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 Living on a guitar´s strings

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Fr Jun 08, 2012 8:24 pm

Die zwei weiteren Tage im Krankenhaus kamen ihm vor wie eine halbe Ewigkeit, und dass, obwohl er die meiste Zeit nur schlief. Dennoch waren seine Träume voll von bedrohlichen Bildern und er hatte die Befürchtung, dass es Chris allein zuhause nicht besser erging. Hin und wieder überkamen ihn Momente, da wäre er am liebsten aufgestanden und einfach gegangen, das Verlangen danach verschwand aber nach einigen Augenblicken zum Glück wieder, bevor er eine wirkliche Dummheit begehen konnte. Er war ja selbst Arzt, er wusste, wie sehr er seinem Körper geschadet hätte, wäre er jetzt Hals über Kopf verschwunden. Und damit tat er letztendlich niemandem einen Gefallen. Dennoch war er es langsam Leid, Zeit im Krankenhaus zu verbringen, das tat er immerhin sonst auch regelmäßig, da musste er nicht auch noch außerhalb seines Berufs in einem sterilen weißen Bett liegen, den Geruch von Desinfizierungsmittel in der Nase, der sich in seine Schleimhäute brannte.
Als die letzten paar Tage endlich rum waren, hatte er nicht einmal das Gefühl, dass sich sein Zustand groß verbessert hatte, aber das war ihm egal, er war diese Hölle Leid, und er würde sicher zuhause auch noch gut zurecht kommen.
Sein Arzt gab ihm noch einige Instruktionen und einen Haufen Tabletten mit auf den Weg, doch Ethan hatte ihm kaum zugehört. Es waren starke Schmerztabletten, er war durchaus fähig, die selbst zu dosieren. Man hatte ihm wie auch Chris angeraten, einen Psychologen aufzusuchen, aber Ethan wusste noch nicht wirklich, ob er diesem Rat folgen wollte. Er wusste, dass es die richtige Entscheidung wäre, aber ehrlich gesagt wollte er am liebsten nie wieder auch nur ein Wort über diese Nacht sprechen, nicht einmal mit Chris. Dabei war er der einzige, der seine Alpträume und dieses Gefühl der Unsicherheit nachvollziehen konnte.
Man hatte ihm ein Paar Krücken angeboten, dass er dankend abgelehnt hatte. Er hatte sich ein Taxi rufen lassen, und hatte sich dann gedankenverloren auf dem Rücksitz niedergelassen, die Tasche, in der ein Bruchteil seiner Kleidungsstücke verstaut war auf dem Schoß. Das glühend heiße Sommerwetter war auch in den Wochen, die er im Krankenhaus verbracht hatte nicht besser geworden. Noch immer brannte sie heiß vom Himmel, und jegliche Vegetation draußen war gelblich und dürr. Selbst die Gebäude wirkten irgendwie kränklicher als sonst.
Ethan drückte dem Taxifahrer einige zerknitterte Geldscheine in die Hand, als sie vor seinem Apartmentgebäude hielten und verabschiedete sich knapp. Chris hatte schon lange genug ausharren müssen, da musste er sich jetzt nicht noch mit Plänkeleien aufhalten. Vielleicht hatte er sich ja wirklich ein paar Freunde in die Wohnung geholt, hoffen tat es Ethan jedenfalls. Da es jedoch sehr ruhig jenseits seiner Haustür war, bezweifelte er, dass sich mehr als eine Person dort drinnen aufhielt. Vielleicht war der Hippie ja auch nicht da, vielleicht war er wirklich zu seinen Eltern gegangen, obwohl er das ernsthaft bezweifelte. Leise schloss er die Wohnungstür hinter sich, ließ seine Tasche auf das Bett fallen. Das alles hier kam ihm mittlerweile so ungewohnt vor, als käme er nach einem unendlich langen Urlaub wieder her. Die ganze Wohnung schien sogar einen anderen Geruch angenommen zu haben, alles wirkte fremd, als sei dies alles hier nicht sein Heim, sondern das eines Fremden. Er musste sich wohl erst wieder einleben.
Suchend, die Augen nach Chris offen haltend, schritt er durch die Wohnung, alles wirkte doch sehr ordentlich und sauber, wenn man bedachte, dass Ethan eigentlich immer derjenige war, der penibel Ordnung hielt.
Zuletzt führten ihn seine Schritte ins Wohnzimmer, und er musste sich ein erleichtertes Lächeln verkneifen, als er Chris sah, der vor dem Fernsehgerät hockte, das Ethan sich vor einigen Wochen von mühsam erspartem gekauft hatte. Der laute Ton erklärte zumindestens, warum der Hippie ihn nicht bemerkt hatte. Ethan klopfte zweimal gegen den Türrahmen, und es tat ihm beinahe Leid in Anbetracht der Geschwindigkeit, mit der Chris herumzuckte.
„Hey Chris, ich bin wieder zuhause“, summte er ruhig, mit einem leichten Lächeln auf dem Gesicht.
„Ich hatte schon befürchtet, die würden mich gar nicht mehr gehen lassen“, fügte er mit einem etwas humorlosen Lachen hinzu, bevor er sich ebenfalls auf die Couch sinken ließ und sich durch die braunen Haare strich. Er schien einen Moment innezuhalten, bevor er sich seinem Mitbewohner zuwandte.
„Du bist doch hoffentlich die letzten Tage zurecht gekommen?“, fragte Ethan, und man hörte die Besorgnis aus seiner Stimme klar heraus.

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Fr Jun 08, 2012 11:18 pm

Diese Tage gehörten definitiv in das Register der schlimmsten Tage seines Lebens. Aber was hatte Chris auch erwartet?! Im Krankenhaus war bereits jede Nacht eine Tortur für sich gewesen, geplagt von Schmerzen und der Angst ließ es sich nicht schlafen. Und dann die Panik und nicht zu vergessen; diese niemals endend wollende Momente, wo die Ärzte um Ethans Leben ringen mussten. Wenn er zu der Zeit noch Ethan verloren hätte, weiß Gott, was er sich dann angetan hätte.
Aber heute sollte sein Mitbewohner wieder nach Hause geschickt werden und so wartete der Blonde den ganzen Tag lang auf einen Anruf, dass er ihn vielleicht abholen kommen sollte, auch wenn es nicht seine Art war ihn um Hilfe zu bitten, wichtig war nur ein kleines Lebenszeichen, das ihn aus seiner Einsamkeit herausholen konnte und aus dem unguten Gefühl, dass jemand Fremdes in die Wohnung steigen könnte.
Von Fremden hatte Chris definitiv genug, Menschen generell wollte er momentan einfach nicht sehen und so ging er nicht zu seinen Eltern, er lud auch keine seiner Hippiefreunde ein und er ging auch nicht mit ihnen raus auf die Straße, es war sowieso viel angenehmer in der Wohnung, mit zugezogenen Vorhängen war es sogar angenehm kühl. Auch brauchte er nicht einkaufen zu gehen, zumal er sowieso kein Geld hatte und sein Hunger nach einer Schüssel Cornflakes stets gestillt worden war.
Aber nun musste wieder Normalität einkehren, sobald sein bester Freund nach Hause kommen würde, würde alles wieder seinen Lauf nehmen, zumindest teilweise. Klar, das Trauma würde er niemals wieder vergessen können, wahrscheinlich müssten beide erst wieder irgendwie das Vertrauen in die Menschheit gewinnen und Chris musste bis dahin versuchen, Ethan in die Augen sehen zu können. Er fühlte sich immer noch schlecht und es war ihm auch irgendwo unglaublich peinlich, dass er zusehen musste, dass er ihn nackt gesehen hatte oder zumindest einen Teil erblicken konnte. Das war eine vollkommen neue Dimension, eine seltsame, es war seltsam und dabei war Ethan noch gar nicht daheim um das alles seltsamer zu gestalten.
Vielleicht würde sich Chris ja wirklich einen Psychologen zur Hilfe holen, aber über sowas zu reden? Den Menschen ‚Ich wurde von vielen Kerlen vergewaltigt‘ sagen zu müssen- das war in dieser Zeit einfach seltsam. Schwul sein war ja generell nicht gern gesehen aber dass Männer auch noch so schwach waren und nun vergewaltigt wurden? Eine Lachnummer, keiner würde ihm glauben, ihn ernst nehmen. Er war doch ein Mann, er müsste mit sowas eher klarkommen. Aber dass er ein extrem sensibler Mensch war, unglaublich emotional und schwächlich- das war den Leuten egal. Chris war froh, dass er seine Freunde hatte, viele von ihnen waren nicht anders als er, aber selbst mit ihnen über so etwas zu reden- das könnte er nicht und dabei wollte er sich mitteilen, er wollte sein Leid los werden, er wollte wieder ruhig schlafen können, aber Blicke, die über ihn urteilen würden, die würden noch mehr wehtun.
Das Telefon klingelte immer noch nicht und langsam fand sich der Grünäugige damit ab, dass Ethan ihn wohl nicht um Hilfe bitten würde oder gar einfach so anrufen würde um zu sagen, dass er noch lebte und bald kommen würde. Und so versuchte er sich irgendwie abzulenken, mit der neuen Flimmerkiste ging das viel besser, mit bunten Musikvideos von Bands, die er so gerne hörte, doch die Lieder waren nur auf Drogentrips spannend, doch von denen wollte er vorerst die Finger lassen, wobei die ein oder andere Droge sein Dasein erleichtern würde, es würde ihm vielleicht die Angst nehmen, doch nur zu oft durfte Chris sich mit miesen Trips beschäftigen, besonders dann, wenn seine Stimmung alles andere als gut war, und in diesem Falle war sie schon unterirdisch, da würden auch Pillen oder Gras nicht helfen.
Leise seufzend lehnte sich der Blonde in der Couch zurück, rieb sich das nicht blau angelaufene Auge, das sein Gesicht, abgesehen von der eingeschlagenen Lippe, irgendwie nicht mehr so schön wirken ließ wie sonst.
Der Sound von Pink Floyd machte sich im Raume breit und ließ den jungen Mann kurz vergessen, wo er war, doch die innere Ruhe wurde rasch von einem Geräusch gebrochen. Chris sprang fast an die Decke, als er das Klopfen vernahm, drehte sich mit einem unguten Gefühl um, nur um die Muskeln wieder entspannen zu können, als die Augen das nur zu bekannte Gesicht erblickten.
Ethan, er war es tatsächlich, heil und…naja, viel gesünder als er ihn in Erinnerung hatte.
Seine Augen folgen den Bewegungen des jungen Arztes bis zur Couch und dem Platz neben ihm, welchen er nun besetzte. Ein leichtes Lächeln huschte über das Gesicht des Blonden, er war so froh, dass er nicht mehr alleine hier ausharren musste, dass vielleicht nun jemand da war um ihn nachts zu wecken, damit er diesen Alpträumen entfliehen konnte, jemand der für ihn sorgte, auch wenn dieser Gedanke so furchtbar war, so furchtbar egoistisch. Eigentlich war er es doch, der sich nun um Ethan kümmern musste!
„Hättest du angerufen, hätte ich was zu essen gemacht oder wenigstens eingekauft.“, er schaute ihn entschuldigend an, warf kurz einen Blick zur Küche, die er in den Tagen so gut wie nie betreten hatte, dann wieder zu dem Mitbewohner. Er wollte ihn umarmen, so fest er nur konnte aber Ethan würde es bestimmt nicht wollen, nicht seit er ihn…so gesehen hatte, nein, er musste es nicht komisch machen.
Bei seinen Worten lächelte er ein weiteres Mal. „Wie du siehst bin ich noch am Leben, also keine Sorge, ich hab die Tage schon überstanden.“, auch wenn es schwieriger war, als gedacht und Chris sich oft überwinden musste um wenigstens aufs Klo zu gehen oder gar das Fenster zu öffnen um zu lüften, doch mit der Zeit waren es Dinge, die ihm leichter fielen.
„Aber ich hoffe dir geht es besser nach den weiteren Tagen, schließlich musst du gesund werden!“, Chris klopfte ihm sanft auf die Schulter, ließ von dieser jedoch rasch wieder ab, die Hand zu sich ziehend. „Das ist viel wichtiger.“

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Sa Jun 09, 2012 11:08 pm

Ethan war zumindestens froh, dass es Chris nicht denkbar schlecht ging, dass er kein Häufchen Elend war, aber dennoch merkte er, dass etwas nicht ganz stimmte, dass der Hippie ihm etwas vorenthielt. Er konnte es sehen an der Art und Weise, wie er ihn nervös beäugte, und wie er die Hand ruckartig wieder von ihm fortzog, als hätte er sich verbrannt. Er spürte so etwas wie Scham, aber wieso? Chris musste sich doch ihm gegenüber nicht schämen, vor ihm doch am wenigstens, er würde ihn niemals für seine Schwäche auslachen oder tadeln, weil er ganz genau wusste, wie sehr er sich seine Trauer verdient hatte. Er zog kurz die Augenbrauen zusammen, blickte besorgt drein, sagte aber nichts. Er wollte nicht, dass das ganze seine Beziehung zu Chris belastete. Es war sowieso schon seltsam genug, dass sich zwei so unterschiedliche Typen überhaupt verstanden. Aber Chris war ihm in den letzten Tagen im Krankenhaus nur noch mehr ans Herz gewachsen, er hatte das Gefühl, dass er sich irgendwie ein wenig um ihn kümmern musste, weil er sensibel war, auf eine ganz gute Art und Weise verletzlich.
Erst jetzt fiel Ethan auf, dass es Chris wohlmöglich verletzt hatte, dass er ihn nicht angerufen hatte. Dabei hatte er es nicht aus böser Absicht getan, er hatte es schlicht und ergreifend vergessen.
„Ich wollte dir keine Umstände bereiten. Ich…..Ich dachte, du würdest nicht unbedingt wieder zum Krankenhaus wollen, oder generell raus, das war nicht böse gemeint, ehrlich!“
Er merkte, wie er sich um Kopf und Kragen redete, erhob sich hastig und ging in Richtung Küche. Wenn er ehrlich war, hatte er sogar etwas Hunger, immerhin hatte er nun lange Zeit nur Krankenhausessen bekommen, welches nun wirklich selbst bei sehr positiver Betrachtung nur als mittelmäßig bezeichnet werden konnte. Ein paar Sachen waren noch in dem kleinen Kühlschrank, für ein kleines Abendessen würde es schon noch reichen. Gleich morgen konnte er dann einkaufen gehen. Versuchen, einen Anschein von Normalität wieder herzustellen.
„Möchtest du auch was essen, ein Spiegelei oder so?“, fragte er, den Kopf kurz wieder ins Wohnzimmer steckend. Das Öl in der Pfanne brutzelte bereits leise vor sich hin, und Ethan wandte sich wieder dem Herd zu. Er starrte eine ganze Weile lang nur auf das Essen in der Pfanne. Ihn plagte der Gedanke, dass es Chris wohlmöglich unangenehm war, sich in seiner Nähe aufzuhalten. Er biss sich leicht auf die Unterlippe, er wollte Chris dabei helfen, die Sache zu überstehen, nicht alles noch unangenehmer und schlimmer für ihn machen.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   So Jun 10, 2012 12:43 am

„Ach, das ist schon in Ordnung, du bist doch jetzt da, alles andere ist egal.“, Chris wollte nicht, dass Ethan sich irgendwie schuldig fühlte und dann Ausreden für etwas suchen musste, was im Endeffekt gar nicht so wichtig war. Wichtig war nur, dass er zu Haus war und er seine Stimme hören konnte.
Die grünen Augen folgten seinem Mitbewohner zur Küche; dass das Krankenhausessen alles andere als schmackhaft war, musste man dem jungen Mann nicht erzählen und umso schlechter fühlte er sich, dass er vorher nichts eingekauft wurde und Ethan sich nun von den blöden Resten ernähren musste, von denen kaum noch welche da zu sein schienen und er wusste schon, ob das Überbleibsel auch noch frisch war! Was war der Hippie auch so egoistisch und hockte die ganzen Tage über nur zu Haus, denn nur weil er nichts brauchte, hieß es nicht dass anderen es genau so erging.
Als er die Worte aus der Küche vernahm, erhob sich der noch schmalere Körper langsam von der Couch und trottete zum nächsten Raum, den Fernseher dabei eingeschaltet lassend, ein bisschen Hintergrundmusik war schließlich nie verkehrt.
Mit verwunderten Augen beäugte er seinen Freund, dann die Pfanne. „Wow, dass du was finden konntest, wundert mich schon ein wenig.“, Chris lachte leise, lehnte sich gegen die Arbeitsplatte, Ethan mit verschränkten Armen dabei zuschauend, wie er die Eier aufschlug und in das brutzelnde Öl goss. „Und nein danke, ich hab nicht wirklich Hunger.“, fügte er nach einer Weile leise hinzu.
Er hatte vor einigen Stunden schon gegessen und es war ihm beinahe wieder hochgekommen, mit dem Hunger hatte er es leider immer noch nicht so gehabt und außerdem war nicht viel da und das, was da war, konnte Ethan ruhig verschlingen, er brauchte das um Energie zu schöpfen und das blöde Essen aus dem Krankenhaus wieder zu vergessen.
„Eigentlich sollte ich für dich kochen…“, sein Blick wanderte nach unten auf seine nackten Füße, irgendwie schien er alles falsch zu machen im Moment, das war kaum noch auszuhalten. Er hatte nichts für Ethan gekauft und nun ließ er ihn auch noch für sich kochen, obwohl er sich noch etwas erholen musste von all den Verletzungen. Immer musste er alles für Chris tun und er bedankte sich damit, dass man ihn verprügelt hatte. Es schmerzte sehr, wenn man so nutzlos für jemanden war, den man doch so gern hatte, für den man eigentlich alles tun wollte, wie konnte Ethan überhaupt noch mit ihm wohnen wollen?!
„Von den paar Eiern wirst du bestimmt nicht satt, Ethan. Ich glaub ich gehe heute schon einkaufen, dann komme ich endlich wieder raus und nachts können wir uns gegenseitig dabei erwischen, wie wir den Kühlschrank ausplündern, weil es endlich was zu plündern geht.“, der Blonde hob seinen Kopf, schaute lächelnd in das Gesicht seines Freundes. Wenn er sonst zu nichts zu gebrauchen war, konnte er sich wenigstens in der Hinsicht nützlicher machen, anstatt alles auf morgen zu schieben und vor allem es alles in Ethans Schuhe zu schieben, von dem er wusste, dass er es tun würde, ohne sich zu beschweren. Und verstecken konnte sich Chris auch nicht für immer, es war wirklich an der Zeit ein normales Leben zu führen, oder zumindest so zu tun!

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   So Jun 10, 2012 12:31 pm

Ethan war nicht so wirklich begeistert davon, dass Chris nichts essen wollte, er sah aus, als könnte er etwas vertragen, aber er konnte ihn ja kaum dazu zwingen, etwas zu sich zu nehmen. Letztlich war er immerhin erwachsen und musste selbst wissen, ob er verhungerte oder nicht. Ethan konnte außerdem verstehen, wenn ihm nicht so wirklich nach essen zumute war. Er selbst allerdings hatte großen Hunger, auch, wenn er es Chris gegenüber nicht zugeben wollte. Immerhin sollte er kein schlechtes Gewissen haben, weil er nicht einkaufen gewesen war. Die paar Spiegeleier würden ihn wohl bis morgen noch über Wasser halten.
„Ach, wieso, ich koch doch sonst auch meistens“, sagte er beiläufig, mit einer Hand abwinkend. Aber vielleicht war es wirklich ganz gut, wenn er Chris wenigstens heute einkaufen gehen ließ. Er sollte sich auf keinen Fall völlig nutzlos vorkommen. Und Ethan musste sich ein wenig von dem Bedürfnis loslösen, ihn völlig zu bemuttern. Er war immerhin ein erwachsener Mann. Und dennoch erschien es ihm irgendwie notwendig….Aber ein Lebensmittelgeschäft war nicht weit entfernt, nur ein paar Minuten zu Fuß, das war sicherlich machbar.
Er nahm die zwei Spiegeleier aus der Pfanne, nahm sich dann einen Zettel und einen Stift, um nach kurzer Begutachtung des Kühlschranks die wichtigsten Lebensmittel auflisten zu können, die ihnen dringend fehlten. Quasi alle.
Er seufzte, zog sein Portemonnaie aus seiner Gesäßtasche und drückte Chris einige Scheine in die Hand.
„Dann geh mal einkaufen, damit wir was zu plündern haben“, lachte er mit einem leichten Lächeln auf den Lippen und klopfte dem Hippie kurz auf die Schulter. Ethan war sich ziemlich sicher, dass es das erste Mal seit den letzten Tagen war, dass Chris das Haus überhaupt verließ, aber auf dieser kurzen Tour würde ihm schon nichts zustoßen. Er musste sich ja wieder an das normale Leben gewöhnen, sonst wurde er hier in der Wohnung wohlmöglich noch völlig wahnsinnig. Und Ethan musste immerhin auch bald wieder arbeiten, und dann musste Chris auch zu mindestens bis zum Nachmittag wieder alleine klar kommen.
Er verabschiedete sich kurz von Chris, horchte noch, bis die Tür ins Schloss gefallen war und ließ sich dann im Wohnzimmer auf der Couch nieder, um endlich etwas zu essen. Es war außerdem bald wieder Zeit für ein paar Schmerzmittel, und die durfte er nicht auf nüchternen Magen einnehmen, sonst würden sie ihn wohlmöglich völlig ausknocken.
Er musste schließlich doch eingenickt sein, denn als er jemanden an der Tür hörte, konnte er nicht sagen, was während der letzten halben Stunde im Fernsehen passiert war, und der leere Teller mit dem schmutzigen Geschirr war von seinem Schoß gerutscht und lag auf dem Teppich. Hastig und immer noch etwas verschlafen sammelte er es auf und stellte es auf dem Couchtisch ab, drehte dann den Kopf.
„Und, hast du alles bekommen?“, rief er ins Nichts hinein und streckte sich gähnend.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   So Jun 10, 2012 8:03 pm

Seine Miene verzog sich etwas, als Ethan ihm die Scheine in die Hand drückte, das musste er nun wirklich nicht tun, er hatte selbst noch in seiner Hosentasche ein paar zerknüllte Dollar und sein liebster Vater schickte ihm jeden Monat Geld in Form von kleinen Checks, er konnte es einfach nicht übers Herz bringen seinen missratenen Sohn verhungern zu sehen und er sollte ja immer noch brav das kleine ‚Ich kenne diesen Mann nicht- Spiel mitspielen, die Medien sollten seine Existenz nicht mitbekommen, nicht solange er zu den Hippies gehörte und Drogen konsumierte. Das war schlecht für seine Position.
Der Blonde wollte das Geld wieder zurückgeben, ließ es jedoch sein, vielleicht würde er so seinen Mitbewohner irgendwie beleidigen.
„Ich schau mal, vielleicht kann ich noch irgendwas Besonderes mitbringen..“, murmelte er, beiläufig Einkaufszettel und Geld in die Hintertasche verstauend. Er hatte Lust auf Eis und er hatte auch welches verdient.
„Bis gleich.“, summte er melodisch Ethan hinterher ehe Chris die Haustür hinter sich zuzog. Er hatte sich beiläufig die erstbesten Schuhe angezogen, eigentlich wäre er am liebsten ohne gegangen, schließlich war der Laden ziemlich nah an ihrer Wohnung dran aber die Spießbürger würden das nicht dulden und er wollte um jeden Preis keinen Aufstand, er wollte überhaupt nicht auffallen, was bei seiner Kleidung und den Haaren kaum möglich war aber wenigstens war er gekleidet, von oben bis unten hin gehüllt in Klamotten!
Als der junge Mann das Treppenhaus verließ, traf ihn beinahe ein Schock- es war zu warm und viel zu hell, etwas was er in der Wohnung kaum mitbekommen hatte und nun erschlug ihn das Wetter urplötzlich, zwang ihn fast zu Boden. Chris kniff seine grünen Augen für einen Moment zusammen, bis sie sich an die strahlende Sonne gewöhnten, trottete dann erst die Straße runter; immer schaute er sich um, wich hier und da den Passanten aus und fühlte sich so furchtbar fremd, so als ob er nie auf die Erde gehört hätte. Jedes Geräusch, jedes Stimmengewirr und jede Hupe eines Autos erschreckten ihn und in einer Stadt wie San Francisco war es kaum möglich dieser Lärmkulisse auszuweichen, nicht, wenn hier das Leben Tag und Nacht förmlich tobte, wenn genau diese Zahlreichen Geräusche die Seele der Stadt waren.
Er hoffte nur zu sehr, dass wenigstens im Einkaufszentrum weniger los war, dass vielleicht um diese Zeit nur alte Frauen und allein erziehende Mütter einkauften, doch die Hoffnung wurde ihm glatt genommen, als er den kleinen Laden betrat.
Chris wurde schlecht bei dem Anblick der Menschen, wie Ameisen schienen sie sich hier ausgebreitet zu haben. Er wollte am liebsten kehrtmachen und wieder nach Hause rennen, doch dann hätte er Ethan sicherlich enttäuscht und nur die Tatsache bestätigt, dass er zu nichts zu gebrauchen war und genau das wollte der Hippie nicht, er wollte nicht wie ein Häufchen Elend dastehen, wie ein weinerliches, unfähiges Mädchen und wenn er schon so weit gekommen war, ohne verletzt zu werden, dann würde er auch den Einkauf schaffen..irgendwie.
Der Blonde ballte seine Hände zu Fäusten, atmete tief die kühle Luft des Ladens ein, ehe seine zittrigen Hände einen Einkaufswagen umklammerten und die leicht schlackernden Beine den Körper langsam voranbewegten. Kalter Schweiß überkam ihn und das schreckliche Gefühl der Wehrlosigkeit wurde dank der vielen abschätzigen Blicke der Kunden immer schlimmer. Er wünschte sich in diesem Moment so sehr unsichtbar zu sein.

Chris war beinahe aus dem Einkaufszentrum gerannt. Vielleicht war es wirklich noch zu früh gewesen um unter Menschen zu gehen. Der junge Mann umklammerte fest seine Einkaufspapiertüten, drückte sie enger an seinen Körper, damit er schnell nach Hause fliehen konnte, ohne dass irgendwelche Lebensmittel aus den Tüten fielen.
Es war einfach zu viel des Guten, es waren zu viele Menschen, zu oft wurde der Grünäugige von Fremden angerempelt oder bekam irgendwelche abschätzige Bemerkungen von dicken Frauen, denen sein Aussehen nicht passte. Alle Blicke waren so verurteilend, als ob sie wüssten, was ihm widerfahren worden war, als ob sie alles genau wussten. Er kam sich so nackt vor, so hilflos und allein gelassen, jede noch so kleine Berührung mit fremden Körpern fühlten sich wie tausend Nadelstiche an. So war der Weg nach Hause beinahe schon eine kleine Erlösung, doch frei fühlte sich der Hippie erst, als er die Haustür hinter sich schließen konnte.
Sein T- Shirt klebte an dem schmalen Körper, durchtränkt vom Angstschweiß, selbst seine Haare fühlten sich wie kalte Spaghetti an, wie sie in seinem Gesicht hängen blieben, wie Schweißperlen die Stirn herunertrieften und ein eiskalter Schauer über den ganzen Körper ging. Ihm war kalt, so furchtbar kalt, dass alle Härchen sich aufsträubten. Die Welt da draußen glich einem Alptraum, nein, eigentlich war dies ein Alptraum, einer der wahrgeworden ist und Chris konnte nichts dagegen tun.
Dabei mochte er die Menschen so sehr, er liebte die Nähe zu ihnen, jegliche Interaktion war so angenehm, selbst einkaufen war stets eine Freude für ihn gewesen. Wie konnte das alles nur wegen einer Nacht ihm genommen werden? Wieso hatte man ihm genau das geraubt, was er auf der Erde so gern hatte?
Es machte Chris fertig, denn was hatte er sonst im Leben bis auf sein sonniges Gemüt und der Freude über alles und jeden?!
Der bebende Körper stolperte langsam in Richtung Küche und ließ die Einkaufstüten auf den Küchentisch fallen. Ethan konnte das später selbst einräumen, dafür hatte er jetzt keinen Nerv.
Als er die Stimme seines Freundes erhörte, schaute er kurz auf. Chris wollte nicht wirklich etwas sagen, sein Mund war trocken und zugleich fühlte es sich so an, als ob seine Speichelproduktion auf Hochtouren war.
„Alles bekommen!“, rief er anschließend in die Wohnung hinein. „Ich werde mir aber jetzt ein neues T- Shirt suchen gehen.“, fügte der Blonde nach einer kurzen Pause hinzu und eilte schnellen Schrittes in sein Zimmer. Er hatte es ohne Gefühlsausbrüche bis nach Hause geschafft, doch als die Zimmertür hinter ihm zufiel war nichts mehr, was die Tränen noch halten konnte. Sie liefen einfach die Wangen hinunter, unkontrolliert, ohne, dass Chris etwas dagegen tun konnte.
Der dünne Körper schmiss sich auf das ungemachte Bett, krümmte sich, als ob er geschlagen wurde, während die Hände das Kissen fest umkrallten und er es an sich zog.
Die Welt da draußen schien sich verändert zu haben- nein, eigentlich war sie immer noch gleich- gleich laut, gleich überfüllt und gleich verschmutzt. Nur Chris schien sich verändert zu haben, zumindest in diesem Moment.
Es war eine Lüge zu glauben, dass mit Ethan daheim wieder alles normal werden würde.
Nicht würde je wieder normal werden, sie würden nie wieder so leben können wie früher.
Es war vorbei.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   So Jun 10, 2012 8:59 pm

Selbst durch seinen immer noch vom Schlaf benebelten Geist hindurch konnte Ethan spüren, dass irgendetwas nicht stimmte. Die Antwort war viel zu knapp, viel zu abgehackt, als dass alles in Ordnung sein könnte. Ethan biss sich nervös auf die Unterlippe, in ihm stieg das schlechte Gewissen etwas falsch gemacht zu haben. Dass er Chris einfach schon der Welt außerhalb dieser Wohnung ausgesetzt hatte, obwohl es viel zu früh gewesen war. Er hatte gedacht, dass der Hippie schon allein mit all dem klar kam, aber vermutlich tat er das nicht. Ethan hätte mit ihm gehen sollen, denn er selbst war nicht so übel mitgenommen worden wie Chris, zu mindestens nicht seelisch. Und selbst wenn dem so wäre, der Hippie war einfach zerbrechlicher, man musste ihn gerade in so einer Situation mit Samthandschuhen anfassen. Ethan ballte die Faust, er war wütend auf sich selbst, dass er so wenig nachgedacht hatte. Es fiel ihm schwer, sich zu beruhigen. Vielleicht überreagierte er ja auch, vielleicht wollte Chris sich wirklich nur schnell umziehen.
Er nahm den Teller mit sich, legte das schmutzige Geschirr in die Spüle, dann wandte er sich den Einkäufen zu. So wie es aussah hatte Chris alles bekommen, was der Arzt ihm aufgetragen hatte. Sogar eine kleine Packung mit Eis hatte er mitgebracht, ein wenig hatte das etwas von einem Luxusgüter in diesen heißen Tagen. Ethan ließ sich sogar extra Zeit, während er die leicht verderblichen Lebensmittel in den Kühlschrank räumte. Vielleicht kam Chris ja noch wieder aus seinem Zimmer, um sich zu ihm auf die Couch zu setzen, um mit ihm den Abend zu verbringen, wie sie es sonst auch häufig getan hatten. Wenn Ethan keine Nachtschicht hatte, und wenn Ethan nicht stattdessen lieber mit seinen schrägen Hippiefreunden herumhing. Doch Chris kam nicht in die Küche, und er kam nicht ins Wohnzimmer. Es blieb einfach seltsam stumm in seinem Zimmer. Ethan schluckte schwer, wandte sich dann langsam zu seiner Zimmertür um. Er wollte ihn nicht bedrängen, aber er konnte sich auch ganz sicher nicht einfach in sein Zimmer zurückziehen. Das konnte er Chris einfach nicht antun. Vorsichtig ging er zu der Zimmertür, lauschte an dem hellen Holz. Er könnte schwören, dass er leises Schluchzen hörte. Bestürzt starrte er auf den Türknauf, klopfte leise an das Holz, doch er bekam keine Antwort. Dennoch öffnete er die Tür einen Spaltbreit, streckte den Kopf in den abgedunkelten Raum.
Es tat ihm beinahe körperlich weh, Chris dort so liegen zu sehen. Das war mehr noch, als der Schmerz, den er über einen bloßen Kameraden verspürte. Da war irgendwie….mehr. Er ging vorsichtig auf das Bündel auf dem Bett zu, ließ sich neben ihm nieder. Vorsichtig berührte er ihn an der Schulter, aber er hatte Angst, dass Chris die Nähe nicht gut vertragen konnte. Ehrlich gesagt hatte der Arzt sich noch nie so hilflos gefühlt. Er wusste weder mit dem zitternden Hippie dort etwas anzufangen aus Angst, er könne alles nur noch unangenehmer für ihn gestalten, noch konnte er mit seinen eigenen wirren Emotionen umgehen.
„Ist….Ist was passiert beim Einkaufen?“, fragte er leise, während er mit sanfter Gewalt versuchte, den Hippie aus seiner verkrampften Haltung zu lösen. Er legte umsichtig die Arme um ihn, zog den schmalen Körper nah an sich heran. Es war schwierig, ihm gleichzeitig ein Gefühl von Sicherheit zu geben, ihn andrerseits aber auch nicht zu bedrängen und ihm die Möglichkeit zu geben, sich von ihm zu entfernen, wenn ihm die körperliche Nähe zu viel war.
„Es ist okay, Chris, niemand erwartet von dir, dass alles direkt wieder so funktioniert wie zuvor, glaub mir“, wisperte er leise und strich ihm dabei vorsichtig über den Rücken.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   So Jun 10, 2012 11:20 pm

Er wollte das nicht, er wollte das alles wirklich nicht! Dass Ethan ihn so sah, dass er wie ein Häufchen Elend in seinem Zimmer sich die Augen ausweinte und er wollte auch nicht, dass sich irgendwer um ihn sorgte. Aber man konnte es seinem Mitbewohner wohl nicht vormachen, sonst hätte es nicht an der Türe geklopft und es wäre auch keiner in sein Zimmer gekommen, an sein Bett.
Chris hatte viel zu wenig Kraft um etwas zu sagen, um ihn anzulügen, dass alles in Ordnung war und er einfach nur etwas Ruhe brauchte, denn jeder wusste, dass das nicht so war, dass es nicht seine Art war sich in seinem Zimmer zu verkriechen um etwas Ruhe zu bekommen, das war einfach nicht Chris. Aber wenn er nicht mehr Chris war, wer war er denn dann? Was war noch übrig von ihm.
Er fühlte sich elend und dass nun Ethan erneut die besorgte Mutter spielen musste machte das alles auch nicht besser, es war ihm peinlich, dass er ihn so wiederfand, dass erneut sein Leid Vorrang hatte. Rasch wischte sich der Blonde die Tränen vom Gesicht, schluchzte leise in sein Kissen hinein und lauschte den Worten seines Mitbewohners. Seine Nähe tat ihm gut, die Wärme ließ ihn einen Augenblick zur Ruhe kommen. „Es….es war nichts, nur zu viele M-Menschen. Und wie sie schauten…sie sahen- sie sahen es mir an.“, erneute Tränen kullerten über das Gesicht und Chris war froh, dass Ethan es nicht sehen musste, wie verheult er doch ausgesehen haben musste, so furchtbar.
Er zog das Kissen noch enger an sich, durchtränkte es mit seinen Tränen.
„Und es waren so viele- sie schubsten und rempelten..“, murmelte er leise in seinen nicht vorhanden Bart hinein, schniefte einige Male. Wieso war er nicht so stark wie Ethan es war oder wie all die anderen Männer, wieso konnte er es nicht einstecken und weiterleben oder wenigstens jemanden aus Frustabbau schlagen?
Wenn er so ein Mann gewesen wäre, wäre ihm das nie passiert, beide hätten nie in so eine Lage kommen müssen, sie hätten sich einfach geprügelt und mehr nicht.
Aber nein, Chris war nicht wie sie, er war eine andere Spezies gewesen und daran ließ sich wohl kaum etwas ändern.
Bei den nächsten Worten Ethans musste er leicht lächeln. Es war schön zu hören, dass zumindest er nicht von ihm erwartete wieder so zu sein wie vorher, doch so war er nichts anderes als eine Last…für andere und für ihn selbst. So war er zu nichts zu gebrauchen. Und was, wenn es nie wieder vergehen würde, wenn er sein Leben lang geplagt von der Angst die Wohnung nicht verlassen könnte? Was, wenn er nie wieder jemanden berühren könnte, so wie sonst auch immer?
Es waren furchtbare Gedanken, das alles verwirrte den jungen Chris noch viel zu sehr.
„Aber …ich geh dir so doch nur auf die Nerven..ich will nicht nerven, ich will wieder normal sein, ich will, dass alles wieder funktioniert!“, seine flehenden Augen starrten aus dem Fenster, aus welchem er dank des zugezogenen Vorhangs nicht schauen konnte, doch da war auch nicht viel was er sehen wollte.
Langsam drehte sich der Hippie auf die andere Seite, schaute ins Gesicht des Freundes. Er wusste, dass Ethan genauso wenig eine Ahnung hatte wie es weitergehen sollte mit den beiden aber irgendwie wünschte er sich nur zu gerne, dass wenigstens einer einen Plan hätte.
„Ich möchte nicht, dass diese…diese..Sache mein Leben zerstört. Ich möchte es aus meinem Gehirn haben, ich will es weghaben, ich will….“ duschen!
Vielleicht war es das klebende Shirt, das ihn an die Schweißausbrüche und den Schweiß der anderen an dem Abend erinnerte, vielleicht das allgemeine Unwohlsein oder die Hitze, aber er fühlte sich auf einmal so widerlich, so schmutzig, dass er sich am liebsten die Haut vom Fleische gezogen hätte, sie war fremd, sie war beschmutzt, sie schnürte ihm die Luft zu, nahm ihm die Freiheit, die er einst so sehr genossen hat.
Chris wollte seine Arme um Ethan schmiegen, sein Gesicht in seiner Brust vergraben und einfach nur schlafen, er war müde und er war das ewige Wachsein leid, doch er konnte ihn immer noch nicht berühren und so beließ er es dabei, starrte an ihm vorbei, gehüllt in Schmutz und Unbehaglichkeit und den Schuldgefühlen seinem Mitbewohner gegenüber.
„Denkst du man kann sein Gehirn mit einem anderen tauschen?“

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Jun 11, 2012 12:00 am

Ethan ließ eine Hand sanft auf seinem Rücken liegen, während er weiterhin schluchzend erzählte. Einerseits war er erleichtert, dass Chris zu mindestens nicht offen attackiert worden war und weiter nichts wirklich vorgefallen war, aber andererseits war es auch beunruhigend, dass allein die Anwesenheit anderer Menschen ihn so aus dem Konzept brachte. Ganz wohl fühlte Ethan sich im Moment im Gewimmel San Franciscos auch nicht, aber es rief immerhin keine Panikattacken in ihm hervor. Obgleich er sich ganz und gar nicht ruhig fühlte, versuchte er, möglichst viel Ruhe in seine Stimme zu legen. Wenigstens einer von ihnen musste doch so wirken, als hätte er die Lage unter Kontrolle. Und Ethan wollte sie unter Kontrolle haben, er wollte für Chris da sein, auch, wenn es ihm anscheinend immer noch schwer fiel, ihn nah bei sich zu haben. Ethan musste unwillkürlich feststellen, dass ihn das irgendwie wurmte. Er schüttelte leicht den Kopf, um den Gedanken zu vertreiben, wandte sich dann wieder dem Hippie zu.
„Keiner kann dir irgendwas ansehen, kein Wildfremder auf der Straße wird dich verurteilen, Chris. Die sehen dich auch nicht anders als sonst, als einen etwas durchgeknallten Hippie“, murmelte er, und versuchte dabei leicht zu lächeln. Er hatte Chris´ Gesicht hinter dem Kissen noch kaum zu Gesicht bekommen. Anscheinend wollte er das auch gar nicht, er wollte wohl nicht, dass Ethan sein verweintes Gesicht sah.
Ethan schüttelte leicht den Kopf, und seine Augen weiteten sich etwas vor….ja, Entsetzen, das konnte man durchaus so sagen. Er konnte kaum glauben, dass Chris sich schon so in seine Rolle als belastendes Nervenbündel hineingesteigert hatte. Vor lauter Empörung zog er die Hand für einen Augenblick zurück und zog die Augenbrauen zusammen.
„So etwas darfst du nicht sagen, nie wieder, hörst du? Du nervst doch nicht“, stieß er entsetzt aus. Er brauchte ein paar Momente, um sich zu sammeln. Er hatte den Hippie noch nie so niedergeschlagen erlebt, und er wusste einfach nicht, wie er ihn aus diesem Loch ziehen sollte, wenn er doch gar nicht aufhören wollte, sich selbst die Schuld zu geben.
„Es wird niemals ganz verschwinden, das ist eine Sache, die keiner von uns einfach verbannen kann.“
Seine Stimme war sehr ernst, und er schüttelte dabei langsam den Kopf. Er wollte ihm keine falschen Hoffnungen machen, außerdem war es einfach falsch, die Sache aus seinem Leben zu verdrängen. So würde er nie darüber hinwegkommen.
„Du musst einfach etwas Neues finden, an das du dein Glück hängen kannst. Das wird sicher dauern, und es wird auch sicher nicht leicht, aber du bist doch nicht alleine….Du hast doch mich.“
Ethan strich ihm sacht über das verschwitzte Haar, blickte ihn dabei fest an.
„Du bist nicht alleine, ich will dir helfen, verstehst du? Das ist keine Last für mich, ich mache das gern, ich….“
Er rang mit den Händen, unfähig die richtigen Worte zu finden. Schließlich gab er auf, ließ die Hände in den Schoß sinken. Er hatte immer gedacht, er sei „normal“, wie die Gesellschaft es gerne auslegte, aber in letzter Zeit stellte Chris das, was er zu wissen glaubte, auf den Kopf.
„Vertrau mir einfach, ok?“, nuschelte er betreten, und blickte auf seine Füße.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Jun 11, 2012 5:59 pm

Wie lieb es doch von Ethan war, dass er versuchte ihn aufzuheitern und ihm das Gefühl zu geben, dass er nicht alleine auf dieser kleinen Welt mit dem Problem war.
Wahrscheinlich hatte er auch Recht damit gehabt, dass kein Mensch es ihm ansehen konnte, dass er sich da eher was einbildete und es nichts weiter als Hirngespinste waren, auch wenn so etwas schwer zu glauben war, Chris war Blicke gewohnt, doch nun waren sie irgendwie verändert.
Der Blonde schwieg, als sein Mitbewohner weitersprach, lauschte seiner Stimme und irgendwo machte es ihn traurig, dass selbst er ihm nicht die Illusion schenken konnte, dass sie das alles irgendwann endlich vergessen könnten und nicht damit zu leben brauchten, doch etwas anderes war beinahe schon unmöglich. Ja, es würde sie bis an das Lebensende verfolgen, sie mussten nur lernen irgendwie damit umzugehen.
„Hoffentlich findet sich etwas Tolles bis dahin..“, warf er nach einer Weile leicht lächelnd ein, wischte sich die restlichen Tränen vom Gesicht, ehe diese trockneten, sich im Schneidersitz aufsetzend, während die roten Augen seinen Freud begutachteten. Er wäre heute gestorben, wenn Ethan nicht da wäre, wenn er immer noch im Krankenhaus hocken müsste. Er war so froh, dass er ihn hatte, dass er für ihn da war, dass er existierte, egal wie unterschiedlich ihre Persönlichkeiten auch waren, wahrscheinlich mochte Chris ihn gerade deswegen- dass er so anders war, anders als seine restlichen sozialen Kontakte, die ihm stark ähnelten (von der Familie ganz abzusehen).
Der Hippie schniefte laut bei den letzten Worten des jungen Arztes. „Du machst so viel für mich…wie kann ich das je alles wiedergut machen.“, erneut kullerten Tränen die geröteten Wangen herunter, diesmal jedoch Tränen der Dankbarkeit, ja beinahe schon Freude, dass er nicht allein war und dass Ethan so viel Verständnis für ihn aufbringen konnte.
Jedes Mal, wenn der junge Mann ihn aus irgendeiner Misere rettete, meinte Chris es ehrlich und aufrichtig, wenn er ihm mitteilte, wie sehr er ihn doch liebte.
Chris suchte die Nähe des Älteren, rutschte anschließend näher an ihn heran, umschlang mit seinen dünnen Armen seinen Oberkörper, während der Kopf sich an die muskulöse Brust schmiegte.
Er hörte den Herzschlag seines Mitbewohners und spürte die von ihm ausgehende Wärme, die sein Körper langsam in sich aufsog. Es war eine angenehme Wärme, eine, die niemals lästig werden konnte.
Ein leichtes Lächeln umrahmte das Gesicht des jungen Mannes- zum ersten Mal konnte er für einen Moment vergessen, wie unangenehm es für ihn war, auch nur Ethans Hand zu berühren, dass die Erinnerung daran, dass er Chris im schwächsten Moment seines Lebens gesehen hatte, ihn jedes Mal davon abhielt sich in seiner Anwesenheit normal zu verhalten- es war kurz vergessen oder zumindest verdrängte der Hippie es so gut es nur ging. Eine Umarmung tat schon nicht weh, es war besser als alles andere und irgendwo, ja, irgendwo hatte er das auch gebraucht.
„Ich werde dir für immer vertrauen, nur dir..“

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Jun 11, 2012 9:33 pm

Ethan seufzte erleichtert, als er merkte, dass Chris´ Laune sich zu besser schien. Sein Gesichtsausdruck, seine ganze Körperhaltung waren nicht mehr so verkrampft, und er hatte das Gefühl, dass das Lächeln auf seinem Gesicht ebenfalls ernsthaft und nicht erzwungen war. Der Azrt verspürte eine gewisse Bitterkeit darüber, dass er Chris nicht etwas mehr Hoffnung hatte machen können, aber was brachte es, ihn anzulügen? Dann war er in ein paar Jahren vielleicht nur wütend auf ihn, weil er seine falschen Versprechungen nicht hatte einhalten können. Und das wollte Ethan um jeden Preis vermeiden.
„Wenn du nichts findest, wer dann?“, fragte er und meinte das todernst. Der Hippie hatte immer an so viel Freude finden können, und wenn es auch nur Kleinigkeiten waren. Ethan bezweifelte, dass er diese Fähigkeit nun ernsthaft verloren haben sollte. Er würde etwas finden, da war er sich sicher. Und wenn er ihm dabei ein wenig nachhelfen musste, so war das auch kein Problem.
Als erneut Tränen über seine Wangen liefen, zuckte Ethan innerlich bereits wieder zusammen. Hatte er etwas Falsches gesagt oder getan? Aber nein, das waren keine Tränen der Verzweiflung, das schienen sogar Freudentränen zu sein. Er atmete erleichtert auf, musste dann sogar leicht schmunzeln. Wie viele Emotionen doch in so einer schmalen Person stecken konnten. Es war eigentlich sogar wirklich ein wenig schade, dass er so gar nichts aus seinem Leben machte, denn sicher hätte er mit seiner Empathie etwas bewirken können, aber nun war nicht der richtige Augenblick, um über so etwas zu sprechen. Tadelnd blickte er auf Chris herunter, verdrehte die Augen im Kopf.
„Ich hab dir doch schon gesagt, dass ich das gerne mache, du musst dich dafür nicht revanchieren.“
Ethan erschrak fast ein bisschen, als Chris plötzlich doch die Nähe zu ihm suchte, aber die erste Unruhe wurde schnell von einem sehr viel angenehmeren Gefühl ersetzt, und er legte sachte die Arme um die schmalen Schultern des Hippies, wischte ihm einige der Tränen aus dem Gesicht, die noch immer salzig auf den geröteten Wangen schimmerten. Das alles fühlte sich so richtig an, dass er ihn am liebsten gar nicht mehr losgelassen hätte. Er fragte sich urplötzlich, ob Chris etwas von der merkwürdigen Spannung spürte, die sich aufzubauen schien, oder ob er es wohlmöglich für etwas anderes hielt. Ethan war sogar leicht rot geworden, und so war er froh, dass Chris seinen Kopf an seine Brust gelegt hatte, und es nicht sehen konnte. Chris´ Worte berührten ihn, und es erschien ihm für einige Augenblicke unmöglich, mit all den Emotionen umzugehen, die da so über ihn hereinbrachen. Er erhob sich langsam, die nervösen Hände hinter seine Gürtelschlaufen klemmend. Chris mochte es gewohnt sein, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, für Ethan sah das allerdings anders aus. Er war geprägt von dem sozialen Druck, den die Gesellschaft im allgemeinen und das Militär im Besonderen bei ihm hinterlassen hatte.
„H-Hattest du nicht extra Eis mitgebracht?“, fragte er, und wunderte sich selbst darüber, wie unsicher seine Stimme für einen Moment geworden war. Er biss sich nervös auf die Unterlippe.
„Ich finde, das haben wir uns jetzt verdient, oder etwa nicht?“
Da sein Lächeln ein wenig verunglückte, wandte er sich hastig ab und ging in Richtung Küche, Geschirr und Besteck herauskramend, darauf hoffend, dass Chris ihm folgen würde und sein plötzliches Aufspringen nicht falsch deutete. Er war immerhin nicht derjenige, der etwas falsch gemacht hatte, sondern er selbst befand sich gerade selbstverschuldet in einer Misere, die er so noch nie gekannt hatte.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Jun 11, 2012 10:48 pm

Für einen Moment war es angenehm einfach nur dem Herzen seines Mitbewohners zu horchen und die Stille auf sich wirken zu lassen, für Chris waren solche körperlichen Nähen normal gewesen, jetzt würde er wahrscheinlich nicht jeden so an sich ranlassen, zumindest niemanden, den er nicht kannte.
Doch die Ruhe und das familiäre Gefühl wurden schnell gebrochen, gebrochen von Ethan persönlich. Mit verwunderten Augen starrte er in das Gesicht des jungen Arztes, fühlte er sich vielleicht unwohl, wenn Chris seine Nähe zu ihm suchte? Vielleicht war es ja doch ein wenig zu früh um damit anzufangen aber…Chris lächelte schief, als er zum ersten Mal die Unsicherheit in der Stimme des Mannes hörte, als würde er nach Worten suchen und keine passenden finden. Natürlich, für den Hippie waren Gefühle nichts, was man in sich hineinpressen durfte, man musste sie rauslassen, egal wie negativ sie vielleicht auch sein mochten und wenn man niemanden verletzen oder gar belästigen wollte, dann ließ man sie eben wo anders raus, vielleicht sogar bei sich selbst, sonst würde man irgendwann so aggressiv werden wie all die Soldaten.
Und vielleicht lag genau da das Problem- Ethan war Soldat oder sowas in der Art und wenn Chris so darüber nachdachte, dann hatte er ihn nie gesehen, wie er jemanden liebte oder Hass gegenüber einem Menschen hegte oder vielleicht auch traurig war. Klar, als sie überallen worden waren, waren da viele Emotionen, doch davor.
Der Blonde runzelte nachdenklich die Stirn, hörte seinem Mitbewohner kaum zu, nickte nur abwesend als dieser auch schon fort war und nur das Klirren von Geschirr aus der Küche zu vernehmen war.
Irgendwo war es ja unglaublich süß wie solch ein starker, selbstbewusster Mann von solch einer kleinen Sache aus der Fassung gebracht werden konnte. Und es war eine kleine Ablenkung zugleich, vertrieb vorerst die bösen Gedanken und ließen ihn den Zwischenfall im Einkaufszentrum und den anschließenden Nervenzusammenbruch vergessen, schließlich war ein verwirrter Ethan viel interessanter und putziger.
Chris schaute sich noch einmal prüfend im Zimmer um, sein T- Shirt wollte er vorher noch umziehen, es war wirklich eklig wie es an seinem Körper klebte.
Rasch zog er es über seinen Schädel, schmiss es in die nächstbeste Ecke, nur um in dieser nach einem anderen zu suchen. Schließlich fand er auch eines, ein altes weißes ärmelloses Shirt, das wahrscheinlich nicht einmal ihm gehörte, zumindest wirkte es auf dem ersten Blick etwas groß für seinen Oberkörper aber das war ja auch egal. Schulternzuckend griffen seine Finger nach dem Stück Stoff welches er während des Gehens vor sich ausbreitete, prüfend daran roch, ob es denn noch frisch war, und erst in der Küche über den Kopf gleiten ließ, während die Augen den Bewegungen des Arztes folgten. „Ich glaube wir haben mehr als eine Packung Eis verdient.“, er schenkte ihm ein breites Lächeln, lehnte sich an den Türrahmen an, mit verschränkten Armen darauf wartend, dass Ethan endlich fertig war. Er war so hektisch, dass Chris sich ein Grinsen nicht verkneifen konnte.
„Wollen wir dazu Fernsehen oder etwas anderes machen?“, warf er nach einer Weile in den Raum mit einem fragenden Blick. Fernsehen und Eisessen und vielleicht, ja ganz vielleicht, auch ein wenig kuscheln. So könnte aus dem mies angefangenen Tag eventuell was Nettes werden. Natürlich nur, wenn es Ethan auch zuließ, denn anscheinend war für ihn diese Nähe viel schlimmer gewesen als für Chris, dem es eigentlich immer noch so peinlich war, er jedoch ohne tröstender Wärme schlichtweg eingehen würde. Hoffentlich würde sein Mitbewohner nicht für immer abgeneigt von ihm sein.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Di Jun 12, 2012 3:35 pm

Es war solch ein merkwürdiges Gefühl, dass Ethan kaum wusste, wie er damit umgehen sollte. Er hoffe zutiefst, dass er Chris nicht verletzt hatte, und ihn in seiner Angst und dem Bestreben, sich von ihm zu distanzieren, nur bestärkt hatte. Er stand bereits seit einer ganzen Weile in der Küche und schaufelte Vanilleeis in zwei Schüsseln, als er bemerkte, dass der Hippie im Türrahmen stand. Wenigstens hatte Ethans plötzliches Aufstehen ihn nicht dazu gebracht, dass er wieder regungslos in sein Kissen weinte. Er wusste nicht, wie er ihn dann wieder hätte trösten sollen, er hätte ein viel zu schlechtes Gewissen gehabt, um ihm noch einmal zu nahe zu kommen.
Chris´ Anwesenheit in seinem Rücken zu spüren, brachte seine Nervosität allerdings wieder zurück. Er wagte es nicht, sich umzudrehen, aber er hatte beinahe das Gefühl, dass der Hippie ihm zusah und dabei breit grinste. Er konnte das einfach nicht nachvollziehen, er lebte eigentlich ein Leben mit recht wenig Verantwortung und Verpflichtungen, und sein soziales Umfeld scherte sich eigentlich um relativ wenig. Sie waren toleranter als die Kollegen und wenigen Freunde, die Ethan hatte. Und dennoch, irgendwie wollte er sich davon nicht bestimmen lassen, zu mindestens nicht innerhalb seiner eigenen vier Wände.
Er ließ den leeren Eiskarton in der Spüle liegen, und drehte sich mit den beiden Eisschalen zu Chris um. Unwillkürlich errötete er wieder, drückte dem Hippie eine der Schalen in die Hand und huschte dann an ihm vorbei in den Flur.
„Fernsehen klingt nach einer guten Idee“, murmelte er, und ließ sich auf die Couch sinken, die Füße hochlegend. Im Fernseher flimmerte gerade irgendwelche Musik, stirnrunzelnd schaltete er durch die wenigen verfügbaren Kanäle, bis er schließlich bei den Nachrichten hängen blieb, es interessierte ihn wirklich, ob diese Hitzewelle noch länger anhielt. Obwohl er das Eis gerade erst aus dem Kühlfach geholt hatte, hatte es sich schon beinahe wieder verflüssigt.
Er drehte den Kopf leicht, als Chris ebenfalls ins Wohnzimmer kam, vermutlich war er ihm eine Erklärung schuldig, nicht, dass er nachher noch dachte, er hätte etwas falsch gemacht. Wobei das leichte Grinsen in seinem Gesicht das nicht nahelegte. Als wüsste er ganz genau, was vor sich ging. Vielleicht wusste er das auch wirklich.
„Es tut mir Leid wegen gerade eben, das lag nicht an dir, ehrlich. Ich….Ich bin das alles nur irgendwie nicht gewohnt“, murmelte er, und stellte die Schüssel mit dem schmelzenden Eis beiseite. Es war ja nicht so, dass Chris´ Nähe ihm unangenehm war, nein, ganz im Gegenteil, er hatte ihn sogar gerne um sich, und das verwirrte ihn ja so.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Di Jun 12, 2012 10:22 pm

Chris bemerkte, wie die Wangen seines Freundes plötzlich erröteten. Das waren ja vollkommen neue Seiten, die er da kennen lernte? Ethan konnte rot werden- wegen…ihm- ihm?!
Ein strahlendes Lächeln bildete sich auf den blassen Lippen des Hippies. Er konnte sich nicht wirklich vorstellen, dass mehr für ihn empfunden wurde als tiefe Freundschaft, doch in einigen Teenager- Magazinen, die seit neustem ihre Runden in der Welt machten, waren dies kleine Anzeichen, dass man jemanden mehr als nur freundschaftlich gern hatte. Aber…Ethan?
Nein, das musste bestimmt andere Gründe haben.
Nickend folgte der junge Mann seinem Mitbewohner ins Wohnzimmer, schaufelte sich bereits während des Gehens einige Löffel Eiscreme in den Mund während die Augen Ethan beobachteten.
Er ließ sich neben dem jungen Arzt nieder, schaute vom Eis zum Fernseher und wieder zurück, manchmal blinzelte er auch herüber zu Eth‘ und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.
„Du bist meine Umarmungen nicht gewöhnt?!“, warf er ein, nachdem seine Ohren die Worte vernahmen. Mit hochgezogenen Augenbrauen schaute Chris ihn an, als ob er ihm das glauben würde. Seit sie sich gemeinsam eine Wohnung teilten, sprang ihn der Hippie beinahe täglich an, es war eigentlich normal und es war normal, dass Ethan sich davon nie leicht aus der Fassung hatte bringen lassen, eigentlich wirkte er immer sehr gelassen, zumindest regte sich bei ihm nie viel, bis auf hier und da diverse Verärgerungen, weil Chris schon ein nervtötendes Wesen sein konnte.
„Oder kannst du seit…seit dem Vorfall nicht mehr wirklich damit klarkommen?“, sein Blick wurde ernst, nun stellte auch er sein mittlerweile matschiges Eis beiseite, zog die Beine an seinen Körper, während die Augen die Regungen in Ethans Gesicht beobachteten.
Chris legte behutsam einen Arm auf die Schuler seines Freundes, starrte in die zwei verschiedenen Augen, die er so gern mochte, weil sie..ja, weil sie anders waren als andere.
„Wenn das so ist, ist das okay.“, fuhr der Blonde anschließend fort. „Ich meine…du hast mich irgendwie..naja..nackt gesehen..“, nun wurde Chris leicht rot um die Nase, ließ den Kopf kurz sinken und bewunderte das Blau seiner Jeanshose. Es war fast wie zu Teenager- Zeiten, wo er versucht hatte seinem ehemals besten Freund klar zu machen, dass er schwul war. Es war komisch und am Ende kam auch nichts Gutes dabei raus, hier war er sich jedoch sicher, dass er sich nicht vor Fäusten fürchten müsste oder vor Beleidigungen.
„Und das ist schon komisch…irgendwie.“, er lächelte schwach, ließ seine Hand wieder nach unten gleiten, ehe diese wieder die Schale an sich riss. „Alles ist gerade irgendwie verwirrend und komisch und seltsam, nicht wahr? Ich meine, wer weiß ob ich je wieder oder ob du je wieder..“, er konnte den Satz nicht zuende führen, stattdessen schenkte er ihm ein verschwörerisches Grinsen, ehe Chris sich wieder dem Fernseher zuwandte.
„Bald wird alles normal, keine Sorge, du wirst dich daran gewöhnen.“, der Hippie schielte kurz zu Ethan, löffelte anschließend wieder sein Eis, welches sich so langsam in eine Suppe verwandelte.
Man wurde nicht rot, wenn man jemanden abstoßend fand, das wusste Chris. Vielleicht war dieser Zwischenfall auch ein Grund, warum Ethan Körperkontakt zu ihm seltsam fand, aber da war mehr und keinem war es klarer als dem Homo höchstpersönlich, auch wenn er es irgendwie nicht ganz wahrhaben wollte. Es war wirklich seltsam, aber auf einer anderen Weise unglaublich niedlich und toll und stellte ach so vieles in den Schatten.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Di Jun 12, 2012 11:31 pm

Eigentlich war Ethan sich sicher, dass Chris wusste, was wirklich vor sich ging, aber vielleicht wollte er es noch genauso wenig wahrhaben wie Ethan. Und so gerne er das Gefühl auch begraben hätte, um all den Problemen zu entgehen, die das nach sich ziehen würde….Das wäre einfach nicht richtig. Und irgendwie fühlte es sich einfach normal an. Wie etwas, das er jeden Tag tun wollte, einfach mit Chris zusammen sein und….mit ihm zusammen sein. Er schluckte schwer, die Erkenntnis traf ihn hart. Unsicher schielte er zu Chris hinüber, wie er versuchte, das alles irgendwie auf diesen Zwischenfall zu beziehen, wie er versuchte, seine Zurückhaltung damit zu erklären. Aber die Prügelei hatte eigentlich wenig damit zu tun. Das glaubte Ethan zu mindestens. Vielleicht war es eine indirekte Folge dessen gewesen, weil er sich im Krankenhaus so oft und so große Sorgen um ihn gemacht hatte. Er hatte erst in den letzten Wochen so wirklich begriffen, wie viel ihm an dem Hippie lag. Mehr, als er sich je erträumt hätte.
„Es hat nichts damit zu tun, jedenfalls nicht direkt“, setzte er langsam an. Er hatte noch nie mit jemandem so ein Gespräch geführt, und es fiel ihm sichtlich schwer, in Worte zu fassen, was ihm auf der Seele lag. Es war schon paradox, dass noch vor Minuten Chris derjenige gewesen war, der hatte getröstet werden müssen. Und nun hatten sie die Rollen getauscht und Ethan war derjenige, der zerstreut dasaß und sich nicht auszudrücken vermochte. Dabei war es noch nie so rum gewesen, denn der Arzt vertraute sich nie irgendwem besonders an. Er hatte dann immer Angst, verletzlich zu sein, und bis heute hatte er es niemandem gestatten wollen, einen so tiefen Einblick in seine Seele zu haben. Wollte er den letzten Schritt wirklich jetzt gehen und Chris offenbaren, was wirklich dahintersteckte? Als wenn er es nicht längst wüsste, er hatte es an seinem Lächeln gesehen, denn der Hippie trug alles, was in ihm vorging, auch nach außen. Er vergrub es nicht, anders als Ethan.
Er griff nach der Eisschale, seine nervösen Hände wurden wenigstens etwas ruhiger, jetzt, da er etwas in der Hand hatte. Mit abwesendem Blick rührte er in der Eissuppe herum.
„Ich glaube, über „normal“ bin ich mittlerweile schon lange hinweg….“
Urplötzlich blickte er auf und schien Chris beinahe mit einem Blick zu löchern, in dem irgendwo auch etwas Flehendes lag.
„Du weißt doch längst, worauf das hinausläuft, oder nicht? Sonst würdest du nicht so grinsen. Hab ich nicht recht?“, fragte er, und piekste ihm den Stiel seines Löffels leicht gegen die Brust. Kurz darauf wurde sein Blick allerdings wieder ernster.
„Für mich ist das alles nicht so leicht wie für dich“, seufzte er und blickte zu Boden, tief durchatmend.
„Dass ich das jemals sagen würde…“, murmelte er mehr zu sich selbst als zu Chris, aber er nahm all seinen Mut zusammen für die paar winzigen Worte, die hoffentlich nicht alles völlig ruinieren würden. So kompliziert hatte er es noch nie gefunden, dabei hatte er schon ein paar Frauen gestanden, dass er sie liebte.
„Ich….Ich mag dich mehr als nur als einen Freund.“
Er lächelte schief.
„Ich glaub, ich hab mich in dich verliebt.“
Bei dem letzten Wort bröckelte seine Stimme ein wenig, und er war mittlerweile knallrot im Gesicht, den Kopf gesenkt und die Augen beinahe etwas zusammengepresst, als erwartete er eine fatale Reaktion, irgendetwas, das ihn aus dieser Situation erlöste und die unendliche Spannung löste, die er verspürte.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mi Jun 13, 2012 2:43 pm

Natürlich wusste Chris, worauf es hinauslief und natürlich kannte er das, das alles, dieses Verhalten das von Ethan ausging, doch er wollte ihn ein wenig zappeln lassen, zu schön war das kleine Gefühl der Überlegenheit gewesen, zum ersten Mal überhaupt im gemeinsamen Leben der beiden.
Natürlich fiel es seinem Mitbewohner ziemlich schwer, dieser ganze Gefühlskram war ja auch eigentlich seine Sache gewesen, er hatte auch genug Emotionen für beide haben können, er hätte wahrscheinlich den ganzen Wohnblock damit eindecken können, doch wenn man sich andauernd verschloss, würde es einem nur schaden, deswegen war es ja so wichtig für Ethan, dass er endlich losließ und sagte was Sache war, es musste nicht jetzt sein, Chris ließ ihm so viel Zeit wie er auch brauchte.
„Ich kann auch grundlos, grinsen, so ist es nicht.“, er erwiderte das Gepiekse indem er mit seinem Finger sanft gegen Ethans Brust drückte, ihn dabei anstrahlend.
Wie es schien, brauchte der Arzt gar nicht so viel Zeit, man musste ihn lediglich nur ein klein wenig anschubsen, dann kam der Rest beinahe wie von selbst.
Und auch wenn es dem Blonden irgendwo klar war, was das alles zu bedeuten hatte, kam es im erst real vor, als die kleinen entscheidenden Worte fielen, als sein Freund sich endlich zusammenriss und ihm seine Gefühle ihm gegenüber offenbarte.
Chris hatte das Gefühl, er würde platzen, in seinem Gehirn explodierten Farben und Funken sprühten von überall her. Hatte er das gerade wirklich gesagt? Meinte er das denn wirklich so, konnte Ethan wirklich mehr als nur Freundschaft für ihn empfinden. Ethan?!
Der Hippie ließ beinahe seine Schale fallen, sein Verdacht wurde zur Realität und dennoch erschien es wie ein Traum, ein sehr guter Traum, ein Traum aus dem er hoffentlich nie wieder erwachen würde.
„In…mich?“, seine Augen weiteten sich, er konnte nicht anders als wie ein Honigkuchenpferd zu grinsen, so stark, dass es beinahe wehtat und der Angst bekam, seine Mundwinkel würden langsam reißen. Ethan war in ihn verliebt, er war wirklich verliebt, in ihn und dabei war er keine Frau..nun, klar hatte er irgendwo einige feminine Züge und er war so sensibel wie eine aber das hieß nichts, er war dennoch ein Mann, keine Frau, er war keine heterosexuelle Frau! Und Ethan war dennoch in ihn verliebt.
Je öfter Chris an diesen Satz dachte, desto seltsamer fühlte er sich. Er kannte das, wenn jemand so etwas zu ihm sagte, wenn jemand wirklich ihn wollte aber das, das war so anders, vielleicht weil der Blonde seit Gezeiten so viel mehr für Ethan empfand, jedoch nie auch nur ein Wörtchen darüber verlor, im vollsten Wissen, dass sein Mitbewohner eindeutig hetero war.
Und nun, nun war er so viel mehr, er war nun nicht nur an das gebunden, was man von ihm wollte, was die Gesellschaft einem vorschrieb zu sein und das war mit Abstand der größte Fortschritt, den ein Mensch je machen konnte!
Chris schmiss seine Schüssel achtlos auf dem Boden und stieß ein lautes Quietschen aus, erst jetzt realisierte er das alles so richtig, fühlte mit all seinen Sinnen.
Es war so erstaunlich, dass vor allem sein Mitbewohner so viel mehr für ihn empfinden würde nach all dem, was ihnen passiert ist, was erst durch den Hippie passiert ist! Vielleicht war es gerade deswegen so besonders und so toll, dass diese Worte ausgerechnet jetzt kamen und die ergraute Welt in dem Kopf des Grünäugigen viel bunter färbte und fast die Alte zu sein schien.
Bei Ethans hochrotem Kopf hätte Chris am liebsten noch einmal laut aufgequietscht, doch stattdessen sprang er beinahe in seine Arme, umschlang seinen Körper den langen Armen und drückte ihn so fest er nur konnte an sich. „Du bist so niedlich, wenn du keine Ahnung hast, was mit dir abgeht.“, murmelte er leise lachend.
„Ich hoffe sehr, dass aus deinem Glauben Wissen wird…für mich gibt es nämlich keinen, für den ich so viel empfinde, wie für dich, Ethan.“, seine Augen wanderten hoch, schauten in das Gesicht des Arztes, ein zufriedenes Lächeln lag auf seinen Lippen.
Ethan wusste wirklich wie man jemanden aus seiner Depression holen konnte. Wenn das Liebe war, dann wusste Chris auch nicht.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mi Jun 13, 2012 10:57 pm

Langsam, ganz langsam schien all die Nervosität, all die unangenehme Spannung von ihm abzufallen, je mehr er merkte, dass Chris die Gefühle, die er ihm offenbarte hatte, zu erwidern schien. Jetzt abgewiesen zu werden wäre für den Arzt eine unvorstellbare Niederlage gewesen. Aber er sah, wie der Hippie grinste, mehr noch als er selbst, obwohl sich langsam aber sicher ein Lächeln auf sein gerötetes Gesicht stahl. Er hatte es gesagt, er hatte sich wirklich getraut, und von nun an konnte doch nur alles besser werden, oder etwa nicht? Letztendlich war es doch richtig, oder nicht? Er atmete tief durch, gewillt, in einem tiefen Atemzug all die Zweifel abzulegen, die ihn gepackt hatten. Er wollte diesen Augenblick genauso genießen können wie Chris, der seiner Freude so laut Luft machte, dass Ethan erschrocken zusammenzuckte. Es war schon eine merkwürdige Situation, in der der Hippie auf einmal die Oberhand zu haben schien.
„Natürlich in dich, in wen denn sonst?“, fragte er, immer noch rot im Gesicht. Hastig stellte er die Schüssel beiseite, bevor sie noch ebenso achtlos auf dem Boden landete wie die des Hippies. Aber eigentlich war das auch egal, was war schon eine Schüssel im Gegensatz zu dem bahnbrechenden Geständnis, das er ihm gerade geliefert hatte?
Bei dem Schwung, mit dem ihm Chris um den Hals fiel, wäre er beinahe nach hinten übergekippt, aber er erwiderte die Umarmung so fest er nur konnte, den schlanken Körper, der so eine angenehme Wärme ausstrahlte. Er drückte sein Gesicht leicht in den langen Haarschopf, kurz Chris´ Geruch einatmen. Erst jetzt fiel Ethan auf, wie sehr er selbst solche Kleinigkeiten an ihm liebte.
Dass Chris wirklich auch auf diese Art und Weise für ihn empfunden hatte….Nicht, dass er das nicht schon hin und wieder angenommen hatte, es war immerhin nicht völlig abwegig, aber der Hippie hatte nie irgendwelche Annäherungsversuche gezeigt, die Ethan vielleicht auch noch vor einigen Wochen unangenehm gewesen wären. Natürlich hatte er öfter Körperkontakt zu ihm aufgenommen, aber Ethan hatte einfach immer das Gefühl gehabt, dass das nunmal seine Art war, wie er mit Menschen umging.
„Ich hoffe, ich hab dich nicht zu lange warten lassen. Aber ich wollte mir erst sicher sein“, sagte er ruhig, und erwiderte den Blick des Grünäugigen, die Arme noch etwas fester um ihn legend, als hätte er Angst, dass er in den nächsten Augenblicken verschwunden sein könnte.
„Ich….weiß es doch eigentlich schon längst. Ja, dich und sonst keinen.“
Er lachte leise auf bei der Vorstellung, wie kitschig sein Gerede für einen Außenstehenden klingen musste. Wie in diesen kitschigen, romantischen Filmen, die abends am Wochenende im Fernsehen kamen und alles durch eine rosarote Brille zeigten.
Je länger er Chris so anschaute, desto größer wurde das Bedürfnis, sich ihm mehr zu nähern, und ohne groß darüber nachzudenken, gab er ihm einen flüchtigen Kuss auf die Lippen, sofort wieder rot werdend.
„Doch, ich bin mir sicher….“
Es war einfach zu schön um wirklich wahr zu sein. Ein leichtes Kribbeln ging durch seinen Bauch bei dem reinen Gedanken, dass es jetzt immer so sein konnte. Die Vorstellung allein füllte ihn mit einer wohligen, beinahe schläfrig machen Wohligkeit.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Do Jun 14, 2012 8:34 pm

In wen sich der junge Ethan sonst so verliebt haben könnte…da fielen Chris schon eine Menge Leute ein! Das Mädel aus der Nachbarschaft, die immer so knappe Kleidung trug oder auch die Zwillinge, die über ihnen wohnten..ach es gab so viele hübsche Menschen in ihrer Umgebung und noch mehr da draußen auf dieser Welt; aber nein, diesmal war tatsächlich er gemeint und es gab wohl kein besseres Gefühl, was dieses hier ersetzen konnte. Für jemanden wichtig sein zu können- das war viel besser als jede Droge, als jede Minute, die man singend und tanzend verbringen konnte, besser als jedes Woodstock!
Der Blonde schenkte seinem Freund ein weiteres strahlendes Lächeln, lauschte seinen Worten ohne darauf zu antworten. Ja, er ließ ihn lange warten aber es hatte sich definitiv gelohnt, jede Sekunde, in der man sich so sicher war, dass niemals etwas aus ihnen werden würde, jede noch so kleine Umarmung, die sein Blut zum Kochen gebracht hatte, er hatte sich so sehr daran gewöhnt, dass sein Blut in diesem Moment nicht mehr stark ausschlug wie damals, er wurde schon lange bei einer Person nicht rot aber das warme, wohlige Gefühl war natürlich immer noch da.
„Ich bin so stolz auf dich, Ethan.“, wisperte er leise, strich ihm sanft über den Rücken, während sich seine Gedanken in den strahlenden Augen seines Mitbewohners verloren. Sie waren so atemberaubend, sie zogen ihn jedes Mal ihn ihren Bann und es fiel dem Hippie schwer sich wieder von ihnen loszulösen, einen klaren Kopf zu bewahren und nicht in endlosen Galaxien seiner Gedanken unterzugehen.
Auch dieses Mal schien Chris versunken zu sein, sodass erst die Lippen des Arztes ihn in die Realität zurückholten.
Das Gesicht setzt eine überraschte Miene auf, jedoch musste er bei dem Anblick des roten Kopfs ein weiteres Mal breit grinsen, ehe sich seine Hände im Nacken des Älteren vergruben und er ihn mit sanfter Gewalt zu einem innigen Kuss zog. Ethan war bestimmt ein guter Küsser, die Frauen flogen definitiv darauf, aber so ein kleines Küsschen, das schenkte man Fremden und weil er sich in diesem Gebiet, das sich eigentlich kaum von der ‚normalen‘ Art zu leben unterschied, noch nicht ganz auskannte, musste der gute Chris wohl ein wenig nachhelfen.
Der Grünäugige seufzte leise auf, die weichen Lippen seines Freundes waren so unglaublich warm und lösten ein Gefühl der Schwerelosigkeit aus und es kam ihm tatsächlich so vor, als wären sie von der Couch abgehoben, als würden sie in der Luft schweben, leicht wie eine flauschige Wolke…
Erst als sein Körper nötige Atemluft gebrauchte, ließ der Hippie langsam ab, lächelte Ethan wie ein kleines Schulmädchen an. Nun wurde auch er ein klein wenig rot um die Nase, doch das war normal, das war seine Art zu zeigen, wie gut ihm das alles tat.
Es kribbelte leicht in seinem Gehirn und in seinem Bauch flatterten nur die Schmetterlinge vor sich hin, er hätte am liebsten den ganzen Tag an den Lippen seines…seines Geliebten geklebt.
„Du bist so niedlich, wenn du rot wirst, ich könnte dich aufessen!“, platze aus dem Blonden anschließend heraus, als das Gesicht des ihm Gegenübersitzenden noch roter geworden ist, wie eine kleine Tomate. Chris drückte ihm einen sanften Kuss auf die Nase, grinste ein weiteres Mal über beide Ohren ehe der dürre Körper aufsprang und zu den Fenstern eilte.
Zu lange hatte er sich hier im Dunkeln versteckt, jetzt waren die schwarzen und düsteren Gedanken endlich weg, sie trübten seine Sicht nicht mehr und diese trostlose Wohnung passte einfach nicht mehr dazu. Mit voller Kraft zog der Hippie die Vorhänge auf, wirbelte dabei den jahrelangen Staub auf, welcher durch die in das Zimmer durchscheinenden Sonnenstrahlen noch stärker zur Geltung kamen. So war es doch schon viel schöner. Ein Zufriedenes Lächeln bildete sich auf dem Gesicht des jungen Mannes, als er hinaus in das Fenster gegenüber von ihm starrte, anschließend seines öffnend. Die warme Luft war zum ersten Mal angenehm und fühlte sich richtig an, egal wie unnormal sie zu sein schien.
Gedankenverloren beobachtete er das Treiben in der Gasse, schaute den streunenden Katzen dabei zu wie sie in den Mülltonnen nach Essen suchten und wie neben ihnen einige Kinder herumirrten, sein Blick wanderte jedoch wieder zu Ethan, diesen herbeiwinkend. „Komm her, hier scheint die Sonne.“

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Fr Jun 15, 2012 1:51 pm

Ethan wurde fast erschlagen von den Emotionen, die alle über ihn hereinschwappten wie eine große Welle, als Chris ihn so lange küsste. Er hatte das Gefühl, dass dieser Moment ewig dauern sollte, Banalitäten wie Atemluft spielten kaum eine Rolle, als er glücklich die Augen schloss. Er hätte Chris schon viel eher seine Gefühle gestehen sollen, dann hätte er all diese wunderbaren Momente schon viel früher haben können. Er drückte den schmalen Körper noch etwas enger an sich, es war einfach ein atemberaubendes Gefühl, den Hippie so nah bei sich zu spüren, und als dieser wieder von ihm abließ, war ihm das alles viel zu schnell gegangen. Er hätte noch Stunden so verweilen können. Er wusste, dass er immer noch rot im Gesicht sein musste, so breit wie Chris ihn anlächelte, aber dieses Mal war er nicht nur rot, weil das alles so ungewohnt und vertraut für ihn war, sondern einfach, weil der Kuss sein Blut so sehr in Wallung gebracht hatte. Er erwiderte das Lächeln des Hippies, er sah einfach so putzig aus, wie er ihn aus großen Augen anblickte. Ethan hätte ihm am liebsten sofort noch einmal so lang und innig geküsst, doch da war er schon aufgesprungen, quirlig wie er war, und hatte die Vorhänge zur Seite gezogen, die ihn in den letzten Tagen vor der Außenwelt hatten schützen sollen. Ethan blinzelte kurz, geblendet von dem Sonnenschein, der auf einmal das ganze Zimmer flutete. Er konnte sehen, wie kleine Staubpartikel durch die Luft wirbelten und in den Lichtstrahlen tanzten, und wie Chris durch die Glasscheibe nach draußen starrte, das bunte Treiben auf der Straße beobachtend.
Obwohl es schon beinahe Abend war, war noch immer unglaublich viel auf den Straßen los, so unterschied sich solch eine Großstadt doch schon sehr von den kleinen Örtchen, in denen Ethan auch schon zuhause gewesen war. Ob Chris je etwas anderes kennen gelernt hatte, das wusste er nicht einmal so genau, aber sein hibbeliges Wesen legte das eigentlich nicht nahe. Er beobachtete den Hippie eine Weile dabei, wie er das Leben unten auf der Straße beobachtete, wie er es in sich aufzusaugen schien….Ja, das war Chris, wie er ihn kannte, mit schier endloser Lebensfreude und Energie in den blitzenden grünen Augen. Ethan hatte sich beinahe vollständig in seinen Gedanken verloren, als Chris ihn zu sich rief, er erhob sich langsam und blieb hinter Chris stehen, ihm von hinten die Arme um die Hüften legend und den Kopf auf seiner linken Schulter abstützend. Irgendwie störte ihn die Hitze im Moment kein bisschen, obwohl das ganze durch die enge Nähe zu Chris natürlich nicht besser wurde. Aber es störte ihn schlichtweg nicht.
„Das wird doch klappen mit uns beiden, oder nicht?“, fragte er, ein wenig besorgt. Wenn er auch immer noch auf einer Welle der Hochgefühle schwamm, so war die Intoleranz, die vor allem sein Umfeld gegenüber solch einer Beziehung zeigen würde, dennoch drohend im Hintergrund.
Aber andrerseits….Er schüttelte leicht den Kopf, und küsste sanft Chris´ Nacken und Hals.
„Ach, es ist eigentlich auch egal, was die anderen denken“, schnurrte er leise.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Fr Jun 15, 2012 4:59 pm

Ein zufriedenes Lächeln zauberte sich auf das androgyne Gesicht des Blonden als er Ethans Hände spürte, als er sich an seine Schulter lehnte. Der Kopf drehte sich langsam zur Seite, die Augen schielten zu ihm herüber, ehe er Chris ihm einen leichten Kuss auf die Wange drückte und den anschließenden Worten des Älteren lauschte. Was für eine Frage- wahrscheinlich würde sie nie jemand beantworten können, nur das Universum wusste, wie weit es mit den beiden gehen würde und wer wusste schon, vielleicht würden sie eine sehr lange Zeit zusammen bleiben können.
„Ich sehe nichts, was uns auseinanderbringen könnte.“, warf der Hippie anschließend ein, wandte seinen Blick ab, fixierte sein Augenmerk auf das bunte Treiben. Es gab keine faszinierenderen und schrecklicheren Orte als die Großstadt selbst. Er hatte in seinem Leben so viele tolle, bunte Seiten zwischen all den Straßen und Gassen aber auch das Schlimme kam oft zum Vorschein, nicht zuletzt ihr kleines Rendezvous mit den Bikern.
Doch zum Glück wurden diese kleinen Schattenseiten von der strahlenden Sonne entfernt. Chris wusste, dass es nur auf den ersten Blick so wunderschön draußen war und dass sobald die beiden Hand in Hand durch die Menschenmassen schlendern würde, der Hass und die Ignoranz stärker zu spüren gewesen wären, als man es sich je gewünscht hätte, doch er lebte noch, er ließ sich von den anderen nicht niedermachen, weil sie es nicht verstehen konnten, weil in ihrem Spießbürgerdasein so etwas nicht vorhanden war. Weil es ihre Religion nicht erlaubte.
Dem Blonden war das alles egal, in der Hinsicht hatte er schon immer Stärke gezeigt und diese würde er vor allem jetzt unter Beweis stellen können. Wie viel Ethan jedoch in der Hinsicht einstecken konnte, das wusste der junge Mann nicht wirklich. Falten bildeten sich auf seiner Stirn, je länger er darüber nachdachte, desto mehr hatte sein Freund eigentlich zu verlieren. Er war kein Tunichtgut wie Chris, er hatte tatsächlich einen Platz in der Gesellschaft, er war Arzt und Soldat und gehörte zum allgemeinen Standard und wenn nun die Leute erfahren würden, dass er sich da einen Hippie angelacht hätte, ausgerechnet einen Hippie, der zusätzlich noch männlich war, dann würde das eventuelle Konsequenzen haben.
Aber irgendwie würden sie das schon unter einen Hut bekommen und wenn es sein musste, dann würde Chris auf Ethans geheimen Freund spielen, damit er nicht auf einen Schlag nichts mehr hatte bis auf einen aufgedrehten jungen Mann, der versuchte der Zeit voraus zu sein.
Bei seiner kleinen Welt machte er sich nämlich keine Sorgen, dass die Beziehung zu seinem Mitbewohner belastend werden könnte, ganz im Gegenteil, es war gar nicht anders zu erwarten von ihm. Seine Eltern fanden sich schon lange damit ab, dass ihr Sohn unheilbar war und seine Freunde waren vielleicht nicht von Ethan selbst angetan gewesen, aber sie hatten genug Toleranz und auch sie würden ihn verstehen und nicht verurteilen.
Der Blonde ließ seine Augen von der kleinen Welt außerhalb ihrer Wohnung ab, drehte seinen schmalen Körper dem Arzt zu, ein beruhigendes Lächeln lag auf seinem Gesicht.
„Es gibt nichts auf dieser Welt, was mich je von dir loslösen könnte. Kein Erdbeben und kein wütender Mob!“, wisperte er ihm sanft entgegen, sein Gesicht eine Weile lang musternd, ehe er sich leicht auf die Zehenspitzen stellte um seinen Freund ein weiteres Mal zu küssen. Er konnte gar nicht anders, er wollte es den ganzen Tag tun- seine Lippen kosten, seine Haut berühren und seinen wunderbaren Geruch in sich einsaugen.
Er freute sich schon auf die Tage, wo er sich seine T-Shirts ganz offiziell klauen durfte und den ganzen Tag nach ihm riechen konnte, das waren für ihn die tollsten, kleinen Momente, die man in einer Beziehung so oft es nur ging auskosten durfte.
„Und wenn sie uns hier nicht wollen, dann laufen wir davon, gemeinsam.“, Chris kicherte leise bei dem Gedanken. Er wollte schon immer so etwas tun und nun hätte er den potenziellen Menschen gehabt, mit dem er durchbrennen konnte. Auf einmal war alles möglich, sie waren frei, losgebunden von alles und jedem, was sie hier jemals halten könnte.
„Aber bevor wir ein Ausreisserpaar werden- lass uns was essen, ich hab‘ einen Bäääärenhunger!“

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Sa Jun 16, 2012 3:22 pm

Eigentlich wollte Ethan sich mit dieser Frage überhaupt nicht auseinandersetzen. Er wollte all die Probleme, die ihre Beziehung mit sich bringen konnten, ganz weit weg stoßen. Ja, vielleicht sollten sie wirklich einfach abhauen, ganz weit weg, von Luft und Liebe leben….Ja, es war doch in diesen Zeiten möglich, sich von allem löszulösen, oder etwa nicht? Sie lebten immerhin in den 70ern, sie hatten eine neue Freiheit, zu mindestens hier in Amerika. Eine Weile lang verlor Ethan sich in den Schwärmereien von fernen Ländern, von einem Leben jenseits aller Verpflichtungen. Manchmal beneidete er Chris wahrlich um seinen Lebensstil. Aber andrerseits….mochte er auch seinen Beruf, er genoss es , ein Ansehen zu haben, einen festen Platz in der Gesellschaft und ein gutes Gehalt zu haben, mit dem er sowohl sich als auch dem Hippie ein sehr angenehmes Leben ermöglichen konnte. Was ging also vor? Sie würden schon eine Möglichkeit finden, wenn der Arzt auch ein schlechtes Gewissen dabei hatte, so konnte er seine Beziehung zu Chris in der Öffentlichkeit noch etwas zurückschrauben. Auch, wenn er das eigentlich nicht verdient hatte, denn Ethan wollte ja gerne zu seiner Beziehung mit dem Blonden stehen, er wollte dieser steifen Gesellschaft dort draußen beweisen, dass ihre Liebe genauso viel wert war, wie die von jedem heterosexuellen Paar. Aber genauso, wie Chris und seine Freunde der Zeit irgendwie voraus waren, konnte wohl auch Ethan in dieser Zeit noch nicht auf ein Wunder hoffen. Während er all die Leute dort unten auf der Straße beobachtete, verspürte er beinahe so etwas wie Wut auf sie, obwohl keines der Individuen dort unten ihm je etwas getan hatte.
Erst, als Chris sich ihm wieder zuwandte und ihm erneut einen Kuss gab, wurde er aus seinen düsteren Gedanken gerissen. Er lächelte, die Unbeschwertheit seines Freundes tat ihm einfach nur gut. Er lehnt seine Stirn an die des Blonden und fuhr langsam mit den Fingern seine Wirbelsäule entlang. Er war so schmal, dass Ethan jeden Wirbel ganz eindeutig ertasten konnte.
„Mit dir würde ich bis ans Ende der Welt laufen“, murmelte er, und tief in seinem Inneren wusste er, dass er es auch so meinte. Dass er Chris immer seinem Image in der Gesellschaft vorziehen würde.
„Dann will ich uns mal schnell was kochen, bevor du noch verhungerst“, sagte er lächelnd und strich sanft über Chris´ lange Haare. Nur ungern löste er sich von dem Hippie, aber zum Kochen brauchte er leider beide Hände. Er merkte aber, wie er ihm dabei zusah, wie er Gemüse schnibbelte und Zwiebeln anbriet. Für sich selbst hatte er noch etwas Fleisch in die Pfanne geworfen, auch, wenn er wusste, dass Chris als Vegetarier das immer etwas kritisch war. Aber darüber würde sicher kein Streit entwickeln. Ethan war einfach nur froh, dass Chris jetzt überhaupt wieder etwas essen wollte. Immerhin konnte er in den letzten Tagen nicht allzu viel gegessen haben. Vielleicht würde sich jetzt alles wieder ein wenig normalisieren.
„Ich hoffe, dass Abendessen schmeckt“, summte er schließlich eine halbe Stunde später, als er mit hochgekrempelten Ärmeln zwei Teller auf den Küchentisch stellte. Selbst jetzt fiel es ihm schwer, den Blick von Chris abzuwenden und etwas zu essen. Ganz davon abgesehen, dass sein Hunger gar nicht so groß gewesen war, aber er hatte den Hippie so gerne bekochen wollen.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Sa Jun 16, 2012 6:22 pm

Chris lächelte breit, tänzelte beinahe seinem Freund hinterher in Richtung Küche, wo sich Ethan daran machte ihnen etwas Leckeres zu bereiten.
Er war froh, dass er jemanden hatte, der solche Sachen wie Kochen für in übernehmen konnte- die Fähigkeiten des Hippies reichten nur bis zu einer Fertigmahlzeit aus, alles andere ging schon weit darüber hinaus. Erneut nahm er den Platz an der Türschwelle an, beobachtete verträumt wie es brutzelte. „Ethan, die Hausfrau.“, kicherte der Blonde; diese Rollenteilung war beinahe die Ironie schlechthin, nicht dass sie ihm nicht gefiel, er mochte es umsorgt zu werden und als Dank bekam man eben seine aufopfernde Liebe und hin und wieder ein paar Scheinchen von Papa, von denen er nicht mal die Hälfte gebraucht hatte. Irgendwo war es schon zu sehen, dass sich nichts zwischen den beiden geändert hatte, dass die normalen Dinge des Lebens noch ihren Lauf nahmen, dass zumindest die kleine Welt , in der sich Ethan und Chris befanden, immer noch Bestand hatte und jetzt nur noch lebenswerter zu sein schien. Sein Freunde hatten ihn damals stets abgeraten eine Beziehung mit Menschen einzugehen, die einst beste Freunde waren, aber bis jetzt sah er kein Problem darin, eigentlich vereinfachte diese Situation doch alles. Aber vielleicht würden ja noch die ein oder anderen Problemchen auftauchen, schließlich waren sie rein ‚offiziell‘ gerade mal für ein paar Minuten zusammen, eine halbe Stunde, wenn überhaupt. Doch es fühlte sich bereits wie eine halbe Ewigkeit an, als ob sie seit dem ersten Tage, an dem sie sich getroffen hatten, zusammen waren, nur mit dem Unterschied, dass das wunderbare Kribbeln, das bis zu den Fingerspitzen reichte, einfach nicht verschwinden wollte und eigentlich sollte es auch nie verschwinden.
Der Duft vom Essen, der nun in der Luft lag, riss den Blonden aus seinen Gedanken, ein Lächeln schlich sich auf das Gesicht, als er die beiden Teller betrachtete. Nun, zugegebenermaßen war der Geruch vom gebratenen Fleisch wirklich toll, aber er würde Chris niemals dazu zwingen können, auch nur einen Bissen zu nehmen, doch sein anormales Verhalten dieser Sache gegenüber war nie ein Problem gewesen und das war auch gut so.
Mit großen Augen schaute er auf die beiden Teller, setzte sich rasch an den Küchentisch schaufelte mit seiner linken Hand schnell einen Bissen nach dem anderen.
Gott, hatte er einen Hunger und im Vergleich zum Krankenhausessen und muffigen Cornflakes war dies ein Gourmet- Mahl der ganz großen Klasse! Der junge Mann hatte das vermisst, das gute alte heimische Essen, zubereitet von seinem Arzt. Ab und an schielten die grünen Augen herüber zu Ethan, welcher, im Gegensatz zu ihm, weder schnell, noch wirklich viel aß. Er warf ihm ein dankbares Lächeln zu. Wie konnte ein Mensch nur so perfekt sein? Er hatte alles, was man sich von jemand erträumen konnte und noch dazu war er ein wirklich guter Koch! Sogar besser als die Köche damals zu Hause und das musste das heißen. Chris fragte sich, ob er ihn überhaupt verdient hatte, wo er doch selbst so wenig zu bieten hatte und nicht einmal einen Job hatte!
Es erwies sich als ziemlich schwierig auch nur ein Wort während des Essens zu sprechen, beinahe mechanisch schaufelte er mit der Gabel alles in seinen Mund bis sein Teller endlich leer war und er mit einem angenehmen Gefühl des Sattseins die Gabel auf den Teller fallen ließ und sich über seinen imaginären dicken Bauch strich. „So satt war ich seit Wochen nicht.“, brummte er Grünäugige, ehe er sich über den Tisch herüber beugte und Ethan kurz küsste. „Danke dir.“, murmelte er lächelnd, ließ seinen Körper wieder auf den Stuhl sinken, den Blick kurz auf die Uhr werfend. Die Zeit schien heute zu rennen und obwohl es bereits schon so spät war, war es immer noch hell draußen, die letzten Sonnenstahle legten sich anscheinend noch einmal richtig ins Zeug.
Chris fühlte sich wohl, alles schien nach dem Einkaufsdesaster endlich gut zu werden, selbst die Sonne teilte seine Freunde mit ihm und schenkte sie der Welt da draußen, alles war so wunderschön, bis auf…nun ja, der Abwasch. Mit einem eher unzufriedenen Blick schaute er auf die Teller, auf das Geschirr auf der Arbeitsplatte, er hatte keine Lust sich damit zu befassen..
„Also irgendwie ist mir aber nicht nach Abwasch machen, können wir nicht etwas anderes machen?“, mit großen Augen betrachtete er Ethan, Ausnahmen waren gesund und Chris hatte viele tausende Sachen im Kopf, mit denen ich die beiden eher die Zeit vertreiben konnten, als damit.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Sa Jun 16, 2012 9:10 pm

Während Chris das Essen herunterschlang, als hätte er wochenlang hungern müssen, stocherte Ethan eher desinteressiert in seinem Essen herum und beobachtete den Hippie immer wieder verstohlen dabei, wie mehr und mehr des Gemüses vom Teller verschwand. Es freute ihn, dass es ihm schmeckte, er hielt sich selbst nicht für einen besonderen Meisterkoch, alles was er konnte, hatte er bei der Armee gelernt. Aber solange es denjenigen, für die er kochte, auch schmeckte, sollte es ihm recht sein. Es gab immerhin auch Männer, die sich völlig auf die Kochkünste einer Frau verließen, und so ein Kandidat wollte Ethan einfach nicht sein. Er genoss seine Selbstständigkeit, und so hatte er Chris kleinen Kommentar vorhin auch geflissentlich überhört. Auch, wenn es ihn zum Schmunzeln gebracht hatte, dass gerade der androgyne Hippie ihn zum Waschweib abgestempelt hatte. Er musste es ihm einfach gönnen, sich hin und wieder einmal etwas überlegen zu fühlen, denn genau dann wirkte Chris einfach am niedlichsten auf ihn. Wenn er diesen leisen Triumph in der Stimme hatte, wenn er ganz genau wusste, wie selten diese Situationen waren.
Mehr aus gutem Anstand als aus wirklichem Hunger heraus hatte Ethan seinen Teller dann schließlich auch geleert, er wollte nichts wegschmeißen, dafür waren Lebensmittel einfach zu teuer. Und das waren die guten Manieren, die seine Eltern, oder besser gesagt sein Vater ihm immer eingehämmert hatten. Wenn er so darüber nachdachte, zählte er eigentlich zu genau jenen Spießern, gegen die Chris und seine Freunde so gerne wetterten. Schlimmer noch, er gehörte auch noch zum Militär. Nicht nur er selbst würde also sicher aufgrund seiner Beziehung von Freunden schräg beäugt werden, sollte sie je öffentlich werden, sondern eventuell auch Chris. Was ihm immer wieder so kompliziert erschien und seinen Kopf zum Rauchen brachte, wusste der Hippie allerdings immer in Windeseile wieder zu zerstreuen. Dann waren Ethan seine kurzen Berührungen, seine Nähe, seine sachten Küsse doch viel wichtiger, und er wollte keine Zeit an solch negative Gedanken verschwenden, wenn er sich stattdessen besser mit Chris beschäftigen konnte.
„Freut mich, dass es dir geschmeckt hat“, sagte er zufrieden lächelnd. Dann würde er hoffentlich in nächster Zeit wieder vernünftig essen und konnte auch wieder ein wenig Fleisch auf die Rippen bekommen. Er war zwar von Natur aus sehr schlank und schmal, aber in letzter Zeit schien er noch ein wenig dürrer geworden zu sein als sonst.
Beim Blick auf den Stapel an Geschirr, der sich auf der Spüle und auf dem Tisch stapelte, verzog er leicht das Gesicht, große Lust hatte er auch nicht aufzuräumen, aber er erledigte gerne alles sofort. Er verzog gespielt wehleidig das Gesicht, sah noch einmal zu den dreckigen Pfannen hinüber, die bereits im Wasser einweichten.
„Du sorgst noch dafür, dass ich genauso schlampig werde wie du…..Aber gut, das können wir auch noch morgen früh erledigen.“
Er lachte hell auf, warf dann einen kurzen Blick auf die Uhr. Wenn es das Sinnenlicht von draußen es auch nicht nahelegte, war mit dem Essen doch schon eine ganze Menge Zeit rumgegangen, und Ethan musste ernsthaft gestehen, dass er noch immer schnell müde wurde, und er hoffte, dass Chris jetzt nicht noch rauswollte oder ähnliches.
„Wir könnten vor dem Fernseher noch ein bisschen kuscheln?“, bot er mit unschuldigem Blick an und hoffte, dass Chris damit zufriedenzustellen war.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Sa Jun 16, 2012 10:43 pm

„Kuscheln? Da sag ich doch nie nein!“, breit lächelnd erhob sich der Hippie von seinem Stuhl, umfasste den Arm seines Mitbewohners, zog ihn mit sanfter Gewalt zu ihm hoch und schleifte ihn in Richtung Couch. Es gab keine besseren Abende als die guten alten Fernsehabende, irgendein netter Schwarzweißfilm und die wunderbare Nähe eines geliebten Menschen. Bei dem Gedanken konnte Chris gar nicht aufhören über beide Ohren zu grinsen.
Der schmale Körper ließ sich auf das weiche Polster fallen, neben Ethan, um dessen Taille er seine Arme schlang und den Kopf in seiner Armbeuge vergrub. Erneut war es warm um den Blonden herum, erneut roch es hier so wunderbar nach Ethan, so wohlig und heimisch, dass der Film, den sie sich gerade anschauten, nur Nebensache wurde. Seine Gedanken kreisten ganz wo anders; daran, was er und sein Geliebter nun alles tun könnten; dass Chris nun jeden Morgen aufwachen konnte, an seiner Seite, dass sie in einem Bett schlafen konnten und vielleicht sich sogar die Dusche teilen könnten- natürlich nur um Geld und Wasser zu sparen, es war viel umweltbewusster und so etwas hörte Chris schon gern!
„Wir sollten irgendwann mal ins Autokino..“, summte seine Stimme nebenbei melodisch, er ließ den Blick langsam zu dem Dunkelhaarigen gleiten. Er könnte sich den alten VW- Bus seiner Kumpel klauen und dann würden sie einen wunderbaren romantischen Abend erleben, wie Teenagerpärchen es gerne taten. Es war schön, an so etwas zu denken und es war so schön in Ethans Armen zu liegen, so schön, dass sich die grünen Augen langsam schlossen und der Blonde immer weiter in das Reich der Träume glitt, die Stimmen im Film waren nur noch ein Summen und das Flackern der Bilder war sehr angenehm und kaum merkbar.
Chris hatte schon lange keinen Schlaf gefunden, es war noch wunderlich, dass er überhaupt lange auf den Beinen stehen konnte, ohne müde zu werden, doch in der Nähe des Arztes fühlte er sich sicher, unantastbar für jeden Eindringling, für jeden fremden Menschen, der ihm vielleicht etwas antun könnte.
Er seufzte leise auf, kuschelte sich noch stärker an seinen Mitbewohner heran, zog die Beine stärker an seinen Körper ran, bemerkte kaum, dass er nicht im Bett war.
Erst als im Hintergrund Musik lief, wahrscheinlich Abspannmusik, wurde der junge Mann langsam wach. Müde rieb er sich die Augen, schaute sich kurz im Zimmer um- die Sonne war schon längst verschollen, Dunkelheit hatte sich um sie herum breitgemacht, leicht gebrochen vom Leuchten des Fernsehapparates. „Hm?“, war er wirklich eingeschlafen oder hatte er- er ließ den Blick rasch zu Ethan hochwandern- ein Glück, er war immer noch da, bei ihm, es war also alles kein Traum, ein innerer Wunsch, der niemals in Erfüllung gehen würde. Doch er wurde erfüllt!
Er lächelte glücklich, ließ anschließend vom Älteren ab, von der Couch hochspringend. „Ich glaub, ich hab den ganzen Film verschlafen? Ist er gut ausgegangen?“, fragte er anschließend, strich sich die wirren Haare vom Gesicht, ehe der Hippie erneut zum Gähnen ansetzte. Chris brauchte wirklich Schlaf, ein wenig Erholung von dem Emotionenüberschuss, welchen er heute erleiden musste.
„Lass uns ins Bett gehen, in meins, es ist kuscheliger.“

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   So Jun 17, 2012 8:52 pm

Ethan war froh, dass Chris mit seinem doch etwas lahmen Angebot zufrieden war, denn wenn er jetzt noch zusammen mit ihm durch die Stadt getingelt wäre, dann hätte ihn das einiges an Energie gekostet. Er gab es nur ungern zu, doch der Krankenhausaufenthalt machte ihm noch mehr zu schaffen. Er wollte den Hippie damit nicht belästigen, er hatte immerhin auch zu kämpfen, und würde sich sicherlich viel zu viele Sorgen machen. Also behielt Ethan die Schmerzen, die er hin und wieder noch in der Brust verspürte, lieber für sich. Die Zeit würde die Wunden schon heilen, da war er sich sicher. Er warf noch einmal einen etwas wehleidigen letzten Blick auf das dreckige Geschirr, ließ sich dann aber von Chris mit zur Couch ziehen. Im Fernsehen lief bereits irgendein Film, eine belanglose Komödie, wie Ethan schnell feststellte. Aber der Film war eigentlich Nebensache. Chris hatte sich sofort eng an ihn geschmiegt, und Ethan strich ihm immer wieder sanft durch die Haare oder über den Rücken. Auf seine Idee hin nickte er nur freudig, er wollte, bei all der Sorge, die er nach wie vor hatte, natürlich nicht gar nichts mehr mit Chris unternehmen. Sie hatten ja vorher auch hin und wieder etwas zusammen unternommen. Sie durften halt nur nicht so sehr zur Schau stellen, dass sie ein Paar waren. Und gerade in der Dunkelheit und Zweisamkeit eines Autokinos würde sie kaum jemand stören. Blieb nur das Problem, dass keiner von ihnen beiden ein Auto hatte. Der Arzt musste bei dem Gedanken leicht schmunzeln, solch eine Idee konnte einfach nur von Chris kommen, ein wenig unüberlegt vielleicht, aber dennoch liebenswürdig.
„Ja, das wäre wirklich eine gute Idee“, murmelte Ethan etwas abwesend, aber das war nicht so schlimm, denn auch Chris schien langsam die Müdigkeit zu treffen. Sicher hatte er in den letzten Nächten nicht besonders viel Schlaf bekommen. Ethan konnte sich beinahe bildlich vorstellen, wie er angsterfüllt in der Wohnung gesessen hatte, und Schlaf weitestgehend vermieden hatte. Allein bei dem Gedanken daran legte er seine Arme etwas fester um den dösenden Körper. Er hatte sich seinen Schlaf nun redlich verdient, und auch, wenn Ethan nach einer Weile die Beine eingeschlafen waren, ertrug er die Position weiter stillschweigend, weil er Chris nicht wecken wollte. Die meiste Zeit hatte er sein ruhiges, entspanntes Gesicht beobachtet, und so konnte Ethan Chris im Endeffekt auch nicht sagen, wie der Film schließlich ausgegangen war.
„Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht“, antwortete er mit einem entschuldigenden Lächeln.
Er war auch müde und war hin und wieder weggenickt, sodass er froh war, dass der Hippie anbot, endlich ins Bett zu gehen. Allein die Vorstellung, mit Chris in einem Bett zu schlafen, weckte eine wohlige Wärme in ihm, und so erhob er sich beinahe etwas hastig und folgte Chris. Vorher jedoch zwang er sich noch dazu, sich ein paar Shorts und ein altes, ausgewaschenes T-Shirt aus seinem Schrank zu holen. Bereits sehr schlaftrunken quälte er sich aus seinen Klamotten, die bereits verschwitzt vom Tag waren, und ließ sie etwas achtlos über einen Stuhl fallen. Bewusst hatte er das Oberteil recht schnell gewechselt, denn auf seiner Brust konnte man immer noch die Narben erahnen, die ihnen ihre Angreifer zugefügt hatten, und er wollte Chris nicht unnötig an das Ereignis erinnern. Chris ebenso wenig wie sich selbst. Erschöpft ließ er sich auf die Bettkante sinken, es gab nichts schöneres als sich nach einem anstrengenden Tag ins Bett zu legen. Einzig mit jemandem im Bett zu liegen war noch schöner. Chris´ Bett war zum Glück groß genug, dass sie beiden genügend Platz hatten. Dabei brauchten sie nicht einmal viel Platz, denn kaum, dass Chris neben ihm unter die Decke gekrochen war, hatte Ethan schon die Arme um seinen Oberkörper geschlungen und sich eng an ihn gelegt. Er schob ein Bein fordernd zwischen Chris´ Unterschenkel und drückte sein Gesicht in die blonde Haarpracht und brummte dann, zufrieden die Augen schließend. Dass diese Haltung die Nacht hinweg über etwas warm werden könnte, interessierte ihn nicht. Es war einfach nur so furchtbar schön, so neben Chris zu liegen und ihn ganz nah an sich heranzuziehen. Der Hippie gehörte zu ihm, und sonst zu niemand anderem. Und das sollte auch immer so bleiben.

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Living on a guitar´s strings
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