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 Sky Above, Voice Within

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Kauzi
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BeitragThema: Sky Above, Voice Within   Sa Jan 02, 2016 2:59 pm

Das trübe Wasser im Kanal schlug mit einem leisen Plätschern gegen die Holzpfähle, während Faran mit einer Laterne bewaffnet über die Stege schlich. Heute war die Nacht der Nächte, heute musste er sich beweisen. Aber hier in Rifton war es schwer, aus der Ruhe zu geraten. Er kannte diese Stadt wie seine Westentasche, jedes Haus, jeden Schleichweg, jedes Astloch in den morschen Planken der Kanäle. Wie sollte ein Diebstahl schief gehen, der hier in seiner Heimatstadt über die Bühne ging? Andere, weniger glückliche Rekruten der Diebesgilde mussten bis nach Markarth, um dort irgendwelche Dwemerrätsel aufzutreiben und er selbst durfte sich so eine Kostbarkeit direkt vor der Nase der Gilde unter den Nagel reißen. Nun gut, wenn er seine Informationen richtig verstanden hatte, dann hätte er so oder so für das Objekt seiner Begierde nicht durch ganz Himmelsrand reisen müssen. Der Magierlehrling, in dessen Besitz sich das Lexikon befand, lebte wie der Rest dieser Scharlatane in Winterfeste und das war mit einem guten Pferd nur eine Tagesreise entfernt. Aber die Akademie war bestimmt gut geschützt, dumm waren diese Bücherwürmer immerhin nicht. Außerdem war Winterfeste winzig, ein fremdes Gesicht wäre dort aufgefallen, sein Aufenthalt bemerkt worden und so wäre es schwieriger geworden, die nächtlichen Routen der Wachleute herauszufinden. All diese Kleinigkeiten waren ihm seit Jahren in den Kopf gehämmert worden und heute sollte die Nacht sein, in der sich Faran endlich beweisen konnte. Die Flamme seiner Laterne tanzte in den blaugrauen Augen und fing einen Funken Entschlossenheit ein. Während die Kostbarkeit, die die angehenden Gildenmitglieder stehlen sollten, von den Ranghöheren ausgewählt wurden, war die Art und Weise, in der sie dieses Objekt erstanden ganz ihnen selbst überlassen. Sie hatten ein halbes Jahr Zeit und auch, wenn Faran noch mehrere Monate übrig hatte, würde er vermutlich keine bessere Möglichkeit finden als heute Nacht. Er würde dem Rest der Gilde schon beweisen, dass ihr Gelächter und ihre dummen Kommentare ihm nichts anhaben konnten. Über was sich diese Leute aber auch amüsieren konnten! Faran war klein geraten für einen Bretonen und für einen Nord sowieso. So oft er auch betont hatte, dass eine kleine Statur als Einbrecher und Dieb doch eigentlich nur von Nutzen war, überzeugt schien der Rest der Gilde nicht zu sein. Von seinem Elternhaus her war Faran es gewohnt, enttäuschend wenig beachtet zu werden; in der Diebesgilde hatte sich der Fokus eher unangenehm auf ihn gelegt.
Aber sein Können konnten sie nicht verneinen. Er war nicht ungeschickt wie Hararke oder polterte so laut wie Ilfmud. Grete konnte die meisten Bücher, die sie fälschen sollte, nicht einmal lesen und Sulls zerbrach so viele Dietriche, dass er immer einen ganzen Schlüsselbund davon mit sich herumtrug, die natürlich bei jedem Schritt klirrten und ihm das Schleichen und den Taschendiebstahl erheblich erschwerten. Er selbst war schnell und leise wie eine Natter im Unterholz oder ein Nager im Rattenweg und er hatte erst einen Dietrich zerbrochen, seit seine Ausbildung begonnen hatte. Mit den Händlern und Ladenbesitzern hier in Rifton kam er gut zurecht. Umso mehr tat es ihm leid, dass er den Magier nicht in der Dunkelheit einer Gasse berauben konnte, sondern in den „Bienenstich“ einbrechen musste. Der Geruch von brackigem Wasser nahm langsam ab, als er die Treppen zum Straßenlevel der Stadt hinaufschlich. Er kannte die Runden der Wachen auswendig und selbst wenn ihn jemand sehen würde, konnte er sich immer noch mit seinem Gildenstatus aus der Affäre ziehen. Immerhin kontrollierte die Diebesgilde eh die gesamte Stadt.
Nach einigen leisen Schritten an der Rückseite des „Bienenstichs“ befand er sich mehr oder weniger unter dem Fenster seines Opfers. Er hatte Kerava, der Wirtin, zwar einige Münzen für diese Information zustecken müssen, aber das war es wert gewesen. Natürlich hätte er für ein paar Münzen mehr auch einen Schlüssel bekommen, aber dann hätte er trotzdem durch das Gasthaus gemusst. Viel zu viele ungewollte Augen, die ihn in der Tatnacht am Tatort gesehen hatten. Außerdem war es nicht schwer, ein Fenster aufzubrechen. Einige Fässer standen an der Wand gestapelt, vermutlich gefüllt mit Rüben oder Kartoffeln und so konnte Faran die ersten zwei Meter einfach überwinden. Danach musste er sich nur noch am Fensterbrett hochziehen und sich mit höchster Körperspannung in die kleine Fensterflucht stemmen. Zwar war das Fenster mit einem Schloss verriegelt, doch das stellt für Faran kaum ein Problem war. Er hatte Werkzeuge und Handgriffe, um sich eines einfachen Schlosses zu entledigen. In seiner dunklen Kleidung verschmolz er so sehr mit den Schatten, die das Dach im Mondlicht warf, dass eine Wache, die nicht gerade den Kopf zu den Sternen hob, ihn vermutlich sowieso nicht gesehen hätte, weshalb der Dieb seine Arbeit nur kurz unterbrach, als er unter sich Schritte vernahm und der leichte Schein einer Fackel seine Knöchel streifte. Die Wache blieb nicht einmal stehen, sondern verschwand nach einigen Schritten wieder um die nächste Straßenecke. Vorsichtig legte Faran das geknackte Schloss auf das Fensterbrett, drückte den Holzrahmen leise nach innen und schlüpfte in die Dunkelheit des Zimmers. Kerava hatte ihm versichert, dass der Magier jeden Abend für ein Stündchen verschwand und Faran hatte sich an diese Angabe gehalten. Ein paar weitere Münzen, die er in diese Aufgabe investiert hatte. Ein weiteres Mal, dass es ihm sehr zugute kam, dass er hier in Rifton auf Beutezug ging. Mit einem erleichterten Seufzen zündete er die Kerze auf der Kommode an und zog sich die Kapuze vom Kopf. Mit einem Kopfschütteln befreite er seine dunklen Haare aus ihrer eingequetschten Form. Nicht, dass es das viel ordentlicher gemacht hätte, denn seine Haare waren immer ein unordentliches Nest aus dichten Strähnen und einigen wenigen verirrten Wellen an der Stirn. Vermutlich musste er einem Magier zutrauen, dass er seine Wertsachen nicht einfach so frei herumliegen ließ, sodass er begann, sich in dem kleinen Zimmer umzusehen. Zuerst zog er jede Schublade auf, sowohl der Kommode als auch des kleinen Tischchens an seinem Bett, tastete die Matratze ab und schaute unter das Bett. Was, wenn dieser Magier die Rätselbox mitgenommen hatte? Hatte Kerava etwa vergessen, dieses Detail zu erwähnen? Frustriert tastete Faran den Boden nach losen Bodenbrettern ab, blickte sich dann nach irgendeiner Schatulle um, die so eine Kostbarkeit beherbergen könnte. Wieso gab man ihn nicht einfach ein Schloss, das er knacken konnte?
Sein wandernder Blick war unter die Kommode gefallen, wo die hölzernen Füße genug Platz für eine Schatulle schaffen mochten und tatsächlich, dort schien etwas zu glitzern! Mit neuem Mut streckte Faran sich danach und bekam ein hölzernes Kistchen mit einem Schloss zu fassen. Mit einem triumphierenden Grinsen auf dem Gesicht drapierte er sie auf der Kommode. Das Schloss dürfte keine Schwierigkeit sein, ein Kinderspiel für jemanden wie ihn. Euphorisch zog er seinen Dietrich hervor und lauschte hochkonzentriert auf das Knacken und Knarzen des Schließmechanismus´, ganz versunken in seiner Arbeit und mit dem Rücken zur Tür. Er wusste, dass das eigentlich vermieden werden sollte, aber der Magier würde schon nicht innerhalb der nächsten drei Minuten hier aufkreuzen und länger würde er für das Schloss schon nicht brauchen.

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Ced

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BeitragThema: Re: Sky Above, Voice Within   So Jan 03, 2016 3:19 pm

Mit einem entnervten Seufzen fuhr er sich durch die blonden Haare, welche bereits in die unterschiedlichsten Richtungen hin ab standen. Der kleine Messingwürfel vor ihm glänzte matt in dem flackernden Licht der Kerzen, die über den Tisch verteilt waren. Wieso ergab das alles keinen Sinn? Warum? Warum nur? Warum half ihm auch dieses unselige Buch nicht weiter, für das er sich so angestrengt hatte? Er ließ den Kopf auf den Tisch sinken, schloss die Augen, atmete tief durch. Das konnte doch alles nicht so schwer sein, erinnerte er sich an seinen Vorsatz, richtete sich auf und legte die dünnen Finger wieder auf die schwarzen Runen in dem Buch, welches er gerade herangezogen hatte.
Es waren nun mittlerweile drei Wochen verstrichen, dass er sich hier im südlichen Westen von Himmelsrand aufhielt und sich im „Bienenstich“, der bekanntesten – und am wenigsten zwielichtige – Taverne in Rifton einquartiert hatte. Mittlerweile war er kurz vor dem Punkt angelangt, an dem Thrynn sich fragte, ob es wirklich ein so durchdachtes Unterfangen war, was er sich selbst aufgebürdet hatte. Aber hier im sonnigen Südosten ließ es sich zumindest besser aushalten als oben in der Akademie. Insbesondere seit dem die Ausgrabungen rund um Saarthal begonnen hatten und sich dieser parasitäre Thalmor-Spion Ancarno bei ihnen eingenistet hatte. Jede Arbeit war damit unumstößlich unter seine Obhut gefallen, da sich dieser selbsternannte Berater des Erzmagiers erlaubte alles und jeden zu beobachten und aufs strengste zu kontrollieren. Gut, dass das Lehrverhalten an der Akademie derart locker gehalten wurde, dass es auch Lehrlingen erlaubt war eigenständig zu forschen. Und da sich alle wichtigen und würdigen Magier auf die magische Untersuchung Saarthals konzentrierten, war es ihnen umso weniger wichtig einen Lehrling zu haben. Immerhin war er schon lange genug an der Akademie, dass er das Noviziat erfolgreich bestanden und als vollwertiges Mitglied aufgenommen worden war. Auch wenn man ihn dafür belächelte, dass er glaubte im Stande zu sein, eine Dwemerüberlieferung im Alleingang zu entschlüsseln, hatte man ihm seine Exkursion in den Südosten bewilligt. Thrynn hatte sich felsenfest dazu entschlossen, ihnen allen seine Fähigkeiten und Kompetenzen unter Beweis zu stellen. Er würde dieses Dwemerlexikon schon entschlüsseln, die verborgenen Geheimnisse erfahren und zum berühmtesten Magier dieses Jahrhunderts werden! Er würde es ihnen allen zeigen, der Akademie, seinem Vater und letzten Endes ganz Tamriel! Dennoch erwiesen sich seine Planungen als heikel, denn besagtes Dwemerlexikon war von Ancarno konfisziert worden, da es als zu mächtig und zu wertvoll eingestuft wurde, als das man einen unbeaufsichtigten Umgang damit dulden konnte. Von Forscherdrang und bitterer Entschlossenheit getrieben hatte er sich in das Quartier des Thalmormagiers geschlichen und das für ihn so elementare Stück dwemer'schen Schaffens ausgeliehen . Mit allen Büchern über Dwemer bewaffnet, die er tragen konnte, seinem Reiseumhang und dem Stab, den er zum Abschluss seines Noviziats erhalten hatte, war er noch binnen einer Stunde aufgebrochen, hatte die Akademie verlassen, bevor ihn jemand aufhalten konnte.
Doch noch während die Kutsche über die verschneiten Straßen des Nordens in Richtung Süden polterte und man das erbeutete kleine Dwemerlexikon in seinen behandschuhten Händen betrachtete, wurde ihm klar, dass er weitaus weniger über es wusste, als er geglaubt hatte. Im Grunde, hatte er zu diesem Zeitpunkt nur gewusst, dass es existierte und dass es ein Geheimnis in sich barg. Seine ersten Anläufe mit der Erforschung des Lexikons verliefen äußerst frustrierend. Es erwies sich als resistent gegen jede Magie, über die Thrynn zu gebieten vermochte: es schmolz nicht im Feuer, es reflektierte jeden Blitz und Eis perlte als warmes Wasser von ihm ab, nicht einmal ein simpler Illusionszauber wollte gelingen. Es war ein erschütternder Erkenntnisprozess, der ihm bewusst machen musste, dass Magie nicht jedes Problem löste oder aber, dass er nicht einmal ansatzweise über derart mächtige Zauber und Kenntnisse verfügte um es mit der uralten Magie und Handwerkskunst der Dwemer aufzunehmen. Nicht gewillt aufzugeben, hatte er sich für ein theoretisches Studium der Dwemer entschlossen, hatte sich die überlieferte Geschichte, Reisetagebücher und die spärlichen Informationen angeeignet, die ihm die Bücher bieten konnten. In Rifton selbst schien es aber niemanden zu geben, der ihm bei seiner Aufgabe behilflich sein wollte. In seiner Wut hatte der Schmied sogar seinen Hammer zertrümmert, als Thrynn es in seiner Verzweiflung mit roher Gewalt versuchen wollte. Die einzige andere Magierin in Rifton war die Hofzauberin der Jarl. Und diese entpuppte sich als äußerst unzweckdienlich. Als Thrynn bei ihr vorsprechen wollte, verwies man ihn darauf, dass die Hofzauberin so beschäftigt mit ihren Aufgaben für den Jarl sei, dass sie erst nach Sonnenuntergang Zeit finden würde. Also hatte sich der Magierlehrling jeden Abend auf den Weg in den Palast gemacht, um mit der Hofzauberin sprechen zu können. Drei mal hatte sie ihn komplett vergessen, es bedurfte weitere drei Nächte, bis sich die Frau an den Jungen überhaupt erinnern konnte und dann sollte er als Gegenleistung auch noch irgendwelche Gegenstände auffinden, die sie verloren hatte. Anfangs hatte Thrynn noch geglaubt sie wolle ihn auf die Probe stellen, wie es viele seiner älteren Zunftgenossen es zu tun beliebten, doch er war letzten Endes zu dem Schluss gekommen, dass diese Frau am Rande der Schwachsinnigkeit wandelte und ihren Verstand in einem Experiment eingebüßt haben musste. Gestern hatten sich jedoch seine Mühen endlich bezahlt gemacht: er hatte von ihr ein Exemplar über dwemerische Runen erhalten und einige Forschungsberichte über Dwemerruinen im Umland.
Thrynn hatte den ganzen Tag über den Wälzer durchgeblättert, hatte sich die Schriftzeichen und Symbole auf der Oberfläche des Würfels angesehen und eine Entsprechung im Almanach gesucht. Es war äußerst mühselige Arbeit, die von ihm starke und unerlässliche Konzentration erfordert hatte, so sehr, dass er nicht gemerkt hatte, wie die Sonne hinter den Bergen verschwunden war und die Sterne mittlerweile am Firmament funkelten. Leise zischte eine Kerze auf, ehe sich die kleine Flamme in eine Rauchschwade auflöste und erstarb. Aus seiner Faszination für seine Arbeit gerissen blinzelte sich der blonde Jüngling den trüben Schleier der Erschöpfung hinfort. Ein kalter Windzug wehte durch das Fenster in das kleine Zimmer hinein, die Schatten waren zu einer generellen Dunkelheit angewachsen. Wann war es so spät geworden? Die braunen Augen ertasteten den abgebrannten Kerzenstummel, eben hatte er die Kerze doch erst angezündet. Skeptisch zog er eine Augenbraue in die Höhe, dann gab ihm ein tiefes Grummeln in der Magengegend das deutliche Signal, dass es Zeit war etwas zu essen. Etwas behäbig und noch benommen von seiner Arbeit drückte er den Stuhl zurück und erhob sich, streckte die vom sitzen steif gewordenen Gelenke. Der Hunger nagte sich von seinem Bauch ausgehend in seinen Kopf. Er hob den kleinen Würfel vom Tisch und verstaute ihn in einer kleinen Schatulle, drehte den kleinen Schlüssel im Schloss und hängte sich ihn wieder um den Hals, dann schob er das kleine Kästchen unter die schwere Kommode. Man hatte ihm früh genug zu Herzen gelegt, dass man hier in Rifton lieber zwei mal auf seine Wertsachen achtete, sein Blick fiel zum Fenster. Ja, dieses sollte er auch lieber abschließen, er wollte ja nicht, dass irgendjemand bei ihm einstieg. Als dies getan war, ging er zur Tür, löschte mit einem Wink seiner Hand alle noch brennenden Kerzen, verließ das Zimmer und stieg nachdem er auch dieses abgesperrt hatte, hinunter in den Schankraum um etwas zu Abend zu essen.

Mit einem wohligen Grinsen auf den dünnen Lippen, legte er den Löffel in die Holzschale und schob diese beiseite. Sein Magen war wieder beruhigt und die warme Mahlzeit hatte ihn schläfrig gemacht. Er nippte an seinem Met und schob sich dann den letzten Brocken Brot in den Mund. Als Talen-Jei sich mit argonischem Zischlaut danach erkundigte, ob es gessssschmeckt habe, nickte der junge Magier mit einem breiten Grinsen und lobte das heutige Abendessen. Wie gewohnt wollte er das Essen direkt bezahlen, um sich nicht unnötig etwas anschreiben lassen zu müssen, doch als er wie gewohnt nach seinem Geldbeutel greifen wollte, fehlte dieser, allgemein fehlte ihm die Tasche, die er sonst immer über die Schulter trug. „Es tut mir unheimlich leid.“ gab er kleinlaut zu und erhob sich peinlich berührt „Ich, ich muss meine Tasche oben im Zimmer gelassen haben...“ murmelte er und gab dem Wirt zu verstehen, dass er diese eben holen und dann sein Essen bezahlen würde.
Vom Essen träge stieg er die Stufen in die erste Etage hinauf, steckte den Schlüssel aus erlernter Routine in das Schloss, wartete auf das leise Klicken und schob dann die Tür auf. Kaum hatte er die Tür hinter sich zugedrückt und einen suchenden Blick nach der Tasche ins Zimmer geworfen, erblickte er eine Gestalt im Schein einer Kerze. Diese hob gerade das kleine Messinglexikon hinaus, betrachtete es im Licht der Kerze, die vor ihr auf der Kommode Platz gefunden hatte.
„He!“ rief Thrynn aus Reflex und ohne viel zu überlegen. „Leg das sofort wieder hin!“ fügte er mit einem Anflug von Panik in seiner Stimme hinzu. Was sollte er jetzt nur tun? Er hatte vergessen, dass er einen Zauber sprechen konnte, abgesehen davon, wollte ihm auch keiner einfallen, der in die Situation passte. Sein immer noch von der Arbeit ermatteter Kopf reagierte zu langsam, brauchte zu lange, um ihm eine raffinierte Lösung aus zu spucken. Den tiefen Instinkten eines Nords folgend und in Ermangelung einer klugen Alternative, stürzte sich der schmächtige Magier auf den Eindringling...

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BeitragThema: Re: Sky Above, Voice Within   Fr Jan 08, 2016 3:32 pm

Klick – auf dieses Geräusch hatte Faran gewartet, das metallische Einrasten des Schlosses, wie sich alles in Position schob und er endlich den Deckel des kleinen Kästchens öffnen konnte. Stolz schwoll in seiner Brust an. Er war schnell gewesen, leise und professionell. Nach dieser Leistung würde ihn niemand in der Gilde mehr für dumm verkaufen. Faran konnte den Ruhm förmlich schmecken, ein süßer Geschmack auf seinen Lippen, als er das kleine Messingobjekt aus der Schatulle hob und es im gedämpften Licht der Kerze interessiert betrachtete. Zwar wusste der Dieb nichts damit anzufangen, doch er musste es auch nur bei der Gilde abliefern. Sie konnten es teuer an jemanden weiterverkaufen, der bereit war, sich den Rätseln dieser Box zu widmen. Vielleicht war der Schatz, der hinter diesem Rätsel verborgen lag, viel mehr wert als der Preis, zu dem sie diesen Schatz verkauften, doch andererseits: zwischen diesem sagenumwobenen Dwemerhort und einem mutigen Abenteurer mochten zahlreiche tödliche Fallen und Banditenäxte liegen. Wer hatte schon Lust, sich so einem ungewissen Schicksal auszuliefern? Faran jedenfalls war nicht besonders scharf darauf durch alte Gräber und Hallen zu streifen in der Hoffnung, dass er einen Schatz finden mochte, der für ihn unter Umständen nicht einmal wertvoll war! Oftmals waren es doch nur staubige Bücher und irgendwelche magischen Artefakte, für die er keine Verwendung hatte. Nein, er würde sich mit diesem Lexikon aus dem Staub machen, Belohnung und Ruhm kassieren und das wars dann!
Das jedenfalls war sein ursprünglicher Plan für den weiteren Verlauf des Abends, bevor plötzlich der Eigentümer des Zimmers in der Tür stand. Faran wusste nicht, wie er die Schritte auf den Dielen hatte überhören können, oder den Schlüssel im Schloss. Vermutlich war er viel zu gefangen gewesen von seinen Triumphgedanken. Dämlicher Anfängerfehler! Er erwartete schon, im nächsten Moment einen Feuerball vor die Brust geschleudert zu bekommen oder irgendeinen anderen scheußlichen Zauber, der es diesem Hänfling möglich machte, ihn zu überwältigen. Faran konnte ihm doch schon an der Nasenspitze ansehen, dass er Magier war! So schmächtig und schmal und mit so feinen Gesichtszügen….Ja, mit Büchern konnte er vielleicht umgehen, aber das war auch alles, was er heben konnte! Die Furcht aber vor einem schrecklichen Zauber lähmte Faran für einen Augenblick. Er hielt das Lexikon unschlüssig in der Hand, bis sich der schlanke Leib des Zauberers plötzlich auf ihn stürzte. Damit hatte der Dieb auf gar keinen Fall gerechnet, weshalb es dem Magier trotz seiner schmalen Statur dennoch gelang, ihn zu Boden zu werfen. War dieser Idiot überhaupt bewaffnet? Ganz schön mutig, sich einfach so auf einen Angreifer zu stürzen, dessen Stärke man in keinster Weise einschätzen konnte!
Faran hatte natürlich einen langen Dolch dabei und er hätte ihn vermutlich sogar ziehen können, doch wieso gleich zu solch tödlichen Mitteln greifen? Dieser Auftrag war auf einen Schlag schon unordentlich genug geworden, da musste er seine Hände nicht noch zusätzlich mit Blut beschmutzen. Er war immerhin nur ein Dieb, kein Mörder. Nach etwas Gerangel auf dem harten Holzboden war es Faran schließlich gelungen, die Handgelenke des Magiers zu packen und ihn mit seiner ganzen Kraft herum zu werfen und ihn unter sich zu Boden zu drücken. Schwer atmend von der körperlichen Anstrengung drückte er sein ganzes Gewicht auf den Magier, der unter ihm lag. Das Lexikon war während ihres kleinen Kampfes aus seiner Hand gerutscht und Faran blickte sich panisch danach um. Wenn er es sich doch einfach nur schnappen und damit abhauen könnte!
„Hey, hör auf zu zappeln, okay?!“, keuchte Faran schroff und tastete hektisch nach dem Dolch an seinem Gürtel. Er wollte den jungen Mann nicht umbringen, nur ein wenig besser unter Kontrolle halten. Als er die Klinge schließlich mit Bestimmung an den Hals des anderen setzte, fühlte er sich etwas sicherer.
„Was bist du denn für ein Magier? Kein einziger Zauberspruch?“, schnaufte Faran tatsächlich überrascht und fuhr sich mit der nun freien zweiten Hand über die verschwitzte Stirn. Ihm fiel jetzt erst auf, dass die Waffe in seiner Hand zitterte.
„Hör zu, ich will nur das komische Lexikon und dann verschwinde ich von hier, du brauchst dein Leben dafür nicht in Gefahr zu bringen. Hast du mich verstanden?“

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BeitragThema: Re: Sky Above, Voice Within   Mo Jan 11, 2016 1:05 pm

Noch ehe er realisierten konnte, was er da gerade eigentlich tat, prallte seine Schulter gegen die Seite der Gestalt, die sich offenbar Zugang zu seinem Zimmer verschafft hatte. Gut, dass der Eindringling offenbar verwirrt genug war, dass ihn nicht nur der schmächtige Körper, sondern auch die Wucht der Überraschung traf. So gelang es ihm – ebenso überrascht – den verhüllten Körper von den Füßen zu reißen und ihn zu Boden zu werfen. Die Dielen unter ihnen knarzten verräterisch und der Stoß des Aufpralls ebbte in seinem Körper nach, als er versuchte nach dem Lexikon zu greifen. Es kostete ihn einiges an Kraft, die Arme des anderen irgendwie beiseite zu drücken und mit der einen Hand näher an seinen Forschungsgegenstand heran zu kommen. Doch so schnell ihm die Chance entglitten war nach dem Lexikon zu greifen, sammelte sich auch der Dieb, begann sich zu wehren. Thrynn presste sich gegen den sich aufbäumenden Körper, schlug die Arme weg, die versuchten ihn zu greifen. „Gib es zurück.“ presste er angestrengt zwischen seinen schmalen Lippen hervor und funkelte den jungen Mann unter sich an. Ein leises metallisches Klimpern zeugte davon, dass der Dieb seine Beute hatte fallen lassen, Thrynn schaute augenblicklich auf, suchte den kleinen Würfel, der ja nicht all zu weit gekommen sein mochte. Diesen Moment fehlender Aufmerksamkeit ausnutzend, beendete sein Gegner dieses ungleichmäßige Ringen auf dem Boden und griff ihn grob bei den Handgelenken, warf ihn herum.
Sein Hinterkopf schlug dumpf auf die harten Holzdielen auf, ehe der Dieb ihn mit seinem Körpergewicht gegen den Boden drückte. In einem Anfall von Hilflosigkeit versuchte er die Hände aus dem festen Griff zu entwinden, versuchte seinen Angreifer zu treten, auch wenn er dabei mehr oder weniger aussichtslos gegen die Beine des anderen strampelte. „Lass. Mich. Los.“ forderte er und stemmte sich mit jedem Wort gegen den Körper über ihm. Wenn er sich nur stark genug anstrengte, würde er sich vielleicht diesem hinterhältigen Dieb entwinden können. Er hörte die Worte kaum, die man an ihn richtete, versuchte immer noch den anderen abzuschütteln, sich unter dem Körper des anderen Mannes wegzudrehen. Erst als er den kalten Stahl einer Klinge an seiner Kehle spürte, verebbte der körperliche Widerstand. Die hellen Augen suchten den Blick des anderen. Was würde jetzt passieren?
Durch die plötzliche Pause, die kühle Klinge an seinem Hals und das heftige Heben der eigenen Brust, war sein Kopf wohl wieder aufgewacht. Denn erst jetzt fiel ihm auf, wie unfassbar töricht er gehandelt hatte. Sich ohne jede Strategie einfach blindlings auf eine ihm unbekannte Person, die wie sich zeigte, sogar bewaffnet war, zu stürzen. Wie unfassbar dumm von ihm! Das hätte auch sehr viel tragischer enden können. Da konnte er sich ja noch glücklich schätzen, „nur“ unter dem Körper eines fremden – und gefährlichen – Mannes eingeklemmt worden zu sein. Vorsichtig betrachtete er den offenbar auch noch recht jungen Angreifer, tastete mit seinen Augen die Züge des Diebes ab, konnte nicht umhin, festzustellen, dass sein Peiniger durchaus nicht von schlechten Eltern stammte. Ein leichter schambehafteter Schleier legte sich in seine Züge, welcher nur dadurch verstärkt wurde, dass er erkannte, dass er jemandem körperlich unterlegen war, der weder ein Ork noch ein Nord war. Er war einem einfallslosen Dieb völlig unterlegen, weil er seinen kleinen brillanten Kopf nicht angestrengt hatte. Das war ein neuer Tiefpunkt in seinem bisherigen unscheinbaren Dasein.
„Du kannst Dich glücklich schätzen, dass mir keiner eingefallen ist.“ gab er weniger hart als kleinlaut zurück. Die provozierenden Worte des Diebes verstärkten nur dieses beklemmende Gefühl in seiner Bauchgegend. Warum nur hatte er nur nicht daran gedacht, dass er eigentlich dazu in der Lage war ihn mit einem gezielten Zauber in ein Häufchen Asche zu verwandeln? Er schloss die Augen und presste den Kopf an das Holz unter ihm, das war lächerlicher, als nur in Unterhosen durch die Bibliothek der Akademie laufen zu müssen.
Als der Dieb seinen rechten Arm losließ um sich die dunklen Locken aus der Stirn zu streichen, blinzelte Thrynn ihn verwundert an, spürte wie die Klinge sich weniger stark in seine Haut drückte. Ein Blick in das Gesicht des anderen verriet ihm, dass der Dieb ebenso mit der Situation zu kämpfen hatte wie er. Der Blondschopf atmete immer noch schwer und so langsam begann der Druck auf seinem Körper wirklich unangenehm zu werden. Als er die Worte des Schattens über ihm vernahm, blitzten seine weißen Zähne hinter seinen Lippen im hereinfallenden Mondlicht hervor, er lächelte erleichtert und die Anspannung wich aus seinem gefangenen Körper. Er hatte sich nicht getäuscht, der Dieb war durchaus unroutiniert, wenn nicht sogar selbst noch ein Anfänger.
„Ich glaube, das geht nicht...“ stellte der junge Magierlehrling mit seiner hellen Stimme fest. „Ich meine, ich kann Dir das Lexikon nicht überlassen.Weißt du überhaupt, was Du da stehlen willst?“ fragte Thrynn und versuchte in der wieder gekehrten Dämmerung seines Zimmers den Blickkontakt aufrecht zu erhalten. Dieser kleine Zwischenfall hatte ihn auf einen ganz neuen Pfad gebracht, hatte sein Denken erweitert: Was war, wenn das Lexikon nicht selbst das Rätsel, sondern nur der Schlüssel zu einem Schloss war? Was war, wenn es nicht darum ging das Geheimnis des Würfels zu lösen, sondern es als ein Teil von etwas viel Größerem zu sehen? In gewisser Weise hatte er diesen Einfall dem Dieb zu verdanken. Aber das würde er sich nicht anmerken lassen. Das leichte triumphierende Lächeln vor Erleichterung konnte er dennoch nicht zurück halten. Eine gewisse Euphorie packte ihn.
„Hör zu:“ versuchte sich der Magier an der gleichen Phrase, die man eben so bedächtig an ihn gerichtet hatte „Es bringt dir nichts, das Lexikon zu stehlen.“
„Ich meine, sieh dich um: Du hast bereits verloren.“ verschärfte er seine Behauptung „Das Lexikon ist unter das Bett gerollt, du könntest jetzt aufstehen und es Dir holen. Aber: dann würdest du mich frei lassen und ich würde dir einen Zauber auf den Hals hetzen, der dich unansehnlicher als einen Thalmor-Ork-Bastard macht. Außerdem könntest du nicht mehr hinaus, zumindest nicht durch das Fenster.“ mit einem Wink seiner frei gewordenen Hände schloss sich das Fenster, verriegelte sich hörbar. Thrynn schluckte „Du könntest mich natürlich fesseln und mich gepeinigt dabei zusehen lassen, wie du mit der Beute davon kommst. Aber dann hättest du die Akademie der Magier an deinen Fersen, ich habe mir dein Gesicht gemerkt. Ich weiß nicht, ob diese Art der Aufmerksamkeit wirklich gut für dich ist...“ er zuckte leicht mit den Schultern. „Hinzu kommt, dass wir beide hier oben einen ganz schönen Radau gemacht haben. Es würde mich also nicht wundern, wenn in den nächsten Augenblicken jemand hier hoch kommen würde, womöglich jemand, der die Stadtwache alarmieren könnte.“
Sein Herz pochte schneller und schneller in seiner Brust, war es Aufregung? War es Angst?
„Ich schätze, der einzige Weg daran vorbei ist, dass du mir die Kehle durchschneidest und deinen Einbruch Blut kosten lässt.“ Behutsam hob er die linke Hand, legte sie auf die Hand, die den Griff des Dolches fest umklammert hielt. „Oder aber, du lässt mir das Lexikon und wirst Teilhaber an einem Schatz, der größer ist als das Lexikon, größer ist als ein einfacher Diebstahl.“ flüsterte er verschwörerisch, drückte leicht die Hand weg. Das Herz schlug ihm bis zum Hals: er hoffte, nicht zu weit gegangen zu sein und dass der Dieb empfänglich genug für die Logik seiner Ausführungen war....

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BeitragThema: Re: Sky Above, Voice Within   Fr Feb 19, 2016 7:08 pm

Irgendwie war diese ganze Situation doch reichlich absurd. Faran hatte sich seinen ersten offiziellen Beutezug ganz sicher vollkommen anders vorgestellt. Mit weniger Gezappel und Gerangel und sehr viel weniger erwischt werden. Die Gilde hatte ihnen beigebracht, im Notfall zu töten, wenn man entdeckt wurde. Aber ein unglaublich mulmiges Gefühl in der Magengrube hielt den jungen Dieb von solchen extremen Maßnahmen ab. Der Magier, den er überwältigt hatte, konnte doch kaum älter sein als er selbst. Wie würde er sich fühlen, wenn er wegen so etwas Dämlichem wie einem Lexikon erstochen würde? Nein, es musste eine bessere Möglichkeit geben, wenn er ein Mörder wäre, dann wäre er zur Dunklen Bruderschaft gegangen und nicht zur Diebesgilde. Zudem hatte der Magier ihn ja auch nicht pulverisiert und Faran unterstellte ihm jetzt mal gutmütig, dass er das aus Achtsamkeit getan hatte und nicht, weil ihm keiner eingefallen war. Okay, vielleicht war das auch nur Wunschdenken.
„Ist mir doch egal, was das Lexikon ist, ich soll es ja nur stehlen und nicht benutzen. Mehr muss ich nicht wissen“, entgegnete Faran trotzig und bemerkte noch im selben Moment, dass das für einen Magier, einen Schüler der Magie, der es gewohnt war, Dinge zu hinterfragen, furchtbar einfältig wirken musste. Aber so war es nun mal in der Gilde: selbst denken wurde natürlich gefördert, immerhin brauchte niemanden einen Dieb, der sich an Planänderungen nicht anpassen und schnell agieren konnte, doch das große Schema, das hinter einem Beutezug steckte war meistens nicht besonders wichtig. Es sei denn es ging um Einschüchterung der lokalen Händler, aber das war zugegeben sowieso nicht das tiefgehendste und nobelste Motiv.
Farans Augen zuckten forschend über das schmale Gesicht seines Widersachers, versuchten irgendeinen Hinweis auf einen Bluff zu identifizieren. Plötzlich schien sich der Magier ja doch wieder sehr sicher in seiner Sache zu sein, zu mindestens ließen seine Worte kaum Unsicherheit vermuten.
„Das könntest du gar nicht, ich meine, es gibt doch bestimmt Gesetze, die verhindern, dass man so ein Geschenk der Götter verunstaltet, oder?“
Mit einem schiefen Grinsen deutete Faran auf sein Gesicht. Doch selbst mit seinem unerschütterlichen Selbstvertrauen war dem Dieb klar, dass das ein unglaublich schwaches Argument war. Zusätzlich hatte er sich für einen Moment ablenken lassen, was ihm jetzt teuer zu stehen bekam. Auf den Wink des Magiers hin hatte sich ihm sein simpelster Fluchtweg versperrt und so ungern Faran es auch zugab: der andere hatte Recht, eine Flucht durch die Taverne selbst würde riskant sein und ungewollte Aufmerksamkeit erregen. Das triumphierende kleine Lächeln, das ihm entgegen geworfen wurde, ließ seine Zähne knirschen. Wie hatte er so schnell die Kontrolle verlieren können? Was dieser dreiste Kerl da von sich gab mochte nur zu gut der Wahrheit entsprechen. Was wusste Faran schon, wie wichtig dieses merkwürdige Artefakt der Magierakademie war? Vielleicht würden sie ihn wirklich mit Feuerbällen und Eiszapfen verfolgen, wenn er sein Opfer am Leben ließ! Aber ihn töten?
„Du könntest auch viel zu unwichtig sein, als dass dein Verfehlen mit die ganze Akademie auf den Hals hetzt, vielleicht bestrafen sie dich ja stattdessen für deine Unachtsamkeit!“, brachte Faran mit wenig Überzeugung hervor. Verdammt, wie hatte es dieser Knirps bloß geschafft, seine feste Überzeugung so sehr zum Kippen zu bringen?! Es war wirklich eine Unverschämtheit, doch als man ihn noch einmal klar seine einzige Möglichkeit vor Augen stellte, musste Faran sich eingestehen, dass er dazu definitiv nicht den Mumm hatte. Mit einem wachsenden Kloß im Hals ließ er es zu, dass man das Messer beiseiteschob und hörte sich stattdessen den Vorschlag des Magiers an. Stirnrunzelnd hielt Faran inne.
„Du willst mit mir auf Schatzsuche gehen?“
In einem Moment rangen sie noch erbittert auf dem Boden und im nächsten schlug der Magier eine Partnerschaft vor? Obwohl der Vorschlag völlig aus dem Nichts kam, konnte Faran nicht sagen, dass er ihm nicht gefiel. In seinem Kopf hatten sich rasend schnell Szenarien entsponnen, in denen er mit einem riesigen Schatz zur Gilde zurückkehrte anstatt nur mit einem ollen Buch. Er hatte immerhin noch Monate Zeit und mit solch einer Aktion würde er sicherlich einen guten Eindruck auf die Gildenleitung machen und Faran liebte große Auftritte. Nachdenklich kratzte er sich mit seinem Dolch am Hinterkopf und gab dem Vorschlag noch ein paar Augenblicke, um zu wirken.
„Ich muss schon sagen, gar kein dummer Vorschlag“, brummte er und tippte die Dolchspitze leicht gegen die Brust des Magiers, ihn dabei gespielt bedrohlich anblickend.
„Ich bin hier zum ersten Mal in meinem Leben ehrlich und gutherzig, also wag es ja nicht, mich übers Ohr zu hauen! Wenn ich dich jetzt aufstehen lasse und du mir irgendeinen Zauber auf den Hals hetzt, dann schwöre ich, dass ich meine letzten Reserven dazu verwenden werde, dich aufzuspießen, ist das klar?“
Farans Stimme hatte einiges an Bedrohlichkeit eingebüßt, doch hoffentlich nahm der Magier ihn immer noch ernst genug, um wenigstens ein bisschen vor seiner Drohung zu erzittern. Langsam steckte er den Dolch zurück an seinen Gürtel und erhob sich von dem schmalen Leib, den er zugegeben ziemlich eingequetscht hatte in den letzten Minuten. In Erwartung eines fürchterlichen Zaubers hatte er für einen kurzen Moment die Augen zusammengepresst, doch tatsächlich stand der Magier nur vor ihm und klopfte sich den Staub von der Kleidung. Faran verschränkte die Arme vor der Brust und trat von einem Fuß auf den anderen.
„Also, darf ich das komische Ding jetzt unterm Bett wegholen oder verwandelst du mich dann in einen Frosch?“, fragte Faran misstrauisch, bevor er sich sicher sein konnte und auf die Knie ging, um nach dem Lexikon zu angeln.
„Also sag schon, auf was für ein Abenteuer hab ich mich hier eingelassen?“, kam seine Stimme gedämpft unter dem Bett hervor, während sein halber Oberkörper unter dem massiven Holzmöbel verschwunden war.

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Ced

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BeitragThema: Re: Sky Above, Voice Within   Mo Feb 22, 2016 10:12 pm

Zu seiner positiven Überraschung stieß seine Geste nicht auf unerbittlich zähen Widerstand. Das war ein gutes Zeichen. Es enttarnte den jungen Mann über ihm als nur halb so stur und dickköpfig, wie man es ihm zugestanden hätte. Sobald die kühle Klinge von seiner dünnen Haut unterhalb seines Kinns Abstand gewonnen hatte, beruhigte sich das pochende Herz in seiner Brust ein wenig. Seine Worte hatten ihren Weg in die Gehirnwindungen des Diebes gefunden und zeigten doch offenbar ihre Wirkung. Thrynn wägte sich soweit in Sicherheit um einen kurzen Moment die Augen zu schließen und tief durch zu atmen.
Die nächsten Worte des Mannes über ihm entlockten seinem Grinsen beinahe einen spöttischen Ausdruck. Hörte der Magier doch nur zu deutlich die Unsicherheit aus den Phrasen, den fruchtlosen Versuch die Kontrolle über die Situation wieder zu erlangen. Es war durchaus amüsant den Worten zuzuhören, die sich der Dieb eher zur eigenen Bestärkung, einfallen ließ. Diese Belustigung für sich behaltend, öffnete er die Augen erneut und schenkte dem Dieb einen vielsagenden Blick. „Ich glaube, du weißt ziemlich wenig über Magier...“ fügte er stichelnd hinzu und schenkte dem Dunkelhaarigen einen Blick, der nur bestätigte, was sein Gegenüber bereits befürchtete: nämlich, dass die Magier in ihrer Akademie durchaus an ihren Forschungsgegenständen interessiert waren. Insbesondere, wenn es sich um ein solch wertvolles Relikt der alten Kultur handelte. Doch die provozierenden Silben, die die Lippen des Adepten verlassen hatten, schienen nicht zu ihrem Adressaten durch zu dringen, sofern Thrynn das Stirnrunzeln richtig zu deuten verstand. In Gedanken setzte er ein kleines Häkchen hinter: 1. Den Feind verwirren. Er durfte sich nun nur nicht hektisch bewegen, sonst verlor er seinen mentalen Vorteil und entfesselte womöglich physische Abwehrreflexe und die Klinge in der Hand des anderen verschärfte vielleicht ihren eigentlichen Zweck. Also verblieb Thrynn in seiner Position, atmete die letzten gehetzten Züge, rührte sich nicht und wartete auf die nächste Reaktion des Diebes. Das hatte auch gegen seinen Bruder geholfen, es war wie tot stellen, nur etwas lebendiger halt.
Und – der Dieb hatte angebissen. Der Ruf des imaginären Goldes und die Aussicht auf ungeheure Schätze, bewirkte bei dieser kleptomanisch ausgerichteten Spezies der Menschheit genau das, was Thrynn sich ausgedacht hatte. Die stille Faszination allein des Gedankens daran kletterte in die Haltung des Gelockten. Sichtlich hatte er Gefallen daran gefunden, was ihm sein Opfer in Aussicht gestellt hatte. Die grauen Augen des Magierlehrlings folgten der Klinge, mit der sich der Dieb nun am Hinterkopf kratzte. Auch wenn es unklug war, Thrynn dachte, dass er nun über das Gröbste hinweg war und die Gefahr durch den geschärften Stahl vorüber war, umso panischer weiteten sich die schmalen Augen, als man ihm die Spitze diesmal auf die Brust setzte. Erst einen Augenblick später die dahinter verborgene Absicht erkennen, lächelte er ein gequält erheitertes Lächeln, erwiderte den schlechten Humor der Situation. Mit einem leichten Nicken bestätigend, dass er die Drohung sehr wohl verstanden hatte, versteifte sich der schmale Körper leicht. Seine Finger waren bereit einen simplen, aber hoffentlich effektiven Blendezauber zu wirken. Doch nichts weiter schlimmes geschah, die im Mondlicht schimmernde Klinge rutschte zurück in die lederne Scheide und der schwere Druck auf ihm löste sich. Der andere Körper ragte in der Dunkelheit vor ihm auf, als sich der Dieb aufgerichtet hatte. Thrynns Lungen füllten sich wieder völlig mit der Luft und das dumpfe Gefühl in seinem Unterkörper verschwand prickelnd wieder. Ein triumphierendes Lächeln kletterte wieder in die feinen Gesichtszüge. Er zog die Knie an und stemmte sich unter Zuhilfenahme seiner Arme auf die Beine. Während sein Gegenüber noch reglos herumstand, drückte Thrynn den schmalen Körper einmal durch und kippte dann zurück auf die Fersen. „Keine Sorge~“ murmelte er und begann damit seine Kleidung zu richten und behutsam abzuklopfen.
Erst als die Stimme des anderen sich wieder erhob, wechselte er seine Aufmerksamkeit zurück auf den Dieb. Der Blondschopf blinzelte in das Dämmerlicht des Zimmers und versuchte die dunkle Silhouette einzuschätzen, „Du kannst das Lexikon unbehelligt aufheben“ winkte er ab, dann verschränkte er ebenfalls die Arme vor der Brust. „Bei deinem Gewicht sollte ich dich lieber in ein Schwein verwandeln.“ erwiderte er mürrisch und fuhr sich mit der Hand über den unteren Rücken.
Dann klopfte es an der Tür. „Issssst allessss in Ordnung?“ hörte er Talen-Jei durch das dünne Holz fragen.
„Ja, alles in Ordnung-“ rief der junge Magier und zündete die Kerze auf dem kleinen Arbeitstisch an, hob sie auf, trat zur Tür und öffnete sie einen Spalt breit, um dem Argonier zu begegnen. Der blonde Kleine räusperte sich und blickte dann nach oben, lächelte schief „Ich bin nur im Dunklen gegen den Stuhl gelaufen und bin dann über die eigenen Beine gestolpert...“ gab er kleinlaut zu „Aber alles soweit in Ordnung...“ er rieb sich die seitliche Hüfte und zuckte unschuldig lächelnd mit den Schultern.
„Ah- das Geld für das Abendessen.“ erinnerte sich der Magier, langte kurz in die Tasche, die am Haken hinter der Tür hing, zahlte ein kleines Trinkgeld. „Gute Nacht.“ lächelnd drückte er die Tür hinter sich zu, lehnte sich dagegen und drückte den Hinterkopf gegen die Bretter. Im Licht der Kerze wirkte das Zimmer schon viel vertrauter und er nutzte die Augenblicke in denen er die verschwindenden Schritte im Flur noch hörte um den nächtlichen Störenfried genauer zu begutachten. Er hatte die Kapuze bei seiner Heldentat verloren und die dunklen Locken standen noch wirr von seinem Kopf ab, die jungen Gesichtszüge ließen darauf schließen, dass sein Angreifer ähnlich viele Winter erlebt hatte. Thrynn hob eine seiner schmalen Augenbrauen und musterte das Gesicht ein letztes Mal „Geschenk der Götter? Hm?“ fragte er gespielt skeptisch „Welchem Daedra-Fürsten habe ich diesen Anblick denn zu verdanken? Peryite?“ das Schmunzeln konnte er sich jedoch nicht verkneifen.
„Um aber auf deine Frage zurück zu kommen-“ der Blondschopf trat näher an den Dieb heran „Du hast dich auf ein ganz besonderes Abenteuer eingelassen! Nämlich auf eines mit mir!“ der kleine Magier strahlte „Wir gehen auf eine Reise in die Vergangenheit von Himmelsrand, eine Reise durch die Relikte der verborgenen Kultur, eine Reise zu den Schätzen der Ahnen! Das bedeutet, du gehst auf Forschungsreise!“ schloss er und musste dann verdrießlicherweise feststellen, dass selbst sein Angreifer – vermutlich ein Bretone (sprich kein Nord) – ein wenig größer war als er. Thrynn seufzte.
„Ich bin übrigens Thrynn“ er reckte das Kinn ein wenig „Abgeschlossenes Noviziat, geprüfter Lehrling und Meistermagier in Ausbildung!“
Fordernd streckte er die Hand aus „Und wenn du mir das Lexikon nun geben würdest, dann bin ich sicherlich gewillt, dir weitere Details unserer „Schatzsuche“ zu erläutern....“

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