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 .........Let the engine steam........

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Mo Jul 27, 2009 11:48 pm

Ivys Mundwinkel verzogen sich leicht, die Augen starrten das Gesicht des Engels an, giftig, so, als würde sie versuchen ihn mit ihren bloßen Blicken hinzurichten, was bei ihr im Grunde sogar funktionierte, doch nicht heute, nicht in diesem Moment…so schnell würde sie dieses Kind nicht aufgeben.
Erneut kniete sich der dürre Körper gegenüber von Malik hin, die Finger trommelten spielerisch auf dem linken Knie des Jungen, während sie ihn prüfend musterte. Er wollte also erneut nicht reden, erneut musste sie erst alles mit Gewalt aus ihm herauspressen, wo es doch viel einfacher wäre, würde er ihr sofort einfach das sagen, was sie wissen wollte. Es war nur eine kleine Sache und eigentlich wollte sie auch nur einen Mann und nicht die ganze Truppe.
Ein leises Seufzen entwich ihrer Kehle, ehe sie sich wieder erhob, sich am Knie des Kindes abstützte. „Hör zu…sterben wirst du so oder so, biologisch gesehen sterben wir alle eines Tages, doch du hast die Wahl mein Kleiner, entweder du stirbst jetzt und bist um genau zu sein…umsonst gestorben, oder…“, sie umkreiste den Stuhl auf dem er saß, wie ein Raubtier, jederzeit bereit anzugreifen, die Krallen an den Knochen des Opfers zu schärfen. Hinter ihm blieb sie anschließend stehen, umfasste mit ihren Händen seinen Hals, drückte leicht an diesem. „…du sagst mir einfach, wo sich dein kleiner Freund befindet und wer weiß, vielleicht lasse ich dich dann in Ruhe…schließlich bist du nur ein Junge, der die Befehle eines höheren Tieres befolgst. Aber wenn du so gerne sterben willst…“, sie drückte mit den Fingern etwas stärker gegen den Hals, spürte das wilde Pulsieren des Blutes, welches durch die Venen des Engels floss. Auf ihrem Gesicht bildete sich ein leichtes Lächeln, während sie immer fester zudrückte, so fest, dass sie ihm die Luft zuschnürte, dem Blut nicht die Möglichkeit hab weiterzufließen, alles zum Stillstand brachte. „...kann ich das schneller einrichten, als du es ahnst!“, zischte sie ihm laut entgegen, aggressiver und viel wütender als einige Minuten zuvor. Neugierig betrachtete sie, wie der kleine Körper nach Atem rang, spürte, wie stärker das Herz anfing zu pochen, wie alles in seinem Inneren versuchte nicht zu sterben, wie alles voller Verzweiflung alles versuchte um weiterleben zu können und der Junge konnte weiterleben, denn was brachte ihr schon ein totes Kind? Noch nichts.
Langsam ließ sie von Malik ab, ließ die Arme sinken, die Finger streckend. Es knackste gefährlich und knackste noch gefährlicher, als ihre Klauen einen Flügel umfassten und diesen so heftig nach unten rissen, dass einige Federn umherflogen. „Ich hab mal ein Huhn auseinandergenommen, da gibt es wirklich keine genaue Technik, man rupft einfach die Federn raus.“, mit diesen Worten packte sie sich einige aus dem Gefieder, das sich auf dem Rücken des Jungen befand und rupfte dieses heraus, achtlos auf den Boden schmeißend.
Ein leises Lachen ertönte im Raum, ein Lachen, voller Schadenfreude und Wahnsinn, dass sie selbst kurz verwirrt war.
Sie wurde eindeutig verrückt, die Zeit hatte sie zu zugerichtet, dieses Kind, diese Wohnung.
Vielleicht brauchte sie Urlaub von all dem hier, sie musste einfach mal weit weg, ganz weit weg. Dorthin, wo das Meer noch im hellen Blau erstrahlte, wo die Sonne die Haut erwärmte, wo nichts von all dem hier auch nur annährend vorhanden war.
Ja…Urlaub, gleich nachdem sie mit der Sache hier fertig war…es würde schon nicht allzu lange dauern, er würde reden…bald.
Die Absätze ihrer Stiefel hallten leicht in den Wänden dieses Zimmers wider, als sie wieder nach vorne schritt um sich Malik anzusehen. Sie zog an seinem rotblonden Haar, zog das Gesicht herauf um in die goldenen Augen zu schauen, an denen sie jedoch schnell wieder vorbeischauen musste. Sie erregten zu viel Mitleid, man konnte sie sich einfach nicht lange anschauen, nicht, wenn man Rache ausüben wollte.
„Junge…ich mache so etwas eigentlich nicht oft und eigentlich auch nicht so gerne, aber du lässt mir einfach keine Wahl.“; erneutes Seufzen, als immer noch nichts als Schweigen von ihm an. Die Rothaarige ließ von seinen Haaren los, trat kurz einige Schritte zurück ehe sie wütend gegen die Magengrube des Engels trat. Der Stuhl rutschte etwas zurück.
„Also, noch einmal. Wo befindet sich der Blutsauger? Du kannst doch sowieso nichts durch dein Schweigen ändern, ich werde ihn so oder so finden, ich muss nur deine Leiche mit mir mitschleifen, bis jemand von seinen Männern sie erkennt und dann kommt er freiwillig zu mir hingetanzt. Also sprich endlich! Oder willst du deinen Herrn nie wieder sehen?!“

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Kauzi
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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Di Jul 28, 2009 12:46 am

Letztendlich war es doch klar, dass es auf so etwas hinauslaufen musste. Es war ja nicht das erste Mal, Ivy hatte ihm ja schon einmal bewiesen, wie weit sie ging, um an Informationen zu kommen. Dass sie jetzt, wo es um ihre kleine private Rache ging, nicht weniger härter durchgriff, war zu erwarten gewesen. Die goldenen Augen folgten der Gestalt ängstlich, doch als sie hinter ihm stand, wagte er es nicht, den Kopf zu drehen, er traute sich einfach nicht. Die Angst ließ das Blut schneller durch die Adern fließen, als sich der Griff um den Hals verstärkte, die Luftröhre so unendlich eng machte, dass der Engel nicht mehr die Luft bekam, die er nötig hatte. Das sonst blasse Gesicht rötete sich, verzweifelt strampelnd versuchte er sich aus dem Griff zu winden, aber es war vergebens. Die Fesseln schnitten in die Handgelenke, aber es war hoffnungslos. Einige schwarze Sterne blitzten vor seinem inneren Auge auf. Würde sie ihn wirklich hier und jetzt umbringen? Seinem ganzen Leben ein Ende setzen? Malik hatte Angst davor, panische Angst, die Flügel flatterten wie die eines aufgeschreckten Vogels. Wie ein Vogel in einem Käfig…..Frei war der Engel wirklich nie gewesen, nein, nicht frei. Aber das, was er bis jetzt bei der Organisation gehabt hatte, war wenigstens ein Leben gewesen. Nicht unendlich frei, aber doch…schön. Sollte die Frau dies jetzt einfach beenden? Das würde sie, wenn ihr Griff weiter so blieb, Sekunden dehnten sich scheinbar zu Minuten, bevor sie doch endlich los ließ. Panisch schnappte der Engel nach Luft, die Lungen schmerzten, als er sie so ruckartig mit so viel Luft füllte. Der Junge hustete trocken, ließ schwach den Kopf hängen. Dabei hatte der Vampir ihm doch verboten, sich so schwach hängen zu lassen, weil er stark werden sollte…Aber er konnte einfach nicht anders, er wollte einfach nur entfliehen, er wollte schwach sein dürfen, dies hier nicht ertragen müssen. Er spürte die Hand in seinem Gefieder, kurzer Schmerz zuckte durch die Flügel, als sich einige Federn lösen, Malik meinte beinah sie zu Boden fallen zu hören. Was, wenn sie auch an seine Flügel ging? Was, wenn sie ihm auch diese Freiheit nahm? Der reine Gedanke ließ den Jungen zittern, der langsam, ganz langsam anfing aufzugeben. In den goldenen Augen so furchtbar viel Angst, als der Kopf unsanft aufgezogen wurde, sie sah ihn nicht an, sie wollte ihn einfach nicht ansehen. Weil sie dann ein schlechtes Gewissen bekommen hätte? Weil sie dann gesehen hätte, dass es ein Waisenkind war, was sie terrorisierte? Nicht unschuldig, aber dennoch zu bemitleiden.
Hatte sie wirklich keine andere Wahl, als die Stiefelspitze in seiner Magengrube zu versenken? Der Schmerzensschrei ging in einem erstickten Keuchen unter, als ein feiner Blutsfaden aus dem Mundwinkel lief und der Engel sich würgend krümmte. Sie würde ihm noch mehr antun, noch so viel mehr….Wenn Daisuke hier war, sie konnte ihm doch sicher nichts anhaben? Der Vampir war doch wie aus Stein, er würde sie sicherlich retten können, wenn er erst einmal hier war. Trotzdem konnten diese Ausflüchte die tiefen Schuldgefühle nicht vertreiben, als der Engel den kleinen Kopf langsam hob, in den goldenen Augen tiefe Resignation.
„Er wird heute sicherlich noch bei einem alten Bekannten vorbeischauen, dort wirst du ihn…sicher treffen.“
Malik wandte das Gesicht ab, als er weitersprach, er fühlte sich dreckig und mies, er wollte das nicht, aber er musste einfach, sein Körper würde sonst einfach aufgeben, aufgeben und sterben:
„In der Baker Street, Haus Nummer 13….“
Einige schimmernde Tränen flossen über die bleichen Wangen, als der Engel anfing zu weinen, tonlos, er wollte das triumphale Grinsen der Frau nicht sehen, lauschte nur auf die sich entfernenden Schritte, als sie einfach ging, um Daisuke zu holen. Um ihm auch wehzutun…..Das durfte sie einfach nicht. Malik wollte sich losreißen, wollte fliegen, um den Vampir zu warnen, aber ihm wurde schwarz vor Augen, und sein Bewusstsein verließ ihn für einen Zeitraum von ungefähr einer Viertelstunde. So viel Zeit, die ihm einfach durch die Finger rann, was, wenn sie ihn schon gefunden hatte? Noch einmal zerrte er an den Pflanzenfesseln, aber es war zwecklos, er scheuerte sich nur die Haut auf. Was er brauchte, war ein klein wenig Magie….
Die Augen schlossen sich, als der Engel versuchte sich zu konzentrieren, seine Magie zu wirken. Ein Zauber bohrte sich in die Pflanzen, ließ sich langsam aber sicher verdorren, welken und zerbrechlich werden. Hektisch riss Malik die Hände los, zerschnitt die Fesseln an den Beinen mit dem kleinen Messer, das er bei sich trug. Er musste sich beeilen, bevor er zu spät kam, bevor es zu spät war…..Die Schritte stolperten hektisch an den hohen Bücherstapeln vorbei, hörten nicht auf die Umgebung, dabei hätte das doch so sehr geholfen…..Wenn er nur die Schritte auf der Treppe gehört hätte, zwei paar, aber er hörte sie nicht, er riss die Tür auf und starrte in Ivys Gesicht. Die Augen weiteten sich, er wollte zurückweichen, aber irgendetwas lag auf dem Boden, er stolperte rückwärts und schlug lang auf dem Rücken auf, nach Luft ringend. Im Hintergrund sah er die hochgewachsene Gestalt des Vampirs, es tat ihm Leid, so schrecklich Leid, er hatte nicht reden gewollt. Er hätte schweigen müssen, hatte es nicht gekonnt. Die Flügel waren für den schmalen Flur beinah zu breit, die Schwingen berührten die Wände, zogen sich daran hinauf, als der Engel schutzlos auf die Gestalt sah, die Wut auf die Frau stieg immer mehr. Warum tat sie ihnen so etwas an, sie hatten ihr Leben nicht zerstört, wenn sie überhaupt jemandem die Schuld geben wollte, dann wohl dem Vogel.
„Du widerliche Hexe, was hast du jetzt mit uns vor, hm?“
Er hätte ihr am liebsten ins Gesicht gespuckt, wäre da nicht die Furcht vor der Dämonin gewesen, diese tief sitzende Panik….Eigentlich wollte er sich nur bei Daisuke entschuldigen, dafür, dass er wieder versagt hatte…..

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Di Jul 28, 2009 4:15 pm

„Na also.“, zufrieden lächelte sie den Engel an, drehte ihm anschließend den Rücken zu, aus der alten Wohnung eilend.
Sie wusste wo sich diese Straße befand und sie wusste auch, wer sich dort herumtummelte, sodass es nicht lange dauerte, bis sie die angegebene Adresse erreichte. Prüfend schaute sich die Dämonin um, hielt Ausschau nach dem elendigen Vampir.
„Wehe dieses Kind hat mich belogen.“, murmelte sie leise, währen die Augen von einer Ecke zur anderen huschten und dann plötzlich sich zusammenkniffen, fixiert auf einen Punkt starrten. Die Statur, die perlweiße Haut und das rabenschwarze Haar verrieten den Vampir, auch ohne der zahlreichen Steckbriefe an jeden Wänden hätte ihn jedermann erkannt.
Die Lippen formten ein zufriedenes Lächeln, abwartend bis er endlich vor ihr stand, den Blick fragend und gleichzeitig im vollsten Wissen, was sie von ihm wollte. Schweigend betrachteten die schwarzen Augen des Blutsaugers das Gesicht seiner kleinen Rivalin, ehe er zu sprechen begann. „Sie wünschen?“, fragte er nur, leicht belustigt, so, als er ob er sie nicht ernst nehmen konnte und genau das sollte ihm zum Verhängnis werden. Was bildete er sich eigentlich ein…sie konnte ihn verbrennen und das war ihm anscheinend nicht bewusst.
„Was ich wünsche?“, wiederholte sie, weiterhin ihn anlächelnd, während ihre Hand das Handgelenk des Blutsaugers umfasste. Sekunden später rauchte die Körperstelle, welche die Rothaarige umfasst hatte, sodass Daisuke seinen Arm rasch zurückzog, diesen verwirrt anstarrte. Ja, in diesem Falle half sein steinharter Körper und seine unendliche Stärke nichts, nicht, wenn sie das Feuer hinter sich hatte, das sie jederzeit gegen ihn verwenden konnte und er…er konnte nichts dagegen machen, diesmal nicht.
„Ich will, dass du mit mir mitkommst.“, summte sie nur melodisch, packte erneut sein Handgelenk, diesmal ohne diesem in irgendeiner Hinsicht zu schaden. „Dein kleiner Schützling braucht dich und ich brauche dich auch noch für einige Dinge.“
Ivy wusste genau, dass diesem Vampir dieses unwichtige Kind wichtig war, so wichtig, wie seine Organisation vielleicht. Jedenfalls würde er nicht nein sagen…wäre auch zu absurd gewesen, denn auch ihm war sein Leben sicherlich wichtig genug um es nicht so schnell enden zu lassen, vor all den Leuten hier, so unspektakulär und sinnlos.
Der Kopf des Blasshäutigen nickte nur stumm, als er anschließend seinen Arm erneut zu sich zog, stark genug, dass die Finger der Rotäugigen leicht schmerzten.
„Aber du musst mich nicht wie einen Hund hinter dich herziehen.“, schnarrte er nur, starrte sie weiterhin an, so als ob er versuchte sie mit den Blicken zu durchbohren und fast hatte er es geschafft. Ivy schauderte es, wenn sie in die unendlich schwarzen Augen starrten, so leblos, dass es ihr eiskalt den Rücken herunterlief. Doch nicht die Fassung verlieren, nicht jetzt.
Rasch wandte sie ihren Blick ab, starrte auf die Straße, ehe sie wortlos loslief, immer weiter weg von dem Tumult, bis sie endlich die für sie vertrauten, leeren Straßen erreichten. Die schlackerten Absätze des Vampirs waren direkt hinter ihr, gemütlich, so, als ob es ihm egal war, wohin sie gingen, was mit seinem Laufburschen geschah und was vor allem mit ihm geschah. Es machte die Dämonin fast wahnsinnig, dass dieser Blutsauger so ruhig blieb, dass er nicht versuchte abzuhauen oder gar sie mit irgendwelchen banalen Fragen zu durchbohren, wie es viele andere gemacht hatten…nein, er war einfach nur da und lief ihr einfach nach, wie einem Wegweiser.
Vor der Wohnungstüre blieb sie anschließend stehen, atmete noch einmal kurz durch. „Schauen wir mal, was der kleine Engel denn so macht.“, murmelte sie nur, ehe sie die Tür öffnete und in das kindliche Gesicht Maliks starrte. Was zum…wie hatte er es geschafft sich von ihren Fesseln zu befreien?!
Wütend stampfte sie in die Wohnung, blieb vor dem liegenden Malik anschließend stehen, ihm giftige Blicke zuwerfend. „Hexe…ich zeig dir gleich, was so eine Hexe alles machen kann!“; fauchte sie wutentbrannt dem Engel zu, zog ihn so unsanft wie es ging zu sich rauf, schleuderte ihn gegen den Bücherberg vor ihnen, erneut auf ihn zustampfend. „Du hättest nur brav dasitzen können und warten können…aber du musstest erneut Mist bauen!“
Erneut wurde der kleine Körper gegen die andere Wand geschleudert, dann schmiss sie ihn in den Raum wo er eigentlich hätte sein sollen.
In den Ohren der Dämonin erklangen die ruhigen Schritte des Vampirs, welcher auf sie zuging, versuchte Ivy aufzuhalten diesem Kind noch mehr anzutun, ihn noch mehr zu zerstören, doch nicht mit ihr…er würde sie nicht aufhalten. Zornig drehte sich der dürre Körper um, die feuerroten Augen glühten zornig auf, ehe im nächsten Moment der Körper des Vampirs anfing zu dampfen. Ein Aufschrei entwich der Kehle des Schwarzhaarigen, ehe er unwillkürlich zu Boden ging, versuchte dem Schmerz ein Ende zu setzen, doch sie zwang ihn immer weiter zu Boden, so lange, bis er nicht mehr aufstehen konnte.
„Ich weiß genau, dass du stirbst, wenn du lange den Flammen ausgesetzt wirst…also halt dich zurück, du elender Unsterblicher!“, zischte die vor Wut bebende Stimme.
Daisuke sagte nichts, starrte nur auf seine immer größer werdenden Brandnarben, ehe der Schmerz allmählich nachließ, als Ivy den Raum verließ, erneut zu Malik stampfte, welcher auf dem Boden lag. „Fliehen wolltest du, was? Wolltest mich und deinen Herrn reinlegen und einfach abhauen…aber nicht mit mir, mein Kleiner!“
Sie trat mit voller Wucht gegen die Flügel des Jungen, immer und immer wieder, solange, bis sie keinen Knochen mehr fand, den sie brechen konnte.
Ivy zog ihn an den Haaren zu ihr rauf, brachte ihn zum stehen, mit den glühenden Augen in sein Gesicht starrend. „Du warst ein sehr ungezogenes Kind!“ Mit diesen Worten drückte sie ihr Knie gegen seine Magengrube, fester und fester, bis das Kind erneut zu Boden fiel, flach auf dem Bauch lag. Ivy fing an diesen Jungen zu hassen, so sehr, dass sie ihn am liebsten sofort umgebracht hätte, so schnell sie nur konnte.
Er hatte alles falsch gemacht, alles, was er nur falsch hätte machen können. Wieso nur blieb er nicht einfach auf seinen Platz, wieso wollte er den Helden spielen und verschwinden?
Ihm wäre dies alles doch erspart geblieben, vielleicht hätte die Rothaarige sogar seine Flügel verschont, doch er wollte es nicht anders, er wollte einfach genau das, was nun mit ihm geschah, so töricht und kindisch, wie er doch gehandelt hatte, als hätte er keine Ahnung von all diesen Dingen gehabt.
Langsam kniete sich die Dämonin neben ihm hin, hob einen der Flügel hoch, betrachtete ihn in ihren Armen, anschließend mit ihrem Fingern diesen umfasste und diese nach unten Riss, wie bei einem Huhn, dessen Schenkel man versucht hatte vom restlichen Körper zu entfernen.
Es knackste laut, als sie die Knochen mit so viel Kraft, die sie hatte, in zwei Teile brach. Die Federn flogen im ganzen Raum umher.
„Das soll dir eine verdammte Lehre sein!“, die Grünhäutige zerrte den Körper rauf, setzte diesen wieder an den Stuhl, band ihn erneut mit ihren Ranken, diesmal fester und schmerzhafter, als das letzte Mal. Die Dornen fraßen sich in das junge Fleisch des Engels. Sollte er nun versuchen sich aus diesen zu befreien.
„Und nun kommen wir doch mal zu deinem Herrn und Meister.“ Stampfende Schritte hallten erneut ihm Raum wider, als sie auf den Vampir zuging, welcher geschwächt dasaß und sie anstarrte, schweigend, ohne auch nur ein Wort verlieren zu wollen.
„Er hat dir nicht einmal geholfen…was für ein Meister ist denn das hier?“, fragte sie spöttisch, als sie das Gesicht des Vampirs betrachtete, welches sie erneut anstarrte.
„Ein Meister, der weiß, wann es Zeit ist Ungeziefer, wie dich, zu zertreten.“, sagte er nur, ohne sich auch nur zu regen, starrte sie weiterhin mit den schwarzen Augen an, todbringender als die Todesfee selbst.
Zornig umfasste Ivy das weiße Gesicht des Mannes, welches dampfend unter ihren dürren Fingern warm wurde, immer wärmer und wärmer, bis Daisuke ihr Handgelenk umfasste und dieses zwischen seinen gliedrigen Fingern brach. Ivy keuchte auf, stolperte automatisch einige Schritte zurück. „Du verdammter…“, wisperte sie nur, ihr gebrochenes Handgelenk umfassend. „Oh, es wird mir ein Spaß sein euch auszulöschen…euch beide!“
Auch wenn dies nun erschwert wurde. Genau die Hand, mit der sie stets zugange war, war nicht funktionsfähig. Als ob dieser Vampir es gewusst hätte…als ob er das alles gewusst hätte, dieser verdammte Terrorist…sie würde es genießen ihn brennen zu sehen, es würde ihr solch eine Freude bereiten das bereits vernarbte Gesicht zu verbrennen, es in Staub zu verwandeln…seine ewigen Tage nahmen hier ein Ende und er hatte es verdient, sogar mehr als der Junge, viel mehr..

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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Di Jul 28, 2009 10:56 pm

Er konnte es nicht fassen, er konnte es einfach nicht fassen. Was hatte sie getan? Was hatte sie gemacht? Mit verschleiertem Blick sah der Engel auf die Flügel, die kraftlos und zerbrochen zu Boden hingen in einem Winkel, in dem es gar nicht möglich sein sollte. Es fühlte sich an, als wären unter den schneeweißen Federn nur noch Splitter, Bruchstücke seiner einstigen Freiheit. Das würde doch nie wieder verheilen, nie im Leben. Sein ganzer Körper schien nur voller Schmerz zu sein, das Sichtfeld rot verschleiert von Blut, das aus einer Platzwunde an der Stirn strömte. Er war kurz vor der Ohnmacht, aber der Schock der zertrümmerten Flügel hielt ihn wach, auch wenn es vermutlich besser gewesen wäre, wäre er einfach davon gedriftet in das samtene Schwarz. Aber er konnte nicht, den Blick auf die Flügel gesenkt, eine Hand wollte sich zitternd nach den Federn ausstrecken, wollte fühlen und wissen ob es wirklich so schlimm war wie es aussah. Aber als er sich bewegen wollte, schnitten die Dornen tief in sein Fleisch, ließen das unnatürlich helle Heiligenblut auf den Boden tropfen. In dem Engel stiegen verzweifelte Tränen auf, würde er je wieder fliegen können? Jemals wieder die Flügel spreizen können? Diese Flügel?
Nein, nein, vermutlich nicht…..Was war denn schon ein Engel ohne Flügel? Was ein Mond ohne Sonne…..Diese Zeit hatte ihm schon so viel genommen, warum denn nun auch seine Freiheit zu fliegen? Er wollte den Wind noch spüren dürfen zwischen den Federn, aber würde das je wieder möglich sein? Erst jetzt bemerkte er, dass stumme Tränen über seine Wangen liefen, das klebende Blut verlaufen ließen. Er weinte, er weinte um das was er verloren hatte. Wie das kleine hilflose Kind, das er irgendwo auch war. Nicht einmal der Vampir hatte ihm helfen können. Warum hatte er ihm nicht helfen können? Der Blick der goldenen Augen suchten das bleiche Gesicht, er sah die geröteten Brandnarben, er kannte den Schmerz verbrannter Haut nur allzu gut, seine Arme waren ja nicht grundlos ständig bis zu den Schultern bandagiert. Schluchzend ließ er den Kopf sinken, er durfte Daisuke keinen Vorwurf machen, nur wegen ihm hatte er leiden müssen, weil er nicht stark genug gewesen war. Weil er sich nicht hatte widersetzen können. Und selbst als er geredet hatte, hatte man ihn noch solch einen großen preis zahlen lassen.
Ob Ivy ihn umbringen würde? Vermutlich. Dann würde sie diesem ganzen Elend wenigstens ein Ende setzen, dann wäre wenigstens alles vorbei für den Engel, der vor Schmerz leise wimmerte. Warum konnte nicht die samtene Schwärze ihn zu sich nehmen? Warum musste er jeden einzigen Knochensplitter so genau spüren? Was würden sie tun? Würde er seine Flügel behalten können? Was….Was wenn nicht? Die Tränen fielen schimmernd zu Boden, was würde jetzt passieren? Er fühlte sich so grässlich schuldig, so schuldig…
„Es tut mir so Leid…..I-Ich habe einen großen Fehler gemacht…..So Leid….“, wisperte die gebrochene Stimme leise, geistesabwesend wiederholte er die Worte wie ein Gebet. Wie sollte das hier enden, wie?

Leise hallten die Schritte durch die leere Gasse, Ebony liebte diese Ruhe. Alleine zu sein, nur den Atem ihrer Schwester im Nacken….So fühlte die Diebin sich wohl. Kaum ein Haus, das ihren kriminellen Machenschaften noch nicht zum Opfer gefallen waren, es war auch schwer, sich diesen dämonischen Einbrechern zu widersetzen, beide mit mächtigen Fähigkeiten ausgestattet. Beide hatten sie die gleichen dunklen Haare, Ebony trug die Ihren etwas kürzer, gerade kinnlang, die braunen Rehaugen wirkten unschuldiger als sie eigentlich war. Nur die feinen Narben über dem Nasenrücken und an anderen diversen Stellen ließen erahnen, dass man es hier nicht mit einer Lady zu tun hatte. Und mit einem Menschen schon gar nicht. Dämonen waren die reizenden Schwestern und sicher wollte keiner wissen, was sich hinter der menschlichen Maske verbarg, die nie alterte und immer so wunderschön und wild wirkte. Die beiden Schwestern hatten viel gemeinsam, niemand kannte ihre wirklichen Namen, Ebony und Ivory? Nur Künstlernamen, die sich dieses langfingrige Duo zugelegt hatte um ihre wahre Identität zu verschleiern. Wie lange sich die beiden nun schon durch diese Welt schlugen, es wurde auch nicht einfacher. Man musste mit der Zeit gehen.
Deshalb trug sie auch immer eine Pistole mit sich. Dabei hatte sie doch viel nützlichere Waffen, Waffen, die den normalen Menschenverstand bei weitem überstiegen. Aber sie waren ja auch keine Menschen. Und Ebony hatte Macht über den Schlaf. Im ersten Moment mochte sich diese Fähigkeit nicht besonders nützlich anhören, aber jemanden in sanfte Bewusstlosigkeit zu schicken und ihm dann die schlimmsten Alpträume einzupflanzen….Das war etwas, was die Dämonin unter keinen Umständen missen wollte. Es war verdammt nützlich, wenn all jene, bei denen sie einbrachen, tief und fest schlummerten. Und die beiden brachen oft ein. Sie stahlen alles mögliche für die Untergrundorganisation, zu der sie nun schon seit gut drei Jahren gehörten. Wertgegenstände, damit Geld in die Kasse kam, ebenso wie Waffen, die dringend gebraucht wurden. Hin und wieder waren es aber auch banale Dinge, alltägliche Gebrauchsgegenstände oder gar Lebensmittel. Vor diesen beiden diebischen Elstern war niemand sicher und sie waren in all den vielen Jahrhunderten nie lange gefasst worden. Dafür waren sie einfach ein bißchen zu überlegen.
Dabei hätte Ebony sich auch durchaus vorstellen können, etwas anderes zu machen. Sicherlich hätte sie mit dem gut gebauten Körper und den sanften Kurven auch in irgendwelchen Nachtklubs auftreten können. Doch sie steckte ihre langen Beine lieber in zerrissene Netzstrumpfhosen und kurze Hosen, hängte sich zwei Kurzschwerter an die Hüfte und drang in anderer Leute Häuser ein. So hatten sie und Ivory es immer schon gehalten, und es würde sie sicherlich niemand davon abbringen. Und auch heute waren sie wieder unterwegs im Stadtkern diesmal, um etwas Beute nach Hause zu bringen. Die Dämonin blickte an der Fassade hinauf, eines der oben Fenster war geöffnet, aber aus dieser Höhe kamen sie unmöglich daran. Ein kurzes Lächeln huschte über die vollen Lippen, sie zog sich die halb aufgerauchte Zigarette aus dem Mundwinkel.
„Sieh einer an, da war aber jemand unvorsichtig….“
Sie griff nach oben und mit einem Ruck zog sie eine metallene Leiter herunter, die den Menschen des Gebäudes bei einem Feuer ermöglichen sollten zu fliehen. Aber gerade jetzt war sie für die Zwillinge der ideale Weg um in die Wohnung zu kommen. Wie eine Katze wirkten die Bewegungen der Dämonen, als sie beide lautlos die Eisentreppe hinaufkletterten. Wie unachtsam manche Leute doch waren….Mit einem leichten Lächeln schwang Ebony sich, gefolgt von ihrer Schwester durchs Fenster, sie standen in einer kleinen Küche. Fraglich, ob es hier Wertgegenstände zu holen gab. Ruckartig fuhr der Kopf herum, sie hörte Stimmen aus einem anderen Raum. Verdammt, dann war doch jemand hier. Aber….zwei dieser Stimmen kamen ihr irgendwie bekannt vor. Sie warf ihrer Schwester einen kurzen Blick zu, erhielt ein bestätigendes Nicken. Angespannt öffnete sie die Tür einen Spalt breit, und was sie sah gefiel ihr gar nicht. Natürlich kannte sie zwei der Stimmen. Die eine gehörte dem Vampir, der sie vor so langer Zeit angeworben hatte, er hockte auf dem Boden, die Haut gerötet. Die zweite gehörte seinem kleinen Laufburschen, Ebony hatte den Engel immer schon niedlich gefunden, aber so wie er jetzt aussah…..Es war grauenhaft. Und dafür sollte allein die grünhäutige Frau zuständig gewesen, die wütend in der Mitte des Raumes stand? Wer auch immer sie war, sie stellte eine Gefahr da. Für einen kurzen Moment schloss die Dämonin die Augen, feine Nebelschwaden schienen sich an der Gestalt der Frau hochzuziehen. Der altbekannte, müder werdende Gesichtsausdruck, die Augen die sich langsam schlossen….Die Diebin kannte all dies nur viel zu gut. Aber sie konnte sich nicht wehren, das würde sie nicht hinbekommen, das hatte noch nie jemand geschafft. Erst als die Gestalt am Boden zusammen gesunken war und ruhig atmete, traten die beiden Frauen endgültig in den Raum, die Hände in die Hüfte gestemmt. Sie konnten vermutlich von Glück reden, dass sie hier aufgekreuzt waren. Wer wusste, wie es sonst ausgegangen wäre.
Die sicheren Schritte gingen auf den Engel zu, während sie ihrer Schwester bedeutete, nach Daisuke zu sehen. Er war für gewöhnlich nur sehr schwer zu verwunden, aber der leichte Geruch von verbranntem Fleisch, der im Raum hing, machte ihr etwas Sorgen. Sie ging vor dem Engel in die Hocke, löste mit einem kurzen Messer die Pflanzenfesseln. Die Dornen hatten sich tief ins Fleisch gebohrt, doch sie konnte nicht sehen, wie es wirklich um die Arme stand, wie immer trug er die weißen Bandagen um die Arme, um seine Narben zu verdecken. Aber das Blut, welches den Verband rubinrot gefärbt hatte, reichte aus. Was viel schlimmer war, waren die Flügel. Verdreht und gebrochen lagen sie auf dem Boden, Ebony schnappte nach Luft. Wie viel Gewalt und Wut musste hier am Werk gewesen sein? Sie kannte den Jungen gut genug, sodass er ihr ernsthaft Leid tat. Es war schwer, den zierlichen Engel nicht ins Herz zu schließen auch wenn die Dämonin wusste, dass er bei weitem nicht so harmlos war, wie er aussah. Doch momentan glänzte in den goldenen Augen, die sie verschwommen ansahen, nur Schmerz. Er wollte etwas sagen, doch ein trockener Husten unterbrach ihn. Vorsichtig legte sie ihm eine Hand auf die Stirn.
„Pst, es ist gut, wir sind jetzt hier….“
Die Magie kroch langsam hinter die Schläfen, wiegte den Engel in einen schmerzfreien Schlaf, den er dringend nötig hatte, hob den Kleinen dann vorsichtig auf. Wie leicht er war….Der Blick richtete sich vernichtend auf die Frau am Boden, wie hatte sie einem Kind so etwas antun können? Ebony ahnte, auf was es hinauslaufen würde mit diesen zertrümmerten Flügeln, aber im Moment wollte sie es nicht aussprechen. Im Moment mussten sie einfach nur weg von hier. Sie sah kurz auf den Vampir, musterte ihn prüfend. Nein, er würde alleine gehen können, ganz so schwer war er nicht verletzt und außerdem war er hart im Nehmen.
„Lasst uns schnell hier abhauen. Ihr hattet gehöriges Glück, dass wir vorbeigekommen sind….“
Sie hörte den Engel leise atmen an ihrer Brust, er brauchte dringend einen Heiler, ebenso wie der Vampir, wenn sie so einen Blick auf seine Brandnarben warf. Das Schicksal hatte wirklich einen freundlichen Tag gehabt, dass es die Zwillinge gerade in diese Wohnung geführt hatte.

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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Do Jul 30, 2009 1:02 am

Es war eigentlich jedes Mal das gleiche Szenario, dass die Braunhaarige jedes Mal aufs neue faszinierte- sie und ihre Schwester, unterwegs nach armen Wohnung, die nicht verschlossen waren, auf der Suche nach Wertgegenständen, die der kleinen Organisation, der sie beigetreten waren, eine große Hilfe sein konnten und es auch immer wieder waren. Die Zeiten änderten sich, die Diebe jedoch nicht und genau das machte diesen ‚Beruf’ doch erst so einzigartig- er musste sich kaum anpassen.
Mild lächelnd folgte Ivory ihrer Zwillingsschwester, den Blick immer von einer zur anderen Seite werfend. Ruhige Gegend, etwas, was stets beruhigend und gern gesehen war, denn wo bitte war es hier schon ruhig. Nicht einmal nachts hatten sie das große Vergnügen die Ruhe zu spüren und sie kennen und lieben zu lernen.
„Ooh, wie Recht du doch hast, Schwesterlein.“, summte die Stimme heiter, als die Augen hinauf zu dem besagt offenen Fenster wanderten. Töricht von dem Bewohner dieser Bruchbude…wer ließ schon unbeobachtet sein Fenster offen, vor allem in dieser Gegend?
Sollte den beiden nur recht sein.
Ja, die beiden waren wohl die Besten in ihrem Gewerbe, sie hatten nicht nur das Geschick und die hübschen Gesichter dafür, nein, sie waren auch gut genug ausgestattet, ausgestattet mit Kräften, die sich beinahe jedes menschliche Wesen wünschte. Und wer bitte wollte nicht dämonische Fähigkeiten auf seiner Seite haben, die doch so einiges im Leben leichter machten. Wer wollte nicht einmal das dunkle Blut in den Venen haben, das einen nie altern ließ, mit dem man Jahrhunderte überleben konnte, ohne dass sich der eigene Körper veränderte?
Kleine Träume jedermanns und Ivory und Ebony brauchten diese nicht einmal zu träumen, denn ihnen wurde all das bereits in die Wiege gelegt.
Schweigend folgten die leisen Schritte Ebony, die Finger glitten über die rostigen Metallstäbe der Feuerleiter, bis sie endlich das offene Fenster erreicht hatten, geschmeidig in die Wohnung kletterten. Prüfend schauten sich die grauen Augen um, während die Finger mit den längeren Locken spielten. „Hmm…scheint ja echt heruntergekommen zu sein.“, murmelte sie nur, rückte ihre orange schimmernde Brille etwas näher ran, ehe sie ruckartig den Kopf zur Tür bewegte…tatsächlich, da schien noch jemand zu sein, bzw. mehrere.
Aufmerksam lauschte sie den Stimmen, erkannte nur zu gut, wem welche Stimme gehörte.
Leise folgte sie ihrer Schwester, schaute sich weiter in dem Chaos um, das anscheinend in jedem Raum vorhanden war…welch ein unordentlicher- nun, diese Frage hatte sich erledigt, spätestens dann, als die die Rothaarige selbst erblicken konnte. Seltsames Vieh war das gewesen…unüblich und anscheinend wütend…warum auch immer. Mit hochgezogenen Augenbrauen beobachtete Ivory ihre Schwester, während eine Hand weiterhin mit ihren Locken spielte und die andere gegen den Hüftknochen trommelte. Erst als das Weib endlich am Boden lag, trat die Braunhaarige einen Schritt vor dem anderen, trat in den Raum, in dem sich der kleine Engel befand. „Och der arme Junge…da schmerzt einem doch das Herz, wenn man so etwas sieht.“, sagte sie nur leise, ihn besorgt musternd, ließ den Blick jedoch schnell weiterschweifen, auf die gebrochenen Flügel, welche einen leichten Schrecken in ihr verursachten…sie waren eindeutlich hinüber. Die Augen wanderten weiter, zu den Wunden, die dem Kind zugefügt wurden, bis sie weiterglitten, vom Chaosberg zum anderen Chaosberg, bis sie den vollgestapelten erreichten. Die Pupillen weiteten sich ein wenig, als die im schwachen Licht schimmernde Brille ihr ins Blickfeld fiel. Sie schien neu zu sein und gehörte anscheinend keinem anderen, als Malik…wer sonst hatte eine kleine Schwäche für diesen banalen Gegenstand?!
Vorsichtig nahm Ivory sie an sich, steckte sie in eine der Taschen ein, ehe sie tänzelnd den Raum verließ. Ebony würde sich um das Kind kümmern, solange konnte sie nachschauen, wie es denn ihrem Boss erging.
Besorgt kniete sich die weibliche Statur der Braunhaarigen vor ihm hin, die kühlen Hände umfassten das leicht gerötete Gesicht. „Heiß…“, murmelte sie nur, während sie prüfend in die rabenschwarzen Augen starrte. So mitgenommen war der Vampir bis jetzt noch nie…schien eigentlich immer unbesiegbar zu sein und genau das war diese kleine Stütze der Organisation…der Boss selbst. „Aber das bekommen wir sicherlich schnell hin.“, ein leichtes Lächeln glitt über die Lippen der Dämonin. Wenn jemand gerne positiv dachte, dann war sie es. Jede schlechte Seite hatte auch eine gute, jeder Schatten brauchte erst einmal Licht um überhaupt da sein zu können, also war auch in dieser Lage sicherlich irgendwo ein bisschen Licht vorhanden, dass das alles erhellte und verbesserte. „Solange ich mich nicht in Staub verwandle.“; murmelte der Schwarzhaarige seiner Angestellten zu, während ein leichtes Lächeln über die blassen Lippen glitt. Genau das war die Einstellung…Lächeln, selbst wenn einem vielleicht nicht danach war…ein Lächeln befreite.
Lachend schüttelte sie den Kopf, erhob sich langsam von dem Platz, an dem Stoff des Mantels ihres Chefs zerrend, bis sich dieser endlich erhob. Ihr Blick wanderte kurz zu ihrem Zwilling, der sie nur ein stummes Nicken zuwarf, kurz den schlafenden Malik musternd.
Er konnte einem doch nur Leid tun, so leid, dass man ihn am liebsten in den Arm genommen hätte.
Sanft strich sie mit den gliedrigen Fingern über das Haar des Jungen, ehe sie sich den Vampir schnappte, schnellen Schrittes hinauseilte, dicht gefolgt von Ebony.
Draußen warf sie noch kurz einen Blick zurück. „Also irgendwie würde ich dieses Haus gerne spektakulär verlassen…mit einem BOOM oder so.“, murmelte sie leise vor sich hin, während die Beine schnellen Schrittes sich immer weiter bewegten, immer schneller Richtung nach Hause.

Es war ein langer und auch mühsamer Weg bis sie endlich das vertraute und bekannte Haus erreicht hatten, weit weg von dem ganzen Unsinn, der sie auf den Straßen umgeben hatte.
Heftig trat Ivory einige Male gegen die Tür und mit jedem Male, wo sie mit dem Bein ausholte, musste sie sich die Ermahnungen Daisukes anhören, wie er wütend versuchte sie abzuhalten die Tür kaputt zu machen, doch sie hörte nicht auf ihn, dummerweise tat sie dies selten, hatte auch einige Male die Konsequenzen spüren dürfen. Sie mochte den Vampir sehr gerne, er war anders, als viele anderen Organisationsleiter in diesem Fleckchen Land, aber dennoch konnte sie nie exakt genau das tun, was man von ihr verlangte.
Noch ein letztes Mal trat sie gegen das dunkle Holz, ehe die Tür rasch auffiel und sie in den Flur stolperte. Ein stämmiger Mann stand neben ihr, schaute sie erst grimmig an, wandte jedoch seinen Blick schnell ab, als er die beiden verletzten und vielleicht wichtigsten Männer der ganzen Brigade erkannte. „Heey, holt schnell die Heiler, wir haben hier ein Problem.“, polterte die Stimme dem Raum nebenan entgegen. Man hörte nur das rasche Stühleverschieben und viele, stampfende Füße, die sich unkoordiniert irgendwohin bewegten. Einige Männer traten herbei, schoben Ivory beiseite, halfen dem Vampir hinein. Der Türaufmachbursche schnappte sich den Engel, trug diesen schnell in den großen Salon. „Räum die Sachen beiseite.“, knurrte er der Dämonin nur entgegen.
Die Braunhaarige schaute ihn nur leicht wütend an. „Men Schätzchen, du kannst mit Frauen auch freundlicher reden.“, zischte sie nur, schmiss dennoch all die Dinge vom Tisch, die überall verteilt lagen. Kerzenständer, Spielkarten und ganz viel Schnickschnack, der nicht wichtig war, aber schön ausschaute.
Ein andere Mann kam herbeigeeilt, deckte das dunkle Holz mit einer weißen Tischdecke, auf den anschließend der Engel auf den Bauch gelegt wurde. Die Flügel knickten leicht nach unten, sahen lebloser denn je aus, sodass man traurig wurde, bei solch einem Anblick…es war sicherlich grauenvoll so etwas Schönes zu verlieren.
Ivory trat einige Schritte zurück, gesellte sich zu ihrer besseren Hälfte, zog ihre Brille nach oben auf die Stirn, sodass alles nun in den echten Farben erstrahlte, mehr oder weniger.
Der Vampir redete mit gedämpfter Stimme mit den Heilern, welche ihre Köfferchen bereits bei sich hatten und ein großes Metallgestell. Ihre Augen weiteten sich erschrocken. Wollten sie etwa Malik die Flügel absägen und durch das da ersetzen? Ivory war nie Freundin der Neuzeit gewesen und so etwas wie künstliche Flügel…in ihren Augen eine grausige Erfindung! Vorsichtig tippte sie ihre Schwester an, deutete auf das Flügelgezeugs. „Er wird sein Gefieder verlieren…“, wisperte sie nur leise, immer noch erschrocken darüber und zugleich wütend. Wütend auf dieses Weibsstück, dem der Junge das alles zu verdanken hatte. Es war eine Kunst von der Grauäugigen gehasst zu werden, denn eigentlich mochte sie jeden auf ihrer eigenen Art und Weise, doch wenn jemand einem Kind so etwas antat…der musste einfach gehasst werden.

Und schon hatten sich die Heiler weiter fortbewegt, ließen den Vampir alleine, welcher mit seinen Brandnarben sich auf seinem Sessel niederließ, nicht den Anschein machte, als wollte er geheilt werden.
Sie spritzten ihm eine seltsame Flüssigkeit in den Körper, ehe sie sein Hemd auszogen, den Pistolengürtel samt Pistole beiseite legten. Ein Mann stand an jeweils einem Flügel, hielt diesen so fest, dass sie nicht schlaff nach unten fielen, sondern aufrecht waren, aufrecht genug, sodass ein anderer Mann diese absägen konnte. Ivory konnte sich so etwas nicht ansehen, drehte ihren Kopf rasch um, die Augen zusammengekniffen.
Den Rest operierten sie raus, so lange, bis nichts mehr von den alten, prachtvollen Flügeln mehr da war. Und plötzlich war der Engel keiner mehr. Mit ruhigen Händen packten sie das Gestell, welches den Flügeln so ähnelte und dennoch so falsch aussah, federlos und einfach nur anders.
Geschickt und voller Konzentration verbanden sie das Zellgewebe, die Muskeln, all die Nerven und Arterien mit den neuen Flügeln, bis keiner der Männer diese mehr festhalten mussten, bis sie wie ein Teil des Körpers erschienen.
Schnell tupften sie das Blut aus, verbanden die einst offene Wunde, damit kein Blut mehr aus dieser drang.
Es war totenstill im Raum gewesen, nur das leise Klirren und ihr eigener Atem sowie der ihrer Schwester waren in den Ohren der Dämonin zu hören…es war fast unheimlich wie ruhig die Menschen doch sein konnten, wie das eigentlich lebendige Haus plötzlich wie ein Friedhof erschien.
Die restlichen Wunden heilten sie um einiges schneller, verbandagierten all das, was man verbandagieren mussten und ehe man sich versah, trugen sie ihn vorsichtig in sein Zimmer hinauf. Übrig blieben nur noch die Gerätschaften, die alten Flügel auf dem Fußboden und das rote Blut, das sich in das weiße Laken am Tisch gefressen hatte. Nun waren sie alle weg, bis auf den Zwillingen und Daisuke, der mit übereinanderschlagenden Beinen vorsichtig sein Gesicht ertastete, ernster denn je blickender. Ivory ahnte nicht ob er wütend, besorgt oder einfach nur enttäuscht war, zumuten konnte sie ihm alles…er war ein seltsamer Kauz, wie alle anderen eigentlich auch.

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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Fr Jul 31, 2009 10:43 pm

Was die Neuzeit doch alles an Entwicklungen mit sich brachte….Fast wie Zauberei erschien es der Dämonin, die nun schon so viele Jahre auf dieser Erde wandelte. Nie hatte sich die Menschheit so gottgleich gefühlt, nie hatte sie gedacht, allen großen Zielen so nah gekommen zu sein. Dabei lagen sie doch so falsch….War die Welt je so schmutzig gewesen? War je so viel Rauch in den Himmel gestiegen und hatte das hellblaue Tuch aschgrau gefärbt? So viel Metall und Stein, dass die wahre Schönheit verdrängte und ebenso schien es auch dem Engel zu ergehen. Ebony hatte ihn zwar ins Reich des Schlafes geschickt, hatte ihm beruhigende Bilder in die Schwärze gehaucht, und trotzdem sah das Gesicht nicht besonders friedlich aus, eher schmerzverzerrt, wie in einem Fieberwahn gefangen. Als wüsste er, was auf ihn zukam. Als wüsste er, was ihn alles erwarten würde, sobald er die Augen wieder aufschlug. Er tat ihr einfach nur Leid, die Dämonin hatte einfach nur Mitleid mit der zerbrechlichen Gestalt. Sie wusste nicht mehr genau, wie lange es her war, dass Daisuke den mageren Burschen aufgegriffen hatte, aber seitdem hatte ihn ein Großteil der Brigade gern gewonnen. Man musste auch verdammt missgünstig sein, um diesem kindlichen Gesicht Neid oder Hass gegenüber zu bringen. Immerhin hatte er härter als die meisten anderen lernen müssen was es hieß, Gehorsam zu leisten für den Vampir. So sehr, dass die Diebin eine Zeit lang angenommen hatte, es wäre nur noch furchtvoller Respekt, der den Engel hierbehielt. Doch dann musste sie immer wieder sehen, wie die goldenen Augen funkelnd aufleuchteten, wenn der Boss ihm hin und wieder etwas ausgab, wie die nagelneue Fliegerbrille, die Ivory eingesteckt hatte im Haus der Übeltäterin. Und dann dachte sie, dass der Vampir den Jungen mehr in sein steinernes Herz geschlossen hatte, als er es selbst wusste. Und dass Malik nicht nur hier war, weil er Angst vor Prügel hatte, sondern vielleicht auch weil er hoffte, dass Daisuke ihn vor eben jenem schützte, was nun passiert war. Es war schwer zu sagen, was der Vampir fühlte. Seinen eigenen Verletzungen schien er kaum Bedeutung zuzumessen, ließ sie erst den Engel behandeln.
War es eine Behandlung? Ebenso wie ihre Schwester wandte Ebony den Kopf ab, als die Knochensäge an die Flügelwurzel gesetzt wurde. Sie konnten dem Engel seine Flügel zurückgeben, aber einen Teil seiner überirdischen Schönheit, die hatten sie ihm damit genommen. In dieser Zeit war alles nur nützlich, hochentwickelt. Alles war voller Metall, voller Schrauben und glänzender Röhren, aber nichts war schön, nichts konnte dem Jungen die sanfte Anmut zurückgeben, die jetzt im eigenen Blut versank, die perlweißen Federn voller Blut. Was bekam er dafür? Diese Flügel aus Metall, die so fremdartig an dem filigranen Körper wirkten, so unpassend, so klobig. Ihr Blick huschte kurz zu dem Vampir, aber es war unmöglich zu sagen, wie ihn diese ganze Lage stimmte, das Gesicht einfach viel zu kalt, zu versteinert.
Sicherlich war es ein technisches Wunderwerk, dass sie die völlig zertrümmerten Flügel ersetzen konnten. Aber es würde den Jungen auf ewig prägen, von den Schmerzen, die er in den ersten Wochen haben würde einmal ganz abgesehen. Gab Daisuke sich die Schuld dafür, oder war er zu distanziert für so etwas? Erst als das geschäftige Klimpern der Metallgerätschaften langsam verstummte, hob die Dämonin den Blick wieder, sah zu, wie sie den unter Schmerzmittel gesetzten Engel fort trugen. Wie lange er wohl noch bewusstlos bleiben würde? Ihr wurde beinah schlecht bei dem Anblick der abgetrennten Flügel, die verloren auf dem Boden lagen, das weiße Gefieder färbte sich langsam rot, es war eine solch grässliche Symbolik…..Sie beobachtete die Heiler dabei, wie sie sich auch sporadisch um die Wunden des Vampirs kümmerten, wandte sich dann mit Trauer im Blick ab. Sie war in ihrer Funktion als Dieb für die Organisation relativ unabhängig, und niemand nahm es ihr übel, dass sie die nächsten beiden Tage bei dem Engel blieb, ihn immer wieder zurück in den Schlaf schickte, wenn er wimmernd aufschrak, nie wirklich bei Bewusstsein und doch zu wach. Es war ein Bild des Jammers, die falschen Flügel mussten unglaublich schmerzen. Irgendwann erschöpfte auch Ebony das lange Warten und Wachen, irgendwann nickte sie einfach ein.

Nur roter Schmerz war da, er zuckte durch die geschlossenen Augenlider, war überall in seinem Rücken. Was war bloß passiert? Er wusste es nicht, immer wenn er aufwachen wollte, sich aus diesem Delirium ziehen wollten, dann schickte ihn irgendetwas mit sanfter Bestimmtheit zurück. Er blieb gefangen in seiner eigenen kleinen Welt ohne irgendwelche Gewissheiten, ohne erfahren zu können, was überhaupt los war. Er wollte schreien, aber der Schlaf machte aus dem Aufgebehren stumme Schreie, die ungehört in seinen Gedanken verhallten. Was war passiert, nachdem ihm irgendetwas das Bewusstsein geraubt hatte? Er wusste es nicht mehr, seit so unendlich langer Zeit schien er nicht mehr wach gewesen zu sein. War er vielleicht tot? Nein, dann hätte er doch den Schmerz nicht mehr spüren müssen, dann hätte er sich doch nicht mehr so schrecklich schuldig gefühlt. Er hatte geredet, er hatte Ivy gesagt was sie hören wollte und damit Daisuke in Gefahr gebracht. Hatte ihn gerade in die Hände einer Dämonin gespielt, die das Feuer beherrschte. Welch grausamer Zufall. Wie hatte er reden können, wo es ihm doch im Endeffekt rein gar nichts gebracht hatte? Das war auch nicht sein Ziel gewesen, er war nie auf den eigenen Vorteil bedacht gewesen. Aber so viel konnte solch ein kleiner Körper einfach nicht aushalten. Und nun war er…..Wo war er eigentlich? Die allesumgebende Schwärze hatte ihm darauf noch keine Antwort geben können. Aber es schien ihm, als würde ihn dieses Mal nichts zurückhalten, als könne er dieses Mal aus der Bewusstlosigkeit fliehen.
Zaghaft zitternd schlug er die Augen auf, als er sich zögerlich aufsetzen wollte, zuckte scharfkantiger Schmerz durch seine Flügel. Sicher, Ivy hatte sie ihm zertreten, sie zerbrochen….Was erwartete er da anderes? Vorsichtig fuhren die Finger nach hinten, wollten nach den Federn tasten –und erstarrten. Wo eigentlich weiche Federn hätten seien müssen, stießen die Fingerkuppen auf hartes Metall. Panik begann, durch seine Venen zu fließen, als er die die Flügel zögerlich bewegen wollte, schoss heißer Schmerz durch seinen Rücken. Er stieß einen erstickten Schrei aus, starrte auf die filigranen Eisenstreben, die das ersetzten, was einst Muskeln und Knochen gewesen waren. Nur glänzendes Metall, keine herrlichen Federn, keine engelsgleiche Anmut mehr. Ein komplexes System aus Verstrebungen ersetzte die Knochen, eine feine Haut die Fläche, die durch die Federn abhanden gekommen war. Das war nicht menschlich, das war unecht und falsch. Was hatte man ihm angetan, was? Wie sollte er mit diesen Dingern frei sein können? Er wollte seine eigenen Flügel zurück, hätte diese Monster gerne ausgerissen, eine Hand schloss sich um das kühle Eisen, wollte daran zerren, er wollte das nicht haben. Er war doch ein Engel…..
Er hörte leise Schritte auf ihn zukommen, sah ein vertrautes Gesicht, konnte es aber im ersten Moment nicht zuordnen. Er schrak panisch zurück, alles was er in diesem Moment hatte war Panik und Angst, Verzweiflung und Selbsthass. Hatte er es nicht verdient, diese metallenen Ungeheuer? Dafür, dass er Daisuke im Stich gelassen hatte? Ob es nun verdient war oder nicht, er wollte diese Dinger loswerden.
„Was ist nur passiert? Wo sind….wo sind sie hin? Wo sind meine Flügel?
Die Stimme wurde zu einem zitternden Schrei, er spürte, wie ihm die vertraute Frau eine Hand auf die Stirn legen wollte. Sie war es gewesen, die ihn immer wieder in diese Schwärze zurückgeschickt hatte, sie wollte es auch jetzt tun. Mit einer hektischen Bewegung schlug er die Hand beiseite, erhob sich stolpernd, während jede Faser in seinem Körper vor Schmerz zu schreien schien. Er hörte sich selbst Worte wispern die er nicht verstand, während er seine Füße einfach laufen ließ, sie wollten ihn zu dem Arbeitszimmer des Vampirs tragen, aber der Schmerz streckte ihn auf halbem Weg im Korridor nieder. Weinend setzte er sich auf, die Hände langten nach den Metallteilen, die nunmehr ein Teil seines Körpers waren, wollten sie mit Gewalt ausreißen. Er schnitt sich die Finger blutig an den scharfen Ecken, hörte eine Stimme im Hintergrund, die Stimme der Dämonin, die leise auf ihn einredete, sich dann an eine dritte Gestalt wandte, die auf dem Flur stand und besorgt in Richtung Arbeitszimmer sah. Sie drückte den jungen Burschen neben Malik nieder, der niemanden an sich heranließ in seiner Panik, bevor sie selbst aufstand.

Hektisch schlug die Dämonin die Tür auf, war sich gar nicht bewusst, dass sie nicht angeklopft hatte. Sie konnte die Reaktion des Engels durchaus verstehen, trotzdem musste dem Trauerspiel ein Ende gesetzt werden. Nur fand niemand einen Draht zu dem Jungen, der in seiner Panik einem angeschossenen Tier glich. In der Hand hielt Ebony eine Spritze, in dem Kolben glänzte farbloses Schmerzmittel, das Malik dringend hätte gebrauchen können. Kurz nur murmelte sie eine Entschuldigung für die unerlaubt geöffnete Tür, bis jetzt hatte außer einem der anderen Rebellen niemand mitbekommen, was passiert war. Die graubraunen Augen richteten sich fest auf den Vampir.
„Der Kleine ist aufgewacht, aber er steht völlig unter Schock. Er….er lässt einfach niemanden an sich ran, dabei wäre die hier“, sie winkte kurz mit der Spritze, „ bitter nötig.“
Eiligen Schrittes trat sie zurück in den Flur, wusste, dass Daisuke ihr folgen würde, warum auch nicht? Alle hatten darauf gewartet, dass Malik wieder wach wurde, auch wenn keiner erwartet hatte, dass der Kleine so panisch reagieren würde, aber wer konnte es ihm verübeln?
„Vielleicht kommst du an ihn ran?“
In der Stimme klang so viel Besorgnis mit wie schon lange nicht mehr, sie sah, wie der Engel zitternd weinend an den Metallflügeln zerrte und sich damit nur selbst Schmerzen zufügte, es riskierte, dass die Wunde wieder aufriss, die doch mühsam wieder anfing zu verheilen.

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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Sa Aug 01, 2009 6:18 pm

Es waren Tage vergangen, viele hatten den unangenehmen Vorfall bereits vergessen, weil Daisuke nicht wollte, dass sich alle dadurch abschrecken ließen. Das Haus war mittlerweile voller Leben, alle gingen dem nach, dem sie nachgehen mussten und auch der Vampir war wieder dabei sich um seinen Job zu kümmern, wenn auch mehr in den Gedanken versunken, als anfangs gedacht.
Es machte ihn wütend und verwirrt zugleich, dass er selbst nichts gegen eine Frau anrichten konnte, eine Frau, die so unbedeutsam und unwichtig war, dass es fast schon peinlich war. Elendes Feuervieh…Daisuke hasste das Feuer, nicht nur, weil es ihn auslöschen konnte, nein, es war einfach widerlich, es war zu warm, es breitete sich zu schnell aus, wie eine Krankheit.
In den Tagen hatte er selten den Jungen besucht, wachte nicht mehr auf dem alten Sessel um zu warten, bis er endlich wieder erwachte…diesmal war er in seinem Arbeitszimmer eingesperrt, ließ keinen an sich heran und sprach nicht einmal mit jemanden. Es war absurd, dass ihm der kleine Engel leid tat, dass es ihn auf irgendeiner Art und Weise nicht geheuer war, das alles und irgendwo war es schon traurig, dass das Kind nun diese künstlichen Flügel besaß, welche noch nicht einmal komplett waren, dessen grobes Gestell nur zu sehen war, kupfern im schwachen Licht glänzte, federlos und unwirklich, doch die anderen waren hinüber, das musste jeder hier einsehen, so unschön es auch sein mochte, aber das gehörte nun mal dazu, wenn man hier arbeitete, wenn man nicht ein einfacher Bürger war, mit einem einfachen Beruf und mit einem vielleicht etwas einfacherem Leben, als dieses hier…sie alle hatten es sich so ausgesucht, da musste man mit Verlusten klarkommen…hatte man doch auch keine andere Wahl, als sich mit ihnen vertraut zu machen.
Ein leises Seufzen entwich seiner Kehle, die eiskalte Hand fuhr kurz über die Wange. Sie war wieder verheilt, er hatte nicht einmal zwei Tage gebraucht, bis alles wieder so wie früher war…nichts wies mehr auf die Brandnarben auf, als wären sie nur eine kurze Illusion gewesen und irgendwo waren sie es auch…alles erschien in seinem Inneren so unwirklich, viel zu plötzlich, das er manchmal das Gefühl hatte zu träumen ohne auch nur je die Augen geschlossen zu haben, ohne auch nur je geschlafen zu haben.
Daisuke wurde gestört, als er den Krach über ihm vernahm, aus dem Zimmer des Engels. Grimmig wandte sich der Blick kurz hinauf, während die Ohren zuhörten. Er war wach…nach so langer Zeit wo ihn eine der Zwillinge ständig in den Schlaf geschickt hatte, während die andere im Hause herumgeisterte und nur die anderen Männer von der Arbeit ablenkte indem sie sie mit ihrem Körper ärgerte. Daisuke ließ diesmal diese kindischen Spielereien zu, es war ihm im Grunde schlichtweg egal, solange sie anschließend das machten, wozu sie nützlich waren, außerdem wäre es zu öde gewesen, würden alle das tun, was er ihnen sagte..auch der Vampir brauchte manchmal was zu tun, einen Grund sie anzuschreien, was er in letzter Zeit sehr gerne machte.
Er hörte Stimmen, er hörte Schritte, er hörte immer näher kommende Schritte und dann- war auch schon die Tür seines Zimmers weit offen und niemand anderes als Ebony stand da. Die schwarzen Augen drehten sich zu ihr um, musterten sie eine Weile, während er ihr schweigend zuhörte. Aufgewacht…
Ein leises, kehliges Lachen entwich seiner Kehle, ehe sich der Körper langsam vom Stuhl erhob. Er folgte der Dämonin in den Flur, hörte ihr weiter zu, lachte anschließend leise auf. „Als würde ich ihn irgendwie beruhigen können…“, murmelte er nur leicht amüsiert und ernst zugleich, er war sich der Lage bestens bewusst, verstand auch, was mit dem Kind los war, doch er war da auch keine besondere Hilfe.
Er war kein Zauberer, nicht sein Vater, nicht sein bester Freund oder sein Bruder…er war sein Chef, er könnte nichts gegen seine Panik und seinem Wahnsinn, der gerade aus ihm herauskam, anstellen…im Grunde könnte er ihm nur befehlen wieder ins Bett zu gehen und das war’s. Daisuke war nicht der Emotionalste hier, da hätte die Reinigungskraft bessere Chancen gehabt ihn wieder zu beruhigen aber gut, er konnte es versuchen.
Mit langsamen Schritten stolzierte er auf die Engelsgestalt zu, blieb einen Moment stehen, betrachtete die fremden Flügel…ja, selbst er musste sich noch an diese Dinger gewöhnen, sie waren nun einmal anders gewesen.
Anschließend näherte er sich dem Jungen, schickte den Mann neben ihm mit einer Handbewegung weg. „Danke, du kannst nun wieder gehen.“, sagte er nur, während sich die Statur des Schwarzhaarigen neben Malik hinkniete, ihn prüfend betrachtete.
„Hör auf an den Dingern zu reißen, du machst es nur noch schlimmer.“, sagte er leise, betrachtete ihn weiter, wartete darauf, dass er endlich seine Hände sinken ließ, doch er tat es nicht. Er verharrte weiter in seiner Position, als wäre dies der beste Weg gewesen, der es definitiv nicht war. „Hör zu…du tust dir weh, sehr sogar. Willst du etwa, dass die Heilung deiner Wunden ganz umsonst war? Willst du eine weitere Woche im Bett liegen, unfähig auch nur aufzustehen? Jetzt lass endlich los!“ Die Hände des Vampirs wanderten zu denen seines Schützlings, welche er mit etwas Gewalt von den Metallfllügeln riss. Sie waren blutig, tropften auf seine Kleidung, doch das war egal. „Siehst du…das ist doch nicht schön.“, murmelte er leise, während seine Augen weiterhin die Wunden betrachteten. „Verluste gibt es hier oft genug, Malik. Das weißt du sehr gut, du hast den Verkäufer gesehen, wo wir dir die Brille gekauft haben, du hast die Männer hier gesehen, wir alle verlieren hier etwas und jetzt lass gut sein.“ Ein schwaches Lächeln glitt über die blassen Lippen des Unsterblichen, während seine Hände langsam von denen seines Laufburschen abließen, diesen vorsichtig umarmte. Vielleicht war dieses Kind ihm ja doch wichtig geworden…wie ein eigenes Kind, auf das er aufpassen musste. Vielleicht hatte er ihn tatsächlich in sein Herz geschlossen, ihn so sehr lieb geworden, dass er genug Gefühle besaß sich um ihn zu kümmern, besser als um einige andere Leute hier. Die kalte Hand strich kurz über das rotblonde Haar des Jungen, während sein Blick kurz zu Ebony wanderte, nickte kurz, dass sie nun das Schmerzmittel dem Engel injizieren konnte. „Das wird schon wieder, Kleiner…das wird wieder, du wirst dieses Gestell bald nicht mehr sehen können.“ Denn bald würden Federn dieses verstecken und dann…dann glichen sie zumindest dem eigentlichen Gefieder und so schwer es auch zu verstehen war…so war es nun einmal, der Lauf der Dinge hatte sich verändert, sie alle mussten nun mit dem zurechtkommen, dass es Dinge gab, die andere Dinge leicht ersetzen konnten und das musste auch ihm klar werden, eine andere Wahl gab es eben nicht.

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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Sa Aug 01, 2009 10:16 pm

Er fühlte sich schwach, so unendlich schwach. Er hätte es einfach tragen, ertragen müssen, aber das war leichter gesagt als getan. Es war nicht einfach, sich so einfach von der Erinnerung an richtige Flügel zu lösen, es war nicht einfach. Und er war schon lange nicht mehr so organisiert und kalt wie er es einst gewesen war, er hatte es irgendwann einfach vergessen, hatte sich treiben lassen. Denn es war so viel einfacher schwach zu sein, man konnte von der Kraft anderer zehren, so hatte er es jedenfalls früher immer gehalten. Und heute musste es wohl oder übel wieder so sein, Malik war einfach noch viel zu benebelt, viel zu geschockt von dem Anblick der Eisenflügel, um sich von selbst wieder zu beruhigen. Vielleicht wollte ein Teil in ihm sich ja verletzen, sich tief in die Hände schneiden. Dieser kranke, wahnzerfressene Teil in ihm, der schon lange schlummerte. Doch es war nie ein besonders tiefer Schlaf gewesen, immer schien es ein Auge offen zu haben, immer schien es wachsam zu sein, wartete auf einen schwachen Moment. Einen Moment, in dem der Engel angreifbar war und dann pflanzte es ihm die dunklen Bilder der Vergangenheit in den Schädel, auf dass der Engel nichts mehr tun konnte außer die Zügel abzugeben. Und dann geschahen schreckliche Dinge…..
Auch jetzt spürte er dieses altbekannte Gefühl in ihm aufsteigen, die Angst vor diesem zweiten Ich ließ das Blut nur schneller durch seine Adern fließen, ließ ihn blind und taub werden. Er hörte die Schritte nicht, die sich langsam auf ihn zubewegten, hörte die Worte im ersten Moment nicht. Erst als die Hände grob von den Metallflügeln fortgezogen wurden, sah er auf, sah in das bleiche Gesicht des Vampirs. Die ganze Zeit über war da der Schmerz in den Flügeln, der sich einfach nicht ausblenden ließ. Er raubte ihm sein klares Denken, ließ ihn die Worte nicht entziffern, die Daisuke ihm sagte. Erst als er ihn leicht in die Arme schloss, fuhr ein Hauch von Ruhe durch den Körper, der ihn tief einatmen ließ. Ungeachtet des stechenden Schmerzes krallten sich die Hände in die Kleidung des Mannes, er wollte nicht, dass er losließ.
Ebony hatte goldrichtig gelegen mit ihrer Vermutung, denn der Engel vertraute niemandem so sehr wie dem Vampir. Dabei hatte er ihm oft genug wehgetan, und doch…..Doch ließ er die Tränen langsam in die Kleidung des Vampirs fließen, während er sich an ihn klammerte. Vermutlich hatte er vollkommen recht, es gab viele, die für die Organisation einiges mehr gelassen hatten, aber für den Engel hatten die Flügel auch einen großen symbolischen Wert gehabt. Diese Ungeheuer aus Metall zwangen ihn einfach, endgültig in dieser Welt anzukommen, sie endgültig zu akzeptieren. Dabei hatte er so lange versucht vor ihr zu fliehen, wie wohl so viele alte Wesen. Und dennoch, dem Lauf der Zeit konnte wohl nicht einmal der entfliehen, der sie kontrollierte. Noch immer zitterte die kleine Gestalt unter den Schmerzen, die auf dem Körper lasteten, den Kopf an der Schulter des Vampirs sah er nicht die Gestalt, die vorsichtig näher trat. Er hörte sie nicht, reagierte zu spät, als ein leichter Stich durch seine linke Schulter schoss. Er blickte ruckartig auf, sah die Dämonin neben ihm knien, mit einer Spritze in den schmalen Händen. Der Kolben war kaum ganz geleert, als dem Engel langsam die Augen zufielen und die Gestalt leblos zusammensank, der Atem ruhig und flach hatte sich die Wirkung des Beruhigungsmittels schnell entfaltet. Eine Weile noch kämpfte Malik noch gegen die betäubende Wirkung an, die Augen sahen glasig in das Gesicht Daisukes, bevor sie endgültig zufielen.
Man brachte den Engel zurück auf sein Zimmer, wo er für weitere zwei Tage ruhig gestellt wurde. Damit er schlief und sich erholte, damit der Schmerz ihn nicht wieder zu solch einer Überreaktion trieb wie beim letzten Mal. Denn das wollten alle vermeiden, es tat allen einfach nur weh, die grenzenlose Verzweiflung des Engels zu sehen. Sicherlich verloren genug Männer in der Organisation hin und wieder Körperteile, aber das war der springende Punkt.
Es waren Männer.
Nicht zerbrechliche, nur noch allzu kindlich wirkende Gestalten. Als Malik am dritten Tag wieder wach wurde, waren die Schmerzen immer noch nicht verschwunden. Sie pochten nur dunkel im Hintergrund, lauerten bis die Wirkung des Schmerzmittels nachließe, das man ihm immer noch verabreichen musste. Es war ein furchtbar langsamer Heilprozess, doch bis jetzt verlief er einigermaßen gut. Immerhin hätte sich die Wunde nach Maliks Panikattacke auch wieder entzünden können, aber das war dem Jungen glücklicherweise erspart geblieben. Nun saß er schon seit geraumer Zeit aufrecht im Bett, den Blick verloren ins Nichts gerichtet, versuchte nicht an die Metalldinger auf seinem Rücken zu denken. Man würde sie mit neuen Federn verkleiden, sodass man das skelettartige Gerüst nicht mehr sehen musste. Feingliedrig wie ein Spinnennetz aus Eisen…..
Auch Ebony hatte mittlerweile keine Zeit mehr gehabt, Tag und Nacht über den Jungen zu wachen, sodass die Heiler die einzigen gewesen waren, die den Engel regelmäßig zu Gesicht bekommen hatten, um ihm immer wieder neue Spritzen zu verabreichen, die die Augen des Himmelswesens glasig werden ließen, den scharfen Schmerz aber für ein paar Stunden verscheuchten, damit er schlafen konnte. Wenigstens hatten sie langsam die Medikamente abgesetzt, die den Laufburschen sofort in einen tiefen Schlaf fallen ließen und so wirkte der Engel mittlerweile nur noch etwas geschwächt, als er sich zögerlich erhob, einen Fuß vor den anderen setzend, als wüsste er nicht, ob sie ihn tragen würden. Ein zaghaftes Klopfen an der Tür zu Daisukes Arbeitszimmer, dann steckte er den Kopf durch den schmalen Türspalt. Unsicher trat er in den Raum, in dem er sonst den Großteil seiner Zeit verbrachte, lesend auf dem Boden sitzend. Der Vampir sah auf, als der Engel eintrat, die Flügel ließ er meist so weit wie möglich hängen, um sich so wenig wie möglich anstrengen zu müssen, denn noch sollte er sie möglichst wenig bewegen. Auch mit der Federverkleidung würde man noch gut eine Woche warten müssen, weshalb die vielen Metallteile jetzt bei jeder Bewegung mit einem leisen Geräusch aneinander stießen. Gerade so hoch konnte Malik die Flügel heben, dass sie nicht über den Boden schliffen. Unbeholfen blieb er in der Mitte des Raumes stehen, den Kopf gesenkt. Wenn die Heiler wüssten, dass er hier war, würden sie ihm vermutlich den Kopf abreißen, aber das war ihm im Moment egal.
„Es tut mir Leid….wegen dem Ausraster vor ein paar Tagen….Ich sollte es einfach hinnehmen….“
Die Stimme des Engels war leicht schleppend, was an den Medikamenten in seinem Körper lag. Auch jetzt wollte er sich eigentlich lieber hinlegen und sich weiter ausruhen, aber es lag ihm einfach am Herzen, sich für diesen Ausfall zu entschuldigen. Was brachte er sich auch ständig in solche Situationen? Der Vampir hatte doch von ihm erwartet, dass er in dieser Zeit stark war, und doch konnte Malik es einfach nicht. Er hob leicht den Kopf, in den Augen stand leicht glasige Leere. Er sollte eigentlich gar nicht hier sein. Eigentlich, eigentlich……
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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   So Aug 02, 2009 1:55 am

Und weitere Tage waren vergangen, in denen Daisuke alleine unterwegs war, nur selten mit den anderen ein Wort wechselte oder gar jemanden darum bat ihn zu begleiten- viele der Rebellen waren einfach unqualifiziert gewesen oder ihr momentaner Posten war einfach zu wichtig um auf diesen zu verzichten oder ihn durch irgendwelche Fremdlinge zu ersetzen, so konnte er eigentlich nur darauf warten, dass sein kleiner Laufbursche wieder zu Kräften kam. Mittlerweile waren auch die beiden Dämonengeschwister wieder mit den Dingen beschäftigt, für die sie eigentlich auch da waren. Daisuke selbst hatte Malik nur kurz besucht, irgendwann in der Nacht, als er tief und fest schlief, was auch gut so war.
In der Zeit seines Schlummerns hatte er selbst genug um die Ohren gehabt. Er musste neue Finanzen herbeischaffen und endlich wieder Nahrung zu sich nehmen, die er viel zu oft verweigert hatte und seine Brandwunden wieder erscheinen ließ. Auch musste er sich Gedanken um Malik machen, sehr viele Gedanken. Vielleicht war das alles nichts für ihn, vielleicht müsste Daisuke ihn gehen lassen, ihm ein Stück Land schenken, wo er sich austoben konnte…es wurde zu gefährlich. Jetzt, wo die meisten Organisation durch die Massenexekution so viele wichtige Leute verloren hatten, brach ein Aufstand aus und wieder einmal wurde Daisuke für alles verantwortlich gemacht, er war schließlich der Einzige, der das Massaker überlebt hatte und irgendwie es geschafft hatte zu entkommen…wenn sie nur wüssten, dass selbst er es nicht alleine gemacht hatte, das er unerwartete Hilfe bekommen hatte, von jemandem, den er vielleicht nie wieder zu Gesicht bekommen würde. Doch das alles änderte nichts, harte Zeiten waren ausgebrochen, alle wollten ihren Untergang, nicht nur aus Angst um ihren eigenen Untergang, sondern auch aus Rache, weil man sonst nirgends Revenge zeigen konnte…da war auch noch dieses Feuerweib, das ihnen dicht auf den Fersen war, die vielleicht nun wütend oder gar fluchen durch die Stadt irrte und nach ihnen suchte, alles um sich herum zerstörte, was auf ihre Fragen keine Antwort wusste. Unberechenbares Biest.
Ja…vielleicht wurde es einem Kind viel zu viel, vielleicht war er wirklich noch nicht für all das geschaffen gewesen, wenn ihn doch schon solch ein Verlust fertig machte. Wie schlimm würde es um ihn stehen, wenn er noch etwas verlieren würde?
Es war zum Durchdrehen, Daisuke wusste nicht mehr was nun richtig und was falsch war, wusste nicht, was er tun sollte, ob sie allesamt auswandern sollten oder ob sie alle zerstören sollten…denn wie es aussah hatten sie keine andere Wahl mehr.
Drei Tage waren vergangen und genau in den drei Tagen kam auch der Ärger, aus allen Richtungen. Sie verloren Männer, die seelenruhig durch die Gassen wanderten und aus allen Ecken plötzlich erschossen wurden. Piloten wurden in ihren eigenen Maschinen verbrannt. Wütend schmiss Daisuke sein Grammophon um, das nach einigen Stunden wieder ersetzt wurde und dastand, als wäre es nie kaputt gewesen.
Und erneut zweifelte der Schwarzhaarige daran, dass es für seinen Schützling gut war hier zu bleiben, doch zweifelte er ebenso stark daran, dass er weg wollte, alleine irgendwo verweilen wollte, so musste jemand her, ein Begleiter, jemand, der Acht auf ihn gab, wenn Daisuke keine Zeit hatte, wenn er weg war, denn eins stand sicher fest- er würde sich nicht mehr so oft um ihn kümmern können, nicht mehr.

Drei Nerven raubende Tage hatte er hinter sich gehabt, in denen er am liebsten fortgegangen wäre und tatsächlich, so etwas könnte er…er könnte all das hier stehen lassen, weggehen und nie wieder zurückkommen, doch hatte er so etwas wie ein Gewissen, eine Moralvorstellung und wollte nicht den Leuten genau das antun, was er selbst einst erleiden musste, als er nach Hause kam und der Mensch, den er lieb gewonnen hatte, nicht mehr da war, verschwunden war, einfach so abgehauen, als wäre es egal, was man daließ.
Müde wanderten die Augen zur Tür, als an dieser angeklopft wurde…nur einmal hatte man ihn in den letzten Tagen gestört und das nur, weil es bitternötig war und jetzt…wer auch immer das war, er störte ihn gerade.
Die Augen weiteten sich etwas, als er das bekannte kindliche Gesicht des Engels betrachtete. Er war überrascht, dass er schon wieder wach war und ohne große Probleme gehen konnte. Wortlos hörte er ihm mit ernster Miene zu, ehe er begann leise zu lachen und dieses sogleich auch wieder verstummen ließ. Er war nie ein Freund des Gelächters gewesen.
„Du brauchst dich deswegen nicht zu entschuldigen...es gibt kaum jemanden, dem es nicht genauso ergangen wäre wie dir. Es ist alles in Ordnung.“, sagte er nur, schwach lächelnd, während sich der blasse Körper vom bekannten Stuhl erhob und langsam auf Malik zuging. Vielleicht war es gelogen, dass alles in Ordnung war, doch davon musste der Junge jetzt nichts mitbekommen, er hatte später genug Zeit um sich ebenso viele Sorgen machen zu können, wie sein Vorgesetzter es gerade tat, aber im Moment brauchte er nur eine Sache- Ruhe.
Der Vampir legte sanft seine Hand auf die Schulter seines Laufburschen, klopfte kurz auf diese, eher sie wieder sinken ließ. „Dir scheint es besser zu gehen, was? Nun…dennoch solltest du gleich wieder in dein Zimmer, aber vorerst…“ Er drehte ihm kurz den Rücken zu, schnappte sich den kupfernen, verzierten Hörer der Sprechanlage, die auf seinem Tisch stand, drehte im sehr schnellen Tempo an einigen Zahlen, ehe er auch schon zu sprechen begann. „Ja, er kann herkommen.“, sagte er nur knapp, ließ anschließend den Hörer wieder fallen, sich erneut zum Engel drehend. Daisuke seufzte leise; wusste doch gar nicht ob seine Idee die Beste war, wenn sie auch um einiges besser war als die anderen. „Hör zu. Ich hab dich lieb gewonnen in der Zeit, wo du hier lebst und mich ständig begleitest. Bis jetzt habe ich mich oft gerne um dich gekümmert, aber die Zeiten sind hart geworden…härter als du dir vorstellen kannst.“, er machte eine kurze Pause, betrachtete das Gesicht des Jungen eine Weile, ehe er fortfuhr. „Und da fällt es mir ausgesprochen schwer ständig auf dich aufzupassen. Ich werde nicht immer da sein können und weil ich dich so lieb gewonnen habe, habe ich beschlossen dir einen Begleiter zu geben, einen, der auf dich aufpasst, wenn ich es nicht kann…er ist, ein ganz netter Junge.“ Kaum hatte Daisuke seine Worte ausgesprochen, wurde die Tür rasch aufgeschmissen. Eine Gestalt trat schnellen Schrittes in das Zimmer hinein, auf den Lippen ein freundliches Lächelnd, als er näher zu ihm trat. Es war ein junger Mann, mit strubbeligem Haar und einer hakenförmigen Nase, die anscheinend auch einige Male gebrochen war. Sein grünes Auge schimmerte leicht, währen das andere, metallische Auge mit der roten Pupille die Statur des Engels fixierte. Der Mann erschien wie halb Mensch halb Maschine. Mit seinem kurzärmeligen Hemd konnte man sehr gut einen Blick auf den Metallarm werfen, der von der Größe und Breite her gut dem anderen glich, jedoch von der Funktion nahezu einzigartig und unmenschlich erschien. Das halb von kupferfarbenen Metall verdeckte Gesicht erschien unbeschwert und fröhlich…kaum zum Aussehen passend.
Auf dem Strubbelkopf schimmerte eine alte Pilotenbrille, welche bereits ziemlich mitgenommen ausschaute, wie der Mann selbst. „Das hier, Malik, ist dein Begleiter. Sein Name ist Jonathan und er ist…Pilot.“


Eigentlich war Jon selbst sehr damit beschäftigt sein altes Prachtstück auf Vordermann zu bringen, die gute alte Lucy wieder zum Glänzen zu bringen, nachdem sie so viele Unfälle in letzter Zeit hinter sich hatte, genauso viele wie ihr menschliche Besitzer. Doch aus dem netten Wochenendurlaub mit ihm und seinem Baby…daraus wurde dann doch nichts. Spätestens dann, als die bleiche Gestalt des Vampirs in seiner Werkstatt stand und alles grimmig betrachtete und ihn anschließend darum bat einen Gefallen für ihn zu tun. Daisuke hatte ihm zu vielem verholfen, dank ihm besaß er sein eigenes Flugzeug, seine eigene Werkstatt und seine eigenen Arbeiter, die Dinge für ihn machten und auch mal die Fluggeräte anderer reparierten, was ordentlich Geld in die Kasse brachte und genug Geld um schöne Ersatzteile für sein Lieblingsstück zu beschaffen. Und auch wenn er kaum noch für den Blasshäutigen arbeitete, willigte er stets ein, wenn es um einen Gefallen ging, den er für ihn erfüllen konnte. Und dieses Mal war es ein ganz interessanter Auftrag, fast schon amüsant. „Engel?“ Ihm war nie aufgefallen, dass sie nun einen Engel in der Rebellenbrigade hatten, dabei kannte er die meisten, war mit genügend Damen und Herren befreundet.
Der Engel hatte im falschen Moment einen Teil seines Körpers verloren, in der härtesten Zeit, wie man ihm erklärt hatte und er schien ein wichtiges Wesen in der Welt des Vampirs zu sein, sonst würde er keinen Aufpasser für ihn suchen, noch dazu so jemanden wie Jonathan einer war. Jonathan war ein waghalsiger Mann, jemand der seit Kindertagen nur eines im Kopf hatte- fliegen. Er wollte immer bis ins Weltall fliegen, wollte immer etwas haben, was ihn in die Lüfte tragen konnte und als er sechzehn war, da wurde sein Traum in Erfüllung gebracht. Zum ersten Mal durfte er mit einem Fluggerät fliegen und dann, dann war er nicht mehr aufzuhalten. Bekam doch schnell seine eigene Maschine, mit der tagtäglich in die Lüfte flog, die Wolken begrüßte und jeden noch so möglichen Blödsinn anstellte und die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Das eine Mal hatte er einen Absturz, bei dem er sich den Arm zwischen Baum und einen Teil der Maschine einklemmte..er war hinüber und er war gerade mal 18 gewesen. Das zweite Mal war es sein Gesicht…es ätzte weg, als er gegen einige Wesen von der gegnerischen Organisation kämpfte und die anderen unzähligen Male wurde er einfach getroffen, stürzte ab, machte Dinge, die er nicht machen sollte. Mehr als die Hälfte seines menschlichen Körpers waren hinüber, waren nur noch Blech, das eigentlich recht nützlich wurde…von Zeit zu Zeit. Und vielleicht würde das selbst der Engel eines Tages merken…dennoch verstand er ihn nur allzu gut.
Jonathan verharrte die Tage über in diesem riesenhaften Haus, nervte alles und jeden um ihn herum, polierte mehr als nur oft seine Brille, bekam von einer Dämonin die neue Brille des Kindes, die er am liebsten behalten hätte, doch das Weib hatte ihm oft genug gesagt, dass er sie gefälligst Malik geben sollte, sonst würde sie ihm die restlichen Körperteile mit Hilfe von Gift wegätzen und das wollte er nun wirklich nicht.
Gelangweilt saß der Blonde auf einer Couch im großen Salon, schaute sich die antiken Gemälde an, die die Wände des Raumes schmückten. Was dieser Vampir nur an all diesen Sachen toll fand. Das ganze Haus war immer mit all dem Mist geschmückt, der zwar irgendwo hübsch war, doch nur die reinste Geldverschwendung. Sie hatten selbst einen Waffenraum, der nie benutzt wurde…am liebsten hätte er ihn sich angesehen, wusste jedoch sehr gut bescheid, wie es ihm ergehen würde, würde er auch nur die Türklinke anfassen. So reduzierte er seine Möglichkeiten ein wenig und wanderte im Hause umher, kommunizierte mit jedem hier, der dort lebte. Und genau heute sollte die Langeweile ein Ende nehmen.
Eine junge Frau betrat den großen Raum, schaute sich kurz um, ehe der Blick an ihm kleben blieb. Sie lächelte schwach. „Du wirst vom Chef erwartet.“, schnurrte sie ihm freundlich zu. Jonathan grinste leicht, ließ sich doch von dem Weib nichts zweimal sagen und folgte ihr auch sogleich, den blick starr auf sie richtend, musterte ihren Körper mit seinem falschen, dennoch viel besseren Auge, das einfach alles fixieren konnte. Vor der Tür des Arbeitszimmers blieb die Schönheit anschließend stehen. „Ich danke dir.“, sagte er nur lächelnd, ehe die Frau schnellen Schrittes sich auf dem Weg machte.
Der Grünäugige betrachtete die Tür kurz, ehe er mit seiner Hand die Klinke umgriff und den Raum betrat. Er erkannte die bereits bekannte Statur des Vampirs, trat noch einige Schritte auf ihn zu, blieb anschließend neben ihm stehen, während die Augen die andere Gestalt betrachtete. Das war also der Junge, von dem der Vampir gesprochen hatte…er wirkte so jung, so kindlich, wie ein kleiner Bruder.
Jonathan lächelte ihm freundlich zu, reichte ihm die echte Hand. „Freut mich…musst also der Malik sein.“, sagte er nur freundlich.
Nun…beschäftigen könnte er den Jungen auf jeden Fall, er hatte genügend Dinge in seinem Heime, die das Kind wenigstens von seinen künstlichen Flügeln ablenken könnten und er könnte ihn auch von den anderen Dingen ablenken, den Dingen, die Daisuke beunruhigen…den unschönen Dingen, den Unschönes hatte er anscheinend genug in letzter Zeit gesehen.

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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   So Aug 02, 2009 11:04 pm

Sollte das wirklich alles sein? So lange hatte er beinah jeden Tag mit dem Vampir verbracht und nun wollte er die Verantwortung einfach abgeben? Was war passiert in den Tagen in denen er bewusstlos gewesen war? Beinah eine Woche war die Welt um ihn herum einfach weitergegangen, kein Stillstand, das Leben hatte sich weiter einen Weg durch die Ritzen der Zeit gesucht. Es hatte nicht gewartet auf die Gestalt die zumeist alleine vor sich hin dämmerte. Hatte er etwas falsch gemacht? Die goldenen Augen starrten mit tiefer Verletztheit in das bleiche Gesicht des Dämons, wollten nicht hören was er sagte. War es, weil er nicht hatte schweigen können? Weil er geredet hatte, als man ihm Druck ausgesetzt hatte. Er hatte Daisuke damit in Gefahr gebracht. Wollte er ihn deshalb nicht mehr so nah bei sich haben? Die schmale Gestalt zitterte leicht, er war im Moment nicht besonders aufnahmefähig, noch immer war er so schrecklich geschwächt. Er spürte beklemmte Angst in sich aufsteigen, aber er schwieg, schwieg einfach. Was hätte er dazu denn auch sagen sollen? Daisuke würde sich kaum umstimmen lassen, dafür hatte er diese Entscheidung sicherlich gut genug überdacht. Trotzdem tat es Malik weh, es stach mit hunderten von kleinen Nadeln in sein Herz. Er ließ den Kopf sinken, damit der Vampir die Tränen nicht sah, die langsam in ihm aufstiegen. Er hatte sich wohl zu fügen, auch wenn es ihm so unendlich schwer fiel. Die rotblonden Strähnen verdeckten das blasse Gesicht, verdeckten die glasig verschwommenen Augen, er sah zuerst nicht auf, als die Tür sich öffnete und jemand eintrat.
Jonathan, ein Pilot….Sicherlich war der Mann ein netter Zeitgenosse, sicher hatte er verdient, dass Malik ihm eine Chance gab, aber es fiel ihm so unglaublich schwer, ihn auch nur anzusehen. Die leicht geröteten Augen konnte man auch leicht auf die Schmerzen des Engels schieben, weshalb er sich nur hastig die verräterisch glitzernden Spuren aus dem Gesicht wischte, bevor er dem Mann vor sich die Hand schüttelte.
Gegen Jonathan waren seine zu ersetzenden Flügel wahrlich ein Pappenstiel, er fragte sich, ob er mit so viel Metall überhaupt noch als Mensch durchging, oder doch eher als Blechhaufen. War es Zufall oder gewollt, dass der Vampir ihm gerade den Piloten an die Seite gestellt hatte? Was war dann überhaupt noch seine Aufgabe? Dann konnte er doch nicht weiter als Laufbursche arbeiten. Der Gedanke schnürte ihm die Kehle zu, als er gerade zu einer Antwort ansetzen wollte. Er mochte diese Aufgabe, er wollte sie nicht abgeben, er wollte diesen Lebensabschnitt nicht einfach hinter sich lassen. Ruckartig sah er wieder zu Boden, bevor jemand die Tränen sehen konnte, die abermals über seine Wangen flossen.
Bevor er peinliche Stille ertragen musste, klopfte es energisch an der Tür, der Mann, der seinen Kopf durch die Tür steckte, war einer der Heiler, die den Engel behandelten. Als er die dürre Gestalt im Raum stehen sah, verfinsterte sich sein Blick schlagartig, aber aus der Stimme war sanfte Erleichterung zu hören.
„Hier steckst du also…..Du weißt ganz genau, was passiert, wenn die Wirkung des Schmerzmittels nachlässt, und du bist noch längst nicht gesund genug, um hier herumzulaufen.“
Mit hastigen Schritten trat der bärtige Mann neben den Engel, warf den anderen beiden einen entschuldigenden Blick zu. Er hatte die Tränen des Engels gesehen, deutete sie aber eher als das Produkt körperlicher Zerschlagenheit. Flink zog er eine Spritze aus der Tasche, und bevor der Engel den Arm zur Seite ziehen konnte, hatte er schon die spitze Nadel darin versenkt. Malik war es bereits gewohnt, sein Oberarm sah mittlerweile aus wie ein Nadelkissen. Aber die klare Flüssigkeit war alles, was die pochenden Schmerzen zu vertreiben mochte und dem Jungen die Ruhe verschaffen, die er brauchte. Schnell trat die erschöpfte glasige Leere wieder in die goldenen Augen, der Heiler legte ihm vorsichtig eine Hand auf die Schulter und schob ihn zur Tür.
„Ihr entschuldigt, wenn ich ihn so einfach wieder mitnehme, aber er ist noch nicht soweit, dass er schon wieder herumlaufen könnte.“
Malik drehte den Kopf noch einmal um, starrte traurig auf den Vampir. Was war bloß los, dass er ihn nicht mehr bei sich haben wollte? Der Engel verstand einfach nicht, doch bevor sein benebelter Geist zu einer Frage ansetzen konnte, hatte ihn der Heiler schon aus dem Raum herausgebracht. Müde ließ er den Kopf hängen, auch wenn die Medizin langsam schwächer wurde, machte sie ihn immer noch so verdammt schläfrig. Er konnte sich nicht wirklich daran erinnern, wie er zurück in sein Zimmer, zurück in sein Bett gekommen war, doch als er am nächsten Morgen erwachte, war das Kissen nass von Tränen, geweint im Schlaf. Aus Unverständnis, aus Angst und aus Schuld. Diese widerliche rothaarige Dämonin hatte ihm alles genommen, einfach alles. Sie hatte ihn für beinahe zwei Wochen ans Bett gekettet, lange Wochen, in denen er ständig mit irgendwelchen Medikamenten vollgepumpt worden war, weil der Schmerz der ersetzten Flügel sonst zu groß geworden wäre. Und nun würde er heute nicht mit dem Vampir losziehen. Nicht in seinem Auftrag handeln….Einige Tränen rannen abermals über die blasse Wange, die Knie an den Körper gezogen saß er einfach da, der Schlaf wollte ihn nicht wieder zu sich nehmen. Heute würde er den Tag bei seinem „neuen Begleiter“ verbringen, in dessen Werkstatt. Nicht wie sonst bei Daisuke, lesend darauf wartend, dass er ihm eine Aufgabe erteilte. Sollte dass wirklich alles jetzt vorbei sein. Er vergrub das Gesicht in den übereinander gelegten Armen, sah erst auf, als die Zimmertür vorsichtig geöffnet wurde. Ein junger Mann stand im Türrahmen und sah ihn besorgt an, Malik entging nicht, dass sein Blick kurz zu den metallenen Flügeln huschte.
„Ich soll dich zu John bringen“, sagte er sanft, schloss die Tür hinter sich, nachdem eine Heilerin eingetreten war, um ihm zu helfen. Großartige Bewegungen waren immer noch schwierig, und mit einem leichten Kopfschütteln drückte sie dem Engel ein kleines Fläschchen mit Pillen in die Hand, die er gegen die Schmerzen nehmen sollte, den Kragen der kurzen Lederjacke hochgeschlagen, damit man möglichst wenig von dem bleichen Gesicht sehen konnte. Der Mann, der eben durch die Tür gesehen hatte, und dessen Name Kyle war, wenn Malik sich nicht irrte, warf sich die Tasche des Jungen über die Schulter, viel war nicht darin.
Was besaß der Junge auch außer ein paar Kleidungsstücken und Büchern, die der Vampir ihm überlassen hatte? Er würde wirklich gehen….Wann würde er all die Leute hier wieder sehen, wann würde er den Vampir wieder sehen? Würde er ihn wenigstens verabschieden?
Mit gesenktem Kopf trat der Engel in die Diele, nein, er war nicht hier….Vermutlich gab es genug zu tun, die Lage schien ernster zu sein, als er selbst ahnte. Trotzdem musste er heftig schlucken, als er über die Schwelle trat, er hatte so viel Zeit seines Lebens hier verbracht, schöne Zeit. Er wollte nicht weg, wollte sich umdrehen und zurückrennen, aber dann hätte er an Kyle vorbeigemusst, und das wäre sicher nicht gegangen. Also ging er mit gesenktem Kopf voran, die Hände zu Fäusten verkrampft. Er spürte Blicke auf sich ruhen, selbst wenn früh am Morgen noch nicht so viel los war, die unverkleideten Metallflügel zogen Blicke auf sich, außerdem mussten sie ja mit der Bahn fahren, denn die Werkstatt war weit außerhalb, wo es noch weite freie Fläche gab, um die Maschinen auch gleich zu testen.
Beinah eine Stunde zog sich das dampfende Ungetüm auf den Schienen dahin, Malik hatte kein Auge für die Landschaft, die an ihm vorbeizog, richtete den Blick nur abwesend auf den Boden, zog irgendwann das Glasfläschchen aus der Tasche, als die Schmerzen überhand gewinnen wollten. Er wollte nicht fort, so freundlich John auch gewirkt hatte, er wollte nicht. Und doch rührte er sich nicht, doch blieb er stumm sitzen, die mitleidigen Blicke der anderen Reisenden im Nacken. Irgendwann kam der Zug stotternd zum stehen, entließ seine Fracht auf den Bahnsteig, im Gegensatz zur Stadt schien es hier irgendwie….friedlich. Sicher war der Himmel hier nicht blau und klar, aber er wirkte etwas heller als die Bleiwand über der Stadt. Dass Malik das sah war eher Zufall, denn auch weiter hielt er den Kopf zu Boden gesenkt. Typisch geschäftiges Klirren von Metallteilen, hin und wieder das Aufjaulen eines Flugzeugmotors…..All das drang an sein Ohr, als sie sich der Werkstatt näherten, die an das kleine geduckte Wohnhaus grenzte. Hierhin wurde man also abgeschoben, wenn die Strapazen der Organisation zu viel wurden. Der Engel sah auf, als sie in den dämmrigen Schatten der Halle traten, es stank nach Motorenöl, ein Geruch, der sofort in alle Poren zu dringen schien und sich festsetzte. Unter anderen Bedingungen wäre Malik hier sicherlich in Staunen verfallen, aber für ihn war das hier nicht viel mehr als ein Gefängnis, in das ihn die einzige Person gesteckt hatte, von der er dachte er könne ihr vertrauen. Er sah auf, als Jonathan näher kam, beim Anblick der verstaubten Fliegerbrille schoss ihm ein vertrauter Schmerz durch die Brust. Wo war SEINE Fliegerbrille? Er hatte sie doch gerade erst von Daisuke bekommen, sie war doch das einzige wirkliche Andenken, was er hatte. Die goldenen Augen starrten so gebrochen zu dem Piloten hinauf, dass es ihm beinahe Leid tat, aber er konnte einfach nicht anders, im Moment bedrückte ihn einfach viel zu viel.
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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Sa Aug 08, 2009 1:50 pm

Nicht nur der Schwarzhaarige hatte so viel im die Ohren, dass kaum Zeit blieb um sich um all die anderen Dinge zu kümmern, auch bei Jonathan lief es rund. Extraschichten mussten er und seine Mitarbeiter einlegen, weil immer mehr Flugmaschinen dringend repariert werden mussten. Immer öfter arbeiteten sie in den Morgen hinein, viel zu müde wurden die restlichen, menschlichen Knochen, sodass man im Grunde überhaupt keine Lust mehr bekam gar aufzustehen. Wenn er nur daran dachte, dass er jetzt auch noch auf ein Kind aufpassen musste…beunruhigende Vorstellung welch anstrengende Tage ihn erwarten würden. Leise seufzend schmiss er seinen Schraubendreher auf den Tisch neben ihm, wo sich nur die Werkzeuge tummelten, das eine skurriler wirkend als das andere. Ordnung…so etwas kannte der Blonde nicht, brauchte sie um genau zu sein auch gar nicht und hatte vor allem gar keine Zeit dazu gehabt sich auch noch um diese zu kümmern.
Und erneut war eine Maschine vor dem sicheren Tod bewahrt worden, konnte wieder laut ratternd aus der Halle fahren und dampfend in den grauen Horizont hinausfliegend.
Ausruhzeiten bekamen sie alle mittlerweile gar nicht mehr, kaum war ein Fluggerät draußen, fuhr man schon das Neue an. „Ohje…das sieht nach sieht nach sehr viel Arbeit aus…“, murmelte er nur, sich am Kopf kratzend. Manchmal…da gab es auch Dinge, die nicht mehr zu retten waren, für die selbst er nichts mehr tun konnte, schließlich war Jon ebenso wenig ein Zauberer, wie all die anderen hier. Zwar waren einige Mitarbeiter magische Wesendinger, doch besaßen sie nicht die Kraft alles wieder wie neu glänzen zu lassen.
„Am besten ihr repariert den Motor und dann sehen wir weiter.“, mit diesen Worten wandte sich die Halbmaschine ab, entfernte sich von der lauten Werkstatt in eine andere Halle, wo sich meist nur die Ersatzteile befanden und sein vollbepackter Schreibtisch, auf dem sich neben sehr vielen Papieren auch noch eine alte Sprechanlage und ein uraltes, verdelltes Grammophon befand. Für ganz neue Sachen reichten die Finanzen nicht mehr aus, Rechnungen bezahlten sich nicht von selbst, dann waren da noch die Bezahlungen an all die anderen Arbeiter und nicht zu vergessen mussten die Ersatzteile und Werkzeuge irgendwo herkommen. Sie verdienten zwar gut, doch von dem Verdienst bekam der junge Mann nicht immer sehr viel zu sehen, denn da waren noch seine neuen Körperteile, die jedes Mal überprüft werden mussten.
Ein Seufzen entwich seiner Kehle, der müde Blick wanderte von einer Ecke zur anderen, während in seinen Ohren das quälende Aufheulen des Motors erklang und sogleich wieder erstarb. Den Geruch des Motoröls und des Bezins….den vernahm seine Nase gar nicht mehr, so roch er doch selbst seit Jahren danach und sein Haus auch, lustig war die Tatsache, dass man nicht lange brauchte um sich daran zu gewöhnen, um es als eine Selbstverständlichkeit anzusehen.
Die rote Pupille richtete sich starr zur Seite, schaute auf einen näher kommenden Punkt, der sich immer schneller zu einer bekannten Gestalt wandelte, die das Auge sich sehr gut eingeprägt hatte und das Gehirn des Piloten auch. Ein leichtes Lächeln legte sich auf den Lippen, während die Beine leicht klirrend sich auf die Person zu bewegten. Schnell bekam die Gestalt ein Gesicht, die filigranen Flügel auf seinem Rücken ertappten den Jungen sofort. „Hallo, Kleiner! Wusste gar nicht, dass du heute schon kommen wirst.“, sagte der Blonde nur lächelnd, während er mit einem leichten Druck seine Hand schüttelte. Die Augen musterten das traurige Wesen, erkannten wo er hinschaute…auf seine alte Brille, was sonst?!
„Och…die schaut ganz schön schlimm aus, was? Einen Moment, komm’ schnell mit.“ Jonathan machte Malik mit einer Handbewegung klar, dass er ihm folgen sollte. Er hörte die leisen Schritte des Jungen, welche ihm hinterherliefen und das obwohl der Krach seiner eigenen Beine und des Gewekels neben ihnen alles andere übertönte. Vor seinem Schreibtisch blieb er anschließend stehen, schaute kurz den Engel an, ehe seine Aufmerksamkeit sich nur dem Tisch zuwandte. „Wo ist denn das Teil?!“, murmelte er leise vor sich hin, schmiss einen Papierstapel nach dem anderen auf den Boden ehe er triumphierend etwas mit seiner unechten Hand aufhob, es zufrieden betrachtend. „Aha!“, grinsend drehte sich die Statur zu dem Jungen zu, fuchtelte mit einer Pilotenbrille vor seiner Nase herum. Es war genau die, die ihm das Dämonenweib einige Wochen zuvor gegeben hatte…sehr drohend, was er irgendwo sehr….interessant fand. „Ich habe sie von so einem Mädel bekommen mit ’ner orangenen Brille…sie drohte mich zu verätzen, wenn ich sie dir nicht geben würde.“, ein belustigtes Lachen entwich seiner Kehle. „Aber nie im Leben würde ich die da oben durch noch so eine gute Brille ersetzen…also hier, da hast du sie wieder.“, lächelnd drückte er die neue, dennoch leicht verstaubte Pilotenbrille dem Jungen in die Hand, seine eigene kurz abnehmend, mit dem alten Hemd den Staub wegwischen. „Sie mag wertlos erscheinen, doch hat sie für mich einen unbezahlbaren Wert…du verstehst das sicher.“, verträumt spielte er mit seinen Fingern mit den Gläsern, setzte sie anschließend wieder auf seinen Strubbelkopf auf. „Nun gut…genug davon, komm jetzt, ich zeige dir, wo du wohnst und keine Sorge…du wirst nicht lange hier bleiben. Dai und der Rest…sie wollen dich einfach nicht in Gefahr bringen und glaub mir, viel um die Ohren haben sie auch noch.“, tratschend wanderte der Cyborg von einer Tür zur anderen, dicht gefolgt von seinem neuen Schützling. „Bei uns selbst ist hier die Hölle…ich wusste gar nicht, dass so viele Leute ein Fluggerät besitzen, schon mal selbst mit so einer Rattermaschine geflogen.“, der neugierige Blick wandte sich zum Jungen, ihn kurz betrachtend. Er war traurig, was verständlich, dennoch nicht zu recht war…schließlich würde er hier nicht ewig bleiben und im Grunde hätte er sich doch freuen sollen, dass sich alle so um ihn kümmerten, dass sie ihn sogar vor der sicheren Gefahr beschützten, doch es würde dauern ihm das klar zu machen…hoffentlich nur nicht zu lange.
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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   So Aug 09, 2009 10:42 pm

War es richtig, hier zu sein? Obwohl um ihn herum geschäftiges und vor allem lautes Treiben herrschte, war Malik völlig abwesend. Erst die Stimme des Piloten riss ihn ansatzweise aus seiner Lethargie, er sah auf, während er zuvor nur den Fußboden beobachtete hatte, leer starrend. Er kam in diesem Gewirr einfach nicht zurecht, es war nicht seine Unordnung, es war kein gewohntes Chaos wie in dem Haus der Rebellen. Es war fremdes Chaos, beinah bedrohlich wirkendes Chaos wenn man an all die spitzen Metallteile und was man sonst noch in dieser Werkstatt fand bedachte. Im ersten Moment wusste er nicht, wonach John suchte, aber als er die blitzende Brille hervorzog, hellte sich sein Blick kurz auf. Die goldenen Augen klebten an den Gläsern, an all den kleinen Zusatzteilen, die aus der Fliegerbrille etwas mehr als bloßen Schnickschnack machten. Sie war so teuer gewesen. Er antwortete kaum etwas auf das fröhliche Geplapper des Mannes, nickte nur stumm und drückte die Fäuste fester zu, fest um die Brille, bevor ihm erschreckend einfiel, dass er sie dadurch beschädigen könnte, weshalb er den Griff schnell lockerte. Er strich gedankenverloren über verstaubte Linsen, Staub der Arbeit, nicht Staub der Zeit. Das eigene Gesicht spiegelte sich in unzähligen Gläsern, die alle an der Brille befestigt waren, und den Engel erschreckte es selbst, wie blass und kränklich er wirkte. Und in den beiden größten Gläsern sah er im Hintergrund die Metallflügel spiegeln. Diese Ungeheuer…..Schnell wandte er den Blick ab und schob sich die Brille auf den Kopf, zwischen die blonden Haare, die an Glanz verloren hatte. Überhaupt wirkte die ganze Gestalt nicht so überirdisch schön wie sonst. Die lange Zeit im Bett angewiesen auf Schmerzmittel hatte sichtlich an seinen Nerven gezehrt, ließen ihn eher wirken wie ein Straßenkind, das nicht genug zu Essen bekommen hatte, von Krankheiten geschüttelt. Es tat weh, die einstige Kraft so schwinden zu sehen, aber es war keine Sache, die er selbst entschied. Er wollte nicht hier sein, auch wenn es ihm wirklich Leid tat. In einer anderen Situation hätte er sicher gut mit dem Mechaniker auskommen können. Er hätte seinen Berichten sicherlich gespannt gelauscht, wie es die Träumer taten, aus denen später diese Jäger des Himmels wurden. Vielleicht wären sie Freunde geworden, im ersten Augenblick. Aber im Moment verband er mit der Gestalt des Cyborgs einfach nur Trennungsschmerz. Getrennt sein von allem, was ihm wichtig war. Von dem was einzig wichtig war.
Er folgte den Ausführungen, die John und ein anderer Mann ihm gaben nur mit halbem Ohr, nickte dann, wann es ihm angemessen erschien, um nicht unhöflich und abgelenkt zu wirken. Der Anblick der heruntergekommenen Schreibmaschine und des verbeulten Grammophons weckten schmerzhafte Erinnerungen an die prachtvolleren Stücke, die auf dem Schreibtisch des Vampirs gestanden hatten. Die Lippe fest zwischen die Zähne geklemmt um sich nicht mit überstürzten Gefühlsausbrüchen zu verraten, folgte er dem Piloten zu dem kleinen Zimmer, das man für ihn eingerichtet hatte. Nichts spektakuläres, ein Bett, ein Schrank und ein Tisch inklusive Stuhl. Luxus hätte den Engel auch unangenehm überrascht. Er drehte das kleine Flugzeugmodell, das er vom Schreibtisch genommen hatte gelangweilt in den Händen, betrachtete jedes noch so kleine Detail, als würde es irgendeine Bedeutung spielen. Dabei war es so unwichtig. Wie genau jede Schraube, jede Dichtung auch nachgebaut worden war in einem so kleinen Maßstab, fliegen würde dieses Ding eh nie. Alles nur Schall und Rauch…..
Für die nächsten paar Stunden war er jeglichem Kontakt entkommen, hatte sich geflüchtet in Ausreden, aber Auspacken hatte nicht besonders lang gedauert. Die folgenden zwei Tage hatte er ständig Kontakt mit anderen Menschen, allen voran John. Er mochte ihn eigentlich, aber die Trauer lag dumpf über allem wie ein Leichentuch und ließ nicht zu, dass er sich allzu sehr freute. Was man ihm sagte, ging einfach an ihm vorbei, waren es nun technische Fakten bezüglich der Flugzeuge oder der Versuch, ihm alles zu erklären. Dass man es nicht so meinte, dass alle nur daran interessiert waren ihn zu schützen. Warum wurde er dann trotzdem das Gefühl nicht los, abgeschoben worden zu sein? Mochten die Zeiten auch hart sein, dass war doch kein Grund ihn einfach fortzuschicken wie etwas, das man nicht mehr benötigte. Er hatte doch tagtäglich für Daisuke gearbeitet, hatte alles getan, was man ihm aufgetragen hatte, mochte es auch noch so erniedrigend gewesen sein. Erst aus furchtsamen Respekt, später dann aus ehrlicher Treue. Und trotzdem war er nun hier. Aber nicht mehr lange.
Malik hatte seinen Entschluss schon gefasst, als er nur einen Fuß über die Schwelle der Werkstatt gesetzt hatte. Er würde wieder zurückfahren, zurück zu den Rebellen, da wo er hingehörte. Er hatte für sie geschwiegen, er hatte für sie gelitten. Er wollte auch den harten Teil des Weges mit ihnen teilen. Und als die Nacht sich wie Tinte über das Land ergoss, sah keiner die dunkle Gestalt, die hastig von der Werkstatt fortstolperte. Den Rucksack über den Rücken geworfen tat es ihm schon Leid. Er würde sicher noch einmal zurückkommen, zu mindestens um John für seine gut gemeinten Bemühungen zu danken. Es war einfach die falsche Zeit gewesen. Das war nicht der Ort, wo er hingehörte. Erst als er bereits am Bahngleis stand fiel ihm auf, was er vergessen hatte. Das kindliche Gesicht wurde auf einen Schlag noch einen ticken bleicher. Die Schmerztabletten. Wie hatte er sie dalassen können? Zwar verheilten die Wunden langsam, aber das war nicht genug. Wenn er die Pillen nicht schluckte, war er noch empfänglicher für den rasenden Schmerz als zuvor, sein Körper war es nicht mehr gewohnt. Aber wenn er es bis zu dem Haus schaffte, dann würden die Heiler ihm schon neue geben. So lange würde er durchhalten, das würde er schaffen…..
Auch wenn er schmerzhaft zusammenzuckte, als eine Frau ihn anrempelte, aber immerhin, der tränengeschwängerte Blick brachte ihm Geld für eine Fahrkarte ein. Den Blick gesenkt saß er nun hier, er hörte, wie dieses Tier in ihm schadenfroh wisperte, es ausnutzte, dass er allein war und sich hilflos fühlte.
Er will dich nicht mehr. Er will dich loswerden, das wollte er schon lange. Deshalb ist er auch nicht eingeschritten, als sie dir deine Flügel zertreten haben…..
Energisch mit dem Kopf schüttelnd vertrieb er die Stimme aus seinem Kopf, sie sollte schweigen, aufhören zu lügen und ihn zu verunsicher mit diesen tiefschwarzen Gedanken. Es kostete ihn die gesamte Zugfahrt, sich einigermaßen wieder unter Kontrolle zu bekommen und er spürte die nervös besorgten Seitenblicke, die man ihm zuwarf. Und stolpernd weiter, hastete die dürre Gestalt durch die nächtlichen Gassen. Ob sich wohl bald das Morgenlicht in die Schatten ergießen würde? Wie ein Schlafwandler fand er den Weg zurück, zurück nach Hause…..
Bis ihn eine schnarrende Stimme unterbrach, ihn stockend zum stehen brachte. Drei Schemen traten aus dem Dunkel einer Gasse, allesamt gut zwei Köpfe größer als Malik selbst und allesamt wirkten sie nicht so, als wollten sie ihn einfach weiterziehen lassen. Die Fäuste geballt, auf den Gesichtern ein Grinsen, Malik wich einen Schritt zurück, hörte etwas in seinem Hinterkopf aggressiv zischen.
„Na sieh mal einer an, dein Gesicht kennt man doch von Steckbriefen“, summte einer der Männer belustigt. Anscheinend malten sie sich schon eine fette Belohnung aus. Aber das durfte nicht, wenn sie ihn auslieferten, dann sperrte man ihn ein. Dann waren da wieder Gitter, Schmerzen, Tod….
Irgendetwas in dem Kopf des Engels setzte aus, und es war gut so. Die Augen leer, auf den Zügen ein irrsinniges Grinsen, das schnell die Selbstsicherheit des Trios verwischte, als er eine Waffe vom Gürtel zog. Hier war eine Grenze überschritten, hier handelte ein anderer Teil von Malik, einer der nur selten hervorkam. Und doch umso mehr wütete. Das war eine Hinrichtung, nicht mehr und nicht weniger. Blut klebte nur wenig später überall an dem dürren Jungen, in den blonden Haaren, im Gesicht und auch auf der Kleidung als er mit kalten Zügen die Leichen betrachtete, die Züge nicht mehr zu erkennen.
Das hast du gut gemacht….
Wie ein Lehrer, der seinen Schüler lobte….Und im nächsten Moment fiel die kalte, irrsinnige Maske ab, Malik starrte schockiert auf all das Blut, wandte sich dann stolpernd von den Leichen ab, als begriff er nicht, was er gerade getan hatte. Vielleicht begriff er es auch wirklich nicht. Jedenfalls ein großer Teil von ihm nicht. Er hatte höllisches Glück, dass niemand ihn anhielt, so wie er aussah, doch die Straßen wirkten wie ausgestorben. Niemand wagte sich mehr heraus seit sie angefangen hatte mit ihrer sinnlosen Brutalität. So wie er auch gerade getan hatte…..Und da war sie, die vertraute Fassade, Licht brannte hinter den Fenstern, ließ sie wirken wie glühende Augen. Ein zaghaftes Klopfen, dann kräftiger. Die Augen des Wachhabenden weiteten sich überrascht, als sie den Engel erkannten, erst recht als er das Blut bemerkte, das unmöglich von der kleinen Gestalt stammen konnte. Hastig zog er ihn in den Flur, betrachtete ihn kurz, sah in die ängstlich funkelnden Augen, bevor er ihn wortlos die Treppe hochschob und ihn vor der Tür des Vampirs abstellte, leise anklopfte und den Engel dann in den Raum schob.
Malik wagte es nicht aufzusehen, er wagte es nicht in die dunklen Augen zu sehen, denn er hatte Angst, darin Abneigung zu lesen. Der Schmerz in seinem Rücken raubte ihm mittlerweile beinah den Atem, und so sank er mitten im Raum auf die Knie, zitternd wie auch seine Stimme.
„Ich halte das nicht aus….Ich will hier sein dürfen……Ich möchte hier bleiben…“
Nicht mehr als der flehende Wunsch eines Kindes an jemanden von dem er nicht wusste, ob er ihm auch nur halb so sehr am Herzen lag wie umgekehrt. Er tappte hier völlig im Dunkeln. Einmal hatte der Vampir ihn in den Arm genommen, und da war Malik sich nicht einmal sicher, ob es nicht ein Trick gewesen war, damit man ihm das Beruhigungsmittel verabreichen konnte. Erst jetzt hob sich der Blick, wagte es die blasse Gestalt anzusehen, wenn auch immer noch nicht in die Augen.
„Ich möchte hier bleiben…….Bei dir.“
Das letzte Wort so eindringlich, so voller schwacher Hoffnung, dass es weh tat. Wenn er Pech hatte, schmiss der Vampir ihn achtkantig wieder hinaus, er hatte alles missachtet, was er von ihm erwartet hatte, hatte sich an wirklich NICHTS gehalten. Aber er hatte es doch nur aus Zuneigung getan. Aber ob Daisuke das erkannte? Ob er es nicht für bloße Weichheit hielt? Zitternd blieb der Engel sitzen, eingehüllt in eine Wolke aus Blut, grausam vergossenes Blut, die Metallflügel berührten den Boden, weil er sie immer noch nicht wirklich anziehen konnte, dafür war der Schmerz noch viel zu groß, besonders jetzt im Augenblick.

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Mo Aug 10, 2009 12:51 am

Langsam wurde das alles absurd, so absurd, dass es zugleich beunruhigend wurde. Die Anzahl an Verletzter und Toter stieg und ließ die Organisation schrumpfen. Sie hatten viele Männer verloren, an anderen Männern, die nicht einsehen konnten, dass sie nichts mit diesem Dilemma und mit der Feuerfrau zu tun hatte, die ihr Unwesen herumtrieb und Selbstjustiz vollzog wie ein kleiner Rächer, dem Unrecht getan wurde. Und vielleicht war dem auch so, doch keiner hatte damit etwas zu tun, nicht einmal Daisuke selbst.
Wütend schnaufend ließ er sich in den Sessel fallen, betrachtete die Anzahl der Begräbnisse, die sie erst vor einigen Tagen wieder errichten mussten, betrachtete die Umkosten für die Reparaturen von Waffen, Maschinen und nicht zu Vergessen die Umkosten für die Heilung…Stress war gar kein Ausdruck, so war Daisuke irgendwo sehr froh darüber, dass er einen kleinen Stresserzeuger weggeschickt hatte, mehr zu seinem eigenen Schutz, als dass er Probleme machte, denn Probleme gab es immer. Er wurde gesucht wie ein Schatz, von den anderen und vom Dämonenweib, das anscheinend immer noch nicht genug hatte, die nun noch wütender war und es wurde immer einfacher jemanden zu finden. Alle verbündeten sich gegen sie und da war es doch nur das Beste, wenn man das, was jeder wollte, versteckte.
Gedankenverloren wandten sich die schwarzen Augen hinaus. Heute würde wieder ein schwieriger Tag anbrechen, in gut einigen Stunden, die für den Vampir keinerlei Bedeutungen mehr zeigten, würde er wieder losziehen müssen, zum Hafen, in all die verschmutzten Viertel, überall dorthin, wo er selten hinging, weil es nicht nötig hatte, weil es genug Arbeiter gab, die dies für ihn tun konnten, brauchte er etwas ganz dringend. Doch diesmal reichte es nicht mehr aus mal eben jemanden dorthin zu schicken, jetzt mussten sie schon massenweise erscheinen und Daisuke würde nicht einfach sie im Stich lassen, es war schließlich sein Krieg, seine kleinen Schlachten, die er immer wieder bewältigen musste, auch wenn er nicht jederzeit an Ort und Stelle sein konnte, viel zu groß war die Stadt um an allen Ecken gleichzeitig zu erscheinen und dies machte sich auch erkennbar. Wann das alles ein Ende nehmen würde…das wusste er nicht, wann die nächste Verhandlung einberufen werden würde…dies war ihm ebenso wenig bekannt. Sie würde doch sowieso wie all die anderen Versammlungen dadurch zugrunde gehen, dass jeder dem anderen den kalten Lauf seines Revolvers gegen die Schläfe pressen würde, drohend, als wären sie schuld an allem, wo sie doch alle Schuld an ihren Miseren waren, auch Daisuke blieb nie davon verschont.
Die Nacht verlor ihren Glanz, die Schönheit, die ihn einst faszinierte, verwandelte sich, würde hässlich und regte nichts mehr in dem Schwarzhaarigen…mit Blut befleckte Pflaster, überfüllte Friedhöfe, Gestank der Fabriken und Maschinen, wo man nur hinschaute…das ist also aus der Welt geworden, ein stinkender, sterbender Kupferball, der in sich zusammensackte, Tag für Tag ein Stück mehr und er mittendrin. Das Traurige an dieser Zeit war die Tatsache, dass er selbst nach dem Verderben, nach dem endgültigen Aussterben immer noch leben müsste, verurteilt zu einem Schicksal, das er sich nicht aussuchen. Da war es irgendwo widerlich auch noch weiter in die trostlose Dunkelheit der Gassen zu starren, da wurde der Blick aus dem Fenster plötzlich bedeutungslos.
Leise seufzend zerknüllte Daisuke das feine Pergament zwischen seinen Fingern, warf es achtlos in die Flammen des Kaminofens, beobachtend, wie die Flammen jede Faser langsam zerfraßen, bis nichts mehr übrig war. So würde es auch mit ihm geschehen, würde er sich in die rote Glut stürzen und er wusste…eines Tages würde er es, genau dann, wenn es nichts mehr gab, wofür ein ewiges Leben wert war. Das blasse Gesicht drehte sich rasch um, als die Ohren das Geräusch des Klopfens an einer Tür vernahm…an seiner Tür. Wer um diese Zeit hatte zum Teufel so wenig Verstand um ihn zu stören? Leicht gereizt starrten die Augen auf die Tür, welche sich im nächsten Moment öffnete. Der Vampir wollte gerade ein wütendes ‚was?!’ fauchen, schloss jedoch seinen Mund sofort, als er die Gestalt erkannte, die in sein Zimmer geschoben wurde.
Und schon wurde die ganze Sache etwas ernster. Daisuke ahnte so etwas, kannte das Kind nur zu gut, doch hoffte er irgendwo, dass er dort geblieben wäre, dass er wenigstens einmal in diesen Wochen genau das tat, worum er ihn freundlich bat, und er bat ihn nicht immer freundlich um etwas. Dieses eine Mal hätte er es einfach berücksichtigen müssen….doch nun war es zu spät, jetzt war Malik bereits hier, voll mit Blut und schwach dank der Medizin, dank der vielen verlorenen Tage, die er nicht draußen verbringen konnte.
Lange musterte der Schwarzhaarige seinen Schützling prüfend, ohne auch nur ein Wort zu sagen, seiner Stimme lauschend. Er war vielleicht nicht wütend und selbst wenn, dann nur ein wenig, jedoch war er mehr enttäuscht, einfach nur enttäuscht, dass er nicht einmal reden wollte.
Langsam erhob sich die Statur des Vampirs, die Beine bewegten sich langsam auf Malik zu, ihn noch einmal betrachtend. Er hatte einen langen Weg hinter sich und anscheinend war er nicht glatt über die Runden gelaufen, anscheinend gab es Strapazen, Strapazen, die ihn im dreifachen Maße erwarten würde, würde er hier bleiben und das würde er sicherlich nicht.
Seufzend kniete sich Daisuke hin, schaute dem Jungen gegenüber von ihm in die Augen, wischte mit seiner kalten Hand das Blut aus seinem Gesicht. Er erinnerte ihn an eine Katze, die immer wieder zurück nach Hause fand, egal wie weit weg sie auch war, egal wie lange diese Reise auch dauern würde und egal wie schlecht es ihr hinterher gehen würde, doch konnte die Katze anscheinend nicht verstehen, dass es manchmal besser war, wenn man dort blieb, wo man hingebracht wurde, dass man es vielleicht doch nur aus Liebe getan hatte und nicht, weil man keine Lust mehr auf sie hatte. Wieso wurde es Malik einfach nicht bewusst?
„Dummer Junge…“, murmelte Daisuke nur, strich ihm kurz über den Kopf, ehe er ihn behutsam anpackte, langsam ihm auf die Beine half. „Du weißt doch gar nicht, was du da gerade angerichtet hast.“, die Stimme des Vampirs war leise, ausdruckslos, ohne irgendwelcher Wut oder gar Freude darüber, dass der Engel wieder daheim war. Man konnte nichts heraushören, nur das Gesicht verriet den Schwarzhaarigen, verriet die Besorgnis, die Enttäuschung, die traurig in den schwarzen Augen lag und Malik betrachteten.
Er hatte genug Wesen sterben sehen, genug Wesen mussten im Laufe der Zeit verschwinden und ihn alleine lassen, das musste nicht noch einmal passieren. „Komm jetzt, du brauchst Schmerzmittel und ein Bad.“, sagte Daisuke nur anschließend, legte einen Arm auf Maliks Schulter, schob ihn aus seinem Zimmer, hinauf in das, wo der Engel eigentlich lebte.
„Du wirst morgen hier bleiben, dann erkläre ich dir, was für ein kleiner Dummkopf du doch bist…aber vorerst, ruh’ dich aus…war bestimmt anstrengend hierher zu finden.“ Ein leichtes Lächeln umrahmte das blasse Gesicht, das ihn ausdruckslos anschaute, ehe er die Tür hinter sich schloss, einige Heiler herbeirief, die die Medizin dem Jungen bringen mussten, ehe er die Tür seines Zimmers hinter sich schloss. Verrückt oder dumm, das war Malik gewesen…konnte nicht stillsitzen, dabei hat der Vampir ihm genau den richtigen Aufpasser gegeben….einen, der ihn ablenken konnte, einer, der für den Jungen interessant sein konnte und dennoch, er war wieder hier, lieferte sich erneuter Gefahr aus, die doch so unwichtig war.
Leise in sich hineinseufzend setzte sich Daisuke erneut auf seinen Sessel, starrte erneut in die Leere, in die trostlose Leere, die sich draußen ausbreitete, jede Sekunde ein Stück mehr.

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Kauzi
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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Mo Aug 10, 2009 1:20 pm

Er hatte ja erwartet, dass es so kommen würde, und doch hatte er sich mehr erhofft. Mehr als die pure Enttäuschung, aber es war eine törichte Hoffnung gewesen, wie er nun feststellen musste. Der Kopf blieb gesenkt, während der Vampir die wenigen Worte mit ihm sprach, rannen perlende Tränen über die Wangen, nun nicht mehr so blutverschmiert wie zuvor, und doch spürte Malik die rote Flüssigkeit überall. Das Blut, dass er nur vergossen hatte um her zu kommen. Dabei war es so sinnlos gewesen. Spätestens in zwei Tagen war er wieder zurück bei John, so weit weg von hier…..Und es gab nichts, was er dagegen tun konnte, absolut nichts. Daisuke würde ihn wieder fortschicken, und auch wenn er das nur tat, weil er es gut mit ihm meinte: Das war nicht das was der Engel wollte. Es machte ihn traurig, so unendlich traurig, und die Trauer ließ das Gesicht wirken wie das eines Menschen, der bald dahinscheiden würde. Der Weg zurück hatte ihn mehr mitgenommen als er zuerst gemerkt hatte, aber warum auch nicht? Seine Verletzungen waren längst nicht abgeklungen, noch immer war er angewiesen auf die Medikamente, weil das ersetzen von Körperteilen eine sehr zeitaufwendige Sache war. Was hatten die Heiler gesagt? Noch mindestens zwei Wochen, dann konnten sie langsam darüber nachdenken, die Medikamente abzusetzen. Und so lange konnte man die Flügel auch nicht verkleiden, solange musste er sichtbar mit diesen Metalldingern durch die Gegend laufen.
Dabei war doch alles gut gewesen…..Bis diese verdammte rothaarige Frau aufgetaucht war. Sie hatte ihn nicht nur körperlich kaputt gemacht, sie hatte Daisuke auch einen Grund gegeben, ihn weg zu schicken. Weil es mit solchen Leuten in den Reihen der Gegner anscheinend zu gefährlich war ihn da zu behalten. Wenn sie nicht gewesen wäre, dann hätte er immer noch seine alten Flügel, dann wäre er nicht blass und ausgemergelt wegen all der Medikamente und dann könnte er immer noch als Laufbursche für den Vampir arbeiten. Warum konnten sie nicht einfach untertauchen? In eine andere Stadt, weit weg von dieser? Weit über das Meer, wo der alte Kontinent lag. Dort, wo man teilweise noch ohne all diesen technischen Schnickschnack auskam. Natürlich nicht in England, wo die ganze Entwicklung ihren Anfang genommen hatte. Aber weiter im Osten, wo die Wege und Gegenden noch freier und wilder waren, wo man die Dampfmaschinen und all den anderen neumodischen Kram verteufelte und es lieber auf eigene Art und Weise machte, so wie es immer Brauch gewesen war. Warum flohen sie nicht dorthin? Eine Rebellion war ja schön und gut, aber bis jetzt hatte es zu nichts anderem geführt als Blutvergießen. Außerdem konnte man sicher auch aus so großer Entfernung etwas bewirken, vielleicht sogar mit neuen Verbündeten? Aber Malik hatte das Gefühl, dass niemand hier so etwas ernsthaft in Erwägung zog. Es war bedauerlich, es wäre eine wirklich gute Lösung gewesen.
Wortlos ließ er sich zurück führen in das Zimmer, das eigentlich seine Heimat war. Wo er eigentlich leben sollte. Aber viel mehr als eine Nacht würde er hier wohl kaum verbringen. Die beiden Männer, die ins zimmer traten, kannte er nur allzu gut, beide waren sie Heiler, und nachdem der Engel sich das Blut von den Händen und aus dem Gesicht hatte waschen können, kümmerten sie sich wieder um ihn. Nicht Daisuke, der war wieder gegangen, der hatte ihn wieder allein gelassen. Er spürte den leichten Schmerz den die Nadel verursachte schon kaum nicht mehr, dafür hatte er ihn in letzter Zeit zu oft gespürt. Mit jedem Herzschlag kroch etwas mehr künstliche Müdigkeit durch seinen Körper, linderte zwar die Schmerzen doch schickte ihn auch weit fort, jenseits des Bewusstseins. Kraftlos sank der kleine Körper in sich zusammen, ließ sich von den beiden Heiler ins Bett schleppen, wo er auf der Stelle in traumlose Schwärze sackte.
Aber auch, als er am späten Nachmittag wieder erwachte, waren da noch dunkle Augenringe unter den goldenen Augen, der Weg zurück hatte ihn Kraft gekostet, mehr Kraft als gesund gewesen wäre. Mit einem ärgerlichen Blick fühlte einer der Heiler seine Stirn, die beinah glühte. Heißes Fieber wütete in dem kleinen Körper, machte ihn noch schwächer als zuvor, sodass er vor dem Abendrot –und bevor ihm die Heiler nicht einige weitere starke Mittel gegeben hatten- nicht aufstehen konnte. Doch als die Sonne rote Strahlen durch die Fenster schickte, kam etwas Leben ins Haus. Anscheinend war John aufgetaucht. Sicher, er hatte sich garantiert Sorgen gemacht, als er den Engel nicht vorgefunden hatte. Malik tat es ja auch irgendwo Leid, dass er dem Pilot so große Unannehmlichkeiten bereitet hatte. Dass hatte er wirklich nicht verdient, wo er sich doch so bemüht hatte. Aber der Engel wollte nunmal lieber zu dem Vampir. Er konnte sich eigentlich glücklich schätzen, dass dieser ihn nicht bestraft hatte. Früher hatte er das öfter getan, wenn der Laufbursche sich geweigert hatte ihm zu gehorchen. Wie jetzt auch……Aber würde er ihn dafür schlagen? Vermutlich hatte er es verdient.
Obwohl der Heiler ziemlich skeptisch aussah, als eine halbe Stunde nach Johns Ankunft ein Junge an die Zimmertür klopfte und nach Malik verlangte, nahm er ihn mit sich zu Daisukes Arbeitszimmer. Bevor er den Engel in den Raum schob, trat er selbst alleine ein, wechselte einige knappe Worte mit dem Vampir. Malik konnte nur vermuten, worum es ging. Vermutlich darum, dass er schon wieder so schwächelte, dass die grausam blassen Züge schon wieder vom Fieber geschüttelt wurden. Vielleicht konnte er ja wenigstens noch bleiben, bis es ihm besser ging. Vielleicht noch zwei oder drei Tage…..Er schrak aus seinen Gedanken hoch, als sich die Tür abermals öffnete und der Mann wieder mit ausdruckslosem Gesicht heraustrat. So ausdruckslos wie Daisuke ausgesehen hatte, als der Engel wieder vor ihm gestanden hatte. So ausdruckslos……
Wortlos bedeutete er dem Jungen ins Zimmer zu gehen, leise trat er in das Arbeitszimmer, wagte es nicht aufzusehen oder irgendwen anzuschauen. Wartete einfach stumm darauf, was man ihm zu sagen hatte. Ob man mit ihm schimpfen würde, oder ob da wieder dieselbe bedauernde Kälte war wie am frühen Morgen. Erst jetzt bemerkte er, dass weder er selbst noch einer der Heiler daran gedacht hatten, neue Bandagen für seine Arme zu besorgen. Die alten waren blutverschmiert gewesen, blutig von dem kostbaren Lebenssaft anderer. Die völlig vernarbten Unterarme konnte man sehen, hässlich sah es aus, es war ein Glück, dass er damals nicht beide Arme verloren hatte. Er hatte gebrannt, so sehr gebrannt…….

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Di Aug 11, 2009 1:27 am

Die Nacht war ging viel zu schnell vorbei, viel zu früh erstrahlten die Sonnenstrahlen über die Ländereien und tauchten die abgelegene Werkstatt in helles Licht…Moment, Sonnenstrahlen?!
Rasch riss der Cyborg die Decke herunter, sprang vom Bett auf, den Blick aus dem Fenster gerichtet. Tatsächlich! Das erste Mal nach so langer Zeit, dass die Sonne wieder zum Vorschein kam. Fast wie ein kleines Kind starrten die Augen hinaus, musterten das Gras, das heute so viel grüner erschien. Ja, solche Tage brachten ein Lächeln auf die Lippen, auf seine und auch auf die seiner Mitarbeiter, das wusste Jonathan genau. Fröhlich pfeifend zog sich der Pilot rasch an, stolzierte aus seinem Zimmer. „Los, Leute, heute haben wir einen Grund zu arbeiten, schaut euch das an. Los, Kleiner, raus aus den Federn, wir werden heute ein wenig fliegen.“, glücklich riss er die Tür des Zimmers auf, wo der Engel seit gut zwei Tagen wohnte, schmiss die Bettdecke weg und…stockte. Da, wo ein schlummernder Junge liegen musste, war nichts…nur ein kaltes, leeres Bett, unbenutzt und einsam wirkend.
Vielleicht war er ja schon vorher wach und trieb sich irgendwo in der Werkstatt herum…konnte ja sehr gut sein. Besorgt irrte Jon umher, suchte jede Ecke ab, in der sich Malik hätte befinden können, fragte jeden Arbeiter aus, ob sie ihn gesehen hätten, doch keiner konnte ihm weiterhelfen. Nirgends war auch nur ein kleiner Junge aufzufinden, der nun wirklich nicht so unauffällig war, dass man ihn übersehen konnte, nicht mit dem Gerät, das er auf seinem Rücken trug.
„Ich fürchte, das Kind ist einfach weggelaufen…“, murmelte Jonathan leise seufzend, hinausstarrend, zu der endlos lang wirkenden Wiese, die sich hier erstreckte. Die Sonnenstrahlen brachen sich am Metall an seinem Körper, würde andere Menschen blenden, doch hier lebte keine Menschenseele, hier war nur er und eine Hand voll Männer und daneben das Meer, das endlose Meer mit ihren tosenden Wellen, die sich an den Felschen überschlugen. Jonathan mochte diesen Ort hier und so hasste er es sehr diesen Ort verlassen zu müssen, doch dieses Mal musste es sein. Seufzend wandte sich die Statur des Cyborgs wieder ab, zog sich seine alten Stiefel an und setzte die alte Pilotenbrille ab, währenddessen den anderen erklärend, dass er sich auf die Suche nach dem Jungen begeben würde, bevor ihm noch etwas passierte und schon verließ er seinen friedlichen Ort, seine ruhenden Maschinen, sein schönes zu Hause.
Es war sehr viel los…überall tummelten sich die Menschen, alle wollten irgendwohin fahren, in die Stadt, weg vom Land um arbeiten zu gehen, Einkäufe zu erledigen oder andere zu beklauen oder was auch immer sie in dieser dreckigen Kloake da draußen tun wollten. Jonathan musste drei Mal auf den Zug verzichten, weil dieser zu überfüllt war und ein schwerer Metallmensch sie nur noch mehr ins Verderben stürzen würde, doch das hatte auch seine guten Seiten, so war er wenigstens der Erste gewesen und es war nicht so voll, dass sich jeder Körper an den anderen pressen musste, damit noch andere Menschen stehen konnten.
Besorgt starrten die verschiedenen Augen aus dem Fenster, das Gesicht an der Handfläche abgestützt. Daisuke würde ihm den Kopf abreißen würde er Malik nicht finden, doch so wie er den Jungen einschätzte befand er sich bereits bei seinem Boss, wo auch sonst. Dennoch würde es ungemütlich werden, spätestens dann, wenn er durch die Türe des Hauses gehen würde. Erneut musste er leise in sich hineinseufzen, den Blick weiter starr aus dem Fenster richtend, währen ein Auge zur Seite spähte, die gaffenden Personen gegenüber von ihm musternd. Was denn, nie einen Cyborg gesehen?! Ihn nervten solche Leute sehr, die ständig ihre Glubscher aufspähen mussten, als wären sie in einem Zirkus und er war der Affe, den jeder angaffen musste, als hätten sie nie zuvor einen gesehen. Mit einer leicht angewiderten Miene schaute Jon wieder weg, beobachtete lieber die näher herankommende Stadt. Und hier war auch Ende was den sonnigen Tag anbetraf. Graue Wolken, wo man nur hinschaute, überdeckten alles wie ein Schleier. Ungemütlich.
Der Zug hielt ratternd an, bremste stark, sodass viele Leute nach hinten fielen, bis auf seiner Wenigkeit, die weiter regungslos auf dem Platz verharrte, darauf wartete, dass der Wagon leer wurde, bis er selbst endlich ausstieg und sofort den Muff der Stadt in die Nase bekam. Überall war Lärm, die Maschinen des Fortbewegungsmittels fingen erneut an dampfend zu arbeiten, trieben die Wagons an, aus dem Bahnhof heraus, weiter weg, zu den anderen Teilen dieser riesigen Stadt. Und mal wieder war er hier, erneut musste er sich dieses hässliche Stück Land anschauen, das er fröhlich einige Jahre zuvor hinter sich gelassen hatte. Schnellen Schrittes versuchte Jon an den Menschenmassen, die sich überall angesammelt hatten, vorbeizudrängeln, doch hatte es viel länger gedauert, als zuvor gedacht. Allein um aus dem Bahnhof verschwinden zu können, brauchte er knapp eine Stunde, weitere Stunden gingen dafür drauf, dass erst in das Viertel gelang, in das er eigentlich hinwollte. Es war später Nachmittag als Jonathan leicht gereizt vor der Tür des bekannten Hauses stand, mit seiner künstlichen Hand heftig gegen das Holz pochte und eine leichte Delle hinterließ. Kurz darauf stand die ebenfalls bekannte Person vor ihm, musterte ihn kurz, ehe sie ihn wortlos hineinließ und ihm drinnen erklärte, dass die Person, wegen der er wahrscheinlich hier war, gestern Nacht hier angetanzt kam und nun in seinem Zimmer war. Am liebsten wäre er dahingegangen und hätte diesem Kind ins Gewissen geredet, doch beließ er es dabei, stattdessen stürmte er in das Zimmer des Vampirs, ohne auch nur sich anzuhören, wie die anderen ihn versuchten davon abzuhalten, bevor es ihm noch schlecht ergehen würde…war ihm doch alles egal. „Ich tue dir wirklich gerne und oft einen Gefallen und dieser Junge ist echt ein nettes Kerlchen und ich habe ihn ja auch gerne und ich verstehe das alles ja sehr gut, aber wenn er mir den ganzen Tag raubt, damit, dass er abhaut, dann…“
„Halt’ den Mund, ich weiß auch ohne deiner Worte, dass du wütend bist und jetzt setz dich hin!“, sagte der Schwarzhaarige nur, ohne sich auch nur umgedreht zu haben. Die schwarze Gestalt stand am Ende des Raumes, mit dem Gesicht zum großen Fenster, die Arme hinterm Rücken. Jon sagte nichts mehr, setzte sich nur auf die Couch, wie man es ihm gesagt hatte, den Blick über den Raum gerichtet, der genauso voll mit unwichtigen Dingen war, wie all die anderen Räume auch, der genauso ordentlich war, wie das ganze Haus. Ungewohnt, nicht allzu heimisch, kein Wunder, dass es dem Engel nicht bei ihm gefallen hatte…er war es gewöhnt in dieser peniblen Ordnung zu leben, in einem Luxus, den sich Jonathan nie erlauben könnte und würde…und vielleicht wollte er es auch nicht…wozu auch, er mochte sein Leben, alles, was er besaß, er brauchte nichts mehr.


[tbc.]

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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Di Aug 11, 2009 1:27 am

Daisuke hatte sich nicht mehr bei dem Engel blicken lassen, auch nicht dann, als es bereits spät war und der Junge endlich wieder auf den Beinen sein sollte. Er wollte sich so selten wie möglich ihm zeigen, damit er sich langsam abgewöhnte, immer darauf zu zählen, dass er an Ort und Stelle war, immer dann, wenn er ihn brauchte, dass er jede Sekunde da war…das war vielleicht so eine Zeit lang, doch diesmal war Schluss, er gönnte dem Jungen zu viel, er hatte ihn verwöhnt und das Resultat war nun die totale Abhängigkeit von ihm. Beunruhigend, wo Daisuke doch nie jemand sein wollte, der für jemanden wichtig war, er wollte nie eine wichtige Rolle im Leben von irgendwem spielen und jetzt ist genau das passiert, was er nicht wollte.
Mit ernstem Blick starrten die schwarzen Augen hinaus, warteten darauf, dass sich irgendeine Gestalt blicken ließ. Entweder Malik oder sein neuer Aufpasser, beide würden heute hier erscheinen und ihn von der Arbeit abhalten, auch wenn Jon selbst wahrscheinlich von der Arbeit abgehalten wurde. Und fast wie gerufen, da war er erschienen, der Pilot, der auf der anderen Seite der Stadt lebte, wütend…das spürte er, denn keiner hasste die Stadt so sehr, wie er es tat, keiner hasste es so sehr sein Zuhause zu verlassen, wie er es tat und schon gar nicht wegen eines Kindes, das nicht hören konnte.
Lange hatte Daisuke ihn nicht angeschaut, zwang ihn nur dazu sich zu setzen und seinen Mund zu halten, während er darüber nachdachte, wie er es dem Kind am besten sagen sollte, dass er ein Idiot war. Erst gegen Abend drehte sich die Gestalt um, musterte den Cyborg ohne seine Miene zu verändern. „Du nimmst ihn heute wieder mit nach Hause, damit das klar ist. Haut er wieder ab, nimmst du ihn wieder auf und immer wieder, er muss lernen, dass sein Handeln nichts als Ärger macht. So sehr es dir auch nicht gefällt…du wirst es tun!“
Seine Miene verhärtete sich, die pechschwarzen Augen fixierten das Gesicht des Piloten, starrten es lange an, bis dieser endlich ein Nicken von sich gab und selbst danach schaute er nicht weg, als wäre es interessant gewesen sich den Metallkopf anzuschauen und tatsächlich, es hatte einen gewissen Reiz und eine gewisse Faszination wie ein junger Mann in so kurzer Zeit so schnell zu einer Halbmaschine werden konnte, dessen Glieder und ein Teil seiner Organe einfach so durch Maschinen ersetzt werden konnten und es ihm kaum etwas ausmachte, als wäre er so bereits geboren.
Daisuke wurde gestört, als seine Ohren die Schritte einer anderen Person vernahmen. Der Blick wandte sich von Jon ab, schaute den Heiler an, der ihm kurz und knapp Informationen über Maliks gesundheitliche Lage gab. Daisuke war klar, dass sich sein Zustand verschlimmert hatte, kein Kranker hätte eine strapazenreiche Nacht ohne Konsequenzen hinter sich gelassen. Ein leises Schnaufen kam aus der Richtung des Piloten. Er war nicht der einzige Unzufriedene in diesem Raum hier, alle schienen sich ebenso wenig über die neusten Ereignisse zu freuen, für jeden hier hieß das Stress.
Daisuke bedankte sich bei dem Mann, ehe dieser auch schon hinauseilte und den Jungen herbeiholte. Der Vampir schaute ihn kurz an, ehe er den Blick abwandte, wieder auf seinen Platz zurückging und sich auf seinen Sessel setzte, während der Blick in die Leere starrte. „Setz’ dich, Junge.“, sagte er knapp und deutete mit seiner Hand auf die Couch, wo sein Aufpasser saß. Unangenehm war es für den Engel, das wusste er ganz gut, doch er war selbst daran Schuld, er hätte erst denken und dann handeln müssen, wobei Zweiteres entfallen wäre, hätte er Ersteres getan.
Erst als der Junge sich neben dem Cyborg, der ihn kurz schweigend musterte, platziert hat, fuhr der Schwarzhaarige fort. „So schmeichelnd deine gestrige Tag auch gewesen war, bist du dir sicher bewusst, dass es eine Dummheit war, die ich dir in dieser Form nie beigebracht habe, vor der ich dich immer abgehalten habe und den Grund kannst du dir sicher denken.“, sagte er nur mit tonloser Stimme, während sein Blick weiter an Malik vorbeischaute, sich erst gar nicht die Mühe machte die Gestalt anzusehen. Natürlich war er immer noch enttäuscht gewesen. Er wollte ihn nicht schlagen, weil er etwas falsches getan hatte, er wollte ihn nicht anschreien und vor allem wollte er ihn nicht ansehen, denn auch ihm musste eines Tages klar werden, dass Daisuke nicht alles durchgehen ließ, dass er nur, weil er ihn sehr gern hatte, am liebsten von allen hier hatte, ihm nicht gleich alles verzieh und gleichzeitig erlaubte. Er musste endlich verstehen, dass er sich am meisten nur ihm in kümmerte und dass er nicht schätzte, dass er ihm Grunde nur für ihn den sichersten Ort heraussuchte, dass er das alles nur für ihn tat, enttäuschte ihn sehr.
„Weißt du, dass du mit deinem Handeln dich sehr in Gefahr gebracht hast? Du bist nachts einfach weggelaufen, alleine. Genau jetzt, wo man auf der Suche nach dir ist, wo dieses Feuerweib alles zerstört um an dich heranzukommen. Ich habe dich zu Jonathan aus einem Grund geschickt, damit du noch leben kannst, damit die Bemühungen nicht umsonst waren, die Opfer, die du gebracht hast. Ich habe dich fortgeschickt, damit ich die Dinge klären kann, damit du zurückkehren kannst und nicht jeder dir an die Gurgel will.“
Seine Stimme war lauter, aufgebrachter und vielleicht etwas wütender. Nun starrten die Augen ihn an, leuchteten leicht auf, ließen keine Sekunde vom Jungen ab. „Wir alle, wirklich alle, bemühen uns darum, dass dir nichts geschieht und du wirfst es einfach so hin, rennst zurück, weil es dir dort nicht gefällt, weil du dich so fühlst, als hätte man sich abgeschoben? Malik, du sollst nicht nur an dich denken, denk auch mal an die Leute hier, die zu deiner Familie geworden sind. Weißt du wie sehr du sie in dem Augenblick enttäuscht hast, wie du Arbeit zunichte gemacht hast?! Ich verstehe, dass du hier zu Hause bist, das sind wir alle, doch kannst du nicht Opfer bringen, wie wir alle? Du hast deine Flügel verloren, das nimmt dich mit, doch du kannst nicht nur allem hinterher trauern, werde erwachsen!“
Die letzten Worte waren beinahe gebrüllt, was Daisuke nicht wollte, doch es spielte keine Rolle mehr, es war ihm ganz gleich, denn diesmal hatte er genug, er hatte genug davon ihn bemitleiden zu müssen, er hatte genug davon ständig ein Pflaster auf die kleinen Wunden kleben zu müssen, es war alles nun einmal nicht so, wie sich der Junge es vorgestellt hatte, die Zeiten änderten sich drastisch und wenn er nicht bald versuchte sich auch zu ändern, würde er untergehen, sehr schnell und sehr schmerzhaft.
Lange starrte Daisuke Malik an, sagte nichts, schaute ihm nur in die goldenen Augen, wusste nicht, ob seine Worte irgendetwas gebracht hatten, ob er gerade an ihm vorbeisprach und irgendwie würde es ihn nicht wundern wäre es so. „Du wirst dich bei Jonathan ausruhen, wirst heute noch mit ihm mitkommen. Wenn du wieder gesund bist, kommst du zurück…es sind zwei Wochen. Wenn du während dieser zwei Wochen es wagst noch einmal abzuhauen, wirst du zurückgeschickt, wagst du es noch einmal, wäre dies das letzte Mal, dass du mich und dieses Haus sehen wirst, hast du verstanden? Denn dann werde ich es leid sein, dass unsere Bemühungen und die zahlreichen Toten umsonst waren, weil ein kleines Kind nicht stillsitzen kann.“ Endgültiges letztes Wort, mehr hatte er ihm nicht zu sagen, mehr wollte er ihm nicht berichten, weiteres war ihm egal. Der Vampir erhob sich und im nächsten Moment hörte man nur ein Knallen und er war nicht mehr da. Selten nutzte Daisuke seine Schnelligkeit aus, selten bewegte er sich, wie sich eben Unsterbliche normalerweise bewegten, doch er wollte nicht länger in diesem Raum bleiben, wollte Malik nicht länger ansehen, wollte sich nicht dramatisch von ihm verabschieden, er hatte zu tun.
„Bringt seine Sachen wieder zu der Werkstatt und seht zu, dass er mit dem Piloten nach Hause geht…ich habe zu tun.“, sagte er den Männern nur, ehe er das Haus verließ um sich wieder einmal in die Bärenhöhle zu begeben, um erneut seine Männer vor dem Tod zu schützen, wie jedes mal, immer und immer wieder die gleiche Leier.

Jonathan wagte es kein Wort zu sagen, wollte den Vampir während seiner Predigt nicht unterbrechen, sonst hätte er ihn vielleicht noch umgebracht. Wortlos hörte er ihm zu, wusste doch gar nicht, wie wichtig dieses Kind wirklich für ihn war, eigentlich war es ihm auch egal, aber nun…nun war er anscheinend auch ein Teil des ganzen Dilemmas geworden.
Malik tat ihm auf der einen Seite irgendwo Leid, doch auf der anderen konnte er den Vampir sehr gut verstehen…im Grunde waren beide irgendwie zu bemitleiden.
Erst als sie plötzlich alleine im Raum waren, erinnerte sich der Pilot daran, wie man eigentlich sprach. Verwirrt schauten sich die Augen im Zimmer um, wanderten anschließend zum Engel, diesen fragend anschauend. „Wo ist er denn auf einmal hin?“, fragte er nur leicht konfus, ehe er sich anschließend von der Couch erhob, sich ein letztes Mal umschaute. „Naja, egal. Komm’ jetzt, ich habe wirklich sehr viel Arbeit, die zu Hause auf mich wartet und auch wenn du nicht dahin willst, es ist besser als auf der Straße zu wohnen und es sind nur zwei Wochen, ich werde dich schon nicht aufessen, keine Sorge.“, ein leichtes Lächeln zierte sich auf dem Gesicht des Blonden, schaute den Engel freundlich an, mit einer Handbewegung ihn darauf hinweisend, dass er ihm folgen sollte. Eigentlich wollte er ihm sagen, wie unfreundlich und gemein er es von ihm fand, dass er einfach so ohne etwas zu sagen abgehauen war, dass er ihm solche Sorgen bereitet hatte, doch Daisuke hatte genug für einen Tag gesagt und außerdem, Jon war viel zu gutmütig um lange sauer auf ihn zu sein, konnte er nie und Kinder hauten nun einmal ab, das war irgendwo normal. Sein Blick wanderte kurz zum alten Verband, das er leicht besorgt anschaute. „Ohje, das werden wir zu Hause mal nur verbinden, schaut ja nicht mehr schön aus.“, mit diesen Worten trat der junge Mann aus dem Zimmer raus, gefolgt vom kleinen Malik.
Der Rückweg hatte nicht so lange gedauert, wie der Weg hierhin, die Straßen waren friedlicher und leerer, vielleicht auch genau deswegen, weil die meisten Banden sich jetzt trafen, sich nun bekriegten.
Auch die Dampfmaschine war so gut wie leer, nur einige Leute, die in den kleinen Örtchen abgelegen der Stadt, vollbepackt mit Taschen und jeder Menge Sachen, die sie anscheinend gekauft hatten, fuhren mit, alle nach Hause, wie auch Jon.
Verträumt betrachtete der Cyborg erneut die vorbeiziehenden Landschaften, die Häuser, die friedlichen Orte, in denen noch alles schön war. Und auch der Himmel zeigte sich wieder, violett strahlend, wie er es immer tat, wenn die Abendsonne allmählich unterging hier tat sie es immer etwas später als in der Stadt. Jon hoffte nur zu sehr, dass morgen auch so ein Tag werden würde, genauso schön, wie dieser, genauso klar, als wäre die Welt wieder in Ordnung.
Lange hatte die Fahrt gedauert und oft wurden beide Gestalten von den Leuten angestarrt, nicht täglich konnte man solch seltsame Gestalten erkennen und wahrscheinlich fragten sie sich wahrlich, was der kleine, arme Junge bei so einem bedrohlich wirkenden Mann nur wollte und wahrscheinlich dachten sie genau das Falsche, doch was interessierte ihn das schon, waren doch alles Spießer hier, unwissend, wie die Welt doch wirklich war.
Ratternd hielt der Zug endlich an, eine blecherne Stimme verkündete, dass dies die Endstation war, dass sie doch bitte alle aussteigen mögen und Jonathan ließ sich so etwas nicht zwei Mal sagen. Dicht gefolgt von dem Engel eilte er aus dem Wagon hinaus, ließ die Bahngleise rasch hinter sich, stampfte zu den unberührten Ländereien, hinter ihnen die bekannte Werkstatt erblickend, die unberührt dastand, auf der Wiese seine geliebten Fluggeräte nur auf ihn warteten. Zufrieden lächelnd präsentierte er den anderen Mitarbeitern voller Stolz Malik, den er wieder zurückgeholt hat. „Wenigstens ist der Junge nicht bis zur anderen Seite des Landes gereist, was.“, sagte er nur leicht lachend, ehe er sich wieder dem Jungen zuwandte. „Nun gut mein Junge, geh du schon mal in dein Zimmer, ich suche Verbandszeug, damit wir schnell das alte umtauschen können.“, er klopfte ihm sanft auf die Schulter, ehe er auch schon in eine andere Halle verschwand, auf der Suche nach etwas, was sie einst besaßen, dabei fröhlich eine Melodie summend, denn er war endlich wieder da, wo sein Motorherz hingehörte, dort, wo man noch von Leben reden konnte…wo das Leben erst lebenswert wurde.

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Kauzi
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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Di Aug 11, 2009 3:18 pm

Schweigend hörte er zu, einfach nur stumm und still. Ohne etwas zu sagen, ohne auch nur zu nicken, während die Stimme des Vampirs lauter und zorniger wurde. Zum Ende hin zuckte der Engel beinahe bei jedem Wort zusammen. Was hatte er denn auch anderes erwartet? Sicher, er hatte gehofft, wenigstens ein bißchen Freude zu sehen, nur einen winzig kleinen Hauch, dass er hatte zurückkommen wollen. Aber da war nichts dergleichen, rein gar nichts. Da war nur Wut und Enttäuschung und das traf Malik beinah noch mehr als die scharfen Worte Daisukes. Nicht einmal ein Wort des Abschieds, er war einfach verschwunden von einem Augenblick auf den anderen. Und erst jetzt flossen die stummen Tränen über die blassen Wangen. Noch immer war der Kopf gesenkt, die blonden Haare verdeckten das Gesicht, die Hände auf die Oberschenkel gestützt. Die Schuldgefühle frassen sich langsam aber sicher in seine Gedanken, lähmten alles andere und es blieben nur die Tränen, von denen er eigentlich gar nicht wollte, dass John sie sah. Er spürte die salzigen Tropfen auf seinem Handrücken, während er in die Stille des Raumes lauschte. Er hatte es doch gar nicht so gemeint. Das einzige, was er gewollt hatte, war zurück dorthin zu gehen, wo er eigentlich hingehörte. Und doch hatte er damit alle nur vor den Kopf gestoßen, hatte alle nur zornig gemacht. Aber er fühlte sich doch so einsam….Nein, die zwei Tage, die er bei dem Piloten verbracht hatte, hatte er sich längst nicht so verlassen gefühlt wie jetzt. Er hatte den Bogen überspannt und dafür hatte er jetzt zu zahlen. Die Stille wurde jäh unterbrochen, als der Cyborg wieder anfing zu sprechen, doch der Engel hörte ihm kaum zu. Mühsam versuchte er die Tränen zu unterdrücken, fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. Er hatte den Vampir selten so wütend erlebt, jedenfalls wegen ihm nicht. Es war erschreckend für den Jungen und er war noch immer leicht geschockt. Er hoffte, dass man es auf das Fieber schieben würde, wenn er so aufgelöst wirkte. Er warf keinen Blick mehr zurück, jetzt noch einmal die penible Ordnung des Arbeitszimmers sehen zu müssen, des Raumes, in dem er bis jetzt einen Großteil seiner Zeit hier verbracht hatte, das hätte zu sehr geschmerzt. All die Bücher, die er noch nicht hatte lesen können, dessen Wissen er sich aber zu gerne angeeignet hätte. Einige dieser Werke waren schon recht alt und sie waren noch nicht geprägt von Machtgier und Kapitalismus dieser Zeit. Aber das Lesen würde er für die nächsten zwei Wochen wohl abschreiben müssen wie auch so vieles, was er sonst gewohnt war.
Wer sagte denn, dass in 14 Tagen alles wieder gut wäre? Wer sagte ihm, dass dann nicht alles genauso übel sein würde wie jetzt? Und dann brauchte er ja auch gar nicht zurück zu kommen, denn dann hätte es nichts gebracht. Er spürte den Hass in sich wachsen, Hass auf diesen verdammten Bandenkrieg, in dem so sinnlos Opfer fielen, Hass auf dieses Weib, das langsam aber sicher alles zerlegte, was ihm wichtig war in seinem Leben. Er spürte die leicht besorgten Blicke zweier Heiler auf sich ruhen, sie schienen es ganz und gar nicht gut zu heißen, dass der Junge in diesem Zustand reiste, aber sie hatten Daisukes Laune mitbekommen und wagten es nicht Einspruch zu erheben. Einer der beiden Männer setzte wieder eine Spritze mit hochdosierter Medizin an, beobachtete den Jungen dabei skeptisch, versuchte ihn zu trösten mit den Worten, dass dieses die letzte Spritze für eine Weile wäre. Aber das konnte Malik nicht wirklich beruhigen. Er hätte einen Haufen Spritzen in Kauf genommen, hätte er nur hier bleiben können.
Das Haus wieder hinter sich zu lassen, schon zum zweiten Mal in diesen Tagen, war schmerzhaft und der Engel hielt lieber den Kopf gesenkt. Denn dieses Mal wusste er, war es endgültig. Er würde nicht noch einmal zurücklaufen. Dafür fürchtete er die Wut des Vampirs zu sehr, das und seine Worte. Wenn er ihn aussetzte, vor die Tür setzte wie einen streunenden Köter, als das, als was er ihn aufgegriffen hatte….Dann hatte er nichts mehr, dann wusste er nicht mehr wo er hin sollte. Also würde er dort bleiben, so schwer es ihm auch fiel.
Die Menschen, die sich noch in den Gassen aufhielten, waren Nachzügler, jeder versuchte, vor dem sinkenden Abendrot in den eigenen vier Wänden zu sein, um nicht in die Schussbahn der Bandenkriege zu geraten. Der ratternde Zug war um einiges leerer als vor einigen Tagen, als er zum ersten Mal hierher gekommen war. Und doch hatte er wieder keine Augen für die Landschaft, die an den verstaubten Fenstern vorbeizog. Wieder starrte er nur geknickt auf die eigenen Füße, sein Schädel schmerzte, etwas schien von innen gegen seinen Kopf zu schlagen. Das Fieber schien wieder zu steigen mit jeder Minute, in der auch etwas des Schmerzmittels nachließ und es ließ den Engel sowieso kaum etwas wirklich verarbeiten. Hatte seine Aktion auch Auswirkungen auf sein Leben, wenn er wieder zurück war? Er hatte Angst davor, wahnsinnige Angst. Er spürte die Blicke der anderen Fahrgäste, die meisten mitleidig oder erstaunt schockiert, als die Blicke auf die künstlichen Flügel oder die brandvernarbten Arme fielen. Malik war es egal, er war diese Blicke gewohnt, sollten sie sich doch ihren Teil denken.
Als er das Motorenöl roch, wusste er dass sie wieder zurück waren. Einige freundliche Begrüßungen der anderen Mechaniker, bevor Malik wie ihm geheißen worden war, in sein Zimmer verschwand. Es fiel ihm mittlerweile immer schwerer, sich überhaupt noch auf den Beinen zu halten, zu den fieberbedingten Kopfschmerzen gesellte sich mittlerweile auch der altbekannte Schmerz im Rücken. Er brauchte kaum zehn Minuten zu warten, bevor jemand mit Verbandszeug auftauchte und sowohl die Wunde am Rücken als auch die vernarbten Arme verband. Was zweiteres betraf, wäre es nicht zwingend nötig gewesen, die Narben waren schon alt und würden sich sicherlich nicht mehr entzünden, aber Malik wollte sie einfach nicht sehen, denn woran sie ihn erinnerten, das sollte lieber in Vergessenheit geraten. Er spürte den misstrauischen und vor allem überraschten Blick, als man das dunkle Pentagramm auf seinem Rücken sah, aber es wurde wortlos quittiert, denn der Engel machte keine Anstalten, das Brandzeichen zu erläutern. Seine Familiengeschichte ging niemanden etwas an, und das war auch besser so. Sichtlich erschöpft ließ der Engel sich einfach auf das Bett sinken, er hatte eine bunte Mischung Pillen schlucken müssen, um den künstlichen Schlaf zu bekommen, in dem er jetzt langsam versank.

Beinah vier Tage brauchte es, bis das Fieber abgeklungen war, und Malik sich nur noch mit den künstlichen Flügeln herumplagen musste. Obwohl er sie immer noch nicht bewegen, geschweige denn zum Fliegen benutzen konnte, wurden wenigstens die Schmerzen weniger. Viel helfen konnte der Junge in der Werkstatt wenig, viel zu schwächlich der kränkelnde Körper, viel zu groß das Unwissen, was Flugzeuge und ihre Mechanismen betraf. Außerdem wurde der Kleine sowieso beinahe an allen Ecken und Enden geschont, und wenn möglich suchte er auch gar nicht erst die Nähe der großen Motorenhallen. Der beißende Gestank, die Hektik und all die lauten Geräusche, all das lag ihm nicht und es tat ihm auch nicht gut, denn er war alles andere als gesund. Die meiste Zeit verbrachte er also entweder damit sich auszuruhen, oder das Wetter zu nutzen. Immerhin befanden sie sich hier am Meer, wo oft genug der salzig-fischige Geruch herüber geweht wurde. Obwohl er hin und wieder kritische Blicke erntete, da man ihn immer noch für zu krank hielt, um sich draußen aufzuhalten, wollte man ihn auch doch nicht einsperren, weshalb der Engel sich immer öfter zum Strand verzog.
Es war kein schöner weicher Sandstrand, spitzkantige Steine säumten das Ufer, überall zwischen ihnen lagen verrostete Teile, Treibgut oder einfach hier liegengelassen. Rote Flecken waren sie in der gräulichen Landschaft, und einmal hatte Malik sich an einem der Teile tief in den Finger geschnitten. Man hatte ihn getadelt, einen Tag später aber doch wieder ziehen lassen. An sich war die Küste sehr flach, aber an ein paar Stellen ragte das Land in gut zehn oder zwanzig Metern über dem Meer, steil fiel dort der Fels ab, doch trotzdem wagte sich der Engel immer wieder bis an den Rand, ließ die Füße über dem Abgrund baumeln, während er das Meer beobachtete. In südlicher Richtung waren die Umrisse der Stadt zu sehen, von hier aus schien so erkennbar eine dunkle Wolke darüber zu hängen. Die Schiffe, die in den Hafen ein und wieder aus fuhren, waren nicht mehr als kleine schwarze Punkte, erinnerten an Bienen, die zurück in den Stock kehrten und reiche Ware mitbrachten. Aber Malik fand die tosenden Wellen, die am schroffen Fels leckten eigentlich sogar interessanter als das geschäftige Treiben dieser Stadt, das er nur allzu gut kannte. Leicht verzerrt drang das Platschen an seine Ohren, und doch hatte er Respekt vor dieser grauen Flut, die einst weniger verschmutzt gewesen war. Er war alles andere als ein guter Schwimmer und die Metallflügel auf seinem Rücken waren sicherlich auch keine große Hilfe. Aber er hatte ja auch gar nicht vor, baden zu gehen. Immerhin hatten sie Mitte Herbst und die Fluten mussten einfach eisig sein, sodass schwimmen so oder so eine dumme Idee gewesen wäre.
Mehr als eine Woche war bereits vergangen, heute war der Abend des zehnten Tages. Die Sonne tauchte die Fluten am Horizont bereits in tiefes Rot, war schon beinahe versunken hinter der sich kräuselnden Linie. Es war wohl langsam Zeit, zurück zu gehen. Die Fenster der Werkstatt leuchteten freundlich in der dunkler werdenden Dämmerung. Und noch etwas anderes leuchtete, sechs helle Lichtkegel fingerten den Weg zum Haus entlang, schwarze Wagen, aus denen jeweils drei Männer hinaustraten. Bis auf einen Mann im schwarzen Anzug trugen alle anderen…..Polizistenuniformen. Was wollten die hier? Zweifelsohne kamen sie aus der Stadt, waren sie von der Regierung geschickt worden? Aber warum? Waren sie wegen ihm hier? Aber das konnte doch nicht sein, Daisuke hatte ihn doch extra hierher geschickt, damit man ihn nicht fand. Hatte jemand aus der Organisation geredet?
Malik hielt es für besser, nicht direkt durch die Haustür zu laufen und ihnen wohlmöglich in die Arme zu laufen, weshalb er in der nahenden Dunkelheit hinter der Werkstatt verschwand. Ohne wirklich darauf zu achten, durch welche Tür er ging, schlüpfte er in den Raum, Wärme und flackerndes Licht empfingen ihn. Aus irgendeinem anderen Raum drangen Stimmen, vermutlich die Polizisten und irgendwelche der Mechaniker. Er lauschte, konnte Bruchstücke der Unterhaltung hören.
„….wissen, dass er hier ist. Er ist ein gesuchter Verbrecher. Ihn zu verstecken ist strafbar.“
Alles in dem Engel schien sich zu verkrampfen, zog sich zusammen, kein Zweifel von wem sie redeten. Wie hatten sie ihn so schnell finden können? Wie war aus dem sicheren Versteck eine Falle geworden? Wo sollte er jetzt hin, damit sie sie nicht bekamen? Denn sicherlich würden sie nicht nur ihn mitnehmen wollen, sondern auch Jonathan. Ein Zittern ging durch den kleinen Körper, er versuchte sich zusammenzureißen, drehte sich um, um in einen anderen Raum zu eilen und wäre beinahe mit dem Cyborg zusammengestoßen. Die goldenen Augen starrten ihn von unten schreckengeweitet an, in dem Blick schockierte Unverständnis.
„Sie haben mich gefunden…..W-Wofür bin ich denn dann überhaupt hergekommen?“
Er versuchte, die herannahende Panik abzuschütteln. Er erinnerte sich nur allzu gut an seinen letzten Aufenthalt im Gefängnis und er wollte so etwas nicht noch einmal erleben müssen. Er hörte Schritte näher kommen, schwer zu sagen, ob sie von einem der Mitarbeiter oder einem der Polizisten stammten. Erst jetzt fiel ihm auf, dass der Raum Johns Arbeitszimmer war. Wo würden sie wohl eher nach dem Leiter dieser Werkstatt suchen als-?
Seine Gedanken wurden unterbrochen, als die Tür unsanft aufgerissen wurde, zwei Männer in der typischen Gardistenuniform standen im Rahmen, blickten erst den Cyborg irritiert an, bevor ihr Blick auf Malik fiel, der angsterfüllt neben ihm stand. Erkennen huschte durch ihre Augen, einer der beiden hob zum Sprechen an, während der zweite, ein dunkelhaariger Mann mit einer Narbe unter dem linken Auge, auf den kleinen Engel zutrat, der stolpernd zurückwich.
„Ah, da haben wir den Kleinen ja, er hat sicherlich die Informationen, die wir brauchen……Und Sie nehmen wir auch mit, sie haben ihm Unterschlupf geboten, das ist strafbar.“
Die Stimme klang irgendwie blechern, hölzern und unemotional. Das hier war einfach nur pure Routine und niemanden interessierte es, was mit den beiden geschah, nachdem man sie festgenommen hatte. Eine Hand schloss sich um den Oberarm des Engels, der sich heftig wehrte, aber kaum etwas gegen den erbarmungslosen Griff tun konnte. Fluchend versuchte er sich aus dem Griff zu winden, der Blick der goldenen Augen suchte flehend nach John. So konnte das doch jetzt nicht hier enden……

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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Mi Aug 12, 2009 12:05 am

Zehn Tage war alles gut gelaufen…mehr oder weniger. Die Arbeitszeiten haben sich verdoppelt, 24-Stunden Schichten waren mittlerweile zur Routine geworden, sodass er gar keine Zeit mehr hatte sich ausgiebig um den Engel zu kümmern, welchen das sicherlich alles sehr langweilte, was hier herumlag. Auch die anderen Mitarbeiter konnten nicht mehr tun, als ab und an schauen wie es ihm ging und ob er nicht erneut versuchte abzuhauen, doch Jon glaubte nicht daran, dass er so etwas tun würde. Der Vampir hatte sich genug echauffiert, außerdem war es so gut wie unmöglich sich nun wegzuschleichen, mindestens einer war jede Nacht wach, damit am nächsten Morgen die eingelieferte Maschine startklar war, sodass sie sofort mit einer neuen anfangen konnten.
Nur manchmal schaute der Cyborg persönlich nach dem Jungen, ob er gesünder war, plapperte etwas, was ihn wahrscheinlich kaum interessierte und ging dann, wenn er merkte, dass ihm nicht zugehört wurde, wieder weg. Nun, wenigstens war er noch da und beschäftigte sich irgendwie, denn es waren sonnige fünf Tage an denen Jon am liebsten etwas anderes getan hätte, am liebsten faul draußen herumläge oder mit seiner Lucy hinausflog, über die Stadt und noch viel weiter, so weit, wie es sein Tank ihm erlaubte.
„Ich sag euch was, morgen gibt’s Urlaub…so was haben wir uns alle verdient.“, müde schmiss der Blonde das Handtuch von seiner Schulter weg, legte das Werkzeug beiseite, während der Blick kurz hinaushuschte, dann wieder zu den Männern, welche sich langsam von der Werkstatt entfernten um sich die dreckigen Hände zu Waschen, um den Schmutz wegzubekommen, der an ihren Körpern klebte, das Motoröl und der Geruch von Benzin sich in ihre Kleidung eingefressen hatte, wie auch bei ihm selbst, doch er liebte diesen Geruch, er war mit diesem buchstäblich aufgewachsen, es war irgendwo sein eigenes Antriebmittel.
Zufrieden klopfte er auf das hohle Metall des Fluggerätes, das einsam dastand, staubig und an einigen Stellen eingerostet. „Du wirst eine Weile hier schlafen müssen, Kleine.“, murmelte er nur, ehe er sich umdrehte, langsamen Schrittes Richtung Ausgang sich fortbewegte.
Rasch vernahmen seine Ohren die Motoren, Motoren eines anderen Fortbewegungsmittels, eines Wagens…mein, mehrerer Wägen. Das konnte gar nicht möglich sein, niemand wollte heute erscheinen und schon gar nicht mit einem Auto, Jon hatte jedem einzelnen gesagt, dass nur Daisukes Pack einmal im Jahr hier den Rasen zerstören durfte, der Rest konnte sich auch zu Fuß hierhin bequemen oder mit einem Flugzeug. Leicht gereizt verließ der Cyborg den Raum, stampfte klirrend durch sein Büro und blieb erneut stehen, als sein Auge die Männer aus dem Fenster erfassten. Bekannte Uniformen, bekannte Automobile…die Regierung!
Ohne sich auch nur einen Millimeter zu bewegen, hörte er ihnen angespannt zu, bemerkte schnell um wen es hier wirklich ging und musste lautlos auflachen. Zehn Tage hatten sie also gebraucht, bis sie ein schwaches Glied in der Kette der Organisation ausquetschen konnten wo sich der kleine Mittelsmann eigentlich befand. Schwache Sache, Jonathan hatte schon bessere Aktionen erlebt, doch nun spielte es gar keine Rolle ob sie nun zu lange gebraucht hatten oder nicht, der Junge musste weg, so schnell es nur ging.
Ohne sich auch nur weiter um die Männer zu kümmern, drehte sich der Blondhaarige erneut um, kehrte dem Geschehen dem Rücken und eilte schnellen Schrittes zur Werkstatt, auch wenn seine eilenden Schritte schnell unterbrochen wurde, als der kleine Engel fast mit ihm zusammenprallte. Die ernsten Augen musterten ihn kurz, ein Glück war er nicht mit voller Wucht gegen ihn gerannt, das hätte einen Krach gegeben, als würde jemand all die Kochtöpfe in der Küche mit voller Wucht gegen den Boden schmeißen und diese lauten Sachen konnten beide nun wirklich nicht gebrauchen. Jonathan hörte dem panischen Gebrabbel Maliks zu, packte in anschließend bei den Schultern, sich zu ihm herabbeugend. „Halt’ den Mund.“, flüsterte er ihm zu, spähte weiterhin aus dem Fenster. Wo waren sie auf einmal? Wollten sie wieder davonfahren? Ausgeschlossen, kein Motor surrte auf, die Autos standen weiterhin reglos da und die Männer riefen irgendetwas Wirres und dann das Rattern der Tür, die laut knallend auffiel und die Uniformträger schnellen Schrittes hineinmarschierten. Einige von ihnen richteten die Waffen auf die beiden, schauten sie ernst an, während der andere zu sprechen begann. „Ihr kommt aber ganz schön spät um uns zu verhaften…vor allem mich.“, schnarrte seine Stimme nur voller Belustigung, während sein künstlicher Arm die schmächtige Gestalt des Engels hinter sich schob, damit er aus der Schussweite der Männer war.
„Bitte, Sir. Wir möchten wirklich keine unnötigen Unannehmlichkeiten…wenn sie beiden uns doch einfach folgen würden, ich garantiere euch, dass euch und der Werkstatt so nichts passieren würde.“, erwiderte die tonlose Stimme des Mannes nur, der nun einige weitere Schritte auf sie zu bewegte. Jon lachte laut auf, konnte diese Worte doch nur für einen sehr schlechten Witz halten, der so schlecht war, dass er wieder lustig war. Ein Phänomen für sich.
„Natürlich…Drohungen sind eine schöne Sache nicht wahr...seht ihr das? Ja? Dann schiebt dies bitte in euren Allerwertesten.“, mit diesen Worten schob er den Engel rasch in die Werkstatt hinein, eilte ihm sogleich hinterher. Hinter ihnen hörte er nur noch den Kugelsalat, der ihnen hinterher geschossen wurde. Viele der Bleiwunder trafen genau seinen Rücken, viele von ihnen jedoch prallen sogleich an dem Metallkörper ab, fielen klirrend zu Boden. Andere hingegen bohrten sich in das noch vorhandene Fleisch rein, ruhten dort und hinterließen einen widerlichen, pochenden Schmerz, doch das machte dem Cyborg nichts aus, es gab schlimmere Dinge, viel schlimmere, das war Kindergarten.
Seine Beine bewegten sich viel schneller als sonst, trugen ihn fast schon automatisch hinaus, zu seinem alten Flugzeug, das einsam dort stand und nur darauf wartete, dass man es benutzte. Hinter ihm hörte er die wütenden Stimmen der Polizisten, die stolpernden Schritte des Engels und die Rufe der Mitarbeiter, die versuchten die Regierung abzulenken. Erneut fielen Schüsse, Jonathan wusste nicht genau wohin sie geschossen haben, er hatte keine Zeit gehabt sich umzudrehen, die Zeit lief den beiden davon, viel zu schnell, viel zu hektisch.
Schnell griff seine Hand nach dem Arm von Malik, den er ohne weitere Probleme anhob und auf den Sitz hinter seinem platzierte. „Anstallen!“, rief er ihm nur laut zu, sprang selbst in die Maschine hinein, einen Schlüssel in das Zündschloss ansteckend und schon ratterte die Maschine laut los, fuhr langsam an. Die Polizisten schossen weiter auf sie, man hörte das Abprallen der Kugeln an dem Gehäuse des Flugzeuges und das laute Fluchen von Jonathan, der sich mittlerweile die alte Brille auf die Augen gesteckt hatte. „Sie haben den Tank getroffen.“, fauchte er nur wütend, fuhr weiter über den Rasen, immer schneller und schneller und rasch zog er seinen Lenker rauf, brachte die Maschine zum fliegen, die schnell die Ländereien und ihre Feinde hinter sich ließ, auch die anderen Arbeiter und die Werkstatt, sein Zuhause.
Das Dröhnen der Maschine wurde leiser, als sie an Höhe gewannen, über das grau-blaue Meer flogen, zwischen den Wolken verschwanden und irgendwann alles hinter sich und sich vor ihnen nur das niemals endend wollende Wasser erstreckte. „Hahah Diese Idioten glaubten doch echt uns erwischen zu können!“, lachte Jonathan nur laut, grinsend den Flug genießen, auch wenn seine Schulter schmerzte und der Motor immer leiser wurde und plötzlich nur noch kläglich aufheulte und anschließend erstarb. Panisch drehte sich der Cyborg zu Malik um. „Gut festhalten, mein Junge, ich versuche diese Maschine möglichst sanft zu landen.“, rief er nur gegen den Lärm an, hielt das Lenkrad möglichst gerade, versuchte mit allen Mitteln einen Sturzflug zu vermeiden, der ihnen bevorstehen sollte.
Los, Lucy, meine Kleine, du bekommst es hin! Angestrengt starrte er an den Wolken vorbei und schon rasten sie mit unglaublich schneller Geschwindigkeit nach unten, immer schneller und schneller. Der Wind peitschte ihm gegen das Gesicht, eiskalt und unangenehm, wie kleine Nadeln. Die Wolken rasten an ihnen vorbei und schnell waren die tödlichen Wassermassen sichtbar, kamen immer näher heran und dann- platsch!
Jonathan hatte die Hände über dem Kopf gehalten, die Augen geschlossen…es dauerte eine Weile bis er einen Blick hinauswagte, direkt in das Meer starrte. Kippend trieb das Flugzeug auf der Wasseroberfläche, die Flügel waren genickt, zerstört, sowie der Rumpf. Es knarrte laut und schon sanken sie ein Stück weiter runter, der Innenraum füllte sich mit dem kalten Wasser. Schnell schnallte sich der Cyborg ab, drehte sich zu Malik um, half diesem dabei das Gleiche zu tun. Besorgt wanderten seine Augen von Maschine zu Malik und wieder zurück.
„Meine kleine Lucy sinkt…“, sagte er leise, sich nicht darum kümmernd, dass sie langsam im Wasser standen und immer schneller hinein sanken, schließlich waren beide nicht die Leichtesten, hatten Metall an ihren Körpern, Jonathan noch mehr als der Junge, doch selbst die Flügel reichten aus um es ihm sehr zu erschweren an der Oberfläche bleiben zu können. „Wir müssen uns an den Flügeln krallen und versuchen an Land zu schwimmen.“, sagte er anschließend, sich langsam erhebend, was die Maschine weiter zum Sinken brach. Klägliche Laute hinterließ das Wrack, als würde es sterben und irgendwo tat es dies auch…in Jonathans Augen, denn diese Maschine war sein Leben, sein erstes Flugzeug, das er liebte und pflegte und nun…nun musste er es den Tiefen des Meeres überlassen, die es von Zeit zu Zeit rosten lassen würden, es zerstören würden, als wäre es ein unwichtiges Stück Metall. „Los jetzt, sonst gehen wir auch noch drauf! Du nimmst den Flügel dort.“, er deutete auf ein schwimmendes Stück, das abgebrochen war auf der rechten Seite, er selbst drehte sich zur anderen Seite um, sprang von der Flugmaschine ab, in das eiskalte, dunkle Wasser, was ihn sofort nach unten riss. Er war zu schwer, konnte sich kaum bewegen, schaffte es jedoch mit sehr viel Schmerz und Mühe zum Wrackteil zu ‚schwimmen’, sich an diesem festzukrallen. Der Blonde spuckte das salzige Wasser aus seinem Mund, das immer wieder hineinwollte.
Sein Blick wanderte zu Malik, wartete darauf, dass er den Flügel erreichte und sich an diesem festhielt. „Los jetzt!“; mit einer Handbewegung bedeutete er dem Engel ihm hinterher zu schwimmen. Mühsam paddelte Jon mit seinen Beinen, schob das Wasser beiseite. Es war schwierig, es war schmerzhaft, fast so, als wollte man einen Felsen beim Schwimmen mit sich ziehen…er war einfach nicht für das Wasser geschaffen. Seine Wunden füllten sich mit dem Salzwasser, brannten wie Hölle und als wäre dies nicht schmerzhaft genug, musste er nun auch noch sein Flugzeug verlieren. Ein letzter trauriger Blick wandte sich kurz seiner Lucy zu, die in diesem Moment vollständig in die Tiefen sank und nicht mehr zu sehen war…nie wieder würde Jon sie wiedersehen….nie wieder. „Hoffentlich finden wir bald ein Stückchen Land.“, rief er dem Engel zu, weiterpaddelnd. Doch irgendwo zweifelte er daran, denn vor, neben und hinter ihnen war nichts, außer Wasser, sie waren gefangen in diesem Meer. Vielleicht war dies nun das Ende…vielleicht würden beide hier draufgehen. Daisuke würde ihn umbringen…er hat nicht gut genug auf Malik aufgepasst…er würde ihm den Kopf abreißen, Grund mehr jetzt nicht aufzugeben. „Hey Malik, wir dürfen nicht hier ersaufen…dein Boss würde uns umbringen dafür. Ein leichtes Lächeln zierte sich auf dem Gesicht des Cyborgs, der anschließend zu Malik paddelte, diesen zu sich zerrte. „Du hast noch eine große Verletzung am Rücken…überanstrengen kannst du dich dann später, halt dich einfach gut fest, ja.“, er musterte ihn eine Weile, wandte den Blick dann wieder geradeaus, paddelte so fest, wie er nur konnte, so schnell wie es nur ging. Er hatte jemanden etwas versprochen und das würde er nicht brechen, er wollte nicht, dass der Tod seiner Maschine umsonst gewesen war, die Flucht, das alles hier…sie hatten es verdient wieder Land unter ihren Füßen zu bekommen und dieses würden sie auch bekommen!
Jonathan wusste nicht wie lange es gedauert hatte, bis die müden Augen endlich einen Strand erblickten. Es war bereits tiefste Nacht, über und unter ihnen erstreckte sich nur die endlose Schwärze, nur mit dem Unterschied, dass sie unter ihnen viel unheimlicher wirkte. Erleichtert bewegte sich der Metallmensch dorthin, seinen Blick immer ab und an zu dem Jungen werfend, dann wieder nach vorne. Bald gewann er den Sandboden unter den Füßen und bald konnten beide auch endlich aus dem Wasser rausstolpern. Mit dem Wrack unter seinem Arm sackte Jonathan anschließend zusammen, der Atem ging unregelmäßig auf und ab, keuchend, müde vom Gepaddel, das nun hinter sich hatte. Sein Rücken schmerzte, die Einschusswunden brannten, sein ganzer Körper war geschwächt, wollte sich nicht mehr bewegen.
Keuchend starrten die Augen in den Sternen besetzten Himmel, der sich über ihnen erstreckte, triumphierend lächelnd. Er hatte es geschafft, er hatte sich und den Jungen sicher an Land gebracht, sie waren sicher, sie sind nicht gestorben und er hatte auch noch einen Teil von seinem Flugzeug behalten. „Ein Prachtstück, meine Lucy. Hat uns bis zum Ende hin gerettet...“, murmelte er nur grinsend, ehe seine Augen langsam zufielen, der Kopf müde zur Seite kippte und er in einen tiefen Schlaf versank...endlich.

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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Mi Aug 12, 2009 1:44 am

Es ging alles viel zu schnell, sodass dem Engel kaum die Zeit blieb, irgendwie großartig selbst zu reagieren. Er hörte die aufgebrachten Stimmen hinter sich, die langsam im Geräusch der Kugeln versanken. Bevor er überhaupt selbst Anstalten machen konnte, in die Maschine zu klettern, wurde er auch schon gepackt und hochgezogen, zu schnell als dass er überraschten Schmerz hätte spüren können. Er war schon oft geflogen, allerdings noch nie in einer der künstlichen Maschinen. Bis jetzt hatte er immer selber fliegen können. Würde es hoffentlich bald wieder können. Es war etwas so anderes, als auf Federschwingen zu fliegen. Etwas holpriger und vor allen Dingen lauter, das Stampfen des Motors dröhnte in seinen Ohren wieder: Aber es war kein gesund wirkendes Geräusch. Wie denn auch wenn man bedachte, was die Eisenkugeln getroffen hatten. Skeptisch fühlte der Engel über seinen eigenen Arm, zuckte kurz zusammen. Leicht, ganz leicht hatte eine der Kugeln ihn gestreift, kaum der Rede wert, und doch klebte helles Blut an seinen Fingerspitzen. Er würde sie später verbinden können, so schwer war die Wunde nicht. Und außerdem merkte er, dass sie gerade größere Probleme. Viel größere. Malik hörte das Stottern des Motors, und auch wenn er nicht sehr bewandert war was Flugmaschinen betraf, so wusste er doch, dass dies nichts Gutes heißen konnte. Und Johns folgende Worte bestätigten ihm seine Befürchtungen nur. Krampfhaft krallte er sich irgendwo fest, spürte wie irgendetwas an seinem Magen zu reißen schien. Für einen kurzen Moment war ihm widerlich schlecht, als drehte man alles in ihm durch eine Mangel, und zwar mehrmals. Aber langsam legte sich das Gefühl und alles was bliebe, war ein ekelhaftes Brennen auf der Hälfte seiner Speiseröhre. Ein lauter Knall, ein heftiger Ruck, der durch die Maschine ging und den Hinterkopf des Jungen gegen hartes Metall schleuderte, sodass für ein paar Sekunden nur Sterne vor seinen Augen tanzten. Noch etwas benommen versuchte er mit der Hilfe des Piloten die Gurte zu lösen, die ihn an das sinkende Flugzeug ketteten. Es war eine Schande, dass die Maschine dafür hatte draufgehen müssen. Malik spürte die Trauer, die den Cyborg umklammerte, konnte es sicher nicht nachfühlen, dafür hätte er wohl selbst Pilot sein müssen, aber er konnte es durchaus verstehen. Er hätte gerne etwas gesagt, aber er wusste beim besten Willen nicht was. Sie mussten sich wohl erst um ihr eigenes Leben kümmern, bevor sie dem treuen Gefährt nachtrauern konnten. Dabei war sich Malik nicht einmal sicher, ob sie dazu noch die Gelegenheit bekamen. Auch wenn alles in ihm lautstark dagegen protestierte, tat er es John gleich und sprang ebenfalls in die Fluten. In die eisigen Fluten.
Der Engel hatte wohl sicherlich noch nie in seinem Leben eine solche Kälte gefühlt, mit einem Schlag schien sie alles in ihm zu lähmen, jeden einzelnen Muskel einzufrieren. Erschwerend kam noch das Gewicht der Flügel hinzu. Mit einem Ruck schien der kleine Körper gleich einen guten Meter unter der Wasseroberfläche zu verschwinden, bevor die panisch um sich schlagenden Hände eines der Wrackteile ergriffen. Nur allzu mühsam zog er sich hoch, jedoch nur gerade so weit, dass er noch immer mit den Flügeln im Wasser hing. Das Salzwasser frass sich schmerzhaft in die Wunden. Was, wenn ihn das wieder um einige Wochen zurückwarf? Dann würde er noch länger warten müssen, bis das Metallgestell verkleidet werden konnte. Dann würde er noch länger Spritzen und Medikamente ertragen müssen. Noch immer schienen die Flügel ihn in die Tiefe zerren zu wollen, wie etwas fremdartiges, das seinen Tod wollte. So sehr er auch strampelte, er hatte nicht das Gefühl überhaupt vorwärts zu kommen. Wenn das so weiter ging, würde er vor Schwäche einfach irgendwann loslassen müssen. Er wollte etwas erwidern auf die Worte des Cyborgs, doch ein Schwall Salzwasser schoss ihm in den Rachen, und hustend und spuckend verkniff er sich weitere Redeversuche.
Außerdem sprach der Blick der goldenen Augen, als John ihn mit sich zog, sowieso Bände und benötigte keiner Worte. Er wollte leben, er wollte überleben. Das sollte man ihm doch wirklich gönnen, hatte er das nicht verdient? Da hatte er sich vorgenommen, brav an diesem angeblich sicheren Ort zu warten und es hatte nichts gebracht. Weil sie wohl augenscheinlich einen Verräter in der Gruppe hatten. War das fair? Dass sie nun für das grauenhafte Ehrgefühl einer Person hier im eiskalten Wasser schwammen? Nein, das war es nicht…..Nichts an ihm schien mehr zu leben, alles schien erfroren, als endlich ein dunkler Schemen am Horizont auftauchte. Land…..War denn das zu fassen? Das musste eine der zahlreichen Inseln oder Halbinseln sein, die die Bucht und das Meer vor New York säumten. Wie ein Traum erschien ihm der feste Boden unter den Füßen, wo er doch wohlmöglich mehrere Stunden nur im Wasser verbracht hatte, mit einer unermesslichen Tiefe unter dem dürren Körper. Seine stolpernden Schritte trugen ihn kaum einige Meter weit, bevor er vor Erschöpfung zusammenbrach, einen Schwall Salzwasser aushustend. Er mochte nicht so große Kraft verwandt haben wie der Cyborg, aber der Körper war auch um einiges schwächer als der Johns, und die Wunde, die nun so lange dem Salzwasser ausgesetzt gewesen war, schien ihn beinahe umzubringen. Die goldenen Augen fielen einfach zu, in Gedanken schickte er noch ein Stoßgebet an den Himmel, dass sie dieses Flugzeug bekommen hatte, das ihnen bis zuletzt das Leben gerettet hatte. Egal wo sie jetzt waren, Hauptsache Land…..

Wo zum Teufel war er? War da elektrisch flimmerndes Licht gewesen, als er eingeschlafen war? Ganz sicher nicht……Vorsichtig öffnete der Engel die Augen, blieb allerdings lieber liegen. Er ahnte dass, würde er sich erheben, da wieder dieser Schmerz sein würde, also drehte er nur leicht den Kopf, während er die Decke noch weiter bis unters Kinn zog. Er fror erbärmlich, und das obwohl es recht warm in dem Raum war. So lange konnte er wohl noch nicht vom Strand fort sein. Helles Weiß strahlte ihm entgegen, als er sich im Raum umsah, ein weiteres Bett stand im Raum, das ganze hier erinnerte stark an ein Krankenhaus. Wo waren sie gelandet? Er sah John in dem zweiten Bett liegen, er war allerdings noch nicht bei Bewusstsein. Nachdenklich starrte Malik an die Decke. Was, wenn sie wieder der Regierung in die Hände gelaufen waren? Dann wäre ja alles umsonst gewesen. Aber jetzt von hier fliehen wäre sinnlos gewesen, dafür waren sie beide viel zu geschwächt. Also hieß es wohl oder übel abwarten. Und die Lösung des ganzen Rätsels ließ nicht lange auf sich warten. Die Tür öffnete sich vorsichtig, der Kopf einer jungen Frau schaute herein, trat schließlich ganz herein, als sie den wachen Malik sah. Ein warmes Lächeln lag auf ihrem Gesicht, sicher, immerhin sah sie in ihrem Gegenüber ein kleines Kind, das wohl beinahe ertrunken wäre. Der Anblick der Spritze in ihrer Hand konnte Malik nicht mehr erschrecken, den Schmerz spürte er kaum mehr, als sie ihm etwas mehr von dem Schmerzmittel verabreichte, sich anschließend einen Hocker an das Bett stellte und sich darauf setzet, den Engel neugierig musternd mit ihren blauen Augen. Sie trug die typische Kleidung einer Krankenschwester, also waren sie wohl tatsächlich in einem Krankenhaus oder ähnlichem gelandet.
„Na, wieder wach?“, summte sie freundlich, während sie ihm einen prüfenden Blick zuwandte, vermutlich um zu sehen, ob mit ihm wirklich soweit alles in Ordnung war.
„Wir haben dich und den Cyborg am Strand gefunden, ihr saht schrecklich aus.“
Leichte Besorgnis klang in ihrer Stimme mit, während sie aufstand und zu dem schlafenden John hinüberging. Erst jetzt fiel Malik der Verband um seinen Rücken auf, anscheinend hatten sie die Kugeln entfernt und die Schusswunden verbunden. Als sie feststellte, dass er immer noch ruhig schlief, wandte sie sich wieder dem Kleineren zu.
„Was ist euch beiden denn passiert?“
Im ersten Moment war er sich nicht sicher, was er antworten sollte. Die volle Wahrheit wohl kaum., jedenfalls nicht bevor er nicht wusste, in was für einem Krankenhaus sie sich hier befanden. Aber hätte man die beiden Gestalten erkannt, würde es hier sicher bereits von Polizeibeamten wimmeln.
„Wir hatten einen Flugzeugabsturz…“, antwortete er schließlich zögerlich. Immerhin, das war nicht gelogen und klang nach einer glaubhaften Erklärung angesichts der Schrottteile die man bei ihnen gefunden hatte. Bei dem Gesichtsausdruck, den der Junge machte, schien die Frau nicht weiterfragen zu wollen, wollte wohl keine traumatischen Erinnerungen aufwühlen, die es eigentlich nicht gab. Malik sah es für sich an der Zeit, eine Frage zu stellen.
„Wo sind wir hier denn überhaupt?“
All die Naivität eines Kindes schien in der Stimme durchzuschlagen, mit dieser Masche würde er bei der Schwester vermutlich am allerbesten punkten können. Und siehe da, ein warmer Ausdruck stahl sich auf ihr Gesicht, bevor sie antwortete. Sie bemitleidete ihn, das konnte er fühlen, aber warum auch nicht? Dieses Mitleid konnte ihm nur nützlich sein.
„St. Mary´s Island…“, antwortete sie, hielt kurz inne, als sie Maliks schockierten Gesichtsausdruck sah, sprach dann weiter, „aber ihr seid hier nicht als Gefangene, keine Sorge Kleiner. Wir versorgen euch nur hier auf der Station.“
St. Mary´s Island, die einst größte Gefängnisinsel der Stadt war in den letzten Jahrzehnten immer mehr verkommen und war für die Regierung kaum noch von Bedeutung. Aber immer noch waren hier einige Verbrecher inhaftiert. Eigentlich handelte es sich bei dem Stück Land nichtmal um eine wirkliche Insel, es war vielmehr eine Halbinsel. Einfacher zu fliehen also. Sie schienen nicht zu wissen, mit wem sie es zu tun hatten. Fragte sich nur, wie lange es so blieb, also musste er schnell handeln. John hatte ihm das Leben gerettet, Zeit sich ein wenig zu revanchieren.
„Hätten Sie ein Telefon hier? Ich würde gerne meiner…..“, er hielt nur für einen kurzen Moment stockend inne, „…meiner Familie Bescheid sagen, dass es uns gut geht und sie uns hier abholen können. Natürlich nur, wenn das in Ordnung ist“, fügte er hastig hinzu. Wer hätte dem Blick der goldenen Augen eine Bitte abschlagen können? Seufzend erhob sie sich und bedeutete ihm, ihr zu folgen. Auf dem Flur ließ sie ihn alleine mit einem der monströs wirkenden Apparate. Er musste unbedingt Daisuke Bescheid sagen, er konnte jemanden schicken, um sie hier abzuholen. Und das so schnell wie möglich, bevor jemand die Gesichter von diversen Steckbriefen erkannte. Die Finger drehten zitternd an dem Rad, wählten die für alle Fälle auswendig gelernte Nummer. Er betete, dass das Tuten unterbrochen werden würde, dass die Rebellen nicht irgendwo unterwegs waren, doch dann ertönte ein leises Klicken, eine bekannte Stimme. Der Engel atmete vor Erleichterung auf, auch wenn ihm ein dicker Kloß immer noch im Hals steckte. Mit einigen knappen Worten schilderte er ihre Lage, sich dabei immer wieder nervös umsehend, ob nicht jemand seinem Gespräch lauschte.
„….auf Mary´s Island. Es tut mir Leid, wir haben Mist gebaut“, schloss er mit niedergeschlagener Stimme, auf eine Antwort des Mannes am anderen Ende der Strippe wartend. Wenn er sich nicht völlig geirrt hatte, war es Kyle, derjenige, der ihn zum ersten Mal zu John gebracht hatte. Kurzes Schweigen folgte, während der Rebell kurz nachdachte.
„Ich richte es Daisuke aus, sobald er wieder hier ist. Spätestens in fünf Stunden ist jemand da um euch abzuholen.“
Dem Engel fiel ein Stein vom Herzen, als das leise Klicken am anderen Ende der Leitung das Gespräch beendete. Ob der Vampir persönlich kommen würde, um sie abzuholen? Wenn Malik es auch nicht glaubte, hoffen tat er es. Gerade jetzt, wo er sich so schrecklich schwach war, hätte er jemanden gebrauchen können, der ihn in den Arm nahm, auch wenn er wusste, dass der Vampir das vielleicht eine ganze Weile nicht mehr tun würde, nachdem er so verdammt wütend und enttäuscht gewesen war. Aber immerhin, fünf Stunden würden sie schon irgendwie überleben. Er ging leisen Schrittes zurück in das Zimmer, sich wieder ins Bett legend. Ihm war immer noch erbärmlich kalt und vermutlich sollte er die verbleibenden Stunden besser dafür nutzen, sich noch etwas auszuruhen. Die Schwester ließ sich nicht mehr blicken, vermutlich hielt sie die beiden vorerst für genug versorgt.

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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Sa Aug 15, 2009 1:37 am

Jonathan hatte nichts bemerkt, er hatte nicht bemerkt, wie man ihm mit Mühe auf ein Bett trug, wie man ihm zahlreiche Spritzen verabreichte und wie man ihm die Kugeln aus dem Körper entfernte und alles möglichst gut verband, damit keine schlimmeren Verletzungen entstanden. Er hatte nicht einmal bemerkt, wie man ihm von voller Gewalt das Trümmerstück aus den Fingern riss, das er fest umklammert hatte. Lange spürte der Cyborg keinen Schmerz, als wäre nie etwas gewesen, als hätten nie seine Muskeln gebrannt, als hätte er sich nie fast zu Tode geschuftet, als hätte es nie einen Flugzeugabsturz gegeben, als wäre dies alles nur ein schlechter Traum. Doch es dauerte nicht lange, bis das gute Gefühl langsam schwand, bis die Medizin, die man ihm gab, langsam die Wirkung verlor, bis sein Körper nicht mehr auf Drogen war und ihn langsam wieder in die schmerzhafte Wahrheit einweihte, darin, dass es alles, nur kein Traum war, dass seine schmerzen so real waren, wie es nur ging, dass er tatsächlich seine Lucy verloren hatte. Hart kamen diese Tatsachen auf ihn zu, als er aus seinem tiefen Schlaf fiel, als seine Augen sich langsam öffneten und den unbekannten Raum betrachteten. Wo auch immer er war, es sah nicht nach seinem Zuhause aus, es sah nach keinem Ort aus, den er kannte oder auch nur einmal in seinem Leben gesehen hatte. Hektisch wanderte sein künstliches Auge von einer Ecke zur anderen, fixierte alles, was dort war um es nie wieder zu vergessen. Langsam versuchte sich der Blonde aufzurichten, doch sein kläglicher Versuch scheiterte, als der Schmerz seine Wirbelsäule hinauf kroch und das Rückenmark zum Gefrieren brachte, als sein falscher Arm ihn so heftig zucken ließ, dass es noch mehr schmerzte. Keuchend ließ sich der Körper wieder auf das Bett sinken, der Kopf wanderte zur Seite. Zum Teufel, es hatte ihn anscheinend doch etwas zu hart getroffen, es war zu viel für seinen Körper und das ließ er ihn auch langsam spüren. Mit verzerrter Miene wandte er seinen Blick zur Seite, vernahm nur schwach die leisen Schritte von einer Person, wer auch immer das war.
Es wurmte ihn sehr, dass er gar keine Ahnung hatte, wo in Gottes Namen er eigentlich war.
Es war so ruhig und leer hier, dass man einfach sich kein Bild aus alledem machen konnte, dass es einfach…in Gottes Namen! Panisch klopfte der Cyborg seinen ganzen Körper ab, drehte seinen Kopf in alle möglichen Richtungen und nahm auch schnell den ganzen Mut zusammen und richtete sich auf, auch wenn dies mehr als nur unangenehm war. Keuchend setzte er sich auf, betrachtete den gesamten Raum, der ihn stark an eine Krankenstation erinnerte, was es wahrscheinlich auch war.
Rasch wurden die Schritte immer schneller und lauter und schon stand eine Krankenschwester vor ihm, den besorgten Blick auf ihn gerichtet, mit der Spritze in der Hand.
„Lucy…wo zum Teufel ist sie?“, fragte er panisch, schaute sich weiterhin hektisch um, doch nirgends war auch nur das kleine Wrackteil aufzufinden, das ihnen das Leben gerettet hatte.
„Lucy? Tut mir Leid, wir haben keine Frau bergen können, aber einen Jungen, der gerade seine Familie anruft.“, summte die ruhige Stimme ihm entgegen, trat näher auf ihm zu und injizierte ihm das weiße Wunder in das Blut. Gegen die Schmerzen, das wusste er und das hat er auch wirklich gebraucht, mehr als man ahnte.
Nachdenklich betrachtete er die Schwester, fragte sich, ob Malik wirklich gerade telefonieren war und ob er nun Daisuke anrief…nun, wer sonst konnte als Familie in Frage kommen, das Kind hatte doch nur diesen alten Vampir gehabt und die Organisation.
„Ach…Lucy ist keine Frau, es ist meine Maschine…ich hatte einen Teil bei mir.“, murmelte er leise der Krankenschwester entgegen, leicht schmunzelnd, als sie laut auflachte und ihm berichtete as Wrackteil würde sich im Nebenzimmer befinden.
Und wieder einmal hatte sich Jon irgendwo erholt, das Schmerzmittel wirkte schneller als er dachte, bald darauf konnte er wieder aufstehen, konnte aufgeweckt sich mit der Dame unterhalten und hatte nicht einmal Sorgen als er erfuhr, dass sie in einem alten, verkommenen Gefängnis festsaßen.
Erst als die Statur von Malik sich wieder im Raum blicken ließ ging die Krankenschwester wieder, zwinkerte dem Halbmenschen noch einmal kurz zu und schon war sie weg. Verträumt schaute er ihr nach, wandte dann seinen Blick zu Malik, diesen angrinsend. „Sieh dir diese Frau an und sag mir, dass wir im Himmel gelandet sind, so kommt es mir nämlich gerade vor.“ Lachend lehnte er sich Bett zurück, starrte nachdenklich die Decke an. „Sie holen uns ab, nicht wahr?“, fragte er nur noch, schaute nicht einmal zu dem Engel herüber um sich seine Antwort bestätigen zu lassen, es war klar, dass sie kommen würden, sie mitnehmen würden, nach Hause, wenn sie auch ein Familienmitglied verloren hatten..wenigstens waren es nicht zu viele, wenigstens war es nur eins. Ein leises, trauriges Seufzen entwich seiner Kehle. „Weißt du, Lucy…sie war meine allererste Maschine, ich habe sie mit achtzehn bekommen und sie so sehr geliebt wie meine Ehefrau. Ich benannte sie nach dem Mädchen, das ich am meisten liebte, doch sie ging eines Tages davon, nach London, um dort Karriere zu machen…ich habe sie nie wieder gesehen.“ Das unbeschwerte Lächeln rutschte ein wenig, wurde nur zu einem Lächeln, das nicht viel Bedeutung hatte, nicht viel Ausdruck.
Ja, wenn er so daran dachte, dann hat er nun beide verloren, seine Liebe und seine Geliebte...doch wenigstens lebte er, der Junge auch und sie hatten wirklich lange unentdeckt verweilen können, sie hatten es gut und das war die Hauptsache.
Jonathan gähnte leicht, für einen Moment die Augen schließend…sie würden ihn schon wecken, wenn ihre kleinen Familienmitglieder angetanzt kämen.

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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Sa Aug 15, 2009 1:37 am

„Was?“ Ausgerechnet auf einer Gefängnis(halb)insel mussten sie nun sein, ausgerechnet dahin mussten sie hin schwimmen, wie Magneten, die den Ärger nur so anzogen.
Ernst starrte Daisuke den Mittelsmann an, wie er ihm erklärte wo sie waren und was genau geschehen war. Dass sie einen Besuch von der Regierung hatten, das wusste er mittlerweile. Er wusste auch, was geschehen war, nachdem sie geflohen waren. Daisuke war froh, dass es so lange gedauert hatte, irgendwo musste er auch lachen, wie es der Cyborg auch getan hatte, wie es viele getan hatten. Und irgendwo war es gut, dass es keines der neuen Gefängnisse waren und dennoch, es war nicht gut, dass sie ausgerechnet dort waren, denn sobald die Männer aus der Stadt dorthin fahren würden um nachzusehen wie es dort lief und Malik und Jonathan auffinden würden…es gäbe ein schlechtes Ende, dann war alles umsonst, alles wäre einfach nur unwichtige Arbeit, für die Katz.
Schnell packte sich der Vampir seinen Mantel, legte die Arbeiten beiseite, aus dem Haus eilend, hinter ihm drei Männer, die ihn begleiten wollten und auch mussten. „Wir müssen sie schnell nach Hause bringen, bis irgendwer davon mitbekommt wo sie stecken und vor uns dort aufkreuzt.“, schnarrte er nur, während sich die Statur hinten in einem pechschwarzen Wagen hinplatzierte, neben ihr Kyle, der den Anruf verfolgt hatte. Der Motor surrte auf, graue Wölkchen drangen aus dem kupfernen Röhren, die in die Höhe ragten und bald darauf bewegten sich die eisernen Räder, immer schneller und schneller. Alles raste an ihnen vorbei, andere Autos wurden überholt. Sie alle hatten nur einen Gedanken bei sich- schnell die anderen abholen, bevor ein Unglück geschah.
Nachdenklich starrte Daisuke aus dem Glasfenster, in dem sich sein blasses Gesicht widerspiegelte, es ernst anstarrte mit den pechschwarzen Augen, die alles drohten einzusaugen, mit einem bloßen Blick. Er war besorgt, besorgt um die gesundheitliche Lage beider Männer, um ihre Psyche und um ihre missliche Lage, die sich schnell zu einer noch schlimmeren entwickelt konnte, man musste nur unvorsichtig sein. Daisuke wusste nicht, wie traumatisiert der Junge war, wie traurig der Cyborg um seine Maschine war, die nun einmal sein Leben bestimmte, was dem Vampir durchaus klar war.
Es waren keine guten Zeiten, nicht für sie…für niemanden hier.

Sie brauchten nicht lange, bis sie endlich das alte Gefängnis erreicht hatten, das nur noch mit dem Rost und dem abgeblätterten Putz an den Wänden glänzte. Es war mal schön gewesen und voll und berüchtigt, jetzt wartete es nur noch auf den Abriss, den keiner einwilligen wollte, weil es so historisch war. Es war ein Museum mit echten Attraktionen, mit echten Insassen, die die Gäste bewundern konnten, wie sie wie wilde Tiere in ihren Käfigen saßen und am liebsten in die Freiheit wollten. Das Meer rauschte laut, überschlug sich an den nächstgelegenen Felsen. Hier war die Luft klar, roch nach dem Satz des tiefen Nass. Ruhige verlassene Gegend, unberührt von der Neuzeit.
Laut krachend erstarb der Motor, als sie vor dem großen Eingangstor der Anstalt hielten. Ein letztes Puffen des Rauchs und schon wurde die Maschine leise. Schnell stiegen die Männer aus, einer von ihnen öffnete Daisuke die Tür, welcher schweigend aus dieser trat, sich kurz umschauend. Es sah nicht so aus, als wäre jemand vor ihnen angekommen, oder vielleicht waren sie bereits weg, mit den Menschen, wegen denen sie hier waren.
Langsam trat die Brigade, geführt von dem Schwarzhaarigen selbst, durch das Tor, in das alte Gefängnis hinein. Drinnen wurden sie rasch von einem alten Wachmann aufgegriffen, freundlich begrüßt. „Wir sind hier um zwei Gestrandete abzuholen, die hier anscheinend verpflegt wurden.“, sagte der Vampir nur, den Mann nicht weiter anschauend.
„Ach die beiden! Folgen sie mir, die in der Krankenstation wissen mehr über die Männer.“ Er deutete mit einer Handbewegung auf den langen, schwach beleuchteten Gang, ging schnellen Schrittes voraus, während sie ihm ohne weitere Worte folgten.
Daisuke rümpfte die Nase, als sie an einigen Zellen vorbeikamen, wo alte, grässliche Gestalten saßen, sie neugierig betrachteten. Sie mussten dort Ewigkeiten gesessen haben und ja, einige von diesen Insassen hatten sicherlich mehr als noch hundert Jahre zu leben…welch trostloses Dasein. Daisuke war froh, dass kein Gefängnis für ihn gebaut wurde, dass keines ihn in irgendeiner Hinsicht hätte für immer einsperren können.
Vor einer Tür mit einem dreckigen Glasfenster blieben sie anschließend stehen, der alte Mann öffnete diese rasch, ließ die Männer vortreten, diese anschließend wieder hinter sich schließend. „Fragen Sie am besten diese Dame dort.“, sein Finger zeigte auf eine junge Frau, welche hinter einem hölzernen Schreitisch saß, auf ihrer kleinen Maschine etwas mit schnellen Fingern eintippte. Daisuke trat etwas vor, blieb vor der Dame stehen, diese freundlich anlächelnd. „Ich suche nach zwei Gestrandeten, die hier verpflegt werden.“, sagte er nur mit seiner süßlichen Stimme, während seine Augen die Krankenschwester musterte. Diese wandte ihren Blick kurz von ihrer Arbeit ab, musterte den Blasshäutigen eine Weile skeptisch, ehe sich der zierliche Körper vom Stuhl erhob. „Nun...Sie und die anderen, ihr seht aber nicht aus wie Familienmitglieder.“, sagte sie nur misstrauisch, während ihre Augen zu seinen Männern glitten, diese ebenso musternd wie ihn zuvor.
Der Schwarzhaarige lachte leise auf, ehe er mit seinen Fingerspitzen das zarte Kinn des Weibs umfasste und ihr Gesicht zu sich drehte, sodass sie ihn anschauen musste. „Liebes…er ist mein kleiner Sohn, nicht mein leiblicher, doch habe ich ihn bei mir aufgenommen und ihn aufgezogen. Und was den Cyborg anbetrifft, so ist dieser ebenfalls ein Adoptivsohn. Sie sehen, ich bin unsterblich, so ist dies durchaus keine Absurdität.“, erneut zierte sich ein leichtes Lächeln auf den Lippen, während seine Hand vom Kinn der Krankenschwester abließ, der Zeigefinger kurz sanft über die rosige Wange strich. „Also…darf ich jetzt meine beiden Kinder mit nach Hause nehmen?“, fragte er sie anschließend amüsiert.
„J-ja, natürlich, entschuldigt mein Misstrauen.“
Mit gesenktem Blick eilte sie durch eine Tür, rief ihnen zu ihr zu folgen. Erneut waren sie in einem Gang gewesen, der jedoch schnell ein Ende nahm und sie bereits in einem Raum standen, wo sich der Engel und auch der Cyborg befanden.
Froh darüber sie endlich wieder da zu haben, eilte der Vampir schnell in das Zimmer hinein, musterte kurz beide. „Ah, da seid ihr ja, meine Lieben.“, sagte er nur, trat einige Schritte auf Malik zu, diesen kurz betrachtend, ehe er ihn in seine Arme schloss, ihn kurz über die Haare strich. „Ich dachte schon, euch seit etwas passiert.“, murmelte er leise.
Die Wärme, die von Maliks Körper ausging, umzingelte ihn, wärmte ihn von innen heraus.
Dass er sein Sohn war…sicher, es war eine Lüge und dennoch, es hatte sich oft so angefühlt, als war es tatsächlich und das war schon immer so gewesen, so war der Vampir irgendwo froh, froh darüber, dass er wohlauf war. Jonathan hatte seine Arbeit hier geleistet, die Arbeit war gut, sehr gut.
Langsam ließ er von dem Engel wieder ab, betrachtete ihn kurz, ehe er sich dem schlummernden Halbmaschinenmenschen zuwandte, diesen an der Seite boxend. „Los jetzt, wach auf! Wir wollen nach Hause.“, rief er ihn nur in sein Ohr, sodass der junge Mann aufschreckte und kurz darauf kerzengerade im Bett saß, verwirrt in die Menge schauend, als er endlich das Gesicht des Vampirs erkannte. „Aaah, der Abholdienst!“
Zufrieden sprang Jonathan vom Bett herunter, so als hätte er nie Schmerzen gehabt, als wäre er wieder gesund.
Ein paar kurze Blicke zur Krankenschwester und schon war diese rasch im Nebenraum, kam anschließend mit einem alten Wrackteil zurück, dieses in die Hände des Cyborgs drückend. Wie ein Kind starrte er dieses Stück Flügel und die Frau an, doch lange ließ ihn der Vampir nicht herumschwärmen. „Wir danken euch für die Dienstleistungen, ich werde ich erkenntlich zeigen.“, sagte er nur, während er mit seinem Arm den Cyborg gegen dessen Willen mitschleifte, schnell aus dem Gefängnis raus. Dicht hinter ihm waren seine Männer und der Engel, welcher nicht allzu schnell lief, wie all die anderen.
Draußen dämmerte es mittlerweile, die Möwen versammelten sich an allen Ecken, kreischten um die Wette mit den Wellen…wer wohl am lautesten war?
Das war egal, jetzt war erstmal alles egal.
Daisuke schob die beiden Abgestürzten nach hinten in den Wagen, setzte sich anschließend ebenfalls hin, beide kurz betrachtend. „Zehn Tage, ich habe wirklich gezweifelt, dass sie so lange brauchen würden!“, sagte er nur, laut auflachend. Jonathan stimmte seinem Lachen schnell zu, wie auch die anderen Männer…bis auf Malik.
„Wir haben was erreicht.“, fügte er nach einer Weile hinzu, ließ seinen Blick wieder nach draußen schweifen.
Als sie nach Hause kamen, war es bereits dunkel gewesen. Die Straßen waren leer, überall herrschte eine unwirkliche Stille, so wie es der Vampir am liebsten hatte.
Er entließ seine Arbeiter, ging zurück in sein Zimmer, gefolgt von dem Jungen und seinem Aufpasser.
„Bevor wir weitermachen…Jon.“, er winkte ihn kurz zu sich herbei. Fragend trat dieser einen Schritt vor dem anderen, blieb vor seinem Chef stehen, welcher seine Hände auf dessen Schultern legte, diesen lange betrachtend. „Als du und Malik geflohen seid…die Polizisten sind wütend geworden. Sie haben deine Männer erschossen und…“
„Nein….sie haben doch nicht auch noch-“, der Blonde stockte, starrte schockiert in die schwarzen Augen, abwartend, dass er ihm sagte, das alles war nur ein Scherz, doch in dieser Schwärze, da war kein versteckter Witz, da war nur die Wahrheit, der stechende Schmerz, der plötzlich wiederkam und ihn zu Boden sinken lässt.
„Es tut mir Leid, das tut es jedem…wir, wir werden eine neue aufbauen.“, sagte der Vampir nur, seinen Blick kurz zu Malik schweifend, dann wieder zu Jonathan, welcher fassungslos den Kopf schüttelte. „Neu? Man kann ein Leben nicht ersetzen, das alles…es ist unersetzbar.“
Er stand auf, starrte noch einmal in diese Augen, ehe er sich umdrehte, kurz Malik anschaute, diesen leicht anlächelte. „Tut mir Leid, Kleiner…es sieht ganz so aus, als könntest du mich nicht mehr besuchen kommen, es sieht so aus, als könnte ich dir doch keine Flugstunden geben, aber das ist doch gut…jetzt wirst du nie wieder bei mir sein müssen, dich wird keiner zu zwingen, jetzt bist zu für immer zu Hause.“ Doch dafür hatte er seins verloren. Man musste keine Gedanken lesen um zu wissen, dass er dies dachte, dass er genau diese Worte im Innersten aussprach, als er den Raum verließ, damit keiner seine aufsteigenden Tränen sah, seine innere Traurigkeit, die er versucht hatte zu verbergen.
„Er wird wieder…“, sagte der Vampir nur
„Aber wie geht es dir?“
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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Sa Aug 15, 2009 6:00 pm

Er wusste nicht, wie er die kommenden Stunden herumbrachte, fiebrig wartend, immer wieder zur Tür starrend in der Angst, die falschen Leute könnten hinein kommen. Leute von der Regierung, die sie doch schneller gefunden hatten. Malik hatte Angst, wahnsinnige Angst, dass er so ruhig und sachlich hatte anrufen können, war mehr wie im Traum gewesen, ein Schlafwandler. Weil er gewusst hatte, dass es bitter nötig gewesen war, weil sie sich auch mit dem Anruf nicht sicher sein konnten, wer schneller war. Wie sollte er sich denn so je wieder sicher fühlen? Er war zu Jon geschickt worden, damit man ihn nicht fand, doch schon nach zehn Tagen waren sie da gewesen, das war so wenig Zeit…..Und wenn sie ihn erwischten, was würde dann sein? Sie würden sicherlich nicht zulassen, dass man ihn freikaufte, und sie wussten auch, dass er mehr Ahnung hatte als er zugab. Dass er ein gutes Druckmittel abgab, denn sonst würden sie nicht nach ihm suchen. Und der Engel wusste selbst nur zu gut, dass er nicht ewig standhalten konnte. Wenn es nur der Tod gewesen wäre, den hätte er ja überstanden in dem Wissen nichts verraten zu haben. Aber gerade das war es ja, was sie ihm nicht geben würden. Sie fügten so lange Schmerzen zu, bis man nicht einmal mehr schreien, nicht mehr bluten konnte. Der Junge zitterte am ganzen Körper bei dem Gedanken. Er konnte einfach keinen Schlaf finden, saß in einer Art Schockstarre da. Der Cyborg neben ihm schlief, aber es war vermutlich auch besser so, er hatte sich noch viel mehr verausgabt als der Engel und konnte den Schlaf sicher gebrauchen. Es tat ihm Leid, was passiert war, Jonathan hatte nur helfen wollen und hatte dafür etwas verloren, was ihm so wichtig geworden war. Was ihn so lange begleitet hatte, das war es doch wirklich nicht wert gewesen. Der Pilot kannte ihn ja kaum. Er hätte sich gerne entschuldigt, ihm gesagt, wie Leid es ihm tat, aber irgendetwas schnürte ihm die Kehle zu, und schließlich war sein Gegenüber sowieso eingeschlafen.
Wie gerne wäre der Engel auch eingeschlafen, aber andrerseits hatte er auch Angst vor den Träumen, die über ihn kommen könnten. Alles in ihm schien nur Angst zu sein, und so blieb er auf seinem Bett sitzen, die Knie angezogen und die Arme darum verschlungen. Einmal kam die Krankenschwester noch herein, sie wollte nach dem Cyborg sehen, schließlich fiel ihr Blick aber auch auf die ängstlich zusammengekauerte Gestalt Maliks. Als sie vorsichtig die Hand nach ihm ausstreckte, zuckte der Kleine allerdings so heftig zusammen und starrte sie aus so panisch geweiteten Augen an, dass sie es nicht übers Herz brachte, ihn noch einmal aus seiner Starre zu reißen. Sie ließ ihn einfach zitternd sitzen und warten, warten auf das, was er ihr so kurz als Familie beschrieben hatte. Was würde sie schon denken, wenn der Vampir mit einigen seiner Männer hier aufkreuzte? Sicherlich würde sie sie kaum für ein besonders fürsorgliches Umfeld halten. Wenn sie sich da nicht irrte…..Und der Engel harrte weiter aus, sah nur hin und wieder auf zu der Uhr, die langsam über der Tür vor sich hin tickte. Der Zeiger schien sich kaum bewegt zu haben, jedes Mal wenn Malik ihn wieder anstarrte.
Er wusste nicht, wie er es schaffte, nicht wahnsinnig zu werden, bei all der Warterei, aber als schließlich draußen Stimmen im Flur erklangen, hätte sein Blick sich nicht schneller heben können. Der mittlerweile arg verkrampfte Griff löste sich, als der Vampir samt einiger seiner Männer in den Raum trat, und obwohl in den goldenen Augen immer noch die traumatische Angst klebte, breitete sich Erleichterung in seinem Gesicht aus.
Er hätte sich gerne noch länger an Daisuke geklammert, so lang schien es her, seit er ihn zum letzten Mal gesehen. Beim letzten Mal, als er so verdammt wütend gewesen war, ihn angeschrien hatte und dann doch wortlos gegangen war…..Der Engel hatte Angst gehabt, dass davon immer noch Schatten übrig waren. Immerhin hatte er es trotz alledem geschafft, sich in Gefahr zu bringen. Daisuke musste sich schon wieder darum kümmern, ihn zu retten, damit er nicht in die Hände der Regierung fiel. Schon wieder musste er sich wegen ihm Unannehmlichkeiten bereiten. Und Jon hatte wegen ihm seine Maschine verloren, sein liebstes und erstes Flugzeug. War er denn nur dazu da, um anderen zur Last zu fallen? Die Frage ließ ihn schwer schlucken, sich noch weiter in sich selbst zurückziehen.
Die Schwester schien noch immer etwas skeptisch angesichts dieser „Familie“, aber sie sah ihnen nur kopfschüttelnd nach. Malik realisierte nicht einmal wirklich, dass ihn seine Füße irgendwo hin trugen, er ging einfach mit, den Kopf zu Boden gesenkt. Auch als sie im Auto saßen, schwieg er, die Stirn an die Glasscheibe gelehnt, die Brille der Bequemlichkeit halber absetzend. Verbissen betrachtete er einen der kleinen metallenen Arme, mit dem man eine Linse vor das eigentliche Glas hatte schieben können, doch es war nur noch ein abgeknickter, verdrehter Stumpf, der Absturz hatte das Gerät arg mitgenommen, an einigen Stellen zeigten sich Dellen. Er hoffte, dass das Salzwasser keine Rostflecken auf dem blanken Metall hinterließ. Das raue Gelächter der anderen Männer konnte ihn nicht anstecken, in ihm hatte der vergangene Tag nichts anderes hinterlassen als dumpfe kalte Leere. Schweigend betrachtete er die Landschaft, die draußen vorbeizog, wie die ländlich angehauchte Umgebung dem metallenen Blitzen der Stadt Platz machte, wie der Himmel wieder von steinernen grauen Wolken verhangen war, denen der Sonnenuntergang einen rostroten Stich verpasste. Es war doch etwas so anderes als die ruhige Idylle, die er bei dem Piloten, an der Küste, erfahren hatte. Er konnte nicht sagen, dass er nicht froh wäre, wieder das altbekannte Herrenhaus zu betreten, war ihm doch vor nicht ganz zwei Wochen angedroht worden war, dass er es nie wieder sehen würde, würde er es außerplanmäßig betreten.
Aber die nächsten Worte des Vampirs ließen den Engel blass werden, schockiert starrte er ihn an, in seinem Kopf setzte sich ganz automatisch das Bild dessen zusammen, was nach ihrer Flucht vorgefallen sein musste. Waren sie etwa alle tot? War die Werkstatt……? Malik erahnte die Tränen im Augenwinkel des Cyborgs nur, dann war er auch schon aus dem Raum verschwunden. Es tat ihm Leid, so verdammt Leid. Dieses Opfer hätte er nicht bringen müssen, wenn der Engel nicht bei ihm gewesen wäre. Er hätte noch ein Leben und all das, was ihm je wichtig gewesen war. Langsam, ganz langsam bröckelte die stumme Fassade des Schocks, die Malik bis jetzt vor irgendwelchen Gefühlsausbrüchen geschützt hatte. Aber mit dem Knall der zufallenden Tür schien alles zu zerbrechen. So hatte er es doch nicht enden sehen wollen, so wollte er nicht Abschied nehmen von der Werkstatt und all dem. Der Pilot war ihm ans Herz gewachsen, und nun hatte er rein gar nichts mehr. Er zweifelte ernsthaft an den Worten Daisukes. Würde er wirklich wieder werden? Wie lange würde es brauchen, diesen Schlag zu verarbeiten, diesen Schlag mitten ins Gesicht? Ein zittriges Zucken ging durch den Körper des Kleinen, als langsam die Tränen über die blassen Wangen flossen. Waren sie wirklich allesamt tot? Was gab der Regierung das Recht dazu, so viele Menschen aus reiner Wut zu töten? Weil sie versagt hatten, hatten Leute ihr Leben aufgeben müssen. Noch immer starrte der Engel auf die Tür, durch die Jon verschwunden war, einige stumme Tränen fielen zu Boden auf das blanke Parkett. Langsam löste sich all die panische Anspannung, die Furcht, die in Malik gelauert hatten, nur darauf gewartet hatten, dass sein kleiner, apathischer Schutzwall brach. Wenn sie ihn dort gefunden hatten, würden sie ihn sicherlich auch hier finden, der Vampir musste das doch wissen. Wie weit würde er ihn dieses Mal fortschicken.
„Wo soll er denn jetzt hin? Das ist alles meine Schuld, sie haben doch nur nach mir gesucht…..“, flüsterte er, die Stimme so leise und gebrochen. Erst jetzt hatte er den starren Blick von der Tür abgewandt, sah Daisuke an. Die Schuldgefühle schienen ihn erdrücken zu wollen. Redete man ihm auch ein, es sei nicht seine Schuld, er würde sich das selbst nie verzeihen können. Und mit einem Schlag war der Engel wieder nichts mehr als ein Kind. Ein Kind, das Angst vor der Dunkelheit hatte, und die Dunkelheit war in diesem Falle die Regierung. Die ihn vermutlich weiter suchen würde, um ihm das Leben zur Hölle zu machen. Dachte nicht weiter darüber nach, als er die Arme hilfesuchend nach dem Vampir ausstreckte. Er dachte genau in diesem Moment nicht weiter darüber nach, als sich die Finger in den Stoff vergrub, wollte nichts sehen, nichts hören, nur irgendjemand, der ihn festhielt. Er hatte nie eine Familie gehabt, weshalb es ihm auf St. Mary´s Island auch so schwer gefallen war, dieses Wort auch nur über die Lippen zu bringen. Was seine leibliche Familie repräsentierte, war Hass, war Zorn auf einen Sohn, der so missraten, so falsch war. So weit weg von jeglichem Idealbild, dass man ihn hatte brennen sehen wollen. Und auf der Suche nach Wesen, die mehr waren, war er schließlich hier gelandet. Am Ziel? Oder würde man ihn auch hier irgendwann wieder fortschicken? Würde er auch aus dieser kleinen Welt wieder hinausgeworfen werden?
Er hatte schon so lange keinen klaren Gedanken mehr fassen können, seit Wochen gab man ihm täglich mehrere Male Schmerzmittel, setzte man ihn unter Drogen…..Er kannte das Gefühl schon gar nicht mehr, einen klaren Kopf zu haben. Der Junge ging dem Vampir nur knapp bis zur Brust, das Gesicht weiter schluchzend an eben diese gepresst, die Tränen wollten einfach nicht versiegen, so sehr er es auch versuchte. Alles in ihm wartete krampfhaft auf irgendeine Geste, irgendein Wort, und alles in ihm hoffte, dass man ihn nicht fortschicken würde, ihn für so unendlich schwach hielt in seinen Tränen. Irgendetwas hatte die Seele des Engels schon vor so langer Zeit zerbrochen, und heute hatte man auch noch auf den Scherben herumgetreten.
„Es tut mir so Leid…..“
Die Hände verkrampften sich, griffen noch fester in den feinen Stoff. Die Flügel hingen kraftlos zu Boden, die Metallspitzen berührten das Parkett, auch wenn es weh tat, so furchtbar weh, wenn die Muskeln und Sehnen so gestreckt und gezogen wurden, aber der Engel hatte keine Kraft mehr sie anzuspannen. Dieser Nervenzusammenbruch hatte so lange vor der Tür seines Inneren gestanden, hatte immer energischer angeklopft. Und heute hatte Malik ihm geöffnet, und hatte gerade dem Vampir wieder gezeigt, wie schwach er wirklich war. Sicherlich würde er das nicht mehr lange tolerieren, sicherlich würde er ihn auch jetzt gleich wieder in die Hände der Ärzte hier in der Organisation übergeben. Er hatte immerhin zu tun, und ein Schützling, der sich einfach nur zitternd und weinend an ihn klammerte, hielt doch nur auf.
Wozu war er eigentlich je gut gewesen?

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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   So Aug 16, 2009 9:46 pm

Daisuke starrte lange auf die geschlossene Tür, fragte sich, ob der Cyborg vielleicht wiederkommen würde um das Teil seiner Maschine zurückzuholen, doch er kam nicht wieder rein, da draußen war es totenstill. Er ahnte wo er sich nun hätte aufhalten können und solange er nicht das Haus verlassen würde, war auch alles in Ordnung…zumindest zu Teil.
Überrascht wanderten die schwarzen Augen zu Malik, welcher im nächsten Moment an seiner Seite war, an seiner Brust weinte und nicht den Anschein machte, dass er ihn loslassen wollte. Schwach lächelnd strich der Vampir mit seiner blassen Hand kurz über sein Haar, schloss die Umarmung behutsam mit seinen Armen, während der Blick erneut zu der dunklen Holztür wanderte. „Er wird hier wohnen…“, antwortete er nur leise auf die Frage des Engels. Natürlich, er fühlte sich schlecht deswegen, das war nichts Neues bei dem Jungen gewesen, denn er hatte im Grunde ein gutes Herz, denn ihn kümmerte es durchaus, wenn jemanden etwas Schlechtes getan wurde, selbst wenn er diese Person nicht einmal allzu lange kannte, doch Schuld war er nicht daran. Keiner war Schuld daran oder besser, sie alle waren schuld an dem Dilemma gewesen, das sie hier vorfinden konnten, denn sie alle waren beteiligt daran, sie alle wussten mit welchen Verlusten sie zu rechnen hatte. Auch der Cyborg war sich im Klaren gewesen, dass selbst ihm das Schlimmste widerfahren konnte, er hatte sich auf etwas eingelassen, was sein Leben kosten konnte…er musste einfach wieder durchkommen. Natürlich, er hätte gehen können, auf ewig verschwinden können und das alles hinter sich lassen können, er hätte seinen Traum hinschmeißen können, weil er etwas wichtiges verloren hatte. Doch es war Jonathan, ein Mann, der nie aufgab, jemand, der immer vorwärts schaute, der nie nach hinten blickte und dem nachtrauerte, was nun einmal nicht mehr da war. Er hatte nicht nur seine halbe Menschlichkeit verloren, er verlor seine Liebe, seine Familie und nun war es eben sein Zuhause und seine Freunde, doch er war nicht schwach, das war er nie gewesen, das wusste Daisuke nur zu sehr.
„Es braucht dir nicht leid zu tun, er wusste, was ihm widerfahren würde…wir wussten es alle.“, erneut strich der Vampir über Maliks Haar, nachdenklich und sich zugleich fragen, wie es eigentlich weitergehen konnte.
Lange verharrten beide in der Umarmung, lange weinte Malik in seine Kleidung hinein, durchnässte diese ein wenig, doch Daisuke konnte Jahre so verbringen, ohne sich auch zu bewegen, wären da nicht Dinge zu erledigen. Langsam lösten sich die steinharten Arme von Malik, pressten ihn sanft von ihm, diesen kurz betrachtend. Er lächelte ihn leicht an, wischte die Tränen aus seinem Gesicht. „Hör zu, Kleiner. Wo du wieder hier bist, kannst du auch wieder für mich arbeiten…dein erster Auftrag…“, er deutete mit den Zeigefinger auf das allein gelassene Wrackteil, das einsam auf dem Holzboden herumlag, verstaubte.
„..bring das Jonathan wieder, er wird wahrscheinlich im Salon sitzen, wie er es immer tut, wenn er hier ist und dann…dann wirst du versuchen ihn aufzuheitern, irgendwie, egal wie. Er mag dich wirklich gerne.“, erneut zierte sich ein Lächeln auf den Lippen des Schwarzhaarigen.
In Anbetracht der Tatsachen, dass beide immer noch nicht dafür bereit waren, sich an den schwierigeren Dingen zu beteiligten, konnte Daisuke ihnen keinen Auftrag geben, noch nicht, dafür blieb noch Zeit. „Und dann werden wir bald dieses Gestell verkleiden.“, fügte er anschließend hinzu, ließ den Engel kurz alleine stehen, begab sich zur Tür, diese anschließend öffnend. „Los, wir haben keine Zeit zu verlieren. Ihr könnt morgen in die Stadt gehen, machen was ihr wollt, da alle morgen wahrscheinlich denken werden, dass ihr im Meer ertrunken seid mit der Maschine und dem Metall am Körper, werdet ihr jede Menge Freiraum haben…und jetzt…verzieh dich, Kleiner.“

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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Mo Aug 17, 2009 6:37 pm

Malik wusste nicht, wie lange es brauchte, bis die Tränen ganz allmählich weniger wurden. Sein Zeitgefühl hatte ihn im Stich gelassen, er sah kaum etwas, wollte auch nichts sehen. Er hielt sich eng an den Vampir gedrückt und weinte. Ließ den Tränen einfach seinen Lauf, bis seine Augen schmerzten und feine Salzkristalle auf den Wangen klebten. Wie lange hatte er sie schon zurückgehalten seit dem Absturz. Noch immer war diese Angst in ihm, aber sie schien mit jeder Träne etwas weniger zu werden, ein ganz kleines Stück. Selbst wenn Jon gewusst hatte, was auf ihn zukommen konnte, machte es das besser? Sicherlich hatte er wie jeder andere in dieser Situation gehofft, es möge anders kommen, der schlimmste Fall würde nicht eintreten. Aber er war doch gekommen, es hatte ihn doch mit voller Wucht getroffen. Und eigentlich war es nicht fair, dass er so sehr zu büßen hatte, Malik aber mit einem blauen Auge davongekommen war, obwohl er das eigentliche Ziel gewesen war. Darüber konnte er sich mittlerweile nicht mehr freuen, dass konnte ihn wirklich nicht mehr glücklich machen. Wenn sie es alle gewusst hatten, warum hatten sie es dann zugelassen? Das war er nun wirklich nicht wert, beim besten Willen nicht, so viel hatte er nicht verdient. Wenn er zuvor gewusst hätte, welche Gefahr das für Jonathan und seine Leute barg, er hätte sich irgendwo anders hin geflüchtet. Noch immer taten die Schuldgefühle weh, schrecklich weh, aber die nächsten Worte Daisukes hellten sein Gesicht wieder ein kleines Stück auf. Die Hände, die die Tränen beiseite wischten, waren kalt wie Stein, Malik spürte seine Augen leicht schmerzen von dem vielen Weinen. Er würde ihn also nicht wieder wegschicken, er durfte hier bleiben und wieder für ihn arbeiten? War das wirklich wahr? Oder sagte man ihm das nur, um ihn aufzuheitern? Damit das grässliche Gefühl nicht jetzt schon kam, ihn einholte und daran erinnerte, wie er sich noch vor knapp zwei Wochen gefühlt hatte? Der Engel hoffte so sehr, dass es nicht so war, dass er hierbleiben konnte. Immerhin hatte sich doch herausgestellt, dass er auch anderswo nicht sicherer war, oder etwa nicht?
Im Raum war es mittlerweile dunkel geworden wie auch draußen jenseits der Glasscheiben. Eine kleine Lampe auf dem Schreibtisch erhellte die dämmrige Dunkelheit, die alle Möbelstücke wie in der Dunkelheit lauernde Kreaturen wirken ließ. So wie er es gewohnt war…..Wie oft hatte er den Schein der Lampe genutzt, um abends noch ein paar weitere Seiten in seinem Buch lesen zu können, bevor es letztendlich doch zu dunkel geworden war und ihm beinahe die Augen zugefallen waren, eingeschläfert von den dunklen Buchstaben. Das war gewohnte Routine, die er mittlerweile vielleicht mehr brauchte als alles andere. Der Blick fiel auf das Schrotteil, alles was von dem Flugzeug übrig geblieben war, als es auf den Wellen zerschellt war. Es wirkte makaber, wenn man an die majestätische Schönheit zurückdachte, beinah schon eine Monstrosität mit all dem vielen glänzenden Metall. So leicht konnte man selbst diesen eisernen Vogel vom Himmel holen….Und alles was blieb war dieses kleine Stück der Tragflächen, das ihnen trotz alledem das Leben gerettet hatte. Er nahm es auf, drückte es eng an sich, es war sperrig, aber Jon würde es sicher wiederhaben wollen, um jeden Preis. Wäre er nicht so aufgelöst gewesen, hätte er es sicherlich nicht einmal liegen gelassen. Malik wollte den Vampir nicht weiter stören, und er wollte wohl auch nicht weiter gestört werden, weshalb er eilig durch die geöffnete Tür huschte. Er sah es nicht als Rausschmiss, das hätte Daisuke schon viel früher tun können, aber es wurde mittlerweile schon spät, und bevor er selbst zu müde war, um noch irgendetwas zu tun oder zu sagen, schlich er leise in den Salon.
Bis auf Jon, der am Tisch saß, war niemand mehr im Raum, zum einen weil es spät war, zum anderen vermutlich auch, weil niemand wirklich wusste, was zu sagen war, denn noch immer wirkte der Cyborg so aufgelöst, so traurig, dass der Engel betreten den Kopf senkte. Er erinnerte sich an diesen Raum, hier hatte man ihm in aller Eile die alten Flügel entfernt, um sie gegen diese neuen scheußlichen Metalldinger auszutauschen. Kein Blutfleck und keine der weißen Federn zeugte mehr von der grausamen Stunde. Was hatte Daisuke gesagt? Bald würde man das Gestell verkleiden…..Dann konnte er dieses Unglück vielleicht etwas besser vergessen. Vorsichtig, beinahe als hielte er eine Reliquie in der Hand, legte er das Wrackteil vor Jon auf den Tisch, setzte sich ihm dann gegenüber. Die goldenen Augen, die immer noch leicht verquollen von den Tränen waren, sahen den Piloten vorsichtig an. Er wusste nicht, ob irgendwas, was er sagen konnte, helfen würde. Aber hatte der Vampir ihm nicht gesagt, er solle ihn ablenken? Vielleicht war es gar nicht richtig, ihn jetzt wieder darauf anzusprechen, sein Mitleid zu beteuern und wie sehr er sich doch schuldig fühlte. Die Stimme des Engels klang leicht angekratzt, als er sprach, leise und zögerlich, und trotzdem erschien ihm seine Stimme so laut in dem leeren Salon.
„Daisuke hat gesagt, ich solle dir das hier zurückbringen. Er spendiert dir sicher ein neues Flugzeug“, fügte er hastig hinzu, hätte sich im nächsten Moment am liebsten auf die Zunge gebissen für so viel Insensibilität. Als könnte man etwas treues und altes so leicht ersetzen, war es mit seinen Flügeln nicht genau so gewesen? Sie würden ihn in den Himmel tragen, ja, aber deshalb fühlte er sich längst nicht mehr so frei.
„Gehst….gehst du morgen mit mir in die Stadt?“; fragte er vorsichtig, eigentlich wusste er nicht so recht, was er dort sollte, aber vermutlich brauchten sie beide etwas Ablenkung von den Angelegenheiten der Organisation und wie der Vampir schon gesagt hatte, man hielt sie sowieso im Moment noch für tot.
Er wartete auf ein Zeichen des Mannes, Stille schien den Raum zu füllen, bis er irgendwann nickte und die Anspannung von Malik abfiel. Ein schwaches Lächeln huschte über sein Gesicht, er erhob sich langsam. Er war endlos erschöpft und alles was er jetzt noch wollte, war schlafen. Er wusste nicht, wie lange es dauern würde, bis es Jon wieder besser ging, aber er wollte den Auftrag Daisukes erfüllen, ihn aufmuntern wo es nur ging. Außerdem wollte er ihm auch außerhalb aller Aufgaben helfen, denn der Cyborg war ihm wirklich ans Herz gewachsen, er hatte sich auch so gut es ging um ihn gekümmert. Ein Gähnen unterdrückend wünschte er dem Piloten eine gute Nacht, bevor er so leise wie möglich durch die leeren Gänge des Hauses schlich, zurück zu seinem alten Zimmer, das sich kaum verändert hatte, seit er hatte gehen müssen. Auch wenn er sich dafür noch einen Tacken schlechter Jon gegenüber fühlte, er konnte das leichte Glücksgefühl einfach nicht unterdrücken, als er sich die Decke bis ans Kinn zog, die Fliegerbrille auf dem Nachttisch funkelte leicht im Mondschein. Vielleicht konnten sie ja bei Henry vorbeischauen, damit er sie ihm wieder reparierte. Seine Gedanken schweiften langsam ab, versanken in dunstiger Schwere, als Malik langsam einschlief.

Was genau hatte ihn eigentlich hierher getrieben? Er wusste es selbst nicht so genau, starrte nachdenklich in die grauen Fluten, die ihm so schmutzig erschienen, so wie alles hier am Hafen. Das letzte Mal als er hier gewesen war, hatte man ihn kurz darauf gefangen genommen, all das schien ihm weit entfernt, unwirklich wie in einem Traum. Vermutlich war es eher die Nähe zum Meer, die ihn letztendlich mit dem Cyborg im Schlepptau hierher geführt hatte. Immerhin war seine Werkstatt auch nahe an der Küstenlinie gewesen. Und nun waren sie hier, nachdem sie bereits zwei Stunden relativ planlos durch die Stadt gelaufen waren. Irgendwann am Morgen waren die beiden aufgebrochen, um sich selbst abzulenken und nicht im Weg zu sein, denn beide waren sie noch mitgenommen von dem Flugzeugabsturz, das konnte auch der Cyborg nicht verbergen. Mit einem Hauch von Sehnsucht in den goldenen Augen beobachtete der Engel die Schiffe, die wie riesige stählerne Wale im Hafen lagen. Er saß am Rand des Kais, die Beine über dem leise plätschernden Wasser baumelnd, der Pilot stand neben ihm, den Blick ebenfalls aufs Wasser gerichtet. Sie waren schon bei Henry gewesen, mit tadelndem Blick hatte er die Brille des Jungen wieder repariert, hatte sich gespielt aufgeregt über so viel Unvorsicht mit solch einem teuren Stück. Aber war es seine Schuld, dass so viele hinter ihm her waren? Jedes Mal, wenn sie einen Polizisten auf den Straßen gesehen hatten, hatte sich Malik zusammenreißen müssen, damit er nicht angstvoll das Weite suchte, aber das wäre viel zu auffällig gewesen. Und hier am Hafen war es nun erstaunlich still, es war wohl Mittagspause, denn Malik sah keine Menschen, nur weit entfernt auf einigen der Schiffe, wo sie in der Takelage herumwuselten wie die Ameisen. Er hob den Kopf, musste ihn in den Nacken legen, um Jon ins Gesicht zu schauen, nachdem sein Blick kurz auf die bleigrauen Wolken gefallen war.
„Irgendwann musst du mit mir fliegen, und zwar in einem Flugzeug ohne defekten Benzintank.“
Man hörte die Sehnsucht aus der Stimme heraus, er konnte eigentlich auch selbst fliegen, aber war es ihm zum einen zu gefährlich, zum anderen traute er diesem Gestell auf seinem Rücken noch immer nicht wirklich. Ein seltsames Gespann waren die beiden, beide hatten sie sichtbar mehr Metall am Körper, als nötig gewesen wäre. Der Unterschied jedoch war, dass Malik mitleidige Blicke erntete, wo es bei Jon eher Ehrfurcht oder gar misstrauische Angst gab. Es war eigentlich nicht fair, der Cyborg war doch wirklich jemand, der das Herz am rechten Fleck hatte.
Ein Geräusch, das in der Stille beinahe ungewohnt wirkte, ließ Malik aufschrecken, das Geräusch schwerer Schritte auf dem Steinpflaster. Wo sie auf einmal herkamen, wusste der Engel nicht, hatte er doch geglaubt, im näheren Umkreis befände sich außer ihnen niemand. Er drehte den Kopf leicht zur Seite, sah auf die kleine Gruppe aus fünf oder sechs Leuten, die auf sie zukamen. Vermutlich waren es nur Werftarbeiter, aber irgendetwas brachte Malik dazu, sich näher an Jons Beine zu drücken. Vielleicht der Umstand, dass die Männer genau auf sie zukamen.

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BeitragThema: Re: .........Let the engine steam........   Do Aug 20, 2009 10:52 pm

Der Cyborg nahm das Wrackteil mit sich, als er in eines der vielen Schlafzimmer schlenderte, das ihm zugewiesen wurde, damit er nicht Ewigkeiten in diesem großen, leeren Raum verbringen musste, wo tagsüber bestimmt die Hölle herrschte mit all den arbeiteten Leuten, die sich dort ihre Zeit vertrieben, wenn der Auftrag erfüllt worden war.
Das Bett war gemütlich, viel neuer als seines und vor allem…viel leiser. Bei ihm waren sie Sprungfedern alle ausgeleiert bei seinem Gewicht, das nun einmal beinahe 200 Kilogramm auf die Waage brachte, und quietschte auch sehr gerne, wenn man sich auf die andere Seite drehen wollte. Das hier aber war geräuschlos, den Federn schien es nicht einmal etwas auszumachen, dass gerade ein schwerer Metallmann auf ihr lag. Die Matratze fühlte sich besser an, als alles andere, auf was Jonathan je gelegen hatte…die Decke, das Kissen, alles Dinge, die so teuer waren, dass er nur davon träumen konnte. Dies war nun einmal das Gebiet des Vampirs, bei dem alte Möbel gar nicht in Frage kamen, alles war hier genauso, wie man es sich stets im Himmel vorgestellt hatte, wie man es sich immer erhofft hatte, wenn man sich all die Sachen anschaute, die diese großen Läden zu bieten hatten. Doch für ihn war es nichts, nichts…nur ein fremdes Gebiet, etwas, was er nie hatte und nie haben wollte, all diese Sachen, die er nie in sein Haus stellen wollte, das Bett, das er nie kaufen wollte, denn irgendwo liebte er das Quietschen, er liebte es, wenn es unter seinem Gewicht einsackte und er liebte das uralte Gestell, das allmählich verrostete, die alte Decke, die schwer auf seinem Körper stets gelegen hatte…er liebte das alles und nu war es fort, nur noch ein Häufchen Asche, wenn er Glück hatte, wäre noch das Gestell geblieben, doch dieses brachte ihm auch nichts.
Mit diesem beunruhigenden Gedanken fielen schließlich die Augen des Cyborgs zu, der Körper entspannte sich so gut er nur konnte und geleitete ihn in den eher unruhigen Schlaf, in das Reich der Träume. Er wollte eigentlich nicht schlafen und er wollte erst gar nicht träumen.
So plagte ihn die ganze Nacht nur ein Traum- wie er einfach nur dastand und zusah wie sein Zuhause nieder brannte. Das Schlimme war, dass er nichts machte, dass er nur herumstand und es beobachtete, nicht versuchte wenigstens seine Freunde zu retten…
Erschrocken öffneten sich die Augen, starrten direkt aus dem Fenster hinaus. Der Schweiß tröpfelte seine Stirn herunter, es war auf einmal viel warm in diesem Bett, viel zu ungemütlich!
Rasch schmiss er die Decke weg, zog sich um, hinausschlendert, wo er bereits Malik begegnete. Eigentlich…hatte er keine Lust hinauszugehen, er wollte nicht unter Leute sein, eigentlich wäre ihm das Allein Sein etwas lieber gewesen, zumindest für kurze Zeit, doch der Engel meinte es nur gut und es wäre nur unfair gegenüber ihm gewesen, hätte er es abgelehnt und wäre im Hause geblieben, wo er doch im Grunde ebenso wenig zu tun hatte, wie da draußen. Und plötzlich fühlte man sich nutzlos, ganz ohne einen Schraubendreher in der Hand und dem Öl auf der Kleidung und dem beißenden Geruch des Benzins in seiner Nase…irgendwie war sein Treibstoff weg, der Tank war leer, da war nichts mehr, nur eine Maschine, nur Metall, das zu nichts mehr zu gebrauchen war. Ein Seufzen entwich seiner Kehle, als sie ein einem Laden mit Werkzeug vorbeiliefen und noch mehr war ihm nach Seufzen zumute als sie Henrys Laden besucht hatten, wo wirklich alles ihn nur an eine Sache erinnerte- an das Fliegen, an seine Maschinen, sein Zuhause, seine Freunde…es war fast so, als würde es ihn absichtlich verfolgen, dieses Gefühl sie alle im Stich gelassen zu haben, wo er doch im Grunde nicht viel- doch, er hätte Malik wegschicken sollen, jemanden von den anderen nehmen sollen und dann bei ihnen bleiben, doch er war so egoistisch gewesen und rette sich das Leben, dachte nicht an die anderen. Noch nie fühlte er sich so grauenvoll, noch nie war ein Verlust so hart für ihn gewesen und das, wo er genug Verluste in seinem Leben ertragen musste.
Jonathan schwieg den ganzen Weg über, nickte nur an gewissen Stellen, oder lächelte um zu bestätigen, dass er zuhörte und dies tat er auch, jedoch war er nicht in der Stimmung gewesen irgendetwas zu sagen, selbst als sie am Hafen waren, glitt kein einziges Wort über seine Lippen. Nachdenklich starrte er in die unendlichen Tiefen des Meeres, schaute den Dampfschiffen hinterher, wie sie immer weiter davonschwommen und irgendwann nur noch ein kleiner, schwarzer Punkt am Horizont waren, so unbedeutsam wirkend, wie eine Fliege. Der Blonde hatte nichts mehr verabscheut als dieses Meer, er war nie der Freund des Wassers und er hatte auch nicht gewusst, was man daran so faszinierend war Wasser zuzuschauen, wie es dahinrauschte und sich selbst aufwühlte. Kurz wanderten die Augen zu Malik, diesen leicht anlächeln. „Ja…wir sollten bald wieder fliegen.“, wiederholte er nur während der Blick hinauf zu dem bewölkten Himmel wanderte. Es war traurig, dass hier nie die Sonne schien, dass hier Tag über Tag dieses trostlose Grau über den Dächern der Häuser sich ausbreitete
„Manchmal, da frage ich mich nur, wie man hier leben kann…dieses Grau, erdrückt euch das nicht, ich meine, seid ihr nicht-“, der Cyborg stockte, als er die Gestalten der vielen Männer erblickte, die immer näher auf sie zukamen, auf einigen Gesichtern lag ein breites Grinsen, das das Misstrauen in Jonathan hervorrufen ließ...Misstrauen, ob diese Männer vielleicht nicht das waren, für das man sie gehalten hatte. Einer der Männer trug eine Augenklappe, starrte sie mit seinem dunkelbraunen Auge an, zufrieden, als hätte er etwas gefunden, nach dem er schon lange gesucht hatte.
Fast wie aus einem Reflex stellte er sich vor Malik, starrte die Männer an, die anschließend vor ihnen stehen blieben, beide kritisch musterten. „Langeweile oder wollt ihr nach der Uhrzeit wissen, denn wenn ich so auf deine Uhr schaue, sieht es so als, als wäre es Mittag.“, er deutete mit einem Finger auf die Uhr, die fest am Handgelenk des Mannes befestigt war.
Was auch immer sie wollten…es war nichts Gutes.


Mit der Pfeife zwischen den vom Tabak verfärbten Zähne streifte der junge Mann von Gasse zur Gasse, prallte die Blicke der anderen an sich ab, denn anscheinend war es selten Männer, wie ihn und den drei anderen neben ihm, hier zu sehen. Dabei war dies eine riesige Stadt, eine, wo praktisch alles war, wo einen nichts mehr schocken konnte und dennoch…sie waren eine Rarität hier und was soll’s, war besser so, so würde keiner die Regierung rufen, da sie nun wirklich nach allem und nach nichts aussahen, sie hätten auch einfache Bauarbeiter sein können, Wertstattarbeiter, Seemänner. All diese widerlichen Berufe, die er persönlich stets abgelehnt hatte und im Grunde sie auch nie kennengelernt hatte…vielleicht besser so.
„Hey, wir sind am Hafen.“, rief ihm einer der Mannschaftsmitglieder zu, deutete mit dem Finger auf das Meer, das sich vor ihnen erstreckte. Der Rothaarige drehte seinen Blick um und tatsächlich- es war der Hafen. Vielleicht würden sie hier ebenfalls Profit machen können, wie sie es seit einigen Tagen täglich gemacht hatte. Dieser kaputte Zustand dieser Stadt war wahrlich ein Segen für jeden Piraten auf der Welt, der sich etwas bereichern wollte und zwar in allen Hinsichten. Von Geld bis zu neuen Mannschaftsmitgliedern, hier fand man sie schneller als gedacht. Der Pirat hatte es hier gemocht, irgendwo war er froh, dass ihr Luftschiff ein Problem mit dem Motor hatte und sie hier landen mussten, sonst hätten sie tatsächlich etwas verpasst. Die schleppenden Schritte des Mannes trugen ihn den gesamten Weg entlang, während er mit halbem Ohr mitbekam, wie die Männer neben ihm heftig diskutierten. Es war ihm im Grunde egal, was sie sich erzählten, er musste sich mit seinen eigenen Gedanken beschäftigen und diese…nun, sie waren einfach um einiges wichtiger, jedoch hatten sie ihm nicht lange Zeit dafür gegeben etwas für sich alleine zu sein, schon zupfte einer der Männer an seinem Ärmel, deutete auf zwei Gestalten einige Meter von ihnen. „Captain, schaut nur, wer sich da herumtreibt.“, belustigte Gesichter von allen Richtungen, sie wussten nun einmal was ihr Kapitän am liebsten hatte und dies waren definitiv zwei Prachtburschen. „Sieh mal einer an…“, ein breites Grinsen legte sich auf dem Gesicht des Einäugigen, der immer schneller auf die beiden Maschinenwesen zulief, dabei mit jedem Schritt zufriedener dreinblickend. Letztendlich blieben die Beine vor dem Cyborg und seinem Engel stehen, musterte diese. Die Worte des Mannes prallten einfach an ihm ab, als hätte er nichts gesagt, dennoch drehte er seinen Kopf zu ihm um, starrte ihn mit seinem Auge an, während das eigentlich andere Auge von einer Augenklappe verdeckt wurde. Das tätowierte Gesicht spiegelte sich in der Pilotenbrille des Mannes wider, er liebte es sich darin anzuschauen, doch dies konnte er später immer noch. „Nun, keine Sorge, Metallmann, keine deiner Theorien stimmt so genau. Mein Anliegen ist ein etwas anderes..“, summte die leicht feminine Stimme, während er sein unechtes Auge fixierte, so wie dieses es mit ihm gemacht hat. Prachtstück, ein kleines Unikat, das definitiv genug Geld in seine Kasse bringen könnte…der Cyborg alleine war ein Vermögen wert und sein kleiner, geflügelter Begleiter…er hätte ebenfalls einen sehr hohen Wert…verlockend, verlockend.
„Ich und meine Freunde hier möchten euch gerne auf eine Rundreise mit unserem Luftschiff einladen.“
Anscheinend hatten diese Worte gereicht um den Blondhaarigen dazu anzutreiben den Engel hochzuheben und versuchen mit ihm so schnell wie es ging zu fliehen…doch nicht mit ihm, er war doch kein Dummkopf, wie die beiden. Ruckartig zog der Braunäugige einen Degen heraus, benutzte dieses genau dann, als ihm der Cyborg den Rücken zuwandte. Rasch rammte er ihm dieses in den Rücken, sodass dieser heftig zusammenzuckte und zu Boden ging, den Engel losließ.
Ohne auch nur zu fragen, fesselten die Männer den Halbmenschen, während zwei andere sich zum Engel bewegten. „Keine Sorge, mein Junge…es war nur die Spitze des Degens.“, zufrieden mit sich selbst steckte er es wieder in die verzierte Scheide, die aussah, als wäre sie noch aus einer alten Zeit, aus einer, die sie schon lange nicht mehr hatten. Das lächelnde Gesicht des Mannes drehte sich zu Malik um. „Es war nur ein Nerv, der ein sehr unangenehmes Gefühl in uns auslöst. Und nun zu dir, mein Junge. Folge uns einfach, dann wird dir nichts geschehen und du wirst mein Schiff betrachten können.“
Ohne auch nur auf eine Antwort abzuwarten, fesselte man den Jungen ebenfalls, nahm ihn mit sich mit, wie auch den Cyborg.
„Gottverdammt, der wiegt ja mehr als ein Vorrat an Kanonenkugeln.“, beschwerten sich die Männer, die den bewusstlosen Mann hinter sich herschleiften, an all den Gassen vorbei, ganz gleich, was diese sich dabei eigentlich dachten.

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