefes Stöhnen hören konnte, wollte er sich selbst ebenfalls nicht mehr zurückhalten und ließ seinen Geräuschen freien Lauf. Er hätte nie gedacht, dass Sex so angenehm und toll sein konnte, wenn man ihn mit jemandem hatte, den man gut leiden konnte. Es war fast so, als wenn er vorher niemals Sex gehabt hätte, als wenn all diese lieblosen Male ihm gar nichts beigebracht hätten darüber, wie Sex wirklich war.
"Oh Gott, das ist wirklich mein erstes Mal", presste er keuchend hervor und presste die Augen zusammen, allerdings nicht lange, denn Blake hatte es verdient, dass der Norweger bei jeder Sekunde an seinem Gesicht klebte, jede seiner Regungen beobachtete. Hoffentlich war es für den anderen ebenso gut wie für ihn, es bestand immerhin noch die Möglichkeit, dass er selbst gar nicht so spannend oder angenehm war, egal, wie sehr er es auch versuchte. Aber der Blondschopf hoffte einfach, dass die Töne, die er von sich gab, die Wahrheit erzählten. Jeder Zentimeter, den er nur zwischen sich und Blake ergattern konnte war ein guter Zentimeter, seine Arme schlangen sich eng um den schmalen Körper, fuhren wie elektrisiert über jeden Wirbel und vorsichtig auch über jede feine Narbe. Julians Lippen suchten immer wieder die des Dunkelhaarigen, seine Zunge suchte immer wieder den Weg an den hellen Zähnen vorbei oder aber er zog an seiner Unterlippe, in die er fast hineingebissen hätte, als die Finger des Dunkelhaarigen auch noch zu seinem Glied wanderten. Es war tatsächlich wie ein erstes Mal, als wenn er vorher nie wirklich Sex gehabt hätte, denn bei seinen Freiern war er selten zum Orgasmus gekommen oder es war nicht annähernd so intensiv und lustvoll gewesen wie jetzt bei Blake. Das ließ ihn tatsächlich all die Sorgen des Alltags vergessen, die ganzen Schwierigkeiten und Probleme, vor denen er sonst immer stand, alles wirkte so nichtig, wenn er bedachte, dass es zwischen ihm und dem Älteren jetzt immer so sein konnte. Immerhin waren sie ein Paar, ganz offiziell, und als Paar konnten sie miteinander schlafen wann sie wollten. Julians Körper zitterte bei dem Gedanken, aber auch, weil Blake ihn immer heftiger durchschüttelte. Er legte stöhnen den Kopf in den Nacken und grub seine Fingernägel tief in den Rücken des anderen.
"Du machst mich verrückt", ächzte der Lockenkopf atemlos. Er fühlte sich ein wenig schlecht, dass er sich so sehr an den Rücken des anderen krallte, sicherlich tat es weh, aber er konnte sich kaum unter Kontrolle halten. Seine anderen Freier wollten keine so offensichtlichen Spuren auf sich, und meistens war es für den Norweger auch nicht spannend genug, als dass er sich so bei ihnen hätte benehmen müssen. Es war wirklich gut, dass Blakes Mitbewohner außer Haus waren, Julian wäre es schon irgendwie unangenehm gewesen, wenn sie ihn alle so gehört hätten. Klar gehörte Sex zu ihrer aller Alltagsleben und es verlor nach einer Weile auch seine Scham und seinen Tabugeruch, aber das hier war kein Sex mit Freiern und Julian wollte auch gar nicht erst damit anfangen es so zu haben. Das hier war privat und nur für ihn bestimmt, Blake war nur für ihn bestimmt und er genoss diese Privatsphäre, dass er sich gehen lassen konnte und sein Stöhnen und Keuchen nicht einmal spielen musste. Gierig reckte er den Hals nach dem Größeren, suchte seine Lippen so oft es ihm nur möglich war. Er merkte, wie schnell er seinem Höhepunkt näher kam und für einen Moment stieg die Angst und Unsicherheit in ihm, ob er viel zu früh kam, weil er so furchtbar aufgeregt war und Blake so eventuell ihren Sex verdarb, aber an dem lustverzerrten Gesicht des anderen konnte er sehen, dass er wohl ähnlich erregt war und sie einigermaßen gleichzeitig zum Höhepunkt kamen. Der Blondschopf hatte sich nur kurz erlaubt, die Augen zusammen zu pressen, eigentlich wollte er Blake die ganze Zeit im Auge haben, seine Gesichtsregungen sehen können, den Blick in seinen blauen Augen, ob es ihm wirklich gefiel, oder ob er sich Mühe gab es vorzutäuschen, aber er vertraute dem Dunkelhaarigen und seinem eigenen Gefühl. Er merkte, wie der schlanke Leib auf ihm zusammensackte, aber für einen Moment machte ihm das gar nichts aus, er war selbst viel zu aufgeladen und aufgehitzt von ihrem ersten Mal, dass erst einmal die Hitze seinen Körper verlassen und er zu Atem kommen musste. Atemlos strich er über Blakes Rücken, ihn überwältigt anblinzelnd, bis er ein wenig von ihm wegrückte. Vermutlich wollte er ihm nur etwas Luft zum Atmen geben oder die Hitze etwas reduzieren, aber der Norweger wollte gar nicht mehr von ihm lassen. Für einen kurzen Moment hatte er sogar Angst, Blake würde Abstand von ihm wollen, so widersinnig der Gedanke auch war, und er klammerte sich automatisch und in Sekundenschnelle an ihm fest. Sein Gesicht drückte sich an die verschwitzte Brust, während seine Arme sich um seine Taille schlangen und er sich enger an ihn zog.
"Das war unglaublich toll", murmelte er dumpf gegen seine Brust, bevor er den Kopf wenigstens so weit anhob, dass er Blake in die Augen blicken konnte. Jetzt, wo alle kurz hatte sacken können, kam es ihm umso unrealer vor, dass er gerade wirklich mit Blake geschlafen hatte. Die Erkenntnis ließ ihn mit einem Schlag wieder puterrot um die Nase werden und er stieß einen leises Fiepsen aus.
"Wir hatten wirklich gerade Sex", stieß er beinahe ungläubig aus und vergrub sein Gesicht wieder an Blakes Brust.
"Ich hatte Sex mit Blake", murmelte er fassungslos zu sich selbst, bevor er sich noch enger an ihn klammerte. Es war wie ein Traum, der wahr geworden war, wer träumte immerhin nicht davon, mit seinem Schwarm zu schlafen? Und doch packte ihn eine gewisse Unsicherheit, immerhin hatte er Angst, dass er vielleicht nicht gut genug gewesen war, dass es für den anderen gar nicht so ein Höhenflug gewesen war. Womit hatte er das bloß verdient? Nur langsam löste der Kleinere sich etwas von Blake, damit er ihn besser ansehen konnte, aber der Rotton in seinem Gesicht wollte partout nicht weichen.
"War........War ich denn okay?", fragte er etwas heiser und schämte sich im nächsten Moment schon ein wenig für diese Frage. Eigentlich fragten nur dumme Idioten so etwas, die Bestätigung brauchten, aber Julian hatte Angst, dass er für Blake überhaupt nicht interessant sein könnte. Immerhin konnte man wirklich Pech haben, sich noch so gut verstehen und dennoch war der Sex mies. Was, wenn es bei ihnen auch so war?! Wenn Julian schon viel zu.....naja, abgegriffen war, als dass man mit ihm noch richtig angenehmen Sex haben könnte?
"Tut mir leid, dass ich sowas Doofes frage.....Ich will einfach nur perfekt für dich sein", wisperte der Kleinere in sich hinein und blickte Blake aus großen Augen hoffnungsvoll an.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Sep 23, 2013 12:04 am

In ihrem Job geschah es so selten, dass der Sex zu etwas ganz Besonderem wurde, ja dass man ihn sogar ein klein wenig genoss und keine Sekunde wie mühselige Arbeit erschien. Umso glücklicher war Blake, dass er dem Kleineren tatsächlich solche, hoffentlich nicht gespielte, Laute entlocken konnte, dass er seine Bewegungen zu genießen schien, ohne das Gefühl zu haben, er müsste all dies tun. Die Angst, er könnte keinen guten Job leisten, hatte sich fest in seinem Inneren verankert, immerhin wollte er gut genug sein und wenn er wirklich sein erster Freund war, dann konnte er davon ausgehen, dass ihn wahrscheinlich nur wenige so gut wie eben möglich zu behandeln schienen und dass seine Sexpartner nur aus Freiern bestanden hatte. So erging es vielen hier, einige ließen sich irgendwann schlichtweg auf keinen anderen Menschen ein, alleine aus dem Wissen heraus, dass sie niemals irgendwelche positiven Gefühle zustande bringen konnten und vielleicht auch gar nicht wollten- der Tätowierte wollte gar nicht allzu lange darüber nachdenken, bei ihnen war es anders, bei ihnen war es besser und auch viel angenehmer, sodass der Ältere sich ganz gehen ließ, seine Stöße immer heftiger den schmalen Leib unter ihn zu durchschütteln schienen, während er immer wieder die Lippen des Kleineren suchte, immer wieder die Zunge sanft an seinen Zähnen vorbeischob, nur um voreilig von ihm abzulassen, als eine weitere Welle der Lust den vernarbten Körper übermannte und ihm schier den Verstand raubte. Mit einem Fick für Geld konnte er all dies hier ganz sicher nicht vergleichen, dafür fühlte es sich so echt, so intim und vor allem so liebevoll an, dass er sich wünschte, er müsste nie wieder mit einem anderen Mann schlafen, nicht aus Angst, Julian könnte plötzlich eifersüchtig auf ihn sein, immerhin steckten beide in dem selben Teufelskreis fest und niemand konnte sie besser verstehen, niemand würde jemals eine Beziehung mit Menschen wie ihnen eingehen, mit dem Wissen, dass sie nebenbei noch mit anderen Typen ins Bett stiegen, ganz gleich ob bereit- oder widerwillig- nein, Blake hatte einfach kein Verlangen mehr nach dieser ins Nichts führende Arbeit, er hatte keine Lust irgendwelches schmutziges Geld Tag für Tag in seinen Hosentaschen verschwinden zu lassen, seinen Hintern ein wenig anzuheben, damit eine verzweifelte Gestalt für wenige Minuten seinen Spaß hatte. Besonders jetzt war ihm wieder einmal bewusst, wie sinnlos ihre Tätigkeiten doch waren und wie schöner das Leben doch wäre, wenn sie nur sich hätten, wenn sie auf ewig zusammenbleiben würden, wenn ihre Geldquelle an einem ganz anderen Ort fließen würde. Doch um diesen Traum zu verwirklichen, würden beide wohl einen langen und vor allem harten Weg gehen müssen, das war dem Dunkelhaarigen bewusst.
Der Größere verzog sein Gesicht, als die Nägel des Blondschopfs sich in seinen Rücken bohrten, grinste ihn jedoch schnell im nächsten Moment wieder breit an, ihm zur Bestätigung, dass es ihm nicht missfiel, einen wilden Kuss auf die weichen Lippen hauchend. Freier durften das nicht tun, er hatte seine eigenen Regeln, mit diesen Männern umzugehen und wenn einer glaubte, er würde ihm mit Beißen oder Kratzen einen Gefallen tun, hatte er sich geschnitten und wenn jemand seine Regel missachtete, so wurde prompt das Geld eingesteckt und die Hose bis zum letzten Knopf zugeknüpft und man ließ die Arme Seele mit seinem Ständer alleine- Michael hatte ihm hin und wieder schon ein blaues Auge wegen seines Verhaltens verpasst, doch Blake hasste Gewalt von Fremden, er hasste es einfach, wenn Spuren auf seinem Körper hinterlassen wurden von Menschen, die er nicht liebte, denen er keine Zuneigung zeigen wollte- er wollte ihre Spuren nicht, er wollte diese Erinnerungen nicht, bei dem Norweger hingegen war es etwas anders. Er war ihm wichtig, er mochte ihn und er wollte auf ewig an ihn und ihr erstes Mal erinnert werden, Julian hätte ruhig noch fester seine Nägel ins Fleisch graben können, es hätte ihn nicht einmal gestört. Der Schmerz floss wie Zucker durch seine Adern und irgendwie gefiel er ihm auf einer ganz eigene Art und Weise, so sehr, dass er seine letzte Kraft zusammennahm, sein Becken noch fester gegen das Unterleib seines Freundes stieß, dabei auch seine Erektion fester zudrückend, zufrieden die Gesichtsregungen des Kleineren betrachtend, ehe sich seine Lippen, unterbrochen vom lauten, lustverzerrten Stöhnen und Keuchen, jede nackte Stelle des schwitzenden Oberkörpers mit sanften Küssen benetzte. „Nein...du machst mich verrückt.“, hauchte er dem Lockenkopf keuchend ins Ohr, ihn schief anlächelnd. Es war wirklich erstaunlich, wie unfähig der Stricher war, von ihm abzulassen, einen Zentimeter Luft zwischen ihren schwitzenden, angespannten Leibe zu lassen, stattdessen presste er sich nur noch enger gegen den schlanken Körper, genoss die Laute, die sein Zimmer erfüllten, froh darüber, dass sie niemand anderes hören konnte, dass sie ganz allein für die beiden bestimmt waren.
Selten hatte Blake den Sex so sehr genossen, jede Bewegung so zelebriert und jedes Stöhnen, das über seine Lippen glitt, so ehrlich gemeint und warum sollte er den Jüngeren auch anlügen, immerhin waren sie nun ein Paar und man würde sich sicherlich nicht bereits am Anfang etwas vorlügen, sodass er der festen Überzeugung war, dass auch Julian die ekstatischen Laute von sich gab, weil er nicht anders konnte und nicht aus einer Verpflichtung ihm gegenüber. Der Tätowierte spürte, wie er unmittelbar vor seinem Höhepunkt stand, es schien schier unmöglich zu sein, ihn noch länger hinauszögern zu können und er hoffte, dass es dem Blondschopf nicht anders erging, als er noch einige letzten Male heftig zustieß, anschließend den erlösenden Orgasmus erreichend, beinahe zeitgleich mit seinem Freund. Für einen Moment lang verkrampften sich seine Muskeln, Blake stieß ein letztes Mal ein dunkles, langgezogenes Stöhnen aus, als sein Körper auch erschöpft auf den des Anderen sank, er ihn keuchend mit einem breiten Lächeln betrachtete. Die Hitze schien das ganze Zimmer erhitzt zu haben, zumindest fühlte es sich im ersten Moment so an, als der Dunkelhaarige versuchte zum Atem zu kommen, während er gedankenverloren immer noch auf dem Körper des Kleineren lag und er es erst ein wenig später realisierte, hastig von ihm abrutschte, dabei das Kondom vorsichtig abziehend, es am Ende verknotend und achtlos auf den Boden werfend, sodass es sie nicht störte. Er wollte Julian nicht mit seinem Leib noch irgendwie erdrücken, oder die Luft zum atmen wegnehmen, jedoch hieß es nicht, dass er auf seine Wärme verzichten wollte, sodass er schnell die Arme um den schmalen Oberkörper schlang, als dieser näher zu ihm heranrutschte. Bei seinen Worten konnte der Stricher nicht anders als breit zu grinsen, ihm dabei zustimmend zunickend, immerhin war es wirklich unglaublich toll gewesen, jede Sekunde, die sie damit verbracht hatten, miteinander zu schlafen, war so angenehm, dass Blake sich beinahe gewünscht hätte, der Moment hätte nie geendet. Gedankenverloren strichen seine Finger sanft über den verschwitzten Rücken seines Freundes, seiner Stimme lauschend, dabei schmunzelnd. Julie war so beflügelt, dass er ihn regelrecht ansteckte, immerhin hatten sie es wirklich gerade getan, sie hatten Sex gehabt und das auch noch miteinander und es war noch dazu guter Sex! „Und ich hatte wirklich Sex mit Julie.“, erwiderte der Größere leise lachend, vorsichtig zum Norweger herunterschauend, seine leuchtend blauen Augen suchend, in denen er sich so gerne verlor. Es war unfassbar, dass das Schicksal sie wirklich zusammengebracht hatte und dass alles so unglaublich perfekt zu sein schien, so perfekt, dass es wirklich fast wie ein Traum wirkte, sodass Blake immer noch ein wenig an der Echtheit zweifelte. Vielleicht sollte Julian darum bitten, ihn so fest zu kneifen, dass er es Tage danach spüren würde?! Vielleicht würde ihm das ja die Bestätigung geben, dass es gerade wirklich echt war und zu seinem Leben gehörte? Er würde zumindest darauf zurückkommen, irgendwann.
Die nächsten Worte des Lockenkopfs ließen den Tätowierten jedoch überrascht dreinblicken, seine Augenbrauen hatten sich fragend angehoben, wandte den Blick jedoch nicht vom Kleineren ab. „Du fragst mich, ob du gut warst? Eigentlich sollte ich das wohl eher fragen!“, entgegnete der Ältere erstaunt, schenkte Julian ein sanftes Lächelnd, dabei mit seinen Fingern sanft über seine Wange streichend, ehe er ihm einen innigen Kuss auf die Lippen drückte, seinen Geschmack in sich aufnehmend, so lange, bis ihnen die Luft ausging. „Du bist unglaublich süß, weißt du das eigentlich? Und du warst großartig, der Beste, wenn ich das einwerfen darf …und du wirst auch immer der Beste bleiben.“, hauchte er ihm leise entgegen, konnte von seinen Lippen kaum noch ablassen. „Julian, du bist perfekt für mich, alles an dir ist perfekt und mache dir deswegen doch eine Gedanken, ich will niemand anderen als dich, ich will keinen anderen küssen und ich will auch keinen anderen in meinem Bett haben…wenn ich könnte…“, er hielt einen Moment lang inne, blickte den Jüngeren mit festem Blick an. „…wenn ich könnte, würde ich diesen Drecksjob einfach ein für allemal fallen lassen und nur noch mit dir schlafen, ich will gar keinen anderen Kerl. Ich weiß, es ist irgendwie zu früh das zu sagen, aber mein Gefühl sagt es mir und ich vertraue mir und meinem Gefühl.“, Blake spürte wie sich ein leichter Rotschimmer um seine Nase gelegt hatte. Er war selten gut darin gewesen, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, um ehrlich zu sein war er meist ein wenig zu früheilig und tollpatschig damit gewesen, sodass sich auch jetzt die Angst in seinem Inneren breitmachte, er könnte es alles viel zu schnell angehen und den Lockenkopf damit vergraulen, doch besser er war ehrlich zu ihm, als dass er sich zurückhielt und es irgendwann im unpassenden Moment alles aus ihm raussprudelte, was in seinem Inneren vor sich ging. „Aber…war ich denn gut? So als dein erster Freund? Ich wollte wirklich, dass du ein gutes erstes Mal bekommst.“, unsicher schielten die blauen Augen zum Kleineren hinüber, ihn schüchtern anlächelnd, dabei seine Stirn an die seines Gegenübers anlehnend, während seine Finger sich im lockigen Haar seines Freundes vergruben. „Weißt du, du bist der Erste nach meinem Bruder, dem ich wirklich vertraue und den ich irgendwie gerne jeden Tag bei mir hätte. Ich vertraue ja bis heute meinen Mitbewohnern nicht, auch wenn sie gute Freunde geworden sind aber irgendwie, irgendwie hat mir immer jemand gefehlt aber ich glaube, ich brauche jetzt nicht mehr danach zu suchen.“, seine Lippen formten ein zufriedenes Lächeln, ehe sie sich auf den weichen Mund des Kleineren pressten, ihn dabei noch näher zu sich heranziehend. Blake war so schrecklich verliebt, dass es schmerzte, dass es ihm hin und wieder einen heftigen Stich im Herzen verpasste. Julie tat ihm gut, Julie machte ihn glücklich und ließ ihn sogar all die grauen Jahre vergessen, die er hinter sich gebracht hatte, er gab ihm einfach das, was er sich immer gewünscht hatte, sodass er wirklich hoffte, er müsste ihn niemals gehen lassen. Denn auch wenn sie noch gar nicht lange zusammen waren- er wusste bereits jetzt nicht, was er tun sollte, wenn sie nicht mehr zusammen wären, wie grau sein Leben wohl dann erscheinen würde.
„Möchtest du was trinken? Komm, ich mache uns einen Tee oder so.“, mit diesen Worten sprang der tätowierte Körper schwungvoll von seinem Bett, sich wenigstens die Boxershorts anziehend, ehe er dem Blondschopf ein weiteres, breites Grinsen schenkte, anschließend die Tür seines Zimmers aufreißend, aus dem er auch verschwand. Es war immer noch leer und leise in der kleinen Wohnung, erst der Lärm des Wasserkochers erfüllte jeden kleinen Raum um sie herum, während Blake gedankenverloren summend zwei Tassen aus dem obersten Regal fischte, dabei nicht aufhören konnte so dämlich und glücklich zu grinsen. Er war glücklich, es war ein Wunder, er war so glücklich wie lange nicht mehr. Liam wäre stolz auf ihn, er wäre auch glücklich, wenn er ihn jetzt sehen würde, wie er strahlte und grinste, sich wieder traute, vor sich hinzusummen, während Julian auf ihn wartete. Das Leben konnte manchmal wirklich gut sein.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Sep 23, 2013 11:15 pm

Julian konnte gar nicht anders als aufs Äußerste zu erröten, als Blake ihm offenbarte, dass er tatsächlich der beste Sex gewesen war, den er je gehabt hatte. War das denn wirklich die Wahrheit? Immerhin konnte er selbst nicht allzu viel tun, er lag doch eigentlich fast nur da, und trotzdem hatte es gereich, um den Dunkelhaarigen voll und ganz von sich zu überzeugen? Der Lockenkopf hatte immer noch Angst, dass Blake das vielleicht alles nur sagte, um ihm kein schlechtes Gefühl zu vermitteln, aber wenn er ihn so ansah, dann konnte er einfach nicht glauben, dass er ihn anlog. Er hätte es doch in seinen Augen gesehen, oder nicht?
"Perfekt bin ich bestimmt nicht", nuschelte er und wurde dabei rot um die Nase. Wer war schon perfekt? Er hatte so viele Fehler, war viel zu unsicher und still, ließ sich oft benutzen und schwieg einfach darüber. Starke Menschen sahen wohl anders aus, aber niemand war perfekt, jedenfalls nicht für alle.
"Aber solange ich perfekt für dich bin reicht mir das", fügte er mit einem sanften Lächeln hinzu. Was gab es schon Schöneres als von der Person geliebt zu werden, die man selbst vergötterte und über alles begehrte? Julian brauchte von sonst niemandem Zuspruch, wenn er Blake auf seiner Seite hatte reichte ihm das schon. Sie waren beide wie geschaffen füreinander, anders konnte man es wirklich nicht sagen, und der Sex schien ihnen beiden das nur noch umso mehr vor Augen geführt zu haben.
"Ich....Ich weiß, dass wir beide kaum eine Wahl haben, also ist es okay. Freier zählen nicht, ergo bin ich irgendwie ja schon der einzige Kerl, der mit dir schläft!", versicherte der Norweger seinem Freund eilig, als er den Rotschimmer auf seinen Wangen sah. Er meinte es so, wie er es sagte, denn wie albern wäre es bitteschön jetzt von Blake zu erwarten, dass er aufhörte als Stricher zu arbeiten? Es gab so viele Umstände, die sie nun mal zu diesem Leben zwangen, und Julian war ganz sicher der letzte, der deswegen auf die Palme ging. Allein schon zu wissen, dass der Ältere das alles hinter sich lassen würde wenn er könnte war eine große Geste, die er zu schätzen wusste. Der leichte Rotton auf seinen hellen Wangen ließ den Lockenkopf schmunzeln, es war niedlich, Blake auch mal so zu sehen, so schüchtern und unsicher wie er es sonst nur von sich selbst kannte. Immerhin strotzte Blake sonst immer vor Selbstbewusstsein, oder zu mindestens kam es Julian so vor. Aber das war vermutlich nur wieder seine Art, aus den Leuten, die er liebte, kleine Helden zu machen. Bei Grayce verhielt es sich nicht anders, dabei wusste er ja, dass die ehemalige Pornodarstellerin auch nicht perfekt war.
Bei Blakes nächster Frage musste er nicht lange nachdenken, und er musste auch nicht lügen, um dem Größeren ein gutes Gefühl zu geben.
"Es war einfach fantastisch, so ein erstes Mal hab ich mir immer gewünscht!"
Bei dem Gedanken an sein wirkliches erstes Mal zogen sich für einen Augenblick seine Eingeweide schrecklich zusammen und er drückte sich zitternd nah an Blake heran. Es kostete ihn wirklich Überwindung, diese grausigen Gedanken loszuwerden, Edward war kein Schreckensgespenst, das man so einfach vergaß, und viele der Narben, die der Norweger physisch wie psychisch trug gingen auf den Geschäftsmann zurück. Irgendwann würde er Blake vielleicht davon erzählen können, Julian war sich sicher, dass er ähnliche Dämonen mit sich herumtrug, aber im Moment war einfach noch nicht die Zeit. Als wenn er seine Gedanken gehört hätte, schien auch der Dunkelhaarige von alten Dämonen zu berichten, zumindestens klang seine Stimme kurz so, als er von seinem Bruder zu berichten begann. Julian traute sich nicht nachzufragen, irgendwie hatte Blakes Stimme etwas wehmütiges, und wenn er nachgehakt hätte, hätte er seinen Freund wohlmöglich traurig gemacht, und er wollte ihr Beisammensein eigentlich so lange wie nur irgendwie möglich genießen. Die zarten Berührungen des anderen gaben dem Norweger wieder etwas Selbstsicherheit zurück und er schmiegte sich mit einem Lächeln an ihn an, froh darüber, dass ihn die Nähe ein wenig ablenkte. Seine Finger wanderten über den schmalen Rücken, fuhren durch die dichten schwarzen Haarsträhnen und stießen ein Geräusch ähnlich eines Schnurrens aus. Er könnte einfach die Augen schließen und stundenlang so neben seinem Freund liegen bleiben.
"Nein, du brauchst nicht nach wem anders zu suchen, ich bin jetzt für dich da", lächelte er ihm glücklich entgegen. Julie wusste ja selbst, wie ätzend es war, wenn man sich auf niemanden verlassen konnte, bis er Grayce getroffen hatte war es ihm ja auch so gegangen. Aber er war gerne für Blake alles, was er brauchte, Freund, Bruder, Bettgeschichte, was auch immer es war, er würde sich alle Mühe geben es zu sein.
Etwsa überrascht schrak er auf, als der Dunkelhaarige plötzlich vom Bett aufstand und ihn verdutzt liegen ließ. Aber anscheinend wollte Blake nur für ihren durcheinander geratenen Flüssigkeitshaushalt suchen, und irgendwo hatte er da auch recht. Wenn der Norweger so darüber nachdachte hatte er wirklich großen Durst. Eilig krabbelte er aus dem Bett und suchte fieberhaft nach seinen Boxershorts, die weiß Gott wo gelandet waren.
"Warte auf mich, ich finde meine Sachen nicht!", rief er Blake jammernd hinterher während er kopfüber vom Bett hing und unter dem Bettgestell nach seinen Sachen suchte, denn er war kein großer Freund davon, komplett nackt durch eine fremde Wohnung zu rennen. Er hielt sich ja nicht einmal komplett nackt in seiner eigenen Wonung auf! Aber immerhin wohnte er dort auch mit Grayce, und ein wenig Schamgefühlt hatte er nun mal schon. Immerhin war sie eine erwachsene Frau, da war es egal, dass er nun wirklich nicht ihr Typ war. Nach einigem Suchen war seine Unterwäsche zum Glück wieder aufgetaucht und Julian zog sich den Stoff schnell über die Hüften und rannte Blake in die Küche nach, wo ihn bereits das laute Brodeln eines Wasserkochers erwartete.
"Ich nehm Pfefferminztee, wenn du welchen da hast", entgegnete er Blake beiläufig und lehnte sich neben ihm an die Küchenzeile. Es tat gut, ihn lächeln zu sehen, er wirkte wirklich glücklich, und wenn man sich damit rühmen konnte, jemanden wirklich zufrieden zu machen war das ganz sicher etwas mit dem man sich brüsten konnte. Julian jedenfalls tat das. Während der Wasserkocher fließig ihr Teewasser erhitzte kuschelte Julian sich wieder an den Größeren, schlang seine dünnen Arme um die schlanke Taille und drückte sein Gesicht in die Halsbeuge des Größeren. Sein Geruch war so angenehm, selbst, wenn der stechende Unterton von Schweiß darin schwebte, aber das erzählte nur von ihrem guten Sex und darüber konnte Julie spielend leicht hinwegsehen. Blake kam kaum dazu das heiße Wasser aufzugießen, so sehr wie der Lockenkopf an ihm klebte, immer wieder seinen Hals mit Küssen bedeckend, während ihm der Kräutergeruch des Tees in die Nase stieg.
"Jetzt wo ich weiß wie Sex sein kann würde ich am liebsten gar nicht mehr aufhören", gluckste er nah gegen Blakes Haut und lehnte den Kopf an seine Schulter. Der Tee war für den Moment wirklich äußerst nebensächlich, er musste für Julians Geschmack sowieso noch eine ganze Menge abkühlen, sonst verbrannte er sich nur die Zunge. Julian genoss die Privatssphäre mit Blake zusammen, aber gerade, als er den Gedanken beendet hatte, hörte er jenseits der Tür Stimmen und Schritte. Schuldbewusst schreckte der Lockenkopf auf, als wäre es verboten, was sie hier trieben. Julian kannte die Mitbewohner seines Freundes, einige arbeiteten ja auch mit ihnen zusammen und allesamt waren sie nett und unkompliziert, weshalb er es auch gerade nicht verstand, wieso er auf einmal so aufgeregt und nervös war, dass ihm das Herz bis zum Hals klopfte. Am liebsten hätte er sich wieder in das Schlafzimmer des Älteren verzogen, aber da war es auch schon zu spät, denn zwei Jungs, die ein paar Jahre älter waren als der Norweger standen plötzlich in der Küche und legten ihre Taschen mit einem breiten Grinsen auf dem Tisch ab.
"Woah, Blake, Glückwunsch, was hast du dir da Süßes geangelt?", fragte ein recht muskulöser Kerl mit roten Haaren. Er sah überhaupt nicht so aus als hätte er es nötig sich zu prostituieren, aber das kam ja nun mal nicht auf den Körperbau an. Bestimmt waren die beiden Jungen auch älter als Blake, und obwohl Julian sonst kein Problem mit Blakes Mitbewohnern hatte war er jetzt doch ein wenig beleidigt.
"Ihr kennt mich doch, ich war schon öfter hier", murmelte er etwas betreten und vorwurfsvoll, und blieb leicht hinter Blakes Rücken versteckt, sein Kinn auf seiner Schulter abstützend. Aber anscheinend erinnerten sich die Mitbewohner nicht an den Lockenschopf, der seit ein paar wenigen Wochen in der Wohnung herumwuselte, wenn Blake ihn hierher eingeladen hatte. Der Rotschopf runzelte nur leicht die Stirn und blickte zu seinem Freund, einem blonden Strich in der Landschaft, der schließlich abwinkte.
"Hauptsache du hast ihn flachgelegt. Er ist kein Freier, oder?", fragte der Muskulösere und hob eine Augenbraue leicht an. Der Blick, mit den er den Norweger musterte, war irgendwie so abschätzig, dass Julian ein klein wenig in sich zusammensank und sich auf die Unterlippe biss. Musste er sich jetzt etwa schon von anderen Strichern als billige Eroberung abstempeln lassen? Er hätte eigentlich erwartet, dass Blakes Freunde etwas respektvoller waren, sie mussten das alles doch kennen. Der andere Blondschopf hatte schon das nächste Thema angeschnitten, es ging irgendwie um die Wohnung, ein Gespräch, an dem auch Blake sich beteiligen musste. Julian hingegen war nicht so heiß darauf sich weiter mit diesen Großmäulern zu unterhalten und schnappte sich den Tee und verschwand zurück ins Schlafzimmer. Es war unnötig gewesen, so über ihn zu reden und es machte ihm irgendwie ein ungutes Gefühl in der Magengrube. Stinky war aus irgendeiner Ecke hervorgekrochen gekommen und Julian setzte sich das Tier auf den Bauch, während er gedankenverloren an die Zimmerdecke starrte. Er konnte die drei anderen in der Küche reden hören und meinte in Blakes Stimme so etwas wie Unzufriedenheit und Ungeduld zu erkennen. Die Ratte krabbelte langsam zu ihm hinaus, bis ihre Schnurrbarthaare das Gesicht des Blonden kitzelten und ihm wenigstens ein kleines Schumzeln entlockten, während er auf seinen Freund wartete.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mi Sep 25, 2013 11:13 pm

Wie schön es doch gewesen wäre, könnten sie jeden Tag so verbringen, ohne sich darum Gedanken machen zu müssen, dass sie durch ihre Faulheit umkommen würden, weil sie nicht mehr genug Geld verdienten. Generell wäre es viel schöner gewesen, hätten sie mehr Möglichkeiten Geld zu verdienen, doch wer würde schon einen Stricher ohne Schulabschluss nehmen? Er zumindest kannte keinen ansatzweise seriösen Menschen, der sich auf so einen verlassen würde und vielleicht war es sogar verständlich. Vorher hatte Blake ehrlich gesagt seinen Job als keinen wirklich großen Störfaktor gesehen, es war eben wie jeder andere Job, nur, dass er seinen ganzen Körper einsetzen musste und nicht allzu wählerisch sein konnte, doch irgendwann war man einfach abgestumpft genug, dass es irgendwie okay war, jetzt jedoch wurde er immer wütender auf Michael und all die Freier als je zuvor, noch wütender machte ihn die Tatsache, dass er einzig und allein sich selbst die Schuld geben durfte, immerhin hatte ihn niemand verarscht und er wurde auch nicht dazu gezwungen und hatte aus freiem Stück das Angebot seines Zuhälters angenommen. Doch jetzt war nicht die Zeit darüber nachzudenken, er wollte sich nicht den Tag damit verderben, immerhin war er unglaublich gut, so gut, dass er den pochenden Schmerz auf seiner Stirn und um sein Auge herum nicht mehr spürte, um genau zu sein hatte er den kleinen Zwischenfall beinahe schon vergessen, der auf der Straße vorgefallen war!
Seine Lippen schenkten dem Jüngeren ein breites Lächeln, als dieser ebenfalls in die Küche tapste, bei seinen Worten stumm nickend. Tee hatten sie genug, dafür hatte der Dunkelhaarige immer gesorgt, irgendwie war er da immer ein bisschen englisch, immerhin floss teilweise britisches Blut in seinen Adern, auch wenn er zugeben musste, dass in seiner Familie nichts davon anzusehen war, nicht einmal bei seinem Bruder und bei ihm wahrscheinlich auch nicht. Blake hatte sich das Volk immer viel höflicher vorgestellt und irgendwie, nun ja, anders, doch wahrscheinlich verwechselte er einige Klischees aus Filmen, vermischt mit irgendwelchen Filmen und Büchern, die das England von ganz früher beschrieben, heutzutage waren die Menschen doch irgendwie allesamt gleich, egal auf welchem Kontinent sie sich auch befanden.
Sein langer Arm streckte sich kurz nach dem Regal über ihn, ihm und seinem Freund einen Teebeutel herausholend, die im nächsten Moment in den noch leeren Tassen landeten, ehe er sich erneut dem Blondschopf widmete, seine weichen Lippen auf der Haut genießend, dabei seine Finger im lockigen Haar verbergend. Julians Worte ließen den Größeren leise lachen. „Ich würde dich auch viel lieber direkt wieder in mein Bett schmeißen und weitermachen.“, gestand der Stricher breit grinsend, fühlte sich bei dem Gedanken nicht einmal schlecht. Sie sollten Sex genießen dürfen, es war wohl das Mindeste, was sie tun dürften bei ihrem Drecksjob und irgendwie liebte der Tätowierte die Tatsache, dass es sich mit einem Menschen, der ihm so viel bedeutete, besser und vollkommen anders anfühlte, obwohl es technisch gesehen die gleiche Sache war. Da sollte ihm noch einer sagen, dass Sex sich immer gleich anfühlte, wahrscheinlich waren sogar bereitwillige One-Night-Stands nicht so erfüllend wie Sex mit seinem Geliebten, auch wenn er nicht darüber urteilen konnte, immerhin kam es selten vor, dass er irgendeinen Typen nur zum Spaß in sein Bett zerrte- der Ältere mochte vielleicht so aussehen, als wäre er so drauf, doch das stimmte nicht ganz, bei solchen Dingen war er lieber anständiger und bedachter und bis jetzt hatte es sich auch ausgezahlt! „Aber wir können das bestimmt bald wiederholen.“, hauchte er dem Norweger leise entgegen, formte ein sanftes Lächeln. Er hätte beinahe den Tee vergessen, der bereits vor einigen Augenblicken piepsend bekannt gab, dass das Wasser heiß genug war, doch wie sollte man sich auch auf irgendwas anderes konzentrieren, wenn man so grauenvoll verliebt war und sich viel lieber mit dem Jüngeren beschäftigen wollte?! Dennoch hatte der Dunkelhaarige es irgendwann geschafft sich kurz von Julie loszulösen, goss in beide Tassen sprudelnd heißes Wasser hinein, ehe dem Tee erneut keine Beachtung geschenkt wurde und er seine Arme viel lieber um die schmale Taille des Blonden schlang, ihn dabei näher zu sich ziehend. Dieser Moment wirkte so perfekt, alles war so gut, dass er gar nicht wollte, dass es endete. Wie es wohl wäre, wenn sie wirklich auf ewig nur noch Zeit füreinander hätten? Ohne Verpflichtungen oder lästiger Mitbewohner? Beide hatten immer irgendwen zu Haus gehabt und Julian teilte sich mit Grayce sogar ein Bett, sodass in seiner Wohnung sogar noch weniger Privatsphäre vorhanden war! Und als ob man seinen Gedanken gehört hatte, lauschten seine Ohren dem plötzlichen Lärm im Flur, einem Zuknallen der Haustüre und schlendernden Schritten, die sich direkt zur Küche begaben. Blake stieß ein leises Seufzen aus, verzog sein Gesicht zu einer unzufriedenen Grimasse, sich anschließend herumdrehend um seinen Mitbewohnern ins Gesicht blicken zu können, die sich bereits zu Wort gemeldet hatten. Prüfend warf er seinen Blick zur Seite, den Kleineren einen Moment lang begutachtend, der sich hinter seinem Rücken versteckt hielt. Hatte er etwa Angst vor seinen Mitbewohnern? Oder war es eher der Überraschungseffekt? Was auch immer der Auslöser war, bei den Worten des Rothaarigen hätte er wahrscheinlich auch keine große Lust gehabt, sich ihm lange zu stellen. „Der Süße ist schon länger hier gewesen, Reid.“, erwiderte der Ältere ein wenig schroff, dabei die Arme vor der Brust verschränkend. Nicht, dass er seine Mitbewohner nicht mochte, eigentlich waren sie sowas wie eine kleine Familie, mittlerweile, doch manchmal wunderte es ihn doch, wie schnell diese Wesen etwas vergessen konnten und wie unsensibel sie handelten, er hatte es in diesem Moment gar nicht wirklich erwartet, aber vielleicht waren sie schon immer so gewesen und er hatte es nur nie mitbekommen, immerhin hatte der Stricher bis jetzt nur einen Freund gehabt und dieser hatte sich kaum hier aufgehalten und wahrscheinlich wusste auch niemand, dass er jemals existiert hatte, jetzt jedoch spürte er, wie empfindlich er wurde bei einigen Worten, die viel zu harsch und grobschlächtig in seinen Ohren klangen. „Das sinnlose Flachlegen reicht mir schon bei der Arbeit aus! Julie ist kein Freier, er ist mein Freund!“, seine Augen verengten sich zu einem Schlitzen, er mochte es nicht, wie er den Blondschopf anblickte und mochte es auch nicht, dass er ihn so abwertete, immerhin war er nicht irgendwer! In seinem Inneren brodelte der Zorn und Blake wusste, dass er Reid noch einmal zur Rede stellen müsste, vielleicht, wenn Julian nicht mehr hier war.
Seine blauen Augen wanderten kurz zu seinem Freund, schenkte ihm einen entschuldigenden Blick, während seine Hände beiläufig ebenfalls die noch dampfende Tasse mit Tee schnappten. Er sah, wie der Rotschopf erneut ansetzte, jedoch hastig unterbrochen wurde, als plötzlich die Sache mit der Miete und dem Strom zur Debatte kam- die ewige Leier. Sie waren kaum im Hause und ihr Stromverbrauch war wohl geringer als bei irgendeinem anderen Menschen und dennoch mussten sie jedes Jahr immer mehr für diesen Mist bezahlen. Widerwillig und schwer seufzend stürzte der Dunkelhaarige sich in das Gespräch über die Finanzen und darüber, wie die beiden bereits Extraschichten annehmen wollten, damit das alles besser zu finanzieren wäre. Blake wollte keine Extraschichten einlegen, wenn er ehrlich war, wollte er sogar noch weniger arbeiten und mehr Zeit mit seinem Freund verbringen, immerhin hatten sie das verdient und es würde ihnen wohl kaum schaden, doch bei den Preisen, die auf die kleine WG zukommen würde, konnte er es sich wohl kaum erlauben. „Glaubt ihr nicht, dass der Vermieter uns einfach nur verarscht, weil er weiß, dass wir arme Schlucker sind?“, warf der Tätowierte stirnrunzelnd ein. Irgendwie wurde es immer ätzender hier zu leben, nicht, dass er es hier nicht liebte, doch mit den Preisen, die sie zahlen mussten, hätte er sich bereits alleine eine Wohnung finanzieren können. „Ach, Leute, wir werden das Geld schon auftreiben, im Notfall benutzen wir den guten Lipgloss und suchen uns einen reichen Penner, was?“, seine Lippen formten ein schiefes Lächeln, welches jedoch schnell wieder aus dem Gesicht schwand. Zum Glück hatte diese ganze Diskussion nicht allzu lange gedauert und der Jaime, der Blonde, hatte sich bereits aus der Küche zurückgezogen, sodass nur noch die anderen Beiden da waren. Dass Julian das alles irgendwann zu blöd war, konnte Blake nur zu gut verstehen, hoffentlich nahm er es ihm nicht allzu übel, dass er etwas später nachkam. „Übrigens, Reid.“, setzte der Dunkelhaarige mit leiser Stimme ein, den Größeren zornig anstarrend. „Es wäre wirklich nicht verkehrt, wenn du mit meinem Freund etwas respektvoller umgehst, wenn du selbst respektvoll behandelt werden willst, ist das klar? Er ist kein Fick oder sonst irgendwas und du musst ihn auch nicht wie einen Freier behandeln, ich mag es nicht, wie du ihn anschaust und wage es nicht, ihn irgendwie nochmal zu beleidigen, sonst seid ihr mich schneller los, als es euch lieb ist!“, seine Worte flogen zischend über die schmalen Lippen, während die blauen Augen den Älteren regelrecht zu durchbohren drohten, der zum Schutz seine Arme hob, den Kopf leicht schüttelnd. „Alter, ich mein sowas doch nicht ernst, komm runter! Ich tue deinem neuen Freund schon nichts.“, ein unsicheres Lächeln huschte über die Lippen des Rothaarigen. Blake warf ihm einen letzten skeptischen Blick zu, ehe er sich herumdrehte, aus der Küche verschwand und schnell sein Zimmer betrat, hinter sich die Türe zuknallend. Hastig suchten seine Augen den schmalen Körper des Norwegers, erleichtert aufseufzend, als er den Jüngeren in seinem Bett liegen sah. „Ah, sieh an, Stinky ist aus seinem Dornröschenschlaf erwacht.“, murmelte der Größere lächelnd, sich zu den beiden gesellend, dabei seine Arme um den schmalen Oberkörper des Anderen schlingend, leise brummend. „Tut mir Leid, dass Reid so ein dämlicher Idiot ist. Sonst ist er immer cool drauf und dann sowas…wenn er noch einmal sowas bringt, können sie sich echt einen neuen Mitbewohner suchen.“, erneut hatte sich die Wut in seinem Inneren breit gemacht, welche er jedoch schnell wieder unterdrückte- es war keine Zeit für Wut.
Besorgt schielten die dunklen Augen hinauf zu Julian, seine Stirn runzelnd. Er hatte irgendwie Angst, dass es ihm vielleicht den Tag versaut hatte und das wollte er ganz sicher nicht. Vorsichtig nahm er Stinky von seinem Gesicht weg, setzte ihn neben Julian aufs Bett, sodass er ihm einen langen, sanften Kuss auf die Lippen drücken konnte, sich noch enger an seinen Körper anschmiegend. „Mach dir keine Gedanken um den Dummkopf, du bist mein Freund und das Tollste, was mir je passiert ist und da können die anderen sagen und denken was sie wollen, sie sind nur neidisch, weil wir glücklich sind.“, summte seine Stimme leise vor sich hin, dabei in die strahlend blauen Augen seines Gegenübers blickend, verträumt, beinahe schon verloren, doch wie konnte man sich in diesen Augen auch nicht verlieren? Er wollte gar nicht mehr von ihm ablassen, wäre beinahe auf seinen Körper geklettert, so eng, wie er sich an Julie gepresst hatte, in der Hoffnung ihm alle unguten Gefühle nehmen zu können. „Wir haben noch drei Stunden, bis wir zurückmüssen...ich wünschte, wir hätten viel mehr Zeit.“, gedankenverloren malten seine Finger unsichtbare Muster auf der Brust seines Freundes, hin und wieder sanfte Küsse auf seinem Hals hinterlassend, sich bis zu den Lippen hinaufbahnend, während Stinky um sie herum krabbelte hin und wieder piepsend um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. „Lass uns einfach für immer im Bett bleiben.“

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Do Sep 26, 2013 10:43 pm

Wenn Julian so an die vergangene Zeit zurückdachte, kam es ihm wirklich unfair vor, dass es damals zwischen Blake und ihm nicht funktioniert hatte. Sie hatten wie in einer kleinen rosa Wolke gelebt, sie hatten sich wirklich geliebt, und ohne den Dunkelhaarigen wäre der Lockenkopf niemals so aufgeblüht, wäre er nie so aufgeweckt und lebensfroh geworden, wie er jetzt war. Julian hatte wirklich gehofft, dass sie für immer zusammen bleiben könnten, dass sie eines dieser kitschigen Liebespaare sein könnten, die sich fanden und nie wieder los ließen, aber das Schicksal hatte es irgendwie anders mit ihnen gewollt. Obwohl sie eigentlich schon nach ein paar Wochen nur noch aufeinander hockten, sich wann immer es nur irgendwie möglich war sahen, war es doch noch etwas ganz anderes, als wenn man zusammen wohnte. Sie hatten es versucht, und der Norweger hatte sich gefreut wie ein kleiner Schneekönig. Grayce hatte ihn nur ungern ziehen lassen, weil sie sie beide noch zu jung und unerwachsen für eine eigene Wohnung gehalten hatte, und traurigerweise hatte sie Recht behalten. Der Norweger war böse mit ihr geworden, hatte ihr gemeine Dinge an den Kopf geworfen, er war einfach viel zu eingenommen gewesen von der Idee, mit Blake eine Wohnung zu teilen. Dass das gemeinsame Wohnen das Ende ihrer Beziehung einläuten könnte hätte der Blondschopf nie für möglich gehalten, aber sie waren wohl einfach nicht für so etwas geschaffen gewesen, für den Alltag, in dem sie sich schnell gegenseitig auf die Nerven gingen, in dem Julian viel zu unordentlich war und er schließlich sogar nur noch auf der Couch geschlafen hatte. Jetzt noch tat der Gedanke daran ihm furchtbar weh, dass er Blake auf diese Art und Weise verloren hatte, und er wälzte sich im Bett unruhig hin und her. Sie hatten sich so miese Dinge vorgeworfen und sich so sehr gezankt, dass sie eigentlich beide synchron zu dem Schluss gekommen waren, dass sie nur noch ausziehen konnten und ihre Wohnung wieder trennen würden. Julian hatte noch nie in seinem Leben so sehr geweint und war so verzweifelt und zornig gewesen. Zum Glück hatte Grayce ihren Streit schnell vergessen und nahm den Norweger wieder bei sich auf, aber für einige Wochen war er kaum mehr er selbst, und es war nur ein geringer Trost, dass es Blake ähnlich ergangen war. Es dauerte eine ganze Weile, in der sie sich gegenseitig immer nur aus dem Weg gegangen waren, bis Julian langsam wieder angefangen hatte mit Blake zu reden und ihn wenigstens wieder als Freund zu akzeptieren, auch, wenn es irgendwie anders war als zuvor, aber vermutlich würde diese leichte Angespanntheit zwischen ihnen immer bleiben. Das hatte der Lockenkopf jedenfalls gedacht, bis Blake einfach verschwunden war. Keiner wusste, was mit ihm passiert war, sie konnten nur vermuten, dass er Probleme mit einem Freier gehabt hatte, denn zuhause waren keine seiner Sachen mehr zu finden gewesen, also war er vermutlich nicht einfach umgebracht worden. Jedenfalls hoffte der Norweger das von ganzem Herzen, denn der schiere Gedanke, Blake könnte etwas Schrecklickes zugestoßen sein, fühlte sich an wie tausend Dolche in seinem Fleisch. Vielleicht hing er doch nach allem immer noch sehr an dem Tätowierten.
Sein eigenes Leben war kurz darauf dank Charles so auf den Kopf gestellt worden, dass Blake für eine Weile völlig aus seinem Hinterkopf verschwunden war, wofür er sich jetzt umso mehr schämte. Er hatte es wirklich nicht verdient vergessen zu werden, egal, was zwischen ihnen auch vorgefallen war. Vielleicht hatte der Lockenkopf auch nur Angst, Gefühle wieder aufzuwirbeln, die eigentlich vergessen gehörten, erst recht jetzt, da er in einer richtigen Beziehung mit Charles war. Das ganze Grübeln hatte ihn wehmütig gemacht, aber er brauchte den Kopf nur einmal zur Seite zu drehen und Charles anzsuchauen, wie er ruhig schlief, um ein breites Lächeln auf seine Lippen zu bringen. Nein, so gern er Blake hatte, Charles war sein Freund, und er würde ihn niemals sitzen lassen. Was sie zusammen durchgemacht hatten schweißte einfach zusammen, verband sie, und der Norweger wusste, wie unglaublich stolz er darauf sein konnte, dass er Charles wieder etwas zurückgegeben hatte, was Jennifer ihm unter Umständen weggenommen hatte. Und er selbst hatte auch so viel von dem Geschäftsmann gelernt! Nein, er liebte ihn, da gab es keinen Zweifel, auch nicht beim Gedanken an zerflossene Liebe, obwohl der Jüngere sich doch vornahm, sich in den nächsten Tagen mal bei Grayce zu erkundigen, ob es Neuigkeiten von Blake gab.
Jetzt hingegen konzentrierte er seine Gedanken wieder voll und ganz auf den Älteren neben sich, stieß ein zufriedenes Seufzen aus, bevor er sich so eng wie nur irgend möglich an Charles ankuschelte. Kurz hatte er das Gefühl, dass ihn die stahlgrauen Augen verschlafen anblinzelten, aber der Norweger gab ihm nur einen sachten Kuss auf die Lippen, brachte ihm ein "Ich liebe dich" entgegen und schlief beinahe augenblicklich ebenfalls ein. Am nächsten Morgen schlief er so tief und fest an Charles geklammert, dass es beinahe unmöglich war, ihn von seinem Freund zu trennen, so gerne wollte er ihn noch bei sich im Bett haben. Dass der Geschäftsmann nach so langer Pause wieder in die Firma musste war wirklich eine Schande, er hätte ihn lieber bei sich behalten. Was musste er auch eine eigene Firma haben?! Wenn er ein einfacher Arbeitnehmer gewesen wäre, hätte er sich bestimmt länger krankschreiben lassen können. Aber nunja, es stand jetzt nicht wirklich zur Debatte, und so gab sich Julian wenigstens damit zufrieden, mit Charles zusammen aufzustehen und mit ihm zu frühstücken und ihn sehnsüchtig in den Tag zu entlassen. Julian wollte heute noch einen großen Weihnachtseinkauf starten, sodass er wenigstens gut beschäftigt war und vielleicht noch gar nicht wieder da war, bis Charles nach Hause kam.

Dass heute Edward auf ihn warten würde konnte ja keiner ahnen, aber der ehemalige Freier hatte beschlossen, nicht so schnell aufzugeben. Dieser naive Norweger sollte nicht glauben, dass er jetzt sicher war, nur, weil er Charles vorschieben konnte. Seine Wut auf beide war viel zu groß, auch, wenn er aus unterschiedlichen Gründen zornig auf sie war. Aber er konnte einfach nicht fassen, dass Charles ihm vor Jahren seinen Stricher weggenommen hatte und ihn jetzt für sich selbst beanspruchte. Und er konnte noch so großzügig und verliebt tun, was wollte ein Mann seiner Klasse schon mit einem dummen Straßenjungen? Julian gab doch nicht viel her außer einen Arsch zum Vögeln, oder hatte der andere Geschäftsmann sich etwa so einlullen lassen? Vielleicht hatte dieser kleine Lockenkopf in den letzten Jahren ja doch etwas dazu gelernt. Ihn sollte es jedenfalls nicht stören, er würde auch so an dieses kleine Großmaul kommen, es war einfach zu schön sich auszumalen, wie es wäre, diesen kleinen Nichtsnutz wieder unter seinen Fittichen zu haben, an ihm all seine finsteren Gedanken ausleben zu können. Vielleicht hätte er den Norweger ja dieses Mal sogar bei sich behalten, ihn wie einen kleinen Vogel in einem goldenen Käfig gehalten. Oh, es gab so viele herrliche Möglichkeiten, er musste den Kleinen nur noch in seine Gewalt bringen, und alles, was ihm da noch im Weg stand, war nun mal Charles. Er hatte sich vorgenommen, ihm heute einen Besuch abzustatten, natürlich nicht unvorbereitet. In der auf Hochglanz polierten schwarzen Aktentasche befanden sich zwei Cds aus seiner Privatsammlung aus seiner ersten Woche mit Julian, die sein dunkles Herz immer wieder gefüttert hatten, wenn es in Afghanistan besonders trist geworden war, und mittlerweile erfüllten sie noch einen weiteren Zweck als ihm zu helfen, wenn er sich einen runterholen wollte. Denn so viel schlechtes Zeugnis diese Filme auch über ihn ablegten, es war ganz sicher noch schmerzhafter für Julian und seinen Kerl mitanzusehen, sodass sicher keiner von ihnen wollte, dass er damit an die Öffentlichkeit ging. Außerdem konnten die Filmchen den Jüngeren als Prostituierten entlarven, was seinen kleinen Arsch sicher umgehend zurück nach Norwegen verfrachten würde. Wenn Edward ihn schon nicht haben konnte, sollte ihn eigentlich gar keiner haben, schon gar nicht Charles, dieser aufgeblasene Wichtigtuer.
Seine ganze Firma, das Gebäude, in dem sie sich befand, war so schrecklich pompös, dass es lächerlich war, und umso arroganter versuchte Edward durch die Gänge zu marschieren, selbstbewusst, sodass ihn niemand aufhielt. Man musste wirklich nur dreist genug sein, den Portier hatte er mit einer überzeugenden Lüge abgespeist und nun stand er vor Charles Büro. Er konnte hören, dass er alleine sein musste, weshalb er die Tür ohne zu klopfen aufriss, den Dunkelhaarigen mit einem breiten Grinsen bedenkend, bevor er die Tür wieder hinter sich zuzog und mit langen Schritten auf den großen Schreibtisch zutrat. Die kalten grauen Augen huschten unauffällig über den Schreibtisch, konnte ein einfaches Foto aus einer Polaroidkamera erkennen, auf dem der Norweger ebenfalls drauf war.
"Wie reizend, hast du deinen kleinen Stricher auch immer bei der Arbeit bei dir", seufzte er theatralisch und ließ sich auf den bequemen Besuchersessel fallen.
"Du ahnst vermutlich, wieso ich hier bin?"
Edward starrte beinahe etwas gelangweilt auf seine Fingernägel.
"Hör zu, ich weiß, dass ihr diese alberne, oberflächliche Beziehungssache gerne weiterspielen wollt, aber kann dich denn wirklich kein Angebot überzeugen? Du solltest nicht unterschätzen, wie viel ich bereit wäre zu zahlen."
Er hob fragend eine Augenbraue, aber wie immer schien sich Charles´ Meinung nicht zu änden, er beharrte auf seiner dummen Geschichte, dass Edward beinahe ein wenig zornig werden könnte. Er zog die Cds aus seiner Tasche, sie vor dem Dunkelhaarigen auf den Tisch werfend.
"Das sind zwei wunderschöne Abzüge von zwei Filmchen, die ich zuhause wirklich gut hüte, du solltest sie dir zuhause ansehen. Und dann solltest du dir überlegen, ob du willst, dass irgendwer das sieht, ob du deinem lieben kleinen Engel diese Demütigung antun willst, denn ich werde diese Videos öffentlich machen, wenn du ihn mir nicht überlässt, Charles", zischte er unheilvoll und beugte sich nach zu dem blassen Gesicht seines Gegenübers hinüber.
"Und was sollen bloß die Leute denken, wenn sie erfahren, dass du mit soetwas verkehrst? Ich würde mir das sehr, sehr gut überlegen", entgegnete Edward ihm mit einem diabolischen Grinsen und knallte mit einem lauten Geräusch den Bilderrahmen auf die Tischplatte.
"Ich würde dir dein kleines Spielzeug doch sogar wiedergeben, Charles, jetzt sei doch nicht so egoistisch", säuselte er und zeigte ihm grinsend die Zähne.

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   So Sep 29, 2013 1:06 am

Charles hätte nie gedacht, dass er auch eine Minute lang einschlafen könnte, doch die ganzen Ereignisse, die an einem Tag regelrecht auf ihn eingeschlagen hatten, die Geschichte, die Julian ihm erzählt hatte, die immer noch in seinem Kopf herumschwirrte- all das hatte ihn so unglaublich erschöpft, dass er gar nicht lange die Augen geöffnet halten konnte. Er brauchte den Schlaf, musste am nächsten Tag sich nichts anmerken lassen, wieder arbeiten und er hatte viel Arbeit vor sich, denn auch wenn Benjamin sehr gut für ihn eingesprungen war, war immer noch ein hinterlassener Berg an seinem Schreibtisch, der darauf wartete, erledigt zu werden, doch das hatte er sich wohl selbst zuzuschreiben gehabt, er wollte eine Firma und das war der Preis dafür.
Von einer allzu erholsamen Nacht konnte er dennoch nicht reden, viele seltsame Bilder spielten sich zuckend in seinem inneren Auge auf und hin und wieder wälzte der Geschäftsmann sich in seinen Federn, sodass er sich am nächsten Morgen noch etwas müder fühlte als in der Nacht in der sie schlafen gegangen waren. Wenigstens der Anblick Julians konnte ihn für einen Moment lang ablenken, der Schwarzhaarige konnte sich das sanfte Lächeln auf den Lippen nicht verkneifen als sich ihre Augen trafen. Ohne ihn hätte er weiterhin ein furchtbar leeres und sinnloses Leben geführt, dass er ihm gar nicht oft genug danken konnte, dass er für ihn da war, dass er aus freiem Stück da war, ohne Zweifel an ihrer Beziehung zu haben, ohne tagtäglich das Gefühl zu haben, dass Charles vielleicht gar nicht besser war als Edward für all das, was er ihm einst angetan hatte.
Wenn sie sich nur anders getroffen hätten, irgendwie, dann hätte der Ältere nicht mehr dieses erdrückende Gefühl in seinem Inneren, das ihn hin und wieder verfolgte, seit gestern sogar ein klein wenig mehr. Er machte sich Sorgen um seinen Freund, Edward hätte nie wieder in sein Leben zurückkehren dürfen, nicht einmal flüchtig wie gestern Abend und doch war er wieder in der Stadt und etwas sagte ihm, dass sie ihn nicht mehr so schnell losbekommen würden, immerhin war dies ein verrückter Mann, den die Wüste sogar noch ein stückweit wahnsinniger gemacht hatte, aber Charles hatte versprochen, den Norweger zu beschützen, er hatte versprochen, dass dieser Mann ihnen nie wieder zu nahe kommen würde und dieses Versprechen würde er auch halten, mit allem ihm erdenklichen Mitteln.
Der Größere blickte kurz über die Zeitung hinweg, die ihm nächsten Moment auch wieder ordentlich gefaltet zur Seite gelegt wurde, Julian einen Moment lang musternd. Er brauchte gar nicht um diese Zeit aufzustehen und dennoch tat er es, damit sie wenigstens den Morgen noch gemeinsam hatten. Es war ein guter Start in den Morgen und irgendwie, auch wenn der Unternehmer niemals geglaubt hätte, dass er sich zu solchen Gedanken wagen würden, fühlte es sich so an, als ob die Sonne erst durch die unendlich blauen Augen, die ihn verschlafen anblinzelten, aufging, für ihn zumindest. Und sie war strahlender als jeder kalifornische Sommer.
„Sie haben von uns geschrieben, hier.“, schmunzelnd reichte er dem Blondschopf die Zeitung. Es war eigentlich nicht üblich von irgendwelchen Wirtschaftsmenschen zu schreiben, doch seit seinem Unfall schien die Welt ein wenig Interesse an diesem jungen Mann gefunden zu haben, der mit einem noch jüngeren Mann zusammen zu sein schien, abgesehen davon, dass es sich hierbei tatsächlich um einen Mann hielt. Doch in Klatschzeitungen hätte man wahrscheinlich mehr gesehen, vielleicht mit eingefügten Bildern, hier jedoch hatte man es nur in einem Satz erwähnt und Charles war dankbar darum, er fürchtete nämlich schon, er müsste sich eine neue Zeitung jeden Morgen ins Appartement holen lassen und das wäre, nun ja, nach all den Jahren unglaublich ärgerlich. Ein Blick auf die Armbanduhr entlockte ein schweres Seufzen aus Charles‘ Kehle, während die grauen Augen entschuldigend zum Kleineren blickten, sich langsam vom Stuhl erhebend. Er brauchte nicht viel, nur sein Jackett und seine Tasche und natürlich einen langen, sanften Kuss vom Lockenkopf, ehe er hinein in den Aufzug schlüpfte, hinunter zum Wagen, der bereits geduldig auf den Geschäftsmann wartete, wie jeden Tag. Heute würde er sich schnell durch die ganzen Finanzen wühlen müssen, seinen Buchhalter hinauf bestellen und einige Zahlen durchgehen der vergangen Monate. Er wusste, dass er selbst ein wenig verschwenderisch gewesen war, die Flugkosten für die Urlaube, Japan, woran er sich ehrlich gesagt nur allzu ungerne erinnerte, waren schließlich gedeckt durch die Firma, unter dessen Namen hatte der Dunkelhaarige die Maschine zumindest eingetragen, nicht zu vergessen musste er sich mit seiner neuen Partnerin in Kontakt setzen, sie hatten so viel Arbeit vor und dazwischen musste er noch irgendwie für Weihnachten einkaufen, sich Gedanken darüber machen, was er dem Blondschopf schenken wollte, immerhin sollte es nichts lieblos gekauftes sein, eher etwas, was durchdacht war, einen Nutzen machte und ihm zusätzlich natürlich gefiel. Ein Glück, dass bis zu den Feiertagen noch genügend Zeit war, er war ohnehin eigentlich kein großer Freund von solchen Ereignissen, doch dieses Mal würde alles sicherlich anders werden und auch besser.
Der Unternehmer sollte sich jetzt nicht darüber nicht allzu viele Gedanken machen, schnell schüttelte er Weihnachten aus seinem Kopf, zumindest für einen Moment, schuf sich freie Stellen für all die Dinge, die ihn hinter den großen, massiven Türen zu seinem Büro erwarteten, doch kaum hatte er die Sekretärin freundlich begrüßt, die Tür hinter sich geschlossen und seinen Körper auf den Sessel niedergelassen, erblickte das Grau seiner Augen bereits das Öffnen des Türknaufs, skeptisch die Person anblickend, die bereits jetzt und das auch noch ohne anzuklopfen oder vorher angemeldet worden zu sein, sein Büro betrat. Es war noch viel zu früh um irgendwelchen ungebetenen Besuch zu bekommen und Claire hatte ihm gestern nicht noch gesagt, dass er heute jemanden zu erwarten hätte und auch bei einem kurzen Blick auf seinen ordentlich gehaltenen Kalender hatte er keine Zeit und keinen Namen stehen gehabt. Allerdings brauchte er auch keinen Namen um sich im Klaren zu werden, wer die Person war, die so dreist und unangemeldet durch seine Türe gekommen war. Seine Vorahnung hatte sich nur bestätigt. Edward! Alleine den Namen zu denken machte den Unternehmer wütender als er je schon war, sodass er das widerwertige Grinsen ganz sicherlich nicht erwidern wollte, ihn stattdessen abfällig anblickend. Nach alldem, was gestern vorgefallen war, was Julian ihm gestern erzählt hatte, hatte Charles nicht mehr als Wut und Verachtung für diesen Mann übrig gehabt, den er am liebsten nicht in seinem Büro gehabt hätte. Wie hatte er es überhaupt geschafft einfach so hierher zu gelangen?! Offenbar schien die Dreistigkeit einfach in seinem Blut zu fließen, gehörte zu seinem Leben wie das Atmen der Luft.
Schweigend betrachtete er den Dunkelblonden, in der Hoffnung er wäre nur ein Trugbild, doch so oft er auch blinzelte, immer wieder erschien die Gestalt des jungen Mannes vor ihm, immer näher, bis er anschließend unaufgefordert sich einfach auf dem Sessel gegenüber seines Schreibtischs niederließ. Da war sie wieder, seine Dreistigkeit. Charles presste seine Kiefer aufeinander, während er den Jüngeren ernst, mit ruhigen Augen musterte. Er war ein kranker, armer Mann, jemand, der es nicht verdiente, doch länger hier zu sein. Charles versuchte seine Worte gekonnt zu ignorieren, konnte es dennoch nicht vermeiden, dass seine Miene sich schlagartig verfinsterte. „Julian ist kein Stricher mehr und du bist eigentlich auch nicht mehr hier willkommen, soweit ich weiß, Edward.“, presste er scharf hervor, riss sich mit aller Kraft zusammen, um ihn nicht zu schlagen, ihm zu drohen oder ihn sogar anzuschreien. Er hatte noch Würde und Stolz und beides würde er für dieses Nichts ganz sicherlich nicht ablegen. „Nun, wenn du nicht hierhergekommen bist, um geschäftsinterne Dinge zu besprechen, fällt mir kein weiterer Grund ein, weshalb ich mich mit dir unterhalten sollte.“, entgegnete der Dunkelhaarige, sich dabei in seinem Sessel ein wenig zurücklehnend, nur um sich wieder aufzurichten. Edward schien ihm nicht zuzuhören und immer noch bestand er auf dieselbe Leier, die Charles bereits gestern nicht mehr hören wollte, er hatte sich immerhin klar und deutlich ausgedrückt und der Blonde sollte mit Abweisungen so langsam zurechtkommen können, er hatte doch selbst ein Geschäft zu leiten und sicherlich würde nicht jeder ihn mit offenen Armen überall empfangen. Es fiel dem Geschäftsmann schwer, seinen Worten zu folgen, immer wieder hatte er diese Schauermärchen im Kopf, die der Norweger ihm erzählt hatte und jetzt hatte er auch noch wieder das Gesicht dieses grauenvollen Mannes vor den Augen und alles, was er dem armen Lockenkopf jemals angetan hatte, schwirrte erneut in seinem Inneren umher, die Wut und der Schmerz waren kaum noch auszuhalten, der Ältere ballte seine Hände zu Fäusten, er wollte jetzt keine Dummheiten machen, darauf wartete dieser Mistkerl doch nur. „Nein, jetzt hörst du mir zu- hierbei handelt es sich um keine oberflächliche Beziehung, hat es nie und wird es nie, hast du das verstanden? Such dir Hilfe, Edward.“, seine Augen engten sich zu seinem Schlitzen zusammen, starrten seinen Gegenüber zornerfüllt an, sich dabei ein wenig über den Schreibtisch beugend, schrak jedoch etwas zurück, als Edward plötzlich zwei CDs aus der Tasche zückte, sie ihm entgegenwarf. Argwöhnisch betrachtete er die beiden, es waren Kopien von irgendetwas, er drehte die klaren Hüllen in seiner Hand prüfend herum, ließ den Blick jedoch schnell wieder zum ehemaligen Angestellten schweifen. Filmchen?! Charles konnte sich schon denken, was sich auf diesen Scheiben befand, was der Blonde mit diesen Filmen meinte und wieso er sie zuhause so gut hütete, vielleicht sogar vor den Augen der Öffentlichkeit versteckte, damit sie seine kranken Neigungen, die bereits nicht mehr legal waren, zu sehen bekamen. Glaubte er etwa, dass er ihn so herumkriegen würde? Er hätte wahrscheinlich unbeeindruckt wirken sollen, das Letzte, was er tun sollte, war sich auf sein Spielchen einzulassen, doch die Wut kochte im Inneren des Schwarzhaarigen auf, dass ihm ganz schlecht wurde. „Drohst du mir etwa?!“; seine Worte waren leise, zischend, voller Zorn und Hass auf diesen Mann, der seinem Freund das Leben zur Hölle gemacht hatte und dann glaubte er allen Ernstes, dass er einfach so zusagen und den Norweger ihm abgehen würde?! Charles spürte, wie er sich im nächsten Moment von seinem Sessel erhob- es war genug, all die Drohungen, diese dreckigen Datenträger und jetzt zerstörte er seinen Bilderrahmen?! Der Ältere beugte sich um seinen Tisch herüber, griff Edward am Kragen, ihn dabei grob näher zu sich ziehend. Grau traf Grau, nur, dass Edwards Augen so kalt waren, so verrückt und unmenschlich, dass er sich fragte, wieso kein anderer erkannte, was für eine Person er eigentlich war. „Du legst dich mit dem Falschen an, Edward. Erinnere dich lieber an Afghanistan und wünsche dir, wieder dort zu sein, denn ich werde alles in der Macht stehende tun, damit der Aufenthalt hier in San Francisco ganz schwierig für dich wird und jetzt verlasse mein Büro, verlasse meine Firma und wenn ich dich noch einmal hier herumschleichen sehe, wie eine Ratte, wirst du das bitter bereuen, das schwöre ich dir.“, seine Worte waren leise, zornig und dennoch merkwürdig ruhig, während er ihn herabfallend anstarrte, beinahe schon angewidert, anschließend von ihm ablassend, sich auf den Sessel setzend. Er starrte Edward noch ein letztes Mal hinterher, als er zur Tür hinauseilte, er hatte ihn zornig gemacht und es war ihm gleich, denn so wütend er auch gewesen sein mochte, nichts konnte die innere Wut des Unternehmers in irgendeiner Form erreichen, die sein Blut zum Kochen brachte, seinen Herzschlag beschleunigte. Müde rieb Charles sich seine Augen, dass Edward sie nicht in Ruhe lassen würde, war ihm bewusst, doch dass er so schnell wieder bei ihm auftauchen würde?! Es hatte einfach alles durcheinander gebracht, die gesamte Planung, sein Inneres, einfach alles und er hasste es, dass dieser Mann so viele Dinge so schnell beeinflussen und zerstören konnte. Es dauerte einige Augenblicke, bis die Wut einigermaßen abgeklungen war, Charles wieder die Fassung gewann und ein kleines Knöpfchen an seinem Telefon drückte. „Claire, der Mann, der gerade mein Büro verlassen hatte- sollte er die nächsten Male versuchen in mein Büro zu kommen, rufe sofort den Sicherheitsdienst, hast du verstanden?“, sie war die letzte Person mit der der Dunkelhaarige an diesem Tag gesprochen hatte, all die anderen Gespräche und Termine hatte er absagen lassen, würde sie an einen anderen Tag verschieben, ihm war jedoch noch unklar auf welchen, denn solange er seinen Kopf nicht frei bekommen würde, konnte er ohnehin sich nicht auf die wichtigen Dinge konzentrieren. An diesem Tag durfte auch niemand sein Büro auch nur für eine Sekunde betreten, er ging nicht zum Essen und Benjamin sollte ausnahmsweise bereits nach Hause, dort gab es sicherlich auch genügend Dinge, er konnte Julian helfen, vielleicht sogar mit ihm rausfahren- Charles wollte einfach keine Menschenseele sehen, er wollte alleine sein, er wollte- seine müden, grauen Augen wanderten erneut zu den zwei CDs, bis jetzt hatte er sich davor gesträubt, sie auch nur anzusehen, doch etwas sagte ihm, dass er wissen musste um was es sich genau handelte. Vielleicht war es ein Fake, vielleicht war nichts auf den Discs drauf und Edward hatte gehofft, dass der Unternehmer sich davor drückte, sie anzuschauen, aus Angst vor dem, was sich hinter diesen Filmen verbarg, doch diesen Sieg würde er ihm nicht gönnen. Aus Angst vor einem vermeidlichen Virus oder irgendwelchen Spionageakten schob er die Disc in das Fach seines Laptops hinein, konnte spüren wie sein Herz immer stärker zu schlagen begann, als er geduldig darauf wartete, dass der Film automatisch startete, hatte die Lautstärke natürlich auf ein Minimum reduziert, auch wenn die Wände und auch Türen sehr schalldicht waren, für seinen eigenen Schutz natürlich.
Kaum hatte die Aufnahme begonnen, konnte Charles kaum hinsehen, ihm wurde regelrecht übel, während sich eine Mischung aus Wut, Schmerz und Mitleid anbahnte- er konnte seinen eigenen Augen nicht trauen, die furchtbare Bilder sahen, Bilder von Julian, so jung und zerbrechlich, wie er von Edward regelrecht misshandelt, beschimpft und verhöhnt und ausgelacht worden war, dass es ihm die Kehle zuschnürte. Es lief ihm immer wieder eiskalt den Schauer runter, wenn er auch nur einen Schmerzenslaut hören konnte, wenn er die Fesseln sah, die seine Haut rot färbten, während der Andere so grob mit ihm umging. Und selbst als er aufgehört hatte, schien es noch weiterzugehen, er konnte hören, wie Julian ihn anschrie, konnte mit ansehen, wie der Ältere ihn anschließend schlug und vor seinen Augen Blatt für Blatt sein Skizzenbuch zerriss, amüsiert darüber, wie sehr es dem Norweger wehzutun schien.
Ab da klappte der Geschäftsmann seinen Laptop zu, bleib regungslos in seinem Sessel sitzen, nur kurz sein erahnend, wie blass sein Gesicht geworden war. Abermals rieb er sich die Augen, spürte aufkeimende Tränen, die jedoch schnell fortgewischt worden waren, während sich sein Magen zusammenknotete, er nicht einmal wusste, was er tun sollte, was er sagen sollte. Er konnte verstehen, dass er diese Filme gut versteckt und geheim hielt, sie offenbarten so viel Grausamkeit, so viel, dass er kaum glauben konnte, dass er seine Drohungen wahrmachen würde- gegen Julians illegalem Einwandern konnte er noch etwas tun, doch was sollte Edward tun, wenn man sah wie er einen Menschen körperlich so sehr misshandelte?! Es würde seine Existenz kosten. Doch diese Gedanken waren dem Schwarzhaarigen egal, er konnte kaum einen rationalen Gedanken fassen, immer wieder hatte er die Bilder in seinem Kopf, er konnte Julian immer noch hören, das Lachen und die harschen Worte seines Peinigers und auf einmal waren die gestrigen Geschichten so realer, auf einmal konnte er sich alles vorstellen, alles, was man ihm je angetan hatte und es brachte ihn regelrecht um den Verstand. Und das Schlimmste an all dem war, dass er kaum besser war, dass er Julian nicht besser behandelt hatte, als sie sich getroffen hatten- er hatte ihn auch gefesselt und als Strafe seine Kunstwerke zerstört. Wie nur, wie konnte er nur noch weiter mit ihm zusammen sein wollen, wie konnte der Blondschopf sich so etwas nur antun, ohne jedes Mal an Edward erinnert zu werden?! Charles verstand es nicht, er konnte es einfach nicht, er fühlte sich wie gelähmt, fühlte sich furchtbar schuldig und wollte auf der anderen Seite am liebsten nach Hause und Julian in den Arm nehmen, ihn nie wieder loslassen und ihm jeden Tag sagen, wie sehr ihm all dies leid tat, die Sache mit Edward und seine Schandtaten. Eines Tages würde es dem Norweger bewusst sein, eines Tages würde er realisieren, was er getan hatte und auch wenn er mehr Anstand und weniger Boshaftigkeit und Grausamkeit in sich besaß, so war er dennoch kein guter Mensch, er war kein guter Freund und er hatte ihm nie einen Gefallen mit all dem, was er hm angetan hatte, getan. Der Unternehmer wusste nicht, wie er den restlichen Tag überstanden hatte, er hatte nicht einmal gearbeitet, er hatte innerlich gelitten, gewütet und getobt und war sich zumindest darin sicher, dass Edward bezahlen musste, wenn es sein musste mit seinem Leben, damit er ihnen nicht noch mehr Leid antat.
Es war fast dunkel, als er müde, bleich und mit gemischten Gefühlen in seinen Wagen stieg, den Weg fast schon in Trance hinter sich ließ, sich nicht einmal sicher war wie er es geschafft hatte in den Aufzug zu steigen, wieder auszusteigen und sich in seinem Penthouse aufzufinden. „Julian?“, seine Augen suchten die lockige Gestalt, er wollte ihn sehen, er wollte ihn lächeln sehen, er wollte das leidende Gesicht durch das warme Lächeln ersetzen, was sich in sein Gehirn wie eingemeißelt zu haben schien, es war selbst dann präsent, als er seinen Freund schnell wiederfand, er ihm tatsächlich das strahlende Lächeln schenkte, wonach er sich nach Stunden der Hölle und Eiseskälte ersehnt hatte. Seine Arme schlangen sich um den schmalen Körper, fester als sonst, wollte ihn gar nicht mehr loslassen, für einen Moment die Augen schließend, ehe er ihn müde, dennoch schwach lächelnd anblickte. „Hör zu, ich bin erschöpft und…ich glaube ich gehe direkt ins Bett, für etwas anderen bin ich schlecht zu gebrauchen.“, gestand der Ältere leise, entschuldigend in die schönen Augen blickend, er konnte kaum von ihm wegblicken, zwang ihn jedoch dazu, ihn widerwillig loslassend, anschließend zum Schlafzimmer schlendernd, dabei die Krawatte lockernd. Er wollte Julian nichts vom Treffen verraten und auch nicht von den Aufnahmen, denn es war ihm klar, dass Julian nichts von dessen Existenz wusste und das sollte auch so bleiben, er hatte durch Edward genug gelitten, mehr als jemand anderes.

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Sep 30, 2013 9:49 pm

Julian gefiel die alltägliche Routine irgendwie nicht so wirklich, denn das bedeutete weniger Zeit mit Charles verbringen zu können, aber so war es nun mal, das war eben, was normale Menschen jeden Tag durchlebten, und es war ja nicht so, dass Julian nur untätig herumsaß und auf seinen Liebsten wartete! Da er immer mit Charles zusammen aufstand und danach nur in den seltensten Fällen nochmal zurück ins Bett kroch, hatte er ziemlich viel vom Tag, und heute hatte er sich wieder intensiv mit dem Malen beschäftigt. Er hatte in letzter Zeit wenig gearbeitet, aber gerade jetzt hatte er einen wahren Kreativitätsschub, ihm war danach neue Dinge auszuprobieren und außerdem wollte er für Charles zu Weihnachten etwas malen. Er skizzierte auch wieder viel und hatte schon Termine in Grafikwerkstätten gemacht, um sich dort mit Drucktechniken und ähnlichem zu beschäftigen. Kunst war so ein unglaublich weites Feld, und da er ja nie eine Ausbildung genossen hatte und sich alles selbst beigebracht hatte, kannte er doch außer den üblichen Materialien nicht besonders viel. Jetzt hatte er ja glücklicherweise Zeit und Mittel, um das zu ändern. Sein altes Schlafzimmer hatte er ein wenig umgestellt, hatte mit ein paar Angestellten zusammen die größeren Möbel in einem anderen Zimmer des riesigen Hochhauses eingelagert und Platz geschaffen, sodass der Raum quasi sein Malzimmer geworden war. Der weite Blick aus dem Fenster hinaus war sehr inspirierend, und genug Platz war ebenfalls da. Und er konnte sich ein wenig zurückziehen und Geschenke für Charles ein wenig besser geheimhalten, da er dem Geschäftsmann dann schlichtweg verbat den Raum zu betreten. Er malte wieder auf großer Leinwand und das konnte man schlecht verstecken. Er war auch dazu übergegangen die Wohnung auf eigene Faust ein wenig in Schuss zu halten, das lenkte ihn ab, machte ihn ausgeglichener und die Putzfrau hatte dann etwas mehr Pause, worüber sie sicherlich nicht böse war.
Julian hatte sich für heute auch noch vorgenommen, Weihnachtseinkäufe zu erledigen, weshalb er schon den ganzen Morgen sehr aufgeregt war. Das war wirklich das Tollste an Charles´ ganzem Geld, von dem er nun auch profitierte: er konnte seine Freunde damit so wunderbar beschenken. Früher war dafür meist kein Geld da gewesen, und obwohl der Lockenkopf sicher gut genug war, dass seine Bilder tolle Geschenke abgaben, er wollte seinen Freunden auch mal etwas anderes schenken! Da er auch für Benjamin einkaufen wollte, hatte er sich eigentlich schon einen anderen Fahrer ausgesucht -Charles hatte ja zum Glück mehr als nur einen und Benjamin war sowieso mit dem Geschäftsmann unterwegs-, aber nun stand der ältere Mann doch tatsächlich schon viel früher als erwartet vor der Tür, und da hatte der Norweger schließlich doch beschlossen ihn mitzunehmen. Immerhin kannte er Benjamin doch von allen Leuten hier am besten und er mochte ihn auch am liebsten, auch, wenn er das vertraulichere Personal von Charles mittlerweile auch beim Namen kannte. Bei dem warmen Wetter, das in San Francisco herrschte war es beinahe etwas schwierig, in Weihnachtsstimmung zu kommen, und noch dazu machte Julian sich ein wenig Sorgen um Charles. Er hatte Benjamin gefragt, warum sein Chef ihn so früh nach Hause geschickt hatte, aber er hatte ihm auch keine wirklich Antwort geben können, und so musste sich der Blondschopf wohl damit zufriedengeben und bis heute Abend warten. In den prunkvoll dekorierten Kaufhäusern wurde man sowieso viel zu schnell abgelenkt. Für Grayce war es zum Glück sehr einfach etwas zu finden, Julian kannte ihren Modegeschmack und auch ihre Kleidergröße -aus diversen, teils peinlichen, gut gehüteten Gründen heraus- so gut, dass es kein Problem für ihn war, in den ganzen noblen Designerbotiquen ordentlich für sie einzukaufen. Er konnte wohl von Glück reden, dass er Benjamin noch bei sich hatte, denn oft beäugten ihn die Verkäufer und Verkäuferinnen in diesen Läden äußerst kritisch. Immerhin sah er keinesfalls so aus, als würde er zur High Society gehören. Der einzige Grund, weshalb er sich nicht furchtbar mies dabei vorkam, so viel Geld auszugeben war sowieso, dass er nichts für sich kaufte. Schließlich schleppte er eine große Tüte mit einem edlen schwarzen Wintermantel -natürlich mit dem designereigenen Leopardenfellfutter- und einem engen roten Cocktailkleid aus der Botique heraus, außerdem teures Makeup, alles so wunderschön in Geschenkpapier verpackt, wie Julian selbst es niemals gekonnt hätte. Etwas für Benjamin zu finden war ebenfalls eine Leichtigkeit, auch, wenn er den Chauffeur dafür eine Weile wegschickte. Er konnte den riesigen Stapel an Büchern zum Glück verpackt zuschicken lassen, weshalb Benjamin die Bücher nicht vor Weihnachten zu sehen bekommen würde, und außerdem war es so eine Vielzahl von Büchern, dass Julian sie ungern die ganze Zeit mit sich herumgeschleppt hätte. Für Chris hatte Julian in einem merkwürdigen kleinen Laden eine Vielzahl an seltenen Pflanzensamen gekauft sowie das dazugehörige kleine Gewächshaus, sodass der Naturfreund nach Herzenslust züchten konnte, außerdem gab es im Laden nebenan sehr leckeren Tee, und Julian konnte gar nicht anders, als eine ganze edle Holzbox für ihn auszusuchen, voll mit Kräuter- und Früchtetees.
Bei dem Freund des Hippies fiel dem Norweger die Auswahl schon etwas schwerer, immerhin kannte er ihn noch nicht so gut, aber er hatte so viel für ihn getan, und außerdem konnte er nicht der einzige sein, der nichts bekam! Nachdem er eine ganze Weile planlos herumgewandert war, hatte er mit großem Glück und Zufall ein Modell von Ethans Oldtimer gefunden, und er fand das kleine Auto einfach zu passend, um es stehen zu lassen. Und einen extrem teuren Whiskey -Julian hätte nie im Leben erwartet, dass man so viel Geld für Alkohol augeben könnte- hatte er ihm auch noch besorgt. Er hoffte einfach, dass Chris´ Freund sich darüber freuen würde.
Etwas für seinen eigenen Freund zu finden war wirklich schwieriger als gedacht. Charles konnte sich theoretisch alles selbst kaufen, und noch dazu bezahlte Julian es ja sowieso von seinem Geld, was die ganze Angelegenheit ein bisschen paradox machte. Klar, er bekam von ihm ein Gemälde, aber der Lockenkopf wollte das auch nicht als Universalantwort für alles nehmen. Zuhause waren noch unzählige Fotoabzüge, im Moment noch in einer kleinen Schachtel gelagert, sodass Julian beschlossen hatte, ihm ein Fotoalbum zu schenken, aber alles kam ihm so wenig vor, so wichtig war ihm Charles, dass ihm das irgendwie nicht ausreichte. Schließlich hatte er neben einer Flasche gutem Scotch noch eine schwere silberne Armbanduhr mit persönlicher Gravur erstanden und war ganz zufrieden mit sich und seinen Weihnachtseinkäufen. Für Charles hatte er noch ein weiteres, ganz besonders kitschiges Geschenk, das er gar nicht erst zu kaufen brauchte. Bei so vielen Geschenken war er ganz traurig, dass er noch so lange warten musste, um sie abzugeben, weshalb der Norweger beschlossen hatte, Charles heute schon eine Freude zu bereiten und ihm die Uhr schon jetzt zu schenken. Vielleicht hatte er wirklich einen unerfreulichen Tag gehabt und so eine Kleinigkeit würde ihm gut tun. Der Lockenkopf bedankte sich noch überschwänglich bei Benjamin, dass er mit ihm mitgekommen war, verstaute die Geschenke im Malzimmer und legte dann mit einem Ächzen die Füße hoch. Wenigstens war er jeglichem Weihnachtsstress entkommen, denn niemand war von ihm noch unbedacht, alle hatten ihre Geschenke bereits und er musste nur noch das Bild für Charles fertigstellen, was sicherlich ein leichtes werden würde.
Er war selbst wirklich noch nicht lange wieder zuhause, als der Geschäftsmann endlich nach Hause kam. Julian brauchte seine Stimme kaum zu hören, um zu ihm zu eilen, das Geräusch der Haustür hatte ihm schon ausgereicht, um eilig aufzuspringen und ihm glücklich um den Hals zu fallen.
„Charles, ich hab schon auf dich gewartet!“, stieß er lachend aus, beinahe etwas überrascht, wie fest sich die Arme des Älteren um ihn schlangen. Er sah auch irgendwie nicht gut aus, total gerädert und fertig, als wenn etwas Schlimmes passiert wäre.
„Ich hab dich vermisst“, lächelte er ihm sanft entgegen und stellte sich etwas auf Zehenspitzen, um ihm einen langen Kuss zu geben. Er wusste, dass sein Freund nach einem langen Tag Arbeit meist müde war und nicht mehr zu allzu viel zu gebrauchen war, besonders heute wohl nicht, aber das war nicht schlimm, Julian war schon glücklich, wenn er einfach nur bei ihm war. Er wollte dem Älteren gerade von seinem vorweihnachtlichen Geschenk an ihn erzählen, als Charles ihn unterbrach und ihm offenbarte, dass er sich gleich schlafen legen wollte. So sehr der Norweger es auch respektierte, dass der Geschäftsmann einen anstrengenden Job hatte, konnte er ein wenig Enttäuschung doch nicht vermeiden. Der Abend war innerhalb der Woche die einzige wirkliche Zeit, die sie zusammen hatten, und irgendwie hatte der Lockenkopf sich schon darauf gefreut gehabt zusammen zu Abend zu essen, gemeinsam vor dem Fernseher zu hocken und einfach die Nähe des anderen zu genießen. Er hätte Charles von seinem Weihnachtsbummel erzählt und ihm sein Geschenk überreicht- aber jetzt kam er sich irgendwie nur aufdringlich dabei vor.
„Ist irgendwas auf der Arbeit passiert?“, fragte er unwohl und legte den Kopf etwas schief, während er Charles unwohl hinterher schlich. Ihm selbst war noch gar nicht danach zumute, ins Bett zu gehen, immerhin war es noch früh, und es wunderte ihn schon ein kleines bisschen, dass Charles jetzt wirklich schon schlafen wollte.
„Kannst du wenigstens noch ganz kurz warten? Ich hab was für dich“, setzte er vorsichtig an und starrte dem Älteren hoffnungsvoll entgegen.
„Es dauert auch nicht lang, versprochen!“
Zum Glück schien Charles nichts dagegen zu haben, und so huschte Julian schnell in das andere Zimmer und kramte die schlichte schwarze Schachtel aus dem Gewirr an Tüten hervor, so rasch zu Charles zurückkehrend, dass er beinahe hingefallen wäre. Charles hatte sich augenscheinlich schon von Krawatte, Sakko und Schuhen befreit und Julian setzte sich neben ihm aufs Bett, ihn etwas aufgeregt anlächelnd.
„Ich war heute Weihnachtsgeschenke kaufen, und irgendwie hab ich Lust bekommen jetzt schon etwas zu verschenken, anstatt bis Weihnachten zu warten“, gestand er und wurde leicht rot um die Nase. Er streckte Charles das Päckchen entgegen, nervös darauf wartend, dass er es auspackte. Es war heute schwer in seinem Gesicht zu lesen.
„Sie ist sogar graviert“, beeilte er sich hinzuzufügen und zeigte auf die Rückseite des Zifferblattes, wo in sehr schmalen Buchstaben das Datum zu sehen war, an dem Charles aus seinem Koma erwacht war und noch dazu ein irgendwie kitschiges „In Liebe, Julian“, was der Norweger im Nachhinein lieber weggelassen hätte. Für eine ganze Weile sagte der Ältere gar nichts mehr und sein Gesichtsausdruck blieb leer, sodass der Norweger etwas unsicher war, sich auf die Unterlippe beißend.
„Gefällt sie dir nicht?“, fragte er traurig und blickte beschämt zu Boden. Vermutlich hatte er doch nicht so wirklich Ahnung davon, was reiche Leute trugen und hatte sich einfach vergriffen.
„Ich kann sie sicher noch umtauschen, dann kauf ich dir was anderes“, beeilte der Lockenkopf sich hastig zu sagen und zupfte unruhig an seinen Klamotten herum.
„Du bist heute so komisch“, brachte er schließlich etwas unsicher hervor, die grauen Augen seines Freundes suchend.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mi Okt 02, 2013 12:04 am

Seine Gedanken hatten ihn so stark eingenommen, dass ihm im ersten Moment gar nicht bewusst war, dass er seinen Freund irgendwie enttäuschen könnte, dass er sich einfach so zurückzog, ohne auch nur eine Stunde Zeit mit ihm verbracht zu haben, wo sie doch ohnehin bereits sich so selten an einem Tage sahen. Ein schweres Seufzen entwich seiner Kehle, während sich sein müder Körper auf den Rand seines Bettes setzte, sich die Augen reibend. Wie konnte Charles nur so unglaublich erschöpft sein, wie konnte sein Körper sich auf einmal so unglaublich träge und schwach anfühlen, wo er doch nur in seinem Büro gewesen war, nicht einmal viele Schritte hinaus in die weite Welt gesetzt hatte?!
So etwas war ihm neu, er hatte schon lange nicht mehr ein erdrückendes Gefühl in seiner Brust gespürt, das ihm die Luft zuschnürte, ihn schwer atmen ließ, dass er glaubte jeden Moment ersticken zu müssen. Wie erst hätte sich Julian gefühlt, wenn er auch nur die Existenz dieser Videobänder herausfinden würde? Was, wenn Edward sich so erdreisten würde und sogar einige Abzüge zu ihm ins Penthouse schicken würde, aus dem Wissen heraus, dass der Unternehmer ohnehin den ganzen Tag nicht daheim war, vielleicht wollte er dem Blondschopf ebenfalls drohen, ihm noch mehr wehtun als e es ohnehin sein ganzes Leben über getan hatte?! Der Dunkelhaarige konnte so etwas nicht zulassen, er wusste, dass sein ehemaliger Angestellter skrupellos war und dass er anscheinend alles tun würde, sogar seine Karriere aufs Spiel setzen, um den Norweger zurückzubekommen, doch dann würde er einfach ebenfalls alles, was er noch an Zweifel und Hemmungen hatte, ablegen, er würde eiskalt alles tun, damit es nicht erst dazu kommen würde, dass der Jüngere in diese toten, grauen Augen blicken musste, ganz gleich, welche Risiken er eingehen musste, ganz gleich ob er ihn eigenhändig ermorden müsste, alles war besser, als Julian in die Fänge dieses Monsters zurückgeben.
Charles war so in seinen Gedanken vertieft, in dem stechenden Schmerz im Inneren, sodass ihm kaum aufgefallen war, dass der Lockenkopf sich zu ihm gesellt hatte, fragend schielten die grauen Augen zu ihm hinüber, er zwang sich seinen Freund sanft anzulächeln. Er wollte ihm etwas geben oder zeigen, natürlich hatte der Größere absolut keine Ahnung um was es sich handelte, blickte die Schachtel neugierig an. Ob er weitere Überraschungen noch ertragen konnte?
Dennoch lauschten seine Ohren gespannt der Stimme des Kleineren, konnte sich ein leichtes, ehrliches Lächeln gar nicht verkneifen, nur zu gerne hätte er gesehen, wie der Junge durch die Läden geschwirrt war, wild nach Weihnachtseinkäufen suchend. Charles war schlecht wenn es um Geschenke ging, er hatte zwar mittlerweile eine ungefähre Ahnung, womit er seiner Liebe eine Freude bereiten konnte, doch selbst dabei waren seine Zweifel so groß, dass er sich noch mit Benjamin über die Sache unterhalten musste, aber all die Weihnachtsplanungen waren heute mit einem Schlag über den Haufen geworfen worden, er konnte selbst jetzt kaum einen klaren Gedanken über diese Jahreszeit fassen und das, obwohl Julian fast schon ansteckend gewesen war, nur leider…nicht heute. „Wenn du so ungeduldig bist, wirst du noch die ganzen Geschenke bereits verteilen.“, schmunzelte der Ältere, während seine langen Finger das Päckchen umfassten, es vorsichtig auspackend. Er wusste wirklich nicht, was dort drin sein könnte, sodass es für ihn wahrlich eine große Überraschung war, doch spätestens, als er die ausgepackte Schachtel betrachtete, tappte der Geschäftsmann nicht mehr so im Dunkeln wie vorher, öffnete vorsichtig die Verpackung, mit großen Augen die glänzende Uhr anblickend. Für einen Moment wusste Charles gar nichts, was er sagen sollte, eine neue Uhr war gut, er mochte Uhren, doch die Sprache wurde ihm erst genommen, als er sie vorsichtig in seinen Fingern herumdrehte, die Gravur erkennte- das Datum hatte sich in sein Inneres eingebrannt und diesmal würde er es tatsächlich auch noch um sein Handgelenk halten- es war ein guter Tag gewesen, keine Frage, und er wunderte sich noch heute über die Worte, die damals seine blassen Lippen verlassen hatten und diese Erinnerung bekräftigte nur seinen Wunsch, sein Verlangen den Kleineren zu beschützen, mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen!
Abermals hatte der Größere seinen Freund vergessen, vergessen, dass er ihm eine Resonanz geben musste, dass er noch kein Wort über dieses verfrühte Weihnachtsgeschenk verloren hatte, blickte erschrocken in die blauen Augen seines Gegenübers, heftig den Kopf schütteln, dabei schützend die Uhr etwas weiter von den schmalen Fingern des Künstlers entfernend, ehe er noch auf die Idee kam, sie ihm wieder wegzunehmen. „Nein, Julian, ich möchte keine andere, sie ist perfekt wirklich!“, protestierte der Ältere, dabei seinen Blick wieder zum versilberten Schmuckstück schweifen lassend, müde lächelnd. Sie war wirklich perfekt und es fühlte sich gut an zu wissen, dass Julian wusste, was ihm gefiel, dass er sich tatsächlich über ihn und über sein Geschenk Gedanken gemacht hatte. Alleine so etwas von jemand zu verlangen erschien dem Unternehmer beinahe schon zu viel, er hatte noch nie von einem Menschen so viel verlangt oder gar erwartet. Die nächsten Worte des Anderen fühlten sich jedoch weniger angenehm an, er konnte spüren, wie er sich unwohler fühlte, entschuldigend seinen Freund betrachtend, mit der freien Hand sanft über seine Wange streichend. „Es tut mir leid, ich wollte dich nicht verletzen, ich…ich hatte einfach noch nie in meinem Leben so viel in der Firma zu tun gehabt. Seit ich weg war, hat sich viel angestaut und die Arbeit mit neuen Partnern sitzt mir im Nacken und mein Buchhalter, der mir vorwerfen möchte, dass ich meinen Jet zu oft benutze…aber ich liebe diese Uhr, wirklich!“, seine Worte waren nicht einmal gelogen, keines davon, immerhin hatte Charles in der Firma wirklich sehr viel zu tun gehabt, er hatte so viele Projekte auf einmal am Laufen gehabt, dass er sich wunderte, dass er noch nach Hause kommen konnte und nun, nun war da noch Edward, Edward dieser Parasit, den er einfach nicht loswerden konnte, oh nein, stattdessen schien er sich gerade an seinem Inneren zu laben, es ging ihm gut in seinem Kopf, in seinem Herzen, sodass es dem Schwarzhaarigen so schwer fiel, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.
Fast schon beiläufig entledigte der Geschäftsmann seine linke Hand von der alten Armbanduhr, sie mit der neuen ersetzend. „Hier, die brauche ich jetzt nicht mehr.“, ein sanftes Lächeln zierte sich auf den schmalen Lippen des Älteren, während er behutsam seine alte Uhr in die Hände des Norwegers legte, sich anschließend zu ihm hinüberbeugend, ihm einen sanften, langen Kuss auf die weichen Lippen drückend. „Danke, Julian.“, wisperte Charles ihm leise entgegen, kurz mit seinen blonden Locken spielend, ehe sich sein Körper erhob, dem Blondschopf eine Hand reichend. „Es wäre unhöflich von mir, wenn ich mich jetzt ins Bett verkrieche, lass uns Abendessen und du erzählst mir etwas von deinen Einkäufen.“, Ablenkung wäre wahrscheinlich ohnehin das Beste, was ihm vielleicht den Schlaf retten könnte, Charles hatte es auch nicht bereut, als er mit dem Jüngeren sich wieder in sein Wohnbereich zurückzog, sie ausnahmsweise ihr Abendessen auf der Couch zu sich nahmen und Julian tatsächlich viele Stunden damit füllen konnte, ihm ausgiebig zu schildern, was er seinen Freunden alles gekauft hatte, er hatte nicht einmal Benjamin ausgelassen. Der Dunkelhaarige war amüsiert, ein wenig angetan davon, wie niedlich der Norweger doch war, wenn er ganz im Feiertagsrausch war und ihm wirklich für einen kurzen Augenblick die Sorgen aus den Augen vertreiben konnte, doch ganz konnte der Größere sich doch nicht ablenken lassen. Immer noch zuckten lebendige Bilder der Aufnahme vor seinem inneren Auge, oft spürte er wie seine Gedanken einfach wieder abschweiften und er kaum noch seinem Freund zuhörte, was ihm später unglaublich leid tat und er sich noch miserabler fühlte, jedoch froh darüber war, dass der Kleine so von seinem Erzählen eingenommen war, dass ihm nicht aufgefallen war, wie das Gesicht des Geschäftsmannes sich immer veränderte, je öfter düstere Erinnerungen aufkamen, die er am liebsten mit einem Schlag ausgelöscht hätte- manchmal lebte es sich als dummer Bauer wirklich besser, sie hatten nichts, was ihnen Sorgen bereiten konnten, weil sie es nicht verstanden, weil einige Probleme erst gar nicht entfachen würden.
Die Stimme des Jüngeren hatte beide fast die Zeit vergessen lassen und bei einem prüfenden Blick auf seine neue Uhr, wurde dem Größeren bewusst, dass es bereits später als gesund war. „Ich fürchte, du musst mir später beim Einkaufen helfen…ich weiß nicht viel über deine Freunde.“, murmelte seine Stimme zum Abschluss, ihn dabei anlächelnd, gefolgt von einem demonstrativen, leisem Gähnen. „Jetzt sollten wir jedoch ins Bett gehen.“, abermals schnappte er die schmale Hand des Norwegers, mit leisen Schritten zurück ins Schlafzimmer schlendernd, wo er sich fast schon träge seiner Kleidung entledigte und gegen bequemere Nachtwäsche austauschte. Seine Knochen fühlten sich mit jedem Male noch schwerer an, als hätte ihm jemand Blei in die Glieder gegossen, sodass er sich wunderte, dass er noch auf beiden Beinen stehen konnte, ließ sich jedoch umso erleichterter auf sein großes Bett fallen, seine grauen Augen zu Julian schweifen lassend, der im nächsten Moment neben ihm auf die weiche Matratze fiel. Routiniert schlang der Dunkelhaarige seine Arme um die schmale Taille, zog den Künstler näher zu sich heran, ihm erst einen innigen Kuss auf die Lippen drückend, ehe er seinen Mund auf sein blondes Haar presste. „Ich liebe dich, Julian.“, hauchte er ihm leise und ernst entgegen. Er konnte es gar nicht oft genug sagen und etwas sagte ihm, dass er es so oft er nur konnte stets wiederholen musste, er musste es den beiden in Erinnerung rufen, selbst wenn beide bereits sehr gut Bescheid wussten, war es dennoch etwas anderes, wenn man die Worte eigenhändig über die Lippen brachte und sie auch ehrlich meinte. Charles wollte ihn nicht mehr loslassen, die Angst ihn zu verlieren hatte sich wie ein Schatten um ihn gelegt und er begleitete ihn auf Schritt und Triff, ließ nicht mehr von ihm ab, sodass er gar nicht anders konnte, als sich noch enger gegen seinen Freund zu drücken, anschließend, wenn auch zaghaft die Augen schließend.
Eigentlich geschah es selten, dass er geplagt von Schlaflosigkeit war, wenn es ihm nicht gut ging, so schwirrten lediglich furchtbare, kräftezehrende Träume in seinem Kopf herum, doch diesmal bekam er nicht einmal ein Auge zu, konnte nicht einmal fünf Minuten versuchen zu dösen. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er in die Nacht hinein, lauschte dem regelmäßigen Atmen seines Freundes, der an seiner Brust zu schlafen schien, gedankenverloren über seinen Rücken streichend. Sonst beruhigte ihn die Nähe des Norwegers immer sofort, er konnte in seiner Nähe immer Schlaf finden, doch diesmal plagten ihn die Bilder erneut, waren schlimmer als jedes Schreckgespenst, ein Albtraum, für den er tatsächlich nicht einmal die Augen zu schließen brauchte, immerhin war er da, umgab ihn den ganzen Tag und Charles wusste, dass er noch weitere Tage ihm jede nächtliche Ruhe rauben würde. Unmerklich stieß der Ältere ein leises Seufzen aus, ließ den schmalen Körper des Blondschopfs nur ungerne los, als er sich langsam im Bett aufsetzte, sein Gesicht einen kurzen Moment lang verbergend, jedoch rasch zur Seite blickend, als sich Julian regte, seine Stimme schlaftrunken erklang. Er konnte immer noch die blauen, müden Augen sehen, wie sie ihn in der Dunkelheit anleuchteten, beugte sich vorsichtig zum Kleineren herunter, ihn sanft auf die Matratze drückend, dabei seinen sanften Kuss auf seinen Mund hauchend. „Es ist nichts, Julian, schlaf einfach weiter. Ich werde auch gleich einschlafen.“, entgegnete er mit ruhiger Stimme, zwang sich abermals zu lächeln, sich kurz neben seinem Freund legend, so lange, bis er glaubte, er wäre wieder eingeschlafen. Bedacht langsam schlich der Unternehmer sich aus dem Bett heraus, schloss leise die Schlafzimmertür hinter sich, leise zu seinem Büro stolzierend, wo er lediglich die Schreibtischlampe einschaltete, sich kurz in der Spiegelung seines Computerbildschirms betrachtend. Er sah so müde aus, dass er sich beinahe vor sich selbst erschrak, doch so gerne er auch Schlaf finden mochte, so sehr er seine Ruhe wollte- sie wurde ihm geraubt, Edward hatte sie ihm in dem Moment genommen, als er sein Büro in der Firma betreten hatte, als seine Stimme erklang und von den hohen Decken widerhallte und Charles bezweifelte, dass er seine Ruhe so schnell wieder zurückbekommen würde, hatte sich bereits darauf eingestellt, dass er lange warten müsste, vielleicht sogar viel länger als ihm lieb war.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Fr Okt 04, 2013 7:15 pm

Die Angst, dass er mit seinem lieb gemeinten vorweihnachtlichen Geschenk etwas falsch gemacht haben könnte, hatte dem Blondschopf für einige Augenaufschläge die Kehle zugeschnürt, er hatte Charles wirklich nur helfen wollen, ihn ein klein wenig aufmuntern wollen, und wenn er das nicht konnte, wozu war er dann gut? Umso erleichterter war er, als Charles endlich einen Kommentar zu der Uhr abgab. Erleichtert seufzte er auf, schob seine Mundwinkel wieder etwas nach oben. Es fiel ihm einfach so schwer sich vorzustellen, dass der Geschäftsmann sich von irgendetwas so aus der Fassung bringen lassen könnte, und am wenigsten noch von seiner eigenen Arbeit. Aber vermutlich durfte auch er mal k.o. sein und sich nach ein wenig Pause sehnen und es war irgendwie gemein von dem Lockenkopf gewesen, jetzt Freudenausbrüche zu erwarten. Und dennoch wärmte es sein Herz, dass Charles sein Geschenk wohl doch zu gefallen schien, sodass Julian nicht einmal anzweifelte, dass er es ernst meinte. Immerhin hätte er ihm auch einfach vorspielen können, dass ihm die Uhr gefiel und weil er ihn nicht verletzen wollte. Aber so dachte der Norweger nicht von dem Älteren, das könnte er gar nicht, er war selten misstrauisch oder sah das Schlechte in anderen.
„Also gefällt sie dir doch?“, strahlte er freudig und drückte sich etwas enger an seinen Freund heran. Er liebte  es immer noch, dieses Wort auch nur zu denken, es fühlte sich so gut an. Ob Charles auch manchmal über solche Dinge nachdachte? Bestimmt nicht, er war kein 21-jähriger Halbstarker, er war immerhin schon mal verheiratet gewesen! Auch, wenn der Norweger zugegeben nicht gerne darüber nachdachte. Er strich die unliebsamen Gedanken an Jennifer wieder aus seinem Kopf, wandte sich voll und ganz seinem Freund zu.
„Ich weiß, dass es ein wenig blöd ist, weil es ja irgendwie sowieso dein Geld ist von dem ich sie gekauft hab, aber ich hoffe einfach, dass der Gedanke zählt?“, fügte er etwas unsicher hinzu und legte den Kopf ein wenig schief. Er musste mit seiner Kunst ganz bald Geld machen, damit er Charles Dinge von seinem eigenen Geld kaufen konnte.
Für einen Moment verschattete sich das Gesicht des Jüngeren, während Charles ihm von dem Stress in der Arbeit erzählte. Natürlich, er war lange fort gewesen, und Julian konnte sich vermutlich nur ansatzweise vorstellen, wie es in so einer großen Firma lief, wie viel Arbeit dort anfiel. Aber für einen kurzen Moment hatte er wirkliche Zweifel, dass das alles sein sollte. Etwas an Charles´ Blick wirkte ganz und gar nicht nach einem Stapel Papierkram und einem nervigen Buchhalter. Die blauen Augen verengten sich für einen Moment forschend, beobachteten das Gesicht des Dunkelhaarigen  ganz genau, aber mit einem Seufzen gab er schließlich auf. Er wollte Charles keine Lüge unterstellen und seine Laune wohlmöglich noch mehr senken oder gar einen Streit provozieren. Wohlmöglich würde er ihm ja noch von ganz alleine erzählen was los war.
„Wenn ich dir irgendwie was abnehmen kann, brauchst du es nur zu sagen“, versicherte Julian ihm. Klar, was die Geschäftsangelegenheiten betraf war er sicher keine Hilfe, aber er konnte hier Zuhause versuchen so hilfreich und unanstrengend wie nur irgend möglich zu sein! Mit einem warmen Lächeln nahm er die alte Armbanduhr entgegen, sie behutsam beiseite legend. Bestimmt war sie immer noch verdammt viel Geld wert, und Julian wollte mit nichts, was dem Unternehmer gehörte, unvorsichtig umgehen. Seine Finger griffen leicht nach Charles´ Händen, als er ihn küsste, schloss genießend die Augen. Wenn er so darüber nachdachte….So hatte er sich nicht einmal bei Blake gefühlt, so zufrieden mit allem und vor allem hatte er sich nie in seinem ganzen Leben so unglaublich sicher gefühlt. Eine angenehme Gänsehaut breitete sich über seinem Rücken aus, als der Ältere durch seine Locken strich und er drückte seine Hände ein wenig fester, sich mit einem wohligen Seufzen an ihn anlehnend. Der Lockenkopf hoffte einfach, dass die Arbeit bald weniger stressig sein würde und Charles wieder zur Ruhe kommen konnte.
„Nichts zu danken!“, strahlte er ihm entgegen und war schon beinahe aufgesprungen, bevor es sein Freund getan hatte. Er hatte darauf gehofft, dass Charles noch mit ihm wach bleiben würde, denn ehrlich gesagt war es dem Blondschopf noch viel zu früh. Gekocht hatte wie immer Charles´ Personal, aber Julian hatte sich angewöhnt, wenigstens hin und wieder selbst eine Nachspeise zu machen, und dieses Mal hatte er einen süßen, norwegischen Pudding gemacht, der einem beinahe die Zähne zusammenklebte. Hoffentlich war es für den Älteren nicht zu süß. Nur zu gerne füllte er die Stille mit einem Bericht über seine Einkaufstour, immerhin war Julian selten ohne den Älteren unterwegs, und es war immer noch alles etwas neu für ihn, die teuren Botiquen, mit einem Leibwächter herumzulaufen, auch, wenn er Benjamin eigentlich eher als Freund mitgenommen hatte. Er hatte selbst gar nicht gemerkt, wie viel er gequasselt hatte, und er hatte ja auch keine schicke neue Armbanduhr, auf die er schauen konnte!
„Na klar, ich liebe Weihnachtsgeschenke einkaufen, dann gehen wir die Tage zusammen“, beschloss der Jüngere zufrieden und schenkte Charles ein breites Lächeln.
„Sie sind bestimmt bald auch deine Freunde“, fügte er eilig hinzu. Jedenfalls hoffte er das. Chris und Charles würden sich vermutlich nie so wirklich gern mögen, aber Ethan war doch ein ganz anständiger Kerl, und Grayce war eigentlich auch ganz umgänglich, eigentlich sprach nichts dagegen. Dass Charles sich nicht nur mit strengen Unternehmern umgab, nun, dafür war er selbst ja nur der beste Beweis!
Als der Dunkelhaarige ihn auf die Uhrzeit hinwies, stieß er einen überraschten Laut aus und sprang eilig vom Sofa auf.
„Warum hast du nicht eher was gesagt, ich wollte dich nicht so lange wachhalten“, murmelte er schuldbewusst und folgte dem Älteren ins Schlafzimmer. Mittlerweile war es wirklich so spät, dass sie getrost schlafen gehen konnten. Der Lockenkopf ärgerte sich wirklich, dass er neben seinem ganzen banalen Gerede den Unternehmer beinahe vergessen hatte. Dabei hätte er ihm auch etwas Gutes tun können, er hätte ihn zum Beispiel massieren können, um mögliche Verspannungen zu beseitigen, aber jetzt musste er das wohl auf morgen verschieben, in der Hoffnung, dass es am nächsten Tag vielleicht schon gar nicht mehr so unbedingt notwendig sein würde. Schnell schlüpfte er in seine Schlafkleidung, zu Charles unter die Decke krabbelnd und sich an seine Brust schmiegend. Früher war er immer so ein unruhiger Schläfer gewesen, aber wenn er jetzt so nah bei dem Älteren lag, bescherten ihm sein Atem und der ruhige Herzschlag immer eine ruhige Nacht. Eine angenehme Gänsehaut breitete sich über seinen ganzen Körper aus bei den Worten des anderen und er lächelte glücklich.
„Und ich dich noch viel mehr“, antwortete er leise und drückte Charles einen leichten Kuss auf die Lippen. Es dauerte nicht lange, bis er eingeschlafen war, traumlos und tief, jedenfalls so lange, bis er neben sich Bewegung bemerkte, Müde blinzelnd wachte er auf, den Körper des anderen in der Dunkelheit neben sich sitzend ausmachend.
„Was ist los?“, nuschelte er verschlafen und rieb sich die Augen, sich ebenfalls aufsetzend und sich durch die vollkommen durcheinander geratenen Haare fahrend. Wenn Charles irgendetwas bedrückte, dann wollte er nicht einfach doof weiterschlafen! Aber er war noch viel zu benebelt, um groß selbstständig nachzudenken, und als Charles ihn wieder auf die Matratze drückte und ihm einen sanften Kuss gab, war der Norweger schnell wieder eingeschlafen, sich eng an seinen Freund kuschelnd, der sich wieder zu ihm gelegt hatte.
„Okay, dann schlaf ich jetzt weit…..“
Er schaffte es nicht einmal mehr den Satz ganz zu beenden, bevor er wieder eingeschlafen war, aber auch dieses Mal nicht für besonders lange. Die fehlende Körperwärme des Älteren schreckte ihn auf, er drehte sich im Schlaf unruhig herum und suchte nach dem Körper des anderen, aber er war nirgends zu finden. Mit einem unglücklichen Laut wachte er schließlich doch wieder auf und blickte sich blinzelnd um. Von Charles war nichts zu sehen, und auch aus dem Bad drang kein Licht hervor, also war er nicht nur eben aufs Klo gegangen.  Ein paar Minuten gab Julian sich und seinem Freund noch Zeit, sodass er schließlich doch wieder einigermaßen wach war, als er die Beine aus dem Bett schwang, um nach Charles zu suchen. Er musste nicht lange suchen, immerhin war das Apartment zwar geräumig, aber nicht riesig. Natürlich hatte der Ältere ihn gehört, immerhin war es sonst totenstill, und sein Anblick verursachte Julian ein unangenehmes Gefühl in der Magengrube.
„Was ist wirklich los, Charles?“, murmelte er und blieb unsicher in der Tür stehen. Es war offensichtlich, dass er ihm etwas verheimlichte.
„Wieso kommst du nicht zurück ins Bett? Ich hab auf dich gewartet“, presste er hervor und starrte auf seine nackten Zehen, bevor er zu ihm hinüber tappste und ihm von hinten die Arme um den Hals legte, sein Kinn auf seiner Schulter platzierend.
„Du hast mir nicht die ganze Wahrheit gesagt, oder?“
Seine Stimme war leise, aber mit einem leichten Hauch an Enttäuschung, den er nicht verbergen konnte. Hatten sie sich nicht schon so oft geschworen, dass sie ehrlich zueinander sein wollten? Was konnte passiert sein, dass Charles ihn anlog? Für einen Moment tat ihm der Gedanke so weh, dass er vom Geschäftsmann abließ und mit verschränkten Armen im Zimmer auf und ab ging. Der Schlaf klebte noch immer an ihm und machte ihn unzurechnungsfähig, paranoid, ja, das musste es sein.
„Kannst du mir nicht einfach sagen was los ist? Ich….Ich mach mir Sorgen. Ist es- Es ist immer noch wegen Edward, oder?“
Julian hatte gemerkt, dass die Geschichte aus seiner Vergangenheit Charles beinahe mehr zugesetzt hatte als ihm selbst, und es war irgendwie die einzige Sache, die er sich vorstellen konnte, die Charles vor ihm geheimhalten würde, und dann war es ihm schon fast lieber, es wäre wirklich nur dieser elendige Psychopath, als dass Charles noch mehr vor ihm versteckte, vielleicht viel größere, schlimmere Dinge. Sein Herz pochte wild gegen seinen Brustkorb und ein dicker Kloß steckte in seinem Hals, als der Lockenkopf einige Schritte von Charles entfernt stehen blieb und ihn aus beinahe ängstlichen Augen anblickte.
„Stört es dich doch irgendwie, ich meine, ich…..Du wolltest keine Geheimnisse mehr vor mir haben“, schluckte Julian schwer und verharrte unschlüssig an Ort und Stelle.

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   So Okt 06, 2013 10:46 pm

Minuten erschienen wie Ewigkeiten und dennoch hatte Charles nicht das Gefühl gehabt, er wäre lange weg gewesen, hätte lange in seinem Büro gegrübelt, mit grauen, müden Augen die Skyline betrachtet und dennoch an den ganzen hohen, teilweise beleuchteten Gebäuden vorbeigeschaut, wusste nicht einmal, was er in diesem Moment fokussierte, eingenommen von all dem, was heute widerfahren war, wunderte es ihn sogar ein wenig, dass er überhaupt noch irgendetwas zustandebringen konnte, dass seine Ohren die leisen Schritte seines Freundes vernahmen. Natürlich, der Dunkelhaarige hätte sich denken können, dass er nicht einfach so weiterschlafen würde ohne zu merken, dass er weg war, doch irgendwie hatte er es gehofft, hatte gehofft, dass Julian so müde von all den Einkäufen und den Erzählungen war, dass sie sich heute Nacht nicht noch einmal in die Augen sehen konnten. Er wusste, dass sein Benehmen unüblich war, er konnte seinen Freund nicht für dumm verkaufen und hoffen, dass er nichts davon bemerkte, auch wenn sein Inneres sich nichts sehnlicher wünschte, als die Ahnungslosigkeit, die im zarten Körper des Jüngeren steckte, damit er nicht in diesen Sumpf auch noch hineingezogen wurde, damit er ihn vor diesen schrecklichen Dingen schützen konnte, denn wie sollte er denn noch das strahlende Lächeln des heutigen Abends aufrecht erhalten, wenn er wusste, was Edward ihm zusätzlich angetan hatte?! Wie sollte er überhaupt je wieder lächeln können. All die Enttäuschungen und der Schmerz, der dem Lockenkopf zugefügt worden war, es war zu viel gewesen und Charles wollte verhindern, dass es noch schlimmer wurde, wollte ihn vergessen lassen, dass diese Zeiten je existiert hatten, auch wenn er wusste, dass es egoistisch von ihm war zu verlangen, dass er diese Augenblicke einfach vergaß, auch die, wo der Unternehmer selbst dafür verantwortlich war, wo er ihn bewusst verletzt hatte, sich benahm wie ein Unmensch, kaum besser als sein ehemaliger Angestellter.
Sein Kopf drehte sich kurz um, blickte in der verschlafene Gesicht des Kleineren, starrte einen Moment lang in die strahlend blauen Augen, die selbst bei dem fahlen Licht immer noch so hell leuchteten. An jedem anderen Tag hätte er sich in ihnen verloren, jetzt jedoch fühlte es sich fast so an, als würden diese Augen tiefe Wunden in sein Inneres schneiden, als würden sie sehen, was er für ein Mensch gewesen war, was er ihm angetan hatte. „Verzeih, ich wollte dich nicht geweckt haben.“, stieß seine Stimme leise aus, sich zu einem dünnen Lächeln zwingend, welches ihm jedoch misslang, sich hastig wieder herumdrehend, seine eigene Spiegelung im Glas betrachtend. Was sollte er ihm nur sagen? Einen Moment lang konnte er nicht einmal ein Wort über die Lippen bringen, suchte nach den richtigen Formulierungen, doch nichts schien sich in seinen Kopf hineinschleichen zu wollen, zum ersten Mal fehlten ihm regelrecht die Worte, irgendwelche, die beruhigend waren, die Julian ein sicheres Gefühl gaben, dass er sich nicht noch um ihn Gedanken zu machen brauchte. Charles öffnete für einen Moment den Mund, hielt jedoch ebenso schnell wieder inne, als sich plötzlich die Arme des Blondschopfs um ihn schlangen, strich sanft über seine Hände, einen Moment lang einfach nur die Wärme, die Nähe des Anderen genießend, die ihn sonst immer so gut beruhigen konnte. Warum tat sie es diesmal nicht, der Ältere konnte nicht verstehen wie er auf einen Schlag sich so furchtbar fühlen konnte, wie er es nicht einmal schaffte in der Gegenwart der Person, die er liebte, sich zusammenzureißen, stattdessen stand er hier, unfähig ein Wort über die Lippen zu bringen, stattdessen betroffen zur Seite starrend, gefolgt von einem leisen, schweren Seufzer, ehe er seinen Arm wieder hinuntergleiten ließ. „Ich..ich hab versucht zu schlafen, doch ich schaffe es nicht.“, gestand der Größere nach einer Weile, bei den folgenden Worten des Norwegers weiteten sich jedoch die grauen Augen, ein Hauch von Angst hatte sich in seinem Inneren breit gemacht, als er die Enttäuschung aus der Stimme des Kleineren heraushören konnte- er wollte ihn nicht enttäuschen, nicht so und auch nicht jetzt, er wollte ihn eigentlich niemals wieder enttäuschen, doch hatte Julian nicht ganz Recht mit seinen Worten behalten, wenn auch nicht Unrecht. Der Dunkelhaarige hatte ihn nicht angelogen, keiner seiner Worte waren eine blanke Lüge gewesen, die er dem Kleineren schamlos vorgetischt hatte, doch konnte er nicht leugnen, dass er nicht alles gesagt hatte, dass er wohl den schlimmsten Teil in seinem Inneren behalten hatte, aus guten Gründen, Gründen, die wahrscheinlich jeder andere Mensch verstehen könnte.
Und plötzlich hatte ihn auch noch die vertraute Wärme des anderen, schmalen Körpers verlassen, sodass sich wieder die Kälte um seinen Leib legte, die Kälte, die ihn bereits nicht hatte einschlafen lassen. Langsam drehte der Geschäftsmann sich zum Lockenkopf herum. Nein, genau dies wollte er vermeiden, er wollte nicht, dass Julian sich etwas einredete, was gar nicht stimmte, dass er glaubte, Charles würde ihn belügen, Geheimnisse vor ihm haben, auch wenn er nicht leugnen konnte, dass dies der Wahrheit entsprach und dass er genau dies vermeiden wollte, immerhin waren sie lang genug zusammen gewesen, hatten genügend durchgemacht um zu wissen, dass es stets besser war, wenn man ehrlich zueinander war und vielleicht…vielleicht hatte er ein Anrecht darauf zu wissen, was der Ältere wusste, vielleicht würde er ja sogar verstehen, warum er es vor ihm niemals erzählen wollte. Abermals öffnete er seinen Mund, konnte jedoch nichts sagen, nickte stattdessen leicht, als der Name des Mannes fiel, der ihnen erst diese schlaflose Nacht bereitet hatte. „Julian, es geht nicht um das, was du mir berichtet hast…natürlich stört es mich zu wissen, was er dir angetan hatte, wie er mit dir umgegangen ist…doch das macht dich zu keinem anderen Menschen für mich.“, der Unternehmer trat einige Schritte näher an den schmalen Körper des Norwegers heran, der leidende Ausdruck in seinen Augen weckte die Bilder in seinem Kopf, furchtbare Bilder, die ihn wohl noch viele weitere Nächte über begleiten würden, Charles wusste, dass sie nie wieder verschwinden würden.
Leidend musterte er das hübsche Gesicht seines Freundes, platzierte nebenbei seine Hände auf den schmalen Schultern des Jüngeren, ihn einen Moment lang schweigend betrachtend, während er sich fragte, wie er es ihm schonend sagen sollte und ob es überhaupt eine gute Idee war, seinen Mund zu öffnen, das zu offenbaren, was er seit heute Morgen vor der ganzen Welt verstecken wollte. „Möchtest du es wirklich jetzt hören und nicht auf morgen warten?“, die grauen Augen blickten das junge Gesicht prüfend an. Er kannte die Antwort noch bevor Julian etwas gesagt hatte, wusste bereits von vornherein, dass er nicht warten wollen würde, dass er nicht die Geduld und eine schlaflose Nacht zugleich aufbringen wollte um auf Antworten zu warten. Dabei war dem Schwarzhaarigen bewusst, dass sie diese Nacht wohl beide wachliegen würden, dass es vielleicht sogar noch unangenehmer werden würde, als wenn der Blondschopf warten würde.
„Lass uns lieber zurück ins Bett gehen, es ist kalt hier.“, mit diesen Worten schnappte er sich die Hand des Kleineren, knipste beiläufig das kleine Licht an seinem Schreibtisch aus, ehe die beiden zurück ins Schlafzimmer schlenderten, Charles müde die zerwühlten Laken einer unangenehmen Nacht betrachtete, sich wieder auf seinen Platz setzte, dabei Julian näher zu sich heranzog. „Edward war heute bei mir.“, setzte er anschließend an, konnte spüren, wie sich ein furchtbarer Knoten in seinen Eingeweiden bildete, dass es in seiner Brust gewaltig schmerzte und dabei hatte er noch nicht einmal angefangen. „Ich bin schon davon ausgegangen, dass er mich nicht so schnell in Ruhe lässt- dieser Mann ist das Grauen. Er hatte gehofft mich irgendwie überzeugen zu können, wollte an dich ran, nur diesmal glaubt er etwas gegen uns in der Hand zu haben.“, der Ältere verzog sein Gesicht, hielt einen Moment inne, während seine Finger immer wieder über den schmalen Rücken seines Freundes strichen, Beruhigung in seiner Nähe suchten, doch nichts schien ihn jetzt noch ruhig stellen zu können- er war aufgewühlt, zornig und so voller Hass, doch galt dieser Hass nicht nur seinem ehemaligen Angestellten sondern auch sich selbst, denn all die Erinnerungen, die wieder wachgerufen wurden, machten es alles nicht einfacher, machten es vielleicht schlimmer. Schnell suchte er die Augen des Jüngeren, ihn dabei ernst anstarrend, ohne auch nur einen Moment lang wegzuschauen. „Julian, du musst wissen, dass ich dir nichts sagen wollte, weil ich dich beschützen will, ich möchte dich vor Edward bewahren, vor allem, was er dir angetan hat, ich will ihn nicht mehr in dein Leben lassen und deswegen…deswegen konnte ich es dir nicht sagen, deswegen kann ich es nicht einmal jetzt sagen, weil du viel zu wertvoll bist, weil du es verdienst, glücklich zu sein.“, mit jedem Wort stieg der Schmerz nur noch an, schwoll in seiner Brust zu einem großen Klumpen an, der ihn ganz einzunehmen schien, während er hoffte, dass der Künstler ihn verstand, dass er es ihm nicht übelnahm oder gar immer noch enttäuscht war, dass der Dunkelhaarige nicht gleich die Wahrheit gesagt hatte.
Charles holte ein letztes Mal tief Luft, seine linke Hand anstarrend, die zu beben begann. „Als ich nicht eingewilligt habe, hat er mir mit einem Druckmittel gedroht. Er…hat es bei mir gelassen und gesagt er würde damit an die Öffentlichkeit gehen, wenn ich dich ihn nicht freiwillig überlasse.“, er konnte wieder die Kälte auf seiner Haut spüren, ihm war so fürchterlich kalt, dass er sich fragte, ob sein gesamter Körper zitterte, ob er bebend auf seinem Bett saß oder es sich nur innerlich so anfühlte. Vorsichtig schielte der Geschäftsmann zum Lockenkopf, konnte nicht verbergen wie schwer es ihm fiel auch nur etwas darüber zu sagen, alleine schon darüber nachzudenken machte ihn regelrecht verrückt. „Julian, er…er hat euch gefilmt. Bitte verzeih, ich wollte dich davor bewahren, ich hatte nie gedacht, dass dieser Mann zu mehr fähig ist, doch…das ist die Wahrheit und…es tut mir leid, Julian. Alles, was er dir je angetan hatte, alles, was ich dir je angetan hatte, wenn ich jemals gewusst hätte…“, Charles stockte, schlang seine Arme um den Körper seines Freundes, ihn enger zu sich heranziehen. „…ich wollte dich nie auf diese Art verletzen wie er es getan hatte. Ich…ich verspreche dir, dass niemand diese Aufnahmen zu sehen bekommt, Edward wird nicht damit durchkommen, er ist ein Narr, wenn er glaubt, dass er mir drohen kann und noch ein viel größerer, wenn er wirklich seine Drohungen wahrmachen möchte...aber..aber so weit wird es gar nicht erst kommen. Ich schwöre dir, dass er nie wieder in unser Leben kommt, er bekommt dich nicht, nicht solange ich hier bin, er wird dich niemals wiederbekommen.“, seine Finger vergruben sich im Stoff seines T-Shirts, Charles fühlte sich selten so elend und nie wusste er wie er damit umgehen sollte. Er wollte stark sein, er wollte für Julian da sein, immerhin war es er, der gefilmt worden war, der so gedemütigt worden war, nicht der Unternehmer- er hatte kein Recht sich so zu fühlen, kein Recht sich zu benehmen, als wäre es er gewesen, den man gefesselt und vergewaltigt hatte, dessen wichtige Arbeiten man schlichtweg zerstört hatte, einfach so, aus Boshaftigkeit heraus. Wer war er, wenn er jetzt begann sich so zu benehmen? Er musste einen klaren Kopf bewahren, er musste Julian beschützen, immerhin war er das Einzige in seinem Leben, das einzig Wichtige, was seinem Leben einen Wert gab, einen größeren Wert als all das Vermögen, das er besaß.

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Okt 07, 2013 10:29 pm

Es beunruhigte Julian nun doch ein wenig, wieso Charles so durch den Wind war. Er hatte seinen Freund noch nie so erlebt, eigentlich war er immer so ruhig und gefasst und er ließ sich nicht so schnell aus dem Konzept bringen, was also war wirklich passiert, dass es selbst Charles so fertig machte? Es machte dem Lockenkopf irgendwie Angst, und er blickte aus unruhigen blauen Augen zu Charles hinauf, als er zu ihm herangetreten kam. Wenigstens hatte es nichts direkt mit ihm zu tun, was der Blondschopf schon befürchtet hatte. Er war jetzt selbst mit seiner Vergangenheit nicht besonders im Reinen, wie konnte er also von anderen erwarten, dass sie nicht ihr Bild auf ihn trübten? Klar, der Geschäftsmann wusste sicherlich, worauf er sich eingelassen hatte, aber auf er anderen Seite waren solche Grausamkeiten wie Edward keine Selbstverständlichkeit. Oh, wenn es Charles so sehr mitnahm, dann würde Julian ihm niemals all die Geschichten erzählen, in denen ein Freier ihn verletzt hatte. Mit einem kurzen, heftigen Stich im Herzen musste er zugeben, dass Charles auch einer von ihnen hätte sein können. Eilig verschob er den Gedanken aus seinem Kopf als hätte er Angst, dass Charles Gedanken lesen könnte. Und ganz sicher wären solche Gedanken der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Noch dazu warf Julian es ihm ja nicht einmal vor, was er alles für ihn getan hatte ihre Anfangszeit schon tausend mal wieder wett gemacht, und dennoch hatte er ein schlechtes Gewissen, dass er auch nur für eine Millisekunde so gedacht hatte. Ein Kloß hatte sich in seinem Hals gebildet, der ihm das Sprechen erschwerte, als ihm Charles eine Frage stellte, weshalb er ihm ersten Moment nur den Kopf schütteln konnte, bevor er sich mit etwas heiserer Stimme zu Wort meldete.
„Was macht es für einen Unterschied? Wenn du es mir jetzt nicht sagst, lieg ich doch nur die ganze Nacht wach“, antwortete er entschlossen und verschränkte die Arme vor der Brust. Er konnte im Gesicht des Älteren lesen, dass er sich eine andere Antwort erhofft hatte, aber er musste wissen, dass der Künstler recht hatte. Dass es hier kalt war lag vermutlich weniger an dem Raum selbst, jedenfalls wurde ihm auch im Schlafzimmer nicht nennenswert wärmer, und das, obwohl er zu mindestens seine Beine im Sitzen wieder unter die warme Decke geschoben hatte. Das eher spärliche Licht der Nachttischlampe warf lange Schatten im Schlafzimmer, während Charles sich zu ihm setzte, und Julian war ihm nur allzu dankbar dafür, dass er ihn sofort näher an sich heranzog. Garantiert war das, was er zu sagen hatte, nicht besonders angenehm, immerhin schien es mit Edward zu tun zu haben, da konnte es nur grauenvoll sein. Und die Nähe des Dunkelhaarigen war wohl das einzige, was ihn irgendwie aufheitern konnte. Und vielleicht half es ihm ja auch, wenn er nicht ganz alleine erzählen musste. Das Herz schlug ihm bis zum Hals, so nervös war er, und da war er wohl nicht der einzige. Er konnte sehen, wie die Hand des Unternehmers zitterte, und kaum etwas machte ihm mehr Angst. Charles zitterte? Was hatte Edward bloß angerichtet, dass es einen erwachsenen, starken Mann so aus der Fassung bringen konnte? Aber allein die Tatsache, dass er in Charles Büro gewesen war, reichte schon aus, um ihn aufseufzen zu lassen. Aber er ließ Charles weiterreden, besorgt die Stirn runzelnd. Charles erzählte es ihm jetzt, dass er ihm vor ein paar Stunden die Wahrheit verschwiegen hatte würde er ihm jetzt nicht mehr weiter vorwerfen, das wäre albern, und Streit zwischen ihnen wäre mehr als unnötig. Immerhin war Edward der Feind und nicht sie untereinander. Das fehlte ja nur noch, dass dieser Sadist auch noch einen Keil zwischen sie trieb! Beruhigend streichelte Julian über die Hand des anderen, schüttelte nur leicht den Kopf.
„Ich bin dir nicht böse, es ist in Ordnung. Du sagst es mir ja jetzt. Mach dir deswegen keine Sorgen, ja?“
Er versuchte seine Stimme so ruhig wie nur irgendwie möglich klingen zu lassen, aber ein Hauch von Besorgnis und Unsicherheit war dennoch darin. Wie sollte er auch ruhig bleiben, wenn selbst Charles schon so panisch klang? Seine Augen blieben auf das blasse Gesicht des anderen fixiert während er sprach, während die Worte wie schwarzes Gift in seine Seele sanken. Im ersten Moment hatte er sich nicht vorstellen können, was Edward für ein Druckmittel haben könnte, immerhin war er schon so lange Zeit aus seinem Leben verschwunden gewesen, dass der Lockenkopf sich kaum noch Gedanken um ihn gemacht hatte. Eigentlich hatte er das nie bis zuletzt, und selbst da hatte er diesen Idioten schnell wieder aus seinem Kopf gestrichen. Doch was der Unternehmer ihm jetzt berichtete…..Er hätte sich schon fast gewünscht, dass die Liebesbekenntnisse etwas schneller über seine Lippen glitten, damit er endlich Bescheid wusste. Und als die Worte dann endlich raus waren, wünschte er sich einfach nur, sein Freund würde sie wieder zurücknehmen. In all den Jahren hatte er gedacht, er hätte es hinter sich gebracht, dass diese eine Woche mit Edward endlich vorbei wäre, aber anscheinend hatte jede von seinen Schandtaten weitergelebt. Er hatte seine kleinen Filme gehabt, die ganze Zeit über. Kein Wunder, dass er ihn nicht vergessen hatte, kein Wunder, dass er immer noch hinter ihm her war. Wie oft hatte er sich wohl diese grauenvollen Videos angeschaut? Wie oft hatten diese Bilder sein schwarzes Herz mit widerlichen Fantasien gefüllt? Ob noch andere Leute diese Videos gesehen hatten, ob noch andere Leute gesehen hatten, wie schrecklich ihn Edward erniedrigt hatte? In dem Jüngeren hatte sich alles zusammengezogen und es fiel ihm schwer, sich auf Charles und seine Worte zu konzentrieren.
„Hast du sie gesehen?“
Das war das einzige, was er im ersten Moment herausbrachte. So eine Geschichte zu erzählen war eine Sache, aber wenn Charles wirklich die Bilder dazu im Kopf hatte….Julian wusste nicht mehr, wie er sich fühlen sollte, sein Herz fühlte sich schwer und kalt an, wie erstarrt, und er war wirklich froh, dass Charles ihn fürs erste an sich drückte, auch, weil er so sein Gesicht nicht sehen konnte, das zu einer eisigen Maske erstarrt war. Nur langsam drangen die Worte seines Freundes zu ihm durch und ein neuer Schmerz breitete sich in seiner Brust aus, aber er verbannte ihn von seinem Gesicht, Charles durfte einfach nicht sehen, wie sehr ihn diese Neuigkeit schockiert hatte, er durfte einfach nicht denken, dass es ihm schlecht ging. Der Unternehmer war selbst so schrecklich krank vor Sorge, dass der Norweger es nicht ertragen hätte, wenn er sich auch noch zusätzlich Vorwürfe gemacht hätte.
„Vergleich dich bitte nie wieder mit Edward. Du hast mir niemals so weh getan wie er, nicht einmal damals.“
Julian war selbst überrascht davon, wie trocken und kalt seine Stimme klang. So musste er weitergehen, wenigstens kamen kein Schock und auch keine Angst darin durch.
„So etwas muss man doch von Edward erwarten, oder nicht?“
Julian zuckte mit den Schultern und brachte sogar ein Lächeln zustande, als wenn er über die schlechten Angewohnheiten eines Bekannten sprechen würde.
„Ich vertraue dir, wenn du sagst, er bleibt fort, dann bleibt er fort“, brachte er mit starker Stimme hervor. Das war nicht einmal gelogen, wenn Charles sich der Sache annahm, dann vertraute Julie ihm mit vollstem Herzen. Er hatte Charles, das war alles, was er brauchte. Aber warum tat ihm dann auf einmal alles so weh, selbst als er ihn fester an sich drückte? Er musste seine Maske nur bis morgen früh aufrecht erhalten und dann war er allein, vielleicht würde er seine Gedanken dann ordnen können, nur bis morgen früh, das musste doch zu schaffen sein.
Aber anscheinend war es beiden unmöglich Schlaf zu finden, sodass Julian sich schließlich aufsetzte und das Licht wieder anknipste.
„Das mit dem Schlafen wird so bestimmt nichts“, murmelte der Jüngere und blickte auf den Unternehmer hinunter, sich durch das angestrengte Gesicht und die zerstrubbelten Haare fahrend.
„Leg dich mal auf den Bauch“, wies er den Älteren an, bevor er sich rittlings auf sein Gesäß setzte. Charles sah so unglaublich verspannt aus, so konnte ganz sicher niemand schlafen, sodass Julians Finger vorsichtig über seinen Rücken und seine Schultern fuhren und ihn sanft massierten.
„Dein Nacken ist so steif wie ein Brett“, ächzte der Jüngere beinahe bestürzt und beugte sich etwas zu seinem Freund hinunter. Seine Hände schoben das Oberteil des anderen ein klein wenig an und schoben sic darunter, um die nackte Haut fühlen zu können, außerdem war es so einfacher. Eine ganze Weile lang konnte ihn das Massieren nicht mehr wirklich ablenken, zu sehr schweifte er mit seinen Gedanken ab, und die Gedanken an Edward versetzten ihm einen schmerzvollen Stich. Schweigend wie er war hatte er gar nicht bemerkt, dass sich Tränen in seinen Augenwinkeln angestaut hatten, aber nun rannen sie über seine Wangen und bevor er sie wegwischen konnten, waren sie auf den Rücken des Älteren getropft. Erschrocken biss er sich auf die Unterlippe und wischte die Tränen beiseite, aber Charles hatte längst bemerkt, dass etwas nicht stimmte und den Kopf herumgedreht. Verdammt, er wollte nicht weinen, es war nicht nötig, es war nicht okay.
„Es ist nichts, Charles, leg dich wieder hin, okay?“, drängte der Lockenkopf ihn, aber natürlich würde sein Freund das nicht tun, erst recht nicht, da Julian gar nicht mehr aufhören konnte zu weinen, jetzt, da er einmal angefangen war.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mi Okt 09, 2013 12:31 am

Julian konnte ihm nicht vormachen, dass es ihn nicht so sehr mitnahm, ja dass er sogar nicht einmal sonderlich verwundert darüber gewesen war, dass Edward auch noch zu solchen Dingen fähig war. Wie gerne hätte Charles sich bemerkbarer gemacht, sich in diesem Moment die Fassung zurückgewünscht um dem Kleineren zu zeigen, dass er sich nicht zu verstellen brauchte, dass er nichts zu unterdrücken brauchte und dass er für ihn da war, stattdessen war er derjenige, dem es immer noch schwerfiel die Fassung zu gewinnen, er fühlte sich so elend, so mies und schuldig und ein Teil hatte sich immer noch gewünscht, dass er seinem Freund nichts von alldem gesagt hatte, dass er es niemals erfahren hätte um wenigstens ein ruhiges Leben haben zu können. Solche Dinge gerieten selten in Vergessenheit, wenn überhaupt und der Dunkelhaarige wusste, dass es beide und vor allem den Blonden wohl oft genug in den Sinn kommen und ihn verfolgen würde, so wie seine Schuldgefühle ihm gegenüber den Älteren stets begleiten würden, ganz gleich wie oft der andere Mund auch Worte über die Lippen brachte, die ihm das Gegenteil klarmachen wollten. Doch er wollte deswegen keinen Streit entfachen, er wollte einfach nicht noch mehr für Unruhe sorgen als er es mit diesem Geheimnis bereits getan hatte. „Bald haben wir wieder unsere Ruhe..“, murmelte seine Stimme leise dem Anderen entgegen, wusste jedoch nicht, ob er das sagte um seinen Freund oder sich selbst zu beruhigen, doch es war besser sich einzureden, dass bald alles wieder gut werden würde, als sich in irgendeine Panik und Verzweiflung zu stürzen, die wohl beide nicht gebrauchen können. Charles wurde schon mit weitaus gefährlicheren Menschen konfrontiert und diese waren ebenfalls schnell zu beseitigen gewesen, da würde es mit dem ehemaligen Angestellten vielleicht sogar einfacher gehen, er war nicht sonderlich professionell und vielleicht etwas zu leidenschaftlich seiner Obsession gegenüber, doch auf der anderen Seite war Charles es auch, der Wunsch, den Norweger mit allen Mitteln zu beschützen, machte ihn vor vielen Tatsachen blind, ließ ihn nicht klar denken, stattdessen übermannte ihn die Wut und der Kummer, den er in diesem Ausmaß noch nie gespürt hatte. Außerdem war Edward unberechenbar, verrückt und solche Menschen konnten schlecht eingeschätzt werden.
Der Unternehmer hasste es, dass seine Gedanken stets um diesen Menschen kreisten, selbst dann, als er glaubte, dass beide wieder schlafen könnte, wissend, dass er sich selbst belog und dass weder er noch sein Freund auch nur ein Auge schließen würden. Er erwischte sich dabei, wie er sich unruhig in den Federn wälzte, seine Augen starr in die Leere blickten bis er sich wieder zu Julian herumdrehte, seinen Rücken betrachtend, ahnend, dass es dem Anderen gerade genauso erging, dass sein Kopf so voll von all dem war, was ihm offenbart wurde, die unangenehme Wahrheit, die sicherlich an ihm nagte. Selten kam Charles sich so hilflos vor, er wollte, dass der Lockenkopf glücklich war und sich nicht furchtbar fühlte, dass Edward keinen weiteren Platz in seinem Kopf einnahm, doch wahrscheinlich war selbst er nicht fähig dazu, solche Dinge einfach rückgängig zu machen, ganz gleich wie viel Geld er auch besaß, wie viel Einfluss oder Können, es brachte ihm alles nichts und alleine diese Erkenntnis war ungewohnt für den Älteren, eine Sache, mit der er sich selten auseinandersetzen musste.
Der Dunkelhaarige wusste nicht, ob er dankbar oder unglücklich darüber sein sollte, als der Norweger sich anschließend aufrichtete und das Licht einschaltete, was seine grauen Augen für einen Moment blendete, während er sich leicht aufsetzte, den Kleineren betroffen anblickend. Er hatte Recht, sie würden diese Nacht ganz sicher nicht mehr dazu kommen, die Augen anständig zu schließen und es war ihnen, und besonders dem Blondschopf, nicht zu verübeln, bei all dem plötzlichen Stress, den Sorgen, die sich in ihr Leben geschlichen hatte. Alles war so gut gewesen bis dieser Mann zurückgekehrt war, wieso war er ihnen nur nicht ferngeblieben? Vielleicht wäre er das, hätte der Schwarzhaarige seinen Freund nicht so offen zur Schau gestellt, vielleicht hätten sie dann weiterhin in aller Ruhe leben können, doch etwas sagte ihm, dass wenn er nicht diesen Moment ergriffen hätte, sich vielleicht bald ein neuer aufgetan hätte, vielleicht war es ja besser, ihn schneller loszuwerden, als es hinauszuzögern. Charles wusste nicht mehr, was er denken sollte, sein Kopf schmerzte unerträglich, dass er einen kurzen Moment lang die Augen schließen musste, die Worte seines Gegenübers erst später zu ihm durchdrangen und er das hübsche Gesicht fragend anblickte. Sollte nicht er derjenige sein, der dafür sorgte, dass Julian sich wohler und besser fühlte? Warum hatte er nicht etwas getan, sondern drehte sich ohne Widerworte auf seinen Bauch, den Kopf zur Seite neigend. Er fühlte sich furchtbar, fühlte sich jedoch wie gelähmt, so, als ob es ihm an allem fehlte, was ihn sonst stets ausgemacht hatte. „Man hat mir versichert, dass der Stuhl in meinem Büro schonend zum Rücken sei…offenbar wurde ich schamlos belogen.“, der Größere schaffte es sogar ein schmales, wenn auch nur kurzes Lächeln über die blassen Lippen zu bringen, während er die sanften Hände seines Freundes auf seiner Haut spürte, so weich und warm, so angenehm, dass selbst der Schmerz, der durch seine Muskeln fuhr, als der Jüngere begann ihn zu massieren, für einen Augenblick lang vergessen war. Charles versuchte sich so gut wie nur eben möglich zu entspannen, doch merkte er schnell, dass selbst seine Gedanken schnell begangen eine ganz andere Richtung einzuschlagen und die Augen ernst die Lampe anstarrte, aus welcher das Licht zu ihnen drang, anstarrten, so, als ob sie etwas mit all dem zu tun hatte. Der Geschäftsmann war so versunken, dass er kaum bemerkte, wie es eigentlich dem Norweger erging, umso schneller fuhr er herum, als er plötzlich kalte Tropfen auf seiner Haut spürte, besorgt den Lockenkopf anblickend, ehe er geschickt seinen Körper herumdrehte, sodass er den Kleineren besser betrachten, ihn berühren konnte. Schnell zogen seine Arme ihn zu sich heran, ihn in seine Arme nehmend, während er behutsam durch das blonde Haar strich. „Wenn es nichts wäre, würdest du nicht weinen, du kannst ehrlich zu mir sein, Julian.“, pressten seine Lippen leise hervor. Er hatte ein Recht auf alle Tränen dieser Welt, ein Recht darauf zu wüten und zu toben und vielleicht sogar für einen Moment Panik schieben. Charles war für ihn da und er würde ihm die Freiheit lassen, was wäre er auch für ein grauenvoller Mensch, wenn er dies nicht täte?! „Ich liebe dich, Julian und ich bleibe für immer bei dir. Ich möchte, dass du das nie vergisst, dass du nie vergisst, dass du viel wertvoller und wichtiger bist, als es dir vielleicht bewusst ist.“, seine Augen schielten kurz hinunter zu seinem Gesicht, spürte die Tränen feucht auf seinem Shirt, doch es war in Ordnung. Vorsichtig umfassten seine Finger das schmale Gesicht, schoben ihn näher zu sich heran, ihn entschlossen anblickend. „Dir wird sowas nie wieder passieren und ich werde dafür sorgen, dass keine einzige Aufnahme mehr existiert. Edward wird dich mir nicht wegnehmen, ich werde dich nicht nochmal verlieren.“
Die restliche Nacht über hatten sie nicht mehr viele Worte gewechselt und waren auch nicht von ihrer Seite gewichen. Charles wollte seinen Freund nicht mehr loslassen, er wollte ihm das Gefühl von Sicherheit geben und hoffte, dass er ihm vertraute, dass er sich vielleicht ein klein wenig besser fühlte, mit dem Wissen, dass ihm keiner etwas antun könnte und dass niemand diese Aufnahmen, die Edward in seiner Wohnung besaß, zu Gesicht bekommen würde. Ganz gleich was der Unternehmer auch tun müsste, er würde es tun, er würde jedes Risiko eingehen, damit dieser Mann nicht durchkam und damit Julian wieder nachts schlafen konnte, damit dieses Schreckgespenst ein für allemal verriegel worden war und sich nicht mehr in ihr Leben einmischte, nicht einmal für eine Sekunde lang.
Natürlich war der Ältere nach dieser unruhigen Nacht umso erschöpfter und sah furchtbarer als sonst aus. Dunkle Schatten hatten sich unter seinen Augen abgezeichnet, blass war das Gesicht, umrahmt von einem stoppeligen Kinn, jedoch besaß der Ältere genug Geduld um sich den lästigen Ansatz von Gesichtsbehaarung zu entfernen, kurz nachdem er seine Dusche verlassen hatte. Julian hatte es geschafft im Morgengrauen einzuschlafen und nichts machte den Größeren zufriedener als einen schlummernden Blondschopf. Er war sicherlich erschöpft und Charles wollte ihm die wenigen Stunden Schlaf gönnen, als er sich so leise wie möglich aus dem Schlafzimmer schlich, ihm zum Abschied einen Kuss auf die Stirn drückend, ehe er sich auf dem Weg machte, nicht einmal die Morgenzeitung oder seinen Kaffee anrührend. Der Kopf war voll genug, auch ohne Nachrichten um die Welt, er konnte sie heute nicht gebrauchen und trotz seiner Müdigkeit schien nicht einmal das koffeinhaltige Heißgetränk heute seine Sympathie für sich erlangt zu haben. Benjamin hatte zum Glück auch nicht weiter nachgefragt, was geschehen war, hatte ihn wortlos zur Arbeit gefahren und mit einem bestätigendem Nicken seine Anweisung aufgenommen wieder nach Hause zu fahren um bei dem Lockenkopf sein zu können. Er könnte Gesellschaft gebrauchen.
Die Arbeit war schleppend, lang und ermüdender, besonders, weil Charles sich auf keine Sache konzentrieren konnte, sodass er schnell einige Dinge an andere Leute abgab, sich in seinem Büro zurückziehend. Die Leute würden tuscheln, sie würden sich fragen, was mit ihrem Boss auf einmal war und seine Partner wurden allmählich ungeduldig. Verdammt sollte er sein, warum konnte er sich nur nicht zusammenreißen?! Warum war er so grauenvoll müde? Das Einzige, womit der Unternehmer sich wirklich beschäftigen konnte, war Edward und die Filme, die sich noch in seiner Obhut befanden, verschlossen in seiner Tasche, da, wo sie niemand ihm entnehmen konnten. Er dachte nicht gerne an diese Filme, an das, was man dem Menschen angetan hatte, den Charles liebte, es brannte zu sehr in seinem Herzen, als dass er weitere Videos ertragen konnte. Doch vielleicht würde sich darin etwas finden, etwas, was er gegen Edward bei seinem nächsten Besuch, und dieser würde sicherlich kommen, da war er sich mehr als nur sicher, verwenden konnte, etwas, was ihn seine eigene Medizin schlucken lassen würde. Er wollte ihn brennen sehen, er wollte sehen, wie er unterging und wie alles um ihn herum einstürzte, was er sich glaubte aufgebaut zu haben. Niemand legte sich einfach so mit Charles an, nicht, wenn es um Julian ging, um das Wichtigste seines Lebens! Alles in seinem Inneren sträubte sich davor die nächste Disc aus der Tasche zu holen, er konnte spüren, wie er es nicht wollte, wie er sie am liebsten zerstört hätte, in seinen Schredder geschmissen, sodass sie niemals wieder gelesen werden konnten, und dennoch schob er eine beliebige CD in sein Laufwerk, wartete darauf, dass das Amateurvideo abspielte, während die müden, halbgeöffneten Augen gepeinigt sich das anschauten, was auf dem Bildschirm geschah. Er kam sich so dreckig vor, so schrecklich, dass er freiwillig weiterschaute, dass er sich das antat, dass er Julian dies antat, anstatt die Existenz dieser Kopien auszulöschen! Doch ihm war bis jetzt nichts anderes eingefallen, er wollte Lücken, er wollte mehr Beweise, mehr, was er gegen Edward einsetzen konnte und vielleicht war das Leid und der Schmerz der Preis dafür gewesen, den er zu zahlen hatte. Es nützte ohnehin nicht viel, sich weiter in sein Gewissen einzureden, es war zu spät und Charles wusste, dass er jetzt kaum noch wegsehen konnte, so als würde er gerade mitten auf eine Wand zufahren, ohne Kontrolle über seinen Wagen, über die Welt um ihn herum.

Dieses Mal war es die Wand- Edward war ein Freund von Abwechslung und jetzt, wo sich diese kleinen Sitzungen so langsam dem Ende neigten, wollte er diesem Jungen gerne noch einmal zeigen, was er ihm noch so antun konnte. Eigentlich sollte der Stricher dankbar dafür sein, dass er sich erbarmte und ihn freiwillig auf seine Hüften setzte, sein Gewicht trug, während er es ihm ein nächstes Mal besorgte. Mittlerweile war der kleine Nervenkitzel beinahe vorbei gewesen, dieser Hintern war so bearbeitet, wie er es sich vorgestellt hatte, sodass er unglaublich einfach in diesen Arsch reinschliddern und ihn weiter wundvögeln konnte. Ein kleines Andenken sollte man Julian wohl noch lassen.
Den schmalen Rücken drückte sein Leib stärker gegen die Wand, ließ die kalten Augen kurz zur Seite schweifen, schief grinsend bei der kleinen Linse seiner Kamera, de wieder einmal so gut versteckt worden war. Julian hatte absolut keine Ahnung, dass er sich mit ihm eine beachtliche Sammlung anschaffte an Sextapes- nicht, dass er nicht bereits welche besessen hatte, doch diese würde er als Andenken stets in seiner Nähe halten, sie würden ihm wohl noch bei der einen oder anderen Depression in Afghanistan heraushelfen, das wusste er bereits jetzt schon.
Ohne sich auch darum zu kümmern, ob der Lockenkopf endlich Gefallen an ihren Treffen gefunden hatte oder nicht, stieß der Blonde heftig zu, mochte diese neue Art des Ficks, auch wenn sie seine Muskeln viel stärker beanspruchte, doch von diesen hatte er genug aufzuweisen und ein wenig Sport nach der Arbeit sollte wohl nie verkehrt gewesen sein. Edward hatte den Jungen dazu gezwungen, die Beine um seine Hüften zu schlingen, ganz gleich ob er wollte oder nicht, er musste sich an ihm festhalten, sonst würde er fallen und der Ältere würde einen Scheiß tun und dies verhindern oder ihm sogar aufhelfen…nun ja, zumindest würde dieses Kind nicht wollen, dass er ihm aufhalf, denn dies würden weitere blaue Flecken auf dieser hellen Haut hinterlassen..aber vielleicht wollte der Stricher ja gerne noch weitere Andenken an ihn sammeln, Edward würde ihm ganz sicherlich fehlen. Ach, was interessierte es ihn, ob Julian ihn vermissen würde oder nicht- seine Kohle würde dem Nichtsnutz wohlmöglich fehlen, auch wenn er ihm eigentlich weniger bezahlen sollte, dieser kleine Mistsack hatte sich ein loses Mundwerk angeeignet und nicht allzu selten die Wut in ihm geweckt und musste dementsprechend die Konsequenzen für sein breites Maul halten. Seltsam, dass er eine große Klappe hatte, aber ihm immer noch nicht anständig einen blasen konnte- vielleicht sollte er seine Prioritäten ein wenig wechseln, wäre nur zu seinem Besten. „Hast du nicht langsam gelernt wenigstens so zu tun als ob es dich geil macht? Du bist wirklich ein nichtsnutziger Gossenjunge.“, brachte der Ältere belustigt zwischen leisem Keuchen hervor, dabei in das junge Gesicht blickend, das er gerne oft mit seinen grauen Augen anstarrte, die so hell waren, dass man beinahe glauben könnte, er hätte seine Seele, die einst in ihnen steckte, verkauft, doch vielleicht hatte er nicht einmal je eine besessen- Edward brauchte keine Seele um glücklich zu sein. Er hatte Geld und konnte willige Jungs vögeln, die niemanden leid taten, für die sich kein Mensch jemals interessieren würde, sodass es ganz gleich war, was er mit diesen willigen jungen Männern auch anstellte. Alles, was Ansprüche hatte und kein Stricher war, war ihm zu anstrengend gewesen, viel zu oft musste man viel zu freundlich sein, ihnen entgegenkommen, sich auf ihre Bedürfnisse einlassen?! Seine egoistischen Prinzipien ließen solche Dinge nicht zu, er pfiff auf diese Leute, brauchte sie nicht und würde sie niemals brauchen. Julian hingegen, und er hasste es auch nur so etwas zu denken, konnte er schon irgendwie gebrauchen. Abgesehen davon, dass seine Widerspenstigkeit ihn allmählich nur noch anmachte, war es immer noch ein gutes Gefühl gewesen, dass er seine Jungfräulichkeit ihm einfach so genommen hatte, schamlos und ohne irgendwelches Mitleid. Der kleine Europäer würde ihn also immer in seiner Erinnerung behalten, ganz egal ob er nun für wenige Jahre oder für immer verschwinden würde, er würde stets einen Teil seines Lebens einnehmen, einen unangenehmen vielleicht, doch er wäre dennoch stets bei ihm, sein eigenes Schauermärchen, vielleicht sowas wie der böse schwarze Mann. Schade nur, dass kein Mensch es interessierte, dass niemand sich ihm und seinem Leid annehmen würde, niemand würde ihm zuhören und wahrscheinlich würde dieses Ding nicht einmal lange überleben. Sobald die Verzweiflung groß genug war, fanden sie doch alle irgendeinen Drogentod, für den sich ebenso niemand interessierte. Welch tragisches Leben.
Abermals drückte er ihn noch enger zwischen ihn und die Wand, sein Unterleib bewegte sich noch ein wenig schneller, fasziniert davon, wie einfach es auf einmal ging. Sein dunkles Stöhnen konnte der Geschäftsmann kaum noch unterdrücken und bald erfüllte es den Raum, hin und wieder unterbrochen von einigen Beleidigungen oder generellen abschätzigen Worten, die er für den Norweger übrig hatte. Oft war es sein Hintern, seine Unfähigkeit etwas zu tun, seine Wertlosigkeit. „Ich muss zugeben…dass ich deinen kleinen Arsch dort hinten doch vermissen werde…“, keuchte er ihm lachend entgegen, dabei seine blauen Augen fixierend, währenddessen tiefer in ihn eindringend, erstaunt, dass es sogar noch möglich war. „In dieser Wüste werden wenige Kerle deinesgleichen dort sein…doch keine Sorge…morgen werden wir noch unseren Spaß haben.“, seine Lippen formten ein zufriedenes Lächeln, er konnte spüren, während er spürte, dass er nicht mehr viele Stöße brauchte um endlich seinen Höhepunkt zu erreichen. Oh es war bitter, dass sie morgen ihr letztes Mal miteinander haben würden, dass er zum letzten Mal den Blondschopf ordentlich durchnehmen konnte nach all seinen Wünschen, die ihm an diesem Tag so in den Sinn kommen würden. Er wusste, dass es länger dauern würde, ein krönender Abschluss war immerhin das mindeste, was er dem Kleinen zum Abschied schenken wollte, zusätzlich würde er ja noch ein paar Extrascheine bekommen, dafür, dass er ihn länger in Anspruch nehmen würde und das Geld war nicht wenig. Dennoch, es hatte einen bitteren Nachgeschmack und etwas sagte ihm, dass der Junge es ihm noch heute ein wenig verderben würde, die Vorfreude auf morgen und das selbstgefällige Lächeln auf seinen Lippen, das in dem Moment seinen Lippen entglitt als er noch heftiger den schmalen Leib auf sich durchschüttelte und seinen Orgasmus erreichte, den er in vollen Zügen auskostete als wäre er, nun ja, sein Vorletzter.

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mi Okt 09, 2013 11:48 pm

Er hatte wirklich nicht weinen wollen, er kam sich dann immer so unglaublich schwach vor und er wollte nicht schwach sein, er wollte nicht, dass das alles war, was die Leute in ihm sahen – einen Schwächling, der mehr Junge als Mann war. Er hatte nicht das Gefühl, dass er diese Einschätzung verdient hatte, nachdem er mit seiner Vergangenheit irgendwie umgegangen war ohne daran zu zerbrechen, und dennoch, in Momenten wie diesen….Da war er wohl doch nichts anderes als ein kleiner Junge, der sich nur noch schluchzend in seine Scham und Trauer begeben konnte. Es tat ihm leid, immerhin wusste er, dass es Charles ebenfalls nicht gut ging. Er wollte gar nicht, dass der Ältere sich jetzt nur um ihn sorgte und sich um ihn kümmerte, aber er war unfähig, etwas dagegen zu tun. Was hätte er auch machen sollen, ihn wegstoßen? Nein, so sehr er auch gerade wütend auf sich selbst war, Charles´ Nähe war viel zu angenehm. Julian ließ sich ein wenig in seinen Schoß rutschen und wischte sich relativ erfolglos über das Gesicht. Die Tränen kamen einfach nach, relativ stumm sogar, auch, wenn die Schultern des Jüngeren hin und wider unkontrolliert zuckten. Seine Hände vergruben sich in dem Stoff von Charles´ Oberteil, so fest wie er nur konnte. Natürlich konnte er seinem Freund nichts vormachen, es war wohl auch viel zu offensichtlich wie sehr ihn das alles mitnahm, und wen würde es wohl nicht fertig machen? Es jetzt noch zu leugnen wäre albern und auch ziemlich unfair Charles gegenüber.
„E-Es ist einfach nicht fair, wieso musste er zurückkommen?“, schluchzte der Norweger und drückte sein Gesicht eng gegen seine Brust. Die Wärme des Unternehmers und sein gleichmäßiger Herzschlag beruhigten ihn ein wenig, und seine Worte flößten wieder etwas Wärme in den schmalen Körper des Blondschopfes ein.
„Ich liebe dich doch auch, so sehr“, schniefte er mit rauer Stimme und schlang seine Arme um die Brust des Älteren. Egal, wie sehr ihm auch bewusst war, dass Charles ihn liebte, es tat immer wieder gut es zu hören. Wenn er zurückdachte, wie der Geschäftsmann noch vor einigen Monaten gewesen war, war Julian irgendwie stolz, dass er ihn so zum Guten hatte verändern können, dass er ihn dazu gebracht hatte wieder offener zu sein und wieder zu lieben. Wenn man sich auf so etwas nichts einbilden konnte, worauf dann? Eigentlich wollte der Lockenkopf nicht, dass Charles sein verheultes Gesicht sah, aber er drehte den Kopf nicht zur Seite, als er es in die Hände nahm, sondern blinzelte ihn aus glasigen Augen nur treu an. Er glaubte Charles, er glaubte ihm, denn auch, wenn Edward bis jetzt gedroht und gewütet hatte, erreicht hatte er noch nichts. Der Unternehmer konnte ihn zerquetschen, er konnte die Videos verschwinden lassen, das wusste er einfach. Er hatte einen so unglaublich tiefes Vertrauen in den Älteren, dass es vielleicht schon töricht war, aber Julian würde nicht zweifeln, wenn er begann an ihm zu zweifeln würde er sich wie ein Verräter fühlen. Er nickte verstehend, schmiegte sich wieder enger an die Brust des anderen.
„Ich würde dich auch niemals verlassen wollen“, wisperte er mit leiser Stimme. Die Tränen rannen immer noch über seine Wangen, aber es fühlte sich nicht mehr ganz so schmerzvoll an wie zuvor. Der Lockenkopf wusste nicht, wie lange er hier so gesessen hatte, bis seine Tränen langsam versiegt waren und er tatsächlich Schlaf an der Brust des anderen gefunden hatte. Im Nachhinein hatte es ihm furchtbar leid getan, denn für den Dunkelhaarigen war das mit Sicherheit nicht die angenehmste Position. Er konnte nur hoffen, dass er die Wärme auch irgendwie genoss, denn obwohl der Schlaf spät kam war der Rest der Nacht wirklich angenehm. Und das war garantiert der Nähe des anderen zu verdanken, der ihn die ganze Nacht in den Armen hielt. Ach, hätte Chris solche Momente nur miterleben können, er hätte sicher nie wieder behauptet, dass Charles ein schrecklicher Mensch wäre. Julian wusste, dass er es nicht war, er wusste, was hinter der strengen geschäftsmäßigen Maske steckte, die der Geschäftsmann allen zeigte, vielleicht war er neben Benjamin ja wirklich der einzige, der ihn so gut kannte. Der Gedanke beruhigte ihn, sogar so sehr, dass er nicht einmal wach wurde, als sein Freund ihn in den Morgenstunden vorsichtig hinlegte und zudeckte und zur Arbeit ging. Julian musste sich einfach etwas für ihn überlegen, um ihn glücklich zu machen, der Gedanke verfolgte ihn sogar bis in seinen tiefen Schlaf hinein.

Ein Schmerz fuhr bei jeder Bewegung durch seinen ganzen Körper. Mittlerweile fühlte sich jeder Zentimeter an seinem Leib wund und geschunden an. Sein Rücken war ein einziger blauer Fleck, in seinem Gesicht und an seinem Hals hatten Edwards Finger ebenfalls Spuren hinterlassen. Gestern hatte er ihn einfach über einen Tisch gebeugt und so lange so heftig von hinten durchgenommen, dass sich jetzt ein langer, gerader blauer Fleck knapp unterhalb seiner Hüftknochen abzeichnete, wo der Geschäftsmann ihn immer wieder gegen die Tischkante gedrückt hatte. Julian wusste wirklich nicht, wie er das alles aushielt. Es gab nicht wirklich eine Möglichkeit, seinem Peiniger zu entfliehen. Grayce hatte ihm die Meinung geigen wollen, aber zum Dank hatte Edward ihn gestern nur zweimal gevögelt, ein Mal heftiger als das andere. Sein ganzes Gesäß war so wund und schmerzte so furchtbar, dass er kaum noch gehen konnte. Nicht, dass er die Wohnung seiner neugewonnenen Freundin noch groß verließ. Die Ausflüge zum Bordell und in Edwards Wohnung waren genug Aufregung für einen Tag.
Immer wenn der Lockenkopf gedacht hatte seinem Freier würden nicht noch mehr Methoden einfallen, um ihn zu demütigen, belehrte dieser ihn eines Besseren. Wenn sein Peiniger ihn von hinten nahm musste er wenigstens sein Gesicht nicht sehen und auch sonst war die Nähe zwischen ihnen relativ gering, aber dieses Mal hatte er ihn gezwungen sich auf seine Hüfte zu setzen. Die Nähe zu Edward war schier unerträglich, wie knapp sein Gesicht vor ihm schwitzte und grinste, sein seelenloses, hässliches Lächeln, dass er ihn zwischen sich und der Wand einklemmte und ihn dazu zwang sich an ihm festzuklammern. Julian wäre es lieber gewesen, wenn er ihn zu Boden hätte fallen lassen und ihn in Ruhe gelassen hätte, aber er wusste, dass das keine Alternative gewesen wäre. Edward hätte ihn nur aufgezerrt, ihm weitere Wunden verpasst und einfach weitergemacht. Nichts, was der Lockenkopf tun konnte, konnte ihn irgendwie abhalten, was auch immer er tat schien ihm nur noch mehr Freude an seinem kranken kleinen Spiel zu bereiten. Und dennoch….Er wollte nicht einfach schweigen, er konnte nicht, dann kam er sich so armselig und willig vor, dass Edward so viel Unterwürdigkeit einfach nicht verdient hatte. Julian würde einen Teufel tun und sich auch noch mit den Armen an dem Älteren festzuklammern, bereits jetzt war die Nähe zu ihm wieder unerträglich, und so grub er die Finger nur fest in die Wand hinter ihm, zerstörte vielleicht ein wenig Edwards Tapete, aber das war sein eigenes Problem.
Der Schmerz in seinem Unterleib war wie immer unerträglich. Julian hatte gehofft, dass wenigstens das im Laufer der Woche einfacher werden würde, aber man war so grob und fahrlässig mit ihm umgegangen, dass sich sein Hintern weniger an irgendetwas gewöhnt hatte, sondern vielmehr völlig wund war. So sehr Julian auch versuchte seine Geräusche zu unterdrücken, immer wieder drangen schmerzerfüllte Laute und abgehacktes Schluchzen über seine Lippen. Und als wären die körperlichen Qualen nicht genug, musste Edward ihn auch immer wieder mit Worten demütigen, ihm einreden er sei wertlos, schwach und erbärmlich. Dass er es nie weiter bringen würde und das ihn niemals jemand lieben konnte.
„Wieso sollte ich, du weißt…d-dass es gelogen ist“, keuchte der Jüngere und presste die Augen qualvoll zusammen. Er hoffte einfach, dass er für seinen Freier langsam zu schwer wurde und er schnell zum Abschluss kam, aber Edward war ausdauernder als er gehofft hatte. Er hatte sogar noch Zeit um dumme Sprüche loszulassen, aber da er gerade noch tiefer in ihn eindrang hatte Julian nicht mehr den Atem, um ihm zu widersprechen. Ihm war danach das Bewusstsein zu verlieren, aber er konnte den Schmerz nur ertragen, während die Schmerzensschreie wieder neu seine Kehle aufrissen. Morgen würde es alles vorbei sein, das war der einzige Trost, den er hatte. Erst, als Edwars Bewegungen abgerissen waren und er stöhnend zum Orgasmus gekommen war, hatte Julian wieder die Atemluft, um etwas zu entgegnen.
„Ja, du hast recht, morgen ist das letzte Mal, dass du mir das hier antust, und dann wirst du in dieser elendigen Wüste verrecken. Hoffentlich trittst du auf eine Mine, oder sie entdecken dein widerliches kleines Geheimnis und schneiden-„
Weiter kam Julian mit seinen hasserfüllte, giftigen Worten nicht mehr, dann ließ Edward ihn einfach fallen, löste den Griff seiner Beine um ihn und der Lockenkopf knallte schmerzvoll zu Boden. Sein Kopf knallte so fest auf den Boden, dass er für einen Moment nur Sternchen sah und auch ein Teil seines Rückens machte so hart Bekanntschaft mit dem Parkett, dass er für einen Moment nicht einmal Luft bekam. Japsend rollte Julian sich auf die Seite und schnappte wie ein Fisch auf dem Land nach Luft.
„Du weißt, dass ich recht habe“, keuchte er und der Schmerz in jedem seiner Knochen machte ihn atemlos.
„Und du lügst. Ich….Ich werde jemanden finden, der mich liebt, verstehst du? Ich bin kein Monster. Nicht so wie du. D-Da wird jemand kommen, ich weiß es!“
Es wunderte den Norweger, dass Edward ihm nicht ins Wort fiel, vielleicht hörte er ausnahmsweise wirklich einmal zu.
„Irgendjemand wird mich schon lieben, und weißt du was dieser Jemand für mich tun wird? Er wird mich diese ganze beschissene Woche vergessen lassen und sie durch guten Sex ersetzen. Weißt du, solchen an dem ich auch Freunde hab und nicht dein dummes, primitives Rein und Raus von dem du glaubst es wäre so toll!“, stieß er zischend aus, sich dabei langsam etwas von Edward entfernend, denn er wusste, dass sein Wutausbruch nicht ohne Folgen bleiben würde.
„Er wird meine Bilder lieben, und ich zeichne nur für ihn, ein Bild nach dem anderen, egal, ob er was von Kunst versteht oder nicht. Jemand kann mich lieben und jemand wird mich lieben, du Mistkerl, also sag nicht es würde nicht stimmen!“
Mittlerweile war seine Stimme beinahe etwas schrill, überschlug sich beinahe.
„Jemand wird meine Sprache lieben, vielleicht sogar mit mir nach Norwegen fahren, einfach weil ich es vermisse dort zu sein! Ich könnte in seinen Armen einschlafen und ich würde bei ihm bleiben, egal was passiert! Und während ich jemanden habe, der dich Lügen strafst wirst du in Afghanistan elendig verrotten!“
Julian hatte sich selbst noch nie so voller Hass erlebt, aber es fühlte sich gut an das alles loszuwerden, und eigentlich glaubte er ja doch sogar wirklich daran. So sehr sehnte sich sein kleines, dummes Herz danach.
„Ich sollte deinem Boss wirklich danken. Ich muss ihn unbedingt einmal treffen und ihm sagen, wie viel tausendmal besser er mein Leben gemacht hat!“
Julian wusste, dass er seine Worte gleich bereuten würde, aber nicht in diesem Moment, nicht jetzt.

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Fr Okt 11, 2013 12:40 am

Irgendwo hatte Edward nur darauf gewartet, dass dieser dumme Junge etwas Dummes sagte, er tat dies immer und seltsamerweise wollte er nicht daraus lernen, aus all den Lektionen, die er ihm jedes Mal erteilte. Faszinierend wie stur und dämlich einige Jugendliche doch waren- wahrscheinlich war es diese blonde Nutte. Die ihm irgendwas von Gleichstellung und Respekt erzählte. Es waren immer diese dreckigen Huren, Frauen, die auf diesen Blödsinn kamen, die selbst weniger wert waren als Dreck unter seinen Fingernägeln- er würde sich niemals mit diesen Maden gleichstellen oder gar Respekt zollen, nicht in diesem und auch nicht im nächsten Leben. Doch so amüsant die Worte stets waren, hatte er heute wohl die Falschen ausgesucht. Das selbstgefällige Grinsen schwand mit einem Schlag und der Ältere blickte den Stricher finster, wutentbrannt an, ehe er die Schultern hob, sich aus dem Kleineren zurückzog, nur um ihm anschließend den letzten Halt, den er noch hatte, zu nehmen und ihn einfach losließ. Es erfüllte ihn mit einer großen Genugtuung zu sehen, wie der schmale Körper plump zu Boden fiel, weitere Andenken an seine Dummheit, vielleicht hätte er sich sogar das Steißbein brechen müssen, doch es wäre schade darum gewesen, immerhin hatten sie ja noch ein Treffen. „Du kleines Stück Nichts, du solltest weniger auf dämliche Huren hören und langsam etwas von mir lernen, kein Freier wird dich einfach erzählen lassen, deine Scheiße will niemand hören.“, spottete seine Stimme, während die grauen Augen den Jüngeren giftig anstarrten. Julian war so grün hinter den Ohren, er hatte absolut keine Ahnung von ihm und seinem Leben, er wusste absolut nichts von ihm und das würde auch so bleiben. Er wollte ihn tot- darauf konnte er lange warten, Edward starb nicht so einfach, nicht einmal, wenn er in dieser widerlichen Wüste ausharren müsste, würde er sich nicht irgendeinem Tod beugen.
Der Blonde wollte den Jungen eigentlich gar nicht weiter beachten, sollte er da rumliegen und wimmern und seine neuen Wunden, die er sich selbst zuzuschreiben hatte, beweinen, es war ihm gleich, er sollte sich einfach schnell anziehen und wieder verschwinden, mit seinem Kinderkram zu seinen Küchenschabenfreunden im Bordell gehen, zu der blonden Ziege, die glaubte, ein großes Maul haben zu können, doch anstatt sich endlich auf den Weg zu machen, schien der Stricher es heute ganz besonders darauf angelegt zu haben, den Geschäftsmann zu nerven, ihn einfach nicht in Ruhe zu lassen, als sich dieser an die Bettkannte setzte, sich einige Strähnen von der Stirn strich. Seine Augen wanderten erst wieder zum Kleineren, als dieser das Wort ergriff, mit überschwappender, lächerlicher Stimme versuchte ihm zu offenbaren, was er alles bekommen würde. Glaubte er wirklich daran? Oh, er könnte einem fast schon leidtun, diese pubertären Gedanken, diese Dummheit, die seinen Kopf eingenommen zu haben schien- er würde ihm ja eine Hand auf die Schulter legen und seine Worte bestätigen, um ihm ein wenig Hoffnung zu geben, wäre das nicht alles so witzig gewesen. Edward ließ den Jungen reden, starrte ihn lediglich schweigend an, darauf wartend, dass er endlich fertig war. Und als die letzten Worte ausgeklungen waren, konnte der Größere sich endlich wieder erheben, zu einem sarkastischen Klatschen ansetzend. „Wirklich rührend, so rührend, dass ich dir am liebsten vor die Beine kotzen würde. Sweetheart, dich wird niemand lieben, sieh es sein- keiner liebt dreckige Stricher und wer will schon deine Bilder, wenn dich niemand liebt? Du wirst alleine sterben und das noch eher als ich, vielleicht wirst du ja schon tot sein, wenn ich zurückkomme. Es gibt Freier, die sind schlimmer als ich, weißt du das?!“, Edward war dem Stricher gefährlich nahe gekommen, formte ein breites Lächeln, während die kalten Augen ihn forschend beäugten. Er war so lächerlich, dass er einem fast schon leidtun konnte. „Und glaub mir, du willst meinen Boss nicht treffen-er gibt sich nicht mit deinesgleichen ab und wird dies auch nie tun. Suche dir eine andere Ikone, die deine Illusionen aufrecht erhalten kann, irgendeinen Idioten, der genauso dumm ist wie du.“, das Lachen war kalt, das die blassen Lippen des Unternehmers verließ, während er Julians schlanken Körper packte, seine Miene sich binnen nächster Sekunden verhärtete er und er zu einem Schlag ausholte.
Ab dem Moment war das Band vorbei, unendliche Schwärze hatte sich breit gemacht, während der Dunkelhaarige seine Reflexion im Bildschirm betrachten konnte. Erneut überflutete ihn eine Welle an Emotionen, die er nicht einordnen konnte, die ihn so stark übermannten und erschlugen, dass ihm die Luft zum Atmen fehlte. Er konnte immer noch nicht den Anblick ertragen seinen Freund leidend zu sehen, wie ein anderer Mann sich über ihn hermachte, ihn so sehr verletzte und ihm bewusst wehtat, dass man selbst glaubte die Schmerzen spüren zu können und das, obwohl er wahrscheinlich niemals solch einen Schmerz nachfühlen konnte, wahrscheinlich hatte er nicht einmal das Recht dazu zu sagen, dass er den Jüngeren in irgendeiner Form verstand, war er doch solch einer Gewalt niemals ausgesetzt worden. Erneut hatte Edward an seinen restlichen Kräftereserven genagt und ihn schwach und müde zurückgelassen. Wie konnte ein einzelner kleiner Mann so viel bewirken, wie schwarz musste sein Herz nur gewesen sein, dass er damit die restliche Welt um sie herum dunkler färbte als sie es ohnehin schon war? Doch eine Stelle würde er wohl niemals zerstören können, der Ältere war sich sicher, dass wenn dieser Mann es damals nicht geschafft hatte, Julian so sehr zu beugen mit seinen Demütigungen, dass er es auch jetzt niemals schaffen würde, ganz gleich wie oft er ihnen drohen würde, wie oft er auftauchen würde- dieser Teil, der sein Leben beinahe gänzlich ausfüllte, würde sich niemals verdunkeln, man brauchte sich nur die strahlend blauen Augen zu betrachten um zu wissen, dass der Kleine stärker war, als er es selbst vielleicht von sich glaubte. Meist erschien es dem Dunkelhaarigen sogar so, als ob er stärker war als er selbst- was nützte ihm all die Macht und all das Geld, das er besaß, wenn er nicht all die Dinge handhaben konnte, die außerhalb der Arbeit und der Verpflichtungen geschahen, Herrgott, er war noch jetzt unglaublich paranoid und misstrauisch allen Menschen gegenüber, hatte Angst auf offener Straße erschossen zu werden, hatte Angst, dass man Julian erschießen würde. Er konnte nie Dinge hinter sich lassen und sie verarbeiten, er hatte sich nur weiter isoliert, hatte einfach niemanden an sich herangelassen, anstatt Dinge so weit zu verarbeiten, dass sie nicht an ihm klebten der Schweiß einer langen Nacht. Und jetzt hatte er ihm wieder bewiesen, wie viel mehr in diesem kleinen, zerbrechlich wirkenden Körper doch steckte, wie viel Mut und Stärke er aufgebracht zu haben schien, um Edward all diese Worte zu sagen, all diese Worten, von denen er so sicher war, dass sie in Erfüllung gehen würden..und genau das taten sie auch- keines dieser Worte war eine Lüge, nichts von all dem eine große Hoffnung, die sich immer noch nicht erfüllt hatte. Edward hatte verloren, Edward hatte Unrecht mit allem, was er gesagt hatte, er hatte den Blonden maßlos unterschätzt und das tat er jetzt auch noch. Wenn er doch nur wüsste, dass er niemals an ihnen durchkommen würden, dass Charles den Norweger so sehr liebte, mehr als sein mühsam aufgebautes Geschäft, als sein Zuhause und alles andere, was er besaß. Keine Sekunde sollte ohne den Jüngeren verstreichen, der Größere wäre am liebsten früher nach Hause gegangen und hätte ihm gesagt, was er alles in ihm liebte, was er alles an ihm schätzte und respektierte und das tat er aus tiefstem Herzen heraus und vielleicht sogar zum allerersten Mal. Egal, wie sehr er auch eine Frau damals geliebt haben mochte, konnte selbst diese Liebe nicht gegen diese ankommen, nicht nur, dass sie ihm einst verdorben worden war, auch all die guten Tage, die er und seine Ex- Frau verbracht hatten, als sie noch sehr jung waren, waren nicht so intensiv wie die Momente mit Julian und dabei kannten sie sich nur seit einigen Monaten und binnen dieser kurzen Zeit hatte der Blondschopf sein ganzes Leben auf den Kopf gestellt, aus ihm einen anderen Menschen gemacht und all das, was er erfolgreich verborgen hatte, wieder zum Vorschein geholt. Nur als kleines Kind hatte er sich so wohl gefühlt, als die Welt noch so klein und bunt war.
Natürlich konnte der Unternehmer seine Sorgen und den Schmerz aus seinem Kopf austreiben, doch fühlte er sich schon etwas besser, als die CDs nach und nach zerstört wurden, als er sich die Worte des Lockenkopfes in Erinnerung rief. Es tat gut zu wissen, dass er ihm etwas geben konnte, trotz des Schmerzes, den er ihm zugefügt hatte, was er sich stets gewünscht hatte und dass er ihn vielleicht doch irgendwie als gut genug betrachten konnte, vielleicht nicht jetzt, doch spätestens dann, wenn er ihm seine Untaten verziehen hatte. Doch damit dies geschah, musste er sie erst in Erinnerung rufen, sich bewusst sein, dass sie wohl doch nicht so irrelevant waren, wie er es Charles stets hatte glauben lassen wollen. Charles war kein Narr um zu wissen, dass es nicht so bleiben würde, doch es spielte jetzt keine Rolle, er wollte nach Hause, erledigte den vorletzten Papierstapel so schnell er nur konnte, spürte erneut die Müdigkeit in seinen Knochen, man konnte mit jeder vorüberziehenden Stunde ihm ansehen, wie schlaflos seine Nacht gewesen war, so schlaflos, dass er sich nicht einmal traute alleine nach Hause zu fahren, sich von einem seines Personals hatte nach Hause fahren lassen, wo hoffentlich ein etwas besser gelaunter Julian auf ihn wartete.
Schweigend betrat er das Appartement, besorgt seine Augenbrauen zusammenziehend, als der Geruch von etwas Verkohltem in seine Nase stieg. Schnell warf der Schwarzhaarige seine Tasche beiseite, eilte hinein in die Küche, nur um einen Norweger zu sehen, der diverse emotionale Ausbrüche vor einem verkohlten Stück Fleisch auf der Insel hatte. Er glaubte Tränen auf dem Gesicht zu sehen. „Julian, Gott, ich dachte schon es wäre irgendwas passiert.“, hastig eilten seine Beine zum Jüngeren hinüber, ihn in seine Arme schließend. „Du brauchst doch nicht wegen Fleisch so zu wüten, mach dir keine Sorgen darum, mir wäre das wohlmöglich auch passiert, wahrscheinlich ist der Ofen nicht einmal richtig konfiguriert.“, behutsam strichen seine Finger über den schmalen Rücken, dabei jeden Wirbel ertastend. Der Blondschopf schien immer noch aufgewühlt zu sein und etwas sagte ihm, dass es nicht nur das nicht geratene Essen war, was den Jüngeren so sehr aufwühlte. Natürlich war er immer noch durch den Wind, wie sollte er auch nicht, es war nicht etwas, was man von heute auf morgen einfach wieder vergaß. „Alleine schon, dass du dir so viel Zeit genommen hast…nur für mich, obwohl das nicht einmal nötig ist, immerhin habe ich nichts geleistet, was so viel Aufwand gerecht ist. Du ahnst nicht, wie hoch ich dir das anrechne, wie sehr ich dich dafür liebe.“, immer noch erkannten seine grauen Augen Zweifel im jungen Gesicht seines Freundes, als er ihn ernst betrachtete. „Ich liebe so vieles an dir- ich liebe deine Augen, ich liebe deine Kunst und wenn du Dinge für mich malst. Ich liebe deine blonden Locken, deinen kleinen Akzent, ich liebe es, dass du Europäer bist und mir eine weitere Möglichkeit bietest, so oft dorthin zu fliegen wie ich möchte. Ich liebe alles an dir, jeden Zentimeter, jeden Unfug, den du jemals angestellt hattest. Ich liebe es Nachts in deinen Armen einzuschlafen und morgens genauso aufzuwachen. Besonders liebe ich es, wenn du unzufrieden darüber bist, dass du Anzüge tragen musst, obwohl du so schön darin aussiehst.“, er hoffte, dass Julian sich vielleicht an einiges erinnerte, dass es die Erinnerung daran weckte, dass er Recht behalten hatte und… „Edward hatte unrecht, er hatte mit allem Unrecht, er hatte dich glauben lassen wollen, dass dich niemand möchte, dass ich dich nicht möchte und dennoch bin ich hier und will dich und weiß, dass ich niemals jemanden so sehr gewollt hatte wie dich. Du kannst dir nicht vorstellen wie gut du mir tust, wie du mich zum ersten Mal so glücklich gemacht hast, wie du etwas aus mir herausgeholt hast, von dem ich nie geglaubt hatte, ich würde es noch besitzen. Ich liebe dich, Julian, hast du das verstanden? Und glaube nie wieder, dass etwas meine Meinung ändern könnte, nichts auf dieser Welt wird meine Meinung je wieder ändern.“, mit festem Blick starrte er in Julians Gesicht, darauf wartend, dass er reagierte, darauf hoffend, dass er ihn verstand und dass seine Zweifel fortgewischt worden waren. Charles konnte nicht mehr ohne ihn und er brauchte es auch nicht zu leugnen, er wollte es nicht einmal leugnen, denn wieso lügen, wieso etwas vorspielen. Sie waren schon längst über solche Dinge hinaus.

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Sa Okt 12, 2013 10:45 pm

So sehr er den Schlaf auch gebraucht hätte, Julian hatte nicht besonders lange Schlaf bekommen. Spätestens ein oder zwei Stunden nachdem Charles zur Arbeit gegangen war fehlte ihm die Nähe des anderen einfach viel zu sehr, um noch weiter ruhig im Bett liegen zu können. Gestern hatte er sich zeitweise noch gewünscht, er wäre alleine, damit der Unternehmer den Schmerz nicht mitbekam, den ihm die Neuigkeit über Edward bereitet hatte, aber jetzt fühlte er sich schrecklich einsam. Eine ganze Weile noch lag er im Bett und drückte sein Gesicht in die Kissen. Ihm war gar nicht mehr nach weinen zumute, er fühlte sich in letzter Zeit wie ein schwaches, kleines Kind, und das wollte er einfach nicht. Edward hatte ihm doch schon viel Schlimmeres angetan als ein paar Videos und ein paar Drohungen, wieso warf es ihn nun so aus der Bahn? Vielleicht war es einfach, weil er so lange nicht mehr darüber nachgedacht hatte, dass er geglaubt hatte, Edward hätte keine Narben hinterlassen. Aber Julian wusste selbst, dass es nichts bringen würde, den ganzen Tag im Bett zu hocken und in Selbstmitleid zu schwelgen, er hatte sich vorgenommen etwas für Charles zu unternehmen, und das würde er auch tun. Er mochte vielleicht nicht in besonders vielen Dingen gut sein, aber etwas kochen, das konnte er, also konnte er seinem Freund wenigstens etwas zu essen machen. Aber das war erst eine Sache für den Nachmittag, vorher wollte er noch etwas dekorieren. Er hätte gedacht, dass Charles vielleicht irgendwo Weihnachtsdeko versteckt hätte, irgendwo im Keller in einer Kiste, die jedes Jahr im Winter wieder neu hervorgeholt wurde, aber anscheinend hatte sich sein Freund sonst nie mit diesem Feiertag beschäftigt, oder zu mindestens hatte er nie geschmückt. Zum Glück war ihm dieser traurige Umstand schon vor ein paar Tagen aufgefallen, und er hatte eine nette Dame, die anscheinend für so etwas zuständig war losgeschickt, um ihm Weihnachtsdeko zu kaufen. Über diese Entscheidung war er im Nachhinein wirklich froh, denn wenn er selbst hätte nach draußen gehen müssen um einzukaufen wäre das heute nichts mehr geworden. Dem Lockenkopf war nicht danach sich der Außenwelt zu stellen. Lieber schleppte er einfach nur die Kisten, die man in einem Abstellraum gelagert hatte in die Wohnung und begann minutiös damit zu dekorieren. Irgendwie war alles an Charles´ Apartment so edel und futuristisch, dass der Norweger sich erst einmal nicht traute, etwas hinzustellen. Die Fenster konnte er nicht schmücken, an so einem riesigen Panoramafenster gab es nunmal keinen Platz für Schneeflocken und Sterne, aber Julian hatte schließlich einen großen Adventskranz mit dicken roten Kerzen auf dem Wohnzimmertisch platziert und für ein paar dezente Lichterketten war auch immer Platz. Er hatte es sich nicht verkneifen können, im Türrahmen ihres Schlafzimmers einen kleinen Mistelzweig mit weißen Beeren und einer kleinen Schleife aufzuhängen, vielleicht würde Charles den Hinweis ja verstehen und zu mindestens darüber schmunzeln können. Am Nachmittag war Julian doch überrascht, wie gemütlich er alles hinbekommen hatte. Jetzt fehlte nur noch ein Weihnachtsbaum, aber das würden sie ein anderes Mal erledigen. Irgendwie hatte ihn das Dekorieren ziemlich geschlaucht, aber dennoch wollte er nicht von seinem Plan ablassen, etwas für Charles zu kochen. Schließlich konnte er sich noch etwas hinlegen, wenn das Fleisch im Ofen vor sich hin garte. Jedenfalls hatte er das gehofft, aber als er sich mit der Eieruhr auf die Couch gelegt hatte, um für den Älteren etwas Kraft zu tanken, musste er so fest eingeschlafen sein, dass ihn nichts mehr aufwecken konnte. Weder das schrille Klingeln der Eieruhr, noch der beißende Gestank von verkohltem Essen. Als der Norweger schließlich zum Ofen eilte war es längst zu spät. Dicker schwarzer Rauch quoll ihm entgegen, als er den Ofen öffnete, und er griff hustend und etwas panisch nach dem heißen Topf, einen spitzen Schrei ausstoßend, als er in seiner Panik ohne Handschuhe an das heiße Gefäß griff. Hastig zog er seine Finger zurück sie unter kaltes Wasser haltend. Zum Glück war weiter nichts passiert. Wenn man von dem völlig verkohlten Essen einmal absah.
„Verdammter Mist, verdammt!“
Julian fühlte sich so schrecklich unnütz, so unfähig, dass er aus lauter Verzweiflung und Wut heraus wieder in Tränen ausgebrochen war, natürlich genau dann, wenn sein Freund von der Arbeit wiederkam. Er hatte ihn so nicht sehen sollen, mist!
„Es ist alles verbrannt, ich….ich hätte nicht einschlafen dürfen, es tut mir so leid!“, stieß er panisch aus, immerhin war es nicht unwahrscheinlich, dass Charles wütend auf ihn wäre. Er hätte die ganze Küche in Brand setzen können mit seiner Unachtsamkeit. Doch anstatt böse auf ihn zu sein war der Geschäftsmann wohl nur besorgt, und Julian schluckte die restlichen Tränen hinunter, als er ihn umarmte.
„Abgesehen davon, dass du ganz sicher wegen mir keine angenehme Nacht hattest….Du musst nichts leisten, damit ich dir was Gutes tu“, schniefte er und wischte sich mit dem Handrücken die Tränen weg. Anscheinend hatte Charles immer noch das Gefühl, dass etwas nicht stimmte, denn seine Stimme brach nicht ab, nein, viel mehr sagte sie wundervolle Dinge, die Julie gar nicht von ihm erwartet hätte. Mit halboffenem Mund und errötendem Gesicht starrte er ihn an, jedem seiner Worte genauestens lauschend. Nur langsam dämmerte es ihm, warum ihm die Dinge, die er sagte so unglaublich bekannt vorkamen, irgendwo tief in ihm drin. Hatte er nicht Edward einmal erzählt, dass er all das haben würde, eines schönen Tages? Hatte er ihm nicht genau das in sein hässlich grinsendes Gesicht geworfen? Also hieß das, dass Charles die Videos gesehen hatte? Für einen langen Moment wusste der Lockenkopf wirklich nicht, wie er sich jetzt fühlen sollte, auf der einen Seite wäre er am liebsten im Boden versunken bei dem Gedanken, dass sein Freund diese Misshandlungen mit angesehen hatte, aber auf der anderen Seite war es vielleicht gut gewesen, dass er wenigstens diesen Teil gesehen hatte, an den er sich genauso klar erinnerte wie an jede andere Minute dieser Woche. Dass Charles ihn liebte, das wusste er, aber es war so unglaublich toll, all die kleinen Dinge zu hören, weshalb er ihn liebte. Vieles, wofür er sich vor anderen Leuten geschämt hatte, über das er sich nur ärgerte, so vieles, was nur jemand wertschätzen würde, der ihn wirklich kannte. Vor lauter Aufregung hatte Julian einen Schluckauf bekommen, presste sich die Hand vor den Mund. Es schien so schwer zu glauben, dass jemand wie Charles wirklich so viel für einen Stricher wie ihn empfinden könnte, dass er in seinem Leben so eine große Rolle einnehmen könnte. Um ehrlich zu sein hatte Julian nie geglaubt, dass er in dem Leben von irgendjemandem so viel Platz einnehmen könnte. Aber wer wäre er, um die Worte des anderen ernsthaft anzuzweifeln? Nein, er nahm ihm seine Worte ab, und er rechnete es Charles hoch an, dass er genau wusste, dass jetzt die richtige Zeit und der richtige Ort dafür gewesen waren. Edward und sein dummes Gehabe schien vor diesem Hintergrund nicht wichtiger zu sein als eine nervige Fliege. Was hatte er schon dagegen zu setzen? Er hatte gelogen, die ganze Zeit, selbst jetzt noch schien ihm nicht bewusst zu sein, wie ernst das zwischen Charles und ihm eigentlich war, dass es eine richtige Beziehung war und kein unwichtiges Techtelmechtel.
Die Worte waren dem Blondschopf in der Kehle stecken geblieben, aber er war sich ziemlich sicher, dass kein Wort der Welt so aussagekräftig hätte sein können wie der stürmische Kuss, den er Charles schenkte. Der Kleinere sprang ihn beinahe um, so schnell schlang er seine Arme um seinen Hals und drückte ihm die Lippen auf. Er wusste, dass der Geschäftsmann das alles sicher nicht gesagt hatte, weil er irgendwie auf Sex abgezielt hatte, er müsste mittlerweile wissen, dass Julie dafür eigentlich immer offen war, aber wie konnte er sich nicht so stark zu ihm hingezogen fühlen, wenn er solche wunderbaren Sachen sagte?
„Du weißt wirklich, wie man mich glücklich macht!“, lachte der Jüngere zwischen einigen Freudentränen hervor und zog Charles ein wenig zu sich hinunter, die Hände um sein Gesicht gelegt. In dem ganzen Trubel in der letzten Zeit hatten sie sich sowieso viel zu wenig Zeit füreinander genommen, Probleme und Stress waren überall gewesen, sodass sie ja schon froh gewesen waren, wenn sie überhaupt nebeneinander eingeschlafen waren. Das war nicht richtig so, dafür begehrte Julian den anderen viel zu sehr. Er hoffte einfach nur, dass Charles nicht zu erschöpft und müde war, auch, wenn er es ihm sicherlich nicht hätte verübeln können. Immerhin hatte er im Gegensatz zu ihm den ganzen Tag gearbeitet. Aber wohlmöglich war er ja auch froh über die Ablenkung. Julian zog ihn mit sich zur Couch, weiter wollte er ehrlich gesagt gar nicht mehr gehen. Er drückte den Leib des anderen nach unten und hockte sich rittlings auf seinen Schoß, während seine Lippen seinen Hals hinunter wanderten und liebevoll jeden Zentimeter Haut liebkosten. Seine Hände wanderten unter Charles´ Oberteil und fühlten die warme Haut. Seine Nackenhaare stellten sich bei den zarten Berührungen auf und er stieß ein wohliges Seufzen aus.
„Weißt du, woran ich mich noch erinnere?“, fragte er leise und knöpfte Charles´ Hemd ohne Hast auf und schob es von seinen Schultern.
„Ich hab mir immer jemanden gewünscht, mit dem ich guten Sex haben kann“, fuhr er fort und wurde leicht rot um die Nase. Ein Blick in die grauen Augen genügte schon, um ihm beinahe den Rest zu geben. Seine Hände fuhren unter den Hosenbund seines Freundes, umfassten sein Glied und begannen es mit geschickten Bewegungen zu massieren, selbst erregt darüber, wie schnell es zwischen seinen Fingern hart wurde.
„Du weißt, dass du alles bist, was ich mir je gewünscht hab, jetzt weißt du, dass es wirklich so ist, dass ich es nicht einfach so sage. Ich….Ich hab das Gefühl, dass „Ich liebe dich“ schon gar nicht mehr stark genug ist, weil ich einfach noch so viel mehr für dich empfinde, Charles.“
Ohne weitere Umschweife befreite Julian sich von seiner Kleidung, klebte weiterhin an den Lippen des anderen und genoss jede Sekunde als wäre es sein erstes Mal.

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Okt 14, 2013 12:15 am

Einen Moment lang hatte Charles Angst, dass er es vielleicht übertrieben hatte oder dass einige seiner Worte vielleicht unglaubwürdig in den Augen des Kleineren erschienen, immerhin war er kein Mann von vielen Worten gewesen, niemand, der das ausdrücken konnte, was in seinem Inneren vor sich ging oder, nun ja, zumindest nicht gut. Doch mit Julian an seiner Seite fielen all diese Dinge so viel leichter aus, noch nie hatte der Ältere sich in dieser Hinsicht so sicher gefühlt, alleine schon, dass er bereit war, der Welt das Gesicht zu offenbaren, das er liebte und immer lieben würde, dass er sich irgendwie seinen Gefühlen stellte, und auch noch auf einer gesunden Art und Weise, zeugte davon, wie gut der Norweger ihm tat. So gut, dass er wirklich alles dafür getan hätte, damit er sich wohl fühlte, damit er glücklich und sicher vor allen Gefahren dieser Welt war. Eine Weile lang blickten die grauen Augen forschend in das junge Gesicht, wartete darauf, das Worte die weichen Lippen verließen und er ihm antworten konnte, doch stattdessen hatten sich diese weichen Lippen plötzlich auf seinen Mund gepresst. Überrascht trat der Größere einen Schritt nach hinten, er hätte nicht erwartet, dass der Jüngere so stürmisch sich regelrecht auf ihn schmiss, genoss jedoch jede Berührung, die Nähe zum schmalen Körper und besonders seine Lippen, von denen er am liebsten gar nicht abgelassen hätte.
Wenigstens schien er nicht an ihm zu zweifeln und wenn dies nicht Beweis dafür war, dass er seine Laune wenigstens ein kleines bisschen anheben konnte, dann wusste Charles selbst nicht, was man noch für Anzeichen brauchte. Ein zufriedenes Lächeln zierte das nicht mehr allzu müde dreinblickende Gesicht des Unternehmers als das Grau seiner Augen auf das strahlende Blau seines Freundes traf. Er konnte gar nicht beschreiben wie glücklich es ihn machte, dass Julian sich besser fühlte, wie glücklich er darüber war, nicht mehr an Edward denken zu müssen, zumindest nicht in diesem Augenblick. Nicht einmal die schrecklichen Bilder der Aufnahmen drangen in sein Unterbewusstsein, nagten nicht an seinem Herzen, sodass er sich voll und ganz auf den Blondschopf konzentrieren konnte. Es war so lange her, dem Geschäftsmann kam es vor wie eine halbe Ewigkeit, seit sie sich irgendwie miteinander beschäftigt hatten, ohne dabei auf andere Themen oder Probleme einzugehen, dabei mochte er es, wenn sie sich nur aufeinander konzentrierten und die Welt für einen Moment vergaßen. Und bei ihm konnte er schnell die Welt vergessen, alles, was außerhalb der schützenden Arme des Norwegers lag, war reinste Nebensache geworden! „Das Gleiche kann ich wohl auch von dir behaupten.“, hauchte die Stimme des Dunkelhaarigen, machte nebenbei keine Anstalten sich gegen irgendwas zu wehren, sodass er sich einfach vom Lockenkopf auf die Couch ziehen ließ. Beiläufig war ihm aufgefallen, dass hier und da neuerdings Weihnachtsdekoration das Penthouse schmückte und bei dem Anblicks des Kranzes am Couchtisch konnte er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Festliche Stimmung hatte hier seit Jahren nicht mehr geherrscht, doch nach diesen Schneemassen des Nordens, konnte nicht einmal Charles dem Charme von Weihnachten entfliehen, auch wenn er bis jetzt nie die Zeit und Gelegenheit hatte, diesen offenzulegen. Noch bevor der Kleinere ihn auf die Couch drücken konnte, zog der Ältere hastig sein Jackett aus, lockerte die Krawatte um seinen Hals, sodass sie weniger hatten, woran man werkeln müsste, ehe sein Körper auf dem weichen Leder seines Sofas sank, sein Blick auffordernd den Blondschopf anblickten, als sich dieser auf ihn setzte, während seine Hände unter sein Shirt wanderten, die warme, weiche Haut ertastend. Der Unternehmer hätte nie gedacht, dass er so schnell seine Müdigkeit vergessen konnte, doch auf der anderen Seite war ihm jegliche Ablenkung stets willkommen gewesen, jeder Moment, der sich zwischen seine Gedanken schob, wurde mit offenen Armen empfangen, besonders dann, wenn diese Ablenkung von Julian kam. Sie hatten zusätzlich schon lange nicht mehr miteinander schlafen können und irgendwie konnte Charles nicht leugnen, dass allein der Anblick des Jüngeren ihn sehr anregte, dass er ihn zu sich hinunterzog, ihm einen innigen Kuss auf die Lippen drückend, ehe er diese auf seiner Haut genoss, sich für einen klitzekleinen Augenblick zurücklehnend. Es war gut z wissen, dass die ganze Geschichte mit Edward sie nicht endgültig so stark ausgelaugt hatte, dass sie zu nichts mehr imstande waren, dass sie sich ganz in sich gekehrt hatten, auch wenn es ihnen und besonders Julian wohl nicht zu verübeln gewesen wäre. Edward hatte es nicht verdient, dass man seinetwegen aufhörte zu leben, selbst für einen noch so kurzen Moment und noch weniger hatte er es verdient einen Platz in ihrem Leben zu bekommen, wie ein Gespenst in ihren Köpfen herumschwirren zu können. Charles war bereits jetzt dankbar für den Tag, wo er ihn endgültig beseitigen könnte, sodass er sie nie wieder stören könnte, nie wieder ihr Leben sabotieren würde. Doch jetzt bleib nicht die Zeit um an diesen Mann zu denken, lieber musterte der Geschäftsmann seinen Freund ausgiebig, vergrub kurz seine Finger im blonden Haar, ehe er sich wieder aufgerichtet hatte, Charles schnell die Krawatte ganz aufriss, sie beiseite werfend, während der Andere sich an die Knöpfe des Hemdes hermachte. Seine Ohren lauschten den Worten des Künstlers, neugierig hob sich eine Augenbraue bei seiner Frage, auf die er sogleich eine Antwort bekam, die ein breites Grinsen auf den schmalen Lippen zauberte. „Und den wirst du bis in alle Zeiten haben.“, versprach der Schwarzhaarige leise, auch das Hemd auf den Boden zu seiner Krawatte werfend, während er zum Ausgleich an Julians Oberteil hermachte, es mit seiner Hilfe über seinen Kopf zog und zwischen seinen Fingern entgleiten ließ, sodass sie sich nicht mehr darum zu kümmern brauchten. Sie hatten schon lange nicht mehr Sex auf dieser Couch gehabt und Charles erinnerte sich nur zu ungerne an die kleine peinliche Versöhnungssexnummer, in welche sein Chauffeur und wahrscheinlich einziger Freund reingeplatzt war, unabsichtlich versteht sich. Diesmal würde sie niemand stören, keiner von ihnen erwartete Besuch oder gar einen Dienstboten, der ihnen etwas bringen oder vielleicht etwas von ihnen abholen sollte, sie waren also ganz alleine und ungestört, was das Kribbeln in seinem Inneren noch ein wenig verstärkte. Dabei waren ihm solche Dinge stets gleich gewesen und dennoch konnte er nicht anders, als sich auf diesen Moment zu freuen und ihn begierig zu empfangen.
Ein wohliges Seufzen entwich seiner Kehle als die anderen Finger unter sein Hosenbund glitt und begann sein Glied zu massieren, es fühlte sich so gut an, dass er beinahe das Gefühl hatte, sie würden zum ersten Mal miteinander schlafen, dabei hatten sie bereits oft genug das eine oder andere Mal hinter sich gehabt war es nicht selten geschehen, dass es mehrmals an einem einzigen Tag geschah! Seine Arme schlangen sich um den schmalen Rücken des Norwegers, zogen ihn enger zu sich heran, dabei die weichen Lippen kostend, hin und wieder unterbrochen eines lustvollen Keuchens, das seine Kehle verließ. Die Worte des Kleineren fühlten sich warm in Charles‘ Brust an, er konnte gar nicht beschreiben wie viel es ihm bedeutete, dass Julian wirklich fähig war ihn so sehr zu lieben, dass er ihn wollte, ganz gleich, wie die Vergangenheit auch anfangs zwischen ihnen ausgesehen hatte und dass vielleicht sogar irgendwie eine lange und gute Zukunft vor sich hatten, eine glückliche noch dazu. „Wenigstens weiß ich, dass ich nicht der Einzige bin, dessen Gefühle dir gegenüber mit keinem Wort je beschrieben werden könnten.“, er lächelte den Kleineren sanft an, zog sein Gesicht so nah an ihn heran, dass er den feinen Atem auf seinen Lippen spüren konnte, welche sich schnell wieder auf die des Anderen gepresst hatten, er spielerisch die Zunge zwischen seinen Zähnen vorbeischob, sich beiläufig ebenfalls vom restlichen Stoff befreiend, der seinen Körper bedeckte, bis beide endlich entkleidet auf der geräumigen Couch lagen, Julians Erektion sich gegen seine Hüfte presste, während er seine eigene spürte. Noch auf etwas zu warten erschien dem Älteren in diesem Moment schier unnötig, sodass er grinsend mit einer fließenden Bewegung den schlanken Leib seines Freundes herumdrehte, unter sich platzierte, sodass er sich vor dem Norweger aufbäumen konnte. Seine Finger strichen sanft über den Oberkörper des Blondschopfs, während die Lippen seinen Hals liebkosten, seine Brust mit zarten Küssen liebkosten, dabei hier und da vorsichtig in sein Fleisch beißend. Beiläufig strichen seine Hände über die Oberschenkel des Lockenkopfs, drückten diese leicht auseinander, ehe der Dunkelhaarige sich aufrichtete, vor Julian platzierend. Ein letzter, fragender Blick wanderte zum Norweger, erst bei seiner Zustimmung drang der Größere langsam in ihn ein, sich dabei über den schmalen Körper richtend. Nur langsam bewegten sich sein Becken, versuchte die ersten Startschwierigkeiten zu überwinden, während er jedes Mal Julians Lippen suchte, es ihm versuchte so schmerzlos und angenehm wie möglich zu gestalten, bis es endlich einfacher war und er ganz in ihn eindringen konnte, ihm sogar lustvolle Laute aus der Kehle entlocken konnte. Ein unbeschreibliches Gefühl floss durch seine Adern, er konnte die Ekstase in seiner Brust anschwellen spüren, so intensiv, dass er sich kaum noch zurückhalten konnte, kein Stöhnen und Keuchen ausließ, das über die schmalen Lippen glitt und in den großen Raum entlassen wurde. Sein Becken presste sich noch enger gegen Julians Unterleib, während er immer schneller zustieß, seine Küsse jedes Mal vom Stöhnen und dem Keuchen von Julians Namen unterbrochen wurde. Charles verstand nicht ganz, wie sie es jedes Mal aufs Neue schaffen konnten den Sex so unbeschreiblich gut zu gestalten, warum es sich mit jedem Male so intensiver und besser anfühlte, dass man glaubte die Welt für einen Moment ganz verlassen zu haben. Es existierte einfach nichts Anderes um sie herum, nur Julian war hier und die ansteigende Lust, die jeden Augenblick damit drohte auszubrechen, doch konnte der Unternehmer sie zügeln, ließ zum Ausgleich seine Hand zu Julians Erektion gleiten, sie im Rhythmus seiner Stöße massierend. Man konnte ihnen wohl noch so oft vorwerfen, dass sie kein richtiges Paar waren, dass der Norweger zu jung für den Unternehmer sein mochte und noch so viele ehemalige Feier des Lockenkopfs könnten ihnen mit etwas drohen und sie nicht in Ruhe lassen- sie würden es wohl niemals schaffen, Zweifel hervorzubringen, Zweifel die ihrer Beziehung, der Liebe ihm gegenüber galt. Denn wenn sich Charles in einem sicher war, dann in der Zuneigung seinem Freund gegenüber, dem einzigen und ersten Menschen, für den er alles aufgeben würde.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Di Okt 15, 2013 11:34 pm

Julian war unglaublich froh, dass ihnen beiden der Kopf nach ein wenig Sex stand. Immerhin hätte Edward es ihnen auch gründlich verderben können, hätte sich wie ein Parasit in ihren Köpfen festfressen können und ihnen jegliche Lust aufeinander nehmen können. Immerhin waren die Videos, die Charles sich angesehen hatte, bestimmt nicht besonders erregend gewesen. Aber trotzdem wollte er ihn jetzt noch, und der Lockenkopf rechnete ihm das hoch an. Es erschien ihm ja sowieso immer noch wie ein kleines Wunder, dass der Unternehmer außer Sex noch mehr von ihm wollte. Er wusste, dass Charles ihn liebte und er würde ihm nie irgendetwas anderes unterstellen, und dennoch wirkte es immer noch wie ein Märchen, eine Hollywoodromanze, alles nur nicht das, was der Stricher von seinem Leben gewohnt war. Genießend schloss er die Augen und spürte jeder sanften Berührung des Älteren nach. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten sie auch stundenlang mit Kuscheln und sanften Küssen verbringen können, aber sobald er und der Ältere ihre Kleidung vollkommen abgelegt hatten, dachte er darüber schon wieder ganz anders. Er wollte Charles, er wollte ihn hier und jetzt, denn es war viel zu lange her, dass sie sich einmal völlig sorgenfrei einander hingegeben hatten. Julian spürte, wie sowohl die Erektion des anderen wie auch seine eigene langsam hart wurde und er wollte ehrlich gesagt nicht mehr länger warten. Er war froh, als der Dunkelhaarige ihn endlich unter sich auf die Couch drückte. Es war verrückt, wie er diese unterwürfige Position sonst immer gehasst hatte, während er sich bei Charles so unglaublich sicher fühlte, auch, wenn der größere Körper sich so über ihm aufbaute. Er wusste, dass er nie irgendetwas tun würde, bei dem er sich nicht wohl fühlen würde – nicht mehr zu mindestens, und das war eigentlich alles was zählte. Gierig reckte er sich nach den Lippen des anderen. Er ließ ihn ungern die ganze Arbeit machen, während er einfach nur daliegen konnte, er wollte ihn ebenfalls berühren und schmecken. Seine Finger wanderten über den Rücken des anderen und er zog seinen Kopf ein wenig zu sich herunter, sodass er ihn innig küssen konnte. Beide hatten wohl keine große Lust zu warten, er merkte es an der Art wie er über seine Oberschenkel strich, sodass Julian die Nackenhaare zu Berge standen vor lauter Aufregung. Dabei brauchte er doch gar nicht nervös sein, es war immerhin nicht ihr erstes Mal oder irgendwie ein besonderes Mal – also abgesehen davon, dass natürlich jedes Mal mit Charles irgendwie besonders war. Aber es war kein Jubiläum, kein Geburtstag, keine Versöhnung, es war Sex auf der Couch. Und trotzdem fühlte es sich so besonders an, sodass der Jüngere beinahe schon bedächtig nickte und seinem Freund die Einverständnis gab in ihn einzudringen.
Wie immer tat es bei den ersten Bewegungen weh und Julian verzog das Gesicht, versuchte allerdings so wenig wie möglich den Eindruck zu erwecken, dass er es nicht genießen würde. Außerdem war es nach ein paar Stößen schon einfacher, sodass sich die verkrampfte Miene langsam löste und einem lusterfüllten Gesichtsausdruck Platz machen konnte. Sofort schlangen sich die Beine des Lockenkopfes fest um die Hüfte seines Freundes, klammerte sich mit den Armen ebenso sehr an seinem Rücken fest. Es tat ihm wie immer unheimlich leid, dass er so tiefe Striemen in den Rücken des Älteren zog, aber er konnte gar nicht anders, die Lust hatte ihn viel zu sehr gepackt. Es ging immer so schnell, wenn sie ohne Kondom Sex hatten. Dieses Mal würde sie hoffentlich niemand unterbrechen, so wie bei ihrem letzten unglücklichen Mal auf der Couch! Jetzt wäre es ihm nur noch peinlicher, da er Benjamin mittlerweile noch besser kannte und sich mit ihm angefreundet hatte. Aber heute würde sicher niemand hereinplatzen. Wenn jemand vor der Tür des Apartments stand, dann würde er das Stöhnen und Keuchen sicherlich hören, und wer war schon so blöd und platzte dann einfach rein?
Julian war ganz schwindelig vor Lust, sodass er sich haltsuchend im Nacken des Älteren verbiss und gegen seine Haut gedrückt seinen Namen hervorstieß, immer wieder und wieder. Er konnte hören, dass es Charles nicht anders erging, konnte sich ein leichtes Grinsen einfach nicht verkneifen. Es war einfach schön zu wissen, dass er seinem Freund so den Verstand rauben konnte und er ihm. Als sich die Hand des Unternehmers zu seiner Erektion bewegte und daran zu reiben begann, war es um den Blondschopf endgültig geschehen. Mit einem lauten Aufkeuchen legte er den Kopf in den Nacken und grub seine Fingernägel in die weiche Haut des anderen. Er hätte ihm sein Becken ja entgegen bewegt, aber die Berührungen des anderen machten ihn so wahnsinnig, dass er sich kaum noch zu einer Bewegung in der Lage sah.
„Das ist doch Wahnsinn“, stöhnte er mit zusammengekniffenen Augen. Auch so konnte er sehen, dass Charles ebenfalls kurz vorm Orgasmus stand, und sie kamen schließlich beide zum Höhepunkt. Mit einem lauten Keuchen sackte der Körper des Jüngeren in sich zusammen, für einen kurzen Moment ein gespielt theatralisches Ächzen ausstoßend, als der Leib des Älteren kurz auf ihm zusammensackte. Bevor Charles jedoch noch denken könnte er hätte ihm ernsthaft wehgetan schenkte er ihm ein breites Grinsen, nahm sein Gesicht zwischen seine Hände und gab ihm einen langen Kuss. Die Couch war nicht so riesig, dass sie gut nebeneinander liegen konnten, sodass Julie ein Stück zur Seite rutschte und sich schließlich etwas ungalant auf Charles Hüft beförderte und ihn von oben herab zufrieden anlächelte. Er war selbst erschöpft vom Sex, sodass er seinen Kopf schnell wieder an die Brust des anderen lehnte und auf seinen Herzschlag lauschte, während er wieder zu Atem kam. Abwesend malten seine Finger Linien auf die Brust des Älteren.
„Edward kann uns gar nichts“, setzte er schließlich mit selbstsicherer Stimme an, und irgendwie stimmte es auch, er musste seinem Freund keine Stärke vortäuschen, denn gerade in diesem Moment machte ihm sein ehemaliger Peiniger wirklich keine Angst. Ganz egal, was für lächerliche Drohungen er von sich gegeben hatte, er konnte sich nicht zwischen sie stellen, sie waren stärker als er.
„Ich…..Ich bin nicht so schwach, wie er immer gesagt hat, oder?“
Julians Magen knotete sich ein wenig zusammen, aber es war eigentlich ein gutes Zeichen, dass er langsam begann so zu denken, dass er sich von all den Lügen löste, die Edward ihm in den Kopf gesetzt hatte und die dort irgendwie verblieben waren, auch, wenn er sich sonst nicht hatte von ihm verfolgen lassen.
Julian war selbst überrascht, wie wenig er sich in den nächsten Tagen von dem Gedanken an Edward einnehmen ließ, er war sowieso viel zu beschäftigt mit seiner Kunst, schwang den Pinsel beinahe jede Minute am Tag, die er nicht mit Charles verbrachte. Der Unternehmer war immer häufiger fix und fertig, wenn er von der Arbeit kam, aber oft enthüllte er ihm auch nicht, dass Edward weiterhin störte, dass er in der Firma anrief und trietzte, dass er ein weiteres Video zugeschickt hatte mit dem Vermerk „Falls die anderen Kopien abhanden gekommen sein sollten“. Julian war besser dran das alles nicht zu wissen, er bemühte sich so gut er konnte, um Charles den Feierabend wenigstens so angenehm wie möglich zu gestalten, nahm sich selbst beim Sex ein wenig zurück und beschränkte sich manchmal sogar darauf, nur dem Dunkelhaarigen Lust zu bereiten, wenn er tatsächlich so todmüde wirkte, dass nicht einmal mehr Sex eine Option zu sein schien. Der Lockenkopf nahm es ihm nicht übel, nein, das konnte er gar nicht, er war viel mehr froh, dass er seinen Freund mit Kleinigkeiten noch bei Laune halten konnte. Wenigstens näherte sich jetzt das Wochenende und somit die Zeit, an der sie den ganzen Tag zusammen verbringen konnten. Sie wollten auf eine kleine Kunstaustellung gehen, sie würden die freundliche Dame wiedersehen, der Charles ihn schon mal vorgestellt hatte und sie würde entscheiden, ob sie für den angehenden Künstler auch einmal eine kleine Vernisage veranstalten würden. Genau so etwas wären nämlich Events, die der Lockenkopf dringend brauchte, aber er war eigentlich ganz guter Dinge. Seine offizielle Beziehung mit Charles hatte ihn irgendwie….nunja, zu mindestens ein klein wenig interessanter gemacht als zuvor, zu mindestens für die Öffentlichkeit, und er wäre ja dumm, wenn er das nicht benutzen würde, um sich seinen Traum zu erfüllen. Jetzt war jedenfalls erst mal nur Samstag, und endlich konnten sie zusammen in Ruhe frühstücken. Der Norweger war irgendwie noch nicht ganz wach, rührte gähnend in seinem Kaffee herum und war zur Abwechslung mal nicht schon so wach, dass er sich schon großartig mit seinem Freund unterhalten könnte. Ohne großen Hunger zu haben zerrupfte er sein Croissant und beobachtete den Älteren beim Zeitunglesen. Umso erschrockener hob er plötzlich den Kopf, als der Ältere einen undefinierbaren Laut von sich hab und wie hypnotisiert auf die Zeitung starrte. Eilig sprang Julian auf und flitzte zu seinem Freund hinüber, ihm über die Schulter blickend.
„Was ist passiert, warum guckst du so, was steht da?“, versuchte er neugierig aus ihm heraus zu bekommen, aber da hatten seine Augen schon selbst die Schlagzeile gesehen. Eilig überflogen seine Augen die schwarzen Buchstaben, konnte einfach nicht glauben, was sie sagten. Fassungslos schlug er die Hände vor dem Mund zusammen, bekam keinen Ton über die Lippen. Charles schien genau so überrascht wie er selbst, und dennoch bekam es der Lockenkopf für einen kurzen Moment mit der Angst zu tun.
„D-Du hast nichts damit zu tun, oder?“
Immerhin hatte ihm Charles so oft versichert, dass sein ehemaliger Freier ihm nichts mehr antun würde, und bei seinem Einfluss lag wohl der Gedanke nicht fern, dass er seine Finger im Spiel haben könnte. Aber er glaubte ihm, wenn er ihm versicherte, dass er daran unbeteiligt gewesen war. Nicht, dass Julian ihm eine Beteiligung ernsthaft übel genommen hätte, aber es wäre schon ein wenig….nunja, unheimlich gewesen. Und er hätte außerdem zu viel Angst gehabt, dass man seinem Freund auf die Schliche kommen könnte. Julian war vollkommen atemlos, er wusste nicht was er sagen oder tun sollte, bekam er doch tatsächlich kein Wort heraus und starrte nur auf den Artikel.
Edward war tot, ermordet, man hatte seine Leiche irgendwo im Fluss gefunden. Er war anscheinend als erfolgreicher Jungunternehmer zurückgekehrt, weshalb die Zeitung ihm einen Artikel widmete. Sie hatten ihn außerhalb von San Fancisco gefunden, beinahe schon in LA. Also hatte er sich schon woanders Feinde gemacht. Julian verwunderte es auf der einen Seite nicht, aber auf der anderen Seite….Es schien zu schön um wahr zu sein.
„I-Ich fasse es nicht, er ist wirklich weg, ich….“
Julian brachte nicht einmal einen vollständigen Satz zustande, aber das brauchte er wohl auch nicht, denn im nächsten Moment schon fiel er Charles um den Hals, drückte sich lachend eng an ihn. Ihm war nach Freudentränen, nach Lachen, nach Grinsen, er konnte kaum still an einer Stelle stehen und hätte es am liebsten über ganz San Francisco hinaus geschrien, dass Edward endlich tot war, dass er sein verdientes, unwürdiges Ende bekommen hatte.
„Jetzt werden er und seine verdammten Videos und nie wieder-„
Der Jüngere hielt inne, und sein Gesichtsausdruck wurde von einer Sekunde auf die nächste verängstigt.
„Was ist mit den Originalen, werden….werden die Polizisten sie sehen?“
Bei einer Morduntersuchung wurde garantiert jeder Millimeter von Edwards Wohnung auseinander genommen, und solche Videos würden nicht ungesehen beiseite gelegt werden. Ein dicker Knoten schnürte ihm den Hals zu und er löste sich verstört wieder von Charles.
„Sie….Sie werden sie alle sehen, oder?“

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Fr Okt 18, 2013 12:28 am

Es war erstaunlich neben der Erschöpfung und dem Stress noch so etwas wie Zeit füreinander zu finden..wobei, eigentlich erstaunte es ihn weniger, Charles wollte sich die Zeit nehmen, er wollte immer für Julian da sein, ganz gleich wie viel Stress oder Müdigkeit seinen Körper auch befallen mochte und dass ihr Sex nicht darunter litt, nun, das war wohl einer der besten Nebeneffekte, den man haben konnte. Der Dunkelhaarige hatte jede Sekunde genossen, jedes Stöhnen und Keuchen zelebriert und den gemeinsamen Höhepunkt so lange ausgekostet, wie es ihnen nur möglich war und dennoch wollte er immer noch nicht von seinem Freund ablassen und es war eine gute Sache, dass er dies auch gar nicht zu tun brauchte, dass die Nähe zum schmalen Körper nicht so schnell zwischen seinen langen Fingern glitt und er die Wärme des Anderen ganz in sich aufnehmen konnte, während er gedankenverloren mit den blonden Locken spielte.
Der Norweger hatte recht- Edward konnte ihnen nichts, er würde sie niemals auseinanderbringen können, mit keiner Drohung dieser Welt und es machte ihn glücklich zu wissen, dass beide gleich über diese Sache dachten, dass sie es zusammen durchstanden und sich gegenseitigen Halt gaben, den sie auch brauchten.
Bei den nächsten Worten blickten die grauen Augen überrascht zum Blondschopf, ihn einen Moment lang forschend anblickend, ehe er langsam den Kopf schüttelte. „Du bist ganz und gar nicht schwach. Du bist sogar einer der stärksten Menschen, die ich je kennengelernt habe.“, gestand der Ältere sanft lächelnd, ihm dabei einen langen Kuss auf die Lippen drückend. Er konnte gar nicht oft genug betonen wie viel Respekt er vor dem Kleineren hatte, dass er solch schreckliche Dinge ausgehalten hatte und dass sie ihn nie ganz in den Abgrund gerissen hatten. Wenn Julian nur wüsste, wie viel Stärke in ihm doch in Wirklichkeit steckte, doch bald würde er es schon mitbekommen, da war er sich mehr als nur sicher.
Wenn es nach dem Unternehmer gegangen wäre, so hätte er sich am liebsten am Tag darauf freigenommen, hätte jede Sekunde mit dem Norweger verbracht, ganz gleich, ob seine Firma im Moment an Papierkram und anderen Dingen unterging, doch selbst wenn er sich die Freiheiten hätte nehmen können, wäre es wohl ein schlechtes Bild gewesen, wenn der Boss auf einmal ein sehr, nun ja, fauler Mann geworden war, der sich nur noch um sein eigenes Wohlergehen und Vergnügen kümmerte. Noch war er jung, zumindest jünger als die meisten und wollte nicht gleich wie all die alten Männer in ihren Chefsesseln sein, die entweder ihre jungen Freundinnen vögelten, während ihre Frauen das Gleiche mit dem Hauspersonal anstellten, und an Nachmittagen mit ihren Freunden, die nicht ihre Freunde waren, zum Golfen gingen und dabei die ganze Arbeit an all den anderen kleben blieb. Nein, so einer war Charles nicht und er hatte sich fest vorgenommen niemals so einer zu werden, egal wie alt sein Hintern auch werden würde, weswegen er sich auch zusammenriss und sich lange in der Firma mit viel Arbeit und viel Stress befasste. Zwar waren keine ungebetenen Gäste mehr in sein Büro hereingeplatzt und hatte man ihm keine unangenehme Videoaufnahmen zuschicken lassen und dennoch hatte sich Edward wie ein Blutegel an ihn angesaugt, rief oft genug an, nur um weitere Beleidigungen und Drohungen auszusprechen, um ihn zu warnen, dass er nochmals die Aufnahmen zuschicken lassen würde. Offenbar mochte dieser Mann es besonders gerne, wenn er die Chance bekam, ein Individuum zu quälen, doch wenigstens musste der Dunkelhaarige sein Gesicht nicht mehr sehen, musste ihn nicht in seinem eigenen Büro ertragen und löste wenigstens eine Problematik, die erst gar nicht in seinem Leben hätte auftauchen dürfen. Diesmal wollte er seinen Freund jedoch nicht weiter damit beunruhigen, ihm ebenfalls unruhige Tage und Nächte bereiten, immerhin gefiel es ihm, dass er wieder Lust am Leben hatte, dass er sich mit Dingen beschäftigte, seinem Hobby nachging und bald mit diesem Hobby auch andere Menschen ansprechen würde, da war sich Charles mehr als nur sicher, immerhin war seine Kunstkennerin unglaublich begeistert vom kleinen Lockenkopf und nicht selten hatte er seit ihrer großen Offenbarung nebenbei Anrufe bekommen, wo sie ihm beleidigt mitteilte, dass sie wenigstens gehofft hätte, als Erste diese Neuigkeit erfahren zu können. Das Gute an Künstlern war wohl wirklich, dass sie viel offener mit Weltgeschehen und jeglichen Neigungen umgingen als sein restliches Umfeld, welches den Geschäftsmann jedoch rein persönlich kaum interessierte.
Charles war seinem Freund dankbar dafür, dass er an den Abenden nicht zusätzlich nachhackte, das er ihn für einige Stunden sogar sehr gut ablenken konnte und seine Nähe reichte ihm ohnehin bereits aus, um sich viel besser und geborgener zu fühlen, um für einen Moment lang alles um sie herum zu vergessen, den Stress und vor allem Edward. Er wollte ihn loswerden, doch bis jetzt waren ihm keine guten Ideen gekommen und langsam wollte er Benjamin in die Sache involvieren, der selbst in gar nichts von alldem eingeweiht worden war, doch je schneller dieser Mann und diese Videos von der Bildfläche verschwanden, desto einfacher würde es für ihn und den Norweger werden!
Doch diesem Problem wollte er sich erst nach dem Wochenende widmen, die Tage waren zu kostbar, als dass er jetzt noch die freie Zeit für diesen Menschen aufbrachte, Zeit, die er nicht verdient hatte zu bekommen, abgesehen davon wollte er mehr Zeit mit seinem Freund verbringen, wollte mit ihm am Abend wenigstens etwas Kunst besuchen und sich anschauen und wenn sie schon eingeladen worden waren, wollte der Unternehmer nur zu ungerne absagen, immerhin wusste er, wie gerne der Kleinere solche Dinge mochte und dass er vielleicht selbst bald seine ganzen Gemälde vorstellen konnte, sodass sie von jedem bewundert werden konnte. Der Gedanke zauberte ein Lächeln auf das öfter ernst dreinblickende Gesicht, ließ ihn ruhiger schlafen und besser früh am Morgen wach werden, ganz im Gegensatz zum Blondschopf, der offenbar sogar zu müde war, um den Mund zum kauen zu öffnen. Charles hätte es ihm nicht übel genommen, hätte er einige Stunden länger in den Federn verbracht, vielleicht wäre er selbst zurück zu ihm ins Bett gekrabbelt, doch wollte er sich nicht überreden lassen und er hoffte einfach, dass der Jüngere im Laufe der Zeit etwas wacher werden würde. Gedankenverloren blätterte der Dunkelhaarige, wie jeden Morgen, in seiner Zeitung herum, hier und da einige Schlagzeilen überfliegend, hin und wieder an seinem schwarzen Kaffee nippend. Es war nicht viel los, so schien es, und oft schweiften selbst die ernstzunehmenden Zeitungen schneller ab, als es dem Unternehmer lieb war- war so wenig auf der Welt etwa los? Kopfschüttelnd blätterte er das dünne Papier um, nur um über einen Artikel zu stolpern, der ihn beinahe an seinem Brötchen verschlucken ließ. Er konnte selbst nicht glauben, was mit schwarzen, großen Buchstaben dort stand, konnte einfach nicht glauben, dass es wirklich der Wahrheit entsprach. Er hatte gar nicht mitbekommen, wie er begann murmelnd und unverständlich einige Fetzen des Artikels sich durchzulesen. Edward war tot, ermordet und schlampig ins Wasser geworfen. Bei seinem Auftreten konnte dieser Mann sich nur Feinde machen, doch wollte Charles nur zu gerne wissen, wer diese Feinde waren, mit wem er sich angelegt hatte, dass sie ihn bei der nächsten Gelegenheit getötet hatten! Er konnte die Überraschung nicht vom Gesicht wischen, konnte nicht einmal auf die Fragen des Norwegers eingehen, viel zu eingenommen war er vom Inhalt des Artikels. Solch eine Schlagzeile war wohl das Letzte, was der Ältere an diesem Morgen erwartet hatte, doch konnte er nicht leugnen, wie sich eine große Erleichterung in ihm breit gemacht hatte, als wäre ihm die schwerste Last vom Rücken gefallen, die er seit Tagen mit sich schleppen musste!
Langsam ließ er die grauen Augen zum Künstler schweifen, bei seinen Worten erschrocken in sein Gesicht blickend. „Also ich habe gestern Nacht nicht nach ihm gesucht und ihn erstochen und ich habe auch niemand anheuern lassen, das zu tun…ehrlich gesagt bin ich fast davon ausgegangen, ihn nächste Woche wieder als Störfaktor zu sehen.“, sein Blick wanderte wieder zur Zeitung. „Aber jetzt wird er wohl nicht mehr so schnell stören.“, Charles konnte gar nicht beschreiben wie froh er über den Tod dieses furchtbaren Mannes war, ganz gleich wie grauenvoll dies auch klingen mochte, so war dieser Mann ein noch viel schlimmeres Monster, eines, das nichts als diesen Tod verdient hatte und für einen Moment bereute er es sogar, dass er nicht durch seine eigene Hand gestorben war. Zu gerne hätte er den leidenden Ausdruck in seinem Gesicht gesehen, er hätte ihn gerne betteln hören, leiden hören, er hätte einfach gerne gesehen, wie er furchtbare Höllenqualen durchlebte und anschließend starb. Doch nun war er weg, auf immer und ewig und sie würden nie wieder etwas von ihnen hören. Er würde nie wieder zu ihnen kommen, ihre Beziehung nie wieder auf den Kopf stellen und nie wieder perverse Videos von anderen aufnehmen, ihn mit den anderen Aufnahmen erpressen und tagtäglich in seiner Firma anrufen und terrorisieren. Wie sollte sich erst Julian fühlen, jetzt, wo er wusste dass sein Peiniger auf ewig von der Bildfläche verschwunden war. Es musste ein gutes Gefühl sein, so gut, dass ihm fast danach war, den guten Champagner aus dem Weinkeller zu holen. Und der Anlass wäre nicht mal übertrieben gewesen!
Hastig schlang der Größere seine Arme um die schmale Taille seines Freundes, zog ihn breit lächelnd noch enger an sich, ihn anschließend auf seinem Schoß platzierend, während er kurz nach seinen Lippen suchte. „Edward wird uns nie wieder etwas antun, er ist endgültig weg und wir haben unsere Ruhe.“, zufrieden blickte er in die strahlend blauen Augen. Charles war so beflügelt und eingenommen von dieser überraschenden Neuigkeit, dass er fast vergessen hatte, dass in seiner Wohnung sich immer noch die Originalen aufhalten müssten, Videos von seinem Freund, von denen er versprochen hatte, sie auszulöschen, sodass dessen Existenz keiner Person je bewusst werden würde und nun kam alles so plötzlich, so schnell, dass Charles für einen kurzen Augenblick selbst nicht wusste, was er auf die Worte des Blondschopfes antworten konnte. Die Entfernung zwischen den beiden Körpern gefiel dem Dunkelhaarigen nicht und er blickte sehnsüchtig dem Lockenkopf hinterher. Nein, niemand durfte diese Videos sehen, absolut niemand, ganz gleich ob sie von Belang waren oder nicht, Julian hatte diese Art von Demütigung nicht verdient! „Niemand wird die Videos sehen.“, erwiderte er mit fester Stimme, sich anschließend von seinem Stuhl erhebend, an den Kleineren herantretend. Seine Finger legten sich sanft um die Schultern des Jüngeren, ihn durchdringend anblickend. „Ich habe dir versprochen, dass ich sie beseitigen werde und das werde ich auch tun, keine Sorge.“, er schenkte dem Norweger ein aufmunterndes Lächeln, ihm über die Wange streichend. Seine Angst war gerechtfertigt, doch er würde sie bald nicht mehr haben müssen, dafür würde er schon sorgen. „Ich habe einige gute Bekannte bei der Polizei, die mir sicherlich einen kleinen Gefallen tun könnten. Es ist kein Beweis, welches entwendet wird und sie wissen auch, dass ich keine vermeidlichen, relevanten Gegenstände entfernt bekommen lassen möchte, es sei denn ich bin in dieser Sache involviert.“, setzte der Unternehmer an, jede Gesichtsregung des Kleineren betrachtend. „Julian, du brauchst wirklich keine Angst zu haben, ich werde jetzt noch anrufen und die Sache klären und dann…dann wird kein Edward jemals wieder in unser Leben eingreifen können und die Feiertage vermiesen.“, Charles umfasste das schmale Gesicht mit seinen Händen, schob sich zu ihm hinunter, nach seinen Lippen suchend, die er lange und innig küsste, den Geschmack des Jüngeren aufnehmend und genießend. „Ab heute vergessen wir diesen Mann und konzentrieren uns mehr auf, nun ja, uns.“, ein Schmunzeln huschte über die schmalen Lippen, während die grauen Augen sich im strahlenden Blau des Anderen verloren. „Und ich erinnere mich daran, dass du mir bei den Weihnachtseinkäufen helfen wolltest.“, er blickte den Norweger einen Moment lang ernst an, ehe ein Lächeln über das ältere Gesicht huschte und er darauf wartete, dass der Kleinere sich endlich keine Sorgen mehr darum machte, dass er ihm vertraute, immerhin würde er ihn niemals belügen wollen, nie etwas versprechen, was er nicht erfüllen konnte du nie etwas tun, was ihn nicht zufriedenstellen konnte.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Okt 21, 2013 12:01 am

Julian hatte eigentlich nicht damit gerechnet, dass Charles selbst bei der Polizei seine Finger im Spiel haben könnte, aber anscheinend hatte er sich geirrt. Morduntersuchungen, das klang nach etwas, was man nicht einfach so ungestraft hintergehen konnte, aber anscheinend machte Julian sich da wieder ganz zu Unrecht Sorgen. Manchmal vergaß er, wie unglaublich reich der Geschäftsmann war, viel reicher, als er es sich vermutlich vorstellen konnte, und mit Geld kam auch Macht. Dennoch musterte er den Älteren noch eine Weile lang skeptisch, die Augenbrauen unwohl zusammengezogen. Lange blieb er nicht hier alleine stehen, und er war irgendwie froh, dass Charles wieder zu ihm herangetreten war. Es fühlte sich nicht gut an, hier so alleine zu stehen. Er wollte, dass die Sache mit Edward ein für alle Mal abgehakt wurde und sie nie wieder belästigte, aber dazu mussten auch die letzten Spuren seiner Taten verwischt werden. Die Videos gingen keinen Polizeibeamten etwas an, waren kein Beweis und keine tiefergehende Spur. Mit einem schweren Seufzen legte der Jüngere seine Arme um die Taille des Größeren. Er wollte seinen Worten wirklich Glauben schenken, und eigentlich tat er das auch. Zu mindestens fühlte sich sein Herz weniger schwer an als zuvor. Er nickte gegen die Brust des Älteren. Vielleicht vertraute er viel zu sehr auf eine Allmacht, die Charles gar nicht hatte, aber bis jetzt hatte er ihn noch nicht enttäuscht, und so lange würde er auch weiterhin auf ihn bauen. Ach, auch danach noch, wie könnte er Charles denn jemals misstrauen? Bis jetzt hatte er immer alles wieder gerade gebogen.
„In Ordnung, aber….aber klär das so schnell wie möglich, ja?“
Julian hatte keine große Ahnung von Mordermittlungen, er war noch nie in eine hineingeraten, er wusste nicht, wie schnell die Polizisten waren, aber ewig ließen sie sich sicherlich nicht Zeit. Aber der Unternehmer hielt zum Glück auch sein Wort und war eine halbe Stunde schon mit Telefonieren beschäftigt, und schon am nächsten Tag erhielten sie die Entwarnung von Charles´ Kontaktmann, dass die Videos gesichert wären und sie niemand zu Gesicht bekommen hatte. Julian wusste nicht, wann ihm jemals schon einmal so ein großer Stein vom Herzen gefallen wäre, dass er am liebsten jeden umarmt hätte, der ihm über den Weg lief und ihnen erzählt hätte, dass alles gut war, aber nunja, das hätte irgendwie wenig Sinn gemacht wenn man bedachte, dass es eigentlich Sinn und Zweck der Aktion gewesen war, die Videos zu verheimlichen. Um das ganze Dilemma endgültig aus dem Weg zu schaffen, hatten sie sich vorgenommen, Julian endlich einzubürgern, aber das konnte bis ins neue Jahr warten. Es war einfach wunderbar, wie leicht ihnen nun alles von der Hand ging, Charles schien auch weitaus weniger gestresst als zuvor. Auch, wenn die Arbeit immer noch viel war so kurz vor der Weihnachtspause, kam Charles bei weitem nicht mehr so fertig und gestresst nach Hause wie noch in den letzten Tagen, sodass Julian tatsächlich langsam wieder weihnachtliche Vorfreude aufbauen konnte und sein Freund gar nicht darum herum kam, sich ihm anzuschließen. Nachdem sie für ihre Gäste am ersten Weihnachtstag auch noch einige Geschenke gekauft hatten, hatten sie auch endlich einen Weihnachtsbaum gekauft. Dem Lockenkopf kam er beinahe etwas riesig für die Wohnung vor, und er fragte sich immer noch, wie das Personal ihn so unbeschadet hier hoch bekommen hatte, aber es war eigentlich auch egal, er war hier, und Julian verbrachte Stunden damit, ihn ansehnlich heraus zu putzen. Er hatte sich nicht getraut echte Kerzen zu verwenden, aber warm leuchtende Lichterkerzen waren auch okay, und neben der ganzen Weihnachtsdeko hatte er auch einen Haufen Kugeln bestellt, und den hatte er auch bekommen. Ale Farben des Regenbogens, alle Formen, sogar kleine Holzsterne, Tannenzapfen und Engelchen, sodass es gar nicht so leicht war, eine Entscheidung zu treffen. Letztlich hatte er dann doch traditionell schmücken wollen, und so war der Tannenbaum schließlich ein Kunstwerk aus warmen Gold- und Rottönen mit gelegentlichen Holzsternen und einem großen auf der Spitze, den Benjamin hatte anbringen müssen, weil Julian zu klein gewesen war. Noch immer war er jedes Mal unglaublich stolz, wenn er den irgendwie schon beinahe perfekten Baum betrachtete. Wenn man nur im Licht des Tannenbaums abends kuschelnd auf dem Sofa saß dann konnte man gar nicht anders als in weihnachtliche Stimmung zu verfallen. Selbst Charles, der in den letzten Jahren anscheinend wenig für dieses Fest übrig gehabt hatte, konnte sich dem nicht entziehen, auch, wenn der Norweger zugeben musste, dass es damals in Europa noch winterlicher gewesen war mit all dem Schnee, der ihm hier irgendwie fehlte. Es war in San Francisco zwar auch ein wenig kälter geworden, aber von winterlichen Temperaturen war das noch meilenweit entfernt. Charles müsste Weihnachten im Schnee unbedingt auch mal erleben, vielleicht konnte Julian ihn ja überreden, nächstes Jahr über die Feiertage mit ihm nach Norwegen zu kommen. Insofern ihn die Elche nicht endgültig verschreckt hatten.
Hier in Amerika war es zwar nicht Brauch, an Heiligabend schon Bescherung zu machen, aber Julian war es anders gewohnt, und da Charles sowieso kein besonders traditionsversessener Mensch war, hatte er damit ebenfalls kein Problem. Am liebsten hätte Julian allen Angestellten über die Feiertage frei gegeben, immerhin sollte keiner um diese Zeit arbeiten müssen, aber der Blondschopf musste schließlich einsehen, dass das nicht möglich war, und wenigstens das grundlegendste Sicherheitspersonal hier bleiben musste. Wenigstens hatte er es durchgesetzt, dass sie zusammen alleine kochten, sodass das Küchenpersonal frei haben konnte. Und Benjamin war ja zum Glück auch nicht im Dienst, sondern würde Heiligabend als Familienmitglied mit ihnen verbringen. Es fühlte sich gut an die Feiertage mit Leuten verbringen zu können, die man gern hatte, die man liebte, in der Vergangenheit hatte Julian seine Weihnachtsfeste meiste allein mit Grayce verbracht oder nun mal, nun ja, ganz allein, denn hin und wieder war die Blondine auch zu ihrer Familie heimgefahren, und dort hatte er einfach nichts zu suchen gehabt, so nah er der Bardame auch immer noch stand. Sie würden ja mit keiner Tradition brechen und sich dennoch sehen, wenn auch im größeren Rahmen. Mit Chris hatte der Lockenkopf in den vergangenen Tagen auch wieder öfter telefoniert, sich über Weihnachten ausgetauscht und alles abgeklärt und generell wieder etwas mehr Zeit mit ihm verbracht, jetzt, da die Wogen wieder überall geglättet waren. Julian war sich bewusst, dass Charles immer noch ein wenig skeptisch war was den Hippie betraf, aber er bemühte sich einfach darum, dem Dunkelhaarigen dann abends besonders viel Liebe zu schenken und ihm zu versichern, dass Chris ihn niemals so sehr interessieren könnte wie der Unternehmer. Kurzfristig hatte sich herausgestellt, dass Ethans Bruder über die Weihnachtsfeiertage bei ihnen sein würde, und da Julian nicht wollte, dass irgendjemand an Weihnachten ganz alleine zuhause saß, hatte er den beiden angeboten die Verwandtschaft mitzubringen. Vielleicht machte es das Ganze ja auch für Grayce etwas spannender!
Mit dem Gemälde für Charles hatte er sich zum Ende hin doch ein wenig sputen müssen, was allerdings eher daran lag, dass er viel zu penibel und perfektionistisch gewesen war, aber er wollte nunmal, dass Charles sich auch über das Geschenk freute, dass er schließlich sorgsam verpackt unter dem Weihnachtsbaum ablegte, wo sich bereits einige andere eingepackte Geschenke wiederfanden. Julian war neugierig und hatte zu mindestens schon mal herausgefunden, welche Präsente für ihn sein sollten, aber damit hatte er sich nur noch hibbeliger und aufgeregter gemacht als sowieso schon. Den ganzen Tag über hatte er schon in regelmäßigen Abständen auf die Uhr gestarrt, als würde die Zeit so schneller vergehen, aber er wollte einfach, dass endlich Abend war! Viel gab es an so einem Feiertag natürlich nicht zu tun, die meisten Zeit nervte der Lockenkopf seinen Freund eigentlich nur. Sie waren ein wenig in der Stadt und in einem Park herumgebummelt –auch, wenn dem Lockenkopf ein Winterspaziergang mehr zugesagt hätte- und schließlich hatten sie endlich das Essen vorbereiten können, sodass Julian nicht mehr untätig herumsitzen musste. Benjamin war wie immer überpünktlich, legte mehrere kleine Päckchen unter den Baum und gesellte sich dann zu ihnen in die Küche.
„Bestimmt werde ich über die Feiertage total fett“, lachte der Lockenkopf gerade, als er einen fetten Braten aus dem Ofen nahm. Heiße Luft schlug ihm entgegen, und er beeilte sich, das duftende Fleisch abzustellen. Im Hintergrund klimperte ganz leise Weihnachtsmusik vor sich hin. Draußen war es leider noch nicht ganz dunkel, aber das war eigentlich nur eine Frage von vielleicht einer Stunde. Im Esszimmer war der Tisch bereits gedeckt, ganz gemütlich neben dem Tannenbaum, wo Julian ständig neugierige Blicke auf die Geschenke werfen konnte, während sie bei gedimmten Licht und Kerzenschein essen konnten. Es fiel Julian nie schwer, die Stille zu füllen, aber selbst die beiden Älteren hatten heute viel zu erzählen, sodass das Essen beinahe noch länger dauerte als Julian eigentlich gehofft hatte.
„Ach, das Geschirr machen wir später, ja? Erst die Geschenke!“, stieß er eifrig aus. Er freute sich über alles, sowohl das Beschenken als auch das Beschenkt werden, sodass er es selbst in die Hand nahm, das erste Geschenk zu überreichen. Die Bücher waren beinahe alle einzeln eingepackt, sodass er Benjamin nach und nach einen ganz schönen Stapel an Geschenken angehäuft hatte und ihn zufrieden lächelnd betrachtete.
„Ich dachte mir, man kann nie genug Bücher haben, oder?“
Seine Hoffnung, dass er kein Buch erwischt hatte, dass der Chauffeur bereits kannte, war wie durch ein Wunder sogar erfüllt worden.
„Jetzt bin ich aber dran!“, stieß er begierig auf und wippte gespannt auf seinem Stuhl herum, als Charles sich erhob, um aus dem großen Geschenkstapel eines für ihn hervorzuholen.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Fr Okt 25, 2013 2:16 am

Charles wäre nicht Charles gewesen, wenn er sein Wort nicht hätte einhalten können. Er hatte seinem Freund versprochen die Aufnahmen zu beseitigen und genau dafür hatte er auch gesorgt, auch wenn sich beim Telefonieren hier und da Fragen stellen musste, die er zum Glück mit einer Extrasumme an Geld nicht zu beantworten brauchte. Er begab sich ungerne und auch mittlerweile, seit dem Vorfall in Japan, sehr selten auf die illegale Schiene, für die eines Tages die Polizei oder schlimmeres vor seiner Haustüre stehen könnte, doch wenigstens konnte er sich in diesem Falle sicher sein, dass keines der Tapes auch nur ansatzweise etwas zum eigentlichen Fall beisteuern könnte, es war nicht Teil des Mordfalls und besonders Julian würde niemals einer der Hauptverdächtigen sein können, sodass sie nicht einmal bewusst oder gar unbewusst wichtige Spuren verwischten, die der Ermittlung hätten weiterhelfen können.
Und spätestens, als auch die letzten Überbleibsel aus Julians unangenehmer Vergangenheit gelöscht worden waren, konnten beide wieder aufatmen, dort weitermachen, wo sie nach ihrem Urlaub leider aufhören mussten. Der Dunkelhaarige hätte nie in seinem Leben gedacht, dass ihn solch ein großer Stein vom Herzen fallen würde, dass er so froh über den Tod eines Menschen hätte sein können, doch ohne Edward erschien die Welt wieder besser, angenehmer und weitaus erträglicher, trotz vieler Überstunden und Meetings, die sich im Laufe der Zeit nur so getummelt hatte. Er durfte bei dem ganzen privaten Trubel einfach nicht seinen Job vergessen, die Geldquelle für all das hier, für ihr Leben und immerhin war es keine Selbstverständlichkeit gewesen, dass seine Firma von alleine lief, trotz zahlreicher kompetenter Arbeiter, die er im Laufe der Jahre über eingestellt hatte. Aber Charles genoss die Arbeit, ganz gleich, ob er nun müde nach Hause zurückkehrte oder nicht, genoss sie noch mehr als ohnehin und fand sogar endlich Zeit um mit dem Norweger die Läden abklappern zu können, immerhin stand Weihnachten vor der Türe und sie würden sogar an einem Tag Besuch bekommen, zwar von Julians Freunden, doch wollte er sie nicht ablehnen, immerhin war dies mittlerweile nicht mehr nur sein Haus gewesen und sobald der Kleinere Staatsbürger werden würde und seine Greencard bekam, würde es ganz offiziell ihr Haus werden, zumindest hatte der Ältere sich dies vorgenommen. Allerdings mussten erst einmal die Feiertage überstanden werden. Der Unternehmer hatte keine Ahnung von diesen Menschen, er mochte allerdings den Hippie immer noch nicht besonders und hatte seine Zweifel, dass sie irgendwie miteinander klarkommen würden, war es doch nichts Neues, dass viele Aktivisten ihn als ein Vorzeigebeispiel benutzten um zu zeigen, wie grauenvoll Menschen sein konnten und besonders die Konzerne, die sie leiteten. Dass Charles sich mittlerweile in eine ganz andere Richtung ausgelegt hatte schien dabei den meisten egal zu sein, doch er selbst kümmerte sich auch nicht um ihre Meinungen, seine Geschäfte waren gut, sie waren legal und sie brachten teilweise Innovation, immerhin lebten sie in einer Zeit, wo die Menschen auf Neues bauten, auf Erfindungen, die ihnen einen Gefallen taten, weswegen das Waffengeschäft fast schon in den Hintergrund fiel und der Dunkelhaarige versuchte sich mit etwas zu befassen, was einen höheren Sinn hatte. Nachdem er erschossen worden war, hatte sein Gemüt genug von all dieser Waffenproduktion gehabt und dies zu Recht.
Die restlichen Tage vergingen wie im Flug, wenn er nicht gerade die letzten Dinge für die Feiertage mit dem Blondschopf einkaufte, musste er selbst noch für seinen Freund und Benjamin etwas besorgen. Die Jahre zuvor hatten sich er und sein Fahrer bzw. Leibwächter jedes Mal bei ihm getroffen, tranken seinen guten Scotch und Benjamin erzählte gerne von seinen Kindern. Oft waren es die selben Geschichten, mittlerweile wusste er nicht, wie  sie aufgewachsen waren, sie waren rebellische Teenager geworden, dessen Gehirne so sehr manipuliert worden waren, dass sie ihren armen Vater verbannt hatten. Mittlerweile waren sie alt, vielleicht so alt wie Julian und niemand von ihnen schien sich um ihren Alten zu kümmern. Manchmal hatte sich der Geschäftsmann sogar aufgerafft und war zu seiner Mutter gefahren, er erzählte ihr viel über die Arbeit und damals noch über seine Frau, doch nichts schien zu ihr durchzudringen, sodass er es irgendwann aus Frust aufgab, er wusste nicht einmal ob es noch sinnvoll war, ihr etwas über Julian zu erzählen, ihn vielleicht mitzunehmen. Doch genau dieser Julian hatte plötzlich alles auf den Kopf gestellt. Charles konnte kaum glauben, dass wieder ein Weihnachtsbaum im Penthouse bis zur Decke ragen würde, dass er jemals wieder einen echten Weihnachtsbaum hier haben würde, doch nun stand er dort, geschmückt und leuchtend. Er wollte den Kleineren nicht dabei stören, wie er in seinen Weihnachtsrausch verfiel, und überließ ihm die gesamte Dekoration, hielt sich aus vielen Dingen heraus und bewunderte sie von der Ferne. Nun, so weihnachtlich war es hier wohl noch nicht gewesen, es hatte wirklich nur noch eine winterliche Bettwäsche mit den passenden Motiven gefehlt, doch all die anderen Dinge um sie herum reichten dem Unternehmer aus, um sich irgendwie in die Stimmung hineinversetzen zu können. In der Zwischenzeit hatte er wahrscheinlich den Apple Store öfter besucht als je in seinem gesamten Leben. Er wollte, dass Julian etwas öfter zu erreichen gewesen wäre, er würde ihn nicht auf jedes Meeting dieser Welt mitnehmen und manchmal war es gut, sichergehen zu können, dass es ihm gut ging, solange er nicht in San Francisco war, weswegen er ihm einen neuen Laptop samt Smartphone kaufte.  Er musste sich lange mit den Arbeitern des Ladens unterhalten, bis sie ihm endlich sagen konnten, welche Programme ohne weiteres auf dem Laptop funktionieren könnten, immerhin war sein Freund Künstler und es wäre eine gute Art, sich auch an den digitalen Medien austoben zu können, weswegen ihm direkt ein großes Grafiktablett in den Sinn kam. In der Abteilung der Schöpfer neuer Gegenstände und anderen Dingern hatten sie selbst diese Dinger benutzt, sie waren gut und zuverlässig. Benjamin konnte sich an für zwei Karten zu einem bereits ausverkauften, jedoch sehr vielversprechenden Jazzkonzert erfreuen, sowie einer neuen Schachtel kubanischer Zigarren- er war ein einfach gestrickter Mann und der Ältere wusste, dass er diesem Mann mit sinnlosem Schnickschnack sogar nicht weniger Freude machen würde als mit den Dingen, die ihm gefielen, ganz gleich wie klein sie auch sein mochten. Ein Neues Aftershave konnte er jedoch nicht weglassen- er hasste das, was er seit Jahren trug und seit Jahren war es fast schon ein Witz zwischen ihnen geworden, denn immerhin bekam er jedes Mal neues vom Dunkelhaarigen geschenkt.
Alles in allem war Charles zufrieden mit der Welt, er hatte einfach die Tradition des Norwegers angenommen, er war kein patriotischer, typsicher Amerikaner, der sehr viel Wert darauf legte, wie die Feiertage gelegt worden waren und wie man sie richtig feierte, immerhin hatte er sie selten gefeiert, weswegen es für ihn kein Problem war, auf einmal einen Tag eher mit dem Essen und den Feierlichkeiten zu beginnen. Er hatte zwar viel Personal frei geben müssen, hauptsächlich, weil Julian sich selbst das Recht genommen hatte, ihnen frei zu geben, und nahm sich selbst an dem Tag Urlaub,  schloss die Firma rein offiziell bis zum nächsten Jahr, auch wenn er direkt nach den Feiertagen noch zu arbeiten hatte. Zwischenzeitlich hatte er es sogar noch geschafft ein weiteres Geschenk für den Norweger zu machen, eines, was er jedoch nicht fein säuberlich verpackt unter den Baum legen konnte. Sie hatten sich also auf gemeinsames Kochen geeinigt, Charles hatte die Arbeiter extra einkaufen gehen lassen, auch für den Tag darauf, auch wenn er dafür ein Teil des Personals leider wieder für den halben Tag einstellen musste, alleine schon, weil weder Julian noch er selbst es so gut hinbekommen würden, für viele Menschen gutes Essen zu bereiten. An diesem Tag jedoch waren sie auf sich alleine gestellt,  doch der Dunkelhaarige musste zugeben, dass er die Zeit dazwischen sehr angenehm fand, auch wenn nicht viel geschah und sie sich eigentlich nur gut die Zeit vertreiben konnten, wenn sie draußen ein wenig umherliefen, die ganzen weihnachtlich geschmückten Schaufenster betrachtend. Charles wusste, dass es in New York schön gewesen war, sie hatten einen riesigen Weihnachtsbaum stehen gehabt und eine künstliche Eisfläche für Menschen wie den Lockenkopf, der so etwas beherrschte und großen Spaß daran hatte. Irgendwann könnten sie auch dort feiern, sogar mit Schnee! Jetzt war ihm jedoch die Festtagsstimmung aufgrund des warmen Wetters und den Sonnenstrahlen vermiest worden. Immerhin war es so kalt geworden, dass man ohne eine Jacke selten oder besser gar nicht verließ. Drinnen war es zum Glück sehr angenehm gewesen, Charles musste sogar zugeben, dass der Geruch von leckerem Essen, der das Penthouse fühlte,  sehr angenehm war und er solche Dinge kaum kannte, immerhin hatte er diesen Herd und diese Utensilien niemals vorher benutzt, nicht einmal den Backofen und nun tat er all dies mit seinem Freund und war erstaunt, als sie bereits fertig waren und nur noch der Tisch zu Ende gedeckt werden musste. Benjamin kam wie immer zu früh, doch es war okay, sodass sie ihn schnell hineinließen, Charles sich mit dem Größeren einen Moment lang unterhielt, ehe sie endlich essen konnten.
Dafür, dass der Schwarzhaarige seit einiger Zeit nichts mehr gekocht hatte, schien das Essen doch lecker zu sein, sodass er nicht einmal ein schlechtes Gefühl bekam, dass er heute etwas mehr zu sich nahm als sonst. Immerhin war Weihnachten nicht jeden Tag. Mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck schielte er zum Blondschopf hinüber, ihn breit anlächelnd. „Ich fürchte nach solch einem üppigen Essen müssen wir wieder unten das Fitnessstudio  besuchen.“, gluckste der Ältere, beiläufig an seinem Glas mit Wein nippend.  Seine Idee war nicht einmal abwegig gewesen, wahrscheinlich war es wieder einmal an der Zeit etwas für den Körper zu tun- Sex alleine hielt ihn ganz sicherlich nicht so, wie er war.
Charles hatte einen Moment lang nicht einmal die Lust gehabt sich zu erheben und das Geschirr in die Spülmaschine zu stellen, sodass er froh über die Worte des Norwegers war, sich ein wenig im bequemen Stuhl zurücklehnend, dabei zuschauend, wie Julian einen großen Batzen an Büchern Benjamin überreichte, der neugierig jedes einzelne Exemplar öffnete, seine Miene immer fröhlicher bei jedem weiteren Buch, das sich neben ihn stapelte, dreinblickend. „Julian, das war wirklich nicht nötig gewesen, doch…sie sind wirklich gut und ich kenne keines davon, zumindest noch nicht.“, er zwinkerte dem Kleineren zu, ihn breit anlächelnd, ehe er ihn etwas, nun ja, unbeholfen umarmte und schnell wieder von ihm abließ. Amüsiert betrachtete der Dunkelhaarige die beiden, ehe auch er sich langsam erhob, einige Geschenke vom Baum holend. „Nun, wenn wir schon bei Benjamin angefangen haben…“, murmelte seine Stimme, ihm sein Geschenk überreichend. Natürlich mussten beide leise lachen, als der Ältere ein weiteres Aftershave auspackte, es prüfend in seiner großen Hand herumdrehte und aus allen Ecken und Kanten heraus betrachtete. „Ich hoffe, Ihnen ist bewusst, dass ich das nicht verwenden werde?“, lachte Benjamin, dabei zu seinem Boss hinüber schielend, der langsam nickte. „Verdammt, eines Tages werde ich dein furchtbares Duftwasser schon ersetzen können!“; entgegnete seine Stimme mit gespielten Ehrgeiz, worauf er nur ein prinzipielles „Das wage ich zu bezweifeln, Sir.“ als Antwort bekam. Doch all die anderen Dinge schienen seinen langen Mitarbeiter und Freund glücklich gemacht zu haben, alles andere wäre auch eine Schande gewesen.
Lange blickte der Unternehmer seinen Mitarbeiter an, fuhr jedoch schnell herum, Julian in die strahlend blauen Augen blickend. „Ich gehe davon aus, dass du nicht noch länger auf deine Geschenke warten willst.“, mit diesen Worten überreichte er dem Norweger ein Geschenk nach dem anderen, auch der Chauffeur gab ihm seine Geschenke, sodass nun zwei Augenpaare gespannt auf ihn gerichtet waren. „Es ist leider nichts Besonderes, allerdings sind dies nützliche Dinge, abgesehen davon habe ich noch etwas, doch das werde ich dir erst später zeigen können.“,  er schenkte Julian einen verschwörerischen Blick, der sich jedoch schnell wieder in einen gespannten Ausdruck verwandelte, während die grauen Augen gebannt auf die zarten Hände des Blondschopfs blickten, hoffend, dass sein Gesicht ihm gefiel, dass er es nicht zu langweilig und oberflächlich fand, wie auch das letzte Geschenk, was er jedoch bis zum endgültigen Ende aufbewahren und für sich behalten wollte.[/i]

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   So Okt 27, 2013 10:44 pm

Es gab doch wirklich nichts Schöneres, als andere Leute zu beschenken! Julian hatte daran sogar fast noch mehr Freude als am Beschenkt werden, immerhin war es toll, wenn man auf den Gesichtern seiner Freunde die Freude lesen konnte und wusste, dass man das Richtige ausgesucht hatte. Julian strahlte Benjamin groß an, es war tatsächlich kein Buch dabei gewesen, das er schon kannte, das hielt er für einen unglaublichen Glücksgriff! Selbst wenn, dann wäre er einfach zur Buchhandlung gegangen und hätte es gegen etwas anderes eingetauscht. Aber er hatte wohl doch den richtigen Riecher gehabt. Außerdem hatte er viele sehr aktuelle Bücher genommen, bei denen war die Wahrscheinlichkeit sowieso geringer, dass der alte Chauffeur sie kannte. Einige von ihnen waren selbst für den jungen Norweger interessant gewesen, sodass er darauf hoffte, dass er sie sich später irgendwann ausleihen konnte. Hachja, Schenken mit ein wenig Hintergedanken war doch das schönste Schenken. Der Lockenkopf war sogar doch ein bisschen überrascht, dass Benjamin ihn umarmte, aber er hätte sich keinen schöneren Dank vorstellen können! Er wusste ja selbst, dass der Ältere nicht der Typ für Umarmungen war und dass er es alles etwas förmlicher gewohnt war, aber der Norweger würde sich garantiert nicht auf einen ollen Handschlag einlassen! Glücklich drückte er Benjamin, jedoch nicht so lange und innig, dass es ihm unangenehm sein könnte.
„Ich hätte dir gerne noch mehr gekauft, aber mehr konnte ich nicht tragen, und dich um Hilfe bitten konnte ich ja nicht“, gluckste er amüsiert. Wie schnell er schon auf die Hilfe eines persönlichen Assistenten angewiesen schien! Nein, so ging das nicht, das sollte er sich schnell wieder abgewöhnen. Er war doch kein verwöhnter Bengel aus reichem Haus, er war einfach nur Julie, der seine Weihnachtsgeschenke auf eigene Faust kaufen konnte. Mit neugierigen Augen beobachtete er, wie Charles seinem Mitarbeiter ebenfalls sein Geschenk übergab. Er musste schmunzeln, anscheinend bekam er dort gerade eine alteingesessene Weihnachtstradition zu sehen. Es war wirklich niedlich, wie sehr die beiden Männer doch wie eine kleine Familie wirkten, obwohl sie doch eigentlich eher distanziert waren. Aber beide waren etwas einsam, jedenfalls war Charles das vor ihm gewesen, und wieso sich dann nicht zusammenraufen? Julian gefiel diese kleine merkwürdige Familie, und er hoffte, dass es noch mehr solcher kleiner Insider im Alltag aufdecken konnte.
„Ich mag dein Aftershave!“, verkündete er Benjamin solidarisch und grinste Charles entschuldigend an. Hin und wieder nippte er an seinem Glas mit Rotwein, an solch einem Anlass war Alkohol wohl nicht verboten, auch, wenn der Lockenkopf bereits jetzt merkte, dass ihm das Getränk zu Kopf stieg und seine Wangen rot färbte. Er sollte aufhören, bevor er wieder ganz wuschig wurde und nicht von Charles lassen konnte. Solch eine unangenehme Situation hatte er ja schon mal vor Benjamin gehabt, und das hatte ihm definitiv gereicht. Auch, wenn er sich noch eine ganz besondere Überraschung für Charles ausgedacht hatte, für die ein klein wenig beschwipst sein sicher nicht so ein Dilemma war.
Jetzt allerdings war es doch erst einmal Zeit für seine Geschenke, und der Jüngere merkte, wie er ganz aufgeregt und hibbelig wurde. Es war eigentlich auch nicht anders als vor vielen Jahren, als er noch ein laufender Meter im Waisenhaus gewesen war. Nur, dass die Geschenke dort längst nicht so großzügig gewesen waren. Mit großen Augen starrte der Lockenkopf auf die erste Schachtel, die unter dem größten Geschenk zum Vorschein kam. Ein Laptop, ganz für ihn alleine, und dann auch noch ein teurer Mac! Julian konnte das Grinsen kaum noch vom Gesicht wischen, er hatte nie viel Technikkram besessen, höchstens mal ein unglaublich altes Prepaidhandy, aber ganz sicher nie etwas, was auf dem neuesten Stand der Technik war! Bestimmt konnte er damit auch tolle Sachen für seine Kunst machen!
„Oh mein Gott, Charles, das ist super, dann können wir uns sehen, wenn du auf irgendwelchen blöden Meetings bist!“, stieß der Jüngere überglücklich aus. Bis jetzt war das noch nie vorgekommen, aber der Blondschopf wusste selbst, dass Charles sicher manchmal auf Geschäftsreise konnte, wo er seinen Freund nicht einfach mitschleppen würde, und dann konnten sie sich wenigstens noch über die Webcam sehen.
„Du weißt schon, dass ich dich ab jetzt immer in der Mittagspause nerven werde?“, fragte er scheinheilig, machte sich aber sogleich auch an das nächste Geschenk von Charles, das sehr viel kleiner war. Natürlich, das dazgehörige Handy, was hätte er anderes erwarten können? Wie viel Geld mochte Charles dafür ausgegeben haben? Julian machte sich lieber kein Bild davon. Er wusste zwar, dass es für den Unternehmer vermutlich Peanuts waren, aber dennoch, für ihn selbst war es unglaublich viel, und er konnte immer noch nicht glauben, dass jemand gewillt war, so viel für ihn auszugeben.
„Das ist viel zu viel, du bist verrückt!“, brachte er sprachlos hervor, bevor er sich zu dem Dunkelhaarigen umdrehte und ihm einen langen Kuss gab.
„Trotzdem danke“, wisperte er leise und ließ seinen Kopf noch so lange an Charles´ Stirn angelehnt wie es ging, ohne, dass es für Benjamin peinlich wurde. Andächtig schob er die beiden teuren Dinge zur Seite und warf das zusammengeknüllte Geschenkpapier zur Seite, sodass er auf dem Tisch wieder etwas Platz hatte und sich über die Weihnachtsgeschenke des Chauffeurs her machte. Bei der einen Sache war es recht einfach, etwas auszumachen, so weich und platt wie das Geschenk war, sicher war es irgendetwas zum Anziehen.
„Ein Fußball?“, witzelte der Jüngere dennoch, bevor er das Geschenkpapier recht gnadenlos zerpflückte, und einen gestrickten Pullover zu Tage beförderte. Ein warmes Lächeln breite sich irgendwie über Julians ganzen Körper aus, er wusste, dass der Ältere gerne strickte, und dass der zugegeben ein wenig scheußliche Pullover ganz sicher seine eigene Arbeit war. Der Lockenkopf jedenfalls liebte ihn, er hatte sogar kleine Rehe. Er war genau das, was er immer gerne getragen hatte, ihm das Wetter hier aber verbot. Eilig zog er das weite, warme Kleidungsstück über, seine Nase in dem dicken Stoff vergrabend.
„Der ist einsame Spitze, danke, Benjamin!“, quietschte er glücklich. Die Ärmel waren ein wenig zu lang, aber Julian liebte alles an dem Kleidungsstück, und er würde es so oft wie möglich anziehen.
„Ich dreh hier einfach das Thermostat ein bisschen runter, dann kann ich ihn öfter tragen“, lachte er verschmitzt, bevor er sich an das zweite Geschenk machte. Es war gut, dass er bei diesem vorsichtiger gewesen war, denn unter dem Weihnachtspapier kam ein altes Buch über die Malkunst zum Vorschein. Mit großen Augen betrachtete er den kunstvollen Ledereinband und strich andächtig hinüber.
„Das sieht wertvoll aus, vielen Dank, Benjamin“, hauchte er mit großen Augen. Sofort blätterte er in den alten, dicken Seiten, die mit reichlich Bildern bedruckt waren. Bevor er es jedoch hier auf den Esstisch legte, wo es durch Essen und Trinken viel zu sehr gefährdet war, brachte er es lieber direkt zu dem großen Bücherregal im Wohnraum und legte es dort obenauf, damit er sich morgen direkt damit beschäftigen konnte. Noch einmal schloss er die beiden Männer kurz in die Arme und drückte sie so fest er konnte.
„Das waren tolle Geschenke, ich kann euch nicht genug danken“, schnurrte er zufrieden, bevor er sich auch noch dem letzten Geschenk zuwandte, das unter dem Weihnachtsbaum lag. Ein Geschenk hatte er seinem Freund ja schon gemacht, und die Uhr trug er auch jeden Tag um das Handgelenk, aber das Gemälde war ja noch übrig, und auch noch ein drittes Geschenk, das in dem Sinne eigentlich keines war. Mit einem leichten Rotstich um die Nase überreichte er Charles das Geschenk, ihn erwartungsvoll anblickend.
„Ich hoffe du hast nicht das Gefühl, dass ich es mir mit dem Malen…nunja, irgendwie zu einfach mache“, gestand er ihm, aber zum Glück schien das nicht der Fall zu sein. Alle freuten sich über alle Geschenke, und nach den Strapazen der letzten Wochen und Monate war dies wirklich ein erholsamer Heiligabend, den sie sich redlich verdient hatten. Es war schon spät und alle ein klein wenig angetrunken, als Benjamin sich schließlich verabschiedete und in seine Wohnung ein Stockwerk tiefer verschwand. Morgen war er ebenso wie alle anderen Freunde noch einmal zum Abendessen eingeladen, aber jetzt waren er und Charles endlich alleine. Eilig räumten sie das dreckige Geschirr und das herumfliegende Geschenkpapier zusammen, damit es in der Wohnung nicht völlig chaotisch aussah. Julian hoffte, dass Charles trotz Angetrunkenheit noch nicht völlig im Schlafmodus war. Als der Ältere kurz ins Bad verschwand und den Norweger mit den letzten Aufräumarbeiten alleine ließ, war es Zeit für sein letztes Geschenk, das eigentlich keines war. Hastig entledigte er sich seiner Kleidung bis auf die Boxershorts und wartete vor dem Weihnachtsbaum auf die Rückkehr des Unternehmers. Er schenkte ihm ein breites, leicht schüchternes Lächeln, als er im Türrahmen stehen blieb.
„Ich hab doch noch ein letztes Geschenk: mich.“

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Fr Nov 01, 2013 9:58 pm

Solch angenehme Tage hatten sie wohl alle schon lange nicht mehr gehabt- es war schön zu sehen, wie jedermann zufrieden war mit allem, was um sie herum geschah und besonders mit den Geschenken. Sicher, Charles kam sich ein wenig zu unpersönlich vor, als er die Dinge für seinen Freund herausgesucht hatte, auch wenn sie alle einen wichtigen und besonderen Zweck erfüllten und immerhin nicht nur dafür gedacht waren, darauf herumzuspielen! Gespannt blickten die grauen Augen den Kleineren an, schaute ihm dabei zu, wie er die in Geschenkpapier gehüllten Päckchen auspackte, hoffend, dass er ihn damit zufriedenstellen konnte. Seine schmalen Lippen formten ein zufriedenes Lächeln als er Julians Gesichtszüge erblickte, bei seinen Worten leise lachend. „Wenn dir danach ist, kannst du mich gerne jede Mittagspause anrufen.“, erwiderte er mit sanfter Stimme, dabei die strahlend blauen Augen des anderen betrachtend. Vielleicht würde ihm die Dauertelefoniererei noch zum Verhängnis werden und ihn von der Arbeit ablenken, doch jetzt wollte er über solche Konsequenzen überhaupt nicht nachdenken, eigentlich freute er sich insgeheim jetzt schon darauf, jeden Mittag mit dem Menschen, den er liebte, sich unterhalten zu können, so konnten sie sogar noch ein wenig mehr Zeit miteinander verbringen und er musste nicht noch länger auf den Lockenkopf verzichten. Seinetwegen hätte er es vielleicht sogar durchgezogen, einfach mit dem Arbeiten aufzuhören, wenn er etwas jünger gewesen wäre, mittlerweile jedoch würde ihn die freie Zeit wahrscheinlich unterbeschäftigen, er brauchte seine Auslastung und so wurde die Rückkehr nach Hause von Tag zu Tag immer reizvoller, wenn man wusste, dass das Penthouse noch eine zweite Gestalt beinhaltete, die zu ihm gehörte, die oft auf seine Heimkehr wartete.
„Zu viel ist es nun wirklich nicht, wir sind im 21. Jahrhundert, da gehören solche Dinge regelrecht zum Standard.“, bereitwillig erwiderte er den Kuss des Blondschopfes, strich kurz über den schmalen Rücken, ehe der Kleinere sich wieder von ihm abwandte. „Dafür brauchst du dich nicht zu bedanke.“, fügte er mild hinzu, sich in seinem Stuhl zurücklehnend. Es war eigentlich nicht viel gewesen, was er seinem Freund gekauft hatte, doch erschienen ihm die Dinge, die er mit seinem Geld kaufen konnte, schon nicht wertvoll genug, er wollte dem Norweger einfach nur das Beste vom Besten bieten, doch nichts schien auch nur gut genug zu sein, wertvoll genug zu sein um dem Jüngeren zeigen zu können, wie sehr er ihm eigentlich bedeutete, selbst an solchen eigentlichen Tagen wie Weihnachten, das bis jetzt kaum eine große Funktion in seinem Leben gezeigt hatte, das grundsätzlich nie eine große Rolle gespielt hatte. Er konnte immer noch kaum glauben, dass ein Mensch so viel verändern konnte, dass er regelrecht seine Welt auf den Kopf gestellt hatte und Charles es in vollen Zügen genoss.
Der Dunkelhaarige musste bei dem Pullover, den Benjamin dem Norweger gestrickt hatte, schmunzeln, doch blieb ihm die Belustigung im Halse stecken, als er einen ähnlichen in den Händen trug. „Nun, sollten wir wieder Julians Heimat besuchen, wird er mir an einigen Abenden sicherlich die Kälte vom Leib halten.“; abermals formten seine Lippen ein breites Lächeln, faltete den Pullover wieder ordentlich zusammen, ihn fein säuberlich beiseite legend, sodass er sich endgültig einem anderen Geschenk widmen konnte. Der Blonde hatte ihm bereits vorher ein schönes Geschenk gemacht, das immer noch an seinem rechten Handgelenk baumelte und er wahrscheinlich nie wieder gegen eine andere Armbanduhr eintauschen würde, nicht einmal dann, sollte sie aus welchen Gründen auch immer kaputtgehen. Es war unverkennbar, dass es sich hierbei um ein Gemälde handelte und spätestens als seine Augen das Werk betrachten konnte, wusste er auch, dass es niemand anderes als Julian gemalt hatte. Der Ältere liebte seine Bilder, er konnte immer noch nicht verstehen, wie ein Mensch so gut etwas auf eine Leinwand oder auf Papier bringen konnte, was gegen Ende hin so schön aussah. Erstaunt starrte er die ihm bekannte Szenerie an, die sich vor seinen Augen präsentierte, schielte schnell zu seinem Freund herüber, bei seinen zweifelnden Worten lediglich den Kopf schüttelnd. „Ich kann mir kaum vorstellen, dass man es sich mit so etwas zu einfach machen würde. Es ist wunderschön, Julian, ich liebe es!“, Charles nahm sich die Freiheit sein Geschenk kurz beiseite zu stellen um dem Blondschopf einen sanften Kuss auf die Lippen hauchen zu können. Wie konnte er solch ein Werk auch nicht mögen, der Geschäftsmann mochte die Tatsache, dass seine Gemälde eine kleine Bedeutung für die beiden hatten und dass sie ganz alleine für ihn bestimmt waren. „Eines Tages werden sich die Leute um die Bilder reißen aber ich werde sie ihnen einfach nicht geben, morgen hängen wir eines der alten ab und ersetzen es hiermit.“, demonstrativ hielten seine Hände das Bild kurz hoch, ehe es vorsichtig zur Seite gestellt worden war, damit es nicht kaputt ging oder gar unglücklich umfiel. Eines Tages würde er die ganzen hochwertigen Bilder in seiner Wohnung mit Julians Kunst ersetzen, er sah es jetzt schon kommen, doch wieso auch nicht- er liebte seine Kunst und seine Kunstkennerin schien auch angetan von seinen Werken zu sein, sodass Charles ganz sicher nicht alleine mit dieser Meinung dastand.
Es war gut zu sehen, dass die allgemeine Zufriedenheit auch noch weiter vorherrschte, selbst dann, als sie all das erzeugte Chaos hatten aufräumen müssen, immerhin hätte der Schwarzhaarige es niemals über Nacht einfach stehen gelassen und da heute das halbe Personal frei bekommen hatte, durften sie alleine alles wegräumen, was zur Abwechslung weder anstrengend war noch die Laune verdarb, immerhin waren wohl alle drei in diesem Penthouse es früher mal gewohnt gewesen, alles alleine zu tun, ganz gleich was auch immer es sein mochte.
Benjamin verabschiedete sich dazwischen von den beiden, wünschte ihnen eine gute Nacht, ehe er mit all seinen Geschenken bepackt in den Aufzug stieg und hinunter in seine eigene Wohnung fuhr. Wahrscheinlich konnte er es ohnehin kaum erwarten, eines der vielen Bücher anzufangen. Lesen war nun mal seine große Leidenschaft. Charles selbst hatte seinem Freund noch beim wegräumen des restlichen Geschirrs geholfen, ehe er unzufrieden auf seine Hände blickte. „Hm, ich habe wohl wieder vergessen, wie man sauber und anständig die Hausarbeiten macht.“, er deutete auf das Bratenfett, in welches seine Finger ausversehen gegriffen hatten, entschuldigte sich bei seinem Freund, ehe er ins Badezimmer verschwand um sich die Hände zu waschen. Nachdenklich blickten die grauen Augen in sein Gesicht. Die letzten Tage hatten ihm wirklich gut getan, nicht nur, dass er endlich frei von der ganzen Arbeit hatte, sondern auch die plötzliche Entlastung von zusätzlichen Stressfaktoren, die ihn und seinen Freund so sehr eingenommen hatten, waren endlich wie fortgewischt, wie auch seine dunklen Schatten unter den Augen und dem dazugehörigen übermüdeten Blick. Er hatte sogar ein ehrliches Lächeln zustande gebracht, als er sein Hemd glatt strich. Heute musste er nicht ganz formal aussehen, doch wollte er auch nicht ganz auf den häuslichen Look bauen, verzichtete lieber auf eine Jeans und ein normales Shirt, immerhin war heute ein Feiertag. Mit leisen Schritten bewegte er seine Beine wieder aus dem Badezimmer hinaus, wollte noch die anderen Überreste entfernen und vielleicht mit Julian ins Bett gehen oder ein wenig fernsehen und typische Filme, die um diese Zeit kamen, sich anschauen, immerhin war sein Körper noch ausgeschlafen und die wenigen Gläser Wein hatten ihn noch nicht allzu schläfrig gemacht, doch als er den Wohnbereich betrat, blieb sein Körper mit einem Schlag verdutzt stehen, Julian überrascht anblickend. Nun, er hatte mit irgendetwas gerechnet, nur nicht mit solch einem Auftritt. Anscheinend hatte der Norweger heute noch ganz andere Pläne gehabt. Mit verschränkten Armen lehnte sich der Größere gegen die Wand, lauschte den Worten des Jüngeren, die ihm ein Schmunzeln entlockten. Er liebte es, jedes Mal daran erinnert zu werden, wie sehr er dieses Individuum und seine Einfälle liebte. „Und dann auch schon ausgepackt…“, seine Augen musterten den schmalen Leib von oben bis unten, dem Blondschopf anschließend ein sanftes Lächeln schenkend, während er sich auf den Jüngeren zubewegte, gefährlich nah an seinen Freund herantrat. Seine Finger strichen sanft über seine Wange, umfassten das weiche Kinn, während er sich zu ihm hinunter beugte. Er konnte die Wärme des anderen Körpers förmlich durch seine Kleidung hindurch spüren, schlang dennoch den freien Arm um seine Taille, ihn dabei näher zu sich heranziehen. „Das Beste kommt zum Schluss, was?“, hauchte er dem Künstler leise entgegen, suchte nach den weichen Lippen, die er zart und lange küsste, so lange, wie seine Lungen es ihm erlaubten. „Ich muss zugeben, dass es wohl das beste Geschenk ist, was ich je haben könnte und ich werde es sicherlich sehr, sehr lange behalten, wenn nicht sogar für immer.“, abermals benetzte er seinen Mund mit sanften Küssen, ließ die Lippen den langen, schlanken Hals entlangwandern, dabei über seinen Rücken fahrend. Die Finger ertasteten jeden seiner filigranen Rücken, er konnte spüren, wie ihm plötzlich warm unter der Kleidung wurde, so warm, dass er sie nicht mehr länger anbehalten wollte, doch hier neben dem Weihnachtsbaum wollte er ehrlich gesagt auch nicht bleiben. Prüfend schauten sich die hellen Augen im großen Raum, bei einem Möbelstück einen anerkennenden Laut ausstoßend. Er schenkte seinem Freund ein vielsagendes Lächeln, wandte sich jedoch kurz vom Kleineren ab, einige dekorative Kissen, die sonst nie angerührt wurden, beiseite schiebend, sodass eine Tube Gleitmittel zum Vorschein kam, die er sich beiläufig in seine Hosentasche steckte. Mit einer eleganten Bewegung drehte sich der Leib des Unternehmers wieder herum, platzierte seine Hände an der Hüfte des Lockenkopfs, während er ihm grinsend die blankweißen Zähne präsentierte. „Ich hoffe du nimmst es mir nicht übel, dass ich es nicht mehr bis zum Bett schaffen werde oder gar möchte.“, säuselte er nahe an seinem Ohr, seinen Unterleib etwas fester umschlingend, sodass er ihn mit einem Ruck anheben konnte, froh darüber, dass Julian automatisch seine Arme und Beine um ihn schlang, sodass er ihn problemlos zum Tisch tragen konnte, der zwar ohnehin nicht allzu weit weg war, jedoch war der Norweger so leicht gewesen, dass selbst Charles ihn noch den ganzen Abend über tragen könnte. Vorsichtig platzierte er den schmalen Körper an die Tischkante, drückte ihn mit sanfter Gewalt auf die Tischplatte, sich selbst über ihn beugend und ihn innig küssend. Langsam schob sich seine Zunge an den Zähnen vorbei, stupst die des Jüngeren fordernd auf, gefolgt von einem Grinsen, ehe der Ältere sich auf Wanderschaft begab, jeden Zentimeter des anderen Körpers mit den Lippen und seiner Zunge ertastend, ganz beiläufig seine Hand unter die Boxershorts verschwinden ließ. Die langen Finger umfassten dabei Julians Glied, langsam massierend, während er immer wieder seine Lippen suchte, triumphal die Gesichtsregungen des Kleineren musternd, den Lauten lauschend, die seine weichen Lippen verließen, die er im nächsten Moment mit heißen Küssen benetzte. Ein gutes Vorspiel war manchmal angenehm genug, doch wollte Charles sich nicht noch länger damit aufhalten, schob Julians Boxershorts endgültig hinunter, sodass diese irgendwo auf dem Boden landete. Widerwillig ließ der Geschäftsmann von seinem Freund ab, knöpfte sich mit schnellen Fingern das Hemd auf, es von seinen Schultern abstreifend, gefolgt von der restlichen, störenden Bekleidung, nebenbei das Gleitgel neben Julian auf dem Tisch ablegend. Allein der Anblick des Blondschopfs hatte ausgereicht, dass er unglaublich erregt war, kein weiteres Vorspiel auch nur nötig war, sodass der Dunkelhaarige nicht trödelte, die klare Flüssigkeit an seiner Erektion verreibend, anschließend die Beine seines Freundes auseinanderschiebend, ehe der größere Leib sich abermals über ihn beugte, seine Lippen schmeckend, während er langsam in ihn eindrang. Er konnte es noch heute nicht fassen, wie unglaublich gut es sich mit jedem Male anfühlte, als ob sie mit jedem Mal, wo sie miteinander schliefen, immer besser wurden. Dabei gab es mal eine Zeit, wo ihn ein Kerl bereits nach dem ersten Mal langweilte aber Julian war anders, natürlich war er anders, immerhin liebte er den Künstler und allein das hatte so viel verändert, dass er noch nie so froh darüber gewesen war, ihn bei sich zu haben. Sein Leib drückte sich eng gegen den anderen, während das Becken im langsamen Rhythmus begann sich zu bewegen, so lange, bis es immer einfacher wurde, bis ihre Laute bald den großen Raum füllten, Charles spürte, wie die Lust seinen Körper begann zu übermannen, während seine Küsse immer kürzer wurden, unterbrochen vom dunklen Stöhnen, das seine Kehle verließ. Er konnte es nicht leugnen, das war definitiv das beste Geschenk, was er jemals bekommen hatte und jemals bekommen würde.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Sa Nov 02, 2013 11:46 pm

Irgendwie war der schmale Grat zwischen niedlich und kitschig blöde in diesem Fall sehr dünn, und Julian hatte ein wenig Angst, dass Charles für seine kleine Überraschung nur ein skeptisches Augenbrauenhochziehen übrig hatte. Etwas nervös musterte er den Körper und das Gesicht des Älteren, auf eine Regung hoffend, die ihm verraten konnte, wie Charles sich gerade fühlte. Er biss sich auf die Unterlippe, manche Dinge, egal wie alltäglich und nebensächlich sie eigentlich waren, stachelten ihn an dem Älteren wirklich auf, machten Dinge mit seinem Körper, die er kaum erklären konnte, und sei es nur, dass der Unternehmer sich lässig in den Türrahmen lehnte, mit einem feinen Grinsen auf den Lippen. Der Norweger wusste einfach, dass das eine Version des anderen war, die außerdem nicht viele Leute zu sehen bekamen, die ganz ihm gehörte, und die –was von allem am besten war- irgendwie auch nur durch ihn zustande kam. Immer wieder fühlte der Lockenkopf sich daran erinnert, dass selbst er irgendwie etwas bewirken konnte, und das war ein gutes Gefühl, Das ganze Ausharren und stark sein in Michaels Fängen hatte sich letztendlich doch ausgezahlt.
Erleichterung fuhr durch den schmalen Leib, als Charles die Stille auflöste und ein Lächeln trat auf das schmale Gesicht. Er entspannte sich sichtlich wieder, hielt den Blick auf Charles´ Augen fixiert, während er näher herantrat.
„Ich hätte mir auch eine Schleife umbinden können“, säuselte er, und sie wussten wohl beide, wo diese gelandet wäre. Aber das wäre dem Blondschopf nun wirklich etwas zu billig pornorös vorgekommen. Nein, so war es schon richtig, und zufrieden schlang er die Arme um die Taille des Größeren und schmiegte sich enger an ihn, die warme Haut selbst durch die Kleidung hindurch spürend. Der Kleinere musste sich ein wenig recken, um an die Lippen des Älteren zu kommen, nein, er musste nicht, da Charles sich zu ihm hinunterbeugte, aber er wollte es, er wollte Charles so sehr, dass es ihm wirklich in der Seele wehtat. Allein der Gedanke, er konnte nicht für immer zu ihm zu gehören war schrecklich, ein Szenario, das Julian niemals überstehen könnte, und er hoffte einfach, dass Charles nie realisierte, dass er eigentlich nur ein viel zu junger, ungebildeter Stricher war, der hier in der teuren Wohnung umherlief und sein Bestes gab, um gut genug zu sein. Aber auf der anderen Seite wusste er ja, dass Charles nicht so von ihm dachte, dass es nicht das war, was er in ihm sah, und der Norweger sollte sich keine Gedanken machen, nicht jetzt in diesem Augenblick, wo sowas völlig außer Frage stand. Er seufzte auf, als er die weichen Lippen auf seinen spürte und schloss genießend die Augen. Charles schmeckte irgendwie weihnachtlich, aber vor allem schmeckte er nach sich selbst, und das war ein Geschmack, von dem Julian niemals genug bekommen könnte.
„Das will ich ja auch stark hoffen, ich hatte eigentlich auch nicht vor, mich weiterverschenken zu lassen“, trietzte er zurück und fuhr mit seinen Fingern gedankenverloren über den Rücken des anderen. Ach, wie sehr er sich doch nur wünschte, dass dieser störende Stoff endlich weg wäre, aber Charles schien es da nicht anders zu gehen. Nur ungern löste der Blondschopf sich von seinem Freund und beobachtete ihn dabei, wie er schnell zur Couch hinüberging. Bei dem Anblick der kleinen schwarzen Tube konnte er nicht anders als laut loszulachen.
„Von wann ist die denn noch übrig geblieben?“, fragte er grinsend. Wann sie das letzte Mal Sex auf der Couch gehabt hatten wusste der Kleinere schon gar nicht mehr, aber Charles hatte das Gleitgel anscheinend wissentlich dortgelassen, vermutlich genau für Fälle wie diesen, wo jede Sekunde, die man nicht aneinander hing eine verschwendete Sekunde war. Seine Arme legten sich locker um den Nacken des anderen und er strahlte ihn zufrieden an. Hoffentlich bereute Charles jetzt all die Male, die er Weihnachten nicht gefeiert hatte! Wobei, auf der anderen Seite hatte er damals den Norweger auch noch nicht gehabt, und somit wäre Weihnachten wohl auch längst nicht so toll gewesen.
„Ich begrüße es sogar“, entgegnete er Charles verschmitzt und klammerte sich schon beinahe reflexartig an ihm fest, als er ihn hochhob. Ach, er wäre auch gerne stark gewesen und hätte Leute durch die Gegend tragen können! Wobei, viel lieber wurde er rumgetragen. Ein angenehmer, starker Schauer lief über seinen ganzen Körper, als Charles ihn auf der Tischplatte absetzte. Seine Nackenhaare stellten sich auf und seine Beine drückte sich noch etwas enger um Charles´ Hüfte.
„Gute Wahl, hier waren wir schon lange nicht mehr“, schnurrte er, sogar ein wenig Nervosität in der Stimme. Warum war er bloß so aufgeregt, Sex mit Charles war doch kein Novum mehr, und doch fühlte es sich jedes Mal so toll und aufregend an. Sein Körper beugte sich auf der glatten Tischplatte etwas auf, als er die Lippen des Geschäftsmannes auf seiner Haut spürte und er glaubte jetzt schon beinahe den Verstand zu verlieren. Die blauen Augen schlossen sich erneut, allerdings nicht zu lange, er wollte einfach jede Sekunde aufsaugen, in der Charles sich über ihn beugte und ihn berührte. Er war heute so unglaublich schnell zu erregen, dass ihn die Finger des anderen an seinem Glied beinahe wahnsinnig machten. Gott, er konnte nur hoffen, dass ihr Sex noch auf sehr sehr lange Zeit so atemberaubend bleiben würde. Haltsuchend krallten sich die Finger in den Rücken des anderen und es fiel ihm wirklich schwer, ihn auch nur kurz loszulassen, selbst, wenn es darum ging, dass Charles sich endlich ebenfalls auszog. Mit seinen Geräuschen und Gesichtsregungen hielt der Norweger sich schon lange nicht mehr zurück, er wusste, dass es der Lohn des Dunkelhaarigen für seine gute Arbeit war, wie es ihm umgekehrt auch ebenso erging.
Der Unternehmer schien es tatsächlich eilig zu haben, aber Julian konnte nicht sagen, dass es ihn störte. Immerhin schien sein eigener Körper ebenso zu kochen. Dass Charles schon von dem bisschen Vorspiel einen Ständer hatte war auf der einen Seite zwar wie ein kleines Kompliment, aber auf der anderen hätte der Lockenkopf auch gerne selbst ein wenig Arbeit mit Händen oder Zunge geleistet. Aber naja, man konnte nicht alles haben, und wenigstens kamen sie jetzt endlich zur Sache.
Es tat gut, die warme, nackte Haut des anderen zwischen seinen Oberschenkeln zu spüren, als er sich erneut an ihm festklammerte. Vor ein paar Jahren noch hätte der Norweger sich niemals vorstellen können, dass er Sex jemals so ersehnte oder genießen könnte, und es war ein tolles Gefühl, das beste auf der Welt ehrlich gesagt, sodass er laut aufstöhnte, als der Unternehmer endlich in ihn eindrang. Die ersten paar Minuten waren wie immer ein wenig schmerzhaft, aber wie konnte er sich denn schon auf ein bisschen Schmerz konzentrieren, wenn sich Charles so über ihn  beugte? Seine Fingernägel krallten sich in den breiten Rücken, hinterließen dort so tiefe Spuren, dass man morgen vermutlich meinen könnte, dass der Ältere von einem Waschbären angefallen worden war. Immer wieder bäumte sich der schlanke Leib leicht auf oder zog den anderen so nah zu sich herunter, dass er ihn gierig küssen konnte. Seine Zähne zogen leicht an der weichen Unterlippe, er suchte seine Zunge, sie spielerisch hin und her schiebend, während er sich selbst zusammenreißen musste, um sich die seine nicht abzubeißen. Armer Benjamin, bestimmt konnte er wieder genauestens mithören, was sie hier trieben. Vielleicht sollte er ein Stockwerk weiter nach unten ziehen.
„Du machst mich wahnsinnig…..Härter-“, keuchte Julian, den Kopf in den Nacken legend. Sein armer Rücken wurde heftig gegen das Holz der Tischplatte gedrückt, aber es war ihm so egal. Alles was zählte war Lust, und er konnte Charles so laut keuchen hören, dass er bereit gewesen wäre, jeden Schmerz der Welt für solchen Sex auf sich zu nehmen. Seine Lippen wanderten gierig über den Oberkörper des anderen, er biss in seine Brustwarzen, schmeckte die feinen Schweißtropfen auf seiner Haut. Für einen Moment hatte Julian das Gefühl, dass sich alles um ihn herum drehte, ihm war so furchtbar schwindelig, aber das war nur sein nahender Orgasmus, während der Ältere seine Erektion massierte. Wie immer war ihr Timing viel zu gut um wahr zu sein, sodass der Jüngere höchstens Sekunden zuvor in ein letztes, lautes Stöhnen verfiel und sich dann schwer atmend auf die Tischplatte sinken ließ.
„Frohe Weihnachten“, keuchte er lächelnd, als sein rasender Atem es langsam wieder zuließ, und drückte Charles einen langen Kuss auf die heißen Lippen. Seine Muskeln hatten sich so fest um den Leib des Unternehmers verkrallt, dass er kurz dachte, er könnte gar nicht mehr loslassen, aber schließlich schaffte er es doch einigermaßen, sich wenigstens auf der Tischplatte aufzusetzen und sein Ohr an die klopfende Brust des anderen zu legen. Er schmunzelte zufrieden.
„Ich liebe dich“, summte er leise und lächelte glücklich und zufrieden.
„Trägst du mich ins Bett?“, fragte er grinsend und klammerte sich wieder etwas enger an den Unternehmer. Es war gut, dass seine Wunden mittlerweile so gut verheilt waren, dass er um so etwas bitten konnte. Gut, dass ihr Essen erst morgen Abend war und sie sich so seelenruhig ins Bett fallen lassen konnten. Der Geschäftsmann kam der Bitte des Norwegers netterweise nach, sodass sich Julian wirklich fühlte wie eine kleine Prinzessin. Zufrieden zog er die Decke enger um seinen Leib, als man ihn auf dem Bett absetzte und strich sacht über Charles´ mitgenommenen Rücken.
„Ich hab mir Mühe gegeben, dass sie bleiben“, hauchte er nah an dem Ohr des Unternehmers und blinzelte ihn entschuldigend an. Nicht, dass es ihm wirklich leid tun würde. So konnte Charles sich wenigstens immer an sein Weihnachtssgeschenk erinnern.
„Gut, dass ich morgen noch mal Leute  beschenken darf, aber für dich hab ich leider alle Geschenke aufgebraucht“, seufzte er beinahe etwas enttäuscht, während Charles sich neben ihn legte. Sofort klebte der Jüngere an seiner Brust, schlang müde die Arme um ihn.
„Es soll ab jetzt immer so sein“, murmelte er glücklich und schloss kurz die Augen.
„Zwei Weihnachtstage haben wir ja noch“, fügte er mit einem provozierenden Schnurren hinzu und malte unsichtbare Muster auf Charles´ Brust. Nur um die Schusswunde machte er immer einen große Bogen.
„Tut es eigentlich noch weh?“, fragte er frei heraus und blickte kurz ganz fest in die klaren grauen Augen, in denen er sich am liebsten vergraben hätte.

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