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 Werwolf FF

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Werwolf FF   So Jan 11, 2015 12:36 pm

Chapter VI

Chris hätte es niemals über das Herz bringen können, seinem Freund nicht zu verzeihen. Sie waren bereits viel zu lange zusammen gewesen, dass so etwas sie auf einmal auseinanderbringen sollte und ganz davon ab hatte der Ältere noch nie so aufgelöst gewirkt, noch nie hatte er so viele Tränen vergossen und noch nie hatte er schreckliche Angst vor etwas gehabt, zumindest nicht in diesem Ausmaß. Seine Worte erschienen dem Blondschopf zwar wirr, beinahe schon so skurril, dass er glaubte, der Größere hätte halluziniert, als all das geschehen war, vielleicht aus Schock so etwas auf seinen Angreifer projiziert, allerdings ergab seine Erzählung irgendwo dennoch Sinn, erklärte zumindest auch, warum er so unglaublich verändert in den letzten Wochen gewesen war und warum er ausgerechnet in dieser Nacht so schrecklich wütend war. Und die Sache mit der Kleidung wahrscheinlich auch. Und dennoch, das Wort Werwolf wollte der Kleinere nicht gerne in den Mund nehmen, es wirkte auch viel zu seltsam und die Beschreibung, die ihm Ethan einige Tage später abgeliefert hatte, stimmte auch nicht mit dem überein, was jeder normale Bürger unter einem solchen Wesen verstand. Manchmal saß der Hippie auf der Couch und versuchte sich vorzustellen wie Ethan auf einmal ein riesenhafter Wolf war, größer als jeder Wolf, den seine Augen je gesehen hatten, doch es funktionierte einfach nicht, sodass er lediglich schmunzelnd den Kopf schüttelte, obwohl dieses Problem definitiv ernster war, als dass er darüber scherzen durfte. Ethan hatte sich in den nächsten Tagen von all dem Schmerz erholt und langsam schien er wieder der Alte zu werden, doch mit den voranschreitenden Tagen schienen seine Angst und Unmut immer stärker anzusteigen. Er wollte nicht, dass Nacht wurde und dass die Tage verstrichen, denn je schneller ein weiteres Ziffernblatt auf ihrem Kalender durchgestrichen wurde, desto voller wurde der Mond oben am Himmel. Es war tragisch zu sehen, wie dieser graue Brocken, den beide ab und an fasziniert angestarrt hatten, wenn er groß und voll über ihren Köpfen schien, auf einmal zu etwas wurde, was beide am liebsten zu vermeiden versucht hatten. Die Welt konnte sich schneller verändern als es dem Paar je bewusst zu sein schien und in diesem Falle hätte sich der Langhaarige am liebsten gewünscht, dass ihr Leben eine Konstante angenommen hätte, die durch nichts hätte erschüttert werden können. Oft erwischte er sich selbst dabei, wie er sich die Schuld für dieses ganze Dilemma gab. Hätte er diesen Job nicht angenommen, wären sie immer noch sicher in Miami gewesen und niemand würde jetzt unter Spannung stehen und egal wie oft der Dunkelhaarige auch versuchte, ihm vom Gegenteil zu überzeugen, drangen seine Worte einfach nicht zu ihm durch, außerdem wussten doch beide ganz genau, dass der Kleinere nun einmal recht hatte. Doch nun war alles zu spät und sie konnten nichts mehr rückgängig machen, anstatt sich auf das vorzubereiten, was definitiv kommen würde. Der Naturfreund hatte sich frei genommen, wollte sich auf die kommende Vollmondnacht vorbereiten, wo beide nun wussten, was auf sie zukommen würde. Vor allem wollte er für seinen Geliebten da sein, er wollte ihm einfach klarmachen, dass er ihn immer noch so sehr liebte wie beim ersten Mal, als sie sich geküsst hatten, und kein bisschen weniger, wenn, dann wahrscheinlich nur noch mehr. An die Blutergüsse auf seiner Haut wollte er gar nicht mehr erinnert werden, sie waren beinahe verschwunden und das war auch gut so, immerhin wusste er ganz genau, wie der Ältere ihn immer wieder anschaute, wenn er sich zu ihm ins Bett legte, wenn er versuchte, ihm Signale zu geben, dass er längst darüber hinweg war, dass er mit ihm schlafen wollte, doch die Schuldgefühle des Anderen saßen noch zu tief, sodass er Kleinere sich ab dem Tag an stets mit einem Shirt bekleidet schlafen legte, sich einfach nur an ihn schmieg, anstatt ihn zu etwas zu zwingen, wozu er noch nicht bereit war. Chris vermisste die alte Routine so sehr, sodass er sich nur noch mehr ins Zeug legte, alles so zu gestalten, wie es für beide am angenehmsten war. Er hatte den Keller ausgeräumt, alles rausgenommen, was sie nicht gebrauchen konnten und stattdessen eine große Matratze in die hinterste Ecke gelegt, die er mit seinem Geländewagen und der Hilfe seines Freundes gekauft hatte. Zusätzlich hatte er sich über sehr massive Türen unterhalten, die wahrscheinlich sogar einer Atombombe standhalten könnte, natürlich nur für Zwecke einer möglichen Katastrophe, die wenige Tage später die übliche Tür zum Keller ersetzte. Das winzige Fenster hatte der Hippie ebenfalls mit Holzbrettern verbarrikadiert, sodass nichts hinein und nichts hinausgelangen konnte. Alles erschien sicher und nach mehreren Probedurchläufen, wo Ethan mit all seiner Kraft gegen die Tür rennen musste, war der Blondschopf mit seiner Idee zufrieden.
Der Naturforscher stemmte seine Arme in die Hüften, strahlte den Älteren grinsend an, der ihm jedoch lediglich misstrauische Blicke schenkte, leicht den Kopf schüttelnd. „Nur, weil es meine Kraft aushält, heißt es nicht, dass es auch die einer schrecklichen Bestie aushalten würde…ich halte es für eine furchtbare Idee, Chris…“, der Mediziner stieß ein schweres Seufzen aus, immer wieder zur massiven Tür starrend, die kein bisschen Holz in sich trug und wahrscheinlich mehrere Jahrtausende aushalten würde und trotzdem schien er nicht ganz der Idee des Jüngeren zu vertrauen. „Ich habe dich lieber hier als irgendwo im Wald. Ich will nicht den halben Tag deinen Hintern suchen und ich will nicht, dass du dich oder andere Leute verletzt…oder Tiere! Denk darüber nach! Und diese Tür hält alles aus, vertrau mir!“, Chris war sich mehr als nur sicher und er war überzeugt von seinem Plan und er würde seinen Liebsten ganz sicherlich nicht alleine lassen, nicht noch einmal.
Ethan verzog weiterhin das Gesicht, wollte am liebsten irgendein Gegenargument aufbringen, was seinen Plan zerschmetterte, doch musste sein Freund sich wohl oder übel geschlagen geben und einsehen, dass nichts an dieser Idee auszusetzen war. Natürlich war beiden nicht bewusst, dass vielleicht andere Wege existierten, vielleicht sogar bessere, doch das spielte in diesem Moment keine Rolle, abgesehen davon, dass sie erst jetzt begonnen hatten, sich damit auseinanderzusetzen. Oder besser gesagt dazu gezwungen waren.
"Solange du dir Tür richtig abschließt und mit Cap dich irgendwo im Haus versteckst, wo ich euch niemals finden kann, wird das vielleicht sogar funktionieren.", grummelte der Dunkelhaarige nach einer Weile, sich mit einem schweren Seufzer auf die Couch niederlassend. Er war zornig und irgendwo auch frustriert, das konnte Chris spüren, doch konnte er erahnen, dass es hauptsächlich an der kommenden Vollmondnacht lag, die noch so wenige Stunden entfernt war. Immer wieder rutschte der andere in seinem Sitz herum, trommelte ungeduldig mit den Fingern auf seinem Knie, ehe er sich wieder erhob, nachdenklich auf- und abging. Er war nervös und seine Angst war deutlich spürbar, so spürbar, dass es selbst ihren Hund nervös machte, der winselnd zum Mediziner hinüber trat. Wenigstens schien er keine Angst mehr vor ihm zu haben und behandelte ihn genauso vertraut wie vor dem ganzen Zwischenfall. Chris hingegen teilte weniger ihre Nervosität, eigentlich bereitete ihn dieses Verhalten lediglich Sorgen, sodass er hastig zu seinem Freund herantrat, ihn von seinem Herumtigern für einen Moment abhielt und stattdessen behutsam die Hände um seinen Nacken legte, sich näher an den muskulösen Leib drückend.
"Hey, vertrau mir- alles wird gutgehen...ich weiß, dass du nicht möchtest, dass es passiert, das möchte niemand von uns, doch vielleicht wirst du in der Zeit da unten es irgendwie schaffen noch deinen Verstand wiederzufinden, immerhin schlummert immer noch derselbe Ethan in deiner zotteligen Form, auch wenn diese Seite vielleicht verdrängt wird. Wir...wir schaffen das schon, denk einfach immer daran, dass ich bei dir bin und du nicht alleine bist.", seine Lippen formten ein aufmunterndes Lächeln, ehe sie sich auf den weichen Mund seines Geliebten pressten, ihn so innig und liebevoll küssend, dass ihm nach und nach die Luft ausging und er nur widerwillig von ihm abließ.
Wenigstens ein Lächeln konnte er aus den harten Zügen des anderen entlocken, sodass seine grünen Augen noch mehr in ein glückliches Strahlen verfielen.
"Dass du mir so nah sein wirst, bereitet mir mehr Sorgen als Beruhigung- es kann so vieles schief gehen und....tut mir leid, ich habe einfach nur Angst davor wieder dieses Ding zu werden...ich habe die Befürchtung, dass wenn ich mich verändere, auch nichts mehr von mir übrig bleibt...vielleicht bin ich dann wirklich durch und durch etwas anderes...ach ich weiß es nicht!", verzweifelt vergrub er seinen Kopf in der Halsbeuge des Blonden, der ihm behutsam über den Rücken strich und liebevoll durch sein dunkles, gewelltes Haar fuhr. Es zerriss den Naturforscher förmlich Ethan so leiden zu sehen, doch er wollte den guten Glauben nicht aufgeben und er wollte erst recht nicht, dass der Mediziner sich noch stärker hängen ließ und vielleicht auf nichts gutes mehr vertraute, sodass er ihm immer wieder wiederholte, dass nichts schlimmes passieren würde.

Chris hatte sich in den letzten Stunden, in der die Sonne noch warm auf die Erde herab schien, ausgiebig um seinen Freund gekümmert, die meiste Zeit verbrachten sie ruhig auf der Couch, hatten etwas gegessen, auch wenn Ethan einen wirklich schrecklichen Bärenhunger gehabt zu haben schien, dass er ihm noch seine restliche Portion überließ, doch nun färbte sich der Himmel langsam in dunkle Rot- und Violetttöne, während die Nacht hinter all den prächtigen Farben lauerte.
Schweren Herzens hatte er Ethan in den Keller begleitet, blickte den jungen Mann aus warmherzigen Augen heraus an, als sich dieser etwas hilflos in den leeren Raum gestellt hatte, argwöhnisch die Matratze anstarrend. "Ich weiß nicht ob ich meine Kleidung ausziehen und dir geben soll oder einfach ganz weit hinten verstecke, sodass ich sie nicht zerreißen kann.", für diese Frage erntete der Ältere jedoch nur ein Schmunzeln statt einer anständigen Aussage. Kleidung war wohl das Letzte, worüber sie sich in diesem Moment wirklich Gedanken machen sollten. "Meinetwegen kannst du zu Haus immer ohne Kleidung herumlaufen, dann wird sie auch nicht kaputt gehen- hey, ich mein das doch nicht so! Versteck sie unter der Matratze oder so...", Chris wollte sich zusammenreißen und seinen Freund nicht noch zorniger machen mit seinen Kommentaren, auch wenn er nur versuchte die bedrückte Stimmung, die auf ihnen lastete, etwas zu beseitigen, auch wenn es ihm nicht allzu gut gelang.
Ein weiteres Mal wanderte sein Blick zu Ethan, schenkte ihm ein hoffnungsvolles Lächeln, welches nur gequält erwidert wurde. "Du musst langsam gehen, es wird dunkel.", die Stimme des Dunkelhaarigen war leise, beinahe schon traurig, dass Chris am liebsten bei ihm geblieben wäre, doch er wusste, dass diese Option nicht einmal zur Debatte stand, sodass er seinem Geliebten einen letzten, sanften Kuss auf die Lippen drückte, ehe er schweren Herzens die Treppen hinauf schlenderte. "Wir sehen uns morgen wieder...ich werde für dich da sein, sobald es wieder hell ist!", mit diesen Worten schloss Chris die massive Tür hinter sich, was bereits ein kleiner Kraftakt war, sodass er froh war, als diese laut ins Schloss fiel. Gut fühlte er sich nicht besonders dabei, dass er seinen Freund im Keller einschloss und ihn alleine ließ, es fühlte sich einfach nicht richtig an, auch wenn es wohl das Richtigste war, was er hatte zustande bringen können, sodass er nun die Zähne zusammenbiss und versuchte sich nicht von seinem schlechten Gewissen und den Sorgen auffressen zu lassen.

Die Zeit verging schleppend, Chris konnte sich auf nichts konzentrieren- nicht auf fernsehen, oder auf seine Arbeit und schon gar nicht darauf irgendwie die restlichen Kisten auszupacken. Nicht einmal anständige Runden im Wald konnte er mit dem weißen Schäferhund drehen, schließlich wollte er irgendwie noch bei Ethan sein. Falls etwas passiert wäre und er nicht zu Haus war, hätte der Blondschopf sich das niemals verzeihen können, sodass die letzten Minuten vor Einbruch der Dunkelheit lediglich damit verbracht wurden, unentschlossen durch das Haus zu geistern und sich nicht einmal zu trauen die Lichter einzuschalten.
Und dann hatte Chris es beinahe bereut, dass er zu Haus geblieben war. Sein Herz schien mit einem Male stehen zu bleiben, als seine Ohren die Laute aus dem Keller vernahm, die durch das gesamte Haus widerhallen zu schienen, sodass er sich nicht einmal irgendwo vor ihnen hätte verstecken können. Noch nie in seinem Leben hatte er solche herzzerreißenden Schmerzenslaute gehört, die bis ins Mark seiner Knochen durchdrangen und ihn mit Sorge und einer schrecklichen Angst füllten, dass er sich immer wieder aufs Neue ermahnen musste, nicht in den Keller zu gehen und nach seinem Freund zu schauen.
Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, Ethan dabei zuzuhören wie er sich quälte, wie er sich von einer Wand zur nächsten zu werfen schien, während andere Geräusche, die er nicht ganz zuordnen konnte, sich mit dem Geschrei und dem Tumult vermischte. Selbst Cap traute sich nicht laut zu bellen, stieß nur leises Winseln aus, während er die Schnauze hilfesuchend gegen Chris' Hand presste, der ihn haltsuchend an sich presste, behutsam über das Fell des jungen Hundes strich. Ihm war gar nicht aufgefallen, dass vor lauter Sorgen Tränen über sein Gesicht gelaufen waren, die er hastig mit dem Handrücken fortwischte. Es herrschte eine schreckliche Anspannung im gesamten Haus, bis plötzlich der Lärm abnahm und sich stattdessen eine eisige, beinahe unheimliche Stille breitmachte, die beinahe unheimlicher war als all das, was sie vorher zu hören vermochten. Was war geschehen? Hatte Ethan sich wieder beruhigt oder würde gleich etwas noch Schrecklicheres passieren?
Der Blonde hockte stillschweigend auf dem Boden, Cap beinahe auf seinem Schoß liegend, und traute sich kaum die Stille zu durchbrechen. Selbst das leise Atmen schien viel zu laut für seine Ohren zu sein, dass er es am liebsten abgestellt hatte.
Es war ein seltsames Gefühl zu wissen, dass etwas passiert war und dennoch war er sich nicht bewusst, was genau passiert worden war und was hinter der Kellertür vor sich ging, doch so stark seine Neugierde auch gewesen war, schien sein Freund selbst jetzt noch zu spüren, dass er ihn davon abhalten musste, hineinzugehen, denn spätestens, als ein lautes Geheul, das ganz sicher nicht menschlicher Natur war, die Kehle des Älteren verlassen zu haben schien, traute sich der Hippie nicht einmal an die Tür heran. Nun, wenn er noch irgendwelche Zweifel an der Geschichte gehabt zu haben schien, dann waren diese gerade eben endgültig beseitigt worden. Dass so etwas in ihrer Welt existierte war immer noch so unglaublich unverständlich und verrückt, doch sie waren nun ein Teil dieser verrückten Welt und Chris versuchte gefasster und verständnisvoller zu sein, auch wenn das Geheul schnell zu einem wütenden Grummeln wurde, einem Knurren, ehe erneut Geräusche des Randalierens zu vernehmen waren, die kaum noch ein Ende nehmen wollten, dass er sich manchmal sogar dabei erwischte, wie er sich die Ohren zuhielt und die Augen zusammenpresste, in der Hoffnung, dass alles wieder verschwinden würde, wenn er sie öffnete und er im besten Falle im Bett neben seinem Freund lag und all dies nur ein bizarrer Traum gewesen war.
Doch es war kein Traum und jedes mal, wenn sich die grünen Augen wieder öffneten, fand er sich auf derselben Stelle wieder. Langsam machte ihn der Lärm verrückt und auch wenn er sich selbst geschworen hatte, das Haus auf gar keinen Fall zu verlassen, konnte er nicht länger hier auf dem Boden sitzen bleiben und seinen knurrenden Hund davon abhalten, bellend zur Kellertür zu eilen. Er wollte nicht, dass Ethan irgendwie auf den Gedanken käme zu versuchen zu ihnen zu gelangen, nicht, wenn so viel Zorn in seiner Brust zu brodeln schien und er gerade niemand anderem als einem wilden Tier zu ähneln schien- einem, das Chris noch nie in seinem Leben erforscht oder gar gesehen hatte, wovon er also absolut keine Ahnung hatte, nicht einmal theoretische. Er wollte nicht, dass ihnen beiden irgendein Unglück geschah, dass er schnell Cap packte und wenigstens mit ihm hinaus auf ihre Veranda eilte, dort, wo das Knurren und heulen nur gedämpft zu hören war, vielleicht hätten sie auch gar nichts davon mitbekommen, hätte er die Glastür hinter sich zugeschoben, doch er wollte wenigstens noch ein bisschen von seinem Freund mitbekommen. Er fühlte sich schlecht, dass ihn der Schrecken gepackt hatte, dass er tatsächlich die Nacht lieber draußen auf der Veranda verbrachte, sich auf dem Holzboden platzierte, sich vorher einer der herumliegenden Decken auf der kleinen Bank neben ihnen schnappend. Sie hatten gerne Nächte hier verbracht, die vergleichsweise kühler waren als die warmen Tage, die sie sonst erwarteten, manchmal war Chris einfach an Ethans Schulter eingeschlafen ohne es wirklich zu merken, heute jedoch war er alleine, versteckte sich regelrecht vor seinem eigenen Freund und dem Lärm, den er veranstaltete. Früher hätte er sich vielleicht noch um die klare Vollmondnacht gefreut und all die leuchtenden Sterne bewundert, heute verfluchte er den Mond jedoch mehr als alles andere, hätte ihn am liebsten vom Himmel heruntergeholt und einem anderen Planeten untergejubelt, sodass er den weißen Ball keines Blickes würdigte, stattdessen das in der Nacht silbrig glänzende Fell seines Hundes streichelnd, der sich wieder einigermaßen beruhigt zu haben schien. Ach, wie gerne er die Sonne sehen wollte, wie sehr er sich doch wünschte, dass die Nacht endlich ein Ende nahm! Chris wollte nicht eine Minute versäumen, in der er schlief, Schlaf wirkte einfach so fehl am Platz, so falsch, dass er sich jedes Mal dazu zwang die Augen geöffnet zu halten, auch wenn die Müdigkeit ihn immer wieder zu übermannen drohte und es regelrecht ein Kraftakt wurde auch nur ein Auge geöffnet zu halten, sodass er sich irgendwann nicht mehr zusammenreißen konnte und einfach einschlief.
Einzuschlafen war wohl das Letzte, was der Blonde diese Nacht tun wollte, er wusste nicht einmal wann und wie er eingeschlafen war und wie lange vor allem seine Augen geschlossen blieben und sein Verstand nicht mehr in dieser Sphäre zu kreisen schien. Vielleicht hatte der Lärm im Hause mittlerweile auch aufgehört, sodass es ihn ein wenig beruhigt hatte und nicht weckte, doch etwas schien ihn nach einigen Stunden zu wecken, jedoch war es kein lautes Geheul oder das Randalieren und Knurren, das aus dem Keller zu ihm durchdring, es war mehr ein leichtes Frösteln und das Gefühl vom leichten Unbehagen. Chris spürte, dass etwas nicht ganz richtig war, dass etwas in der Luft lag, sodass die Stille eher gespenstisch als angenehm wirkte. Beinahe panisch riss der Naturforscher seine Augen auf, richtete sich im nächsten Moment fieberhaft auf, als hätte ihn eine Biene gestochen.
Er fühlte sich schlecht, dass er unachtsam gewesen war und nicht mehr dem lauschte, was bei Ethan geschah, doch die Schuldgefühle wurden bald darauf beiseite geschoben als sein gutes Gehör leises, beinahe schon vorsichtiges Tapsen vernahm. Cap konnte es nicht gewesen sein, schließlich hatte dieser schlummernd neben ihm gelegen. Hatte sich ein wildes Tier in ihrer Nähe verlaufen? Doch war das kein eindeutiges Stampfen, das vom Wald herkam, es war mehr das Auftreten von Pfoten auf einer glatten, ebenen Fläche wie einem Fußboden oder ähnlichem. Und noch ehe er sich weiteren Überlegungen stellte, wurde Chris mit einem Schlag bewusst, dass es sich hierbei nur um eine Kreatur handeln konnte, dessen Pfoten solch eine Bodenfläche hätten berühren können.
Es war unheimlich wie ruhig und bedacht das Wesen sich fortbewegte, wir die Schritte immer näher und lauter wurden, bis eine große Schnauze aus der geöffneten Verandatür herausblicke, schnaufend die Nase runzeln, als würde er etwas erschnuppern. Der Anblick des Wesens, wie sein halber Körper vom fallenden Licht des Mondscheins beleuchtet wurde, beeindruckte und erschreckte den jungen Mann gleichermaßen, sodass er es kaum wagte auch nur seinen Blick von ihm abzuwenden, während sein gesamter Leib wie eingefroren zu sein schien. War das etwa...Ethan? Er konnte die Fellfarbe nicht deutlich in der Nacht erkennen, in welcher alles in bläulich schwarzen Tönen zu schimmern schien, doch er konnte schwören, dass es einige dunkle Brauntöne besaß, die zumindest auf die Haarfarbe seines Freundes zu deuten schien. Alles andere war ihm allerdings ein Rätsel. Besonders unlogisch und unheimlich kam es Chris vor, dass er es irgendwie geschafft hatte sich aus seinem Raum zu befreien. Hatte er etwa so stark gegen die Tür geschlagen, dass sie tatsächlich aufgebrochen war? Doch bei diesem Lärm wären selbst Tote in ihren Gräbern vor Schreck auferstanden, es musste also einen anderen Grund geben, einen, den Chris in diesem Moment absolut nicht kannte, sodass der Schrecken über dieses Wesen noch ein wenig größer wurde.
Er wusste nicht was genau die Ängste in ihm hervorriefen, doch schienen sie präsent genug zu sein- oder vielleicht hatte er auch einfach zu laut geatmet oder einen viel zu lauten flatternden Herzschlag gehabt- dass diese Kreatur sich mit einem Ruck zu ihm drehte und leuchtend scharfe, verschieden farbige Augen präsentierte, die zweifelsohne seinem Geliebten gehörten. Der Wolf war gigantisch und größer als jeder Wolf, den er je gesehen oder von dem er jemals gelesen hatte und als er seinen gesamten Körper vor dem Blondschopf präsentiert hatte, verlieh ihm dies nur noch mehr gewaltsame Kraft und Größe, die ihm schier den Atem raubte.
Der Wolf bleckte seine Zähne, stieß dabei ein dunkles grollendes Knurren aus, das den Boden zum Beben zu bringen schien...oder zumindest bildete sich Chris dies in diesem Augenblick ein.
"E-Ethan? Ethan, ich bin's....erkennst du mich denn nicht wieder?", er hatte versucht mit fester Stimme auf dieses fremdartige Wesen einzureden, was in der Umsetzung jedoch scheiterte. Er wusste, dass Angst ihn nicht weiterbringen würde und er wollte auch gar keine Angst haben, nicht vor Ethan, nicht vor seinem Freund, ganz gleich was für eine Gestalt er auch angenommen hatte! Langsam, ganz vorsichtig erhob sich der schmale Körper des Hippies, er wollte keine allzu hektischen Bewegungen machen, sodass Ethan sich vielleicht bedroht fühlte und möglicherweise noch ein Unglück geschah, doch wollte er auch nicht tatenlos auf der Veranda sitzen und absolut nichts tun.
Ethan schien zumindest nicht angreifen zu wollen, auch wenn sein Fell sich beinahe wie bei einer Katze zu sträuben begann und er ihn aus misstrauischen Augen heraus beäugte. Wenn er ihn nicht anfiel, dann war bestimmt noch etwas in diesem Wesen, was ihn kannte, dann war Ethan nicht ganz eingenommen von den Instinkten eines wilden Tieres. Chris konnte ohnehin nicht ganz daran glauben, dass jemand von jetzt auf gleich etwas anderes wurde, zumindest sein Verstand konnte nicht komplett etwas anderem, wilden weichen.
Selbst jetzt, wo Chris stand, schien er gerade mal die Größe seines Freundes angenommen zu haben, es war beinahe unheimlich wie riesig seine Pfoten und seine Klauen waren, wie gefährlich die großen Schneidezähne, die ihn wahrscheinlich binnen weniger Sekunden hätten zerfleischen können. Doch an so etwas wollte er gar nicht denken, nein, Ethan würde ihn nicht zerfleischen oder ihm an die Kehle gehen, das ist doch verrückt...wieso dachte er überhaupt so schrecklich von ihm?! Schuldbewusst biss der Kleinere sich auf seine Unterlippe, wagte es jedoch nicht seinen Blick auch nur eine Sekunde lang von seinem Freund abzuwenden, der sich immer noch nicht von der Stelle bewegen wollte, als ob er auf etwas wartete.
"Etwas in dir scheint mich doch zu erkennen....oder? Ich....ich werde dir nichts tun, okay? Du brauchst keine Angst zu haben, niemand wird dir etwas tun...", er wollte den anderen mit seinen Worten beruhigen und hoffte inständig, dass er sie auch verstand. Es kostete ihn viel Überwindung einen Schritt vorsichtig vor dem nächsten zu setzen, er konnte sehen wie Ethan ihm regelrecht zurückweichen wollte als er sah, wie er ihm immer näher kam, doch Chris machte keinen Anstalt sich von ihm zu entfernen, stattdessen nahm er seinen Mut zusammen und streckte langsam seinen Arm aus, jedoch aus leichter Angst heraus seine Augen zusammenkniff, den Blick abwendend. Wenn er ihm den Arm abbeißen würde, dann war es seine eigene Schuld. Selbst wenn es vielleicht blanker Wahnsinn war, dass er sich so gegenüber einem Wesen benahm, was nicht rational und bedacht handelte, konnte er nicht anders als selbst jetzt seinem Freund weit genug zu vertrauen und Glauben daran zu haben, dass er noch immer derselbe war- teilweise zumindest- sodass er ihn vielleicht nicht angreifen oder gar beißen würde, dass er vielleicht sogar erkannte um wen es sich handelte, der gerade vor ihm stand.
Und Chris' Vertrauen wurde belohnt, zumindest damit, dass statt messerscharfer Zähne in seinem Fleisch eine feuchte Nase gegen seine Handinnenfläche stupste und ihn vorsichtig beschnupperte, ehe er weiches Fell unter seinen Fingerkuppen spürte. Erschrocken und ein wenig erstaunt öffnete er wieder seine grünen Augen, starrte in die Richtung des Wolfes, der seine abwehrende, einschüchternde Haltung für einen Moment abgelegt zu haben schien und sich tatsächlich wohler in der Gegenwart des Blondschopfes fühlte. Er hatte seinen Kopf, oder zumindest seine Stirn, gegen seine Hand gedrückt und Chris ließ es sich nicht nehmen wenigstens kurz und ganz vorsichtig über das schimmernde und weiche Fell zu streichen, was Ethan dazu brachte kurz die Augen zu schließen. Konnte...konnte es wirklich sein, dass er ihn erkannt hatte, dass sein Geruch vielleicht ausschlaggebend genug war, dass er ihn nicht angriff? Es raubte dem Jüngeren den Atem zu sehen wie schnell sich die Situation ändern konnte, wie schnell seine verkrampften, angsterfüllten Glieder erweichten und er sogar den Mut hatte, sich noch mehr der Kreatur zu nähern, die sein Freund war. "Du hast mich tatsächlich erkannt! Siehst du? Ich bin bei dir..ich habe dir doch gesagt, dass du keine Angst zu haben brauchst!", seine Lippen formten ein zufriedenes Lächeln, sich im Nachhinein fragend ob Ethan es überhaupt als ein solches erkannte und ob er die Worte selbst jetzt wirklich genauso verstand, wie er sie sagte. Doch schien er wenigstens ein bisschen von all dem verstanden zu haben, was der Blonde ihm mitgeteilt hatte, sonst wäre er nicht so ruhig und vielleicht sogar geduldig gewesen, sondern hätte die potenzielle Bedrohung aus dem Weg geräumt.
Eines jedoch hatte Chris absolut nicht bedacht, als er das Vertrauen seines Freundes von vorne gewinnen wollte, denn waren beide doch nicht die einzigen, die in diesem Hause lebten und es hätte den Langhaarigen wohl auch ein wenig gewundert, wenn Cap weiterhin geschlafen hätte, wo doch spätestens das Knurren ihn hätte wecken müssen. Jedoch schien etwas anderes die Schuld daran zu haben, dass der schlummernde weiße Fellball abrupt den Kopf hob, seine Schnauze leicht in die Lüfte hebend und etwas erschnuppernd, was ihn auf's Äußerste zu verwirren schien, sodass er ich kurz schüttelte, schlagartig sich erhob und im nächsten Moment seine Augen auf Ethan gerichtet hielt. Ein dunkles, wütendes Knurren brodelte in seiner Kehle und ehe Chris etwas sagen oder gar tun konnte, hatte der weiße Schäferhund bereits laut zu bellen begannen, bellte den weitaus größeren von ihnen so laut an, wie es Chris noch nie von ihm gehört hatte.
Und da war es mit der inneren Ruhe und Vertrautheit geschehen, er konnte sehen wie sich die verschiedenen Augen zu Cap herumdrehten, wie er erneut eine abwehrende Haltung einnahm und ebenfalls ein bedrohliches Knurren ausstieß, welches jedoch weitaus unheimlicher und gewaltiger klang als all das, was ihr Hund produzieren könnte.
Trotz der gewaltigen Größe und all den einschüchternden Attributen schien Cap seinen Besitzer beschützen zu wollen, sodass er neben ihn trat und nicht aufhörte zu bellen, nur manchmal schien es durch ein Knurren unterbrochen zu werden. Seine gesamte Haltung war bereit sich auf einen Kampf vorzubereiten, auch wenn Chris sich mehr als nur sicher war, dass Ethan nur einmal etwas stärker mit seiner Vorderpfote auszuholen brauchte, und es beinahe schon um ihren Hund geschehen war, sodass er wieder einmal versuchte beruhigend auf das Tier einzureden, auch wenn es diesmal sein eigenes Haustier gewesen war, das kaum auf ihn hören wollte.
Alles, was danach geschah, konnte Chris immer noch nicht ganz verstehen, geschah alles doch so plötzlich und schnell. Cap wollte seinen Geliebten anfallen, schrak jedoch winselnd zurück, als der Wolf plötzlich ebenfalls in Kampfbereitschaft ging und mit seiner Pranke ausholte. Doch anstatt den Hund zu treffen, bohrten sich die scharfen Krallen in Chris' Unterarm hinein, den er schützend vor sein Gesicht gehalten hatte. Vielleicht hatte er sogar seinen Hund beiseite geschoben, doch daran konnte er sich nicht mehr genau erinnern. Was jedoch sehr präsent war, war der stechend ziehende Schmerz, der seinen Arm regelrecht zu lähmen schien. Er pulsierte regelrecht vor Pein, während das Blut seine Haut und anschließend den Boden unter seinen Füßen beschmutzte. Er glaubte sogar einen Schmerzenslaut seine Kehle verlassen zu hören, der allerdings dem Wolf ein lautes Winseln entlockte, gefolgt von diesem gespenstischem, jedoch beinahe qualvoll klingendem Geheul, ehe sich das Wesen einfach herumdrehte und mit einer unglaublichen Geschwindigkeit voran pirschte, immer weiter in Richtung Wald, bis seine grünen Augen ihn nicht verfolgen konnten.
Chris wusste nicht ob er wütend oder traurig oder vielleicht sogar enttäuscht sein sollte. Er wollte nicht Ethan gehen lassen, nicht ein weiteres Mal und dennoch war es geschehen. Auch wollte er nicht von ihm verletzt werden, allerdings sagte etwas in ihm, dass sein Freund es ebenso wenig wollte, vielleicht war dies nicht einmal seine Intention gewesen und es war regelrecht ein Unfall! Doch am schlimmsten war wohl eher die Tatsache, dass er kurz vor Morgengrauen verschwunden war.
Chris konnte sich nicht wirklich selbst verarzten. Natürlich war es sein rechter Arm gewesen, der eine blutende Wunde aus drei großen und breiten Kratzern erleiden musste, die wahrscheinlich sogar genäht werden mussten. Er wäre ins Krankenhaus gefahren, wenn Ethan nicht irgendwo einsam im Wald herumgeistern würde und er mit einem Arm den Wagen gut lenken und umschalten konnte, doch dies lag nicht in seiner Macht und wollte er doch gar nicht erst sein Haus verlassen, sodass er sich nur darauf beschränkte die Wunde einigermaßen zu reinigen und provisorisch zu verbinden, selbst wenn es einige Zeit dauerte bis das Bluten langsam abklang, der Schmerz allerdings war eine stetige Begleiterscheinung, selbst dann, als er sich erschöpft und traurig auf der Couch niedergelassen hatte und ohne es zu wollen eingenickt war und nichts von all den kommenden Momenten auch nur ansatzweise bemerkte. Lediglich der Schmerz in seinem Arm und die seltsamen Träume schienen an seinem Körper zu nagen ihn noch stärker zu verzehren als alles andere, was in letzter Zeit geschehen war.


Chapter VII

Die Qual dieser....Verwandlung saß immer noch in seinen Knochen fest, als er sich schmutzig auf dem Waldboden wiederfand. Vielleicht war es jedoch auch der unangenehme Schmerz, dessen Ursprung das unbequeme schreckliche Schlafen war. Hatte er überhaupt geschlafen? Erneut waren nur schemenhafte Bilder in seinem Kopf, einige waren stärker, die anderen schwächer. Um genau zu sein konnte Ethan nicht einmal genau sagen, was von all dem er nur geträumt hatte und was der Wahrheit entsprach.

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