Danger Danger

High Voltage
 
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 We move lightly

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Mrs Lovett
Admin


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BeitragThema: We move lightly   So Dez 01, 2013 7:59 pm

Es war spät, als die High Heels achtlos in eine Ecke ihres Schlafzimmers geworfen worden waren und Grayce sich müde aufs Bett fallen ließ. So gerne sie ihren neuen Job auch mochte, immerhin hatte er damit zu tun, wo sie sich am besten auskannte, hätte sie nie gedacht, dass das Herumstehen so anstrengend werden könnte- sie war keine Frau, die sich schnell beschwerte und nichts ertrug, sie wusste, dass sie sich einigen Schmerz selbst zuzuschreiben hatte, doch erschien der Tag heute besonders langsam vergehen zu wollen, sodass sie gar nicht mehr irgendwas anderes tun wollte als in ihre Dusche zu springen und in ihren bequemeren Sachen und dem aufgewärmten Abendessen von gestern auf die Couch zu springen und ein wenig fernzusehen. Manchmal beneidete die Blondine all die anderen, die beschlossen hatten aufs College zu gehen, immerhin konnten sie es sich noch oft genug erlauben, einfach auf irgendwelche College- Partys zu gehen. Grayce hingegen wusste gar nicht mehr so genau, ob genügend Geld für übermäßiges Feiern noch reichen würde, nicht dass sie bereits eine Frau in den Dreißigern war, die sich nicht mehr aus dem Haus bewegte und versuchte jeden Penny zu sparen, eigentlich war sie doch erst vor gar nicht langer Zeit in ihre eigene, kuschelige Wohnung gezogen und überließ ihrem kleinen Bruder das größere Zimmer, und dennoch merkte sie jetzt bereits wie schwierig es manchmal sein konnte mit all den furchtbaren Umkosten, die jeder Mensch, der versuchte ein eigenes Leben zu führen, zahlen musste. Sie brauchte dringend einen zweiten Job, wenigstens um sich öfter erlauben zu können das junge Leben zu genießen, dass sie da draußen erwartete. Mit neunzehn war es nicht einmal zu viel verlangt, mit neunzehn fing doch erst alles Spannende an! Doch heute müsste der Spaß leider warten, nicht nur, dass ihr Gehalt erst in einer Woche kommen würde, auch die Beine schmerzten viel zu sehr, dass allein der Anblick ihrer beachtlich hohen Sammlung an hohen Schuhen, sie verkrampfen ließ! Abermals stieß der Lockenkopf ein Seufzen aus, strich sich einige Strähnen aus dem Gesicht, ehe der schlanke Körper sich langsam wieder vom Bett erhob, mit langsamen Schritten zum Badezimmer tapsend. Es war gerademal Dienstag und ihr sonniges Gemüt sehnte sich bereits jetzt nach dem Wochenende, wo sie endlich ihre Freunde wiedersehen würde, wo sie daheim vorbeischauen würde, immerhin lebten ihre Alten nicht allzu weit weg und sie hätte es niemals über das Herz bringen können, sie zu verlassen, auch wenn der große Traum von Kalifornien und Hollywood immer noch im jungen Kopf herumschwirrte, alleine deswegen konnte sie ihr Geld nicht durch die Gegend schmeißen, würde sie doch ein Startkapital brauchen, sollte sie eines Tages wirklich nach Westen auswandern und ihr Glück in Los Angeles versuchen. Noch war es nicht zu spät, zumindest sagte sie es sich immer wieder, noch standen ihr viele Türen offen, sie musste nur die Richtige öffnen. Doch noch genoss Grayce die Zeit hier, ihre Familie, ihren Job und ihre Freunde, die auch irgendwie zu ihrer Familie gehörten und ihr den einen oder anderen Tag versüßten.
Prüfend tasteten ihre Finger nach dem heißen Wasser, zog sich beiläufig die Kleidung aus, ehe der nackte Leib unter die Dusche sprang, einen Moment lang damit verbrachte, das Wasser so zu regulieren, dass es angenehm war und sie sich gleich wohler und entspannter fühlte. Genüsslich schloss Grayce ihre haselnussbraunen Augen, ließ das heiße Wasser auf sie hinunter perlen, das ihre Haare wieder glättete, lang über ihre Schultern ausbreiten ließ. Wenn die Locken nicht wären, hätte sie wahrscheinlich längere Haare, als es den meisten bewusst war, doch es wäre eine Schande gewesen, diese schönen Löckchen gegen so etwas auszutauschen- es war erstaunlich, wie viele Menschen so vieles an sich bemängelten, sich von Kopf bis Fuß furchtbar fanden, immerhin hatte kein Körper dieser Welt solche Dinge verdient. Nicht einmal ihrer war perfekt und das wollte sie gar nicht erst sein, sie mochte ihre kleinen Fehler, dämliche Narben aus ihrer Jugend und auch wenn die Blonde gerne hier und da mogelte, so mogelte sie nur für sich, bewusst und tat nicht so, als wäre alles natürlich an ihr. Nicht einmal ihre Haare waren wirklich so goldig blond, wie sie im Moment strahlten, sie war leider nicht so ein schönes Sonnenschein wie ihr Bruder Julie es war, den sie immer noch beneidete für die schönen Haare und die niedlichen Sommersprossen, nein, sie machte sich zu einem Sonnenschein und zu einem verdammt hübschen noch dazu!
Grayce hätte wahrscheinlich Stunden in der kleinen Kabine verbringen können, es war so entspannend einen Moment lang nicht über die Sorgen da draußen zu denken, alles zu vergessen, was sonst im wilden Kopf der Kleinen herumschwirrte und einfach nichts zu tun, doch langsam schien ihr Magen es nicht gutzuheißen, dass der restliche Körper allzu viel Zeit vertrödelte. Verärgert blickte die Gelockte auf ihren Bauch, der weiterhin ungesunde und sterbende Geräusche von sich gab, der sogar den Krach des auf dem Boden aufklatschenden Wassers übertönte, das jedoch wenige Augenblicke später erstarbt und sie sich langsam hinausstieg, sich schnell in ein Handtuch wickelnd. Man konnte sich wohl nicht lange vor seinen Grundbedürfnissen drücken und je länger sie die Zeit vertrödelte, desto später würde sie in ihr kuscheliges, großes Bett fallen können und morgen wäre wahrscheinlich der Tag noch langwieriger und schrecklich anstrengend und dabei fühlte Grayce sich bereits jetzt so furchtbar träge. Wenn im eigenen Zuhause eine stetige Ruhe herrschte, konnte man schnell müde werden oder sich sogar noch schneller langweilen, Besuch hatte sie schon lange nicht mehr hier, einen Kerl schon gar nicht, diese konnten ihr ausnahmsweise mal gestohlen bleiben, immerhin hatte ihr fröhliches Gemüt weniger fröhliche Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht gemacht. Angefangen in der High School bis zum heutigen Tage waren alle Typen, mit denen sie im Bett war oder wenigstens versuchte eine Beziehung zu führen, nichts als der pure Reinfall, dass man sich irgendwann nur noch auf ein paar schnelle Nummern beschränkte, nicht selten war sie Hals über Kopf aus einer Wohnung eines Fremden geflohen, sodass nur noch die Abdrücke ihres roten Lippenstiftes auf den Laken und dem anderen Körper an ihre einstige Gegenwart erinnerte, vielleicht auch hier und da eine ihrer Locken, die sie während des Herumwälzens verloren hatte. Langsam langweilte sie jedoch sogar der bedeutungslose Sex, die Blondine mochte vielleicht nicht einmal zwanzig gewesen sein und dennoch kam sie sich zumindest in dieser Hinsicht viel älter vor. Das Rumgehure hatte ihr vielleicht doch nicht allzu gut getan, doch nun war damit Schluss, wie jede anständige junge Frau hatte sich Grayce damit abgefunden, für eine unbestimmte Zeit lang nichts mehr mit dem anderen Geschlecht zu tun zu haben, sie wollte nicht einmal eine Beziehung und ihre Liebe galt mittlerweile nur einem einzigen Mann im Hause, den sie sich vor wenigen Monaten erst angeschafft hatte. Leopold war ihr weißer, flauschiger Kater, ein noch junges und wildes Ding und dennoch so gut auf sie angepasst, dass sie nicht anders konnte, als dieses Tier bedingungslos zu lieben, selbst Julie mochte ihr neues Haustier und das war auch gut so, immerhin wäre es ein Jammer gewesen, wären beide keine sonderlich guten Freunde geworden. A propos, wo war das Tier eigentlich?
Gedankenverloren schlenderten die langen Beine langsam aus dem warmen Badezimmer heraus, hinein in ihr leicht erleuchtetes Schlafzimmer, summend aus dem Kleiderschrank ihre Klamotten herausholend. Sie fühlte sich nicht einmal schlecht, als sie eine alte Jogginghose und eine ebenso altes Shirt, das wahrscheinlich irgendeinem ihrer Ex- Freunde einst gehört hatte, anzog, sich kurz durch die Haare wuschelnd, ehe das Handtuch am Rande ihres Bettes landete. Kaum hatten ihre langen Finger die Bürste auf ihrem Kosmetiktisch anfassen wollen, hielt die Blondine einen Moment lang inne, skeptisch ihre Schlafzimmertür betrachtend. Es roch seltsam. Nicht, dass nicht oft genug seltsame Gerüche von der Straße aus durch geöffnete Fenster zur Wohnung drangen oder aus dem Hausflur, weil irgendeine Familie oder ein Bewohner etwas beim Kochen angebrannt hatte oder anderen Experimenten nachgegangen wäre, doch roch es diesmal viel intensiver und binnen weniger Sekunden wurde es immer unangenehmer und schrecklicher. Es brannte, nur wo brannte es? Eine Mischung aus Neugier und einem furchtbar flauem Gefühl im Magen machte sich allmählich breit, für einen Moment traute Grayce sich nicht die Tür zu öffnen, doch wurde der Geruch immer unangenehmer, sodass sie ihren Mut zusammennahm und hastig die Tür aufriss und es direkt bereute. Weißer Rauch kam ihr entgegen, dass ihre Augen tränten und je näher sie auf die Haustüre zukam, desto stärker wurde der Rauch, sodass sie unweigerlich husten musste, füllte ihre Luftröhre, hinterließ einen furchtbaren Nachgeschmack, sodass ihr schlecht wurde. Sie traute sich gar nicht ihre Augen zu öffnen oder gar ihren Kopf zu heben, ihr war bewusst, dass etwas in ihrer Wohnung Feuer gefangen hatte, nur was? Sie war doch gar nicht lange hier gewesen, sie hatte nicht einmal eine Zigarette angesteckt gehabt, hatte die Herdplatte nicht angemacht oder irgendwo eine Kerze brennen gelassen, also was zum Teufel konnte es nur sein?
Sie spürte die Hitze auf den nackten Stellen ihrer Haut, sah übergreifende Flammen nicht weit von ihr, die aus der Küche strömten und ihr den Weg bis zur Türe versperrten. „Verdammt!“, zischte die Blondine wütend. Wie sollte sie jetzt hier rauskommen, der einzige Weg aus dieser Flammenhölle wurde von ebendieser versperrt, sie war im dritten Stock, verdammt, sie war alleine und das verdammte Telefon musste sich natürlich auch in der Küche befinden!
Mittlerweile hörte sie das schrille Piepsen eines Feuermelders in ihrer Wohnung, der ihr das Denken noch erschwerte. Geduckt machte Grayce kehrt, versuchte so wenig wie möglich vom Rauch einzuatmen und dennoch füllten sich ihre Lungen mit diesem, ließen sie jedes Mal hustend innehalten. Sie musste hier raus, ganz dringend, sonst würde ihr schöner, junger Körper bald aussehen wie knusprige Pekingente und so zu sterben war wohl das Letzte, was die Gelockte jetzt wirklich wollte!
Kaum hatten ihre Beine das Wohnzimmerfenster erreicht, wurde ihr mit einem erschrockenen Laut bewusst, dass sie nicht einfach so durchs Fenster steigen konnte, besonders nicht, wenn Leopold noch irgendwo hier war! Nein, sie würde ihren Kater nicht hier alleine lassen, es sei denn, er war...nein, daran durfte sie nicht denken!
„Leopold!?“, krächzte ihre Stimme, mit tränenden Augen nach dem weißen Kater suchend, erleichtert aufatmend, als sie ihn zwischen ihrem Sessel und der Couch vorbeihuschen sah. „Leopold, bleib da!“, rief sie ihm entgegen, eilte zu der Katze hin um ihn auf die Arme zu nehmen, war jedoch zu langsam. Leise fluchend folgte sie dem störrischen Tier, hatte kaum Augen auf etwas anderes, sodass es natürlich dazu kommen musste, dass sie über den kleinen Wohnzimmerteppich stolperte und ihr Knöchel umknickte, sodass die Blonde plump zu Boden fiel. Schmerz durchzog ihr Bein, sie fühlte sich grauenvoll, doch wenigstens konnte sie dort unten besser atmen, dort, wo der Rauch sie nicht so schnell erreichen konnte. „Leopold, du dummer Kater!“, presste sie zornig zwischen ihrem Husten hervor, verzweifelt auf den Boden schlagend, ihren Blick leidend zum Bein schweifen lassend. Sie konnte wohl kaum hier weiter so liegen bleiben, das Feuer kam immer näher und sie konnte nicht einmal wissen ob die Feuerwehr kommen würde und wenn, ob es nicht vielleicht zu spät wäre, ob ihr Kater dann nicht schon frittiert und sie gleich dazu verkohlt hier liegen bleiben würde. Ach, warum war dieser Tag nur so anstrengend, warum war das passiert und warum passierte es ausgerechnet auch noch ihr? Grayce war doch erst neunzehn!

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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: We move lightly   So Dez 01, 2013 8:00 pm

Es war aufregend hier in der Stadt, es war kaum zu vergleichen mit dem kleinen Ort, aus dem er kam. Auch, wenn der gar nicht mal so klein war. Aber gegen Miami wirkte er winzig. Noch immer wirkte alles so aufregend und spannend, dabei lebte er doch jetzt schon fast ein Jahr hier, nein, mehr sogar! Wie die Zeit verflog, wenn man sie mit etwas verbrachte, das einem gefiel. Lange Zeit hatte Gordon irgendwie gar nicht gewusst, was er machen sollte, hatte mit dem Gedanken gespielt, einfach an dem Arbeitsplatz seines Vaters anzufangen, aber das wäre irgendwie nichts für ihn gewesen. So klischeehaft es auch klang, aber irgendwie hatte er immer Feuerwehrmann werden wollen, und er war in der körperlichen Verfassung, um einer zu werden. Er hatte immer viel Sport getrieben, irgendwie lag das bei ihm in der Familie. Seine Familie, ja, das war wohl das größte Problem von allen, denn er vermisste sie alle schrecklich, selbst seinen nervigen kleineren Bruder Humphrey, der immer der Schulrowdie gewesen war. Er vermisste seinen Vater und seinen kleinsten Bruder, der irgendwie gar nicht mehr so klein war, jedenfalls war er das das letzte Mal nicht gewesen, als sie sich gesehen hatten. Naja, die waren beide im Wachstum, wenn er Pech hatte, würden sie ihn bald überragen, auch, wenn das mit seinen 1, 96m wohl nicht so schnell passieren würde. Am meisten vermisste er ja beinahe schon seine Mutter, und sie war auch immer am traurigsten, wenn er nach einem Besuch bei ihnen wieder fahren musste. Bald war er wieder da, er war gespannt, was in der Zwischenzeit alles so vorgefallen war. Anfangs hatten sie noch fast jeden Abend telefoniert, aber es war bald weniger geworden, immerhin wollte Gordon abends raus, er wollte etwas erleben, Miami sehen und mit den anderen von der Arbeit einen trinken gehen und sich vielleicht ein nettes Mädel aufreißen. Es war ein etwas unsicheres Leben, oft hockte er stundenlang auf der Wache und wusste nicht, ob es sich lohnte für eine Weile zu schlafen, denn meistens ging der Alarm immer genau dann los, wenn er gerade eingeschlummert war. Manchmal waren es langweilige Einsätze, eine Tür aufbrechen, eine Ölspur beseitigen, aber manchmal war es auch ein spektakuläres Feuer, und viel zu oft waren es leider Autounfälle und ähnlich unschöne Dinge, die ihm einen Knoten in den Magen machten und ihn hoffen ließen, dass es ihm nie so erging. In den Anfangsmonaten hatte er oft schlaflose Nächte gehabt, und dass es seinen neuen Kollegen genauso ging war kein großer Trost, aber mittlerweile hatte er sich schon genug eingelebt, dass ihm nicht jedes schwere Schicksal gleich zu einem psychischen Wrack machte. Er war sich nur umso sicherer geworden, dass er seinen Job wirklich liebte.
Auch, wenn er sich dieser Liebe nicht so sicher war, wenn ihn das schrille Piepsen der Meldeanlage mal wieder aus einem kurzen Schlaf riss. Mittlerweile war sein Schlaf nicht mehr besonders tief, sodass ihn eigentlich alles aufweckte – nicht, dass man für den hohen, nervenzerreißenden Ton einen leichten Schlaf brauchte. Es war schon Routine, wie er aus dem Bett sprang, ohne einen Kreislaufkollaps zu bekommen, und an der klischeehaften, aber existierenden Stange in das untere Stockwerk rutschte. Alle Handgriffe waren schon perfekt eingeübt, er hätte sie vermutlich sogar ausführen können, ohne dafür wachzuwerden. Neben ihm gingen seine Kameraden der gleichen Routine nach. Über das meiste konnten sie sich mittlerweile stumm verständigen, und so sprach keiner von ihnen wirklich ein Wort, bis sie im Wagen saßen und eine kleine Kolonne von vier Autos ihrem Ziel entgegenrauschte. Der Funk klärte sie darüber auf, dass es sich um einen Wohnungsbrand handelte, möglicherweise mit eingeschlossenen Personen. Das hieß schnell handeln! Gordon konnte sehen, wie der Fahrer noch etwas mehr aufs Gaspedal drückte und über eine rote Ampel rauschte. Gerade bei diesen kleinen Wohnungen in Mietshäusern, wo Apartment an Apartment lag, konnte so ein Brand schnell übergreifen. Das laute Johlen der Sirenen drang schon lange nicht mehr wirklich in den Gehörgang des Dunkelhaarigen vor, dafür war es ihm viel zu sehr in Fleisch und Blut übergegangen. Während der Fahrt mussten er und einige andere sich bereits mit schwerem Atemschutzgerät ausrüsten. Die Teams waren klar verteilt, und sie waren es, die in diese lodernde Hölle vordingen mussten, um dort nach Überlebenden zu suchen. Es war wohl mit der gefährlichste Job, denn einige Meter entfernt, hinter einem großen Wasserschlauch war man ganz bestimmt sicherer. Aber immerhin wirkte man so auch immer ein bisschen mehr wie der Held der ganzen Geschichte.
Mit quietschenden Reifen hielt das Feuerwehrauto mittig auf der bereits abgesperrten Straße, und Gordon sprang mit einem Satz aus dem Wagen. Es war nicht die Zeit um zu trödeln, aber dennoch mussten sie einige Minuten opfern, um sich die Anweisungen ihres Teamleiters anzuhören, die möglicherweise überlebenswichtig waren. Reingehen und nachsehen, ob die Besitzerin der brennenden Wohnung noch vor Ort war. Viel mehr konnte er selbst nicht verstehen, denn das Atemschutzgerät umschloss fast seinen ganzen Kopf, vom Helm einmal abgesehen. Mit der Axt bewaffnet drangen sie mit fünf Leuten ins Treppenhaus vor. Bereits hier drang ihnen der Qualm entgegen. Das Feuer hatte sich vermutlich schon mehr ausgebreitet, als sie gehofft hatten, weshalb sie sich recht schnell neu formierten, um alle Wohnungen auf diesem Stockwerk durchsuchen zu können. Gordon bekam die dankbare Aufgabe, den Flammenherd zu untersuchen. Die Tür war natürlich verschlossen und mit bloßen Händen nicht zu öffnen, was auch der Hitze zu verschulden war, die das Metall des Türknaufs ins Unermessliche aufgeheizt hatte. Mit einem schweren Seufzen zog Gordon die Axt vom Gürtel. Es tat ihm irgendwie immer ein wenig leid, einfach so die Haustüren anderer Leute einzuschlagen, aber er wusste ja auch, dass so eine Haustür einfacher zu ersetzen war als ein menschliches Leben. Das Holz splitterte knackend, als die Axt hindurch schlug, und im nächsten Moment drückte der Feuerwehrmann mit seiner Schultern gegen das Holz, das nun kein Hindernis mehr darstellte. Mit einem lauten Geräusch gab die ür nach und öffnete sich nach innen, und der Hüne stolperte mit einem unterdrückten Fluch in die brennende Wohnung. Hier war bereits alles voller Qualm, und aus der Küche drang der rote Schein eines Feuers durch die Wohnung. Durch das winzige Visier seines Helmes sah er leider viel zu wenig, sodass er sich auf Rufen beschränkte.
„Ist hier noch jemand? Bitte machen Sie sich bemerkbar!“, schrie er in den die verqualmte Hölle hinein, während seine Augen fieberhaft den Boden absuchten, jede noch so kleine Ecke, in der sich jemand verstecken könnte. Die Katze kam ihm zuerst entgegen gerannt, aber sein Kamerad war schneller und krallte das weiße Tier mit fester Hand im Nacken. Natürlich war die Katze panisch und grub ihre Krallen in jeden Zentimeter Arm oder Schulter, den sie finden konnte, aber zum Glück schützte der dicke, feuerfeste Stoff der Jacke auch gegen giftige Hauskatzen. Dennoch wagte sein Kumpel den Rückzug, Tiere zu retten war immerhin auch voll und ganz ihr Aufgabengebiet. Jetzt hatte jedoch etwas ganz anderes Gordons Aufmerksamkeit erhascht, ein dunkler Schemen am Boden, und Gordon brauchte nicht lange, um zu erkennen, dass es sich nicht um ein umgeworfenes Möbelstück handelte. Außerdem konnte er die Frau schwach rufen hören, was bei dem Prasseln der Flammen beinahe untergegangen wäre. Eilig rannte Gordon zu der Person hinüber, sie schien verletzt zu sein, warum sollte sie sonst noch hier liegen?
„Ist alles in Ordnung, bist du verletzt?“, fragte er eilig, wenn auch seltsam verzerrt durch den Filter seiner Atemmaske. Automatisch hatte er die Fremde gedutzt, aber sie schien auch jünger zu sein als er, vielleicht gerade aus dem Teenageralter heraus, erste eigene Wohnung – das müsste in ungefähr passen. Natürlich hatte sie bereits etwas an Rauch verschluckt, und Gordon hatte gar keine Zeit, sich jetzt detailiert ihr Krankenblatt durchzulesen, sondern raffte den zierlichen Körper kurzerhand auf seine Arme. Sie schien beinahe nichts zu wiegen, und es war Zeit hier rauszukommen, weshalb er sich erst einmal keine Zeit nahm sich vorzustellen.
„Bitte gut festhalten, Süße!“, erklärte er ihr nur, bevor er hastig aus der Wohnung rannte. Die anderen Feuerwehrmänner schienen nichts gefunden zu haben, also waren alle restlichen Bewohner rechtzeitig geflohen. Der Brandherd schien sowieso in der Wohnung der jungen Blondine gelegen zu haben, also machte das wohl Sinn. Gordon war froh, die Hitze hinter sich zu lassen, er musste schrecklich aussehen, ganz rußverschmiert, und die kühle Luft draußen empfing ihn wie ein Kühlschrank. Ohne noch weiter nachzudenken trug er den jungen Lockenschopf zu einem der bereitstehenden Krankenwagen in der Nähe. Sofort eilten ihm zwei Sanitäter entgegen, aber der Dunkelhaarige nahm sich wenigstens noch die Zeit, die junge Frau selbst auf den Rand des Krankenwagens zu setzen, wo er etwas besorgt neben ihr stehen blieb. Die störende Atemmaske und den beengenden Helm zog er sich ohne weiteres vom Kopf, seine Arbeit hier war getan, im Hintergrund konnte er schon die Wasserwerfer hören. Jetzt war es auch einfach, seine Jungfrau in Nöten zu betrachten. Sie war verdammt hübsch, sodass Gordon sie am liebsten direkt wieder auf die Arme genommen hätte.
„Alles klar so weit? Mein Kollege hat deine Katze mit rausgenommen, also keine Sorge!“
Er wartete noch, bis die Sanitäter ihr eine Sauerstoffmaske gegeben und ihren Fuß verbunden hatten. Deshalb hatte sie also nicht laufen können, etwas war verstaucht gewesen, vermutlich aus lauter Panik passiert. Gordon blieb leicht in der Hocke vor ihr sitzen, die zwar etwas zerzauste, aber sonst gesunde Frau musternd.
„War mir eine Ehre dich zu retten“, grinste er.
„Dafür würde man doch glatt selbst ein Feuer legen“, gluckste er, dann jedoch wieder ernster werdend. Die Befragung jetzt war wichtig, vielleicht erinnerte sie sich an etwas Wichtiges, was die Feuerursache klären könnte.
„Mein Name ist übrigens Gordon, und deiner-?“
Geduldig wartete er ab, bis Grayce ihren Namen offenbarte. Er mochte den Klang.
„Hast du irgendeine Ahnung wie das passieren konnte?“

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BeitragThema: Re: We move lightly   So Dez 01, 2013 8:00 pm

Das war’s also. Sie wusste zwar, dass sie nicht allzu alt werden würde aber dass dies nun wirklich vielleicht ihre Todesursache sein sollte?! Es erschien ihr eher wie ein schlechter Scherz.
Grayce konnte ihre Hustenanfälle gar nicht mehr länger unterdrücken, ihre Lungen fühlten sich widerlich an, die Augen brannten und der Geschmack des Rauchs hatte sich unangenehm in ihrem Mund breit gemacht. Immer noch versuchte die Blondine aufzustehen, doch ihr Knöchel versagte immer wieder, sodass es sie erneut zu Boden trieb. Sie verfluchte diese verdammten Beine, nicht einmal auf High Heels hatten sie ihr jemals solche Probleme bereitet! Es war doch zum verzweifeln und Leopold war auch nicht mehr in Sichtweite. Sie hielt ihren jungen Kater zwar nicht für allzu dumm, dass er freiwillig dorthin gehen würde, wo die Flammen unberechenbar wucherten und alles verzehrten, was die Blonde sich mühselig erarbeitet und aufgebaut hatte, Sorge hatte sie jedoch trotzdem. Grayce hätte es fast schon aufgegeben auf irgendwelche Hilfe zu hoffen, etwas sagte ihr, dass es vielleicht länger dauern würde, dass es vielleicht sogar zu spät für sie werden würde, doch diesmal schien die sonst so perfekte weibliche Intuition sie verlassen zu haben oder irrte sich zumindest gewaltig, denn kaum hatte sie diesen pessimistischen Gedanken zu Ende gebracht, dröhnten schrille Sirenen aus dem halb geöffneten Fenster in die brennende Wohnung hinein, die immer lauter und lauter wurden, im nächsten Moment erklang ein weiterer Lärm, der sich anhörte, als würde irgendwas einbrechen. Wahrscheinlich ging irgendwas kaputt. Der Lockenkopf konnte nur hoffen, dass es nicht die Möbel war, die in sich zusammenbrach und vielleicht keinen Menschen mehr durch die Tür passieren ließ, sonst würde sie hier wirklich jämmerlich in ein Brathähnchen verwandelt werden!
Der ganze Rauch um sie herum bereitete ihr Schwindel du Übelkeit, vom ganzen Husten hatte sie sich bestimmt irgendwas aufgerissen, Grayce wollte nicht wissen wie ihre Stimme jetzt noch klang, traute sich auch gar nicht mehr den Mund unnötig zu öffnen. Stattdessen versuchte sie sich darauf zu konzentrieren nicht verrückt zu werden, immerhin brannte ihre Wohnung und sie war mittendrin! Sie konnte noch genügend Selbstdisziplin aus sich herausholen um nicht unnötige heiße Tränen zu vergießen oder gar wie eine Verrückte zu kreischen, auch wenn sie einfach nur aus einem anderen Grund heraus den Mund geschlossen hielt, nämlich um jeglichen zusätzlichen Rauch aus den Lungen zu verbannen…zumindest ein bisschen. Doch die Konzentration nahm langsam ab, sie spürte, wie ihr immer schwindeliger wurde, sie keine Minute länger in diesem Hochofen verbringen wollte und glaubte auch, dass es noch heißer hier drinnen geworden war als ohnehin schon. In ihrem Wahn und der ansteigenden Angst, jeden Moment einfach sterben zu müssen, hatten die Ohren der jungen Dame kaum die Männerstimme gehört, alles wirkte einfach unecht und viel weiter weg als es eigentlich war.
Erst als ihr bewusst wurde, dass die Stimme tatsächlich nicht von draußen stammt oder sie sich etwas einbildete und die Quelle sich irgendwo in der kleinen Wohnung befand, wandte sie hastig ihren Blick zum Flur zu, richtete sich so gut auf, wie sie nur konnte um die Gestalt sehen zu können. „Ich bin hier und…liege rum…“, krächzte die Stimme dem Fremden entgegen, selbst überrascht über ihre eigene Stimme, die plötzlich so anders klang. Wie viel hatte sie von dem Dreckszeug nur geschluckt und wie lange ihre Seele aus dem Leib gehustet? Selbst jetzt konnte sie ihren Reizhusten kaum zurückhalten, verfluchte dieses furchtbare Feuer und die Konsequenzen, die ihr armer Körper davon mit sich trug.
Auch wenn Grayce ganz sicher nicht laut gebrüllt hatte, konnte sie nicht einmal, selbst wenn sie es wirklich gewollt hätte und sie hatte es gewollt, schien man sie erhört zu haben, als ihre dunklen Augen endlich die Statur eines Feuerwehrmannes erkannten, ihn dankbar anblinzelnd. Sie konnte nicht einmal sagen wie der Mann aussah, versteckt hinter Helm und Maske sahen sie irgendwie immer alle gleich aus, doch wen interessierte auch das Aussehen, es war ihr unglaublich egal, wichtig war nur, dass er hier war, dass er hier war um ihr zu helfen und sie vor dem sicheren Tod zu bewahren. Die Blondine hatte es noch irgendwie geschafft ihren Retter schwach anzulächeln; als seine Stimme erneut erklang, verzog das Gesicht sich jedoch ein wenig. Grayce schielte zu ihrem Fuß, unzufrieden krächzend. „Hatte bessere Tage.“, entgegnete die Kleinere zwischen ihrem Husten.
Der Feuerwehrmann brauchte ihr nicht zweimal zu sagen, dass sie sich gut an ihm festhalten sollte, sie tat es auch ohne Anweisungen, so, als ob ihr Leben davon abhinge und irgendwie tat es das auch, ohne ihn wäre von ihr schließlich nichts als ein Haufen Asche übrig geblieben, das wusste sie und noch besser wusste es der uniformierte Mann! Ihre zarten Arme schlangen sich so fest um den Hals des Fremden wie es nur möglich war, während sie ihr Gesicht gegen seine Brust presste, aus Angst vor den Flammen, die ihnen beim Rausgehen entgegenschlugen. Sie wollte keine zusätzlichen Verbrennungen davon tragen oder auf einmal keine Augenbrauen mehr haben, das musste einfach nicht sein.
Erst als sie endlich draußen waren, wagte der Lockenkopf sich wieder aufzuschauen, atmete die frische Luft an, die ihnen entgegenschlug, so unglaublich kalt, dass es sie für einen klitzekleinen Moment fröstelte und sie sich über die Nähe des anderen Körpers besonders freute, auch wenn die Freude schnell schwand, als der Fremde sie zum Krankenwagen trug , sie dort anschließend absetzte. Schützend schlang sie ihre Arme um ihren schlanken Körper, zog die Schultern etwas enger zusammen, was den Sanitätern Zeichen genug war, ihr eine Decke um die Schultern zu legen, die sie mit den schlanken Fingern fest umfasste, während man an ihr herumwuselte. Sie bemerkte kaum etwas von den Dingen, die gerade vor sich gingen, noch wirkte sie erstaunlich ruhig, konnte kaum realisieren, was sich gerade vor ihren Augen abgespielt hatte. Bis zur endgültigen Realisation würde es wahrscheinlich jedoch nicht lange dauern, Grayce wollte es nur so lange wie möglich hinauszögern. Sie versuchte nach frischer Luft zu atmen, welche jedoch in einem Hustenanfall unterging, sodass sie sich lieber auf die Sanitäter konzentrierte, lediglich ein unzufriedenes Zischen ausstieß, als sie ihren verletzten Fußknöchel ausversehen streiften und sie wenige Sekunden später bereist dabei waren, ihn zu verbinden.
Oh Jesus, sie musste so unglaublich zerzaust aussehen, da hätte sie auch auf die blöde Dusche irgendwie verzichten können. Einige Kratzer zierten ihren Arme, Kratzer eines sich wehrenden und wegspringenden Katers, der sich einfach nicht einfangen lassen wollte. Dämlicher Leopold! Er konnte froh sein, das er so unglaublich süß und klein war, dass sie ihn alles durchgehen ließ, jedoch… „Leopold!“, stieß die Blonde erschrocken aus, panisch zum Feuerwehrmann starrend, der noch bei ihr geblieben war. Fast, als ob er gewusst hätte, wer gemeint war, beruhigte er die Kleinere schnell, sodass sie sich wieder entspannen konnte, wenn man das irgendwie entspannen nennen konnte. Ihr Kater war in Sicherheit, das war gut! Sie wäre wohlmöglich selbst wieder nochmal in die brennende Wohnung gehumpelt um ihren vierbeinigen Mitbewohner rauszuholen, konnte jedoch nicht leugnen, dass sie froh darüber war, es nicht tun zu müssen, nahm stattdessen dankend die Sauerstoffmaske an, die ihr etwas mehr Atemluft verschaffte und sie sich nicht mehr so unglaublich verraucht fühlte.
Grayce nahm sich wenigstens kurz die Zeit ihren Retter zu betrachten, jetzt, wo er endlich Helm und diese komische Maske abgenommen hatte. Hätte sie geahnt, dass er so gutaussehend war, hätte sie gar nicht erst von ihm abgelassen! Sie konnte ein breites Lächeln nicht verkneifen, betrachtete seine Augen ein wenig genauer, als er sich gegenüber von ihr hinhockte. Seine Worte waren irgendwie süß, sie mochte den Feuerwehrmann jetzt schon, sodass sie nicht einmal großartig darüber nachdachte, dass andere Menschen es ihm vielleicht übel genommen hätten, so früh bereits über einen Brand zu scherzen, immerhin war vieles von ihren Habseligkeiten verloren und würde sie wohl auch kaum ersetzt bekommen, doch auf der anderen Seite konnte sie nicht anders, als sich im klaren darüber sein, dass sie wahrscheinlich sogar einen Brand angezettelt hätte, damit dieser Mann sie wieder in seinen Armen hinaustragen konnte. Aber nein, solch einen Mist wollte der Lockenkopf ganz sicher nicht noch einmal erleben. Sie wollte gar nicht wissen wie viel Schaden dieses Feuer gemacht hatte!
„Danke…dass du mich gerettet hast, sonst wäre von mir jetzt wahrscheinlich nicht mehr viel übrig.“, entgegnete die Jüngere, schob dabei die Atemmaske davon, ohne noch lächerlicher auszusehen, während sie den Größeren ehrlich anlächelte. Oh, ihre Stimme! Sie klang doch wirklich wie ein sterbendes Huhn- hoffentlich dachte er nicht, dass sie immer so redete, wobei er so etwas doch bestimmt schon von anderen Leuten kannte, die er aus Häusern herausholte.
Die Kleinere fuhr sich über die lockigen Haare, sie waren noch ein wenig feucht und es war nichts mehr von dem Shampoo zu riechen. Sie hätte sich wirklich das Duschen sparen können! Aber es würde sie schon hoffentlich niemand verurteilen, dafür, dass sie so aussah, dass ihre Stimme so anders war, Herrgott sie trug eine Jogginghose und ein zu großes Oberteil, schlimmer konnte es sie ohnehin nicht treffen, doch schienen die Menschen eher besorgt um ihr Wohlergehen zu sein und wenn sie den Worten des Größeren Glauben schenken konnte, sah er nicht nur eine zerzauste junge Frau in einem lächerlichen Aufzug. Lieber konzentrierte sie sich also auf diesen Schönling und auf seine angenehme Stimme, die in ihren Ohren summte, so wie auch sein Name. Gordon also. Hach, Gordon, wie gerne sie ihn doch unter anderem Umständen kennengelernt hätte, irgendwo, wo sie sich von einer besseren und weniger zerbrechlichen und schwachen Art zeigen konnte, doch wenigstens konnte sie ihn doch nur noch positiv überraschen! Irgendwie zumindest. Im Moment war der arme Lockenkopf viel zu wirr um den jungen Mann zu überraschen oder sich von einer guten Seite zu zeigen, auch wenn sie gerne einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte. Wie konnte Gordon es nur schaffen, ihr so schnell weiche Knie zu verpassen?
„Freut mich, Gordon, ich bin Grayce.“, erwiderte sie leise, bei seinen nächsten Worten jedoch erstarrend, den Feuerwehrmann ratlos anblickend, ehe sie ein schweres Seufzen ausstieß. „Wenn ich wüsste, was passiert ist! Ich bin von der Arbeit gekommen und wollte nur duschen und fernsehen und…“, sie hielt einen Moment inne, eingeholt von einer weiteren Welle des Hustens, schnappte kurz nach Atemluft. „Als ich aus der Dusche war, roch es auf einmal so komisch und…und die Küche brannte. Einfach so! Ohne, dass ich was gemacht habe, ich habe heute die Küche nicht einmal betreten!“, fügte sie hastig hinzu, hoffte, dass er ihr glaubte. Immerhin geschah es nicht selten, dass man einfach auf dem Herd was vergaß, die Zigarette nicht richtig ausmachte oder eine Duftkerze hatte stehen lassen. Doch Grayce war keine Frau, die was vergaß und stehen ließ, sie hatte nicht einmal in der Wohnung geraucht, mochte es einfach nicht, wenn die ganze Bude wie deine Räucherlachsfabrik roch auch wenn sie es jetzt wohl oder übel dennoch tat! „Eigentlich sollte es ein ruhiger Tag werden…und jetzt sowas.“, verzweifelt schielten ihre braunen Augen hinauf zu ihrer Wohnung, aus der immer noch grauer Rauch emporstieg, doch schienen die Feuerwehrmänner das Feuer unter Kontrolle zu haben und bis auf ihrer Wenigkeit schien es auch allen anderen Bewohnern gut zu gehen, auch wenn sie aus der Ferne bereits erkennen konnte, wie man ihr zornige Blicke zuwarf, ein Mann auf sie zeigte und wütend auf den Boden spuckte. „Die Nachbarn hassen mich jetzt, weil sie glauben, dass ich in meiner jungen Schusseligkeit schuld bin, dass die Wohnung abgefackelt ist.“, murmelte sie leise vor sich hin, warf ihren Blick wieder Gordon zu, ihn leicht anlächelnd. „Tut mir leid, ich..ich wollte dir nicht die Ohren blutig plappern, du hast sicher noch zu tun oder willst nach Hause..“, die Blondine warf ihm einen entschuldigenden Blick zu, die Augen kurz senkend. Sie wollte ihn wirklich von nichts aufhalten, er hatte sicher auch ohne einer komischen jungen Frau zu tun gehabt. Ach, wie gerne sie selbst wieder nach Hause wollte, doch sie würden sie wohl kaum zurück in die Wohnung lassen, nicht in den nächsten Tagen, vielleicht sogar Wochen, doch wo sollte sie nun hin? Sie hatte nicht einmal Geld dabei, keinen Ausweis, ihr Führerschein lag irgendwo dort herum mit all ihrem Hab und Gut. Nicht einmal ihre Eltern konnte sie anrufen, damit sie sie abholten. Das würde eine lange und unangenehme Nacht werden, ihr war jetzt schon eiskalt. „Sagmal…denkst du sie lassen mich heute irgendwie im Krankenhaus übernachten? Ich glaube ich bin soeben obdachlos geworden.“, sie beugte sich ein wenig zu Gordon herüber, in der Hoffnung, dass er ihr vielleicht einige bestätigende Worte zusprechen konnte. Ach, jetzt begann sie allmählich zu realisieren, was ihr zugestoßen war, der Lockenkopf wollte eigentlich in keinem Krankenhaus übernachten, sie wollte nur ihr Zuhause wiederhaben, wollte mit Leopold auf der Couch kuscheln und zu Teleshopping einschlafen! Was hatte sie nur grauenvolles getan, dass das Universum sie nun so strafte? Wenigstens traf sie einen schönen Kerl, einen Helden in Uniform, der ihr ein gutes Gefühl gab. Doch dieses Gefühl würde wohl auch dahinschwinden, sobald auch er sie verlassen hatte, sobald alle weg waren und sie irgendwie alleine war, alleine mit ihrer Decke, die nicht einmal ihr gehörte und dem armen, heimatlosen Leopold.

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