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 Deep in the middle of me I can be fantasy

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Mi Feb 25, 2015 6:28 pm

Julian konnte nicht anders als aufs Tiefste von Charles fasziniert zu sein. Er wusste vermutlich mehr über dieses Museum als einige Mitarbeiter, aber wer konnte ihnen das schon verübeln, immerhin hatten sie die Geschichte dieses Ortes nicht am eigenen Leib miterlebt. Julian hatte selbst gar nicht so recht darüber nachgedacht, aber eigentlich war es offensichtlich, dass der Vampir zahlreiche berühmte Künstler überlebt hatte. Monet mit Sicherheit! Der war immerhin nur kurze Zeit vor Julians eigener Geburt verstorben. Er fragte sich, ob Charles den ein oder anderen Künstler vielleicht sogar persönlich gekannt hatte, immerhin kam er aus einer gehobeneren Schicht, deren Wurzeln sicher schon etwas zurückreichten. Allein der Gedanke erweckte ein leichtes Kribbeln in seiner Magengrube und erweckte Ehrfurcht vor dem hochgewachsenen Mann, der jetzt so selbstverständlich neben ihm durch die Gänge schlenderte. Gerade neben ihm….Je mehr er über seine neue Bekanntschaft erfuhr, desto merkwürdiger und grotesker kam es ihm vor, dass diese tatsächlich etwas mit ihm zu tun haben wollte und höchstinteressiert an ihm zu sein schien. Gespitzt saugten seine Ohren jedes Wort auf, das über Charles´ blasse Lippen kam. Seine Augen wurden immer größer seine Haltung immer gespannter.
„Keine Menschen?!“
Julian hatte an diese eigentlich recht banale Idee nie einen Gedanken verschwendet und er musste sich daran erinnern, seine Stimme ein wenig zu senken, obwohl sie in diesem Gang gerade allein waren. Das letzte alte Ehepaar war gerade um die Ecke gebogen.
„Der Gedanke ist mir ja noch nie gekommen, ich meine, wieso auch nicht eigentlich“, grübelte er etwas abgelenkt vor sich hin.
„Ich bin immerhin auch Maler!“, platzte er heraus, richtete sich dann allerdings selbst zurecht.
„Naja, ein bisschen, ich bin natürlich kein Monet“, fügte er schwach und etwas schüchtern hinzu und brauchte für einen Moment seine ganze Kraft, um seine Tarnung aufrecht zu erhalten. Es war nicht übertrieben zu behaupten, dass dieses Date um einiges aufregender war als das gestrige –und das hatte ihn bereits beinahe ohnmächtig werden lassen!
Das Zeichnen hatte ihn selbst ein wenig abgelenkt, auch, wenn Charles´ Stimme seinen ganzen Kopf auszufüllen schien. Julian hätte ihm stundenlang zuhören können, vermutlich hätte er ihm selbst den Wetterbericht oder den Börsenteil vorlesen können und Julian hätte noch an seinen Lippen gehangen, doch wenn er über Kunst redete, vergrößerte seine Anziehungskraft sich noch um ein Vielfaches. Julian fühlte sich immer noch wie in einem Süßigkeitenladen ausgesetzt wenn er daran dachte, was der Vampir ihm alles zu bieten hatte und wie ähnlich ihre Interessen waren.
„Ich wollte immer nach Europa zurück, aber mittlerweile gibt es hier Dinge, die Amerika viel schmackhafter machen“, schmunzelte er und dachte dabei unter anderem auch an Blake, denn in Norwegen hatte er nie so einen engen, besten Freund gehabt wie hier. Natürlich zählte er Charles insgeheim ebenfalls zu diesen Gründen, doch er verbarg seine Aufregung unter einem verschmitzten kleinen Lächeln, das Charles vermutlich so einfach durchschaute wie die Lüge eines Kleinkindes. Allzu offen flirten wollte Julian trotzdem nicht, er wusste ja nicht einmal, wie das ging. Flirten….Das letzte Mal hatte er dafür gesorgt, dass sich Charles überschwänglich bei ihm entschuldigen musste! Diesen Fehler wollte er lieber nicht noch einmal wiederholen.
„Diese Leute sind doch verrückt.“
Julian schüttelte ungläubig den Kopf.
„Wieso sollte hinter solch einer Faszination denn Magie stecken? Auf so eine Idee können auch nur Menschen kommen“, schnaubte er verächtlich und verdrehte die Augen. Sie waren immer noch relativ ungestört, ansonsten hätte Julian auch gar nicht in so eine tiefe Konzentration verfallen können, sodass er immer noch recht frei sprechen konnte. Immer noch war er etwas rot um die Nase, doch mittlerweile hatte er seine Zeichnung wieder dem Blick des Älteren freigegeben, da er sich sonst doch etwas unfair vorkam. Immerhin wollte er seine Arbeiten nicht vor dem Vampir verstecken. Es war nur ungewohnt, dass ihm jemand beim Prozess zusah. Selbst Blake ließ er selten über seine Schulter blicken, wenn er kreativ wurde. Wenn er sich im selben Raum aufhielt wie er war das schon genug Einbuße seiner Privatsphäre. Deshalb zeichnete er auch nicht mehr so oft in der Öffentlichkeit wie früher. Die Angst, dass ihm wohlmöglich die ganze Zeit jemand über die Schulter blickte war einfach zu groß. Vielleicht hatte sich zu viel dieser Besorgnis in seinem Blick abgezeichnet, denn der Vampir wirkte regelrecht betreten. Hastig versuchte er sich etwas zu lockern und weniger angespannt zu wirken, das würde seiner Tarnung immerhin auch ganz gut tun. Und wie konnte er auch schon lange in solch einer verteidigenden Position bleiben, wenn Charles ihm solche Komplimente machte?! Julian hatte das Gefühl, dass er bei solchen Worten einfach dahinschmelzen musste und blickte den Vampir mit großen Augen an. Für einen Moment war Julian so perplex, dass sein Mund leicht offenstand.
„Ich verspreche, dass kein Voodoo involviert ist“, brachte die Huldra irgendwie mit Biegen und Brechen hervor und verschluckte sich beinahe an seinen eigenen Worten. Sein Gesicht fühlte sich heiß an und er war sich sicher, dass er mal wieder aufs Tiefste vor Charles errötet war. Doch solche Komplimente konnte er doch nicht einfach ohne Vorwarnung fallen lassen! Jetzt war die Huldra völlig durch den Wind und es fiel ihm schwer, auf die restlichen Fragen des Älteren überhaupt noch zu antworten. Erschrocken verzog er das Gesicht, als Charles auch noch vorschlug, sich wegzusetzen. Schneller, als sein Kopf mitdenken konnte, hatte er eine Hand auf das Knie des Vampirs gelegt und stieß ein beinahe flehendes „Nein, bleib hier!“ aus. Etwas perplex, wieso er sich auf einmal getraut hatte, körperliche Nähe zu suchen, zog er die Hand hastig wieder beiseite. Noch immer spürte er den teuren Stoff und Charles´ kühle Haut unter seinen Fingerspitzen. Die Verwirrung machte es schwierig, angemessen auf die weiteren Fragen seines Dates zu antworten, doch auf der anderen Seite war Julian die Ablenkung auch willkommen.
„Ich weiß nicht, ich zeichne schon, seit ich klein bin, also seit….seit ungefähr sechzig Jahren?“, grübelte der Lockenkopf und tippte nachdenklich mit seinem Stift auf das Papier.
„Oh, ich habe überlegt, ein wenig etwas mit meinem Können anzufangen, aber mir fehlen die Adressen, um meine Bilder richtig zu vermarkten und ich traue mich nicht, eine feste Anstellung unter Menschen anzunehmen.“
Nervös hatte Julie begonnen, mit dem Bleistift auf den Ecken seines Skizzenpapiers herum zu kritzeln.
„Seit ein paar Wochen funktioniert meine Tarnung für so etwas nicht mehr gut genug, aber ich möchte Blake gerne mit der Miete aushelfen, ich möchte kein Schmarotzer sein.“
Mittlerweile hatte sich der Lockenkopf wieder so weit gelockert, dass er im Schneidersitz auf der einfachen Sitzgelegenheit Platz genommen hatte. Es war gut, dass er bereits saß, denn Charles überraschte ihn mit einem Kompliment nach dem nächsten.
„Du würdest meine Werke bei dir aufhängen wollen?! Ziehst du etwa zurück in deine Villa? Aber dann musst du mich etwas Angemessenes für solch ein Anwesen kreieren lassen! Am besten zeigst du mir das Haus, damit ich die Stimmung kenne und die Farben und-„
Julian stoppte sich selbst mit einem nervösen Lächeln in seinem euphorischen Erguss.
„Tut mir leid, ich sollte nicht so übertreiben.“
Mit einer schnellen Geste klappte er sein Skizzenbuch zu und klemmte es sich unter den Arm, den Stift hinter seinem Ohr festklemmend. Ohne diese alberne Tarnung wäre das durchaus leichter gewesen. Mit einer schwungvollen Bewegung erhob er sich und winkte Charles eifrig zu, es ihm gleich zu tun.
„Komm, uns fehlt noch so viel von der Ausstellung, ich möchte alle Gemälde sehen und draußen wird es sicher schon dunkel. Zur Not verstecke ich mich hier und betrachte die letzten Werke bei Nacht!“, stieß Julian trotzig hervor und schob die Unterlippe verbissen ein Stück nach vorn. So inspirierend auch dieses eine Werk gewesen war, er wollte mehr sehen, mehr Farben und Linien und Pinselstriche in sich aufsaugen. Wie er so neben Charles her schlenderte und die Kunst in sich aufsog wie ein trockener Schwamm, konnte er nicht umhin, an die kurze Berührung zu denken und daran, dass er unglaublich gerne mehr wollte. Auch, wenn es ihm schwer fiel, die Faszination des Vampirs auch nur in irgendeiner Form nachzuvollziehen, war es glasklar, dass er ihm nicht nur etwas vorspielte, sondern seine Anziehung ernst gemeint war. Julian musste die Beweggründe dafür nicht akzeptieren, um sich damit abzufinden und die Gewissheit zu erlangen, dass man ihn nicht abweisen würde, wenn er nach Nähe suchte.
Mit so viel Bedacht, als wenn er die letzten entscheidenden Pinselstriche setzen würde, tasteten seine Finger ins Leere, bis er die Finger des Vampirs traf und sie vorsichtig mit seinen verschränkend. Obwohl seine Hand recht kühl war, war die Berührung unglaublich warm und prickelnd auf ihre ganz eigene Art. Wellen von Schmetterlingen stoben in seinem Bauch auf und zögerlich wandte er den Blick, suchte Charles´ Augen, um sich eine Bestätigung zu holen, dass er gerade eben nicht zu weit gegangen war, denn sich unangemessen verhalten lag der Huldra völlig fern.

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Do Feb 26, 2015 10:39 pm

Es hätte Charles nicht überrascht, wenn es Julian tatsächlich unangenehm gewesen war, dass ihm jemand bei seiner Arbeit zuschaute und er hätte es ihm wohl auch nicht verübelt, sollte er den Wunsch hegen, die nächste Zeit lieber etwas Zeit für sich und seine Werke zu haben. Viele Künstler mochten es nicht wenn fremde Augenpaare sie bei ihrer Arbeit aufhielten und störten, doch er atmete dennoch erleichtert auf, als der Jüngere ihm nicht die Bestätigung gab, dass er sich besser etwas von ihm entfernen sollte.
Seine Augen wanderten hinunter auf sein Knie, die Wärme der anderen Hand umfing ihn und fühlte sich angenehm an, dass er ein wenig traurig darüber war, dass Julian sie wieder zurücknahm.
Ein sanftes Lächeln umspielte die blassen Lippen als ihre Blicke sich erneut trafen, ehe er leicht den Kopf schüttelte. „Ich werde nirgendwohin gehen, wenn du mich gerne hierhaben möchtest.“, fügte er leise hinzu, dabei das leicht errötete Gesicht seines Gegenübers musternd. Charles sollte aufpassen, dass es nicht zur Gewohnheit wurde, dass er den anderen in Verlegenheit brachte, denn dies war sicherlich etwas, was er unter keinen Umständen bewirken wollte, doch es war nicht einfach gewesen auch nur eine Sekunde lang ihm nicht die angemessene und volle Aufmerksamkeit zu schenken, ja es fühlte sich beinahe schon falsch an auch nur kurz seine Augen von ihm abzuwenden!
Aufmerksam lauschten seine Ohren der angenehmen Stimme des Gelockten, bei seinen Worten jedoch verwirrt seine Augenbrauen hebend. Hatte er gerade tatsächlich seit 60 Jahren gesagt?! Oder hatte er sich da gerade tatsächlich verhört? Es war selten, dass Charles etwas falsch verstand, dass seine Ohren nicht das hörten, was der andere auch tatsächlich vermittelt hatte, doch erschien ihm das so abwegig, dass er sich gar nicht erst traute noch einmal nachzufragen, nicht, dass er es falsch oder gar als unhöflich und schroff annahm, dass er ihn für so viel älter gerade gehalten hatte als er es eigentlich gewesen war. Da erschienen sechzehn Jahre schon weitaus logischer zu sein, sodass er sich stattdessen lieber auf die nächsten Informationen konzentrierte, die der Jüngere ihm offenbarte.
„Nun, sollte es wirklich irgendwann in deinem Interesse liegen, würde ich dir gerne aushelfen. Einige Adressen sind mir noch bekannt, die dir sicherlich weiterhelfen könnten. Ich kann sehr gut verstehen, dass es nicht immer sehr angenehm sein muss, wenn man unter vielen Menschen sich tagtäglich aufhalten muss. Ich fürchte, dass ich selbst viel zu selten mit Menschen arbeite und dabei sollte ich mir das besser schneller abgewöhnen! Viele meiner Angestellten und Klienten haben mich vielleicht nur einmal in ihrem Leben gesehen, Menschen arbeiten gerne tagsüber zu meinem Unglück.“, erneut formten seine Lippen ein Lächeln. Es war nicht immer einfach gewesen so zu tun als wäre er genauso menschlich wie all die anderen, die für seinen Namen arbeiteten, doch er wollte nicht, dass Gerüchte aufkamen, dass ihr Chef ein Geist oder irgendetwas anderes war, schließlich waren Fabelwesen keine Neuheit mehr, doch allzu beliebt waren sie alle immer noch nicht zu ihrem Unglück und wenn noch dabei herauskommen würde, dass der Dunkelhaarige in Wirklichkeit ein Vampir war, dann wäre es wohl aus mit seinem kleinen, ewiglebenden Geschäft. Irgendwann würde er Julian von seinem Jahrhunderte alten Schwindel erzählen, vielleicht ein wenig über seine Familie preisgeben, die noch bis heute zu existieren schien, nach so vielen Jahren, seit denen er offiziell für tot erklärt worden war und man ihm einen Grabstein neben dem seiner eigenen Mutter gewidmet hatte, samt Grab, jedoch ohne einer Leiche in dem bereits aufgelösten Holz. Dorthin sollte er Julian jedoch vielleicht nicht führen, es würde sie vielleicht nur traurig stimmen. Abgesehen davon gab es weitaus spannendere Orte, die ihre Augen gemeinsam erblicken könnten. Charles konnte gar nicht anders als entzückt zu lächeln, als die Begeisterung sich im Inneren seiner Verabredung breit machte. Er war so passioniert über seine Kunst und gleichzeitig so überrascht, dass ein anderer sie so gerne mochte wie der Vampir, doch dieser wollte seine Worte gar nicht zurücknehmen oder gar sein Angebot- ein Gemälde des jungen Künstlers wäre etwas, was sehr gut in sein Haus passen würde, es würde es im neuen Glanze erstrahlen lassen, da war er sich mehr als nur sicher. Das Angebot der Hulda kam ihm beinahe noch gelegener, sodass die Augen sich vor Freude ein wenig weiteten, er jedoch im nächsten Moment hastig den Kopf schüttelte. „Bitte, du übertreibst keineswegs, ein Künstler sollte stets mit solch einer Leidenschaft über seine zukünftigen Werke sprechen. Und ja, seit unserem Gespräch gestern Abend ist mir ein weiteres Mal bewusst geworden, dass ich nicht meinem alten Geschmack und dem Wunsch nach ein wenig Vergangenheit entfliehen kann und ebenso wenig einen modernen Mann in einer modernen Wohnung vorspielen kann. Mein altes Haus steht seit einigen Jahren unbewohnt und zugestellt mit alten Erinnerungsstücken, die nur darauf warten mich mit offenen Armen zu empfangen. Ich…es wäre mir eine Freude, könnte ich dich einladen sobald die letzten Formalien abgeschlossen sind und ich wieder in meinem Zuhause leben kann. Es würde dir ganz sicher gefallen, es liegt ein wenig abgelegen, ich hatte damals Angst, dass Menschen mich entdecken könnten, würde ich zu nahe leben und im Gegensatz zu ihnen hatte ich weder eine Plantage betrieben, noch einen Haushalt mit zahlreichen Sklaven geführt.“, Charles war gar nicht aufgefallen wie schnell Julian seine Utensilien wieder verstaut hatte, offenbar mit Skizzieren soweit fertig gewesen war; er war viel zu sehr gefangen in seinen eigenen nostalgischen Gedanken, bis die Stimme des Jüngeren ihn zurück in die Realität gebracht hatte und er hastig hinauf zum Blondschopf blickte, im nächsten Moment in einer schnellen Bewegung den hoch gewachsenen Leib erhob, Julian dabei ein sanftes Lächeln schenkend. Er hatte recht, es gab noch so vieles, was seine Augen mit Staunen füllen würde, dem war sich der Vampir sicher, doch dies würden sie nur zu Gesicht bekommen, wenn sie nicht auf einem Fleck verharrten. „Ich fürchte dunkel ist es bereits, doch du hast recht, wir sollten versuchen fertig zu werden bevor das Museum uns hier einschließt…nicht, dass es mich wirklich stören würde.“, Charles mochte vielleicht nicht allzu modern und der heutigen Zeit gerecht zu sein, doch einige Schmeicheleien waren selbst ihm bekannt, auch wenn er nicht wusste ob der andere es auch genauso aufnahm wie es gemeint gewesen war.
Es war so angenehm gewesen die restlichen Gemälde sich näher anzuschauen, ein wenig darüber zu plaudern und zu sehen wie begierig Julian all diese Werke in sich aufnahm, all die Informationen und Inspirationen, die ihm wahrscheinlich weitere Ideen verschaffen konnten um neue Kunstwerke schaffen zu können. Ach, wie gerne er sich doch gewünscht hätte, dass die Zeit gar nicht erst verging, er genoss jede Sekunde mit dem Jüngeren, verlor sich immer wieder gerne in seinen strahlenden Augen oder in seiner Stimme, wenn er an der Reihe war ihm etwas zu erzählen. Doch das angenehmste war wahrscheinlich erneut das Gefühl der warmen Haut des Gelockten, die nach seiner tastete, wie die langen Finger sich in seinen Verschränkten. Wenn es Charles möglich gewesen wäre, dann hätte sein Herz wahrscheinlich einen Hüpfer nach dem nächsten gemacht, er konnte gar nicht anders als überrascht zu Julian hinüberzublicken, doch schnell verwandelte sich sein Blick in ein bestätigendes Lächeln, das er dem Jüngeren schenkte, es noch einmal mit einem etwas festerem Druck seiner Hand deutlich machte. Er brauchte wohl nicht zu leugnen, dass er die Nähe seiner Verabredung genoss, auch wenn er sich für einen Moment sorgte, seine eigene Hand könnte ihm vielleicht zu kalt sein, doch schien er nicht von ihr ablassen zu wollen, sodass er dies als eine Bestätigung annahm, dass es ihm nicht unangenehm war. Der Dunkelhaarige wollte diesen kleinen Moment ungerne ruinieren indem er ein Kommentar von sich gab, sodass kein unnötiges Wort seine Lippen verließ und er seine Beine stattdessen zu einem anderen Gemälde bewegte, dabei immer noch Julians Hand umfassend. „Ich habe nicht weit von deiner Wohnung einen Park gesehen, was hältst du davon, wenn wir eine kleine Strecke zu dir nach Hause spazieren, sodass der Abend nicht allzu schnell ein Ende nimmt?“, sprudelte es nach einer Weile des Schweigens aus dem Unsterblichen heraus, während seine Augen vom Bild zurück zu Julians bildschönes Gesicht huschten. Er wusste, dass sie bald fertig sein würden und er wollte ungerne die letzten Momente ihres Treffens damit verstreichen lassen, dass sie innerhalb weniger Minuten durch die Straßen New Orleans‘ rasten, es fühlte sich beinahe schon viel zu respektlos an und so hätte er nicht einmal genügend Zeit gehabt um sich noch länger mit Julian zu unterhalten oder gar seine Hand zu halten, die so selbstverständlich in seiner verschränkt lag, dass der bloße Gedanke sie loszulassen sich so falsch anfühlte, dass er sie noch ein wenig fester an sich drückte, jedoch nur ganz leicht, immerhin wollte er Julian ganz sicher nicht unabsichtlich wehtun!
Es war beinahe schon eine Schande, dass das Museum tatsächlich ein Ende hatte, doch zu Charles‘ Überraschung hatten sie erstaunlich viel Zeit dort verbracht. Hin und wieder hatte er doch schweren Herzens vom Jüngeren ablassen müssen, damit er ein wenig in sein Skizzenbuch zeichnen konnte, doch immer wieder fand seine Hand sich verschränkt in der anderen wieder, so als ob sie bestimmt dazu war. Am liebsten hätte er sie selbst dann gehalten, als sie in den Wagen gestiegen waren, doch wenigstens eine kurze Strecke mussten sie mit seine Auto hinter sich bringen, sonst hätte es vielleicht länger bis Julians Zuhause gedauert als es beiden lieb war. „Ich wünschte mir ich könnte auch ein wenig zeichnen, es ist immer faszinierend wie inspirierend Kunst sein kann.“, summte seine Stimme zufrieden, dabei seine Augen zur Huldra wandern lassend. Wie großartig solche Momente für fleischgewordene Künstler sein musste, konnte er sich gar nicht ausmalen, wahrscheinlich reichte ihm dafür nicht die Erfahrung, doch er konnte erahnen was im Inneren des Jüngeren gerade vor sich ging.
Sie hatten nur eine kurze Strecke hinter sich gebracht als der moderne Wagen an einer Seitenstraße geparkt zum Stillstand kam und Charles Julian aus dem Wagen half indem er ihm seine Hand anbot und sie die letzten Meter gemeinsam zu Fuß laufen konnten. „Ich fürchte ich werde mich morgen wohl oder übel darum kümmern müssen mein altes Haus zu entstauben und meine Möbel vorsichtig hinüberzubringen. Zum Glück nicht alles, jedoch ein großer Teil. Du musst wissen, dass ich viele Objekte aus vergangener Zeit dort in einem heillosen Durcheinander gelagert worden sind und dabei spreche ich nicht nur von meinem Keller. Wenn alles fertig ist, bestehe ich darauf, dass du mich besuchst, alleine schon um mir ein angemessenes Bild malen zu können.“, er hätte Julian gerne mehr von seiner Behausung erzählt, doch er wollte nicht alles vorwegnehmen, immerhin war es spannender, wenn er es mit eigenen Augen sah und vielleicht auch verstand, weswegen der Vampir beschlossen hatte in dieses alte Gebäude zurückziehen zu wollen. Die wichtigsten Schäden durch Wind und Wetter sollten bis dahin auch bereits repariert worden sein, auch wenn er bis jetzt immer penibel darauf geachtet hatte, dass das Grundstück nicht verwitterte und noch ansehnlich und bewohnbar aussah.
„Leider wird es mich einige Tage jedoch kosten, in denen wir uns vielleicht nicht sehen könnten.“, fügte er nach einer Weile schweren Herzens hinzu, gefolgt von einem schweren Seufzer. Die hellgrauen Augen blickten Julian entschuldigend an, ehe er auf den von der Straßenlaterne beleuchteten Weg blickte. „Doch wenigstens kennen wir beide unsere Telefonnummern, sodass wir uns gerne noch weiterhin so oft wie möglich gemeinsam unterhalten können.“, es war vielleicht nicht dasselbe gewesen, doch Charles würde sich definitiv auf einige Anrufe des Blonden freuen, er würde selbst sogar die Initiative ergreifen und ihn jeden Abend anrufen, wenn es denn im Interesse seiner Verabredung lag.
Auch die letzten Minuten waren schneller verstrichen, waren nach einem kurzen Augenschlag wie verpufft worden und sie standen erneut vor der großen Tür, die das Ende des heutigen Abend einleitete, was wohl beide mit ein wenig Trauer und Enttäuschung füllte, zumindest glaubte der Dunkelhaarige, dass es wohl auch im Interesse des Gelockten lag, würde der Abend noch ein wenig länger dauern.
„Manchmal habe ich das Gefühl, dass jemand absichtlich die Stunden schneller verstreichen lässt, wenn wir zusammen sind. Es ist wahrlich eine Schande, dass der Abend beinahe ein Ende genommen hat.“, ein weiterer schwerer Seufzer entwich den blassen Lippen des Vampirs. Wie gerne würde er Julian selbst die Tage rauben um ihn öfter sehen zu können, doch musste der Blonde immer noch sein eigenes Leben pflegen und das konnte nicht völlig eingenommen von Charles sein, das wollte der Ältere nicht einmal, schließlich kannten sie sich noch gar nicht so lange, auch wenn es ihm gerne erschien als würden sie sich bereits viel länger kennen. Diese Vertrautheit war ihm neu, doch keinesfalls unangenehm, sodass es ihm auch nicht schwerfiel sich dem Blondschopf noch ein wenig stärker zu nähern. „Ich habe den heutigen Abend wirklich sehr genossen und ich hoffe, dass dein erster Besuch im Museum einen positiven Eindruck hinterlassen hat. Wir können gerne öfter gemeinsam dorthin gehen, ich werde wohl niemals genug von den Kunstwerken bekommen, die sich dort befinden. Doch nun solltest du Ruhe schöpfen und deine heutigen Eindrücke bei Anbruch des nächsten Tages zum Ausdruck bringen. Allerdings…bevor ich dich verlasse, dürfte ich…“, zögerlich hob der ältere seine Hand an, fuhr sanft über das Kinn des anderen, es ihm nächsten Moment mit einem Hauch an sanfter Gewalt anhebend, sodass er ihn besser anblicken kann. Er spürte den Atem auf seiner Haut, so süß und angenehm, dass ihm ein feiner Schauer über den Rücken lief. Julians Herz schien etwas schneller zu pochen und sein eigenes hätte dem gleichgetan, wenn solche Gefühle es noch hätten beeinflussen können. Charles wusste, dass es für eine zweite Verabredung zu früh war ihm so nahe zu treten, doch er wollte diesen Moment nicht zwischen seine Finger gleiten sehen, er wollte, dass beide bei vollstem Bewusstsein sich auch bewusst waren, dass sie die Nähe des anderen mehr als nur genossen, dass es mehr als nur Neugierde oder leichtes Interesse war, was sie dazu gebracht hatte heute zusammen den Abend verbringen zu müssen. Und ohne sich irgendwelche Konsequenzen auszumalen, ohne zu überlegen, ob er vielleicht einige Signale anders verstanden hatte, berührten auch schon seine blassen Lippen die weichen, rosig warmen seines Gegenübers, die so angenehm schmecken, dass es ihm nicht möglich war auch nur seine Sekunde lang von ihm abzulassen. Es war ein angenehmes Gefühl, genauso angenehm wie es auch gestern gewesen war, doch dieses Mal war es Charles gewesen, der kopflos einen Schritt weiter ging, beinahe wie betrunken von Julians Aura, die ihn umgab. Der Vampir öffnete seine Lippen leicht, stupste unweigerlich mit seiner Zunge den zarten Mund des Gelockten, bis dieser ihm die Erlaubnis gab sich zwischen seinen Lippen, seinen blankweißen Zähnen vorbeizuschieben und dabei die beinahe heiße Zunge des anderen zu ertasten. Ob es Julian unangenehm war, dass der Dunkelhaarige so kalt gewesen war, dass er nicht wie er aufgeladen mit einer Grundwärme war, die alles so viel angenehmer machte? Sein Verstand hoffte inständig, dass Julian dieser Moment nicht unangenehm war, dass Charles nicht unangebracht oder viel zu schroff und grob gehandelt hatte und gegen seinen Willen nach diesem Kuss verlangt hatte, wusste er doch selbst nicht, von welchen Dämonen er in diesem Augenblick besessen war. Doch so unangebracht es auch war, fühlte es sich so angenehm, so richtig an, dass es beinahe eine Qual war vom Jüngeren abzulassen.

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Mo März 02, 2015 6:34 pm

Die kühle Hand in seiner war mehr, als Julian sich je erträumt hatte, und der kurze Druck und das Lächeln des Vampirs bestätigten ihm, dass er keine Grenze übertreten hatte. Es hatte ihn unendlich viel Überwindung gekostet, doch er wollte durch seine Schüchternheit keinesfalls den Eindruck erwecken, dass er nicht interessiert wäre. Anscheinend hatte sich sein Risiko ausgezahlt und nun wurde ihm ganz anders bei dem Gedanken, dass die anderen späten Museumsbesucher sie beide tatsächlich für ein Paar halten würden, so, wie sie hier innig durch die Galerien schlenderten. Julian konnte nicht anders, als seinen Blick hin und wieder verstohlen von den Kunstwerken abzuwenden und stattdessen ihre verschränkten Finger zu beäugen. Das Gefühl der kalten, steinernen Haut war nicht so unangenehm, wie die Huldra es vielleicht zuerst vermutet hätte. Vielmehr empfand er die Kühle, die von Charles ausging, als beruhigend. Außerdem war ihm eh schon heiß genug in der momentanen Situation, sodass die Kälte eine willkommene Erfrischung war. Das Blut pocherte in seinem Schädel und in seinem Hals, in seinen Armen und Beinen, dass er das Gefühl hatte, spürbar Wärme zu allen Seiten abzugeben. Hoffentlich war es für den Vampir nicht sogar unangenehm, seine Hand zu halten! Doch dann hätte er sie sicherlich schon längst losgelassen und ihm nicht mit einem leichten Händedruck vermittelt, dass er die Berührung ebenso genoss. So sehr er Kunst auch liebte, unter diesen Umständen war es schwierig, sich auf die Ausstellung zu konzentrieren. Während seine eigene Zunge wie am Gaumen festgeklebt war, schien Charles sich genug im Griff zu haben, um Worte über die Lippen zu bringen. Julian war sich sicher, wenn er versucht hätte in dieser Situation zu sprechen, wäre nicht viel Verständliches dabei herumgekommen. Nun jedoch schuldete er Charles wenigstens eine kurze Antwort. Die Aussicht darauf, ihren Abend um etwas gemeinsame Zeit zu verlängern klang verlockend und Julian mochte den Gedanken, dass Charles sich anscheinend auch noch nicht von ihm trennen wollte, obwohl der Ausgang des Museums langsam in ihr Blickfeld rückte.
„Das klingt wundervoll“, brachte er irgendwie hervor, mehr ein Hauchen als alles andere und er fühlte sich wie in einen kitschigen Nackenbeißerroman versetzt. Beinahe ließ ihn diese etwas schwarze Humor aufglucksen, aber er behielt den Witz lieber für sich. Als sie das Gebäude verließen und in die kühle Abendluft hinaustraten, wagte der Lockenkopf doch noch einen kurzen, wehmütigen Blick über die Schulter. Bestimmt waren sie nicht zum letzten Mal hier, immerhin liebten sie beide die Kunst und das Museum hatte regelmäßig neue Ausstellungen, sodass ihnen wohl nicht so schnell langweilig werden würde. Nicht, dass Julian nicht Tage und Wochen vor einem Gemälde Monets hängen konnte, bis er jedes Partikel Farbe in sich aufgesogen hatte. Sein Skizzenbuch wäre vielleicht etwas voller geworden, wenn er sich nicht entschieden hätte, kleinen körperlichen Erkundungen Vorrang zu geben und es fühlte sich beinahe wie ein Verbrechen an, erneut von der Hand des Vampirs abzulassen, um ein kurzes Stück im Wagen zurückzulegen. Wie beiläufig strich Julian sogar ein oder zweimal an seiner Hand auf dem Steuerknüppel entlang und schenkte ihm definitiv mehr Aufmerksamkeit als der Welt jenseits der Fenster.
„Es war wirklich wundervoll, aus den Skizzen kann ich sicherlich für die nächsten paar Wochen Inspirationen ziehen! Ich wollte schon länger wieder ein größeres Projekt angehen und wenn ich wirklich etwas für dich malen darf, könnte meine Motivation kaum größer sein!“
Ein warmes Lächeln erhellte das Innere des Wagens und wuchs sogar noch ein wenig an, als das Auto endlich wieder hielt. Julian war es beinahe schon etwas peinlich, wie hastig er um den Wagen herumgeeilt war und schon wieder an der Seite des Vampirs war. Er musste sich zurückhalten, um nicht auch noch die letzten Zentimeter Distanz zwischen ihnen vollkommen aufzulösen und sich leicht an ihn anzuschmiegen, aber dies war immerhin erst ihr zweites Date und gewisse Grenzen sollten doch noch eingehalten werden. Vielleicht auch einfach nur, um die Vorfreude auf ihr nächstes Zusammentreffen größer zu gestalten. Nicht, dass es bei Julian noch irgendwelcher anderer Versprechungen bedurft hätte. Interessiert spitzte er die Ohren. Charles wollte also wirklich so bald schon umziehen? Er hatte nicht geahnt, dass er so dringend aus der modernen Wohnung verschwinden wollte, konnte es aber verstehen. In einer modernen Loft konnte jeder wohnen, eine alte Villa hatten wohl die wenigstens Einwohner von New Orleans zur Verfügung.
„In so vielen Jahren muss sich sicherlich einiges ansammeln! Ich könnte mit anpacken helfen! Also solange es kein großer Schrank ist“, gluckste die Huldra belustigt und versuchte sich vorzustellen, wie der Vampir vermutlich problemlos selbst die schwersten Möbel heben konnte. Gegeben der Tatsache, dass er den Umzug überhaupt selbst durchführte und nicht Leute dafür bezahlte, dass sie dies für ihn übernahmen. Vermutlich war das, was reiche Leute taten.
Die nächsten Worte des Vampirs jedoch ließen die Mundwinkel des Lockenkopfes ein gutes Stück absinken und er musste sich zusammenreißen, um sich rechtzeitig zu fangen und eine etwas weniger betroffene Miene aufzusetzen. Er hatte eigentlich gehofft, dass sie sich gleich morgen wiedersehen konnten, doch nun schienen sich doch mehrere Tage zwischen sie zu schieben. Mit einem schweren Seufzer versuchte Julian seine Traurigkeit zu überdecken. Telefonieren war wohl schön und gut, aber so wie jetzt Hand in Hand gehen war dann schon nicht mehr möglich und Julian hatte gerade Geschmack daran gefunden. Etwas nervös krampften sich seine Finger fester um Charles´ Hand. Sie hatten sogar fast schon den Ausgang aus dem Park erreicht und Julian wollte sich noch nicht von ihm trennen. Seine Anziehung auf ihn schien nun stärker, als sie unter seinem Bann jemals hätte sein können.
„Also darf ich dich jeden Tag anrufen? Weil ich glaube, wenn ich dich schon nicht sehen kann, dann möchte ich wenigstens deine Stimme hören“, entgegnete Julian ihm mit einem Hauch an Betretenheit in der Stimme und drückte sich nun doch für einige Sekunden etwas enger an den hochgewachsenen Leib. Seine Haustür kam mittlerweile schon in Sicht und Julians Herz wurde immer schwerer.
„Die Zeit sollte nicht so rennen, das war wirklich ein wunderschöner Abend, vielen Dank.“
Julian bedankte sich nicht nur aus reiner Höflichkeit, sondern auch, weil er absolut ehrlich sein wollte. Seit Ewigkeiten hatte er sich nicht so wohl gefühlt und seine Zeit so angenehm verbracht. So ganz war er noch nicht auf den Abschied vorbereitet und Charles schien es ähnlich zu gehen. Ihn so unschlüssig und mit abgehackten Worten zu sehen hatte etwas Merkwürdiges an sich und wollte nicht so ganz zu dem souveränen Mann passen. Er brachte selbst kein wirkliches Wort über die Lippen, sondern nickte nur langsam, während Charles sacht sein Kinn anhob. Die grauen Augen fesselten ihn beinahe an Ort und Stelle und er konnte sich nicht regen, mit flatterndem Herzen erwartend, was höchstwahrscheinlich nun passieren würde. Als wäre es schon Gewohnheitssache hatte er sich dem Kuss etwas entgegen gestreckt und sich auf die Zehenspitzen erhoben und er sank erst wieder etwas zurück, als die kühlen Lippen seine eigenen gefunden hatten. Seine Hände gruben sich leicht in den Stoff von Charles´ Jacke und seine Augen hatten sich genießend geschlossen. Jeder Kuss schien noch ein bisschen atemberaubender als der letzte zu sein und dieses Mal wollte der Vampir ihn wohl besonders um den Verstand bringen. Julian spürte, das etwas anders war, spürte, wie Charles´ Zunge leicht gegen seine Lippen drückte. Er hatte noch nie jemanden so geküsst, sodass er erst etwas zögerlich seinen Mund öffnete. Was, wenn er alles falsch machte und den Kuss ruinierte? Eine neue Welle der Aufregung schoss durch seinen gesamten Leib, als er die Zunge des Vampirs in seinem eigenen Mundinnenraum wiederfand. Sie war kalt, wie alles an ihm, doch Julian selbst strahlte eine solche Hitze aus, dass ihn dieser Umstand kaum stören konnte. Er konnte Charles schmecken, viel intensiver als bei einem einfachen Kuss und er merkte selbst, wie er sich haltsuchend etwas enger an ihn gedrückt hatte, um seinen wackligen Knien etwas Unterstützung zu geben. Es erschreckte ihn beinahe selbst, wie gierig er sich plötzlich dem anderen entgegen reckte und seine Zunge in seinen Rachen schob, wie er mit den Fingern über seinen Nacken fuhr und sich zwischen den kurzen schwarzen Strähnen verfing.
Noch nie hatte sich irgendetwas so lustvoll angefühlt wie dieser Abschiedskuss. Julian war so unachtsam vorgegangen, dass er gar nicht gemerkt hatte, wie er sich an den rasiermesserscharfen Eckzähnen des Größeren geschnitten hatte, mehr als ein kleines Zucken wollte er gar nicht äußern aus Furcht, dass Charles sich dann von ihm losreißen würde, doch so einfach konnten sie die Sache wohl nicht auf sich beruhen lassen. Plötzlich war der Kuss aufgelöst und Julian schluckte hastig die restliche metallische Flüssigkeit in seinem Mund hinunter.
„T-Tut mir leid, ich war unachtsam, das….das war ein bisschen viel auf einmal“, stotterte die Huldra und fuhr sich nervös durch die Haare. Er hatte in dem ganzen Tumult nicht einmal mitbekommen, dass er seine Tarnung verloren hatte, doch nun konnte er plötzlich seine felligen Ohren zwischen seinen Locken ertasten. Erschrocken sah Julian sich um, allerdings wusste er selbst, dass diese Straße quasi nur von Fabelwesen bewohnt war und er in der Dunkelheit direkt vor seiner eigenen Haustür vermutlich nicht ganz so viel zu befürchten hatte. Andere Dinge waren momentan wichtiger. Vorsichtig lugte er zu Charles hinüber, immerhin war er nicht irgendein Fabelwesen, er war ein Vampir, und Julian wollte zuerst vorsichtig sichergehen, wie es ihm dabei ergangen war, dass Julian den Kuss so ruiniert oder…naja, vielleicht auch versüßt hatte.
„Wie kannst du denn nach so etwas einfach sagen, dass ich dich tagelang nicht sehen kann?“, hauchte er, immer noch etwas perplex und durcheinander, aber immerhin nicht ganz so wackelig auf den Beinen wie nach ihrem gestrigen Kuss.
„Schmecke ich wenigstens?“
Mit einem leichten Glucksen versuchte Julian die Situation wieder etwas aufzulockern. Er war nun doch etwas unruhiger geworden, als er es vorgehabt hatte und sein Schweif, der sich mit einem scheinbaren Eigenleben hervorgearbeitet hatte, kam gerade recht, um ihn nervös zwischen seinen Fingern zu kneten, während er auf eine Antwort des Vampirs wartete.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Di März 03, 2015 1:45 pm

Er konnte sein eigenes Handeln gerade schwer erklären, welche Dämonen ihn dazu getrieben hatten Julian plötzlich so gefährlich nahe zu treten, wo sie sich heute erst das zweite Mal getroffen hatten. Doch seine Lippen konnten gar nicht anders, sie wollten nicht von diesem zuckersüßen weichen Mund ablassen, den er mit seinem innigen Kuss benetzte. Immer wieder tastete er nach seiner warmen Zunge, die der Jüngere gar nicht von sich wegschieben wollte, nein ganz im Gegenteil schien er sogar seine Nähe zu suchen, so wie er seine Hände in den Stoff seiner Kleidung vergrub. Wenn es nach Charles gegangen wäre, hätte dieser Moment niemals enden sollen, es fühlte sich nicht falsch an und konnte er einfach nicht glauben, dass der andere es in irgendeiner Form als schlecht empfand, dafür schien er zu berauscht zu sein. Und zu seiner Überraschung war es auch der Blonde gewesen, der diesen langen Kuss noch um einige Augenblicke ausweitete, Charles vergrub haltsuchend seine Hände um Nacken des Gelockten und machte keine Andeutungen, dass er in irgendeiner Form zu weit gegangen war, als sich die andere Zunge plötzlich in seinem Mundinnenraum befand, auch wenn für einen klitzekleinen Moment das Gefühl der Besorgnis sich in seinem Inneren breitmachte, welches jedoch schnell wieder verschwand als er den Geschmack seiner Verabredung so intensiv schmecken konnte, ihm so gefährlich nah war, dass es gar nicht möglich war seinen Verstand aufrecht zu erhalten, geschweige denn irgendeinen rationalen Gedanken zuzulassen.
Der Vampir bereute es regelrecht, dass sie sich für einige Tage nun nicht mehr sehen konnten, doch umso mehr würden die Anrufe der Huldra seine Abende versüßen, alleine der Gedanke, dass er jeden Abend die sanfte Stimme des Jüngeren hören durfte war bereits mehr, als er es sich hätte träumen lassen. Irgendwo wäre die Freude auf ein weiteres Wiedersehen sogar noch größer und wer wusste schon wie nahe sie sich dann noch stehen würden.
Charles war so benebelt von diesem innigen, verstandraubenden Kuss, dass ihm erst gar nicht aufgefallen war, dass Julian sich an seinen Zähnen geschnitten hatte- genau davor hatte er am meisten Angst gehabt, doch nun war es geschehen und der süße Geschmack des Fabelwesenbluts machte sich in seinem Mundinnenraum breit, dass er glaubte verrückt zu werden. Julian hatte sich tatsächlich stark genug an ihm geschnitten, dass seine Zunge nicht so schnell aufhören leicht zu bluten, dass Charles nicht anders konnte als langsam vom Kleineren abzulassen. Er fühlte sich schwindelig und benebelt, doch vor allem schienen all seine Sinne berauscht von dieser atemberaubenden Mischung zu sein, die aus Blut und dem süßlichen Eigengeschmack der Huldra bestand, welche nun an seinen Lippen, an seiner Zunge zu haften schien. Selbst seine empfindliche Nase konnte nichts anderes aufnehmen als den sanften Duft seines Gegenübers, der ihn nervös anblickte. Wenn es herkömmliches Menschenblut gewesen wäre, hätte er nun begonnen vor lauter Verlegenheit und Angst sich tausendmal bei dem anderen zu entschuldigen, dafür, dass man sich so leicht an seinen Zähnen verletzen konnte und dass so etwas ganz sicher nicht noch einmal vorkommen sollte oder gar durfte. Und das war auch richtig so, denn so etwas durfte ganz sicher nicht zur Norm werden, sie konnten wohl beide von Glück sprechen, dass Charles ausreichend getrunken hatte heute Abend, dass er nicht von einem Augenschlag auf den nächsten den Gelockten anfiel und ihm das restliche Blut raubte. In jedem anderen Moment würde so etwas beide dazu veranleiten sich nicht wiederzusehen, doch solche Gedanken drangen gar nicht erst zum Dunkelhaarigen durch, er konnte so etwas nicht denken, er konnte nicht einmal eine Entschuldigung zustande bringen, fühlte sich dieser Kuss doch noch so viel erregender und berauschender an als er es ohnehin schon gewesen war. "Du...es ist ganz sicher nicht deine Schuld, Julian!", brachte seine Stimme hastig hervor, fixierte die strahlend blauen Augen des anderen, kurz einen Blick auf die weichen, großen Ohren werfend. Julian hätte sicherlich schon etwas gesagt oder getan, wäre es ein großes Problem gewesen in seiner eigentlichen Gestalt vor seinem Haus zu stehen, doch Charles hatte sich bei den vielen verschiedenen nicht- menschlichen Düften gedacht, dass in dieser Umgebung sich hauptsächlich Fabelwesen befanden, sodass sich niemand zu sorgen brauchte.
Bei den nächsten Worten musste der Ältere schief lächeln, ehe er Julian entschuldigend anblickte. "Ich fürchte, ich verschaffe uns beiden keinen Vorteil damit, doch umso größer wird die Freude sein sich wieder treffen zu können!", bei Julians Frage trat der Vampir noch etwas näher an ihn heran, schlang seinen Arm um die Taille des Gelockten, dabei aufpassend, dass er ihn nicht an seinem Rücken berührte, auch wenn es schwierig war sich auch nur eine Sekunde lang anständig zu konzentrieren. "Du schmeckst großartig, doch das hätte ich bereits sagen können ohne vorher dein Blut gekostet zu haben.", seine Lippen formten ein breites Lächeln, ehe er sich zu ihm hinunterbeugte und erneut einen innigen Kuss auf seine Lippen hauchte. Diesmal ließ er es jedoch nicht zu, dass Julians Zunge sich in seinem Mund wiederfand, fuhr stattdessen mit seiner über die noch leicht blutende Stelle. Auch wenn es in diesem Moment ein wohl eher etwas unromantischer Gedanke war, so wusste Charles, dass er imstande war blutende Wunden schnell zu unterbinden, sodass sich diese nach kurzer Zeit verschlossen und er wollte nicht, dass Julian durch ihn noch länger durch den kleinen Schnitt zu leiden hatte. Abgesehen davon war dies Grund genug um ihn erneut zu küssen und danach sehnten sich seine Lippen, ja sein ganzer Körper besonders, dass er gar nicht anders konnte als dem Blondschopf erneut so nahe zu sein.
Nun wusste selbst Charles nicht wie sie die Tage verbringen sollte ohne sich wirklich zu sehen. Es war ein wenig verrückt, wenn man länger darüber nachdachte, schließlich waren sie immer noch völlig Fremde, die sich erst seit einigen Tagen kennengelernt hatte und dennoch schien Julian solch eine Anziehungskraft auf ihn auszuüben, dass es sich so anfühle als würden sie sich bereits viel länger kennen, als wären sie vertrauter mit dem anderen und würden sich seit Ewigkeiten sehen. Vielleicht war dem auch so, vielleicht war eine Art Magie an Werk, vielleicht so etwas Kitschiges wie das Gefühl, dass man schon immer füreinander geschaffen war und dass es vielleicht durch irgendeine höhere Macht vorherbestimmt gewesen war, dass sie sich über den Weg liefen, dass sie über die Existenz des anderen erfuhren. Charles glaubte kaum an solche höheren Mächte, er glaubte kaum an das Schicksal oder gar an Seelenverwandte oder Wesen, die füreinander bestimmt waren, es war auch ein verrückter Gedanke und er wollte auch nicht ihr Schicksal durch so etwas bereits bestimmen wollen, wussten sie doch gar nicht, ob es wirklich bei ihnen zutreffen konnte, doch konnte er nicht leugnen, dass er ein völlig anderes Gefühl in der Nähe des Jüngeren hatte, dass sich alles so intensiver und anders anfühlte, wenn sie gemeinsam die Zeit verbrachten, dass er ein Grundvertrauen in ihn hatte, das er selbst nicht erklären konnte.
Es war einfach zum verrücktwerden wie sehr Julian ihn verzaubert hatte, seinen Verstand gestohlen hatte, dass es dem Vampir schwerfiel auch nur einen klaren Gedanken zu fassen.
Nichts fiel dem Unsterblichen so schwer die dem Kuss ein Ende zu setzen, seine Lippen wollten nicht von den anderen ablassen, es wirkte regelrecht wie ein Verbrechen, doch Julian brauchte Luft und irgendwann musste Charles einfach ablassen. Ein schwerer Seufzer entwich seiner Kehle als sich ihre Blicke wiederfanden. Er konnte beinahe denken, was Julian sagen wollte, was beide in diesem Moment dachten, doch ehe der Jüngere ein Wort über seine zarten Lippen bringen konnte, hatte sich die Stimme des Dunkelhaarigen erhoben. "Ich wünschte, ich könnte noch etwas länger bleiben, es fühlt sich wie ein Verbrechen an, dich nun verlassen, doch wie sagt man so schön: man muss immer dann aufhören, wenn es am schönsten ist. Ich kann nur noch einmal bestätigen, dass ich den Abend mit dir sehr genossen habe. Nicht zu vergessen, dass ich es sehr genossen habe dich zu küssen, das kann ich nicht leugnen...jedoch sollten wir in Zukunft etwas vorsichtiger sein mit, nun ja, mit meinen Zähnen.", seine blassen Lippen formten ein schiefes Lächeln. "Scheue dich nicht mich zu jeder Zeit anzurufen, ich freue mich jederzeit deine Stimme zu hören. Doch nun ist es Zeit für mich zu gehen. Ich wünsche dir eine gute Nacht und freue mich dich baldigst wiedersehen zu können.", seine Hand umfasste die des Gelockten, die er vorsichtig zu sich hinüberzog, benetzte den Handrücken mit einem sanften Kuss, während seine Augen langsam zum hübschen Gesicht der Huldra huschte er und er gar nicht konnte, als ihm zum Abschied einen weiteren, sanften Kuss auf die warmen Lippen zu hauchen, ehe er kehrtmachen musste, sich noch ein letztes Mal zu ihm hinüberdrehte und zum Abschied winkte ehe er in der Dunkelheit des Parks verschwand, zwischen den Schatten der Bäume nur noch als ein dunkler Fleck zu erkennen war, der sich widerwillig von Julian entfernte

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Do März 05, 2015 12:35 am

Die Angst, dass Charles sich vielleicht von diesem unbeabsichtigten Blutaustausch abschrecken ließ war groß gewesen, doch sein Date hatte sich nicht abrupt von ihm abgewandt und war in die Nacht verschwunden, wie zuerst befürchtet. Viel mehr meinte Julian in den stechenden grauen Augen so etwas wie Hunger und Lust aufblitzen zu sehen. Eine Mischung aus Furcht –wobei es sich dabei mehr um Ehrfurcht handelte- und Faszination brodelte in der Magengrube des Jüngeren. Er hatte keine Angst vor dem Vampir, nicht wirklich, immerhin hatte er ihm selbst nach ihrem ersten Treffen vertraut, das nicht unbedingt als ideales Kennenlernen bezeichnet werden konnte. Vielleicht war das eine törichte Einstellung, auch noch fasziniert von dem Vampir zu sein, denn wenn man es einmal ganz simpel herunterbrach, dann stand er in der Nahrungskette definitiv über ihm. Er hätte ihm nichts entgegenzusetzen gehabt, wenn er seinen Durst an ihm hätte stillen wollen, körperlich war er ihm weit unterlegen, und doch vertraute er Charles, viel mehr als dass man jemandem vertrauen sollte, den man gerade einmal zwei Tage kannte und der ihm mit einer kurzen Handbewegung vermutlich problemlos das Genick brechen könnte. Vampire waren gefährlich und doch konnte Julian nicht anders, als Charles blind zu vertrauen, sich sogar noch mehr zu ihm hingezogen zu fühlen wie zuvor. Sein Date war ganz sicher alt und vernünftig genug, um sich unter Kontrolle zu halten und ihm nichts anzutun, sodass Julian langsam aber sicher seine Anspannung wieder fallen ließ. Seine Schultern lockerten sich und sanken wieder ein Stück hinab und ein langer Atemzug entwich seinen Lungen. Er konnte immer noch das metallische Blut in seinem Speichel schmecken, doch so einen kleinen Schnitt konnte er nicht wirklich als wichtig empfinden, wenn er sich mit Charles unterhielt. Bei so viel Aufregung konnte er wirklich glatt vergessen, dass er selbst ebenfalls über leichte Heilfertigkeiten verfügte. Doch es war wichtiger, Charles zu antworten, als sich auf so eine winzig kleine Wunde zu konzentrieren.
„Mit Vorfreude kann man mich eigentlich nicht so gut ködern, ich bin ungeduldig“, wandte die Huldra mit einem leichten Lächeln auf den Lippen und einem verschmitzten Glucksen hervor. Doch was half es, zu lamentieren, der Umzug war sicher schon lange geplant und sollte wohl auch anständig über die Bühne gebracht werden, ohne, dass er dazwischenfunkte. Ein paar Tage konnte er sicherlich überleben, wenn er Charles nur anrufen durfte. Seine Stimme zu hören war immerhin besser, als ganz auf ihn verzichten zu müssen. Anscheinend hatte Charles immer noch das Bedürfnis nach Nähe. Im ersten Moment zuckte Julian etwas zusammen als er merkte, dass der Vampir einen Arm um ihn schlingen wollte. Immerhin war sein Rücken ungeschützt und es war fraglich, ob Charles sich noch daran erinnerte, dass Julian ihn vor seinem Rücken gewarnt hatte. Für einen kurzen Augenblick kochte leichte Wut in ihm auf, eine eher unterbewusste Reaktion, die schnell abschwächte, als der Lockenkopf feststellte, dass Charles seinen Arm tief genug um seine Hüfte geschlungen hatte, dass er den Risikobereich nicht berührte. Innerlich aufatmend ließ sich Julian auf die Umarmung ein und lehnte sich etwas enger an den Größeren, um den nächsten Kuss entgegen zu nehmen. Unbewusst war er dieses Mal etwas vorsichtiger und behielt seine Zunge bei sich. Er fragte sich, ob Charles mit Absicht noch einen Kuss gesucht hatte, um etwas mehr von seinem Blut zu kosten, kleine, ungefährliche Mengen, die ihm nicht wehtun würden und die er sowieso verlieren wurde. Bewusst bekam Julian es nicht einmal mit, doch anscheinend hatte Charles den Schnitt geschlossen wie auch schon die Bisswunde an seiner Kehle. Nur sehr widerwillig löste Julian sich von dem Älteren und stieß ein schweres Seufzen aus, mit dem er sich ein wenig gegen die kalte Brust des Vampirs lehnte.
„Wenn ich jedes Mal einen Kuss bekomme, wenn das passiert, bin ich bereits das auf mich zu nehmen.“
Julians Stimme war belegt von leichtem Wehmut, als sich Charles wirklich endgültig von ihm zu lösen schien. Abschied hatte sich noch nie so schwer angefühlt, dass Julian gar nicht anders konnte, als ein trauriges Gesicht zu ziehen. Er war noch nicht bereit, die zärtlichen bis leidenschaftlichen Berührungen gegen einige karge Telefonate einzutauschen. Aber es war leider nicht so, als wenn er groß eine Wahl hätte.
„Ich werde dafür sorgen, dass du das Telefon kaum noch aus der Hand legen kannst“ ,warnte Julian und hob drohend einen Zeigefinger, bevor Charles seine Hand nahm, um ihm einen weiteren Kuss zu geben.
„D-Du machst mir den Abschied aber auch nicht gerade einfacher“, nuschelte die Huldra mit errötenden Wangen und genoss den letzten Abschiedskuss so sehr, dass er von der Erinnerung wenigstens ein paar Tage über die Runden kommen konnte. Oder einen Tag. Oder wenigstens ein paar Stunden. Mit einem verträumten Lächeln auf dem Gesicht winkte Julian zum Abschied und trat in seine Wohnung, wo Blake und ein warmes Bett auf ihn warteten. Die Nacht über war er besonders anhänglich, auch, wenn sich die Wärme von Blakes Körper plötzlich anders anfühlte.
Die nächsten Tage waren tatsächlich sehr zäh. Größtenteils bestanden sie daraus, wie Julian darauf wartete, ob es bereits eine angemessene Uhrzeit war, um Charles anzurufen. Er hatte seine Drohung wahrgemacht und den Vampir, wenn es ihm denn möglich war, für Stunden ans Telefon gefesselt. Er versuchte schon einmal, möglichst viel über die Villa des Vampirs herauszufinden, wie die Farbstimmung so war, welches Holz größtenteils genutzt worden war, aus welchem Stein die Bodenfliesen gemeißelt waren und was einige der prägnantesten Kunststücke dort waren. Er hätte natürlich einfach nach Fotos fragen können, aber er wollte den Ort selbst auf sich wirken lassen und außerdem war ihm eine kleine Überraschung. Und zu guterletzt konnte er so Charles´ Stimme noch länger lauschen. Er hatte Recht gehabt: er hätte ihm alles erzählen können, allein seiner dunklen Stimme wegen wollte Julian am Hörer hängen. Blake musste ihn für verrückt halten, wie er mit angewinkelten Knie auf dem Sofa hockte, das Handy zwischen Schulter und Ohr geklemmt und auf seitenweise in seinem Block krickelte. Telefonate waren einfach die beste Gelegenheit, um kleine Ideen loszuwerden und allein während der endlosen Gespräche füllte Julian beinahe einen ganzen Block. Er wollte erste Skizzen für Charles´ Gemälde anfertigen, Entwürfe und Farbschemata, er wollte diese Werke einfach so professionell wie nur irgendwie möglich angehen, damit Charles auch wirklich überzeugt war, dass ein wirklicher Künstler in ihm steckte und nicht nur ein Möchtegern oder Amateur. Manchmal fühlte er sich schlecht, dass er so viel von der Zeit des Vampirs verschwendete, aber anscheinend delegierte er den Umzug mehr, als dass er ihn wirklich körperlich ausführte, sodass alles wenigstens auch ohne ihn vonstatten gehen konnte. Außerdem musste Julian mit leichtem Stolz in der Brust zugeben, dass es auch oft genug Charles war, der ihn anrief und nicht umgekehrt. Jedes Mal, wenn er seinen Namen auf dem Display las, machte sein Herz einen kleinen Hüpfer und er wusste, dass er für die nächste Stunde glücklich plaudern konnte.
Nach drei Tagen hatte Charles ihm endlich zusagen können, wann er bei ihm erscheinen konnte. Fast eine Woche hatten sie sich dann nicht gesehen und Julian konnte spüren, wie sich sein ganzer Körper nach Charles sehnte, jede einzelne Faser wollte mehr tun als nur reden. Er wollte ihn berühren, ihn wieder schmecken und in seiner Nähe sein. Deswegen konnte er den Tag kaum erwarten, an dem er ihn endlich auf einen Abend bei sich eingeladen hatte. Er hätte ihn abholen können, doch Julian bestand darauf, den Weg zu ihm selbstständig zurückzulegen. Er hatte sich alles genauestens beschreiben lassen und war sich sowieso ziemlich sicher, dass man ein Anwesen dieser Größe nicht übersehen konnte. Er hatte großzügige Zeichenmaterialien eingepackt, sodass er alles, was er an Inspiration aus diesem Haus ziehen mochte auch direkt aufs Papier bringen konnte. Er musste ein ganzes Stück mit der Straßenbahn aus der Stadt fahren, nur, um dann noch ein gutes Stück zu Fuß zurückzulegen, doch es störte die Huldra nicht. Es war ein seichter Abend und der Weg führte ihn am Fluss entlang. Das Laufen dämpfte seine Nervosität ein wenig und ein Dampfer auf dem seichten Lauf des Flusses lenkte ihn sogar für einige Minuten völlig ab.
Dass er an dem Eingangstor zu Charles´ Grundstück beinahe vorbeigegangen war kam ihm im Nachhinein umso alberner vor, konnte man die Tore doch kaum übersehen. Das Haus selbst war riesig und prächtig, doch was Julian beinahe noch mehr den Atem raubte, war die Allee aus riesigen, uralten Eichen, die zum Haupteingang führte. Irgendwie strahlten sie die gleiche alte Würde aus wie der Vampir selbst. Julian hätte sich keinen besseren Eingang in die Welt des Vampirs vorstellen können. Auf ein Klingeln hin wurden ihm die Pforten wie von Geisterhand geöffnet und mit staunenden Augen und einem leichten Gefühl der Deplatziertheit wanderte er unter den Eichen entlang. Ihm war nicht einmal aufgefallen, dass der Vampir ihm entgegen geschlendert kam und erschrak leicht, als er plötzlich so nah vor ihm stand.
„Charles! Es ist schön, dich wiederzusehen, ich hab dich vermisst!“, stieß er vor und warf sich dem Vampir so eilig an den Hals, dass all die tagelang eingehaltene Zurückhaltung mit einer Bewegung von ihm abfiel. Er schämte sich ein wenig dafür, wie gierig sein Kuss war, wie ungeschickt er die Lippen des Älteren suchte, nur, um die Augen für einen Moment genüsslich zu schließen und sich mit Absicht etwas stärker gegen den hochgewachsenen Körper sinken ließ.
„Deine alte Wohnung ist ein schlechter Witz hiergegen, kein Wunder, dass du umziehen wolltest! Diese Allee!“, schwärmte der Lockenkopf und drehte sich mit leicht angehobenem Kopf mit langsamen Schritten im Kreis, während er versuchte, alle Eindrücke in sich aufzusaugen.
„Ich trau mich ja gar nicht reinzugehen, bestimmt werde ich drinnen erschlagen von Prunk!“
Neugierig schielten seine Augen in Richtung Haus.
„Außerdem erinnere ich mich daran, dass du mir versprochen hast, mir die Violine zu zeigen. Wenn du sie in diesem riesigen Haus überhaupt wiederfindest!“, stieß die Huldra überschwänglich aus, bevor sie für einen Augenblick wieder ruhiger wurde und schüchtern den Kopf senkte.
„Ich hab es wirklich vermisst, dich zu sehen, so dumm das auch klingen mag, wo wir uns doch noch gar nicht so lange kennen“, brachte er scheu hervor und blickte den Vampir mit errötetem Gesicht hervor, darauf hoffend, dass Charles es ähnlich sah.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Do März 05, 2015 3:05 pm

Nach diesem atemberaubenden Treffen, durch welches die beiden Fabelwesen sich so nahe gekommen waren, konnte Charles sich gar nicht ausmalen wie die nächsten Tage verlaufen würden. Er genoss die Nähe des Jüngeren, genoss seine Wärme, seine Stimme und besonders die angenehme Spannung, die zwischen ihnen herrschte, sodass sein Herz beinahe einen kleinen Bruch erlitt, als ihm bewusst war wie lange sie sich nun nicht wiedersehen konnten.
Auch wenn Julian ihm bestätigt hatte, dass Geduld nicht eines seiner Stärken war, hoffte er dennoch, dass es für die wenigen Tage ausreichte, wo sie nur auf einige Telefonate und die Stimme des anderen angewiesen waren. Wenigstens konnte er von sich aus behaupten, dass er lange warten konnte, vielleicht war dies auch einfach nur eine Sache, mit dem hohen Alter kam, das der Vampir bereits erreicht hatte. Ach, und dennoch fiel es ihm schwerer nicht an den Gelockten zu denken, an die sanften Küsse, die sie ausgetauscht hatten oder seine angenehme Wärme, wie sie durch seine Hand strömte und langsam seinen Körper einnahm. Bei all den Gedanken konnte er zu frühen Morgenstunden gar nicht erst seine Augen schließen, er schien wie benebelt von einem Zauber zu sein, der ihm alle Sinne raubte und nicht erlaubte so weiterzumachen wie gehabt. Julian schien ihn wahrlich in der Hand zu haben, wenn er nur wüsste, wie stark seine Anziehungskraft doch war, dass der Vampir wahrlich davon verschluckt worden ist und das, obwohl man stets sagte, dass Vampire diejenigen waren, die jedes Lebewesen in ihren Bann ziehen konnten!
Der Dunkelhaarige wusste jedoch, dass Tagträumen und sehnsüchtiges Erwarten auf ein neues Wiedersehen nicht der Schlüssel zum nächsten Treffen war, schließlich würde es noch länger dauern, wenn er sich nicht zeitig genug um seinen Umzug kümmerte. Charles hätte wohl genug Kraft in seinen Armen und Beinen gehabt, dass keine Umzugsfirma ihm hätte aushelfen müssen, doch wusste er, dass es die Menschen um ihn herum verwirren würde, wenn ein einzelner Mann Schränke und andere schwere Möbel ohne Hilfe tragen würde, sodass er es einem gut bezahlten Personal überließ, stattdessen nur Anweisungen gab, wie sie mit seinen persönlichen Gegenständen umzugehen hatten, schließlich war einiges besonders wertvoll gewesen, besonders für den Vampir.
Doch wenn er nicht gerade grimmigen Männern so höflich und dennoch distanziert wie möglich Befehle verteilte, verbrachte er etwas Zeit damit sich alte Musiknoten anzuschauen und seine Violine wieder zu stimmen, wenn nicht gerade sein Telefon klingelte und die angenehme, lang ersehnte Stimme der Huldra an der anderen Leitung zu hören war. Charles genoss jede freie Minute, in welcher sie sich unterhalten konnten, manchmal erzählte er dem Jüngeren von sehr vielen Banalitäten, am meisten hatte er es jedoch genossen von seinem Zuhause zu erzählen, was er wieder beziehen würde. Es war ein großes Anwesen, das konnte er wohl nicht leugnen, doch er wollte nicht direkt jede Einzelheit herausplaudern, jedoch genug um Julian einen kleinen Eindruck von dem zu machen, was ihn bald erwarten würde und natürlich auch um ihn ein wenig auszuhelfen bei seinem zukünftigen Gemälde, das er für ihn anfertigen würde. Es erfüllte Charles mit großer Freude, dass er die Ehre hatte ein persönliches Gemälde für sein Anwesen zu bekommen, er hatte noch nie zuvor sich darüber Gedanken gemacht, dass dieses Haus etwas brauchte, was besonders dazu passen würde, was den Charakter des Gebäudes einfangen konnte und er konnte dem Blondschopf gar nicht genug danken, dass er mit seinem Vorschlag und mit dieser Idee das Interesse des Älteren für sich gewonnen hatte.
In den nächsten Tagen war es durchaus kein leichtes Unterfangen gewesen das Telefon nicht in seiner Hand zu halten, oft war es sogar er selbst gewesen, der nach längerem Anstarren des Telefons die mittlerweile bekannte Nummer Julians eintippte und sich erkundigte, wie es dem anderen ging und was für künstlerische Meisterwerke bereits geschaffen hatte. Manchmal erzählte er ihm von seinem Umzug und den Staubschichten, die vorher beseitigt werden mussten, ehe der Ort bewohnbar war. Eine Grundpflege hatte es schon immer genossen, doch bewohnbar wurde es erst seit Charles beschlossen hatte dort wieder zu leben. Manchmal kam es ihm etwas zu groß vor, doch manchmal blitzten kleine Wunschgedanken auf, dass vielleicht der Tag kommen würde, wo er nicht mehr alleine in den riesigen eigenen vier Wänden leben müsste, doch diese traute er sich nicht auszusprechen, es war eindeutig zu früh solche Andeutungen zu machen und er schob solche Gedanken auf seinen benebelten Kopf, der seit dem ersten Treffen mit der Huldra nicht mehr so zu arbeiten schien wie er es sonst tat. Als schrecklich oder gar unangenehm konnte der Dunkelhaarige dieses eigenartige Gefühl jedoch nicht beschreiben, ganz im Gegenteil schien das Hingezogensein zum anderen ihn sogar anzutreiben schneller mit seinem Umzug fertig zu sein als er es anfangs geplant hatte, sodass es ihn nicht einmal sonderlich erstaunte, als er nach wenigen Tagen bereits sein Penthouse verlassen konnte und seine alte Villa bezog.
In diesem Viertel hatte sich erstaunlicherweise kaum etwas verändert, die vereinzelten großen Herrenhäuser hatten immer noch dort gestanden, wo sie vor so vielen Jahren erbaut worden waren, nur die Besitzer schienen gewechselt zu haben, keines dieser Haushalte trug noch etwas in sich, was an die alten Zeiten erinnerte, nur die Erinnerungen schienen an den Wänden zu haften, wo hingegen sich in seinem eigenen Haus so vieles tummelte, mitgenommen aus verschiedenen Epochen, die der Vampir durchlebt hatte, dass er tatsächlich ein Museum hätte eröffnen können. Doch lieber lebte er in diesem Gebäude mit all den alten Erinnerungen aus Europa, aus dem alten Frankreich und dem endgültigen Auswandern in diese kleine Welt hier. Vielleicht würde es ja Julian ein wenig interessieren, wenn er ihm einiges vorstellte, auch wenn die kleine Führung durch das Herrenhaus alleine schon lange genug dauern würde und wahrscheinlich genügend Eindrücke für den ersten Abend hinterließ.
Charles hatte mit Vorfreude dem Jüngeren endlich zugesagt, als sie einen weiteren Abend telefonierend verbrachten, hätte ihn sogar liebend gerne ein weiteres Mal abgeholt, doch schien Julian anderer Meinung gewesen zu sein und er respektierte seinen Wunsch auf Selbstständigkeit, sodass er so gut wie möglich ihm den Weg bis zu seinem neuen alten Zuhause beschrieb. Er versuchte darauf zu achten, dass er keines noch so wichtiges Detail ausließ, was dem Fabelwesen dabei helfen konnte schneller sein Zielort erreichen zu können, auch wenn er leider bei so etwas wie Verbindungen mit der U- Bahn leider passen musste, er wusste nicht jede Strecke, die diese Züge fuhren, hatte er sich bis jetzt doch noch in keines dieser Verkehrsmittel getraut einzusteigen, zu seinem eigenen Erstaunen.
Kaum hatten sie sich auf ein Treffen geeinigt, konnte Charles seine Vorfreude kaum noch zügeln- er freute sich wahrscheinlich mehr als Julian selbst ihn in seinem Haus willkommen zu heißen. Ob er es hier mögen würde und ob der Ort ihm wirklich dabei helfen konnte genügend Inspiration für sein Malen zu finden? Er wusste nicht einmal ob alles hier nach seinem Geschmack war und obwohl er seine Einrichtung schlecht nach einem anderen Lebewesen anpassen konnte, so schien es ihm plötzlich weitaus wichtiger zu sein, dass Julian alles hier gefiel, auch wenn er immer noch der Auffassung war, dass sie sich zumindest in solchen Hinsichten sehr ähnlich waren.
Als es nur langsam begann zu dämmern, hatte Charles wahrscheinlich bereits seinen dritten Rundgang um die Gänge und zahlreichen Zimmer gemacht, kontrollierte ob auch alles auf seinem richtigen Platz stand und nirgendwo eine rigorose Unordnung herrschte, die einen falschen Eindruck auf seinen Besuch machen würde. Er hatte vorher sogar ein Personal für ihn einkaufen lassen, nur im Falle des Falles, dass Julian Hunger oder Durst bekommen würde, immerhin waren solche Bedürfnisse das Normalste auf dieser Welt und er durfte sie nicht ignorieren, nur weil er sie nicht gebraucht hatte. Er selbst hatte heute bereits etwas zu sich genommen, unauffällig nachdem die Sonne bereits so weit hinter den Sümpfen verschwunden waren, dass nur ein rot- violetter Himmel von ihrer Existenz zeugte. Jetzt konnte ihm nichts mehr im Wege stehen seinen Gast angemessen zu empfangen, auch wenn es ein sehr ungewohntes Gefühl für den Vampir gewesen war nicht in seinen Wagen zu steigen und zur bekannten Adresse zu fahren, wo Julian lebte, doch er wollte seine Bitte nicht ausschlagen, wollte nicht so unhöflich wirken und eigensinnig, schließlich wollte er ganz sicher nicht die Entscheidungen anderer ignorieren und eigene für sie fällen, solch einen Charakter hatte er nun wirklich nicht.
Charles hatte eigentlich nicht allzu lange warten müssen und dennoch wirkte es wie eine halbe Ewigkeit bis ein Klingeln die Räume erfüllte- Julian schien endlich sein Haus gefunden zu haben, sodass er sich nicht viel Zeit ließ und hastig den Knopf drückte, der dafür zuständig war, dass die Tore sich automatisch öffneten. Einige hatten extra Personal gehabt, die sich nur darum kümmerten zu sehen, wer durch die Tore kommen wollte, doch zu viele Arbeiter waren für dem Vampir eher eine Bürde und viel zu störend, sodass er solch eine Stelle nicht für jemanden in dieser Umgebung anzubieten hatte und so etwas lieber selbst machte.
Der Dunkelhaarige hatte sich aus dem Haus gewagt, lief mit ruhigen Schritten die große Allee entlang, die in all den Jahren sich kaum verändert zu haben schien und immer noch die alte Schönheit ausstrahlte, wie sie es am ersten Tag tat als er sie zum allerersten Mal erblickt hatte. Und er konnte an Julians Blick aus der Ferne eine gewisse Faszination erkennen, eine Faszination, die er selbst einst tagtäglich ausgestrahlt hatte als er den Weg entlangschlenderte. Selbst jetzt war es immer noch ein großartiger Anblick zwischen den hoch gewachsenen Bäumen zu stehen, den Duft des Sumpfes einzunehmen, wenn ein warmer Windhauch diesen Ort umhüllte und die Baumkronen unruhig zu rascheln begannen. Es war ein Ort, wo sich Charles schon immer wohl gefühlt hatte und er hoffte, dass Julian das vielleicht ebenfalls tat, vielleicht nicht sofort, doch mit der Zeit.
"Guten Abend, Julian.", ihm war gar nicht aufgefallen, dass Julian ihn zuerst nicht bemerkt hatte und dass seine Präsenz und die dunkle Stimme ihn plötzlich zu erschrecken schien, sodass Charles hastig eine entschuldigende Miene aufsetzte, die jedoch im nächsten Augenblick einem Ausdruck der Überraschung wich, als der Jüngere plötzlich so stürmisch seine Nähe suchte. Doch er konnte nicht sagen, dass dieser plötzliche Überfall ihm so unangenehm war, ganz im Gegenteil erwärmte es sein Herz sogar, dass der Gelockte tatsächlich so froh darüber gewesen war, dass sie sich wiedersehen konnten. Er konnte gar nicht anders als seinen Kuss zu erwidern, vorsichtig durch die weichen blonden Locken zu fahren. Es war ein gutes Zeichen zu wissen, dass selbst nach all den Tagen, in welchen sie sich nicht sehen konnten, sie sich immer noch genauso hingezogen zueinander fühlten, wenn nicht sogar stärker, und ihre Zurückhaltung nichts weiter als ein störender Faktor in diesem Augenblick war.
Vielleicht war es die Freiheit seines eigenen Hauses, das ihn so denken ließ, sodass er wahrscheinlich nicht einmal etwas dagegen gehabt hätte, hätten sie sich noch länger küssend aneinander geschmiegt, doch sie hatten noch den ganzen Abend vor sich und Charles wollte den Jüngeren nicht seine kostbare Zeit rauben, die er damit verbringen konnte, sich alles um ihn herum besser anschauen und genauer einprägen zu können, immerhin war ihr Treffen nebenbei ein kleines künstlerisches und professionelles Unterfangen gewesen. "Ich freue mich auch, dich endlich wiederzusehen.", summte seine Stimme leise, gefolgt von einem sanften Lächeln.
Es war angenehm zu wissen, dass niemand in ihrer Nähe war, der vielleicht durch kleine Merkmale erkennen konnte, dass dieses Haus nicht von einem Menschen bewohnt war, dass absolut nichts menschliches sich hier bewegte, Charles brauchte nicht einmal irgendwelche sicheren Vorkehrungen zu treffen wie dem Einsetzen dunkler Kontaktlinsen, sodass seine Augen nicht erschreckend anders auf die Außenwelt wirkte, auch wenn ihm entfallen war, dass es vielleicht Julian ein wenig verstören würde, hatte er sie doch noch nie in ihrem eigentlichen Leuchten erleben können. Doch bis jetzt schien er nicht verschreckt zu sein, ganz im Gegenteil schien seine Schüchternheit für einen Moment sogar ganz verschwunden zu sein, während sie langsamen Schrittes die letzten Meter hinter sich brachten, die sie von der großen Eingangstür zu seiner Villa trennten.
"Ich muss gestehen, dass es sehr töricht von mir war zu glauben, dass ich mich in einer anderen Wohnung wohler fühlen würde. Moderne Einrichtungen liegen mir wohl in der Tat nicht besonders. Und bitte, mache dir keine Gedanken um das Innere, du kannst alles berühren, ohne dir Sorgen zu machen, ich bestehe darauf, dass du dich so wohl wie möglich hier fühlst.", dies war kein Museum und auch kein Ausstellungsstück gewesen und Charles wollte nicht, dass Julian sich deswegen unwohl fühlte, weil einiges vielleicht aus alten Zeiten oder teurer als herkömmliche Gegenstände war, denn dies hieß noch lange nicht, dass alles unbenutzt und unberührt sein sollte!
Die nächsten Worte der Huldra ließen den Dunkelhaarigen für einen kurzen Augenblick stocken, ehe er nicht anders konnte als bei den erröteten Wangen zu schmunzeln. "Wenn deine Worte von Dummheit zeugen, dann kann ich gar nicht anders als dieser Dummheit beizuwohnen. Wir mögen uns vielleicht nicht allzu lange kennen, doch kann ich nicht anders als zu gestehen, dass du mir so vertrauter vorkommst als es irgendjemand zuvor getan hat. Ich brauche keine Wochen um zu erkennen, dass ich mich in deiner Nähe sehr wohl fühle und mich sehr freue dich heute endlich wiedersehen zu können.", seine Augen blickten das hübsche Gesicht ehrlich an, ehe er sich leicht zu ihm hinüberbeugte und ihm einen sanften, wenn auch kurzen Kuss auf die Lippen hauchte. "Ich habe meine Violine im Übrigen schon lange gefunden und habe versucht meine Finger ein wenig auftauen zu lassen. Es ist wirklich sehr lange her seit ich das letzte Mal ernsthaft gespielt habe.", lachte der Dunkelhaarige ehe er mit eine Handbewegung Julian aufforderte durch die geöffnete Tür zu gehen, ihm anschließend hineinfolgend und die Tür leise hinter sich schließend. "Das Haus hat nicht allzu viele Veränderungen durchgemacht, abgesehen von neuen Stromleitungen und einer neuen Küche. Natürlich musste ich auch einige Möbel austauschen, schließlich ist nicht alles auf ewig lebend, wenn es in deinem Interesse liegt, kann ich dich ein wenig herumführen, sodass du einen kleinen Eindruck hast und es dir vielleicht bei deinem kreativen Schaffen weiterhelfen kann.", er hatte Julian seinen Arm angeboten, in welchen er sich einhaken konnte und fühlte sich etwas wohler, als die angenehme Wärme erneut auf ihn einwirkte, dass ein feines Kribbeln sich in seinem Inneren breitmachte. "Wir können gerne erst oben beginnen.", fügte er anschließend leise hinzu ehe sie die Treppen hinaufstiegen und er ihm einige seiner Zimmer zeigen konnte. Er besaß eine breit gefächerte Bibliothek, mehrere Schlafzimmer und leider auch Zimmer, die ein wenig unbenutzt waren. In einigen waren die Möbel noch verdeckt gewesen, einige Räume dienten als Abstellkammern für alte Garderoben, Gemälde oder anderen Stücke, die noch in seinem Besitz waren. In seinem Schlafzimmer selbst hatten sie sich nicht länger aufgehalten, viel mehr wollte er ihm den großen Balkon zeigen, den man nur durch sein Schlafzimmer erreichen konnte und damit einen angenehmen Blick auf den großen Garten präsentierte, der schwach beleuchtet von einigen Laternen ruhig dalag. "Ich muss leider sagen, dass ich dir nicht viel über die Flora erzählen kann, ich habe alles nur im Mondschein erblicken können, die satten Farben einiger Blumen sind mir bis heute verborgen. Vielleicht...du solltest irgendwann die Möglichkeit haben den Garten bei Tageslicht sehen zu können.", auch wenn Charles in diesem Augenblick noch nicht bewusst war, wie genau sie so etwas bewerkstelligen sollten, doch sie würden sicherlich auf eine Idee kommen.
Unten waren nicht viele Räume gewesen, sein Arbeitszimmer, ein Raum, der als Wohnbereich diente, die Küche und ein weiterer Raum, der so etwas wie seine zweite Bibliothek gewesen war, die jedoch weitaus später erstellt worden war, als der Kamin seine Funktion als Wärmefläche verloren hatte und lediglich als ein schönes Schmuckstück diente und er ihn ungern entfernen wollte. Sie hatten sich im Wohnbereich niedergelassen, zumindest bat Charles Julian darum Platz zu nehmen, während er selbst seine Violine hervorholte, sie erst dem Jüngeren hinhielt.
"Sie mag vielleicht als letzter Eindruck sehr öde erscheinen, doch dieses Stück begleitet mich eine sehr lange Zeit bereits, ich habe diese Violine bereits sehr oft reparieren lassen, sie hat mehr Orte gesehen und mehr erlebt als es ihr wahrscheinlich lieb war, dass es traurig ist, dass sie so lange nicht mehr benutzt wurde. Ich kann dir leider nicht versprechen, dass die Töne sehr gut sein werden, die ich auf ihr vorspielen kann, doch ich habe in den letzten Tagen versucht wieder ein wenig in Übung zu kommen, schließlich habe ich dir versprochen etwas vorzuspielen und das ist das mindeste was ich tun kann, dafür, dass du dich bereit erklärt hast, ein Gemälde für mich zu schaffen.", langsam hatte sich die hochgewachsene Gestalt erhoben, platzierte seine Violine auf den richtigen Platz, ehe er mit dem Bogen vorsichtig ansetzte, erst ausprobierte ob die Töne immer noch genauso gut klangen wie sie es vor zwei Tagen getan hatten, ehe er begann dem Jüngeren etwas vorzuspielen. Es war faszinierend wie schnell man sich an etwas erinnerte, was man lange nicht mehr getan hatte, wahrscheinlich war es nicht einmal möglich etwas zu verlernen, was man so lange getan hatte und dennoch glaubte er einige Töne nicht perfekt getroffen zu haben. Nur manchmal ließ er seinen Blick zu Julian wandern, schenkte ihm eines seiner freundlichen Lächeln, auch wenn es immer wieder ein kleiner Fehler war sich auf den Gelockten zu fixieren, der ihm seine gesamte Konzentration zu rauben schien, dass der Vampir sich dazu zwingen musste wenigstens bei den letzten Tönen nicht in das bildschöne Gesicht zu blicken und sich von seinen Augen einnehmen zu lassen, denn dann wäre ihm sicherlich der eine oder andere schiefe Ton entwichen.
Es war für einen klitzekleinen Augenblick sehr ruhig geworden als er mit seinem kurzen Spiel geendet hatte und die Violine behutsam beiseite stellte, dabei den Blick der Huldra suchend. "Ich bin wohl tatsächlich noch ein wenig aus der Übung, bitte entschuldige, wenn einige Töne nicht in der richtigen Tonlage erklungen sind. Ich hoffe jedoch, dass es dir dennoch ein wenig gefallen hat.", es lag ihm viel an Julians Urteil, dass er hoffte, dass dieses nicht allzu schlecht ausfiel, doch besonders hoffte er, dass er ihm damit eine kleine Freude bereitet hatte. "Wenn- wenn du möchtest, können wir uns ein wenig über dein Werk unterhalten, ich möchte sehr gerne wissen, welche Vorstellungen hast...natürlich können wir auch gleich einen kleinen Spaziergang im Garten machen oder- ohje, ich habe doch glatt meine Manieren vergessen, wie unglaublich unhöflich von mir- kann ich dir etwas zu trinken anbieten oder etwas anderes?"

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   So März 08, 2015 6:45 pm

Irgendwie schien dem Vampir eine neue Dosis Selbstvertrauen hinzugekommen sein, denn sein Griff schien noch zärtlicher und irgendetwas an seinem Blick wirkte verändert. Julian konnte nicht genau sagen was es war, bis er das Gesicht seines Gegenübers genauer betrachtete und stutzte. Etwas schien anders an ihm und es dauert etwas, bis Julian es genau einordnen konnte.
„Sind deine Augen…anders?“, fragte er unsicher nach und zog die Augenbrauen leicht zusammen. Irgendetwas war nicht ganz richtig, sie wirkten heller, viel heller und stechender, nicht so, wie menschliche Augen aussehen sollten, das war klar. Musste er doch so etwas wie eine Tarnung aufrechterhalten und verbarg sich hinter seiner menschlichen Gestalt doch noch etwas Bedrohlicheres? Julian war neugierig, doch es gehörte sich nicht nach so etwas zu fragen. Vermutlich würde er es mit der Zeit schon noch herausfinden. Ehrlich gesagt war es sowieso schwer, seine Gedanken gerade auf etwas anderes zu lenken als die große Villa, der sie immer näher gekommen waren. Selbst von außen wirkte bereits alles so perfekt und wundervoll, dass Julian den Mund kaum zu schließen vermochte.
„Ich glaube, einige Museen wären neidisch auf dieses Haus“, gab Julian kleinlaut zu. Es war schon fast ein bisschen schade, dass Charles recht einsam und zurückgezogen zu leben schien. Diese Pracht vor anderen Wesen zu verbergen war schon beinahe ein Verbrechen. Ob der Lockenkopf es übers Herz bringen würde die Möbel hier so zu behandeln als wären sie ganz normale Möbel…das konnte er noch nicht versprechen.
„Erst mal abwarten, was mich drinnen so erwartet, dann kann ich dir sagen, ob ich mich traue, wohlmöglich Kratzer zu verursachen!“
Charles Worte und sein sachter Kuss zauberten erneut ein schüchternes Lächeln auf Julians Gesicht und schienen ihn mit einer inneren Wärme zu füllen. Es tat gut zu wissen, dass Charles seine Affektion auf dem gleichen Level erwiderte und dass Julian ihn nicht mit einer Zuwendung überhäufte, die der reservierte Mann in keinster Weise erwidern könnte. Stattdessen schienen sie einander gleichmäßig verfallen zu sein.
„Dann freue ich mich schon darauf, dich spielen zu hören!“, versicherte Julian ihm und folgte ihm schließlich in die Eingangshalle seiner Unterkunft. Dass Charles jemals auf die Idee hatte kommen können, irgendwo anders zu leben, war Julian bei diesem Anblick schleierhaft. Er bekam den Mund vor Staunen kaum noch zu und folgte Charles brav, seinen Skizzenblock fest umklammert. Solchen Reichtum hatte er in seinem ganzen Leben noch nie erlebt und er wurde zunehmend nervöser. Da kam ihm der Arm, den Charles ihm anbot, gerade recht, bevor ihm ganz schwindelig wurde. Leicht an den Vampir geschmiegt ließ er sich von ihm durch alle Räume führen, die sehenswert waren –also quasi alle. Die Inspirationen und reichen Szenarien, die in seinem Kopf aufblühten hätten vermutlich gereicht, um das ganze Anwesen mit Gemälden zu füllen. Alles wirkte so perfekt und wunderschön, dass Julian gar nicht wusste, wie jemand effektiv in diesem Kunstwerk leben konnte. Wobei er beim genaueren Hinsehen die ein oder andere Schramme erkannte, einen kleinen Fleck vielleicht, wo die Lackierung einer Kommode etwas abgeschrammt war oder ein Stück des pertolfarbenen Polsters, das etwas abgesessen wirkte. Nichts, was für Julian in irgendeiner Form den Wert dieser Dinge senkte. Es war nur erleichternd zu sehen, dass in diesem Haus und auf diesen Möbeln doch tatsächlich gelebt wurde und dass man ihnen ihr Alter ein wenig ansehen konnte. Es machte das Haus sympathischer und lebendiger und nahm dem Lockenkopf etwas von seiner Aufgeregtheit.
Julian war beinahe etwas beschämt, dass er irgendwie mit einem Sarg im Schlafzimmer gerechnet hatte und war nun froh, dass er kein Wort darüber verloren hatte, bevor sie in den nächsten Raum getreten waren, denn auch bei Charles fand sich nur ein Bett. Wenn das Wort „nur“ dem riesigen Himmelbett gerecht würde natürlich. Er musste den Drang unterdrücken, sich gleich in die weichen Laken zu werfen. Sowieso lenkte der Balkon seine Aufmerksamkeit wieder genug ab, sodass er neugierig den Blick auf den großen Garten warf, dessen Schönheit allerdings durch die Dunkelheit verborgen war. Dass Charles seinen eigenen Garten noch nie beim Licht der Sonne gesehen hatte war für Julian ein absurder Gedanke, aber wenn er weiter darüber nachdachte natürlich nur logisch. Trotzdem hatte der Gedanke etwas unglaublich Trauriges an sich.
„Du hast deinen eigenen Garten nie sehen können? Nicht einmal von drinnen raus schauen oder so?“, hakte er vorsichtig nach. Wie genau es mit Vampiren und Sonnenlicht war wusste er nicht einmal, da er immer noch unsicher war, was Wahrheit und Mythos war. Selbst in der Dunkelheit erahnte Julian beeindruckende Formen und Farben, sodass ihm sogleich der Gedanke kam, den Garten in ein Gemälde zu verwandeln. Ein verschmitztes Lächeln huschte über seine Züge, aber er hielt den Mund für den Moment geschlossen und folgte Charles stattdessen wieder hinunter in den Wohnbereich, wo er sich auf einer der dunkel bezogenen Couches niederließ. Immerhin war sie so bequem, wie man es für ihren Wert wohl erwarten dürfte.
„Ich bin mir sicher, dass du immer noch exquisit spielst!“
Die Huldra war aufgeregt und neugierig, der Gedanke, wie der Vampir sein Instrument spielte, war irgendwie anregend. Mit vorsichtigen Fingern strich er über das dunkel Holz der Violine, die Charles ihm präsentierte, ehrfürchtig und darauf bedacht, keines der Teile an dem Stück durch eine unbedachte Bewegung zu beschädigen.
„Sie ist wunderschön“, hauchte Julian ehrlich. Sie mochte schlicht wirken, aber der emotionale Wert, der daran hing, war beinahe spürbar. Er wollte Charles´ Spiel nicht weiter hinauszögern und hielt ruhig inne, darauf wartend, dass der Vampir den Bogen ansetzte. Bereits die ersten Töne zeigten ihm, dass Charles nicht viel an Können eingebüßt haben konnte und immer noch ausgezeichnet spielte. Verzückt hatte er die Augen geschlossen, um sich besser auf die Musik konzentrieren zu können. Wobei er nicht anders konnte, als sie hin und wieder verstohlen zu öffnen und die hochgewachsene Gestalt bei ihrem Spiel zu beobachten. Er wirkte einfach zu elegant und anmutig, um ihn nicht dabei zu beobachten, auch, wenn Julian merkte, dass sein Spiel etwas unruhiger wurde jedes Mal, wenn sich ihre Blicke trafen. Julian war kein Musikkenner, solange Charles keine allzu offenkundigen Fehler machte bemerkte er es nicht einmal und selbst wenn würde er ihn wohl kaum deswegen rügen. Verträumt lauschte er dem Lied und war beinahe etwas traurig, als die letzten Töne verklangen. Auch, wenn er kein Profi sein mochte, konnte er ahnen, dass Charles sicherlich kein reiner Amateur war und sicher mit der Violine so gut war wie er selbst mit dem Pinsel.
„Ich wünschte, du würdest noch weiterspielen“, seufzte er, als die letzten Noten verklungen waren und lehnte sich etwas nach vorn.
„Wirklich, wenn du dich verspielt hast, habe ich nichts davon bemerkt, es war wirklich himmlisch!“
Julian hatte sich leicht erhoben und stand etwas unschlüssig im Raum, bevor Charles seine Unruhe etwas durchbrach.
„Ich glaube ich habe eine Idee für dein Gemälde und da würde es sich sehr anbieten, einen Spaziergang durch den Garten zu machen! Ich erzähl dir draußen, was ich im Sinn hab“, schmunzelte er und winkte Charles´ Frage hastig ab.
„Wenn ich etwas vermisse, dann melde ich mich, ich brauche nichts, danke.“
Eine Welle an Motivation hatte Julian gepackt und er konnte gar nicht schnell genug in den Garten kommen, wo die Schönheit der Pflanzen wenigstens zu erahnen war. Durch den warmen Sommertag hing der Duft zahlreicher Gewächse in der Luft und Julian atmete tief ein, um alles in sich aufzunehmen.
„Macht es dir etwas aus, wenn ich…naja, die Tarnung fallen lasse?“, fragte er vorsichtig nach und löste sich vollkommen von seiner menschlichen Gestalt. Es half ihm, sich vollkommen zu entspannen, da er sich nun nicht noch auf eine Fassade konzentrieren musste. Obwohl leichter Lampenschein die Gartenwege erhellte, war die Schönheit der Blumen nicht vollkommen sichtbar.
„Ich dachte mir, naja, wenn du selbst deinen Garten nicht sehen kannst, könnte ich für dich einen Blick darauf werfen. Ich wollte mich furchtbar gern an etwas impressionistischem versuchen, Blumenbeete sind wie geschaffen dazu! Und einige der Farbtöne im Wohnraum zum Beispiel würden sich wunderbar anbieten!“, sinnierte die Huldra eifrig vor sich hin, während ihre Finger über die Blumen strichen. Die Aufregung hatte ihn unaufmerksam gemacht und mit einem kurzen Zusammenzucken zog er seine Hand zurück und hielt die Finger an die Lippen.
„Ich glaub, ich hab mich gestochen!“, zischte er, hauptsächlich sauer auf seine eigene Tollpatschigkeit, und blickte den Vampir entschuldigend an. Er konnte Blut auf seinen Lippen schmecken und stieß einen unterdrückten Fluch aus.
„Du musst glauben, dass ich das mit Absicht mache, um dich zu trietzen, aber ich war wirklich nur unvorsichtig. Hast du vielleicht ein Pflaster für mich?“, bat er den Vampir und blickte etwas zerstreut zu ihm hinauf.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Mo März 09, 2015 7:51 pm

Es erfüllte den Vampir mit Freude und auch ein bisschen Stolz, dass Julian sein Musizieren gefallen hatte. Früher hatte er gerne anderen vorgespielt, auch wenn nicht alle Lebewesen, die er kannte und mit denen er lange Zeit verbracht hatten, seine Musik oder seine Vorliebe genauso wertgeschätzt und gemocht hatten wie er es tat, sodass es umso großartiger war, dass Julian tatsächlich Gefallen daran hatte.
„Nun, wenn du möchtest, dann kann ich öfter für dich vorspielen, es würde mir wohl nicht schaden wenn ich ein wenig routinierter spiele um kleine Fehler vermeiden zu können.“, er lächelte den Jüngeren bescheiden an. Es war ein angenehmer Gedanke sich vorzustellen, wie er in Zukunft öfter seiner Begleitung vorspielen konnte, dass es ihm vielleicht sogar gelang jeden Ton richtig zu treffen, auch wenn es beinahe unmöglich war in der Nähe des anderen auch nur ansatzweise hochkonzentriert zu sein.
„Doch ich bin froh, dass es dir gefallen zu haben schien. Ich hatte ein wenig Angst, dass mein Können allzu sehr eingerostet ist.“, Charles hatte gar nicht viel über seine Musik reden wollen, viel interessanter erschienen doch die Ideen zu dem Gemälde zu sein, das der Blonde für ihn malen wollte und er wollte gerne jedes kleine Detail wissen…nun, vielleicht nicht jedes, schließlich wollte er sich selbst nicht die ganze Überraschung nehmen, doch etwas Information wäre sicherlich nicht verkehrt gewesen. Doch anstatt sie ihm sofort zu vermitteln, wollte der Gelockte es für ihn noch ein wenig spannender machen, sodass er gar keine unnötige Zeit im Haus verbringen wollte und teilte den Enthusiasmus des anderen als sich dieser erhoben hatte um hinaus in den Garten zu gehen.
Nun, ein wenig schade war es schon gewesen, dass Julian keinen einzigen Wunsch zu haben schien, Charles hätte gerne gezeigt, dass er sich um alles gekümmert hatte, was Lebewesen, die keine Vampire waren, brauchten, denn als jemand, der so etwas seit sehr vielen Jahren nicht mehr gebraucht hatte, war es keine Selbstverständlichkeit, dass man an so etwas dachte. Andererseits war es nicht seine Art noch mehr Anerkennung und Bestätigung von Julian zu bekommen, oder zumindest war es generell nie der Fall gewesen, im Moment jedoch fühlte er sich wieder wie ein kleiner Junge, der die vollste Aufmerksamkeit bekam für etwas, was er selbstständig geleistet hatte. Aber vielleicht würde er in Zukunft öfter zur Schau stellen können, dass er an so ziemlich jedes Bedürfnis dachte, das den jungen Mann betraf und unter anderem auf lebensnotwendig für ihn gewesen war.
Draußen hatte sie eine leichte Sommerbriese empfangen, die sanft durch ihr Haar fuhr und die Haut mit einer angenehmen Wärme erfüllte, Charles liebte solche ruhigen Blätter, liebte es hinauf zum klaren Himmel zu blicken und die Sterne zu bewundern, die so ewig entfernt von ihrem eigenen Planeten waren, die meisten existierten da draußen gar nicht mehr.
Zeit war eine sehr erstaunliche Einheit, oft fragte der Vampir sich wie lange es sich für ihn anfühlen würde, würde er im endlosen Universum nach diesen Sternen suchen. Doch so schön der Anblick auch war, seine Augen verloren sich lieber in der schmalen Gestalt, die langsamen Schrittes neben ihm herlief, ab und an vom Licht der Laternen beschienen wurde, nicht, dass der Dunkelhaarige Licht brauchte um Julian genau erkennen zu können, seine strahlend blauen Augen, die blonden Locken, die sein Gesicht umrahmten- selbst die Sommersprossen schienen noch durch die Dunkelheit gut sichtbar zu sein.
Es machte ihm nichts aus, dass Julian seine übliche Gestalt bevorzugte als die eines Menschen, konnte er auch nicht behaupten, dass ihm etwas an ihm missfiel, wenn seine Ohren plötzlich anderen wichen, die er jedes Mal gerne berühren wollte, sobald seine Augen sie erblickten. „Bitte, tue dir hier keinen Zwang an, immerhin kümmere ich mich hier auch nicht darum, dass meine Augen halbwegs menschlich aussehen!“
Aufmerksam lauschte der Vampir den Worten des Jüngeren, beobachtete ihn ab und an wie sein Blick durch die Blumen wanderte, seine Hände hier und da die Blüten berührte, im nächsten Moment breit lächelnd. „Mir gefällt die Idee. Etwas Impressionismus in mein Wohnzimmer wäre absolut nicht verkehrt und so kann ich wenigstens meinen Garten auch zu solchen Zeiten in all seinen Farben betrachten!“, verträumt glitten seine hellen Augen über die zahlreichen Beete und Sträucher, über die beinahe perfekt arrangierten Pflanzen, die sich hier und da befanden und allesamt regelmäßig gepflegt wurden, wenn auch leider nicht von ihm. Einen guten Gärtner hätte er wohl auch niemals abgeben können, dem war er sich mehr als nur sicher!
Ihm gefiel der Einfall, den Julian geäußert hatte, er konnte sich zwar nicht perfekt ein fertiges Gemälde vorstellen, doch sein Inneres sagte ihm, dass er dafür ein perfektes Werk in den Händen halten würde, sobald die Huldra fertig damit gewesen war. Dann konnte er gar nicht anders als ihn irgendwann hier über Nacht zu lassen, alleine schon, damit er am Tag die vielen Farben und Pflanzenarten seines Gartens einnehmen konnte.
Charles wollte noch etwas dazu äußern, wollte ihm vorschlagen vielleicht an einem anderen Tag wieder zu ihm zu kommen und im Licht der Sonne sich alles genauer anzuschauen, da hatte ihn der betörende Duft des fremden Blutes plötzlich innehalten lassen. Es war regelrecht wie ein kleiner Schlag, den der Verstand des Älteren bekommen hatte, so unerwartet wie dieser Moment erschienen war, dass er erst verwirrt zu Julian hinüberblickend, im nächsten Moment jedoch schnell wieder seine Fassung gewann.
„Ich kann nicht behaupten, dass es ein wenig triezend ist vor einem Vampir sich zu verletzen, doch ich glaube nicht, dass diese Aktivitäten deinerseits beabsichtigt sind. Dürfte ich mir deinen Finger vielleicht ansehen?“, vorsichtig streckte er seinen Arm aus, wartete darauf, dass Julian ihm die Erlaubnis hab sich die kleine Einstichwunde besser ansehen zu können. „Ich werde nicht in deinen Finger hineinbeißen, das verspreche ich dir, immerhin hatte ich deine Zunge aus nicht in irgendeiner Form falsch behandelt, oder?“, seine blassen Lippen formten ein schiefes Lächeln, Charles wusste, dass er niemandem es hätte verübeln können, wenn man einem Blutsauger wie ihm nicht traute, besonders nicht wenn es um solche Dinge ging wie blutende Schnittwunden, doch er war alt genug um zu wissen, wie man die Fassung in solchen Momenten gewann, alles andere wäre wohl schrecklich für beide gewesen und er wollte Julian um keinen Preis wegen solch schlechten Manieren vergraulen. Zu seinem Glück hatte sich die warme Hand jedoch schnell in seiner eigenen befunden, sodass er sich den Finger etwas näher anschauen konnte. Es war kein allzu schlimmer Dornenstich gewesen, doch schien er es dennoch geschafft zu haben, eine Stelle zu treffen, die nicht nach wenigen Sekunden aufhörte zu bluten, sodass selbst jetzt kleine Tropfen die Fingerkuppe des anderen benetzte. „Darf ich…ich kenne einen etwas besseren Weg um deine Verletzung schnell verschwinden lassen, doch ich möchte gerne wissen, ob ich es auch darf. Wenn du es nicht möchtest, können wir wieder hineingehen und ich schaue mich nach einem Pflaster um.“, geduldig hatte er auf eine Antwort des Jüngeren gewartet, während der verstandraubende süße Duft seines Blutes ihn immer stärker benebeln zu schien. Doch Julian hatte den Vampir nicht lange warten lassen und gab ihm die Erlaubnis ihm seine Verletzung zu nehmen.
Vorsichtig zog er die andere Hand etwas näher heran, umfasste behutsam den betroffenen Finger, den er zu seinem leicht geöffneten Mund führte. Allein die wenige Tropfen der roten Flüssigkeit, die nun auf seiner Zunge hafteten, waren regelrecht eine Explosion von Faszination und einem atemberaubenden Geschmack, der seinen gesamten Körper mit Euphorie füllte. Doch in erster Linie wollte er ihn davor bewahren weiter Blut zu verlieren, das nicht mal ein Pflaster vor der empfindlichen Nase des Vampirs verbergen konnte.
Nur langsam hatte er von seinem Finger abgelassen, führte seine gesamte Handfläche zu seinen Lippen, welche er mit sanften Küssen benetzte, ehe seine Lippen weiter hinunterwanderten und er sein Handgelenk berührte, dabei seinen etwas schneller werdenden Puls spürte. Er glaubte einen Laut vernommen zu haben, sodass er für einen kurzen Moment innehielt, fragend zu der Huldra hinüber schielte. „Entschuldige, war ich zu weit gegangen? Ich führte ich habe für einen Moment meinen Verstand nicht mehr anwenden können…es fühlt sich sehr gut an dich…nun ja…dich berühren und küssen zu können.“

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Di März 10, 2015 6:18 pm

Ein leichtes Prickeln ging noch immer durch seinen Finger, doch es war nicht wirklich schmerzhaft. Immerhin war es nur ein kleiner Stich gewesen, nichts Wildes und eigentlich wollte Julian überhaupt kein Drama daraus machen. Wenn Charles kein Vampir gewesen wäre hätte er vermutlich nicht einmal ein Wort darüber verloren. Doch er konnte sich vorstellen, dass der Geruch eine ablenkende Verlockung war und auch, wenn er seinem Date genug traute, dass er wohl nicht gleich über ihn herfallen würde musste er ja nichts provozieren.
„Tut mir wirklich leid, ich bin so tollpatschig manchmal. Diese Blume sollte einen ganz besonderen Platz in dem Gemälde bekommen“, schimpfte er, mehr belustigt als wirklich verärgert. Charles musste noch glauben, dass er keine fünf Schritte weit kam, ohne sich kleine Verletzungen zuzufügen oder gar direkt in Ohnmacht zu verfallen! Dabei war Julian gar nicht so schwächlich, ein Leben auf der Straße härtete immerhin ab! Hoffentlich hatte er noch genug Zeit, um den Vampir davon zu überzeugen, dass man nicht ständig ein Auge auf ihn werfen musste wie auf ein kleines Kind. Nicht, dass er mittlerweile noch in Frage stellte, dass diese Sache zwischen ihnen sich vielleicht noch in etwas Ernstes verwandelte.
Auf Charles´ Bitte hin wurde Julian kurz rot um die Nase, bevor er ihm die Hand hinhielt. Natürlich erinnerte er sich noch daran, was mit dem kleinen Schnitt in seiner Zunge passiert war. Oder an die Bisswunden an ihrem ersten Treffen –auch, wenn diese Erinnerung nicht ganz so angenehm war wie alle anderen- und wie sich diese auf scheinbar magische Art und Weise wieder verschlossen hatten. Die Huldra wusste nicht, ob alle Vampire über solche Kräfte verfügten. Mit seinem Speichel heilen klang sicher nützlich, allerdings nur, wenn man seine Opfer nicht tötete und Julian hatte ehrlich gesagt angenommen, dass Charles eher die Ausnahme von der Regel war. Irgendwann musste Julian vielleicht Blake darum bitten, ihn einem anderen Blutsauger vorzustellen, sodass er diesen auf etwas offenere und weniger peinliche Art und Weise ausfragen konnte wie Charles. Er wollte immerhin nicht den Eindruck erwecken als wenn er sich nicht dafür interessierte, was für Macken, Gewohnheiten und Bedürfnisse seine neue Bekanntschaft so hatte.
„Ich glaube ich erinnere mich noch recht gut an die Sache mit der Zunge“, murmelte Julian und bekam es dieses Mal doch tatsächlich hin, seine Schüchternheit gegen ein verschmitztes Grinsen einzutauschen. Es war eine angenehme Erinnerung, eine, die ihm bereits beim bloßen Gedanken schon wieder die Hitze in die Knochen trieb und sein Gesicht wegen ganz anderer Ideen rot anlaufen ließ. Er konnte nur hoffen, dass Charles sein Gesicht im Dunkeln nicht ganz so gut erkennen konnte. Julian hatte geahnt, worauf er mit seiner Frage hinauswollte und nickte zur Bestätigung langsam.
„Ich denke, das ist eine effektivere Lösung als ein Pflaster“, bekräftigte er sein Nicken. Obwohl sie wohl beide wussten, dass es hier nicht nur um Erste-Hilfe-Maßnahmen ging. Der Gedanke an Charles´ Lippen auf seiner Haut löste ein wohliges Kribbeln an seinem ganzen Körper aus. Seine Hand lag leicht zwischen den Fingern des Größeren und er ließ ihn gewähren, ihn mit unversteckter Neugierde dabei beobachtend, wie er seine Lippen langsam annäherte. Die Berührung war wie ein kleiner Stromschlag und Mulmigkeit erfüllte Julian auf eine positive Art und Weise. Vielleicht bildete er sich das nur ein, aber der Schmerz –wenn man das leichte Prickeln denn so bezeichnen konnte- hatte direkt nachgelassen, als die Zunge seine Haut getroffen hatte. Dass Charles nicht direkt wieder von ihm abließ hatte Julian irgendwie schon erwartet und mit einem leichten Zittern am ganzen Körper und sich beschleunigendem Herzschlag beobachtete er ihn dabei, wie seine Lippen weiter über seine Handfläche wanderten. Wärme mit einem Hauch von Lust, der immer stärker wurde, je weiter die Lippen wanderten, durchfuhren den schmalen Leib. Es ärgerte ihn selbst, dass er solche liebevollen Berührungen selbst nicht wirklich initiieren konnte, denn er hatte recht wenig Erfahrung, was sich angenehm anfühlte und gerade neben so einem Kenner wie Charles, der schon so unglaublich alt war, wusste er gar nicht so recht wohin mit sich. Seine körperliche Beziehung mit Blake war viel zu kurz und überhastet gewesen, um Erfahrungen sammeln zu können, was ihm selbst eigentlich ganz gut gefiel und so kam der Laut, der plötzlich seine Lippen verließ für ihn selbst wohl am überraschendsten.
Julian wusste selbst nicht, wie er auf einmal seine Zurückhaltung so hatte fallen lassen können, aber als die Lippen des Vampirs sein Handgelenk erreicht hatten, war ein Gefühl ähnlich wie Stromschlag durch seinen Körper gefahren und hatte ihn einen kurzen Laut ausstoßen lassen, irgendwo zwischen Lust und Wonne. Julian wusste selbst nicht, wie so ein harmloser Fleck wie sein Handgelenk so empfindlich auf die Berührungen des anderen reagieren konnte, doch das leise Jaulen, das er ausgestoßen hatte, gehörte eher ins Bett als zu einem unschuldigen Kuss im Blumengarten. Er hatte keine Ahnung, ob Charles seinen Laut richtig interpretiert hatte und nun nur aus Anstand nichts dazu sagte oder ob er seine Reaktion nur verbarg, doch Julian war gerade so durch den Wind, dass er den Unterschied nicht sagen konnte.
„Es….Nein, du bist nicht….Es ist okay“, stammelte der Lockenkopf unkoordiniert vor sich hin und betrachtete mit einer Mischung aus leichtem Entsetzen und Faszination das Handgelenk, das Charles im Schreck losgelassen hatte. Vorsichtig fuhr er mit den Fingern über die Haut, die sich wie alles an ihm gerade warm anfühlte und saugte Charles´ Worte in sich auf. Er wusste nicht, ob es nicht vielleicht peinliche Berührtheit hervorrufen würde, wenn er nun die Wahrheit sagte, sodass er sich erst einmal leicht umwandte und Richtung Haus blickte. Vielleicht hatte der Vampir sogar angeboten ins Haus zurückzugehen, doch Julians Verstand war so neben der Spur, dass er kaum etwas mitbekam, bis sie sich schließlich im Wohnraum wiederfanden und er etwas unschlüssig im Raum stand. Eine ungewohnte Aufregung hatte seinen ganzen Körper gepackt und er hielt sich nah bei Charles, vielleicht etwas zu nah, um noch als angemessen zu gelten.
„Ich glaube du hast eine etwas….empfindliche Stelle gefunden“, setzte er schließlich an, wobei sie vermutlich beide wussten, dass „empfindlich“ nicht ganz das richtige Wort für das war, was er empfunden hatte.
„Ich mag es auch, wenn du mich berührst“, setzte er schließlich Charles´ Worte fort, die im Garten gefallen waren.
„Tu´s nochmal“, stieß er schließlich flehend und mit hochrotem Schädel aus und wagte es nur ganz langsam den Kopf zu heben und in Charles´ helle Augen zu blicken, in denen er irgendeine Antwort auf das Gefühlschaos in seinem Inneren erhoffte.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Mi März 11, 2015 1:50 pm

Ganz gleich um was für einen Laut es sich in diesem Moment gehandelt hatte, Charles hatte nicht erwartet so etwas zu hören, während er die andere Hand sanft mit seinen Lippen berührte. Doch er konnte sich kaum vorstellen, dass es dem Jüngeren plötzlich unangenehm war so nahe dem Vampir zu sein, dass er es sogar eigentlich gar nicht wollte, schließlich mussten sie wohl beide gestehen, dass sie wider der Norm sich sehr früh sehr nahe gekommen waren und das ohne, dass sich jemand dabei unwohl gefühlt hatte.
Es war ein erstaunliches Vertrauen, welches beide in sich zu haben schienen, besonders Julian erstaunte ihn damit, dass er kein ungutes Gefühl in der Nähe eines Wesens, das der Dunkelhaarige war, zu haben schien, ja, dass er es sogar zuließ, seine Wunden von ihm verheilen zu lassen. Charles wusste ganz genau, dass nicht jeder seiner Art so war, nicht jeder wollte die Selbstbeherrschung einhalten, die meisten hatten es nicht einmal gelernt und der Ältere hoffte inständig, dass sein Gast nicht jedem Vampir so sehr vertraute, wie er es gerade bei ihm tat.
Doch solche düsteren Gedanken waren gerade fehl am Platz, vielmehr konzentrierte er sich lieber auf sein Besuch, dessen Hand er vorsichtig losgelassen hatte, aus Vorsicht dass er vielleicht doch ein wenig zu weit gegangen war.
Fragend suchten seine Augen das hübsche Gesicht des anderen, fixierte dabei seine blauen Augen, dabei geduldig auf eine Antwort wartend.
Er hätte nicht erwartet, dass Julian so durch den Wind war. War wirklich solch eine kleine Berührung der Fall gewesen? Konnte man mit so wenig so viel bei dem Jüngeren bewirken? Ein Anflug von Neugier hatte den Dunkelhaarigen gepackt, am liebsten hätte er es noch einmal ausprobiert, doch er wollte nichts provozieren, was die Huldra vielleicht gar nicht wollte und ohne seiner Erlaubnis wollte er nicht zu viel wagen, was er vielleicht später bereuen würde oder was ihr momentan noch gutes Verhältnis stören könnte und sie sich vielleicht danach nicht mehr wiedersehen würden. Nein, stattdessen lauschte er lieber den Worten des Gelockten, anerkennend nickend. Wenigstens schien er tatsächlich nicht zu weit gegangen war, doch brachte es keinen Nutzen, wenn beide aus Verwirrung und vielleicht ein wenig Verlegenheit im dunklen Garten standen und sich gegenseitig Blicke zuwarfen.
"Wir sollten lieber hineingehen...", murmelte seine Stimme nach einer kurzen Pause, ehe sie sich mit langsamen Schritten wieder zurück begaben.
Julian hatte nicht viel gesagt und Charles wollte auch nicht die Stille brechen, stattdessen musterte er den sichtlich verwirrten jungen Mann prüfend, sich fragend, was genau solch ein kleines inneres Chaos in ihm hervorgerufen war und ob er eine Stelle gefunden haben mochte, auf die er besonders stark reagierte. Es war verrückt wie gerne er es noch einmal ausprobiert hätte. Nicht, dass es stets seine Intention gewesen war andere Lebewesen zu irritieren oder ihren Verstand zu benebeln- auch wenn so etwas oft genug sogar seine Intention gewesen war- er wollte nur gerne sicherstellen, dass es sich nicht schlecht für den anderen anfühlte, immerhin wollte er dem Jüngeren früher oder später etwas näher kommen können, auch wenn er sich beinahe ein wenig dafür schämte, dass er bereits solche Gedanken in sich hineinließ. Doch er musste wohl zugeben, dass es einfacher war, wenn er wusste, was dem Gelockten tatsächlich gefiel und was nicht.
Charles teilte die Unschlüssigkeit des Jüngeren, als sie sich im hell beleuchteten Wohnzimmer befanden. Der Dunkelhaarige wollte das Wort ergreifen, wollte Julian fragen, ob alles in Ordnung war oder er nun etwas brauchte, vielleicht sogar ein wenig Ruhe um sich wieder fangen zu können, doch sein Gast kam im zuvor und der Vampir lauschte lieber aufmerksam seiner Stimme. Er hatte sich beinahe so etwas gedacht, doch seine Zurückhaltung und Bescheidenheit hatte ihn nicht weiter in diese Richtung denken lassen, schließlich war es immer einfacher gewesen vom schlimmsten auszugehen, statt an das Positive zu glauben.
Doch die Tatsache, dass es Julian offenbar erstaunen zu schien, dass er so stark an solchen Stellen reagierte, versetzte ihn in ein noch viel größeres Erstaunen, welches jedoch bei der nächsten Bitte wieder verschwunden war und er stattdessen seinen Gegenüber mit großen Augen anblickte.
Sein Herz hatte gehofft solche Worte über Julians Lippen gleiten hören zu können, doch nun, wo sie endlich den großen Raum gefüllt hatten, fühlte sich diese Aufforderung an wie ein Traum, nach dem er niemals hätte greifen können. Doch die Huldra stand vor ihm, starrte ihn mit seinen strahlend blauen Augen so fordernd an, dass er seine Bitte nicht einmal dann hätte abschlagen können, wenn er es irgendwie gewollt hätte.
Er glaubte ihm wurde warm, auch wenn er genau wusste, dass sein Körper erst so etwas spüren konnte, wenn er Blut zu sich nahm.
Charles machte eine langsame Handbewegung, deutete auf die Couch, auf welcher Julian zuvor gesessen hatte und seiner Violine lauschte, ihn dabei bescheiden anblickend. "Bitte, nimm erst Platz, was wäre ich für ein furchtbarer Gastgeber, wenn ich die hier die ganze Zeit stehen lasse!", ein belustigter Ausdruck umrahmte das markante Gesicht, während er geduldig darauf wartete, dass er Platz genommen hatte, um sich anschließend neben dem Gelockten zu setzen.
Der Vampir ergriff wortlos Eigeninitiative, griff erneut nach der Hand des Jüngeren, fuhr dabei sanft mit seinen Fingern über die warme Haut, ließ dabei kaum eine Stelle aus, durch welche seine Fingerkuppen glitten. "Es ist erstaunlich welch Stellen Lebewesen besitzen, an welchen sie sehr empfindlich reagieren, ich hätte nie geahnt, dass es mir gelingen sollte, dich besonders dort zu berühren.", langsam glitten die hellgrauen Augen zum bildschönen Gesicht seines Gastes, ihm ein sanftes Lächeln schenkend, ehe er erneut seine Hand mit sanften Küssen überhäufte, mit seinem Daumen vorsichtig über sein Handgelenk fuhr, ehe er erneut seine Lippen auf diese kleine, empfindliche Stelle presste, es an jeder freien Stelle küssend. Charles bemerkte wie seine Neugier noch stärker in ihm anstieg. Er genoss diese Berührungen, doch wollte er sich nicht nur auf das hochempfindliche Handgelenk beschränken. Alleine die weichen Lippen seines Gegenübers hatte er so lange nicht mehr berühren können, dass er langsam von Julians Arm abließ, stattdessen sanft mit seiner Hand über die errötete Wange strich und sich noch näher zur Huldra hinüberlehnte um ihn innig zu küssen.
Wenn er noch atmen müsste, hätte es ihm jeglichen Atem geraubt und die restlichen Luftressourcen aus den Lungen gestohlen. Charles konnte und wollte gar nicht mehr von Julian ablassen, es war ein unbeschreibliches Gefühl, so heiß, dass er glaubte unter den Berührungen und ihrem Kuss regelrecht verbrennen zu können.
Dem Vampir war aufgefallen, dass er nicht der einzige mit spitzen Zähnen war, als er mit seiner Zunge über die blankweißen Zähne des Gelockten fuhr und dabei die eine oder andere gefährliche Ecke fand, welche er in Zukunft versuchen würde zu vermeiden, nicht, dass ihm noch das gleiche Malheur passierte wie dem Jüngeren, was jedoch tragischerweise einen schlimmeren Nebeneffekt mit sich bringen würde, den er um jeden Preis vermeiden wollte.
Während beide leidenschaftliche Küsse austauschten, hatten sich Charles' Hände ein wenig auf Wanderschaft begeben, fuhren über die blonden Locken des Kleineren, ehe sie das weiche Fell seiner Ohren ertasteten und er dem Drang nicht widerstehen konnte, sie so sanft um umsichtig wie möglich zu berühren, nur um weitere Laute aus Julians Kehle entlocken zu können.
"Bist du...dort etwa auch empfindlich?", fragend schielte er zur Huldra hinüber, strich noch einmal über seine langen Ohren, nur um zu bemerken, dass es zumindest nicht unangenehm für das Fabelwesen zu sein schien. "Du musst mir bitte sagen, wenn ich zu weit gehe...vielleicht ist es etwas unangebracht bereits bei einer dritten Verabredung dir so nahe zu kommen, doch es fällt mir schwer bei Verstand zu bleiben, wenn du mir bei bist und...es fühlt sich nicht zu früh oder gar falsch an, dich zu berühren." Es schien so überflüssig zu sein, dass sie sich erst zum dritten Mal sahen und sich so nahe kamen als würden sie sich seit Wochen treffen, doch es kümmerte den Vampir wenig und solange es Julian ebenfalls nicht zu stören schien, gab es auch keine Einwände, wieso er jetzt plötzlich aufhören sollte.
Kaum hatte Charles innegehalten, beugte er sich bereits ein weiteres Mal über den schmalen Körper, fuhr mit seinen Lippen über die schmale Kinnlinie, während er ganz beiläufig, ohne Kontrolle darüber zu haben, mit seiner freien Hand unter das Oberteil des Blonden fuhr, dabei mit seinen Fingerknochen die filigranem Hüftknochen berührte, jedoch im nächsten Augenblick fragend Julians Augen suchte, als dieser plötzlich zusammenzuckte. "Ich...ist meine Hand etwas zu kalt oder bin ich zu weit gegangen?", fragte er mit leiser Stimme. Das Gesicht seines Gastes schien gar nicht mehr aufhören zu erröten, Julian strahlte solch eine Hitze aus, dass es selbst die kalten Glieder des Vampirs zu erwärmen schien. Charles wusste genau, dass er nicht weitergehen durfte oder gar sollte als diese sanften Berührungen, die bereits in eine ganz andere Richtung gingen, als sanfte und liebevolle Küsse, die sie zuvor ausgetauscht hatten, doch er wollte noch nicht aufhören, er wollte weiter die Nähe seines Gegenübers genießen können, solange noch etwas Zeit blieb, die sie gemeinsam verbringen konnten.

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Fr März 13, 2015 2:43 pm

Für einen Moment war sich Julian nicht sicher, ob er selbst durchziehen konnte, worum er Charles gerade gebeten hatte. Sein Herz schlug bis zum Hals, während er nur allzu gern der sanften Aufforderung nachging und sich auf dem Sofa niederließ. Seine Beine hätten ihn vermutlich eh kaum noch getragen, da sie so unglaublich wacklig waren und sich anfühlten wie Pudding. Der Blick der hellen Augen war in erwartungsvoller Spannung auf das blasse Gesicht des Vampirs gerichtet. Er wusste nicht, wieso der innere Drang plötzlich so stark war, ihm näher zu kommen und ihm die Aufgabe zu übergeben, die empfindlichsten Stellen an seinem Körper zu finden und ihn zu erforschen, wie es Julian zuvor noch niemandem erlaubt hatte. Was er wusste war aber, dass es kein Zurück geben würde.
„Bis jetzt warst du ein ganz wunderbarer Gastgeber“, murmelte er geistesabwesend. Mit einer Anspannung, die seinen ganzen Körper befallen hatte, beobachtete er jede von Charles´ Bewegungen genauestens. Es erschien ihm beinahe so, als wenn der Vampir genauso nervös wäre wie er, dabei dürfte dieser sich doch eigentlich auf etwas sichererem Terrain bewegen wie er selbst. Vermutlich war das nur der Beweis dafür, dass Charles ihn wirklich gut leiden konnte und der Gedanke allein hätte schon ausgereicht, um ihn zum zittern zu bringen. In Anbetracht der Tatsache, dass er heute erleben durfte, wie unglaublich reich und vermutlich auch einflussreich Charles war wirkte es wie ein schlechter Witz, dass so etwas Kleines und Schlichtes wie er selbst seine volle Aufmerksamkeit zuteil werden sollte. Bei den ersten Berührungen des Vampirs war Julian noch leicht verkrampft vor Aufregung, doch die sachten Berührungen lösten schnell die Knoten in seinem Inneren. Mit einem schweren Aufatmen ließ er sich tiefer in die Kissen sinken, als die vorsichtigen Fingerkuppen von den Lippen des Älteren abgelöst wurden. Er wusste nicht, wieso sein Körper so stark auf die Berührungen reagierte, dass es beinahe mit dem Blowjob vergleichbar war, den er von Blake erhalten hatte. Immerhin war es nur ein Handgelenk, es waren doch nur unschuldige Küsse! Doch vermutlich brauchte Julian sich nichts vorzumachen: die Tatsache, dass es der Vampir war, der ihm diese Nähe zukommen ließ, war vermutlich einer der ausschlaggebenden Faktoren. Sein Mund hatte sich leicht aufgesperrt, allerdings nur, um plötzlich Bekanntschaft mit den kalten Lippen des anderen zu machen. Er erwiderte den Kuss innig, lehnte sich dem Größeren entgegen. Sein Geschmack war so eigen und doch mittlerweile beinahe etwas vertraut und Julian ließ zu, dass seine Zunge sich in einem eigenen Mundinnenraum widerfand. Weiterhin wie eine Statue dazusitzen fühlte sich nicht richtig an und mit zögerlichen Bewegungen suchten seine Hände den Körper des Vampirs und tasteten vorsichtig nach seiner Hüfte, sich im Stoff seines Oberteils verkrallend. Er konnte die kühle, steinharte Haut unter dem Stoff fühlen. Wie konnte er so kalt sein, während Julian selbst so aufgehitzt war, dass er das Blut in seinem Schädel pochen hörte? Er war sich schon fast sicher, dass seine Wärme irgendwie auf den Körper des anderen übergehen musste, dass es ihm vielleicht zu warm wurde. Immerhin war es doch gut möglich, dass Vampire auf Hitze empfindlich reagieren. Oder war es nur das Sonnenlicht, das sie scheuten?
Während seine eigenen Berührungen zögerlich und geprägt von Zurückhaltung gewesen waren, wanderten Charles´ Hände längst sacht durch seine Haare, spielten mit seinen Locken und fanden schließlich den Weg zu den langen Ohren, die entspannt nach unten gesenkt waren. Julian war natürlich bewusst, dass alles, was seine Ohren involvierte, sich schon prinzipiell gut anfühlte, jedoch war er bis jetzt hauptsächlich hinter den Ohren gekrault worden. Charles fuhr stattdessen über die Innenseite und entlockte Julian damit ein unfreiwilliges Stöhnen. Es überraschte ihn selbst, wie diese einfachen Berührungen sich so gut anfühlen konnten, dass es ihn zum Aufkeuchen brachte vor purer Lust.
„Wie machst du das, wie findest du all diese Stellen so einfach?“, stieß Julian mit belegter Stimme aus und merkte selbst, dass es ihm schwer fiel, sich noch anständig zu artikulieren, wenn Charles ihn weiterhin so dabei berührte.
„Du gehst nicht zu weit, bitte hör nicht auf. Mir ist egal, ob das bei dem dritten Date schon zu weit ist, niemand muss es erfahren außer uns. Ich will diesen Abend nie vergessen“, murmelte Julian gegen die ansteigende Hitze in seinem Inneren an und drückte seinen Körper enger an ihn. Nach und nach traute sich die Huldra immer mehr, sich auf die Berührungen einzulassen und er legte den Kopf leicht zurück, um die sachten Küsse besser genießen zu können. Auf die nächsten Berührungen des Größeren war er allerdings nicht vorbereitet gewesen, doch anscheinend schien der Vampir ein magisches Gespür für seine Schwachstellen zu haben. Julian zuckte eher vor Lust zusammen als vor Schreck und wimmerte unterdrückt auf. Wenn er sich schon so von Charles berühren ließ sollten ihm die Laute, die er ausstieß, eigentlich nicht peinlich sein und doch kam er sich irgendwie wild und unhöflich dabei vor, bei jeder Berührung so aufzuheulen und zu winseln.
„Nein, es fühlt sich nur so gut an, es ist….du machst mich wahnsinnig, Charles“, antwortete der Lockenkopf schließlich und hatte seine Stimme bei den letzten Worten beinahe zu einem Flüstern gesenkt. Die Hitze und die Röte in seinem Gesicht schienen gar nicht mehr zu verschwinden wollen, sie waren wie ein Teil von ihm, vielleicht so etwas wie ein Kompass, der Charles´ Finger leiten wollte. Er hatte gemerkt, wie er zusehends mehr und mehr nach hinten in die Couchkissen gesunken war, sodass sich der Vampir mittlerweile leicht über ihm aufbäumen musste, um ihn zu berühren. Dass allein diese pure Position ihn vollkommen ergeben und hungrig nach mehr machen konnte war Julian ein schieres Rätsel. Wenn er es nicht besser gewusst hätte, hätte er gesagt, dass Charles´ Magie wieder im Spiel war, doch eigentlich wusste er es besser, eigentlich wusste er ganz genau, dass das hier keine Magie war, sondern ein ganz natürlicher Urtrieb, etwas Ordinäres und –in Ermangelung eines besseren Wortes- etwas Menschliches.
„Es wird langsam etwas ungemütlich hier, können wir….naja, können wir in dein Bett?“
Wenn es noch möglich gewesen wäre, wäre Julian noch tiefer errötet, aber viel mehr Blut konnte sein Körper nicht mehr in sein Gesicht pumpen. Obwohl es eine unangenehme Unterbrechung war schien Charles zuzustimmen und Julian ergriff fest seine Hand und folgte ihm, eng an den hochgewachsenen Leib gedrückt, ins obere Stockwerk in das Himmelbett, in das er sich schon vor einigen Stunden gerne geworfen hätte. Nun war alles viel zu sinnlich und aufgeladen, um sich solchen kindhaften Wünschen zuzuwenden. Die Laken waren tatsächlich weicher und bequemer als die Couch und Julian konnte sich etwas entspannen und Charles erwartungsvoll anblicken, der ihm momentan noch höflich gegenübersaß. Dabei konnte man in ihrer beider Körperhaltung sehen, wie aufgeladen sie waren und wie wenig sie diese Zurückhaltung schätzten. Julian hätte nie geglaubt, dass er mal so für jemanden empfinden könnte und noch viel weniger hatte er geglaubt, dass jemand so für ihn empfinden konnte.
Mit einem tiefen Aufatmen griff Julian nach dem Bund seines Shirts und zog es mit einer langsamen, aber nicht zögerlichen Bewegung über seinen Kopf, um seinen nackten Oberkörper vor Charles zu entblößen. Trotz der fleckigen Röte, die sich bis über seine Schultern zog, konnte man die zahlreichen Sommersprossen noch erkennen und leider auch die ein oder andere Narbe, deren Ursprung er Charles irgendwann einmal erzählen würde, wenn er danach fragte. Er hoffte einfach zutiefst, dass er nicht zu weit gegangen war, dass der Vampir nun vielleicht gerade dies als einen Schritt zu viel ansehen würde, aber er wollte es, er fühlte sich nicht unangenehm dabei, nur noch aufgeregter und vielleicht ein klein wenig besorgt, ob er hagere Körper dem Größeren gefallen würde. Mit einer Bewegung, die ruhig gewirkt hätte, wenn seine Hände nicht so gezittert hätten, lehnte der Kleinere sich zu Charles hinüber, suchte seine Lippen und hoffte dabei inständig, dass der andere an seinen Rücken denken würde, den er ihm gerade so verwundbar freigelegt hatte wie sonst kaum jemand anderem. Er hatte keine Ahnung, ob seine Berührungen, etwas zittrig und mit einem Hauch von Unsicherheit, auch genauso angenehm waren wie für ihn die Liebkosungen des Vampirs, doch er tat sein Bestes, ließ seine Lippen mit sanften Bewegungen über die Lippen des anderen wandern, wo sie schließlich eine Weile auf der Unterlippe innehielten, bevor er das Kinn hinunterwanderte und sich schließlich enger gegen Charles lehnte, um seinen Hals zu erreichen.
So ein zielsicheres Gespür wie der Ältere hatte er vermutlich sicher nicht, was empfindsame Stellen betraf, doch er wollte experimentieren, er wollte seinen Körper erforschen dürfen und so ließ er seine Lippen über Charles´ Hals wandern. Als er seinen Nacken erreicht hatte, öffnete er seine Lippen, um sanften Druck mit den Zähnen auszuüben, seinen Kopf in der Halsbeuge des Älteren begrabend.

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Sa März 14, 2015 4:01 am

Charles war für andere bekannt dafür gewesen sich in Geduld und Zurückhaltung üben zu können, jeder wusste, dass Vampir noch ein wenig nach den alten Manieren handelte und niemals weiter ging als es angemessen war. Doch in Julians Nähe erschienen ihm diese Prinzipien als lästig, als etwas, woran er am liebsten gar nicht denken wollte, sodass jegliche Hemmungen nach und nach vom unsterblichen Körper fielen. Und solange es seinem Gast ebenso gefiel und er ihn tatsächlich zu nichts drängte, dann sah er auch keinen Grund weswegen er sich Sorgen machen sollte.
Umsichtig war der Vampir dennoch mit dem anderen umgegangen, ganz gleich, ob er nun die Erlaubnis hatte so gut wie alles mit ihm anzustellen oder nicht, wollte er immer noch jederzeit auf Nummer sicher gehen, dass keine Probleme aufkamen und er nicht ausversehen Stellen fand, die eher ein unangenehmes Gefühl hervorriefen als irgendetwas anderes, was auch nur ansatzweise als positiv empfunden werden konnte.
Doch zu seinem Glück schien der schlimmste Fall noch nicht eingekehrt zu sein und seine Finger hatten sich durch Zufall immer in die Richtungen bewegt, wo die Huldra besonders stark reagierte, was man nicht nur anhand seiner Laute, sondern auch an der Körpersprache des schmalen Leibes erkennen konnte. Es war ein faszinierendes Spiel jede Stelle mit seinen Fingern ertasten zu können, er hätte nie gedacht, dass er jemals während ihrer dritten Verabredung so intim werden konnte und dennoch geschah es gerade ohne, dass auch nur jemand die Initiative ergreifen wollte, dem ein Ende zu setzen.
Charles musste gestehen, dass seine größte Angst die niedrige Körpertemperatur war, die seinen Körper umhüllte, dass jedes kleine Zucken und jede Regung nur daraus resultierte, dass der Vampir zu kalt gewesen war, dass er keine angenehme und wohlige Wärme spenden konnte wie Julian es tat, auch wenn seine Hitze sich nach und nach auf seine eigene Haut übertrug. Doch zum Glück schien es den Jüngeren nicht zu stören, ganz im Gegenteil- der Dunkelhaarige schien nicht einmal zu weit gegangen zu sein, als seine Hand unter das Oberteil des anderen wanderte und er sich die Freiheit nahm, die nackte Haut zu ertasten, die so lange vor ihm verborgen war.
Sein Blick lag aufmerksam auf dem schmalen Körper unter ihm, ihm war kaum aufgefallen, dass sie beinahe auf der Couch lagen und konnte sich vorstellen, dass es in dieser Position alles andere als bequem werden würde, sodass er sich gar nicht lange Zeit ließ und nicht einmal lange nachdachte, welche Antwort die passendste gewesen wäre. Stattdessen nickte er zustimmend und machte dem Gelockten klar, dass er mit seinem Vorschlag einverstanden war, immerhin hatte sein Bett mehr Platz zu bieten und er konnte mit Fug und Recht behaupten, dass es bequem und angenehm war. Wie angenehm es jedoch aus Julians Sicht sein mochte, konnte Charles nicht wissen.
Sie hatten sich nicht viel Zeit beim Hinaufgehen gelassen, auch wenn er spürte wie seine Aufregung und leichte Nervosität immer weiter anstieg, je weniger Treppen noch übrig waren, welches sie vom kurzen Gang zum Schlafzimmer trennte. Er wusste nicht, was die Nacht ihnen noch bringen würde, doch er wusste, dass er den Blondschopf nicht loslassen wollte, dass er bis zu den ersten Sonnenstrahlen seine Lippen liebkosen wollte. Es schien ein egoistischer und zu seinem Erstaunen auch sehr lusterfüllter Gedanke zu sein, der seinen Verstand wie vom Blitz getroffen durchzuckte und er an gar nichts anderes mehr als an seine Verabredung denken konnte.
Leise hatte der Ältere die Tür hinter ihnen geschlossen, hatte das Licht eingeschaltet, welches jedoch durch kurzes Drehen an einem Rädchen nicht allzu grell auf sie herabschien, sondern den Raum in einem dämmernden Licht erfüllte, das ihnen genau gelegen kam. Charles folgte den Schritten seines Gastes, setzte sich vorsichtig auf sein Bett, dabei schweigend den schmalen Körper der Huldra betrachtend. Er hatte sich erneut gezwungen sich in Zurückhaltung zu üben, erschien es ihm doch so falsch direkt über den anderen herzufallen, als wäre er ein Stück Fleisch, sodass er ihm lediglich ein sanftes, wenn auch etwas nervöses Lächeln schenkte. Was war dies nur für eine Aufregung, die ihn auf einmal gepackt hatte, dass ihm gleichzeitig heiß und kalt wurde? Ja, er konnte nicht einmal ein Wort über seine Lippen bringen, wirkten Worte in dieser Situation auch so überflüssig und störend, dass er sie lieber für sich behielt. Charles konnte sehen, dass Julian mindestens genauso aufgeregt und aufgeladen war wie er selbst und er wusste auch, dass sie sich durch gegenseitiges Mustern und Anstarren nicht aushelfen würden, sodass er am liebsten die Initiative ergreifen wollte, als der Jüngere ihm jedoch mit dieser Idee zuvorkam und plötzlich begann sich zu entkleiden, auch wenn er es nur bei seinem Shirt beließ, welches plötzlich am Rande seines Bett lag anstatt den Oberkörper seines Gastes zu bedecken.
Mit einem leicht geöffneten Mund und ließ der Dunkelhaarige seine hellen Augen über den schmalen Oberkörper gleiten, er konnte nicht anders als überrascht sein, hätte er doch nicht erwartet, dass Julian sich wagen würde bereits jetzt so einen Schritt zu gehen, dass seine Kehle regelrecht trocken wurde. Charles erlaubte sich kurz mit seiner Hand über seine Schlüsselbeinknochen zu fahren, über die von Sommersprossen benetzte Schultern, dabei den Anblick bis zur letzten Sekunde auskostend und genießend. "Julian...du bist so schön...", hauchte er ihm ehrlich entgegen, dabei die strahlend blauen Augen suchend. Er hatte eine schrecklich hohe Anziehungskraft, die ihm schier jeglichen Verstand raubte, doch noch erstaunlicher war das Vertrauen, welches sie in den anderen hatten- ein Vertrauen, das aus dem Nichts kam und ihnen nichts garantierte, doch fühlte es sich falsch an auch nur eine Sekunde lang zu glauben, dass er Julian irgendwo jemals misstrauen konnte. Und er konnte sich denken, dass es selbst für die Huldra eine starke Überwindung war, so viel von seinem Körper zu präsentieren und das mit einem Hohlraum in seinem Rückenbereich. Charles erinnerte sich sehr gut wie schrecklich es für ihn das erste Mal gewesen war, als seine Hände unbeabsichtigt in diesen Hohlraum hineingegriffen hatten, doch dieses Treffen wirkte auf einmal so fern, dass man glauben konnte, es wäre niemals geschehen. Doch die Vergangenheit zu verdrängen war nicht richtig, sie mussten sich wohl auch gestehen, dass ohne dieser extremen Maßnahme sie niemals hier in seinem Bett sitzen würden, erwartungsvoll sich in die Augen blickend, mit dem Wunsch sich endlich wieder näherkommen zu können.
Und erneut versetzte Julian den Vampir ins Staunen als er sich zu ihm hinüberlehnte und er die warmen Lippen auf seinen spüren konnte.
Genüsslich schloss Charles seine Augen, erwiderte die liebevollen Küsse so oft und so zart wie es ihm nur möglich war, ließ dabei seine Hände durch die blonden Locken gleiten, auch wenn er es sich immer wieder erlaubte sanft die Ohren des Jüngeren zu berühren und ihm somit aus Ausgleich ein ebenfalls gutes Gefühl hab. Selbst wenn die Berührungen und Küsse unsicher waren und von Nervosität zeugten, konnte Charles nicht leugnen, dass er all dies nicht genoss, ganz im Gegenteil waren die Lippen des anderen das mit Abstand angenehmste und schönste, was er auf seiner Haut nur spüren konnte, sodass ein angenehmes Kribbeln seinen gesamten Körper einzunehmen schien. Doch so gut er sich auch beherrschen konnte, spätestens als der sanfte Mund seinen Hals mit Küssen benetzte, war nun er an der Reihe gewesen zufriedene Seufzer auszustoßen. Noch bevor ihn sein Meister gebissen und zu dem gemacht hatte, was er heute war, hatte Charles schon immer sehr empfindlich reagiert, wenn man seinen Hals berührte, ganz gleich welche Berührungen es auch waren. Heutzutage scherzte sein Meister gerne darüber, dass durch ihn erst die Vorliebe bestand, wenn ihn jemand in diesem Bereich begann zu beißen, denn genau diese Art von Zärtlichkeit war meistens genug um seine gesamten Hemmungen fallen zu lassen und ihn absolut verrückt zu machen. Und als ob die Huldra seine Gedanken gelesen hatte, spürte er ihm nächsten Augenblick die spitzen Zähne seines Gastes auf dem blassen Fleisch seines Nackens. Er glaubte ein leises Stöhnen ausgestoßen zu haben, während sich eine Hand etwas stärker am Nacken des Jüngeren festhielt und ihn unweigerlich etwas näher zu sich heranzog. jedoch seinen Griff schnell lockerte, als er innehielt.
"Ich fürchte, dass ich nicht der Einzige bin, der empfindliche Körperstellen ertasten kann....es...es fühlt sich sehr gut an, wenn du mich hier berührst.", seine Stimme war leise und ein wenig aufgeregt, er glaubte die Hitze in seinem gesamten Körper spüren zu können, so stark hatte ihn die Nähe und die Zärtlichkeit des anderen eingenommen. Es fiel ihm sichtlich schwer nur zu sitzen und sich zügeln zu müssen, wo er am liebsten jede Stelle des filigranen Körpers seines Gastes erforschen wollte, er konnte gar nicht anders, er hatte Angst verbrennen zu müssen, wenn er nichts gegen diese Spannung tat, die sich langsam in jede Faser seines Körpers hineinfraß. Umsichtig hatte Charles seine Hände auf den Schultern des Jüngeren platziert, blickte ihn dabei entschlossen an. "Würde es dir etwas ausmachen, wenn du dich etwas zurücklehnst? Am besten du legst dich einfach auf das Bett, es ist...es ist bequemer.", geduldig blickte er die Huldra an, lächelte verständnisvoll, sollte er es doch nicht tun wollen, doch Julian ließ ihn nicht lange warten und hatte sich auf die weiche Matratze gelegt, sodass Charles nicht mehr am Bettrand sitzen konnte, sondern die Größe und Bequemlichkeit des gesamten Bettes genießen konnte, als er sich über den schmalen Leib beugte, dabei seine Lippen suchend, die sich kurzerhand langsam auf Wanderschaft begaben. Wenn er schon seinen Oberkörper entblößte, dann konnte Charles nicht anders als ihm mit der größten Wertschätzung zu erwidern wie attraktiv und anziehend er dieses Lebewesen fand.
So sanft und liebevoll wie es ihm nur möglich war hatte er den langen Hals mit heißen Küssen benetzt, fuhr über das Schlüsselbein, über die sommersprossigen Schultern, ja er hatte sich sogar hinuntergebahnt um seine gesamte Brust zu küssen, hatte sich sogar die Freiheit genommen seine Jeans ein wenig hinunterzuschieben, sodass sein Mund die hervorstehenden Hüftknochen besser berühren konnte. Er wollte kaum eine Stelle auslassen, kaum hatte er seinen Oberkörper erforscht, richtete er seinen eigenen Oberkörper auf, knöpfte sich mit flinken Fingern sein Hemd auf, welches er jedoch nicht direkt auszog. Stattdessen nahm er Julians Arm, bearbeitete jeden Zentimeter davon mit derselben Prozedur, wie er es mit seinem Oberkörper getan hatte, konnte nicht anders, als triumphal zu lächeln als er den Punkt erreicht hatte, wo die Huldra besonders stark reagierte.
Es war kein Wunder, dass beide so erregt und lustvoll sich gegenseitig anblickten, bei all diesen Liebkosungen, bei der gefährlichen Nähe zwischen beiden Körpern, die so aufgeladen waren, dass sie allein die gesamte Beleuchtung seines Hauses hätten zum Leuchten bringen können. Es war eine schrecklich hohe Anziehungskraft, die auf ihnen lastete und Charles konnte sich nicht einmal schlecht dabei fühlen, dass sie sich bereits so gefährlich nahe waren, dass weitere Schritte unausweichlich zu sein schienen und spätestens, als er nur beiläufig Julians anbahnende Erregung, versteckt hinter einer Jeanshose, entdeckte, war ihm schnell bewusst, dass es im Inneren seiner Hose nicht anders aussah. Es hätte sich in diesem Moment sicherlich ein leichter Rotschimmer um seine Wangen gelegt, wäre er noch ein Mensch, stattdessen hielt Charles für einen Augenblick inne, blickte stattdessen fragend zu seinem Gegenüber hinüber. Wie stand es um ihn? Wollte er wirklich so weit gehen? Doch andererseits hätte niemand von ihnen es so weit treiben lassen, wenn sie nicht gewusst hätten, dass es sie danach zu solchen Resultaten führen lassen würde.
"Ich fürchte wir haben mit unseren Zärtlichkeiten übertrieben....", schmunzelte der Vampir belustigt, lehnte sich jedoch schnell wieder zu Julian hinüber, ihm einen unschuldigen Kuss auf die Lippen hauchend, lehnte seine Stirn kurz gegen die des Jüngeren. "Wenn du es möchtest...dann möchte ich es auch. Du hattest recht, es spielt keine Rolle wie weit wir wirklich gehen, schließlich ist es etwas zwischen uns und...ich kann nun nicht leugnen, dass ich mich sehr zu dir hingezogen fühle und deine Präsens mir so vertraut ist, dass ich keine Barrieren und Regeln brauche, ab wann unsere Nähe und Vertrautheit angemessen sein soll."

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Sa März 14, 2015 3:02 pm

Julian wusste nicht so genau, was er tat, er ging nach keinem bestimmten Muster vor, er ließ Lippen und Zähne einfach wandern, denn es war vermutlich unwahrscheinlich, dass Charles an den gleichen Stellen empfindlich war wie er. Allerdings glaubte er, die leichte Resonanz seiner Stimmbänder zu spüren, als er über seinen Hals fuhr und als er schließlich seine Zähne einsetzte, konnte er der Kehle des Größeren doch tatsächlich ein dunkles Stöhnen entlocken. Julian zuckte beinahe etwas zusammen, als sich der Griff um seinen ganzen Körper plötzlich etwas verstärkte, er hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass Charles so reagieren würde, auch, wenn sich im nächsten Moment überschwängliche Freude in seinen Leib mischte. Er hatte es tatsächlich geschafft, er konnte ebenso anregen und zwar nicht nur als Objekt der Begierde, sondern auch als Initiator! Der Triumph machte ihn betrunken, allerdings für einen Moment auch etwas benommen, sodass er in seinen Bewegungen innegehalten hatte und Charles sich nun ein wenig von ihm löste, um ihm in die Augen zu blicken. Julian erwiderte die Geste treu und spürte, wie ein triumphierendes Lächeln um seine Lippen zuckte. Er hätte nicht gedacht, dass er zu so etwas fähig war und er liebte es, wie der Vampir diese Seite an ihm herauskitzelte.
„Gut zu wissen, wo deine Schwachstellen liegen, es wäre ja unfair, wenn nur du mich mit ein paar kleinen Berührungen um den Verstand bringen könntest“, hauchte der Lockenkopf und lehnte sich hungrig einem Kuss entgegen. Sein Verlangen nach dem kühlen Körper des Größeren wuchs mit jeder Minute, die sie zusammen verbrachten, sodass es ihm wie Zeit- und Platzverschwendung vorkam, wenn er nicht jeden Zentimeter seines Leibes eng an den seines Gegenübers presste. Wortlos folgte er der Aufforderung, sich hinzulegen, rutschte etwas weiter auf das große Bett und legte seinen Körper vorsichtig auf die weichen Laken. Sein Rücken war nach wie vor empfindlich, aber in dieser Position schien er geschützt genug, dass Julian das natürliche Unbehagen gut unter Kontrolle hatte. Ganz davon abgesehen, dass er seine Gedanken sowieso von nichts ablenken lassen konnte bei dem Anblick, der sich ihm bot. Er merkte selbst, wie sein Herzschlag sich radikal beschleunigte und er scharf Atem einsog, als sich der Körper des anderen plötzlich so über ihm aufbäumte. Er schien überall zu sein und Julian war ihm ausgeliefert, ein Zustand, den er so für den Rest seines Lebens hätte akzeptieren können. Das allein war schon genug, um jede Zelle seines Körpers verrücktspielen zu lassen, doch so einfach ließ Charles ihn nicht gehen. Seine Lippen waren überall, auf seinem Hals, seinen Schulter und seiner Brust und mittlerweile konnte er nicht einmal die Kälte spüren, die sie anfänglich ausgestrahlt hatten. Ob es seine eigene Hitze war, die mittlerweile einem Fieber glich, oder ob Charles ebenfalls aufgehitzt war wusste Julian nicht. Es war ihm auch egal, in dieser Situation hätte er sich beinahe gewünscht, dass Charles noch immer so eiskalt gewesen wäre, um die Hitze in ihm abzukühlen, um das Feuer zu lindern, das immer stärker loderte und brannte und sich Julian nach einer Erlösung suchte, die einfache Küsse ihm nicht bieten würden. In seinem Hinterkopf machte sich langsam aber sicher die Idee breit, dass er wohlmöglich heute Abend noch mit Charles schlafen würde. Er verspürte keine Furcht bei dem Gedanken, nur Verlangen und Neugierde und eine beinahe zerfressende Ungeduld. Er konnte nicht in Charles´ Schädel sehen, aber so, wie er seinen Hosenbund nach unten schob und leicht grinste bei jedem hohen Laut, der Julians Lippen verließ, konnte er einfach nicht glauben, dass durch den Kopf des Vampirs nicht ähnliche Gedanken kreisten.
Auch, wenn der Ältere sich nicht ganz von seinem Oberteil entledigt hatte, präsentierte er Julian jetzt seine nackte Brust, die weiß und makellos wie Marmor aussah. Zittrig ließ Julian seine Finger über die kalte Haut wandern, jedes Mal mit offenem Mund innehaltend, wenn Charles´ Lippen eine besonders empfindliche Stelle gefunden hatten, oder wenn seine spitzen Zähne wie zufällig seine Haut streiften. Schließlich hatte sein tastender Mund wieder das Handgelenk erreicht und Julian konnte nicht anders, als ein lautes, unmissverständliches Stöhnen auszustoßen, das mehr war als nur Luft, sondern ein beinahe animalischer Laut. Julian fühlte sich selten noch so in seiner echten Gestalt, doch ursprünglich waren Huldra wild und animalisch und dieser ganze Abend schien seine natürlichsten Instinkte wieder aus ihm herauszukitzeln. Dass seine Jeans im Schritt nun unangenehm spannte war wirklich nur eine Frage der Zeit gewesen und vermutlich waren sie längst an einem Punkt angelangt, an dem es niemandem von ihnen mehr peinlich oder unangenehm war. Julian zu mindestens bemerkte ein beängstigendes, aber irgendwie willkommenes Fehlen von Schamgefühl dem Vampir gegenüber. Vermutlich hatte Charles gar keine Ahnung, was er langsam aber sicher aus ihm hervorlockte.
Mit einem kurzen Blick hatte der Jüngere festgestellt, dass auch Charles mit dem gleichen Problem zu kämpfen hatte, wenn man es denn überhaupt als solches bezeichnen konnte. Es war schwer zu glauben, dass hinter dem gleichen Charles auch der höfliche Gentleman steckte, der ihn zweimal nach allen Regeln der Kunst ausgeführt hatte als wäre er der weibliche Hauptdarsteller in einem zutiefst romantischen Film. Wobei Julian nicht leugnen konnte, dass ihm beide Seiten des Vampirs zusagten, doch gerade wollte er wissen, wie viel Animalisches auch in dem Vampir steckte. Er schluckte schwer und versuchte seinen hastigen Atem etwas unter Kontrolle zu bekommen, während Charles innehielt und schloss kurz seine Augen. Seine Pupillen hatten sich verengt und wirkten beinahe etwas katzenartig, als er die Lider wieder aufschlug.
„Nein, wir haben nicht übertrieben, das ist ganz genau, wie es laufen sollte“, grinste er verschmitzt und stellte fest, dass ihm der unschuldige Kuss, den Charles ihm nun auf die Lippen drückte schon längst nicht mehr genug war. Seine Hände hatten sich an dem Hemd vorbeigeschoben und lagen auf dem nackten Rücken des Vampirs, mit gespitzten Ohren seinen Worten lauschend. Er ahnte, in welche Richtung die Worte des anderen gehen wollten, ohne es jedoch konkret anzusprechen. Mit der gleichen unschuldigen Manövrierfähigkeit hob der Jüngere sein Becken etwas an und drückte seine ansteigende Erregung gegen die des Vampirs. Unter seinem unterdrückten Stöhnen war es schwer, sich noch vernünftig zu artikulieren.
„Ich möchte es, es kümmert es nicht, wie lange wir uns schon kennen, es fühlt sich jetzt schon an, als wenn wir viel zu lang gewartet hätten“, presste die Huldra mit rauer Stimme hervor. Manche Leute redeten kaum ein Wort miteinander, bevor sie zusammen im Bett landeten, wieso also sollten sie sich schämen, wenn sie nach gut einer Woche miteinander schliefen? Julian brachte es nicht einmal wirklich fertig, sich über die Tatsache Sorgen zu machen, dass dies sein erstes Mal sein würde. Mit einem letzten Schluck nahm er all seinen Mut zusammen.
„Ich will mit dir schlafen, jetzt, ich will dich, ich will dich….in mir“, presste Julian mit zitternden Lippen und merkte jetzt doch, wie sein massives Selbstvertrauen einen kleinen Knicks bekam und er den Vampir etwas unsicher, aber unmissverständlich flehend anblickte. Fordernd suchte er wieder seine Lippen, um sich vor seiner eigenen Aufregung zu drücken, um sein klopfendes Herz zu überdecken. Er drückte seinen Oberkörper etwas nach oben, bis er beinahe saß, Charles immer noch über sich. In der Hoffnung, dem anderen die letzten möglichen Zweifel nehmen zu können, suchte er mit seinen Lippen wieder den Hals des anderen, biss leicht zu, während er eine Hand vorsichtig zum Hosenbund des anderen wandern ließ und den Knopf öffnete, seine Finger am Hosenbund vorbeiwandern ließ, bis er auf die Erregung des Vampirs stieß und mit den Fingern leicht zudrückte. Er wusste nicht, ob es unverantwortlich war, sein erstes Mal so forsch und ohne große Planung herauszufordern, doch er war längst an einem Punkt angelangt, an dem er sich nicht mehr wirklich darum kümmerte, was sein Kopf ihm sagte. Hier entschieden ganz andere Körperteile. Seine Finger waren dazu übergegangen, Charles´ Erektion zu massieren, bis sie in seiner Hand pulsierend härter wurde. Nur widerwillig hob er seinen Kopf etwas an und löste seine Zähne vom Fleisch des anderen.
„Es ist mein erstes Mal, also sei vorsichtig, auch, wenn ich mir gerade irgendwie wünsche, dass du es nicht sein müsstest“, wisperte die Huldra nah an seinem Ohr und schnappte kurzerhand nach seinem Ohrläppchen. Er wusste, dass es vermutlich schmerzhaft werden würde, der Beweis für seine Vermutung lag gerade zwischen seinen Fingern, doch er wollte Charles, er wollte ihn mehr als dass er vor dem Schmerz Angst hatte und er wollte es heute Abend tun und danach wieder und wieder, bis es nicht mehr schmerzte. Außerdem hatte er die unerschütterliche Gewissheit, dass er dem Vampir mit seinem ersten Mal vertrauen konnte, denn wenn nicht ihm, wem denn dann?

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   So März 15, 2015 3:24 am

Eine leise Stimme wollte ihn von diesem Unterfangen abhalten. Es war nicht gut den Jüngeren so früh bereits um so etwas zu bitten, ganz gleich wie hingezogen sie sich zueinander auch fühlen mochten, doch Charles missachtete diese Stimme in seinem Kopf, sie war so fehl am Platze, hier spielte nicht die Vernunft oder sein Gewissen eine Rolle, das einzig wichtige war ihre Körpersprache und die sprach gerade Bände.
Der Vampir wäre nie einen weiteren Schritt gegangen ohne Julians Einverständnis, doch bei seinen wilden, lusterfüllten Augen, die sich in seine Seele brannten, brauchte es keine Worte um zu wissen, dass beide gleichermaßen bereit dafür waren über ihre Küsse und Liebkosungen hinauszugehen. Ein wenig erstaunt darüber wie ausgewechselt der sonst schüchterne und auch bescheidene Lockenkopf war, hatte er seinen Worten aufmerksam gelauscht, auf welche er so inständig gehofft hatte in diesem Moment. Übermäßig zurückhaltende Höflichkeiten oder gar Scheu schienen hier wahrlich fehl am Platz gewesen zu sein, nicht einmal die Tatsache, dass sie sich bald völlig entkleidet gegenüber treten würde, spielte hier eine gewichtige Rolle, die sie- oder zumindest einen von ihnen- zum Erröten bringen würde und trotz allem hatte Charles nicht erwartet solch eine fordernde, ja beinahe schon wilde Lust genießen zu können, die der schmale Körper in diesem Augenblick ausstrahlte. Jedoch war es gut zu wissen, dass der Vampir auch andere Seiten aus ihm entlocken konnte, dass er nach und nach die Facetten der Huldra kennenlernte, schließlich wollte er am liebsten alles über ihn erfahren und jede Kleinigkeit in seinen Erinnerungen behalten.
Die gefährliche Nähe zum anderen Körper und die Erregung, die sich lasziv gegen seine eigen drückte waren genügend Indizien dafür, dass Julian nicht mit seinem Beschluss scherzte und reichten auch vollkommen aus um ihm schier den Verstand zu rauben. Es war schwierig noch in irgendeiner Form rational zu denken, Charles glaubte jeden Augenblick verrückt zu werden, nahm jedoch jede Kraft zusammen um sich zu zügeln und seine Selbstbeherrschung aufrecht zu bewahren. Stattdessen schenkte er dem Blonden ein schiefes Grinsen, im nächsten Moment zustimmend nickend. „Ich will dich auch, Julian….ich hätte nie geglaubt, dass ich solche Worte über meine Lippen bringe, doch ich pfeife darauf ob wir zu voreilig sind oder nicht, es schmerzt mich, wenn ich dir nicht nahe sein kann.“, seine Worte waren nichts weiter als ein leises Hauchen als er sich zum Gelockten hinüberbeugte und im nächsten Moment mit seiner Zunge gegen die weichen Lippen stupste und um Einlass bat, der ihm schnell gewährt wurde.
Welch eine Hitze dieser Körper doch ausstrahlte, selbst seine Zunge schien so viel heißer zu sein als sie es einige Stunden zuvor noch gewesen war, dass er glaubte seine eigene würde in Asche zerfallen. Wenn die Sonnenstrahlen sich genauso gut anfühlten wie diese Wärme, die Julian ausströmte, dann würde er es sogar in Kauf nehmen von den flammenden Strahlen verzehrt zu werden.
Er hatte der Huldra die Kontrolle überlassen, als sich dieser im Bett aufsetzte, hatte sich ein wenig zurückgelehnt, damit er ihn besser berühren konnte. Behutsam legten sich seine Hände in den Nacken des anderen, auch wenn seine Finger immer wieder sich zwischen den blonden Locken vergraben wiederfanden, wenn sie nicht gerade die empfindlichen Ohren berührten.
Doch im Vergleich zu Charles‘ Berührungen hatte Julian sich nicht auf solche Kleinigkeiten beschränkt. Dem Vampir wurde auf einem Schlag heiß und kalt als er die warmen, filigranen Finger des Jüngeren spürte, wie sie sich an seinem geöffneten Hosenbund vorbeischoben und plötzlich auf seiner Erektion lasteten, dass er gar nicht anders konnte als überrascht aufzukeuchen. Wer hätte je gedacht, dass so viel in dem schlanken Leib steckte, was erst zum Vorschein kam, wenn sie sich ganz alleine und privat in einem Bett befanden? Alleine seine Zähne, wie sie sich neckisch in sein Fleisch gruben, raubten dem Dunkelhaarigen schier den Verstand, erregten ihn genauso sehr wie die Bewegungen der flinken Finger, die sich um seine Erregung geschlossen hatten. Lustvoll schloss der Ältere seine Augen, sperrte seinen Mund leicht offen, mit dem er am liebsten den Körper seines Gegenübers bearbeitet hätte, stattdessen stieß er ein dunkles, leises Stöhnen aus, drückte abermals Julians Kopf noch etwas näher an sich heran um seine Zähne besser auf der Haut spüren zu können.
Er konnte dieses heiße, unbeschreiblich kochende Gefühl in seinem Inneren kaum beschreiben, wenn der Gelockte doch einer Seinesgleichen war, dann hätte er ihn beinahe flehend darum gebeten noch fester seine Zähne in das kalte Fleisch zu vergraben, so fest, bis sich sein Mund mit dem Blut des Unsterblichen füllte und beide in einen Zustand des unvergesslichen Rausches verfielen, jedoch konnte er wohl kaum behaupten, dass dies weniger berauschend oder gar erregend war. Ganz im Gegenteil konnte er sich kaum noch zügeln und spürte selbst, wie sein Glied immer größer und härter in Julians Hand wurde und er es kaum erwarten konnte endlich noch weiterzugehen.
Die leise Stimme war so zuckersüß und berauschend, wie sie durch jede Pore seines Körpers drang, auch wenn die Information, die ihm der Jüngere vermittelte den Vampir mit Überraschung erfüllten, dass er mit großen Augen zu Julian hinüberschielte. Bei dieser wilden Entschlossenheit hatte er nicht geglaubt, dass dies tatsächlich sein erstes Mal war, welches er jeden Augenblick erleben würde.
Charles schluckte schwer ehe er innehielt, Julians Gesicht mit beiden Händen umfasste, ihn mit sanfter Gewalt zu sich schiebend sodass er ihn besser anblicken konnte. Für einen Moment blickte er den Jüngeren ernst an. „Und du möchtest wirklich dein erstes Mal an mich verlieren? Ich…ich bin vielleicht nicht der beste Mann für ein erstes Mal, was reibungslos verläuft, doch….ich kann den Entschluss in deinen Augen sehen und ich wünsche mir nichts anderes als mit dir schlafen zu können. Ich verspreche dir so vorsichtig wie nur möglich zu sein. Du musst mir nur blind vertrauen.“, er wusste, dass einige Vorgehensweisen seltsam und vielleicht auch ulkig zugleich waren, auch wusste er, dass das erste Mal nie das beste war, ganz gleich wie oft man sich so etwas wünschte und Charles war ganz sicher nicht das Paradebeispiel für jemanden, mit dem Sex sehr reibungslos verlaufen könnte, wenn man noch nie vorher Erfahrung gesammelt hatte. Es war nicht einmal seine wilde Seite, die im Dasein eines Vampirs lag, sondern mehr die Größe seines Glieds, welches ihm für einen Moment große Sorgen bereitet hatte. Doch sie waren beide so aufgeladen, strahlten so viel Lust aus, dass es unfair gewesen war nun einen Rückzieher zu machen. Er konnte genau sehen, dass Julian es ernst meinte und keine Worte oder Warnungen seine Meinung ändern würde, sodass er sich nicht viel Zeit ließ, mit flinken Fingern die Verschlüsse seiner Hose öffnend, sodass sie sich schnell von jeglicher störenden Kleidung trennen konnte, die sie davon abhielt miteinander zu schlafen.
Kaum waren die letzten Kleidungsstücke von der Huldra auf dem Boden gelandet, folgten ihnen die des Älteren wenige Augenblicke später, sodass sie sich schweigend völlig entkleidet gegenübersaßen.
Charles drückte den Körper seines Gegenübers sanft auf die weichen Laken unter ihnen, fuhr mit seiner Hand über seinen Oberkörper, strich sanft über die Innenseiten seiner Oberschenkel, ihn dabei aus den hellen Augen heraus prüfend musternd. Seine Schönheit ließ ihn innehalten, es war regelrecht ein Verbrechen ihm wirklich wehtun zu müssen, er wollte den makellosen Körper mit keinen falschen Berührungen behandeln, doch der Vampir wusste, dass sie dieser schmerzhaften Prozedur nicht ausweichen konnten, ganz gleich was sie taten.
Doch bevor er begann wollte er sicherstellen, dass es Julian gut genug ging, fuhr mit seinen Lippen über jede Stelle seines entblößten Körpers, streckte beiläufig seinen Arm nach der Schublade seines Nachtschränkchens aus, alles herausholend, was beide brauchen würden. Wenigstens stockte er hierbei regelmäßig auf, sodass sie nicht plötzlich vor einem Problem standen, dass sie gar keinen Sex haben konnten! Selbst an Kondome hatte der Vampir gedacht, welche bei einem ersten Mal wohl mehr als nur gelegen kamen, schließlich waren sie sonst alles andere als nötig gewesen, wenn man sich vor keinen Krankheiten zu fürchten brauchte.
Doch bevor er die Erfindung aus Latex über seine Erektion stülpen konnte, musste er sich sicher sein, dass Julian auch wirklich bereit dafür war- nicht nur psychisch sondern auch rein physisch. „Du….dir ist bewusst, dass es nicht funktioniert, wenn ich dir vorher dabei helfe…sobald es unangenehm wird, sag es mir bitte sofort, ich möche nichts gegen deinen Willen oder dein Wohlbefinden tun!“, geduldig wartete der Dunkelhaarige auf die Zustimmung seines Gastes, schnappte sich erst dann die dunkle Tube Gleitgel, welches er großzügig über seine Finger verrieb. Langsam beugte er sich erneut über den anderen, benetzte seine Lippen mit heißen Küssen, die immer wieder hinunter zu seinem Hals wanderten, bis sie den Weg zurück zu seinem Mund wiederfanden, während eine Hand seinen Oberschenkel massierte, die andere sich jedoch um etwas anderes kümmerte.
Vorsichtig drang er mit seinem Finger in Julian ein, versuchte jedoch das unangenehme Gefühl mit seinen Lippen und seiner Zunge abzulenken. Er wusste, dass es anfangs unangenehm, vielleicht sogar peinlich für den Jüngeren gewesen war, doch Charles wusste, wie er sich in ihm zu bewegen hatte, bis es sich besser anfühlte und er vielleicht sogar so etwas wie Lust empfinden konnte, auch wenn er in erster Linie sicherstellen musste, dass er ihn angemessen vorbereiten konnte, dass er möglichst reibungslos in ihn eindringen konnte.
Etwas widerwillig ließ er von den Lippen des Gelockten ab, richtete seinen Oberkörper auf um mit der freien Hand seine hochempfindlichen Körperstellen berühren zu können, konnte gar nicht anders als sich sein Handgelenk ein weiteres Mal zu schnappen und es mit Küssen zu überhäufen.
Charles war froh nach einigen Bewegungen, die sich bereits etwas einfacher anfühlten, die ersten lustvollen Laute in seinen Ohren vernehmen zu können. Er hatte immer wieder fragend zu ihm hinübergeschielt, nur um sicherzugehen, dass es ihm gutging und ihm an nichts fehlte.
Doch auch wenn die Bewegungen seiner Finger irgendwann angenehmer waren, war Charles froh gewesen ihn gut genug vorbereitet zu haben, dass sie nicht vom schlimmsten Schmerz ausgehen konnten, der durch sein Becken strömen würde.
Vorsichtig zog er sich aus ihm zurück, begab sich auf die Suche nach einem Kondom, was er hastig aufriss und anschließend seine pulsierende Erektion umhüllte, gefolgt von übermäßig viel Gleitmittel, jedoch war in solchen Momenten zu viel der klaren Flüssigkeit meist genau das Richtige!
Charles platzierte sich vorsichtig zwischen den Beinen seines Gegenübers, spreizte seine Beine dabei mit sanfter Gewalt auseinander. Sein Blick lag prüfend auf dem bildschönen Gesicht, das gerötet vor Lust regelrecht zu strahlen schien.
„Es wird wehtun und ich werde nichts dagegen anrichten können, es tut mir bereits jetzt so leid. Es ist eine Schande dir auch nur den geringsten Schmerz anzutun, doch….er wird verschwinden, vielleicht nicht direkt, doch ich werde mein Bestes tun! Julian…bist du bereit?“, noch immer war ihm ein wenig schwindelig bei dem Gedanken, dass er sein erstes Mal stehlen würde, dass nur ein Augenschlag ihn davon trennte ihm diese Unschuld rauben zu können und er wollte alles perfekt machen. Und mit diesem Entschluss es ihm so angenehm wie möglich zu machen, drang er langsam in Julian ein, behutsam und so ruhig wie möglich, sodass er ihn nicht direkt ins kalte Wasser warf.
Es war wesentlich einfacher dank der Vorbereitungen, die sie vorher getroffen hatten, doch bei weitem hatte dies nicht ausgereicht um es völlig schmerzfrei gestalten zu können.
Sein Körper bäumte sich vor der Huldra auf, während seine Bewegungen umsichtig und langsam waren. „Alles in Ordnung?“, presste er leise hervor, blickte dabei den Jüngeren prüfend an, ehe er so zärtlich wie möglich seine Lippen berührte, seinen Körper überall dort küsste, wo seine Lippen ihn erreichen konnten, er tat alles, um den Schmerz zu lindern und ihm die Bestätigung zu geben, dass er für ihn da war und dass er nicht nur Pein in seinem Becken verursachen wollte. Er wusste, dass es seine Zeit dauern würde, bis er sich besser bewegen konnte, wenn aus seinen Lauten wieder Ausdrücke der Lust wurden, doch jetzt war es wichtiger so umsichtig wie möglich mit Julian umgehen zu können, so zärtlich und sanft wie es dem Vampir nur möglich war.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Mo März 16, 2015 12:18 pm

Kleine Wellen von Unsicherheit schlugen immer wieder durch den Körper des Lockenkopfes, doch meistens reichte ein Blick auf Charles, um sie zu brechen und in Nichts aufzulösen. Er wollte es, daran bestand kein Zweifel, jede Pore seines Körpers verlangte förmlich danach, jetzt mit dem Vampir zu schlafen und einfach die letzten Ketten der Distanz zu durchbrechen, die sie irgendwie halten mochten. Er wollte ihm einfach so unendlich vertraut sein und alles an ihm kennen, jeden Zentimeter, mochte diese Erfahrung auch noch so schmerzhaft sein. Er musste jetzt bestimmt wirken, entschlossen, nicht, dass den anderen noch Zweifel packten und er zu verantwortungsvoll wurde, um jetzt noch mit ihm zu schlafen.
„Ich will mein erstes Mal liebend gern an dich verlieren. Wenn du damit nicht vorsichtig umgehst, wer dann?“, antwortete Julian ihm wahrheitsgemäß und blickte dabei tief in die unnatürlich hellen Augen. Es war eine Erleichterung, dass er sein erstes Mal mit jemandem teilen konnte, der so erfahren und umsichtig war, dass er jemanden hatte, der ihn an die Hand nehmen würde. Vielleicht hatte Charles auch nur auf die Größe seines Glieds angespielt, die garantiert für ein erstes Mal ein Hindernis darstellen mochte. Julian musste selbst schlucken bei dem Gedanken, dass all das, was er gerade zwischen seinen Fingern massierte, in ihn hineinpassen sollte. Aber deswegen würde er nun ganz sicher nicht gehen und sich jemanden mit einer kleineren Größe suchen!
„Ich denke nach den ersten paar Malen werde ich das hier sowieso gegen nichts Kleineres mehr eintauschen wollen“, entgegnete er leise, während seine Finger sich noch einmal fester um die Erregung des Älteren drückten, „also kann ich kleine Startschwierigkeiten wohl in Kauf nehmen. Ich will nur dich.“
Seine Stimme war heiser von Lust und alles, was er sagte, schien automatisch in ein leichtes Stöhnen und Keuchen umschwingen zu wollen. Seine Worte schienen dennoch gereicht zu haben, um Charles davon zu überzeugen wie ernst es ihm war. Blind vertrauen, das war kein Problem, Julian hätte den Vampir wohl alles mit sich machen lassen. Etwas widerwillig zog er seine Hand aus Charles´ Hose zurück, um dabei zu helfen, sich selbst zu entkleiden. Nicht viele Leute hatten ihn schon so nackt gesehen und nun kam mit einem Schlag doch noch einmal die Nervosität zurück, dass er dem anderen vielleicht nicht gefallen könnte, wie er so dalag und absolut keine Geheimnisse mehr zu bieten hatte, nackt bis auf das letzte Stückchen Haut. Er spürte weniger Scham und mehr eine unterschwellige Furcht, dass sein Körper den Standards eines Vampirs nicht gerecht wurden, immerhin war alles an ihm perfekt und wie aus Marmor. Julian konnte nicht anders, als allein beim Anblick des Vampirs lusterfüllt Aufzuseufzen, als er sich schließlich ebenfalls komplett entkleidet hatte. Er erwiderte seine Küsse, so weit es ihm möglich war, ließ seine Finger immer wieder über seinen Rücken wandern und mit den kurzen dunklen Haaren spielen. Hin und wieder schielten seine Augen neugierig zur Seite und beobachteten den Älteren dabei, wie er die notwendigen Hilfsmittel aus seiner Nachttischschublade zog. Unweigerlich drückte sich ihm die Frage auf, wie viele Wesen wohl schon so unter dem Vampir gelegen hatten und auf erlösenden Sex warteten. Bestimmt waren es zahlreiche, doch das machte Julian nicht wirklich eifersüchtig. Immerhin war er es nun, der hier in diesem Bett lag und niemand sonst.
Auch, wenn dies sein erstes Mal war, war er mit gewissen Praktiken vertraut, sodass er ahnen konnte, worauf Charles mit seinen Worten hinauswollte. Vorbereitung war wichtig, unerlässlich, wenn er sich nicht sogar verletzen wollte, und eigentlich hatte er auch gar nichts anderes als solche Vorsichtsmaßnahmen von dem Vampir erwartet. Außerdem war das sicherlich nichts rein Unangenehmes, nur etwas gewöhnungsbedürftig, aber das war Sex vermutlich auch.
„Blindes Vertrauen, wie versprochen“, murmelte Julian zwischen zwei Küssen und ließ zu, dass der Ältere mit seinen Fingern in ihn eindrang. Seine Sorge, dass es für den anderen irgendwie unangenehm sein könnte war eigentlich größer als sein eigenes Schamgefühl, doch vermutlich dachte Charles genau andersherum und es hatte wenig Zweck, sich in Peinlichkeiten und Scham zu begraben. Charles´ Küsse waren eine willkommene Ablenkung und während der ersten eher unangenehmen Bewegungen konzentrierte sich der Lockenkopf gerne voll und ganz auf die Lippen des anderen, die nun von den kleinen empfindlichen Stellen Gebrauch machten, die er zuvor entdeckt hatten. Doch nach einer Weile hatten die Finger des Vampirs einen Punkt und eine gewisse Krümmung erreicht, bei der die Huldra sich auf gar nichts anderes mehr konzentrieren wollte. Durchaus überrascht lehnte er den Kopf zurück und stieß ein tiefes Stöhnen aus. Wenn Charles bereits mit seinen Fingern so geschickt war, konnte er den wirklichen Sex kaum erwarten. Nachdem es ihm gelungen war ihn so weit aufzulockern wie nur möglich, hatten sich seine Finger wieder aus ihm zurückgezogen und in Julian stieg die Aufregung erneut aufs Unermessliche an. Er war beinahe ein wenig enttäuscht gewesen, dass Charles seine Finger zurückgezogen hatte, denn diese Pause, in der sich nichts von ihm in ihm selbst befand schien beinahe unerträglich. Mit gerötetem Gesicht blickte er zu Charles hinauf, ungeduldig darauf wartend, dass er alle nötigen Vorbereitungen getroffen hatte.
„Ich bin mir sicher, dass ich später mit nichts anderem mehr zufrieden sein werde, also….ja, ich bin so weit, fang einfach an.“
Es war schwer, seine Aufregung und sein Verlangen zu minimieren und seine Augen starrten seinen Gegenüber nur erwartungsvoll an, vielleicht mit einem kleinen Hauch von Sorge, den er aber zu verstecken versuchte. Bereits die ersten Bewegungen machten ihm klar, dass es wehtun würde. Sogar sehr. Julian wusste, dass Charles so umsichtig und vorsichtig wie möglich war und dennoch konnte er nicht verhindern, dass er schmerzerfüllt nach Luft schnappte und seine Finger in den Laken vergrub. Seine Augen hatten sich verkrampft geschlossen, als Charles immer weiter in ihn vorstieß und anfänglich konnten ihn nicht einmal seine weichen Küsse beruhigen. Mittlerweile mussten die letzten paar Zentimeter in ihn vorstoßen und einige Tränen, die der Lockenkopf nicht unterdrücken konnte, rannen über seine Wangen.
„Du bist so groß, Charles“, presste er keuchend auf seine Fragen hin hervor und drückte seinen Oberkörper zitternd etwas heftiger gegen den des Älteren, wo ihn eine angenehme, schmerzlindernde Kühle erwartete. Der Moment, in dem der Schmerz langsam aber sicher von Lust ersetzt werden würde schien noch fern, während sein Becken brannte und er sich mit allem, was er hatte, fest an Charles klammerte. Eine gewisse Nervosität ließ ihn krampfen, was es für einige Sekunden noch unangenehmer machte, doch langsam aber sicher drangen die Liebkosungen des Älteren zu ihm durch, zeigten seine sachten Berührungen Wirkung. Er versuchte, sich einzig und allein auf die Küsse zu konzentrieren, immerhin wollte er dem Vampir auch nicht das Gefühl geben, dass er ihn gerade durch härteste Foltermaßnahmen schickte. Seine Hände lösten sich langsam von den Laken und wanderten am Körper des Älteren hinauf, wo sich seine Fingernägel schließlich leicht in seinen Rücken gruben. Die Hitze in seinem Körper war aufs Unermessliche angestiegen, sodass ihm jede Nähe zu der kühlen Haut des Vampirs sehr willkommen war. Jeder Kuss schien die Schmerzen etwas mehr zu vertreiben, jeder Kuss brachte ihn etwas weiter weg von der Qual und etwas näher an die Lust. Auch, wenn das brennende, drückende Gefühl immer noch präsent war, mischte sich langsam aber sicher die Lust darunter und ließ Julian aufkeuchen, ihn den Kopf zurückwerfen und leise Laute der Begierde ausstoßen. Seine Fingernägel hatten sich mittlerweile schon mehr als einmal einen Weg quer über den Rücken des Älteren gesucht und Julian hatte ein schlechtes Gewissen, dass er dem Vampir wohlmöglich unnötige Schmerzen zufügte, doch es war nicht so, als hätte er seinen Körper wirklich unter Kontrolle. Charles war überall, er war über ihm und unter seinen haltsuchenden Fingern und vor allem war er in ihm, wo seine Bewegungen langsam aber sicher zuckende Lust hervorriefen.
Wenn Julian gedacht hatte, dass er sich zuvor laut bemerkbar gemacht hatte, war er wohl verkehrt, denn nun verließen laute, hohe Töne seine Kehle, die beinahe Schreien glichen. Charles schien endlich einen Punkt erreicht zu haben, an dem die Lust stark genug war, um gegen den Schmerz zu bestehen. Zusätzlich dazu schienen die Finger des Älteren sich auch noch um sein Glied geschlossen zu haben und die zusätzliche Erregung, die durch seinen Körper strömte, war einfach zu viel für den Lockenkopf. Mit lautem Keuchen wand er sich unter dem Leib des Größeren, hin und wieder zusammenzucken, wenn der Schmerz noch einmal die Überhand gewann, doch alles in allem war die Lust stärker als der Schmerz, auch, wenn Julian ahnte, dass der nächste Tag schmerzhaft werden würde. Das Gefühl, Charles in sich zu haben, machte ihn schwindelig mit Euphorie und plötzlich schienen all die Sinneseindrücke zu viel, plötzlich brach alles über ihm zusammen wie eine Welle. Mit einer Mischung aus Stöhnen und Aufschrei bäumte sich der schmale Leib auf und kam zuckend zum Erguss. Sein ganzer Körper zitterte vor Muskelzuckungen und eine leichte Wehmut stellte sich ein, dass ihr Sex schon vorbei sein sollte. Er spürte, wie Charles noch einige Male zustieß, zuckte bei jedem Mal leicht zusammen, doch schließlich schien auch der Vampir zum Orgasmus zu kommen. Eine Art Stolz packte die Huldra, dass der Sex mit ihm tatsächlich akzeptabel zu sein schien, dann vergrub er schwer atmend und erschöpft sein Gesicht in den Laken. Jetzt, da die Euphorie seines Höhepunktes langsam abschwoll wurde ihm der Schmerz in seiner Beckengegend wieder bewusst und er stieß ein kaum hörbares Winseln aus, als er sich etwas zur Seite in eine angenehmere Position wandte und nach Atem rang.
„Das war einfach….einfach unglaublich“, keuchte er schließlich und war froh, dass er wieder etwas mehr Nähe zu dem Größeren suchen konnte. Unverzüglich schmiegte er sich an ihn und lehnte seinen Kopf an seine Brust.
„Tut mir leid, wenn ich dir irgendwie das Gefühl vermittelt habe, dass es nur weh tat, es war einfach…..Wenn ich nicht wüsste, dass ich dann tagelang dein Bett nicht mehr verlassen könnte, würde ich dich bitten, mich gleich nochmal durchzunehmen“, gestand er ihm mit furchtbar leiser Stimme und schob fordernd sein Bein zwischen die des Vampirs. Die Nähe, die plötzlich zwischen ihnen zu herrschen schien war neu und unbekannt und zugleich das Beste, was Julian in seinem ganzen Leben je passiert war.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Di März 17, 2015 2:39 pm

Er hatte nicht gelogen, als er dem Jüngeren versichert hatte, dass es schmerzen würde und auch konnte er leider sein Wort nicht brechen und etwas dagegen tun. Doch jedes Lebewesen musste diese Prozedur am Anfang über sich ertragen, ganz gleich wie groß der Vampir auch gewesen sein mochte- die Anfänge waren stets eine Tortur gewesen, die man über sich ergehen lassen musste. Sie konnten wohl dankbar sein, dass die Menschheit im Laufe der Zeit genügend Hilfsmittel wie Kondome und Gleitmittel erfunden hatte, welche es zu seiner Zeit in diesem Ausmaß zumindest nicht gegeben hatte.
Charles ließ sich nicht vom schmerzerfüllten Ausdruck auf Julians Gesicht abschrecken, auch wenn sich dennoch hier und da einige Sorgenfalten auf seine Stirn legten und er versuchte noch langsamer sich in ihm zu bewegen.
Doch einfach war dies ganz sicher nicht gewesen, besonders nicht dann, als der Körper des anderen sich aus einer Schutzreaktion begann zu verkrampften und es gar nicht erst möglich war weiter in die Huldra vorzustoßen, sodass er für einen kurzen Augenblick innehalten musste, Julian dabei aus verständnisvollen Augen heraus anblickend. „Auch wenn es gerade unmöglich zu sein scheint...versuche dich bitte ein wenig zu entspannen.“, hauchte er ihm mit sanfter Stimme entgegen, ehe sich seine Lippen auf dem weichen Mund seines Gegenübers wiederfanden. Wie gerne er doch ihm jeglichen Schmerz genommen hätte, das unangenehme Ziehen und Brennen, das sicherlich jede Pore seines Körpers gerade eingenommen zu haben schien, doch trotz der anfänglichen Schwierigkeiten, die natürlich länger andauerten als sie sollten, wollte er um keinen Preis diesen Moment gegen einen anderen austauschen.
Er wollte den Gelockten nicht enttäuschen und alles so perfekt wie möglich machen, sodass er sich Zeit ließ und nicht komplett in ihn eindrang, als die Bewegungen immer einfacher und auch angenehmer wurden. Stattdessen ließ er seine Lippen und seine Zunge immer wieder über seinen Oberkörper wandern, benetzte seinen Hals, seine Schulter und die schmale Brust mit kalten, jedoch zärtlichen Küssen, so lange, bis sich seine Zunge wieder im Mundinnenraum des Kleineren verlor. Er konnte die feinen Schweißperlen der anderen Haut auf seiner spüren, als er sich eng gegen seinen Leib schmieg, dabei die verzehrende Hitze in sich aufnahm, in der Hoffnung, dass Julian nicht zusätzlich zusammenzuckte, weil er ihm zu kalt gewesen war, doch diese Sorge war schnell verschwunden, als er sich ihm entgegen wand, seine Arme endlich um den bleichen Körper schlang. Für Charles war es eine willkommene Berührung als der andere immer wieder mit den Nägeln über seinen Rücken fuhr, irgendwo war es ohnehin das Mindeste an Schmerz im Gegensatz zu dem, den er Julian gerade antat, nur dass er im Gegensatz zum Blonden diese Art von Schmerz sehr genoss und ihn kaum als unangenehm empfinden konnte. Wie sollte er auch, wenn es sich so gut und aufregend anfühlte dem Jüngeren so nahe zu sein.
Er glaubte seine Sinne würden gleich verrückt spielen, als die Lust langsam seine Lenden hinaufkroch und jede Pore seines Körpers einzunehmen schien, doch er wollte diesen lusterfüllten Moment nicht alleine genießen, es wäre unfair seinem Gast gegenüber, wenn dieser nichts von all dem spüren konnte, sodass Charles kein dunkles Stöhnen über seine Lippen brachte, lediglich ein kaltes Keuchen nach dem nächsten ausstieß, so lange, bis er sich der schmale Körper unter ihn so weit aufgelockert hatte, dass er sich wagte, sein Becken etwas fordernder gegen das des anderen zu drücken, noch tiefer in ihn einzudringen und dabei schier den Verstand zu verlieren.
Es erfüllte den Vampir mit ein wenig Stolz, dass er tatsächlich das erste Stöhnen aus der Huldra entlocken konnte, dass sich dieser ganz von der Ekstase hatte einnehmen lassen, dass sein Keuchen erfüllt von Lust war und nicht vor Schmerz.
Am liebsten hätte Charles diesen Moment für eine Ewigkeiten festhalten wollen, er hätte nie geglaubt, dass er dieser Gestalt so nahe sein konnte, dass er tatsächlich das Privileg genießen konnte und mit ihm schlafen durfte, doch noch erstaunlicher war wohl die Tatsache, dass er derjenige war, an den Julian sein erstes Mal verlor. Hatte er tatsächlich so viel Vertrauen in jemanden wie ihn? Auch wenn der Vertrauensbeweis eindeutig unter ihm lag, konnte er es dennoch nicht ganz fassen. Es wirkte regelrecht wie ein Traum und Charles wünschte sich, dass er in den nächsten Stunden nicht erwachen würde, nur um feststellen zu müssen, dass er ganz alleine in seinem Bett war und all dies nie geschehen war.
Ein triumphales Lächeln umspielte die ernsten Züge des Vampirs als er das Gesicht seines Gegenübers für einen kurzen Augenblick musterte, wie es sich vor Lust verzog, wie Laute, die ganz sicher nicht im Alltag produzierte wurde, über seine Lippen glitten und das große Schlafzimmer zu erfüllen schienen. Allein dieser Anblick war genug Antrieb um den Älteren noch mehr zu erregen, dass er sich selbst nicht mehr länger zügelte und ein dunkles Stöhnen nach dem nächsten von sich preisgab, welches sich mit dem der Huldra vermischte.
Er wusste, dass sie endlich einen Punkt erreicht zu haben schien, wo kein Schmerz mehr Überhand über den Körper gewinnen konnte, auch wenn er immer noch stets präsent war und wahrscheinlich hin und wieder zu ihm durchdrang, was Charles jedoch um jeden Preis vermeiden wollte. Seine Hand fuhr beiläufig über den verschwitzen Oberkörper, verharrte für einen Moment an Julians Hüftknochen, ehe sie vorsichtig das Glied des Jüngeren umschlangen. Er konnte das Verlangen in Julians Gesicht ausmachen, die Lust, die nicht mehr menschlich zu sein schien und sehnte sich danach, dass sie sich so stark aneinander gewohnt hätten, dass er diese wilde Seite im Gelockten ausnutzen konnte, woran beide Gefallen finden konnten.
Doch der Dunkelhaarige würde ganz sicher nicht unachtsam und ignorant handeln, ganz im Gegenteil versuchte er Julian seinen ansteigenden Höhepunkt so angenehm und gut wie möglich zu gestalten, massierte seine Erregung im selben Rhythmus, mit welchem er in ihn vorstieß.
Charles war froh, dass er Julian einen Orgasmus entlocken konnte, immerhin war so etwas nicht immer garantiert bei einem ersten Mal, doch schien er zumindest in diesem Bereich alles richtig gemacht zu haben, als die Muskeln des anderen sich plötzlich zusammenzogen und er durch seine Bewegungen zum Ende kam. Charles selbst folgte ihm wenige Stöße später, stieß ein letztes, langes Stöhnen aus, bis er erschöpft seine Stirn gegen die Schulter des Jüngeren abstürzte, sich jedoch selbst verbot auf dem schmalen Leib zusammenzusinken. Stattdessen zog er sich vorsichtig und langsam aus Julian zurück, blickte ihn entschuldigend an, als dieser kurz zusammenzuckte. Routiniert hatte er das Kondom abgezogen, legte es anschließend zusammengeknotet beiseite, bei dem leisen Wimmern jedoch schnell seinen Blick zu Julian wandern lassend. Er hatte sich wieder auf das Bett niedergelassen, legte sich neben seinem Gast hin, dabei seinen Worten lauschend.
„Ich hoffe wirklich sehr, dass es dir nicht nur wehgetan hatte.“, murmelte seine Stimme, ihn dabei unsicher anlächelnd. Der Vampir war froh, dass er schnell wieder seine Nähe suchte, sonst hätte er es wahrscheinlich schnell initiiert, immerhin wollte er ihm nicht das Gefühl geben, dass er nach dem Sex nichts mehr von ihm wissen wollte. Ganz im Gegenteil, Charles wollte ihm nach solch einem schmerzvollen Erlebnis so umsichtig und sanft wie möglich gegenübertreten, sodass er sich besser fühlte.
Seine Wärme war dem Vampir sehr willkommen, am liebsten hätte er ihn nie wieder losgelassen, als sich sein Arm locker um die Schulter gelegt hatte, er sanft mit den Fingern über seinen Oberarm strich.
„Du brauchst dich für nichts zu entschuldigend, es sollte mir leidtun, dass ich dir solch ein unangenehmes Gefühl gegeben habe und ich hoffe sehr, dass du nicht nur den puren Schmerz verspürt hast.“, er hielt einen Moment lang inne, ließ seinen Blick hinunter zum strahlend schönen Gesicht wandern, welches noch stärker zu leuchten schien als es zuvor bereits getan hatte. Seine freie Hand strich behutsam über die Wange des Jüngeren, hauchte ihm anschließend einen sanften, langen Kuss auf die Lippen. „Nun...was wäre schon dabei, wenn du tagelang im Bett verbringen würdest? Verzeih... ich möchte dir nicht absichtlich Schmerzen zufügen, doch ich fürchte, dass der Gedanke dich tagelang bei mir haben zu können, mich viel zu sehr berauscht. Wenigstens heute habe ich das Glück, dich hier behalten zu können und ich gebe dir mein Wort, dass du wahrscheinlich noch müde von mir wirst, so ungerne wie ich von dir ablassen möchte.“, Charles konnte sich ein Schmunzeln kaum verkneifen, konnte sich auch kaum zügeln und drückte ihm einen weiteren Kuss auf die weichen Lippen, bat diesmal mit seiner Zunge freundlich um Einlass, dabei mit sanften Berührungen seinen entkleideten Körper liebkosend. „Ich fürchte du wirst auch irgendwann müde dir anhören zu müssen, wie schön du bist, doch ich spreche von der Seele, wenn ich dir sage, dass du das wunderschönste Wesen bist, was mir seit geraumer Zeit begegnet ist und dass ich mich geehrt fühle dir so nahe sein zu dürfen. Ich bereue keine Sekunde, dass wir heute miteinander geschlafen haben und ich hoffe, du bereust nicht, dass ich deine Unschuld diese Nacht geraubt habe.“, zur Bestätigung wie anziehend und attraktiv er seinen Gast wirklich fand, begab sich sein Mund erneut auf Wanderschaft und küsste all das Salz, welches noch auf seiner Haut zu haften schien, davon. Charles genoss diese Nähe, liebte Julians Duft, der seinen eigenen Körper umfing und an jeder Stelle haftete, dass er immer ein kleines Bisschen von ihn bei sich trug, doch noch angenehmer und berauschender war der Eigengeschmack des Fabelwesens, welcher an seinen Lippen klebte, der sich in seinem gesamten Mundinnenraum breit gemacht hatte und die Zunge benetzte, dass er nichts anderes als den Gelockten um sich herum. Es war als wären seine Sinne benebelt, als hätte die Huldra es erneut geschafft seinen Verstand zu rauben und ihn mit einem starken Zauber zu belegen, der ihn wie einen kleinen Jungen voller Bewunderung vor ihm knien ließ. „Ich fürchte, ich beginne mich in dich zu verlieben, Julian.“

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Mi März 18, 2015 7:16 pm

Die Nähe, die Charles nun zu ihm suchte, war das Beste, was Julian passieren konnte. Der Sex war anstrengend gewesen, auslaugend und atemraubend auf mehr als nur eine Art und Weise. Eigentlich hatte er nicht geplant die Nacht über hier zu bleiben, doch der Gedanke, sich noch irgendwo hin bewegen zu müssen erschien der Huldra plötzlich unglaublich unattraktiv. Noch immer ging sein Atem schnell und unruhig und jetzt, da die Lust seinen Geist nicht mehr ablenken konnte, drang die Gewissheit des Schmerzes mit neuer Intensität zu ihm hindurch. Bewegen war wirklich das letzte, was er gerade tun wollte, und ehrlich gesagt sah er gar nicht die Notwendigkeit dazu. Charles schien nicht vorzuhaben ihn gehen zu lassen und die sanften Berührungen, die er ihm jetzt zuteilwerden ließ waren ein willkommener Ausgleich zu dem Sex zuvor, sodass Julian nicht anders konnte als seine Arme fester um den kühlen Leib zu legen und die Kälte zu genießen, die von ihm ausging. Eine Gänsehaut hatte sich über jede seiner Poren gelegt und er konnte gar nicht anders als die Augen leicht zu schließen und einfach jede wundervolle Minute in sich aufzusaugen. Nur sehr langsam wollte sich in ihm der Gedanke durchsetzen, dass er tatsächlich sein erstes Mal gehabt hatte, dass er mit seiner neuen Bekanntschaft wirklich geschlafen hatte. Oh, was für Forderungen seinen Mund verlassen hatten! Wenn er jetzt so darüber nachdachte errötete er leicht. Ihm war nicht klar, was für eine Lust ihn dort geritten hatte, doch anscheinend war es nicht zu vulgär gewesen, um den Vampir abzuschrecken. Wenn ihn seine Menschenkenntnisse nicht vollkommen im Stich ließen hatte es ihm mindestens genauso sehr gefallen wie ihm selbst, vielleicht sogar noch mehr, da ihn kein Schmerz eines ersten Males behindert hatte. Julian sah den anderen in keinster Form dafür verantwortlich, immerhin hatte Julia gesehen, wie sehr er sich darum bemühte, es ihm angenehm zu gestalten, wie leid es ihm tat, dass er ihm überhaupt hatte Schmerzen zufügen müssen und das war mehr, als Julian sich je von seinem ersten Mal erhofft hatte. Eigentlich hatte er sowieso gedacht, dass er jemanden viel länger kennen müsste, um mit ihm die Laken zu teilen, doch wenn er ganz ehrlich zu sich war, dann musste er sich eingestehen, dass er sich von Charles vermutlich schon bei ihrem ersten Treffen hätte vögeln lassen, egal ob mit oder ohne Zauber, der ihn benebelte. Es war einfach ein Fakt, dass der Vampir sein ganzes Inneres herumdrehte und ihn schier wahnsinnig machte vor Lust, sodass ein kleiner Teil in seinem Hinterkopf all den Schmerz in seinem Becken beiseite geschoben hätte und noch einmal die Beine für den Vampir breit gemacht hätte. Gut, dass die Schamesröte, die bei diesem Gedanken in ihm aufstieg, von seinem eh schon aufgeheizten Teint überdeckt wurde. So sehr er es sich auch gewünscht hätte, zu einer zweiten Runde war sein Körper einfach nicht in der Lage.
„Hörte sich das denn so an, als wenn es nur Schmerz gewesen wäre?“, fragte die Huldra mit einem verschmitzten Grinsen auf dem Gesicht und drückte sein Gesicht in die Halsbeuge des Größeren.
„Der Schmerz war es wert, wirklich, und ich bin mir sicher, dass ich nach ein paar Malen nichts anderes mehr will als deine Größe.“
Seine Worte waren leise und etwas abgedrückt gewesen, da er sie gegen den Nacken des Älteren hinausgepresst hatte. Obwohl schwere Müdigkeit langsam auf ihn herabsank wollte er noch nicht schlafen, er wollte jede wache Sekunde ausnutzen, die er mit Charles teilte. Es überraschte ihn, dass auch der Vampir anscheinend vollkommen eingenommen und angestachelt von ihrer gemeinsamen Sex gewesen war, dass seine Worte ihn überrascht von seinen sachten Liebkosungen aufblicken ließen. Das wilde Funkeln, das ihn zuvor schon angestachelt hatte, schien noch einmal in seinen blauen Augen aufzublecken, als sich der schmale Leib ein Stück auf seinen Ellbogen aufstützte und den Vampir mit einer seltsamen Art von Hunger anblickte. Allein der Gedanke, mehrere Tage bei dem Vampir zu verbringen und sie ganz unverhohlen nur mit Sex zu füllen, bis das letzte bisschen Schmerz aus seinen Knochen vertrieben war und er alles in vollsten Zügen genießen konnte….Seine Ohren stellten sich kerzengerade auf bei dem Gedanken und für einen kurzen Moment packte den Jüngeren eine neue Welle der Energie. Hastig setzte er sich auf, bis er sich schließlich rittlings auf der Hüfte des Älteren wiederfand und mit einem lustvollen Blick auf ihn hinabstarrte.
„Dann lass uns das tun, was spricht dagegen? Lass mich morgen ein paar Sachen von Zuhause holen und dann kann ich für das ganze Wochenende dir gehören. Ich hab kein Problem damit, das ganze Wochenende im Bett zu verbringen, ich will es wieder tun, bis es nicht mehr wehtut“, stieß der Lockenkopf mit rauer Stimme aus und blickte fordernd auf den Vampir hinunter, seine Handflächen mit Bestimmtheit gegen die kalte, harte Brust drückend.
„Ich hoffe, du verkalkulierst dich nicht, im Moment hab ich das Gefühl, dass ich eine Ewigkeit mit dir verbringen könnte ohne, dass es mir jemals langweilig wird.“
Sein Gesicht hatte wieder weichere Züge angenommen und er beugte sich zu Charles hinunter, nahm seinen Kuss in Empfang. Er liebte den Geschmack des Vampirs, liebte es, wie er ihm langsam immer mehr vertraut wurde. Die überschüssige Energie, die sich in ihm aufgebaut hatte, war wieder verflogen und er rollte sich wieder zur Seite auf das Bett, jedoch den Kontakt zu Charles nicht abbrechen lassend.
„Ich kann mir zwar kaum vorstellen, dass ich in all deiner Lebenszeit so eine Ausnahme darstellen soll, aber…dankeschön, ich….ich meine, du bist ein Vampir, alles an dir ist so unglaublich perfekt und wunderschön, dass es schwer zu glauben ist, wie du all das in mir sehen kannst“, gestand die Huldra und errötete dieses Mal aus ganz anderen Gründen. Seine selbstsichere, vielleicht etwas sehr sexhungrige Energie schien langsam etwas abzuflauen und ließ ihn tatsächlich mit dem Bedürfnis zurück, sich möglichst nah an den Größeren anzukuscheln und seine Nähe in vollstem Ausmaß zu genießen. Vielleicht konnte Charles diesen Wunsch ja spüren, denn er hatte ihm erneut seine ganze liebevolle Aufmerksamkeit zukommen lassen. Julian genoss die sachten Berührungen, genoss sie so sehr, dass er angefangen hätte zu schnurren, wenn er eine Katze gewesen wäre, doch auch so verließen leise, zufriedene Laute seine Lippen. Kein aufgeladenes Stöhnen oder Keuchen, einfach kleine Laute des Wohlbefindens, die wohlmöglich eine Eigenart der Huldra waren. Sein Körper war immer näher und näher an den des Größeren gerückt und wo er nur konnte versuchte er die Küsse zu erwidern, suchte oft nach Charles´ Nacken, da er jetzt wusste, dass er diese Stelle bevorzugte und ließ seine Finger neugierig über seinen ganzen Körper wandern. Er tastete nach seinen Wirbelknochen, nach den Schulterblättern und tastete sich so vorsichtig über den gesamten Leib, bis ihn die Worte des Größeren innehalten ließen und er ihn mit großen Augen anstarrte.
„Empfindest du wirklich so? I-Ich meine, das ist so ein starkes Wort, verlieben….“
Ein Schauer lief über seinen gesamten Rücken und es kostete ihn Mut, die nächsten Worte auszusprechen.
„Aber wenn ich ehrlich bin….Ich wusste von Anfang an, dass ich mehr von dir will und ich könnte mir niemand Perfekteren vorstellen, um all diese ersten Male zu erleben“, flüsterte er leise. Die Küsse des Größeren waren so angenehm gewesen, dass sie ihn auf eine gute Art und Weise schläfrig gemacht hatten. Als seine Lippen nun die des Älteren suchten waren seine Bewegungen immer noch liebevoll, aber etwas langsamer und träge. Seine Lippen hafteten noch immer leicht auf denen des Vampirs, als er schließlich endgültig einzuschlafen schien. Sein ganzer Körper hatte die Nähe zu dem Vampir gesucht und sich eng an ihn geklammert, die Arme um ihn geschlungen und den Kopf an seine Brust gelegt. Vielleicht kitzelten seine Locken das Kinn des Älteren und vielleicht war es ihm unangenehm, dass der lange Schweif sich um seinen Unterschenkel gewickelt hatte, doch all das war mehr oder weniger im Halbschlaf passiert, ohne dass Julian eine richtige Kontrolle darüber hatte. Sein ganzer Körper schien einfach den Gedanken nicht ertragen zu können, auch nur ein klein wenig Platz zwischen ihm und dem Älteren zu lassen.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Do März 19, 2015 3:38 pm

Charles hatte nicht vor gehabt den Worten des Jüngeren keinen Glauben zu schenken, wieso sollte er das auch tun? Unrecht schien er ohnehin nicht zu haben, zwischen all den Schmerzenslauten waren auch andere Geräusche zu ihm durchgedrungen, die ganz sicher nicht von Leid gezeugt hatte.
Es erfüllte den Vampir mit Euphorie daran zu denken, dass irgendwann Julian wirklich niemand anderen wollte als ihn, der Gedanke tat gut zu glauben, dass sie sich so sehr an den anderen Körper gewöhnen könnten, dass jemand anderes gar nicht mehr in Frage kam. Doch er war nicht naiv, niemand auf dieser Welt konnte ihnen garantieren, dass sie so lange zusammenbleiben konnten, schließlich hatte der Jüngere noch ein gesamtes Leben vor sich gehabt, er hatte gerade begonnen alles zu entdecken und auszuprobieren und er wollte ihm niemals im Wege stehen, sollte er wirklich seiner Anwesenheit müde werden.
Doch solche Gedanken gehörten nicht in das Bett und besonders nicht in diesen zärtlichen und angenehmen Moment. Charles wollte sich seine Freude nicht verderben und vor allem auch nicht die des anderen, der gleichermaßen zu empfinden schien. Er konnte sein Erstaunen nicht in Worte fassen, wie stark ihn das Vertrauen der Huldra überraschte- kein Lebewesen auf der Welt, abgesehen von Vampiren vielleicht, wären ihm freiwillig so nahe gekommen, zumindest nicht ohne einer bestimmten Intention dahinter, die er selbst nicht teilen konnte. Schließlich verbarg sich immer noch ein Monster, ein unheimlicher Dämon hinter der bleichen Haut und den Lippen, die sich zärtlich auf die andere Haut stets gepresst hatten. Was war es nur, was Julian so ruhig sein ließ, dass er seine Nähe wirklich so sehr genoss, dass er nicht einmal einen Moment lang zu zögern schien oder vor Schreck erschauderte?!
Noch mehr überraschte ihn jedoch sein urplötzlicher Wandel von Ruhe zu einem gewissen Verlangen, welches er in diesem Augenblick ganz sicher nicht erwartet hatte.
Mit großen, erstaunten Augen folgte er den Bewegungen des Kleineren, lauschte dabei den fordernden Worten, die den warmen, wunderschönen Mund verließen.
Hatte er wirklich ein gesamtes Wochenende bei ihm verbringen wollen? Es löste ein feines Kribbeln in seinem Inneren aus, so wie Julian auf ihm saß und ihn fordernd anblickte, dass er wahrscheinlich wieder herumwirbeln und um eine weitere Runde Sex bitten könnte, doch stattdessen strich er mit seinen Fingern über die schmalen Arme, schenkte ihm ein breites Lächeln. „Wenn du es wirklich möchtest, würde ich dich gerne als meinen Gast für mehrere Tage willkommen heißen. Es wäre eine Schande, wenn wir uns nach solch einem Erlebnis wieder so bald trennen müssten.“, hauchte er dem Gelockten entgegen, gefolgt von einem sanften Kuss. Ach, er konnte kaum Ausdruck für seine Gefühle verschaffen, es war eine Mischung aus Verlangen und Freude und einem starken Kribbeln, welches er das letzte Mal gespürt hatte, als er glaubte sein Herz an jemand anderen verlieren zu müssen. Doch selbst dieses Kribbeln war anders im Gegensatz zu dem in seiner Vergangenheit, wirkte es doch so intensiver und beinahe stechender, dass er glaubte verrückt zu werden.
Ein wenig bedauerlich war es schon als sich Julian wieder von ihm gelöst hatte und zurück auf das Bett rollte, doch wenigstens schienen ihre Körper wie magnetisch angezogen wieder sich so nahe zu sein, dass kaum Freiraum zwischen ihnen war, der sie voneinander trennte. Julian war so perfekt in so vielen Hinsichten, selbst die Narben, die hier und da seinen Körper zeichneten, hatten nicht einmal ansatzweise seine Schönheit geraubt, die ihn ehrfürchtig erschaudern ließ, wenn er sich einen Moment Zeit nahm und ihn prüfend musterte. Wenn er Künstler wäre, hätte er sich gewünscht diese Schönheit auf Ewig auf ein Gemälde festhalten zu können. Alte Künstler wären neidisch gewesen zu wissen, dass er das Privileg besaß dieses Wesen mit Zärtlichkeiten liebkosen zu können, ach er wäre doch selbst so neidisch auf jeden gewesen, der Julian berühren und seine Lippen küssen dürfte!
Es fiel ihm nicht schwer so zu empfinden, er konnte gar nicht anders, selbst wenn er es vielleicht sogar gewollt hätte. Doch wieso sollte er nicht das sehen wollen, was sich vor seinen hellen Augen offenbarte?! „Vampire sind alles andere als perfekt, das kannst du mir glauben. In all meinen Jahren mag ich vielen faszinierenden Schönheiten begegnet zu sein, einige atemberaubender als andere und dennoch scheinen sie alle im Gegensatz zu deinem Antlitz zu erblassen. Es mag wie eine unglaublich misslungene Schmeichelei zu sein, doch meine Worte sind ehrlich gemeint.“, seine Finger fuhren sanft über die blonden Locken, an seinen großen Ohren vorbei, welche sich wieder entspannt angelegt zu haben schienen. Alleine solche Merkmale an ihm waren faszinierend, er hatte noch nie an den Ohren anderer ihre Gefühlslagen lesen können, wie ent- oder angespannt sie waren und was sie tatsächlich zu bewegen schien. Kein Wunder, dass der Vampir sich so schnell in das faszinierende Lebewesen verliebte und er glaubte, dass das Gefühl sich in seiner Seele zu verstärken schien, als er die Bestätigung von Julian bekam, dass es ihm kaum anders ging. Wie war es nur möglich, dass zwei Seelen sich gefunden hatten und sich so wohl in ihrer Nähe fühlten, dass jemand wirklich solch eine Kraft über sein Herz hatte, dass seine Freude, seine übermäßigen Eindrücke, die er vom anderen gewann, beinahe in seiner Brust schmerzten und er dennoch auf diesen Schmerz um keinen Preis verzichten wollte. Er glaubte sein eigener Körper würde sich mit Wärme füllen. „Ich bin froh, dass du so empfindest und ich verspreche dir die besten ersten Male zu schenken.“, er glaubte ihm wurde schwindelig als er feststellte, dass sie in allen Regeln des Verliebtseins sogar ein Paar sein könnten, doch er traute sich noch nicht diese Frage zu stellen, vielleicht mussten sie sich dennoch noch ein wenig aneinander gewöhnen und sich besser kennenlernen, selbst wenn es sich so anfühlte als ob sie sich seit Jahrhunderten kennen würden. Ach, wie schön es doch gewesen wäre, hätten sie sich bereits Jahrzehnte zuvor getroffen, hätten sie eine Lebenszeit bereits hinter sich bringen können, wäre der Jüngere denn so unsterblich gewesen wie Charles es war.
Es waren keine Worte mehr vonnöten gewesen, nichts war über ihre Lippen geglitten als zufriedene Seufzer, wenn er nicht gerade den schmalen Leib mit zärtlichen Küssen liebkoste, wenn er nicht seinen Mund suchte um seinen Geschmack in sich aufnehmen zu können und betrunken von all den Zärtlichkeiten zu werden.
Charles erinnerte sich kaum wann sie das Licht ausgeschaltet hatten, was nur noch als störend empfunden wurde und sich weiter auf den jeweils anderen konzentrierten. Der Unsterbliche hatte es- ihm war nicht genau bewusst wie- zustande gebracht den Gelockten in den Schlaf zu küssen, beinahe wie ein Zauber schien die Müdigkeit sich um den anderen gelegt zu haben, dessen Lippen noch immer an seinen zu haften schienen und das, obwohl sein Verstand ins Reich der Träume gefallen war. Es war so schön zu sehen, wie er seelenruhig zu schlummern schien und sein gesamter Körper beinahe wie gefesselt an seinem zu sein schien. Wenn Charles es wirklich gewollt hätte, hätte er sich von ihm loslösen können, doch wieso um alles in der Welt sollte er das wollen? Seine Wärme war das willkommenste und schönste, was er je empfunden hatte, sein Duft schien jede Faser seiner blassen Haut eingenommen zu haben und nicht selten erwischte er sich dabei wie er seine Nase in den Locken vergrub um den wohligen Duft einzuatmen, wenn er nicht gerade damit beschäftigt war immer noch mit seinen Fingern sanft über den anderen Körper zu streichen. Umsichtig hatte er die Decke über ihre Oberkörper gezogen, damit es den Jüngeren nicht plötzlich zu frösteln begann, schließlich musste er sich das Bett mit einem anderen, kalten Mann teilen, der ihm nicht die wohlige Wärme schenken konnte wie er es tat.
Es war ohnehin eine sehr interessante Situation, Charles machte sich kaum Gedanken darüber, dass er ein Wesen der Nacht war, dass er eigentlich um diese Zeit nicht im Bett verbrachte und ganz sicher nicht schlief, sodass er nicht einmal daran gedacht hatte zumindest die schweren, dunklen Vorhänge vor den Fenstern zuzuziehen und den Raum in eine pechschwarze Dunkelheit zu hüllen, sein Verstand reichte einfach nicht bis zu dieser Vorgehensweise. Es war ein neues Erlebnis für ihn die Nacht so umschlungen mit jemand anderen zu verbringen, selbst Julians Schweif schien sich irgendwie um ihn geschlungen zu haben, dass es ihm ein Schmunzeln entlockte. Er war sich selbst dankbar dafür, dass seine Gliedmaßen niemals müde sein würden und von der ewig selben Position einschlafen konnten, so brauchte er sich nicht unnötig zu bewegen und vielleicht die friedlich schlafende Huldra zu wecken.
Der Vampir wusste nicht genau wann er seine eigenen Augen geschlossen hatte, doch die Wärme hatte ihn schläfrig gemacht, wie eine Katze im warmen Sonnenlicht hatte er sich ganz diesem wunderbaren Gefühl hingegeben, der Nähe zu Julian und wenn er ehrlich war, dann hatte selbst ihn ihr Beischlaf ein wenig erschöpft, wenn auch nicht so stark, dass er direkt hätte einschlafen können. Doch nun lag er eng umschlungen mit Julian in seinem Bett und schlief seelenruhig wider seiner gewohnten Zeiten, verschwendete dabei keinen Gedanken an die möglichen Konsequenzen, die ihn am nächsten Morgen erwarten würden.
Oh, welch angenehmer Schlaf es doch gewesen war, wie wohl und frei er sich fühlte, so nahe, wie er seinem Gast gewesen war, dass nichts auf der Welt ihn jemals zu wecken oder gar zu stören schien. Schön wäre es doch gewesen, wenn dem wirklich so gewesen wäre, wenn er wirklich bis in den späten Morgen hinein einfach hätte schlafen können, doch als Wesen der Nacht stand es ihm nicht zu sich im Tageslicht aufhalten zu können, er wusste, dass es seinen sicheren Tod bedeuten würde, sodass ein Urinstinkt in ihm ihn bei Einbruch der Sonne und dem immer heller werdenden Raum erwachen ließen. Müde kniff er seine Augen zusammen, ehe er sie blinzelnd zu öffnen begann, erst nicht realisierte, welch eine Urzeit gerade war. Er glaubte das Licht angelassen zu haben, welches den Raum durchflutete, doch bei dem kurzen Anblick heller Sonnenstrahlen auf seinem Bett, schrak der blasse Körper im nächsten Moment zurück, zog seine Beine panisch an sich heran, sich dabei aufrichtend. Sein Rücken hatte sich gegen die Kopfseite seines Bettes gedrückt, während er vor Schrecken feststellen musste, dass die Sonne bereits hell den Himmel erleuchtet hatte. Die brennende Hitze schien sich immer noch um sein Bein gelegt zu haben, er hatte Angst nachzusehen, ob sie ihm das Fleisch von den Knochen verkohlt hatte. Schlimmer als das war jedoch die Tatsache, dass er mit seinen heftigen Bewegungen Julian geweckt zu haben schien, der sich neben ihm langsam zu regen schien. Entschuldigend ließ er seinen nervösen Blick zu ihm hinüber wandern, blickte in die verschlafenen strahlend blauen Augen. „Bitte verzeih mir, sollte ich dich geweckt haben....ich...das Sonnenlicht- ich war so töricht und habe vergessen das Zimmer zu verdunklen und nun....nun ist es hier. Ich..“, er blickte erneut auf seine Beine, die immer noch die Wärme der Sonne in sich zu tragen schienen. Es war seltsam, er hatte immer geglaubt, dass es schrecklich schmerzen würde, wenn auch nur ein wenig Sonnenlicht seine Haut treffen würde, ganz gleich ob er seine Haut bedeckt hatte oder nicht, doch nichts schien zu rauchen und war es eher ein ungewohntes Gefühl gewesen, was nach so vielen Jahren einfach in Vergessenheit geraten zu haben schien. Doch vielleicht war es nur die trügerische Art des natürlichen Lichtes, das ihn erst verführen und dann zerstören wollte. „Ich habe seit Jahrhunderten das Sonnenlicht nicht mehr gesehen...“, stellte der Vampir atemlos fest. Es erfüllte ihn beinahe mit Trauer festzustellen, dass er so vieles in all den Jahren nicht mehr genießen konnte. Ach wie gerne er wenigstens einen kleinen Blick hinaus gewagt hätte, nur für eine Sekunde, doch seine Furcht war zu groß. „Kannst du...würde es dir etwas ausmachen einen Blick auf meine Beine zu werfen, es mag seltsam für dich klingen, doch mein Körper ist schwer von der Furcht, davor, was das Licht meinem Fleisch antun könnte. Es ist so warm...ich weiß nicht wie ich dieses Gefühl zuordnen soll...“

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Di März 24, 2015 11:15 am

Julian wusste nicht, wann er sich das letzte Mal so gut gefühlt hatte. Die Nacht war ruhig, entspannend, und nicht ein einziger schlechter Traum schien zu ihm durchdringen zu wollen. Normalerweise hatte er oft einen unruhigen Schlaf, warf sich herum und wurde oft wach, doch das war heute nicht der Fall. Die leichte Kühle von Charles´ Körper schien ihm bis in den Schlaf zu folgen und ihm zu versichern, dass er sicher war, dass es keinen Grund gab, panisch aufzuspringen oder in dunkle Träume zu verfallen. Ein oder zweimal vielleicht war er aus den tieferen Zonen des Schlafes hinaufgestiegen, nur, um sich dabei etwas fester an den Vampir zu drücken, seinen Kopf in seiner Halsbeuge vergrabend oder seine Arme fester um seinen Oberkörper zu schließen. Er fragte sich, ob es immer so sein konnte, ob er von nun an jemanden hatte, der ihn in schlechten Nächten festhielt und nicht gehen ließ; ob er nie wieder allein aufzuwachen brauchte, ob all die schrecklichen Nächte, die ihn in der Vergangenheit je geplagt hatten plötzlich revanchiert werden würden. Julian hatte das Gefühl, dass er das verdient hatte nach all den Schwierigkeiten, die sein Leben zu bieten gehabt hatte, nach all den Steinen, die ihm andere und manchmal auch er sich selbst in den Weg gelegt hatten. Julian wollte bei dem Vampir bleiben, er spürte einfach, dass mehr für sie bestimmt war, dass sie länger zusammenbleiben konnten als nur diesen einen Moment. Er wusste nicht, was ihm diese Gewissheit verschaffte, vielleicht war es ja doch nur Träumerei, aber was, wenn nicht? Konnte es nicht wirklich so sein? Sein Atem strich immer wieder sanft und warm über die Brust des Älteren, während er selbst keinen Atem spüren konnte, seine Brust unter ihm hob und senkte sich nicht und er schien sich kaum zu regen. An einige DInge musste der Lockenkopf sich wohl doch noch gewöhnen, wenn er länger mit dem Untoten zusammenleben wollte. Doch die Kälte seines Körpers schreckte ihn nicht ab. Er zog einfach die Decke enger um seinen Körper und genoss das Gefühl, das ihn an so viele Nächte im Freien erinnerte, an seine Kindheit, bevor alles angefangen hatte so schrecklich kompliziert zu werden.
Julian wusste nicht, wie lange er so schlief, einen Arm des Vampirs um sich gelegt und in Träumen versunken, die er nach einem Augenschlag vergessen haben würde. Nicht einmal das langsam einfallende Licht des Morgens wollte ihn wecken, ganz im Gegensatz jedoch zu seiner Bekanntschaft. Plötzlich war das angenehme Gefühl, die Nähe fort und die hastigen, abrupten Bewegungen ließen den Blondschopf aufschrecken. Für einen Moment war er orientierunglos. Das hier war nicht sein Bett, seine Wohnung, Blake war nicht neben ihm und er war nackt mit einem leichten Stechen, dass durch seinen Unterkörper schoss, als er sich aufrichtete. Sein Hirn brauchte einige Sekunden, um die Erinnerungen an den gestrigen Abend wiederherzustellen, sodass wenigstens das Gefühl des Verlorenseins langsam wieder abschwoll. Was jedoch blieb war eine leichte Panik, ein rasendes Herz, dass er plötzlich so heftig geweckt worden war. Musste er sich vor etwas fürchten, vor einer Gefahr, die Charles lange vor ihm erkannte hatte? Sein Körper trauerte bereits jetzt der Nähe hinterher, die der Vampir so plötzlich aufgelöst hatte. Während sein Geist noch versuchte, alles zuzuordnen und sich zu orientieren, war sein Körper schon in Alarmstellung gegangen. Die Ohren waren steif aufgestellt und unter der Bettdecke zuckte sein Schweif nervös auf und ab. Immer noch bemüht, die Augen richtig offen zu halten blinzelte er verschlafen zu Charles hinüber, doch bevor er überhaupt ein Wort über die Lippen bringen konnte, verließ ein langgezogenes Gähnen seinen Mund.
"Was ist los, ist irgendwas passiert, hab ich etwas falsch gemacht?", fragte er besorgt und richtete sich ein wenig auf. Es war ein vollkommen ungewohnter Anblick, den Vampir so völlig aus der Fassung zu erleben, wie er ihn besorgt, beinahe panisch anstarrte. Die Huldra hatte sich etwas aufgerichtet und die Bettdecke war ihm über die Hüften gerutscht, dass er für einen kurzen Moment sogar rot anlief. Eine alberne Reaktion, wenn man bedachte, dass sie gestern miteinander geschlafen hatten, aber bis er das richtig realisiert hatte, konnte er sich etwas peinlicher Berührtheit nicht erwehren, als sein Körper sich plötzlich wieder entblößt vor Charles präsentierte. Allerdings waren nun andere Dinge wichtiger, denn der Vampir hatte ihm endlich offenbart, was ihn so besorgte, wieso er so panisch und aufgelöst war. Für Julian war das einfallende Licht natürlich keine große Sache gewesen, doch mit einem Schlag realisierte er, wieso das hell erleuchtete Zimmer für einen Vampir zur Qual werden könnte. Klopfenden Herzens starrte er auf Charles, während sich ein dunkler Gedanke in ihm breit machte.
"Hast du dich verletzt? E-Es tut mir so leid, ich wollte dich nicht so sehr ablenken, dass du so etwas wichtiges vergisst", presste Julian angsterfüllt hervor und spürte, wie sich ein dicker Kloß in seinem Hals bildete und sein Magen sich zusammenkrampfte. Das hatte er so nicht gewollt und er blickte mit schuldbewusster Miene auf den Streifen Sonnenlichts, der bis vor wenigen Minuten wohl noch über ihren Beinen gelegen haben musste. Er konnet den Schock in keiner Weise nachempfinden, wie es war, wenn man nach so vielen Jahren plötzlich einem so natürlichen Feind gegenüberstand.
"So lange schon nicht mehr? Ich...ich wollte das nicht, wirklich nicht, ich wollte dich nicht unvorsichtig machen!"
Sein Atem ging schneller und seine Panik hatte sich schnell der des Vampirs angepasst; sie hatte sich auf ihn übertragen wie eine ansteckbare Krankheit und Furcht hatte sich ebenfalls darunter gelegt. Beinahe wäre er schon aufgesprungen, um das Zimmer abzudunkeln und die Vorhänge zu zu ziehen, doch Charles schien eine andere Bitte an ihn zu haben. Mit einem Herz, das ihm bis zum Hals schlug, nickte der Lockenkopf langsam. Er hatte Angst vor dem, was sich unter der Decke verbarg, vielleicht war es verbranntes Fleisch -auch, wenn seine Nase solch einen Gestank momentan nicht wahrnehmen konnte- oder sonst eine schreckliche Reaktion auf das gefährliche Sonnenlicht, doch er brachte es nicht übers Herz, Charles die angsterfüllte Bitte auszuschlagen. Mit zittrigem Atem griffen seine Finger nach der Decke, die noch über dem Unterleib des Älteren lag und zogen sie ein Stück nach unten, bevor er sich einen Ruck gab und den Stoff mit einer schnellen Bewegung zurückschlug. Er hatte einen schrecklichen Anblick erwartet, dabei war tatsächlich nichts zu sehen. Das Fleisch des Vampirs war weiß und makellos wie immer. Erleichterung durchflutete den Körper des Jüngeren und mit einem lauten Aufseufzen ließ er sich zurück aufs Bett fallen.
"Es ist alles in Ordnung, du bist nicht verletzt."
Julian musste selbst ein paar Mal durchatmen, bevor er sich mit neuem Elan erhob und Charles mit großen Augen anstarrte.
"Heißt das, dass du dich geirrt hast? Ich meine, mit der Sonne und so. Vielleicht ist Licht gar nicht so schlimm für dich, vielleicht.....vielleicht kannst du den Garten sogar selbst sehen", hauchte er ehrfürchtig und blickte den Vampir fordernd an. Die Erleichterung durchflutete ihn wie das Sonnenlicht diesen Raum, obgleich er noch Skepsis auf dem Gesicht des Älteren lesen konnte. Vielleicht sollte er den Raum doch besser erst einmal abdunkeln, nur, um den anderen nicht gleich zu überfordern. Mit einer hastigen Bewegung erhob er sich, nur, um im nächsten Moment mit einem Zischen zusammen zu zucken. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sein Unterleib noch so schmerzen würde, doch er biss die Zähne zusammen und humpelte zum Fenster hinüber, wo er die schweren Vorhänge zuzog und das Zimmer in Düsternis hüllte. Dann kehrte er mit einigen holprigen Schritten zum Bett zurück und ließ sich mit einem Stöhnen auf die Matratze fallen.
"Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es heute noch so weh tut", ächzte Julian und suchte wieder die Nähe des Größeren, seine Arme um den breiten Oberkörper schlingend.
"Wie gesagt, ich brauch viel Training am Wochenende!"
Eigentlich hatte er etwas selbstbewusster und verführerischer klingen wollen, doch als ihn der Blick der unnatürlich hellen Augen traf, konnte er nicht anders, als zu erröten und sein Gesicht an der Brust des Größeren zu vergraben.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Mi März 25, 2015 7:27 pm

Die Worte des Jüngeren erfüllten Charles mit leichtem Schrecken. Er wollte ihm nicht indirekt die Schuld zuweisen, war er doch nicht der Verantwortungstragende in dieser Situation und konnte wohl am wenigsten etwas dafür, dass er so kopflos war und nicht die ewige Routine beachtet hatte. Der Vampir lebte nun seit sehr vielen Jahren und in all den Jahren hatten sich Gewohnheiten und Sicherheitsvorkehrungen, die man jede Nacht oder jeden Morgen zu beachten hatten, in sein Leben hineingeschlichen, dass sie automatisch erfolgten, ohne, dass er sich daran erinnern musste.
Und nun hatte er doch tatsächlich das Wichtigste vergessen!
Der Dunkelhaarige schämte sich ein wenig, Julian sollte nicht glauben, dass vergesslich zu sein zu seinen Charakterzügen gehörte, er sollte auch wissen, dass er sich nicht immer so stark ablenken ließ wie dieses eine Mal...doch in seiner Nähe konnte er wohl nicht glaubwürdig erklären, dass er ein sehr fokussiertes Lebewesen war, was nicht aus der Fassung zu bringen war...zumindest in den meisten Fällen nicht.
Ein wenig stimmte es vielleicht schon, dass ohne der Anwesenheit des Blondschopfes so etwas nicht so schnell passiert worden wäre. Er hätte allerdings auch nicht mitten in der Nacht geschlafen, was fernab seiner Prinzipien war und trotzdem war es nicht möglich seinen Gast für das Sonnenlicht und die fehlende Dunkelheit verantwortlich zu machen, sodass er hastig den Kopf schüttelte. „Bitte, es war meine eigene Verschuldung. Ich schlafe in der Nacht nicht und hatte wohl geglaubt, dass selbst diese Nacht schlaflos werden würde, jedoch schien mein Verstand sich getäuscht zu haben.“, seine Lippen formten ein schiefes Lächeln. Es war nicht gut, wenn seine innere Angst und Panik sich auf den schmalen Körper neben ihm übertrug, es würde schlichtweg keinem von ihnen einen Gefallen tun, sodass Charles sein Bestes tat und versuchte die Ruhe zu bewahren. Es sprach ohnehin für ihn, dass er nicht vor lauter Schreck vom Bett aufsprang und sich die dunkelste Ecke des Raumes suchte, denn auch wenn das natürliche Licht beißender auf seine Augen wirkte, konnte er nicht behaupten, dass er sich geblendet fühlte oder gar schwer vor Schmerz war. Ganz im Gegenteil konnte er nichts anderes als die Wärme verspüren, von welcher er wusste, dass sie nicht nur von Julians Körper auf ihn hinüberging, nicht einmal er konnte sich so stark aufwärmen.
Seine grauen Augen glitten zur Huldra hinüber, ihm zur Beruhigung über die aufgestellten Ohren fahrend, damit er wieder die Fassung gewinnen konnte. Es tat ihm immer noch so schrecklich leid, dass er ihn so unsanft geweckt hatte, wäre es doch so viel schöner gewesen, hätte er ihn in aller Ruhe wecken können, ohne ihn wie ein Dieb aus seinen Träumen zu zerren und ihn regelrecht ins kalte Wasser zu werfen. Er hoffte, dass er ihm nicht böse war, dass er solch einen angemessenen und wohlverdienten Morgen ihm heute nicht bieten konnte. Doch er wollte, dass weitere Morgen folgen, ohne solche Überraschungen natürlich. Er wollte Julian öfter neben sich schlafen haben, wollte seine warme, zarte Haut auf seiner eigenen spüren, wenn sie eng umschlungen die Nacht verbrachten. Es war solch ein beruhigender Gedanke, dass Charles für einen Augenblick vergaß, dass sein natürlicher Feind weiterhin das große Zimmer mit Licht durchflutete und früher oder später bald sein gesamtes Bett mit Sonnenstrahlen erfüllen würde, denen er nicht so einfach hätte ausweichen können.
Der Vampir nickte leicht als Julian seine Frage stellte, stieß ein leises Seufzen aus. „Wenn Photographien, Filme oder gar Gemälde nicht wären, dann würde ich wohl schon lange vergessen haben, wie die Sonne eigentlich aussieht...es ist wirklich sehr lange her.“, und selbst jetzt hatte er nicht den strahlend blauen Himmel bewundern können, auch wenn ein kleiner Teil in ihm sich vor lauter Neugier regte und am liebsten an das hohe Fenster treten wollte, doch die Furcht und ein alter Urinstinkt hielten den Dunkelhaarigen davor ab sich ganz verbrennen zu lassen.
Charles wollte seinen Gast nicht drängen sich seine Verletzungen genauer anzuschauen, er hätte es verstehen können, wenn er sich geweigert hätte, war es doch nicht in seiner Verantwortung sich um etwas zu kümmern, was ihn in keinster Form betraf und dennoch war er ihm mehr als nur dankbar, als er seiner Bitte nachging und die Bettdecke erst langsam und dann in einem Ruck zur Seite warf und damit seinen entkleideten Körper entblößte. Er hatte erst nicht hinsehen wollen, doch Julians Entwarnung hatte ihn so überrascht, dass er fragend- und auch ein wenig skeptisch- auf seine Beine schielte. Der Anblick seiner Beine hatte ihn verwirrt, er verstand nicht, wieso nichts geschehen war, wieso das Licht ihm nichts angetan hatte, nicht einmal kleine Brandblasen oder leichte Rötungen waren auf der bleichen Haut zu erkennen, als ob es künstliches Licht gewesen war, das ihn geweckt hatte und noch immer warm seine Haut benetzte.
Mit etwas zitternden Fingern glitt er über die beschienen Stellen, konnte nichts spüren als eine aufgewärmte Haut, keine Unebenheiten, nicht einmal Schmerz durchzuckte seinen Körper als er seine Beine mit den kalten Händen berührte!
Atemlos ließ er die hellen Augen zu Julian gleiten. „Ich...ich glaube schon...das ist das erste Mal, dass mir so etwas über den Weg gekommen ist- ich...in all den Jahren war es mir nicht möglich gewesen auch nur eine Sekunde lang im Sonnenlicht zu verharren und nun....Julian, ich würde sehr gerne mit dir den Garten bei Tageslicht sehen, ich...ich kann nicht glauben, dass ich all dies nicht träume.“, es wirkte nicht real, es wirkte viel schöner als dass es jemals real sein könnte. Vampire hatten seit Ewigkeiten ein Leben in der Dunkelheit gelebt und mit der voranschreitenden Zeit hatte sich das Nachtleben eindeutig verändert- selbst die Menschen schienen es angenommen haben. Das Leben tobte und bebte in der Nacht, man konnte es spüren,. Jedes Mal, wenn man seinen Weg durch die Straßen machte, konnte man das Beben des Asphalts und den Füßen spüren können, doch dies war nicht das Leben von jedem gewesen und alleine der Gedanke, dass er die Huldra selbst beim Tageslicht treffen und sehen könnte....es erfüllte seinen bleichen Körper mit einer Euphorie, die er kaum zurückhalten konnte, dass er am liebsten wieder über den Gelockten hergefallen war, doch dieser hatte tatsächlich mitgedacht und hatte sich trotz der neusten Erkenntnis erhoben um die Vorhänge zuzuziehen. Wahrscheinlich war es sogar die einzig gute Idee gewesen, er konnte sich nicht ausmalen wie sehr es seine Augen schmerzen könnte, wenn die Sonne sein Schlafzimmer komplett durchflutete.
Charles' Lächeln verrutschte ein wenig bei dem Anblick des Jüngeren, wie dieser eher humpelnd die Vorhänge erreichten, die den Raum wenige Augenblicke später verdunkelten, jedoch immer noch genügend Licht durch den Stoff dringen konnte, dass beide alles und vor allem sich gegenseitig sehen konnten.
Ohne auch nur zu zögern hatten sich seine Arme um den schmalen Leib geschlungen, fuhr mit den Fingern sanft über seine Schulterblätter, zog seine Bahnen über den Oberarm des Kleineren, während seine Ohren aufmerksam seiner Stimme lauschten. „Leider ist Schlaf in diesem Falle nicht die beste Medizin. Verzeih, dass du dich heute mit dem Schmerz herumplagen muss.“, murmelte seine Stimme leise, presste gedankenverloren seine Lippen sanft auf die Stirn des Anderen, bei den nächsten Worten schmunzelnd die strahlend blauen Augen suchend. Es war gut zu wissen, dass sich seit gestern Nacht nichts zwischen den beiden geändert hatte und Julian sich nicht unwohl in seiner Nähe zu fühlen schien. „Ich werde dir so weit es nur geht am Wochenende aushelfen, versprochen.“, hauchte er Julian leise entgegen, fuhr mit seinen Lippen seinen Nacken entlang, küsste sich einen Weg den Hals entlang, hinauf zu seinem Kinn, ehe er endlich seinen zarten Mund erreichte, ihn innig küssend. Beiläufig begaben sich seine Hände auf Wanderschaft, berührten jede zarte Stelle seines Körpers, strich mit den Fingern über seine hervorstehenden Hüftknochen, dabei den zarten Körper auf die Matratze pressend, sodass er sich halb über ihn aufbäumen konnte um weitere Zärtlichkeiten austauschen zu können. „Möchtest du, dass ich dich nach Hause fahre, damit du einige Sachen holen kannst oder willst du das alleine tun? Ich würde so gerne da weitermachen, wo wir gestern Nacht aufgehört haben, doch möchte ich auch, dass du so schmerzfrei wie möglich dein Zuhause erreichst, ehe ich dein Wochenende mit solchen Aktivitäten füllen kann.“, Charles hielt kurz Inne, musterte das bildschöne Gesicht seines Gastes. Es war wirklich schwierig gewesen nicht über den Jüngeren herzufallen, seine gesamte Erleichterung und Freude zugleich, welche sich mit dem Adrenalin vermischt hatte, was er zuvor vor lauter Panik produziert zu haben schien, trieben ihn regelrecht dazu, doch er beschränkte sich auf die zarten Berührungen, die sanften Küsse, die ihm und hoffentlich Julian ein gutes Gefühl verschafften. „Ich hoffe ich kann den unangenehmen Start in den Morgen wieder ein wenig wettmachen, du hast einen angenehmeren Morgen verdient.“

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Kauzi
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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Sa Mai 02, 2015 9:12 pm

Die raue Wildheit, die ihn zuvor und besonders gestern Abend übermannt hatte, schien mittlerweile beinahe vollkommen aus seinem Organismus geflossen zu sein und stattdessen fühlte Julian wieder die überwältigte Schüchternheit, die ihn schon zu Anfang gepackt hatte, als er Charles kennengelernt hatte. Es fühlte sich einfach so irreal an, dass der Vampir ein Bett und viel wichtiger noch, seine Aufmerksamkeit mit ihm teilte. Beinahe war es ihm schon peinlich, wie die kühlen Lippen des Mannes plötzlich wieder über seinen ganzen Körper wanderten, doch wie konnte er sich den liebevollen Berührungen entsagen und wie konnte er sich dagegen stemmen, wenn sie sich doch so wundervoll anfühlten? Ein leises Seufzen verließ seine Kehle, er fühlte sich ruhig und entspannt, allerdings eingenommen genug, um in der Wärme des Bettes nicht gleich wieder einzuschlafen. Auch, wenn ihm immer noch alles wie ein Traum vorkam, wollte er Charles nicht das Gefühl vermitteln, dass er seine Nähe nicht mehr genoss und so streckte er sich ihm entgegen und erwiderte seinen Kuss.
„Der Schmerz war es wert, keine Sorge“, schmunzelte er ihm mit weicher Stimme entgegen und legte seine Arme um den breiten Nacken. Er kam sich selbst noch so unbeholfen vor, während Charles die Situation schon wieder vollkommen unter Kontrolle zu haben schien. Julian ließ zu, dass er sich über ihm aufbäumte, ihn mit sanfter Gewalt unter sich drückte und mit sicheren Fingern über seine empfindlichsten Stellen fuhr. Es hätte die Huldra nicht überrascht, wenn die Zärtlichkeiten wieder ausgeartet wären, wenn er den hungrigen Ausdruck in Charles´ Augen so betrachtete. Ihm wurde gleichzeitig heiß und kalt und sein Griff um den Nacken des Größeren verstärkte sich leicht. Seine Frage kam Julian da beinahe schon etwas banal vor und er räkelte sich ein bisschen, um herauszufinden, wie schlimmer der Schmerz in seinem Becken noch immer war. Etwas unschlüssig runzelte er die Stirn.
„Ich könnte dafür sorgen, dass es weniger schmerzt und dann wieder die Bahn nehmen“, sinnierte der Lockenkopf. Auch, wenn man es dem schmalen Körper kaum ansehen mochte, steckten Heilfertigkeiten in ihm, die zu mindestens für seine eigenen, simpelsten Blessuren reichten. Sicher hätten sie auch sein wundes Hinterteil kurieren können, wenn er sich für zehn oder fünfzehn Minuten konzentrierte. Er war leider nicht besonders geübt in Naturmagie, auch, wenn es ihn immer ein wenig traurig machte, dass ihm so wenig von seiner angeborenen Kultur geblieben war.
„Aber wenn es dir nichts ausmacht, darfst du mich auch ruhig fahren, ich weiß nur nicht, wie dein Tagesplan so aussieht!“
Nach kurzem Überlegen unterbrach sich Julian selbst, mit einem zunehmend dunkelroterem Gesicht.
„Verzeih, normalerweise schläfst du um diese Zeit doch bestimmt, es ist leicht zu vergessen, dass du eigentlich nachtaktiv bist.“
Wieder hatte Julian einen dieser Momente erreicht, in dem er sich so klein und unbedeutend, ja geradezu tollpatschig vorkam vor Charles, der Perfektion und Eleganz in sich zu vereinen schien wie kaum ein anderes Lebewesen, dem Julian jemals zuvor begegnet war. Dennoch blickten die unnatürlich roten Augen ihn mit so einer Sanftheit an, dass es dem Lockenkopf schwer fiel, dem Vampir böse Intentionen zu unterstellen. Nein, er sollte wohl nicht immer an ihm zweifeln und sich dem Paradies hingeben, dass die ungeteilte Aufmerksamkeit eines solchen Mannes darstellte. Vermutlich durch den Wunsch angetrieben, so viel Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen, hatte Charles zugestimmt, ihn zu seiner Wohnung zu fahren und gleichzeitig einige Erledigungen zu absolvieren. Dennoch bat ihn Julian um eine Viertelstunde Ruhe, in der er im Schneidersitz auf dem Bett hockte, die Augen geschlossen und die hübsche Stirn kraus gezogen in höchster Konzentration. Obwohl es nach schwerer Arbeit aussah, hatte Julian die Schmerzen nur ein wenig verringern können, sodass er jetzt wenigstens nicht mehr so fürchterlich humpeln müsste, und als er die Augen wieder öffnete, hatte Charles ihm auch noch Frühstück ans Bett gebracht. Julian spürte, wie sein kleines Herz mehr und mehr zu schmelzen begann und der Blick, den er Charles schenkte, war so ergeben und anhimmelnd, dass er sich im Nachhinein beinahe dafür schämte. Immerhin befanden sie sich in keinem romantischen Liebesfilm! Auch, wenn es Julian glatt so vorkommen wollte, als er an seinem Tee nippte und an seinem Croissant mit Marmelade knabberte. Als er satt war, ließ er sich mit einem zufriedenen Seufzer zurück in die Kissen fallen. Wenn er so darüber nachdachte….Hatte Charles nicht erzählt, dass er nichts zu essen brauchte? Die hellen Augen weiteten sich ein wenig in Erkenntnis, bevor er Charles einen überschwänglichen Kuss schenkte.
„Du hast ja sogar an mich gedacht! Oder nicht? Das Essen war sicherlich nicht für dich selbst!“
Julian belohnte den Vampir für seine rührende Fürsorge mit einigen langen Küssen, die er mit Absicht hauptsächlich an seiner Kehle platzierte und selbst ein wenig zubiss, sodass Julian für ein paar Sekunden sogar glaubte, dass der Vampir ihn gleich einfach herumwirbeln und all seine Heilbemühungen zunichtemachen würde. Aber er hielt sich im Zaum, sodass Julian circa eine Stunde später geduscht und angezogen in Charles´ Wagen saß und zurück zu seiner Wohnung gefahren wurde. Es kam ihm beinahe so vor, als wenn man ihn in eine völlig andere Welt zurückbrachte, nachdem er die letzten Stunden in der Villa des Vampirs verbracht hatte und nun in seine kleine gemietete Apartmentwohnung zurückkehrte, irgendwo in einem der ärmeren Viertel der Stadt. Noch nie hatte es Julians Herz so sehr mit Wehmut erfüllt, die bekannten Häuserblocks zu erblicken. Zum Abschied lehnte er sich noch einmal zu einem langen Kuss zu Charles hinüber. Sich von den Lippen des anderen zu lösen, war beinahe eine Kraftprobe.
„Du holst mich hier bald wieder ab? Wir könnten etwas unternehmen, jetzt, wo du endlich herausgefunden hast, dass Sonnenlicht kein Todesurteil ist“, grinste die Huldra ihm amüsiert entgegen. Noch immer fiel es ihm schwer zu glauben, dass es einer unachtsamen Liebesnacht bedurft hatte, damit der Vampir nach Jahrzehnten –sogar Jahrhunderten!- herausfand, dass Sonnenlicht nicht so tödlich war wie angenommen. Selbst jetzt war er recht dick vermummt und trug eine Sonnenbrille, die Julian ihm mit einer vorsichtigen Bewegung vom Gesicht nahm und sie in seinen hellen Locken platzierte.
„Die brauchst du doch eigentlich gar nicht wirklich“, gluckste er und verließ mit einem letzten Abschiedsgruß das Auto. Bereits jetzt konnte er es kaum erwarten, dass Charles wieder vor seiner Tür stand.
Mit beschwingtem Schritt, jedoch immer noch etwas humpelnd, legte er die letzten Meter zu seiner gemeinsamen Wohnung zurück. Er hatte nicht geklingelt, war er sich doch nicht sicher, ob Blake zuhause war, doch er brauchte nur einen Schritt in den Hausflur zu treten, bevor er die Präsenz seines Mitbewohners vernahm. Nervosität stieg in ihm auf, als er eine kurze Begrüßung ausstieß und sich dann mit humpelndem Schritt auf die Suche nach Blake machte. Er fand den Faun schnell im Wohnzimmer. Vermutlich sprachen sein Gang und die Kleidung, die immer noch die gleiche war wie gestern, Bände. Es war mittlerweile ein Reflex, dass er seine Tarnung entspannt fallen ließ, wenn er in die Wohnung kam, und seine aufgeregt zuckenden Ohren verrieten Blake vermutlich alles, was er wissen musste. Julian schenkte seinem besten Freund eine Umarmung zur Begrüßung, ließ ihn jedoch nicht los und brachte seine Lippen nah an die Ohrmuschel des anderen.
„Charles hat mit mir geschlafen“, brachte er leise und mit einer seltsamen Mischung aus Schüchternheit und Triumph hervor, bevor er sich nervös von Blake löste und ihn unsicher angrinste.
„Aber das hast du dir bestimmt schon zusammengereimt, oder nicht?“

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Do Jul 16, 2015 8:54 pm

Blake hatte eigentlich damit gerechnet, dass sein bester Freund und Mitbewohner irgendwann spät in der Nacht sich leise wieder in die Wohnung schlich…nun ja, nicht ganz- eigentlich war der Faun davon ausgegangen, dass er sich leise ins Schlafzimmer hätte schleichen müssen, um Julie nicht zu wecken, doch das Bett war noch um fünf Uhr morgens ordentlich gemacht und leer. Den Rest konnte er sich denken.
Seit sie sich kannten hatte er den Kleineren nie erlebt, dass er sich auf jemand anderen eingelassen hatte, auf Menschen so gar nicht und auch wenn es sicherlich schade war, dass sie offenbar weniger Liebende und mehr eine Familie zu sein schienen, wollte der Dunkelhaarige nicht, dass Julie sich ganz von solchen Dingen fernhielt.
Doch solche Dinge brauchten wohl Zeit, das, was man der Huldra in dem Labor angetan hatte, war Grund genug um sich wahrscheinlich für eine sehr lange Zeit zu isolieren und nur langsam und misstrauisch an alles und jeden heranzuwagen, er selbst hatte nach seiner Befreiung eine halbe Ewigkeit damit verbracht, seine Panik und seine Trauer irgendwie verarbeitet zu bekommen und mit dem Verlust umzugehen, den die Zeit in Gefangenschaft mit sich gebracht hatte und so war es alles andere als gesund, hätte er seinen Mitbewohner bereits früher dazu gedrängt ein wenig unter Leute zu gehen oder ihn mit in die Nachtclubszene zu nehmen, in welcher er sich hin und wieder gerne herumtummelte bis die ersten Sonnenstrahlen die Stadt erhellten.
Wenn man einmal den Dreh raus hatte, war es gar nicht mehr so schwierig sich der Welt ein wenig zu öffnen, auch wenn Blakes Job ihn gelehrt hatte sehr vielen misstrauisch gegenüber zu sein. Menschen mied er immer noch liebend gerne und ging auf keine näheren Beziehungen mit diesen Wesen ein.
Doch nun war Julian nicht aufgetaucht und es war wohl das erste Mal, dass er die Nacht an einem anderen Ort verbrachte als in dieser kleinen Wohnung, die beide seit einiger Zeit bezogen. Es wäre dämlich gewesen, seinem Date nicht zu vertrauen, auch wenn so etwas wie Vampire gerne dazu verleiteten, dass man skeptisch ihnen gegenüber war, immerhin lebten sie vom Blut anderer Lebewesen, doch es war lächerlich zu glauben, dass sie ihre Triebe nicht unterdrücken konnten und keine Beherrschung über ihren Durst zeigen konnten. Abgesehen davon, dass Blut wohl nicht alles war, was das Leben solcher Fabelwesen bestimmte. Jeder andere Mensch hätte diese Wesen entweder ausgenutzt oder würde vor lauter Panik wollen, dass sie ausgelöscht werden würden. Ein weiterer Grund, weswegen man solche nicht an sich heranlassen sollte!
Der Tätowierte hätte sich vielleicht etwas mehr Gedanken über die Situation gemacht, wäre sein Kopf nicht benebelt von der Musik und dem Bass und vor allem von den einen oder anderen Drinks gewesen, die ihn nicht alles genau realisieren ließen, sodass er sich am nächsten Morgen nicht einmal erklären konnte wie er es noch geschafft hatte in die Dusche zu stolpern und sich frische Unterwäsche anzuziehen. Seine Tarnung war wahrscheinlich beim Betreten der Wohnung flöten gegangen und wieso sollte er sie auch in seinem eigenen Zuhause aufrechterhalten, immerhin konnte er hier frei sein und wenn es nach dem Aktivisten ging, würde er auch gerne auf den Straßen einfach nur er selbst sein. Wenn es denn nicht zu gefährlich gewesen wäre.
Es war ungewohnt am Morgen aufzuwachen und niemanden neben sich zu haben, keine Geräusche drangen aus den Nebenzimmern und Blake musste sich eingestehen, dass es ihn ein wenig störte, wenn sein bester Freund nicht hier war, dabei war es erst eine Nacht gewesen, die er alleine verbracht hatte…und dann auch noch so betrunken, dass es ohnehin ein Wunder war, dass es ihm so schnell aufgefallen war.
Er hätte ihn gerne angerufen, irgendwie gefragt, wo er denn blieb und ob er irgendwas zu essen für die beiden machen sollten, doch wahrscheinlich wurde er bei seinem Date bereits auf jeder erdenklichen Art und Weise verwöhnt, es hätte Blake zumindest nicht gewundert, wenn seine neue Bekanntschaft extra für ihn einkaufen gefahren war.
Doch hatte der junge Mann nicht nur seinen Mitbewohner im Kopf, so wichtig und gerne er Julie auch hatte, hatte er immer noch ein Leben gehabt und das bestand heute ausnahmsweise daraus, dass er faul auf der Haut liegen konnte, sich mit Musik beschallen ließ und bereits seinen heutigen abendlichen Ausflug plante.
Der Faun war so in Gedanken versunken, dass die Stimme seines besten Freundes erst etwas später zu ihm drang. Er hatte nicht einmal gehört, wie die Tür geöffnet wurde, sodass der schmale Körper, der sich langsam auf ihn zubewegte, ihn stärker überraschte als er sollte. Hastig erhob er sich von der Couch, grinste Julian breit an, breitete seine Arme zu einer begrüßenden Umarmung aus, in welche er den anderen schlanken Leib wenige Augenblicke später schloss, seine Nase kurz in dem Oberteil von gestern Abend vergrub. Er konnte den Duft des Fabelwesens vernehmen, doch hatte sich ein anderer, ganz fremder Duft in den Stoff geprägt, der dem Faun natürlich unbekannt und unvertraut war.
Blake konnte die Aufregung förmlich spüren, die den anderen Körper gepackt zu haben schien und konnte sich bereits die einen oder anderen Details der gestrigen Nacht denken, ohne sie wirklich auszusprechen, doch schien Julie das bereits für ihn zu übernehmen, als er die verräterischen Worte in sein Ohr plauderte. Und obwohl er sich so etwas bereits denken konnte, konnte er nicht anders als bei der Stimme des anderen erstaunt seine Ohren aufzustellen. Der Größere löste sich von der Umarmung, packte den Gelockten bei seinen Schultern um ihn besser anzuschauen.
Wahrscheinlich sah sein Blick so unglaublich dämlich aus. Er war erstaunt und überrascht, aber irgendwie auch stolz und froh für Julie, denn schien dieser zumindest diesen Moment alles andere als bereut zu haben und dies war bereits ein sehr guter Anfang. „Oh mein Gott, wirklich? Ach, lassen wir die Sache! Natürlich konnte ich es mir zusammenreimen aber das heißt nicht, dass ich recht dabei gehabt hätte. Mein Gott, Julie, deswegen hast du mich gestern Nacht der Gefahr der Dusche ausgelassen. Ich war sooo betrunken und ich weiß nicht mal ob ich mit Klamotten duschen war aber....ach wieso erzähle ich überhaupt was über gestern Nacht! Ich war nicht derjenige, der Sex hatte!“, überschwänglich hatte er Julian in eine weitere Umarmung gezogen, stieß dabei ein lautes Lachen aus.
„Du weißt schon, dass du mir so ziemlich alles erzählen musst! Wie es war natürlich, vor allem wie er war! Habt ihr nur einmal miteinander geschlafen? Oh, Julie…das ist so cool, wirklich! Weißt du wie viele dämliche Sexstories wir nun austauschen können, ich kann dich endlich mit allen Peinlichkeiten nerven, die mir passiert sind! Aaah, setz dich hin, ich will echt alles wissen und da spricht kein Restalkohol in mir!“, er hatte den Kleineren zur Couch geschoben und sich wenige Momente später daneben gesetzt. Er hatte seinem besten Freund ohnehin jeden Quatsch erzählt, doch in Sachen Sex hatte er sich bis jetzt zurückgehalten, vielleicht aus dem Grund, weil es bei ihnen nicht wirklich geklappt hatte und vielleicht war es dem Blondschopf auch ein wenig unangenehm, wer wusste das schon? Doch jetzt war der letzte Knoten geplatzt und Blake konnte spüren, wie die Neugierde den tätowierten Leib völlig eingenommen zu haben schien. „Außerdem hab ich absolut keine Ahnung wie Vampire so sind! Macht ihr heute wieder irgendwas? Willst du, dass ich uns was zu essen mache? Ach…vergiss das essen, ich will dich reden hören, bevor du Essen bekommst!“

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Sa Aug 08, 2015 8:08 pm

Julian konnte sich nicht ganz daran erinnern, wie die ganze Zeit einfach verflogen war. Sollte es wirklich schon einen Monat her sein, seit er das erste Mal mit Charles geschlafen hatte? Es wirkte so surreal, da die Wochen, die seitdem vergangen waren, sich eher wie Jahre anfühlten, in denen er dem Vampir immer näher und näher kam, bis sie wirklich mit Fug und Recht behaupten konnten, eine Beziehung zu führen. Bei dem Gedanken wurde der Huldra warm in der Magengrube. Wenn er an die ersten Tage zurück dachte, nachdem er Charles kennengelernt hatte….Dieses unerreichbare, ätherische Wesen, neben dem er sich selbst so tollpatschig und klein vorgekommen war und das er niemals in seiner Reichweite geglaubt hatte….Und nun sahen sie sich beinahe täglich, während Charles´ Anwesen immer prächtiger und bewohnter wurde, wozu Julian das ein oder andere Gemälde beisteuerte. Es war eine angenehme Ausrede, wieso er permanent die Bahn zu dem riesigen Anwesen nahm, wieso er stundenlang in seinem Garten saß und versuchte, all das einzufangen, was Charles mittlerweile doch mit eigenen Augen begutachten konnte. Es war beinahe niedlich gewesen zuzusehen, wie der Vampir sich nach und nach für immer längere Zeit in das Tageslicht gewagt hatte. Erst nur stark verpackt auf dem eigenen Grundstück, dann für einige Stunden in der Öffentlichkeit, während Julian ihm hin und wieder seine Sonnenbrille stahl und ihn dazu zwang, seiner eigenen Unempfindlichkeit ins Gesicht zu sehen. Ihm waren viele Orte in New Orleans eingefallen, die tagsüber lebendiger und farbenfroher waren als in der Nacht und er hatte Charles zu allen mitgenommen. Dabei gewann der Lockenkopf manchmal das Gefühl, dass der Vampir gar keine Augen übrig hatte für die Pflanzen oder das Panorama, sondern immer wieder verstohlen nur ihn anblickte. Julian konnte den Blick der roten Augen dann genau auf seinem Nacken oder auf seiner Wange spüren, wenn Charles ihn von der Seite anblickte und meist nahm seine Haut dann den gleichen Farbton an wie die blutrote Iris des anderen. Obwohl nach einem Monat eine gewisse Routine eingekehrt sein könnte, konnte Julian nicht anders, als sich immer wieder wie ein frisch verliebter Teenager zu benehmen. Die ungeteilte Aufmerksamkeit, die Charles ihm schenkte, kam ihm noch immer unverdient vor und noch immer kam es hin und wieder vor, dass er eilige seine Ohren unter einer Mütze verstecken musste, weil er sich nicht unter Kontrolle hatte, wenn der Vampir in der Nähe war.
Dabei waren sie sich mittlerweile schon unzählige Male näher gekommen als ein paar unschuldige Berührungen und Küsse in der Öffentlichkeit. Wie versprochen hatten sie geübt, unzählige Stunden hatten sie umschlungen verbracht, meist im Bett des Größeren, weil es Julie immer noch ein wenig peinlich war, Blake mit allzu vielen Informationen zu füttern, auch, wenn sein bester Freund nur allzu neugierig war. Mittlerweile schmerzte der Sex nur noch anfänglich und Julian konnte in vollsten Zügen genießen, was beim ersten Mal eher ein Hindernis gewesen war. In der letzten Woche war es sogar manchmal etwas wilder zugegangen als gewöhnlich, was die Huldra im Nachhinein selbst wunderte. Doch er merkte ja selbst, wie sein Selbstvertrauen im Bett zunahm, wie er lernte, an welchen Stellen Charles besonders empfindlich war und was ihm am besten gefiel. Bis jetzt schien alles an ihrer Beziehung so idyllisch und perfekt, dass es Julian beinahe unnatürlich erschien. Kein Paar würde wohl um einen ersten großen Streit herumkommen und er hoffte einfach, dass er und Charles davon noch weit entfernt waren. Wie sollten boshafte Worte Charles gegenüber seinen Mund verlassen? Und noch viel unwahrscheinlicher: wie sollte der Vampir anders als höflich und charmant sein? Selbst jetzt gab Charles sich noch so unglaublich viel Mühe, ein wahrer Gentleman zu sein, seine Höflichkeit war keine Maske gewesen, um Julian schneller von sich zu überzeugen, sondern ein tief gefühlter Teil seiner Persönlichkeit. Nicht, dass es Julian in irgendeiner Form gestört hätte. Er liebte sowieso alles an Charles, zu mindestens kam es ihm so vor.
Sie sahen sich nicht jeden einzelnen Tag –auch, wenn Julian das lieb gewesen wäre- und heute war eigentlich einer dieser Tage gewesen, an denen sie aufeinander verzichtet hätten, doch irgendwie fühlte sich Julian nicht danach. Eher wollte er seinen Freund mit einem Besuch überraschen. Er konnte ihm leider keine Pralinen mitbringen, um ihm etwas Gutes zu tun, doch er hatte einen Haufen neuer Skizzen und er wusste nur zu gut, dass er selbst und seine Arbeiten das einzige waren, was er brauchte, um Charles´ Tag zu versüßen. Es war gut, dass er den Weg zu dem Anwesen seines Freundes mittlerweile blind ablaufen konnte. Obwohl Charles oft darauf bestand, ihn nach Hause zu fahren oder abzuholen, genoss die Huldra den Fußweg zu dem abgeschiedenen Anwesen. Es verstärkte die Vorfreude und Aufregung nur noch, die er verspürte. Die letzten fünfzehn Minuten waren meist einsam und er war mit seinen Gedanken allein, da sich nicht viele Menschen hierher verirrten. Umso überraschter war Julian also, als ihm tatsächlich heute Abend einmal jemand entgegen kam, als er auf dem festgetretenen Weg entlang schlenderte. War er aus dem Zufahrtsweg von Charles´ Anwesen gekommen? Es schien zu mindestens so. Beim genaueren Hinsehen wirkte der Gang des Fremden unsicher und etwas torkelnd. War er betrunken? Sofort schrillten in Julian alle Alarmglocken auf und er drückte seine Tasche enger an sich heran und lenkte seinen Schritt augenblicklich etwas nach links, fort von der noch fernen Gestalt. Mittlerweile war Julian sich recht sicher, dass der Fremde von Charles´ Haus gekommen war, jedoch war ihm schleierhaft, was er dort gewollt haben konnte. Mittlerweile war er nah genug an ihn herangekommen, dass er den Mann besser erkennen konnte. Er war jung, ungefähr Julians –äußerliches- Alter und durchaus hübsch. Julian wusste nicht genau, wieso ihm diese Erkenntnis so einen unangenehmen Stich in der Magengrube versetzte. Wenige Schritte trennten sie jetzt noch und Julian merkte, wie sich der Blick des anderen auf ihn lenkte. Er wollte seinen Schritt schon beschleunigen, um die Begegnung schneller verstreichen zu lassen, als ihn Neugierde innehalten ließ. Der Blick des Fremden wirkte irritiert und nicht ganz von dieser Welt und sein unsicherer Gang schien nicht von Alkohol herzurühren, zu mindestens roch er nicht nach Bier oder Ähnlichem.
„Hey, weißt du, wo die nächste Bahnstation ist?“, drang die angenehme, aber verwirrte Stimme des Mannes zu Julian hinüber und ließ ihn erschrocken auffahren.
„Ich hätte schwören können, dass ich im Park unterwegs war, du weißt schon, der im Stadtzentrum…“
Einige Worte drangen nur genuschelt über seine Lippen und es fiel der Huldra schwer, ihn zu verstehen. In der Absicht, ihn schnell abzuwimmeln, gab Julian ihm eine kurze Wegbeschreibung und stolperte dann weiter. Der Mann schien zu beschäftigt mit sich selbst und seinen zerstreuten Erinnerungen zu sein, um ihn aufzuhalten und noch einmal nachzuhaken. Sein Herz wollte sich erst wieder aus seiner Kehle fortbewegen, als er vom Hauptweg auf Charles´ Einfahrt eingebogen war und sich einigermaßen in Sicherheit fühlte. Charles hatte ihm ohne große Nachfrage das Tor geöffnet und Julian begann, seine Gedanken zu ordnen, während er die lange Allee zur Villa hinaufschlurfte. Er hatte es überraschenderweise gar nicht allzu eilig, denn ihm war ein Gedanke gekommen, den er auf seine Richtigkeit überprüfen wollte, bevor er bei dem Vampir ankam. Dieser Mann war sicher kein verwirrter Betrunkener gewesen, eher vermutete Julian, dass er einem von Charles´ Opfern über den Weg gelaufen war. Dass dieser seine Nahrungsquellen ja nicht wie irrtümlich angenommen umbrachte, sondern sie nur dazu brachte, ihn vollkommen zu vergessen, hatte Julian ja recht früh erfahren, beinahe am eigenen Leib. Hieß das, dass Charles diesem Schönling dort draußen auf der Straße genauso nahe gekommen war wie ihm einst? Dass er ihn verführt und eingesponnen hatte? Ein brodelndes Gefühl von Eifersucht schien entgegen seines eigenen Willens seinen ganzen Körper einzunehmen. Sie waren doch in einer Beziehung, hieß das nicht, dass Charles besser nicht mit fremden Männern flirten sollte, um sie zu sich zu locken? Wie oft hatte er das getan, seit sie sich kannten? Bluttrinken war Julian nie zuvor so intim vorgekommen.
Mit einem schweren Seufzen klopfte Julian schließlich doch an das große Portal, darauf eingestellt, dass Charles vermutlich schon an der Tür gewartet hatte. Wie erwartet musste er nicht lang warten, bis Charles ihm öffnete und ihm zur Begrüßung einen Kuss schenkte. Julian war viel zu abgelenkt davon, wie ungewohnt warm sich die Lippen des anderen anfühlten, dass er beinahe etwas erschrocken zusammenzuckte und sich schnell an dem Größeren vorbei ins Hausinnere schob. Nervös schob er eine gelockte Strähne hinter seine Ohren, die wieder lang und pelzig waren. Er hatte nicht einmal mitbekommen, dass oder wann er seine Tarnung verloren hatte, doch der junge Mann auf der Straße würde vermutlich so oder so in einigen Stunden diesen gesamten Abend vergessen haben.
„Ich wollte dich überraschen….Du bist so warm“, murmelte die Huldra irritiert und blieb unwohl in der Mitte der Diele stehen.
„Ich glaube, ich habe gerade dein Abendessen getroffen“, platzte er schließlich ungewöhnlich angesäuert heraus und war selbst erschrocken, wie unwohl er sich fühlte.
„Hast du ihm nicht gesagt, wie er nach Hause kommt?“
Mit einer ungelenken Bewegung ließ er seine Tasche zu Boden fallen und trat unangenehm auf der Stelle.
„Er war wirklich hübsch. Hast du ihn so hergelockt wie mich damals? I-Ich…..ist das unbedingt nötig?“, platzte er schließlich heraus und drehte sich mit einem unsicheren Gefühl aus Charles´ Berührung. Es fühlte sich ungewohnt und falsch an, dass er plötzlich so warm war.
„Ich kenn dich nicht so warm, es fühlt sich komisch an“, murmelte er und senkte die langen Ohren, während sein Schwanz sich leicht zwischen seinen Beinen eingeklemmt hatte. Es war wohl leider unmöglich, seine momentane Stimmung zu verbergen, wenn sein Körper so eine klare Sprache sprach.

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Di Aug 18, 2015 11:10 pm

So viele Jahre waren vergangen seit Charles sich wieder so gut fühlte. Er war kein unglücklicher Mann gewesen, doch hatte es ihm doch seit einiger Zeit gefehlt jemanden an seiner Seite zu haben, wo er ganz er selbst sein konnte. Julian konnte ihm das geben, was er sich lange gewünscht hatte, es wirkte regelrecht wie ein Traum, ein viel zu süßer und schöner Traum, sodass man nie wieder erwachen wollte. Manchmal glaubte der Vampir, dass es dem Blondschopf selbst nicht bewusst war wie viel er in seinem Inneren bewegt hatte. Er war seine Sonne, er brauchte das Tageslicht gar nicht, allein die goldenen Locken oder ein strahlendes Lächeln der Huldra reichten ihm völlig aus um die unsterbliche Existenz zu genießen.
Ach wie gerne er doch die richtigen Worte gefunden hätte um ihm berichten zu können, wie sehr er die Zeit mit seinem Freund genoss. Allein der Gedanke…sein Freund, sein Geliebter…sie brauchten nichts von all dem zu leugnen und sich vor den anderen zu verstecken, nicht einmal zur Tageszeit, jetzt wo ihm bewusst war, dass das Sonnenlicht ihn nicht mehr vernichten konnte. Wie töricht Charles sich doch vorkam, dass er so viele Jahre über stets im Glauben war, dass die Nacht der einzige Zeitpunkt war, in welcher er sich bewegen konnte, ohne je darüber nachgedacht zu haben, dass mit steigendem Alter vielleicht auch die Kraft in ihm genauso stärker und älter werden könnte, wie die Jahre, in welchen er weiter auf dieser Welt leben durfte. Wenn Julian nicht gewesen wäre, würde er sich immer noch in den dunkelsten Schatten dieser prächtigen Stadt verstecken.
Wenn er fähig gewesen wäre, hätte er ihm täglich Gedichte geschrieben, wie in alten Romanzen, doch nahm er sich lieber die Zeit um sie mit dem Schönling zu verbringen, anstatt Stunden vor seinem Schreibtisch zu sitzen und nach den richtigen Worten zu finden, die seine Hingabe für dieses Wesen beschrieben, wo doch keines dieser Worte auch nur ansatzweise das beschreiben konnten, was sein altes Herz in der Gegenwart des anderen fühlte.
Charles hatte sich oftmals selbst dabei erwischt wie er- anstatt erstaunt über die Farben und die Schönheit der Welt zur Tageszeit zu sein- immer wieder den Blick für sein Umfeld verlor und ihn auf dem Körper des Jüngeren wiederfand. Oft fragte er sich was solch ein reines Wesen an jemanden wie ihm finden konnte, er hatte nicht viel zu bieten, seine Faszination auf andere war meist nichts anderes als eine Maskerade und dennoch schien Julian mindestens dasselbe für ihn zu fühlen. Es war erstaunlich wie nah er ihm sein durfte, wie oft sie sich nachts in den Laken seines großen Bettes wälzten und immer noch eng umschlungen den nächsten Morgen erwarteten, wie ihr Vertrauen immer stärker zu wachsen schien! Keine Schüchternheit zwischen ihnen war noch gegeben, es gab keinen Grund mehr dazu und so hatte es sich nicht einmal schlecht angefühlt, wenn ihre Zärtlichkeiten über liebevolle und umsichtige Berührungen hinausgingen. Natürlich musste der Vampir seine Kräfte zügeln, wenn sie miteinander schliefen, er hatte nie seine Instinkte die Überhand gewinnen lassen und trotzdem wusste er, dass er nicht mehr so zaghaft mit dem Blondschopf umgehen musste wie bei ihrem ersten Mal.
Oh, es war eine schöne Sache verliebt zu sein. Am liebsten hätte Charles Julian darum gebeten bei ihm einzuziehen, immerhin hatte sein Anwesen genügend Räumlichkeiten für ihn zu bieten, selbst dann, wenn beide ein wenig Zeit für sich brauchten, doch vielleicht wäre nach einem Monat Beziehung so etwas viel zu überstürzt gewesen und er hatte nicht vor zu schnell voranzuschreiten, es war nicht seine Art andere mit seinem Enthusiasmus zu erschlagen, sodass er sich lieber jedes Mal aufs Neue darauf freute, wenn die Huldra ihn in seinen Räumlichkeiten besuchte oder gar über Nacht blieb. Keine Nächte waren je so schön.
Doch ein anderer Faktor, weswegen sie vielleicht noch nicht bereit für ein Zusammenleben waren, war wohl Charles‘ Essverhalten. Er wollte nicht, dass Julian ihn dabei erwischte, wie er sich über die Kehlen anderer Menschen beugte, es war nichts, was man mit anderen Lebewesen teilen wollte, selbst wenn er selbst ein Vampir gewesen wäre, hätte er die Privatsphäre bevorzugt. Der Dunkelhaarige hatte früh gelernt, dass sie Raubtiere waren, eifersüchtige und gierige Raubtiere, die man weder bei ihrer Jagd stören sollte noch beim Aussaugen des Blutes, jeder andere Vampir war ein potenzieller Rivale und auch wenn nichts davon auf Julian zutraf, so konnte er sich denken wie unangenehm für ihn solch ein Anblick wäre und so war er sogar ein wenig froh über den ein oder anderen Tag, wo niemand den anderen sah und er sich gut genug stärken konnte um nicht eiskalt und hungrig seinem Freund gegenübertreten zu müssen. Vielleicht nie so warm wie der Körper eines Menschen, immerhin geschah dies nur kurz nach dem kleinen Trunk, den der Vampir sich gönnte, doch eine angemessene Kühle sollte in den warmen Sümpfen New Orleans‘ wohl willkommen sein.
Auch heute war einer solcher Tage gewesen, wo er sich die Zeit nahm, er hatte seit einigen Tagen nicht getrunken und die Suche nach etwas Gutem und Angenehmen hatte immer ein wenig gedauert. Er mochte es nicht herumzulungern und zu warten, oft folgte er nur dem süßen und angenehmen Duft, den einige Menschen ausstrahlten, wie sie aussahen und was sie taten spielte meist absolut keine Rolle. Junges Blut war gut, altes Blut war schwach, Blut von Fabelwesen war nicht zu empfehlen, es sei denn man wollte in einen langen Rauschzustand befördert werden. Jeder Vampir hatte seine Vorlieben, einige mochten das Blut, das besonders süß war und wohl oder übel schien Charles genau zu solchen zu gehören. Ihm war kaum aufgefallen, wie sein heutiges Opfer ausgesehen hatte, er hatte ein charmantes Lächeln, ein attraktives Gesicht, das konnte er nicht leugnen, doch für so etwas hatte der Vampir kaum Augen, das einzige, was seine hellgrauen Augen immer wieder im Blickwinkel behielten, war die pulsierende Ader an dem langen, jungen Hals. Immer wieder hatten seine Ohren dem Herzschlag gelauscht, der sich mit einem Schlag beschleunigt hatte, als sich ihre Blicke trafen, wie sein Herz nervös gegen die Brust schlug als er ihn- im Trancezustand- zu sich nach Hause gebracht hatte, um ihm dort genügend Blut zu entnehmen, dass er sich gestärkt fühlte und dennoch der junge Mann genügend Kraft in den Beinen hatte, um wieder nach Hause zu finden. Morgen würde er alles vergessen haben, er würde sich einfach nicht mehr daran erinnern, dass Fremder ihn angesprochen, umgarnt und zu sich nach Hause gebracht hatte, dass er seine messerscharfen Zähne in sein zartes Fleisch gebohrt hatte, nur um von seinem Blut zu kosten. Nicht einmal sein Gesicht würde ihm jemals wieder bekannt vorkommen, sollten sie sich eines Tages wiedersehen. Charles hatte das Trinken von Blut nie sonderlich persönlich genommen, auch wenn eine gewisse Intimität nicht zu vermeiden war, auch wenn er so distanziert wie möglich mit all den Menschen umging, besonders jetzt, wo er mit Julian zusammen gewesen war.
Er hatte den Mann noch freundlich zur Tür geleitet, hatte ihm kurz gesagt wo er hingehen sollte, auch wenn er das Gefühl hatte, dass er die Hälfte schlicht und ergreifend nicht mitbekommen hatte….sollte er länger vor seiner Haustür herumlungern, würde er ihn wohl persönlich bis zur nächsten Bahn geleiten.
Der Vampir hatte sich gut gefühlt, er konnte sehen wie das Blut seine Haut rosig färbte, wie er eine angenehme Wärme ausstrahlte. Am liebsten hätte er Julian gezeigt, dass auch er so angenehm warm sein konnte wie die Huldra es war, doch dafür müsste er in unmittelbarer Nähe sein.
Er merkte, wie seine Gedanken sich abermals um den Gelockten drehten, beinahe so, als ob all seine Aktionen und alles, was er tat, irgendwie von ihm abhängig war, als ob er ohne seine Anwesenheit gar nicht in der Lage wäre zu existieren. Und während Charles über diese faszinierende Gestalt nachdachte, konnte er hören, wie sich Schritte seiner Türe näherten, ehe die Klingel glockenhell sein Haus erfüllte. War der Fremdling wirklich so verloren, dass er zurückgekehrt war? Mit schnellen Schritten stürmte er zur Tür heran, öffnete diese hastig, nur um überrascht die blonde Gestalt zu erblicken. „Julian…ich habe dich nicht erwartet, verzeih.“, er hatte sich zu ihm hinuntergebeugt, ihm zur Begrüßung einen zarten Kuss auf die Lippen gehaucht, trat anschließend einen Schritt zur Seite, sodass er eintreten konnte, ehe er sie schloss.
Es war ein wenig seltsam ihn nun zu sehen, Julian hatte ihn noch nie so erlebt und er wusste nicht ob es ihm unangenehm sein sollte oder ob er vielleicht die Tatsache akzeptieren musste, dass in Zukunft sie sich vielleicht öfter gegenübertreten würden, kurz nachdem der Ältere getrunken hatte.
Seine hellgrauen Augen, welche jedoch noch gehüllt in dunkleren Linsen waren, musterten den schmalen Körper unauffällig, ehe sein Blick besorgt auf dem Gesicht des anderen ruhte. Er wirkte so unruhig, regelrecht unglücklich und Charles konnte sich nicht ausmalen, was geschehen sein mochte, dass es sich so stark auf ihn und seinen Körper ausgewirkt hatte. Er beobachtete die großen Ohren, die sich nicht aufgeregt bewegten, wie sie es öfter taten, wenn sie sich sahen, oder seinen unruhigen Schweif, sodass sein eigenes Lächeln schnell zu bröckeln begann. „Nun…die Überraschung ist dir eindeutig gelungen…ich..ich hätte mich besser auf dich vorbereitet, wenn du Bescheid gegeben hättest. Ich…war aus und…“, seine Worte blieben ihm regelrecht in der Kehle stecken, als sein Freund weitersprach. Er hatte fast schon geahnt, dass so etwas geschehen war, immerhin hatte Charles den jungen Mann erst vor kurzem wieder gehen lassen, doch er hatte nicht erwartet, dass Julian so enttäuscht oder gar zornig darüber war.
„Verzeih, wenn es forsch klingt, doch wir hatten heute nicht vereinbart uns zu sehen, ich…hatte keinen Besuch erwartet und musste die Zeit nutzen um mich, nun ja, zu ernähren. Ich..ich hatte ihm gesagt, wo er hingehen musste, nur schien er mir offenbar nicht zugehört zu haben. Hat- hat er mit dir gesprochen?“, etwas unwohl hatte der Dunkelhaarige einige Schritte auf den Jüngeren zubewegt, hielt jedoch bei den nächsten Worten ein wenig inne. Er schien wirklich unzufrieden zu sein. Charles fühlte sich unwohl, schlecht…vielleicht sogar ein wenig schuldig, dass er den anderen in solche ein Lage gebracht hatte. Vor allem jedoch machte sich eine leichte Verzweiflung in ihm breit. „Julian bitte, ich suche die Menschen nicht nach ihrem Aussehen aus, ich…ich hatte keine Hintergedanken bei ihm, er war…ich muss mich doch irgendwie ernähren. Das mit dir hat sich doch ganz anders entwickelt oder nicht?“, er wollte seine Hand nehmen, wollte ihn etwas näher an sich heranziehen, doch kaum wollten seine Hände ihn berühren, schien der Blonde sich bereits seinen Versuchen entzogen zu haben, wies ihn zurück, was dem Vampir wohl einen stärkeren Stich ins Herz versetzt als der Schmerz durch einen Pflock in seiner Brust.
„Ich muss doch irgendwie die Menschen davon überzeugen können, dass ich ihnen nichts Böses will…kein Mensch auf dieser Welt würde sich einfach von mir beißen lassen, das musst du doch verstehen, es ist…Jagdverhalten, nicht mehr. Ich fühle keine Zuneigung oder Ähnliches, Julian….ich bin immer so warm, wenn ich etwas getrunken habe, gefällt es dir nicht? Möchtest du…ist es dein Wunsch, dass ich es nicht mehr tue?“, seine Augen suchten verzweifelt nach den strahlend blauen seines Geliebten. Er hätte alles für ihn getan, nie wollte er ihn durch seine Aktionen, durch seine Art verletzen und….und vielleicht musste es ja wirklich nicht sein, er war alt, er war stark, es war doch ohnehin Luxus so oft vom Blut anderer zu kosten!
„Bitte sei mir nicht böse, ich…ich werde es nicht mehr tun, ich verspreche es dir. Ich will dir nicht wehtun, ich will doch schon gar nicht so sehen. Du…so kenne ich dich nicht und ich möchte nicht, dass du meinetwegen leidest, bitte verzeih, dass ich nicht darüber nachgedacht habe wie du dich dabei fühlst. Du bist mein Geliebter und der Einzige, der das Privileg genießen sollte verführt zu werden.“, erneut hatte sich Charles näher an den Kleineren getraut, diesmal froh darüber, dass er ihn nicht zurückgewiesen hatte.
Vorsichtig umfassten seine Finger das Kinn des anderen, blickte ihm entschlossen in die Augen. „Ab heute verspreche ich dir, dass keine fremden Menschen mehr in mein Haus kommen…abgesehen von Technikern und Gärtnern und- abgesehen von meinen Angestellten und diese würde ich niemals anrühren. Ich bin ein alter Mann, ich kann das Sonnenlicht ertragen, also werde ich hierfür ebenfalls eine gute Lösung finden!“, seine Lippen formten ein schmales Lächeln, ehe sie sich auf den weichen Mund des Jüngeren legten, ihn dabei näher an sich herandrückend. „Du…du musst dich nur heute ein wenig damit abfinden, dass ich wärmer als sonst bin.“

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BeitragThema: Re: Deep in the middle of me I can be fantasy   Do Aug 20, 2015 10:28 pm

Ein kleiner Teil in Julian rebellierte und schien sich zu Wort melden zu wollen, eine schwache Stimme der Vernunft, doch die Eifersucht und der Unwille in dem schmalen Körper hatten das Stimmchen schnell erstickt wie eine schwache Flamme. Er wollte nicht auf die Vernunft hören, die ihm sagte, dass Charles vermutlich schon irgendwie essen musste. Aber musste er sich denn wirklich so ernähren und so jagen, wie er es momentan tat? So, wie der Vampir das sagte, schien er es ja absichtlich vor ihm verbergen zu wollen. Wozu diese Geheimniskrämerei, wenn es nicht auch einen guten Grund zum Unbehagen gab?! Julian konnte in den grauen Augen lesen, wie bestürzt Charles war, dass er ihn zurückgewiesen hatte und sich nicht von ihm anfassen lassen wollte. Irgendwie fühlte es sich für einen kurzen Moment sogar gut an und Julian war selbst erschrocken, dass er so fühlen konnte.
„Ich wusste nicht, dass ich nur herkommen darf, wenn du mich eingeladen hast, ich dachte, darüber sind wir irgendwie hinaus“, entgegnete die Huldra und konnte die Verletztheit in seiner Stimme nicht verstecken. Die blauen Augen blitzten den Vampir beinahe herausfordernd an. So, wie er jetzt reagierte, wirkte es, als wäre er ein Kind, das man dabei erwischt hatte, wie es Süßigkeiten gestohlen hatte. Der Blondschopf verschränkte die Arme vor der Brust und versuchte, seine verkrampfte Haltung zu lockern, was ihm nur mäßig gut gelang. Die langen Ohren hoben sich ein Stück an, senkten sich aber abrupt wieder, als Charles den jungen Mann erwähnte, dem er auf der Straße begegnet war.
„Ja, er wollte wissen, wie er zur U-Bahn kommt. Ist das nicht gefährlich, ihn so hier herumlaufen zu lassen, direkt bei deinem Anwesen?“
An diesem Punkt suchte er förmlich nach Gründen, um sauer auf den Vampir zu sein. Er war alt genug, dass er es vermutlich besser wusste, hatte schon so oft gejagt, dass das alles mittlerweile pure Routine sein musste, doch Julian wollte wütend sein, er wollte etwas finden, was ihn davon abhielt, dem Größeren direkt wieder zu verzeihen, denn das wollte er einfach noch nicht. Und wenn er sich den Blick des anderen so ansah, dann hatte er das auch geschafft. Die hellen Augen hatten sich zu Schlitzen verzogen bei den nächsten Worten und die Huldra stieß ein leichtes Fauchen aus.
„Ich weiß zu mindestens noch, wie du mich verführt hast und ich gehe davon aus, dass du alle deine Opfer so behandelst. Immerhin hast du von mir erst abgelassen, als du mich schon gebissen hattest, also dürfte doch bis zu dem Punkt alles normal verlaufen sein, ja?“
Angetrieben von neuer Wut und dem Wissen, dass er mit seiner Anschuldigung nicht ganz falsch liegen konnte, hatte er einen bestimmten Schritt zurück getan, als Charles sich nach ihm ausstreckte. So einfach wollte er es ihm nicht machen, denn Julian ahnte, dass er nur weich werden würde, wenn Charles ihn jetzt in seinen Arm zog. Für einen kurzen Moment bleckte er die Zähne, sah dann aber eilig zur Seite und verbarg sein Gesicht und die tierische Wildheit, die für einen Moment darin aufgeflammt war.
„Es gibt doch bestimmt andere Mittel und Wege. Jagdverhalten hin oder her, was, wenn du mal wen findest, den du genauso magst wie mich? Dann wäre der erste Schritt schon mal getan, oder nicht?“
Julian merkte, wie seine Stimme langsam bröckelte und unter seinem Zorn die pure Verzweiflung hervortrat. Sie waren immerhin noch nicht so lange zusammen, dass er Charles nicht wohlmöglich doch noch an jemand anderen verlieren könnte, Liebesbekundungen hin oder her. Das Leben eines Vampirs war lang und vielleicht war er ja doch nur eine kurze Episode, ein spannendes Abenteuer, bis der Vampir sich von appetitlicherem Blut verführen ließ. Solche Gedanken sprudelten mit boshafter Schwärze nur so aus seinem verwirrten Schädel hervor, sodass er sich gierig und krampfhaft auf Charles´ Vorschlag stürzte.
„Es geht doch sicherlich, oder nicht? Dass du niemanden mehr….jagst. Bis vor kurzem wusstest du doch auch nicht, dass Sonnenlicht kein Problem ist, vielleicht ist es hierbei ja ähnlich!“, sprudelte es mit neuer Energie aus der Huldra hinaus. Anscheinend hatte seine Verstimmtheit Charles härter als erwartet getroffen, denn der Vampir schien eifrig darum bemüht, ihn wieder für sich zu gewinnen. Leise nagte ein schlechtes Gewissen an Julians Unterbewusstsein, doch er scheuchte es eilig davon und nickte eifrig. Vermutlich war es unfair gewesen, an Charles zu zweifeln, so sehr, wie er jetzt um Schlichtung bemüht war. Es war seltsam, den sonst so gefassten Vampir so zu erleben, denn ehrlich gesagt war es Julian unwahrscheinlich vorgekommen, dass irgendetwas diesen Mann so sehr aus der Bahn werfen konnte und nun schien er selbst sein wunder Punkt zu sein?
„Irgendwann mussten wir uns wohl oder übel darüber streiten, wir konnten der Sache doch nicht ewig aus dem Weg gehen“, gab die Huldra etwas kleinlaut zu und seine Züge wurden wieder etwas weicher, seine Körpersprache entspannter. Charles schien die Zeichen gedeutet zu haben und wagte es erneut, ihm näher zu kommen und dieses Mal brachte Julian es nicht über sich, ihn wieder abzuweisen. Es war wohl gut, dass er vorher standhaft geblieben war, denn jetzt, wo ihm der Vampir wieder so nah war, spürte er, wie der Ärger langsam von ihm abfiel. Mit einem warmen Blick ließ er zu, dass der Vampir ihn und sich mit einem sanften Kuss beruhigte und schloss für einen Moment die Augen. Sein Herz klopfte immer noch schnell vor Aufregung, die ein Streit so mit sich brachte, doch die Nähe des Größeren war jetzt, da alles geklärt schien, wieder wie Balsam auf seine Seele zu wirken. Nicht einmal die ungewohnte Wärme, die er ausstrahlte, kam Julian jetzt noch störend vor, nur anders. Schnell schlang der Lockenkopf seine Arme um den Größeren und drückte sein Gesicht an die harte Brust. Es hatte tatsächlich etwas Angenehmes, seinen Freund so warm zu spüren und obwohl Julian immer noch keinen Herzschlag hören konnte, machte es den Vampir irgendwie lebensechter, ja….menschlicher.
„Ich denke, damit kann ich mich für heute arrangieren“, murmelte er versöhnlich und hob den Kopf etwas an, den Älteren von unten herauf anblinzelnd. Hoffentlich reichte sein warmes Lächeln aus, um ihm klar zu machen, dass er nicht mehr böse auf ihn war und er sich nicht mehr schuldig zu fühlen brauchte.
„Ich bin eigentlich hergekommen, um dir ein paar Skizzen zu zeigen!“, stieß er eifrig aus, als wäre nichts vorgefallen und löste sich von dem Vampir, um seine Tasche vom Boden aufzuklauben. Mittlerweile kannte er sich gut genug im Anwesen des Älteren aus, dass er geradewegs in das riesige Wohnzimmer vorging und darauf wartete, dass Charles auf dem Sofa Platz nahm. Mit einem verschmitzten, versöhnlichen Lächeln hockte die Huldra sich schließlich rittlings auf Charles´ Beine und hielt ihm das Skizzenbuch hin, sich schließlich wieder eng an den Vampir anschmiegend, sodass Charles über ihn hinweg die Skizzen begutachten konnte. Julian rutschte noch ein wenig in seinem Schoß hin und her, bis er endlich eine angenehme Position gefunden hatte und die weichen Locken unter das Kinn des Größeren drückte und seine Kommentare erwartete.
„Ich glaub ich weiß schon, welche dir am besten gefallen könnten, ich wollte ein neues Gemälde für dich malen und das sind schon mal ein paar Kompositionsskizzen.“

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