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 Living on a guitar´s strings

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Kauzi
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BeitragThema: Living on a guitar´s strings   Mo Nov 23, 2009 10:17 pm

Hier folgt bald ein Post

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Di Nov 24, 2009 4:44 pm

(Hier IST ein Post!)

San Francisco, 1974. Die Sonne knallte brüllend heiß auf den Asphalt, so heiß, dass es Malik nicht gewundert hätte, wären die schweren roten Eisenträger der Golden Gate Bridge einfach geschmolzen. Wenn sie auch schon beinah Ende August hatten, wollte der Sommer doch noch einmal mit aller Kraft zeigen, was er konnte. So wunderbar der Anblick der langsam untergehenden Sonne auch sein mochte, die ihr rotes Licht über die Stadt warf, er konnte nur an das Plektrum zwischen seinen schweißnassen Fingern spüren und hoffen, dass er es nicht verlor. Seine Gitarre war sowieso sein ein und alles, denn das war das einzige was er konnte: Gitarre spielen und dazu vielleicht ein wenig singen, mehr hatte er nicht um seine zugegeben erbärmliche Existenz zu sichern. Er war sich sicher, dass das Instrument, das er nahezu überall mit hin nahm, mindestens genau so viele Jahre auf dem Buckel hatte wie die abgewrackte Wohnung, in der er mehr hauste als lebte. Im Sommer konnte er auch genauso gut auf der Straße schlafen, da gab es weniger Schimmelpilze, die ihm nachts klammheimlich in die Lunge kriechen konnten. Eine Nacht auf einer Parkbank unter freiem Himmel klang doch irgendwo auch romantisch. Die Realität sah zwar etwas anders aus, wenn man bedachte, dass man den hochgepriesenen Sternenhimmel mit einem Haufen Drogensüchtiger teilen musste, bei denen zwischen eine Nadel nicht mal eine halbe Stunde passte. Aber das war ihm egal, solange seine Adern Jungfrau blieben. Sicher, man konnte sich dorthin verziehen, wo man den Junkies einen Tritt versetzte, aber was wollte er denn schon bei den Angehörigen der Upper Class? Er wusste, dass sie Banden gegründet hatten mit hochtrabenden Namen, die sich tag aus, tag ein mit den Jungen aus den ärmeren Vierteln prügelten. Malik lebte mittendrin und doch gehörte er nicht dazu. Für die Snobs war er zu arm und für die ärmeren zu sehr Hochseiltänzer. Sie lebten wenigstens in stabil ärmlichen Verhältnissen, was man von dem Gitarrenspieler nicht behaupten konnte. „Komplett blank und schon unter der Grenze“ und „gut genug zum Leben“ waren zwei Zustände, zwischen denen er ständig schwankte. Wenn eine Bande auch Sicherheit geboten hätte, er gehörte zu keiner wirklich dazu, konnte mit ihrem Gedankengut nichts anfangen, obwohl er doch lieber einen der Upper Class´ mit aufgeschlagener Lippe sah als einend er ärmeren Vertreter. Obwohl er auch mit jenen nicht tauschen wollte. Alles zu haben und nicht mehr zu wissen was man wollen könnte……Malik wollte nicht darauf verzichten, noch Träume und Wünsche zu haben.
Früher einmal hatte er dem ganzen Rivalitätenkram etwas mehr abgewinnen können, überlegte er, während er einige ruhigere Töne anschlug, doch seit der Sache mit seinem Bruder ging er den ganzen Sache lieber aus dem Weg.
Er blickte kurz auf, in den bernsteinfarbenen Augen spiegelte sich die Sonne. Eines musste man ihm ja lassen, hübsch war er mit dem ebenmäßigen Gesicht, den sanften Augen, in denen der kindliche Schalk noch immer glänzte, obwohl er längst erwachsen war. Die blonden Haare, die ihm länger in den Nacken fielen, als anständige Bürger es für richtig und sittsam für einen jungen Mann gehalten hätten, hingen ihm in die Stirn, doch er ersparte es sich, die störrischen Strähnen beiseite zu wischen. Die Mädchen mochten ihn, er wirkte ehrlich, man vertraute diesem Gesicht, er war nicht so besitzergreifend, so arrogant wie andere, die sich Mädchen wie Trophäen hielten. Er spürte einige flüchtige Blicke aus schnell errötenden Gesichtern auf dem nackten Oberkörper ruhen, als er sich aufrichtete. Nein, gut trainierte Muskeln gab es nicht zu sehen, aber immerhin auch keinen dürren Hänfling. Hier konnte man es sich nicht leisten, nicht zurückschlagen zu können. Trotzdem, Malik war nicht der große Macher, der gerne seine Muskelberge zur Schau stellte und in jeder Prügelei schlussendlich drei Zähne in der Hand hielt. Aber es brachte ihm ein paar mehr Dollar ein, dass man die Schweißperlen von der leicht gebräunten Haut rinnen sah. Ein gewinnendes Lächeln auf den Lippen, als einige Münzen in die Büchse zu seinen Füßen fielen. Er ließ summend die letzten Akkorde ausklingen, bevor er sich erhob. Er hatte schon seit Stunden an diesem Platz gehockt und solange seine Musik zum besten gegeben, dass sein Mund trocken war wie die Sahara und seine Finger trotz des Plektrums schmerzten. Er warf sich das ausgebleichte Shirt über die Schulter, wischte nun doch die Strähnen aus der Stirn. So heiß war es schon seit Tagen nicht mehr gewesen und nichts hätte ihn dazu bewegen können, sich in noch mehr Stoff zu zwängen. Heimlich dankte er dem lieben Petrus für das Wetter und Andre Courreges für die Erfindung des Minirocks. Wer´s tragen konnte……Er wandte den Blick wieder nach vorne, bevor ihm einige eifersüchtige Freunde noch böse sein konnten.
Er war sich nicht sicher, wo seine Beine ihn überhaupt hintrugen in den zerrissenen Jeans, er kannte die Stadt in und auswendig, hatte er doch die letzten 22 Jahre hier verbracht. Einige Viertel mied er auch unterbewusst bewusst, zum Beispiel das Gebiet, wo auch seine Eltern gewohnt hatten. Wie es ihnen ging? Gute Frage, er hatte sie wohl seit sieben Jahren nicht mehr gesehen, war mitgegangen, als sein Bruder gegangen war. Sein großer Bruder, der ihm immer so verständnisvoll durch die Haare gestrichen hatte, auch wenn sein Weg oft sehr krumm gewesen war. Er war immer wichtiger für Malik gewesen als die Eltern. Nein, Tale, wie man ihn immer nur bei seinem Nachnamen gerufen hatte, war in Ordnung gewesen, kleine Diebstähle und Alkohol hin und her, er hatte sich um ihn gekümmert. Nun war es schon vier Jahre her, dass er in einer dummen Messerstecherei gestorben war. Ja, er hatte viel von Bandenehre gehalten, doch die anderen hatten ihr Territorium mit seinem Blut markiert. Und Tales kleiner Bruder, sein kleiner Schoßhund hatte sich alleine durchschlagen müssen. Bis jetzt war es ihm auch einigermaßen gelungen. Sicher wäre man stolz auf ihn gewesen, denn er hatte es im Gegensatz zu seinem Bruder sogar geschafft, von Drogen und übermäßigem Alkohol und Gewalt die Finger zu lassen.
Sicher, eine eigene Band wäre die Krönung des ganzen, sich den ganzen Rockern anschließen, die in letzter Zeit weltweit zu Ruhm kamen und deren harte Gitarrenriffs aus jedem Radio der Stadt schallten. Aber waren Träume nicht viel schöner, so lange sie nicht wahr wurden?
Das Geräusch mehrerer Paar Füße riss ihn aus den Gedanken, er drehte sich nicht um, umdrehen war schlecht, aber allein die Tatsache, dass er sonst niemanden außer sich in der Gasse bemerkte war schlecht. Und schon legte sich eine Hand beinah kameradschaftlich auf seine Schulter, aber als er an dem gut gekleideten Arm emporblickte, sah er in das grinsende Gesicht eines jungen Mannes, etwa in seinem Alter. Hatte er den so wenig auf den Weg geachtet, dass er geradewegs in das Gebiet der Upper Class Gang, den Socials gelandet war? Er behielt das unbekümmerte Lächeln bei, auch wenn er es nicht vermeiden konnte, dass ihm ein kalter Schauer über den Rücken lief.
„Ihr Jungs habt doch sicher was Besseres zu tun, nicht wahr? Bräute aufreißen, euch mit dem sozialen Abschaum prügeln…..“
Er wischte die Hand von seiner Schulter, doch schon nach zwei eiligen Schritten lag schon wieder ein Arm um seiner Schulter. Malik fürchtete um die Gitarre, die er sich locker über die Schulter gehängt hatte. Die Botschaft war eindeutig: Sie würden ihn nicht so davonkommen lassen. Das war das Problem: Sie hatten zu viel Geld und zu viel Freizeit. Langeweile konnte man vor allem gut aus der Welt schlagen.
„Genau das ist ja der Punkt. Was macht ein Straßenjunge wie du in unserem Gebiet?“
Also hatte er sich doch nicht geirrt. Er drehte den Kopf leicht, sie waren zu dritt. Allesamt vom Typ Football-Star, breites Kreuz, die Haare mit Pomade zurückgestrichen. Ob sie stolz auf ihre Kotletten waren? Malik wusste, dass er jetzt besser nicht grinsen sollte, trotz alledem musste er es sich stark verkneifen. Er fand sie einfach zu lächerlich, wie sie sich das Rebellentum auf die Flagge schrieben und doch keinen Grund dazu hatten, solange sie ihren Arsch abends in einer marmornen Badewanne platzieren konnten. Dabei war sich Malik recht sicher, dass er ohne ein blaues Auge kaum noch aus der Situation herauskommen würde.
„Ihr kennt mich, ich bin keiner von den Gossenkriechern aus der anderen Gang. Ich halte mich aus euren Angelegenheiten raus“, sagte er, abwehrend die Hände heben. Alles was er noch wollte, war weg von hier, bevor er zum Sandsack einiger gelangweilter Teens wurde, die vermutlich sogar noch jünger waren als er und trotzdem mehr Bizeps an einem Arm hatten als er an beiden zusammen.
„Ich denke, dann müssen wir dich mal in unsere Angelegenheiten einbeziehen, Blondschopf“, schnurrte ein Blonder, der sich vor ihm aufgebaut hatte. Diese elenden Langeweileprügeleien waren es, die Malik vielleicht doch noch mal irgendwann die Nadel in den Arm trieben. Alles was er gebraucht hätte, wären ein zwei Menschen gewesen, um die Großmäuler von ihrem gesetzeswidrigen Verhalten abzubringen. Aber die Gasse schien wie leer gefegt. Dreck…..

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Zuletzt von Grievous am Mo Feb 01, 2010 9:55 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mi Nov 25, 2009 1:03 am

Nachtschicht, inklusive Überstunden bis in den Mittag hinein. Was erwarteten diese Sklaventreiber eigentlich von ihm? Dass er schuftete wie ein Packesel? Diese Tiere hatten es sich sicherlich auch nicht ausgesucht, sie würden auch lieber herumirren und sich um nichts im Leben kümmern. Er war ein Packesel, so einfach erschien es ihm, er war ein elender Esel, ein Tier.
Wenigstens hatte er noch eine weitere, volle Schachtel an Zigaretten. Nun gut, bald würde sich auch daran etwas ändern.
Das leichte Aufzischen des Streichholzes hallte in seinen Ohren wider, das beinahe lautlose Knistern der Zigarette zwischen seinen rissigen, blassen Lippen, dann schmiss man achtlos das Holzstück auf den Boden, zog einige Male an dem Nikotinstengel. Tabak war schon eine wunderbare Sache, mittlerweile eine notwendige sogar. Wie schnell die Sucht vom Innersten eines Menschen Besitz ergreifen konnte, war schon eine faszinierende Sache.
Müde rieb sich der Schwarzhaarige die Augen. Wann hatte er das letzte Mal geschlafen? War bestimmt schon zwei Tage her, seit er das letzte Mal in seinem Bett lag, seit der das letzte Mal generell irgendwo herumlag. Sein Job machte ihn fertig, diese Stadt machte ihn fertig, der Sommer machte ihn fertig.
Gott, wieso war er keiner von diesen Hippiekindern? Sie durften nackt durch die Gegend rennen und freuten sich sogar darüber. Sie machten nichts, saßen nur herum, rauchten ihr Gras, demonstrierten für den Frieden und erfreuten sich an den Klängen der Musik.
Ach. Alles Spacken. Robert wusste schon, warum er nicht zu dieser Truppe gehörte- sie waren ihm zu glücklich, ihre Musik war widerlich, sie machten genau das, was er niemals tun würde, denn irgendwo hatte er noch etwas Anstand.
Dennoch wäre er zu gerne jemand anderes. Er würde gerne diese Stadt verlassen, die ihn mittlerweile einfach nur ankotzte.
Kotze, es war alles nur Kotze! Die Menschen, die Gebäude, selbst die Straßen, alles getränkt in einer ekelhaften, kotzförmigen Masse. Widerlich! Banden an jeder Straßenecke, überall erwartete ihn etwas anderes. Die Menschen fürchteten sich vor dem Atomkrieg, der ja bald irgendwann anbrechen sollte und nichtsdestotrotz versuchten sie sich irgendwie zu entwickeln, sich von den alten Werten und Normen abzuwenden und Spaß im Leben zu haben, widersprüchlich wie sonstewas, aber sollten sie ruhig machen.
Er war sowieso bereits ein Verbot für jede Norm der Welt. Ausgewaschene Jeans, Löcher, sodass die Knie entblößt der Welt zur Schau gestellt werden, zertretene Stiefel, offenes Hemd und das schwarze Haar zerstrubbelt im Gesicht klebend. Robert wirkte wie all diese Rock- Rebellen, tätowiert, Augenringe bis zum geht nicht mehr, der Blick stets grimmig, wenn nicht gar hasserüllt und dabei interessierte ihn die Rock- Rebellion einen Dreck! Er hatte nicht einmal mehr richtig Zeit gehabt, sich diese Musik richtig anhören zu können. Zwar trällerte ab und an mal irgendeines dieser Liedchen im Radio am Arbeitsplatz, oder er bekam zufällig einige Gesprächsfetzen einiger Kunden mit, die über diese oder jene Musiker sprachen, die gerade angesagt waren. Hmm, dabei dachte er, dass die Beatles immer die tollsten wären...die Welt änderte sich viel zu schnell und widerlich.
Robert hasste diese Stadt, er hasste seinen Job, so betrachtet hasste er sein gesamtes Leben aber was sollte man auch mit einem stinknormalen Highschool Abschluss schaffen, mit Eltern, die ihn finanziell in keiner Hinsicht unterstützten, die ihn, sobald er seinen Abschluss in der Tasche hatte, aus der Wohnung schmissen. Wenn man nie genug Geld auftreiben konnte, um aufs College gehen zu können. Wenn man nicht einmal gut genug mit seiner eigenen Stimme war, um eine Band zu gründen.
Zu dreckig, zu tief, zu unmelodisch. Sollten sie sich alle mal ficken.
Und sollten diese miesen Penner ihm aus den Augen gehen, die die Straße blockierten. Blöde, reiche, verzogene Einzelkinde. Pisser.
War nicht anders zu erwarten gewesen, dass sie mal wieder jemanden herauspickten, der mit ihnen nichts am Hut hatte, jemand Unschuldigen.
Robby hatte keine Angst vor ihm. Hey, wozu Angst, wenn man eine Schusswaffe bei sich hatte?! Die heutige Zeit war um einiges einfacher geworden. Früher musste man stark sein, heute musste man nur gut schießen können und am besten genau dann, wenn sonst keiner zuschaute und selbst wenn jemand zuschaute, selten sagten die Menschen irgendwem irgendetwas über solch einen Zwischenfall.
Der junge Mann seufzte laut, blieb anschließend stehen, während die müden Augen diese Gestalten wortlos betrachteten, wie sie bei näherem Betrachten in seiner Pupille verschwammen, dessen Gesichter kaum noch zu erkennen waren.
"Sucht euch lieber einen Job und gründet eine Familie, ihr verwöhnten Penner, und lasst den Jungen in Ruhe.", raunte er ihnen nur entgegen, nicht wütend, nicht augebracht, nicht einmal drohend. Seine Stimme war eher schleppend, ruhig und irgendwo abwesend, wie sie es immer war.
Gott, was machte er hier eigentlich? Dieser blode Dummkopf konnte ihm sowas wie von scheißegal sein, diese Scheißer konnten ihn mal an seinem Allerwertesten und diese Straße war nicht einmal der richtige Weg zu seiner Wohnung.
Seine Kippe qualmte immer noch zwischen den Lippen, er hatte sie vergessen, wollte sie jemanden ins Gesicht schnippsen, aber Schade um das Geld, welches er nun einmal nicht hatte.
Schade um das alles hier, schade um diese Köpfe, die bald gegen den Asphalt prallen würden, Schade um die Schädeldecken, die unter seiner Schuhsohle aufplatzen würden. Schade, Schade.
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Kauzi
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Do Nov 26, 2009 4:30 pm

Malik war sich nicht sicher, ob Gott es nun gut mit ihm gemeint hatte, ihm so eine Schlafmütze zu schicken. Sicher war er froh, nicht mehr alleine in der Gasse zu sein mit den Kollegen vom Antibildungsclub, aber sein Gegenüber schien so abwesend zu sein, dass er vermutlich einfach viel zu spät bemerkt hätte, wenn man ihm eines auf die Fresse gegeben hätte. Aber einen Vorteil hatte das Ganze ja: Die drei jungen Männer drehten sich mit gehässigem Gesichtsausdruck zu ihm um und ließen ihr erstes Opfer für einen Moment aus den Augen, auch wenn ihr Anführer ihm immer noch einen Arm um die Schulter gelegt hatten. Die drei schienen beinah glücklich zu sein, noch einen weiteren Sandsack gefunden zu haben.
„Was sollte dich die ganze Sache angehen, huh? Bist du sein Aufpasser?“
Mit gefährlicher Langsamkeit schlossen sie den Kreis um die beiden Männer, das war nicht gut, das war ganz und gar nicht gut. Malik konnte sich keine Prügelei leisten,, ärztliche Versorgung war ein Luxus, den er sich nicht leisten konnte und blaue Flecken und Prellungen waren ein schmaler Grad auf dem man wanderte. Entweder die Mädels fanden, dass man „tough“ aussah, oder aber man war so entstellt, dass keiner einem mehr Geld geben wollte, auch nicht aus Mitleid. Der Gitarrist hätte es sich gerne erspart, überhaupt vor dieser Entscheidung stehen zu müssen. Vielleicht war es doch Zeit irgendwie selbst zu reagieren, denn mit ein paar lockeren Sprüchen würden sich die Muskelberge nicht abkühlen lassen. Noch immer wog der Arm auf seiner Schulter schwer und der Geruch von Schweiß stieg ihm in die Nase. Widerlich, man sollte meinen, sie könnten sich von ihrem ganzen Geld Rasierwasser oder Parfüm kaufen. Sein Blick verfinsterte sich, als er die vielen klobigen Ringe an der Hand des Jungens sah. Wenn er damit zuschlug könnte das recht schmerzhaft werden und noch um einiges ärger, als es eh schon war.
„Ihr braucht ihn nicht auch noch mit reinzuziehen, wenn ihr Langeweile habt, dann bastelt was Schönes oder sammelt Geld für die Armen. Was man halt so tut, wenn man viel Geld hat und gute Eigenwerbung braucht“, summte der Junge, er konnte sich das Grinsen einfach nicht verkneifen, irgendwann würde ihn diese Dauerfröhlichkeit noch ins Grab bringen, das hatte ihm sein Bruder auch schon immer prophezeit. Er spürte, wie die Atmosphäre endgültig kippte von „Wir spielen noch ein bißchen mit dem Essen“ auf „Lasst uns die Bastarde so gründlich verprügeln, dass sie nicht mehr wissen, ob sie männlich oder weiblich sind“. An dem Arm auf seiner Schulter spannten sich Muskeln und Malik musste feststellen, dass auch der Schwarzhaarige Social vor ihm schweren Fingerschmuck trug. Bevor er sich rechtzeitig ducken konnte, schlug ihm der junge Mann mit voller Wucht ins Gesicht, die Ringe rissen ihm die Wange breit auf. Der Gitarrenspieler schrie auf, er spürte warmes Blut über sein Gesicht rinnen. Wenn das mal keine Narbe gab. Für einen kurzen Moment glommen Sterne vor seinen Augen auf, doch dann hatte er sich wieder gefangen. Das war nicht seine erste Prügelei, so schnell wollte er sich von diesen Saftsäcken nicht fertig machen lassen. Dass die feinen Herren sich für diese Prozedur Zeit lassen wollten, kam ihm mehr als nur zu Gute. Das hämische Grinsen auf dem Gesicht des Schlägers und das helle Blut –SEIN Blut- an den Ringen stachelte seinen eigenen Zorn nur an, sodass der Ellbogen, der den Jungen hinter sich traf, sich umso tiefer in die Magengrube rammte. Keuchend spürte er endlich den Druck von seiner Schulter weichen und entwand sich dem Griff, versetzte seinem Peiniger einen Tritt, der ihm mit etwas Glück jegliche Kinderwünsche vorweg nehmen würde. Das war natürlich nicht besonders fair, aber das waren die Ringe an den Fingern auch nicht gewesen.
In Maliks Kopf drehte sich noch immer alles von dem wuchtigen Schlag und das eigene Blut lief ihm langsam in die Augen, aber wenn er jetzt nicht wegkam, dann würden sie ihn und seinen verpennten Gegenüber wohlmöglich tot prügeln. Er hörte aus mehreren Kehlen ein wütendes Aufschreien.
„Renn, verdammt!“
Er hatte den Schwarzhaarigen wohl richtig eingeschätzt, denn aus welchen Gründen auch immer –mochte es auch Übermüdung sein- hätte er wohlmöglich viel zu spät reagiert. Er zog den Mann, der ein Stück größer war als er selbst, rasch mit sich, spürte nur noch seine Füße rennen und die Gitarre regelmäßig gegen seinen Rücken schlagen. Wenn dieser Idiot sie irgendwie beschädigt hatte, würde er vielleicht doch noch einmal umdrehen und ihnen ordentlich eins auf Maul geben. Trotzdem, er kannte sich hier gut aus und die verwinkelten Gassen waren sein Revier und er schaffte es schlussendlich doch irgendwie, die Socials abzuhängen, bei denen bei aller Wut schließlich doch das Desinteresse siegte. So eifrig er sich bis jetzt auch auf den Beinen gehalten hatte, jetzt stützte er schwer atmend die Hände auf die Knie, verschnaufte einen Moment, bevor er sich aufrichtete und vorsichtig über den tiefen Schnitt in der Wange fuhr. Er stieß scharf Luft aus, als der Schmerz durch sein Gesicht zuckte, betrachtete das Blut an seinen Händen.
„Ich würde sagen, das ging gerade noch einmal gut.“
Er wischte sich die Hand an der Jeans ab, bevor er sie dem Mann entgegenstreckte
„Ich denke, ich sollte mich vorstellen. Malik Tale, gescheiterter Gitarrist.“
Dieses Mal bekam er kein siegessicheres Grinsen hin, dafür schmerzte die Wunde zu sehr.

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Do Nov 26, 2009 11:49 pm

Eigentlich, ja eigentlich wollte er diesen Spaten auf's Maul hauen, bekam jedoch nur die Hälfte von allem mit. Er hörte die Worte des Blonden nur halbwegs, bemerkte erst viel zu spät, dass dieser von irgendwem geschlagen wurde. Gott, zu ihm kamen sie nicht einmal, dabei hatte er sich bereits auf diesen kleinen Blitzkrieg vorbereitet. 9 MM Schusswaffe im Bund, gesichert, volles Magazin. Robert wollte sie immer schon benutzen, bekam aber nie die Gelegenheit dazu. Diesmal anscheinend auch nicht.
Er winkte diesen Pennern noch zum Abschied, als man ihn auch vom Ort weggeschoben hat, weit weg, sodass sie irgendwann gar nicht mehr zu sehen war. Seine Beine trugen ihn fast schon automatisch mit, liefen diesem Kerl wie ein Magnet hinterher und das gar nicht gut für sein Lunge.
Keuchend blieb der Schwarzhaarige stehen, krümmte sich kurz vor Schmerz, der sich in seinen Lungen ausbreitete, ehe er sich wieder aufrichtete, Blondis Gesicht betrachtete. Gott, er hasste fremdes Blut, irgendwie.
Am liebsten hätte er etwas gesagt, musste jedoch einige Male nach Luft schnappen. Jaja, so war das, wenn man zu viel rauchte, seine Gesundheit war im Hintern, er war 25, sein gesundheitlicher Stand glich aber dem eines Vierzigjährigen. Aber was sollte man tun, man war krankhaft süchtig, man hatte gar nichts anderes mehr im Leben.
Nachdem sich endlich sein Herz beruhigt hatte, nachdem er endlich wieder normal atmen konnte, huschte ein leichtes Lächeln über die blassen Lippen. Seine Kippe hatte er unterwegs verloren..Scheiße..ach egal.
Freundlich nahm er die Hand, die ihm gereicht wurde, entgegen, schüttelte diese einige Sekunden lang, ehe er diese anschließend losließ.
"Robert, einfach nur Robert oder Rob, wie du willst. Zwar kein gescheiterter Musiker, aber ein gescheiterter Lebender.", ein rauhes, kehliges Lachen drang aus seiner Kehle, welches ebenso schnell verstummte, wie es auch aufgetaucht war.
Robert war kein lustiger Mensch und er lachte auch nicht gerne oft über solch einen witzlosen, Tragikkomödienwitz.
Außerdem, was interessierte es ihn. Malik hatte wahrscheinlich selber mit seinem Dreck genug zu tun gehabt.
"Ich frage mich, wie es dazu kommt, dass du dich mit solchen Freaks anlegst.", murmelte er, während seine Finger eine weitere Zigarette aus der Schachtel herausfischten, diese anschließend mit einem weiteren Streichholz anzündend. Einatmen, in den Lungen behalten, anschließend auspusten. Jeder zug an der Fluppe stellte ihn ruhiger, als sonst, alles wirkte auf einmal viel gelassener als sonst.
"Naja, hey, du bist verletzt! Ich wohnte hier gleich in der Nähe...lass' ma' verarzten gehen und dann kannst du mir auch erzählen, warum du dich mit Banden anlegst."
Er machte ihn mit einer Handbewegung darauf aufmerksam, dass er ihm folgen sollte, während sich seine Beine schlenderhaft vorwärts bewegten. Er wollte nach Hause, wollte den Kerl jetzt aber auch nicht so sitzen lassen, der hat ihn ja irgendwie aus der Scheiße gezogen, die gar nicht seine Scheiße war und heey, Robert war zu nett, ab und an. Heute war so ein Tag. Hoffentlich würde Robby nicht unterwegs einschlafen...Gott! Müde...so schrecklich müde..

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Fr Nov 27, 2009 5:33 pm

Es war nicht zwingend üblich, dass jemand einem auf der Straße Hilfe anbot. Für gewöhnlich waren jene, die nicht zu irgendeiner der Banden gehörten, ziemliche Einzelgänger. Wären sie das nicht, wäre ersteres wohl auch nicht der Fall. Es kam selten genug vor, dass man anschließend noch zu seinem Retter –wobei Malik immer noch ein wenig an dieser Reihenfolge der Beziehung zweifelte- nach Hause eingeladen wurde. Und ganz ehrlich war er wirklich froh, sich nicht selbst mit einer Flasche Hochprozentigem um die Wunde kümmern zu müssen. Auch wenn er stark bezweifelte, dass Robert irgendeine Ausbildung als Sanitäter genossen hatte, war es immer noch besser als die Wunde selbst versorgen zu müssen. Hin und wieder fuhren die Finger wider besseren Willens zur Wunde, um an den tiefen Rändern entlang zu fahren und sich hin und wieder das Blut abzuwischen, das ihm nicht nur aus dem Schnitt sonder auch aus einer leichten Platzwunde am Kopf in die Augen lief. Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie viel Glück er gehabt hatte. Das war nur ein Schlag gewesen. Wie es mit ihm ausgegangen wäre, wenn er in eine wirklich Schlägerei geraten wäre, wollte er sich gar nicht erst ausmalen. Vermutlich hätte er das nicht überlebt.
„Vielen Dank“, antwortete er mit einem leichten Hauch von Verblüffung, während er zu Robert aufschloss. Mit ihm Schritt zu halten war nicht besonders schwer. Wie sein Leben ihn noch nicht überholt haben sollte, war ihm ein Rätsel. Dabei….Er dachte an die Worte des Schwarzhaarigen zurück. Vielleicht hatte es das ja doch. Malik hatte das Gefühl, alle Geschehnisse schienen neben Robert mit doppelter Geschwindigkeit an ihm vorbeizurasen. War möglicherweise auch mal ganz gut so, denn er selbst nahm sich selten Zeit für irgendetwas. Er war sogar zu beschäftigt fürs Erschöpftsein. Immerhin musste er sich Alternativen einfallen lassen, wenn das Gitarrenspiel zu wenig Geld einbrachte. Und es war schwierig für ihn, sonst irgendwie an Geld zu kommen. Sich eine neue Perle suchen und ein paar Tage bei ihr unterkommen……Aber Malik hasste es, die Mädchen auszunutzen, er fühlte sich dabei immer schäbig. Außerdem machte das sein gutes Image kaputt. Umso besser also, das es Robert gewesen war, der ihm wenigstens für den Moment seine Hilfe angeboten hatte.
Er vergrub die Hände in den Taschen, um nicht noch einmal in Versuchung zu geraten, an den tiefen Schnitt zu fassen. Aber er hatte wohl immer noch nicht ganz realisiert, dass diese Miniaturschlucht sich in seinem Gesicht befand. Er verzog leicht das Gesicht, als der junge Mann ihn abermals darauf ansprach, wie er eigentlich in diese Zwickmühle geraten war. Die Gesichtsakrobatik bereute er sogleich wieder.
„Sie haben mich unglücklicherweise aufgegriffen. Hatten Langeweile, man kennt diese asozialen Schnösel ja. Elende Bastarde“, fügte er leise grollend hinzu und trat nach einer zerbeulten Dose, die scheppernd beiseite fiel. Er schmeckte Blut im Mund und fragte sich, ob der Schnitt so tief war, dass er eine Zigarette durch die Wange hätte rauchen können. Nicht, dass er es ausprobieren wollte. Er wollte die Bemühungen seines Bruders in Ehren halten und die Finger von Tabak und Schlimmerem lassen.
„Außerdem wusste ich nicht, dass die Socials mittlerweile auch schon dieses Gebiet besetzt haben. Als mein Bruder-„
Er hielt inne und biss sich auf die Lippe. Auch wenn das Ganze schon einige Jahre her war, die Narbe war immer noch frisch. Er wollte nicht mit einem beinah wild Fremden darüber reden, versuchte das Thema wieder ein wenig umzulenken.
„Was treibt dich dazu, einem wie mir zu helfen?“
Er wusste, was mit „einem wie mir“ gemeint war. Die anderen Gangs oder die gewöhnlichen Leute gaben sich mit dem Straßenpack nicht ab. Für sie war es Betteln, mit Musik sein Geld zu verdienen und sie wussten auch, dass er sich hin und wieder die Parkbank mit den Junkies teilen musste. Das reichte ihnen, um abschätzig zu sein. Kein Dach über dem Kopf zu haben war fast genau so schlimm wie ein Verbrecher zu sein. Er musste schleunigst wieder ein anderes leer stehendes Haus finden, das mehrstöckige Gebäude, in dem er bis jetzt untergekommen war, würde in ein paar Tagen endgültig abgerissen werden. Zeit sich etwas neues zu suchen, jetzt wo der Sommer bald zu Ende war. Aber woher…..?

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Sa Nov 28, 2009 10:55 pm

Robert hatte ihm mit halbem Ohr zugehört, als etwas über die Gangs berichtete. Er hatte sich nie darum gekümmert, welche Gebiete sie besetzten, wo sie sich herumtrieben und was sie eigentlich machten. Er war zu alt für so einen Müll, und nur weil er, wenn es nicht gerade so ein widerlicher Sommer war, eine Kunstlederjacke trug und sein schwarzes Haar mit der Farbe anderen Gangs glich, gehörte er bestimmt nicht zu diesen, wäre ja auch zu lustig, würde er sein sinnloses Leben mit noch sinnloseren Dingen, wie Pöbeleien und Verprügeln anderer Leute, verbringen.
„Keine Ahnung, was mich da geritten hat.“, gab er ehrlich auf die Frage Maliks zu, lächelte ihn leicht an, ehe sein Blick wieder auf die Straße gerichtet wurde, und seine Lippen die Zigarette zusammenpressten und seine Lungen den giftigen Rauch einatmeten und diesen sogleich wieder aus den Nasenlöchern hinausbeförderten, in die verpestete Luft dieses wunderschönen Städtchens.
Eigentlich kam er ja aus Detroit, wo die Verhältnisse noch schlimmer waren als hier. Warum er ausgerechnet in den Bus der Friedenskämpfer gestiegen war, die unbedingt auf eine Demo wollten, die zufällig in San Francisco stattgefunden hatte…naja, irgendwie konnte er sich dieses Phänomen auch nicht so sehr erklären. Jetzt war er also seit geschlagenen acht Jahren hier und konnte nicht raus.
Achja…Malik, fast hätte Robby ihn vergessen, dass er neben ihm herlief, dass er da war. So einen Jungen wie ihn beachtete er eben im normalen Leben nicht, an solchen Jungs ging er immer vorbei, ohne je mitbekommen zu haben, dass er an ihnen vorbeigegangen war.
„Ich hab’ nicht auf den Weg geachtet, bin in das Geschehen rein gerannt und naja..bin ja eigentlich ’n netter Kerl, würd’ keinen einfach so stehen lassen, nicht bei solchen Spackenleuten.“, murmelte er über die Zigarette im Mund hinweg, welche auch im nächsten Moment achtlos auf die Straße geschmissen wurde, fast einen Kleinwagen an der Scheibe traf, doch das interessierte den jungen Mann reichlich wenig, wie eigentlich alles um ihn herum. Die Welt veränderte sich und er bemerkte es nicht einmal mit. Alle hatten einen Fernseher, er besaß nicht einmal einen Schallplattenspieler. Alle fuhren einen Wagen, er wusste nicht einmal, wo sich das Gaspedal bei so einem Teil befand. Während sich alles entwickelte, blieb sein Rhythmus anscheinend einfach stehen, er steckte fest, ohne es selbst richtig realisiert zu haben.
Das Leben war eben ein Haufen Dreck, den man nicht wegräumen wollte. Leise seufzend bog er in eine andere Straßenecke, versuchte den Menschenmassen auszuweichen, die um diese Zeit nur so aus den Läden oder sonstewoher strömten und den ganzen Bürgersteig mit ihrer Anwesenheit beschmutzten, mit ihrem Lärm, der gegen sein Trommelfell dröhnte und ihn einfach nur ankotzte.
„Aber hey, ist doch egal. Die Penner sind weg und du hast nur eine kleine Wunde.“
Solange sie beide ihre Penisse hatten, war doch alles in Ordnung, denn dies wäre wahrscheinlich schlimmer, als wenn man ihnen ein Gliedmaß entfernt hätte, man hatte davon ja schließlich immer zwei, aber sonst…ja, sie konnten froh sein.

Es hatte eigentlich nicht lange gedauert, bis sie ein letztes Mal in eine Gasse abbiegen mussten, hinter welcher sich ein Wohngebiet befand. Es war nicht besonders friedlich, nicht besonders gepflegt und sah auch kein bisschen aus, wie all die Wohnsiedlungen in den Werbeplakaten oder in diesen glücklichen Filmen. Es war laut, in einigen Wohnungen stritten sich die Ehepaare, Gegenstände flogen gegen die Wände, flogen aus den Balkonfenstern.
Auf den Straßen gammelten Menschen. Einige Penner hockten betrunken neben Mülleimern, schliefen in ihrer eigenen Kotze ein, rochen stark nach Pisse.
Gangs gab’s hier natürlich auch, doch diese ließen ihn in Ruhe, weil er sie in Ruhe ließ, weil sie sich gegenseitig nichts zu sagen hatten. Alles, was hier lebte, wurde von diesen gewalttätigen Idioten in Ruhe gelassen, weil sie kaum besser dran waren, als sie. So einfach war hier das Gesetz und Robert war’s schlichtweg egal.
Neben einem dunklen Backsteinhaus blieb er stehen, schaute kurz hinauf, ehe seine Beine ihn durch die Eingangstür trugen, hinein ins Treppenhaus. Malik würde ihm schon folgen.
Das Treppenhaus war stockduster, trotz des hellen Tageslichts, drang hier kaum Licht durch die verdreckten, kleinen, schmalen Fenster ein. Müll lag in den Ecken, benutzte Spritzen, an denen noch das Blut des Junkies klebte, einige Spritzer waren sogar an der Wand verteilt. Es roch modrig und es war kalt.
Den Aufzug hatte Robert schon lange nicht mehr genommen, umging diesen auch sofort; nicht nur, weil dieser von einigen Teenagern bewohnt wurde, welche von zu Hause abgehauen waren und nun nicht genug Geld für einen Wohnsitz hatten, nein, der eigentliche Grund war, dass dieser seit drei Jahren nicht mehr funktionierte. Der Techniker war zwar gekommen, hing ein „außer Betrieb“ Schild auf und kam nie wieder zurück. Das Schild wurde im Winter als Brennholz benutzt.
„Sei froh, dass ich nicht im sechsten Stock wohne.“, murmelte er Malik leise lachend entgegen, während er langsamen Schrittes die Treppen raufstieg, immer höher und höher und höher, bis sie endlich den dritten Stock erreicht hatten. Die alte, verrostet erscheinende Tür ging in einem lauten Knarren auf und fiel ebenso knarrend zu. Laut und widerlich. Dafür sah es wenigstens anständiger in der Wohnung selbst aus. Es war nicht unordentlich, die Wände waren allesamt weiß gestrichen, hatte sein Vormieter gemacht.
Nur im Schlafzimmer hatte er einen bräunlichen Fleck an der Wand, über seinem Bett. Blut war es gewesen, ebenfalls vom Vormieter, als er sich mit der Schrotflinte den Schädel weggepustet hatte. Robert war sich sicher, dass dies nicht der einzige Blutfleck sein würde.
„Fühl’ dich wie zu Hause.“ Mit diesen Worten zog er sich seine alten Schuhe aus, schlenderte anschließend in die Küche, wo er sich auf einen der alten Stühle setzte, sich erneut eine Kippe anzündend. Wenn er wollte, könnte der Blondi auch herkommen, könnte sich umsehen, konnte tun, was er wollte, Robert war es egal…so egal. „Wenn du die Wunde versorgt haben willst, musst du im Wohnzimmer im kleinen Schränkchen links ’ne Flasche Wodka rausholen und sie herbringen. Der Schrank ist übrigens grün.“
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   So Nov 29, 2009 12:31 am

Die beste Gegend war es wohl nicht, in der Robert wohnte, aber zu mindestens war es ein Haus in dem er wohnte. Das konnte Malik von sich selbst nicht behaupten. Auch wenn der Weg nicht weit war, wurde die Gitarre auf seinem Rücken langsam höllisch schwer, und er war ganz froh, endlich in den stinkenden Schatten des Hausflures entkommen zu können. Er warf dem Aufzug einen beinah sehnsüchtigen Blick zu, wie gern hätte er sich jetzt nicht die Treppen heraufgequält, aber wie Robert schon sagte, zu mindestens wohnte er nicht im sechsten Stock. Was die Anzahl der benutzten Spritzen hier anging, war es auch nicht besser als im Park und wenn er sich nicht komplett irrte, stieg ihm auch der volle Geruch von gerauchtem Gras in die Nase. Er schüttelte sich. Nie im Leben wollte er so enden wie die Junkies, mit glasigen Augen und die Gedanken nie weiter gehend als bis zur nächsten Dröhnung. So ein Leben wünschte sich doch nun wirklich niemand. Er lebte auch auf der Straße und schaffte es, dem tristen Dasein irgendwie anders zu entfliehen. Er hatte die Gedanken kaum zu Ende gedacht, da standen sie auch schon vor der schweren Tür der Wohnung. Sie war wenigstens nicht so heruntergekommen, wie der Rest des Hauses es vielleicht hätte vermuten lassen. Innerlich seufzte der Gitarrist leise. Was hätte er nicht alles gegeben für so ein zu Hause. Sicher war es nichts im Vergleich zu dem, was sich ein „guter Bürger“ leisten konnte. Dabei lief doch in den Vereinigten Staaten gerade alles so wunderbar. Autos und aller mögliche Schnickschnack waren billiger zu haben als je zuvor und doch, die unterste aller Klassen wurde doch nicht reicher. Für viele wurde es leichter, doch einige bekamen davon auch gar nichts mit. Malik zählte sich unglücklicherweise zu dieser Schicht.
Er war nie besonders redselig, besonders bei Robert schien das auch gar nicht nötig zu sein, denn die Hälfte der Zeit war er recht abwesend. Er hatte das Gefühl, gut die Hälfte von dem was er sagte, drang sowieso nicht zu dem Dunkelhaarigen durch und quittierte die meisten seiner Bemerkungen dann doch nur mit einem Nicken. Das Grinsen ließ er lieber sein, auch wenn ihm gerade jetzt wieder einmal danach gewesen wäre.
„Ich soll mich wie zu Hause fühlen? Nein, lieber nicht, ich fühle mich zur Abwechslung dann doch mal so, als hätte ich ´n Dach überm Kopf.“
Erleichtert und doch vorsichtig stellte er die Gitarre in die Ecke, rieb sich die schmerzende Schulter, auf die sich ein roter Streifen eingedrückt hatte. Ein leises Knacken erklang, als er das Gelenk prüfend drehte. Er folgte Robert in die Küche, war aber froh, einen Grund zu haben, sie direkt wieder zu verlassen. Er mochte den beißenden Gestank von Zigaretten nicht, er klebte immer so hartnäckig an allen Klamotten. Das hatte ihn auch schon bei seinem Bruder wahnsinnig gemacht. Noch heute stanken einige der alten Shirts, die er quasi von ihm geerbt hatte, nach Tabak.
Mit einem knappen „Geht klar“ verschwand er im Wohnzimmer, die Wohnung war nun wirklich nicht so groß, dass man sich darin verlaufen konnte. Malik zog sich das ausgeblichene T-Shirt wieder über den Kopf, hier in der Wohnung war es nicht ganz so brüllend heiß wie draußen und es kam ihm nicht wirklich richtig vor, halbnackt in der Wohnung eines eigentlich völlig Fremden herumzurennen. Auch dieses Kleidungsstück gehörte zu denen, die nach Rauch stanken. Scheiß drauf, seine Klamotten hätten nach dem Aufenthalt hier sowieso gestunken. Er griff in den Metallschrank, zog schließlich die Flasche mit dem hochprozentigsten heraus. Er wusste jetzt schon, dass er das in ein paar Minuten wohl bereuen würde, aber besser, er litt jetzt ein wenig, als wenn sich später alles entzündete. Er kehrte zurück in die Küche, stellte die Flasche auf den Tisch und ließ sich selbst neben Robert auf einem der wackligen Stühle nieder.
„Na, dann wollen wir mal. Nicht, dass ich von dieser Begegnung noch Andenken davon trage.“
So ganz schaffte es der junge Mann dieses Mal jedoch nicht, das Unbehagen zu überdecken, ein wenig von der Fassade bröckelte. Es war nicht das erste Mal, dass er eine Schnittwunde so grob auswaschen musste; genau das war auch der Grund, weshalb ihm unbehaglich zumute war. Er wusste, wie verdammt weh so etwas tat.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mi Dez 02, 2009 10:48 pm

Bereits die zweite Kippe wurde angezündet, während man mit halbgeöffneten Augen dem Sekundenzeiger der Wanduhr zuschaute, wie er im Kreis lief, immer und immer wieder, er würde niemals aus diesem Kreislauf entkommen können, seine einzige Hoffnung war das Schwächerwerden der Batterien oder ein aggressiver Anfall von irgendwem, der zufällig hier wohnte, weil er eine Bleibe suchte, Robert nahm schließlich etliche Leute in seine Obhut, aus Angst zu lang allein in dieser kleinen Wohnung sein zu müssen.
Sein Blick wanderte zu Malik, die linke Augenbraue hob sich ein wenig, ehe er sich aufrichtete, aus einem der Schieber etwas Watte herausnahm, diese auf den Tisch neben dem Wodka schmeißend.
Hmm, Robert war kein guter Doc, wenn er sich verletzte, ließ er es einfach so, ließ es alleine verheilen. Seine gebrochene Nase hatte es auch irgendwie geschafft wieder in Ordnung zu kommen.
"Hmm.", der Schwarzhaarige nahm die Fluppe aus der Schnauze, löschte diese an dem beinahe überfüllten Aschenbecher, welcher gleich neben dem ungespülten Geschirr herumstand.
Er trat einige Schritte auf den Musiker zu, musterte seine Wunde einige Sekunden lang, ehe er ihn zu einem der frei stehenden Stühle hinschob. Mit einer Handbewegung machte er deutlich, dass er sich setzen sollte.
"Hey Blondi, ich bin kein Arzt und versorge auch nie Wunden, also nicht wundern, wenn's wehtut."
Und es würde wehtun, da war er sich mehr als nur sicher. Aber welche Wunde war nicht schmerzhaft?!
Stuhl rangeschoben und schon saß man gegenüber von dem Jungen. Seine Fingerspitzen berührten leicht die Wunde, dann zog er die Hand rasch zurück, öffnete die Flasche neben ihm. Der bekannte Duft von Alkohol stieg ihm in die Nase. Ein Duft, den er am Wochenende besonders stark erriechen konnte. Die Watte wurde mit der Flüssigkeit getunkt, bald hatte sich der ganze Geruch seines alten Wodkas in der gesamten Küche verbreitet, was bei solch einer Küche nun wirklich nicht lange dauern würde, so klein wie die war.
"Tut jetzt sehr eklig weh.", murmelte er ihm leicht lächelnd entgegen, zog seine Hand wieder zur Wunde, auf welche man sogleich das getränkte Stück Watte hinklatschte, den Alkohol überall verteilte, damit sich der Scheiß nicht entzündete.
Rückstände vom eingetrockneten sowie frischen Blut blieben daran kleben, es kam immer wieder neues hinzu, bis die Watte größtenteils orange farben wirkte.
Robert zog den Arm zurück, schmiss das Stück auf den Tisch, während seine Augen Malik prüfend musterten. Hey, wo kam der Spacken eigentlich her? War wahrscheinlich eh egal.
"Glaub', es müsste eigentlich genäht werden, aber Alter, das kannste gerne selber machen." Mit diesen zittrigen Fingern war er froh, dass er noch Bestellungen an die Kunden weiterleiten konnte, Geld wechseln konnte, ohne, dass die ganzen Münzen zu Boden fielen, aber Nähen...Gott, er würde ihn umbringen damit und Robert hatte auf keinen Fall je den Wunsch gehabt irgendeinen Menschen auf dem Gewissen zu haben.
"Kannst natürlich auch ins Krankenhaus, aber die zieh'n dir so viel ab, wennde nicht versichert bist." Er hatte gar nicht gemerkt, wie sich abermals eine Zigarette zwischen seinen trockenen, rissigen Lippen befand, die nun vor sich hin qualmte. Er hatte auch gar nicht gemerkt, dass die Schachtel beinahe leer war.
Dreck, elender! Er hatte gar keine Kippen mehr da, bis auf die drei, die übrig waren und nun auf dem Tisch herumlagen. Manchmal, da hasste Robert seine Abwesenheit, da hasste er seine unkontrollierte Sucht, da hasste er es, dass er nicht einmal seine schlechten Eigenschaften mehr steuern konnte. Aber hey, solange es nur Kippen waren, war es ja noch irgendwo okay. Er würde zwar nie eine Familie gründen können und früh sterben würde er wahrscheinlich auch, aber beides stand bereits fest, da war er gerade mal 13 Jahre alt. Für die Familie fehlte ihm dieses gewisse familiäre..er hatte es nicht so mit Kindern, und mit Frauen klappte es auch nie länger als einen Monat und sterben würde er so oder so viel früher als normal.
"Sag mal, wo kommste eigentlich her?"
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   So Dez 06, 2009 1:48 pm

Malik versuchte an irgendetwas anderes zu denken und den Schmerz irgendwie auszublenden, aber das war so gut wie unmöglich. Es brannte so höllisch, das er das Gefühl hatte, man hätte ihm den Alkohol samt Flasche in die Wunde gerammt. Ein ganzer Schwall von Schimpfwörtern und Flüchen kam dem Blonden über die Lippen, während er mit geballten Fäusten versuchte, den Schmerz irgendwie zu verlagern. In dem hübschen Gesicht stand der Schmerz geschrieben, aber wenigstens musste er sich jetzt keine Sorgen mehr machen, dass sich die ganze Sache entzündete. Der Wodka musste wirklich alles weggebrannt haben. Als Rob endlich den mit Blut und Alkohol vollgesogenen Wattebausch von seiner Wange nahm, sprang er unverzüglich auf, nichts brachte ihn jetzt noch dazu still sitzen zu bleiben. Er ging einige Schritte auf und ab, versuchte sich abzulenken von dem Schmerz, der beinahe noch schlimmer als nach dem Schlag durch seine Wange zuckte. Verdammte Bastarde, irgendwann würden sie ihm das noch büßen. Er war froh, dass das nicht seine erste Wodkawundbehandlung gewesen war, denn so hatte er sich zu mindesten weichliches Herumgeschreie vor Robert sparen können.
Sehr vorsichtig tasteten die Finger noch einmal nach der Wunde, der junge Mann hatte Recht, er spürte die auseinander klaffenden Wundränder, wenn das nicht genäht wurde, würde das verdammt unschön verheilen. Und in noch einer Sache irrte er nicht: Geld fürs Krankenhaus war das letzte war er hatte. Irgendwas hielt ihn davon ab, sich wieder hinzusetzen, irgendwie war er zu aufgedreht um still zu sitzen. Er lehnte sich an einen der niedrigen Küchenschränke, die Hände aufstützend dachte er darüber nach, wie das Problem zu lösen wäre. Sicher, einen augenscheinlichen Vielraucher wie Robert lief er nie im Leben mit einer Nadel an sein Gesicht.
„Tja, ich denke, dann flicke ich mich selbst wieder zusammen“, brummte er mürrisch. Das würde verdammt viel Überwindung kosten. Aber hey, sein Bruder hatte eine Ausbildung zum Sanitäter angebrochen, bevor es ihn doch auf die Straße verschlagen hatte. Er hatte ihm einige der nützlichsten Handgriffe beigebracht, so ganz hatte er das sicher noch nicht wieder verlernt. Roberts Frage riss ihn aus seinen unangenehmen Gedanken.
„Hier aus San Francisco. Tenderloin.“
Er verzog ein wenig das Gesicht, Tenderloin war bekanntemaßen das Ghetto von San Francisco, heruntergekommen und wer aus diesem Teil der Stadt kam konnte ruhig etwas auf dem Kasten haben, aber zu fünfundneunzig Prozent wurde sowieso nix aus einem. Malik war das beste Beispiel. In der Zeit, in der er zur Schule gegangen war, war er nicht einmal besonders schlecht gewesen, aber irgendetwas kam dem guten Abschluss immer dazwischen. Und dann hatte man statt einer Ausbildungsstelle nur noch eine Gitarre und eine Parkbank. Sein Bruder hatte es beinahe geschafft. Aber eben nur beinahe.
„Aber da wohn ich jetzt nicht mehr. Die Wohnungen dort kosten eben auch Geld.“
Geld, das man nicht hatte, wenn man nicht nur sprichwörtlich von der Hand in den Mund lebte. Er ignorierte die pochende Wunde, als er sich wieder aufrichtete und beiläufig Richtung Bad schlenderte, den Kopf durch die Tür steckte.
„Du hast sicher nen Verbandskasten?“, fragte er, sich umsehend.
Wenn auch die Medikamente aus diesen Dingern meistens restlos geplündert waren, an einer Nadel und diesem langweiligen Spezialfaden vergriff sich kein Junkie und das war auch nichts, was der Vorbesitzer mitgehen ließ. Sein Blick fiel auf die unscheinbare Kiste auf dem ein abgeblättertes rotes Kreuz prangte. Ohne wirklich auf eine Antwort zu warten zog er das Ding von der Wand und kehrte damit zurück in die Küche, stellte es auf den Tisch. Schnell hatten seine suchenden Finger eine Nadel und eine Rolle des farblosen Bands gefunden, das zum Vernähen von Wunden gebraucht wurde. Er verzog das Gesicht, versuchte sich daran zu erinnern, was sein Bruder ihm in dieser Beziehung beigebracht hatte. Eigentlich war es nicht schwer. Einfach so, wie seine Mutter früher immer die Löcher in seinen Jeans geflickt hatte. Tolle Aussicht. Malik nahm doch lieber einen Schluck aus der Wodkaflasche. Es konnte nicht schaden, etwas enthemmt zu sein, wenn man sich eine Nadel durch die Ränder einer frischen Wunde haute. Er verschwand wieder im Bad, wo er einen Spiegel hatte. Nur kurze Zeit später hörte man ihn scharf Luft durch die Zähne ausstoßen und leise fluchen.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Sa Jan 23, 2010 12:04 am

Dass er einen Verbandskasten besaß, wusste er ehrlich gesagt auch nicht. Wahrscheinlich so'n Teil, dass der Vorvormieter hier gelassen hat, der Vormieter schien eher nicht eine Person gewesen zu sein, die so etwas je besitzen würde- die gab sich ja auch hier die Kugel, konnte man schön am Wohnzimmerteppich sehen. Es war ein Kunstwerk, das nie wieder herausgehen würde und für einen neuen Teppich fehlte Robert das Geld, die Lust und nicht zu vergessen hatte er auch gar kein Verlangen dazu, dieses Andenken an den toten Kerl wegzugeben, es war schön anzusehen, manchmal.
Sein Blick wanderte zu Malik, schaute ihm noch hinterher, bis dieser im Bad verschwand. Schweigend betrachtete er währendessen die Rauchschwaden, die hinaufstiegen und sich anschließend kurz vor der Decke im ganzen Raum verbreiteten. Er roch das Nikotin gar nicht mehr, er wusste nicht, wann er sich in einer Raucherzone befand und wann nicht, wann es ein Rauchercafé war und wann er penetranten Anti- Rauchern ins Gesicht starrte, die Welt roch gar nicht mehr für ihn.
"Hey, bring' dich da bitte nicht um, weitere Flecken in meiner Wohnung sind dann auch wieder nicht sooo angenehm." Vor allem, wenn es irgendwer war, wenn es nicht einmal jemand war, der hier wenigstens eine Nacht verbracht hatte, in seiner Welt war es ein ungeschriebenes Gesetz, dass man sich nur an bestimmten Orten umbringte.
Als er das Fluchen des jungen Mannes in seinen Ohren vernahm, erhob sich Robert anschließend vom Stuhl, kehrte der Küche dem Rücken und sagte abwesend, wie seine Art nun einmal war, dem Badezimmer 'hallo!'. Seine grauen Augen musterten den Jungen eine Weile, während sich die Augenbrauen immer höher zur Stirn bewegten, bald würden sie sich mit seinen ungekämmten Haaren noch vereinen. "Himmel, du hast dich wirklich selbst vernäht.", murmelte er nur, strich sich kurz über das Kinn, ehe man die Fluppe in die Kloschüssel warf, wo sie leise zischend ausging. "Bist ja 'n ganz Harter, Junge. Lebst auf der ollen Straße und vernähst dich selbst? Hast du mal daran gedacht nach der Schule dir'n Job zu suchen, falls du je auf der Schule warst oder sonstewo, ist mir eigentlich auch egal. Komm', wir geh'n was trinken oder so."
Seine Worte, zusammenhanglos und im selben Moment ergaben sie, wenn auch nur manchmal, einen gewissen Sinn. Im einen Moment wollte er etwas wissen, im anderen war es ihm egal. Robert war fünfundzwanzig, hatte bereits vier Jobs hinter sich, hatte mit mehr Frauen geschlafen, als Gott es je könnte und konnte sich bereits jetzt als einen toten Mann bezeichnen. Wenigstens befolgte er den Rat seines Arztes und arbeitete seit fünf Jahren nicht mehr so lange, schlief mehr als zwei Stunden, betrank sich aber dafür immer Häufiger, was dann wiederum zum bösen Erwachen in fremden Wohnungen führten, aber er konnte nicht aufhören, er war krank und es war ihm scheißegal. "Ich geb' dir 'was aus, hab' eh keine Ahnung, was ich mit dem Trinkgeld anfangen soll."
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Do Jan 28, 2010 5:04 pm

Mit einem Klirren ließ Malik die Nadel ins Waschbecken fallen, beäugte skeptisch die frischen Stiche. Es sah hässlich aus, ein wirklicher Schandfleck in dem ansonsten hübschen Gesicht, aber er hatte es seiner Meinung nach ganz gut hinbekommen. Noch mehr schlecht als recht ein Pflaster draufkleben, damit sich die Wunde nicht entzündete. Es würde gehen, immer noch besser als Unmengen an Geld für den Arzt ausgeben zu müssen. Er sah auf, als Robert ins Bad trat, noch einmal fuhren die Finger vorsichtig über die behandelte Wunde. Mehr war mit der arg geplünderten Verbandskiste einfach nicht möglich gewesen. Robert mochte auch kein angenehmes Leben haben, aber er wohnte zu mindestens nicht auf der Straße. Das musste Malik sich wohl noch einmal in Erinnerung rufen, als er Roberts nächste Worte vernahm. Er zuckte beiläufig mit den Schultern.
„Das war doch halb so wild, ist nicht das erste Mal, dass ich Wunden selbst versorgen muss.“
Er schob sich an ihm vorbei aus dem Raum, so enge Räumen waren ihm unangenehm. Himmel, er lebte vermutlich schon viel zu lange auf der Straße, wenn man es mal so bedachte. Das Angebot Roberts hörte sich vernünftig an, auch wenn es gar nicht so einfach war, seinem wirren Gesprächsverlauf zu folgen.
Abschluss….Hatte er sogar, nicht einmal so einen schlechten, aber er hatte nie etwas damit angefangen. Sein Bruder hätte ihn vermutlich geschlagen, hätte er das gewusst. So ein vergeudetes Leben. Vielleicht sollte er sich wirklich einmal um einen Beruf bemühen, versuchen zu festem Gehalt zu kommen. Sich eine schäbige Wohnung kaufen, so wie Robert. Wollte er das? Wenn er an den klirrenden Winter in San Francisco dachte war er gewillt, die Frage mit Ja zu beantworten.
„Mh, arbeiten wollen würde ich schon, aber nicht viele Leute stellen Obdachlose ein.“
Er hasste es, dieses Wort auf sich selbst anwenden zu müssen. Es klang so abgewrackt, so kaputt, so hilfsbedürftig. Dabei hoffte er doch immer, dass er wenigstens ein bißchen mehr war. Er vergrub die Hände in den Taschen, das Angebot klang wirklich nicht schlecht, ein wenig die Prügelei des heutigen Tages vergessen. Er selbst kam so gut wie nie in den Genuss von Alkohol, der war viel zu teuer um ihn mit seinen mickrigen Verdienst zu bezahlen. Einen kurzen Moment meldete sich sein schlechtes Gewissen, immerhin hatte Robert sicher auch keine Kohle wie Heu, und sicher konnte er es schon irgendwo anders für gebrauchen, aber…..Er erstickte die moralische Stimme in seinem Inneren, wenigstens für die nächsten paar Stunden. Robert hatte es ihm ja immerhin angeboten. Er warf einen beinahe sanften Blick auf die Gitarre, die irgendwo an die Wand gelehnt stand.
„Kann ich das Schätzchen solange hier lassen?“, fragte er unbekümmert, es war lästig, sie die ganze Zeit mit herum zu schleppen, und doch war sie das einzige, was er hatte. Kaum etwas war ihm neben seinem Leben wichtiger.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   So Jan 31, 2010 9:41 pm

"Tja, Alter, dann musst du dir irgendwen suchen, bei dem du wohnen kannst und der Rest kommt dann schon irgendwie." Er schenkte dem Jungen ein leichtes Lächeln, wandte seinen Blick dann kurz zu der Gitarre, die einsam im Flur herumstand...sollte sie ruhig da rumstehen, gebrauchen könnte sie hier eh keiner, nicht einmal die Ratten oder die Kakerlaken, die manchmal unterm Kühlschrank hervorlungerten.
Mit einem kurzen, wortlosen Nicken setzte Robert auch schon einen Schritt vor dem anderen, zündete sich im Gehen eine weitere Zigarette an, die erneut zwischen seinen rissigen Lippen ruhte.
Er hatte durchaus alles, nur nicht genug Geld um es sich zu erlauben, mal eben in die Bar zu gehen und jemanden, den er seit vielleicht einer oder seit zwei Stunden kannte, einzuladen, aber er machte seit Wochen Überstunden, er bekam wenigstens etwas mehr Lohn, das war immerhin etwas..einmal in der Woche durfte er sich dafür auch mal betrinken um wenigstens zu vergessen, wer er war und was er hier machte. Die müden Augen schauten sich kurz im Treppenhaus um, blieben bei Malik stehen, der ihm gefolgt war, ehe die Tür zugeschlossen wurde...sinnlos, kein Mensch würde in seine Wohnung einbrechen, nicht hier. Er hatte weniger, als manche Leute, die auf der Straße lebten, seine Möbel war älter als er es war und wahrscheinlich so wertlos, dass es sich nicht einmal lohnte sie länger als eine Minute anzustarren.
War ja auch egal, selbst wenn eines Tages nichts mehr in seiner Wohnung stehen würde, könnte er weiterleben; das meiste davon brauchte er eh nicht.
"Die Bar, in die ich immer gehe, ist nicht besonders weit von hier und noch dazu günstig für so heruntergekommene Penner, die wir nun einmal sind." Leises, kehliges Lachen drang aus der Kehle des Schwarzhaarigen, das Leben mit Humor nehmen...konnte er noch nie, würde er auch nie können, er war wie der Esel aus einem Buch. Und wieder einmal wurde ihm klar, dass dieses Tier ihm mehr glich als alles andere auf dieser Erde. Robert der Esel, wenn er je einen haben würde, würde er diesen nach ihm benennen.

Die Bar war tatsächlich nur einige Blocks von seiner gammligen Wohnung entfernt, er hatte die Kippe nicht einmal zu ende aufgeraucht, als sie schon vor der schäbigen Eingangstür des Lokals standen. "Big Al's" schimpfte sich dieses Drecksloch, in dem sich nur frustrierte, einsame Alkoholiker trafen und über ihr Scheißleben laberten. Hin und wieder klimperte irgendein Idiot am alten Klavier, was aber keinen besonders interessierten. Ohne etwas zu sagen, öffnete der junge Mann die Tür, trat langsam ein. Warme Luft kam ihm entgegen, gemischt mit dem Geruch des Alkohols und der zahlreichen Zigaretten, die hier und dort geraucht wurden. Schweiß von den alten Männern war auch zu riechen...eben der normale Duft einer Kneipe.
Einige Barhocker standen frei herum, so steuerte Robert sofort auf diese zu, gefolgt von seinem neuen Bekannten. Der Abwesende Blick wanderte zum Barkeeper, einem einäugigen alten Mann, der immer vom zweiten Weltkrieg berichtete und Robert war das so egal, sodass er einfach noch mehr trank als normal und irgendwan...da ertönte die Stimme des Alten in seinen Ohren gar nicht mehr. Dieser Barkeeper hieß wie sein alter Mitbewohner- Clarence und das verwirrte ihn oftsmals im übelsten Maße. "Hey Clarence, gib' mir mal das Übliche und diesem Jungen hier...ach keine Ahnung, soll er selber entscheiden." N Glas Milch oder so, damit er groß und stark wurde.


Also eigentlich mied er solche Orte wie diesen hier. All diese Menschen strahlten so viel Unglück und Wut und Frustration aus, dass er sich ein klein wenig fehl am Platz fühlte, aber man sollte ja aus jeder noch so beschissenen Situation was Anständiges machen können und das war nun wirklich keine schwierige Aufgabe. Die grünen Augen wanderten zu Ethan, der das tat, was er am besten konnte, am Klavier herumspielen, dafür wurde er schließlich bezahlt und Chris schaute ihm ab und an gerne zu, manchmal einfach nur aus dem Grund, dass es absolut nichts zu tun gab und seine VW- Bus Freunde mal wieder am anderen Ende der Welt zugange waren und er nichts anderes tun konnte, als auf sie zu warten. Seit dem Woodstock hatte er diese Stadt nicht mehr verlassen..naja okay, einige Demos zählten jetzt nicht besonders.
Außerdem mochten sie seinen neuen, musikalisch begabten Mitbewohner so gar nicht. Er war in Vietnam, er hatte eine Waffe, er benutzte diese Waffe und hätte man ihm nicht in den Arsch geschossen, wie sie immer sagten, obwohl es eine Lüge war, wäre er dort bis zum Ende geblieben. Nun gut, der Blonde hasste Waffen, hasste den Krieg und hasste vor allem die Menschen, die ihn unterstützten, aber vielleicht wollte Ethan das alles ja gar nicht. Wenn's nach seinem Pop' gegangen wäre, hätte man ihn da auch hingeschickt..nur war Chris in einem am besten- sich zu weigern, egal worum es auch ginge, Verweigerung war sein Spezialgebiet.
Und jetzt war ja eh alles vorbei und in seiner Philosophie hatte jeder es verdient wieder von vorne zu beginnen und das, was war, hinter sich zu lassen. Man könnte sagen, er wüsste gar nichts von seinen Aktivitäten bevor sie sich kennengelernt hatten.
"Hach, so gut du auch spielen magst, ich hol' mir jetzt was zu trinken, kannst dich ja gleich zu mich gesellen." Mit einem breiten Grinsen schob Chris die getönten Sonnenbrillengläser von der Nase, trottete zur Bar, während sein Blick kurz an dem Hirschkopf stehen blieb, der über den ganzen Gläsern und Alkoholgezeugs an der Bar herumhing. Barbarisch sich sowas als Schmuckstück aufzuhängen, da hätten sie auch daneben gleich den Kopf des Mannes hängen können, der den Hirsch erlegt hatte und überhaupt- Chris stolperte über irgendetwas oder über irgendwen, wunderte sich über seinen Gewichtsverlust und fand sich anschließend auf dem Körper eines anderen Menschens wieder. Seine Brille war ihm vom Kopf gerutscht. Irritiert schaute der junge Mann herunter, seine viel zu langen Haare fielen in das Gesicht des Wesens, das er ausversehen umgeschmissen hatte, sodass er sich schnell aufrichtete. "Ooh, es tut mir furchterbar leid, ich meine, ich war so abgelenkt von diesem toten Tier da oben, dass ich nicht mehr darauf geachtet habe, wo ich hingehe, tut mir wirklich leid." Es stellte sich heraus, dass dieses Wesen ein junger, ebenfalls blondhaarige Mann war, den er zuvor in der Bar nicht gesehen hatte. Chris half dem Jungen auf, entschuldigte sich noch mindestens fünf mal bei ihm, ehe seine Augen zu Boden huschten, versuchten seine Sonnenbrille ausfindig zu machen, doch nirgends gabs auch nur Anzeichen, dass sie hier irgendwo war.
"Oh Mann, ich sollte echt besser aufpassen."
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo Feb 01, 2010 1:44 pm

Es war eine typische Kneipe, aber Hauptsache, sie schenkten Alkohol aus. Hier trafen sich nur Leute, die mindestens ebenso abgewrackt waren wie er selbst. Nur dass sie wenigstens noch Geld zum Zechen hatten. Ein im ersten Moment abstoßender Geruch schlug ihm aus dem dämmrigen Innenraum entgegen, doch seine Nase hatte sich schnell daran gewöhnt. Gedämpft raue Stimmen, leise Unterhaltungen und das Klimpern eines Klaviers, schön, aber vermutlich hätte es auch niemanden gestört, wenn Stille geherrscht hätte. Voll war die Kneipe nicht, vermutlich hatte sie ihre Stammgäste und sonst nicht viel anderes. Malik ließ den Blick neugierig schweifen über all die verstaubten, jedoch farbenfrohen Flaschen, die sich hinter der Bar aufreihten. In einigen Beziehungen war er wohl doch noch beinahe kindlich interessiert. Seine Beine schienen auch so den Weg zum nächsten freien Barhocker zu finden. Dachte er zu mindestens. Bis jetzt.
Ein heftiger Stoß von vorne zog ihm glatt die Beine weg und der Körper, der schwer auf seiner Brust lag, drückte ihm für einen Moment alle Luft aus den Lungen. Verdutzt starrte er auf das fremde Gesicht, die langen blonden Haare, das bunte Stirnband…Ein Hippie. Irgendwie musste Malik aufgrund dieser Ironie schmunzeln. Vermutlich war das hier eine der gewalttätigsten Dinge, die er je in seinem Leben angestellt hatte. Er ließ sich aufhelfen, klopfte sich den Staub von der Kleidung. So überschwänglich, wie der junge Mann sich bei ihm entschuldigte, war es ihm beinahe peinlich. Nachdem er sich wieder einigermaßen geordnet hatte, blieb das offene Lächeln etwas länger stehen.
„Ist schon in Ordnung. Ist ja nichts passiert.“
Bevor er noch etwas sagen konnte, trat eine dritte Person hinter dem Blonden hervor, drückte ihm eine dunkle Sonnenbrille in die Hand, die er kurz zuvor aufgehoben hatte.

Ethan ließ die letzten Töne des improvisierten Jazzstücks verklingen. Dass niemand wirklich zuhörte, war ihm relativ egal. Schließlich bezahlte man ihn hier nicht nach gehörten Akkorden. Für so eine heruntergekommene Kneipe war die Bezahlung sogar ziemlich gut. Und doch hätte er einiges mehr verdienen können. Er war gelernter Arzt, aber seit seiner Zeit im Vietnamkrieg hatte ihn niemand mehr genommen. Man hatte ihn als arbeitsunfähig eingestuft. Sowohl wegen physischer als auch psychischer Probleme. Man hatte ihn in diesen gottverdammten Guerillakrieg geschickt, gegen seinen Willen. Man hatte verhindert, dass er hier in den USA in irgendeinem Krankenhaus akzeptables Geld verdienen konnte und nachdem er jahrelang die Opfer der Splitterbomben wieder zusammengeflickt hatte, hatte man ihm nach seiner Verletzung einfach abgeschoben. Er fristete kein besonders betuchtes Leben, aber mittlerweile war es ihm ziemlich egal. Er hatte Freude am Leben, und das auch, wenn es nicht besonders luxuriös war. Nach all den Jahren des Terrors war es ganz schön, sein Geld mal nicht mit dem Zusammenflicken von Leuten verdienen zu müssen.
Er klappte den Deckel des Klaviers vorsichtig zu, wandte sich um, um Chris zu folgen. Vermutlich hätte dieser mit so einem einflussreichen Vater mehr werden können, aber dadurch wäre er bestimmt weniger sympathisch geworden. Nach all der Zeit, die er mit patriotischen, kampfversessenen Idioten verbracht hatte war es sehr entspannend, mit jemandem wie Chris zusammen zu wohnen. Auch wenn er wusste, dass der Rest seiner Geistesgenossen ihn nicht leiden konnte, weil er Soldat gewesen war. Er war auch nicht stolz auf diese Zeit und wenn er mit 17 Jahren mehr Mut besessen hätte, so hätte er sich vermutlich geweigert, anstatt auf die Militärakademie zu gehen. Aber es war nunmal anders gekommen. Das einzige, was er jetzt davon hatte, waren ein kaputtes Bein und eine Narbe im Gesicht. Nun gut, und einen ziemlich athletischen Körper, aber den hätte er auch im Fitnessstudio bekommen können.
Er war kaum einen Schritt gegangen, da hörte er es auch schon poltern. Und wieder einmal hatte der Blonde seine Augen nicht dort gehabt, wo sie hingehörten: In die Richtung, in die er ging. Kopfschüttelnd bückte er sich nach der Sonnenbrille, die ihm beinahe direkt vor die Füße geschliddert war. Kein Kratzer, da hatte Chris wohl Glück gehabt. Wenn man genau hinsah, konnte man sehen, dass Ethan das linke Bein ein wenig nachzog, wenn er ging. Eine Hand breit größer als der Hippie drückte er ihm die Brille in die Hand, ein Grinsen auf den hübschen Zügen. Die unterschiedlich gefärbten Augen sahen erst ihn kurz an, dann musterten sie den jungen Mann, den er so rabiat von den Füßen geholt hatte und der, immer noch ein wenig von der Welt, den Dreck von seiner Kleidung klopfte.
Wenn er auch nicht stolz darauf war, man sah Ethan seine Zeit als Soldat definitiv an. Diese gerade Haltung, die immer noch recht gut trainierten Muskeln unter dem Navy-Shirt. Die feine waagerechte Narbe unter dem rechten Auge gab ihm etwas Verwegenes. Vielleicht sollte man ihn in irgendeinem Haudegen-Streifen mitspielen lassen, hineingepasst hätte er auf jeden Fall.
„Ich dachte, du bist Pazifist“, sagte er grinsend, während er Chris kameradschaftlich auf den Oberarm klopfte. Er war manchmal doch ein ziemlicher Träumer, aber das war immer noch besser, als zu viel gesehen zu haben. So wie Ethan. Er beäugte die beiden Neuankömmlinge kurz, den Dunkelhaarigen meinte er schon einmal gesehen zu haben in dieser Kneipe, der Blonde war neu hier. Mit einem skeptischen Blick betrachtete er das anscheinend improvisierte Pflaster auf seiner Wange und der Arzt in ihm fragte sich, was da passiert war.
„Komm, ich geb uns einen aus. Als kleine Entschädigung“, summte er fröhlich.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Do Feb 04, 2010 9:58 pm

"Bin ich ja auch.", murmelte er leise seinem Mitbewohner entgegen, schmollte ihn einige Sekunden lang an, ehe seine Lippen gleich danach ein Lächeln aufsetztend, während die Finger seine Brille umfassten, die ihm gegeben wurde. Fröhlich darüber, dass die Scheiben nicht gesprungen oder das Gestell in irgendeiner Weise kaputt war, setzte sich der junge Mann diese wieder auf seinen blond schimmernden Kopf, schenkte den beiden Herren ein fröhliches Lächeln. "Au ja, lass' uns einen trinken.", rief er fröhlich aus, legte einen Arm um Malik diesen mit sich zu den Barhockern schleppend. Chris platzierte sich neben Robert, grinste die traurige Seele lediglich kurz an, dann wandte sich sein Blick zu Malik, dann zu Ethan. "Komm', Alter, gesell dich zu der lustigen Masse!"
Er wusste zwar nicht wie lustig der Blonde da war und ob er so etwas wie Humor vertragen konnte, aber er schien echt cool zu sein, und vielleicht war er das auch- höchste Zeit neue Seelen kennenzulernen. Wenn es etwas gab, was Chris lieber tat als seinen hippiealltäglichen Dingen nachzugehen, dann war es das Treffen anderer Menschen, die vielleicht mit ihm, seiner Ausrichtung und vor allem mit seiner Überzeugung nichts anfangen konnten, dafür aber in seinen Augen hochinteressant waren. Wie die Metalcrew, die er zufällig in der Tanke getroffen hatte. Vollkommen anderes Auto, wenn man es mit seinem alten Bus verglich und ihre Einstellung. Pure Wut zu so vielen und dennoch hatten sie mehr als nur korrekte Ansagen und hübsch waren sie allemal. Jetzt durfte er mit ihnen auf ein Stones Konzert und er würde Ethan mitschleppen, ganz bestimmt!
"Heeey, Hübscher. Gibst du mir ein Bier?", schnurrte er dem Barkeeper entgegen, welcher nur augenrollend ihn noch einmal versuchte zu erklären, dass er nicht mit ihm flirten solle, er war ein alter Mann und hatte eine Frau, Chris fand das lustig.
"Also, Mister. Erzähl' doch mal wer du bist.", sein Blick wanderte erneut zu Malik, welchen er unauffällig musterte, während seine Finger die gerade hingestellte Bierflasche umfassten, sie etwas näher zu sich schoben. Das Leben war wahrlich eine Sinuskurve, doch komischer Weise ist sie bei ihm bei 180 Grad stehen geblieben.
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   So Feb 07, 2010 9:16 pm

Malik betrachtete die beiden Gestalten einen Moment skeptisch, aber sie schienen beide recht freundlich zu sein, weshalb er sich von dem Blonden auf einen der Barhocker drücken ließ. Er war immer froh, mal neue Leute kennen zu lernen, sein alter Bekanntenkreis hatte sich mehr und mehr zerstreut, und seit dem Tod seines Bruders hatte er sich auch immer mehr zurückgezogen, hatte die Einsamkeit gesucht. Vermutlich war es Zeit, sich auch mal wieder zu öffnen. Ein merkwürdiges Gespann waren die beiden, aber vermutlich wirkte er neben der ernsten Gestalt Roberts auch nicht wirklich anders. Er nahm das Bier, dass ihm der Barkeeper leicht angenervt hinüber schob, aber wer verscheuchte schon gute Kunden? Er genoss den kühlen Alkohol, der seine Kehle hinabfloss, schon lange hatte er kein gutes Bier mehr gehabt. Dabei gab es in der Hitze des ausklingenden Sommers nichts Besseres. Er sah kurz zu dem vernarbten Mann hinüber, der ihm das Bier bestellt hatte, und nickte ihm lächelnd zu, bevor er das halbvolle Glas vor sich auf den Tresen stellte und sich dem Hippie zuwandte. Er wirkte sympathisch, Malik kannte genug Menschen, die ihn verächtlich ansahen, da war es gut, auch mal ein offenes Lächeln zu sehen. Aus dem Augenwinkel sah er, wie der zweite Mann wieder zurück zum Klavier ging, eine Bierflasche in der Hand. Dass er so gut spielen konnte, hätte er ihm gar nicht zugetraut, er wirkte ein wenig…nunja, grob. Aber die Töne, die er dem Klavier entlockte, waren wirklich schön. Vielleicht sollte er ihm mal anbieten, im Duett mit ihm zu spielen. Es würde sicherlich etwas mehr Geld einbringen als das Spielen auf der Straße. Und es war auch sicher angenehmer.
Die Frage riss ihn aus seinen Gedanken, er wandte sich wieder seinem Gegenüber zu. Was sollte er ihm schon großartig erzählen? Viel Spektakuläres hatte sein Leben ja nicht zu bieten, bei genauer Betrachtung. Oder nur deprimierende Dinge.
„Mein Name ist Malik, ich komm hier aus San Francico.“
Er nahm einen weiteren Schluck aus seinem Bier, bevor er fortfuhr.
„Seit ich zu Hause ausgezogen bin, lebe ich allerdings auf der Straße. Leider, leider…..“
Er zuckte mit den Schultern. Sicher war er nicht sonderlich froh darüber, aber es war nichts, wofür er bemitleidet werden wollte.
„Und im Moment verdien ich mir mein Geld mehr schlecht als recht mit dem Musikspielen“, summte er. Beinahe hätte er sich auf den Rücken geklopft, wo sonst seine Gitarre hing, aber die war ja nun bei Rob zu Hause. Gedankenverloren stütze er den Kopf auf den Tresen, völlig missachtend, dass er ja ein Loch in der Wange hatte. Scharf Luft ausstoßend unterdrückte er einen lauten Fluch. Als sich der Schmerz wieder einigermaßen aus dem hübschen Gesicht verzogen hatte, sah er dem Blonden wieder in die Augen.
„Und, wie sieht´s bei dir so aus?“

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Do Feb 11, 2010 10:41 pm

Bei den Worten 'auf der Straße Leben' bildeten sich leichte Sorgenfältchen auf das eigentlich stets sorglose Gesicht. Er selber hatte keine schlechte Erinnerung an sein Straßenleben..vielleicht weil sie einen kleinen Bus zur Verfügung hatten und nicht alleine lebten...ja, daran musste es liegen, sie verdienten ihr Geld ja auch mit sechs Leuten besser, als wenn nur einer dastand und irgendwas vorspielte oder vorsang.
"Hach, heutzutage ist es nicht mehr so toll, draußen zu wohnen und das Geld durch das eigene Können zu verdienen.", seufzte der Blondhaarige, während sein Blick verträumt in die Leere starrte. Würde man seine Träume leben können, wäre Chris nie sesshaft geworden, er hätte sich nie eine Wohnung geholt und studieren wäre er auch nie gegegangen...er war eh zu faul. Der junge Mann sagte eine Weile nichts, starrte nur an den anderen Gästen vorbei, während seine Gedanken im Jahre 1969 herumschwirrten, bis ihn die Stimme seiner neuen Bekanntschaft abermals aus den Gedanken riss. Rasch wandten sich die grünen Augen zu ihm, musterten kurz sein schönes Gesicht, welches ein Grinsen auf seinen Lippen bilden ließ. Ja, hübsch war der Kleine allemal.
"Mein Leben ist auch nicht...schrecklich interessant. Mit 16 von zu Hause abgehauen, drei Jahre lang entweder auf der Straße gewohnt oder ich bin bei anderen Artgenossen untergekommen. Woodstock besucht und dann wieder heimgefahren, den Wehrdienst verweigert und sich von meinem Vater abgekapselt, jetzt führe ich ein lustiges Leben nach meinen Vorstellungen und teile meine Wohnung mit dem da." Sein Finger deutete auf den klimpernden Ethan, welcher sich wieder mal verzogen hatte, stets ein zufriedenes Lächeln auf seinen Lippen. Er war immer stolz auf sich und sein Handeln und auf all die anderen Dinge, die ihm widerfahren sind..keinen Tag würde er jemals bereuen.
"Ich sollte eigentlich mich auf mein Studium konzentrieren, aber mal ehrlich...ich brauch das nicht." Der Blonde musste bei der Vorstellung, er würde jemals mit Anzug und Krawatte durchs Leben laufen, laut loslachen, sodass er kurz die 'Harmonie' der Bar störte und alle für einen Augenblick davon abhielt das zu tun, was sie eigentlich taten.
"Hachja...du wohnst draußen...zieh' doch irgendwann bei mir ein oder so."
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   So März 07, 2010 10:24 pm

Sie legte den Kopf in den Nacken, sodass der ganze Raum für sie einen Moment Kopf stand. Auch richtig herum hätte die Unordnung kaum besser ausgesehen. Ein paar leere Pizzakartons, Kleidungsstücke quer über den Boden verstreut, irgendwelche bunten Zeitschriften oder Magazine. Wirklich das reinste Chaos. Aber ehrlich gesagt war ihr das ziemlich egal. Sie würde dann aufräumen, wenn ihr danach war. Solange nichts schimmelte oder sich selbstständig machte….Sie sah einen verschwommenen Schatten dicht neben ihrem Kopf unters Bett huschen, vermutlich war es ihre Ratte gewesen. Sie hatte das ungute Gefühl, dass sie sich dort ein regelrechtes Vorratslager gebaut hatte. Vermutlich wurde sie da einiges an Essensresten wiederfinden, das besser nicht dort hingehörte. Sie ließ eine Hand über die Bettkante sinken, hielt sie dem kleinen Nager vor die Nase, doch bis auf ein leises Schnuppern gab das Tier nichts von sich. Seufzend gab Grimm es auf und zog sich wieder komplett auf das Bett.
Es war noch relativ früh am Morgen, doch die Sonne blinzelte bereits fahl durch die Jalousien. Mit blassem Licht beleuchtete sie streifenweise das Schlafzimmer. Viel Platz war hier nicht, aber was sollte man auch schon für eine großartige Wohnung erwarten bei zwei Musikergehältern? So bekannt war ihre Band nicht, auch wenn Grimm das Gefühl hatte, ihre Stimmbänder schon mehr strapaziert zu haben als so manch andere musikalische Berühmtheit. Irgendwann würden sie den Sprung sicher schaffen, sie war ein Optimist, mit einer anderen Einstellung würde sie sich nur runter ziehen. Es gab sicher viele Menschen, denen es schlechter ging. Immerhin hatten sie ein Dach über dem Kopf und satt zu essen, und für ein paar Kippen hin und wieder reichte es auch. Und immerhin durfte sie Musik machen, etwas, das sie sich immer für ihr Leben gewünscht hatte. Gähnend streckte sie sich auf den zerwühlten Laken aus, bevor sie sich eines wieder über die nackten Beine zog. Sie trug zwar ein –ihr viel zu großes Shirt- doch sonst nur Unterwäsche und hin und wieder fiel die Heizung aus. Das machte es in der Wohnung unangenehm kalt. Sie hob blinzelnd den Kopf, die großen sturmgrauen Augen starrten auf die Tür, die einen Spalt breit offen stand. Aus der Küche war leises Klappern zu hören. Sie ließ sich wieder zurücksinken, es war schön zu wissen, dass sie noch massig Zeit hatte, bis sie aufstehen musste. Sie schlief zwar meist nicht lange, auch wenn es abends wieder spät geworden war, doch die Aussicht, morgens einfach nur im warmen Bett liegen zu können, war äußerst verlockend. Das war das Schöne daran, wenn man hauptsächlich nachts und abends arbeitete. Sie fuhr sich mit den Fingern durch die kurzen blonden Haare, völlig verstrubbelt. Sie war sich sicher, dass auch die snobistischsten Gören aus der Upperclass morgens nicht so viel Zeit in ihre Frisur investierten wie sie. So ein Irokese brauchte nun einmal Zeit!
Noch ein paar Minuten blieb sie liegen, bevor sich leichte Falten auf der Stirn bildeten. Abermals drehte sie den Kopf zur Tür, noch immer waren die geschäftigen Geräusche nicht verstummt.
„Kyle, wo bleibt mein Frühstück?“, rief sie mit gespielter Empörung. Kennen gelernt hatten sie sich über die Band, doch daraus war schnell mehr geworden. Sie war froh gewesen, mit ihm in eine Wohnung ziehen zu können, denn allein war sie oft knapp bei Kasse gewesen. Sie wusste, dass er hin und wieder untreu war, aber solange er immer wieder zu ihr zurückkam, war ihr das weitgehend egal. Gelangweilt fuhr sie mit der Zunge an der Innenseite ihrer Unterlippe entlang, wo die metallenen Stäbe der Snakebites saßen. Wegen so einer Kleinigkeit hatte ihre Mutter sie doch wirklich aus der Wohnung geschmissen. Wegen eines Piercings….
Sie räkelte sich genüsslich, während sie weiter wartete. Ihr Bauch gab ein protestierendes Grummeln von sich.
„Hey, ihr verhungere hier gleich!“, rief sie noch einmal in Richtung Küche. Unter dem Bett erklang das Geräusch von leisem Schmatzen, anscheinend hatte wenigstens Dee Dee ein ausgiebiges Frühstück.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mo März 08, 2010 10:11 pm

Eigentlich, ja eigentlich würde Kyle jetzt noch schlummern, aber irgendwas hatte ihn heute früher als sonst aus dem Schlaf gerissen, ob es nun die Ratte seiner Freundin war, oder diese seltsamen Geräusche aus dem Treppenhaus, er wusste es wirklich nicht.
Und so gammelte Kyle im Wohnzimmer, schaute sich auf dem alten Flimmerkasten, den sie sich erst vor einigen Monaten zugelegt hatten, den Teleshopping Kanal an und wünschte sich nichts anderes, als auch so einen Kartoffelschäler zu besitzen. Gehirnwäsche am frühen Morgen- was wünschte sich ein Musikerherz nur noch mehr?! Der Schwarzhaarige war mehr als nur froh, dass sie nicht so viel Geld hatten um sich damit den Müll zu holen, den kein Mensch gebrauchen konnte- wie auch dieser Kartoffelschäler.
Diese positiven Gedanken wurden jedoch beim Anblick des muffigen Kühlschrankes schnell wieder durch andere ersetzt.
Kyle hasste es, wenn man wieder der Kühlschrank beinahe leer war, vor allem kotzte ihn das ständige Stromabschalten an, was die ganzen Lebensmittel schneller zum Verderben brachte, als es ihnen lieb war, es für sie vorteilhaft war. Leise seufzend schnappte er sich die einigermaßen essbaren Sachen heraus, schmiss zwei Toastscheiben in den Toaster und versuchte aus Jack Daniels und altem Käse etwas neues zu kreieren, ließ es jedoch sein, bevor noch beide Sachen zugrunde gingen.
Eigentlich liebte der junge Mann sein Leben, was anderes hatte er sich auch nicht erträumen können. Nachdem seine Mutter ausgewandert war, mit irgendeinem neureichen Penner, war er mit seinem Alten auf sich allein gestellt und wenn dieser nicht so früh verreckt wäre, wäre der junge Mann wo anders gelandet, zumindest hätte er die restliche Zeit seines Teenager- Daseins anders verbracht, das wusste aber jedes Kind. Doch wenn dies alles nie passiert wäre, wäre ihm dies hier nie passiert. Logisch.
Kyle war froh, sein Leben als hoffnungsloser Musiker verbringen zu können, er war froh über seine Band und er war froh über Grimm, die er mehr liebte, als die anderen Weiber, was ihm spätestens dann immer mehr auffiel, wenn er am nächsten Morgen im falschen Bett aufwachte. Es war nie wirklich seine Absicht, seiner Freundin irgendwie fremd zu gehen, doch irgendwie lag es in seiner Natur, wie beim Kleptomanen es eben in der Natur lag, Dinge einzustecken.
Aber solange sie zusammen waren, war seine Welt in Ordnung...vielleicht würde es auch eines Tages nicht mehr so schlimm sein, mit den Weibern.
Als plötzlich eine ihm viel zu bekannte Stimme in seinen Ohren widerhallte, beeilte sich Kyle mit seinem zusammenimprovisierten Frühstück, packte alles auf ein altes Tablett und eilte in Richtung Schlafzimmer.
Er rannte seit geschlagenen zwei Stunden in seiner gammeligen Schlafanzughose herum, wollte doch die ganze Zeit über sich wenigstens das t-shirt anziehen, aber verdammt, es war viel zu warm, selbst für San Fancisco war dies nicht mehr normal.
Als er seine Freundin erblicke, musste Kyle breit grinsen. "Ich bin ja schon fertig, liebste." Vorsichtig stellte er das Tablett am Bett ab, setzte sich selbst in dieses hinein, Grimm einen Moment lang musternd, ehe er sich über sie herüberbeugte, ihr einen sanften Kuss schenkend. "Guten Morgen, Schatz.", wisperte er ihr leise in das Ohr.
Ja, das waren solche Tage, wo er einfach nur das Leben lieben musste, lieben wollte und es im endeffekt einfach nur liebte.
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Mi März 10, 2010 8:10 pm

Julian konnte selbst gar nicht genau sagen, wieso er das Bedürfnis gehabt hatte, etwas aus seiner Vergangenheit zu erzählen, aber auf der anderen Seite wussten sie auch irgendwie viel zu wenig voneinander, sodass es wohl langsam mal Zeit wurde, dass sie sich intensiver mit der Vergangenheit des anderen beschäftigten. Wobei, lieber nicht zu intensiv, so sehr er Charles auch vertraute, es gab einfach so viel aus seiner Zeit als Stricher, das er einfach nicht unbedingt erzählen wollte. Es war im Endeffekt auch nicht wichtig, der Unternehmer wusste ja nur zu gut um diesen Teil seiner Vergangenheit, und viel gab es dem eigentlich auch nicht hinzuzufügen. Einige Erinnerungen waren auch einfach zu schmerzhaft, als dass er gerne darüber nachdenken wollte. Er hatte mit ihnen abgeschlossen und sie vergraben, und das war auch genug Aufmerksamkeit für solche schlimmen Ereignisse. Die Sache mit Olliver jedoch stand auf einem etwas anderen Blatt und es erschien ihm nur fair, Charles so etwas zu erzählen. Er hoffte einfach, dass er ihn mit solchen Geschichten nicht langweilte, aber es sah eigentlich nicht danach aus. Es tat irgendwie auch gut, sich das von der Seele geredet zu haben, die einzige, mit der er bis jetzt auch nur ansatzweise über so etwas gesprochen hatte war Grayce gewesen. 
„Naja, vielleicht war er nicht so dumm, vielversprechend war ich sicher nicht“, murmelte der Jüngere mit einem betretenen Lächeln und kratzte sich leicht am Hinterkopf. Er war immerhin noch immer nicht als Künstler groß rausgekommen! Aber er musste selbst zugeben, dass er seine Kunst in letzter Zeit auch ein wenig vernachlässigt hatte, jetzt, wo er sich irgendwie fast lieber auf Charles konzentrierte. Aber er machte sich keine Sorgen, bald würde er wieder öfter den Pinsel schwingen, das wusste er einfach, und dann würde er auch viel ungezwungener und freier malen können als sonst. 
Charles Worte lösten einen regelrechten Schwarm an Schmetterlingen in seiner Magengrube aus, auch, wenn sie sich ja gegenseitig schon jeden Tag irgendwie verdeutlichten, wie gern sie sich hatten, war es für den Norweger immer noch etwas ganz besonderes, es auch über die Lippen des Älteren kommen zu hören. Vermutlich ahnte er nicht einmal, dass solche kleinen Komplimente und Zugeständnisse ihm jedes Mal das Gefühl gaben ein kleiner König zu sein. 
„Ohne dich würde ich das Land ja auch gar nicht verlassen wollen“, entgegnete er mit einem breiten Grinsen, er hatte mittlerweile wirklich Gefallen am Reisen gefunden und vielleicht konnte das ja ihr kleines Hobby werden, einmal quer durch die ganze Weltgeschichte. Aber nur zusammen! Er genoss die kleinen zarten Berührungen, die kurzen Küsse und schloss genießend die Augen, seine Stirn leicht an die des Älteren anlehnend.
„Wenn du es selbst nicht weißt, dann helf ich dir es rauszufinden“, schmunzelte er und fuhr geistesabwesend durch die kurzen dunklen Strähnen. Charles sollte ja hoffentlich wissen, dass es als letztes sein Geld oder irgendwelche anderer oberflächlicher Kram war, wegen dem er ihn liebte. Er war nicht einmal gut darin, so etwas in Worte zu fassen, was er denn alles an Charles liebte, außerdem schien es so viel zu sein, dass er damit ihren ganzen Flug hätte überbrücken können. Aber anscheinend lag dem Unternehmer noch etwas anderes auf dem Herzen, sodass sich der Lockenkopf neugierig etwas aufsetzte und ihn aus wachen Augen anblitzte. Was die Planung für San Francisco war? Weihnachten natürlich! Nachdem sie wenigstens ein bisschen Zeit in Schnee und Kälte verbracht hatten, war er wenigstens ordentlich in Feiertagslaune! Das konnte ihm hoffentlich nicht einmal das warme Wetter in San Francisco vermiesen.
Immer verwirrter lauschte Julian auf die Worte des Dunkelhaarigen, irgendwie war ihm noch nicht so ganz bewusst, wo das denn hingehen sollte, und umso erschlagener war er, als plötzlich so eine unglaublich relevante Frage die Lippen des anderen verließ. Er ertappte sich selbst dabei, wie er einige Augenblicke nur aus großen Augen und mit halb geöffnetem Mund zu Charles hinüberstarrte und seine Worte durch seinen Kopf fegten. Er wollte ihn wirklich offiziell als seinen Freund, als jemanden, mit dem er offiziell in einer Beziehung war? Julian hatte sich eigentlich schon damit abgefunden, dass er immer ein kleines Geheimnis bleiben würde, er hatte sich damit arrangiert, denn wie sollte er einem einflussreichen Mann wie Charles schon verübeln, dass er seine Beziehung mit einem ehemaligen Stricher nicht unbedingt bekannt machen wollte? Es gab so viel, was gegen den üblichen Prestige der High Society verstieß, und trotzdem….trotzdem wollte er die Sache zwischen ihnen amtlich machen? Vermutlich dachte Charles schon, bei Julian wäre irgendetwas hängen geblieben, so lange wie er nun schon sprachlos ins Leere starrte, sodass der Jüngere die Stille mit einem lauten, glücklichen Lachen durchbrach. Er fühlte sich so doof und kitschig dabei, aber er konnte nicht verhindern, dass er vor lauter Freude anfing zu weinen. Und einen Schluckauf bekam er natürlich auch.
„Natürlich will ich das!“, hickste er etwas unbeholfen und fiel Charles umständlich um den Hals, ihn mit Küssen übersäend. Er hatte es wohl irgendwie doch geschafft, von einem unliebsamen Anhängsel zu etwas zu werden, was ein Mann wie Charles wirklich als seinen Freund vorstellen wollte. Hoffentlich war Jennifer auch da, der Lockenkopf wollte nur zu gerne sehen, wie sie auf diese Nachricht reagierte! 
„Du machst mich zum glücklichsten Mann in….“
Er hielt kurz inne und blickte aus dem Flugzeugfenster, wo sich allerdings nur endlose Wolkenberge befanden und kein Hinweis auf irgendein Land.
„Naja, zu mindestens in diesem Flugzeug! Ach, was rede ich, in der ganzen Welt!“
Ein so großes Grinsen hatte sich auf seinem Gesicht ausgebreitet, dass seine Mundwinkel schon schmerzten, und es wollte auch gar nicht wieder verschwinden! Ehrlich gesagt hätte er die ganzen nächsten Tage nur grinsen können, er konnte es gar nicht wieder abstellen, auch nicht, als sie endliche in San Francisco gelandet waren und in ihrer Limousine auf dem Weg nach Hause saßen. Die warmen Temperaturen hier waren doch fast wie ein Schlag ins Gesicht gewesen, mit dem Schnee in Norwegen war das kaum zu vergleichen. Aber naja, trotzdem würde Julian die weihnachtliche Stimmung so schnell nicht wieder hergeben! Er hatte sogar ein wenig in der Wohnung dekorieren dürfen, auch, wenn er dafür erst einmal hatte einkaufen gehen müssen, denn natürlich hatte Charles keine Holzsterne und kleine Rentiere aus Silber in irgendeiner Abstellkammer herumfliegen, sodass der Norweger sich nach Herzenslust austoben konnte. Ihm war zwar auch aufgefallen, dass ein paar seiner liebevoll dekorierten Gegenstände nach ein oder zwei Tagen wieder verschwunden waren, aber er war auch sehr großzügig gewesen, weshalb immer noch alles schön weihnachtlich wirkte. Die angekündigte Weihnachtsfeier war erst vier Tage nach ihrer Rückkehr, sodass Julian noch Zeit hatte, sich bei Grayce und auch bei Chris zurückzumelden und großzügig mitgebrachte Souvenirs zu verteilen. So schön es auch in Norwegen gewesen war und so wehmütig Julian auch gewesen war, seine alte Heimat wieder zu verlassen, desto bewusster wurde ihm jetzt wieder, dass er hier irgendwie doch zuhause war. Er hatte seine Freunde hier, er hatte Chris und Grayce und auch Benjamin, und allen voran hatte er Charles, der ja sowieso am wichtigsten war. Leider beschäftigte der Ältere sich in den kommenden Tagen wieder ein bisschen mehr mit der Arbeit, weshalb der Jüngere seine Zeit mehr mit seinen Freunden totschlug. Dabei schien jede Stunde so sehr zu schleichen, ganz sicher lag es nur daran, dass er den Abend der Feier überhaupt nicht erwarten konnte. Eigentlich war er ja jetzt auch schon Charles´ Freund, nur eben nicht offiziell vor allen Leuten, und auch, wenn Julian sonst nicht viel auf solche Äußerlichkeiten gab, erschien ihm diese kleiner Verkündung doch irgendwie so unglaublich wichtig. Und so vergingen die Tage irgendwie nur ganz gemein und schleppend, bis der Abend endlich da war. Julian hatte schon befürchtet, er müsste sich wieder in seinen ungeliebten Anzug quälen, aber das Ereignis war dann wohl nicht ganz so förmlich, sodass der Lockenkopf noch ein wenig ausweichen konnte und statt eines richtigen Anzugs auf eine Weste aus dunkelblauem Brokat auswich. Die Fliege hatte er dieses Mal sogar um einiges besser hinbekommen und generell fühlte Julian sich in diesem Outfit sehr viel wohler, es war schick, aber nicht ganz so erwachsen und untypisch für ihn wie ein Anzug. Zufrieden drehte er sich vor dem Spiegel und zupfte ein wenig an seiner Fliege herum.
„Warum darf ich sowas nicht immer tragen, das sieht viel besser aus!“, stellte er zufrieden fest und drückte Charles einen langen Kuss auf. Immerhin hatte er sich extra noch die Zeit genommen, um mit ihm so ein Teil einzukaufen. Maßgeschneidert natürlich! Die Aufregung, die den Jüngeren gepackt hatte, war wirklich unerträglich, dabei würde er selbst auf der Feier selbst noch ein wenig ausharren müssen, immerhin würde Charles nicht durch die Tür treten und sofort allen Gästen von ihm erzählen. Auf der ganzen Fahrt trommelte er immer wieder ungeduldig auf Charles´ Knie herum, ihn immer wieder entschuldigend anblinzelnd.
„Ich bin echt nervös, was, wenn mich niemand leiden kann und ich deinem Image schade?“, fragte der Jüngere etwas zittrig und biss auf seiner Unterlippe herum. Obwohl er jetzt doch schon länger an der Seite des Älteren lebte, hatte er ihn trotzdem nicht besonders oft mitgenommen auf solche Events und all die schick gekleideten reichen Menschen überforderten ihn immer noch ein wenig. Er hielt sich eng bei Charles, jedoch nicht so eng, dass es auffällig gewesen wäre, dieses Mal wollte er sich vorbildlich verhalten und warten, bis Charles alles offiziell gemacht hatte. Ein oder zwei Mal meinte er sogar ein bekanntes Gesicht in der Menge aufblitzen zu sehen, aber wen sollte er hier schon kennen? Überall wurden kleine weihnachtliche Leckereien serviert, sodass er gerade mit Zimtsternen und Vanillekipferln bepackt war, als es endlich so weit zu sein schien.
„Willst du es jetzt wirklich sagen?“, fragte er mit großen Augen und schlang schnell die letzten Plätzchen hinunter. Er musste doch absolut vorzeigbar aussehen, wenn es gleich soweit war!

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Zuletzt von Kauzi am Do Aug 08, 2013 7:51 pm bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Fr März 12, 2010 9:07 pm

"Ach wir haben ja auch den ganzen Tag über Zeit.", Kyle grinste seine Freundin an, schaute sich kurz im chaotischen Zimmer um...genau so wie er es liebte. Ordnung war nicht sein Ding und erst, wenn man an der Pizza ausrutschte und sich ein Bein brach, dann hatte man einen Grund, den Saustall aufzuräumen aber sonst? Sie waren eh immer auf Achse, kamen früh morgens nach Hause und schliefen bis in den späten Nachmittag hinein, manchmal schliefen sie gar nicht, achtundvierzig Stunden hatte der Tag, manchmal länger. Aber manchmal blieb die Zeit auch einfach stehen, oder man hatte zumindest das Gefühl. Wie heute.
Langsam rutschte der Schwarzhaarige näher zu Grimm heran, nahm ihre ausgestreckten Arme nur zu an und zog sie anschließend sanft zu sich.
Sein Blick blieb kurz bei ihren Haaren stehen. "Na das ist auch eine Art die Frisur zu tragen.", murmelte er, leise in sich hineinlachend. Nicht, dass sein zerzaustes Haar besser aussah, aber das war so gesehen immer so, Kyle wäre nicht Kyle, wenn die Haare prima liegen würden. Aber hey, sie waren eh zu Hause, bis auf dem Rattengetier war hier niemand anderes, den es irgendwie interessieren könnte.
Mit seinem Fuß schmiss er das Tablett zu Boden, es fiel laut krachend zu Boden, schreckte anscheinend den kleinen Nager etwas auf aber hey, es gab Tage, wenn nicht gar Nächte, da waren sie noch lauter.
Manchmal taten ihm seine Nachbarn leid, aber vor allem taten sie ihm immer wieder leid, wenn er ohne zu fragen in ihre Wohnung platze um endlich warm duschen zu können.
Na hoffentlich wäre zumindest heute die Dusche nicht wieder arschkalt..seine Nieren waren nie sonderbar davon angetan und seine Haare schon gar nicht.
Gedankenverloren strich der junge Mann über Grimms Haar, starrte auf die Wand mit der gammeligen Tapete...er hasste diese Blümchenmuster. "Wir sollten irgendwann die Jungs zusammenrufen und die Wohnung streichen, ganz bunt." Oder schwarz, damit sie sich wie in einer Abstellkammer fühlten.
Die hellen Augen wanderten zu der jungen Dame neben ihm, ein Grinsen wanderte erneut über die blassen Lippen, ehe er sich erneut zu ihr herüberbeugte, sie sanft auf den Mund küssend. Das könnte man doch tatsächlich den ganzen Tag tun.
"Komm', Süße, wir müssen duschen und einkaufen." So kotzig es auch war, man musste manchmal den Pflichten nachgehen und hey, wenn sie erstmal den ganzen Scheiß hinter sich hatten, konnten sie sich den wichtigeren Dingen widmen. Kyle würden da so viele Sachen einfallen, dass es schon ungesund war, daran zu denken..aber vorher- duschen!
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Fr März 12, 2010 10:27 pm

Ach, das war doch nicht fair. Ihr fielen zig Dinge ein, die tausendmal besser waren als einkaufen zu gehen. Sie mochte es nicht, all diese spießige Alltagsroutine, aber immerhin konnten sie nicht von Luft und Liebe leben. Und immerhin musste sie nicht alleine einkaufen gehen und all die dämlichen Seitenblicke ernten. Und in Begleitung zu sein beugte auch Machosprüchen und dämlichem Pfeifen vor. Wie sie diese Kerle hasste. Wären sie letztendlich nicht doch immer stärker und in der Überzahl gewesen, hätte sie ihnen vermutlich schon längst eine aufs Maul gegeben. Sie zog einen gespielten Schmollmund, während sie mit dem Finger irgendein unsichtbares Muster auf Kyles Brust nachfuhr.
„Na schön, dann merk dir, wo wir aufgehört haben“, schnurrte sie lachend, bevor sie sich erhob und begann, ihre Kleidung zusammen zu suchen. Genauer gesagt, sie zog einfach an allen Stoffzipfeln, die irgendwo aus dem Chaos hervorlugten und freute sich, wenn es ein Kleidungsstück war, das sie noch nicht auf dem Stapel über ihrem Arm hatte. Irgendwie schaffte sie es, all das irgendwie zu ordnen und sich dann eine Flasche Shampoo zu holen. Das Wasser war wieder eiskalt hatte sie festgestellt und selbst wenn es draußen recht warm war hatte sie keine Lust, sich unter eine 5 Grad kalte Dusche zu stellen. So unsanft wollte sie morgens nicht aus dem Dämmerzustand gerissen werden. Als sie sah, dass auch Kyle es irgendwie geschafft hatte, Klamotten zusammen zu suchen, zog sie ihn mit sich zu der Wohnungstür der Nachbarn. Das Treppenhaus war erfüllt von einem ekelhaft süßen Geruch, vermutlich gammelte am Fuß der Treppe wieder irgendwelcher Müll vor sich hin. Da sie wusste, wie sehr Kyle mit der Tür ins Haus fallen konnte –um es einmal vereinfacht auszudrücken- warf sie ihm einen mahnenden Blick zu.
„Lass mich das regeln, ich weiß wie man das macht“, sagte sie mit einem verschmitzten Lächeln. Die beiden Jungs, die in der Wohnung lebten, waren ungefähr so alt wie sie selbst, allerdings total Techniknerds. Vermutlich konnten sie aus einem Toaster einen Fernseher bauen, und doch vermutlich sahen sie nur selten richtige Frauen. Und noch dazu nicht, wenn sie nicht viel mehr trugen als Unterwäsche. Wie gut, dass Grimms Hemmschwelle sehr niedrig war. Vermutlich ahnten die beiden Männer schon, wer es war, der da wieder an ihre Tür klopfte, doch der genervte Gesichtsausdruck wich sehr schnell.
„Dürfen wir euer Bad benutzen?“, fragte sie mit einem so unschuldigen Gesichtsausdruck, dass es beinahe lachhaft war. Aber so rot wie der junge Mann wurde….Es war einfach zu amüsant. Er stammelte irgendwas von sicher vor sich hin und ließ sie dann ins Bad. Mit einem erleichterten Seufzend genoss Grimm das warme Wasser, das ihre ungeordneten Haare wieder einigermaßen gepflegt aussehen ließ. Nach ein paar Minuten streckte sie den Kopf nach draußen, warf Kyle einen kurzen Blick zu.
„Hey, wir müssen Wasser sparen!“

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   So März 14, 2010 9:25 pm

Kaltes Wasser...schonwieder.
Kyle ließ sich einfach von seiner Freundin mitschleifen, zu den Freaks gegenüber von ihnen. Sie hassten ihn, das wusste er, aber sie hatten so wenig Durchsetzungsvermögen um ihm das ins Gesicht zu brüllen, sodass sie ihn eigentlich immer wieder reinließen. Sei es nur, um zu Duschen, etwas fern zu sehen, manchmal gaben sie ihnen sogar Sachen, die sie nur leihen wollten. Der Mixer stand immer noch in ihrer Küche..naja, sie fragten ja nie danach und Kyle war ein vergesslicher Mensch ja und Grimm, die wusste wahrscheinlich noch nicht mal, dass der von den lieben Nachbarn war.
Nur mit einem Handtuch um den Hüften bedeckt, musterte er die Nerds, die sie sogleich rein ließen.
Das einzig Gute an diesen peniblen Idioten war die Tatsache, dass ihre Badezimmer immer so nett und einladend aussahen, da fühlte sich der Schwarzhaarige sogar auf der kalten Kloschüssel wohl. Während also seine Geliebte in die Dusche wanderte, ließ er sich auf seine Lieblingskloschüssel fallen, musterte den Raum kurz und schließlich machten die Augen bei einem ihm nur zu bekannten Gesicht kleben. Grinsend erhob sich der junge Mann vom Klo, schmiss das Handtuch in irgendeine Ecke und stieg zu seiner Freundin in die Dusche.
"Also eigentlich kann es uns wirklich egal sein, wie viel Wasser diese Spacken hier verbrauchen...aber die Umwelt, ja für die Dusche ich doch sehr gerne jedes Mal mit dir.", ein breites Grinsen hatte sich in das Gesicht des Musikers geschlichen, während seine Arme die schlanken Hüften seiner Freundin umschlangen, den makellosen Körper enger zu sich zogen.
"Wir sollten uns schämen...das ist die Dusche unserer Nachbarn.", wisperte er leise in ihr Ohr, knabberten kurz an diesem. Er schmeckte das Silber der Ohrringe, es fühle sich so verdammt gut an, Metall zwischen den Zähnen zu haben.
Ein Grund mehr, warum er einer der wenigen Wesen dieser Welt war, der sich ein Zungenpiercing hat machen lassen..nun gut, es hat einen Monat, wenn nicht länger, gedauert, bis der Schmerz weg war und sich nichts entzündete aber mittlerweile liebte er es fast so sehr wie sein Leben.
Seine Zähne ließen langsam vom Ohr ab, wanderten langsam auf die Lippen seiner Geliebten zu. Mit seiner Zunger stubste er mit sanfter Gewalt gegen sie, begab sich auf die Suche nach ihrer Zunge, die einige Male hin und her geschoben wurde. Es war herrlich, er fühlte sich fast wie zu Hause, ganz abgesehen davon, dass hinter dieser Türe ein paar Kerle saßen, die wahrscheinlich noch nicht mal eine Frau begrabscht hatten, geschweige denn ihre Hand hielten. Zu beneiden war Kyle, das wusste er, schließlich hatte er in allem Glück, wirklich in allem.
Erst als seine Lunge nach Atem ran, ließ er seine Lippen langsam von Grimm, sie angrinsend. "Wenn sie nur wüssten, was wir hier anstellen..sie würden...sich einen runterholen." Oder ohnmächtig werden. Auf alle Fälle wären sie sprachlos.
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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Sa März 20, 2010 11:26 pm

Das heiße Wasser und die Nähe von Kyles Körper fühlten sich einfach wunderbar an. Für einige Augenblicke vergaß sie völlig, wo sie sich befanden, legte die Arme um seinen Nacken und schmiegte sich noch etwas enger an ihn, den Kuss genießend. Es war merkwürdig, aber sie liebte das Gefühl des Zungenpiercings, des kalten Metalls. Auch wenn sie befürchtete, er könnte irgendwann mal in ihren Snakebites hängen bleiben. Was für eine klischeehafte Vorstellung, und doch, vermutlich würde es Grimm eher belustigen. Bei der Vorstellung musste sie schmunzeln, ja, wahrlich, irgendwie ließ sich ihre Beziehung ganz treffend auf so einen Punkt bringen. Es war wohl wirklich nicht so unwahrscheinlich, dass ihnen so etwas passierte. Sie ging ein kleines Stück zurück, nur um ihm in die Augen sehen zu können.
„Du weißt schon, dass diese Bemerkung ziemlich abtörnend war, oder?“
Sie hob gespielt die Augenbraue, bevor ein verschmitztes Lächeln ihre Lippen zierte. Erneut beugte sie sich zu ihm nach vorne, zog mit den Zähnen sanft an seiner Unterlippe, bevor sie ihn abermals küsste. Ihre Hände fuhren langsam über seinen Rücken, manchmal hatte sie wirklich das Gefühl, sie bekamen etwas zu wenig zu essen. Sie konnte jeden einzelnen seiner Wirbel spüren. Aber in dieser Beziehung war sie oberflächlich. Sie mochte keine dicken Männer. Eigentlich wollte sie an dieser Stelle nicht aufhören, doch das plötzliche Klopfen an der Tür unterbrach sie. Die schüchterne Stimme eines der Freaks klang hinüber, er laberte irgendetwas von Wasserverschwendung. Grimm seufzte, aber wenn sie auch weiterhin nicht auf warmes Wasser verzichten wollten, sollten sie das ganze vielleicht besser irgendwo anders fortsetzen.
„Jaja, wir beeilen uns ja schon, keine Panik!“, rief sie gegen das Prasseln des Wassers an, bevor sie sich die blonden Haare aus dem Gesicht strich und sich ein Handtuch heran zog. Mit einigen routinierten Handgriffen hatte sie ihre Haare passend zurecht gesteckt, sodass sie ordnungsgemäß zu einem Irokesen hochstanden, zog sich dann schnell an. Ein wenig abgewrackt sah sie schon aus in dem karierten Rock und den zerlöcherten Strumpfhosen, dazu ein schlichtes schwarzes Top, das sie mit Ketten und Sicherheitsnadeln beinahe gelöchert hatte.
„Na dann, lass uns einkaufen gehen“, summte sie glücklich, während sie an Kyle vorbei aus dem Bad ging. Die beiden Freaks hockten nah vor der Tür, würde sie nicht wundern, wenn sie die ganze Zeit gelauscht hätten. Ein wenig musste sie sich schon schütteln. In der eigenen Wohnung schnappte sie sich noch eine Tasche, lockte Dee Dee unter dem Bett hervor, bevor sie sich an Kyle wandte, der ihr gefolgt war. Sie hatte keinen Cent mehr. Schlagartig sank ihre gute Laune ein wenig. Irgendwann musste der Ernst des Lebens sie ja mal einholen.
„Ich hab absolut nichts mehr im Portemonnaie. Hast du noch genug?“, fragte sie seufzend, während sie der Ratte über den Kopf strich, die es sich auf ihrer Schulter gemütlich gemacht hatte.

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BeitragThema: Re: Living on a guitar´s strings   Di März 30, 2010 12:15 am

Nun gut, er hatte sich das dann doch etwas anders vorgestellt und am liebsten hätte er den Spackos vor der Türe ein "Gebt Ruhe und schaut fern!" entgegengerufen, doch seine Freundin kam ihm zuvor, wieder einmal freundlicher, als Kyle es je war...vielleicht war es auch besser so, wenn wenigstens einer von ihnen einigermaßen vernünftiger war, sonst wäre der Schwarzhaarige schon längst draufgegangen..wahrscheinlich.
Mit einem lauten Seufzer stieg der Drummer aus der Dusche, wuschelte schnell mit dem Handtuch über seine viel zu langen Haare ehe er sich dieses um Die Hüfte band und Grimm hinterhereilte, während sein Blick wütend zu den Besitzern dieser Wohnung wanderten. Naja, sie wussten ja, dass sie das nächste Mal ihre Klappe halten MUSSTEN, sonst würden sie Mister Kyles satanistischen Zorn verspüren. Kein Witz.
Es war nicht einmal kalt, als Kyle hinaus in den Hausflur wanderte...viel zu warm, überall. Selbst in ihrer Wohnung war es um einiges wärmer als normal. An einigen Tagen war dies vielleicht mehr als nur ein Segen, aber im Moment wünschte man sich einfach die sibirische Kälte, die hier sonst im Winter herrschte. Das machte die Welt doch mit Absicht!
"Einkaufen...", murmelte er leise vor sich hin, während er seine Sachen zusammensuchte und sich langsam anzog, schaute ab und an zu Grimm. Als diese etwas von Geld sagte, stockte seine Atmung kurz...wenn es um Finanzen ging, war er nie gut auf so etwas anzusprechen. Sein Geld war schneller weg, als man Dollar sagen konnte und oft gab er es für so viel Müll aus, den kein Mensch brauchte, dass er sich jedes Mal schuldig fühlte. Schweigend kramte er in Taschen seiner alten Hose herum, fand einige zerknüllte Scheine und ein paar Pennys. "Hmm, sechs Dollar und dreiundfünfzig Cents...", murmelte er leise, reichte seiner Freundin das Geld in die Hand. "Vielleicht ist noch was in meiner Jacke, oder vielleicht finden wir irgendeinen Deppen, der uns was ausgibt.", oder sie mussten eben bis heute Abend warten, ihren Gig durchspielen und hoffen, dass ihnen der Veranstalter genug Schotter dafür geben würde..dann reichte eben ihr bisschen Geld für eine Burgerbude aus, man musste es so sehen.
Kyle hasste solche Momente in denen ihm wieder bewusst wurde, wie wenig sie doch besaßen und wie angewiesen sie auf ihr kleines Talent waren. Naja, er könnte sich einen Job suchen, doch bei seinem Schulabschluss würde er nichts besonders Gutes finden...vielleicht Automechaniker aber Gott, das würde sein gesamtes Leben versauen.
Niedergeschlagen setzte sich der junge Mann aufs Bett, beobachtete das Rattenvieh. "Bringt alles nichts, komm' jetzt, wir gehen und treiben irgendwo Geld auf.", mit diesen Worten sprang Kyle auf, nahm Grimms Hand und zog sie aus der Wohnung raus. Abgeschlossen wurde grundsätzlich nie, kein Idiot auf dieser Welt würde je auf die Idee kommen, ihre Wohnung auszurauben, da hätte man auch gleich auf die große Müllkippe gehen können, die sich in dieser Drecksstadt befand..da gab's sogar besseres und wertvolleres Zeug.
Draußen war es noch wärmer als im Flur und Kyle hasste sich in diesem Moment, dass er nur schwarze Klamotten besaß. Grimmig schaute er sich um. "Wo gehen wir zuerst hin?"
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