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 ~ L'on est bien faible quand on est amoureux ~

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Ced



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BeitragThema: ~ L'on est bien faible quand on est amoureux ~   Fr Sep 26, 2014 9:39 pm

Mit einem resignierenden Seufzer drückte er seinen Hinterkopf gegen das leicht korrodierte Eisen der Tür, die er gerade hinter sich zugezogen hatte. Obwohl der Herbst einen nasskalten Hauch mit sich brachte, musste er das Fett der Fritteusen und den Müll, der sich im Laufe der Woche angesammelt hatte, riechen. Halbherzig stieß er sich ab und warf einen Blick auf seine Armbanduhr, nachdem er einen weiteren Sack auf den Müllberg befördert hatte. Die Zeiger waren mittlerweile auf Viertel vor Neun vorgerückt, obwohl seine Schicht eigentlich nur bis halb acht gehen sollte. Aber offenbar schien dieser Freitag mal wieder besonders beliebt für Hochzeitsanträge, Geschäftsessen oder aber eben für diesen grausamen Geburtstag von diesem scheintoten Opa, der seinen sechsundneunzigsten Geburtstag mit seiner Familie hier in L.A. verbringen und feiern wollte, zu sein. Dass ihm sein Herz nicht stehen geblieben war, als seine Urenkelinnen angefangen hatten ein Geburtstagsständchen zu quietschen, war dem Franzosen immer noch schleierhaft, immerhin hatte man diese Zumutung für die Gehörgänge bis in die Cuisine hören müssen.
Während er mit der einen Hand seine Taschen nach seinem Smartphone abklopfte, fischte er mit der anderen eine Packung Pfefferminzkaugummis aus der linken unteren Tasche seiner Lederjacke und beförderte zwei Streifen davon zwischen seine Backenzähne. Mittlerweile blinkte hinter dem Riss in seinem Display auch der Willkommensgruß seines Handyanbieters.
Sechs verpasste Anrufe. 17 Nachrichten.
Und sie alle erinnerten ihn daran, dass er sich eigentlich mit seinen Bekannten verabredet hatte, wobei dies nur exzessives Feiern bedeutete. Erst nach mehrmaligem Drücken mit dem Daumen brachte den ramponierten Touchscreen dazu eine der Nummern zurückzurufen, aber das brachte ihm auch nur die quäkende Stimme von „...der von ihnen gewünschte Teilnehmer ist zur Zeit leider nicht erreichbar.“ Man wählte die nächste Nummer, während man das Tor zur Straße hin mit dem Angestelltenschlüssel aufschloss. Doch vergebens. Selbst nach mehrmaligem Freizeichen meldete sich der Angerufene nicht. „ Putain! “ raunte man der Tür entgegen, welche einen Augenblick später ins Schloss geknallt wurde.

Es hatte offenbar geregnet. Das schmutzige Licht der Straßenbeleuchtung spiegelte sich auf dem nassen Asphalt und der abendliche Stadtverkehr blitzte ständig in den Pfützen auf. Ein leichter Nieselregen tanzte im herbstlichen Wind, welcher die nassen Plakatwände streifte und fallengelassenen Müll durch die Straßen trieb. Der dunkle Himmel war wolkenverhangen, auch wenn es vermutlich bei klarem Himmel unmöglich gewesen wäre viele Sterne zu erkennen, drückte dies nur zusätzlich auf die angeschlagene Laune. Mit verzogener Miene, kaute man auf der Masse herum, die nach künstlicher Minze schmeckte. Was sollte er denn jetzt anfangen? Wer wusste schon wohin diese Vollidioten gegangen waren, wenn sie nicht an ihr Handy gingen, dann waren sie sicherlich in irgendeiner Bar oder einem Tanzschuppen und hatten schon längst die Anstrengungen der Arbeitswoche hinter sich gelassen. Was bedeutete, dass er ganz allein irgendwo hin musste. Das versprach natürlich umso mehr Spaß. Erst dieser verkackte verlängerte Freitagsdienst und jetzt konnte er sich nicht einmal mit derben Sprüchen über Ärsche und Schwänze brüsken und in das grölende Gelächter seiner Kumpel einsteigen. Très excellent!
Eine ganze Weile kickte er nun schon eine zerbeulte Pepsidose vor sich her, die er auf dem Weg gefunden hatte, den er einfach wahllos eingeschlagen hatte. Hier in der Stadt unweit der City gab es sowieso zahlreiche Gelegenheiten für einen Feierabendfrustdrink, da machte es auch keinen Sinn alles ab zu klappern und die eigentliche Abendplanung zu verfolgen. Wütend trat er nach der Dose, welche über den Gehweg flog und auf der Straße landete und von einem Wagen platt gequetscht wurde. Der Dunkelhaarige schnalzte mit der Zunge und blickte von seinen Füßen auf, blinzelte den leuchtenden Buchstaben über der Tür entgegen. Weshalb sollte er weiter gehen? Er konnte genauso hier einfach das kriegen, was er brauchte.

Die Tür fiel hinter ihm wieder zurück ins Schloss, nachdem er sich in den Schankraum geschoben hatte. Schon wieder. Er hatte in letzter Zeit zu viel mit Türen gemacht. Dauernd musste man sie auf drücken und dann schlossen sie sich doch nur wieder. In dem Moment störte ihn dieser Gedanke. Warum war man überhaupt auf Türen angewiesen? Man drückte und zog doch sowieso immer im falschen Moment. Er fuhr sich mit der Zunge von hinten über die Zähne und trauerte dem Kaugummi nach, welches er draußen auf den Boden gespuckt hatte. Die Hände wieder betont lässig in die Hosentaschen gleiten lassend, ließ er den Blick der braunen Augen schweifen. Mächtig was los, bedeutete etwas anderes. Im Gegensatz zu den gewohnten Freitagabendetablissements war es hier beinahe schon zu leer. Aber was sollte es auch? Er zuckte mit den Schultern und steuerte den Barkeeper und dessen Tresen an, ließ weiterhin den Blick flüchtig über die Gesichter huschen. Vielleicht fand man ja irgendetwas... Ansprechendes?
„N'abend.“ nickte man dem Keeper zu, als man sich auf einen der Hocker fallen ließ. „Jim Beam.“ antwortete man dem fragenden Blick und fuhr sich dann mit beiden Händen durch das feucht gewordene Haar. Das war wirklich ein ätzender Abend und vermutlich würde er auch nicht mehr sonderlich viel Besserung bereithalten. Man stellte ein Glas vor ihm ab und in der Zwischenzeit schälte man sich aus der klammen dunklen Lederjacke, schob die Ärmel des dunkelgrauen Sweatshirts hoch. Die langen Finger hoben das Glas von der polierten Holzoberfläche des Tresens und ließen die bräunliche Flüssigkeit ein wenig hin und her schwappen, ehe man es kurz an die Lippen setzte und einen Schluck nahm. Ein teilnahmsloser Blick folgte dem Tresen nach rechts und blieb fing sich dann in einem Blick heller Augen, die einem Mann gehörten, der gut positioniert auf einer mit Leder bezogenen Bank saß, um offenbar die Tür im Auge behalten zu können. Provokativ zog man Augenbrauen hoch und brach dann den Blickkontakt ab, um den Rest des Getränks herunter zu kippen. Sein Gesicht verzog sich nur ein wenig, war er den stechenden alkoholischen Beigeschmack doch allzu gut gewohnt. Von seinem Mund aus, seinen Hals hinunter breitete sich diese leicht brennende, dann kribbelnde Wärme in seinem Körper aus. Gleich fühlte er sich besser, ein spielerisches Lächeln kletterte auf die schmalen Lippen.
„Das Gleiche nochmal.“ richtete man an den Barkeeper, während man sich aber auch schon vom Hocker auf die Füße gleiten ließ, die Jacke über den Arm warf. „Merci~“ schenkte er dem Mann hinter dem Tresen und nahm sein Glas an sich.
Zielstrebig schritt er am Tresen vorbei, hin zum Tisch, an dem der Mann mit den hellen Augen saß. Man stellte das Glas auf den Tisch, warf die Jacke auf das Leder der Bank und setzte sich dann, die Beine möglichst bequem unter dem Tisch in Position bringend. „Kann ich ihnen irgendwie helfen, Sir?“ formten die Lippen fragend. Irgendwas in ihm sagte ihm, dass sein Gegenüber ein ironisches Sir verdient hatte. Musternd glitt sein Blick von den hellen Augen zu den dunklen Haaren, über das Gesicht und dann wieder zurück in die hellen Augen. Er grinste, schaute dann kurz an sich hinunter, dann zur Tür und wieder zurück. „Oder erwarten wir noch jemanden?“

Willkommen im Leben des Leon Victor Crussol d'Uzes!

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: ~ L'on est bien faible quand on est amoureux ~   So Okt 12, 2014 6:08 pm

Freitag. Er hasste Freitage. Die Straßen waren überfüllt von der Arbeiterklasse, die in ihren Automobilen saßen, die sie vielleicht noch gar nicht abbezahlt hatten oder diesen Monat die letzte Ratenzahlung betätigt hatten und bereits von einem neueren Wagen träumten. Er war voller Taxifahrer, die die Touristen in ihre Hotels brachten, die kalifornischen Bürger vom Shoppen nach Hause oder die auf ihren nächsten Kunden am Straßenrand warteten. Oh, der Freitag war ein verfluchter Tag! Isaac hätte sich am liebsten in seinem Büro verschanzt und bis zum Morgengrauen seine Nase in wichtige Papiere und Fälle vergraben, die nächste Woche anstehen würden. Er war schon immer ein Arbeitstier, es beanspruchte sein Denken, seine Konzentration und das Wissen, das er in der Universität erlernt hatte.
Diesmal hatte sich der Dunkelhaarige jedoch gegen die erfüllende Arbeit entschieden. In gewisser Weise war er sogar sehr mit ihm verheiratet gewesen- Anwalt zu sein war wohl das Beste, was er aus seinem Leben hätte machen können. Seine Eltern waren stolz auf ihn, das wusste er und wieso auch nicht? Aus der Mittelschicht hinauf in ein teuer eingerichtetes Penthouse mitten im Herzen Los Angeles‘- das sollte ihm erst einmal jemand nachmachen!
Ein langgezogenes Gähnen verließ die vollen Lippen des Juristen, während seine Finger ungeduldig auf dem Lenkrad seines Neuwagens trommelten.
Rush Hour- was auch sonst. Dabei hatte er sich selbst noch ermahnt etwas später loszufahren, vielleicht noch einen kleinen Fall bearbeiten, vielleicht einen nächsten anfangen, vielleicht sogar Catherine darum bitten einen neuen zuckerfreien extra starken Kaffee aufzubrühen oder den vom gegenüberliegenden Coffeeshop zu besorgen. Leider hatte Catherine zu dem Zeitpunkt bereits seit einer Stunde aufgehört zu arbeiten und hatte sich auf den Weg zu ihren sinnlosen Kindern gemacht und die einzigen Kollegen, die seine Einsamkeit geteilt hatten, war die vom Reinigungsdienst, die ihm ab und an ermahnende Blicke hinter der gläsernen Tür zugeworfen hatten, während ihr laut surrender Staubsauer an seinen Augen vorbeizog. Er hätte einfach die Rollos zuziehen müssen, dann hätten sie ihn gar nicht erst angestarrt. Dämliche Putzfrauen, sie waren daran schuld, dass er sich nicht mehr konzentrieren konnte und anschließend schnaufend mit seinen Unterlagen in der einen Hand und die Jacke in der anderen die Kanzlei verlassen musste um sich in diesen widerlichen Berufsverkehr zu stürzen.

Wann er wirklich nach Hause gekommen war…er konnte es nicht genau sagen- irgendwann hatte er einfach aufgehört auf seine Armbanduhr zu blicken, irgendwann erklang ein Lied im Radio zum vierten Mal und irgendwann interessierte es den jungen Mann einfach nicht mehr, er hatte schlimmere Abende erlebt und bevor sich dieser noch in eine Odyssee des Genervtseins und der schlechten Laune ausarten würde, sollte er besser etwas dagegen tun! Vielleicht einen guten Wein aufmachen und ein wenig auf seinem Ledersessel lesen oder vielleicht noch ein wenig in seinem heimischen Büro arbeiten? Nein, nein kein arbeiten! Er tat in letzter Zeit ja gar nichts anderes mehr, seine Wohnung war manchmal tagelang verlassen und wurde nur missbraucht um zu duschen und manchmal im großen King Size Bett zu schlafen. Mehr Aktion hatte dieses Bett auch schon länger nicht mehr gesehen. Abgesehen davon, dass Isaac ungerne wildfremde Menschen in sein Zuhause brachte- es war seines und meistens waren sie einfach nicht gut genug, als dass sie sich mit ihm in seinen Laken wälzen durfte, doch Herrgott nochmal, er war doch keine siebzig Jahre mehr, dass er zu unfähig war auszugehen! Seine Freunde, die eigentlich keine waren, waren wahrscheinlich bereits in irgendwelchen Bars oder Nachtclubs zerstreut gewesen, dass der Anwalt sich gar nicht erst die Mühe machte sein Smartphone aus der Hosentasche zu fischen und irgendwen gekünstelt freundlich auf die Mailbox zu sprechen oder eine SMS zu schreiben, abgesehen davon, dass er sich alleine meist wohler fühlte. Es war einfacher jemanden zu finden, vielleicht sogar jemanden, der das Interesse des Dunkelhaarigen irgendwie in eine Richtung lenken konnte und nur, weil er selten ausging oder viel mit der Arbeit beschäftigt war, hieß es noch lange nicht, dass er in irgendeiner Form enthaltsam leben wollte oder gar prüde war! Oh Gott nein, prüde war er ganz sicherlich nicht, es gab nur so viele andere Dinge, die seinen Kopf öfter einnahmen, besonders in letzter Zeit, wo es so schien als könnte er mit seinen zweiunddreißig Jahren noch mehr aus seiner Arbeit herausholen, könnte vielleicht am Ende mehr Scheine auf seinem Konto besitzen! Beruflicher Erfolg war nun einmal die oberste Priorität im Leben von Isaac Sullivan, an den er in diesem Augenblick jedoch versuchte nicht zu denken.
Ein Taxi war schnell bestellt worden und nachdem Isaac seinen Körper vom Schmutz befreit hatte und etwas ausgehtauglicheres und vor allem bequemeres angezogen hatte, saß der gut duftende und vor allem gutaussehende Mann bereits auf der Rückbank des Taxis, gefahren von einem sehr unbegeisterten älteren Herren. Einen Nachtclub würde er ganz sicher nicht besuchen, die Musik war ihm zu laut, der ewige Bass zu unangenehm und er mochte keine Menschen, dessen Verstand gefangen in einem Netz aus verschiedenen Drogen gefangen war, die sich seltsam ausrenkten und es tanzen nannten. Es war lächerlich, sie wirkten alle wie kleine Affen, so weit unten in der Nahrungskette, dass man glauben könnte die menschliche Evolution hätte nie existiert. Mit seinen Arbeitskollegen hatte er sich gerne in netten Clubs aufgehalten, die mehr auf die Klasse eines Menschen achteten, die erfüllt von Intelligenz waren, die er so liebte, doch heute sollte ein Bar ausreichen, zumindest für seine Bedürfnisse, auf alte Männer stand er zum Glück noch nicht!
Ein muffig warmer Geruch kam Isaac entgegen als er die Bar betrat, noch war sie nicht allzu sehr gefüllt, er konnte hier und da noch freie Plätze erkennen während im Hintergrund leise Musik plätscherte, vermischt mit dem menschlichen Stimmengewirr. Er konnte den Alkohol riechen, gepaart mit dem Duft von Parfum und einem beißenden Aftershave. Er glaubte sogar Zigaretten heraus riechen zu können.
Seine hellblauen Augen schauten sich abschätzig um- hier und da Pärchen, dort einige junge Männer und Frauen, kleine Gruppierungen an Freunden oder völlig Fremde, die sich heute das erste Mal getroffen hatte oder einfach nur einsame Menschen, die bereits an ihrem dritten Bier nippten, während ihre halbgeschlossenen Augen versuchten die zerknickte Zeitung neben ihnen auf dem Tisch zu lesen. Alles in allem erschien jedoch nichts davon ansprechend oder gar interessant zu sein, seine Fingerspitzen kribbelten nicht. Unbeeindruckt stolzierte der Anwalt zu dem Tresen heran, blickte den Barkeeper aus ernsten Augen heraus an. „Einen Scotch ohne viel Eis, wenn es möglich ist.“, raunte seine Stimme, dabei seinen Gegenüber prüfend musternd. Wahrscheinlich würde das Zeug, was man hier Scotch nannte, furchtbar schrecklich und billig schmecken, doch er wollte nicht überheblich sein, ausnahmsweise mal nicht, er hatte auch absolut kein Recht gehabt- er stammte aus dieser Welt.
Isaac nickte dem Barkeeper zu, drückte ihm einen Schein in die Hände für das alkoholische Getränk und verschwand ebenso schnell wie er hergekommen war, setze sich an einen leeren Tisch, das Zeug für einen Moment nicht einmal anrührend. Er war kein großer Trinkerfreund, nicht wirklich zumindest. Behutsam legte er das Jackett auf den freien Platz neben sich hin, holte sein Smartphone kurz heraus, mit prüfenden Augen seine Termine für die nächste Woche betrachtend, vertiefte sich jedoch im nächsten Moment erneut in seine Emails, in alles, was seine Arbeit involvierte, dass er die Menschen und die neuen Gäste, die den Schankraum betreten hatten, kaum Beachtung schenkte. Erst als es neben ihm raschelte, als er glaubte aus dem Augenwinkel heraus eine Gestalt gesehen zu haben, die sich zu ihm gesetzt hatte, blickte er vom leuchtend hellen Bildschirm ab, drückte auf den Sperrknopf um fragend zu seinem gegenüberliegenden Platz zu blicken.
Ein Mann! Wo kam der Mann auf einmal her? Er war verwirrt, keine Frage, doch Isaac umspielte seinen fragenden Blick sehr schnell, hob stattdessen skeptisch seine Augenbrauen als der Fremde auf einmal zu sprechen begonnen hatte.
Seine Worte drangen etwas später zu ihm durch- Isaac war zu beschäftigt damit gewesen diesen Eindringling eindringlich zu mustern um sich einen besseren Eindruck von ihm zu machen. Erster Eindruck war negativ, doch da hatte er auch nicht genau hingeschaut, jetzt jedoch schien dieser Typ tatsächlich der Gewinner des gesamten Abends gewesen zu sein- zumindest was sein Aussehen betraf.
Er hatte ihn doch tatsächlich Sir genannt! Wie alt war er- vierzehn und für wie alt schätzte er ihn ein?!
„Nein, ich erwarte niemanden, Sir. Kennen wir uns etwa, sind Sie irgendein Freund eines Kollegen oder hatte ich irgendwann mit Ihnen zu tun gehabt, dass Sie es für richtig halten sich ohne zu Fragen an meinen Tisch zu setzen?!“, Isaac verschränkte seine Arme vor der Brust, blickte den Anderen mürrisch an, entspannte sich jedoch im nächsten Augenblick wieder. „Na schön, jetzt scheinen Sie ja schon sich hier breit gemacht zu haben und da ich tatsächlich niemanden erwarte, wäre es wohl unhöflich von mir einen gesamten Tisch zu belegen.“, seine Züge wurden etwas freundlicher, während seine Finger ganz beiläufig nach seinem kalten Glas griffen, an dessen bernsteinfarbenen Flüssigkeit der Dunkelhaarige kurz nippte…und leicht sein Gesicht verzog. Das Zeug hier könnte wirklich besser schmecken! Doch was solls, er war selbst schuld, dass er sich hierher bewegt hatte!
„Und Sie? Ist es nicht etwas einsam alleine in Bars zu sitzen? Nicht, dass ich zu urteilen habe, wo ich selbst ohne Begleitung oder Freunden erschienen bin.“, er wusste nicht was….ach Quatsch, er wusste ganz genau weswegen er Interesse an diesem Fremdling zeigte und wenn er schon die Dreistigkeit gehabt hatte, sich einfach zu ihm zu setzen, dann musste er wohl oder übel auch die Prozedur eines Gesprächs über sich ergehen lassen.
Wie er bereits gesagt hatte- er war kein prüder alter Mann, er war noch fähig soziale Kontakte zu knüpfen. Er tat es nur allzu selten.

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BeitragThema: Re: ~ L'on est bien faible quand on est amoureux ~   Di Okt 28, 2014 6:24 pm

Das Braun seiner müden Augen nutzten die wenigen Momente, die sein Gegenüber offenbar noch brauchte um sich in das Hier und Jetzt zurückzurufen und sich zu wappnen, um sich des Gesichtes als Ganzes zu versichern. Offenbar hatte der gutaussehende Mann, dessen überraschte Züge zu einem gereizten Reflex von Misstrauen abgekühlt waren, nicht beabsichtigt Gesellschaft zu bekommen. Warum sollte man ansonsten so gebannt in diese hochmoderne Alltagstechnik vernarrt sein? Es hatte nicht so ausgesehen, als ob er sich an einer Runde Candy Crush ergötzt hätte, so viel Menschenkenntnis besaß er dann doch noch. Dafür war diese Art von Mensch viel zu vernarrt in das klassisch Elegante, oder so. Vielleicht hatte er sich aber auch nur nochmal versichert, dass seine Abendbegleitung doch noch kommen würde. So wie er die Augenbrauen positionierte, war er augenscheinlich in den Seelenfrieden hereingeplatzt.
Das Grinsen auf den schmalen Lippen wurde eine Spur provokanter, als sich die Lippen des Anderen schürzten. Da war jemandem das Sir aber bitter aufgestoßen. Offenkundig aber nicht nur dies. Wenn er alles richtig verstanden und verarbeitet hatte, pikierte sich der werte Herr über eine dreiste Störung seiner Privatsphäre. Wenn man sich davon schon so auf den Schlips getreten fühlte, dann war man aber ganz schön empfindlich – oder überarbeitet?
Nicht minder beeindruckt, sondern eher amüsiert, zog er beide Augenbrauen hoch, ehe ein das ungetrübt selbstherrliche Lächeln seine weißen Zähne zur Schau stellte. „Pardon! Nicht schießen!“ rief er gespielt erschrocken aus und hob beide Hände neben den Kopf, demonstrierte seine völlig unschuldigen Handflächen. Er lachte über seinen eigenen entwaffnenden Charme und zwinkerte dem ungläubig mürrischen Blick entgegen. „Erkennen Sie mich denn nicht? Ich bin der Vize-Präsident der Vereinigten Staaten!“ witzelte er und kam aus dem nunmehr leicht dümmlich wirkenden breiten Grinsen nicht mehr heraus. Was hatte er denn bitte allzu Schlimmes getan? Immerhin war er kein prüder Republikaner, der seinen Sohn beim Körpererkunden mithilfe von halbnackten Footballspielern, erwischte. Es gab also keinen triftigen Grund, sich so überrumpelt zu verhalten. „Ich gebrauche nur mein Recht auf mein Streben nach Glück! Das könnte Ihnen jeder Anwalt verklickern!“
Es wirkte doch immer wieder! Zumindest war diese leicht angriffslustige Färbung aus der Miene seines Tischnachbars gewichen. Zwangsweise hing dies mit seinen ausgeklügelten Maschen zusammen. Und noch hatte man ihm nicht die Nase gebrochen, wenn man da nicht sogar etwa Interesse aufblitzen sehen konnte? Ungeniert richtete man den forschenden Blick in das helle Blau ihm gegenüber, lauschte währenddessen den weiteren Worten, die man an ihn richtete. Leicht in den Augen verloren, nickte er beiläufig, brummte eine unverständliche Zustimmung. Dann riss er sich los und verschränkte seine Hände auf der Tischplatte ineinander, richtete seinen Oberkörper beim einatmen auf und stützte sich dann auf seine Unterarme. Verkniff sich eine Bemerkung, die auf die abgestrittene Unhöflichkeit abzielte. Er hatte sich ja auch den Kniefall und das Hände-küssen gespart, da wollte er mal nicht ganz so pedantisch sein.
„Ich mag Ihre Einstellung!“ lächelte er „ Und Sie haben wirklich fantastische Augen!“ fügte er anerkennend hinzu.
Und damit waren jegliche Gedanken daran Aufzustehen und sich vielleicht woanders hinzusetzen, gänzlich abgeschoben. Nicht, dass er es wirklich vorgehabt hatte, aber jetzt schien das Ganze die gewünschte Richtung einzuschlagen. Er hatte nun genug Zeit gehabt sich ein Bild seines Gegenübers zu machen. Und er war sichtlich zufrieden. Zufrieden mit dem, was er sah. Zufrieden mit dem Gesicht des Mannes. Die anfängliche Skepsis kribbelte noch einmal in seinen Fingern. Dann machte sich das Selbstbewusstsein in ihm breit. Beiläufig hob er das Glas an, schluckte etwas von der bräunlichen Flüssigkeit.
„Hrm-“ machte er und kratzte sich für einen Moment des Überlegens an seiner Kieferpartie, spürte die kleinen Härchen, die seit dem Morgen schon wieder nachgewachsen waren. „Klar! Niemand sitzt gern allein in Bars rum. Darum hab' ich mich ja hierher gesetzt.“ antwortete er „Außerdem lässt sich ein Abend doch in angenehmer Gemeinschaft genießen, nicht?“
Er unterbrach sich selbst, um einen weiteren Schluck aus seinem Glas zu nehmen und das Brennen herunter zu schlucken. „Eigentlich wollte ich meine Jungs treffen und solange feiern, bis wir nicht mehr können und dann unseren Rausch ausschlafen.“ grinste er und trommelte leicht mit den Fingern auf seinem Unterarm herum. Aber diese Bastarde waren ja ohne ihn gegangen und hatten jetzt sicherlich einen heiden Spaß und pöbelten auf der Tanzfläche herum. Der Bass, der bis in die Glieder wummte und die schlechte Luft, die man inhalierte, wenn man lauthals irgendeines der gespielten Tracks mitzusingen versuchte. Und was blieb ihm?
Entschuldigend zuckte er mit den Schultern „Es ist eben Freitagabend.“ er legte den Kopf schief „Da mache ich eigentlich andere... Dinge.“ rechtfertigte er sich mit einem mystischen anzüglichen Schmunzeln, welches seine Absichten absolut undurchschaubar machte. Vielleicht wollte er damit etwas andeuten? Eine Spielerei anfangen? Doch vermutlich war sein Gegenüber für derartigen Humor nicht ganz so empfänglich, wie sein gewohntes soziales Umfeld. Und dann war das eben so, er konnte sich auch selbst an sich amüsieren und weiter mit dem Herrn in der gutsitzenden Kleidung quatschen. Er war zwar nicht ganz so Businessclass, aber vielleicht gab er eine ganz nette alternative Freitagabendbeschäftigung ab.
„Und? Was treibt Sie hierher?“
Sein Blick fing sich wieder in den blauen Augen, deren Ausdruck nicht zu deuten waren. Ihm war es unmöglich hinter die Kulissen zu schauen, zu erraten, was womöglich hinter der Schläfe seines neuen Bekannten vorgehen mochte. Während er noch nach einigen Möglichkeiten suchte, fiel ihm ein, dass er noch keine Ahnung hatte, welcher Name zu dem Gesicht gehörte. Auch, wenn sich dies meist als überflüssig herausstellte, weil man sich sowieso nie wieder sah. Aber dies war ja keine leichte Abendbekanntschaft.
„Ach-“ er machte ein Gesicht, als seie ihm gerade etwas Wichtiges eingefallen „Ich bin übrigens Leon!“ er streckte seine Hand über den Tisch, zog sie dann jedoch wieder zurück und legte sie um das Glas mit dem Bourbon. „Dann können wir uns auch das Sir sparen!“
Er hob das Glas „Wollen wir anstoßen? Auf einen netten Abend?“
Mit einem Lächeln schaute er dem Fremden ins Gesicht. „Und schön tief in die Augen schauen! Sonst haben wir sieben Jahre schlechten Sex!“
Ob es zu einem Ziel führte? Er wusste es nicht. Aber er war ein praktischer Mensch und einen Versuch war es alle mal wert...

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