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 Out of the Darkness FF

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Kauzi
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BeitragThema: Out of the Darkness FF   So Jul 24, 2016 11:49 am

Es war noch recht früh am Abend – zu mindestens für Blakes Verhältnisse – und trotzdem summte die Stadt bereits mit Leben. Pulsierendes, klopfendes Leben, das ihn hungrig machte. Die Hände in den Taschen seiner zerrissenen Jeans vergraben schlenderte der junge Mann durch die Viertel der Stadt, die wenig Anerkennung genossen. Natürlich hätte er auch in irgendeinen dieser hippen Clubs gehen können, wo die schrille Musik ihm beinahe die Trommelfelle zerriss und die bunten Lichter in seine Augen stachen. Oh man, wenn er so redete klang er ja fast schon wie sein Meister. Er war doch noch jung, gerade mal fünfzig Jahre und das war für einen Vampir nun wirklich gar nichts. Manchmal mochte er es auch, im Getümmel der Tanzfläche nach einem aufgeladenen heißen Ding zu suchen, was er unter der falschen Versprechung eines One Night Stands mit in ein Hotelzimmer nahm. Nun, eine heiße Nacht bekamen sie trotzdem, nur nicht ganz so, wie sie sich das vorgestellt hatten. Am nächsten Morgen würden sie mit brummendem Schädel aufwachen, mit der vagen Erinnerung an eine lustvolle Nacht, aber nicht ganz sicher, ob sie überhaupt Sex gehabt hatten, sie wussten ja nicht einmal mehr, wie ihr Fang eigentlich aussah! Aber heute Nacht hatte Blake keine große Lust, sich der Hektik und der lauten Kulisse hinzugeben. Er wollte einfach nur schnell etwas trinken und sich dann für einige Tage nicht mehr um so etwas Banales wie Essen kümmern müssen. Für solche Nächte waren Stricher wie geschaffen. Man musste sich nicht ins Zeug legen, um sie von einer gemeinsamen Nacht zu überzeugen und Blake redete sich gern ein, dass er ihnen einen Gefallen tat, wenn er sie mitnahm anstatt eines stinkigen, hässlichen Freiers, der nur so nach Verzweiflung und Perversion stank. Davon gab es hier nämlich eine Menge. Meistens bezahlte er die Stricher sogar, ließ ihnen ein großzügiges Trinkgeld dort, wenn er wirklich das Gefühl hatte, das dieses Leben nicht für sie bestimmt zu sein schien. Blake konnte sich zum Glück nicht vorstellen, wie es sein musste, seinen Körper zu verkaufen. Besonders erfüllt hatte noch keiner der Stricher ausgesehen, die er mitgenommen hatte. Geld war für ihn kein wirkliches Problem. Naja, wenn er solo unterwegs wäre vielleicht ein bisschen. Aber sein Meister hatte seine Tricks, um an Massen von Geld zu kommen, ohne, dass er dafür jemals wirklich arbeiten musste. Blake verstand nicht ganz, wie er das machte, aber das war eine der wenigen Dinge, in die man ihn nicht eingeweiht hatte, denn wozu auch? Sein Meister hatte das ganze doch im Griff und seit den dreißig Jahren, die sie zusammen verbrachten, hatte Blake noch nicht den Drang verspürt ihn auch nur ansatzweise zu verlassen. In gewisser Weise brauchten sie sich doch beide irgendwie und das sorglose Leben war nur ein angenehmer Nebenfaktor. Blake wäre auch bei ihm geblieben, wenn sie in einer winzigen Zweiraumwohnung hätten leben müssen.
Wie so häufig waren seine Gedanken viel zu weit abgeschweift, dass er gar nicht gemerkt hatte, dass er bis in das Herz des Rotlichtviertels gewandert war und es bereits wieder verließ. Die dunklen, schlecht erleuchteten Gassen wären für jeden gesunden Menschen bedrohlich und gefährlich erschienen, Blake jedoch konnte sich mit dem Selbstvertrauen bewegen, dass er selbst hier die größte Gefahr war. In seiner eigenen Gedankenwelt hatte er es nicht wahrgenommen, doch nun schlug ihm der Geruch beinahe mit der Faust ins Gesicht: Blut. Klar war das eine Duftnote, die er keinesfalls als unangenehm empfand, aber die starke Präsenz hier in diesem Gassengewirr bedeutete normalerweise nur eins: ein Gewaltverbrechen. Besorgt zog Blake die Augenbrauen zusammen und folgte dem metallischen Geruch in eine stockdunkle Seitengasse. Dort hinten, wo die Lichter der Hauptstraße sich verloren und eine dunkle Leere bildeten, lag ein lebloses Bündel, zusammengesunken und verrenkt als wäre es ein Spielzeug, das ein bockiges Kind achtlos weggeworfen hätte. Der Blutgeruch war hier so geballt, dass es Blake ein wenig schwer fiel, sich vernünftig zu konzentrieren. Gut, dass er sich nie aushungern ließ, sonst hätte er jetzt vermutlich die Beherrschung verloren. Mit leisen Schritten, die für das normale Ohr vermutlich nicht zu hören waren, eilte Blake auf die Gestalt zu und ließ sich neben ihr nieder. Ein schmaler Leib, der zusammengerollt dalag und die Hände auf seine Leibesmitte presste, als wenn seine Hände allein das Blut stoppen könnten, das aus dem zierlichen Körper floss. Unter ihm hatte sich eine üppige Blutlache gebildet und die rote Substanz sank in alle Risse. Vorsichtig ging Blake in die Knie und drehte den Körper ein Stück zu Seite. Auf die Bewegung hin bewegte sich der Kopf des jungen Mannes unmerklich und helle Augen starrten ihn an, angsterfüllt und so unendlich traurig. Als er den Mund öffnen wollte, um etwas zu sagen, brachte er nur hustend weiteres Blut hervor. Schockiert betrachtete Blake das Bündel, so filigran und zierlich war der Leib, dass es dem Vampir unbegreiflich war, wie jemand ihm das hätte antun können. Blonde Locken umrahmten ein schmales, sommersprossiges Gesicht. Die blauen Augen, die sonst sicher strahlten und funkelten wie die Sonne waren nun glasig und erfüllt mit Angst. Der junge Mann musste in etwa so alt sein wie Blake, als er verwandelt worden war. Aus einem beinahe mütterlichen Instinkt heraus zog Blake den gekrümmten Körper in seine Arme und strich vorsichtig über die blonden Locken, die sich unter seinen Fingern weich wie Seide anfühlten. Ein schwaches Zucken ging durch den Leib des anderen, dann erklang eine raue Stimme, so leise, dass ein Windhauch die Worte einfach fortgetragen hätte.
„H-Hilf mir, ich will nicht sterben….“
Blake wäre beinahe zusammengezuckt, aber das hätte dem jungen Mann vermutlich nur noch mehr Schmerzen bereitet. Wenn er sie denn überhaupt noch spürte. Es war so wenig Leben in dem Körper übrig, dass er vielleicht längst in diesen tranceartigen Zustand übergegangen war, der alle Menschen kurz vorm Tod erwartete. Einen Krankenwagen zu rufen war vergebene Liebesmüh, in spätestens fünf Minuten war der Junge tot. Blake konnten ihn nicht einfach sterben lassen, er konnte es einfach nicht. Aber der einzige Weg, wie er selbst dazu fähig sein würde den Lockenkopf zu retten, war dunkel und steinig. Was hätte sein Meister in dieser Situation getan? Vermutlich wäre er vernünftig genug, diesem Opfer den Tod zu gewähren. Menschen ohne ihre Zustimmung in Vampire zu verwandeln war dumm und es war heikel. Aber er hatte ihn doch darum gebeten ihm zu helfen und noch dazu konnte Blake so etwas Schönes nicht einfach sterben lassen. Blut war ja eh keines mehr in dem Körper, sodass er es sich sparen konnte von ihm zu trinken. Wenn es irgendwie möglich gewesen wäre hätte Blake dem Jungen gern etwas mehr Privatssphäre und Ruhe gegönnt, aber die Zeit lief ihnen davon und so rückte er sich und den Kleineren einfach nur näher in einen Hauseingang. Umsichtig öffnete er mit einem kurzen Biss die Adern an seinem Handgelenk und drehte den Kopf des Kleineren leicht in seine Richtung.
„Trink das“, murmelte Blake leise und presste sein Handgelenk auf die weichen Lippen. Es dauerte einige Sekunden, bis er die Lippen des anderen wirklich auf seiner Wunde spürte und für einen Moment glaubte Blake, dass er zu spät gekommen war und nun endgültig alle Lebensgeister aus dem anderen verschwunden waren, doch dann spürte er, wie sich die warmen Lippen auf seine Wunde legten und er konnte sehen, wie der Blondschopf gehorsam schluckte. Als er realisierte, was da seine Kehle hinabrann, wollte er den Kopf wegziehen, doch Blake hatte seine Hand in den blonden Locken vergraben und hielt seinen Kopf an Ort und Stelle. Für ihn war das gerade auch ein erstes Mal. Sein Meister hatte ihm die Grundlagen beigebracht, weil es nun einmal dazugehörte und jeder wohl mal irgendwann wen verwandeln würde und das besser nicht völlig ahnungslos tun sollte. Doch in all den Jahren, die er nun schon so lebte, war es noch nie so weit gekommen. Blake hatte keinen Begleiter gebraucht, er war ja nicht allein und bis jetzt hatte sich nie eine andere Gelegenheit ergeben. Blake hatte keine Ahnung, ob er bereit war, selbst ein Schöpfer zu werden, doch nun war es für Selbstzweifel sowieso zu spät.

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Out of the Darkness FF   Di Jul 26, 2016 1:20 am

Was jetzt folgen würde, würde den fremden jungen Mann vermutlich wünschen lassen, er hätte Blake nie um Hilfe gebeten. Vampire waren Untote und um ein Untoter zu werden musste man zuerst sterben. Die Erinnerung an seine eigene Verwandlung erschien Blake immer noch frisch zu sein. Natürlich hatte sein eigener Meister ihn umgehend auf seine Verwandlung vorbereitet. So minutiös hatte er alles mit ihm durchgesprochen, dass es Blake manchmal vorgekommen war, als wenn er eine finale Klausur bestehen musste. Auch, wenn der Schmerz unvermeidbar war, Blake hatte trotzdem irgendwie positive Erinnerungen an seine Verwandlung, so merkwürdig das auch erscheinen mochte. Es war die richtige Entscheidung gewesen, die er nach vielen Monaten sorgfältiger Überlegung getroffen hatte und sein Meister hatte ihn achtsam auf alles vorbereitet. Dieser Junge jedoch…..Blake hatte keine Ahnung, was er hier von halten würde. Wohlmöglich wäre er doch lieber gestorben, als ein Untoter zu werden, wer konnte das schon so genau sagen? Vielleicht machte Blake gerade alles nur noch schlimmer. Ob er ihn dann töten musste? Erschrocken zuckte Blake bei dem Gedanken zusammen. Er kannte diesen Fremden nicht, aber allein ein Blick auf das bleiche Gesicht reichte ihm aus um zu wissen, dass er so etwas niemals töten könnte. Es bereitete ihm ja beinahe schon einen physischen Schmerz zu sehen, wie sich das hübsche Gesicht vor Qual verzog. Zu geschwächt schien er zu sein, um laut zu schreien, aber sein Körper wand sich in Blakes Schoß hin und her, er bäumte sich auf und stöhnte vor Schmerz. Für einen Moment glaubte der Vampir die Kontrolle über das Ganze zu verlieren. Verloren biss er sich auf die Unterlippe und versuchte das schwere Atmen und die luftlosen Japser des anderen zu ignorieren. Aber womit sollte er sein Leiden ersetzen? Die Gasse war dunkel und still, nirgendwo etwas, was ihn ablenken konnte. Wohl eine halbe Stunde lang hatte der Kleinere sich so gequält, bis ihm schließlich vor Erschöpfung die Augen zufielen. Blake konnte keinen Puls mehr bei ihm spüren, sein Herz stand still und seine Haut wirkte blass und kalt wie Marmor. Ihn beschlich das leise Gefühl, dass er stolz auf seine Schöpfung hätte sein sollen und obwohl Blake erleichtert war, dass er das Leben des anderen gerettet hatte, war er hauptsächlich erschöpft und müde wie schon lange nicht mehr. Sicher würde der andere bis zum Morgengrauen nicht mehr erwachen, die Verwandlung hatte ihn bis auf seine letzten Reserven ausgesaugt.
Vorsichtig schälte Blake sich aus seiner dunklen Lederjacke und schlang sie um den Oberkörper des Kleineren, um die Blutflecken auf seinem Shirt zu verdecken, dann hob er den Körper mit Leichtigkeit in seine Arme. Der andere sah so klein und schmächtig aus, dass er diesen Akt vermutlich selbst ohne übermenschliche Kräfte hätte durchführen können. Den neugeborenen Vampir an seine Brust pressend wie einen guten Freund, der vielleicht einfach ein paar Bier zu viel hatte, machte Blake sich auf den Weg zurück in sein Apartment.

Es war tatsächlich beinahe wieder Abend, bis sein Schützling endlich wieder erwachte. Blake hatte den schmalen Körper in sein Bett gelegt und sich dann neben ihm zusammengerollt und bis in den späten Nachmittag hinein geschlafen. Irgendwie hatte ihn der ganze Akt der Verwandlung beinahe ebenso ausgelaugt wie den Fremden. Dennoch, jetzt, da er wieder wach und bei Sinnen war, fühlte er eine starke Verbindung zu dem Blondschopf, der er sich gestern noch nicht ganz bewusst gewesen war. Sein sanfter Blick lag nun auf dem schlafenden Leib, während er selbst mit verschränkten Beinen neben ihm hockte und in einem Magazin blätterte. Diese Wohnung war tatsächlich ein Geschenk seines Meisters gewesen. In dessen riesigem Anwesen außerhalb der Stadt fühlte Blake sich manchmal ein wenig verloren und so weit weg vom Geschehen, dass er ein einfaches Apartment mitten im Zentrum der Stadt bekommen hatte. Obwohl sein Schöpfer seine Einstellung zum Nachtleben nicht teilte, wollte er dem jüngeren Vampir dennoch hin und wieder etwas Freiheit gönnen und so verzog sich Blake alle paar Monate für einige Tage in die Stadt. Nur, dass er dieses Mal mit einem Anhängsel zurückkehren würde. Oder nicht? Er war der Meister dieses jungen Mannes, er musste ihn in alles einweisen, ihm beibringen, was man als Vampir zu tun und zu lassen hatte…..Naja, erst einmal musste er ihm wohl beibringen, dass er ein Vampir war.
Blake war fast schon so weit, den anderen ungeduldig zu wecken, als sich der andere plötzlich wie auf ein Signal hin zu regen begann. In Blake nahm die Nervosität Überhand. Was, wenn der andere ihn nicht leiden konnte? Unruhig knetete Blake seine Handinnenfläche und wartete geduldig darauf, dass der andere seine Augen endgültig aufschlug. Der Anblick der hellen Augen erschreckte Blake mehr, als angemessen war. Die Iris beinahe weiß; irgendwie hatte er immer noch mit den gleichen hellblauen Augen von gestern Nacht gerechnet. Nicht, dass Blake es als störend empfunden hätte. Es trug nur zu der außerirdischen Schönheit bei, die der Jüngere besaß.
„Wo….wo bin ich Was ist passiert?“, nuschelte eine verschlafene Stimme irritiert und Blake beobachtete nervös, wie der Leib des anderen sich vor Unsicherheit verkrampfte. Noch schienen seine Erinnerungen an den gestrigen Abend im Nebel seines Unterbewusstseins versteckt zu sein. Allerdings würde es sicherlich nicht mehr lange dauern, bis er sich an alles erinnerte.
„Naja, was passiert ist kann ich dir auch nicht so genau sagen, ich hab dich halbtot auf der Straße gefunden. Du scheinst dir einen Feind gemacht zu haben“, erklärte Blake, immer noch ein wenig nervös und zittrig. Wenn sein Meister ihn so gesehen hätte, so unkontrolliert und menschlich….Vermutlich hätte er ihn dann jetzt und gleich gevögelt, immerhin war es doch das, was er an ihm liebte. War wohl keine gute Idee an so etwas zu denken, wenn ein halbnackter Kerl neben ihm im Bett lag. Blake hatte den anderen von seinem blutigen Shirt befreit, aber ihn neu anzukleiden war ihm komisch vorgekommen. Nun konnte er in den Genuss kommen, den Kleineren verstohlen zu betrachten. Noch zeichneten sich krass die Sommersprossen von der hellen, marmorgleichen Haut ab, doch die würden bald verblassen, immerhin würde er die Sonne kaum noch zu sehen bekommen. Was immer er an Narben gehabt hatte war in der Verwandlung ausgebleicht worden. Einzig rechts neben seinem Bauchnabel war eine sichelförmige dunkle Narbe zu erkennen, wo man ihn erstochen hatte. Andere Vampire trugen ihre Bissnarben – wie auch Blake an seinem Nacken -, doch der Lockenkopf musste wohl oder übel dieses Erinnerungsstück aneignen.
Auf das Gesicht des Fremden war mittlerweile ein schmerzhafter Ausdruck des Erinnerns getreten.
„Jordan, er hat gesagt, dass er mich nicht mehr teilen wollte“, murmelte der andere mehr zu sich selbst und tastete vorsichtig über die Narbe. Ein verwirrter Ausdruck wanderte über das hübsche Gesicht, aber er schien nicht ganz einordnen zu können, was ihn störte. Stattdessen wandte er sich wieder Blake zu.
„War ich nicht schwer verwundet? Wieso bin ich nicht im Krankenhaus?“, fragte er skeptisch, dann riss er die hellen Augen in einem Anfall von Erkennen aus und starrte auf die Narbe, die unschuldig auf seinem Bauch prangte als wären Jahre vergangen.
„Oh Gott, wie lange war ich bewusstlos, welches Jahr haben wir?!“
Seine Stimme war panisch und verwirrt und Blake musste nun wohl oder übel seine eigene Nervosität überwinden und den anderen aufklären. Mit ruhiger Bestimmung legte er seine Hände auf die Schultern des Kleineren und drückte leicht zu.
„Du hast ungefähr fünfzehn Stunden geschlafen, keine Sorge. Das ist schon verheilt, weil ich…..wegen dem, was ich tun musste, um dich zu retten.“
Ein verwirrter Blick bestätigte ihm, dass er mehr würde erklären müssen. Schon hatte sich der Mund des anderen für neue Fragen geöffnet, da schnitt ihm der junge Vampir auch schon das Wort ab und kam seinen Fragen zuvor.
„Du warst fast tot, für einen Krankenwagen war es längst zu spät. Aber du hast mich darum gebeten, dir zu helfen und ich konnte dich dort doch nicht einfach so liegen lassen.“
Blake merkte selbst, dass seine Stimme verzweifelt klang, aber noch war der Gesichtsausdruck des anderen forschend und offen für alles. Ob der andere auch diese tiefe Verbundenheit zu ihm spürte, ohne, dass er wusste, was vor sich gegangen war?
„Das einzige, was ich tun konnte, um dich zu retten, war dich zu einem von uns zu machen.“
Der Blick des Lockenkopfes hatte sich kein wenig aufgehellt und Blake stieß ein leises Seufzen aus und stürzte sich nach vorn ins Ungewisse.
„Einen Vampir. Bitte glaub mir, dass ich dich nicht verarschen will, hier, schau dir meine Zähne an und wie blass wir beide sind, ich würde dich mit so etwas nicht belügen und es tut mir leid, wenn du das nicht wolltest, aber-„
Ein Schwall von Worten presste einfach aus ihm heraus als wäre in ihm irgendein Damm gebrochen. All diese Worte schienen noch nicht rechtfertigen zu können, was er mit dem anderen getan hatte. Der musste ihn doch jetzt für völlig bekloppt halten, panisch das Weite suchen – aber der andere blieb erstaunlich ruhig, betrachtete erst sich selbst ganz genau und wandte sich dann Blake zu, sich etwas zu ihm hinüber lehnend, um ihn genauer zu betrachten. Blake spürte seinen forschenden Blick beinahe wie eine sanfte Hand über sich streichend. Wie er seine blasse Haut abtastete und seine spitzen Zähne hinter einem nervösen Lächeln und seine hellen Augen, die dem starren Blick kaum standhalten konnten.
„Ich wusste, dass du irgendjemand besonderes sein musst, du fühlst dich kein bisschen….fremd an“, stellte der andere nüchtern fest, dann schien auch in ihm irgendetwas Klick zu machen und ein Zittern ging durch den schmalen Leib.
„Du hast mir das Leben gerettet, du hast mich gehalten und gerettet und mir über die Haare gestrichen und mich etwas trinken lassen“, sprudelte es nur so aus ihm heraus, genauso wie zuvor aus Blake und selbst durch die vampirische Blässe hindurch merkte er, wie der andere rot wurde.
„Alles fühlt sich so anders an, ich kann so viel hören und riechen und sehen“, flüsterte der andere schließlich und machte sich ganz klein, die Arme um seine Knie geschlungen. Der Anblick, wie er so dasaß, so winzig und verloren, weckte Gefühle in Blake, die er so vorher nicht gekannt hatte. Umsichtig beugte er sich zu dem Lockenkopf hinüber und legte die Arme um ihn, ähnlich, wie er ihn in der Gasse gehalten hatte.
„Ich werde mich um dich kümmern, versprochen. Vampir sein ist nicht so schlimm und ich bin kein unverantwortlicher Penner, der dich einfach sich selbst überlässt. Ich wollte einfach nur, dass du lebst, das war mir so wichtig“, gestand Blake leise und war froh, dass diese komische Verbindung zwischen ihnen stark genug war, dass der andere ihn nicht einfach von sich stieß. Viel mehr spürte er zwei Paar kalte Hände, die sich zittrig in den Stoff seines Shirts gruben und sich enger in die Umarmung zogen. Der kleine Leib strahlte Unsicherheit und Angst aus, aber auch eine Art Vertrauen, die Blake erst jetzt langsam bekannt vorkam. Hatte er sich nicht genauso gefühlt, als Charles ihn verwandelt hatte? Klar, sie hatten sich vorher bereits gekannt und geliebt, aber in den ersten Stunden seiner Verwandlung hatte er sich seinem Schöpfer ebenfalls so nah gefühlt und gar nicht mehr von ihm ablassen wollen wie ein Kind von der Mutter. Vermutlich hatte er sich selbst von viel zu vielen dämlichen Vampirklischees ins Bockshorn jagen lassen.
„Ich bin übrigens Julian“, flüsterte der Blondschopf leise gegen seine Brust und Blake musste leicht lächeln. Irgendwie passte das zu ihm.
„Ich glaub, ich nenn dich lieber Julie“, schmunzelte Blake und lehnte seine Wange gegen die weichen Locken. Was für ein angenehmes Gefühl das war, das würde er sicherlich noch ausnutzen müssen.

Nachdem sich die ganze Situation ein wenig aufgelockert hatte, hatte Blake sich erhoben, um Julie einen Tee zu machen. Vampire mussten zwar nicht essen, aber so leichte Speisen und Getränke wie Tee schadeten ihrem Magen schon nicht. Immerhin würde der junge Vampir gleiche eine ganze Menge Informationen in sich aufnehmen müssen und Blake wollte, dass das Ganze in einer normalen und gewöhnlichen Umgebung vonstattenging. Sein Versprechen an Julie, dass er sich um ihn kümmern würde, wollte er einhalten und so würde er erst einmal den Grundstein legen und dem jungen Neuling alles Wichtige erklären. Während sie in der abgedunkelten Küche hockten und der Geruch von schwarzem Tee sie einnahm, begann Blake zu erzählen. Julian war erleichtert, dass er für Blut nicht töten musste und enttäuscht, dass die Verwandlung in eine Fledermaus nur ein menschengemachter Mythos war. Blake musste unwillkürlich glucksen. Eigentlich erschien ihm dieses unschuldige Wesen denkbar ungeeignet dafür ein Vampir zu sein. Dabei wurde Blake sich nach und nach immer sicherer, dass er Julie nichts Unzumutbares aufgebürdet hatte. Allein an kleinen Bemerkungen konnte Blake festmachen, dass der Jüngere wohl kein besonders glückliches Leben geführt hatte. Noch wagte er es nicht genauer nachzuhaken. Den Grundstein für Julies Einführung zu legen erschien ihm in diesem Moment wichtiger, als ihn auszufragen. Immerhin musste der Lockenkopf wissen, wie viel Vorsicht geboten war, was für ihn gefährlich werden konnte und was nicht und was seine neuen Stärken waren. Trotz des Vertrauens, das sein Schützling intuitiv in ihn zu legen schien, runzelte er hin und wieder skeptisch die Stirn und betrachtete seine Hände beinahe wie zwei vollkommen fremde Körperteile.
„Ich soll wirklich übermenschlich stark sein? Ich sehe nicht besonders stark oder schnell aus….Ich fühle mich immer noch so klein und unwichtig wie vorher auch“, murmelte der junge Vampir, im nächsten Moment wohl selbst darüber erschrocken, dass er seine Unsicherheiten einfach so preisgegeben hatte. Ebenso erschrocken blickte auch Blake drein. Es sah so aus, als wenn Julians Probleme weit über gewaltbereite Bekanntschaften hinausgingen. Für einen kurzen, aber äußerst intensiven Moment wünschte Blake sich, er hätte den jungen Mann früher gefunden, ihn früher von all dem hier erlöst, aber wer wusste schon, ob er ihn unter anderen Bedingungen jemals verwandelt hätte?
„Ich glaub zwar nicht, dass du jemals klein oder unwichtig warst, aber glaub mir, jetzt bist du das erst recht nicht. Vielleicht fühlst du dich nur so schwach, weil du hungrig bist?“, fragte Blake mit der größtmöglichen Hilfsbereitschaft nach. Er hatte für den Notfall immer einige Blutkonserven in seinem Kühlfach gelagert und ein wenig abgepacktes Blut würde für einen frischen Vampir doch sicherlich erstmal reichen. Noch stand die Sonne zu hell am Himmel, um auf Jagd zu gehen und Blake wollte wenigstens noch ein oder zwei Tage mehr, um Julie in alles einzuweisen. Immerhin konnte in der Öffentlichkeit potenziell einiges schiefgehen. Dazu war der Lockenkopf einfach noch nicht bereit. Erhöhte Körperkraft und die Fähigkeit, Sterbliche in seinen Bann zu schlagen mochten zwar Fähigkeiten sein, die nun natürlich zu ihm gehörten, doch auch, wenn eine gewisse Intuition mit ihrer Nutzung kam, waren es Fertigkeiten, die gewisser Erklärung bedurften. Julian war noch jung und sollte wenigstens für ein paar Tage die Wohnung nicht verlassen. Bei dem Gedanken wurde Blake beinahe etwas rot um die Nase, jedoch: er freute sich darauf, dass Julian für ein paar Tage lang ganz sein war. Nun tauschte er sein freies Wochenende ja doch gegen eine gewisse Verantwortung ein, was war bloß verkehrt bei ihm?!
„Hungrig? Du meinst….auf Blut?“, hakte Julian unsicher nach und sah sich bei diesen Worten nervös um, als wenn sie jemand belauschen könnte. Blake nickte bedächtig und trat an den Kühlschrank heran. Für einen Moment starrten ihn Julians Augen so groß an, als wenn er einen tiefgefrorenen Menschen aus dem Kühlschrank hervorziehen würde, doch Blake schenkte ihm nur ein kopfschüttelndes Lächeln und nahm einen der Blutbeutel aus dem Gefrierfach. Merkwürdig sahen die Dinger aus und sie gaben Blake immer sofort das Gefühl, als wenn er sich in einem Krankenhaus befinden würde. Naja, daher kamen die abgepackten Beutel ja eigentlich auch; Charles besorgte sie, wie er sich auch um so vieles andere kümmerte. Blake griff nur ungern auf das abgepackte Blut zurück. Es war nicht so schmackhaft und stärkend wie frisches Blut und eigentlich waren die Beutel auch nur als Notreserve gedacht. Fall mal irgendetwas passierte, das einen von der Jagd abhielt, denn dann wollte man nicht ohne die lebensspendende Flüssigkeit festsitzen. Doch Julian hatte in seiner Vampirform noch kein echtes Blut gekostet und sicherlich war sein junger Vampirkörper noch nicht so anspruchsvoll. Blake erinnerte sich daran, dass sein Meister damals jemanden vorbereitet hatte, irgendeinen willigen Diener, den Blake nicht erst betören musste. Es war frisches Blut gewesen, doch er konnte sich nicht vorstellen, was für einen Unterschied das machen sollte. Außerdem hatte er Julian nicht mit solchen geplanten Bequemlichkeiten verwandeln können. Es war nun mal so, wie es war und der Lockenkopf würde ihm das Beutelblut schon nicht übel nehmen! Sorgsam drückte Blake die satte rote Flüssigkeit in ein großes Glas aus. Durch die Kälte war es noch immer zäh und leicht dickflüssig, aber in der Wärme würde es schon die richtige Konsistenz bekommen.
Blake nahm das Glas in die Hand und trat wieder an Julian heran, der seine Augen nicht davon lassen konnte und seine Nasenflügel leicht geweitet hatte. Er konnte nicht leugnen, dass er hungrig war, nicht mit diesem Blick, den Blake selbst nur allzu gut kannte. Wenn es hart auf hart kam, konnte er Julian auch von sich trinken lassen. Vampirblut war stark und kräftig, hatte allerdings auch gewissen Nebenwirkungen, die Blake nicht unbedingt provozieren wollte. Diese ganze Meisterangelenheit und ihre Reize waren schon verwirrend genug, ohne, dass er Vampirblut mit ins Spiel bringen musste.
„Wollen wir es uns wieder bequem machen? Ein bisschen wirst du dich sowieso noch gedulden müssen, kaltes Blut schlägt dir nur auf den Magen.“
Julian nickte geduldig, dann folgte er Blake zurück aufs Bett. Die Laken waren noch immer unordentlich von der Nacht und es hatte etwas Angenehmes, in die warme Unordnung zurückzukehren.

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