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 Deep in the middle of me I can be fantasy

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Mo Aug 24, 2015 7:25 pm

Es hätte Charles das Herz gebrochen, wenn dieses Thema tatsächlich so stark eskaliert wäre, dass sie sich heute vielleicht gar nicht mehr versöhnt hätten…oder gar morgen, er wollte gar nicht darüber nachdenken, dass es möglich war sogar mehrere Tage im Streit zu sein. Natürlich, er war kein junger und naiver Mann mehr gewesen, Verluste waren etwas, was sein Leben seit sehr vielen Jahrhunderten geprägt hatte, doch so etwas war jetzt nicht wichtig, sie waren zu verliebt um solche dunklen Gedanken überhaupt in ihr Leben zu lassen und der Vampir war bemüht, dass diese Eigenschaft, die sein Dasein nun einmal mit sich brachte, nicht einen Keil in ihre Beziehung setzte und seinen Freund wohlmöglich noch stark verletzte. Er hatte Recht! Vielleicht war es ebenso irrelevant gewesen wie die Furcht vor der Sonne? Vielleicht hatte das steigende Alter eines Vampirs auch eine steigende Resistenz zu so vielen Einflüssen entwickelt, dass das Blut nicht weiter von Belang war und nichts weiter als eine alte Gewohnheit wiederspiegelte und jeder wusste, dass nicht alle alten Gewohnheiten unbedingt gut waren!
Der Dunkelhaarige war froh, dass Julian sich von ihm hatte küssen lassen, dass er ihm erlaubte ihn erneut so zärtlich zu berühren und in den Armen zu halten, so als ob sie diese unangenehme Unterhaltung gar nicht geführt hatten. „Nun spielt es keine Rolle mehr, ich möchte mich lieber ganz dir widmen!“, entgegnete die dunkle Stimme, gefolgt von einem sanften Lächeln ehe sich die Lippen abermals sachte auf den Mund seines Gegenübers pressten. Er ließ ungerne von ihm ab, andererseits erweckten seine Worte große Neugierde und ebenso großes Interesse an den Skizzen, die die Huldra in letzter Zeit angefertigt zu haben schien. Charles liebte die Begabung des Kleineren, sie hatte ihn so stark fasziniert, dass er sich mehrere seiner Werke in sein Haus gehängt hatte. Hier und da mussten sogar andere Leinwände den Schönheiten seines Freundes weichen. Würde sein Haus oft besucht von Kollegen oder vielleicht sogar anderen Vampiren aus seiner Vergangenheit werden, hätte er schon längst über die Werke seines Partners geschwärmt und dem Jüngeren vielleicht sogar einen weiteren Schlag an interessierten Kunden ins Haus gebracht. Doch das Anwesen war ein zurückgezogener Ort, früher war es gut besucht gewesen, heute jedoch freute Charles sich darüber, wenn er seine Ruhe hier haben konnte, wenn er und Julian ganz sie selbst sein konnten, ohne Furcht konnten sie ihre alten Masken ablegen, die sie täglich in der Öffentlichkeit trugen um vor den Menschen unbemerkt zu bleiben.
Doch es gab noch andere Wege um das Talent des Gelockten zu fördern, um das Interesse kunstinteressierter Wesen zu wecken, ganz gleich ob Mensch oder Fabelwesen.
„Oh, ich bestehe jedes deiner neuen Werke zu betrachten!“, hastig folgen die langen Beine dem Blondschopf ins Wohnzimmer hinein. Es war erstaunlich wie schnell der Streit verflogen zu sein schien, so, als wäre er niemals passiert. Noch erstaunlicher war es wie gut sich Julian mittlerweile im großen Haus zurechtfinden konnte, es war großartig im Vergleich zu den ersten Tagen und Nächten, wo die blauen Augen noch orientierungslos nach der langen Gestalt des Unsterblichen suchten um sich nicht plötzlich im Gewirr der Gänge und Zimmer zu verlieren. Charles konnte sich sehr gut vorstellen, dass er nun ohne Hilfe jeden Ort wiederfinden würde.
Langsam hatte der Vampir sich auf die dunkle Couch fallen lassen, darauf wartend, dass Julian sich zu ihm setzte, doch stattdessen hatte er sich dafür entschieden, sich auf ihn zu setzen!
Das frische Blut des Fremdlings hatte immer noch warm in seinen Venen gebrodelt und er glaubte, es wurde durch die Nähe seines Geliebten nur noch stärker zum Kochen gebracht, dass ihm noch wärmer wurde als er es erwartet hätte. Vampire verfielen oft in einen Rausch, in eine Erregung, wenn sie von menschlichem Blut gekostet hatten und auch wenn Charles bereits seinen Verstand noch vor Julians überraschenden Besuch hatte ordnen können, hatte er bei weitem nicht genügend Zeit bekommen um sich komplett zu beruhigen, seine Sinne zu entspannen und seinen inneren Rausch harmlos an sich vorbeiziehen zu lassen. Vielleicht war dies auch eines der Gründe, weswegen die Diskussion ihn so stark und schnell aus der Bahn geworfen hatte.
Doch nun war keine Diskussion der Grund für das Brodeln in seinem Körper- Charles vermag nicht dieses Gefühl beschreiben zu können, doch er wusste, dass die Nähe des anderen es verstärkte, dass es ihm langsam den Verstand raubte, wie Julian versuchte auf seinem Schoß eine angenehmere Position zu finden, während er versuchte über ihn hinweg sich auf die Skizzen zu konzentrieren. Oh, was für ein alter Vampir war er gewesen, wenn er seine Erregung nicht einmal unterdrücken konnte! Er schämte sich beinahe, dass er sein Augenmerk und seine Konzentration nicht auf die Bilder des Gelockten richten konnte. Sie waren ganz bestimmt wunderschön und am liebsten hätte er jedes einzelne Werk angemessen kommentiert, doch stattdessen klappte er das Skizzenbuch langsam zu, legte es behutsam auf dem Couchtisch ab, nur um beide Hände auf den Hüften des Kleineren zu platzieren. „Verzeih…ich werde mich gleich um deine Skizzen kümmern, im Moment fürchte ich, dass ich mich um etwas anderes kümmern muss…“, hauchte die Stimme des Vampirs in Julians Ohr, ehe sich seine Lippen am Hals des anderen wiederfanden, jeden Zentimeter seiner freien Haut mit warmen Küssen benetzend. Er hatte ihn mit sanfter Gewalt von seiner Brust entfernt um ihn besser betrachten zu können, um seine Lippen besser kosten zu können. Seine Finger fuhren sanft durch die blonden Locken, seine Zunge bat flehend um Einlass in seinen Mundinnenraum, es war beinahe zum Verrücktwerden wie solche kleinen Berührungen, wie die Nähe zum anderen seine Hose immer enger anspannen ließ. „Verzeih mir bitte, dass du mich in solch einem Zustand erlebst…nein, es tut mir nicht leid, dass du mich so um den Wahnsinn bringst, es ist eine Tortur wenn ich dich nicht berühren kann!“, fordernd hatte er seine Hände unter Julians Oberteil vergraben, fuhren sanft über die weiche, warme Haut, für einen kurzen Moment die Augen schließend. Er konnte gar nicht beschreiben wie groß sein Verlangen nach der Huldra war, es war beinahe schon das Verlangen des inneren Tieres, was stets in der Brust des Dunkelhaarigen loderte und nur darauf wartete, dass er es in die weit Welt hinaus ließ.
Hastig hatten sich seine Finger im Stoff des fremden Oberteils vergraben, ehe es mit ein wenig Hilfe bereits auf dem Boden landete und Charles sich voll und ganz darauf konzentrieren konnte jede Stelle des anderen Körpers mit seinen Lippen zu bearbeiten. Er hatte hier und da sogar vorsichtig zugebissen, jedoch bedacht nicht seine spitzen Eckzähne in das zarte Fleisch gerammt, immerhin sollte nicht sein gesamter instinktiver Wahnsinn seinen Verstand übermannen. Stattdessen vergnügte der Vampir sich lieber mit heißen und wilden Küssen, die das Paar austauschte, fuhr dabei schon flüchtig mit seinen Händen zum Hosenbund des Kleineren, öffnete den Verschluss so weit, dass seine Finger zwischen Unterwäsche und Haut genügend Platz finden konnten um sein Glied sanft massieren zu können, seinen Körper dabei enger gegen die schmale Brust pressend. Es war schier Musik in seinen Ohren wie Julian lusterfüllte Laute über seine weichen Lippen brachte, wie die anbahnende Erektion immer härter durch seine Berührungen wurde und er sich offenbar von Charles‘ Lust und Verlangen ebenso stark hatte mitreißen lassen.

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Di Sep 01, 2015 9:31 pm


Obwohl noch immer ein Hauch von Unbehagen und trotziger Wut in seinem Bauch grummelte, war Charles´ Körpernähe einfach zu gut, um sie nicht voll und ganz zu genießen. Die Wärme war ungewohnt, aber nachdem er sich vom ersten Schock erholt hatte durchaus angenehm. Ihr erster Streit also. Julian hätte darauf verzichten können, aber auf der anderen Seite konnte es doch nur gut sein, dass sie so essentielle Dinge in ihrer Beziehung bereits ganz zu Anfang klärten. Um Streitereien würden sie so oder so nicht herum kommen, das gehörte zu jeder Beziehung. Jetzt allerdings wollte die Huldra nur, dass sich die Wogen glätteten und sein liebster Kunstliebhaber seine Skizzen bewertete. Julian war sich durchaus bewusst, dass Charles seine Werke sicherlich hin und wieder durch die rosa Brille betrachtete, aber alles in allem war er durchaus ehrlich. Julian mochte ohne zu lügen ein wahres Talent sein, doch ein Meister war er trotzdem nicht und es gab noch etliches, das er verbessern musste und manchmal brauchte man ein zweites Paar Augen, um alle Fehler zu entdecken.
Allerdings schien es nicht so, als wenn Charles für heute dieses zweite Paar Augen sein wollte. Julian hob etwas verdutzt den Kopf an, als der Vampir das Skizzenbuch beiseitelegte. Hatte er heute völlig daneben gegriffen? Oder war ihr Streit etwa doch noch nicht herum und Charles hatte sich überlegt, dass er die Anschuldigungen eines solch kleinen Wesens wie Julian doch nicht kommentarlos stehen lassen würde? Für einen Bruchteil packte Julian die Angst, dass Charles ihn nur an den Hüften ergriffen hatte, um ihn von seinem Schoß zu heben und die angenehme Nähe zwischen ihnen zu beenden, doch seine Angst wurde schnell vollkommen aufgehoben, als er die warmen Lippen an seinem Hals spürte. Zufrieden entfloh den blassen Lippen ein Seufzer und sofort gruben sich die schlanken Finger in den Stoff von Charles´ Oberteil. Er musste wirklich ziemlich aufgehitzt sein, denn sonst war dem Vampir seine Kunst eigentlich heilig. Julian hatte ihn heute wohl schon genug gequält als dass er ihm seine Gier jetzt vorwerfen konnte. Unterstützt von sachter Gewalt seitens des Größeren löste er sich etwas von seiner Brust, um Charles besser ansehen zu können. Hoffentlich hörte die Nähe zwischen ihnen niemals auf, so zärtlich und innig zu sein. Julian spürte, wie die warmen Lippen über seinen ganzen Hals wanderten, bis sie endlich seinen Mund fanden und der Lockenkopf der fremden Zunge Einlass gewährte. Die ungewohnte Hitze des anderen machte es anders und aufregender als je zuvor. Aber eigentlich war jedes Mal, das sie bis jetzt miteinander gehabt hatten, aufregender als das zuvor. Wohin sie ihre Übung wohl noch bringen mochte! Doch im Moment hatte Julian keine Zeit, Gedanken an die Zukunft zu verschwenden. Mit Charles´ Zunge in seinem Mundinnenraum und seinen Händen unter seinem Shirt war es schwer, noch an irgendetwas anderes zu denken.
„Die Skizzen können warten, ich kann es nicht“, presste Julian zwischen zwei innigen Küssen atemlos hervor und lehnte sich stärker gegen die harte Brust des anderen. Er spürte, wie sich zwischen seinen Beinen in Charles´ Schoß Stoff anspannte, was ihn etwas überrascht eine Augenbraue heben ließ. Sicher, sie waren mittlerweile lange genug zusammen, dass ihm klar war wie anziehend der Vampir ihn fand, doch so eine schnelle Erregung hatte er auch erst selten erlebt. Was hatte er bloß getan, dass Charles so völlig außer sich war? Oder war es das frische Blut, das durch seine Adern pulsierte? Der Gedanke war Julian sehr plötzlich gekommen, als er das Hemd des Größeren langsam aufknöpfte. Wenn er durch Blut sogar begierig nach Nähe und Körperkontakt wurde, war das wohl noch ein weiterer Grund misstrauisch zu sein, wenn er trank! Provozierend und mit einem leichten Hauch von Wut schob er den störenden Stoff ganz von den Schultern des Vampirs und grub seine Finger in seinen Rücken. Die Finger des anderen hatten mittlerweile ihren Weg am Stoff seiner Hose vorbei gefunden und ein tiefes Stöhnen entfloh Julians Kehle, als der Vampir seine ansteigende Erektion umfasste. Seine Bewegungen in Kombination mit den vorsichtigen Bissen waren genug, um den Blondschopf verloren aufjanken zu lassen. Auch, wenn er mehr und mehr aus ihren gemeinsamen Malen lernte und sich sicherer fühlte, Charles war ihm immer noch weit voraus und wusste, was er tun musste, um die Huldra völlig um den Verstand zu bringen. Es fiel Julian schwer, auch nur ein Wort über die Lippen zu bringen, weshalb er stattdessen seine spitzen Zähne in das Fleisch des anderen grub. Wenn er sonst auch noch viel zu lernen hatte, diese eine Lektion war ihm bereits wohl bekannt seit ihrem ersten Mal. Wenn etwas den Vampir vollkommen in Raserei brachte, dann waren das kleine Bisse, vor allem an seinem Hals. Schon nach ihren ersten Malen hatte Charles ihm allerdings eingebläut, dass er aufpassen sollte, das harte Fleisch dabei nicht zu durchbrechen. Julian sollte vorsichtig sein, denn aufgeheizt und durchblutet schien die Haut des Vampirs nicht mehr so steinern und undurchdringlich wie sonst zu sein.
„Hör nicht auf!“, presste er keuchend hervor und vergrub seine Haare in den dunklen Strähnen des anderen, Charles´ Kopf fordernd gegen seinen Nacken drückend, nicht ohne mit ein paar zärtlichen Bissen belohnt zu werden. Unweigerlich kam die Frage in ihm auf, wie es wohl wäre, wenn Charles wieder von ihm trinken würde. Letzter Mal hatte es sich beinahe so berauschend angefühlt wie nun die Berührungen an seinem Glied. War es immer so, auch, wenn man sich nicht in einem Rauschzustand befand? Zu fragen, ob Charles ihn noch einmal beißen könnte, kam der Huldra allerdings wie ein unausgesprochenes Tabu vor. Bevor noch mehr dumme Gedanken seinen Kopf durchfluten konnten, schob er seine Hand am geöffneten Hosenbund des anderen vorbei und umfasste ebenfalls die bereits ziemlich harte Erregung des anderen und begann, sie mit langsamen Bewegungen noch verstärken. Seine Lippen hatten sich wieder auf den Hals des anderen gelegt und ließen trietzend die Zähne über seine Haut fahren, als Charles plötzlich besonders fest zudrückte. Mit einer Mischung aus Lust und einem leichten Schrecken hatte Julian die Zähne in die warme Haut des Vampirs gegraben und schmeckte metallisches Blut. Erschrocken zuckte er zurück und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, um die letzten Reste zu beseitigen.
„Entschuldige bitte“, stieß er hastig hervor und zog seine Hände zurück, denn irgendetwas an Charles´ Blick bereitete ihm äußerstes Unbehagen.
„Ich….Hab ich was falsch gemacht?“, stotterte die Huldra besorgt und senkte die Ohren tief, bis die pelzigen Spitzen seine Schultern berührten.
„Ich wollte dich nicht beißen, tut mir leid!“

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Di Sep 15, 2015 5:17 pm

Es war schwierig gewesen sich zu zügeln und sich nicht auf Julian zu werfen, Charles spürte wie seine Menschlichkeit immer stärker in den Hintergrund geschoben wurde und er sich dem Wahnsinn seiner Instinkte und der Lust ganz hingab. Er wäre sicher enttäuscht gewesen, hätte Julian ihn abgewiesen, wäre seine Wut auf ihn so präsent, dass er nicht das Verlangen hätte sich vom Vampir berühren zu lassen. Doch es war ihm gelungen das Verlangen im Inneren des Blondschopfs zum Vorschien zu bringen, sodass niemand auf die erregenden Berührungen, auf die heißen Küsse und Bisse hätte verzichten müssen.
Charles erwischte sich selbst dabei wie immer und immer wieder ein dunkles Stöhnen seiner Kehle entwich. Langsam konnte er gar nicht glauben, dass Julian wirklich sein erstes Mal mit ihm hatte, so viel wie er gelernt hatte, so viel Wissen, welches in dem Lockenkopf steckte und er wusste ganz genau wie er dieses Wissen einsetzen musste, wo er den Dunkelhaarigen zu berühren hatte um seine brodelnde Lust noch weiter zu verstärken.
Er konnte die Hitze auf seiner Haut spüren, die vom anderen ausging. Ach wie gerne er doch auch solche Momente verspüren konnte, doch selbst wenn sein Körper erfüllt vom frischen Blut und einer menschenähnlichen Wärme war, hatte er die Fähigkeit verloren seine Temperatur in einen höheren Bereich zu treiben.
Immer wieder wanderten die schmalen Lippen des Unsterblichen über den schlanken Körper seines Geliebten, fuhr mit seinen messerscharfen Zähnen über das zarte Fleisch, so zerbrechlich und weich, dass er sich mit seiner Kraft zügeln musste, immerhin war es ganz sicher nicht seine Intention gewesen seinem Freund unnötige Wunden zuzufügen, ihn zu verletzen war wohl das Letzte, was er jemals tun wollte und er war froh, dass sein benebelter Verstand dennoch genau wusste, was er tun durfte und was darüber hinaus ging.
Er konnte spüren wie die Erregung des anderen immer härter wurde, spürte, dass es ihm gar nicht anders erging dank Julians geschickten Berührungen, dass es ihm immer schwerer fiel seine Kraft zu zügeln, auf die Vernunft in seinem Kopf zu lauschen. Es war wohl nur eine Frage der Zeit bis der Ältere trotz vieler Vorsichtsmaßnahmen sich kaum noch zügeln konnte und ein wenig fester in das Fleisch seines Gegenübers hineinbiss, nicht so fest, dass das Blut ihm entgegenkam, doch fest genug, dass es den anderen Körper zusammenzucken ließ und Charles einen weitaus größeren Schrecken bereitete als er die fremden Zähne zu tief in seiner Haut spürte.
Seine hellen Augen hatten sich erschrocken geweitet, er hätte beinahe die Huldra gepackt und von sich geworfen, aus Angst, dass es noch zu etwas schlimmeren ausarten würde, doch hatte er sich bereits von ihm entfernt oder zumindest von der kleinen Wunde, die die spitzen Zähne ihm zugefügt hatten.
Eine etwas lange, beinahe unangenehme Pause war eingetreten während Charles den Jüngeren ausgiebig musterte, ja ihn beinahe anstarrte. Seine Hände hatten die fremden Schultern gepackt, sodass er seine Gier, die vielleicht jeden Augenblick zum Vorschein kommen würde, zurückweisen konnte. Doch kein Verlangen nach mehr Blut, keine Gier hatte sich in den strahlend blauen Augen wiedergespiegelt und Charles konnte sich nicht vorstellen, dass er zu viel von seinem Blut geschluckt hatte.
In jeder normalen Situation, in welcher der Dunkelhaarige sich in keinem Rauschzustand befand, hätte er ihrem Treiben schnell ein Ende gesetzt, er hätte Julian lang und ausgiebig erklärt weswegen er ihn mehrmals ermahnt hatte vorsichtig mit seinen Zähnen zu sein, welche nun einmal weitaus schärfer waren als die eines Menschen, die ihm tatsächlich sogar etwas antun konnten, doch dies war keine normale Situation. Charles wollte sich mit dieser Sache nicht zu lange aufhalten, sein Verlangen nach der schmalen, bildschönen Gestalt, welche immer noch auf seinem Schoß saß, war weitaus größer als die Angst, dass er vielleicht gerade einen großen Fehler begangen hatte. Was sollte es auch für ein Fehler gewesen sein? Es waren vielleicht wenige Tropfen, die Julian tatsächlich geschmeckt hatte, niemand wurde wahnsinnig durch solch eine geringe Menge!
Schnell schüttelte der Vampir sein Unbehagen und die Angst von sich, sein Blick wurde wieder weicher und er zog den schmalen Leib wieder enger an sich. „Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, es ist nichts…pass nur ab sofort auf, dass deine Zähne es nicht zu weit treiben.“, seine Lippen formten ein schiefes Lächeln, ehe sie sich auf den sanften Mund seines Geliebten legten, ihm einen innigen und wilden Kuss schenkend.
Sie hatten genug Zeit verschwendet und er wusste ganz genau, dass Julian es auch kaum erwarten konnte endlich den zweiten Schritt einzuleiten, auch wenn das Verlangen dafür erst ins Schlafzimmer gehen zu müssen nicht sonderlich groß gewesen war. Charles wusste, dass all die wichtigen Hilfsmittel sich nur in einem Raum befanden, doch vielleicht hatten sie ja Glück! Die hellgrauen Augen schielten zur Umhängetasche des Gelockten, ihn fragend anblickend. Es war gut zu wissen, dass der Jüngere ebenfalls dafür sorgte, dass sie nie Schwierigkeiten bekommen sollten, wenn das Verlangen miteinander zu schlafen spontan und viel zu groß war, sodass keiner von ihnen unnötige Zeit verschwenden wollte, und in seiner Tasche sowohl Gleitmittel als auch Kondome verstaut hatte, welche die langen Finger des Dunkelhaarigen geschickt herausholten. Mit ein wenig Hilfe hatten sie schnell das Hilfsmittel über seine Erektion gestülpt und großzügig mit der klaren Flüssigkeit eingerieben. Auch wenn Julian sich mittlerweile an die Größe gewöhnt zu haben schien, konnten sie wohl nichts daran ändern, dass es zu Anfang immer schwieriger war.
Charles spürte die Spannung, die von beiden Körpern ausging, das Prickeln, welches seine Wirbelsäule hinunterlief, doch spürte er auch die Energie in seinen Knochen, die er auf der Couch ganz sicher nicht loswerden würde. Es war zu wenig Platz, zu wenig Bewegungsspielraum, er konnte sich gar nicht vorstellen, dass dieser Ort beide in irgendeiner Form zufriedenstellen würde. Nein, hier würden sie ganz sicher nichts tun, es musste ein anderer Ort her, etwas, was seinem momentanen Zustand der unendlich wirkenden Lust entsprechend war und Charles konnte sich bereits denken, was in ihrer unmittelbaren Nähe perfekt dazu dienen würde.
Seine Arme platzierten sich dort, wo er den frei stehenden Rücken des Kleineren nicht berühren konnte, ehe er Julian beim Aufstehen mit anhob. Er war froh, dass sich die Arme automatisch an seinem Körper festhielten, während er ihn mit Leichtigkeit bis zur nächst besten Wand trug. Er hätte wohl gar keine Wand brauchen müssen, Julian war leicht, für seine Kräfte war es ein Kinderspiel ihn den ganzen Tag tragen zu können ohne auch nur ansatzweise erschöpft zu werden, doch nun presste er seinen Geliebten gegen die alte Wand seines Hauses, drückte mit seinen Händen die Beine sanft auseinander, blickte die Huldra fragend an, wartete darauf, dass er ihm die Erlaubnis erteilte und drang anschließend langsam in ihn ein.
Es war wohl die ungesundeste Mischung, die ein Vampir jemals zu sich nehmen durfte und Charles wusste ganz genau, dass er mit seinem Verstand spielte, doch es war ihm schlichtweg egal, dieser Moment war perfekt so. Es war der pure Wahnsinn, dass alleine schon solch eine kleine Bewegung bereits solch eine Lust in seinem Körper entlockte, dass es schwierig war sich zu zügeln und nicht immer stärker gegen das Becken des anderen zu stoßen.
Doch erneut hatte er sich so umsichtig und vorsichtig benommen, wie es ihm nur möglich war. Er hatte gewartet, bis es leichter wurde in den anderen einzudringen, bis sein Schmerz nichts weiter als ein hintergründiges, jedoch unwichtiges Gefühl wurde und der Ekstase Platz machte, ehe er tiefer in den Jüngeren eindrang, sein Unterleib etwas schneller zu bewegen begann.
Seine Lippen hatten sich an Julians Hals wiedergefunden, bahnten sich ihren Weg bis zum weichen Mund an, welchen er mit weiteren Küssen benetzte, hin und wieder mit seiner Zunge gegen die des Gelockten stupste.
Es war unmöglich auch nur ein Wort über seine Lippen zu bringen, immer wieder waren sie beschäftigt Julian mit heißen Küssen zu überhäufen, wenn ihm nicht gerade ein dunkles Stöhnen nach dem Nächsten entwich.
Seine Finger hatten sich in den Oberschenkeln des anderen vergraben, presste seinen Körper noch enger gegen den des anderen, ihn dabei noch stärker gegen die Wand drückend. Sein Becken stieß immer heftiger zu, sein Stöhnen wurde immer lauter während das Blut in seinem Herzen regelrecht zu kochen schien, dass er glaubte gleich völlig den Verstand zu verlieren. Es war unmöglich, dass nur das frische Blut die Lust in ihm so stark antrieb, Charles konnte wohl kaum leugnen, dass der Sex mit Julian eine weitaus größere Rolle eingenommen hatte, dass es sein Geliebter war, der ihm schier den Verstand raubte, der ihm das Gefühl gab, dass alles andere um sie herum absolut keine Rolle spielte, dass nichts wichtiger war als ihre Körper, wie sie aneinander geschlungen vor lauter Erregung zuckten und diesen Moment zelebrierten.
Charles spürte die feinen Schweißperlen seines Geliebten auf seiner eigenen Haut und es wirkte fast so als ob sein einer Leib erfüllt vom Schweiße seiner eigenen Bewegungen war, die immer heftiger wurden, die den Körper des anderen immer stärker zu schütteln begangen, dass er beinahe ein schlechtes Gewissen bekam, dass er so hart mit dem Jüngeren umging und als kleine Wiedergutmachung schenkte er ihm weitere liebevolle Küsste, wanderte dabei mit seinen Fingern zwischen Julians Beine um seine Erregung im Rhythmus seiner Stöße zu massieren. Schließlich sollte es ihm mindestens genauso gut gehen wie dem Vampir, auch wenn ein kleiner Faktor wohl fehlte und vielleicht war es auch gut so.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   So Okt 04, 2015 1:48 am

Die Anspannung, die den Körper des Vampirs gepackt hatte, war tatsächlich für einen Moment unheimlich und an dem Blick gemessen, dem die unmenschlichen Augen ihm schenkten, hätte Julian sich nicht gewundert, wenn Charles ihn einfach von sich gestoßen hätte. Für einen Moment wirkte er einfach so besorgt und vorsichtig, dass es die Huldra selbst mit der Angst zu tun bekam, ob Vampirblut ihn etwa vergiften konnte und man ihn deswegen so anstarrte. Unruhig fuhr seine Zunge in seinem Mundinnenraum hin und her, als könnte er die letzten kleinen Blutreste aufspüren und beseitigen, bevor sie weiteres Unheil anrichten konnte. Wenn er überhaupt Nebenwirkungen von der roten Flüssigkeit spüren konnte, dann eine merkwürdige Hitze, die in seinem Inneren anstieg und ihn aufgekratzt und unruhig machte. Jede Sekunde, in der Charles ihn nur misstrauisch beäugte, anstatt ihn zu küssen oder zu berühren, kam ihm verschwendet vor und wenn er sich den Vampir so ansah, schien es ihm gar nicht anders zu gehen. Vielleicht war es Lust, die ihn das Thema wieder so schnell beenden ließ, dass Julian beinahe etwas überrascht war.
„Ich hab mich nur erschrocken“, verteidigte er sich schwach, doch bevor er noch etwas anderes einwerfen konnte, spürte er schon die kalten Lippen auf seinen und entspannte sich mit einem Seufzer. Mit neuentdecktem Glühen in seinen Knochen richteten sich auch die Ohren des Jüngeren wieder etwas auf und sein ganzer Körper schmiegte sich näher an den des Vampirs. Diese Wärme war wirklich etwas, an das er sich gewöhnen musste, dabei schien es eigentlich das Normalste auf der Welt zu sein. Nur mit Charles war es das nicht. Er konnte sehen, wie sich der Blick des Älteren zu der Ledertasche wandte, die Julian unachtsam neben die Couch geworfen hatte und er war sich sicher, dass er den Blick des anderen richtig gedeutet hatte. Langsam nickte Julian, auch, wenn sein Gesicht dabei rot anlief. Sicher, für den Moment war es praktisch, aber es war ihm beinahe schon etwas peinlich, dass er nun scheinbar jederzeit auf Sex vorbereitet war. Immerhin war das nicht das Einzige, was ihn an seiner Beziehung mit Charles interessierte. Sicher war das ein netter Begleitumstand, aber wenn man ihn vor eine Wahl gestellt hätte, hätte er immer Charles gewählt, egal, ob darin Sex inbegriffen war oder nicht.
Sanft wanderten seine Hände über den Nacken des Älteren, bis sie sich in seinen dichten Haarsträhnen vergraben hatten. Seine Lippen konnten nicht genug bekommen von denen des anderen und seine Augen hatten sich ruhig geschlossen, sodass er beinahe etwas überrascht war, als Charles ihn plötzlich mit sich anhob. Dennoch reagierte er schnell genug, schlang seine Arme noch etwas fester um den Nacken des anderen und schlang seine Beine um die schmale Hüfte. Er war aufgeregt, immerhin hatten sie den Sex bis jetzt immer auf das Schlafzimmer, oder noch präziser, das Bett beschränkt. Das war das erste Mal, dass Charles anscheinend andere Stellungen für angebracht hielt. Julian wusste nicht, ob es die gesamte Situation war, die ihn so aufheizte, oder ob tatsächlich das Blut eine Rolle spielte, aber sein ganzer Körper schien unter Strom zu stehen. Für Charles war sein Gewicht anscheinend nichtig, denn er trug ihn ohne das winzigste Anzeichen von Erschöpfung auf den Armen. Julians Nackenhaare stellten sich auf, als er die harte Wand plötzlich stützend, aber auch drängend in seinem Rücken spürte.
„Weißt du, wie furchtbar heiß es ist, dass du so stark bist?“, presste Julian unter schwerem Atmen hervor und öffnete seine Beine für den Vampir ein wenig, sodass er leichter in ihn eindringen konnte. Jetzt zählte nur der Moment, und auch, wenn zuerst der altbekannte süßliche Schmerz einsetzte, biss Julian die Zähne zusammen. Der Schmerz war nicht wichtig, er war nicht das, was ihre gemeinsamen Male ausmachte, und bereits jetzt merkte die Huldra, dass es vermutlich nur von Vorteil für ihn war, dass Charles so gut bestückt war. Nachdem er die ersten Stöße lang den Kopf keuchend in den Nacken gelegt hatte, presste er mittlerweile das Gesicht gegen den Nacken des Vampirs und machte sich keine Mühe mehr, sein lautes Stöhnen zu unterdrücken. So gut er konnte ließ er seine Lippen über die aufgeheizte Haut wandern, biss hier und da zu, jedoch vorsichtig darum bedacht, seinen Fehler nicht zu wiederholen und wohlmöglich dafür zu sorgen, dass Charles´ Bewegungen innehielten. Und genau das hätte sein umnebelter Verstand gerade nicht ertragen. Er spürte, wie sich die Wand an den vorhandenen Stellen seines Rückens fest in die Haut unter dem Shirt drückte, doch das alles war ihm egal. Was zählte war Charles, tief in ihm drin, während seine Finger fest seine Erektion massierten. Dieser Moment hätte ewig währen können, doch dafür war Julians Körper zu schwach und zu aufgeheizt. Wenigstens konnte er an Charles´ Lauten merken, dass es diesem ähnlich ging, dass er ebenso kurz vorm Höhepunkt stand. Mit neuer Kraft grub Julian seine Fingernägel in den Rücken des Vampirs, bis eine Welle von Energie über seinem Leib zusammenschlug und ihn schwer atmend in sich zusammensinken ließ. Die unendliche Kraft, die er noch vor wenigen Sekunden gehabt zu haben schien, war nun zu Asche geworden und mit schwerem Atmen ließ sich die Huldra gegen den Leib des Größeren sacken. Die Ruhe, die langsam in ihm einkehrte, half ihm immerhin, seine Tarnung wiederzufinden, sodass Charles ihn problemlos am Rücken berühren konnte.
„Das war….unglaublich!“, keuchte Julian leise hervor, während er sich an den Körper des Größen anschmiegte und wieder zu Atem kam.
„Magst du mich vielleicht jetzt bis zum Bett tragen?“, fragte er mit einem unschuldigen Lächeln und hielt sich noch etwas fester an dem aufgeheizten Körper fest. Es mochte merkwürdig erscheinen, aber er hatte gerade absolut kein Interesse daran, von dem anderen abzulassen, noch weniger als sonst. Außerdem hatte sich eine schwere Müdigkeit und Erschöpfung über ihm breit gemacht, allerdings ohne dabei das Verlangen zu verspüren, sich in irgendeiner Form von Charles zu trennen. Zum Glück ging der Vampir seiner Bitte nach und schon wenig später befanden sie sich in dem riesigen Himmelbett, das Julie so sehr liebte. Schnell krabbelte er unter die Decke, sich danach direkt wieder an den Körper des Größeren drückend.
„Das mit dem Blut bekommen wir schon geregelt, oder nicht? Und sonst bin ich ja auch immer noch hier. Das ist besser, als wenn du irgendwelche fremden Männer in den Haus holst“, sinnierte die Huldra und drückte mit einem fragenden Gesichtsausdruck seine Locken unter Charles´ Kinn. Vielleicht sollte er das Thema besser ruhen lassen, aber ein bisschen neugierig und aufgekratzt war er deswegen immer noch.
„Du hast immer noch nicht meine Skizzen gesehen!“, stieß Julian leicht vorwurfsvoll aus und blickte Charles tadelnd an, während er sich ein wenig aufsetzte.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Mo Okt 26, 2015 8:51 pm

Charles hatte erst Bedenken und auch Sorgen, dass ein Vampir wirklich ohne Blut auskommen konnte und wie das überhaupt möglich sein konnte vollkommen ohne Nahrungszunahme zu leben. Doch diese Bedenken wurden schnell beiseitegeschoben.
Nachdem er seinen Blutrausch ausgelebt hatte, hatte sich mehr und mehr die Angst in sein Inneres geschlichen, dass das kleine bisschen Blut, das Julian ausversehen hinuntergeschluckt hatte, weitaus schlimmere Konsequenzen mit sich tragen würde, Konsequenzen, die der Vampir selbst kaum hätte ertragen können. Auch wenn sein Freund ihm jedes Mal versichert hatte, dass sich für ihn nichts geändert hatte, belieht er die Huldra ein wenig im Auge, nur um sicherzugehen ob irgendwelche Verhaltensmuster zu erkennen waren, die darauf hinwiesen, dass er abhängig vom Blut des Untoten war.
Doch nichts dergleichen war geschehen und schon bald waren seine Gedanken bei weitem nicht mehr so stark beschäftigt gewesen wie sie es vorher waren. Sicher, der Blondschopf hatte ihm nicht viel Zeit gegeben um in Ruhe über seinen Blutmangel zu denken, der von Tag zu Tag immer stärker wurde. Sie hatten so viele angenehme und großartige Momente miteinander gehabt, Charles konnte nicht genug von diesem jungen Mann haben, der so oft vor seiner Haustür stand oder mit dem Wagen abgeholt wurde um die Nächte bei dem Vampir zu verbringen, auch wenn er ihn schlecht jeden Tag für sich beanspruchen konnte- Julian hatte noch ein Leben außerhalb ihrer Beziehung und so erging es dem Dunkelhaarigen nicht anders, schließlich hatte er immer noch Gefallen an der Routine eines normalen Arbeitstages gehabt und wenn er sich damit nicht beschäftigte, so musste er dennoch als Besitzer einer großen Firma zusehen, dass alles geregelt war, was geregelt werden sollte. Es war ein einfaches Unterfangen, wenn man seit vielen Jahrhunderten wusste, wie es funktionierte, meistens beschäftigte er sich mit Papieren und- das gehörte wohl zu seinen weniger beliebten Beschäftigungen- E- Mails nur beiläufig und manchmal sogar ein wenig halbherzig. Doch wer konnte ihn schon verurteilen, er war ein alter Mann, einige Dinge verloren mit der Zeit einfach ihre Reize, besonders zu solch einer Zeit, wo alles so viel einfacher war und die meisten Verpflichtungen von anderem Personal erledigt werden konnten.
Vielleicht wäre er besser beschäftigt, hätte er irgendein Hobby, was sein Geist und seinen Körper beanspruchen würde, dann wären vielleicht die Momente des nagenden Hungers nicht so stark, nicht so präsent. Der Vampir hatte nicht gedacht, dass sein Körper so stark auf menschliches Blut angewiesen war, dass eine langhaltige Abstinenz regelrecht Schmerzen in seinem Inneren hervorrief. Manchmal hatte er den Wunsch einfach hinauszugehen und sich das erstbeste Tier zu krallen, doch dann nagte die Angst zu stark an ihm, dass wenn er einmal das Blut gekostet hätte, er vielleicht in einen unendlichen Durst verfallen würde, der es ihm nicht mehr erlaubte aufzuhören und genau das wollte er um jeden Preis vermeiden! Es wäre schrecklich Julian so sehr zu enttäuschen, zu zeigen wie schwach und primitiv seine Sinne doch waren, dass sie sich so sehr vom Blut leiten ließen.
Charles biss sich durch, ignorierte den Hunger, der immer schlimmer wurde, so schlimm, dass er sich fast gar nicht mehr hinaus aus seinem Haus wagte. Überall konnte er dem Pochen fremder Herzen lauschen während sein eigenes jämmerlich verkümmerte und sich zusammenzog. Das menschliche Blut rauschte ohrenbetäubend in den Innenwänden seines Schädels, er konnte es hören, sobald er auch nur einen Fuß vor die Türschwelle setzte, dass er glaubte regelrecht den Verstand zu verlieren. Wie konnte solch eine kleine Sache nur so schrecklich wichtig für ihn sein? War er nicht stark genug, brauchte er mehr Willenskraft? Vielleicht wollte er tief im Inneren sich dieser neuen Lebensart nicht beugen und deswegen fiel es ihm so schwer! Der Dunkelhaarige wusste langsam nicht mehr, was er glauben und wie er sich benehmen sollte- nicht einmal die Nähe zu seinem Geliebten konnte ihn zur Ruhe bringen. Um genau zu sein war die Anwesenheit und Nähe des Gelockten sogar teilweise unerträglich für den Älteren. Er hasste sich selbst so sehr dafür, dass jedes Mal, wenn Julian zu ihm sprach, er so stark von den regelmäßigen Herzschlägen abgelenkt war, dass er unfähig war die Konversation anständig fortzuführen. Doch nicht nur sein Verstand begann darunter zu leiden, auch sein Körper hatte mit der Umstellung zu kämpfen. Nicht nur, dass die Farbe einen beinahe schon grauen Ton angenommen hatte, schienen seine Glieder und sein Inneres mit derartigen Schmerzen erfüllt zu sein, dass er zum ersten Mal nach solch einer langen Zeit wirkliche Pein verspürte, die ihn schon lange nicht mehr in diesem Ausmaß heimgesucht hatte. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Julian sich irgendwie noch wohl in seiner Nähe fühlte, selbst ihn fröstelte seine eiskalte Haut, die keine Wärme dazu zu gewinnen schien.
Er hatte zunehmend mehr und mehr Angst, dass er eines Tages den Verstand verlieren und die Person, die ihm am meisten bedeutete, plötzlich anfallen würde, aus dem tiefsten Wunsch heraus jeden Tropfen seines Blutes zu verzehren, alleine, dass solche Gedanken ihn plagten, jagte ihm einen schrecklichen Schrecken ein, der ihn beinahe zu Tränen trieb.
Und so wurden ihre gemeinsamen Treffen kürzer und seltener, Charles konnte nicht einmal die Gefahr in Kauf nehmen, die Huldra über Nacht in seinem Haus zu lassen, ja er konnte ihn nicht einmal mehr zu lange in seinen Armen halten, ohne in Angst zu verfallen. Sein süßer Duft schien ihn zu verfolgen, vor wenigen Wochen hätte er noch diesen Duft genossen, doch nun erinnerte er ihn nur an das süßere Blut, das in den unschuldigen Venen floss. Es tat ihm weh, seinen Geliebten öfter abzuweisen oder ihre Treffen aufzuschieben, es war unerträglicher als das Leid zu verspüren, was sein Körper ihm zufügte.
Er hätte so gerne Julian einfach mitgeteilt, dass er es nur tat, damit ihm nichts geschah, doch auf der anderen Seite wollte er nicht wissen, was er von ihm denken würde, wenn er erfuhr, wie dringend er das Blut anderer fremder Menschen brauchte, wie wichtig es ihm war diesen intimen Moment in regelmäßigen Abständen auszuüben. Es war eine verzweifelnde Situation, eine Situation, die ihm kaum Ruhe und gar keinen Schlaf gab, die ihn so auslaugte und verzehrte, dass er nicht einmal mehr fähig war nach logischen Alternativen zu suchen, die durchaus gegeben waren. Viel zu benebelt war seine Seele, viel zu schmerzerfüllt sein Verstand und viel zu hungrig das innere Tier, das immer schwieriger war zu bändigen.
Auch nun graute es dem Älteren vor dem Treffen mit dem Blondschopf, doch konnte er es nicht mehr ertragen ihn so oft abzuweisen, vielleicht würde er sich dieses Mal sogar zusammenreißen können und ihm erzählen, weswegen er so abweisend reagierte.
Sein Körper zuckte erschrocken zusammen, als plötzlich die Türklingel laut in seinem Wohnbereich ertönte, trat einen Schritt vor den nächsten bis er Julian die Tür öffnete, ihm ein dünnes Lächeln schenkend. „Schön dich wiederzusehen, Julian.“, entgegnete der Größere und irgendwo waren diese Worte auch ehrlich gemeint, er liebte es immer noch ihn zu sehen, er brauchte den Jüngeren, trotz seiner Schwierigkeiten. Alleine der Anblick ließ ihn für einen kurzen Moment den Hunger vergessen und er drückte Julian einen sanften, jedoch kurzen Kuss auf die Lippen, ehe er einen Schritt zur Seite trat, sodass er hineinkommen konnte.
„Bitte verzeih, dass ich keine Zeit finden konnte, ich war stark beschäftigt mit der Arbeit und der...Firma, manchmal tue ich mich wohl immer noch schwer mit diesen E- Mails.“, murmelte seine Stimme in Gedanken. Seine Schritte folgten dem anderen in den Wohnbereich hinein. Charles folgte dem Beispiel des Gelockten und setzte sich auf die Couch, jedoch bemüht einen kleinen Abstand zwischen den beiden zu gewinnen. Erneut stieg ihm der starke, süße Duft des Jüngeren in die Nase, er konnte beinahe die zarten Venen sehen, die sich unter der weichen, warmen Haut verbargen. Er konnte das Herz pochen hören, mal ruhiger, mal stärker, je nachdem, was um der Huldra herum geschah und wie es ihn fühlen ließ.
„Ich habe dich vermisst, außerdem habe ich deine Skizzen schon lange nicht mehr betrachtet…hast du einige dabei?“, der Vampir versuchte sich und Julian vom Offensichtlichen abzulenken und war sichtlich erfreut, dass Julian gewillt war sein Skizzenbuch hervorzuholen und einige seiner früheren Werke zu präsentieren. Anders erfreulich war jedoch die unmittelbare Nähe, die der Kleinere zu ihm suchte. Er durfte ihm nicht so nahe kommen oder zumindest nicht zu nahe. Die nächsten Augenblicke waren beinahe wie ein verschwommener Film für den Dunkelhaarigen. Der Körper des anderen war so nah an ihm dran, er hatte ihn so sehr berührt, dass Charles beinahe das letzte Bisschen Verstand verloren hätte, doch ehe dies geschah, schrak der Ältere aus einem Anfall der Panik auf, stieß dabei Julian etwas unsanft von sich weg, dabei wie von einer Biene gestochen aufspringend. Seine rot unterlaufenen Augen starrten den Jüngeren aus einer Mischung aus Zorn und Angst an, während ihm beinahe ein Fauchen über die Lippen gekommen wäre, was er jedoch rechtzeitig unterdrücken konnte. „Bitte, komme mir nicht zu nahe…bitte tue mir und dir das nicht an…ich will keinen Fehler begehen!“, die Panik schwappte in seiner Stimme über, er kam sich plötzlich hysterischer und verzweifelter vor als er es eigentlich war. „Vielleicht…..vielleicht sollten wir uns an einem anderen Tag sehen, ich…ich fühle mich nicht gut…“

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Fr Nov 06, 2015 11:22 pm

Man musste kein Vampir, geschweige denn ein Genie sein, um zu merken, das irgendetwas mit Charles ganz und gar nicht stimmte, seit- ja, seit wann eigentlich? Wenn Julian darüber nachdachte, war es schwer, den Tag genau festzumachen. Immerhin war es mehr oder weniger ein schleichender Prozess der Distanzierung gewesen. Anfänglich hatte die Huldra sich nicht viel dabei gedacht. Hin und wieder machten andere Verpflichtungen nun mal einfach einen Strich durch die Rechnung, Charles wollte ihn sicherlich nicht mit Absicht nicht mehr sehen. So was und ähnliches sagte sich Julian jedes Mal leise vor, wenn Charles ihre Treffen versäumte oder ihn schon nach kurzer Zeit wieder nach Hause schickte. Seit ein paar Tagen ließ er ihn nicht einmal mehr bei sich übernachten. Das letzte Mal Sex war auch schon ewig her, zu mindestens kam es ihm so vor. Dabei waren diese Abweisungen nicht die einzigen Zeichen, dass etwas nicht stimmte. Charles war noch kälter und blasser als sonst, sodass Julian es kaum noch wagte, ihn anzufassen. Er fühlte sich kalt an wie ein Eisblock, beinahe so kalt, wie er sich ihm gegenüber die meiste Zeit benahm. Julian wusste nicht wirklich, was er tun sollte, um diese Barriere zu überwinden. Sollte er dem Älteren seinen Freiraum lassen, war es das, worauf er hinauswollte? Ging ihm diese ganze Beziehung vielleicht doch etwas zu schnell? In Julian zog sich alles zusammen, wenn er so darüber nachdachte. Er liebte Charles, das tat er wirklich, er hatte nicht lang gebraucht, um das zu realisieren, doch nun schien zum ersten Mal, seit sie zusammen waren, etwas nicht zu stimmen. Jedenfalls nach ihrem Streit, doch das war nur eine Kleinigkeit gewesen, oder etwa nicht? Je länger die Huldra darüber jedoch nachdachte, desto offensichtlicher schien es, dass dieser Streit und seine anschließenden Forderungen der Auslöser für diese Krise gewesen waren. Seit diesem verdorbenen Tag schien alles den Bach runter zu gehen. Beinahe erfüllte den Lockenkopf im Nachhinein ein Gefühl von Scham und Selbsthass, wenn er daran zurückdachte, wie lange er gebraucht hatte, um den offensichtlichen Grund zu erkennen. Es musste das Blut sein. Seine törichte Bitte an Charles, dass er darauf verzichten möge. Es schien ganz offensichtlich nicht zu funktionieren, man brauchte den Vampir nur einmal kurz ansehen und Hunger und Stress standen ihm offensichtlich ins Gesicht geschrieben. Wollte er ihn etwa nicht mehr sehen, weil er Angst hatte, ihn anzufallen? Tiefe Erschütterung packte Julian bei diesem Gedanken. Er konnte sich einfach kein mögliches Szenario vorstellen, in dem sein Freund ihm tatsächlich gegen seinen Willen anfiel. Es war so lächerlich, dass Julian gelacht hätte, wenn es nicht so ein furchtbar ernstes Thema wäre. Sein eigener Egoismus hatte sie in diese Lage gebracht, seine Unfähigkeit, Charles als das zu akzeptieren, was er war. Und dennoch gefiel Julian der Gedanke ganz und gar nicht, dass der Vampir in diesem Zustand auf die Jagd gehen könnte. Sicher konnte er sich nicht einmal mehr zusammenreißen, war eine Gefahr für sich und andere…..Nicht vorzustellen, irgendwer könnte Charles auf die Schliche kommen und ihn für immer fortsperren! Julian zuckte bei dem Gedanken unweigerlich zusammen. Es musste eine andere Art und Weise geben, wie der Vampir in der Sicherheit seiner eigenen vier Wände wieder zu Kräften kommen könnte und Julian glaubte, die Lösung gefunden zu haben. Heute würde er handeln, das sagte er sich immer wieder leise vor, während seine Schritte ihn etwas langsamer als sonst die lange Auffahrt zu Charles´ Anwesen hinaufführten. Er hatte seinem Freund einige neue Skizzen mitgebracht, auch, wenn er momentan zugegeben wenig produziert hatte. Er war einfach viel zu sehr gefangen in seinen eigenen düsteren Gedanken, um den Stift frei bewegen zu können. Seine Gedanken sprangen aufs Papier wie düstere, ungewollte Tintenflecke und er war beinahe beschämt, dass er dem Vampir heute nichts Besseres würde präsentieren können. Aber eigentlich hatte Julian ihm ja auch etwas ganz anderes mitgebracht.
Die Klingel hallte in der Diele leicht wieder und es dauerte nicht lange, bis man ihm geöffnet hatte. Julian nahm den kurzen, aber ehrlich gemeinten Kuss entgegen, der kalt auf seinen Lippen hängen blieb und folgte Charles dann ins Hausinnere. Er wirkte furchtbar zerstreut und neben der Spur, ein Umstand, der wohl auch erklärte, wieso er nicht bemerkte, dass seine klägliche Fassade längst durchschaut sein musste.
„Ich weiß ja, wie es mit dir und Technik aussieht“, entgegnete Julian nur unverbunden und der Wahrheit entsprechend. Noch musste er Charles ja nicht eröffnen, weswegen er hier war. Er folgte dem Vampir ins Wohnzimmer und ließ sich neben ihm auf der Couch nieder, den Abstand mit einem Stirnrunzeln zur Kenntnis nehmen. Wie sollte er das Thema bloß einleiten? Während sein Hirn noch auf Hochtouren arbeitete, beschloss er, erst einmal Charles´ Gesprächsfaden zu folgen.
„Ich dachte mir, dass du einige sehen möchtest, aber sie sind nicht….nunja, die Qualität lässt etwas zu wünschen übrig“, gestand er wahrheitsgemäß und blickte entschuldigend in die grauen Augen. Es war gar nicht so einfach, seinen Blick einzufangen. Vielleicht war jetzt die Gelegenheit, seinen Plan unauffällig einzuleiten. Julian rutschte ein Stück an den Älteren heran, drückte sich an den kalten Körper und neigte seinen Kopf etwas zu ihm herüber, als würde er ebenfalls die Skizzen in dem kleinen schwarzen Buch betrachten. Innerlich war er schon bereit für ein paar Fangzähne, doch stattdessen schrak Charles auf und stieß ihn von sich, dass Julian sich erschrocken den Oberarm hielt und mit großen Augen zu Charles aufblickte. Er konnte einfach nicht anders, Tränen stauten sich in seinem Augenwinkel an.
„Charles“, stieß er etwas verzweifelt aus, doch dann gewann sein Zorn auf seine eigenen dummen Forderungen die Überhand.
„Hör auf mit dieser Scharade, wir wissen beide, was los ist!“
Unnötig zu erwähnen, dass er bei solch einer Aufregung seine Tarnung keine fünf Sekunden aufrecht erhalten konnte. Seine spitzen Zähne blitzten wütend auf, jedoch eine Wut, die sich einzig und allein auf sich selbst richtete.
„Ich bin ein grauenvoller Freund, ich habe einfach von dir erwartet, dass du hungerst! Hungerst! Und du tust es auch noch! Wie lange wolltest du das hier denn noch fortführen?“
Julian hatte sich zitternd auf die Beine erhoben, konnte es jedoch nicht verhindern, dass der Abstand zwischen ihnen erhalten blieb. Charles war wohl einen Schritt vor ihm zurückgewichen.
„Ich hab dir das hier angetan, weil ich eifersüchtig war. Weißt du, was das Schlimmste ist? Ich bin es immer noch. Ich will nicht, dass du irgendjemanden da draußen anfällst, ich….wer weiß schon, was passieren würde? Aber ich habe Angst, Charles, ich habe dich nie so gesehen, hast du überhaupt noch selbst eine Ahnung, wie lange du noch durchhalten würdest? Das hat heute ein Ende!“
Bestimmt trat die Huldra auf den Größeren zu und griff nach seinem Handgelenk, bevor er wieder zurückweichen konnte. Er hatte sich sonst nie so benommen, noch nie war er so eifersüchtig und egoistisch gewesen, doch heute Abend würde er das wieder gutmachen und er würde dafür sühnen.
„Du musst trinken, also wirst du….wirst du von mir trinken!“, presste Julian hervor und starrte bestimmt in das kantige Gesicht hinauf. Sein Blick verfinsterte sich, als er auf Charles´ Ablehnung stieß, die er natürlich erwartet hatte.
„Ich vertraue dir, Charles. Wie keinem anderen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dich in diesem Zustand dazu bringen könnte, es einfach zu tun.“
Ohne den Blick von dem anderen abzuwenden griff er in die Tasche seiner Jeans und zog ein kleines Taschenmesser hervor, welches er mit einem leisen metallischen Geräusch aufschnappen ließ und in das weiche Fleisch an seinem Hals drückte, ohne bereits das Blut fließen zu lassen.
„Ich bin dir das hier schuldig, bitte lass mich dir helfen, bitte, du machst dir keine Vorstellung davon wie weh es tut, dich so zu sehen. Lass mich einfach helfen, bitte!“
Erneut stiegen Tränen in Julians Augenwinkeln auf, doch dieses Mal unterdrückte er sie. Er musste einen starken Eindruck für Charles erwecken, das war nicht der Augenblick, um Schwäche zu zeigen. Außerdem hatte er kein Mitleid verdient, er musste die Konsequenzen tragen für seine unerhörten Forderungen.
„Fabelwesenblut ist stark, oder nicht? Du musst nicht so viel trinken und bist wieder auf den Beinen und dann können wir uns in Ruhe eine Lösung überlegen. Bitte, lass mich dich nicht zwingen“, wisperte der Jüngere leise und starrte den Vampir flehend an.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Sa Nov 07, 2015 10:06 pm

Es war töricht anzunehmen, dass Julian dieses Spiel noch lange mitspielte, dass er ihm auch nur ansatzweise ein Wort von dem glaubte, was seinen blassen Mund verließ. Es hätte Charles nicht einmal gewundert, wenn dies eine ausschlaggebende Situation für ihn war um ihn endgültig zu verlassen und wer würde es ihm jemals verübeln können?! Charles war ein Schatten seiner eigenen Existenz, er war nichts mehr, er war kalt, schwach und nicht fähig seine eigenen Sinne unter Kontrolle zu halten, doch das Schlimmste war, dass er so abhängig vom Blut war, dass er nicht einmal den Forderungen und Wünschen seines Freundes gerecht werden konnte. Vielleicht waren sie alle verdammt, vielleicht waren Vampire wirklich nicht dazu bestimmt gewesen, irgendwelche Beziehungen mit anderen Wesen zu führen als mit der eigenen und wie oft hatte der Dunkelhaarige diese Erfahrung bereits machen müssen und in allen Fällen war es seine eigene Verschuldung gewesen. Selbst jetzt konnte er nicht anders als sich für sein Benehmen zu schämen. Er hatte den Blondschopf in den letzten Tagen mehr als nur einmal belogen, hatte versucht ihm ein Wesen vorzuspielen, was er nicht war, hatte versucht etwas zu tun, was er nicht konnte und dennoch wollte er sich nicht der Schwäche hingeben und irgendein Wesen anfallen. Wer wusste welch schreckliche Konsequenzen es überhaupt mit sich bringen würde.
Charles war so zerstreut und voller Angst, dass es ihm schwer fiel sich auf die Worte seines Freundes zu konzentrieren, doch war der Inhalt dieser prägnant genug, dass seine Ohren schlussendlich gar nicht anders konnten als der anderen Stimme zu lauschen. Er konnte nicht fassen, dass Julian sich für sein eigenes Fehlverhalten die Schuld gab, schüttelte dabei protestierend den Kopf. Es war nicht seine Schuld, dass es ihm an Disziplin mangelte, dass er nicht weit genug dachte um auf andere alternative Lösungen zu kommen, auf einfache Möglichkeiten, die ihn vor diesem Hunger hätten bewahren können. Wie sollte die Huldra Schuld am Scheitern des Vampirs sein? Charles konnte und wollte es nicht akzeptieren!
„Julian, dich trifft keine Schuld! Du hast nichts falsch gemacht…ich….vielleicht brauche ich nur etwas Zeit, mein Körper muss sich an die Umstellung gewöhnen, wir haben nicht lang genug gewartet um überhaupt urteilen zu können!“, entgegnete der Ältere hastig, seinen Gegenüber hilfesuchend anblickend. Sie konnten es jetzt nicht einfach wegwerfen, sie konnten nicht einfach aufgeben, es würde sie doch ins nichts führen, in etwas, was beide nicht wollten und wie sollte Charles mit sich leben, wenn er erneut andere Menschen anfiel, während Julian unglücklich darüber war, was sein Freund tat? Er verteufelte diesen schrecklichen Körper, verteufelte es, dass ihm nichts anderes geblieben war als dieses grausige Blut! Ach, wie sehr er sich doch wünschte die menschlichen Gewohnheiten wieder für sich gewinnen zu können, es hätte ihm so gut getan, es hätte beiden gut getan, wenn er nicht der wäre, wer er war.
Doch stattdessen mussten sie streiten, sie mussten über so etwas Lächerliches wie Blut streiten und Charles hätte nie geglaubt, dass sein Anblick, sein Verhalten Julian wirklich so stark aufwühlte. Doch auch wenn er seine Worte verstand, so konnte er nicht akzeptieren, dem hier ein Ende zu setzen. Noch war er nicht bereit aufzugeben.
„Wir können dem kein Ende setzen! Es wird nichts passieren, ich hab mich unter Kontrolle, ich habe niemanden angefallen und…“, sein Körper erschrak als die warme Hand des anderen sich plötzlich um sein Handgelenk legte und erneut lauschte er dem pochenden Herzen seines Geliebten, wie es vor lauter Aufregung schneller gegen sein Brustkorb schlug. Blaue Venen traten stärker an seinem Hals hervor. Charles Stirn wäre wohl vom Angstschweiß benetzt gewesen, würde sein Körper so etwas produzieren; doch man brauchte wohl keinen Schweiß um zu sehen, welch ein Schrecken sich in ihm abspielte, wie wenig Vertrauen er in seine Instinkte hatte und wie stark die Furcht war, der Person, die ihm so viel bedeutete, etwas Schlimmes anzutun. Wie konnte Julian sich so nah an ihn herantrauen? „Julian ich….das kommt nicht in Frage! Ich werde dich nicht dafür benutzen! Weißt du überhaupt, was du da gerade verlangst?!“, er war zornig, erschrocken und schockiert über solch einen Vorschlag. Wie sollte das enden? Sollte er einfach seine Zähne in sein Fleisch graben und wie ein Verrückter sein Blut aussaugen? Wie konnte er ihm vertrauen, wie konnte er überhaupt glauben, dass dies keine Dummheit war, die beide schnell bereuen würde?
Alleine der Gedanke, was passieren könnte, trieben Charles Tränen in die Augen. Nein, er würde es nicht tun können, egal wie stark sein Verlangen nach Blut war.
„Nein…nein es wird einen anderen Weg geben müssen, ich werde dein Blut nicht trinken, ich werde mir nicht einmal mehr etwas darüber anhören! Es ist blanker Wahnsinn…bitte, bitte leg‘ das Messer weg und wir suchen nach anderen Alternativen. Du kannst es nicht verlangen, du darfst mir jetzt nicht vertrauen, ich bin ein…ein Monster! Bitte….bitte nicht. Du hast keine Vorstellung wie unberechenbar dein Blut mich machen kann!“, Charles stieß einen Laut der Verzweiflung aus, löste seinen Arm vom Griff des anderen, nur um sein Gesicht vor ihm verbergen. Was machte er ihm hier vor- er war schwächer und ausgehungerter denn je, er brauchte Blut, irgendwelches Blut, doch nicht das Blut seines Geliebten, nicht von Julian!
„Du…du verstehst das nicht. Gerade weil dein Blut so stark ist- denkst du, ich wäre fähig mich davon zu lösen, denkst du, dass ich nach so langer Zeit auch nur ein bisschen Macht über mich selber habe, dass ich meine niederen Instinkte beherrschen kann? Ich kann mich ja kaum zusammenreißen, wenn du mir zu nahe kommst, ich habe Angst dich zu verletzen, ich habe Angst dir so sehr wehzutun, dass dir vielleicht etwas Schlimmeres als ein bisschen Blutverlust zustößt. Ich…ich bin schwach, Julian, so schwach, dass keine Kraft in mir ist, um mich selber unter Kontrolle zu halten. Ich bin wie ein wildes Tier und sobald ich von dir trinke, werde ich dieses Tier nicht mehr unterdrücken können…ich will dich nicht verlieren, verstehst du mich? Jetzt gib mir das Messer, bevor noch etwas passiert!“, sein Körper schien regelrecht zu beben als er näher an Julian herantrat und versuchte das Messer aus seinen Fingern zu entreißen, welcher jedoch nicht davon ablassen wollte.
Konnte er denn immer noch nicht verstehen, dass dieser Einfall nicht gut für beide war? Hatte er überhaupt dem Vampir zugehört? Es kam ihm beinahe so vor, als wären all die Worte, all die Erklärungen umsonst gewesen, zumindest schien Julian nicht von einer anderen Meinung überzeugt gewesen zu sein und so schien der Griff um das Messer noch ein weniger fester zu sein. Charles wollte ihm nicht wehtun, er wollte keine rohe Gewalt einsetzen um ihm den scharfen Gegenstand von den Händen zu reißen, sodass ein kleines Ringen um den Gegenstand unausweichlich war, so lange, bis das Taschenmesser endlich in Charles‘ Besitz war. Doch ein Triumph war ihm verwehrt, als seine Augen erblickten zu welchem Preis er das Messer aus Julians Händen entnommen hatte. Innerhalb weniger schneller Momente hatte die scharfe Klinge den zarten Hals des anderen berührt und hinterließ einen leicht blutenden Film auf dem Einschnitt, welcher zwar nicht tief war, jedoch ausreichte um pures Entsetzen in das Gesicht des Vampirs zu zeichnen.
Der Duft der roten Essenz stieg in seine Nase, der gesamte Raum schien erfüllt davon zu sein, dass keine anderen Sinne auch nur die Chance hatten dagegen zu halten und den Vampir in irgendeiner Form vom köstlichen Blut abzulenken, welches sich in seiner unmittelbaren Nähe befand. Er konnte nicht einmal mehr der Stimme des anderen lauschen, alles schien so dumpf und benebelt.
Charles konnte kaum noch dagegen ankämpfen, der nagende Hunger pochte zu stark in seiner Brust, ertränkte jegliche Art von Protest und Panik, die wenige Augenblicke zuvor ihn regelrecht auszumachen schien. Er hatte Julian gewarnt, er hatte ihm gesagt, dass er seine Instinkte kaum unter Kontrolle halten konnte, dass er nichts weiter als das Monster war, was jedes Schauermärchen erst ausmachte.
Der Ältere wünschte sich Julian zu animieren wegzulaufen, das Haus so schnell wie möglich zu verlassen, ach, wie gerne er diese Worte doch über seine Lippen gebracht hätte, doch das Tier in ihm hielt ihn davon ab, trieb ihn nur noch näher zum schmalen Körper seines Geliebten, welchen er in eine enge Umarmung zog, ihn dabei sanft auf die Couch bettete, sich über den zarten, durchbluteten Leib beugend.
Seine Lippen fuhren über den Hals des anderen, benetzen ihn mit zärtlichen Küssen, vorsichtig fuhr er dabei mit seiner Zunge über den Einschnitt. Er wollte es nur kurz kosten, nur ganz kurz und dann wieder von ihm ablassen, zumindest redete seine innere Stimme ihm das jedes Mal ein, während er, ohne es auch nur zu bemerken, seine Zähne in das weiche Fleisch seines Freundes bohrte und ihm das warme, liebliche Blut entgegenkam und er sich gierig an diesem süßen Trunk labte. Es war solch ein gutes Gefühl, so berauschend, so erfüllend, er konnte spüren wie sein Körper wieder an Wärme gewann, wie seine Stärke zurückkam. Das Fabelwesenblut war so stark, so süß und so gut, dass sein gieriges Herz nicht aufhören konnte, doch er musste, er musste sich vom anderen Hals loslösen! Es war regelrecht ein innerer Kampf, noch schwieriger als in seinem Zustand des Hungers, denn nun konnte er durch den Rausch und die Erregung in seinem Körper kaum noch einen klaren Gedanken fassen und so war der kurze Moment, den er sich eingeredet hatte, länger als er sein durfte. Mit einem zufriedenen Ächzen hatte er seine Zähne langsam wieder zurückgezogen, lehnte sich mit einem Ausdruck der Zufriedenheit auf der Couch zurück, für einen Moment die Augen schließend.
Noch nie hatte sich das Trinken so gut angefühlt, so stärkend und erfüllend, er glaubte jeden Augenblick schweben zu können. Seine Sinne schienen so stark und dennoch so benebelt zu sein, dass er kaum ein Wort über seine noch Blut verschmierten Lippen bringen können. Welch ein Wundertrunk es doch war und welch eine Schande, dass er so lange ohne dieses Blut überleben konnte, jetzt war ihm die rote Flüssigkeit lieber denn je, ja sogar kaum wegzudenken. Er würde sich dafür schämen, spätestens, wenn er wieder klar denken konnte, wenn er diesen Moment anständig rekonstruiert hatte. „Ich hoffe ich habe dir nicht wehgetan…ich…vielleicht sollten wir uns beide einen kurzen Augenblick ausruhen..“, Charles‘ Blick wanderte auf den geschwächten Körper seines Geliebten, welchen er ohne weiteres näher zu sich heranziehen konnte, sodass er sich auf ihm ausruhen konnte. Er brauchte einfach die Nähe zu ihm, er hatte sie so sehr vermisst, es hatte ihn so sehr zugesetzt, dass Julian kaum berühren konnte, ohne Angst vor sich selbst zu haben, dass er ihn nicht lange küssen und in seinen Armen halten konnte.
Abermals schloss der Vampir seine Augen, versuchte seinen Rausch zu verbannen, seine Benommenheit durch Rationalität zu ersetzen, immerhin wollte er wenigstens etwas tun, dass der Blutverlust seines Freundes sich bald wieder stablisierte. Er wollte sich um ihn kümmern, nachdem, was er ihm angetan hatte.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Mo Nov 16, 2015 12:13 am

Es wunderte Julian nicht, dass Charles Protest einlegte, wenn er ehrlich war, dann hatte er das auch erwartet. Als würde Charles sich einfach so darauf einlassen, dafür war er viel zu stolz und viel zu besorgt. Julian seufzte, starrte zornig zu Boden. Er war kein Kind mehr, er konnte seine eigenen Entscheidungen treffen. Er ganz allein hatte Mist gebaut und nun wollte er das gefälligst wieder gerade bügeln und er würde sich nicht davon abhalten lassen, nicht einmal von Charles.
„Es wird nichts passieren, okay? Ich….Ich hab Heilkräfte, die werden schon abfangen, falls du etwas zu durstig bist!“
Julian wusste nicht einmal, ob er in diesem Punkt vielleicht nicht gerade log. Seine Kräfte waren recht schwach, nicht gut ausgebildet, vermutlich konnte er damit nicht mehr heilen als einen kleinen Schnitt oder einen blauen Fleck. Doch das musste er dem Vampir ja nicht unter die Nase reiben.
„So wie ich das sehe geht es hier gerade um dein Leben, oder was meinst du, wie lange du noch durchhalten kannst? Sieht nicht so aus, als wenn das noch lange wäre!“
Jetzt war seine Stimme zornig geworden, überschlug sich beinahe und zitterte auf einer höheren Oktave als gewöhnlich.
„Das Messer bleibt bei mir, bitte Charles, zwing mich nicht dazu, lass mich dir doch einfach helfen!“
Der schmale Körper wich instinktiv ein Stück zurück, als Charles nach dem Messer griff. Wenn er ihm die Waffe einfach wegnahm, war Julian machtlos gegen die immer noch überlegene Körperkraft des Vampirs. Dann konnte er nicht durchsetzen, weswegen er heute hergekommen war, dann würde Charles wohlmöglich elendig verhungern. Der Gedanke stach wie ein Dolch in seine Magengrube, das durfte er einfach nicht zulassen. Er trug die Verantwortung an diesem Dilemma und er würde es wieder richten, das war er Charles einfach schuldig. Ansonsten würde er sich selbst niemals verzeihen können. Aber er war nicht der einzige, der bestimmt schien, seinen Willen durchzusetzen. Mit so viel Widerstand hatte Julian auch wiederum nicht gerechnet. Erschrocken zuckte er zurück, versuchte das Messer gleichzeitig in der Nähe seines Halses zu halten und es Charles nicht zu überlassen. Seine Finger verkrampften sich um den schmalen Griff, seine Augen pressten sich wütend zusammen.
„Nein, hör auf damit! Lass mich dir doch einfach helfen!“
Julian schrie fast. Charles war größer, stärker und geschickter als er, selbst in diesem geschwächten Zustand. Wenn die Huldra nicht innerhalb von wenigen Sekunden vollkommen ohne Lösung dastehen wollte, musste er sich schnellstens etwas überlegen. Seine Hand drehte sich ein Stück nach innen und er spürte einen kurzen, stechenden Schmerz an seinem Hals, als Charles das Messer in seine Gewalt brachte. Ein triumphierendes Lächeln lauerte in Julians Mundwinkeln, als er etwas Warmes seinen Hals hinablief. Selbst mit seiner weniger feinen Nase konnte er den starken Blutgeruch wahrnehmen, der plötzlich den Raum erfüllte. Wenn er das riechen konnte, dann musste der Vampir in seinem Hungerstatus schier erschlagen werden. Eine Veränderung war in seinen Gliedern und in seinem Gesicht zu sehen, ein dunkler Schatten der sich hinter seine Augen legte. Julian wusste einfach, dass er jetzt nicht mehr würde widerstehen können, er hatte etwas in Charles geweckt und es tat ihm wirklich leid, dass es gegen seinen Willen geschehen musste. Doch dies war einfach das Beste für den Vampir, sie wussten es beide.
„Tut mir leid, dass das jetzt so enden musste“, murmelte die Huldra entschuldigend, doch die Wörter schienen Charles kaum noch zu erreichen. Plötzlich spürte Julian wieder diese benebelte Schwere wie damals bei ihrem ersten Treffen. War es sein Zauber, der ihn erneut einwebte, um problemlos von ihm trinken zu können? Dabei hätte Julian ihn so oder so trinken lassen. Aber wahrscheinlich war das ein natürlicher Instinkt. Mit schweren Gliedern ließ er sich von dem Vampir in eine Umarmung ziehen und sich Richtung Couch schieben, wo er sich mit einem Hauch von Aufregung niederließ. Die Berührungen fühlten sich so wundervoll an, endlich konnten sie wieder die Nähe teilen, die ihnen in den letzten Wochen verwehrt gewesen war. Julian ließ seine Hände über den Rücken des anderen wandern. Die kalten Lippen, die über seinen Hals wanderten, ließen die Aufregung weiter ansteigen. Eigentlich hatte er erwartet, dass Charles einfach aus dem kleinen Schnitt trinken würde, doch in seinem Hunger grub er stattdessen seine Fangzähne in das weiche Fleisch seines Halses. Schmerzen hätten durch seinen Körper zucken sollen, das wäre nur logisch gewesen, doch stattdessen durchfuhr ihn eine merkwürdige Lust. Der schmale Leib bäumte sich mit einem leisen Keuchen unter dem Vampir auf, spürte, wie sich ihre Körper für einen Moment noch enger aneinander schmiegten und sich seine Hände in Charles´ Kleidung verkrampften, dann sank er mit sich schließenden Augen wieder auf das weiche Polster zurück. Es fühlte sich so gut an, wie Charles von ihm trank, dass der Lockenkopf keinen Gedanken daran verschwendete, wie sehr der Vampir ihn gerade einlullte, wie viel er eigentlich trank. Musste wohl auch ein Trick des Vampirs sein. Der Mund der Huldra war leicht aufgesperrt, sein Körper wurde erst entspannt, dann immer schlapper. Die Finger, die sich an Charles´ Rücken vergraben hatten, verloren mehr und mehr ihren festen Griff und schließlich rutschten seine Hände ganz hinunter, fielen neben dem bleichen Körper auf die Couch. Das beinahe orgasmusgleiche Gefühl, das ihn während des Trinkens befallen hatte, ging langsam in eine ermüdende Schwere über. Seinen Mund zu öffnen und Worte zu formen schien wie eine olympische Disziplin, so schwer fiel es ihm.
„Charles, ich glaube…es ist genug…“, presste er nur mit flatternder, kaum hörbarer Stimme hervor. Doch es schien nicht an die Ohren des Vampirs zu dringen. Hatte sein Freund wohlmöglich doch recht gehabt? War es doch ein Fehler gewesen, ihm zu vertrauen? Konnte er nicht aufhören? Doch gerade, als Panik den Leib des Kleineren befallen wollte, selbst durch den dichten Nebel hindurch, löste sich Charles von ihm. Julian wusste nicht, ob es seine Worte gewesen waren, die ihn bewegt hatten. Sein ganzer Körper fühlte sich merkwürdig und verändert an. Wieso konnte er sich kaum rühren und wieso wirkte alles um ihn herum wie in Watte getaucht? Mit jeder Sekunde, die verstrich, fiel Charles´ Zauber mehr und mehr von ihm ab und sein beflügelter Zustand wich einer grauen Schwermut. Und mit all dem kam die Kälte, eine merkwürdige, schleichende Kühle, die aus seinem Inneren hervorzusteigen schien. Obwohl er sich selbst nicht wirklich bewegen konnte, fand er sich plötzlich auf der Brust des Vampirs wieder. Seine Glieder schlenkerten beinahe leblos neben dem schwachen Körper, während er irgendwie versuchte, sein Gefühl wiederzuerlangen. Charles schien nicht zu merken, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Hieß das, dass eigentlich alles in Ordnung war? Vielleicht war dies der Normalzustand, nachdem ein Vampir von einem getrunken hatte. Würde Charles sonst nichts sagen? Aber wieso war ihm dann so unglaublich schwindelig und so grauenvoll kalt? Das konnte doch einfach nicht richtig sein. Mit einem schwachen Zittern drückte der schmale Leib sich so gut es ging gegen den wärmenden Körper des Vampirs.
„Mir ist so schrecklich kalt.“
Seine Stimme schien kaum laut genug, um von ihm selbst erhöht zu werden, wieso also sollte Charles sie hören? Aber diese Wärme….Bedeutete das, dass es dem Vampir wieder gut ging? War er satt geworden und musste nicht mehr wie ein Schatten seiner selbst in den Ecken seiner Villa kauern und die Umwelt meiden? Das war doch das Wichtigste, dass es dem anderen gut ging. Sicherlich hatte Charles genug getrunken, um wieder vollständig genesen zu sein. Julian wollte ein Lächeln hervorbringen, aber er schaffte es nicht, sein Körper gehorchte ihm einfach nicht mehr.
„Charles….Ich muss schlafen…“, nuschelte er leise und hatte das entfernte Gefühl, dass er nicht wieder aufwachen würde, wenn er nun die Augen schloss. Aber er hatte Charles geholfen, das war alles, was zählte.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   So Nov 22, 2015 1:26 am

Es war ein Fluch, der auf ihnen lastete, der schreckliche Fluch des Rauschzustandes, der Besinnungslosigkeit und der Unfähigkeit, einen klaren Kopf zu bewahren. Vielleicht wären sie gar nicht erst in dieser Lage, wenn Charles‘ Vernunft nicht verbannt worden wäre, wenn er früh genug realisiert hätte, dass er seinem Freund nichts als Schmerzen zufügte, dass er ihm regelrecht das Leben ausgesaugt hatte…oder zumindest beinahe.
Es war ein mühseliger Prozess, seinen Verstand zurück zu gewinnen, das Blut schien ein anderes Wesen aus ihm zu machen, doch hatten die Eindrücke und vor allem Julians schwaches Herz ihn von der Erregung befreit, die den gesamten Körper eingenommen zu haben schien- keine dieser Erregungen, die er mit Julian mehr als einmal geteilt hatte, oh nein, das fühlte sich anders an, beinahe ein bisschen besser, wenn auch nur für einen Bruchteil der Sekunde. Höchstwahrscheinlich war dieses Gefühl nur für Vampire bestimmt, ein Gefühl, das schwer zu beschreiben war. Und dennoch war der Dunkelhaarige froh, dass es abgeklungen war, dass seine hellgrauen Augen nun endlich sich voll und ganz seinem Geliebten widmeten, dem er sein Leben zu verdanken.
Doch der Anblick des Jüngeren hatte ihm schnell die ansteigende Euphorie geraubt, erstickte sein Lächeln noch ehe dieses über seine blassen Lippen gleiten konnte. Er brauchte die schwache Stimme des anderen gar nicht zu vernehmen um zu wissen, was geschehen war. Noch nie hatte er sein Herz so schwach pochen gehört, so müde und erschöpft, als würde es jeden Augenblick sich zur Ruhe betten wollen. Schnell wurde ihm bewusst, dass die wohlige Wärme nicht einmal die der Huldra war, dessen schmaler, bleicher Körper nun den Zustand angenommen hatte, den er wenige Minuten zuvor selber erleiden musste.
Es graute dem Vampir, es graute ihm vor dem, was er ihm angetan hatte, wie viel Blut er von ihm getrunken zu haben schien, unkontrolliert wie eine schreckliche Bestie!
„Was….was habe ich dir nur zugefügt, Julian, bitte….bitte schließ deine Augen nicht, du….du musst wach bleiben, du darfst nicht schlafen!“, Charles hätte nie erwartet, dass die Angst und Verzweiflung, dass der schreckliche Schmerz in seinem Herzen so stark anschwellen konnte. In seinen Augen sammelten sich Tränen der Verzweiflung, während er den schwachen Körper des Gelockten vorsichtig umfasste um ihn auf die Couch zu legen und sich selbst zu erheben.
Ihm wurde übel bei dem Gedanken, dass er nun so voller Leben war, dem Leben, das Julian nur allein gehörte.
Wieso nur hatte er so stark darauf beharrt ihm sein Blut zu geben, wieso hatte er nicht auf seine Warnungen gehört und war gegangen? Er konnte nun kaum leugnen, dass er nichts weiteres als ein Monster war, unberechenbar, sogar bei jenen, die ihm so viel bedeuteten! Wie sollte er je mit sich selbst leben können, wenn er möglicherweise Julian gerade getötet hatte?!
Nein…nein so durfte er nicht denken, der Vampir würde alles tun, damit dies nicht geschah. Und dennoch fiel es ihm so schwer einen klaren Kopf zu bewahren, noch nie hatte sich so solch eine Panik in seinen Eingeweiden breitgemacht, dass es ihm schwindelte, dass er glaubte jeden Moment den Verstand verlieren zu müssen. Doch er versuchte sich zu beruhigen, er hatte gar kein Recht sich so aufzuführen, er war nicht derjenige, der dem Tod ins Auge blicken musste!
Julian brauchte in erster Linie Blut und vor allem brauchte er medizinische Versorgung, die er ihm nicht gewährleisten konnte. Ein reguläres Krankenhaus würde mehr Fragen stellen und weniger die Hilfe anbieten, die sie brauchten, außerdem- wie sollte Julian seine Tarnung auch nur ansatzweise aufrechterhalten, wenn er kaum noch die Augen geöffnet halten konnte?! „Du musst versuchen dich wach zu halten, hast du mich verstanden…du…musst. Ich…dir wird es sehr bald besser gehen, in Ordnung?“, es war eine Überwindung sich nicht vollkommen von all den schrecklichen Gefühlen einnehmen zu lassen, doch er wusste, dass wenn er nun auch noch offensichtlich in Panik geriet, es die Lage seines Geliebten nicht verbessern würde.
Er wollte ihn nicht verlassen, keine einzige Sekunde wollte er seine Augen von ihm lassen, aus Angst, dass er das strahlende Blau danach nie wieder erblicken könnte, doch hatte der Dunkelhaarige keine andere Wahl als für einen Augenblick den Raum zu verlassen und endlich etwas zu tun. Charles wusste, dass dieses Telefonat vielleicht einiges zwischen ihnen verändern würde und vielleicht noch andere Schwierigkeiten mit sich bringen würde, doch das spielte keine Rolle mehr.
Der Vampir wusste, dass Julians Freund und Mitbewohner eine Ahnung darüber hatte, welche Orte geeignet für solch einen Fall gewesen war und nachdem er ihm schnell und möglichst ruhig am Telefon erklärt hatte, was geschehen war, war der Faun bereit gewesen ihm- wenn auch merklich zornig- zu bestätigen, dass er wusste, wo sie Julian hinbringen konnten. Sie hatten sich darauf geeinigt, dass Charles ihn auf dem Weg abholen würde, sie mussten Zeit sparen und zu warten, dass Blake hier aufkreuzte, könnte vielleicht das Leben der Huldra kosten.
Es blieb nicht viel Zeit um sich weitere Gedanken zu machen, in Tränen auszubrechen oder sich selbst dafür zu hassen, was er getan hatte, dafür würde er sicherlich noch eine Ewigkeit Zeit haben und er wusste genau, dass er für eine Ewigkeit von diesen Gefühlen geplagt werden würde, doch das war wohl das Mindeste, was der Vampir verdient hatte.
Das Gute an solch eine Wesen zu sein, war wohl die Schnelligkeit, mit welcher er seinen Körper bewegen konnte. So war er binnen weniger Sekunden erneut an Julians Seite, fuhr sanft über seine Wange, sich dazu zwingend ihn anzulächeln. „Ich bringe dich weg von hier.“, wisperte der Ältere ihm leise entgegen, hob den schmalen Leib von der Couch an und trug ihn in Windeseile in seinen Wagen hinein. Er hätte einen seiner Oldtimer genommen, wären diese auch nur ansatzweise schnell genug gewesen, doch für Klasse und Schönheit hatten sie keine Zeit. Und so fuhr der Vampir schneller als er durfte, ignorierte die ein oder andere rote Ampel. Seine Reflexe waren gut genug, sodass sie in keine allzu lebensgefährliche Lage geraten waren.
Der Blondschopf hatte auf der Rückbank gelegen und wurde jedes Mal aufgefordert mit dem Vampir zu sprechen, er brauchte nicht einmal laut zu reden, schließlich konnten seine Ohren die leise Stimme gut genug vernehmen und das war auch das Wichtigste- seine Stimme.
Blake hingegen hatte seine Stimme kaum dem Vampir gewidmet, er hatte ihm nur die Adresse gegeben, wo sie hinfahren sollte, beschrieb eine schnelle Route dahin und verbrachte die Zeit lieber damit ihn so verurteilend wie möglich anzustarren, wenn er nicht gerade seinen Job übernahm und alles daran tat, dass Julian wach blieb und es nicht wagte seine Augen für länger als ein Zwinkern zu schließen.
Die nächsten Minuten verliefen wie ein Film vor Charles‘ Augen. Sie hatten das Krankenhaus erreicht, wo man ihm Julian schnell abgenommen hatte und nachdem Blake die Sache geschildert hatte- denn für ihn war es plötzlich klar gewesen, dass er dem Untoten keine Verantwortung mehr überlassen durfte- hatte niemand unnötige Zeit verschwendet und sie alle begangen die Huldra zu behandeln. Charles wollte mitkommen, er wollte sehen was sie taten, doch Blake schubste ihn schroff davon, wenn er versuchte näher zu kommen, auch wenn es mehr eine symbolische Geste war als dass er ihn wirklich wegschubsen konnte. „Du kannst mich jetzt nicht aus dem Krankenhaus werfen, was wenn sie etwas von mir brauchen, was wenn er mich noch braucht?“- „Er braucht dich?! Willst ihm den Rest geben? Du hast ihn fast umgebracht, du hast hier genug gemacht!“, zischte die Stimme des Fauns, ehe er von dannen stampfte, dorthin, wo sie seinen Freund hingebracht hatten.
Erneut spürte Charles den stechenden Schmerz, den er für einen Moment hatte verdrängen können, doch wozu die Wahrheit verdrängen? Blake hatte Recht- er hatte ihn fast umgebracht, Julian hatte ihm so sehr vertraut, er hatte wirklich geglaubt, dass er es wert war, sein Blut zu trinken, dass er es wert war zu überleben, dabei hatte der Vampir nichts von all dem wirklich verdient. Er war es nicht wert und würde es niemals sein und nun war das eingetreten, wovor er sich die ganze Zeit gefürchtet hatte, wovor er ihn so sehr gewarnt hatte! Was sollte Julian mit ihm überhaupt noch anfangen, wieso sollte jemand mit ihm zusammen sein wollen, nach all dem, was er getan hatte?! Jetzt wusste wohl jeder, was in ihm schlummerte, wie unberechenbar und monströs er doch in Wirklichkeit war, wie er das Vertrauen jener missbrauchte, die er liebte. Ja, er liebte die Huldra und nichts würde sich jemals daran ändern, nicht einmal dann, wenn dieser Tag ihrer Beziehung ein Ende setzen würde und es wirkte so, als würde es tatsächlich darauf hinauslaufen.
Julian hatte jemand besseren verdient, jemanden, vor dem man sich nicht fürchten konnte, der nicht hungrig nach seinem Blut lechzte. Vielleicht sogar jemanden wie Blake, der sich um ihn sorgte und alles verbannte, was ihm Leid antun konnte.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Fr Jan 01, 2016 10:41 pm

So sehr Julian sich auch zu konzentrieren versuchte, Charles´ Stimme war irgendwie kaum mehr als ein leises Dröhnen in seinem Hinterkopf. Er konnte sich kaum konzentrieren, ja kaum die Augen offen halten und eigentlich wollte er das auch gar nicht. Wieso konnte er nicht einfach schlafen und nie wieder aufwachen? Es war so verlockend, Jahrzehnte eines anstrengenden Lebens schienen plötzlich mit aller Gewalt an ihm zu zerren und zu reißen. Wieso also durfte er sich dem nicht hingeben? Wieso konnte er nicht in Ruhe schlafen? Seinem benebelten Hirn war es nicht mehr möglich, die Geschehnisse der letzten Stunde logisch zu verknüpfen, es war, als wenn er langsam aber sicher im Vergessen versank. Einzig die Gewissheit, dass er Charles etwas Gutes getan hatte, schwebte ihm noch deutlich vor. Wenn er doch etwas Großes geleistet hatte, um seinem Freund beizustehen, wieso ließ dieser ihn dann nicht zur Ruhe kommen?
„Ich hab dir doch geholfen, oder nicht?“, nuschelte er leise und schaffte es kaum, den Mund zu öffnen. Hörte Charles ihm überhaupt zu? Momentan konnte due Huldra nicht einmal sicher sagen, ob Charles im Raum war. Die Augen zu öffnen war schon ein Kraftakt ganz für sich allein und in dem Lockenkopf regte sich das unbestimmbare Gefühl, dass ihn das letzte bisschen Wärme verlassen würde, wenn er seine Augen öffnete. Ohne es bewusst als Bewegung zu registrieren, rollte Julian sich enger zusammen. Charles war nicht mehr bei ihm, um ihm seine Körperwärme zu spenden, zu mindestens nicht im Moment, und die fehlende Wärme ließ das Fabelwesen erschaudern. Er konnte ganz gedämpft Schritte vernehmen, eine Stimme, die immer und immer wieder auf ihn einredete und ihn dazu zwang, die Augen wenigstens ein Stück weit zu öffnen. Um ihn herum bewegte sich die Welt, ohne, dass er selbst einen Muskel rühren musste. Es war nicht das erste Mal, dass der Vampir ihn mühelos durch sein Haus trug, doch nun fühlte es sich zum ersten Mal unecht und surreal an, dass Julian im ersten Moment nicht einmal verstand, sie Bewegung überhaupt möglich war, wenn seine eigenen zwei Beine nicht involviert waren.
Unterschwellig stieg ihm der Geruch von Benzin in die Nase und erweckte eine entfernte Erinnerung an die Garage. Charles wollte ihn fortbringen, aber wohin? Unwohl zog sich der Körper zusammen, als die Wärme des anderen Körpers ihn plötzlich wieder verließ und der toten Kälte der Ledersitze Platz mache. Mit einer körperlichen Anstrengung, die ihm den Schweiß auf die Stirn trieb, drehte er sich ein Stück zur Seite, sodass er wenigstens in Charles´ Richtung blickte. Er forderte ihn unentwegt zum Sprechen auf, während sie fuhren, dass es der Huldra beinahe zu bunt wurde.
„Wieso kann ich nicht schlafen?“, murmelte er atemlos zwischen beinahe geschlossenen Lippen hervor. Seine Verwirrung wurde nicht gerade gemildert, als nach kurzer Zeit eine weitere Person ins Auto einstieg und seinen Kopf vorsichtig in ihren Schoß bettete. Es dauerte einige rote Ampeln und Kurven, bis Julian die besorgte Stimme als Blake erkannt hatte. Was tat Blake nun hier? Und wieso wollte der Faun ihn ebenfalls nicht schlafen lassen? Sein Körper fühlte sich bleischwer und gleichzeitig federleicht und die teilweise abrupten Bewegungen des Wagens schienen ihn gar nicht zu erreichen. Er war in einem körperlosen Zustand, in dem seine einzige Aufgabe das Offenhalten seiner Augen zu sein schien. Dabei machte Blake es ihm nicht gerade einfach, wenn er so beruhigend über seine Haare strich.
Das Surren des Motors hatte schließlich aufgehört und die Kälte außerhalb des Autos nahm ihn mindestens genauso fest in den Arm wie der Vampir es tat. Ein steriler Geruch stieg in seine empfindliche Nase und plötzlich waren die vertrauten Stimmen und Gerüche verschwunden und professionelle Geschäftigkeit breitete sich um ihn aus. Er wollte nervös werden, denn das alles hier erinnerte ihn viel zu sehr an die Monate seiner Gefangenschaft, doch er war viel zu kraftlos, um sich gegen die Nadel in seinem Arm zu wehren oder gar ernsthaft in Panik zu verfallen. Ausgehend von seinem Arm kehrte eine ungewohnte Wärme in seinen Leib zurück. Im ersten Moment wirkte es beinahe heiß und der schmale Leib bäumte sich mit einem leichten Stöhnen auf, wurde jedoch schon im nächsten Moment von einem Paar Hände zurück auf die Matratze gedrückt. Seine Sehkraft kehrte langsam aber sicher wieder zurück und aus dem diffusen Weiß und Silber, das sein Blickfeld ausgefüllt hatte, bildete sich langsam ein kleines Behandlungszimmer. Er lag auf einem frisch bezogenen Bett, über ihm ein kalter, aber greller Deckenleuchter. An seiner linken Seite stand ein Arzt, neben sich ein Tischchen mit allerlei chirurgischem Besteck und am Kopf seines Bettes befand sich ein Tropf, aus dem langsam Blutkonserven und irgendein durchsichtiges Medikament in seinen Arm tröpfelten. Der Anblick war schwer zu ertragen, weshalb die Huldra den Kopf lieber schwerfällig in die andere Richtung kippte. Ein kleines Fenster gab dort den Blick auf den Gang frei, in dem zwei bekannte Figuren heftig zu diskutieren schienen. Für einen kurzen Augenblick dachte Julian, dass Blake und Charles handgreiflich werden würden -ein Szenario, in dem der Faun garantiert den Kürzeren gezogen hätte-, dann trat der Vampir mit geschlagenem Gesichtsausdruck einige Schritte zurück, während Blake zu ihm ins Zimmer stapfte und die Tür erzwungen leise und vorsichtig hinter sich schloss.
„Blake? Das bist du, oder?“, fragte Julian mit kratziger Stimme und versuchte, sich von der Nadel in seinem Arm abzulenken. Obwohl sie langsam aber sicher wieder Wärme und Leben in seinen Körper zurückbrachte, fühlte er sich nicht wohl bei der ganzen Angelegenheit. Das letzte Mal hatten Nadeln ihm auch wohlige Wärme verschafft – Wärme, Stille und dann Pein. Unbehagen ließ ihn seine freie Hand nach Blake ausstrecken, der sie glücklicherweise umfasste und leicht drückte.
„Krankenhäuser gefallen mir nicht“, erklärte er mit immer noch recht belegter Stimme und rutschte unruhig ein wenig umher.
„Diese Nadel macht mich wahnsinnig, wenn ich nur darüber nachdenke!“
Je mehr Blut wieder in seinen Körper zurück gelangte, desto sicherer und kräftiger wurden seine Worte, desto klarer sein Verstand und auch, wenn es immer noch Kraft kostete, die aufsteigende Panik zum eigenen Wohl zu unterdrücken.
„Wo ist….wo ist Charles?“, setzte die Huldra schließlich an und merkte, dass er gefährliches Terrain betreten hatte.
„Ich habe euch streiten sehen, ist er okay? Es ging ihm so furchtbar schlecht, aber mein Blut…Hat es ihm geholfen? Wirkte er fit?“
Die Sorge um den Vampir übermannte den schmalen Leib im Flug und als er sich ein Stück aufrichtete, um den Flur durch das Fenster besser sehen zu können, wurde ihm so schwindelig, dass er ganz benebelt wieder in die Kissen zurücksank.
„Ich hab mich noch gar nicht bei euch bedankt“, nuschelte er betreten und drückte den Kopf tiefer in das Kissen.
„Kommt Charles bald?“, fragte er vorsichtig nach und hielt die blauen Augen flehend auf Blake geheftet.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Di Jan 05, 2016 4:44 pm

Blake hatte niemals gedacht, dass dieser Tag wirklich kommen würde. Er hatte irgendwie dem Vampir vertraut, er wirkte freundlich und zuvorkommen und es hätte schon etwas ganz Schreckliches in der Vergangenheit passieren müssen, dass er Vorurteile gegenüber einem Fabelwesen hegte, ohne es wirklich gekannt zu haben. Er vertraute jedem Fabelwesen, grundsätzlich, er hatte keine Angst vor Vampiren, doch nun fühlte er sich so schrecklich dämlich, dass er nicht besser auf seinen besten Freund aufgepasst hatte. Wer hätte jemals seinem eigenen Partner so etwas angetan?!
Endlose Wut hatte sich im Inneren des Tätowierten breit gemacht, die erst etwas abgeklungen war, als er das Gesicht des anderen Mannes nicht mehr sehen musste, als dieser durch die Tür gegangen war. War auch besser so, was sollte dieses Monster hier noch anrichten?! Wollte er noch die letzten Tropfen aus Julies Körper saugen?
Nein- nein, er konnte ihn nicht hierher lassen, ganz gleich wie sehr es Charles auch leidgetan hatte, er hatte es verdient sich so schrecklich zu fühlen wie es eben nur möglich war.
Mit langsamen Schritten schlenderte Blake auf die Tür zum Krankenzimmer des Kleineren zu, öffnete diese bedacht leise, damit er ihn nicht weckte oder irgendwie auf anderer Weise störte. Eigentlich wollte er ihn nicht mehr so auffinden, so elend und verletzt, er hatte ihm doch versprochen, dass er in Zukunft ihn beschützen würde und nun…nun lag er in diesem dämlichen Krankenbett und sie mussten versuchen ihm das verlorene Blut zurückzugeben, was ihm so gierig ausgesaugt wurde. Er wollte sich gar nicht den Ärzten stellen, sollten sie später beide fragen, wie so etwas überhaupt hatte passieren können. Eigentlich hätten sie Charles wegsperren müssen, er war eine Gefahr! Doch wenigstens waren sie hier alle unter sich, hier waren solche Vorfälle nichts Neues und jeder wusste wie man mit den Patienten umzugehen hatte, sollte plötzlich ihre Tarnung fallen oder sollten andere Maßnahmen benötigt werden. Für solche Situationen waren die Menschen nicht vorbereitet und dank ihrer Ignoranz würden sie das auch niemals werden.
Ein leiser Seufzer entwich seinen Lippen, während seine Augen Julian besorgt beobachteten, sich im nächsten Moment jedoch weiteten als er die Stimme des anderen vernahm.
Beinahe automatisch hatte er sich der Huldra genähert, schenkte ihm ein schmales, aufmunterndes Lächeln, umfasste dabei die ausgestreckte Hand, welche er gar nicht mehr wieder loslassen wollte. „Julie, heey! Ich dachte du würdest schlafen. Eine Mütze Schlaf tut immerhin jedem ganz gut!“, entgegnete die Stimme des Dunkelhaarigen. Gerade eben hatte der Blondschopf sich noch so sehr nach Schlaf gesehnt, doch es war wohl ein gutes Zeichen, dass er dennoch wach war, so schien er endlich wieder neue Kräfte zu gewinnen. Blake wollte gar nicht darüber nachdenken, was passiert wäre, wenn sie einige Minuten zu spät gewesen wären, wenn niemand seinem besten Freund ständige Aufmerksamkeit geschenkt und ihn schlafen gelassen hätte. Allein der Gedanke bereitete ihm schreckliches Unbehagen, dass er die Hand des Kleineren automatisch ein wenig stärker drückte. Doch er war nicht der Einzige, der sich unbehaglich fühlte- er wusste, dass Julie kein Freund von Krankenhäusern war und schon gar nicht Nadeln und er konnte sich vorstellen, wie schrecklich es sein musste. Doch leider konnte er nichts dagegen tun, außer ihm einen entschuldigenden Blick zuzuwerfen und behutsam über sein lockiges Haar zu streifen. „Ich weiß, Krankenhäuser sind mies. Aber wir sind hier unter uns…alles Fabelwesen, einige kennst du vielleicht noch vom Tag, als wir dich gerettet haben? Sie tun wirklich alles, dass du dich ein bisschen wohler fühlst und…ich bin auch hier! Bald hast du die dummen Nadeln los, solange musst du sie leider ertragen. Wir brauchen dich wohlauf.“, seine Worte waren sanft und dennoch ernst, immerhin war dies auch kein Spaß, in den sie geraten waren. Niemand wollte das Fabelwesen in ein Krankenhaus bringen und niemand wollte die schreckliche Vergangenheit wieder in ihm aufleben lassen. Das war wohl eher das Letzte, was irgendwer bewirken konnte.
„Ich häng einfach die ganze Zeit bei dir ab und wir spielen Karten oder erzählen uns irgendwas, ich kann deine Haare kämmen…oder besser nicht, danach hast du schlimmere Schmerzen als jetzt schon! Aber…fühlst du dich denn wenigstens ein wenig besser?“, erneut hatten sich die Sorgenfalten auf Blakes Stirn gelegt, Sorgenfalten, die jedoch schnell zornigen, zusammengezogenen Augenbrauen wichen.
Sein Blick hatte sich binnen weniger Sekunden bei dem Namen Charles verfinstert. Wie konnte Julian jetzt noch an sein Wohlergehen denken? Wie konnte er überhaupt an ihn denken, nach all dem, was er ihm angetan hatte?! „Wir haben uns nicht wirklich gestritten…wir hatten nur eine Meinungsverschiedenheit. Charles geht es wohl mehr als gut, er sieht glatt 400 Jahre jünger und frischer aus, mach‘ dir keine Gedanken um ihn.“, es war schwierig nicht seine gesamte Wut hinauszulassen, doch Blake wollte nicht, dass Julie sich vielleicht noch schlechter fühlte, dass er sich vielleicht unnötig über etwas aufregte, weswegen er auch nicht direkt alles auspacken wollte, was in seinem Kopf vor sich ging und wie er die Sache empfand und wie sie auch seiner Meinung nach tatsächlich war. „Du hast ihm mehr geholfen als es nötig war…bitte mach‘ dir jetzt gar keine Gedanken darüber, dass du dich irgendwie bei irgendwem zu bedanken hast, du glaubst doch nicht wirklich, dass i…wir dich jemals sterben lassen würden! Bitte, leg dich wieder hin und ruh‘ dich ein wenig aus. Erst, wenn es dir wirklich, wirklich besser geht, kannst du dir Gedanken um alles andere machen, in Ordnung? Würdest du das bitte für mich tun?“, seine Augen blickten ernst in die endlos blauen seines besten Freundes. Er hatte eine Verantwortung ihm gegenüber, ganz gleich ob Julian es wollte oder nicht, er hatte ihm versprochen auf ihn aufzupassen, ihn zu beschützen und alles zu tun, dass er nicht in Gefahr kam. Dass die Gefahr seit längerer Zeit seine Beziehung war, konnte wohl niemand ahnen und nun musste Blake damit leben versagt zu haben. Doch er würde alles tun, dass er wenigstens jetzt schneller gesund wurde!
„Du willst doch auch schnell die ganzen Dinger los werden und zurück nach Hause und dafür darfst du dich nicht so sehr anstrengen, nicht jetzt, okay? Du hast wirklich zu viel Blut verloren, das ist nicht gut.“

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Do Jan 07, 2016 1:31 am

Die warmen Worte und der feste Druck von Blakes Hand ließen die aufkeimende Panik in Julian wieder etwas nachlassen. Er war hier in guten Händen, dessen war er sich nun bewusst. Das einzige, was ihm noch zu seiner vollkommenen Beruhigung fehlte war Charles. Doch Blake war ihm ebenso wichtig und er wollte dem Faun nicht den Eindruck geben, dass er ihn nicht sehen wollte oder gar seine Nähe nicht schätze. Blake war sein bester Freund und seine Familie zugleich und er konnte sehen, wie sehr der Dunkelhaarige sich gesorgt hatte. Julian musste ihm also verdeutlichen, dass es ihm nicht so schlecht ging wie er wohlmöglich wirken mochte! Immerhin entsprach das wirklich nicht der Wahrheit. Schlapp und müde war er, ja, erheben konnte er sich vermutlich auch noch nicht, aber seine Kräfte kehrten langsam zurück, das spürte er. Ein warmes Kribbeln, das in seinem ganzen Körper aufkeimte und dort am wärmsten war, wo die Nadel in seinem Arm steckte. Ach, besser nicht daran denken, das würde ihn nur wieder unruhig machen.
„Oh, ich hatte ehrlich gesagt noch gar keine Möglichkeit, hier großartig nach bekannten Gesichtern zu suchen“, gestand Julian etwas beschämt. Diese Leute hatten ihm vermutlich schon mehr als einmal geholfen, da wäre es Julian eigentlich lieber gewesen, wenn er sich an ihre Gesichter hätte erinnern können. Doch wirklich bei Bewusstsein war er erst wieder seit einigen Minuten, also würde ihm das niemand übelnehmen. Hoffte er zu mindestens.
„Ich darf einfach nicht zu viel an die Nadel denken. Oder sie ansehen. Ich weiß, dass es kindisch ist, aber ich glaube, ich würde das Bewusstsein verlieren“, gestand der Huldra leise flüsternd und sein Schweif zuckte unter der Bettdecke unruhig umher. Diese Betten waren gar nicht so ganz wie die Krankenhausbetten, die man sonst so kannte. Keine gestärkten, furchtbar steril wirkenden weißen Decken und Kissen, sondern bunte Farben ließen dieses Bett weniger wie einen Ort wirken, an dem er sich aufhalten musste. Menschen hatten hier tatsächlich noch nichts ruiniert.
Bei Blakes Vorschlägen schlich sich ein warmes Lächeln auf Julians Gesicht. Die Aussicht, hier vielleicht ein oder zwei Tage zur Ruhe zu kommen war eigentlich gar nicht so schlecht, wenn Blake ihm den ganzen Tag Gesellschaft leisten würde. Mit einem Grinsen drückte er sein Gesicht etwas tiefer ins Kissen und brachte sich näher an Blake heran.
„Du kannst es gern versuchen, aber diese Haare hat noch kein Kamm bezwungen!“
Wenn seine Kraft es zugelassen hätte, wäre sich Julian über die dichten Locken gefahren, aber so, wie er sich fühlte, ließ er lieber jede unnötige Bewegung sein. Ohne es auch nur einmal gehört zu haben, konnte Julian sich vorstellen, wie Blake ihn sonst streng ermahnen würde.
„Aber die restlichen Dinge scheinen mir umsetzbar zu sein. Pass bloß auf, ich bin ein gnadenloser Maumau-Spieler!“, drohte Julian dem Faun lachend. Als er seine zusammengezogenen Augenbrauen allerdings erblickte, die vermutlich mit der Erwähnung Charles´ zusammenhingen, verging ihm sein Lachen fürs erste. War Blake wirklich so zornig auf den Vampir? So schien es zu mindestens zu sein, wenn man der Welle eisiger Stimmung glauben durfte, die zu ihm hinüber schwappte.
„Also sieht er nicht mehr aus wie der wandelnde Tod? Also….nicht mehr als sonst?“, hakte Julian vorsichtig nach, doch Blakes Wut und Hass schlug ihm selbst aus diesen wenigen Worten so heftig entgegen, dass die Huldra zusammenzuckte.
„Ich will mich ja nicht überanstrengen, ich will nur, dass du weißt, wie dankbar ich euch bin!“, lenkte die Huldra schnell ein, bevor er Blake noch ernsthaft verärgerte. Er wollte keinen Streit, doch wenn er Charles sehen wollte, würden sich leichte Reibereien vielleicht gar nicht vermeiden lassen.
„Ich werde schon nicht durch das Krankenhaus geistern, ich möchte ihn doch nur sehen, ich….ich kann mir kaum vorstellen, dass er einfach wieder gegangen ist?“
Zweifelnd zog Julian die Augenbrauen zusammen. Er kannte Charles und nach so einem Vorfall würde er doch sicherlich als erstes versuchen, sich tausendmal bei ihm zu entschuldigen. Ihn einfach hier abzusetzen und dann zu verschwinden, nein, das war nicht Charles. Eventuell unterhielt er sich ja mit einem Arzt über seinen Zustand, das kam Julian logischer vor.
„Würdest du ihn suchen gehen? Ich glaube nicht, dass ich zur Ruhe kommen kann, solange ich ihn nicht wenigstens einmal gesehen habe.“
Bei den folgenden Worten wurde seine Stimme leiser und der Blick der Huldra wandte sich ein Stück ab, richtete sich auf die zart blaue gemusterte Bettdecke.
„Es war meine Schuld, ich habe ihm gesagt, dass er mit dem Trinken aufhören soll. Charles stand mindestens genauso knapp mit einem Bein im Grab wie ich jetzt. Ich war es ihm schuldig, Blake, verstehst du? Wenn ich ihn nicht darum gebeten hätte, hätte er sich niemals in solch eine Lage gebracht. Aber ich konnte den Gedanken nicht ertragen, dass er anderen Männer genauso…..verführt wie mich damals!“
Leidend drehte Julian den Kopf zur Seite und suchte in Blakes Augen nach Verständnis und Vergebung, doch besonders gütig wirkte der Faun nicht. War er entrüstet? Glaubte er Julian überhaupt?
„Ich war noch nie so eifersüchtig und hässlich, was, wenn Charles mir nicht verzeihen kann, in welche Situation ich ihn gebracht habe? Bitte, ich muss ihn wirklich sehen, Blake.“
Tränen hatten sich in Julians Augenwinkel angestaut und auch, wenn er sich immer noch müde und erschöpft fühlte, vielleicht sogar zu schwach, um noch zu weinen, kullerten einige verlorene Tränen über seine Wangen.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   So Jan 24, 2016 1:24 am

Blake hätte am liebsten alles getan um den Kleineren irgendwie abzulenken, er hätte ihm wahrscheinlich sogar einen Fernseher hierhergeschleppt, wenn es denn irgendwie möglich gewesen wäre. Doch Kartenspiele oder vielleicht ein wenig über Dieses und Jenes zu reden- das würde ihn bestimmt auf andere Gedanken bringen.
„Irgendwann werde ich sie schon gekämmt bekommen, das ist nun meine Aufgabe fürs Leben!“, entgegnete der Dunkelhaarige leise lachend, strich dabei demonstrativ über die strahlend blonden Locken. Wenn sie doch diesen Moment so beibehalten konnten, sie brauchten keinen Charles, der alles versaute und ihm vielleicht sogar noch die letzten Tropfen in seinem Körper aussagte, sollte er ihn hier so sehen, doch Julian schien ganz anderer Meinung zu sein.
Er wollte nicht böslaunig wirken, er wollte auch nicht, dass Julie glaubte, er wäre wütend auf ihn, was nun wirklich nicht der Fall war! Wieso sollte er auch zornig auf seinen besten, verletzten Freund sein? Ein wenig verärgert, dass ihm seine Anwesenheit nicht genug war, war er allerdings schon, würde es jedoch niemals zugeben wollen, wieso auch? Das Fabelwesen unterdrückte ein Zähneknirschen, er wollte nicht allzu negativ rüberkommen, doch das, worum man ihn bat, gefiel ihm ganz und gar nicht, ganz im Gegenteil, er wollte am liebsten Julian irgendwie verständlich machen, dass Charles gerade mehr als nur gefährlich für ihn war, dass er ihm nicht in seiner Nähe traute und dass es wahrscheinlich besser wäre, wenn er sich einfach mal ausruhte anstatt sich um die Gesundheit des Vampirs Sorgen zu machen.
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass er deine Dankbarkeit zu schätzen weiß, du musst es ihm nicht auch noch sagen. Wahrscheinlich geistert er noch irgendwo im Krankenhaus rum, er sah zumindest nicht so aus als würde er nach Hause gehen wollen…“, erwiderte die Stimme des Tätowierten, ließ dabei seine Augen kurz zur Seite wandern, die Wände anstarrend, die hier wenigstens ein bisschen einladender zu sein schienen. Wieso ließ er denn nicht endlich nach, wieso war der Vampir auf einmal das größte und wichtigste Thema, wo es doch nun so gar nicht um ihn ging? Je öfter er diesen Namen vernahm, je länger Julie über ihn sprach, desto schwieriger wurde es seinen Zorn zu unterdrücken, er musste sich regelrecht auf die Zunge beißen um nicht zu platzen und vielleicht Dinge loszuwerden, die er später unheimlich bereuen würde. Vielleicht hatte er kein Recht gehabt, sich in ihre Beziehung einzumischen, doch wie würden bitte andere reagieren? Würden sie das einfach so hinnehmen und nichts tun? Wenn man jemanden kaum liebte oder wenn einem die Person egal war, dann konnte man gerne mit einem Schulternzucken die gesamte Situation abwinken, doch für Blake war Julian Familie, er war das Einzige, was ihm geblieben war und das Wichtigste in seiner kleinen Welt, wie sollte er dann so etwas einfach akzeptieren, wie sollte er sich nicht um ihn sorgen?!
„Musst du ihn wirklich so dringend sehen? Das letzte Mal, als du ihn gesehen hast, hat er dich fast auf dem Gewissen gehabt, ich finde, da ist es nicht mehr so einfach zu wissen, ob es beim nächsten Wiedersehen nicht ähnlich verläuft! Julie, bitte….gib dir doch nicht auch noch die Schuld dafür, ganz gleich ob er Tage oder Wochen ohne Essen verbracht hatte, er ist alt und erfahren genug um zu wissen, was passiert, wenn er dich in seinem Hungerzustand empfängt und er weiß erst recht, was passiert, wenn man in diesem Zustand ausgerechnet Fabelwesenblut trinkt! Es gibt Vampire, die schon seit Jahren niemanden angefallen haben und gut über die Runden kommen, indem sie anders an ihr Blut kommen. Wieso hatte er sich nicht Gedanken darüber gemacht?“, seine Hände ballten sich zu Fäusten, so fest, dass er spürte wie die Nägel sich in sein Fleisch bohrten. Es war zum Verrücktwerden wie überzeugt die Huldra doch war, dass es seine Verschuldung war, dass er nun bei Charles um Vergebung suchen musste, dabei war es doch der Vampir gewesen, der alles versaut hatte, der nur beten sollte, dass man ihm vergab. Hoffentlich würden die Schuldgefühle ihm den Schlaf rauben.
„Ich kann einfach nicht verstehen wie es dazu kommen konnte, er war doch so angetan von dir, wie konnte er dir so etwas jemals antun! Julie, verstehst du überhaupt in welch eine Lage er dich gebracht hat? Was, wenn sein Rausch länger angedauert hätte, was, wenn du in diesem Haus gestorben wärst, während er seinen Blut- Kick auslebte? Du wärst gestorben und niemand hätte es rechtzeitig mitbekommen, das hier war schieres Glück und ich will es nicht darauf ankommen lassen, dass so etwas ein nächstes Mal passiert.“, entschlossen starrte er in das Gesicht seines Gegenübers, welches bei dem Anblick der Tränen jedoch sofort wieder erweichte. Der Gelockte konnte sich gar nicht vorstellen wie stark er ihm das Herz mit all dem brach, wie sehr er an ihm und an der gesamten Situation verzweifelte, vor allem, weil selbst jetzt noch Charles solch eine wichtigere Rolle zu spielen schien, wo er ihn doch eigentlich fast auf dem Gewissen hatte. „Bitte, jetzt sei doch nicht traurig, ich will doch nur, dass es dir gut geht, siehst du das denn gar nicht? Ist es so viel wichtiger, dass er hier ist? Ich meine….ich werde ihn suchen gehen und du hast eine Minute um mit ihm zu reden…wenn es das ist, was du gerade mehr als alles andere möchtest.“, er konnte Julie den Wunsch nicht mehr ausschlagen, vielleicht, weil er sich selbst irgendwie geschlagen gab, dass er noch irgendwas bewirken oder irgendwie helfen konnte. Doch er wollte keine Szene deswegen machen, wenn sein bester Freund damit einverstanden war, den anderen für einen kurzen Augenblick zu sehen, dann würde er dies auch gewähren, doch sie alleine zu lassen, geschweige denn ihn hier lange im Zimmer zu behalten, das würde er ganz sicher nicht dulden!

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Fr Feb 26, 2016 12:45 am

Obwohl Julian sich hätte denken können, dass Blake nicht begeistert sein würde, dass es Julian so sehr nach Charles verlangte, war er dennoch enttäuscht von den harschen Worten, die man ihm entgegenbrachte. Langsam senkte er den Blick auf seine Bettdecke, wo sich seine Finger nervös umschlungen hatten. Das alles hier fühlte sich so surreal und falsch an. Blake, wie er ihm darlegte, wie er hätte sterben können, sein Hass auf den Vampir…..Es war nicht so, dass die Huldra Blake nicht verstehen konnte oder dass er wütend auf den Faun war, immerhin sagte er das alles nur, weil er sich fürchterlich um ihn gesorgt hatte, aber musste er ihn denn so stark vor eine Entscheidung stellen? Hilflos verkrampften sich Julians Hände in der Bettdecke; Blakes Blick zu begegnen kam ihm nicht wie eine gute Entscheidung vor. Wenn er dem Faun jetzt widersprach, würde er sich doch sicherlich nur angegriffen fühlen. Die Wut stand ihm sowieso schon so ins Gesicht geschrieben. Aber Julian konnte sich ihm einfach nicht ergeben, die Liebe zu Charles mochte ihn blind machen, aber er wusste doch auch, dass der Faun die Situation nicht ganz richtig einschätze. Charles würde sich nicht auf ihn stürzen, Blake kannte doch den ganzen Stress der letzten Wochen nicht, Julians eigene Eifersucht, die dieses Thema überhaupt erst aufgerollt hatte.
„Blake, hör auf damit, bitte“, presste die Huldra leise hervor und Tränen tropften heiß auf seinen Handrücken.
„Ich will mich doch gar nicht zwischen dir oder Charles entscheiden, wenn es dir ein wenig Sicherheit verschafft, kannst du doch auch mit Charles im Raum bleiben!“, wandte Julian ein, einem Geistesblitz folgend, der ihm gekommen war. Vermutlich war es nicht gut, dass er sich so sehr aufregte, dass seine Haut ganz rot und fleckig wurde, eine der Maschinen, an die er angeschlossen war, begann sogar für einen Moment bedrohlich zu piepsen. Erschrocken wandte sich Julian zu dem Kasten um und beobachtete die blinkenden grünen Linien auf dem Monitor für eine Weile, bis sie sich wieder beruhigt hatten und in ihre sanften Spitzen zurückfielen.
„Aber, wenn du Charles jetzt nicht zu mir lässt, glaubt er doch wohlmöglich noch, dass ich ihn wirklich nicht mehr sehen will und ich….das kann ich nicht, Blake, ich würde mein Leben für ihn opfern, ich kann ihn nicht verlassen!“
Julian merkte, dass Blake nicht zufrieden mit seinen Worten war, ganz und gar nicht, doch er sah mit einem Seufzen davon ab, noch weiter zu diskutieren. Unendliche Dankbarkeit durchflutete den schmalen Körper, als sich der Faun tatsächlich auf die Suche nach dem Vampir machte, anstatt diese Diskussion weiter zu führen, die sich vermutlich sonst noch in einen Streit ausgeweitet hätte, und ein Streit war wirklich das allerletzte was Julian wollte. Noch dazu war er sich ziemlich sicher, dass es für seine Genesung keineswegs förderlich gewesen wäre. Wie lange Blake tatsächlich fort gewesen war, wusste Julian im Nachhinein gar nicht mehr. Er war zwischenzeitlich eingenickt und die kurze Bewusstlosigkeit mochte nur wenige Minuten oder gar eine Stunde gewesen sein. Jedenfalls hob die Huldra nur träge und langsam den Kopf, als er plötzlich das Öffnen der Tür und aufgeregte Stimmen vernahm. Seine schweren Augenlider wollten sich nur zaghaft öffnen, als hätten die Medikamente in seinem Körper sie mit bleiernen Gewichten behangen. Als er sich leicht auf die Seite drehte, spürte er erneut die Nadel in seinem Arm und sog zischend Luft zwischen den Zähnen ein. Es dauerte einen Moment, bis die Übelkeit und leichte Panik ihn wieder verlassen hatten und es ihm gelang, die hochgewachsene Gestalt des Vampirs zu fixieren.
Charles sah gut aus und gleichzeitig grauenvoll. Seine Hautfarbe war nicht mehr so krankhaft bleich wie in den letzten Wochen, seine Wangen wieder voller und seine Augen nicht so blutunterlaufen. Natürlich war er immer noch ein Vampir, aber in diesem Rahmen sah er gesund und frisch aus. Julian hatte ihn in den letzten Tagen viel zu oft am Rande seiner Kräfte erlebt und zwischen jener kümmerlichen Gestalt und dem Vampir, der jetzt zögerlich vor seinem Bett stehen blieb, lagen Welten. Entgegen aller Umstände brachte die Huldra ein schwaches Lächeln zustande.
„Also bist du doch noch nicht verschwunden“, murmelte er erleichtert und versuchte sich langsam im Bett aufzusetzen. Für einen Moment wurde der Huldra schwindelig und er hielt für kurze Zeit in seinen Bemühungen inne. Als er sich wieder gefangen hatte und Charles´ Blick begegnete, sackte ihm sein guter Mut jedoch wieder schwer in der Kehle hinab.
„Charles, es tut mir leid, dass ich dich in diese Lage gebracht habe, ich….das alles wäre gar nicht erst passiert, wenn ich nicht so egoistisch gewesen wäre.“
Die Stimme der Huldra bröckelte und begann sich zu überschlagen und sein Blick versuchte hilflos eine Erwiderung aus den grauen Augen einzufangen.
„Bitte nimm das nicht als Anlass, um mich zu verlassen, Charles, bitte nicht.“
Julian konnte es nicht verhindern, allein bei dem bloßen Gedanken wurde ihm schwindelig und er wusste nicht, wohin mit sich. Was war er denn schon ohne Charles? Er konnte ihn nicht verlassen, das ging einfach nicht, nein! Zittrig streckte er seine Hand nach dem Vampir aus in der Hoffnung, dass er sie auch ergreifen würde. Angst und Panik stiegen wie eiskaltes Wasser an ihm herauf und unbewusst bemerkte Julian das erneute besorgte Piepsen des Apparats neben ihm anschwellen.
„Ich bin dir nicht böse, ich habe keine Angst vor dir, du bist kein Monster, bitte glaub mir das. Ich will dich nicht verlieren“, presste Julian zitternd hervor und wagte es, die kühle Hand des Vampirs zu ergreifen und ihn ein bisschen näher an sich heran zu ziehen.
„Ich habe wirklich Probleme mit Krankenhäusern und Spritzen und ich…..kannst du irgendwie bei mir bleiben und mir helfen, dieses blöde Ding in meinem Arm zu vergessen?“

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Sa Apr 23, 2016 3:17 pm

Es kostete Blake unglaublich viel Überwindung den Raum zu verlassen und nach Charles zu suchen. Ein Teil in seinem Kopf, ein großer Teil, wünschte sich, dass die Gestalt schon längst das Krankenhaus verlassen hätte, nur um noch mehr Gründe zu haben ihn zu verachten, doch da war er- saß besorgt zwischen anderen Menschen und starrte verzweifelt den Boden an.
Es war nicht so, dass er ihn die ganze Zeit aus Eifersucht oder anderen Gründen heraus begann zu hassen, eigentlich wünschte er sich sogar irgendwie all die positiven Dinge zu sehen, die Julie in ihm sah, doch dafür fehlten ihm wohl die amourösen Gefühle um irgendwie über dieses Ereignis hinwegzusehen, was passiert war, darüber hinwegzusehen, wozu dieses Wesen fähig war. Diese Situation war grundlegend beschissen, der Tätowierte wollte nicht an den Fabelwesen zweifeln, es war nicht seine Art das Schlechte in ihnen zu sehen und dennoch konnte er das Gefühl nicht unterdrücken, dass er Charles nicht trauen konnte und dass sein bester Freund in der Nähe des Vampirs vorsichtig sein musste.
Wieso passierten solche Dinge?!
Wie gerne Blake doch einfach wieder kehrt gemacht hätte, doch als dieser kleine Gedanke beinahe in die Tat umgesetzt wurde, hatten die unmenschlich hellen Augen ihn bereits erfasst und eine Welle von Hoffnung spiegelte sich auf dem hübschen Gesicht des Blutsaugers. Jetzt hatte er wohl keine andere Wahl als ihn tatsächlich mitzunehmen.
Blake verzog leicht das Gesicht, trat einige Schritte näher auf die ältere Gestalt zu, ihn einen Moment lang stumm anblickend ehe sich sein Mund öffnete. „Julie will dich sehen und weil meine Meinung einen Scheiß zählt, habe ich wohl keine andere Wahl als ihm seinen Wunsch zu erfüllen. Aber was man nicht alles für die, die man liebt tut, nicht wahr?!“, Blake verschränkte seine Arme vor der Brust, blickte den schwarzhaarigen Mann verurteilend an. „Spar dir irgendwelche Worte und folge mir einfach, ich will mich mit dir nicht länger befassen als ich muss.“, seine blauen Augen würdigten den Vampir ab diesem Zeitpunkt keines Blickes, der schmale Körper machte mit einem Satz kehrt und schlenderte zurück zu den Krankenzimmern, zurück zu Julie, dabei den Schritten lauschend, die ihm folgten.
Charles war wenigstens schlau genug und hatte keine Diskussion oder gar einen Streit angefangen, hatte tatsächlich kein Wort mit ihm gewechselt und trottete schuldbewusst hinter ihm her, hinein in das Zimmer, wo die Huldra bereits auf sie wartete.
„Ich warte draußen…glaub nur nicht, dass ich deswegen nichts mitbekomme, mach es dir hier nicht zu bequem und tu Julie bloß nicht weh!“; Blake funkelte den Vampir zornig an ehe er erneut durch die Tür verschwand und im Flur darauf wartete, dass sie fertig waren. Er fühlte sich nicht wohl bei dem Gedanken Julie mit diesem Monster alleine zu lassen, doch er wollte auch nicht sehen wie der Blondschopf begann sich für etwas zu entschuldigen, was nie seine Verschuldung war, er wollte nicht noch mehr Steine in den Magen gestopft bekommen, schienen doch alle ganz anders zu denken und die Situation anders einzuschätzen als er es tat. Er kam sich wie ein kleiner Junge vor, dessen Meinung nicht wichtig genug war um beachtet zu werden, doch der Zeitpunkt hätte nicht schlechter sein können um darüber zu streiten, sodass er es einfach hinnahm.
Charles war krank vor Sorge, die Angst, dass Julian sich seinetwegen vielleicht in einem sehr schweren Zustand befunden hatte, schnürte ihm lediglich die Kehle zu und wenn er noch Luft zum Atmen gebraucht hätte, würde ihm diese wohl in diesem Moment ausgehen. Es zehrte an seinen Nerven, er fühlte sich so schrecklich schuldig, so dumm, dass er es so weit getrieben hatte, dass er es jemanden angetan hatte, den er so sehr brauchte, der ihm so wichtig war und sein Leben lebenswerter gemacht hatte, dass er sich wieder viel jünger fühlte als er eigentlich war.
Er hätte nie gedacht, dass Blakes Gesicht ihn mit solch einer Hoffnung erfüllen würde, doch genau das verspürte der Vampir als er das andere Fabelwesen am anderen Ende des Raumes erblickte. Natürlich hätten es auch schlechte Neuigkeiten sein können, doch dafür war die Haltung und sein Ausdruck nicht ernst genug, seine Gefühle waren anders und Charles wusste, dass jedes Lebewesen sich anders verhielt, wenn die Lage sehr ernst war. So konnte also zumindest nichts Schlimmes passiert sein, vielleicht ging es Julian sogar besser!
Der Dunkelhaarige hatte kaum Zeit um auch nur ein Wort zu sagen, stattdessen hatte Blake bereits auf ihn eingeredet, vorwurfsvolle Bemerkungen gemacht und anschließend ihm verboten den Mund aufzumachen. In jeder anderen Situation hätte er sich so etwas niemals gefallen lassen, oh nein, selbst jetzt spürte er, wie es einen gewissen Zorn in ihm auslöste, doch dieser erlosch schnell, als ihm bewusst wurde, dass er eigentlich keine bessere Behandlung verdient hatte. Abgesehen davon konnte er sich als glücklich schätzen, dass der Blondschopf immer noch das Verlangen hatte ihn wiederzusehen. Es hätte wahrscheinlich niemanden gewundert, wenn Julian diesen Unfall als Grund nahm um für immer Abstand von Charles zu gewinnen und er hätte es absolut verstehen können, er konnte sich ja selbst kaum noch in die Augen sehen, geschweige denn mit dieser schrecklichen Tat leben. Es tat weh zu wissen, dass er in der Lage war die zu verletzten, die er so sehr liebte; es tat weh zu realisieren, dass er nichts weiter als ein Raubtier war, das sich nach all den Jahren nicht zügeln konnte. Und trotzdem wollte sein Geliebter ihn sehen, wollte ihn in seiner Nähe haben.
Seine grauen Augen musterten die schlanke Gestalt vor ihm, dachte darüber nach wie er reagiert hätte, wenn er an Blakes Stelle gewesen wäre und immer stärker begann er seine Abneigung zu verstehen, die er ihm gegenüber hegte, den Wunsch, dass er fernblieb und der Angst, dass er Julian nochmal wehtun könnte. Er hatte mehr als nur ein gutes Recht gehabt ihm in allen Disziplinen zu misstrauen, immerhin war Julian seine Familie, er liebte ihn vielleicht genauso wie Charles es tat und wollte, dass es ihm gutging, wollte ihn beschützen vor solchen Gefahren.
Charles war so in seinen Gedanken vertieft, dass ihm kaum aufgefallen war, dass sie das Zimmer betreten haben, wo die Huldra lag, geschwächt ihm Krankenbett und angeschlossen an einigen Geräten. Sein Blick wanderte zum Blutbeutel, es war nicht mehr viel übrig, was in den Körper des Blondhaarigen langsam floss, doch er konnte sich denken, dass es nicht der erste und vielleicht auch nicht der letzte Blutbeutel war. Diese Realisation, dass das wirklich nur seinetwegen passiert war, fühlte sich auf einmal noch schrecklicher an als es ohnehin schon war. Der Vampir hatte einen riesigen Kloß im Hals, war unfähig irgendetwas zu sagen; er versuchte die Zeit, in der Blake noch einmal zu ihnen gesprochen hatte, zu nutzen um seine Worte zusammenzufügen, um sich angemessen bei Julian zu entschuldigen, auch wenn es wahrscheinlich kaum möglich gewesen war, doch kaum war die Tür zugefallen, waren auch all seine schön platzierten Worte in seinem Kopf zerstreut worden und er wusste nicht mehr, wo er am besten beginnen sollte.
„Ich würde niemals einfach so gehen ohne zu wissen, wie es dir geht.“, erwiderte der Vampir, zwang sich wenigstens zu einem halben Lächeln, was jedoch schnell wieder einem besorgten und schuldbewussten Blick wich. Es war nicht einfach sich nicht schlecht zu fühlen und all das irgendwie zu ignorieren. Julian war beinahe so blass wie er selbst, er war so geschwächt worden und dieser Zustand war seine Schuld, seine eigene Dummheit.
Charles wollte ansetzen und sich für sein Verhalten, für alles, was er ihm angetan hatte, zu entschuldigen, doch die Huldra war ihm zuvor gekommen.
„Julian…bitte…bitte entschuldige dich für nichts, dich trifft absolut keine Schuld und dir braucht absolut nichts leid zu tun! Ich habe dir wehgetan und dir fast dein Leben geraubt, ich habe dich beinahe verloren und das ist das Schlimmste, was ich dir je hätte antun können. Keine Entschuldigung der Welt kann meine schreckliche Tat je wiedergutmachen.“, zögerlich trat er einen kleinen Schritt näher an das Krankenbett heran, wusste jedoch nicht, ob Julian wirklich wollte, dass er ihm zu nahe kam, doch auf der anderen Seite wollte er nicht, dass er sich so aufregte, er wollte, dass er sich wieder beruhigte und das schien nicht zu funktionieren, wenn er Abstand gewann.
Charles konnte nicht ganz verstehen, wie Julian nach all dem ihm immer noch vertrauen konnte, doch er wollte keine Diskussion anfangen oder ihm all die Gründe nennen wieso es vielleicht besser gewesen wäre, wenn Julian für immer Abstand zu ihm gewann, dass er eine Gefahr war und wahrscheinlich besser dran wäre, wenn er sich in seinem Haus für immer einsperrte oder für mehrere Jahrhunderte einbuddelte.
All das stand nun nicht im Fokus, wichtig war, dass sein Freund sich wieder gut fühlte, er brauchte innere Ruhe und ganz sicher keinen schuldbewussten Vampir, der sich schrecklich fühlte und nicht daran glaubte, dass er irgendwelche Zärtlichkeiten oder gar die Nähe des Gelockten verdient hatte.
Stattdessen trat er noch ein wenig näher an Julian heran, nahm vorsichtig seine Hand. „Du hast mich nicht verloren, ich bin hier und genau hier werde ich auch bleiben, das verspreche ich dir. Mach dir keine Sorgen, du brauchst diese Aufregungen jetzt nicht.“, er blickte den Jüngeren besorgt an, ließ seinen Blick bei den nächsten Worten auf seinen Arm wandern, in welcher die Nadel steckte, die er wahrscheinlich nicht so schnell wieder loswerden würde.
„Ich werde mein Bestes tun, dass du nicht mehr an sie denkst.“, entgegnete die dunkle Stimme des Vampirs ehe er sich leicht über die schmale Gestalt beugte und ihm einen sanften Kuss auf die Lippen drückte.
Wahrscheinlich würden normale Worte nicht ausreichen um die Huldra zu beruhigen, doch zum Glück war er auch kein normaler Mensch, sodass er von seinen Kräften Gebrauch machte und Julians gesamte Aufmerksamkeit erlangte. „Schau einfach nur mich an, okay? Du brauchst ein wenig Ruhe und ein wenig Schlaf, du musst wieder Farbe gewinnen, ich kann deine Sommersprossen auf dem Gesicht ja kaum erkennen, so blass wie du bist. Wenn wir gemeinsam die Straßen entlang spazieren, würde das nur auffallen, so sehe ich neben dir nur wie ein zu blass gewordener Engländer aus.“, seine Lippen formten ein leichtes Lächeln, während seine Finger sanft durch das lockige Haar fuhren. „Wo wir bei Farben sind…ich habe neulich etwas von Selbstbräuner gelesen, vielleicht würde ich so weniger tagsüber zwischen all den Menschen auffallen, du kennst dich vielleicht mit solchen Dingen ein wenig besser aus, was sagst du dazu?“, der Dunkelhaarige versuchte alles um ihn abzulenken und irgendwie versuchte er seinen eigenen Verstand auf andere, schrecklich banale Dinge zu lenken, solange er noch die Möglichkeit hatte und solange Julians Augen noch geöffnet waren.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Fr Jun 03, 2016 11:22 pm

Julian war erleichtert, dass der Aufenthalt im Krankenhaus nicht länger als einige wenige Tage gewesen war. Seinen Bluthaushalt hatte man eigentlich schon am ersten Tag wieder ausgeglichen, doch die Ärzte schienen merkwürdig besorgt um ihn zu sein und behielten ihn noch ein paar Tage zur Beobachtung da. Die Huldra wusste, dass man nur das Beste für ihn wollte, dass die Ärzte –wenn auch zu Unrecht – Sorge hatten, ihn so einfach zu Charles zurückzuschicken. Wenn man sich Blakes permanent von dunklen Wolken behangenes Gesicht ansah, dann stimmte er ganz mit den Ärzten überein. Das war wohl tatsächlich das Schlimmste am Krankenhaus, schlimmer noch als die Nadel, die viel zu lange in seinem Arm gesteckt hatte: diese Enge und das damit verbundene permanente Aufeinandertreffen zwischen Blake und Charles. Blake hatte den Vampir nicht auch nur eine Sekunde lang vergessen lassen, wem er die Schuld an allem hier gab und auch, wenn er es Julian gegenüber nicht offen zeigte: Charles schien von dieser Version der Geschichte auch viel eher überzeugt zu sein. In der Gegenwart des Lockenkopfes versuchten sich beide möglichst entspannt und normal zu verhalten, doch Julian stand nicht so sehr neben der Spur, dass er nicht bemerkt hätte, was los war. Vermutlich konnten sogar die Ärzte die dicke Luft förmlich anfassen, die permanent in seinem Krankenzimmer herrschte. In den ersten zwei Tagen hatte Julian körperlich nicht einmal die Möglichkeit gehabt, sich den Kopf darüber zu zerbrechen und auch später, als er das Bett verlassen durfte und nur noch auf die Entlassung durch die Ärzte wartete, wusste er nicht, wie er mit der Situation umgehen sollte.
Dass seine Meinung Blake nur aufregen würde, hatte Julian bereits deutlich erlebt, doch in diesem Punkt konnte und wollte die Huldra ihren Standpunkt einfach nicht ändern. Hätte er sich der Meinung des Fauns angeschlossen, wäre die einzige logische Konsequenz gewesen, Charles zu verlassen. Allein der Gedanke daran ließ Julians Eingeweide zu einem eisigen Klumpen werden. Aber je mehr Zeit er mit Charles verbrachte, desto wütender und distanzierter wurde Blake und das war ein Umstand, den die Huldra ebenso wenig ertragen konnte. Der ganze Stress und Streit, die in die Woche nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus andauerten, schlug sich sichtlich auf das Gemüt des Blondschopfes. Streit und Zwist schlugen sich hart auf die Laune der Huldra nieder. Er war nicht einmal wirklich wütend oder kurz vor einem zornigen Anfall; stattdessen war er vollkommen ratlos und merkte, wie er in Blakes Gegenwart immer stiller wurde aus Angst, etwas Falsches zu sagen.
Dabei versuchte Julian doch sogar, so viel Rücksicht wie möglich auf den Faun zu nehmen, ohne gleichzeitig Charles zu vernachlässigen. Nach dem Vorfall hatte die Huldra ursprünglich einige Tage bei dem Vampir bleiben wollen. Charles sollte merken, dass Abstand das Letzte war, was die Huldra begehrte. Er wollte ihrer Beziehung keinen Knacks zufügen und verkehrte Signale senden, doch es brauchte keine besonders eindringliche Vorstellungskraft, um sich klarzumachen, was Blake davon halten würde. Verständlicherweise würde er sich vernachlässigt fühlen und so versuchte die Huldra stattdessen eine gute Balance zwischen dem Anwesen des Vampirs und ihrer kleinen Wohnung zu finden, was durchaus nicht einfach war und an seinen Nerven zehrte.
Allerdings schien die Tatsache allein, dass Julian die Beziehung mit dem Vampir nicht beendet hatte, schon ein rotes Tuch zu sein. Nach Hause zu kommen und statt seines sonst so unbekümmerten besten Freundes auf eine Wand von Skepsis und Wut zu treffen…..Es fügte der Huldra beinahe körperlichen Schmerz zu. Er fühlte sich nicht einmal mehr wohl dabei, sich nachts an Blake anzukuscheln und in seinen Armen einzuschlafen. Den Wunsch, die Nächte mit Charles zu verbringen, versuchte Julian schon im Keim zu ersticken, es würde dieser ganzen verzwickten Situation nicht gut tun, wenn er tatsächlich anfing, eine Seite zu bevorzugen. Dennoch, diesen Stein in seiner Magengrube konnte Julian nur so schwer verbannen. In den letzten Tagen hatte sich noch etwas anderes eingeschlichen, was der Huldra in ihrer eigenen Wohnung Unbehagen bereitete. Tatsächlich dauerte es einige Tage, bis Julian wirklich festlegen konnte, was ihn eigentlich störte, doch dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Normalerweise war ihre Wohnung ein geschützter Ort, in dem sie beide ihre Tarnung fallen lassen konnten, doch in letzter Zeit bewegte Blake sich oft in menschlicher Gestalt durch das Haus. Julian wusste nicht wieso. War das ein weiterer Anhaltspunkt für Blakes Distanzierung? Fühlte er sich etwa in Julians Nähe nicht mehr wohl genug, um seine Tarnung fallen zu lassen?
Die Gedanken über diese unschöne Situation bestimmten beinahe Julians ganzen Tagesablauf. Aus Angst, den Faun zu vernachlässigen hatte Julian den Vampir heute früh verlassen und auf dem Rückweg noch eine Kleinigkeit zu essen organisiert. Als er mit dem chinesischen Takeout in die Wohnung zurückkehrte, wartete schon ein unglücklich wirkender – menschlicher- Blake auf ihn. Mit beinahe schuldbewusster Miene und gesenkten Ohren wagte Julian zum ersten Mal einen Schritt nach vorn.
„Blake, ich…..was muss ich tun, damit du wieder du selbst bist?“, fragte Julian mit zittriger Stimme, während der exotische Geruch des Essens die Küche erfüllte. Betreten blickte der Lockenkopf auf seine Finger hinunter, die sich nervös miteinander verschlungen hatten.
„Es kann mir nicht leid tun, dass ich Charles nicht verlassen habe, bitte, was muss ich tun, dass du diesen Punkt irgendwie überwindest? Es ist unfair, dass du mich so vor die Wahl stellst“, platzte Julian schließlich heraus und war selbst überrascht über die leichte Note von Zorn, die sich in seine Stimme geschlichen hatte. Erschrocken schlug die Huldra eine Hand vor den Mund. Bei dem harten Blick des Fauns bereute er es beinahe.
„Traust du mir denn gar nicht mehr, Blake? Ich….ich weiß doch, dass du dir Sorgen machst, aber ich bin auch kein kleines Kind mehr! Traust du mir denn gar nicht zu, dass ich meine eigenen Entscheidungen treffe?“
Je mehr Julian redete, desto zittriger wurde seine Stimme. Nein, eigentlich war er nicht einmal wirklich wütend, er war verzweifelt und ratlos und er wollte doch nur, dass Blake ihm nicht mehr böse war.
„Ich meine, du willst ja nicht einmal….Du zeigst dich mir gegenüber nicht einmal mehr als Faun, du bist ständig in Menschengestalt, ich dachte…..ich dachte, wir wären hier sicher!“

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Fr Jun 10, 2016 1:33 am

Es war nicht so, als ob Blake sich so gar nicht darüber gefreut hatte, dass Julie nur nach wenigen Tagen endlich das Krankenhaus verlassen konnte und auch sonst keine bleibenden oder zu großen Schäden angerichtet worden waren, dass er noch eine lange Zeit hätte behandelt werden müssen. Nachdem sein Bluthaushalt wieder in Ordnung war und er wieder neue Kraft getankt hatte, schien doch beinahe alles wieder wie beim Alten zu sein! Nur, dass leider nichts beim Alten geblieben war.
Allein schon während des Krankenhausaufenthalts hatte sich der Dunkelhaarige mehr als nur einmal in den Haaren mit dem Vampir, dem sie all das erst zu verdanken hatten. Wenigstens schienen sie sich in einem einig zu sein, dass die Schuld ganz allein bei dem Blutsauger lag, doch zu weiteren Einigungen war er einfach nicht bereit gewesen. Es war nicht so, dass er ihn einfach aus Prinzip nicht mochte oder sauer auf ihn war und Eifersucht spielte nun wirklich keine Rolle hier! Das Einzige, was wichtig war, war das Wohlergehen seines besten Freundes und dieser war immer noch so blind vor Liebe, dass er am liebsten direkt wieder in die Arme des gefährlichen Wesens, den er als seinen Freund bezeichnete, gelaufen wäre.
Es machte ihn wütend, der Tätowierte konnte die Wut in seinem Bauch gar nicht richtig in Worte fassen. Er war wütend auf Charles, wütend auf Julie, auf diesen Zustand und den verdammten Zwischenfall zwischen den beiden. Er war wütend, dass offenbar niemand ihn so ganz verstehen konnte und besonders war er wütend auf sich selbst.
Er musste zugeben, es waren keine angenehmen Tage, die die beiden in der kleinen Wohnung verbracht hatte und selbst die Nähe zu seinem besten Freund im gemeinsamen Bett fühlte sich mehr kalt und bitter an als dass er es genoss, Jedes Mal, wenn der Gelockte die Wohnung verließ um sich wieder mit Charles zu treffen, fühlten sich an wie ein Stich in seinem Herzen, als hätte jemand einen Eiszapfen direkt in seine Brust gerammt und ihm bliebt bis zum Ende des Tages nichts anderes übrig als sich mit diesem Gefühl abzufinden und in all den Sorgen zu ersticken, die ihn jedes Mal übermannten, wenn die Tür zuknallte und das vertraute Gesicht der Huldra nicht mehr da war.
Wahrscheinlich hätte er es wertschätzen müssen, dass Julie ihn nicht ganz vernachlässigte und komplett abgehauen war zu dem gefährlichen Monster, das sein Gehirn benebelt war, doch irgendwelche freudigen Gefühle waren nicht wirklich möglich gewesen, nicht nach diesem Zwischenfall.
Es war eine widerwertige Mischung aus Wut, Angst, Sorge und Schuldgefühle, die gegen seine Magengrube schlugen und er wusste nicht, wie er so etwas verdrängen sollte. Blake hatte eigentlich immer eine gute Lösung für alles finden können und so etwas wie einen Keil zwischen ihm und dem Blondschopf zu treiben- das war ganz sicher nicht die beste Lösung, auch wenn ihm bewusst war, dass so, wie es momentan zwischen den beiden abging, er wahrscheinlich auf dem besten Wege war ihn zu verlieren. Vielleicht war es ja doch eine gute Sache, vielleicht war es besser für beide, wenn sie nicht mehr so eng befreundet waren?
Ach, was dachte er da nur für einen Mist- es war ganz sicher nicht besser, Julie war mehr als nur ein bester Freund, er war die einzige Familie, die Blake überhaupt noch hatte, das einzige Wesen, das ihm das Gefühl gab wirklich glücklich zu sein.
Und dennoch war der Dunkelhaarige alles andere als glücklich und nicht einmal in der Lage klar zu denken, geschweige denn irgendwelche vernünftigen Entscheidungen zu treffen. Zu allem Überfluss hatte es ihn so sehr mit- und eingenommen, dass er kaum noch daran dachte, neue Tränke zu mischen um wenigstens seine Tarnung aufrecht zu erhalten. Wenn Blake jetzt noch daran denken musste, dass er Julie von Beginn an eigentlich belog mit seiner wahren Identität, dann hätte er sich wahrscheinlich vor lauter schlechten Gefühlen gleich die Kugel geben können.
Dabei wollte er das nie so weit treiben, es war nie sein Plan gewesen auf ewig diese Lüge zu leben und so zu tun, als wäre er etwas, was er eigentlich nicht war. Nun, er war kein Mensch- nicht in dem Sinne. Er war immer noch ein Fabelwesen, jedoch kein Faun. Sein Bruder- der war zur Hälfte einer und alles, was sein Körper unter dem Trankeinfluss repräsentierte, war die Spiegelung dessen, wie sein Bruder ausgesehen hatte…zumindest all die faunischen Attribute.
Blake hatte in dem Sinne nie ganz gelogen- es war einfach gewesen, sich in eine Rolle hineinzuversetzen, die ihm so vertraut war und es war einfach über ihr Schicksal zu erzählen, schließlich war es ihnen widerfahren, nur dass sie nicht ihm, sondern seinem Bruder die Hörner zersägt hatten. Blakes anfängliche Intention war einfach gewesen- er wollte Julie keine Angst machen, nicht mit seiner menschlichen Gestalt und schon gar nicht mit dem, was er eigentlich war.
Huldras fürchteten Hexen und taten alles, um denen zu entwischen. Was also würde Julian sagen, würde er herausfinden, dass sein bester Freund einer von ihnen war? Es gab kaum männliche Hexer, eigentlich waren sie ein seltenes Phänomen, das gar nicht auftauchen sollte, doch Blake gehörte zu dieser Seltenheit, dessen Äußeres dem eines Menschen glich, jedoch das Innere sich ganz klar von jeglicher primitiven Art eines Menschen unterschied.
Irgendwann war der junge Mann so tief in der Sache drin, dass er sich gar nicht mehr traute Julie die Wahrheit zu beichten und nun konnte er wohl auch nicht auf die Güte des anderen hoffen, weswegen auch?
Doch seine Gedanken hatten sich gar nicht so weit vorangetastet, dass es ihm früh genug aufgefallen war, dass er schnell genug handeln konnte ehe Julie stutzig wurde, weswegen er sich nur noch in menschlicher Form zeigte.
Heute war wieder einer dieser Tage- Blake hatte sich von der Arbeit entlassen für einige Tage, er konnte mit solch einem brummenden Schädel eh nichts tun ohne die anderen vielleicht zu belasten, so blieb er lieber daheim, hockte auf der Couch und hoffte, dass der Tag ein Ende nahm und er nicht zu lange mit seinem Mitbewohner darüber diskutieren musste, wie schrecklich er sich verhielt, wobei diese Diskussionen nie wirklich passierten, Julie ging ihm genauso aus dem Weg wie Blake unangenehmen Streitereien. Er war des Streitens müde und er war es leid, dass niemand seine Sorgen verstand, seine Angst, dass er wieder jemand wichtigen verlieren könnte.
Natürlich war der Lockenkopf wieder weg gewesen, hatte sich wieder zu ihm bewegt, weil es wichtig war für ihn und er durfte darauf warten, dass er zurückkehrte und nach Charles roch- ein Duft, der ihm mittlerweile schrecklich unangenehm war.
In seinen Ohren ertönte das Klimpern von Schlüsseln, gefolgt von einem leisen Öffnen der Tür, was ihn überrascht aufblicken ließ. Julian war früh für seine Verhältnisse und er schien sogar netterweise was zu essen besorgt zu haben, auch wenn Blake absolut keinen Hunger hatte.
Langsam, beinahe schwerfällig hatte sich der schmale Körper von der Couch erhoben, trottete langsam zu dem Kleineren hinüber um ihn anzublicken. Er brachte kaum ein Lächeln zustande und es fühlte sich eher so an, als ob seine Mundwinkel gar nicht mehr in der Lage waren, angehoben zu werden.
Das Fabelwesen ignorierte die Worte des anderen, musterte stattdessen seine Füße, die plötzlich so schrecklich spannend waren. „Bist aber echt früh heute….hast du Stäbchen mitgenommen?“, er wusste, dass es nichts bringen würde den Worten der Huldra auszuweichen, doch er wusste einfach nicht, was er noch sagen sollte.
Julie hingegen schien die Sache anders zu sehen und ließ nicht locker. Seine Worte waren harsch oder zumindest fühlten sie sich so an und Blake fühlte sich verletzt oder vielleicht auch erwischt, er wusste es selbst nicht genau, er wusste nur, dass es sich nicht gut anfühlte. Seine Augen verengten sich zu einem Schlitzen ehe er den Blick zum Blonden wandern ließ und ihn finster anblickte. „Ich stelle dich vor gar keine Wahl! Wenn ich das getan hätte, würden wir jetzt gar nicht miteinander reden!“, zischte die Stimme des Dunkelhaarigen zornig.
„Wenn du verstehst, dass ich mich sorge, dann müsstest du auch verstehen, dass es mir sehr schwer fällt ihm weiter zu vertrauen! Ich habe schon mal meine gesamte Familie verloren und ich konnte nichts dagegen tun, ich will nicht, dass so etwas noch einmal passiert, nicht, wenn ich die Möglichkeit habe, etwas dagegen zu tun! Verstehst du das denn nicht? Ich weiß doch, dass du alt genug bist, du bist älter als ich! Heißt das aber jetzt etwa, dass ich nicht einmal mehr das Recht habe dich zu beschützen? Soll ich mich nun aus allem raushalten, ist es das, was du willst?“, eigentlich war Blake gar nicht zornig, es tat nur alles so seltsam weh und er wusste nicht, wie er das überwinden sollte. Zu viele Gedanken waren in den letzten Tagen umhergekreist, allesamt schlimmer als die anderen. Er hatte sich die guten Tage zurückgewünscht, er wollte wieder sorglos sein, wollte vergessen, wie sich Trauer und Schmerz anfühlten. Wie es wohl Julie erst erging.
„Verdammt, natürlich vertraue ich dir noch, was soll der Schwachsinn denn wieder? Da hab ich mal keinen Kopf für Tränke und man muss mit dem leben, was ich bin und es wird mir direkt vorgeworfen! Ich brau‘ welche sobald ich wieder einen klaren Kopf habe.“, er winkte die Sache ab, so als wäre es nur eine Nebensache und an sich war es nur eine…nur mit dem kleinen Unterschied, dass sein bester Freund mit dieser Information wahrscheinlich wenig oder zu viel anfangen konnte.
Es hatte nicht lange gedauert bis ihm aufgefallen war, welche Worte gerade seine Lippen verlassen hatten und diesmal war es er, der seine Hände vor den Mund schlug, die Huldra mit großen Augen anblickend. Das war’s wohl mit ihrer Freundschaft und er versuchte sich schon mental darauf einzustellen, dass Julie seine Sachen packen, zu Charles ziehen und ihn für immer alleine lassen würde. Ja, das würde passieren, er konnte sich kein anderes Szenario vorstellen.
„Ich…das hat eine längere Hintergrundgeschichte, als man glaubt, also…ja. Ich bin kein Faun. Also, nicht wirklich, mein Bruder war einer und technisch gesehen kann ich auf ewig ein Faun sein, ich weiß alles darüber und ich weiß auch, dass du dich mit Wesen, zu denen ich gehöre, niemals abgeben würde. Ich…“, er ballte seine Hände zu Fäusten, kniff die Augen zusammen aus Angst vor dem Blick, den sein bester Freund ihm wahrscheinlich gerade schenkte, ehe die Wahrheit endlich aus ihm herausplatzte „Ich bin eine Hexe! Also…technisch gesehen ein Hexer und nein, ich bin keine Frau, ich bin nur eine Ausnahme und so…ich bin nicht böse, ich mach mehr Naturkram als schädliches Zeug, ich verfluche niemanden und ich reiße niemandem irgendwelche Organe raus um Tränke zu machen aber….ich bin was ich bin und ich wollte es dir so früh wie möglich offenbaren aber ich hatte Angst, du würdest nur flüchten. Wahrscheinlich willst du das jetzt ohnehin tun und ich kann nichts daran ändern. Am besten ich lasse dich in Ruhe deine Sachen packen oder so, wahrscheinlich willst du jetzt lieber bei Charles leben und mich für immer vergessen.“, Blake ließ seine Hoffnung und seinen Kopf hängen, in diesem Moment erschien es ihm so als ob nichts Gutes mehr passieren konnte, als ob er in einer ewigen Dauerschleife aus schrecklichen Gefühlen feststeckte und nie wieder hinausgelangen konnte.

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Di Sep 27, 2016 3:12 am

Wunden heilten und die Zeit konnte vieles wieder zusammenschweißen, was auseinander gebrochen war. Julian hatte in den letzten Wochen viel heilen müssen, dabei war er sogar noch derjenige, der bei dem ganzen Unfall noch am besten weggekommen war – auch, wenn Charles und Blake das vermutlich beide etwas anders sahen. Dass der Vampir sich immer noch hin und wieder Vorwürfe machte, konnte Julian in seinen Augen lesen, an kurzen Blicken, die ihm der Vampir manchmal zuwarf. Die Huldra konnte meist nicht anders, als sich dann nur noch bestimmter gegen den kalten Leib zu drücken und ihm zu bestätigen, dass ihre gegenseitigen Fehler sie nicht auseinander getrieben hatten. Sie hatten beide etwas von ihrer dunklen Seite preisgegeben, die sie wohl lieber versteckt gehalten hätten. Julian war eifersüchtig und egoistisch gewesen, hatte Dinge von Charles verlangt, die doch so lächerlich gewesen waren. Genauso wenig wie er selbst sich einfach verzeihen konnte, dass er dieses ganze Dilemma erst ins Rollen gebracht hatte, konnte Charles sich wohl nicht so einfach verzeihen, dass er dem Tier in sich freie Hand gelassen hatte, konnte Blake sich wohl nicht verzeihen, dass er Julian etwas vorgespielt hatte. Irgendwo, auf eine etwas boshafte Art war Julian froh gewesen, dass sich etwas ergeben hatte, was Blake ein wenig von seinem hohen Ross holte und ihn zurück auf den Boden der Tatsachen setzte. Sie waren alle nicht perfekt, sie alle hatten Macken und Geheimnisse. Obwohl die Huldra anfänglich gegen tief verzwurzelte Vorurteile ankämpfen musste, in denen Hexen ein Schrecken aus Kindertagen waren, er wusste, dass es lächerlich gewesen wäre, wenn er Blake einen bösen Hintergedanken unterstellt hätte. Die schiere Tatsache, dass er sich so lang für etwas anderes hatte ausgeben können war wirklich bemerkenswert und eigentlich fand Julian es furchtbar spannend, dass Blake wirklich ein Hexer sein sollte. Da waren Facetten, die er zuvor noch nicht kennengelernt hatte an seinem Freund! Er kannte Blake einfach schon zu gut, um in ihm etwas Furchterregendes und Boshaftes lauern zu sehen. Dies war ihre Gelegenheit gewesen, um sich miteinander auszusöhnen und die Streitereien beiseite zu schieben und Julian war froh, dass sie sie beide ergriffen hatten. Blake hatte ihm sogar einen ganzen verborgenen Raum in ihrer Wohnung gezeigt! Ein dunkles Zimmer voll behängt mit Kräutern und merkwürdigen Pflanzen und mit Gläsern, die Pulver und Organe und eingelegte Augen enthielten! Die Huldra war aus dem Staunen beinahe gar nicht mehr herausgekommen, so magisch hatte dieses kleine Zimmer gewirkt. Nun bestand eiin Großteil ihrer gemeinsamen Zeit darin, dass Julian neugierig über die Schulter sah, wenn Blake seine Tränke und Zauber fertigte. Tatsächlich benutzte Blake keinerlei Geschöpfe gegen ihren Willen und zu was der junge Hexer alles fähig war, war schier beeindruckend. Es war erleichternd, dass diese Offenbarung die Feundschaft zwischen ihnen letztlich nur noch enger zusammen geschweißt hatte. Mittlerweile konnte er sich auch wieder bei Charles aufhalten, ohne, dass Blake direkt eifersüchtig oder wütend auf ihn wurde und das hob eine unglaublich schwere Last von Julians Schulter.
So sehr er das einfache Leben mit Blake auch genoss, ein Leben ohne Charles war außerhalb seiner Vorstellungskraft gerückt. Ihre Zweisamkeit, die mittlerweile etwas vorsichtiger und behutsamer war, fühlte sich einfach so besonders an, dass Julian es kaum in Worte fassen konnte. In den ersten Wochen nach dem Unfall war es durchaus schwierig gewesen und der Lockenkopf wäre manchmal beinahe verzweifelt, aber die ersten Hürden schienen genommen und sie schienen enger verbunden als je zuvor. Julian war sich ziemlich sicher, dass er nicht übertrieb, wenn er sagte, dass er für immer mit dem Vampir zusammen bleiben wollte. Es war, als wenn er den zweiten Teil seiner Seele gefunden hätte, von dem er bis dahin nicht einmal gewusst hatte, dass er ihm fehlte. Doch mit jedem Tag, den er mit Charles verbrachte wurde ihm nur umso klarer wie vollkommen das Leben mit ihm war. Wenn er abends in seinen Armen einschlief – oder morgens, wenn sie sich an den Schalfrythmus des Vampirs hielten – fühlte er sich geborgen und zuhause.
Blake war diese Woche außerhalb der Stadt unterwegs, irgendeine Hexensache und Julian konnte es nicht ausstehen, wenn er in ihrer kleinen Wohnung ganz allein war, sodass er sich für die Woche bei Charles einquartiert hatte. Auch dort war er beizeiten alleine, doch allein der Gedanke daran, dass Charles in einigen Stunden von der Arbeit zurückkehren würde, war genug, um Julian über die Runden zu bringen. Sein Freund hatte ihm einige malerische Aufgaben überlassen, sodass Julian gut abgelenkt war. In dem riesigen Herrenhaus gab es zahlreiche freie Zimmer, die Charles niemals alle selbst hätte belegen können und so hatte ihm der Vampir ihm ein Zimmer im oberen Geschoss überlassen, wo die Sonne durch einen großzügigen Erkervorbau in das sechseckige Zimmer fiel. Solch ein riesiger, gut beleuchteter Arbeitsraum war für Julian sonst nur ein Wunschtraum gewesen und nun die Mittel zu besitzen, die Charles ihm bieten konnte, war immer noch unfassbar. Schon seit einigen Stunden hatte Julian heute bereits wieder gearbeitet, als ihn das ungewohnte Geräusch der Klingel aufschrecken ließ. Charles bekam eigentlich nie Besuch. Die wenigen Angestellten, die hier überhaupt noch arbeiteten mussten nicht klingeln. Tatsächlich waren es sowieso nur noch ein Gärtner, eine Haushälterin, ein Buchhalter und ein junges Dienstmädchen, die nur dann auftauchten, wenn sie auch wirklich gebraucht waren, den Rest des Haushaltes regelte Charles eigentlich selbst. Der Gärtner und der Buchhalter waren heute nicht im Haus, das Dienstmädchen war vor einer Stunde nach Hause gegangen und die Haushälterin machte die täglichen Besorgungen, sodass es an Julian war, blitzschnell die Treppe hinunter zu eilen. Im Lauf wischte er sich etwas Farbe von den Fingern und strich sich durch seine chronisch unordentlichen Haare, ohne wirklich Ordnung zu schaffen. Eigentlich musste er erst einmal das große Tor öffnen, doch als er die Diele erreichte, konnte er schon den Umriss einer Gestalt durch das Buntglas in der Haustür erkennen. Zögerlich trat Julian an sie Tür heran und zog sie offen, jedoch den Spalt der offenen Tür mit seinem Körper versperrend.
Der Überraschungsgast, der draußen auf ihn wartet, ließ seinen Herz einen Hüpfer machen. Der hochgewachsene Mann sah zweifelsohne makellos aus. Sein Gesicht war kantig und scharf geschnitten, seine Haut blass. Der verschmitzte Blick war von einem ebenso unwiderstehlichen Lächeln begleitet und Julian spürte seine Beine wackelig werden, als der Mann ihn direkt anstarrte. Natürlich war das nicht alles echt, da war Julian sich sicher. Dieser Mann strömte nichts menschliches aus und war ganz klar ein Vampir, etwas anderes kam Julian unvorstellbar vor. Der Fremde musste äußerlich etwa in Charles´ Alter sein und sein etwas längeres, dunkles Haar war locker zurückgekämmt, ein leichter Bart auf den kantigen Zügen. Julian musste einmal schlucken, bevor er ein Wort hervorbrachte.
„Ich bin mir sicher, dass Sie Charles sprechen wollen, nicht wahr?“
Er selbst bekam hier wohl ganz sicher keinen Besuch und von einem gut aussehenden Vampir ganz sicher nicht. Ohne eine Einladung konnte der Mann nicht eintreten, aber dieser Gedanke verschaffte Julian irgendwie weniger Sicherheit als er gehofft hatte. Während er die Klinke zwischen seinen Fingern knetete, stach ihm ein herber Geruch in die Nase, eine Mischung aus teurem Männerduft und Holz, irgendwas Wildes….Dieser Mann war gefährlich auf eine ganz eigene Weise und Julian war gleichzeitig furchtbar neugierig, woher Charles diesen Mann kannte und auf der anderen Seite bereits jetzt ein wenig eifersüchtig auf den Vampir. Erschrocken bemerkte Julian jetzt erst, dass er bei der ganzen Sinnesverwirrung seine Tarnung nicht aufrecht erhalten hatte und ließ von der Klinke ab, um erschrocken seine Ohren zu verbergen. Gerade neben Charles und seinesgleichen kam er sich immer ein wenig plump vor mit seinen animalischen Attributen.
„K-Kann ich Ihnen irgendwie weiterhelfen, während Charles noch arbeiten ist? Er müsste so in einer Stunde wieder da sein“, versuchte Julian seine fabelhafte Erscheinung zu überspielen, als wenn sie kein Ding wäre. Die pure Präsenz dieses Mannes war genug, um ihn vollkommen aus dem Konzept zu bringen.
„Charles hat mich nicht auf mögliche Besucher vorbereitet, ich weiß ehrlich gesagt nicht einmal, ob ich Sie einfach so hereinlassen darf.“

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   So Okt 02, 2016 7:59 pm

New Orleans. Welch schöne Stadt, die Altes und Neues so perfekt verband, dass man nostalgisch und fasziniert zugleich werden konnte. Leurent mochte diese Stadt, um genau zu sein mochte er sehr viele Städte und eigentlich hatte er auch absolut keine Präferenzen gegenüber irgendeinem Ort, doch dieser hier hatte schon immer etwas Magisches ausgestrahlt und das lag sicherlich nicht nur an der altertümlichen Architektur, welche hauptsächlich vorzuherrschen schien. Es war das Gefühl von Zuhause, der Duft der Sümpfe, die Straßen, welche vor Leben und Lärm regelrecht zu beben schienen. Jede kleine Ecke verband sein Verstand mit einer angenehmen Erinnerung.
Ja, es waren vielmehr die Erlebnisse und jene, die hier liebten, die New Orleans so begehrenswert für ihn machten und dennoch hatte er sich seit Jahrzehnten nicht mehr hierher getraut. Nicht aus Angst, nein, eigentlich hatte er keine Beweggründe gehabt, den Ort ganz und gar zu meiden, oder zumindest redete er sich das gerne ein, immerhin war der Vampir mehr ein Abenteurer, Entdecker und Reisender, als dass er es sich vorstellen könnte, je wirklich sesshaft zu werden und in derselben Stadt zu versauern. Sein Schöpfer hatte ihn ganz sicher nicht umsonst mit den Vorteilen der Unsterblichkeit gesegnet!
Leurent wusste nicht einmal genau, welche Beweggründe ihn dazu gebracht hatten, spontan den nächsten Flug von Asien zurück in die Staaten zu nehmen und warum er ausgerechnet ein Ticket nach New Orleans gebucht hatte, vielleicht eine Laune der Natur oder vielleicht etwas Höheres, eigentlich interessierten ihn die Gründe für seine Spontanreisen nicht und jetzt, wo er schon einmal da war, konnte er die Zeit auch gebürtig genießen!
Ein schickes Hotelzimmer war schnell vorübergehend gebucht, doch lange würde er dort nicht verweilen, oh nein, es gab da ein viel besseres Plätzchen, wo er sich ganz wie zuhause fühlen konnte, genau genommen war es sogar für lange Zeit sein Zuhause gewesen und die Rückkehr dorthin rief doch tatsächlich ein leichtes Kribbeln in seinen Fingerspitzen hervor. Vielleicht lag es auch am strahlenden Sonnenschein, das auf sein blasses Haupt niederschien. Ach, die Sonne. Wer hätte je gedacht, dass seine blauen Augen jemals wieder die hellen Strahlen erblicken konnte, ohne binnen weniger Sekunden in Asche verwandelt zu werden, doch die Vorteile eines hohen Alters bezahlten sich wohl aus! Leurent genoss die Sonne sogar ab und an, es war ein schönes Prickeln auf der Haut, machte ihn beinahe wieder menschlich, nur mit dem feinen Unterschied, dass er ganz sicher nicht wieder menschlich werden wollte, wo blieb denn nur der ganze Spaß?
Der Dunkelhaarige hatte beschlossen, sich die Stadt ein wenig anzuschauen, er hatte sie noch nicht im Lichte des 21. Jahrhunderts erblickt und es war schön zu sehen, wie das Zusammenspiel von alt und neu so ineinander zusammenfloss und ihm tatsächlich das Gefühl gab, wieder daheim zu sein, denn im Vergleich zu einigen anderen Vampiren, hatte er es sich sehr gemütlich gemacht in so ziemlich jedem Zeitalter. Er zählte sich gerne als Chamäleon unter den Untoten, er liebte es mit der Zeit zu gehen und verdammt, wieso auch nicht? Was hatte es auch für einen Nutzen, dem alten Schwachsinn hinterher zu weinen, anderen Briefe zu schreiben, wenn es so etwas wie E- Mails und Mobiltelefone gab? Leurent würde ganz sicher nicht zurückgehen und irgendwelche alte Bräuche vermissen, er genoss Fortschritt, er genoss Elektrizität und er genoss das Internet und daran würde sich ganz sicher nichts ändern.
Wenn man all die Gassen, die sich kaum verändert hatten, kannte, war es ein Leichtes, unbemerkt sich übermenschlich schnell zu bewegen, um sein Ziel zu erreichen und er musste in keiner U- Bahn oder gar einem Taxi festhängen und konnte sogar ein bisschen die frische Luft genießen!
Bei dem Anblick der kleinen Siedlung, die ihm allzu gut bekannt vorkam, stahl sich ein schmales Lächeln auf dem makellosen Gesicht. Hier hatte sich wahrscheinlich nichts verändert, die Häuser aus den alten Zeiten waren immer noch dieselben, nicht einmal die Farben haben sich geändert, kein einziger Baum wurde gefällt, so, als ob die Zeit hier einfach stehen geblieben war. Es wunderte ihn wahrlich, wieso nicht alle altmodischen Vampire hier lebten und diese Siedlung inoffiziell zu ihrem Territorium machten.
Die langen Beine des Schönlings trugen ihn jedoch zu einem ganz besonderen Haus, dessen verschlossenes Tor zur Einfahrt ihn ganz sicher nicht davon abhielten, einfach einzutreten, auch wenn sie zu seiner Überraschung dieses Mal nicht einmal verschlossen war. Wurde da jemand etwa unachtsam? Leurent konnte sich nicht vorstellen, dass Charles auf einmal so wenig darauf achtete, wer sein Zuhause betrat. Er sollte ihm besser davon berichten, einige unachtsame Angestellte mussten dringend gefeuert werden!
Mit einem leichten Schulternzucken betrat Leurent anschließend das stets gepflegte Anwesen. Wie immer war der Rasen frisch gemäht, der Kiesweg kaum zerstreut und unordentlich und das Herz des Anwesens- ein altes Herrenhaus- strahlte in seiner vollkommenen Pracht. Sicherlich ließ er es regelmäßig neu streichen und Restaurieren, er würde es niemals einfach so zusammenfallen lassen, immerhin war es ganz und gar sein Stolz. Und Leurent konnte irgendwie auch verstehen, wieso Charles dieses Haus so sehr liebte und wieso er in all den Jahren es nicht einmal in der Erwägung gezogen hatte, diese Stadt oder gar das Land zu verlassen. Ein wenig enttäuschend für seinen Geschmack, immerhin war es der Schwarzhaarige gewesen, der darüber schwärmte wie sehr er doch Europa genoss und liebte. Sie beide kamen von dort, ihre Familien lebten in Europa und ihr Zuhause war einst in Europa. Erstaunlich, dass sie sich nun hier wiederfanden und nicht zurück zu ihren Wurzeln wiedergefunden hatten.
Eigentlich hätte Leurent ein wenig nervös oder gar aufgeregt sein müssen, immerhin hatten sich die beiden seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen und etwas sagte ihm, dass der gute Charles ihn nicht mit offenen Armen empfangen würde, doch es war nicht seine Art und das wusste der andere Vampir wahrscheinlich besser als alle anderen, mit denen er jemals in Kontakt getreten war. Sie waren eine Familie, er würde ihn schon nicht verbannen, nur, weil er ein bisschen Spaß hatte in den letzten paar Jahren? Was waren Jahre auch schon für jemanden, der Unsterblich war, der Epochen kommen und gehen sah? Niemand sollte sich für irgendwas schlecht fühlen und Leurent fühlte sich auch tatsächlich kein bisschen schlecht, ganz im Gegenteil, er fühlte sich fantastisch! Es war ein guter Tag und er würde einen guten alten Freund wiedersehen und darüber lachen, wie schrecklich altmodisch er doch immer noch war, wahrscheinlich besaß er nicht einmal eine einzige Lederjacke. Nun, Leurent besaß eine beachtliche Anzahl an Lederjacken, tatsächlich trug er sogar jetzt eine, er brauchte nicht einmal eine Sonnenbrille um besonders cool auszusehen, sein Gesicht reichte dafür völlig aus.
Der Vampir fuhr sich mit den schlanken Fingern kurz über das lange Haar ehe er die Klingel betätigte, leise pfeifend darauf wartend, das man ihm die Tür öffnete und er seine Arme lachend ausbreiten konnte. Hoffentlich kam Charles nicht auf die Idee, ihm ins Gesicht zu schlagen, auch wenn er eigentlich nicht der Typ für solch impulsive Entscheidungen war. Er könnte ihm immer noch den Eintritt zu sich nach Hause verwehren, auch wenn es dafür wohl schon ein bisschen zu spät war.
Seine Augen musterten die Außenfassade, die tatsächlich erst vor gar nicht allzu langer Zeit neu gestrichen wurde, wartete geduldig darauf, dass die schwere Tür geöffnet wurde, blickte erst in das Gesicht der anderen Person, als das Geräusch einer öffnenden Tür in seinen Ohren ertönte.
Nun gut, er hatte sicherlich nicht erwartet, dass ein süßer kleiner Blondschopf plötzlich am Eingang stand, doch er würde das Beste aus dieser Situation machen. Schnell huschten seine Augen von unten nach oben, musterten den jungen Mann ausgiebig, um ihm anschließend ein breites Lächeln zu schenken, ihm dabei einen Teil seiner blankweißen Zähne präsentieren. Grinsend hob der Vampir seine Hand zur Begrüßung, wandte seinen Blick jedoch nicht ab von der Gestalt vor ihm. Er ließ sich ein wenig treiben in den Gedanken des anderen, welche klar in seinem Verstand erschienen, wie die Worte, die aus dem zuckersüßen Mund kamen und er genoss jeden kleinen Augenblick. Offenbar war dieses Exemplar durchaus eingeweiht in Charles‘ und dementsprechend auch sein Geheimnis, am meisten genoss er jedoch, wie sehr er von der schieren Anwesenheit seiner Wenigkeit ziemlich angetan zu sein schien. Was für ein unartiger Junge, ließ er sich wirklich von anderen Vampiren so schnell einlullen?
Er brauchte gar keine Erklärung, ihm wurde schnell bewusst, dass etwas zwischen ihm und seinem alten unsterblichen Freund lief und ihm wurde auch schnell bewusst, was Charles an dem Blondschopf gefiel, er war förmlich aus Marmor gemeißelt, geschaffen von der Hand eines Künstlers, die pure Ästhetik aus vergangenen Zeiten. Leurent selbst wäre nicht abgeneigt ihn für ein paar Stunden näher kennenzulernen.
„Was macht dich denn so sicher, dass ich hier bin, um Charles zu sehen? Vielleicht bin ich auch hergekommen, um dich zu sehen? Und bitte, lassen wir die unnötigen Förmlichkeiten, wir sind hier nicht im Mittelalter.“, ein weiteres Lächeln stahl sich auf den markanten Zügen des Unsterblichen. Es war zu amüsant zu sehen, wie er mit wenigen Worten und einigen Blicken den Fremden so aus dem Konzept zu bringen schien, dass er nicht einmal wusste, was er sagen oder tun sollte.
Dass er ihn jedoch so stark zu verwirren schien, dass ihm plötzlich andere Ohren und ein Geweih aus dem Kopf zu wachsen schien, hätte er jedoch nicht erwartet, allerdings erfüllte es ihn mit einer Erleichterung, dass es sich hier um keinen Menschen handelte, es wäre auch zu seltsam gewesen, wenn dieser starke, andersartige Duft tatsächlich menschlich war. Also war Charles‘ Faszination gegenüber Menschen nicht zu einer Obsession ausgeartet, dass er plötzlich versuchte eine Beziehung mit diesen armen, schwachen und sterblichen Wesen zu führen.
Überrascht hob der Größere eine Augenbraue, bei den nächsten Worten blickte er den anderen jedoch schnell wieder belustigt an. „Oh, ich wüsste da einiges, was du tun könntest, während Charles nicht hier ist, doch ich bin mir absolut sicher, dass dein Freund es nicht gutheißen würde, wenn ich mich zu nah an seinen Partner wage. Ich bin ein alter Freund von Charles, falls du es wissen möchtest, wir sind sozusagen...zusammen großgeworden.“, bei den letzten Worten musste Leurent leise lachen. Alte Erinnerungen kamen auf, doch diese wollte er ungerne an der Türschwelle mit einem fremden Fabelwesen teilen.
„Du bist ein ganz schön seltenes Exemplar, kann es sein? Ich wüsste zumindest nicht, wo ich so etwas wie dich schon mal gesehen habe, vielleicht irgendwo im Norden aber wieso verlegen wir das kleine Gespräch nicht nach drinnen, ich bin mir sicher, dass die alte Couch noch nicht durch eine neue ausgetauscht worden ist, oder? Und vielleicht bekomme ich auch ein wenig Information darüber, wer du eigentlich bist und wie ich dich nennen darf. Ich bin Leurent.“, demonstrativ streckte er dem jungen Mann seine Hand entgegen, ließ seinen Blick jedoch nicht von den strahlend blauen Augen ab. Seine Augen hatten auch einst solch einen faszinierenden Ton, doch seine Verwandlung stahl ihm die natürliche Farbe und nun war er gesegnet mit unmenschlich hellblauen Augen, die regelrecht in die Seele der anderen blicken konnten und wie verdammt richtig diese Annahme sogar war, denn das Gedankengut anderer war selten für den Vampir versperrt gewesen.
Der Vampir wusste nicht genau, wie hart diese Nuss zu knacken war, auch wenn er eindeutig auf ihn stand, keine Frage, kannte er sicherlich auch die Gefahr, die von anderen Fremden ausgehen konnten und vielleicht kannte er sogar die lästige Regel, dass Seinesgleichen nur dann ein Haus betreten durfte, wenn man es ihnen ausdrücklich erlaubte und explizit sie darum bat, einzutreten. Diese Einladung hatte Leurent jedoch vor sehr langer Zeit erhalten bekommen. Trotzdem wollte er nicht einfach plump eintreten, es machte ihm Spaß zu sehen, wie hin und weg der Gelockte von ihm war. Er war ein attraktiver Mann, er wusste es und wieso sollte man diese Vorzüge nicht benutzen?
Leurent benebelte die Sinne des anderen, eine kleine Berührung seiner warmen Hand reichte vollkommen aus, dass er sich für einen kleinen Moment voll und ganz ihm hingab und er ihm stumm darum bat die Tür noch weiter zu öffnen, ehe er einen Schritt hineinwagte und die Tür leise hinter sich schloss, ehe er die Hand des anderen losließ und ihm wieder seine eigenen Sinne wiedergab. „Jetzt, wo wir das hinter uns haben. Erzähle mir ein bisschen von dir, wir haben eine Stunde zu füllen! Charles hatte schon immer eine Schwäche für zeitlos Schönes, ich möchte nur zu gerne wissen, wo er dich gefunden hat.“

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Di Okt 04, 2016 11:41 pm

Julian wünschte sich wirklich, Charles hätte ihn vor diesem Exemplar aus seiner Vergangenheit irgendwie vorgewarnt, denn die Huldra fühlte sich heillos überrumpelt von dem charismatischen Vampir. Vermutlich auch beeinflusst dadurch, wie hingezogen er sich zu Charles fühlte, konnte er nicht verneinen, dass dieser Mann etwas an sich hatte, das überaus attraktiv war. Dass er so etwas überhaupt denken konnte! Immerhin hatte er keinerlei Interesse daran, Charles irgendwie zu betrügen oder zu hintergehen, ganz im Gegenteil wurde ihm Tag für Tag klarer, wie sehr er den Vampir eigentlich liebte und dass er am liebsten für immer mit Charles zusammen sein wollte. Doch nun stand plötzlich dieser irritierende Fremde vor der Tür und brachte seinen ganzen hübschen Kopf durcheinander.
„Um mich zu sehen? Aber ich wohne doch offiziell nicht mal hier und eigentlich- oh.“
Julian hielt in seinem verwirrten Gestammel inne, um sich bewusst zu werden, dass man ihn gerade ein wenig auf den Arm nahm. Sofort nahm sein Gesicht eine tiefrote Farbe an, dass seine Sommersprossen ganz darin verschwanden. Der Gedanke, dass Charles mit so einem Mann doch ganz sicher nur eine ganz bestimmte Art von Beziehung gehabt hatte, half nicht gerade dabei, ihm die Schamesröte auszutreiben. Sein Gegenüber war wahrlich in ein Geheimnis nach dem anderen gehüllt und seine kryptischen Andeutungen halfen der Huldra nicht gerade dabei einen Überblick über die Lage zu gewinnen. Natürlich könnte er auch schon längst dem Zauber des Vampirs verfallen sein, doch Julian glaubte dem Fremden eigentlich schon, dass er ein Freund von Charles war und kein Feind, der sich gerade auf heimtückische Weise Zutritt in die Wohnung seines Freundes verschaffte. Irgendwie wirkte er vertrauenswürdig – einschüchternd, aber nicht boshaft. Vielleicht ließ sich Julian gerade auch nur viel zu sehr von diesem Mann einnehmen, aber dann war es jetzt sowieso zu spät.
Obwohl Julian nicht gedacht hätte, dass er noch beschämter werden könnte, bei der eindeutigen Anspielung des anderen rutschte er beinahe erschrocken ein Stück zurück, jedoch nicht ohne dass sich seine Ohren für eine Augenblick verräterisch aufstellten und sein Schwanz zuckte. Nun, hoffentlich hatte der andere keine Ahnung, wie man die Körpersprache von Huldras las.
„Ich bin mir sicher, dass weder Charles noch ich das gutheißen würden!“, stieß er mit etwas schwächlicher Empörung aus und versuchte stattdessen lieber, das geheimnisvolle Lächeln des anderen zu entziffern. Waren sie etwa doch keine Liebhaber gewesen, sondern mehr so etwas wie Brüder? Julian fiel es äußerst schwer, die Worte des anderen korrekt zu deuten. So oder so jedoch schien es sich um eine Person zu handeln, die Charles wirklich nahe stand. Ach, wieso war ihre Zeit zusammen erst so kurz gewesen, dass Charles ihn nicht in solch wichtige Menschen aus seinem Leben hätte einweihen können? Die Tatsache, dass Charles Jahrhunderte alt war, half natürlich auch nicht sonderlich dabei, sich einen Überblick zu verschaffen.
Zum Glück tat man ihm einen Gefallen und wich wieder auf ein Thema aus, in dem sich Julian etwas sicherer fühlte.
„Ich komme tatsächlich aus dem Norden, gut geschätzt!“, rief Julian aufgeregt aus.
„Eine Huldra, um genau zu sein, wir sind ziemlich selten, vor allem in den Staaten, kaum jemand traut sich je aus Norwegen raus und ursprünglich bin ich auch nicht ganz freiwillig hierhergekommen.“
Glücklich darüber, dass er endlich etwas sicheren Boden gefunden hatte, hatte Julian direkt kräftig drauf los geplappert und hielt sich nun etwas betreten die Hand vor den Mund. Das quatschte er einfach einen wildfremden Mann vor der Tür zu, dessen Namen er nicht einmal kannte. Nun ja, wenigstens das Problem schien sein gegenüber beheben zu wollen. So ganz war Julian noch immer nicht davon überzeugt, ob er den anderen so einfach reinlassen sollte. Die Vampirregel, die er gleich bei Charles´ erstem Besuch bei ihm peinlich hatte erfahren müssen, verbat dem Fremden immerhin einfach einzutreten! Diese kleine Sicherheit wollte Julian immerhin noch nutzen und streckte demnach etwas zögerlich die Hand aus, um die Hand zu schütteln, die ihm gereicht wurde, fast so, als wenn alles außerhalb der Türschwelle potenzielle Gefahrenzone wäre.
„Ich bin Julian“, entgegnete er noch, bevor ihn eine merkwürdig vertraute Schwere zu packen schien. Die kühle Hand des Vampirs lag auf seiner und erfüllte ihn mit einer angenehmen Wärme. Für einen Moment war sein Kopf mit Wünschen und Bildern gefüllt, die er ganz sicher nicht irgendwem anders als Charles gegenüber hegen wollte und er konnte sich nur selbst dabei zusehen, wie er zur Seite trat und den Fremden ins Haus treten ließ. Wie konnte er bloß einfach eintreten, Julian hatte es ihm doch gar nicht erlaubt! Aber dieser Gedanke ging sowieso schnell in der dumpfen Suppe unter, die gerade seinen Kopf erfüllte. Die Huldra spürte schon, wie sie sich näher gegen den kalten Leib des anderen lehnen wollte, als Leurent seine Hand wieder losließ und der Zauber von ihm abfiel, als wenn man ihm einen Eimer kalten Wassers über den Kopf gegossen hätte. Erschrocken zuckte Julian einen Schritt zurück, die Ohren alarmiert aufgestellt und die spitzen Zähne gebleckt.
„Du kannst mich doch nicht einfach verführen, um ins Haus zu kommen!“
Vermutlich war er eher frustriert von sich selbst, dass er dank Leurent solche gierigen Gedanken im Kopf hatte, doch für einen kurzen Augenblick klang seine Stimme grollend und aufgebracht. Nunja, wenn der Vampir ihm wirklich etwas Böses wollte, hätte er es vermutlich schon getan, immerhin hatte Julian einem Wesen wie ihm vermutlich nicht viel entgegenzusetzen. Langsam senkten sich seine Ohren wieder und er strich sich unruhig durch die hellen Locken. Jetzt, da Leurent so nah bei ihm stand, war sein ganz natürlicher einnehmender Effekt noch stärker. Er schien etwas größer zu sein als Charles, aber er hatte eine ähnliche Ausstrahlung und einen ähnlich männlichen, holzigen Geruch. Julian sollte sich wohl mit dem Gedanken abfinden, dass Leurent ein guter Bekannter sein musste und ihn wie einen Gast behandeln, und Gäste sollte man nicht anfauchen, schon gar nicht, wenn sie einem solche Komplimente machten.
„Ich wünschte, Charles hätte mich auf so etwas vorbereitet“, seufzte er und überging mehr schlecht als recht das Kompliment. Seine geröteten Wangen sprachen wohl für sich. Er gab Leurent einen kurzen Wink, um ihm zu zeigen, dass er ihm folgen konnte und brachte ihn in das Wohnzimmer, was er selbst mittlerweile gut kannte. Julian ließ sich auf dem Sofa nieder in der Hoffnung, dass der Vampir ihm gegenüber auf dem Sessel platznehmen würde, doch natürlich ließ sich der schlanke Leib direkt neben ihm nieder. Auf dieser Couch war es immerhin zu den ersten Annäherungen zwischen Charles und ihm gekommen, ein Gedanke, an dem Julian kurz hängenblieb, als er Leurent dort so sitzen sah, die Beine locker übereinander geschlagen und ihn eindringlich musternd. Gott, wenn sein Gegenüber gerade in seinen Kopf schauen könnte, würde er einige Bilder finden, die ganz sicher nicht in dieser Situation durch seinen Kopf gehen sollten.
„Ich kenne Charles erst seit einigen Monaten, er hat mich….naja, er wollte eigentlich nur von mir trinken“, kam Julian schließlich dem Wunsch des Gastes nach und erzählte, wie Charles ihn gefunden hatte.
„Er ist allerdings nicht weit gekommen! Er hatte nicht bemerkt, dass er es mit einem Fabelwesen zu tun hatte und als er in meinen Rücken gefasst hat….naja, sagen wir, dass ihm schnell bewusst wurde, dass ich kein Mensch war!“
Bei dem Gedanken an ihr erstes Treffen wallten immer noch gemischte Gefühle in Julian hoch. Sicherlich hätte es ein romantischeres erstes Treffen sein können. Aber so hatten sie wenigstens eine kleine Geschichte.
„Er hat mir direkt danach einen Brief geschrieben und mich gebeten ihn wiederzusehen. Charles ist so altmodisch“, schmunzelte der Blondschopf mit einem warmen Lächeln. Eine der vielen Dinge, die er so an dem Vampir liebte. Für einen Moment in Gedanken verloren, schrak Julian plötzlich auf und sprang beinahe wie ein Kastenteufel auf.
„Wo sind meine Manieren als Gastgeber, es tut mir so leid, ich….kann ich dir irgendetwas anbieten? Charles hat immer ein wenig Blut auf Vorrat hier, ich kann etwas holen, ich meine-„
Bei seinem hektischen Aufspringen war Julian erneut mit der kalten Haut des anderen in Berührung gekommen und auch, wenn Leurent ihn gerade sicher nicht noch einmal verzauberte, konnte Julian nicht anders, als bei dem durchdringenden Blick der hellen Augen abermals zu erstarren und sich vollkommen verloren wiederzufinden. Gott, was machte dieser Kerl bloß mit ihm? Charles musste schnell wieder nach Hause kommen, bevor er noch ganz diesem Vampir erlag ohne zu wissen, ob es Magie oder echt war. Betreten knetete Julian seinen Schweif zwischen seinen Fingern und wartete darauf, dass Leurent ihm sagte, was er trinken wollte.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Do Okt 06, 2016 1:21 am

Leurent wusste, dass er sich eigentlich nicht allzu sehr über die Verlegenheit des jungen Fabelwesens amüsieren sollte, doch zu sehen was für einen Einfluss er ohne große Anstrengungen- um genau zu sein gar keine Anstrengungen- auf andere ausüben konnte, zwang ihm regelrecht ein breites Lächeln auf das makellose Gesicht auf. Er hatte es einfach drauf, in all den vielen Jahren hatte er kaum jemanden erlebt, der ihm auch nur ansatzweise widerstehen konnte, er brauchte gar keine Magie und keine Tricks, um sich das zu holen, was er wollte, er bekam es auch meistens so durch ein strahlendes, unwiderstehliches Lächeln und wäre der junge Mann, der offenbar auf den Namen Julian zu hören schien, nicht gerade Charles‘ Zeitvertreib, hätte er sich gar nicht allzu viel Zeit gelassen und hätte ihn sicherlich bereits ordentlich verführen können.
Dass er dabei auf ein paar unfaire Mittel zu griff, wie das Gedankengut des anderen, musste ja nicht unbedingt jeder wissen…
„Komm schon, so hätte ich ja eine ganze Stunde draußen verbringen müssen. Was, wenn mir kalt geworden wäre? Es ist darüber hinaus ganz schön langweilig ohne Beschäftigung auf jemanden zu warten und so können wir uns wenigstens ein wenig kennenlernen, spart Charles die Zeit unnötig uns gegenseitig vorzustellen. Wir alle haben was Gutes davon.“, abgesehen davon sollte Julian mindestens jetzt bewusst sein, dass der Vampir weder etwas Böses im Schilde hatte, noch ein ungebetener Gast war, wenn er einfach so eintreten konnte, ohne auf eine unsichtbare Barriere zu treffen, war das nicht Beweis genug, dass er eigentlich ein herzensguter Vampir war? Bei diesem Gedanken musste er beinahe in ein Lachen ausbrechen, allzu gut war er vielleicht auch nicht, doch dafür herzlich! Vielleicht war es besser, wenn er sich in Zukunft versuchte mit diesem Adjektiv zu beschreiben, es machte ihn vielleicht zu einem weniger schrecklichen Fabelwesen und Herzensbrecher, doch das sollte heute kein Thema sein, was unbedingt aufkommen sollte.
Etwas unstet wippte der Größere mit den Beinen auf und ab, wartete darauf, dass der Lockenkopf ein klares Zeichen gab ihm zu folgen und als dieser ihm bedeutete, ihm ins Wohnzimmer zu folgen, ließ er ganz sicher nicht auf sich warten und trat einen langen Schritt vor dem anderen um schnell anzukommen. Bei einem kurzen Blick erkannte er, dass sich wenig geändert hatte. Die Vorhänge hatten einen etwas helleren Ton gewonnen, die Kunstwerke schienen, abgesehen von einigen anderen, die seine Augen vorher noch nie gesehen hatten, immer noch dieselben zu sein und auch die Couch hatte sich doch tatsächlich nicht verändert seit dem letzten Mal, wo er noch auf dieser faul herumgelegen hatte.
Es musste Charles ein Vermögen kosten die alten Antiquitäten am Leben zu erhalten und sie möglichst originalgetreu aufrecht zu erhalten. Viel zu umständlich für seinen Geschmack, er hätte den alten Krempel bereits weggeworfen und durch etwas Zeitgemäßes ausgetauscht, hätte aus dem Haus das Paradies der Moderne gestaltet, doch leider gehörte dieses Stück Land nicht ihm und er sollte sich mit den altmodischen Vorlieben seines alten Freundes wohl oder übel anfreunden. Einige Dinge änderten sich einfach nie.
Ohne großartig nachzudenken ließ er seinen Körper auf die Couch neben der Huldra fallen, schlug dabei ein Bein vor das andere, sich mit einem zufriedenen Seufzer zurücklehnend, ehe sein Blick erneut zu seinem Nebenmann wanderte, ihm ein breites Lächeln schenkend, als sich ihre Blicke trafen. „Wie ich sehe hat Charles in der Zeit nicht viele Änderungen vollzogen. Wie schade, ein Innenarchitekt könnte die alte Bude ein bisschen aufmöbeln, es ein bisschen Spannender machen.“, demonstrativ schauten sich seine Augen abermals um, konzentrierten sich jedoch schnell wieder auf Julian, welcher doch tatsächlich endlich auf seine Frage einging. Leurent hatte fast schon gedacht, dass er es völlig ignoriert hatte. Es war etwas schwierig den Worten aufmerksam zu lauschen und dabei seine Gedanken auszublenden. Seit er sich neben den Blondschopf platziert hatte, schien er einen Schwall an intimen und interessanten Erinnerungen hervorgerufen zu haben und es war ein lustiges Unterfangen, sich dieser anzunehmen und ihnen zu lauschen, doch nun versuchte sein Verstand sich nur auf das zu fokussieren, was auch tatsächlich die zuckersüßen, fremden Lippen verließ, auch wenn sie dafür sorgten, dass Leurent ein Glucksen kaum unterbrechen konnte, oder gar wollte. „Von dir trinken? Solch ein erstes Treffen klingt fast gar nicht nach Charles, ich hatte doch tatsächlich ein bisschen mehr Kitsch erwartet aber das ist weitaus interessanter.“, mit einem schiefen Grinsen hörte er dem weiteren Verlauf zu, hob hier und da belustigt eine Augenbaue, besonders, als Julian zu dem Brief- Part überging, der wahrscheinlich kurz und knapp alles beschrieb, was Charles ausmachte. Der Vampir war nicht immer so ein schrecklicher Romantiker und ein Gentleman wie eh und je und Leurent glaubte oft, dass er ihn anfangs vielleicht ein bisschen verdorben hatte, immerhin waren junge Blutsauger noch so naiv und voller Elan und er nutzte es wohl ein bisschen für seine eigenen Gelüste und seine Bespaßung aus, doch das war Jahrhunderte her, es hatte sich viel geändert, besonders im Leben des Dunkelhaarigen, der nicht nur viele Entwicklungen in seiner eigenen Persönlichkeit, sondern auch in seinem privaten Leben erleben musste, einige waren nicht allzu angenehm, doch darüber hatten sie damals kaum gesprochen. Er konnte sich beinahe schon ausmalen, wie bescheiden und nobel er mit dem Jungspund umging, welch ausschweifende Worte er in seinem Brief benutzt hatte und wie er wahrscheinlich mit seiner irgendwie uralten Art und Weise sein Herz erobert hat. Ach, es war ein zu süßer Gedanke.
„Charles ist wahrscheinlich der mit Abstand altmodischste Vampir, der mir je unter die Augen gekommen ist. Selbst unser Schöpfer hat sich besser der Zeit angepasst. Aber dafür lieben wir ihn, nicht wahr? Für seine Unfähigkeit vernünftig mit der Zeit umzugehen. Du solltest ihn mal über Fahrräder ausfragen, er kann solch öde Dinge so ausschweifend beschreiben, alleine die Elektrizität war für ihn das mit Abstand größte Erlebnis der menschlichen Geschichte!“, demonstrativ rollte der Vampir mit seinen Augen, stieß jedoch wenige Augenblicke ein lautes Lachen aus. Er hätte stundenlang über den alten Herren sprechen können, so viele witzige Geschichten, doch vielleicht sollte er sich diese noch für später aufheben, denn etwas sagte ihm, dass der die Huldra noch ein weiteres Mal sehen würde, vielleicht sogar ein wenig mehr und es interessierte ihn auch, ihn öfter zu sehen, er war neugierig.
Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten sie diese Stunde tatsächlich mit belanglosen Gesprächen führen können, Julian jedoch schien es etwas anders zu sehen, zumindest hatte sein plötzliches Aufspringen den Größeren ein wenig irritiert, sodass er fragend in seine Richtung schielte, ehe er lachend den Kopf schüttelte. „Bitte, mach dir keine Sorgen um mich, wenn ich was möchte, hole ich es mir, ich kenne dieses Haus besser als irgendein anderes Haus, ich könnte mit geschlossenen Augen jeden Raum ablaufen! Wir könnten um Geld wetten, dass ich das kann.“, das wäre natürlich auch eine Art und Weise die Zeit zu vertreiben und eine überaus lustige zugleich. Wahrscheinlich würde er vor Gegenstände laufen und sich den Zeh irgendwo stoßen, denn so gut kannte er sich hier vielleicht doch nicht aus, doch er konnte durchaus überzeugend lügen, sodass Julian ihm vielleicht sogar wirklich glaubte! „Du bist ein guter Gastgeber, Julian, der Beste, den ich bis jetzt in der Stadt hatte, seit ich zurückgekehrt bin!“, mit einer fließenden Bewegung erhob der Vampir sich langsam von der Couch, umfasste die schmalen Schultern seines Gegenübers und drückte ihn mit sanfter Gewalt zurück auf das bequeme Polster, ihn dabei sanft anlächelnd. Er wusste, dass er ihn wirr machte mit all diesen Berührungen und der Nähe und langsam wurde ihm bewusst, dass es nicht nur er selbst, sondern die Tatsache, dass er ein Vampir war, den Gelockten etwas anders über ihn denken ließ. Hatte Charles etwa solch bleibende Spuren bei dem armen Fabelwesen hinterlassen, dass er tatsächlich eine besondere Vorliebe für Blutsauger entwickelt hatte. Das hier konnte noch sehr amüsant werden…
„Weißt du, ich habe hier eine Zeit lang gelebt, ein paar Jahre, es war sowas wie mein Zuhause und ich habe die Zeit hier sehr genossen. Deswegen konnte ich auch ohne weiteres hier eindringen, doch ich wollte nicht allzu unhöflich sein und einfach durch das Fenster steigen. Normalerweise bin ich ein großer Freund von Überraschungen, doch ich hätte dein armes Herz wahrscheinlich nur zum Stehen gebracht.“, er fasste sich selbst theatralisch ans Herz und ließ sich im nächsten Moment wieder neben Julian fallen, rutschte dieses Mal jedoch ein bisschen näher. „Weißt du, ich bin ein sehr neugieriger Typ und ich liebe es einfach herauszubekommen, wie Charles so lebt und was er so macht und du scheinst ein Teil von ihm zu sein, der gerade viel interessanter ist. Ich habe noch nie eine Huldra gesehen, weißt du. Wahrscheinlich, weil ihr euch dort aufhaltet, wo ich meinen Hintern eher selten hinbewege, doch sieh an, jetzt sitzt doch tatsächlich einer von euch auf dieser Couch und erzählt mir ein bisschen über das Zusammenleben mit Charles! Ich würde so unglaublich gerne mehr über dich erfahren, als Austausch bin ich natürlich auch gewillt ein paar Details aus meinem Leben zu erzählen. Ich bin schon ein kleines bisschen länger auf der Welt als dein Freund, weißt du?“, er streckte sich dem Kleineren gefährlich nah entgegen, blickte ihn für einen Moment mit einem auffordernden Lächeln an, lehnte sich jedoch langsam wieder zurück, die Arme hinter den Kopf schlagend und darauf wartend, dass Julian sich in ein kleines Gespräch verwickelte, während er sein Blut offenbar endgültig zum Kochen gebracht hatte. Oh, es war ein Spaß, keine Frage, doch sein Interesse ihm gegenüber war ein vorgelogenes und schon lange kein Vorwand dafür, ihn noch mehr verlegen zu machen oder vielleicht andere Gefühle aus ihm heraus zu kitzeln.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   So Okt 09, 2016 3:05 am

Leurent über Charles reden zu hören brachte Julian tatsächlich zum Schmunzeln. Es erschien ihm tatsächlich so, als wenn dieser fremde Mann sich sehr gut mit dem Bewohner dieses Hauses auskannte, was Julian doch etwas entspannter machte. Also hatte er nicht einfach unfreiwillig einen gefährlichen Kriminellen ins Haus gelassen. Tatsächlich machte es die Huldra unglaublich neugierig, was für Marotten und Eigenarten von Charles Leurent noch so kannte. Obwohl er selbst das Gefühl hatte, dass er Charles bereits recht gut verstand, konnte er sicherlich nicht mit einem Mann mithalten, der sicherlich Jahrzehnte mit Charles verbracht hatte, wenn er seine Worte richtig deutete. Fast wurde Julian etwas neidisch. Immerhin merkte er ja selbst, was für einen atemberaubenden Effekt dieser Mann auf ihn selbst hatte, wieso also sollte es bei Charles anders sein? Wenn er sich selbst mit dem Exemplar auf der Couch verglich, erschien es ihm beinahe unmöglich, dass der Vampir etwas an ihnen beiden hatte finden können. Immerhin war der großgewachsene, maskuline Vampir fast wie das genaue Gegenteil von ihm selbst. Dabei hatte es so geklungen, als wenn er selbst doch tatsächlich einer Art Ästhetik Charles´ entsprach. Hatte sich Leurent nicht so ausgedrückt? Wie konnte sich Leurent ernsthaft für ihn interessieren, einen unwichtigen Fremden, wenn er ihn stattdessen über Charles hätte ausfragen können?
„Ja, dafür lieben wir ihn wohl“, gluckste Julian verlegen und ließ das warme Gefühl in seiner Magengrube aufsteigen. Er konnte es kaum glauben, dass er immer noch so schrecklich verliebt in den Vampir war, dass jedes noch so klischeehafte romantische Detail ihn mit voller Macht packen konnte. Noch ein Grund, weshalb es einfach undenkbar für ihn gewesen wäre, wegen irgendetwas getrennte Wege zu gehen!
„Wenigstens scheint er sich schon mit Autos angefreundet zu haben! Manchmal scheint er lieber mit den modernen Wagen zu fahren als mit den Oldtimern!“, versuchte Huldra die Ehre seines Freundes wenigstens ein bisschen wieder zu richten. Immer noch stand er etwas unschlüssig vor dem Sofa. Selbst, wenn Leurent sich hier besser auskannte als er selbst, momentan war er doch der Gast!
„Naja, aber du bist der Gast hier, es ist nur höflich, dass ich mich um dein Wohlergehen kümmere.“
Stellvertretend für Charles ein guter Gastgeber sein zu müssen war gar nicht so leicht. Bei dem Vampir sah immer alles so elegant und leicht aus, während Julian sich stief und fehl am Platz fühlte. Aber er wollte sich auch nicht vorwerfen lassen, dass er diesem ehrwürdigen Haus nicht gerecht geworden wäre! Gäste auszuhalten war jedoch noch nie seine Stärke gewesen. Smalltalk war so gestelzt und in der Gesellschaft Leurents fiel es Julian schon schwer genug, sich vernünftig zu konzentrieren.
Als wenn er nur auf ein Stichwort gewartet hätte, hatte der andere sich plötzlich erhoben und stand nah vor ihm, seine kühlen, harten Hände auf seinen Schultern platzierend. Julian merkte, wie sein Herz einen Hüpfer machte und die Hitze noch weiter in sein Gesicht stieg. Sicherlich war er unverkennbar errötet und es war gut, dass Leurent ihn wieder zurück auf die Couch drückte, denn seine Beine hätten ihn vermutlich eh nicht weiter getragen. Nur mühsam brachte er ein gestammeltes „Danke“ für das Lob zustande, das Leurent ihm ausgesprochen hatte und gedankenverloren tastete Julian über seine Schulter, wo er noch den schweren Griff der anderen Hand spürte. Leurent hatte viel von Charles, immerhin waren sie beide Vampire, aber er war auch so unglaublich anders, dass Julian ihn schwer einordnen konnte.
„Ich wusste nicht, dass sich so eine Eintritterlaubnis über Jahrzehnte hinweg zieht. In diesem riesigen Haus hätte ich vermutlich nicht mal mitbekommen, wenn du durchs Fenster geklettert wärest. Ich war im obersten Stockwerk, Charles hat mir dort ein Atelier und Arbeitszimmer überlassen!“, plapperte Julian aufgeregt, sich auf jedes Thema begierig stürzend, das ihm ein wenig Sicherheit geben konnte. Lange gönnte Leurent ihm allerdings keine Verschnaufpause. Dieses Mal hatte sich der Vampir sogar noch etwas näher an ihn herangesetzt, sodass Julian beinahe die Kühle spüren konnte, die von ihm ausging.
„Dein Interesse ist wirklich schmeichelhaft, aber Huldra sind wirklich nicht so spannend. Wir haben keine so interessanten Geschichten wie Vampire. Wir sind fast schon umgekehrt wie Vampire, wir können tatsächlich menschlich werden, wenn wir uns mit einem zusammentun. Nichts, was in meinem Interesse liegen würde“, murmelte Julian etwas geistesabwesend. Sterblich und menschlich werden, wer wollte das schon? So, wie er jetzt lebte, war er quasi unsterblich; genauso wie Charles. Abermals stockte Julians Atem beinahe, als Leurent sich ihm wieder näherte. Julian hätte sich nur ein kleines Stück nach vorn lehnen müssen und der Vampir hätte seine Wimpern auf den Wangen gespürt. Spielte er ein Spiel mit ihm? Und wenn ja, welches? Sah er in diesem aufgeregten Fabelwesen wohlmöglich nur so etwas wie Beute, der er gerade nach allen Regeln der Kunst verfiel? Erschrocken rutschte Julian ein Stück von ihm zurück. Egoistischerweise wollte Julian lieber weiter über sich selbst reden. Das war ein Themenbereich, mit dem er sich auskannte. Leurent erzählte ihm wohlmöglich nur Dinge, die noch mehr Faszination in ihm hervorriefen!
„Die meisten Huldras sind magisch begabt, aber ich nicht wirklich. Also wirst du keine Tricks von mir zu sehen bekommen“, gestand Julian etwas niedergeschlagen und knetete weiter seinen Schweif zwischen den Fingern.
„Ich sollte dich vorwarnen, du solltest meinen blanken Rücken weder anschauen noch anfassen!“, warf die Huldra mit beinahe lehrerhaftem Tonfall ein und erhob den Zeigefinger, bevor er erschrocken die Ohren senkte.
„Nicht, dass du ihn unter normalen Umständen zu sehen bekommen würdest, ich meine, wieso solltest du, aber ich dachte mir, ich sag es dir besser gleich.“
Während er sprach wurde seine Stimme immer leiser, bis er schließlich endgültig verstummte. Leurent musste sein Effekt auf ihn durchaus bewusst sein, denn sein Gesicht zeigte ein unverhohlenes Grinsen, das Julians Gefühle völlig durcheinander warf. Eilig sprang er auf. Die Nähe des Vampirs war zu einnehmend, Julian brauchte kurz Abstand von dem Vampir.
„Charles wäre sicher unzufrieden, wenn ich dir nicht wenigstens etwas zu trinken angeboten hätte und ich kann dich als Gast nicht durchs Haus schicken, schon gar nicht blind!“, warf die Huldra ein, bevor er Leurent mit einem eindringlichen Blick darum bat, sitzen zu bleiben. Zum Glück nahm der Fremde dies nicht zum Anlass, um ihn erneut in seinen Bann zu schlagen und Julian genoss die wenigen Minuten in der Küche, um einen freien Kopf zu bekommen. Da die abgepackten Blutbeutel im Vorratslager des Hausbesitzers nicht gerade appetitlich waren, nahm sich Julian die Zeit, das Ganze in einer Karaffe anzurichten, die er zusammen mit einem kristallinen Weinglas auf ein Tablet stellte und zurück ins Wohnzimmer kehrte.
„So ist es doch sicher einfacher, als dich blind danach suchen zu lassen, oder?“, fragte die Huldra lächelnd nach und stellte das Tablett vorsichtig auf dem Couchtisch ab, bevor wieder zu dem Vampir hinübertrat. Keine zwei Schritte war er noch vom Sofa entfernt, als Julian merkte, wie sein Fuß sich an dem gleichen blöden Stück Teppich verfing, über das er schon so häufig gestolpert war. Gerade, als Julian versuchte, das Gleichgewicht wiederzugewinnen, kam ihm sein eigener Schweif in die Quere und mit einem überraschten Hicksen stolperte Julian vornüber. Wäre er doch bloß nur auf dem Sofa gelandet, doch stattdessen fiel er genau gegen Leurent, der sich ihm dank seiner blitzschnellen Reflexe schon entgegen gestreckt hatte und knallte gegen die harte Brust des anderen. Anscheinend hatte der Vampir sich seine Worte bereits eingeprägt, denn so als wüsste er ganz genau, was er zu tun hatte, hatten sich seine Arme an seine Hüfte gelegt, um ihn abzufedern. Im Schreck des Moments hatte Julian seine eigenen Arme stattdessen um den Oberkörper des anderen geschlungen und der Gedanke, dass es sich beinahe wie bei Charles anfühlte, half ihm nicht gerade dabei die Fassung zu bewahren.
„Oh Gott, es tut mir so leid, ich bin so ein Tollpatsch, bitte verzeih, es tut mir so leid“, presste Julian einen Schwall an Entschuldigungen hervor.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Di Okt 11, 2016 2:53 am

Er spürte, wie die Schmeicheleien offenbar ein wenig zu viel für den armen wirren Kopf des Anderen waren, doch wenigstens konnte er seine Gedanken auf sich lenken, wo Leurent doch sichtlich Interesse an ihm und seiner Art hatte. Und dieses Interesse war auch alles andere als geheuchelt oder ein Mittel zum Zweck um ihn irgendwie herumzukriegen, solch einen ersten Eindruck wollte er- zumindest in diesem Falle- nur ungerne erwecken.
Dass er sich jedoch trotzdem köstlich darüber amüsierte, dass er Julian wirklich so stark aus der Fassung bringen konnte und dies mit seiner puren Präsenz, war allerdings etwas, was er nicht einfach abstellen konnte. Dafür war er viel zu angetan vom anderen Wesen, welchem er aufmerksam lauschte.
„Also für mich klingt das schon ziemlich spannend, ehrlich gesagt. Ich habe viele kennengelernt, die wahrscheinlich eine Menge opfern würden, um die Entscheidung fällen zu können für immer zu leben oder irgendwann der Unsterblichkeit ein Ende zu bereiten. Es gibt verschiedene Arten von Vampiren und sie alle denken so anders über ihre Verdammnis. Ich betrachte sie zum Beispiel als Segen.“, ein breites Lächeln zierte sich auf den Lippen des Vampirs und präsentierte dabei seine spitzen weißen Zähne, die er nicht mehr verbergen musste, immerhin waren sie hier alle unter sich und niemand würde erschrocken zurückweichen. Trotzdem hatte er für einen Moment tatsächlich geglaubt, dass sein entzückendes, unwiderstehliches Raubtiergebiss Julian dazu animiert hatte, noch ein bisschen weiter von ihm wegzurutschen, wenn seine Gedanken ihn nicht eines Besseren belehrt hatte.
Schien seine Nähe ihn doch tatsächlich so verlegen zu machen? Wahrscheinlich hätte er ihm die Klamotten vom Leib reißen können und er wäre sogar mitgezogen, zumindest glaubte er gerade sehr gerne daran, dass er tatsächlich sogar imstande wäre, einer treuen Seele die Untreue zu entlocken, wäre immerhin nicht das erste Mal! Besser war es jedoch mit seinem sexy Charme etwas weniger zu hausieren und sich vielleicht tatsächlich auf den Gegenüber zu konzentrieren und auf was, was er ihm so mitzuteilen hatte.
„Magisch auch noch? Dann seid ihr uns ja ähnlicher als du glaubst. Ich meine, abgesehen von den Ohren und allem, von denen ich wahrscheinlich nicht mal abgeneigt wäre! Und dann hat es eine so scheue und abgeschiedene Gestalt ausgerechnet hierher und in dieses Leben geschafft, wahrlich ein Abenteuer!“, seine Augen fanden die strahlend blauen des anderen, welcher sich jedoch nicht allzu lange auf den Augenkontakt einließ und nervös zur Seite schaute, ehe seine Stimme sich abermals erhob und Leurents Augenbrauen das Gleiche taten. Sein…Rücken? „Hast du etwa einen schlechten Tattoo- Job bekommen in irgendeiner gammeligen Gasse? Ich kenne da einige, die das richten könnten. Keine Sorge, ich werde da schon nicht draufstarren geschweige denn dein Oberteil hochziehen, um mir einen neugierigen Blick zu gönnen.“, Leurent hob abwehrend die Hände, symbolisierte, dass er seinen Wünschen nachgehen würde, was auch immer es damit auf sich hatte, auch wenn ein kleiner- ach was, ein riesiger Teil vor Neugierde beinahe zu platzen drohte. Eigentlich hätte er am liebsten jetzt gleich das Mysterium aufgelöst, indem er eine Hand unter das fremde Shirt vergraben und den Rücken abgetastet hätte, es war tatsächlich viel Disziplin erforderlich, um diesem Wunsch nicht nachzugehen!
Seine Unsicherheit machte es ihm jedoch auch nicht einfach, diese Situation nicht so herumzudrehen, dass er zu seinen Gunsten das tun konnte, was er wollte! Wieso war er auch Charles‘ Partner und wieso lebten sie keine offene Beziehung aus? Alles wäre so viel einfacher gewesen, wenn der andere Vampir sich ein bisschen flexibler zeigen würde, doch darauf müsste er wahrscheinlich noch eine weitere Ewigkeit warten müssen.
Also beließ er es lieber bei den unschuldigen Blicken, dem breiten Grinsen, das hin und wieder sich in ein charmantes Lächeln verwandeln konnte, Julian jedoch schien das nicht lange aushalten zu können, offenbar waren reine Unterhaltungen doch zu viel für sein hübsches Köpfchen. Wenn es nach dem Größeren ginge, hätte er ihm gar nichts holen müssen, doch dieses Mal winkte er ihm nur lächeln hinterher und wartete geduldig, bis dieser mit etwas abgepacktem Blut zurückkam. Leurent legte nicht allzu viel Wert auf besonders prunkvolle und schöne Präsentationen, tatsächlich hätte die Huldra einfach den Beutel ihm entgegenwerfen können und er hätte vorsichtig daraus getrunken, ohne, dass dabei ein Glas beschmutzt wurde, doch schien sein Gastgeber ganz anderer Meinung gewesen zu sein, wahrscheinlich wollte er einfach nicht zu forsch und ohne Manieren wirken, Leurent zumindest konnte diese Mühe durchaus wertschätzen.
„So viel Mühe hättest du dir nun wirklich nicht machen müssen, auch wenn ich mich durchaus geschmeichelt fühle, dass ich so gut behandelt werde als wildfremder Mann. Danke dir, Julian.“, er schenkte dem Blondschopf ein warmes Lächeln, beobachtete ihn dabei, wie er wieder auf seinen Platz zurückkehren wollte, es allerdings nicht allzu elegant hinbekam. Seine Augen erkannten schnell, dass Julian über etwas zu stolpern schien und binnen weniger Sekunden hatten seine Reflexe ihn schlagartig erheben und die Arme ausbreiten lassen, sodass der schmale Körper nicht plump zu Boden oder unglücklich auf die Couch fiel. Nein, stattdessen fiel der Tollpatsch gegen seine Brust.
Normalerweise hätte er einfach seine Arme um den filigranen Rücken geschlungen, doch schlagartig kam ihn seine Warnung in den Sinn und da er es sich noch nicht mit der Huldra verscherzen wollte, platzierte er lieber die Finger auf seiner Hüfte, sodass er nicht mit allzu viel Schwung gegen ihn knallte. „Na da scheint jemand nicht auf seine Füße zu achten! Gut, dass du wenigstens die gefährlichen Gegenstände auf dem Tisch abgestellt hast!“, seine hellen Augen blinzelten hinunter zur sichtlich verwirrten Gestalt, welche sich irritiert gegen seine Brust gepresst hatte, ihn schief angrinsend. „Na, na, du brauchst dich nicht zu entschuldigen, ist doch nichts passiert, alles ist noch an dir dran und du hast dich nicht verletzt. Alles gut.“, meinte der Ältere ehrlich, fuhr dabei leise lachend über die wilden blonden Locken des Kleineren, auch wenn dabei einige Strähnen am kleinen Geweih hängen blieben.
Spätestens, als ihm bewusstwurde, dass solch eine Körpernähe vielleicht eher nicht ein allzu gutes Bild abgab, sollte der Herr des Hauses plötzlich eintreten, ließ er langsam von Julian ab, stellte sicher, dass er sich ohne weitere Zwischenfälle vernünftig auf die Couch gesetzt hatte, ehe er das Gleiche tat. „Ich glaube ich würde sehr viele Jahrhunderte brauchen, um meinen Schweif unter Kontrolle zu bringen, ich bin ehrlich gesagt erstaunt über jeden, der die meiste Zeit nicht über das Ding stolpert!“, scherzte der Vampir und schenkte sich beiläufig etwas aus der Karaffe ein. Blut, was nicht gerade frisch aus einem menschlichen Körper kam, war immer etwas- nun ja- es war einfach nicht so geschmacksintensiv, wie man es sich gerne gewünscht hätte. Man konnte es in der Menschenwelt wohl damit vergleichen, dass eine Fertigmahlzeit nicht so toll war wie ein frisch zubereitetes Essen aus frischen und guten Zutaten. Doch manchmal hatte man keine Lust auf den Zeitaufwand, manchmal brauche man etwas Schnelles oder manchmal musste man einfach diesen schrecklichen Hunger stillen und irgendwann schmeckte es gar nicht mehr so schlimm wie zu Anfang. Der Gaumen gewöhnte sich erstaunlich gut und schnell an bestimmte Dinge!
Leurent wollte noch etwas einwerfen, einen kleinen Scherz beifügen, damit Julian sich nicht allzu schlecht fühlte, da hatten seine Ohren bereits Schritte vernommen, anschließend das Aufschließen einer Tür und eine Duftnote, die ihm ein strahlendes Lächeln auf das hübsche Gesicht zauberte. Charles war endlich zu haus.

Seit Charles herausgefunden hatte, dass seine Angst vor dem Licht nicht mehr allzu begründet war, versuchte er den Tag endlich effektiver und besser nutzen zu können. Dass er immer noch einer der wenigen Unsterblichen war, die sich mit einem Job und den menschlichen allgemeinen Verpflichtungen abgab, mochte für viele Seinesgleichen unbegreiflich sein, doch er genoss diese kleinen Routinen seines Lebens und er genoss es auch an etwas zu arbeiten, was er durch seine eigene harte Arbeit erschaffen hatte, auch wenn er manchmal lieber die Zeit mit seinem Geliebten verbracht hätte.
Seit ihrem schrecklichen Vorfall waren sie sich auf einer sehr eigenen Art noch nähergekommen, als sie es ohnehin schon waren, auch wenn er ungerne an diese dunkle Zeit zurückdachte. Doch war sie wohl für immer in seinem Leben verankert gewesen, die Angst und die nagenden Schuldgefühle, die ihn gerne die ein oder andere Nacht wachhielten und ihn dazu zwangen für einige Stunden das Bett zu verlassen und darüber nachzudenken, was er getan hatte. Wie Julian ihn immer noch lieben konnte, war ihm in diesen Momenten mehr als nur unklar gewesen, doch ein großer Teil von ihm war erleichtert, dass er es tat, dass sie immer noch zusammen waren und dass er ihn nicht verlassen hatte. Das Leben hatte sich schon lange nicht mehr so gut angefühlt wie an der Seite des anderen Fabelwesens, der seine persönliche Sonne war, der Grund, weswegen er mit Freuden erwachte und mit der gleichen Freude jedes Mal zurück in sein Haus kehrte.
Bald würde er ihn höflich darum bitten bei ihm zu leben. Er hatte so viel Platz, immerhin hatte er bereits diverse Zimmer für seine Arbeiten bekommen, für seine Kunst und wieso sollte er nicht auch sein restliches Hab und Gut zu ihm bringen? Das Haus könnte auch sein Zuhause sein!
Doch für dieses Vorhaben musste erst der richtige Moment abgepasst werden, Charles war sich nicht sicher, wann genau dieser Moment kommen würde, doch sollte er einkehren, war er bereit dafür.
Diese Gedanken motivierten den Vampir früher seine Arbeitsstelle zu verlassen, er wollte einen angenehmen Abend mit seinem Partner und er wusste, dass Julian sich darüber freuen würde, was ihn dazu animierte noch ein wenig stärker auf das Gaspedal seines Neuwagens zu drücken. Selbst die Offenheit gegenüber neueren Dingen hatte er der Huldra zu verdanken, ohne ihn würde er sich wahrscheinlich mit vielerlei Dingen noch sehr schwertun.
Er hatte seinen Wagen in der großen Garage neben seinen anderen Exemplaren geparkt, trat summend aus dem dunklen, extra angebauten kleinen Gebäude aus, als er für einen kurzen Moment innehielt. Es mochte lächerlich wirken, wenn man es anderen versuchte zu erklären, doch Vampire hatten nicht nur einen sehr sensiblen Geruchssinn, nein, sie konnten sich auch alte Gerüche von vor dreihundert Jahren merken und so wunderte es ihn plötzlich, als ein ganz spezifischer Duft die Umgebung einzuhüllen schien, einer, den er seit Gezeiten nicht mehr vernommen hatte. Misstrauisch eilten seine langen Beine zur Haustür, wo der Geruch noch intensiver wurde gepaart mit dem von Julian. „Verflucht!“, zischte der Dunkelhaarige mit leiser Stimme hervor, ehe er schnell die Tür öffnete und sein Haus betrat.
Er hatte sich nicht die Mühe gemacht nach dem Blondschopf zu rufen, stellte seine Tasche einfach auf dem Boden ab und folgte mit schnellen Schritten dem Geruch, nur um mit großen Augen im Wohnzimmer auf die beiden Gestalten zu starren, die sich dort auf der Couch befanden. Unglücklicherweise galt sein Blick hauptsächlich dem gelassenen Schönling, der an der roten Flüssigkeit seines Glases nippte. Sein breites Lächeln wirkte in diesem Augenblick wie Gift und er brauchte nicht einmal seine Stimme zu erheben, hatten seine Gedanken gerade wahrscheinlich gereicht, um dem Gast einen Eindruck zu verleihen, was er von seinem Spontanbesuch eigentlich hielt.
„Leurent…“, presste der Vampir leise zwischen seine Lippen hervor, versuchte seine Beherrschung nicht gänzlich zu verlieren und schreckliche Beschuldigungen dem Mann entgegen zu spucken. Julian sollte ihn nicht so sehen, es würde ihn wahrscheinlich verwirren, wie er so viel Zorn aufbringen konnte. Doch wenn er nur wüsste, dass sein Zorn dem anderen Vampir gegenüber mehr als nur berechtigt war…vielleicht würde er ihn nicht verurteilen.
„Bevor du einfach so entschieden hast, mein Haus zu betreten, hättest du mich vorher um Erlaubnis bitten können. Hätte ich damals gewusst, welch einen Fehler ich begannen habe, als ich dich hineingebeten habe, hätte ich lieber die Wände eigenhändig zerstört und in Brand gesetzt. Du wagst es dich nach all den Jahren hier wieder blicken zu lassen? Ich sollte dich hinauswerfen!“, Charles war unfähig sich den beiden zu nähern, so viele Gedanken schwirrten in seinem Kopf, so viel Zorn und Schmerz vermischten sich mit anderen Gefühlen, dass er am liebsten wieder kehrtgemacht hätte, doch konnte er Julian wohl kaum mit diesem Wesen alleine lassen, wahrscheinlich hatte er schon mehrmals versucht, ihn zu verführen. Er kannte diesen Mann viel zu gut und wusste ganz genau, dass seine Hemmungen nicht existent waren.
„Hast du irgendwelche deiner Tricks an Julian ausprobiert? Ich warne dich, Leurent. Was hast du hier überhaupt zu suchen, wieso bist du hier und nicht mehrere hunderte Meilen entfernt, wo man dich nicht sehen oder gar hören kann. Oh bitte, sag nicht, du hast wirklich geglaubt, ich würde dich mit offenen Armen empfangen und dich darum bitten, wieder bei mir zu leben?!“, wenn Leurent doch nur wüsste, dass er ihn unter allen anderen Umständen jederzeit liebevoll und herzlich bei sich aufgenommen hätte, doch wusste Charles mittlerweile wie er wichtige Gedanken vor dem anderen Vampir gut verbergen konnte, ohne wie ein offenes Buch gelesen zu werden und Leurent wusste es auch, vielleicht wusste er auch, welch eine Verwüstung er im Inneren des Dunkelhaarigen angerichtet hatte, als er einfach fortgegangen war, doch für solche Dinge war er sich wahrscheinlich zu fein und zu gut, es war nicht wichtig genug. Nicht für ihn.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   So Nov 06, 2016 1:49 am

Dass Julian nicht einfach in Ohnmacht fiel, als er dem Fremden plötzlich so nah war, war ehrlich gesagt ein Wunder. Ein starkes Gefühl von Schwindel übermannte ihn, als Leurent ihn an der Hüfte hielt und über seine Haare strich. Wie konnte er bloß so angetan von diesem Mann sein, wenn er wusste, dass er Charles auf ewig lieben würde? Er kam sich schrecklich und dreckig vor und nicht wirklich so, als hätte er Charles verdient, wenn er bei der ersten Gelegenheit solche Gedanken hegte. Aber dieser Mann war so anders und doch so ähnlich, es war zum verrückt werden! Zum Glück beschloss Leurent von selbst, die Nähe zwischen ihnen wieder zu unterbrechen, denn Julian wusste nicht, ob er selbst fähig gewesen wäre von dem kalten, harten Körper abzulassen, der sich zwischen seinen zittrige Armen befand. Nach so einer Begegnung die Fassung wiederzuerlangen war äußerst schwierig, sodass Julian froh war, dass das Sofa ganz in der Nähe war. Mit butterweichen Knien ließ er sich auf die teuren Polster nieder und faltete die schmalen Hände in seinem Schoß. Ein paar Mal tief einatmen war leider auch nicht die magische Lösung für sein Problem.
„I-Ich….naja, ich glaube ich war schon immer etwas tollpatschig“, brachte Julian nur mit einem leisen Murmeln hervor, dann war Leurent glücklicherweise mit dem Blut beschäftigt. Der metallische Geruch gehörte mittlerweile zu den Sinneseindrücken, an die sich die Huldra gewöhnt hatte, Charles trug den Duft oft an sich und Julian empfand ihn schon länger nicht mehr als unangenehm. Julian wollte gerade nach dem nächsten Gesprächsthema suchen, mit dem er sich etwas ungelenk von den Geschehnissen ablenken könnte, als ein vertrauter Geruch in seine Nase stieg. Seine Ohren stellten sich aufgeregt auf und ein erleichtertes Lächeln huschte über sein Gesicht. Charles war wieder zuhause! Das hieß, dass er endlich aufhören konnte, Leurent auf schüchterne Art und Weise auszuhalten. Außerdem freute sich Julian jedes Mal wie ein junger Hund, wenn sein Freund nach Hause zurückkehrte und wenn auch noch ein alter Freund auf ihn wartete, dann würde er sicher bester Laune sein. Vorsichtshalber rückte Julian noch ein wenig weiter von Leurent ab, er wollte nicht den Eindruck vermitteln, dass sie beide sich in Charles´ Abwesenheit zu nahe gekommen wäre. Erwartungsvoll hatte Julian sich herumgedreht, einen Arm auf die Lehne der Couch gelegt und neugierig in Richtung der Tür starrend. Leurent hatte mindestens genauso gute Sinne wie er selbst und brauchte nicht auf die Ankunft des Hausherrn aufmerksam gemacht werden. Das ließ immerhin vermuten, dass Charles auch bereits wusste, dass ihn nicht nur Julian erwarten würde. Aufgeregtes Kribbeln stieg in Julians Magengrube auf, die sich jedoch direkt zu Eis verwandelte, als er Charles´ Gesichtsausdruck sah, als er den Gast erblickte.
Automatisch legten sich die langen Ohren zurück und die Huldra schrumpfte auf ihrem Sitzplatz zu einem kleinen Häufchen Elend zusammen. Er hatte Charles selten aufgebracht erlebt und dies war eine der seltenen Gelegenheiten. Hätte er diesen Mann doch bloß nicht hereingelassen, was, wenn er einen wahren Feind ins Haus gelassen hatte? Zusätzlich hatte er noch lustvolle Gedanken ihm gegenüber gehabt, was hatte er bloß getan? Julian war so aufgelöst, dass er kaum mitbekam, worüber die beiden redeten, doch plötzlich hatte sich Leurent zu ihm umgedreht, eine Hand auf seinen Arm legend. Sein einnehmendes Lächeln wollte ihm schon wieder zu Kopf steigen, er konnte es genau spüren.
„Würdest du Charles und mich unter vier Augen reden lassen?“
Julian brachte nicht mehr hervor als ein eiliges Nicken, warf seinem Freund schließlich einen entschuldigenden, schamerfüllten Blick zu.
„Es tut mir leid, ich wusste nicht-„
Unschlüssig trat Julian ein paar Mal auf der Stelle, dann drückte er sich hastig an Charles vorbei, ohne ihm ins Gesicht zu schauen. Die Huldra fühlte sich elend und er wusste jetzt schon, dass die Zeit nicht umgehen würde, sodass er sich mit einem genervten Seufzen auf die Treppe hockte und den Kopf zwischen seinen Armen vergrub.

Sein Blick folgte der Huldra, bis die schmale Gestalt den Raum verlassen hatte, dann wandte Leurent sich mit einer fließenden Bewegung zu Charles herum.
„Ich hatte eigentlich erwartet, dass du mich etwas freundlicher begrüßt, Charles“, schnurrte er, bevor er sich erhob. Zu gerne hätte er in die Gedanken seines alten Liebhabers gesehen und herausgefunden, ob dort wirklich nur Zorn vorherrschte, aber sein Freund hatte schon lange gelernt, wie er seine Gedanken vor ihm verbergen konnte. So eine Schande, es war so viel angenehmer, wenn er die Gedanken seines Gegenübers lesen konnte. Die kleine Huldra war ein offenes Buch für ihn gewesen mit all seinen Wünschen und all seiner Lust, doch Charles…bei Charles musste er sich auf die kaum kontrollierte Stimme und die scharfen Gesichtszüge verlassen. Er hätte sich vermutlich denken können, dass er andere ihn nicht mit offenen Armen empfangen würde. Wie viele Jahrzehnte hatten sie sich nun nicht gesehen? Nicht, dass für Vampire die Zeit nicht sowieso verfliegen würde.
„Ich hatte eigentlich gehofft, dass du dich wenigstens ein wenig darüber freust mich wiederzusehen, Charles.“
Leurent erhob sich langsam und trat ein Stück auf den anderen zu, jedoch noch ein wenig Abstand zwischen ihnen wahrend. Mit einem langen Blick begutachtete er Charles. Dieser Kerl war wirklich allergisch gegen Veränderung! Er wirkte immer noch so steif und vornehm wie eh und je, man hätte ihn ohne große Änderung wieder in die Zeit ihrer Jugend stecken können und niemandem dort wäre es aufgefallen. Aber nunja, war das nicht irgendwo auch sein Charme? Immerhin hatte er es geschafft mit dieser Art sowohl die süße Huldra als auch ihn selbst für sich zu gewinnen.
„Ich wollte dich überraschen, du Spielverderber! Dein Freund wusste die Überraschung sehr viel mehr zu schätzen muss ich sagen.“
Noch wirkte Charles sehr defensiv und die Wut in ihm schäumte – dafür brauchte Leurent nicht in seine Gedanken zu sehen. So gerne er auch einfach sein übliches Selbst hätte raushängen lassen, er wollte es sich nicht direkt mit Charles verscherzen. Wenn er diese Angelegenheit nicht mit Fingerspitzengefühl anging, würde Charles ihn wohl tatsächlich wieder vertreiben und das war wirklich das letzte, was Leurent wollte. Nein, er war tatsächlich zurückgekehrt, weil ihn ein Gefühl von Nostalgie übermannt hatte. So schön es auch war mit der Zeit zu gehen, manchmal sehnte Leurent sich nach den Tagen seiner Jugend zurück. Charles konnte ihm nicht erzählen, dass er es nicht auch vermisste!
„Was ich hier mache? Dich besuchen natürlich! In letzter Zeit hat mir etwas gefehlt, Charles, und ich gebe es nur ungern zu, aber….wir sind Familie, oder nicht? Ich kenn dich besser, als du es gerne hättest und du bist nur so wütend, weil ich dich verletzt habe….weil ich dir etwas bedeute.“
Mit jedem Wort trat Leurent etwas näher an den dunkelhaarigen Vampir heran, den Blick nicht von ihm abwendend. Charles wusste, dass er recht hatte und für einen Moment verwandelte es seinen Gesichtsausdruck in eine säuerliche Fratze.
„Die Tatsache, dass ich lange fort war, ändert doch nichts daran, wie verbunden wir einander sind. Daran ändert auch kein süßer Europäer der Welt etwas“, schmunzelte er verschmitzt und lehnte sich so nah zu Charles hinüber, dass er ihn einfach hätte küssen können, wie in guten alten Zeiten.
„Was möchtest du hören, damit du mir verzeihst? Du weißt doch, wie ich bin, ich würde doch von dir auch niemals verlangen, dass du mit der Zeit gehst und dich ein wenig neumodischer kleidest“, lachte Leurent leise und streckte eine Hand nach dem kalten Gesicht seines Gegenübers aus.
„Es tut mir leid, Charles, ich hab dich vermisst“, wisperte er leise und fuhr mit den Fingerspitzen über die perfekte, marmorne Haut des Vampirs.
„Lass mich an deinem Leben teilhaben, du wirst merken, wie sehr du mich vermisst hast! Gerade jetzt, wo wir sogar so viel Spaß zu dritt haben könnten! Ganz wie in guten alten Zeiten, oder nicht?“

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Mi Nov 16, 2016 3:25 pm

Wenn es nach Charles ging, hätte Julian auch hierbleiben können. Er war Teil seines Lebens geworden, ein wichtiger noch dazu und er wollte nichts vor ihm verbergen, besonders nicht die unerfreulichen Dinge, die ihn in all den Jahren stets begleitet hatten. Dass zwischen den beiden Vampiren ein eher gespanntes Verhältnis vorherrschte konnte der Arme ohnehin nicht wissen, wie denn auch, Leurent hatte ganz sicher nichts darüber erzählt, wie er von heute auf morgen ihn verlassen hatte und sich seither nie gemeldet hatte, kein Telefonat, kein Brief und keine kurzen Lebenszeichen, wo er war und wie es ihm ging.
Charles erinnerte sich sehr gut daran, wie er bei seinem Schöpfer nachgefragt hatte, in der Hoffnung, dass der andere noch eine kleine Verpflichtung ihm gegenüber gehegt hatte, doch scherte sich der Unsterbliche um keinen anderen aus ihrer Zeit.
Und jetzt…jetzt stand er hier, dreist wie eh und je und tat so als wäre alles wie beim Alten! Eigentlich wollte er gar nicht mit ihm diskutieren, es hätte ohnehin wenig Sinn ergeben, doch ihn einfach so aus dem Haus zu werfen war sicherlich auch nicht die feinste Lösung gewesen, Charles hatte immerhin noch so etwas wie Anstand.
Sein Blick wanderte entschuldigend zu Julian. Er wollte ihm etwas sagen, dass es in Ordnung war und dass er sich keine Gedanken machen sollte, doch die Worte blieben ihm im Halse stecken und noch bevor er den Mund aufmachen konnte, hatte dieser die beiden verlassen. Jetzt, wo Julian nicht bei ihm war, konnte ihn zumindest nichts mehr davon halten, seine Wut dem anderen entgegen zu speien, auch wenn er nicht einmal wusste, wo genau er anfangen sollte.
Dieses Gesicht, diese schiere Arroganz, die ihm entgegenblickte, er hatte noch nie so viel Zorn in seinem Inneren verspürt, dass er beinahe gewillt war, dem anderen mit der Faust ins Gesicht zu schlagen. Doch so etwas war nicht seine Art, er würde nicht in belanglose Gewalt verfallen, mochten die niederen Instinkte in ihnen schlummern, hieß es noch lange nicht, dass er diese auch erwecken sollte. Der Schönling gegenüber von ihm sah das natürlich ganz anders, seine niederen Instinkte gehörten beinahe schon zu seinem Charakter und er hätte sich wahrscheinlich nicht einmal gezügelt eine kleine Prügelei anzufangen, würde der jeweils andere sich in der anderen Position befinden. Auf der anderen Seite wäre solch ein Szenario schier undenkbar gewesen.
Die Worte des Älteren entlockten ein lautes Auflachen aus der Kehle des Dunkelhaarigen, wie konnte er sie auch ernst nehmen, sie klangen so ignorant, so lächerlich, dass Leurent wohl selbst nicht glauben konnte, dass er diese auch nur ansatzweise ernst nahm. Freundlicher begrüßen? Darauf hätte er sicherlich ein weiteres Jahrhundert warten können, ganz zu schweigen, dass solche Überraschungen den Vampir nicht unbedingt euphorisch stimmten, ganz im Gegenteil.
„Oh, verzeih werter Herr, dass ich dir nicht weitere Kissen angeboten habe, damit es sich besser auf der Couch sitzt und, oh wo bleiben nur meine Manieren, ich habe dir nicht einmal etwas angeboten und verkündet welch eine schreckliche Freude es doch ist, dass du uns mit deiner Anwesenheit bereicherst. Solch einen schrecklichen Gastgeber kann wohl nur noch ein noch schrecklicherer Gast übertrumpfen!“, sein Worte waren voller Spott. Charles verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust, in der Hoffnung, dass es dem anderen als Symbol ausreichte, dass er ihm bloß nicht zu nah kommen sollte.
„Ich hätte liebend gerne auf solch eine Überraschung verzichtet. Ich würde mich für meine nächsten Worte entschuldigen, hättest du es verdient, doch mein Leben lief ziemlich gut auch ohne deiner Existenz in deiner Nähe, um genau zu sein fühlte ich mich nie besser. Du hättest also ruhig mir fernbleiben können.“, Charles spürte selbst, dass diese Worte nicht ganz der Wahrheit entsprachen und dass sein Zorn ihn etwas zu weit getrieben hatte. Seine Worte waren verletzend, er wollte es nicht. Andererseits jedoch würde es vielleicht nur deutlich machen, wie ernst es ihm war und wie stark Leurent ihn doch tatsächlich verletzt und enttäuscht hatte.
Und vielleicht wurde ihm ja tatsächlich langsam bewusst, dass Charles gar nicht in der Lage war die gesamte Situation so gelassen zu nehmen wie der andere es tat, dass es ihm nicht einmal möglich gewesen wäre, hätte er es krampfhaft versucht.
Eine Familie…Leurent hatte nicht Unrecht mit seinen Worten, sie kannten sich schon so lange, nicht einmal zu seinem Schöpfer hatte er jemals solch eine Verbindung gehabt wie zu der großen Gestalt vor ihm, dessen Gesicht in all den Jahren kein bisschen gealtert war, welcher immer in der Lage war mit der Zeit zu gehen, ohne das Gefühl zu haben, ganz wo anders hinzugehören. Ein wenig hatte er ihn immer dafür beneidet, diese Gelassenheit, die Unbeschwertheit, die ihn umgab, andererseits verfluchte er ihn manchmal genau dafür. Natürlich hatte er ihn verletzt und natürlich bedeutete dieser ignorante, idiotische Vampir ihm etwas, sonst hätte er sich nicht die Mühe gemacht, sich seinen Emotionen so stark hinzugeben.
Seine abwehrende Haltung schien den anderen Vampir nicht beeindruckt zu haben, so nah wie er an ihn getreten war. Hätten sie atmen müssen, hätte er seinen Atem auf seiner Haut spüren können, stattdessen konnte er bereits die familiäre Kühle spüren, die er ausstrahlte. Für einen ganz kurzen Augenblick ließ er seinen zornigen Ausdruck fallen. Es war nie einfach gewesen dem anderen zu widerstehen, das hatte er früh herausgefunden, selbst jetzt brauchte er nur in seine Augen zu blicken um all das wieder aufleben zu müssen, was längst vergangen war. Sie waren vielleicht in irgendeiner Art und Weise verbunden zueinander und wahrscheinlich hätte er Leurent nie aus seinem Leben oder gar aus seinen Gedanken streichen können, doch sie waren kein Paar mehr, all das lag vergraben in der Vergangenheit und Charles hatte kein Interesse all das wiederaufleben zu lassen. All die Worte, die den hübschen Mund seines Gegenübers verließen, machten es ihm nicht gerade einfach, seinen Zorn beizubehalten und den anderen mit zusammengezogenen Augenbrauen anzustarren, um genau zu wurden seine Züge sogar ein wenig weicher. Trotzdem war er nicht gänzlich überzeugt von dieser Entschuldigung, die ihm sein alter Freund versuchte zu präsentieren. Sie war typisch für ihn und ehrlich gesagt war es regelrecht ein Wunder, dass er überhaupt freiwillig sich dazu bereit erklärt hatte, sich bei ihm zu entschuldigen. Andererseits waren ihm wohl auch die weiteren Konsequenzen bekannt und Charles würde dieses mal ganz sicher nicht einfach an Fehlern vorbeischauen, nicht mehr. Er hatte ihn schon lange nicht mehr so sehr in seiner Hand wie früher vielleicht, er konnte sogar dem Drang widerstehen die Haut des Älteren zu berühren, welche er schon so lange auf seinen Fingerspitzen nicht mehr gefühlt hatte, nur um zu sehen, ob es immer noch ein gleiches Gefühl in ihm hervorrief oder nicht.
Leurent schien sehr überzeugt von sich zu sein, hatte er es doch tatsächlich gewagt ihn zu berühren, doch anstatt die Hand vor Wut wegzuschlagen, ließ der Dunkelhaarige es zu, auch wenn es sich erst wie ein elektrischer Schlag anfühlte, als die fremden Finger sich auf seine Haut legten.
„Ich möchte nichts von dir hören, ich fürchte, du kannst nicht viel tun um Vergangenes rückgängig zu machen.“, ein schwerer Seufzer entwich seiner Kehle. „Ich weiß wie du bist und ich weiß, dass es deine Natur ist ein alles andere als sesshaftes Leben zu führen. Auch solltest du wissen, dass ich nie um eine Veränderung gebeten habe…lediglich ein paar Worte, ein Brief, irgendeine Nachricht in all den Jahren, mehr hatte ich nie von dir erwartet. Du sagtest, du würdest mich so gut kennen. Wundert es dich dann wirklich, dass es mich geschmerzt hat, dass du ohne weiteres fortgegangen warst. Und jetzt nach all den Jahren stehst du hier und tust so, als wärst du nur eine Nacht fort gewesen…ich fürchte eine einfache Entschuldigung wird meine Gefühle nicht ändern können, jedoch…“, er hielt einen Moment inne, starrte ernst in die hellen Augen seines Gegenübers. Es war nicht einfach ihm die Tür vor der Nase zu schließen und ihn auf alle Zeiten zu verbannen und auch wenn Charles sich gerade wünschte, er wäre in der Lage so grausam zu ihm zu sein, wusste er ganz genau, dass er niemals in der Lage dazu gewesen, selbst wenn er erst in dreihundert Jahren und nicht heute hier erschienen wäre. Sein Zorn flaute langsam nach und übrig blieb ein Hauch von Enttäuschung, wenn auch gleichzeitig er nicht leugnen konnte, dass es seine Seele mit Erleichterung erfüllte, Leurent wohlauf zu sehen. Nicht, dass er jemals daran gezweifelt hätte, dass er nicht auf sich selbst aufpassen könnte. „…ich schätze deine Aufrichtigkeit und bin gleichzeitiger erstaunt solche Worte aus deinem Mund zu hören, also scheint es dir wenigstens ein bisschen ernst zu sein. Verscherze es dir nur nicht mit mir und schon gar nicht mit Julian. Ich…ich bin gewillt dich als Gast aufzunehmen, einer Familie kehrt man nicht den Rücken zu, du hast recht, doch um dir zu verzeihen wird es mehr brauchen als das. Versuche dich nur dieses Mal wie ein gesittetes Lebewesen zu benehmen, ich weiß wie schrecklich hemmungslos du sein kannst.“, der Vampir ließ ihn wortlos wissen, dass eine weitere solche Tat kein Zurück mehr für ihn bedeuten würde, schon gar nicht in sein Leben. Er würde sich nicht wieder so sehr verletzen lassen, er hatte es nicht verdient und würde es auch nicht mehr dulden.
„Bitte sag mir, dass du Julian nicht allzu sehr verwirrt hast, er muss sich schrecklich fühlen! Er ist genauso Herr in diesem Haus wie ich es bin, damit es dir bewusst ist. Wenn ihm etwas nicht passt, dann hat es seinen Grund und behandelst ihn genauso respektvoll, wie du es mit mir tun würdest. Das solltest du dir besser schnell merken!“, ermahnte er den Älteren mit ernsten Worten, dabei einen Finger hebend. Julian…er sollte schnell mit ihm reden, er wollte nicht, dass es zu einem Missverständnis kam, er sollte sich bloß nicht schuldig fühlen, immerhin traf ihn keinerlei Schuld.

Charles hatte erwartet, dass Leurent diese Nachricht mit Freude aufnehmen würde, dass er jedoch so schnell wie möglich hier direkt einziehen wollte, das kam ihm tatsächlich nicht in den Sinn. Viel Zeit hatte er sich zumindest nicht Zeit lassen können und ehe der Vampir sich versah, war der hoch gewachsene, jung aussehende Mann bereits zur Tür geeilt und hatte ihm versprochen, bald wieder da zu sein. Wie lange er tatsächlich brauchen würde, wusste er allerdings nicht und wenn es nach dem Dunkelhaarigen ging, hätte er sich ruhig Zeit lassen können.
Ganz hinweg über ihren Disput war Charles nämlich nicht, darüber hinaus fühlte er sich verpflichtet Julian wenigstens ein wenig darüber aufzuklären, was gerade in diesem Haus vorgefallen war und wer Leurent denn tatsächlich war. Vermutlich hatte der Blondschopf mehr als nur eine Frage auf seiner Zunge liegen und es tat ihm außerordentlich leid, dass er so plump und ohne jegliche Vorwarnungen in die Situation hineingezogen worden war.
Mit schnellen Schritten wollte der Vampir hinaufeilen, jedoch hatten seine Augen seinen Freund bereits oben auf dem Treppenabsatz kauern sehen. Er hatte wahrscheinlich sogar ihr Gespräch mitbekommen. Mit einem schiefen, entschuldigenden Lächeln trat er langsam an den Jüngeren heran, setzte sich neben sich, während seine Hand sanft durch sein Haar fuhr. „Bitte verzeih diese äußerst chaotische Situation. Ich hätte nicht erwartet, dass er plötzlich vor der Haustüre stehen würde, schon gar nicht, wenn ich selber außer Haus war. Leurent sollte für eine Weile fort sein. Bitte, ich hoffe, er hat dich gut behandelt! Wahrscheinlich hast du viele Fragen und ich möchte dich nur ungerne im Unwissen lassen.“, vorsichtig fuhr seine andere Hand unter das Kinn der Huldra, mit sanfter Gewalt schob er sein Gesicht in seine Richtung, blickte ihm dabei in die strahlend blauen Augen, ehe seine Lippen sich sanft auf die des anderen legten. Er hatte bei all dem Chaos nicht einmal die Möglichkeit gehabt, sie zu liebkosen. „Du wirkst so betrübt, war Leurent doch dazu geneigt gewesen, unangenehm zu sein?“

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