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 Living on a guitar´s strings

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mi März 31, 2010 8:54 pm

Für gewöhnlich hätte sie mehr von Kyles Nähe gesucht, aber in dieser Hitze war es einfach unerträglich, sich so nahe zu kommen. Viel zu schnell begann man zu schwitzen oder sich von der Nähe des anderen bedrängt zu vielen. Selbst das einfache Handhalten war schon zu viel Körperwärme. Was hätte Grimm alles für ein Sommergewitter gegeben, dass dem Wetter zu mindestens die Schwüle nahm. Ein wenig Wind, damit man die Luft nicht mehr mit einem Messer schneiden konnte. Aber nein, der Sommer zog sich seit Wochen so trocken in die Länge, dass die Blätter schon ganz alleine vertrocknet von den Bäumen fielen. Das würde dem Herbst einiges an Schönheit rauben. Dabei mochte Grimm den Herbst am liebsten. Die Stürme, die vielen Farben…..auch wenn er hier in der Großstadt eher grau und verregnet war. Achja, und nicht zu vergessen wie kalt es dann zwischenzeitig in ihrer Wohnung wurde, weil sie das Geld für Heizöl wieder einmal vergessen hatten. Oder es schlichtweg nicht besaßen. Die Sängerin hatte schon länger darüber nachgedacht, einen wirklichen Job zu machen, als Kellnerin vielleicht, damit sie ein festes Einkommen hatten. Aber sie hatte keinen vernünftigen Schulabschluss, keinen gestriegelten Lebenslauf vorzuweisen. Es war ja nicht so, dass sie es nicht schon versucht hätte. Aber so herrschte ständig Ebbe in ihrer Kasse. Es war ein beschissenes Gefühl, da fühlte man sich doch glatt wie ein Penner, und das obwohl man rein theoretisch doch ein festes Dach über dem Kopf hatte. Und sich ständig irgendwelchen Leuten an den Hals werfen, nur um das Essen finanzieren zu können war auch nicht wirklich das Wahre. Noch dazu ständig dieser ständige Fastfoodkram…..Grimm war Vegetarierin, sie hasste dieses ganze fettige Essen. Und der Salat in solchen Läden schmeckte meistens so labbrig wie alte Socken. Ein Grund, so hatte sie mit Schrecken festgestellt, weshalb sie in letzter Zeit ganz schön abgenommen hatte. In dieser brüllenden Hitze war ihr einfach die Lust aufs Essen vergangen. Dabei müsste es bald sogar Kyle auffallen, dass ihre Rippenknochen ein wenig zu sehr hervorstachen. Unruhig zupfte sie an ihrem Oberteil herum, sie wollte nicht, dass er sich deshalb auch noch Sorgen machte. Die ganze Sache mit den Finanzen machte ihn schon wütend genug, das spürte sie.
Sie steckte das Geld in die Tasche, steckte ebenfalls die Ratte hinein, die verärgert den Kopf heraus streckte, dann zog sie die Tür hinter sich zu. Nicht einmal zehn Dollar hatten sie zusammenkratzen können…..Was sollten sie damit schon großartig kaufen? Es war alles so überteuert, im Supermarkt brauchten sie sich gar nicht erst blicken zu lassen mit dem bißchen Kohle. Da mussten sie wohl bis morgen früh warten, wenn der nächste Gig wenigstens genug Geld für die grundsätzlichsten Dinge abgeworfen hatte. Sie hatte mal was mit einem der Burgerbrater in einem der umliegenden Fastfoodlokale gehabt, wenn sie ihm schöne Augen machte, gab er ihr manchmal ein wenig Rabatt. Dann würde das bißchen Geld wenigstens für ein Mittagessen reichen. Kyle kam oft genug mit anderen Frauen an. Sie machte Männern für gewöhnlich nur schöne Augen, wenn es ihnen auch wirklich beiden weiterhalf. So wie mit den Freaks aus der Nachbarwohnung und ihrer Dusche.
„Lass uns Mittagessen gehen. Wir mehr reichen die paar Mäuse nicht“, murmelte sie bedrückt. Eigentlich war es gar nicht so einfach, sie in ihrer guten Laune zu trüben, aber als sie später mit etwas weniger als vier Dollar in einem abgewrackten Fresslokal saßen, musste sie sich wirklich überwinden, etwas von den Pommes und dem nicht besonders leckeren Salat zu essen, den sie sich mit einem Augenzwinkern erschlichen hatte. Dabei knurrte ihr Magen wütend. Aber ihr Kopf protestierte, wollte nichts essen. Hin und wieder schob sie der Ratte in ihrer Tasche zu, dabei war es gar nicht gesund für ihn. War der Kummer denn wirklich so schlimm? Sonst ließ sie sich doch nicht so runterziehen.

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mi Apr 28, 2010 7:48 pm

"Mittagessen..ja.", murmelte der junge Mann ihr entgegen, seiner Freundin folgend.
Sowas wie 'knapp bei Kasse sein' interessierte ihn eigentlich nicht so sehr, eigentlich war es ihm auch reichlich egal, ob man nun eine Woche ohne oder mit Kohle verdienen sollte.
Er lebte mal mehrere Tage in einem Aufzug in einem der 16-stöckigen Plattenbaueinrichtungen, die es in dieser Stadt in Massen gab- Kohle hatte er damals auch nicht wirklich und selbst als er die erste Wohnung bezog, musste er sich von den Bonbons ernähren, die der Vormieter dort hat liegen gelassen. Ja, sie waren überlagert und ja, sie schmeckten schlimmer als alles andere, was Kyle je in seinem verdammten Leben gegessen hatte aber fuck, er lebte noch!
Selbst als er an so lustiges- okay, war egal.
Die müden Augen starrten entweder auf den qualmenden Asphalt oder sie beobachteten Grimm, während seine Hand fast wie zugeschweißt an ihrer klebte. Zu viel der Berührung, aber das war Kyle doch egal. Wenn man für die anderen Dinge keine Motivation fand, gab man sich mit den kleinsten Dingen zufrieden, wie es nun einmal immer der Fall war. Im Laufe der Jahre gewöhnte man sich doch wirklich daran, sich mit den kleinsten Dingen der Welt abzugeben, 'ne andere Wahl hatte man sowieso nicht.
Als sie endlich eine dieser versüfften Burgerbuden erreicht hatten, starrte er den Herrn an der Kasse missmutig an, sollte auch nur ein Blick seiner Geliebten erwidert werden, würde sein Kopf im Bratfett schwimmen. Wahrscheinlich hatte der Penner es gemerkt, weswegen er sich nicht einmal traute zu ihr aufzuschauen, als sie die Bestellung angab und dennoch gab er ihnen sogar Rabatt und er bekam sogar einen Burger mehr, als gewünscht. Ob das Fehler oder Absicht war, interessierte den Schwarzhaarigen in diesem Augenblick weniger, denn trotz der widerwertigen Hitze hatte er Hunger wie ein Bär, was gar nicht so oft vorkam.
Zwar nahm er nicht so heftig ab, wie Grimm es tat (was auch sehr seltsam aussehen würde, wenn er auf einmal aussehen würde wie ein Pfosten), aber dennoch wurden die Hosen mittlerweile viel zu groß, sodass der Gürtel ein unglaublich wichtiger Bestandteil wurde.
Gedankenverloren biss der junge Mann in seinen Burger, schaute ab und an zu Grimm und ihrem Salat, dem man eher einen mürrischen Blick schenkte. "Wir müssen uns so einen Mist nicht reinstopfen, das weißt du.", murmelte er ihr entgegen.
Klar, beide hatten keinen Schulabschluss und beide hatten nie wirklich einen richtigen Job gehabt oder gar eine Ausbildung, dennoch gab' es immer Möglichkeiten an einen Job ranzukommen, zumindest für Kyle. Er kannte Leute, die andere Leute kannten, die ihm einen Job beschaffen könnten und so sehr er es auch hasste, sich irgendwie festlegen zu müssen, so war es vielleicht gar nicht schlecht, zumindest wäre es nicht schlecht für Grimm..und ihr Rattenvieh, das zwar sowieso bald sterben würde, aber das war ha nicht die Sache.
"Ich meine..unser' Leben ist zwar cool und alles, aber vielleicht sollten wir was ändern. Ich mein, ich könnt' arbeiten gehen oder mir 'ne zusätzliche Band suchen. Die brauchen doch ständig irgendeinen Drummer."
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Kauzi
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   So Jun 20, 2010 10:46 pm

Mit einem leichten Hauch von Ekel in den Augen schob sie das restliche Essen beiseite, von diesem fettigen Zeug konnte man eigentlich nicht wirklich viel essen, ohne dass einem schlecht wurde. Das Fett hing so triefend im ganzen Laden, dass sogar ihr Salat voll davon zu sein schien. Vitamine waren vermutlich das letzte, was dieses schlaffe Grünzeug noch enthielt. Kyle hatte irgendwo Recht, auch wenn die junge Frau sich das nur ungern eingestand. Ihr Leben so war entspannt und sicher wünschten sich viele so ein Leben, aber nur auf den ersten Blick. Denn all die Freizeit hatte leider auch einen recht hohen Preis. Hoher Lebensstandard war da einfach nicht drin und manchmal wünschte Grimm sich schon durchgehend fließendes Wasser und ne Stromversorgung, die nicht gegen Ende des Monats abbrach und wohlmöglich auch am Anfang des nächsten Monats nicht wieder da war. Sicher hatten sie die Möglichkeit, sich noch in weiteren Bands einzuklinken. Aber ob diese wirklich etwas abwarfen, war fraglich. Musik war meistens nicht Sache des Könnens, sondern Sache des Glücks. Wer fand die richtigen Gigs, die richtigen Manager, kurz: Wer war zur richtigen Zeit am richtigen Ort? Und bis jetzt hatten sie dieses Glück noch nicht gehabt. Es wurde anscheinend lieber großzügig an talentfreie Loser verteilt, sowas machte das Leben ja gerne mit seinem seltsamen Humor.
„Ich kann mir auch was suchen“, entgegnete sie, während sie nervös an ihrem Piercing herumspielte. Andere Leute verzogen zumeist angewidert das Gesicht, wenn sie das Piercing hin und her drehte, aber Kyle war ja kein Spießer. Sie könnte kellnern gehen, irgendwer suchte immer ein Mädchen für die Bedienung, und wenn sie sich ein klein wenig herausputzte, würde man sie schon wohl nehmen. Es gab einige, die ihr noch einen Gefallen schuldeten. Und die sollte sie mittlerweile wohl mal einlösen, wenn sie an den bevorstehenden Winter dachte.
Irgendetwas lag heute in der Luft, und es war nicht nur der Geruch von Schweiß und Frittenfett. Eine seltsame Anspannung, die beinahe noch drückender war als die Luft hier. Sie warf einen Blick über die Schulter auf die vier Männer, die gerade den Laden betreten hatten. Ihre rasierten Schädel und die vielen Muskeln strahlten bereits den Geruch von Ärger aus. Solche Arschlöcher hatten ihr gerade noch gefehlt. Sie machte Anstalten, aufzustehen, immerhin hatten sie den Fraß hier so gut wie runtergewürgt, als sich ihr einer der Kerle in den Weg stellte. Entnervt versuchte sie sich an ihm vorbei zu schieben, für Machogehabe hatte sie keine Zeit und auch keinen Nerven.
Viermal hallte das leise Klicken entsichernder Waffen durch den plötzlich totenstillen Gastraum, ruckartig wandte Grimm sich zu Kyle um. Natürlich schlidderten sie in den allerersten Raubüberfall, den diese versiffte Bude je erlebt hatte. Zwei der Muskelpakete widmeten sich der Kasse und dem pickeligen Nerd dahinter, während der Rest sich daran machte, die Gäste auszunehmen. Als wenn sie bei ihnen viel kriegen würden. Nichts gab es noch nach diesem Essen bei ihnen zu holen. Der Kerl direkt neben ihr wandte sich ihr zu ihr um, seinem Grinsen fehlten einige Zähne und seinen Mundgeruch hätte wohl nur eine starke chemische Keule beseitigen können. Als er sie auch noch grob am Arm packte, war es trotz Waffe um ihre Zurückhaltung geschehen.
„Nimm deine Finger weg“, zischte sie wütend, während sie den Arm wegzog und sich näher in Richtung Kyle brachte. Leider war dieser Bastard etwas hartnäckiger und vor allem behielt er seine Hände keineswegs da, wo sie zu sein hatten. Eigentlich hätte sie dem Grabscher am liebsten in die Eier getreten, doch sie beließ es bei einer saftigen Ohrfeige. Damit hatte der Idiot wohl nicht gerechnet.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Jun 21, 2010 10:46 pm

"Vergiss es, es reicht aus, wenn einer von uns dem alltäglichen Monster guten Tag sagt.", entgegnete Kyle etwas angespannt. So weit müsste es noch kommen, dass seine Freundin auch noch ihr Leben hinschmeißen sollte...nein, nein, Kyle würde sich schon was suchen das würde reichen, sowas wie ihn brauchte man immer!
Als die Türen aufflogen und ungemütlich wirkende Gesichter hereinspazierten, war es dem jungen Mann reichlich egal, Überfälle oder andere Pöbeleien kannte er, es war nichts Neues in diesem Umkreis und selbst als die Waffen aufblitzten und alle sich daran ran machten, die Menschen auszubeuten, saß er weiterhin ruhig und aß seinen Burger, während sein Blick zu Grimm fiel. Beide hatten nichts, das war wohl wahr, also waren solche Überfälle eigentlich auch eine Sache, die sie niemals betreffen würde...eigentlich.
Kyle war sehr tolerant, sehr ignorant und eigentlich war ihm wirklich alles egal, doch wenn jemand sein Mädchen anpackte, dann war auch da irgendwo die Toleranzgrenze erreicht worden.
Ruhig erhob sich der Schwarzhaarige von der Bank, wanderte auf den Kerl zu, stockte für einen Moment, als seine Freundin ihn ohrfeigte. Hmm...das würde wahrscheinlich nicht gut ausgehen, doch so lange er vom Schmerz abgelenkt war und die innere Wut ihn nicht klar denken ließ, nicht dass er dies je konnte, ergiff Kyle die Chance, ballte seine rechte Hand zu einer Faust und schlug mit voller Wucht gegen das Gesicht des Mannes, drei Mal hintereinander, so schnell es nur ging.
Seine Pistole fiel krachend zu Boden, er gleich danach.
Rasch packte sich der Satanist die Knarre, mit der anderen Hand umfasste er Grimms Arm. Die anderen hatten es mitbekommen, wollten die beiden erschießen. "Glaubt bloß nicht, ich kann nicht zielen!", brüllte Kyle ihnen entgegen, während die Pistole auf den gerichtet wurde, der die Kasse ausplünderte.
"Ihr lasst uns jetzt einfach gehen und macht euren Scheiß weiter, sonst könnt ihr Tschüss zu Bimbo sagen!", fügte er anschließend hinzu, bewegte sich langsam Richtung Ausgang.
Kurz vor der Tür rannte er anschließend panisch aus der Burgerbude, seine Freundin im Schlepptau. Schüsse ertönten in seinen Ohren, doch es war ihm egal, sie mussten weg, bevor sie noch niedergeschossen werden würde.
So rannte Kyle und rannte und rannte, bis sie mindestens drei Blocks entferng von diesem Scheiß waren. Müde ließ er sich auf den Boden nieder, Grimm anstarrend. "Woa, die beschissenste Aktion, die ich je getan habe." Sein Blick wanderte zur Pistole.
"Denkst du wir können sie verkaufen?"
Hoffentlich würden die Kerle sich nicht an sein Gesicht erinnern, an ihr Gesicht. Und hoffentlich würden die Bullen nichts davon mitbekommen, obwohl dies unlogischer war.
"Auf dem Schwarzmarkt oder so.."

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Do Aug 12, 2010 10:18 pm

Grimm war es nun wirklich nicht gewohnt, dass ihr Kugeln um die Ohren flogen. Wenn sie auch in einem ziemlichen Drecksloch groß geworden war, hatte sie sich aus Schießereien weitestgehend heraus gehalten. Denn egal was es war, es konnte nicht wichtig genug sein, um sich dafür eine Kugel durch den Kopf geben zu lassen. Die Menschen hier, die eine Waffe besaßen, hatten sie nicht zur Selbstverteidigung. Sie wollten sie gegen Unschuldige –oder wenigstens weitestgehend Unschuldige, Grimm war der festen Überzeugung, dass niemand, der hier lebte wirklich unschuldig war- einzusetzen. Um Macht zu demonstrieren und sich ein wenig erhabener in dem eigenen beschissenen leben zu fühlen. Diese Leute gaben Warnschüsse nur in den Kopf ab. Die junge Frau war heilfroh, dass Kyle bei ihr war und sie einfach mit sich zog. Vielleicht hätten ihre Beine sonst nachgegeben, sie fühlten sich so oder so eher an wie Wackelpudding. Ihre harte Schale war für heute zum größten Teil aufgebraucht. Sie hatte kein Problem mit großen Machos und ihren Knarren, aber fast erschossen zu werden war schon eine Sache für sich. Sie betete inständig, dass den Räubern ihre Kohle wichtiger war als ihr Stolz und übertriebene Rachegedanken. Sie würden später vermutlich irgendeinen Passanten zusammenschlagen oder sich in irgendeiner Kneipenschlägerei abreagieren. Solche Leute waren in Gangs, nur um fadenscheinige Argumente zu haben, sich zu verprügeln. Damit sie es mit Ehre und Stolz begründen konnten, wenn sie jemandem mit den falschen Tattoos ins Gesicht traten. Grimm hielt sie für nicht mehr als ein paar dressierte Affen, die ihren Daumen nur besaßen, damit sie ihre Pistole entsichern konnten.
Als sie endlich Halt machten in irgendeiner Seitengasse, war sie völlig außer Atem: Diese blöden Zigaretten nahmen ihr noch jegliches Lungenvolumen. Sie sollte wirklich weniger rauchen. Aber das nahm sie sich schon so furchtbar lange vor und letztendlich trieb der Stress des Lebens sie doch wieder in die Arme des Tabaks. Dabei wurde ihr Konsum schon davon eingeschränkt, dass sie meistens nie wirklich viel Geld für Zigaretten hatte. Meisten schnorrte sie sich die Glimmstängel mehr schlecht als recht zusammen. Sie lehnte sich an die aufgewärmte Backsteinmauer hinter sich und nahm sich einige Augenblicke, um wieder zu Atem zu kommen.
„Diese Dreckskerle…“, schnaufte sie wütend, sie sollten sie gefälligst aus ihren Geschäften herauslassen, wenn sie schon wie Rambo mit ihren Kanonen herumfuchteln wollten. Beinahe angewidert sah sie auf die Pistole, die Kyle noch immer in der Hand hielt, sie wollte davon nichts wissen. Am liebsten hätte sie das Ding in den nächsten Müllcontainer geworfen, doch Kyle hatte natürlich recht. Besser konnten sie das Ding gewinnbringend verkaufen. Sie konnten alles Geld gebrauchen, ganz gleich, wo es herkam.
„Hast du denn Beziehungen?“, fragte sie mit einem schiefen Grinsen. Immerhin kaufte nicht jeder eine Knarre, die so offensichtlich gestohlen war. Aus leider nicht allzu weiter Ferne drangen weitere Schüsse und Schreie an ihr Ohr, schließlich auch das Heulen von Polizeisirenen. Sie stieß einen lauten Fluch aus, Schritte wurden lauter. So weit waren sie vom Ort des Geschehens noch nicht entfernt und auch sie waren nicht ganz unschuldig. Bevor die Bullen mit leeren Händen davongingen und so gar nichts bewirkt hatten, sammelten sie lieber nur zwei Pseudoverbrecher mit einer gestohlenen Kanone ein. Grimm hatte die Waffe gerade in ihren Hosenbund schieben wollen, als einige Autos mit quietschenden Reifen an der Gasse vorbeirasten, einige wütend fluchende Polizisten im Schlepptau. Sie wusste, sie saßen in der Zwickmühle, als die beiden Bullen ihren misstrauisch enttäuschten Blick auf Kyle und sie richteten. Wenn sie wegrannten machten sie sich nur zurecht verdächtigt. Doch wenn sie blieben, würde man die gestohlene Pistole finden –die vermutlich schon zuvor ungewollt den Besitzer gewechselt hatte- und man würde sie sicher irgendwie mit dem Raubüberfall zusammenbringen. Damit man wenigstens etwas vorzuweisen hatten. Und waren es auch nur zwei Freaks, die eigentlich nur zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen waren.
„Die Hände hoch und die Waffe auf den Boden!“, bellte eine raue Stimme, die Grimm schon jetzt zu Tode verfluchte. Sie ließ die Waffe zu Boden fallen. Ohja, zwei abgewrackte Wesen wie sie passten vorzüglich in das oberflächliche Raster dieser Polizisten. Und mit einer gestohlenen Waffe? Was wollte man mehr. Sein Kollege hob die Waffe auf, wog sie in den Händen, betrachtete die Seriennummer.
„Abgefeilt. Illegaler Waffenbesitz, was?“
Verdammte Scheiße.
„Ihr steckt sicher mit diesen Dieben unter einer Decke, oder?“
Eigentlich war das eine rein rhetorische Frage, denn alles was Kyle und Grimm danach noch von sich gaben, wurde schlichtweg überhört. Vermutlich eine natürliche Reaktion von Polizisten. Sie führten sie wahrlich ab, als wären sie irgendwelche Verbrecher. Bis jetzt hatte Grimm sich wenigstens eines nie zuschulden kommen lassen, und das war der Knast gewesen. Nun saßen sie wirklich hier in dieser überfüllten Arrestzelle, umringt von Leuten, die entweder genauso großes Pech gehabt hatten wie sie selbst oder wirklich Mist gebaut hatten. Wütend trat Grimm gegen die Gitterstäbe und verschränkte die Arme, immer begleitet von spöttischen Pfiffen und Rufen der anderen Zelleninsassen. Sie war nicht die einzige Frau hier, aber die Nutte, die dort in der Ecke lag, war schon nicht mehr bei Bewusstsein, hatte sich vermutlich ordentlich abgeschossen. Grimm war unendlich froh, dass wenigstens Kyle noch bei ihr war, rückte ein Stück näher an ihn heran. Nicht auszudenken, wäre sie hier allein gewesen….
„Was denkst du, wie lange lassen uns die Säcke noch hier drin?“
Sie konnten nur hoffen, dass sich alles irgendwie aufklärte und dass man sie nach ein paar Stunden hier herausließ und es keine weiteren Konsequenzen für sie hatte. Sie konnten es sich einfach nicht leisten, eine Kaution oder gar einen Anwalt zu bezahlen. Das saß nicht drin, niemals.

Manchmal fragte Ethan sich wirklich, wofür er eigentlich arbeiten ging. Er hatte langsam das Gefühl, dass er das hauptsächlich tat, um die nächste Kaution für Chris bezahlen zu können. Es war nie umwerfend viel, nicht für jemanden, der so dumm war und sich beim Gras kaufen erwischen ließ. Aber Ethan hätte gerne auch einmal ein wenig Geld für sich gehabt. Aber er konnte seinen Mitbewohner nunmal nicht einfach im Stich lassen. Gut, theoretisch hätte er das schon gekonnt, aber so herzlos war der ehemalige Arzt einfach nicht. Man konnte es Chris nicht übel nehmen, auch wenn es ärgerlich war, dass es bei weitem nicht das erste Mal war, dass ihm so etwas passierte. Es war bei ihnen mittlerweile schon fast Routine, dass er seine Kaution bezahlte. Woher sollte Chris auch das Geld nehmen? Selbst die Polizisten wusste, weshalb er hergekommen war, sie setzten ein wissendes, der junge Mann ein entschuldigendes Lächeln auf. Sie hatten es nicht eilig, als sie zur Arrestzelle hinübergingen. Die paar Minuten da drin würde er schon überleben und ein wenig Strafe musste nun einmal sein. Auch wenn Ethan nicht in der Hoffnung lebte, das Gefängnis könnte diesen Hippie ernsthaft davon abbringen, sich ständig neu mit Gras zu versorgen. Wenn er dabei nur etwas vorsichtiger wäre…..
Wie immer war die Arrestzelle hoffnungslos überfüllt. In diesem Teil der Stadt passierte immer etwas, von Drogen über Diebstahl und Rangeleien. Auf den ersten Blick fand Ethan seinen Freund in dem ganzen Gewusel nicht einmal. Unter normalen Umständen hätte er sich vielleicht an die Gitterstäbe gelehnt, aber wer wusste, was für Gestalten sich sonst noch hinter den Stäben tummelten.
„Wann lernst du endlich, dich nicht erwischen zu lassen, hm?“
Sein Ton war zwar vorwurfsvoll, aber nicht wirklich ernst.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Aug 16, 2010 10:39 pm

Ja nee, was war das denn jetzt?!
Grimmig starrte Kyle die ganze Fahrt über in den Spiegel, manchmal trafen sich die Blicke von ihm und dem Polizisten und dann starrte dieser rasch weg, als ob Kyles Blick ihn irgendwie verfluchen könnte und in diesem Moment wünschte er sich nichts anderes, als dass er es könnte, dann würden sie wenigstens nicht in den Knast kommen.
Das war ja wohl die Höhe. Da hatten sie es endlich geschafft, vor einigen Säcken zu fliehen und wurden gleich wegen illegalem Waffenbesitz in den Knast befördert, also manchmal könnte Kyle das Schicksal doppelt und dreifach ungeschützt ficken.
Die Arrestzelle war dem jungen Mann nicht unbekannt gewesen, und dennoch hatte er wenig Lust, mit all den anderen Menschen ohne Leben und ohne einer Dusche zu Hause zu sitzen. Er zog seine Freundin näher an seinen Körper, schlang seinen Arm um ihre Hüfte, während sein Blick todbringend in die Runde ging. Als einer auf sie zuging, fauchte er diesen nur wütend an...ja, Fauchen war immer gut, dann hielten ihn alle für einen Psycho und das war auch gut so!
Sein Blick wanderte zu Grimm. "Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Ohne Kaution müssen wir hier entweder einige Tage versauern oder einige Stunden..bis sie eine gute Strafe für uns gefunden haben, die Deppen.", murmelte er ihr entgegen. Wie immer, sie schnappten einen, sie ließen einen in der Zelle versauern, weil es zu viele Menschen in dieser Zelle gab und man ja jedem irgendeinen Strafe erteilen musste und das dauerte, schließlich waren ihre Mittagspausen länger als die gesamte Arbeitsschicht und das musste man ja irgendwie auskosten.
Kyle hatte so einige Vorurteile gegen Bullen, er hasste jeden von ihnen, weil ihm nie einer über'n Weg gelaufen war, der einigermaßen okay war. Nein, wirklich, es waren alles die gleichen Säcke, die alle die gleichen Motive und das gleiche beschissene, von Puderzucker verschmiertes Gesicht hatten. Kyle wollte am liebsten kotzen, mitten auf die frisch polierten Schuhe es Polizisten, der an ihnen vorbeigegangen war.
Gott, sein Hass schnürte ihm fast die Kehle zu. "Naja...kannst'e nichts machen, meine Liebe..lass uns auf der Bank solange sitzen.", der Schwarzhaarige nahm seine Freundin an die Hand, quetschte sich durch die Massen an Kriminellen, schubste die besoffenen Junkies von der Bank weg, sich mit Grimm auf diese setzend. Sollten sie doch auf dem Boden ihren Rausch ausschlafen, die Idioten.
"Lass uns solange einfach hoffen, dass kein Wichser auf die Idee kommt, uns zu nerven."

Nicht schonwieder! Diesmal hatte Chris aber keine Schuld daran gehabt, schließlich ging er ganz unauffällig zu den Kerlen, die das Zeug verkauften in die Wohnung, wo man wohl seit fünf Jahren gut dealen konnte..keiner war ihm gefolgt und nicht einmal sein Mitbewohner oder gar seine Freunde wussten davon bescheid. Er hatte sich nicht mal bei seinem Dad während eines Telefongesprächs verplappert!
Wer ahnte denn bitte, dass genau an diesem Tag die Polizei das Haus stürmen würde, anscheinend wegen einer anderen Sache aber dennoch musste es ja wieder den Blonden erwischen. Seufzend lehnte er seinen Kopf gegen die Gitterstäbe..sie hätten doch wenigstens das Gras in seiner Unterhose dalassen können, dann hätte er zu Hause, wann immer das auch sein würde, was zu tun, aber nein, war ja illegal und so. Chris konnte wirklich nicht verstehen, wie man sowas illegal finden konnte, heutzutage rauchte doch jeder Busfahrer das Zeug, es war normal, wie Milch...sollte man jetzt Milch auch illegal machen?!
Also das wäre doch nr fair gewesen.
"Ach ihr seid doch doof.", murmelte er den anderen Häftlingen entgegen, warum wusste er auch nicht, viellecht weil sie auch nichts für ihn hatten.
Der Hippie hatte ein Telefonat, das er führen durfte und eigentlich wollte er seine Eltern dieses Mal anrufen, doch hatte er Angst vor und um seinen Dad- die Polizei sollte nicht Wind davon bekommen, dass er der Sohn des Bürgermeisters war, das wäre vielleicht nicht gut für das Immage des Herren und seiner holden Frau, außerdem war Dad immer so gemein, wenn er ihn aus dem Knast rausholen musste udn wollte ihn jedes Mal mit nach Hause nehmen und ihn dort in seinem alten Zimmer einsperren, so lange, bis er endlich verstand, dass Gras und dieses Hippiedasein nicht gut für ihn war. Seine Eltern mussten es ja wissen. Nicht, dass Mum selbst irgendwie abhängig war von den ganzen Beruhigungsmittelchen.
Und so blieb ihm wieder einmal nichts anderes übrig, als seinen guten Freund und Mitbewohner anzurufen...es tat ihm so schrecklich leid, dass er ihn wieder einmal rausholen musste, doch was sollte man schon tun, die anderen Kumpels hatten nicht mal fünf dollar in der Tasche und sie hatten noch nicht einmal ein Telefon, geschweige denn eine Wohnung.
Das Leben war manchmal echt eine schlechte Party und die eingeladenen Gäste waren alle unzufrieden und Miesmacher. Da konnte ihm die Party auch gestohlen bleiben.
Erneutes Seufzen, als seine Ohren eine für ihn bekannte Stimme vernahmen. Eilenen Schrittes schubste sich Chris an der Menge vorbei, wandetre zu den Gitterstäben, Ethan anlächelnd. "Oh Gott, ich liebe dich, nein wirklich, lass dich drücken!", er streckte seine Arme nach dem jungen Mann, zog ihn zu sich, einen Kuss auf dessen Lippen drückend.
"Es tut mir so Leid, ich werde dir das Geld so schnell es geht zurückgeben, aber hole mich bitte hier raus, es ist ja furchtbar heute hier...sie haben mir mein ganzes Zeug weggenommen und die Kerle wollten was von mir."
Er deutete auf eine kleine Gruppe Biker, die ihn angrinsten.
"Sie glauben ich bin ein Mädchen..wegen meinen schönen Haaren."
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mi Aug 18, 2010 11:43 pm

Einen einzigen positiven Aspekt konnte Grimm dem ganzen Aufenthalt dann doch abgewinnen: Sie traf auf Leute, die das Schicksal noch sehr viel weiter unten abgesetzt hatte als sie beide. Es war ein klein wenig aufbauend, dass es immer noch Menschen gab, denen es viel dreckiger ging als ihr und Kyle. Daran konnte sie sich sicher noch einmal erinnern, wenn sie wieder dachte, es könnte ihnen nicht mehr beschissener ergehen. Dann würde sie an die abgerissenen Gestalten in dieser Arrestzelle zurückdenken und sich bestimmt ein wenig besser fühlen. All die Drogenopfer, Möchtegern-Kriminellen und Alkoholiker, die hier vermutlich mehr Zeit verbrachten als Zuhause. Wenn sie denn überhaupt eines hatten. Grimm ließ sich nur zu gern von Kyle mitziehen, wenn auch kein Fleck in dieser Zelle wirklich angenehm war, wenigstens konnte sie sitzen. Sie war heilfroh, dass ihre Ratte in ihrer Jackentasche eingeschlafen war, sicherlich hätte man das Tier auf der Stelle zertrampelt –vermutlich mit größter Freude. Dafür hing sie dann doch zu sehr an dem Nager. Sie konnte von Glück reden, dass man die Ratte nicht gefunden und dann abgenommen hatte. Sie warf einen angewiderten Blick auf den Junkie, den Kyle soeben von der Bank geschubst hatte und der lallend irgendetwas vor sich hin brummelte, aber keine Anstalten machte, sich wegzubewegen. Er blieb einfach stumpf liegen, auch als Grimm ihn mit ihren schweren Stiefeln anschubste. Skeptisch drückte sie sich etwas näher an Kyle, legte ihren Kopf an seine Schulter und zog eine finstere Miene. Es klang zwar merkwürdig, aber das war immerhin das erste Mal, dass sie im Gefängnis gelandet war. Und es gefiel ihr ganz und gar nicht. Sie wusste, dass zu mindestens ersteres bei Kyle anders aussah.
„Wie hältst du das hier nur ständig aus?“, fragte sie murrend, während sie die Beine über seinen Schoß legte, damit auch keiner irgendwie auf die Idee kam, sie anzugrabschen. Eigentlich grenzte das auch fast an Selbstmord, wenn man sich Kyles Laune so besah. Wobei das eigentlich eher seine Grundstimmung war. Abwesend drehte Grimm eine Strähne ihres Haares um den Finger, sogar ihren Vornamen hatte sie diesen Säcken verraten müssen. So gut wie niemand kannte ihren Vornamen! Das Kyle ihn kannte, war ein wahres Privileg und dass er sie trotzdem meistens bei ihrem Nachnamen rief zeugte nicht etwa von Lieblosigkeit. Er wusste ganz genau, dass sie ihren Vornamen verabscheute. Meri…..Das war schon ein einziger zuckersüßer Kosename. Sie fühlte sich darin einfach nicht widergespiegelt. Ab dem Alter von sieben hatte sie aufgehört, süß zu sein und das war auch so geblieben. Obwohl, wenn Kyle sie manchmal so nannte, hatte das sogar etwas Beruhigendes. Sie seufzte, während sie weiter all die Anwesenden Geisteskranken beobachtete, Kleinkriminelle, und solche, die es vielleicht einmal werden wollten. Wenn sie die Grundschule beendet hatten. Grimm sah, wie ihr einige Männer ständig Blicke zuwarfen und dann anfingen zu tuscheln wie ein Haufen Schulmädchen, aber sie musste das jetzt einfach ignorieren. Was brachte es schon, sich aufzuregen? Eine Schlägerei war jetzt das Letzte, was sie wollte, vor allem, weil sie wirklich hoffnungslos in der Unterzahl waren.

Manchmal hatte Ethan wirklich das Gefühl, nicht etwa einen Mitbewohner, sondern eher einen streunenden Hund zu haben. Man musste ihn zwar ständig vom Tierfänger zurückholen, aber er dankte es einem schließlich doch, in dem er glücklich mit dem Schwanz wedelte und einem das Gesicht ableckte. Er wusste selbst gut genug, dass Chris´ Hippiefreunde nie im Leben das Geld aufbringen würden, um ihren Kollegen aus dem Gefängnis zu holen und der Arzt wollte sich nur ungern vorstellen, was aus dem quirligen Freigeist geworden wäre, wenn er so viel Zeit hinter Gittern verbracht hätte. Er brauchte eh das meiste von seinem Geld nicht wirklich, immerhin bezahlte er wenig für die Wohnung und auch nicht sonderlich viel für Lebensmittel und dergleichen. Und er war kein Mensch, der wirklich Wert auf Luxusgegenstände legte, wenigstens das hatte er wohl mit Chris und seinen Geistesgenossen gemeinsam. Wenn sie ihn auch sonst nicht ausstehen konnten, was wollte man schon mit jemandem, der im Krieg gewesen war? Nein, das entsprach ganz und gar nicht ihrer Philosophie. Ethan konnte es ihnen nicht verübeln, solange Chris ihn dafür nicht verurteilte, war alles in Ordnung.
Eigentlich war Ethan sich ziemlich sicher, dass sein Mitbewohner ihm das Geld nicht zurückzahlen würde, jedenfalls nicht in nächster Zeit. Aber wen interessierte das schon, Ethan befand sich momentan nicht in Geldnot. Er war nur froh, Chris einigermaßen wohlbehalten wieder zu haben. Wenn auch etwas zerknautscht. Sein überschwänglicher Dank konnte Ethan mittlerweile nicht mehr wirklich überraschen, dafür lebte er jetzt lange genug mit ihm zusammen. Für einen kurzen, durch die Gitterstäbe vor allem sehr komplizierten Moment erwiderte er Chris´ Umarmung, bevor er an ihm vorbei auf die Bikergruppe sah. Sein Blick verfinsterte sich augenblicklich und er funkelte die Männer wütend an.
„Sucht euch gefälligst jemand anderen zum Angraben, ihr perversen Bastarde!“, knurrte er wütend und die Biker wandten sich mit hasserfülltem Blick ab. Mit einem kurzen Nicken holte er den Polizisten zu sich, mit dem er vorhin die Kautionszahlung geregelt hatte und das Klirren des Schlüsselbundes klang beinah wie Musik in seinen Ohren. Erleichtert legte er dem jungen Mann einen Arm um die Schulter, blickte noch einmal zurück auf die restlichen Gefangenen, die wieder eingeschlossen wurden und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Man kann es ihnen eigentlich fast nicht verübeln“, griff Ethan den Gesprächsfaden von vorhin wieder auf und zersauste dem Hippie kurz die Haare. Blieb dann schließlich doch noch einmal stehen.
„Und wegen dem Geld lass dir ruhig Zeit, ich brauch das nicht so nötig.“
Für einen Moment war sein Gesichtsausdruck ernst, doch dann kehrte das warme Lächeln zurück, das die lange Narbe in seinem Gesicht noch krummer verlaufen ließ, als sie eh schon war. Das elende Ding entstellte ihn doch schon ein wenig.


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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Do Aug 19, 2010 11:23 pm

Chris grinste den Polizisten breit an, winkte ihm zum Abschied, ehe er seinem Mitbewohner hinterhereilte. Zu fragen, ob er sein Gras wiederhaben konnte, war wahrscheinlich keine so gute Sache und bis jetzt kam es auch nie vor, dass sie auf seine Bitte eingingen. Die Polizei von heute war echt gemein, steckten alles in ihre Tasche. Bestimmt saßen sie da irgendwo und rauchten gerade das Zeug, ja so musste es sein!
"Findest du?", gab er anschließend von sich, lächelte Ethan fröhlich an und schlang sogleich seine Arme um den Hals des jungen Mannes, ihn kurz umarmend. Chris mochte Ethan sehr, er war so etwas wie ein nicht wegzudenkender Freund für ihn gewesen, ganz anders als all seine anderen Kumpels und gar das Gegenteil des fröhlichen, blonden Gemüts. Konflikte gab es jedoch immer noch zwischen ihm und den anderen Hippies, die wahrscheinlich niemals verstehen würden, was er an ihm nur fand. Nun ja...eigentlich konnte er das sich selbst nicht wirklich beantworten, er mochte ihn einfach und irgendwo tat es ihm Leid, dass er ihn den Krieg ziehen musste, ganz gleich ob er gegen seinen Willen das gemacht hatte oder nicht. Vielleicht war der Grünäugige aber auch einfach zu gut zu der Welt, zu freundlich zu den Menschen und vielleicht weniger engstirnig aber sollten das nicht eigentlich alle sein?! Setzte er sich in all den Jahren nicht für diese Gemeinschaft ein, für ein Leben ohne Vorurteile und Wut, in einer Welt, wo kein Mensch ausgegrenzt wurde, auch nicht die, die so anders sind und die die Werte und Normen eines Hippies verachten, wenn nicht gar ausrotten wollten?! Eigentlich dachte er immer, dass sie genau das bewirken wollten, doch anscheiennd waren nicht alle so, es gab eben immer noch ein gewisses "die sind doof, wir mögen sie nicht"- Denken und Chris war mehr als nur froh gewesen, dass er nicht so ein Mensch war..er durfte es sich auch gar nicht erlauben.
"Ach, du bekommst es bald wieder, wirklich.", murmelte er nach einer Weile, lächelte nebenbei einige Mitarbeiter der Polizei an, ehe sie endlich das Gebäude verlassen konnte.
Es war bereits später Abend und Chris fragte sich, wie lange er eigentlich in dieser Zelle versauern musste. Dort drinnen verlor man wirklich das Zeitgefühl ab dem Moment an, als man das Gebäude betrat. War bestimmt alles Absicht, man konnte der Regierung heute nicht einmal eingesperrt in einer Zelle trauen!
"Sagmal, Ethan, wollen wir noch was machen oder gehen wir sofort nach Hause?", Chris war nicht wirklich nach nach Hause gehen, dafür hatte er zu viel Energie übrig, die rausgelassen werden sollte. Vielleicht würde er eines seiner alten Dates in irgendeiner Kneipe wiederfinden, vielleicht könnte er auf einer öffentlichen Toilette seine Energie rauslassen, aber das war alles nur Spekulation udn eigentlich wollte er gerne etwas mit seinem Mitbewohner tun, seinem großen Retter des Tages. "Ich will irgendwohin, keine Ahnung, ein wenig feiern, ein paar Leute finden, die Zeit vergessen, heute ist so ein warmer Tag.", wie eigentlich jeder Tag, aber das war toll, so toll..

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   So Aug 22, 2010 11:21 pm

Es tat gut, wieder an der frischen Luft zu sein, dort drinnen hatte es irgendwie gestunken. Nach menschlichem Abfall. Kein schöner Geruch, nein. Das roch nach Drogen, nach Blut und nach Geldgier. Er war wirklich erleichtert, dass er Chris da so schnell wieder hatte rausholen können. Nicht, dass ihm nachher noch etwas passierte, denn Ethan war sich sehr sicher, dass der Hippie nicht gerade ein Meister in der Selbstverteidigung war. Und ganz ehrlich, was sollte ein Einzelner auch schon gegen eine ganze Gruppe ausrichten? Da logen einen die ganzen tollen Filme doch alle nur an, kein normaler Mensch konnte es mit einer Gruppe Schläger aufnehmen. Man entwickelte nicht plötzlich einen übermäßigen Mut, der einem zum Ninja machte, und erst recht kam nicht zufällig ein Superheld vorbeigeflogen. So lief das in der realen Welt nunmal nicht. Dort wurde man krankenhausreif geprügelt, wenn einem so etwas passiert. Oder schlimmeres. Manche konnte man danach nur noch in einer Holzkiste fortbringen. So war das Leben nun einmal, und Ethan wusste, dass Menschen zu noch viel grausigeren Dingen fähig waren. Im Krieg konnten sie Personen entsetzliches antun, dabei hatte dieser Mensch ihnen persönlich nicht einmal etwas getan. Ja, so war Krieg und in dieser Hinsicht konnte Ethan all die Hippies wirklich gut nachvollziehen. Krieg war unnötig und selten genug waren es seine Auslöser, die am Ende die Quittung dafür bekamen.
Nachdenklich strich der junge Mann sich einmal über die Narbe, eigentlich war er müde, doch er kannte diese Müdigkeit. Sie ging vorüber nach ein paar Bier und netten Gesprächen. Also genau das, was Chris vorhatte. Und irgendwie hatte er ja auch recht. Heute war ein chaotischer Tag gewesen. So konnte er doch wenigstens angenehm enden. Auch wenn der Arzt sich jetzt schon nicht einmal vorstellen wollte, welch eine Sauna die meisten Bars und Kneipen bei diesem Wetter gleichen würden. Trotzdem nickte er lächelnd, den Gefallen konnte er Chris nun auch noch tun.
„Meinetwegen, dann lass uns deine Freiheit begießen“, antwortete er grinsend. Dabei war seine Gefangenschaft nicht einmal wirklich lang gewesen, aber Ethan war sich sicher, für Chris lang genug. Und Ethan selbst fand eigentlich auch nicht, dass man für den Besitz von Gras unbedingt in die Arrestzelle kommen musste. Wieder einmal ein Zeichen davon, wie festgefahren ihre Gesellschaft war. Vermutlich sehnten sich so viele nach einem Wandel, wie schon lange nicht mehr. Man merkte es an den ganzen Hippies, die von Frieden und Liebe sprachen, an den Rockern und den Punks, die überall ihre Musik verbreiteten. Rebellentum war momentan überall. Ethan mochte diese Leute, auch wenn er sich ihnen nicht wirklich zugehörig fühlte. Aber er beobachtete ihren Enthusiasmus gerne von einem neutralen Punkt aus.
„Ich geb ´ne Runde aus“, lachte er fröhlich, während sie sich auf dem Weg zur nächstbesten Kneipe machten.

Ganz sicher, wie sie es bis zu diesem Punkt geschafft hatten, war Ethan sich nicht, es war lange her, dass er sich so sehr die Kante gegeben hatte. Fast hätte er vergessen, wie grauenvoll und wunderbar zugleich es war, betrunken zu sein. Was für Läden sie alle abgelaufen waren, er wusste es nicht mehr und wie viel Geld er jeweils dort gelassen hatte wollte er gar nicht wissen. Heute war wirklich sein spendabler Tag gewesen. Man merkte es, Chris ging nicht weniger torkelnd neben ihm her, er hatte wieder einen Arm um seine Schulter gelegt. Gut, dass das hier San Francisco war. Wer kümmerte sich da schon um zwei besoffene Idioten, die ja doch im Grund zu lieb waren, um irgendwen blöd anzupöbeln. Jetzt mussten sie nur irgendwie nach Hause kommen, Ethan war selbst im angenebelten Zustand klar, dass sie so nicht irgendwo in einer Seitengasse liegen bleiben konnte. Man hätte sie sicherlich ausgeraubt, auch wenn sich Ethan sicher war, dass er gar nicht mehr viel hatte, was man ihm noch wegnehmen könnte. Er war ziemlich blank, doch das hatte er gebraucht. Den Weg nach Hause zu finden war das letzte Hindernis, und eigentlich war das nicht schwer. Sie waren auf dem richtigen Weg und allzu weit war es auch nicht mehr. Hin und wieder erzählte er Chris etwas, aber er war so angetrunken, dass er selbst nicht mehr wusste, was. Er konnte es ja nicht einmal verstehen! Aber vielleicht konnte Chris daraus ja irgendwas machen. Spätestens morgen früh war es ja doch wieder vergessen.
Ethan verharrte, als er bemerkte, dass sie in eine ihm unbekannte Gasse gelaufen waren. Schwankend blieb er stehen, sah sich nachdenklich um. Er hörte Stimmen und Schritte, die sich ihnen näherten. Sie mussten umdrehen, hier kamen sie nicht nach Hause, nur wieder zurück ins Kneipenviertel. Die Stimmen waren nun sehr nahe, und als Ethan sich wieder umdrehte, um zurück zu gehen, stand ihm eine größere Gruppe Menschen gegenüber. Noch nie hatte ihn etwas so schnell wieder nüchtern gemacht. Er kannte diese Visagen, grimmig wie ein Pitbull und das Grinsen darauf war hämisch und böse wie das einer Hyäne. Ethan hörte irgendetwas klirren, dann traf ihn etwas mitten im Gesicht und warf ihn von den Beinen. Für nur eine Faust war das viel zu hart und metallisch gewesen. Jaulend hielt er sich das schmerzende Gesicht in dem Wissen, dass es noch längst nicht vorbei war.
„Wir sind also perverse Bastarde, ja?“, zitierte einer der Rocker mit Genugtuung Ethans vergangene Worte. In solch einer großen Stadt mussten sie nachts zum denkbar unpassendsten Zeitpunkt natürlich einer Band aggressiver Schläger in die Arme laufen, die sie zuvor beleidigt hatten in der törichten Annahme, sie würden sie nie wiedersehen. Man trat nach ihm, er konnte nicht sehen, was sie mit Chris machten, versuchte nur panisch, sich aufzurichten. Er sah im Augenwinkel eine Gestalt zu Boden gehen und hörte das unverkennbare Geräusch von Tritten. Ethan erinnerte sich auch daran, dass er wie irr Chris´ Namen gerufen hatte, während man ihm einen schweren Stiefel auf die Brust gesetzt hatte und ihm noch einige Tritte verpasst hatte.
„Ihr seid eben doch nur Mädchen, Schwuchtel“, höhnte einer der Männer, während er den halb bewusstlosen Körper des Hippies zu sich hinaufzog und ihm ein Butterfly an die Kehle setzte. Ethan wollte protestieren, doch ein schwerer Stiefel drückte sein Gesicht gegen den Boden und ein Tritt in die Wirbelsäule brachte ihn zum Schweigen, während er die zehn Rocker mit den schlimmsten Beschimpfungen übersäte, die ihm gerade einfielen. Was, wenn diese Kerle sie hier einfach umbringen würden? Ethan hielt das durchaus für möglich.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Aug 23, 2010 12:41 am

Für Chris war es nichts Neues, betrunken durch die Straßen zu schlendern, unwissend, ob man je zu Hause ankommen würde und naja..sollte es nicht so sein, dann würde er eben auf der Parkbank übernachten, Ethan könnte ja mitmachen.
Grinsend lehnte sich der Blonde an seinen Mitbewohner ran, murmelte Unverständliches vom Leben und der Welt und seinen Eltern, vor allem seinen Eltern..er redete nie so oft über diese Sippe, es sei denn er war so dicht, dass er sich selbst nicht zuhören musste und genau jetzt war dies auch der Fall gewesen.
"Und dann meinte dieser Penner doch zu mir: "Junge...Junge, mach was aus deinem Leben." und ich sagte nur zu dem- back' dir 'n Leben, Alter.", leierte er seinem Freund entgegen, schwieg kurz, ehe er anfing laut zu lachen, obwohl es nicht einmal wirklich komisch war, aber Chris liebte die Vorstellung, wie sein Vater in der Küche versuchte ein Rezept für das Leben zu finden..es wäre zumindest eine gute Sache, für ihn.
So viel, wie der Hippie sprach, bemerkte er nicht, dass sie falsch eingebogen waren, folgte einfach seinem Mitbewohner..der war immer der mit der besseren Orientierung, das war immer so und dass es nun anders war, nur weil er betrunken war...nun, das ahnte der junge Herr nicht im geringsten. "Ach drauf geschissen, dann gehen wir doch wieder einen tr-", er stockte, als die beiden von einigen Männern umkreist wurden, alle lachend mit irgendwelchen Sachen bewaffnet, die er nicht wirklich erkennen konnte. Mit zusammengekniffenen Augen versuchte er die Kerle zu erkennen, doch für ihn waren sie alles nur eine verschwommene Masse, gekleidet in schwarzen Klamotten, ausgerüstet mit hässlichen Stimmen. Sie sagten etwas zu Ethan, doch Chris verstand nicht was. "Hey hey hey, Gewalt ist echt uncool.", murmelte er ihnen nur entgegen, versuchte irgendwie diese dämliche Situation zu umgehen, doch daraus wurde anscheinend nichts. Kaum waren die Worte gesprochen, schon fand sich eine Faust in seinem Gesicht wieder. Sein Kiefer knackte gefährlich, jedoch hatte der betrunkene Hippie keine Zeit sich um so etwas zu kümmern, da bereits eine neue Faust auf ihn zukam und seine nicht mehr vorhandenen Reflexe ausgenutzt wurden. Er wollte noch etwas sagen, doch das Blut in seinem Mund ließ es nicht zu.
Chris hatte ja alles erwartet, aber dass er und sein Freund nun von einer wütenden Meute Wasauchimmer zusammengeschlagen wurden...naja, das war irgendwie nie etwas, an was er gedacht hatte und auch jetzt bekam er, zwischen all den Tritten in der Magengrube, den blanken Fäusten im Gesicht, kaum die Chance nur an etwas zu denken, oder etwas zu sagen, geschweige denn irgendwie Ethan aus der Sache rauszuholen. Sie zerrten ihn hoch, ein Kerl grinste ihn breit an, als er auch mit seinem Aluminiumschläger ausholte und ihm volle Wucht gegen den Kopf schlug. Ab da wurde alles schwarz um ihn herum, Chris fiel in Ohnmacht und bekam nichts mehr mit. Er wusste nicht, was sie mit ihnen taten, er bemerkte ja noch nicht einmal mit, wie die beiden achtlos mitgeschleppt wurden, auf die Motorräder gesetzt wurden und die Kerle mit ihnen wegfuhren, wohin auch immer. Das laute Aufheulen der Motoren drang in seine Ohren und dennoch erschien es ihm so, als wäre dies ein Traum und nichts weiteres.
Erst, als das Surren und Schnurren der Motorräder verstummte, öffneten sich seine Augen langsam. Verwirrt blinzelte er einige Male, bis der milchige Film vor seinen Augen nach und nach verschwand und dennoch wurde er nich schlau aus dem, was seine Augen sagen. Sein Kopf dröhnte, es fühlte sich noch schlimmer an als nach einem Kater, viel viel schlimmer, doch der Schmerz, der durch seine Gliedmaßen pulsierte, ließ den Kopf gar im Schatten stehen. Das Atmen wurde zu einer Überwindung, bestimmt hatten sie ihm eine oder vielleicht sogar mehrere Rippen gebrochen..anders konnte man es sich auch nicht erklären.
"Wo sind wir...", keuchte der Blonde, spuckte das Blut, dass sich in seinem Mund gelagert hat, nebenbei auf den Boden, irgendwer rief ihm etwas wütendes Entgegen und sogleich schlug ihn jemand mit der flachen Hand, als man ihn auch an den Armen weiterzog, sein restlicher Körper wie ein Schwamm hinterhergezogen wurde und am Boden herumschliff, selbst Ethan erging es nicht anders und das konnte Chris gar nicht haben. Mit der letzten Kraft, die er noch hatte, versuchte er sich irgendwie loszureißen, doch umso mehr er sich wehrte, desto fester wurde der Griff des Mannes um seine Handgelenke. Gelähmt vom Schmerz, ließ Chris es anschließend sein, ließ sich achtlos auf den harten Fußboden schmeißen. Seine Augen schauten sich hektisch um, erkannten ein Sofa in der hintersten Ecke, daneben ein Fernseher, der mit leiser Lautstärke tausende Bilder an die glotzenden Kerle weiterleitete. Jemand brachte einen Stuhl, stellte ihn nicht weit weg von ihm hin, dann wurde die Sicht von mehreren Beinen versperrt. Er hörte wie Ethan sie beschimpfte, wie er sich gegen etwas sträubte, jedoch wusste der Freigeist nicht wogegen. Erst, als die Biker abgezogen waren, starrten die grünen Augen genau auf die gefesselte Gestalt Ethans. Die Pupillen weiteten sich automatisch, Chris versuchte sich mit seinen Armen nach oben zu stemmen, wollte Ethan raushelfen, doch rasch wurde er wieder zu Boden getreten. "Lasst ihn...lasst ihn gehen.", wisperte er in den Flusenteppich unter seinem Körper rein. Tränen rannen über das Gesicht des jungen Mannes. Er wollte nicht, dass sie ihm was antaten.
"Oh keine Sorge, mein Kleiner, den lassen wir in Ruhe..die Schwuchtel bekommt nur eine kleine Showeinlage zu sehen, damit er für immer ein wunderbares Bild vor Augen hat, wenn er wieder mal versucht irgendwenn zu knallen.", die Stimme kam ihn bekannt vor und umso schneller sein Gehirn anfing zu arbeiten, desto panischer wurde Chris. Die Kerle aus dem Knast, das waren sie und wahrscheinlich befanden sie sich gerade in ihrem Revier. Erneut versuchte er zu fliehen, irgendwie zu entkommen, doch es brachte nichts, es war zwecklos.
"Schau gut zu.", Chris wollte nicht wissen, was Ethan jetzt zu sehen bekommen sollte, sah nur, wie ein Kerl seinen Kopf genau in dei Richtung von ihm un den anderen hinbewegte und die Panik in seinem Inneren stieg.
Jemand hielt seine Hand- und Fußgelenke fest, während ein andere an seinem Hosenbund rumfummelte. Klirrend fiel sein bunter Gürtel zu Boden.
"Nein...nein nein nein!", schluchzte der Hippie nur, als sie ihm die Hose samt Boxershorts runterzogen. Noch nie hatte er so viele Tränen vergossen wie in diesem Augenblick und ehe er noch etwas rufen konnte, spürte er einen unerträglichen Schmerz. Während die anderen lachten, schrie Chris sich die Seele aus den Leib und mit jeder Bewegung, die der Mistkerl machte, wurden die Schreie immer lauter, der Schmerz immer unterträglicher. Es war erniedrigend, es war furchtbar und selbst das alles war noch zu ertragen, würde Ethan nicht gleich neben ihm sitzen und zuschauen. Chris wollte nicht, dass er ihn so sah, dass er vor allem zusah, es war ein grauenvolles Gefühl, sodass der junge Mann zum ersten Mal sich wünschte, in diesem Augenblick tot zu sein.

Kaum war der eine fertig, kam ein anderer und der Schmerz nahm kein Ende, immer wieder drang ein anderer Mistkerl in ihn ein und es kam ihm vor, als ob sie immer grober mit ihm umgingen. Seine Schreie wurden nur noch als Motivation gesehen, jede noch so vergossene Träne machte diese Arschlöcher geil..Chris war nicht mehr fähig irgendwelche Tränen zu vergießen, schluchzend und wimmernd ruhte sein Kopf auf dem Teppich, der nach Katze und Staub roch. Er hatte keine Kraft mehr zu schreien, seine Kehle schmerzte zu sehr, der Schmerz betäubte ihn und er fühlte sich leer, so leer wie noch nie.
Er hatte bereits aufgehört zu hoffen, dass dies hier ein Ende nahm, als plötzlich für einige Zeit keine Bewegung den jungen Mann rüttelte, als niemand mehr von den anderen angefeuert wurde. Chris schloss für einen Moment die Augen und verlor erneut für eine Weile das Bewusstsein.
Als er erwachte, fand er sich in einer Gasse wieder, neben ihm lag Ethan- er sah nicht besser aus, mit seinen Wunden und dem Blut, das anscheinend überall klebte.
Langsam kroch Chris zu dem jungen Mann hin, rüttelte an ihm. "Ethan...sag was.", schluchzte er mit heiserer, beinahe schon quietschende Stimme. "Ethan, bitte!"
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Aug 23, 2010 1:46 am

Rote Dunkelheit umwaberte ihn und er wusste nicht mehr war. Jegliche Orientierung und sogar jegliches Zeitgefühl hatten ihn völlig verlassen. Dabei konnte noch nicht so viel Zeit vergangen sein, denn als Ethan grob aus seiner Bewusstlosigkeit gerissen wurde, war es immer noch Nacht. Aber diese Nacht war irgendwie anders. Sie war sehr viel blutiger und von verzerrten Stimmen durchzogen. Das hier war schlimmer als Krieg, so viel schlimmer. Auch wenn Ethan sich das nie hätte erträumen können. Aber diese Menschen taten das einfach aus Spaß. In was für einer kranken Welt waren sie hier eigentlich gelandet? Was dachten sich diese Wixer eigentlich dabei? Wollten sie sie einfach umbringen wie ein paar streunende Hunde, deren Verschwinden niemand bemerkte? Nein, das war ihnen zu einfach, was sie vorhatten, war viel schlimmer. Es steckte nicht mehr viel Kraft in dem zusammengeschlagenen Körper, er hatte das Gefühl, dass er ungefähr doppelt so viele Knochenteile hatte wie zuvor, nichts schien mehr ganz zu sein, während sie ihn grob über den Boden schliffen wie eine bewegungslose Puppe. Und so viel er auch zappelte, sie ließen nicht los. Sein Mund war voller Blut, das ihn fast zu ersticken drohte. Nur kurz konnte er einen Blick auf Chris erhaschen, dem es nicht besser erging. Sie schlugen sie wieder nieder, immer wieder, sodass der Arzt sich fragte, woher er überhaupt noch die Kraft nahm, sie zu beschimpfen und sich zur Wehr zu setzen. Seine Muskeln schienen zu arbeiten, ohne dass sein Hirn für sie denken musste. Und doch hatte er nichts gegen diese Gruppe auszusetzen. Ein schreckliches Gefühl der Hilflosigkeit erfasste ihn, als sie ihn grob auf einen Stuhl drückten und seine Hände mit groben Seilen zusammenbanden.
„Lasst mich los, ihr Penner!“
Er wehrte sich, und doch nützte es ihm nichts, sie waren einfach zu viele und er zu geschwächt. Er konnte Chris dort liegen sehen durch einen Schleier aus Blut, der sein Sichtfeld tränkte, und doch sah er viel zu viel. Er versuchte den Kopf panisch abzuwenden von dem grauenvollen Szenario, doch immer wieder riss man seinen Kopf so grob herum, dass er es beinahe knacken hörte.
„Schau gefälligst hin!“
Und jedes Mal, wenn er die Augen schloss, so fest er nur konnte, versetzte man ihm einen Schlag in die Magengrube, sodass er sie unweigerlich aufriss und sich die Bilder in seinen Kopf einbrannten. Wie Chris dort lag und weinte, schrie….Er würde es nie vergessen. Egal, in wie viele Kriege man ihn einziehen mochte, diese Bilder würde nichts verdrängen. Wie sie sich alle notgeil um sie scharten und auch noch anfeuerten, was dort geschah, für sie war das keine Vergewaltigung, sondern ganz private, persönliche Belustigung. Ethan riss an den Fesseln, er wollte ihnen die Innereien ausprügeln und Chris mitnehmen, so weit und schnell fort, wie es nur irgend möglich war, aber es nahm einfach kein Ende. Irgendwann konnte er nichts anderes mehr als die Augen zu schließen, er biss sich so fest auf die Unterlippe, dass das Blut ihm in den Mund quoll.
„Ihr seid doch krank, ihr kranken Schweine…….“
Es reichte nicht einmal, die Augen zu verschließen, denn allein alles zu hören, war grausam genug. Er hatte den Hippie zuvor nur glücklich erlebt, wenn irgendetwas sein Gemüt trüben konnte, war er höchstens ein wenig verstimmt gewesen. Aber jetzt schrie und weinte er, dass Ethan am liebsten die Hände vor die Ohren geschlagen hätte. Um nichts mehr zu hören, keinen gepeinigten Schrei mehr. Er konnte sich selbst schreien hören vor Wut und Verzweiflung, aber all das war vollkommen nutzlos. Bis sie dem ganzen Spiel schließlich ein Ende setzten, bis Chris schließlich überhaupt keinen Laut mehr von sich gab. Der Arzt hatte solch große Panik, dass sie ihn umgebracht hatten. Er rührte sich nicht mehr, doch Ethan war noch bei Bewusstsein, sah, wie der letzte Rocker beinahe beiläufig seine Hose wieder schloss und neben dem Hippie auf den Boden spuckte. Über Ethans Wangen rannen heiße Tränen, er brauchte Hilfe, sonst starb er wohlmöglich, er-
Ein heftiger Schlag durchbrach seine Gedanken, als die Rocker mit neuer Wut begannen, auf ihn einzuschlagen. Und als sie dann irgendwann ihre Messer zückten und begannen, ihm beinahe fein säuberlich Buchstaben um Buchstaben ins Fleisch zu ritzen, wollte er nichts anderes als sterben. Nein, es war keine Wut, die sie antrieb, es war Spaß und Freude daran, andere Menschen so ins Unglück zu stürzen, dass sie sich vermutlich alle Knochen brachen und dass ihre Seele um Grund des Loches zerschellte. Der Arzt blieb nicht mehr lang bei Bewusstsein, vielleicht war so ja Sterben. Vermutlich waren seine inneren Organe schon längst viel zu schwer beschädigt. Wahrscheinlich verblutete er gerade innerlich, während die Rocker die beiden Gestalten wieder nach draußen schliffen. Sie brachten sie wieder zurück in irgendeine Seitengasse. Niemand bemerkte die schwer verwundeten Gestalten, sahen sie doch auf dem Motorrad aus wie schwer betrunkene Kameraden. Sie hatten den Hippie sogar wieder angezogen, als wäre nichts geschehen. Als wäre einfach nichts passiert.

Er spürte eiskaltes, nasses Pflaster unter seinem Körper. Hatte es geregnet? Nein, das war kein Regen, das war Blut. Sein Blut. Er konnte sich gar nicht vorstellen, woher all das Blut kommen sollte, was- Blitzartig kamen die vergangenen Stunden in ihm wieder auf und während er irgendwie versuchte, sich aufzustemmen, erbrach er sich. Eine Stimme kam irgendwie in sein schmerzerfülltes Delirium, ein beinah panisches Kreischen. Ethan wollte sich aufrichten, aber es zwang ihn wieder in die Knie. Irgendwie gelang es ihm sich an nächstbeste Hauswand zu lehnen, schwer atmend, das Blut rann aus seinem Mundwinkel, als wollte es gar nicht wieder aufhören zu fließen. Die Augen schafften es nur sehr sehr mühsam, sich auf die Figur vor ihm zu fokussieren. Irgendwann erkannte er Chris, Bilder überrannten ihn wie eine Horde fliehender Tiere und er musste sich schwer zusammenreißen, um sich nicht noch einmal zu übergeben. Tränen rannen erneut über seine Wangen, als er es irgendwie fertig brachte, die Arme um den Hippie zu legen und ihn an sich zu ziehen.
„E-Es tut….tut mir so Leid….Ich hätte dich doch beschützen müssen“, schluchzte der junge Mann leise. Sein Griff wollte sich verstärken, als grauenvoller Schmerz durch seine Brust zuckte. Erst jetzt wurde ihm bewusst, wo all das Blut herkam. Tief hatten sie ihm die Wort eingeritzt, beinahe die krakelige Schrift eines Erstklässlers, quer über seine Brust.
Schwuchtel
Der Anblick des Blutes machte ihn schwindelig, er starrte weiterhin schockiert auf das viele Blut, das überall klebte. Wenn nicht irgendjemand sie fand und einen Krankenwagen rief, würden sie elendig verrecken wie zwei Ratten in der Gosse.
„Oh mein Gott, es tut mir so L-Leid….“
Immer wieder wisperte er das vor sich hin, all seine Kraft verbrauchend, aber er konnte nicht fassen, was sie seinem Freund angetan hatten. Und das, während er dort hilflos saß und zuschauen musste. Erneut begannen seine Sinne, ihm zu schwinden, er wollte etwas dagegen tun, aber die Blutlache, die ihn umgab, war um einiges größer geworden. Die Hand, die irgendwie beruhigend durch die langen blonden Haare gestrichen hatte, fiel regungslos herunter. Einzig die schweren, flacher werdenden Atemzüge blieben. Und immer wieder riss er doch die Augen auf, damit er sicher war, dass er noch nicht tot war, um zu sehen, dass Chris noch am Leben war, irgendwie……

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Aug 23, 2010 4:26 pm

Noch nie war Chris so froh darüber gewesen, Ethan zu sehen..lebendig, schließlich hatte er für einen Augenblick doch tatsächlich geglaubt, dass er tot war..einfach so und ihn hier allein ließ. Dich dem war nicht so.
Der junge Mann rutschte näher zu ihm hin, vergrub sein Gesicht in der Schulter des jungen Mannes und schluchzte vor sich hin, leise, nur für sich, damit Ethan es auch nicht hörte..es war ja schlimm genug, dass der Hippie ihn in die Situation mit reingezogen hat. Wenn er ihn nicht angerufen hätte, wäre das alles nicht geschehen, Ethan hätten sie in Ruhe gelassen, wahrscheinlich würden sie nicht mal wissen, wer er war und nun...nur weil er Angst hatte seinen Vater anzurufen, hatten sie ihm das angetan. Chris konnte sich selbst nicht verzeihen und konnte erst gar nicht die Worte des jungen Mannes verstehen. „Nein..“, wisperte er. „...nein, es ist meine Schuld.“, fügte er mit gebrochener Stimme hinzu. Das war's, er würde er nie wieder Gras rauchen, er würde nie wieder Ethan darum bitten, die Kaution zu bezahlen, er brachte ihn nur in Schwierigkeiten mit seinem dämlichen Lebensstil, er war nicht besser, als all die Mörder da draußen.
Sein Blick wanderte zu der Wunde seines Mitbewohners, panisch starrte er auf die Blutlache neben ihnen und wusste nicht so genau, ob dies alles nur Ethans Blut war, oder auch seines irgendwo klebte, Chris wusste noch nicht einmal, wo überall Wunden waren, er spürte nichts, fühlte sich wie gelähmt, als hätte er keine Gliedmaßen mehr an seinem Körper, die er irgendwie bewegen konnte.
Was war das nur für eine Welt, wenn man jemanden so zurichten konnte?! Warum mussten alle immer diese Gewalt anwenden- der Blonde verstand es nicht und eigentlich wollte er es auch nicht verstehen, es war schon schlimm genug zu wissen, dass so etwas nicht nur in Filmen oder in der Zeitung existierte, sondern auch in jeder Gasse, die man spät nachts lieber nicht betreten sollte. Chris war sich in all den Jahren doch so sicher gewesen, dass er neben Schlägereien nichts weiteres erleben würde.
Als sich der Griff Ethans von ihm löste, machte sich erneute Panik in dem Hippie breit, er durfte jetzt nicht sterben, nicht heute und nicht jetzt...das durfte er nicht! Erneut rüttelte Chris an ihm, starrte mit Tränen- und blutverschmiertem Gesicht an, rüttelte so lange wimmernd an seinem Körper, bis seine Kraft nachgab und der Körper langsam einsackte.
„..'tschuldige.“, murmelte er leise, wollte noch etwas hinzufügen, konnte jedoch nicht. Jede Bewegung schmerzte, es war unerträglich gewesen, auch nur den Mund einen kleinen Spalt zu bewegen. Zum ersten Mal spürte Chris all den Schmerz, der ihm hinzugefügt wurde, erinnerte sich daran, wie man ihn schlug, an seinen Haaren zerrte, wie man seine Schreie auskostete..Stunde um Stunde, ein kurzer Trip in die Hölle, der für ihn unendlich zu sein schien und es fühlte sich so grauenvoll an, so schmutzig, so widerlich, dass er am liebsten einige Meter zur Straße kriechen wollte, damit irgendein Truck ihn überfahren konnte, damit diese Bilder, diese Nacht aus seiner Erinnerung gelöscht wurde und alles andere auch, damit er nicht mehr damit leben musste. Doch schien dies nahezu unmöglich zu sein..alles wirkte so weit weg, so dunkel, so klein, als wäre es Kilometer weit von ihnen entfernt und es wurde immer dunkler und dunkler, nicht einmal die hellen Straßenlaternen konnten die Dunkelheit beseitigen, bis irgendwann das gesamte Bild der Straße verschwand und nur noch eine niemals endende Schwärze vor seinem Auge sich abspielte.
Vielleicht würden sie diese Nacht nicht überleben, vielleicht war dies nun ihr Ort zum Sterben und so sehr er auch versuchte sich gegen diese Schwäche zu wehren, es brachte nichts..vielleicht war es auch besser so, er hatte heute genug gekämpft und es hatte ihm reingarnichts gebracht...ja, vielleicht sollte er es wirklich sein lassen, es würde schließlich doch kaum etwas ausmachen..



Eigentlich dauerte der Gig nur bis zwei Uhr morgens...okay, halb drei, wenn man die drei Weiber mitzählte, mit denen er Backstage eine Unterhaltung führte, und dennoch kam er erst so spät raus..später als er theoretisch vor hatte nach Hause zu gehen. Mit einem leisen Seufzer schlenderte der halbnackte, fast volltätowierte junge Mann die Straßen entlang, steckte sich eine Kippe nach der anderen zu, während die erdrückende Hitze sich auf seine nackte Haut legte und sich so eklig anfühlte. Am liebsten würde er auch seine Jeans ausziehen, die zwar eh aus mehr Löchern als Stoff bestand und dennoch zu einem lästigen Bestandteil wurde.
Craig liebte sein Leben eigentlich- er war ein Rockstar..okay, ein Star vielleicht nicht, aber so gut wie! Die Gigs brachten extrem viel Zaster ein, die Contest, die einige Studenten stets veranstalteten, hatten er und seine Bandmitglieder stets gewonnen und das war rein finanziell immer eine gute Sache und jetzt war ein Manager auf sie aufmerksam gewesen..besser konnte es in dem Leben des ignoranten Mannes nicht laufen. Nachdenklich blieb der Musiker einen Augenblick stehen, starrte lachenden Bikern auf ihren Motorrädern hinter. Elende Schwuchteln waren das, gaben mit ihren hässlichen Zweirädern an und glaubten die Coolsten zu sein, Craig hasste diese Masse, aber was sollte man schon gegen sie tun, sie waren kult, wie die ganze Hippiebewegung, die ihn irgendwie seit Jahren ankotzte und vor allem ihre Musik.
Schulternzuckend wandte sich der Schwarzhaarige anschließend um, stolzierte weitere den warem Asphalt entlang, während die Zigarette zwischen den Mundwinkeln munter vor sich hinqualmte und sogleich aus seinem Mund fiel, als er zwei blutverschmierte Leichen vor sich sah. Ein Hippie und noch so einer und beide wohl so demoliert, dass sie wahrscheinlich nicht mal eine halbe Stunde mehr zu leben hatten. „Ja scheiß mich doch an.“, murmelte er der Musiker leise in sich hinein, trat einige Schritte auf die beiden zu, sich zu ihnen hinkniend. Während der Hippie anscheinend bereits tot oder zumindest das Bewusstsein verloren hatte, kämpfte der andere dagegen an, starrte mit seinen aufgerissenen Augen direkt in sein Gesicht, wollte wahrscheinlich etwas sagen, brachte aber keinen Satz zustande. „Welche Mafia habt ihr denn nur beschissen..“, im Normalfall wurden Kerle, die ihre Schulden nicht bezahlten so niedergemetzelt aber gut, Craig spielte auch in einer anderen Liga. Prüfend musterte er die beiden abermals, als sich sein Körper anschließend erhob. „Bleibt hier, ich schau mal, ob ich irgendwo Hilfe besorgen kann.“, das 'bleibt hier' war wahrscheinlich unnötig, doch wen interessierte das schon. Ohne sich weiter umzuschauen, ging er an den halben Leichen vorbei, ging direkt auf eines der Gebäude zu, wo ein Treppenhaus offen stand. Geld für das Münztelefon hatte er keines also mussten jetzt die Bürger in diesem Viertel ihm ihre Geräte ausleihen. Ohne auch darüber nachzudenken, schellte er an der ersten Haustür, welche seine Augen erblickten. Er klingelte und klingelte und klingelte, bis wütende Fußstapfen sich in Richtung Haustüre bewegten. Ein wütender, aber verschlafener alter Mann öffnete die Tür einen Spalt, starrte direkt in das Gesicht des Blauäugigen. „Was soll das, du Penner, es ist fünf Uhr Morgens und du glaubst, du könntest einfach so klingen, also das ist doch - “, doch Craig hörte ihm schon gar nicht zu. Mit seiner Hand stieß er die Tür auf und als sich der Alte dagegen wehren wollte, stieß er sie mit leichter Gewalt dank seines Fußes auf. Der Mann wich zurück, eilte wohl in Richtung Wohnzimmer, wo anscheinend auch ein wunderbares Telefon stand. Kaum griffen seine wurstigen Finger nach den weißen Hörer, schnappte sich der junge Mann bereits das Telefon. „Hör zu alter Mann, da draußen liegen zwei Halbtote und es ist wohl auch in deinem Interesse, dass sie beseitigt werden.“, sagte er nur, als dieser wieder protestierend versuchte das Telefon an sich zu reißen.
Ruhig tippte er die Nummer des Notdienstes, ließ seinen Blick ein weiteres Mal zum Mieter dieser Wohnung wandern. „Welche Ecke ist das hier?“
Der Alte schaute ihn leicht verwirrt an, ehe er seinen Mund öffnete. „Die 56.“

Zehn Minuten haben die bei der Zentrale gesagt, jedoch wollten sie sich beeilen, man konnte schließlich Schwerverletzte nicht lange warten lassen.
Craig war bereits wieder bei den beiden, im Schlepptau der alte Mann, der anscheinend Lob von den Ärzten bekommen wollte oder was auch immer. Sein Blick wanderte zu den Dunkelhaarigen.
„Ein Krankenwagen ist auf'm Weg also keine Sorge, du und dein Kumpel, ihr werdet schon irgendwie durchkommen.“, murmelte er ihm leicht lächelnd entgegen. Eigentlich war ihm so etwas stets egal gewesen, es interessierte ihn stets einen feuchten Dreck, ob jemand in Schwierigkeiten war oder nicht, doch so hart hatte es bis jetzt keinen Menschen getroffen, zumindest nicht in seiner Welt. Mit besorgter Miene beobachtete er die beiden, als er auch die Sirene der Krankenwagen vernahm, der immer näher kommende Lärm, als er auch das Blaulicht zweier Wagen erkennen konnte, die vor ihnen halt machten. Der Lärm erstarb unmittelbar nachdem sie angehalten hatten. Hektisch öffneten sich Türen, Sanitäter eilten zu ihnen hin, lagerte die beiden auf jeweils eine Liege und musterten diese währenddessen prüfend. „Ohje, das sieht schlimm aus.“, sagte nur einer von ihnen und schon wurden die beiden in dazugehörende Krankenwagen befördertet. Ein Sanitäter ging auf ihn und den alten Mann zu. „Sie sind also der, der die beiden gefunden hat, richtig?“
Craig nickte zustimmend. „Und ich habe das Telefon zur Verfügung gestellt!“, warf der Alte sofort ein, erntete jedoch für seine Aussage einen todbringenden Blick von dem Schwarzhaarigen. Er hasste diesen Kerl jetzt schon wie die Pest.
„Nun, wir müssen sie wohl mitnehmen, damit sie im Krankenhaus bei der Polizei aussagen können.“, sagte der Arzt anschließend ernst, musterte den Musiker eine Weile.
Na toll, jetzt konnte er seinen Schlaf ganz vergessen, eigentlich dachte er, dass es ausreichte, wenn er sie den Leuten ablieferte aber nein, jetzt musste er noch mitkommen. „Ich hoffe doch sehr, dass der Mist nicht lange dauert. Die tun mir zwar leid und so, aber mehr auch nicht.“, murmelte er grimmig dem Sanitäter entgegen, schlenderte lustlos zu einem Wagen hin, sich nach hinten setztend.
„Hi.“, sagte er nur den anderen Ärzten, als sie diesen verwirrt anstarrten und lehnte sich zurück, die Augen schließend. Dann müsste er wohl oder übel eben im Krankenwagen schlafen.


Die ruckartige Bewegung, als er auf die Trage befördert wurde und das viel zu grelle Licht im Krankenwagen wie auch die lauten, meist verwirrenden und ineinander überlaufenden Stimmen weckten den jungen Mann aus seiner Ohnmacht. Die grünen Augen blinzelten einige Male, starrten direkt in das helle Licht, als plötzlich einer der Sanitäter sich zu ihm rüberbeugte und mit einer kleinen Lampe direkt auf seine Augen schien, erst auf das eine, dann auf das andere. Die Pupille zog sich ruckartig zusammen, jedoch konnte er nicht das Augenlid schließen oder sich irgendwie dagegen wehren. Eine Nadel wurde in seine Venen gerammt, sie hatten ihn an etwas angebunden, jede Menge Hände untersuchten ihn, drückten genau dort, wo es am meisten schmerzte und irgendwo in der hintersten Ecke hörte er jemanden ein Pink Floyd Lied summen. Es war erschien Chris fast wie ein Traum, alles war so unwirklich und...oh Gott, wo war Ethan?! Wie vom Blitz getroffen, richtete sich der junge Mann ruckartig auf, schaute sich panisch um, versuchte die Griffe der Ärzte abzuschütteln, sich irgendwie zu wehren. „Wo ist er?!“, brüllte der junge Mann fast, starrte auf die unbekannte Person, die ihn keines Blickes würdigte, mit geschlossenen Augen weiter vor sich hinsummte. Zum Teufel, wer war das, was machte er hier?!
Er hörte, wie die Männer irgendwas riefen, wie der eine etwas von Beruhigungsmittel redete. Chris wollte protestieren, doch erneut versagten seine Kräfte und wieder ließ er sich fallen, starrte mit seinen Augen die anderen Ärzte an. Er wurde immer müder und müder und irgendwann sackte er wieder ein, erneut wurde es schwarz vor Augen und die Welt war nicht mehr da.
Chris traute sich schon gar nicht mehr, sich dagegen zu wehren, er hatte Angst vor weiteren Schmerzen, die sein Körper nicht ertragen konnten, schon jetzt fiel es ihm schwer, auch nur zu atmen und dennoch trieb sein Körper ihn an, ließ es nicht zu, dass er aufgab. Er konnte nicht einfach so sterben ohne zu wissen, ob es wenigstens Ethan gut ihn...ob er wenigstens wach war..nur noch mal mit ihm reden, das wollte er, mehr nicht..

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Aug 23, 2010 8:04 pm

Er hatte sich so sehr bemüht, doch als Chris neben ihm endgültig das Bewusstsein verlor, fiel es auch ihm selbst immer schwerer, bei Sinnen zu bleiben. Er wusste nicht, woher er noch die Tränen nahm, er spürte, wie Chris an ihm rüttelte, doch er schaffte es einfach nicht, zu reagieren. Seine Zunge war schwer wie Blei und in seinem Kopf herrschte ein gefährlich dichter Nebel. Es fiel ihm immer schwerer, noch an der Wirklichkeit festzuhalten, mit jedem Atemzug, der so gequält durch seine Lungen drang. Die Gestalt, die schließlich auf ihn einredete, erschien ihm wie ein Fiebertraum. Hilfe holen? Waren sie vielleicht schon tot und das hier war der Himmel? Oder wohl eher die Hölle….Es erschien ihm alles wie ein schlechter Witz. Er wollte nicht, dass Chris sich schuldig fühlte, um nichts in der Welt wollte er das. Er würde in den nächsten Monaten, vielleicht sogar Jahren genug an diesem Abend zu knacken haben, ohne dass er sich auch noch die Verantwortung für Ethans Schicksal aufbürdete. Wer war denn der Ex-Soldat, wer hätte denn auf seinen pazifistischen Freund Acht geben müssen? Er hätte es besser wissen müssen, er hätte all das nicht geschehen lassen dürfen. Wie sollte er seinem Freund jemals wieder in die Augen sehen? Geschweige denn, er bekam dazu überhaupt noch die Gelegenheit. Denn irgendetwas zog ihn immer tiefer in den Abgrund, die Gestalt, die vor ihnen aufgetaucht und dann so schnell wieder verschwunden war, war sicher nur ein Trugbild gewesen, das ihm sein fieberndes Hirn schenkte, wie es ihn verspottete….Und erneut Schritte, erneut war da dieser Kerl, dieses Mal in Begleitung. Ethan spürte so etwas wie Panik in sich aufsteigen. Was, wenn diese beiden ihnen auch wieder nur Böses wollten? Sein Bild von den Menschen in dieser Stadt war tief erschüttert, was, wenn er nie wieder irgendwem trauen konnte, wenn er jetzt eine Paranoia gegen jeden Unbekannten auf der Straße entwickelte? Selbst wenn er das hier überlebte hieß das nicht, dass sein Leben wirklich weiterging. Wer wusste, wie es Chris erging, ob er so überhaupt weiterleben wollte? Ethan hatte wahnsinnige Angst, ihn doch noch zu verlieren, solch große Angst, dass er es trotz alledem irgendwie schaffte, seine Arme fest um den schmalen Körper zu legen und ihn an sich zu ziehen. Den Schmerz seiner Brustwunde spürte er schon längst nicht mehr.
Grauenvoll laut heulte das Geräusch einer Sirene durch seine Welt, und noch mehr Schritte, noch mehr Stimmen, die umherschrien und für den jungen Mann doch nicht mehr blieben als graues Gewaber, summender Basston und sonst nichts. Man trennte ihn von dem Körper des Freundes, viel zu schwach war sein Widerstand, auch wenn Ethan protestierte. Er wollte nicht von Chris getrennt werden, vielleicht taten sie ihm wieder etwas an, vielleicht…..Sie bewegten ihn, aber wohin konnte er nicht sagen. Während der vergangenen Minuten war das Atmen flach und beschwerlich geworden, sodass immer weniger Luft in seine Lungen kam. Nun drückte man ihm irgendetwas auf den Mund, was ihn wieder freier atmen ließ. Man versenkte Nadeln in seinem Arm, um ihm ein wohlig warmes Gefühl zu geben, als hätte man ihn in Watte gepackt. Es gelang ihm nicht, noch weiter bei Bewusstsein zu bleiben, auch wenn er Chris´ rufende Stimme vernehmen konnte. Einzig sie drang so glasklar in seine Welt, aber er schaffte es nicht, ihm zu antworten, alles, was der Kehle entfloh, war ein gurgelndes Keuchen. Dann wurde endlich alles um ihn herum schwarz.

Auf den Fluren roch es steril, alles hier schien klinisch sauber zu sein, wie man es erwartete. Das schien ein beinahe unmögliches Unterfangen zu sein, so viele Menschen wie hier täglich in der Notaufnahme landeten. Schlägereien, Autounfälle mit Fahrerflucht, man war hier alles schon gewohnt. Da man dem jungen Mann nicht noch mehr Umstände hatte machen wollen, war ein Polizist zum Krankenhaus geschickt worden, um die Zeugenaussage aufzunehmen. Der Mann mittleren Alters musterte seinen Gegenüber skeptisch, beäugte jedes Tattoo aufs Genauste, bevor er den Block zur Hand nahm. Auf seiner Halbglatze zeigten sich bereits jetzt Schweißperlen, dabei hatte er noch gar nichts Anstrengendes bewerkstelligt. Von draußen drangen die geschäftigen Geräusche des Krankenhausalltags zu ihnen durch, Rufe und hin und wieder auch einmal Schreie. Nichts Ungewöhnliches für eine Nacht in San Francisco.
„Sie haben die beiden Verletzten also gefunden?“
Er blätterte in dem knappen Krankenbericht, den ihm ein Arzt in die Hand gedrückt hatte. Anscheinend war einer der beiden sogar einige Stunden im Koma gewesen. Sie hatten wirklich unverschämt viel Glück gehabt. Sie hätten tot sein können. Es war wichtig, dass sie die Täter schnappten, auch wenn das vermutlich sehr schwierig werden würde. Das ganze sah nach einem Werk von mehreren Personen aus. Ergo entweder organisiertes Verbrechen –und der Polizist betete, dass dem nicht so war, denn sonst konnten sie die Ermittlungen gleich fallen lassen- oder eine der zahlreichen Gruppierungen, die sich in letzter Zeit die Stadt aneignen wollten mit ihrer Gewalt und ihrer scheinbaren Überlegenheit. Der Mann konnte diesen Großmäulern nichts abgewinnen. Auch der Mann vor ihm sah aus wie einer dieser typischen Rebellen, die das Gesetz im Regelfall nicht beachteten, aber sie mussten ihn trotz alledem verhören.
„Die beiden Männer waren Ihnen also unbekannt….“
Er ging den Bericht weiter durch, ließ ihn schließlich sinken und blickte mit den kleinen Schweinsäuglein auf den Tättowierten.
„Haben Sie die Täter gesehen, oder hatten sie den Tatort bereits verlassen?“
Immer diese elendige Fragerei, aber das waren sie den beiden Verletzten nun einmal schuldig.

Ethan war Krankenhäuser gewohnt, aber normalerweise war er es nicht, der auf dem OP-Tisch lag. Er bekam von allem eigentlich nichts mit. Nicht, wie sie seine Wunden nähten oder die Knochen schienten, wie sie es auch bei Chris taten. Was sie dem Hippie seelisch angetan hatten, hatten sie bei dem jungen Arzt mit äußerer Gewalt wieder wett gemacht. Die Ärzte, die sich mit verbissener Konzentration auf die Operation fokussierten, hatten ihn sogar für einige Stunden in ein künstliches Koma versetzen müssen. Glücklicherweise hatten sie ihn dann doch irgendwann auf die Intensivstation verlegen können. Chris hatte man in das benachbarte Bett verlegt, da die Ärzte es für das Beste hielten, wenn die beiden erst einmal zusammen blieben. Er fühlte sich wie eine Leiche, als er langsam wieder zu Bewusstsein kam. Überall in seinen Armen und am ganzen Körper steckten irgendwelche Schläuche in seinem Körper, die ihn mit Schmerzmittel versorgten, neben ihm piepste ein Herzmonitor penetrant vor sich hin. Sein ganzer Körper war dick einbandagiert und irgendjemand hatte ihn säuberlich zugedeckt. Über dem Mund lag eine Atemmaske und er war bleich wie eine Leiche. Obwohl man ihm das Blut aus dem Gesicht gewaschen hatte, sah er immer noch grauenvoll aus, als wäre er in eine Autopresse geraten. In etwa so fühlte er sich auch. Sein Kopf fiel zur Seite, er sah Chris im Bett neben sich, der anscheinend schon wieder bei Bewusstsein war und bei weitem nicht so verkabelt war. Ethan wollte seinen Namen rufen, doch das Plastik der Beatmungsmaske beschlug nur und er brachte keinen Ton hervor. Er hob einen Arm, der schwer wie Blei erschien, schaffte es irgendwie, die Maske vom Gesicht herunterzuziehen. Auf der Stelle merkte er, wie ihm das Atmen wieder schwerer fiel und das Piepsen des Herzmonitors gab einen empörten Ton von sich und verlängerte seine Abstände.
„Chris…“
Es klang eher wie ein Seufzen denn wie ein Name und der darauffolgende Husten zwang ihm eine Pause auf.
„Geht dir….g-gut?“, fragte er, während erneut Tränen über seine Wangen liefen.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Aug 23, 2010 10:33 pm

Schwer seufzend schlenderte Craig in Richtung Krankenhaus, wich einigen, hektisch umher rennenden Krankenschwestern aus, als man auch den besagten Polizisten erblickte. Super, ein gutes Verhältnis hatte er nie wirklich zu dieser Sippe gehabt, wegen Schlägereien, Vandalismus und Drogenbesitz hatten sie ihn schon oft hinter Gitter gebracht, als er eigentlich es für möglich hielt, doch das alles gehörte nun einmal zu seiner Alltagssituation, es war sein Image, er lebte davon.
„Nabend, Officer.“, murmelte er nur, grinste den alten Mann an, während er sich an der Brust kratzte. Also eins musste man den Krankenhäusern lassen – sie waren immer schön kühl, sodass man sich sogar gerne dort aufhielt...solange man nicht aufgeschnitten werden musste oder gar irgendwelche dämlichen Fragen eines Polizisten beantworten musste.
„Ganz recht, ich habe die beiden auf dem Nachhauseweg gefunden.“, murmelte er ihm entgegen, während der junge Mann einer jungen, aber wirklich hübschen Schwester hinterherschaute, ihr ein breites Grinsen schenkend, na hoffentlich würde sie sich nicht zu weit von diesem Platz hier entfernen.
„Und ja..ich kenne die beiden überhaupt nicht.“, fügte er anschließend hinzu, ließ den Blick wieder zu dem Uniformträger schweifen. Himmel, was für ein unschöner Anblick, wenn man das mit der jungen Dame von gerade eben verglich. Er musste es sich verkneifen, eine Grimasse zu schneiden, würde vielleicht als Beamtenbeleidigung in seiner Akte stehen und seine Akte bestand bestimmt aus so einigen Bemerkungen der Beleidigung.
Bei der letzten Frage musste er kurz nachdenken. „Ich habe vorher einige Biker vorbeifahren sehen..die waren extrem gut drauf, aber bis auf meiner Wenigkeit und den beiden war keiner in der Nähe zu sehen...zu der Zeit ist es auch nicht ungewöhnlich, was?!“, er lächelte ihn leicht an, frage sich jedoch innerlich, ob dieser alte Sack verheiratet war, nach seinem Ring am besagten Ringfinger war er das, aber Gott, wer heiratete denn sowas?! Craig wünschte sich nichts anderes, als niemals so zu werden, nie eine Halbglatze zu bekommen und nie solch einen schrecklichen Körper zu bekommen. Donuts waren eben doch Teufelszeug, gemacht für die Bullen, wahrscheinlich war dies eine Erfindung eines Kriminellen, anders konnte es sich der Musiker auch nicht erklären.
„Hören Sie, mehr weiß ich nicht und ich möchte wirklich gerne nach Hause, ich bin müder als die Ärzte hier.“


Chris bemerkte nicht, wie sie das Krankenhaus erreicht hatten, wie sie ihn weiter in einen OP- Raum schoben und wie sie ihn auf eine andere Liege umlegten. Es hatte ihn nicht so sehr erwischt, die Ethan, das war auch den Ärzten klar, jedoch mussten sie auch bei ihm einiges tun. Drei gebrochene Rippen, eine leichte Gehirnerschütterung, gebrochene Nase, sowie innere Blutungen, weswegen der junge Mann aufgeschnitten werden musste und das ganze Blut irgendwie abgesogen werden musste. Zur Sicherheit hatten sie ihn noch einmal betäubt, falls er plötzlich erwachen würde, was jedoch nicht wirklich ein Ding der Möglichkeit war. Irgendwo war es auch gut so, dass er zwischendurch nicht erwacht war, dass er sich nicht rechtfertigen musste, dass er nicht erfahren musste, dass die Ärzte bemerkt hatten, dass es sich bei ihm und eine schwere und mehrfache Vergewaltigung handelte, neben all den weiteren Verletzungen.
Lange mussten sie ihn nicht behandeln, auch wenn das Desinfizieren und Verbinden einiger Wunden wirklich eine Aufgabe war, die etwas mehr Zeit verlangte, als man es sich wünschte.
Noch vor Ethan hatten sie ihn in die Intensivstation gebracht, ließen ihn für einen Augenblick allein, als auch sein Mitbewohner hinterhergeschoben wurde. Chris hatte das alles nicht mitbekommen, es kam ihm fast wie ein niemals endender Schlaf vor, in den er gefallen war und aus dem er eigentlich auch nicht so gerne erwachen wollte...warum auch, seine Hoffnungen, dass irgendetwas gut verlieg, war bereits verschwunden, er glaubte ja nicht einmal mehr daran, dass irgendwer von den beiden überlebt hatte, vielleicht war sogar auch nur er tot und das war anscheinend das Jenseits oder besser das Nichts, wo jeder mal hinkommen würde, früher oder später.
Und dennoch wirkte das Betäubungsmittelchen nicht mehr, irgendwann riss ihn etwas aus den Schlaf, ob es eine Erinnerung an die Nacht war oder an etwas anderes, er wusste es nicht. Panisch schlug der Hippie die Augen auf, schaute sich hektisch im Raum um, nicht wissend, wie er hierher gekommen war und wem er es zu verdanken hatte, dass er kurz vor seinem Tod doch noch in einem Krankenhaus landen konnte. Vielleicht war dies aber auch alles nur ein Traum, ein Wunsch, der vielleicht nicht in Erfüllung gekommen war. Das leise Piepen, sein Herzschlag, er konnte es hören, gleich gefolgt von dem seines Freundes.
Wie ein Gelähmter, unfähig seine Gliedmaßen zu bewegen, versuchte er sich irgendwie aufzurichten, doch es ging nicht, lediglich seinen Kopf konnte er langsam zur Seite drehen, starrte direkt zu Ethan und wollte am liebsten vor ihm auf die Knie fallen, Tränen rannen über das blasse Gesicht des Blonden, als er ihn sah, angeschlossen an so vielen Maschinen, die meisten hatte Chris noch nie in seinem Leben gesehen..so betrachtete hatte er alles, was in einem Krankenhaus vorhanden war, noch nie so gesehen, wie er es heute sehen durfte, dafür war er zu selten, wenn nicht sogar nie so verletzt gewesen, dass es ihn dahintrug.
Ethan sah furchtbar demoliert aus und Chris war sich sicher, dass sein Gesicht nicht besser aussah, er konnte schon dank seines Blutunterlaufenen linken Auges kaum etwas sehen, so sah der Rest seines Gesichts wahrscheinlich auch kaum besser aus.
„Ethan...“, wisperte er leise, immer noch heiser vom ganzen Schreien, es fühlte sich fast so an, als hätte er alles innen drin aufgerissen, als würde er nie wieder normal reden können, nur noch flüsternd, heiser und das ohne je wirklich viel geraucht zu haben.
Für einen Moment dachte der junge Mann nicht an das, was ihnen angetan wurde, er dachte nicht an die Schmerzen, die nach der Wirkung des Schmerzmittels wieder einkehren würden, er war eher froh seinen Mitbewohner sehen zu können, er war so froh, dass er noch lebte, dass es ihm einigermaßen gut ging, dass er nicht gestorben war. Chris wusste nicht, ob es Tränen der Freude waren, die Bahnen auf seinem Gesicht zogen, vielleicht waren es welche, vielleicht aber weinte er auch, weil ihm das alles so schrecklich leid tat, so sehr, dass keine Entschuldigung der Welt das alles wieder wett machen könnte, kein Preis der Welt dies wieder verbessern wurde, was Ethan da zugestoßen wurde. Was mit ihm war, war egal...er war selbst Schuld, doch Ethan hatte damit nichts zu tun gehabt. Die Welt war manchmal doch so unfair zu ihnen gewesen..
„Ja....ja, mir geht es gut,“, log der junge Mann, lächelte Ethan leicht an.
„Du weißt doch...nichts macht meine Laune kaputt.“ Vielleicht wären seine Worte glaubwürdiger gewesen, wären seine Augen nicht glasig, würden nicht ständig neue Tränen angerollt kommen und wäre sein Lächeln wenigstens echt und dennoch wollte Chris nicht, dass Ethan glaubte, dass es ihm schlecht ging, es war schon schlimm genug, dass er so viele Schmerzen hatte, dass er so viele Wunden hatte, er musste sich nicht noch weitere Gedanken um ihn machen.
Der Hippie versuchte sich im Inneren selbst einzureden, dass alles in Ordnung war, doch noch nie fiel es ihm so schwer, etwas Positives zu finden, was ihm wieder ein wenig Halt geben konnte, eigentlich fühlte er nichts Gutes mehr, bis auf den tiefen, inneren Schmerz. Immer, wenn die Erinnerung hochkam, der Schmerz wieder rekonstruiert wurde und die eigenen Schreie im Kopf widerhallte, zuckte der dürre Körper zusammen, unkontrolliert, als ob ihn wieder jemand anfassen wollte. Er bekam das Gefühl einfach nicht mehr los, spürte noch immer die rauen Finger der Männer, wie sie seine Hüfte umfassten, wie sie an seinen Haaren zogen, er spürte es so intensiv, als ob sie es immer noch taten, als ob er immer noch in diesem Raum lag, auf dem Teppich, als ob sich nie etwas geändert hatte. Leise in sich hineinweinend rollte sich Chris im Bett zusammen, konnte seinen Freund nicht lange anschauen, ohne weitere Schuldgefühle zu bekommen.
„Hoffentlich kommst du bald auf die Beine...“, murmelte er leise, ließ seinen Blick dennoch wieder zu Ethan schweifen. „...wenigstens einem von uns muss es wieder gut gehen.“

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Aug 23, 2010 11:30 pm

Selbst all die Schmerzmittel konnten Ethan nicht so benebeln, dass er nicht merkte, dass Chris ihn anlog. Was hatte er auch schon erwartet? Niemandem ging es nach so einer Erfahrung irgendwie gut. Damit konnte man nicht einmal Wochen später rechnen. Nichts lieber hätte er jetzt getan als aufzustehen und den Hippie in die Arme zu schließen, ihm wenigstens das vage Gefühl zu geben, dass alles wieder gut werden konnte. Dass sie das gemeinsam durchstehen konnten. Immerhin hatten sie auch bis jetzt überlebt. Mehr schlecht als recht. Ethan wusste ja nicht, dass er mehrere Stunden im Koma gelegen hatte, er konnte ja nicht wissen, was wirklich alles kaputt war. Erst recht nicht, was in Chris´ Kopf vorgehen mochte. Er konnte sich all die Qual unmöglich vorstellen. Tränen der Verzweiflung rannen über seine Wangen, sie brannten in den Wunden, so salzig wie sie waren. Für einen Moment schob er sich die Atemmaske wieder über den Mund und augenblicklich wurde das Piepsen des Herzmonitors gleichmäßiger. Allerdings tat er nur einige tiefe Züge, dann zog er die Maske schon wieder herunter. Er musste seinem Freund doch noch so viel sagen, all die Worte lagen unausgesprochen in der Luft und wollten einfach nicht über seine Lippen kommen. Wie Leid es ihm tat, dass er ihn nicht hatte beschützen können. Dass sie gerade ihm das angetan hatten. Warum hatten sie gerade diesem Gutmenschen so etwas antun müssen? Wo Chris doch wirklich niemandem je etwas angetan hatte und niemals irgendwelche bösen Absichten gehegt hatte. Man fand selten jemanden mit solch einem warmen Herzen und Ethan hatte Angst, dass es nun einfach erkalten könnte. Er sah, wie der Körper sich zusammenrollte auf seinem Bett, gut, dass sie ein Zimmer für sich allein hatten. Niemand hatte das Recht, dieses Leid mit anzusehen. Bestimmt würden die Polizisten bald kommen und ihnen eine Menge Fragen stellen. Dann mussten sie beide alles noch einmal Revue passieren lassen. Dann mussten sie sich so detailliert wie möglich an alles erinnern. Ethan blieb allein bei der Vorstellung schon die Luft weg. Und er wusste nicht, wie Chris das überstehen sollte. Wenn diese Rocker nicht geschnappt wurden, Ethan schwor sich bei Gott, persönlich Rache zu nehmen für seinen Freund. Alles andere wäre nur wie ein weiterer Tritt ins Gesicht gewesen, grausamer Spott des Schicksals. Der junge Mann sah Chris zucken, wie er von den eigenen Erinnerungen gefoltert wurde und alles in ihm schrie gepeinigt auf. Er hätte alles darum gegeben, dem Hippie wirklich helfen zu können. Mit aller Kraft versuchte er sich aufzusetzen, aber seine Gliedmaßen gehorchten ihm einfach nicht. Erschöpft sank er zurück in die Kissen. Verfluchte all die Kabel, die ihn hier festhalten. Wenn sie ihn so sehr vollpumpten und so aufs Kleinste kontrollierten, dann war er noch längst nicht sicher. So viel Erfahrung hatte er als Arzt schon gesammelt, dass er wusste, wie die wirklich schweren Fälle aussahen. Die Tränen wollten einfach nicht versiegen, egal wie weh jeder Atemzug tat. Es war, als würde er Glas atmen.
Die nächsten Worte seines Freundes ließen ihn heiser aufheulen wie einen traurigen Hund. Es klang so, als wenn Chris bereits alles aufgegeben hatte, als würde er überhaupt keine Zukunft mehr sehen. Als könnte nichts ihn jemals wieder heilen, nicht die Zeit, nicht er…..Ethan wollte sich aufrichten, wollte jetzt für den Hippie da sein, doch mit einem Schlag wurde alles schwarz vor seinen Augen. Der Herzmonitor piepste völlig panisch, viel zu schnell, als dass es normal gewesen wäre.
„A-Aber dir muss es auch….wieder gut gehen“, brachte der junge Arzt stotternd hervor, bevor ihm schwarz vor Augen wurde. Die Tür flog unerwartet auf, eine Schwester und ein älterer Arzt kamen hereingestürmt, blickten sich kurz an, Stimmen flatterten durch den Raum, während es in dem Zimmer immer hektischer wurde. Das stakkatorartige Piepen war zu einem einzigen langgezogenen Ton geworden, der alle anderen Geräusche zu ersticken schien. Ein Defibrilator wurde auf die Brust gedrückt, der Körper bäumte sich kurz auf, bevor das Piepen wieder einsetzte, allerdings nur für ein paar Sekunden. Immer lauter wurde es im Zimmer, als ein weiterer Arzt hereinstürmte. Doch von all dem bekam Ethan rein gar nichts mit. Er erinnerte sich nur daran, dass man ihn immer wieder aus diesem angenehm warmen Licht herausriss, zu dem er verzweifelt zurückzukehren versuchte. Warum ließen sie ihn denn nicht einfach in Ruhe, warum nicht?

Erneut waren Stunden vergangen, Stunden, in denen die Ärzte versucht hatten, Blutungen zu stillen und all die verrücktspielenden Vitalfunktionen wieder in Einklang zu bringen. Noch mehr Schläuche zierten nun den Körper, der blass wie eine Porzellanpuppe in seinem Bett lag und sich nicht bewegte. Die Augen waren geschlossen, der Monitor piepste wieder unschuldig, als wäre nichts gewesen. Der ältere Mann in seinem weißen Kittel, der schon seit einiger Zeit im Raum stand, wandte sich schließlich an den blonden Mann. Obwohl distanzierte Trauer in seinem Gesicht stand, wirkte das was er sagte doch irgendwie routiniert.
„Wir mussten ihn wieder ins Koma versetzen…..Wir können nicht sagen, wann er wach wird, seine inneren Organe spielen völlig verrückt.“
Der Mann seufzte und jetzt konnte man ihm deutlich seine Angespanntheit spüren, wie sehr ihn das hier vielleicht doch mitnahm, auch wenn es sein täglicher Beruf war.
„Ehrlich gesagt wissen wir nicht einmal, ob er überhaupt wieder aufwacht. Wenn Sie sich dazu in der Lage fühlen, dürfen Sie gerne einige Worte mit ihm reden, manchmal hilft das Komapatienten. Vertraute Stimmen oder Berührungen können manchmal wahre Wunder wirken. Ansonsten können wir nur abwarten.“
Der Arzt schloss die Tür hinter sich und ließ die beiden allein, man hatte die Dosis an Schmerzmittel für den blonden Mann erhöht, damit er sich wenigstens etwas bewegen konnte. Neben Ethans Bett stand ein Stuhl, eine Hand hing schlaff herunter. Nadeln und Schläuche bestimmten auch hier das Bild. Vor der Tür wartete eine Schwester, falls es erneut Komplikationen geben sollte. Allen behandelnden Ärzten taten die beiden Männer von Herzen Leid, sie konnten sich anhand der Verletzungen nur ansatzweise nachvollziehen, was den beiden passiert war, doch diese vage Ahnung reichte ihnen schon. Draußen prasselte der Regen des ersten Sommergewitters dieses Jahres lau an die Scheibe.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Di Aug 24, 2010 12:17 am

Chris wollte etwas auf die Worte seines Mitbewohners antworten. 'Klar' wollte er sagen oder 'immer doch'; irgendwas, was den jungen Mann ein wenig beruhigen ließ, damit er sich nicht um ihn sorgte, doch schon war Ethan wieder weg, verließ ihn ein weiteres Mal.
Er wollte laut losschreien, doch bei dem Versuch drang nur ein kläglicher Laut aus seiner Kehle, wie das eines sterbenden Tieres, beinahe unscheinbar für die Außenwelt. Wimmernd schaute er den Ärzten und Krankenschwestern dabei zu, wie sie versuchten seinen Freund zu reanimieren. Er wusste nicht, was sie da taten und eigentlich wollte er auch gar nicht so genau erfahren, was sie alles tun mussten um ihn wieder ins Leben zurückzuholen. Oftmals schloss der Blonde einfach die Augen, kauerte sich in seinem Bett zusammen und weinte in das bereits nasse Kissen hinein, weinte um seinen Mitbewohner, ohne dem das Leben ein Stückchen grauer erschien, als sie es ohnehin schon war. In seinen Gedanken spielten sich die verschiedensten Szenarien ab, alle handelten davon, dass nur einer das Krankenhaus verlassen würde und er hatte panische Angst, dass er Derjenige war, der alleine gehen musste, der Ethan hier zurücklassen würde. „Meine Schuld, es ist alles meine Schuld.“, flüsterte er sich selbst zu, biss sich auf die Unterlippe um nicht loszuschreien, voller Leid. Ja, es war seine Schuld und dies würde er niemals abstreiten können, egal wie oft die Krankenschwester über sein Haar auch fuhr und versuchte ihm einzureden, dass er nichts dafür konnte, dass er für die Verletzungen seines Freundes nichts konnte, doch die Worte prallten einfach an ihm ab. Sie wussten doch alle gar nicht, was geschehen war und selbst wenn sie es wissen würden, sie würden niemals das empfinden, was der Hippie gerade intensiv empfand.
Tränen, so heiß wie Lava rannen über's Gesicht, die geröteten, blutunterlaufenen Augen starrten immer wieder auf den reglosen Körper Ethans, hoffend, er würde es irgendwie überstehen, sich jedoch fragend um welchen Preis. Was musste er nur abgeben, um weiterleben zu können und vor allem, lohnte sich das alles? War das Leben es wirklich wert um dafür so sehr zu kämpfen, um so viel auf sich zu nehmen? Hätte man Chris einen Tag zuvor gefragt, hätte er wahrscheinlich ja gesagt und energisch im den Kopf genickt, doch im Moment glaubte er an gar nichts mehr, er glaubte noch nicht einmal mehr, dass das Leben überhaupt irgendeinen Wert hatte. Für wen lebten sie schon? Für sich selbst?! Wohl kaum und dem Staat fielen sie auch nur zur Last. So betrachtet...lohnte es sich nicht mehr weiterzuleben und ebenso wenig lohnte es sich, zu sterben...für nichts, für etwas, was man nicht beeinflussen konnte, für etwas, was niemanden hier hätte passieren sollen, vor allem nicht Ethan.

Chris wusste nicht, wie lange er seinen Freund angestarrt hatte, wie lange die Ärzte in diesem Zimmer sich aufhielten, er hatte nicht einmal bemerkt, wie es draußen schüttete, wie der Regen gegen die Fensterscheibe hämmerte und niemals aufzuhören schien, als ob der Himmel bemerkt hatte, was heute geschehen war, wie es um die beiden und vor allem um den Dunkelhaarigen stand.
Als sie endlich fertig waren, kam ein Arzt auf ihn zu, redete auf ihn ein, doch Chris verstand sie nicht, er hörte ja auch kaum hin, sah nur, wie sich der Mund des Mannes bewegte, hörte nur das Murmeln der tiefen Stimme und nickte leicht, damit der Arzt nicht das Gefühl hatte, dass Chris ihm gar nicht zuhörte. Nur etwas vom Koma und Reden...das blieb in seinem Gedächtnis hängen, mehr nicht.
Als der Mann den Raum verlassen hatte, kam sich Chris so seltsam vor, er fühlte sich so schlecht, so mies und hasste sich selbst dafür, dass er nichts für seinen Freund tun konnte, dass er nur danebenlag und ihm beim Sterben zusah, anstatt etwas zu tun. Er war nun einmal für nichts zu gebrauchen, wahrscheinlich hatte sein Vater zum ersten Mal recht...ach was, seine Worte waren immer schon wahr, das wurde dem Hippie erst heute richtig bewusst.
Langsam richtete sich der Blonde anschließend auf. Trotz der hohen Dosis an Schmerzmittel, die ihm verabreicht wurde, spürte er den Schmerz, als sich sein Oberkörper langsam und vorsichtig aufrichtete. Er verzog schmerzhaft seine Miene, als es darum ging, vom Bett aufzustehen, hatte es jedoch irgendwie geschafft, mit viel Anstrengung und Kraft. Plötzlich erschien das Bett von Ethan Kilometer weit weg zu sein, ein Ziel, das er erst nach mehreren Stunden erreichen könnte und dennoch versuchte der junge Mann, sich fortzubewegen, so gut es nur ging.
Das, was die Kerle ihm angetan hatte, hinterließ jedoch abermals Spuren und wieder spürte er den Schmerz in der Leiste. Chris konnte kaum gehen, doch wer bitte konnte schon nach solch einer langen und schmerzhaften Aktion bitte anständig gehen?! Am Tropf angeschlossen nahm er das rollende Etwas mit sich mit, stützte sich hauptsächlich an dem Ding ab und war zum ersten Mal froh darüber gewesen, dass er das Teil hatte..ohne wäre er wahrscheinlich nicht vom Fleck gekommen und dennoch war jeder Schritt eine kleine Überwindung gewesen..
Fast wie eine halbe Ewigkeit kam es dem Grünäugigen vor, bis er endlich den leer stehenden Stuhl erreicht hatte, sich auf diesen keuchend hinsetzend. Er würde wahrscheinlich hier bleiben, für den Rest des Tages oder besser, so lange, bis Ethan aus seinem Koma erwachte.
Mit zitternden Händen nahm er die seines Freundes an sich, drückte diese so gut er nur konnte. Sie war kalt und erwiderte seinen Händedruck nicht, Chris hatte das Gefühl, dass er hier nicht einen im Koma liegenden Ethan vor sich liegen hatte, sondern einen toten Ethan. Erneut trieb der Anblick Tränen in seine Augen, begleitet vom Schluchzen des jungen Mannes.
„Ethan...oh Gott Ethan, was hab' ich dir nur angetan.“, schluchzte Chris, am ganzen Leib zitternd, während er die Hand des Ex Soldaten noch fester drückte, in der Hoffnung er würde bald erwachen.
„Ich bin ein dämlicher Holzkopf, der nur für seine Drogen lebt und du hast mir so oft aus allem rausgeholfen. Was mach ich denn nur, wenn du nicht aufwachst?“ Nichts auf der Welt erschien so schrecklich zu sein, wie die Vorstellung, ohne Ethan weiterzuleben. Dafür hatte der Blonde ihn zu sehr ins Herz geschlossen, dafür war ihm der junge Mann zu wichtig geworden. Chris brauchte ihn, er brauchte ihn mehr, als er je jemanden oder etwas gebraucht hatte. Er war immer da, wenn er etwas brauchte, wenn er mit jemanden reden wollte oder wenn er einen schlechten Tag hatte, er war seine Familie und er wollte sie nicht auf einen Schlag verlieren, das war einfach nicht fair.
„Ich kann nicht ohne dich, hörst du? Du musst aufwachen..bitte, wach auf, bitte...“
Chris wusste nicht, wie oft er sich wiederholt hatte, wie oft er ihn angefleht hatte, wieder zu erwachen, für ihn, für alle anderen, es kam ihm fast so vor, als seien weitere Stunden vergangen. Krankenschwestern kamen ab und an vorbei, schauten nach Ethan und nach ihm, brachten Essen und baten ihn darum, wenigstens etwas zu essen, doch er hörte ihnen nicht zu, immer wieder flehte er nur seinen Freund an, wieder zu erwachen, ignorierte alles um sich herum, selbst den Polizisten, der anscheinend einige Male vorbeigeschaut hatte und von Chris gerne wissen wollte, was in der Nacht vorgefallen war, doch er sprach nicht mit ihm, er schaute ihn nicht an.
Nein, er würde niemanden erzählen, was geschehen war...nicht heute, nicht jetzt...nicht vor Ethan.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Di Aug 24, 2010 1:42 pm


Er hatte das Gefühl zu ertrinken. In einem tosenden Meer aus Schmerz, so unsagbar tief, wie es kein Ozean auf Erden sein konnte. Immer wieder schlugen die Wellen über ihm zusammen und drückten ihn unter Wasser wenn er gerade glaubte, die rettende Oberfläche erreicht zu haben. Vermutlich war es das Prasseln des Regens, unterbewusst wahrgenommen, das in ihm diese Bilder aufkommen ließen. Nun war das Meer ruhig, doch es war kein Land in Sicht. Überall nur weites, blaues Meer. Keine Insel, nichts, worauf er sich retten konnte. War es denn vollkommen hoffnungslos gewesen zu kämpfen? Würde er jetzt trotz alledem sterben? Das durfte er nicht, er hatte all sein Leben unter strengen Regeln und Zwängen verbracht. Im Krieg, wo die Not für so viele Menschen am größten erschien. Seit einiger Zeit war er diesem Teufelskreis nun entkommen, hatte Chris kennen gelernt. Das Leben war für ihn endlich so verlaufen, wie er es sich schon immer gewünscht hatte. Was brauchte er den Wohlstand, den sein Vater immer für ihn gewollt hatte als erfolgreicher Arzt, wenn er solch gute Freunde hatte? Was wollte er mit Geld für sich alleine, so war er auch immer gut über die Runden gekommen. Und was sollte er ohne Chris? In dieser merkwürdigen Schwärze, die ihn gefangen hielt, war seine Stimme das einzige, was er wahrnahm. Sie schien aus dem Nichts zu kommen und nach ihm zu rufen. Ethan wollte zu ihm, doch er wusste nicht, wie er das bewerkstelligen sollte. Er konnte den Hippie nirgendwo sehen und so sehr er sich auch anstrengte, er kam der Stimme einfach nicht näher. Manchmal war ihm, als würde sich diese unreale Welt ein wenig lösen, und dann konnte er sogar eine Berührung spüren, doch er schaffte es einfach nicht zu fliehen. Alles in seinem Kopf schrie, doch er selbst musste stumm bleiben, kein Ton kam über die Lippen. Er lag nur weiterhin regungslos da, als wäre er schon längst tot. Und vielleicht war das auch gar nicht mehr so weit entfernt. Vielleicht schalteten sie die Maschinen bald einfach ab, weil sie keinen Sinn mehr darin sahen, ihn am Leben zu erhalten. Dabei wollte er doch leben, mehr als alles andere. Er konnte Chris nicht alleine lassen, das durfte er nicht, niemals im Leben. Wie sollte er denn all das überstehen, wenn ihm jetzt auch noch sein Freund wegstarb? Wie sollte er all das auf sich nehmen können? Nein, diese erdrückende Bürde konnte Ethan ihm nicht auferlegen und so kämpfte er, schwamm er, während Tage verstrichen.

Einige wenige Verwandte und Bekannte trudelten in den nächsten Tagen ein. Ein oder zwei von Chris´ Hippiefreunden, einige andere Freunde, aber so gut wie keine Verwandten. Ethans Eltern waren längst verstorben, einzig eine seiner Tanten hatte es geschafft, Tränen am Bett des Schwerstverletzten zu vergießen. All das bekam er gar nicht mit. Die einzige Stimme, die es bis jetzt hinter die Wirren seines Komas geschafft hatte, war die seines Freundes gewesen. Wenn man sich nach dem Zustand erkundigte, erhielt man immer nur ratloses Kopfschütteln der Ärzte. Sie würden noch warten, sagten sie immer wieder, immerhin sei sein Zustand stabil, aber langsam würden sie darüber diskutieren, wer im Falle eines Falles die Entscheidung treffen würde: Ob die Maschinen abgeschaltet werden sollten. Man hielt den jungen Freund am geeignetsten, wollte ihm diese Bürde aber jetzt noch nicht auferlegen. Das hätte nur zu einem vollkommenen Zusammenbruch geführt, mahnten die Ärzte. Vielleicht hatte das die notwendige Verzweiflung in Chris hervorgerufen, denn als er abermals mit tränenerstickte Stimme zu dem Komapatienten sprach, ging ein leichtes Zittern durch den abgekämpften Körper. Ethan wollte zu ihm, fort aus diesem Meer und zur Überraschung der Ärzte gelang es ihm wirklich, die Augen aufzuschlagen. Erst war es nur ein kurzes Zucken der Augenlider, dann kehrte das Gefühl langsam in all seine Gliedmaßen zurück. Leicht drückte er die Hand des Freundes, während das Licht langsam in seine Welt zurückkehrte, beinahe blendete es ihn. Nur sehr zögerlich begann er, alles wieder wahrzunehmen, Umrisse, Konturen, selbst die Geräusche, die er während seines Komas so deutlich wahrgenommen hatte, waren jetzt wie in Watte verpackt. Das erste, was er sah, was das Gesicht irgendeines Arztes, der seine Reflexe testete, doch es wurde schnell verdrängt von dem ausgemergelten Gesicht seines Freundes.
Chris sah grauenvoll aus, ob er auch nur eine Stunde geschlafen oder gar etwas gegessen hatte? So aussehen tat er jedenfalls nicht. Ethan wusste ja nicht, dass er selbst sogar noch schlimmer aussah, in den wenigen Tagen hatte er eine ganze Menge abgenommen, sein Gesicht war leichenblass mit dunklen Augenringen. Fast so, wie man sich einen ordentlichen Zombie vorstellte. Doch allein Chris zu sehen, dass er lebte, malte ein feines Lächeln auf seine Lippen.
„Chris…..“
Seine Stimme war schwach, klang merkwürdig fremd in seinen Ohren und war nicht mehr als ein Wispern. Aber er lebte. Und jetzt, wo er wieder zurück war, würde er auch nicht wieder gehen, das nahm er sich fest vor. Am liebsten hätte er den Hippie jetzt fest an sich gedrückt um zu spüren, dass er wirklich lebte, dass das alles kein Traum war, aber so stark war er dann doch noch nicht. Also klammerte er sich so fest wie er konnte an seiner Hand fest.
„Ich würde dich….doch nie a-allein lassen“, brachte er leise hervor und das Lächeln wurde ein wenig größer. Sie würden das irgendwie überstehen, da war Ethan sich sicher, wenn er es geschafft hatte, aus dem Koma zu erwachen, dann würden sie den Rest auch überstehen. Irgendwie….

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Di Aug 24, 2010 10:24 pm

Die Tage kamen Chris wie Jahre vor, wie die Ewigkeit, wie das unendliche Universum. Immer wieder verbrachte er Stunden in dem Stuhl, versuchte auf seinen Freund einzureden, manchmal drohte er ihm sogar, er drohte ihn damit nicht mehr die Miete zu zahlen oder mit anderen Banalitäten, die ihn irgendwie wach bekommen sollten, doch nichts wirkte, es erschien ihm so, als würden seine Worte nichts bezwecken, als könnte Chris nichts mehr gegen das Schicksal tun, alles erschien so hoffnungslos wie noch nie.
Die Ärzte zwangen ihn immer wieder, sich im Bett auszuruhen – ihm mochte es vielleicht 'besser' ergehen, aber dennoch zählten sie seinen Status unter schwerverletzt, weswegen er ab und an sich ausruhen musste, Schlaf brauchte und vor allem Nahrung zunehmen mussten. Chris hörte ab und an auf sie, kroch beinahe in sein Bett zurück, doch am Abend, wenn sie wieder ihre Ruhe bekamen, stieg er wieder unter der Decke hervor und schlich beinahe zurück zu dem Stuhl, wo er die Nächte immer wieder verbracht hatte und am Morgen danach jedes Mal von den Schwester ermahnt wurde, doch es war ihm egal.
Chris wurde alles egal, das Essen rührte er seit Tagen nicht an, trotz mehrerer Drohungen, dass sie ihn im schlimmsten Falle Zwangsernähren würden, wenn er nicht endlich mit ihnen kooperierte.
Bis jetzt hatten sie es nicht getan und der junge Mann war froh darüber.
Manchmal waren jedoch auch andere Menschen im Raume, abgesehen vom Personal. Manchmal kamen seine Freunde zu ihm, brachten ihm Blumen, die sie irgendwo in der Nähe einer Autobahn gepflückt hatten, redeten auf ihn ein und versuchten alles Mögliche, um ihn abzulenken, sie fragten ihn nicht einmal, was eigentlich vorgefallen war, was den Hippie erfreute, irgendwo tief im Inneren. Er selbst wechselte nur wenige Worte, lächelte manchmal und tat so, als ob es ihm wieder gut ging.
Selbst als seine Eltern sich die Mühe gemacht hatten und ihn besucht hatten, ließ er sich nichts anmerken. Sein Vater tat alles daran, um die Kerle, die ihnen aber vor allem ihm das angetan hatten, zu schnappen, schließlich sollte man solches Gesindel aus seiner Stadt so schnell es nur konnte verjagen, die Straßen von der Kriminalität reinigen. Und während sein Vater quer durch's Krankenhaus rannte und das Personal anschrie und sie aufforderte, sich besser um ihn zu kümmern, saß seine Mutter einfach nur stillschweigend neben ihn und traute sich nicht ein Wort zu sagen, wie immer. Chris wusste nicht so genau, ob er ihr dankbar sein sollte oder ob er wütend auf sie sein sollte, irgendwo war es eine Mischung aus beidem, aber vor allem war es eine gewisse Gleichgültigkeit. Es interessierte ihn nicht, wer ihn alles besuchen kam, es interessierte ihn noch weniger, ob das Personal sich noch intensiver um ihn kümmerte oder nicht, es interessierte ihn noch nicht einmal, woher die Blumen stammen, die man ihm gepflückt hatten oder dass die Ärzte es für besser hielten, wenn Chris das tat, was sie ihm sagten, wenn er gesund weiterleben wollte, geschweige denn überhaupt leben wollte. Was sollte das alles auch für einen Wert haben, wenn es so schnell wieder weggenommen werden konnte. Vielleicht würde irgendein Land am nächsten Tag eine Atombombe auf sie werfen und sie alle würden sterben, vielleicht würde jemand an einer unheilbaren Krankheit verrecken, vielleicht würde sein Vater morgen erschossen werden..die Welt war kein Ort, wo man sich mehr wohl fühlen konnte und Chris war dumm zu glauben, dass es irgendwo etwas Lohnenswertes gab, was das Leben ein wenig verbesserte.
Immer wieder stiegen Tränen in ihm auf, wenn er das Gesicht seines Freundes anschaute, wenn weitere Worte nichts bewirkten und sich der Körper seines Freundes nicht ein einziges Mal regte. Vielleicht würde er ja nie wieder erwachen und vielleicht ließ er ihn ja tatsächlich für eine Weile alleine...wenn nicht sogar für immer. Dann waren auch die Drohungen, dass er die Miete nie wieder mitbezahlen würde, nichts weiter als heiße Luft..

Chris nickte in dem Stuhl kurz ein, als der Schmerz sich wieder einmal meldete und ihm den Schlaf, wie in all den Tagen zuvor bereits, raubte. Beim Blinzeln der Augen, schmerzte es immer noch und die Schwellungen wollte einfach nicht zurückgehen, doch auch seine Stimme hatte er bis jetzt auch nur stückweise zurückbekommen, immer noch klang er wie ein sterbendes Huhn und so fühlte er sich auch. Leise in sich hineinseufzend, drückte er ein weiteres Mal die Hand seines Freundes, musterte ihn prüfend, in der Hoffnung, er würde irgendwie reagieren.
„Keine Ahnung, ob es dir was bringt, dass ich hier bin...“, wisperte er leise, wischte mit der anderen Hand die Tränen aus dem Gesicht, ließ den Blick kurz aus dem Fenster wandern. Seine Freunde hatten gesagt, dass es endlich wieder kälter geworden war, zwar noch nicht so kalt, dass man wieder die langen Teile rausholen konnte, aber man verbrutzelte nicht mehr und das war an sich ja eine ganz gute Sache...dummerweise hatten die beiden nichts davon.
„...aber es würde mir so viel bringen, wenn du jetzt hier wärst.“, schluchzte der Hippie nach einer Weile, machte sich gar nicht mehr die Mühe, die Tränen irgendwie wegzuwischen, sie würden eh wiederkehren und sie würden sowieso wieder Bahnen auf seinem Gesicht ziehen, in seinen Wunden brennen und niemals dem Leid ein Ende setzend. Chris wusste nicht mehr, was er tun sollte, in seinem Kopf machte sich eine unendliche Leere breit, sodass es ihn beinahe wahnsinnig machte. Er war es leid, ständig zu sitzen und auf ein Wunder zu warten, er war es Leid, jeden Tag die selben Stimmen in seinen Ohren säuseln zu hören, er war es satt, dass man ihm tagtäglich irgendwelche Mittel in die Venen spritzte, dass man die Dosis an Schmerzmittel wieder verringert hatte, damit er nicht davon abhängig wurde. Am liebsten wäre er mit Ethan im Schlepptau abgehauen, doch wie? Wie sollte er das anstellen, wie sollte er seinen Freund wach bekommen, wie sollte er wieder gesund, wie sollten sie wieder so schnell gesund werden?!
Der Blonde wollte abermals wegschauen, sich von seinem Freund wegbewegen, als seine Augen ihm blinzeln sahen. Die Pupillen weiteten sich plötzlich und Chris spürte zum ersten Mal, wie sein Herz heftig gegen sein Brustkorb schlug und herauszuspringen drohte. Er wollte am liebsten aufspringen, Ethan in die Arme schließen, doch bei seiner ruckartigen Bewegung, drang erneuter Schmerz durch seine Glieder und zwang ihn, sich erneut in den Stuhl zu setzend.
„Du dämlicher Vollidiot!“, brach seine Stimme nur bebend heraus, ehe sich sein Körper begleitet vom lauten Schluchzen krümmte, seine Hand die des Mitbewohners so stark drückte wie er nur konnte. Diesmal mussten sich die anderen nicht Sorgen machen, diesmal waren die Tränen, das laute Schluchzen nichts Weiteres als ein Ausdruck seiner Freude, der Freude darüber, dass sein Freund wach war, sich unter den Lebenden befand, dass er wieder mit ihm reden konnte, ohne das Gefühl zu haben, nicht erhört zu werden.
„Warum lässt du mich nur so lange allein..“, wisperte er leise in sich hinein, starrte den Tränen hinterher, die auf den Fußboden tropften, wischte sich die restlichen Tränen abermals vom Gesicht, eher wieder Ethan anschaute, ihn einen Moment lang musterte..hoffentlich blieb er für immer wach..
„..ich hab' dich vermisst.“

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Di Aug 24, 2010 11:23 pm

Er konnte sich nichts Schöneres vorstellen als Chris wieder lächeln zu sehen. Seine Schreie und sein Leid hatten sich so tief in seine Seele eingebrannt, dass er gedacht hatte, sein alter Freund wäre dahinter völlig verblasst. Dass er nie wieder glücklich werden konnte mit all den Bildern in seinem Kopf, all den Erfahrungen, die man ihm aufgezwungen hatte. Gerade für Chris musste das doch umso schwerer gewesen sein, glaubt er nicht an das Gute im Menschen? War es nicht das, wozu er die Menschen irgendwie bewegen wollte? Und dann musste er erfahren, wie grausam Menschen wirklich sein konnten, was sie ihren Mitmenschen alles antun konnten, ohne Rücksicht auf Verluste, einfach nur zum Spaß. Den Hippie musste das doppelt hart getroffen haben. Ethan hatte zu mindestens schon den Krieg gesehen. Und doch war es etwas völlig anderes, wenn man sah, aus welch niederen Motiven Menschen angegriffen wurde und man völlig willkürlich ihren Lebensgeist zerschlug. Aber sie hatten es nicht geschafft, sie umzubringen, nein….Sie waren beide noch hier, arg angeschlagen, aber immerhin hatten sie einander. Das war alles was zählte. Nach dem langen Koma war es ein Segen, alles wieder in klaren Farben sehen zu können, alles genießen zu können. Es war berauschend, am Leben zu sein. Wie ein Blinder, der plötzlich sehen oder ein Tauber, der auf einmal hören konnte, so fühlte sich Ethan jetzt. Für eine scheinbar endlose Zeit starrte er Chris einfach nur an, und auch wenn er völlig unterernährt und erschöpft aussah, schien es im Moment nicht Schöneres zu geben. Der Druck seiner Hand war fest, aber er es erinnerte ihn letztendlich nur daran, dass er zurück war. Außerdem war er noch viel zu benebelt, um Schmerz zu verspüren. Er konnte einfach nur lächeln, am liebsten hätte er laut losgelacht und Chris an sich gedrückt, hätte der Welt seine Freude entgegen geschrien, aber er wollte sich lieber nicht übernehmen. Noch erschien ihm sein neu wiedergewonnenes Leben wie ein Sprössling, den man mit äußerster Vorsicht behandeln musste, damit es eine Blume wurde. Und so hielt der junge Mann ihn lieber noch schützend in seiner Hand. Die beiden verschiedenfarbigen Augen musterten Chris eingehend, bevor er ganz leicht den Kopf schüttelte.
Du bist der Vollidiot, du solltest dich doch ausruhen, und nicht Tag und Nacht bei mir sitzen.“
Ethan wusste, dass er das getan hatte, denn die ganze Zeit über hatte er seine Stimme vernommen, oder wenigstens sein Weinen. Es war fast nie still gewesen in seiner Komawelt. Und das war auch gut so gewesen, denn vielleicht wäre er sonst nie zurück gekommen. Vielleicht hätte er den Weg zurück nicht gefunden und hätte sich auf ewig verloren. Chris hatte ihm vermutlich das Leben gerettet. Egal, was für unberechtigte Vorwürfe er sich machte, damit musste doch alles wieder Quitt sein. Damit hatte er alle eventuellen Schulden getilgt, sogar die blöden Kautionskosten. Gut, dass er noch immer total vollgepumpt war mit Schmerzmitteln und anderen Medikamenten, sodass es ihm gelang, sich beinahe wie in Zeitlupe aufzurichten und seine Arme um den Hippie zu legen.
„Ich hab´ dich auch wahnsinnig vermisst“, murmelte er leise an seiner Schulter. Er hatte sich so schrecklich allein gefühlt in der Welt in seinem Kopf. Die Tür ging auf, als eine empörte Krankenschwester den gerade Erwachten davon abhalten wollte, sich so viel zu bewegen, aber als sie die beiden jungen Männer so sah, konnte sie sie einfach nicht so herzlos trennen. Leise schloss sie die Tür wieder hinter sich, ein sanftes Lächeln auf den vollen Lippen. Erst jetzt, als er einigermaßen aufrecht saß, spürte er, wie weh ihm alle Muskeln von dem langen, starren Liegen taten. Natürlich war es mehr ein dumpfes Pochen, denn auch hiergegen wirkte das Morphium phantastisch, aber er konnte erahnen, wie unangenehm die nächsten Nächte werden mussten. Wie lange man sie hier wohl hierbehielt? Ethan konnte es schlecht einschätzen, aber es war sicherlich eher eine Sache von Wochen als von Tagen. Der junge Arzt wollte sich Mühe geben, damit sie schnell wieder gehen konnten. Er sehnte sich bereits jetzt nach ihrer kleinen, allerdings doch in all ihrem Chaos irgendwie gepflegten –dafür sorgte Ethan schon, dafür war er einfach zu penibel!- Wohnung. Einige Satzfragmente zuckten durch seinen Kopf, Erinnerungen, die sich festgesetzt hatten, weil sie ihm in seinem Koma so diffus erschienen waren.
„Und die Miete wirst du schön weiterbezahlen…..Wie soll ich denn allein….für die Wohnung aufkommen?“
Ein heiseres Lachen drang über seine Lippen und schien die Stille zu füllen mit Heiterkeit. Wenigstens so lange, bis es dann in ein klägliches Husten überging. All die Schläuche und Kabel an seinem Körper störten ihn schrecklich und er hoffte, bald darauf verzichten zu können. Momentan fühlte er sich kaum wie ein Mensch, sondern eher wie ein Roboter an der Steckdose. Erst nach einer ganzen Weile löste er sich beinahe widerstrebend von Chris und ließ sich zurück in die Kissen sinken. Die Krankenschwester schien beinahe in der Tür gelauert zu haben, denn sofort stand sie wieder im Raum, mit einem höflichen Lächeln im Gesicht.
„Kann ich die Herren nun dazu bewegen, etwas zu essen?“
Ethan nickte eifrig, er hatte wohl seit einer knappen Woche keine feste Nahrung mehr zu sich genommen und auf einmal hatte er schrecklichen Hunger. Sogar das allzeit bekannte Krankenhausessen konnte ihn da nicht wirklich abschrecken. Kaum zwei Stunden später fühlte er sich schon sehr viel menschlicher, als ein Großteil der Kabel entfernt worden war und er leicht aufrecht im Bett sitzen konnte. Nach den Maßstäben eines durchschnittlichen Menschen erging es ihm vermutlich immer noch beschissen, doch im Vergleich zu seinem vorangegangenen Status war das eine Steigerung von gut hundert Prozent. Immer wieder warf er einen Blick zu Chris hinüber um sicher zu gehen, dass er noch immer da war, er vielleicht nicht noch immer in einem schrecklichen Alptraum steckte, der sich ihm jede Sekunde offenbaren konnte. Aber Chris blieb dort und seit Tagen schien einmal alles in Ordnung zu sein.
Ungefähr bis zu dem Punkt, als sich die Tür abermals öffnete und ein uniformierter Polizist eintrat und sich verdächtig unschuldig zwischen die beiden Männer auf einen Stuhl setzte.
„Ich würde gerne mit Ihnen beiden über die vergangene Tat reden, damit wir die Täter-„
Weiter kam er nicht, Ethan saß dort und schüttelte heftig den Kopf, die Augen zusammengepresst. Einige mühsam unterdrückte Tränen rannen nun über seine Wangen.
„Ich will jetzt….noch nicht darüber sprechen…..“
Er stützte seinen Kopf auf die Handflächen, versuchte, sich ein wenig zu beruhigen. Doch allein die Vorstellung, sich an alles erinnern zu müssen, war schon grausam genug. Und wenn es bereits ihm schon so erging, wie dann erst Chris, der in dieser Hinsicht viel mehr hatte durchmachen müssen als er selbst?

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mi Aug 25, 2010 8:27 pm

Chris lächelte leicht. "Dabei habe ich so gehofft, dass du die Miete übernehmen würdest.", murmelte er, seinen Freund leicht anlächelnd.
Er hatte sich ein wenig erschrocken, als die Krankenschwester das Zimmer betrat und auf sie einredete...diese Wesen waren eindeutig zu leise für sein Gehör. Er nickte leicht, ließ sich von ihr helfen, als sich der junge Mann ein weiteres Mal vom Stuhl erhob und langsam zum Bett tappste. Immer noch war es schwierig für ihn, doch er war froh, dass er wenigstens nicht so sehr an sein Bett gefesselt war, wie sein Freund.
Es tat so gut, ihn wieder wach sehen zu können, zu sehen, wie er sich bewegte, alleine schon ihn dabei zu beobachten, wie er das ihnen servierte Essen zu sich nahm, war für Chris wahrlich ein Segen, wo er doch in den Tagen davon ausging, nie wieder seine Stimme hören zu können. Menschen ahnten gar nicht, wie froh der Hippie in diesem Augenblick doch war, wie schön sich das Leben für einen Augenblick anfühlte, ohne irgendwelcher Hintergedanken, ohne der stetigen Angst, dass Ethan wieder ins Koma fallen würde, dass die Tür auffliegen würde und sie wieder mitgenommen werden würden..von den Bikern. Nein, die Sorgen waren für einen Moment wie verflogen, als ob es nie welche gegeben hatte. "Du stopfst ja alles in dich rein wie ein Bär.", ermahnte ihn der Blonde, schenkte ihm ein breites Lächeln. Verständlich, dass er Hunger hatte, hätte Chris wahrscheinlich auch..obwohl er sogar jetzt, wo sein Freund wieder bei ihm war, kein bisschen Hunger hatte, so rührte er auch kaum etwas von dem Essen an, das auf einem Tablett vor ihm stand und nur darauf wartete, verputzt zu werden. Sein Magen machte schon lange keinen Aufstand und grummelte nur noch selten und der Appetit, der war bereits seit einiger Zeit vergangen und man sollte ja nie wirklich übertreiben, bevor es ihm noch schlecht wurde und er wieder einige Tage ohne Nahrung verbringen musste.
Gedankenverloren ließ Chris seinen Blick nach draußen wandern, erneut war der Tag verstrichen und der späte Abend kehrte in der Großstadt auf, noch nie hatte er so viele Sonnenunter- und Aufgänge hintereinander erlebt, wie im Krankenhaus und das, obwohl er praktisch nur draußen lebte. Doch so oft er auch den Blick nach draußen wagte, umso öfter erwischte sich der Grünäugige dabei, wie er besorgt zu Ethan schielte, immer wieder sicher gehen wollte, dass dies weder ein Traum, noch das Glück von sehr kurzer Dauer war. Immer wieder durchzuckte die Panik seinen Körper, immer wieder die Angst, ihn ein weiteres Mal zu verlieren und genau das wollte er um jeden Preis nicht. Alles war bis jetzt erträglich, doch sollte es seinen Mitbewohner erneut aus dieser Welt reißen, würde Chris nicht weiterleben wollen...nicht so.
Als er ein weiteres Mal zu Ethan rüberschielte, musste er fast über sich selbst lachen, wie übervorsichtig, wenn nicht sogar paranoid er geworden war. Ihm ging es gut, besser als in den Tagen zuvor..vielleicht sollte er endlich verstehen, dass er ihn nicht mehr verlassen würde..doch war dies schwieriger, als mahn ahnte, vor allem, wenn die Schuldgefühle einen beinahe dazu trieben, alles zu tun, damit es Ethan gut ging, damit er nicht dank Chris erneut etwas durchleben musste, was er nicht verdient hatte. Panisch schüttelte der Blonde seinen Kopf, als ob er ein Insekt von den Haaren schütteln wollte, ein Insekt, das ihm schreckliche Gedanken ins Gehirn pflanzen wollte. Nein, das brauchte er nun wirklich nicht, nicht jetzt und vor allem nicht heute.

Der Blonde zuckte heftig zusammen, als sich die Türe ein weiteres Mal öffnete, zog die Decke etwas näher an sich. So ging es ihm schon die ganze Zeit, jedes Mal, wenn jemand den Raum betrat, hatte er solch eine Panik, dass er drohte, aus dem Fenster zu springen, doch bei dem Anblick des Polizisten, entspannte er sich, wenn auch nur ein wenig, ließ die Hände von der Decke, sich nachdenklich am Kopf kratzen. Es kam ihn nicht in den Sinn, was dieser Mann von ihnen wollte, bis er seinen Mund aufmachte und auf sie einredete.
Rasch ging sein Blick zur Seite, starrte in das Gesicht seines Mitbewohners. Was sollte er tun?! Sie kamen beinahe jeden Tag zu ihm und jedes Mal weigerte er sich, mit ihnen auch nur ein Wort zu wechseln. Chris verdrängte den Tag seit einiger Zeit, tat so, als ob es nie geschehen war, denn nur so lebte es sich ein bisschen besser, wenn auch nur minimal.
"..können..können wir es nicht nur bei der Beschreibung der Täter belassen?", fragte er den Polizisten nach einer Weile, als dieser aufseufzend versuchte ihnen zu erklären, dass dies sein Job war und mit weiterer Hinauszögerung, sie irgendwann keine andere Wahl hätten, als die Sache fallen zu lassen, da Hunderte von solchen Fällen im Revier anstünden. Chris konnte die Uniformträger auf der einen Seite verstehen, auf der anderen hingegen zweifelte er stark daran, dass sie irgendetwas bewirken könnten.
"Wie wäre es damit..", fuhr der Alte anschließend fort, legte für einen Moment seinen Block beiseite, die beiden abwechselnd musternd.
"Ihr erzählt mir im groben, was geschehen ist und dann kommen wir zur Täterbeschreibung, die ihr jedoch nicht bei mir abgeben werdet, sondern bei einem Kollegen, der bereits vor der Tür wartet."
Der Hippie nickte stumm. Wie sollte er ihnen nur den ganzen Mist erzählen?! Es schmerzte ja alleine schon, wenn man nur daran dachte, wie furchtbar sollte es dann sein, wenn er es erzählen würde, einem fremden Mann?
Unsicher wanderte der Blick zu Ethan, fast schon flehend starrten die Augen sein Gesicht an, während er mit den Tränen kämpfte, während sich alles dagagen sträubte, zu weinen..er hatte es zu oft in den Tagen getan, da fragte man sich noch, wo er all diese Tränen hernahm.
Für einen Moment schloss Chris seine Augen, schaute einem eigenen Kopfkino, dass ihn wie ein Walze urplötzlich überrollte.
"Wir...waren feiern, ganz normal.", sagte er anschließend leise, knetete unruhig seine Hände, während der Blick aus dem Fenster gerichtet war.
"..als uns in einer Gasse fünf oder sechs Kerle einkreisten und zusammenschlugen. Ich konnte mich nicht wehren, ich war zu betrunken und dann...", er stockte, starrte stillschweigend sein Spiegelbild an, das vom Fenster aus ihn mit glasigen Augen beobachtete. Nie hätte er sich träumen lassen, dass es so schwer fallen würde, dass es so wehtun würde, es zu erzählen, oder gar daran zu denken. Chris hatte gehofft, dass ihn nie wieder jemand auf die Sache ansprechen würde, hoffte so sehr, dass er dies bald vergessen oder zumindest so sehr verdrängen konnte, dass es ihn nicht jede Minute begleitete, wie eine unheilbare Krankheit.
"..sie n- nahmen uns mit und....", nein, er konnte es nicht, es war zu viel, die Wunden waren noch nicht so verheilt, dass man wieder in ihr herumstochern konnte.
Weinend brach der junge Mann zusammen, schluchzte leise in sich hinein, während die Hände das Gesicht vergruben. Chris hörte nichts mehr um sich herum, nur seine eigenen, kläglichen Laute drangen in seine Ohren hinein.
Erst als eine warme Hand sich auf seine Schulter legte, stockte der Hippie für einen Moment, schaute hinauf, direkt in das Gesicht des Polizisten, der ihn mitleidig anschaute.
"Sie hatten eine schwere Zeit, ich kann das verstehen. Wenn Sie sich nicht mehr an etwas erinnern können, oder es einfach nicht sagen können, ist es nicht weiter schlimm. Es ist mir nur wichtig, dass Sie und Ihr Freund meinem Kollegen die Täter bitte beschreiben."
Chris nickte nur, schaute dem älteren Herren hinterher, als er das Zimmer verließ und sogleich ein anderer Mann, diesmal im Anzug den Raum betrat. Bekamen sie denn gar keine Ruhe mehr?
Der Herr stellte sich kurz vor, erklärte ihnen, dass er die Phantombilder erstellen würde, weswegen er die Beschreibung der Täter brauchten.
Chris brauchte nicht lange um zumindest einen zu beschreiben- den, der ihn bereits im Knast belästigt hatte, und der, der als erste..nun ja, das getan hatte, worüber er gar kein Wort oder gar einen Gedanken verlieren wollte.
Knapp zehn Zentimeter größer war der Kerl gewesen, hatte ein unrasiertes Kinn, generell erschien sein Gesicht unrasiert und dennoch kein Bart. Die haare lang gehalten, dunkelblonde, schmutzige Haare, ein Ärmelloses weites Shirt, eine schwarze Lederhose, Cowboystiefel und fingerlose Lederhandschuhe. Er beschrieb alles, was an seinem Gesicht ihm aufgefallen war, er erinnerte sich sogar noch an seine Stimme. Bei den anderen hingegen hatte er keine Ahnung, er hatte sie nie wirklich zu Gesicht bekommen, er wusste nicht, was sie trugen, er wusste so gut wie nichts über sie, nichts, was dem Mann zumindest helfen könnte. Auch Ethan hatte wenigstens genügend Selbstbeherrschung gehabt um einige von den Kerlen zu beschreiben, schließlich konnte er die anderen besser erkennen als der damals auf dem Boden liegenden Chris und irgendwo war er auch froh darüber gewesen. Ohne sich weiter mit dem Mann im Anzug zu beschäftigten, kauerte sich Chris im Bett zusammen, wischte die ansteigenden Tränen immer wieder weg, bis keine Tränen mehr aus den Augenwinkeln angetröpfelt kamen.
Der Mann bedankte sich bei den beiden und würde sich mit den fertigen Bildern bald bei ihnen melden. Dann waren sie endlich wieder allein. Wortlos starrte Chris seinen Freund an, wusste nicht was er sagen sollte, wusste nicht, was er machen sollte...er wusste auf einmal gar nichts mehr.
"Wie...wie sind wir eigentlich hierher gekommen?"


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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mi Aug 25, 2010 11:27 pm

Ethan war wütend auf sich selbst, dass er Chris jetzt mit dieser Aufgabe alleine ließ. Er hätte sich auch zusammenreißen können, nein, er musste sich jetzt zusammenreißen. Das war wichtig, damit diese Mistkerle nicht ungeschoren davonkamen. Und das wollte er nicht, sie hatten eine lange Haftstrafe verdient und selbst damit, so war der junge Arzt sich sicher, waren sie noch zu einfach weggekommen. Dennoch wusste er auch, dass sie auf mehr nicht hoffen konnten. Für schwere Körperverletzung und Vergewaltigung bekam niemand die Todesstrafe. Aber wenigstens um ein Zeichen zu setzen, dass sie mit so etwas nicht durchkamen. Um ihnen zu zeigen, dass sie dafür zu zahlen hatten. Und vielleicht musste Chris dann nicht mehr so in Angst leben, denn Ethan sah sehr wohl, wie sehr er immer zitterte, wenn auch nur jemand an der Tür vorbeilief, wie er in seiner Angst festsaß. Wenn die äußerlichen Wunden auch irgendwann verheilt sein mochten, keiner konnte wissen, wie lange das noch in ihren Köpfen steckte und sie peinigte. Und vergessen können würden sie die Bilder niemals. Nie im Leben, sie würden da sein in einsamen, stillen Stunden und mitten in der Nacht, nach und in Alpträumen. Ethan wurde jetzt oftmals schon schweißgebadet wach und sah die Szenen grotesk verzerrt in seinem Kopf nachhallen. Dann konnte er die Tränen wieder einmal nicht zurückhalten und fühlte sich so schrecklich schwach und verletzlich, doch er wusste, dass es dem Hippie auch nicht besser erging. Denn manchmal im Halbschlaf hörte er ihn auch weinen und schluchzen. Aber es war in Ordnung. Ethan kannte Männer, die nach schrecklichen Erfahrungen so taten, als wäre alles gut, die mit versteinerten Mienen und erzwungenem Lächeln dasaßen. Und meistens lebten sie nicht mehr lange, wurden von ihren angestauten Ängsten schließlich erstickt. Ethan wollte nicht, dass es ihnen genau so erging. Da weinte er sich lieber die Augen aus dem Kopf, als so verkrüppelt zu werden. Seelisch verkrüppelt.
Er wusste, dass die Polizisten auch nur ihren Job machten, sie machten ihn sogar mit einer Sensibilität, die er ihnen gar nicht zugetraut hätte, trotzdem war er froh, als der ältere Mann endlich aus dem Zimmer verschwand. Und er war froh, dass Chris nicht mit zitternder Stimme alles rekonstruiert hatte, dass er den Bildern nicht Ausdruck verliehen hatte in seinen Worten. Sie waren auch so noch greifbar genug. Es war so schon schwer genug, sich an die Nacht erinnern zu müssen, indem er sich die Gesichter ihrer Peiniger wieder in Erinnerung rief. Aber er musste, denn Chris war nicht vollständig in der Lage dazu. Die Tatsache, dass sich ihm die Bilder so sehr eingebrannt hatten, hatte wenigstens den Vorteil, dass er sich an jeden dieser Hunde genau erinnern konnte. Sie alle waren doch irgendwie gleich gewesen in ihren Lederkluften, die Haare streng mit Gel zurückgelegt. An ein paar konnte er sich gut erinnern, an einige andere weniger. Der, den Chris am besten hatte identifizieren können, das musste wohl der Anführer der Gruppe gewesen sein. Aber ins Gefängnis sollten sie am besten alle. Ethan ging mit stockender Stimme all die Kerle durch, die ihm einfielen und versuchte dabei möglichst all das auszublenden, was sie getan hatten. Auch so war die Reise durch seine Erinnerung ein wahrer Alptraum. Als der Phantombildzeichner ihnen schließlich nickte und ihnen so bald wie möglich die fertigen Bilder versprach, kam ihm alles noch einmal völlig real vor. Es war kein böser Alptraum, den er in die hinterste Ecke seines Kopfes verbannen konnte. Die Biker existierten noch immer wirklich, wer wusste, was sie gerade trieben. Vielleicht taten sie irgendwem gerade genau das Gleiche an wie ihnen? Ethan dachte darüber nach, während er aus dem Fenster in die Abenddämmerung starrte. Sie mussten einfach aufgehalten werden, auch ohne diese Drecksäcke gab es genug Kriminalität auf der Straße. Man dachte sein ganzes Leben lang „So etwas passiert nur anderen“, doch wenn es einem selbst zustieß, dann konnte nichts auf der Welt das je wieder gut machen. Dann waren all diese törichten Überlegungen auf einen Schlag unwichtig.
Mit schwacher Stimme verabschiedeten sie sich von dem jungen Mann, der von dannen zog, um hoffentlich bald mit Resultaten zurückzukommen, damit sie wenigstens nicht vollkommen das Gefühl hatten, dass all das Aufwirbeln völlig umsonst gewesen war. Die Stille, die darauf folgte, war drückend und schwer und wollte mit Worten gefüllt werden. Ethan war unglaublich froh, als der Hippie schließlich das Schweigen brach. Es war eine gute und sehr berechtigte Frage, die Ethan ihm nicht einmal auf Anhieb beantworten konnte. Nachdenklich strich er sich einige Strähnen aus der Stirn, starrte eine Weile ins Leere, während das Zimmer um ihn herum langsam dunkler wurde. An die Krankenwagenfahrt erinnerte er sich grob, doch was war davor gewesen? Plötzlich fiel es ihm wieder ein, jemand hatte sie gefunden.
„Da war ein dunkelhaariger Mann…..Mit einer Menge Tattoos“, begann Ethan vorsichtig, seine Erinnerung wieder zusammen zu setzen. Er stockte, dachte nach. Viel mehr wollte ihm zu dem Kerl gar nicht einfallen. Eigentlich schade, denn immerhin hatte er ihnen das Leben gerettet. Ohne ihn wären ihre Leichen vielleicht vor ein paar Tagen in der Gosse gefunden worden. Seine eigene auf jeden Fall.
„Wir sollten uns wirklich bei ihm bedanken“, murmelte der junge Mann. Vielleicht hatte das Krankenhaus ja seine Personalien aufgenommen, dann konnten sie bei ihm vorbeischauen, sobald man sie aus diesem Krankenhaus rausließ. Hoffentlich dauerte das nicht mehr allzu lange. Er hielt es in diesem sterilen Kasten sicherlich nicht mehr lange aus. Wenn man in einem Krankenhaus arbeitete, war es irgendwie was ganz anderes als wenn man als Patient dort war. Man hatte irgendwie das Gefühl, in einem Gefängnis zu sitzen. Immerhin konnte man nicht einfach so kommen und gehen wie man wollte. Was war das alles hier doch für eine verdrehte Welt…

Zwei Tage später bot sich ihnen zu mindestens ein kleiner Lichtblick, denn die Ärzte beschlossen endlich, sie von der Intensivstation runter zu lassen. Jetzt fühlte Ethan sich wenigstens nicht mehr wie ein totaler Pflegefall. Laufen war immer noch so eine Sache, die er lieber nicht versuchte. Als er in einer der vergangenen Nächte nur das kurze Stück zu Ethans Bett hinübergehen wollte, um ihn ein wenig zu trösten, war er daran schon gescheitert. Anscheinend hatte man ihm bei den ganzen Tritten und Schlägen auch den rechten Unterschenkel angeknackst. Und deshalb blieb Ethan nach wie vor ans Bett gefesselt, wollte er nicht mit Krücken durch die Gegend humpeln. Und dafür fühlte er sich momentan immer noch zu schwach. Aus Rücksicht auf ihren immer noch angeschlagenen geistigen Zustand hatte man ihnen beiden erst einmal wieder ein Zimmer alleine gegeben, doch eine ungewohnte Hektik riss Ethan aus dem Halbschlaf, in den er in den letzten Minuten hinübergeglitten war. Schlafen war eh das, was er in seiner Zeit hier am meisten tat. Und wenn er ehrlich war, brauchte er den Schlaf auch. Er war die meiste Zeit über nur erschöpft und schläfrig von den Schmerzmitteln, die man ihm immer noch gelegentlich gab und irgendwelche Bücher hatte er nicht zur Verfügung. Er konnte sich nebenbei mit Chris unterhalten, aber der musste sich auch viel ausruhen, und außerdem hatte Ethan das Gefühl, dass bei den Gesprächen immer wieder irgendwann lange Pausen voller Schweigen auftraten, in denen sie beide an das denken mussten, was geschehen war. Und dann doch nur wieder in lange Stille verfielen.
Im ersten Moment dachte er, irgendetwas wäre mit Chris geschehen, weshalb er ruckartig die Augen aufriss und sich beinahe panisch umsah. Aber seinem Freund schien es so weit gut zu gehen. Was den Aufruhr in ihrem Zimmer verursacht hatte, war wohl eher der neue Patient. Ethan konnte ihn nur schimpfen hören, wie er sich gegen die Behandlung zur Wehr setzte, die wohl aus einer Beruhigungsspritze oder Schmerzmittel bestand. Er machte einen solchen Aufstand, dass die Ärzte irgendwann kommentarlos gingen in der Annahme, der Mann würde sich wohl irgendwann von selbst melden, wenn ihm die Schmerzen zu groß würden.
Den Schürfwunden, die der Mann am ganzen Körper hatte und den Wortfetzen, die Ethan aufgeschnappt hatte, konnte man wohl auf einen Motorradunfall schließen, Ethan war das aus seiner eigenen Zeit als Arzt nicht unbekannt. Als er allerdings das Gesicht des Mannes sah, setzte sein Herz für einen Moment aus.
Etwas größer als Chris, ca. zehn Zentimeter, unrasiert, aber keinen richtigen Vollbart, lange, schmutzig blonde Haare….
Wie hätte er diese Visage vergessen können. Dieses dreckige Grinsen, seine pure Freude. In Ethan stieg die nackte Panik, sein Atem ging schwer, setzte teilweise ganz aus, während er wie gebannt auf den Biker starrte. Die paar Meter Zimmer, die zwischen ihnen lagen, schienen ihm auf einmal längst nicht genug zu sein. Hektisch sah er zu Chris hinüber, er musste ihn auch erkannt haben, gerade ihn. Am liebsten wäre er zu dem Hippie hinübergeeilt, hätte ihn so fest in den Arm genommen, wie er nur konnte, weil das Schicksal ihnen so einen üblen Streich spielte. Und schon richteten sich die Augen des Mannes auf sie, einen Moment lang schien er sie nicht zu erkennen, bevor ein schmieriges Grinsen über sein Gesicht lief. Ethan versteifte sich automatisch am ganzen Körper, hatte wieder das Gefühl, in der abgelegenen Gasse oder, noch schlimmer, in der Halle zu sein.
„Nein, Mädels, hätte ja nicht gedacht, dass ich euch noch mal wiedersehe.“
Seine Stimme troff wie Öl durch Ethans Welt und er fühlte sich so grauenvoll hilflos, als wäre er wieder an einen Stuhl gefesselt. Als hätte die letzte Woche gar nicht stattgefunden, in der er sich langsam regeneriert hatte.
„Man hat euch ja gut eingepackt, ich würde doch wirklich gern sehen, was wir bei euch alles so hinterlassen haben. War doch sicher die beste Nacht eures Lebens, nicht wahr?“
Er grinste Chris breit an, während Ethan am ganzen Leib zitterte, den Tränen erneut nahe. Er biss sich fest auf die Unterlippe, wie konnte man so stolz darauf sein, das Leben zweier Menschen bis auf die Grundfesten zu erschüttern?
„Ich lag tagelang im Koma, du Bastard“, schrie Ethan, seine Stimme überschlug sich fast, so aufgebracht war er. Und wieder schlug ihnen das Schicksal mitten ins Gesicht.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mi Sep 15, 2010 10:53 pm

Für einen Moment erschien die Welt ganz erträglich. Chris wusste, dass nichts mehr auf sie zukommen würde, nichts sonderbar Aufwühlendes und so konnte er wenigstens kurz sich sicher fühlen. Das Krankenhaus war öde, wie ihm in den zwei Tagen aufgefallen war und er durfte nichts tun, was seinen Kopf arg belastete, sie hatten Angst, er würde ein weiteres Mal in Ohnmacht fallen, was er so gar nicht verstehen konnte, aber Ärzte hatten ja für gewöhnlich immer Recht und wussten, was sie da taten.
Und trotz der Ruhe, zuckte sein Leib jede Nacht auf's Neue, immer wieder musste er vor seinen Träumen fliehen und immer brach er in Tränen zusammen. Manchmal wollte der Blonde gar nicht erst versuchen zu Schlafen, blieb so lange wach, bis irgendwann seine Augen automatisch zufielen, bis irgendwann einfach nicht mehr die Kraft da war, um auch noch den Schlaf zu unterdrücken.
Und dennoch waren die Tage besser, als gedacht, viel viel besser. Neben kurzen Besuchen waren es die Gespräche zwischen ihm und Ethan, die ihn aus den Gedanken rausholten. Zwar war dies nicht immer hilfreich gewesen, denn die Gedanken kamen und gingen wie eine Anzahl an Verwandte zu jeglichen Geburtstagen und anderen besonderes Tagen, sodass man sich nicht wirklich vor ihnen verstecken konnte, aber dennoch lenkten sie ihn oft genug ab und das war das Einzige, was ihn davon abbringen konnte irgendwas Verrückte zu tun.
Im Gegensatz zu seinem Zimmergenossen, konnte Chris laufen, zwar hatte er immer noch die ein oder andere Nadel im Arm stecken, weswegen er immer noch das kleine rollende Hilfsmittel mit sich mitschleppen konnte, was zugleich eine gute Stütze war, falls das Laufen dann doch viel zu anstrengend wurde, doch daran gewöhnte man sich zu seiner Überraschung sehr schnell.
Er wanderte gerne Nachts umher, wenn weniger in den Gängen los war und wenn Ethan endlich eingeschlafen war, um spätestens dann wieder von einen der Ärzte zurück in die Zelle geschoben zu werden. Immer wieder schauten sie ihn mit einem Blick an, der besorgt und leicht wütend aussah- wie der Blick seiner Mum als er noch ein dämliches Kind war und jede Menge Blödsinn anstellte, auch wenn dieser Mum- Blick oft vom Hausmädchen übernommen wurde, sie war auch viel fürsorglicher gewesen..
Chris hätte nie gedacht, dass so viele Gedanken von früher ihm in den Sinn kommen könnten, doch sie verdrängten das vor nicht allzu langer Zeit Geschehene und am liebsten wünschte er sich, dass er es für immer verdrängen konnte, im vollsten Wissen, dass dies eine nahezu unmögliche Sache war. So etwas verfolgte einen für's Leben.

Eigentlich waren Unruhen eine Sache, die bereits so Routine in diesem Krankenhaus war, dass Chris kaum aufgefallen war, dass der neue Patient da draußen ziemlich grob mit dem ganzen Personal hier umging und wenn er ehrlich war, war es ihm zum ersten Mal egal gewesen, was da draußen vor sich ging und welcher Idiot dieses Mal hierher geliefert wurde.
"..und eigentlich mag ich diese 'special cookies' gar nicht, aber dieser Kerl war SO penetrant, dass ich gleich drei Stück davon gegessen habe und dann..oh Gott..Ethan?", Chris wollte eigentlich weiter über seinen Trip des Lebens erzählen, als er merkte, dass sein Freund sein Gehör den Unruhen da draußen schenkte. Schmollend ließ nun auch er seinen Blick langsam hinaus wandern, hasste es zum ersten Mal so sehr, dass sie hierher verlegt wurden, wo man alles so gut mitbekam, doch sein Hass wurde noch größer, als er das Gesicht des fremden Patienten erkannte. Fast hatte sein Herz aufgehört zu schlagen, als er diese hinterlistigen Augen des Kerls erblickte, als sich ihre Blicke trafen. Chris hatte das Gefühl, er müsste sich gleich übergeben, ihm war noch nie so schlecht gewesen.
"Ethan...", wisperte er leise, krallte sich an die Bettkanten fest, drückte so stark das Metall, dass es schmerzte. Von allen Menschen auf dieser Welt, wollte er gerade diesem hier nicht begenen- er hätte alles ertragen können, aber das war zu viel.
Warum hatte man ihn ausgerechnet in dieses Krankenhaus gebracht und vor allem- warum ist dieser Kerl nicht bei seinem Unfall verreckt, warum wurde er nicht von einem Truck überfahren?! Warum war die Welt so ungerecht.
Der Blonde hörte die Worte des Mannes kaum, er hörte viel mehr das Rauschen in seinen Ohren, wie das Blut immer heftiger durch die Venen pulsiert wurde, wie sein Herz immer schneller zu rasen begann, beinahe zu platzen schien. Tränen rannen über die Wangen, brannten auf der Haut so sehr, als ob jemand mehrmals mit einer heißen Pfanne auf sein Gesicht einschlug. Es war unterträglich. "Tut doch was...", wimmerte der Hippie, rutschte weiter zurück, so weit, bis hinter ihm nur noch die Wand war und er leider nicht die Macht hatte, mit dieser zu verschmelzen. Die Angst lähmte ihn, er konnte sich kaum bewegen, nur der Griff an den Bettkanten verfestigte sich, doch die Augen starrten den Mann weiterhin an, angsterfüllt. Er fürchtete sich vor ihm, das war kein Geheimnis und so stieg die Angst bis Unermessliche- er wollte nicht, dass er ihm wieder etwas antat, er wollte das alles nicht mehr, er wollte kein weiteres Kopfkino, doch umso länger er in das Gesicht des Mannes starrte, desto intensiver wurden die Bilder vor seinen Augen, dass es ihn fast aus der Realität riss. Er hörte einen lauten Schrei, wusste nicht ob es seiner war, doch es klang ganz nach ihm, bis irgendwann alles nur noch verschwommen vor seinen Augen sich abspielte, bis er nur noch sein leidendes Herz zu hören bekam, wie es immer lauter wurde, immer schneller gegen sein Brustkorb hämmerte.
Warum machte nur keiner etwas...wieso kam keiner zur Hilfe..wieso?

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Fr Sep 17, 2010 11:00 pm

Ethan hatte das Gefühl, als würde jemand seinen Beatmungsschlauch zudrücken, so wenig Luft bekam er. Rasselnd atmete er ein, am liebsten wäre er aus dem Zimmer gerannt, so weit ihn seine Beine trugen –auch wenn das momentan bestimmt nicht weit war. Aber Hauptsache, er brachte möglichst viel Weg zwischen sich und den Mann im Bett gegenüber. Wie konnte denn alles so beschissen zufällig verlaufen, dass gerade dieser Mann in dieses Krankenhaus in ihr Zimmer kam? Und warum war er jetzt nicht nur noch ein unschöner Fleck auf dem Asphalt, den man nicht einmal mehr mit der Schaufel abkratzen konnte? Denn genau das war es, was er verdient hatte. Er kniff die Augen zusammen, als all die Gefühle und Bilder wieder aufschwemmten, am liebsten hätte er geschrien, aber er presste nur zitternd die Kiefer aufeinander. Diese Genugtuung wollte er dem schmierigen Rocker nicht gönnen. Nicht schon wieder, diesem notgeilen Bastard. Ein Gedanke durchzuckte Ethan Geist, merkwürdig klar zwischen all den Horrorvisionen, die ihn gerade heimsuchten. Wenn dieser Kerl jetzt hier war und sie sich mitteilen konnten, dann würde er für seine Tat ins Gefängnis kommen und all seine Kumpanen auch. Dann würden sie für diese Tat hier büßen, und zwar mit etwas mehr als nur einer Arrestzelle. Und trotzdem, was man ihnen psychisch angetan hatte, konnte auch kein Gefängnisaufenthalt in Ordnung bringen. Chris´ Panik drang zu ihm hinüber, sein Schrei, seine Angst. Wie sehr er in der bloßen Gegenwart dieses Menschen litt. Stimmen und Schritte wurden vor der Tür laut, aufgeweckt durch den Lärm in dem Zimmer, Ethan drehte den Kopf. Gerade in diesem Moment war es für ihn umso schlimmer, dass er nicht aufstehen konnte, Chris nicht beruhigen konnte. Er hätte ihn so gern in den Arm genommen. Seine unruhigen Finger suchten den Knopf, um die Schwester zu rufen, und schon im nächsten Moment flog die Tür auf und sie wurden verdutzt angestarrt. Es tat gut zu sehen, dass das Grinsen des Bikers leicht verrutscht war und nun schief in seinem hässlichen Gesicht hing.
„Was ist hier los?“, erklang die unsichere, besorgte Stimme der Schwester, hinter ihr im Türrahmen hatte sich bereits ein kleiner Menschenauflauf gebildet. Natürlich, Schaulustige gab es auch hier. Hektisch sah sie von einem zum anderen, konnte im ersten Moment natürlich keinen Zusammenhang zwischen den Personen erkennen. Wie sollte sie auch? Ethan wusste selbst nicht, wie er es schaffte, einen anständigen Satz zu formulieren, so sehr wie seine Zähne klapperten. Selbst diese Kleinigkeit strengte ihn so sehr an, dass man denken könnte, er wäre nicht bereits vor einigen Tagen, sondern vor ein paar Stunden hier eingeliefert worden. Er beneidete Chris darum, dass er wenigstens ein wenig herumlaufen konnte, sich die Beine vertreten konnte, während er selbst ans Bett gefesselt blieb. Und dann dachte er wieder darüber nach, wie viel mehr seelischen Stress Chris hatte erleiden müssen, wie grauenvoll er sich fühlte, und dann war der Ex-Soldat doch ganz froh, nicht mit ihm tauschen zu müssen. Er musste den starken Drang unterdrücken, entgegen jeglichen besseren Wissens aufzuspringen und dem Hippie beizustehen. Stattdessen brachte er nur ein paar stammelnde Worte über die Lippen.
„D-Das ist einer von….denen“, brachte Ethan hervor, und langsam breitete sich Verstehen auf dem Gesicht der Frau auf, die den Rocker aus geweiteten Augen ansah. Daraufhin bekam sie nur eine Beschimpfung an den Kopf geworfen, einige Kollegen eilten ihr zu Hilfe und schafften es irgendwie, das Bett samt Inhalt aus dem Raum zu schaffen. Draußen auf dem Flur tobte der Mann weiter und der Soldat fragte sich ernsthaft, woher er nach einem Unfall all die Kraft für eine solche Tobsucht bekam. Zitternd und nur sehr langsam entspannte Ethan sich wieder, die Entschuldigungsversuche des Arztes gingen eher ungehört an ihm vorbei. Nur hin und wieder warf er einen Blick auf Chris, fühlte sich schlecht dabei, dass er ihm nicht beistehen konnte. Irgendwann verließ der Arzt sie wieder, ließ sie allein in dem Zimmer, in dem man sich irgendwie nicht mehr ganz sicher fühlen konnte. Stille lag wie ein schwer drückendes Tuch über der ganzen Szene, bis Ethan es schließlich schaffte, etwas zu sagen.
„Chris….Es i-ist in Ordnung….Er ist we-weg. Und wenn er….wiederkommt, b-bin ich da.“
Er stammelte die Worte mühsam vor sich hin, aber die Botschaft ging nicht verloren. Er wollte ihn wirklich beschützen, wollte das tun, wobei er beim letzten Mal so versagt hatte. Es war eigentlich lächerliche Ironie, wie tief sie beide in ihren Schuldgefühlen versanken, weil beide das Gefühl hatten, Schuld zu sein. Aber jetzt mussten sie sich wenigstens keine Sorgen mehr machen, dass sie nicht mehr auf die Straße gehen konnten. Wenigstens ein kleines Stückchen Sicherheit in dieser Zeit, wenn es auch gerade in die hohle Hand passte.

Und wieder waren Tage vergangen, Tage, die er damit verbrachte, sich und Chris irgendwie abzulenken. Wenigstens erfuhr er so eine Menge über seinen Mitbewohner, jetzt, wo sie wirklich Zeit hatten, sich ausführlich zu unterhalten. Noch immer verboten ihm die Ärzte auch nur aufzustehen, er sei noch immer zu schwach dafür. Ethan war froh, dass er keinen Spiegel hatte, denn mittlerweile hatte er sicher eine ganze Menge abgenommen und generell ziemlich abgebaut. Wenn er wieder zu Hause war, würde er fleißig trainieren müssen. Auch wenn es anscheinend nicht so viel brachte, denn einer Gruppe gegenüber war man unbewaffnet immer ziemlich machtlos, das hatte Ethan ja bitter erfahren müssen. Irgendwie waren sie einmal wieder vom Thema abgeschweift, zu mindestens ging es Chris rein physisch mittlerweile wieder recht gut, Ethan hatte es am vorherigen Tag wenigstens einmal geschafft, ein wenig im Zimmer auf und ab zu gehen. Er machte also Fortschritte, wenn auch nur sehr kleine. Trotzdem war er nicht auf dem selben Stand wie sein Zimmergenosse, und Ethan schwante Unangenehmes, als ihr behandelnder Arzt ins Zimmer trat. Er wandte sich an Chris, ein leichtes Lächeln auf den Lippen.
„Wir haben beschlossen, Sie morgen zu entlassen, da es Ihr Gesundheitsstatus mittlerweile zulässt und wir den Platz dringend für weiter Patienten brauchen.“
Das Lächeln war mittlerweile eher höflich und förmlich, und als sich der ältere Mann schließlich Ethan zuwandte, hatte es einen Ausdruck einstudierten Bedauerns angenommen. Ethan wusste natürlich schon längst, was jetzt kommen würde, und es behagte ihm ganz und gar nicht.
„Sie müssen wir allerdings noch eine Weile hier behalten, Sie sind noch nicht fit genug.“
Ethan seufzte und sah kopfschüttelnd auf seine Bettdecke. Er wollte Chris eigentlich nicht alleine lassen, aber würden sie ihn denn gehen lassen, wenn er darauf bestand? Immerhin war er noch immer auf einen Haufen Medikamente angewiesen, das Bewegen fiel ihm schwer, und zu Hause würde er vermutlich eher zur Last fallen, aber dann wäre er wenigstens bei Chris….
„Und wenn ich darauf bestehe, auch entlassen zu werden? Aus Rücksicht auf meinen Freund?“
Ethan sah, wie der Arzt das Gesicht verzog, natürlich missfiel ihm das, aber er sah den hartnäckigen Ausdruck in dem Gesicht des jungen Mannes.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mi Dez 01, 2010 11:33 pm

Es hatte seine Zeit gedauert, bis Chris die furchtbare, niemals erwartende Situation verkraften konnte. Er schlief nicht, er konnte es einfach nicht, es schmerzte, vor allem in seinem Kopf.
Die Ärzte hatten ihm immer wieder Schlafmittel gegeben, ohne dass es ihm augefallen war und wahrscheinlich wäre er ihnen dankbar gewesen, denn so träumte er Nachts nicht und bekam kaum mit, dass er tatsächlich geschlafen hatte...nicht einmal müde war er.
In den Tagen versuchte Chris so oft zu verdrängen, was geschehen war und es hatte geklappt, ab und an. Die beste Lösung war einfach, viel zu reden, über alles, über all die Dinge, die Ethan vielleicht nicht kannte, nicht wissen wollte, doch es war ihm egal, denn der Blonde wollte sich mitteilen, nein er musste sich sogar mitteilen, sonst hätte er schon längst den Verstand verloren.
Es war schwieriger als gedacht, mit dieser vergangenen Situation umzugehen, es war schmerzvoller und innerlich zerreissender, als alles andere, was der junge Mann in seinem Leben bereits erlebt hatte.
Wer hätte je gedacht, dass ihn etwas so wehtun konnte; jedoch war man froh, dass sein Mitbewohner da war, denn wenn er nicht gewesen wäre, hätte er vielleicht nicht überleben können. Es war eine schöne Sache, zu wissen, dass er im Bett neben seinem lag, dass er ihm zuhörte und dass er nicht einfach irgendein Fremdling war, den er nie zuvor gesehen hatte.
Die Dankbarkeit ihm gegenüber verspürte der Hippie noch nie so sehr, wie in diesen Momenten. Am liebsten hätte er Ethan umarmt und nie wieder losgelassen..ja, das wäre mehr als nur toll gewesen.

Chris war zum ersten Mal wieder bester Laune, er hatte geschlafen, als eigenem Antrieb heraus und seine Wunden waren, bis auf einigen Brüchen, die aber nicht trivial waren, den blauen Flecken und all den anderen, relativ kleinen Verletzungen, nicht mehr so schlimm und das war positiv, auch wenn es bei seinem Freund vollkommen anders ausgesehen hatte. Chris hatte immer noch starke Schuldgefühle und es schmerzte den Ärzten zuzuhören, wie sie berichteten, dass der Zustand sich minimal bei ihm verbessert hätte und weiterer Aufenthalt im Bett notwendig war. Innerlich hoffe der Blonde immer wieder, dass die Ärzte bald mit einer besseren Nachricht ankommen würden. Wie auch am diesen Tage, wo erneut der allzeit bekannte Doktor zu ihnen hinmarschierte, lächelnd natürlich.
Als er die gute als auch schlechte Nachricht verkündete, wusste Chris nicht wie er reagieren sollte. Sein erwartungsvolles Lächeln war verschwunden und nur noch ein Ausdruck aus Angst und Panik und vielleicht auch Unbehagen machte sich in seinem Gesicht breit. Er wollte nicht das Krankenhaus verlassen, nicht jetzt. Nicht ohne Ethan.
Chris konnte sich nicht vorstellen, alleine auf die Straße zu gehen und alleine in der Wohnung zu wohnen, zu sehr fürchtete er sich vor die anbrechende Nacht, vor den Menschen, die in dieser umherwanderten und vielleicht in sein Zimmer einstiegen und dann...nein, nicht jeder Kriminelle war so und dennoch wusste er nicht mehr, wem er dort draußen vertrauen sollte, wenn überhaupt.
"Wie...", wisperte der Hippie leise, schaute für einen Augenblick aus dem Fenster, ehe er Ethans Stimme in seinen Ohren vernahm und gleichzeitig das leise Grummeln des Arztes.
"Ich verstehe Sie ja vollkommen, Sir, jedoch müssen Sie einsehen, dass in ihrem Zustand, es sich sehr negativ auf Sie auswirken würde, wenn sie jetzt das Krankenhaus verließen.
Nun...aus eigenem Antrieb können Sie machen, was Sie wollen..jedoch schlage ich noch zwei bis drei Tage Aufenthalt vor, nur zur Sicherheit und dann können Sie ihrem Freund nach Hause folgen, aber bitte, bleiben Sie noch die paar Tage hier, es wäre nur zum Besten von allen von uns.", sagte er lediglich, schaute dabei abwechselnd zu Ethan und dem Blonden. Er wusste, dass sich der Doktor bemühte und er wusste auch, dass er wahrscheinlich mehr Tage für seinen Mitbewohner vorhergesehen hatte und war nur zu egoistisch gewesen, sich zu wünschen, dass Ethan in seinem Zustand ihn begleiten würde.
"Also ich finde, das ist okay. Die paar Tage gehen so schnell rum, da merke nicht mal ich, dass ich raus bin.", Chris lachte den Arzt an, schaute dann zu Ethan. "Nicht wahr? So machen wir das.", fügte er anschließend hinzu und der Arzt nahm dies zufrieden hin, die beiden anschließend verlassend.
Und da ergriff Chris das Wort.
"Ich nehme ein paar Kumpels mit in die Wohnung oder gehe solange zu meinen Eltern. Der Doc hat Recht, es ist besser, wenn du noch zwei Tage hier bleibst. Alter, ich komm damit schon klar.", ein leichtes Lächeln glitt über die Leid erfüllten Gesichtszüge.
Chris wollte nicht wieder der Grund für jeden Scheiß sein, er musste auch einmal nicht das Mädchen in der Geschichte sein und einmal auf den großen Helden verzichten, der sein Leben gleichzeitig rette und bereichtere. Ja, diesmal musste er tatsächlich versuchen, ein Mann zu sein.


(Alter, I made it!!)


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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Di Jun 05, 2012 8:55 pm

Ich will hier weiterschreiben! xD
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Living on a guitar´s strings
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