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Mrs Lovett
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BeitragThema: Re: Überrasch mich...   Do Okt 04, 2012 11:13 pm

Hatte er da wieder Tränen aus den Augenwinkeln des Kleineren im fahlen Licht der Flammen glänzen sehen? Natürlich, jetzt zeigte sich der eigentliche Ray, verletzlicher wie eh und je, dass man nicht anders konnte als leise aufzuseufzen. Vielleicht waren die letzten Worte auch ein klein wenig zu hart gewesen, so gemein wollte Christian dann auch nicht werden aber…nein, nein genug Mitleid verteilt, er sollte endlich aufhören mit diesen Gewissensbissen, diesmal hatte er nun wirklich nichts getan außer, dass er er selbst war und dies konnte man ihm nun wirklich nicht vorwerfen, nicht jetzt!
Der Braunhaarige ließ seine Arme nach unten sinken, hörte für einen Moment mit dem Polieren des Pokals auf, seinen Ex- Freund mit abschätzigen Augen musternd. Manchmal frage er sich wirklich, warum er sich eigentlich anfangs all die Mühe gemacht hatte, damit wenigstens ihre Freundschaft aufrecht erhalten bleiben könnte, wo er in den Sommerferien doch nach langem Überlegen schon längst zum Entschluss gekommen war, dass der Kleinere nicht einfach so von Beziehung zu Freundschaft wechseln konnte und was würde er nur tun, wenn Chris wieder einen neuen Freund haben würde? Würden sich die Situationen wie der großen Halle dann wiederholen? Müsste er sich dann um seien Privatsphäre sorgen, die jeden Augenblick von diesem Jungen zertrümmert werden könnte, der die Tatsache nicht wahrhaben wollte, dass sie nicht mehr zusammen waren?
Ach wieso verstand Ray ihn nicht, so ging es ihnen besser, das war einfach besser so, wenn sie nicht mehr auf diese Art zusammen waren, denn so ersparte der Jüngere ihm mehr Leid als nötig, so ersparte er ihm das böse Erwachen und sich das zusätzliche Gefühl, hätte er ihn mit einem anderen Kerl in den Korridoren erwischt, denn genau davor hatte der Sechstklässler am meisten Angst- dass ihm ein Ausrutscher passieren würde und er wusste, dass es irgendwann passiert wäre, es schlummerte nur irgendwo, darauf wartend, dass Chris diesen furchtbaren Fehler begann.
Doch Ray musste erst einmal laufen lernen, er konnte sich nicht eine Ewigkeit an seinen ersten Freund binden, das war nicht gut für ihn.
Und dennoch, wieder einmal hatten sie sich wegen der Sache in den Haaren und es schien einfach kein Ende nehmen zu wollen und das, wo sie gerade mal den zweiten Tag in Hogwarts verbrachten. Chris hatte wirklich Angst, dass es ewig so weitergehen würde. Vielleicht war es ja besser, würden sie gar nicht mehr miteinander reden oder sich in irgendeiner Form treffen, sie brauchten Abstand, das hatte er ihm bereits gestern gesagt und dennoch, jetzt schon wieder, waren sie gemeinsam hier und nicht anders wo mit anderen Menschen, die sie mit anderen Dingen ablenkten.
Grauenvoll, einfach nur grauenvoll.
Aber wenigstens hatte sich der Gryffindor nicht später noch herrlich über die ganze Sache ausgelassen und war nicht auf die Fragen der Mädels eingegangen, es hätte ihn ehrlich gesagt auch ein klein wenig gewundert, das wäre nun wirklich nicht seine Art gewesen, nicht einmal mit verdrehtesten Sinne.
Dass sie ihr Beziehungsaus nicht lange geheim halten konnte, war dem Gelockten schon klar gewesen und eigentlich wussten es ohnehin ganz viele, aber das unnötige Drama darum wirbelte die ganze Sache nur noch stärker auf, dass sie wahrscheinlich für zwei Wochen länger als eigentlich eingeplant das Gesprächsthema schlecht hin bleiben würden und genau solch eine Sache wollte Chris stets vermeiden, denn genau dies machte man doch- die, die einem lieb waren zu schützen und sich möglichst nicht auf irgendwelche Leute einlassen, die vielleicht eben genau die Menschen mit ihrem angeeigneten Wissen verletzen konnten. Aber jetzt war es sowieso egal, sie müssten sich dann eben mit penetranten Schülern herumplagen, ein Glück war der Dunkelhaarige Vertrauensschüler, er hätte ihnen sonstwas aufbrummen können, damit sie ihn endlich in Ruhe ließen.
Erneut musste er leise aufseufzen, als die Worte des Kleinen in seine Ohren drangen, wenigstens besaß er den Mumm und entschuldige sich, doch irgendwie bekam Chris das Gefühl nicht los, dass es ihm eigentlich gar nicht leid tat aber vielleicht kaum es ihm auch nur so vor, schließlich brodelte die Wut immer noch unter seinem fein gebügelten Hemd und er konnte sie auch nicht so schnell hinunterschlucken, es war einfach nicht möglich.
In Bruchteil von Sekunden tat ihm all das leid, was er zu ihm gesagt hatte, Chris wollte nicht, dass Ray seinetwegen so unglaublich aufgewühlt war, denn auch wenn sich alles in ihm davor sträubte seinen Worten zu glauben, hatte er dennoch Recht mit dem, was er sagte- gestern Abend hatte der Gryffindor einen unglaublich großen Fehler gemacht und nun tat er so, als wäre dieser Fehler nie geschehen, dabei wühlte dieser klitzekleine Kuss so vieles auf…auch in ihm und genau das machte ihm so unglaubliche Angst und um die Angst schnellstmöglich zu vertreiben, brauchte er schlichtweg Ablenkung, die der Größere nun mal in Matt finden konnte. Jeder ging mit solchen Sachen anders um und Ray musste wohl erst jetzt klar geworden sein, dass sein geliebter Ex- Freund gar nicht so ein tolles Sonnenscheinchen war.
„Ach Ray, du nervst mich doch nicht, du reagierst einfach immer s unglaublich schnell über.“, erwiderte der Jüngere nach einer Weile des betretenen Schweigens anschließend, seine Stimme hatte nichts Aggressives oder gar Wütendes in sich, nein, eigentlich sprach sie sogar sanft zu dem kleinen Häufchen Elend, das nun neben den Regalen kniete. Seine Hände stellten den Pokal wieder achtlos in die Vitrine, den Lappen danebenlegend, ehe sich die langen Beine langsam auf den Dunkelhaarigen zubewegten. Mit einer Hand fuhr er über das lockige Haar, blickte besorgt hinunter. Was redete er da nur? Er hatte genauso viele Rechte wie Chris selbst, es sollte niemand in irgendeiner Form mehr einstecken als der andere…zumindest wünschte der Braunäugige sich dies, auch wenn es wahrscheinlich nicht ganz möglich war.
„Ach jetzt rede doch keinen Quatsch, mach dich nicht selbst noch zusätzlich nieder, das bringt nun wirklich nichts.“, Chris ging langsam in die Hocke, schenkte dem Kleinen ein entschuldigendes Lächeln, ehe er behutsam seine Hand auf dessen Schulter legte. Es brach ihm jedes Mal das Herz, wenn seine Augen Ray in diesem Zustand erblickten und jeglicher schlechte Gedanke schien wie verflogen zu sein, stattdessen blieb die Schuld an ihm kleben, fraß ihn förmlich von innen heraus auf und dieses Gefühl war eindeutig eines, was er nicht allzu gern verspürte. Chris wollte am liebsten seine Arme um den Älteren schlingen, er wollte ihn trösten und ihm sagen wollen, dass alles wieder gut werden würde und dass er es eigentlich nicht so gemeint hatte, doch war es nicht immer dieselbe Leier? Hatten sie dies nicht schon so unglaublich oft hinter sich, dass Chris seinem Ex- Freund förmlich hinter rannte und versuchte all seine schlechten Gefühle im Keim ersticken zu lassen? Er sprang so oft für ihn herum, er musste nur ein paar kleine Tränen auf seinem Gesicht erscheinen lassen und schon war sein Chris an seiner Stelle und breitete die Arme aus, damit es ihm besser ging.
So konnte Ray doch gar nicht erst lernen, alleine auf den Beinen zu stehen, Chris hielt ihn doch selbst andauernd davon ab, weil er immer noch gewohnt daran war, alles für ihn zu tun und ihn vor jeglichem Bösen und Schlimmen zu bewahren und er liebte ihn doch noch viel zu sehr, als dass er ihn wegstoßen könnte, das würde er wahrscheinlich niemals in seinem Leben übers Herz bringen. Doch nun war genug. Beinahe erschrocken starrte er in das Gesicht des Anderen, zog rasch seine Hand wieder zurück, so als hätte er einen elektrischen Schlag bekommen. Wollte Ray dies vielleicht sogar damit bezwecken, dass er erneut zu ihm gekrochen kam und alles für ihn machte? Nein, nein, er durfte jetzt nicht so paranoid denken, es war nun einmal seine Art, er war so schrecklich emotional und es war sicherlich nicht seine Absicht gewesen, Chris hatte einfach schlimme Dinge gesagt, Dinge, dies teilweise knallhart auf den Punkt brachten und Dinge, die schlichtweg verletzen sollten und dies hatte er anscheinend geschafft. Also warum Schuldgefühle zeigen, warum wieder alles zurücknehmen, wenn sein Unterbewusstsein genau dies auslösen wollte?
Mit einer schnellen Bewegung erhob der Kurzhaarige sich wieder von der Hocke, seine Miene verhärtete sich, den Jungen mit ausdruckslosen Augen anblickend. „Es tut mir leid, Ray, aber so können wir nicht weitermachen. Es ist immer das Selbe- du weinst und ich komme um dich zu trösten. Wie soll dies eine Distanz zwischen uns schaffen, wie sollen wir uns von irgendwas erholen?“, erneut legte Chris einen Kopf schief.
„Und das mit Matt war keine Absicht…zumindest am Anfang nicht. Es ist meine Art und der Kuss war ein großer Fehler, verstehst du? Vergiss ihn am besten, lösch ihn aus deinem Gedächtnis und bilde dir nichts darauf ein. Wir sind kein Paar mehr und wir können auch nicht für immer in diesem Zwischending stecken bleiben, wir müssen vorankommen, du musst vorankommen. Und jetzt steh bitte auf, ich will schnell fertig werden.“, fügte der Gelockte nach einer Weile ernst hinzu, Ray ein weiteres Mal musternd, ehe sein Körper sich herumdrehte und mit langen Schritten zurück auf seinen Platz eilte, sich den nächsten Pokal schnappend, sein eigenes Spiegelbild in dem vergoldeten Metall betrachtend. Er hätte am liebsten irgendetwas zertrümmert, er war so wütend, auf Ray, auf seinen Hauslehrer, auf diese verdammten Pokale und besonders auf sich selbst. Egal, was er auch tat und sagte, er wusste, dass er seinen ehemaligen Geliebten so oder so verletzen würde und es war einfach nur frustrierend, so frustrierend, dass er am liebsten gegangen wäre, dass er jetzt viel lieber in seinem Himmelbett liegen würde, um diesen verdammten Tag endlich hinter sich bringen zu können, der nun wirklich absolut gar nichts Gutes in sich trug, nicht einmal ein klitzekleines Fünkchen.

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Ced

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BeitragThema: Re: Überrasch mich...   Fr Okt 19, 2012 1:41 pm

Er versuchte, die Tränen zu unterdrücken. Das war doch langsam überflüssig, oder nicht? Er wirkte wie ein kleines unselbstständiges Kind. Sicher, irgendwo war er das vielleicht sogar ein wenig, aber Kinder wurden erwachsen und er war mittlerweile sechszehn. Nur noch ein halbes Jahr und dann war er volljährig. Scham mischte sich in seine undefinierbaren Gefühle, die immer wieder ausbrachen. Wieso schaffte er es nicht, sich unter Kontrolle zu halten?
Er hob leicht den Kopf und blickte in die Richtung, aus der Chris‘ Stimme kam. Seine Worte klangen nicht mehr hart, nicht mehr wütend, sondern weich und mitfühlend. Konnte dass denn nicht immer so sein? Das mochte er doch viel lieber. Ein wenig weiteten sich seine braunen Augen, als Chris doch tatsächlich seine Arbeit unterbrach, um sich um ihn zu kümmern. Die liebkosenden Finger in seinem Haar, dieser sorgende Blick, wäre diese Situation nicht so unendlich traurig und intransparent, dann hätte er jetzt bestimmt gelächelt, ein wenig, ganz unbeschwert und glücklich bei dem Gedanken, dass es jemanden gab, der sich seiner annahm, weil er ihn liebte. Aber leider war das keine Liebe, zumindest nicht die Art von Liebe, die er sich in diesem Moment wünschte, sondern nur das Mitleid seines Ex-Freundes. Die Worte des anderen rieselten wie ein warmer Sonnenregen auf seinen Geist, diese tröstenden Zugeständnisse, diese echte Besorgnis. Chris setzte sich zu ihm auf den Boden und legte seine warme Hand auf seine leicht bebende Schulter. Ein weiterer innerlicher Ruck durchfuhr Ray, ergoss sich über sein Gesicht. Wie sollte er denn mit alle dem fertig werden? Wenn er nur einmal den Tränen nahestand und Chris ihm sofort zu Füßen lag? Wenn alles so war... wie früher? Das bedeutete doch, dass er Chris immer noch wichtig war, dass es eben doch irgendwie noch so war, wie es vorher gewesen war. Dass diese gewünschte Distanz doch nicht so gewünscht war und dass die angeblich treulose Liebe anscheinend doch ziemlich treu war. Ray wirkte also immer noch auf den Gelockten, anziehend? Er wusste es nicht, aber es machte ihn konfus. Es gab so viel Widersprüchliches, so viel Unnatürliches, als würden sie ein Maskenspiel spielen, indem jeder mal eine andere Rolle ausprobierte und dabei viel zu oft scheiterte. Ray seufzte.
Er wollte Chris anfassen, seine Hand nehmen oder ihm über die Wange streichen, ihn an sich ziehen und nie wieder loslassen. Doch war Christian wirklich dafür bereit? Oder interpretierte Ray hier wiedereinmal zu viel in die ganze Situation hinein? Deutete er die Zeichen falsch, weil er sie falsch deuten wollte? Tat Chris das nicht alles, weil man genau das von ihm verlangte? Nicht aus freien Stücken, sondern aus verzerrenden Schuldgefühlen und heraufbeschworenen Gewissensbissen? War Ray nicht ein gemeiner Puppenspieler, der seinen kindlichen Charme ungeniert ausnutzte? Man schluckte und doch hob man leicht die Hand, wollte den anderen berühren. Ob es wirklich klug war? Der beinahe sofortige geschockte Ausdruck in den geliebten Gesichtszügen beantwortete die unausgesprochene Frage. Er hatte mit allem gerechnet nur nicht damit. Dieser verletzte und unglaublich entsetzte Ausdruck ihm gegenüber. Was hatte er nur getan? Er war zu weit gegangen. Das Gefühl abermals kläglich versagt und Chris durch das eigene unüberlegte und unangebrachte Verhalten selbst verschreckt zu haben, klang bitterlich in ihm nach. Jeden Schritt, den er auf Chris zuzumachen schien, brachte ihn doch nur weiter fort. Er war verdammt in seiner unerwiderten unglücklichen Liebe.
So schnell, wie Chris zu ihm geeilt war, so schnell wich er von seiner Seite, erhob sich in einem Ruck und starrte entschlossen zu seinem Anhängsel hinab. Ray blinzelte – unentschlossen, was er jetzt eigentlich tun wollte, sollte oder konnte – zu ihm hoch. Was würde jetzt passieren? Vermutlich kam jetzt das Ende. Sein Bauchgefühl sagte ihm das. Chris sprach die Gedanken aus, welche sich beide bereits gemacht hatten. Es war immer das Gleiche. Aber er schien das eher negativ aufzufassen, während Ray darin das Positive sah. Es hatte sich nichts geändert. Sie waren immer noch Raymond Stevens und Christian Cartwright, beide Gryffindor, sie waren immer noch Ray und Chris, welche die Finger nicht von dem anderen lassen konnten – oder wollten? „Vielleicht weil sich nichts geändert hat...?“ flüsterte Ray „Weil... im Grunde noch alles so ist, wie du es nicht wahr haben willst?“
Und wer sagt, dass ich mich erholen will, indem ich mich distanziere? Ich will bei dir bleiben Chris. Bitte schick mich nicht fort, okay? Bitte.
Fehler. Fehler. Es war ein Fehler. Kein Paar. Fehler. Zwischending. Fehler. Vorankommen. Fehler. Er blinzelte perplex. Alles, was er gerade gehört hatte, hatte er schon sooft gehört und dennoch traf es ihn doch jedes Mal wie ein vernichtender Schlag. Sein Magen zog sich zusammen, ihm war, als würde er für einen Moment, in dem sein Herz aussetzte, keine Luft bekommen. Wie in Trance erhob er sich und schaute seinem Mitschüler hinterher. Ja, das war er. Ein Mitschüler, nichts weiter. Es hatte viel mehr Abschließendes in seinen Worten gegeben. Er sollte vergessen. Aber wie sollte er denn so etwas vergessen? Auch wenn es ihn verwirrt hatte, es war eine schöne Erinnerung, die ihm bestätigte, dass er Chris doch noch nicht vollkommen egal war. Aber Chris wollte, dass Ray vergaß, dass auch er Fehler machen konnte. Aber das machte ihn doch nur menschlich und umso liebenswerter. Mit einem schweren Seufzen widmete er sich wieder seiner Strafe. Wieso konnte nicht alles so werden wie früher?
Irgendwann kam ihr Hauslehrer, brachte ihnen zwei Gläser Kürbissaft und ließ sie dann mit der noch unvollendeten Aufgabe allein. Erst als der Glockenturm halb eins schlug, stellte Ray seinen letzten Pokal in die dafür vorgesehene Vitrine zurück. Er streckte seine Arme, gähnte müde. Es war ein anstrengender, wirklich aufreibender Tag gewesen. Das kühle Glas zwischen den Fingern drehend schaute er kurz zu Chris, der auch nicht mehr sonderlich lange zu brauchen schien. Er sollte den Kussabend vergessen, sollte ihn aus seinem Gedächtnis löschen. Ein trauriges Lächeln umspielte seine Lippen, als er den Zauberstab aus der Tasche zog und ihn an die Schläfe setzte, er schloss die Augen. Wenn diese Erinnerung so viel Chaos verursachte, wollte er sie auch nicht länger haben.
„Ich bin fertig.“ teilte er mit und stellte das Glas neben das andere. „Ich habe vergessen.“
Die Tür zur großen Halle schlug hinter ihm zu. Er versuchte sich an den Abend zu erinnern, er hatte geweint und musste irgendwann ins Bett gegangen sein, zumindest war das nächste, an das er sich erinnerte, dass er aufgestanden war und es einen unglücklichen Zwischenfall im Bad der Gryffindors gegeben hatte. Er machte sich auf den Weg in die Schlafsäle.
Silbrig schimmernd wand sich auf dem Boden des eben ausgetrunkenen Glases der zurückgelassene Erinnerungsfaden...

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BeitragThema: Re: Überrasch mich...   Mi Okt 24, 2012 8:58 pm

Christian versuchte das alles nicht mehr an sich ranzulassen, es machte doch absolut keinen Sinn, wenn er sich weiter den Kopf über die ganze Sache mit Ray zerbrach! Vielleicht hatte er ja sogar Recht mit seinen Worten behalten, vielleicht hatte sich auch nichts geändert..ach was, natürlich hatte sich nichts geändert, sie liefen immer noch Kreis und kamen zu keiner wirklichen Einigung, sie kamen einfach nicht zum Ende, weil der Kleinere ihn nicht verlassen wollte und er selbst ihn schlichtweg nicht alleine lassen konnte!
Wie sollte da irgendwer von ihnen vorankommen, wie sollten sie ein normales Leben führen, wenn sie so sehr an dem alten klammerten? So schwierig es auch sein mochte, Chris würde ab heute den Gryffindor alleine lassen müssen, er würde nicht mehr über seine Schulter sehen und ihm schützend einen Arm um die Schulter legen, wenn er wieder den Tränen kam. Er brauchte einen anderen, der diese Dinge übernahm.
Der Gelockte wagte nur selten einen Blick auf die andere Seite, Ray dabei musternd, wie er seine Strafarbeit bewältigte, jedoch rasch wieder wegschauend, als sich ihre Blicke für einen Moment lang trafen, sich selbst auf seine Arbeit konzentrierend- es war erstaunlich wie schnell man sich vergessen konnte, wenn man stundenlang mit einem alten Lappen die zahlreichen Pokale auf Hochglanz polierte, in gewisser Weise war es sogar sehr meditativ und lenkte von den eigentlichen Problemen ab, sodass der Jüngere sogar die Zeit zu vergessen schien und sogar irgendwann seine dunklen Augen nicht mehr die schmächtige Gestalt des Anderen suchten, nur um zu sehen, wie es ihm erging und ob er immer noch so furchtbar niedergeschlagen war. Irgendwo konnte er ihm doch nur leidtun, wie er über ihre Trennung nicht hinweggekommen war und wie ihn das alles schrecklich mitzunehmen schien, so schlimm, dass er sogar hier die mit ihm stand und irgendwelche Dinge tat, die er nicht zu tun brauchte, schließlich war er nicht der Mensch, der für Ärger sorgte oder dem man irgendwelche Strafarbeiten aufbrummte und nun schien Chris ihn auch in dieser Hinsicht verändert zu haben. Manchmal fragte der Braunhaarige sich, ob es nicht besser gewesen wäre, hätten sie nie zueinander gefunden, wären sie niemals zusammengekommen und das auch noch für so eine lange Zeit. Man musste nicht unglaublich schlau sein um zu erkennen, dass er ihm nicht wirklich gut getan hatte, dass er ihn regelrecht in einigen Hinsichten verdorben hatte und selbst jetzt, wo sie nichts mehr zu verbinden schien, machte er es ihm auch nicht im Leben leichter.
Vielleicht war dies eines der vielen Flüche, die der Größere in sich trug, hochansteckende Flüche, die ihm gar nicht erst erlaubten ein normales Leben zu führen, selbst wenn er es dringend gewollt hätte. Er war nun mal kein Heiliger, aber dass er so verkorkst war…das wunderte selbst ihn.
Seine dunklen Augen blickten kurz hoch, als ihr Hauslehrer erschien, ihnen wenigstens noch etwas Trinkbares mitgebracht hatte, während sein Blick prüfend über die getane Arbeit huschte. Er schien zufrieden zu sein, ließ die beiden allerdings weiter arbeiten, schließlich waren immer noch einige Gegenstände unberührt gewesen.
Es fühlte sich beinahe unecht an, als der Dunkelhaarige das letzte golden glänzende Stück Metall in die Vitrine stellte, zufrieden seine getane Arbeit betrachtend. Er wusste gar nicht so genau wie lange sie gebraucht hatten, doch in den Korridoren schien es unglaublich ruhig zu sein und keine Menschen- oder gar Geisterseele schien sich im Schloss zu bewegen, es war sicherlich schon spät Nachts und wenn Chris so daran dachte wie wenig Schlaf er bis morgen bekommen könnte, trieb es regelrecht die ansteigende Müdigkeit in seine Knochen, zwang ihn zur Erschöpfung. Der Jüngere legte den Lappen beiseite, kurz die Hände betrachtend, die vom ganzen Polieren mittlerweile zu schmerzen begannen. Seltsam…dass es ihm erst jetzt aufgefallen war, doch vorher waren sie viel zu beschäftigt um wehzutun, um irgendwelche Anzeichen der Erschöpfung zu geben, jetzt jedoch fragte er sich allen Ernstes wie er es geschafft hatte so lange ein und dieselbe Sache zu tun, immer und immer wieder?! Und wie zur Hölle sollte er morgen nur anständig im Unterricht mitschreiben, seine Hände fühlten sich so an als würden sie jeden Augenblick abfallen! Und dennoch hatte der Gryffindor es irgendwie geschafft seinen Becher zu umfassen, sich einen großen Schluck Kürbissaft genehmigend ehe sein Blick wieder zu Ray wanderte, zum ersten Mal nach so vielen Stunden. Ihr Timing war gut, sie waren beinahe gleichzeitig fertig geworden und konnten sich gleich ins Bett fallen lassen, in die kuschelig warmen Federn, die in diesem Augenblick wie der Himmel auf Erden erschienen. „Dafür, dass es so viele sind, haben wir das doch schnell bewältigt.“, murmelte der Dunkelhaarige mit einem leichten Lächeln, den Becher irgendwo abstellend, ehe er seinen dünnen Körper streckte, dabei ein leises Gähnen entweichen lassend, kurz aus den hohen Fenstern des Schlosses blickend. Er konnte nichts draußen erkennen, nicht einmal die Sterne oder gar den Mond, die wahrscheinlich von den dichten Regenwolken, die über das Schulgelände ihre Bahnen zogen, verdeckt worden waren, die Ländereien noch düsterer wirken ließen. Ach, Herbstwetter waren einfach nicht sein Ding und obwohl sie gerademal Anfang September hatten, erschien ihm die Welt da draußen bereits einen Monat weiter zu sein. Verloren in seinen Gedanken über alles um ihn herum hatte er kaum die Stimme des Kleineren vernommen, geschweige denn gesehen, was er eigentlich in diesem Moment so trieb, erst viel zu spät drangen seine gesprochenen Worte in seine Ohren, ihn verwirrt aufschauend. „Vergessen?“, sein Kopf drehte sich leicht zur Seite, Rays Gesicht suchend, erkannte jedoch nur seine Silhouette, wie sie den Korridor entlang ging, sich zu den Treppen bewegend. Hätte er denn nicht wenigstens noch auf ihn warten können oder was sagen können? Der Gelockte stieß ein genervtes Seufzen aus, langsam den Kopf schüttelnd, ehe er selbst ein Bein vor das nächste setzte, sich dabei im Vorbeigehen mit müden Augen das Resultat ihrer Bestrafung betrachtend, als er plötzlich etwas fein Silbriges in einem Glas liegen sah, gleich neben der Vitrine. Chris wusste, dass es ganz sicher nicht zu den Pokalen gehörte, doch was zur Hölle war es dann?
Schnell eilten die langen Beine auf das unbekannte Objekt zu, danach schnappend, anschließend das Glas kritisch betrachtend. Ein hell leuchtender Faden wölbte sich in dem Behälter, einsam und verloren, aus dem Inneren einer Person entnommen. Sofort wurde dem Gryffindor klar, was Ray mit vergessen eigentlich meinte. Aber konnte es wirklich sein- konnte dies die Erinnerung an jeden Abend sein, von dem er bat ihm aus dem Gedächtnis zu löschen? Wie konnte er es nur so wörtlich nehmen, wie konnte er so dämlich sein und ihm die Erinnerung überlassen, sie einfach hier liegen lassen und dann abzuhauen?!
Herrgott, er meinte das doch nicht so, warum übertrieb dieser Junge nur immer so unglaublich? Es war ihm ein Rätsel und es trieb erneut die brodelnde Wut ab, die seine Sinne zu befallen schien. Was tat Ray sich nur immer wieder an, so einfach gingen die Dinge doch nicht!
Mit zusammengezogenen Augenbrauen verstaute er die Erinnerung in seiner Hosentasche, eiligen Schrittes das Pokalzimmer verlassend, dem Älteren folgend. Er wusste nicht wo er all die Kraft nur herbekommen hatte, wie er trotz der Müdigkeit förmlich zu den bewegenden Treppen hin stampfte, beinahe hinunterfallend, als diese plötzlich zu ruckeln begann und ihn in eine andere Richtung schicken wollte, doch der Braunhaarige fand schnell wieder den Boden unter seinen Füßen, anschließend weitereilend.
Kurz vor dem Portrait der fetten Dame erkannten die dunklen Augen die schmale Gestalt seines Ex- Freundes. „Ray!“, rief er ihm etwas lauter entgegen, beschleunigte seine Schritte noch ein wenig, ihn anschließend bei der Schulter packend, den Körper herumwirbelnd.
Zornig funkelte er den Dunkelhaarige an, das Glas aus der Tasche herausfischend, ihm es anschließend präsentierend. „Was sollte das?“, presste er zischend hervor, den Blick auf das schmale Gesicht fixierend.
„Du sollst es doch nicht so vergessen! Ich möchte nicht, dass du irgendwelche Dinge aus deinem Kopf entfernst und sie mir dann übrig lässt. Was wenn wir Muggel wären, dann könntest du es dir auch nicht so leicht machen! Hier, ich will sie nicht, sie ist nicht meine ist deine und sie gehört in dein Köpfchen hinein, beim Merlins Bart, wieso muss das immer so theatralisch ablaufen!“, er wollte ihn eigentlich nicht erneut so angiften, doch langsam langte es ich, er wollte nicht schonwieder an so einem Blödsinn schuld sein, er wollte nicht mal wieder die Verantwortung für das hier tragen und er wollte ganz bestimmt nicht die Erinnerung an den vergangen Kuss mit sich herumtragen, seine eigene reichte ihm da völlig aus. „Wo kämen wir hin, wenn wir das bei jedem Problem machen und jeden Blödsinn wörtlich nehmen? Hier, Ray, pflanz sie dir wieder ein und ich hoffe für dich, dass du das tust!“, seine langen Finger zerrten am Handgelenk des anderen, drückten ihm das Glas mit dem silbernen Faden wieder in die Hand. „Ich glaub es einfach nicht…was kommt nur als nächstes, wirst du jemanden einen unverzeihlichen Fluch aufhalsen?!“, spottete der Jüngere, ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen musternd, ehe sein Körper an dem Jungen vorbeirauschte, der fetten Dame das Passwort entgegenrufend, anschließend in das Portraitloch steigend. Christian hatte sich extra beeilt, damit er bereits im Bett sein konnte, wenn sein Ex den Schlafsaal betrat, schnell rauschte er am Gemeinschaftsraum vorbei, hoch zu den Schlafräumen der Jungs. Der Gelockte zückte seinen Zauberstab, leise „Lumos.“ murmelnd als ein hell leuchtender Punkt am Ende des Zauberstabs erschien und den Weg zu seinem Bett beleuchtete. Alle anderen hatten bereits geschlafen, hin und wieder hörte er sogar einige der Jungs lauf aufschnarchen, verzog dabei das Gesicht zu einer unzufriedenen Miene- Kerle waren wirklich Idioten, sie waren wohl das letzte, was ihn gerade in irgendeiner Form reizte und daran war nur Ray schuld, mit seiner Unschuldsmiene und seiner Naivität und seinen Dummheiten. Beim Merlins Bart, wieso konnte er nicht so sein wie all die anderen, dann wäre es ihm sicherlich einfacher gefallen, ihn einfach so hinter sich zu lassen und zu vergessen…aber nein, er war schließlich derjenige, der Ray hieß, der sein Herz gestohlen hatte und immer noch nicht wiedergeben wollte..vielleicht sogar nie wieder.

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